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Ohne einen Cent durch Neuseeland – ein Experiment!

Ohne einen Cent durch Neuseeland – ein Experiment!

Neuseeland! Darauf freuten wir uns schon lange! Trotz seiner einmaligen Natur und vielseitigen Möglichkeiten für Outdoor-Liebhaber ist „NZ“ keine typische Destination für eine Weltreise. Zu teuer. Die Lebenshaltungs- und damit die typischen Reisekosten wie Essen, Unterkunft und Transport liegen auf europäischem Niveau. Da Biene vor 10 Jahren (manoman, wo ist die Zeit nur geblieben?!) fast ein halbes Jahr kreuz und quer über die beiden Inseln reiste und dabei das Land kennen- und lieben lernte (und genauso lange Uli schon von dem kleinen Nachbarn Australiens vorschwärmt, ähem) war klar, dass wir auf unserer Weltreise unbedingt einen Abstecher ins Land der 1 Million Schafe machen werden!

Aber nicht einfach so, wie es die meisten bereisen: Campervan mieten und raus ins Grüne. Wie in Australien ein eigenes Fahrzeug zu kaufen kam zeitlich für uns auch nicht in Frage. Gleichzeitig waren wir nach fast 2 Jahren Dauerreise an einem Punkt angekommen, wo es uns schlicht zu langweilig wurde, ein Land so zu bereisen wie es sich am einfachsten anbietet. Wir brauchten eine Herausforderung.

Wanderung_BIeneNach den hitzebedingt eher faulen Monaten in der Südsee brannten außerdem unsere Wanderschuhe darauf, mal wieder aus den Rucksäcken gepackt zu werden und zum Einsatz zu kommen. Bei Nadine & Philippe lasen wir zum 1. Mal vom Te Araroa Track. Ein 3.000 km langer Wanderweg einmal quer von Nord nach Süd durch Neuseeland! Klang perfekt!

…Nachdem wir allerdings ausgerechnet hatten, dass wir mit diesem Vorhaben ungefähr 3-6 Monate durch Neuseeland wandern würden, haben wir den Plan für diese Reise verworfen.

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Uli trampt

Eine andere Idee war, ausschließlich per Anhalter durch Neuseeland zu reisen. Wenn sich ein Land für das Trampen eignet, dann ist es wohl Neuseeland: sehr niedrige Kriminalitätsraten, äußerst hilfsbereite Einheimische, gute Infrastruktur. Und während wir hier keineswegs (!) jemanden zum Trampen ermutigen wollen, hatten wir als Paar auch sicherheitstechnisch keine Bedenken hinsichtlich dieser Form des Reisens.

Letztendlich beschlossen wir, die beiden Ideen zu kombinieren. Wir wollten die schönsten Etappen des Te Araroa Trails wandern, außerdem 2-3 der „9 Great Walks“ laufen und die größeren Distanzen dazwischen per Anhalter zurück legen.

Daraus entstand eine persönliche Herausforderung an uns selbst: ohne Transportkosten jeglicher Art beide Inseln Neuseelands zu bereisen! Einmal von Nord nach Süd. In 5 Wochen!

Geht das überhaupt?? fragt ihr Euch nun sicher.

Soviel schon vorweg genommen: Wir haben es geschafft!

72 Mitfahrgelegenheiten und mehrere Hundert Kilometer auf Schuster’s Rappen brachten uns von Cape Reinga – der nördlichste Punkt der neuseeländischen Nordinsel – bis nach Dunedin im Süden der Südinsel! Yeah!

map new-zealand_US

Hier seht ihr unsere Reise-Route durch Neuseeland! (per Anhalter in blau, Wanderungen in weiss)

Es war eine geniale Zeit und durch die andere Art zu reisen durften wir mal wieder ganz neue Erfahrungen sammeln. Wir sahen und erlebten vieles aus einem anderen Blickwinkel als in den vorherigen Ländern unserer Reise.

Auch ein Highlight für uns: Wir lernten unterwegs viele Einheimische (und andere Reisende) kennen und führten viele spannende Gespräche abseits der wiederkehrenden Themen unter Reisenden à la „Wo kommt ihr hier? Wie lange reist ihr schon?…“ Schon fast nebenbei war auch die Natur Neuseelands wunderschön.

Tongariro Alpine Crossing

Das kleine Land hat sich damit definitiv einen Platz auf den vorderen Rängen der Top-Länderliste unserer Reise gesichert! Neuseeland rockt!

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Warum und wie, könnt ihr hier in den kommenden Beiträgen lesen.

…und natürlich anschauen! Für alle, die lieber Berge als Strände sehen, gibt es nach den Monaten in der Südsee nun auch wieder was zum schwärmen. Wir haben viele wir-wollen-sofort-auch-nach-Neuseeland-Fotos im Gepäck, versprochen! 🙂

Unsere einsame Insel – das Paradies der Südsee!

Unsere einsame Insel – das Paradies der Südsee!

Wir haben das Paradies gefunden. Das Südsee-Paradies.

Eine kleine Insel, abgelegen mitten im Pazifik. Ungefähr 3 Kilometer lang und nur 500 Meter breit. Rundum umsäumt von goldfarbenem, feinem Sandstrand. Davor eine langgezogene türkisfarbene Lagune. Darauf viele Kokospalmen, 3 einfache Unterkünfte und eine Strandbar. Und wir haben es ganz für uns.

Und jetzt sind wir in einem Zwiespalt. Warum? Weil wir unser Inselparadies nicht teilen, sondern für uns behalten wollen. Ganz schön egoistisch, was? Aber die Insel soll genauso bleiben, wie sie ist. Ein Geheimtipp, der nur am Lagerfeuer im Tausch gegen Rum an andere Reisende weiter gegeben wird. Fernab von Massentourismus und Pauschalangeboten. Denn großer Teil seines Charmes ist eben auch, dass außer uns keiner da ist.

Deshalb verraten wir hier nicht den Namen unseres tonganischen Inselparadieses. Dafür nehmen wir Euch für einen Tag mit uns mit auf die Insel:

Ein Tag im Paradies

Von draußen hören wir Vogelgezwitscher. Wir schlagen noch etwas verschlafen die Augen auf. Unser kleiner Bungalow liegt noch im Dämmerlicht, erst langsam vertreiben die ersten Sonnenstrahlen die nächtliche Dunkelheit. Wir kruschteln das Mosiktonetz zur Seite und springen aus unserem Bett. Bikini und Badehose liegen schon griffbereit. Vor unserem Bungalow strecken wir die Arme in die Luft und die Zehen in den Sand. Hand in Hand gehen wir die wenigen Meter über den Strand. Wir springen in das trotz der frühen Stunde schon angenehm warme Meer. Dieses erste Bad des Tages direkt nach dem Aufstehen ist besonders herrlich!

Anschließend setzen wir uns vor unseren Bungalow und lesen. Schnell sind wir wieder trocken. Wir hören, dass in der Küche bereits gewerkelt wird. Also laufen wir durch den Sand zu der etwas weiter hinten stehenden Hütte. Unsere Gastgeber Maria und Soni sind schon beim Frühstück. Wir setzen uns dazu und trinken unseren Kaffee. Soni hat das Radio an, seine einzige Verbindung zum Festland. Das Telefon ist die meiste Zeit ausgesteckt. Um Strom zu sparen. Wichtig ist eigentlich eh nur der Wetterbericht. Und der kommt nach dem aktuellen Fährplan und den Todes- und Geburtstagsmeldungen des Landes im Radio.

Nach dem Kaffee springen wir wieder ins Meer, bevor wir uns mit unseren Büchern in die beiden Hängematten unter Palmen verziehen. Maria und Soni rächeln derweil die in der Nacht herabgefallenen Blätter am Strand zusammen. Aber nicht allzu lange. Selbst im Schatten wird es inzwischen heiß. Für die nächsten Stunden ist auch für sie süßes Nichtstun angesagt. Am liebsten sitzen sie dann unter den Bäumen im Sand und schauen auf’s weite Meer. Wir machen mit. Wenn uns die Sonne zu sehr auf die Bäuche brennt, gehen wir planschen. Dann verkrümeln wir uns wieder in die Hängematten. So vergehen die Stunden.

Wir bekommen langsam Hunger. Aus unserem vom Festland mitgebrachten Vorräten kochen wir. Für Biene gibt es zum ersten Mal seit 5 Tagen wieder etwas anderes als Reis ohne alles. Sie hat sich noch in Nuku’alofa eine lästige Fischvergiftung zugezogen. Gut für die Bikini-Figur 😉 Als wir anfangen zu essen, legt sich das junge Ferkelchen auf unsere Füße, dass von seiner Mutter verstoßen wurde und jetzt von Maria mit der Hand aufgezogen wird. Wie ein Hund rennt es ihr überall hin hinterher. Nach dem Essen springen wir wieder ins Meer. Anschließend pendeln wir zwischen Liegestuhl, Sand und Hängematte. Die Sonne brutzelt vom blauen Himmel. Nicht ein Wölkchen trübt die Südsee-Idylle. Uli hält Siesta. Biene geht in der Zwischenzeit kayaken.

Zurück in die Hängematte. Über uns rauschen die Palmblätter im lauen Wind. Wir fragen uns, was für ein Tag heute eigentlich ist. Wir kommen nicht drauf. Aber eigentlich ist es auch egal.

Die Sonne sinkt tiefer. Maria und Soni machen sich auf ihren täglichen Gang ins dicht bewachsene Inselinnere, um Kokosnüsse für die Schweine aufzulesen. Denn die fressen hier ausschließlich frisches Kokosfleisch. Unsere Essensreste werden missbilligend grunzend verschmäht. Und da sage noch jemand, was für ein Schweineleben!

Heute Abend kocht Soni für uns. Zum Dank dafür, dass Uli gestern seine beiden kaputten Generatoren repariert hat und es jetzt wieder Strom gibt. Zu essen gibt es frischen Fisch, gebratenes Hühnchen, Bananenchips, Yam und Maniok. Zu trinken gibt es Limonade aus frisch gepressten Limetten. Das Ferkelchen knabbert Uli am Zeh. Es gibt erst Ruhe, als er es mit dem Fuß am Bauch krault. Dann quiekt es vor Vergnügen.

Zeit für den Sonnenuntergang. Biene ist für den Sundowner-Cocktail zuständig. Mit frisch gepflückten Limetten schmeckt der Cuba Libre nochmal doppelt so gut. Uli bringt in der Zwischenzeit unser Lagerfeuer am Strand in Gang. Wir sitzen an unserem Liebligsplatz auf dem noch warmen Sand, mit bestem Blick auf den schon orange verfärbten Horizont. Neben uns steht diese eine Palme, die nicht geradewegs nach oben wächst, sondern knapp über dem Strand bis ins Meer ragt. Wie direkt von der Postkarte hierher verpflanzt.

Die Sonne nähert sich dem Horizont und taucht alles in ein goldenes Abendlicht. Dann ist es soweit. Als glutroter Feuerball versinkt die Sonne geradewegs im Meer. Der Himmel verfärbt sich in Schattierungen von zironengelb bis dunkelviolett.

Wir liegen noch lange am Strand. Sehen die ersten Sterne am Firmament aufleuchten und zu einen funkelnden Sternenhimmel werden. Der Mond geht auf. Es ist beinahe Vollmond. Der silberne Mondschein leuchtet uns den Weg auf den wenigen Metern über den Strand zu unserem Bungalow. Wir springen nochmal unter die Dusche. Schließlich schlafen wir zum Rauschen der Wellen ein.

…just another day in paradise!

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

BOOOOOOM boooom! Wir stehen direkt am Kraterrand. Schooouusch schooouuuusch!! Immer wieder. SCHOOOOUUUUSCH!! Vor uns geht es steil hinunter ins Auge des Vulkans! Nur wenige Meter liegen zwischen uns und dem blubbernden Magma. Boooom booooom! Unter unseren Füßen spüren wir, wie die Erde bebt! BOOOOOM!

Über uns steigt eine pechschwarze Aschewolke Hunderte Meter hoch in den Himmel! Der Anblick ist unvergesslich! Wieder erzittert die Erde. Schoooooousch! Dieses Mal speit der Vulkan zusätzlich zur Asche glühende Lavabrocken hoch über unsere Köpfe hinweg in die Luft! Waaaaahnsinn!

Es wird heiß und funkig!Wir ducken uns instinktiv. Dann schauen wir uns mit großen Augen an, nicken und gehen Hand in Hand noch einen winzigen Schritt näher an den Abgrund. Noch weiter geht wirklich nicht. Sonst kullern wir den steilen Abhang hinunter. Direkt unter uns sehen wir eine von schwarzen Brocken übersäte Mondlandschaft. Einige der zu Stein gewordenen Lavabrocken dampfen noch. Rotgoldenes Magma fließt zurück in die 3 Krateröffnungen. Wir blicken direkt in den Schlund des Vulkans Yasur.

Vergessen der teure Flug, die mühselige dreistündige Anfahrt quer über die Insel auf der Ladefläche eines Pick-ups, für die wir als weißhäutige Palangi doppelt soviel bezahlen mussten wie die einheimischen Mitfahrer – und die so holprig war, dass wir danach an den unmöglichsten Stellen blaue Flecke hatten. Auch dass wir danach erst einmal eine Stunde mit einem neuen Freund zu dessen Dorf in die entgegen gesetzte Richtung liefen, um letztendlich nur seinen Generator zu reparieren. All das ist hier und jetzt im Angesicht des Vulkans nicht mehr wichtig. Was zählt ist dieses unglaubliche Schauspiel der Kraft der Natur.

Deshalb sind wir hier. Auf Tanna Island. Auf Vanuatu. Vor uns liegt der aktivste Vulkan der Welt! Besser gesagt: Wir stehen oben drauf!

Nicht nur uns hat der Vulkan Yasur nach Tanna Island gelockt. Der 361 m hoch aufragende Vulkan war der Grund, warum Entdecker James Cook im Jahre 1774 Vanuatu überhaupt erst entdeckte. Er beschrieb den nachts dauerhaft in rot-goldenen Leuchtschein gehüllten Vulkan poetisch als den Leuchtturm der Südsee.

Uncle Yasur besitzt in der Tat ein feuriges Temperament. Seit 800 Jahren bricht der Vulkan kontinuierlich alle paar Minuten aus. Auch jetzt ist es wieder soweit. Die Erde erbebt ein weiteres Mal. Gefolgt von einem ohrenbetäubendem Knall fliegen uns die Lavabrocken um die Ohren. Der Soundtrack ist gewaltiger als es die weltbeste Dolby Surround Soundanlage schaffen könnte. Eher so, als würde direkt neben einem ein Düsenjet durchstarten.

Wir setzen uns mit gebanntem Blick einige Meter weiter hinten auf eine etwas verloren wirkende Bank. Dort machen wir uns die 2 Bier auf, die wir den steilen Aufstieg hier hoch getragen haben. Prost! Auf Weihnachten! Und auf Stefan, dessen Nervenkitzel-Geschenk wir für den saftigen Eintrittspreis zum Vulkan eingelöst haben (wie bereits hier gesagt: auf Vanuatu ist JEDER Quadratmeter Land in Privatbesitz. Auch ein Vulkan. Wobei das diesen kaum interessieren dürfte…).

DANKE, STEFAN! DANKE!

Während wir im heißen Angesicht des feuerspeienden Vulkans unsere eisgekühlten Bierchen trinken, haben wir wieder einen dieser Momente, in denen uns in aller Deutlichkeit bewusst wird, wie winzig klein und unbedeutend wir Homo Sapiens doch sind. Vielleicht wäre unsere Welt ein Stückchen besser, wenn mehr Menschen hin und wieder auf einen aktiven Vulkan steigen würden…

Die nächsten 2 Stunden verbringen wir in ehrfürchtiger Faszination. Alle paar Minuten erklingt ein gewaltiges Grollen aus dem Inneren der Erde, und dann – whooooom- schießt mit ohrenbetäubenden Knalls inmitten riesiger Aschewolken glühende Lava in die Höhe!

Wir setzen uns ganz dicht an den Kraterrand. Hier haben wir beste Sicht auf die exklusive Vorführung. Mit ein paar anderen Backpackern aus England blödeln wir herum. Uli wirft einen herum liegenden Stein in den Krater hinunter. Was dann passiert, ist absolut unglaublich: der Stein rollt direkt in eine der Krateröffnungen und GENAU in dem Moment, als er in den Schlund eintaucht, bricht der Vulkan mit einer gewaltigen Explosion und ohrenbetäubendem Fauchen aus! Die Lavaföntane ist rieeesig, die aufsteigende Aschewolke enorm! Yasur hat uns die Provokation eindeutig übel genommen! Lerne: Lege Dich nie mit einem brodelndem Vulkan an!! 😀

Wir glauben, das war es jetzt. Eindrucksvoller geht nicht. Aber es kommt noch viel besser. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Szenerie absolut unfassbar. Der Himmel ist trotz Vollmond pechschwarz, Wolken verdecken heute jegliches Himmelslicht. Ideale Bedingungen. Einzig die flüssige Lava glüht rot und orange in der pechschwarzen Nacht. In den 3 Krateröffnungen brodelt und blubbert es. Abwechselnd schießt aus den Löchern flüssiges Magma, Rauch und Gas in den Himmel! Und jedes Mal wenn wir nach einer gewaltigen Explosion denken „woooow, also höher geht es echt nicht mehr“ – belehrt uns der nächste Ausbruch eines Besseren.

Erst kurz vor Mitternacht können wir uns von dem Spektakel lösen und machen uns auf den steilen einstündigen Abstieg. Zum Glück hat die Wolkendecke etwas aufgerissen und wir können den Weg unter unseren Füßen zumindest erahnen.

Noch Stunden später sitzen wir vor unserem Zelt und blicken zum Gipfel des Vulkans, der die Wolken über ihm orange-rot erleuchtet. Kaum 2 km Luftlinie entfernt, können wir Yasur sogar in unsere Schlafsäcke gehüllt noch fauchen hören. Davor versuchten wir, unter der Dusche all die Asche wieder von unserer Haut und aus unseren Haaren zu bekommen. Vergeblich… Noch Tage später sollten wir Aschepartikel an uns finden!

Natürlich können wir am nächsten Morgen noch nicht einfach so wieder abreisen. Zu beeindruckend ist dieses Feuerwerk der Natur. So beschließen wir nach einem kostenlosen Weihnachts-Frühstück noch eine Nacht hier zu bleiben.

Für den Nachmittag leihen wir uns ein Snowboard aus. Ja genau, ein Snowboard! Wir wollen auf dem Vulkan Ascheboarden gehen. Auf der Windseite wird all die Asche abgelagert, die der Wind mit sich trägt. So entstehen hinter dem steilen Vulkankegel weitläufige Aschefelder. Wo einst Gras wuchs, ist heute nur noch grau Ebene. Nur am Rand der Aschefelder trotzen noch einzelne Bäume der Asche. Ungefähr so muss Pompeji aussehen, denken wir uns. Durch die Ascheablagerungen wächst der Vulkan unaufhörlich weiter. Auch wir sind schon nach kurzer Zeit wieder von oben bis unten von einer dünnen Schicht Asche bedeckt. Aber selbst an der besonders steilen Seite der Vulkanwand rutscht das Brett eher langsam durch die Asche als rasant darauf zu gleiten. Und da wir nun schon auf halbem Weg nach oben sind…beschließen wir, uns an der Vulkanwand durch die Asche bis zum Krater hoch zu kämpfen (nebenbei umgehen wir so auch den erneut fälligen Eintrittspreis an der Kasse. Schwäbische Backpacker halt 😉 ).

Alles läuft gut. Wir sind schon fast oben. Nur noch ungefähr 10 Meter fehlen uns zum Kraterrand. Dicke Aschewolke beim Ausbruch des Mt. YasursAuf einmal grollt es tief im Inneren der Erde. Es folgt ein gewaltiger Vulkanausbruch. Und dann – dreht plötzlich der Wind. Statt wie bei den vorherigen Ausbrüchen über unsere Köpfe hinwegzuziehen, rollt eine pechschwarze Wolke die Vulkanwand hinunter und direkt auf uns zu. Uns rutscht das Herz in die Hose.

Werden wir jetzt gleich ohnmächtig? Was für Gase werden denn da so ausgespuckt? Wir setzen uns auf den Boden, verbarrikadieren uns so gut es geht hinter dem Snowboard und halten uns Taschentücher vor Mund und Nase. Der Gestank ist im wahrsten Sinne des Wortes für einen Moment atemberaubend. Aber weiter passiert uns nichts. Als die Wolke schließlich weiter zieht, atmen wir tief durch. Nochmal Glück gehabt.

Schnell laufen wir durch die tiefe Asche die letzten Meter hoch zum Krater. Hier setzen wir uns ein wieder an den Kraterrand und schauen ebenso gebannt wie tags zuvor dem Vulkan zu. Es ist, als würde man an einer besonders spannenden Stelle im Film die Fernbedienung nehmen und die gleiche Szene immer wieder abspielen lassen: glutrote Lava wird hoch in den Himmel geschleudert, bevor sie als solide Felsbrocken mit Karacho wieder im Kraterschlund landen.

Und bevor ich nun mit noch mehr Worten versuche, dieses gigantische Erlebnis ausbrechender Vulkan zum 2. Mal zu beschreiben, schaut Euch doch lieber das Video davon an!

Vorhang auf für Yasur:

Hai-Tauchen auf Fiji! Ultimativ bombastisch!

Hai-Tauchen auf Fiji! Ultimativ bombastisch!

2 Tage später im Süden der Insel bei Pacific Harbour…

Alle gemeinsam tauchen wir zügig ab. Unsere Gruppe aus 7 Tauchern bleibt eng zusammen. Sicherheitshalber. Auf 30 Metern angekommen, knien wir uns wie im Tauchbriefing auf dem Boot angewiesen hinter einer niedrigen Mauer aus toten Korallen auf den Boden. Die Bodyguards postieren sich über, hinter und neben uns. Sie halten lange Alu-Stangen zum wegdrücken, sollte einer der großen Raubfische zu neugierig werden.

Ob ich aufgeregt bin? Und wie! Sogar richtig nervös. Als mich die Aufregung letzte Nacht lange wach hielt versuchte ich mir den Moment vorzustellen: wie es wohl sein würde, das erste Mal einem Hai ins Auge zu blicken? Ohne Käfig, nur wenige Kubikmeter Wasser zwischen mir und dem Jäger der Meere? Allein die Vorstellung ließ mein Herz schneller schlagen… Und ausgerechnet an diesem Morgen habe ich mir bei einem Fehltritt mit dem Rucksack auf dem Rücken auch noch die Knie blutig aufgeschlagen.

Und dann ist es auch schon soweit. Über unseren Köpfen treffen immer mehr Haie ein. Große Bullenhaie, die 3-4 m lang sind. Sie ziehen majestätisch ihre Kreise. Sie wissen, dass es gleich etwas zu fressen gibt. Die aufgekratzten Knie sind vergessen – und sowieso sicher im Taucheranzug verpackt. Zu fesselnd ist es, zuzusehen, wie sich die großen Raubtiere immer weiter nähern.

Die Fütterer holen die ersten Happen Fisch aus einer an Seilen herunter gelassenen Tonne. Noch greift kein Hai zu. Es dauert eine Weile, die Jäger lassen sich Zeit. Die Haie sind nicht auf die viermal pro Woche statt findenden Fütterungen angewiesen. Sie kommen freiwillig, weil es leichte Beute für sie ist. Die Menge die verfüttert wird, ist nicht genug um einen Hai zu sättigen. Und das wird ganz bewusst so gehalten. Das natürliche Jagdverhalten der Haie soll durch die Fütterungen so wenig wie möglich beeinträchtigt oder verändert werden. Deshalb sind bei jeder Fütterung wissenschaftliche Beobachter dabei, die alles genau aufschreiben: welche Haie kommen, welcher wieviel frisst und so weiter. Die Daten werden gewissenhaft ausgewertet. Anhand von ihnen konnte schon viel über das natürliche Verhalten der Tiere gelernt werden. Manchen Haien wurden zusätzlich kleine Empfänger angebracht, die ihre Bewegungen im Meer aufzeichnen. So weiß man inzwischen, dass während der Wintermonate nicht nur wegen der Paarungszeit weniger Tiere kommen – sondern auch, weil viele Haie zu dieser Jahreszeit in eine andere Region des Südpazifiks migrieren – dorthin, wo gerade die Schildkröten schlüpfen. Während der Sommermonate tummeln sich pro Fütterung bis zu 100 der massigen Tiere in der Arena – heute kreisen „nur“ 15-20 Bullenhaie über unseren Köpfen. Aber ganz ehrlich – das ist faszinierend genug!

Und dann schwimmt der erste Hai auf einen der beiden Fütterer zu, schnappt sich den am lang ausgestreckten Arm gehaltenen Thunfischkopf und zieht knapp über unseren Köpfen vorbei! So nah, dass ich instinktiv den Kopf einziehe. WOOOW! Adrenalin rauscht durch meinen Körper. Das hier, das ist überwältigend! Jede Angst ist vergessen, es überwiegt pure Begeisterung, diesem Schauspiel beiwohnen zu dürfen!

Ca. 20 Minuten dauert die Fütterung der Bullenhaie. Jede einzelne davon ist der pure Wahnsinn. Alle zwanzig vergehen wie im Flug!

Nachdem sich die meisten Bullenhaie wieder in die blaue Weite des Ozeans zurückgezogen haben, bekommen wir das Zeichen zum Aufstehen. Möglichst ohne hektische Bewegungen steigen wir auf 15m auf. Hier knien wir uns wieder hin. Nun werden die Riffhaie gefüttert. Ohne die Dominanz ihrer größeren Artgenossen holen sich hier Weissspitzen-Riffhaie, Schwarzspitzen-Riffhaie, Grauspitzen-Riffhaie, Ammenhaie und Sichelflossen-Zitronenhaie ihre Beute ab. Ich erkenne 3 der Spezies. Die Riffhaie sind kleiner als die massigen Bullenhaie, dafür kommen sie noch näher. Manchmal müsste ich nur die Hand ein klein wenig ausstrecken oder den Kopf heben, um einen der wendigen Räuber im Vorbeischwimmen zu berühren. Nicht, dass ich mich getraut hätte. Außerdem wurde uns im Vorfeld natürlich nahe gelegt, die behandschuhten Hände und Arme nah am Körper zu halten. Auch Verlängerungsstäbe für die Kameras sind aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Überhaupt hat Sicherheit oberste Priorität. In einem ausführlichen Sicherheitsbriefing auf der 20-minütigen Fahrt zum Tauchrevier wurde uns der Ablauf der Tauchgänge sowie die Verhaltensweisen und Instruktionen für den Notfall (Panik, Sauerstoffknappheit etc.) in allen Einzelheiten erklärt. Ich fühle mich in guten, professionellen Händen. Nach weiteren 20 Minuten pulsbeschleunigender Fütterung steigen wir um weitere 10 m auf.

Auf 5 Metern werden die Riffhaie nochmals gefüttert. Das ist wohl mit Abstand der aufregendste Safety-Stopp, den man als Taucher machen kann 😀 Selbstverständlich versuchen neben den Haien auch alle möglichen anderen der bis zu 400 verschiedenen Riff-Fischarten ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Um uns Taucher herrscht ein wuseliges, kunterbuntes Gedrängel – immer wieder unterbrochen von heranjagenden Haien.

Zurück auf dem Boot gibt es Tee & Kekse. Während dem notwendigen Oberflächen-Intervall vor dem nächsten Tauchgang erklärt uns Papa viel über die Arbeit der Beqa Adventure Diver (BAD). Es ist in erster Linie ein Konservationsprojekt zum Schutz und Erhalt der Tiere. Denn in den letzten 10 Jahren hat es der Mensch geschafft, die Bestände vieler Haiarten um fast 90 Prozent zu dezimieren. Viele gelten mittlerweile als vom Aussterben bedrohte Spezies. Rund 140 Millionen (!) Haie sterben jedes Jahr durch Menschenhand (einen sehr großen Anteil daran hat die die Nachfrage des asiatischen Marktes auf Haiflossen. Suppen aus dem eigentlich geschmacklosen Fleisch gelten dort als Delikatesse). Im Vergleich dazu: im Jahr 2014 kam es zu genau 7 tödlichen Hai-Angriffen auf Menschen.* Hättet ihr gedacht, dass jährlich mehr Menschen beim Knipsen von Selfies ums Leben kommen als bei Hai-Angriffen?* Verschwinden die Tiere, die im Meer am oberen Ende der Nahrungskette stehen und so für eine natürliches Balance an den Riffen sorgen, hat das langfristig verheerende Auswirkungen für das maritime Gleichgewicht.

Die BAD versuchen, genau das zu verhindern. Durch die Ermöglichung von Begegnungen zwischen Tauchern und Haien sollen möglichst viele Menschen über diese Zusammenhänge und das Verhalten der Spezies aufgeklärt werden. Außerdem werden durch diese Einnahmen Maßnahmen zum Schutz der Tiere und Aufklärungskampagnen finanziert. Durch ihre Arbeit haben sie mittlerweile erreicht, dass 2014 das gesamte Shark Reef unter Naturschutz gestellt und zum ersten Marine Park Fijis erklärt wurde. Selbst die traditionellen Besitzer des Riffes profitieren davon: Als Kompensation dafür, dass sie an ihrem Riff nicht mehr fischen, erhält ihr Dorf für jeden Taucher eine Nationalpark-Gebühr. Dieses Konzept wird inzwischen an mehreren Orten weltweit erfolgreich eingesetzt.

Und dann springt der Adrenalin-Spiegel nochmal sprunghaft an. Es geht zum 2. Tauchgang zurück ins Wasser. Wieder steigen wir als Gruppe eng beieinander auf 30 m ab. Zum Abschluss der zweiten Fütterung der Bullenhaie herrscht auf einmal Nervosität! Die Sicherungstaucher und Fütterer geben sich untereinander hektisch Zeichen und plötzlich ist Aufregung zu spüren. Was geht hier vor sich? Was ist passiert? Dann macht einer der Bodyguards das Zeichen für Tigerhai und tatsächlich – nur wenige Sekunden später sehe ich ein 6 Meter langes Exemplar der größten Hai-Spezies aus der blauen Weite des Ozeans auftauchen!! Wooow! Schnell legen wir uns flach auf den Boden. Der riesige getigerte Fisch umkreist die Fütterer einige Minuten lang, schnappt sich die angebotenen Fischhappen und verschwindet dann genauso geheimnisvoll wie er plötzlich auftauchte wieder in den blauen Tiefen!

Im Anschluss geht es auf 15m nochmals zur Fütterung der Riffhaie. Nach dem gerade Erlebten ist es immer noch einmalig, wenn die Haie nur wenige Zentimeter vor mir ihr Maul aufreißen und unmittelbar über mir hinweg ziehen – aber vielleicht nicht mehr ganz so eindrucksvoll wie beim 1. Tauchgang. Auch ans Bewundern der Korallen während des anschließenden Safety Stopps auf 5 Metern ist nicht zu denken! Zu eindrücklich zieht der Tigerhai vor meinem inneren Auge immer noch seine Kreise. Das Adrenalin ist auf Rekordhoch!

Ich erfahre erst hinterher auf dem Boot, was für ein unfassbarer Glück wir tatsächlich hatten: Pro Jahr kommen Tigerhaie im Schnitt nur zu etwa 4 Fütterungen. Der letzte Tigerhai tauchte vor 3 Monaten auf!

Und bevor ich nun weiter mit Worten versuche zu beschreiben, wie #unglaublichhammerfettbombastisch# dieser Vormittag mit den Jägern der Meere war, könnt ihr hier in HD quasi live dabei sein (nein, die Kamera hat keinen Zoom! Alles was nah aussieht war auch nah):

Noch 2 Wörter zum Schluss:

Generell unterstützen wir Praktiken wie das Anfüttern von Wildtieren, mit denen in das natürliche Verhalten der Tiere eingegriffen wird, nicht! In diesem Fall hat uns aber unsere Recherche überzeugt, dass damit viel Gutes erreicht wird. Die Chance, den großen Haien wie Bullen-, Tiger und Weissen Haien in der freien Wildbahn über den Weg zu schwimmen, ist außerdem sehr gering. Entgegen ihrem Ruf sind die Jäger scheue Tiere. Und dieses Erlebnis kommt wohl mit am nächsten an eine natürliche Begegnung - ganz anders als aggressives Hai-Käfigtauchen! Abschließend kann ich sagen, dass diese Tauchgänge mit Abstand die eindrücklichsten Begegnungen mit Wildtieren waren, die ich jemals gemacht habe!

 

Dieser Eintrag in unserem Reisetageblog entstand ohne inhaltliche Einflussnahme in Kooperation mit Beqa Adventure Divers. Jedes Wort der Begeisterung oder der Kritik entspringt unserer persönlichen Erfahrung.

*Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/158200/umfrage/anzahl-der-haiangriffe-weltweit/

Eine Wildwasserrutsche, die Datumsgrenze und viel Kava – Fiji pur auf Taveuni & Vanua Levu

Eine Wildwasserrutsche, die Datumsgrenze und viel Kava – Fiji pur auf Taveuni & Vanua Levu

DIE GARTENINSEL TAVEUNI

Mit dem kleinen Hotelboot geht es nach 3 Tagen endlich wieder zurück nach Taveuni. Taveuni wird auch Fiji’s Garteninsel genannt. Auf der tropisch immergrünen Insel wird ein Großteil des fijianischen Gemüses angebaut. Das Innere der Insel ist mit dichtem Regenwald bewachsen, relativ unzugänglich und Naturschutzgebiet. Hier regnet es ganzjährig viel. Auf der Insel gibt es nur eine richtige Straße entlang der Westküste. Diese ist den größten Teil der 50 km geschottert und ein reifengroßes Schlagloch jagt das Nächste. Nur einen kurzen Spaziergang von der Hauptstraße aus teilt der 180. Längengrad die Insel in Ost und West! Damit würde genau genommen genau hier die Internationale Datumsgrenze verlaufen. Damit aber nicht die Bevölkerung im Osten Taveuni’s im Verhältnis zum Rest des Landes im Gestern lebt und Fiji nicht in 2 Zeitzonen geteilt ist, wurde die Internationale Datumsgrenze kurzerhand drumrum verlegt. Wenn ihr Euch mal die Datumsgrenze auf dem Globus anschaut, könnt ihr erkennen dass in der ansonsten schnurstracks verlaufenden Linie ein großes Eck ist – genau dort liegt Taveuni 🙂

Wir bekommen einen Lift und fahren ganz in den Süden der Insel. Hier wollen wir am Vuna Riff schnorcheln, das genau vor der Küste liegt. Allerdings brauchen wir zuerst einen Schlafplatz. In Fiji leben die Menschen außerhalb der Städte noch in engen Dorfgemeinschaften zusammen, deren Oberhaupt ein Chief ist. Da der Chief von Vuna gerade nicht zuhause ist, lassen wir uns von den Kindern des Dorfes zu dessen Stellvertreter führen. Dieser erlaubt uns, am Strand zu campen. Damit kommt unser in Australien gekauftes Zelt zu seinem ersten Einsatz. Hier kommen nicht oft Touristen her und wir sind die Attraktion für die Dorfjugend, die uns enthusiastisch beim Zeltaufbau hilft. Die Kinder zeigen uns auch, wo im Meer die Frauen baden und wo die Männer ins Meer springen (beide Geschlechter in T-Shirt und Shorts). Geschnorchelt sind wir letzten Endes nicht, dafür haben wir spannende Begegnungen mit den Menschen des Dorfes. Vor unserer Abreise am nächsten Morgen werden wir noch mit Papayas, Kokosnüssen und Cassava überhäuft.

Dann geht unsere Reise mit einem alten Bus bei fröhlicher Inselmusik wieder zurück in den Norden. Unser nächstes Ziel ist ein kleiner Geheimtipp. In der Nähe des Dorfes Waitavala gibt es einen rauschenden Gebirgsbach. Die Felsen im Flussbett wurden im Laufe der Jahrzehnte vom Wasser abgeschliffen und irgendwann fingen die Jungs des Dorfes an, die rauschenden Fluten hinunterzurutschen. Klar, dass wir diese natürliche Wildwasserrutsche ausprobieren müssen 😀

Ein paar einheimische Jungen zeigen uns sofort hilfsbereit die Abschnitte an denen es sicher ist zu rutschen. Das Wasser ist eiskalt und die Strömung schnell. Wir stürzen uns abenteuermutig in die Fluten, werden wie in einer Waschmaschine durchgewirbelt, an den Stromschnellen untergetaucht und 100 m flussabwärts wieder ausgespuckt. Es ist ein fantastischer Spaß!

Seht selbst, wie wild die Fahrt in der Wildwasserrutsche ist:

 

Die einheimischen Jungs sind wahre Experten. Sie surfen stehend flussabwärts und haben jede Menge anderer waghalsiger Tricks drauf. Nach 2 Rutschdurchläufen haben wir uns genügend blaue Flecken geholt und springen mit den Buben an einer tiefen Stelle noch einige Male von den bis zu 5 m hohen Felsen ins Wasser. Ein genialer Nachmittag!

Früh am nächsten Morgen wollen wir mit der Fähre weiter auf die Insel Vanua Levu. Daher haben wir eigentlich vor, für die kurze Nacht in der Nähe der Warft unser Zelt aufzuschlagen. Als wir auf dem Weg zur Waitavala Waterslide aber eine der Dorfbewohnerinnen nach dem Weg fragen und mit ihr ins Gespräch kommen, lädt sie uns kurzerhand ein, bei sich zu übernachten. Wir können quasi gar nicht ablehnen.

Was folgt, ist einer der authentischsten Abende in Fiji und das beste Beispiel für die großartige Gastfreundlichkeit der Fijianer. Obwohl wir sagen dass wir nicht besonders hungrig sind, besteht Francis darauf, für uns Abendessen zu kochen. Es gibt köstlichen, frischen gefangenen Mahihami, Cassava und Reis. Nach fijianischer Tradition isst nur der Mann im Haus (Jim, Francis' großer Bruder) mit uns den Gästen, Francis und die Kinder essen erst im Anschluss. Für uns sehr ungewohnt! Zum Essen sitzen wir auf geflochtenen Bastmatten auf dem Boden und essen mit den Händen. Francis und Jim sind ausgezeichnete Gastgeber und wir erfahren an diesem Abend viel mehr über die Geschichte, Politik, Kultur und Sprache Fijis als wir ansonsten die Chance gehabt hätten. Nach dem Essen spielen wir mit den Kindern Indian Karum, eine Art Tischbilliard bei der Mühlesteine mit den Fingern geschnipst werden. Zum Schlafen wird uns im Esszimmer ein Lager aus Bastmatten auf dem Boden ausgebreitet. Noch im Morgengrauen macht uns Francis Frühstück bevor uns Jim zur Fähre fährt. Alles außer unserem "Dankeschön" wird vehement abgelehnt.

VANUA LEVU

Nach 1 1/2 Stunden Bootsfahrt erreichen wir Vanua Levu, Fiji's zweitgrößte Insel. Mit dem lokalen Bus geht es in weiteren 2 Stunden auf dem Hibiscus Highway über die Insel und wir sehen, dass auch Vanua Levu sehr grün ist. Unser Ziel ist die kleine Stadt Savusavu. Hier hat es etwas außerhalb auch nochmal einige tolle Schnorchelspots. Außerdem gibt es einen Yachthafen, einen Markt und heiße Quellen, in denen die Frauen abends ihr Essen garen.

Da es ansonsten in dem kleinen Städtchen nicht viel zu entdecken gibt, brechen wir 2 Tage später wieder auf nach Viti Levu. In einem langen Reisetag fahren wir zuerst 3 Stunden mit dem Bus in den östlichsten Zipfel Vanua Levu's. Von hier bringt uns eine vierstündige Fährfahrt zurück nach Viti Levu. Nochmal 2 Stunden später erreichen wir mit dem Bus wieder die Hauptstadt Suva. Nach einer weiterer halbstündigen Busfahrt kommen wir schließlich in derEco-Lodge des Colo-i-Suva Regenwaldes an.

COLO-I-SUVA

In der Eco-Lodge bleiben wir 2 Nächte und es gefällt uns richtig gut. Das Wetter passt zum Regenwald - es ist nieselig und regnet immer wieder. Perfektes Wetter, um unseren Blog auf Vordermann zu bringen. Und auf unserer überdachten Terrasse über den dampfenden Regenwald zu blicken und den exotischen Vögeln zu lauschen.

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Ka-ri-ji-ni! Schon der Name klingt exotisch, vielversprechend und irgendwie besonders. Und genau das ist der Karijini Nationalpark!

Gute 600 km von der Küste entfernt liegt er mitten im Herz der Pilbarra Region in Westaustralien. Und obwohl die Strecke Exmouth-Port Headland mit diesem Schlenker gute 200 km länger ist als deren Entfernung entlang des Küsten-Highways, entschieden wir uns, eine kleine Pause vom Meer einzulegen. Und den „Umweg“ haben wir keine Sekunde lang bereut.

Der Karijini reißt uns durch seine atemberaubende, einzigartige Landschaft in seinen Bann:

Dramatische rote Schluchten. Gewaltige Felsen in den bizarrsten Formen. Von Farnen und Palmen gesäumte Wasserfälle, die in tiefe, enge Canyons hinabstürzen. Versteckte natürliche Pools am Boden der Schluchten, in die wir teilweise nur gelangen, wenn wir im Wasser watend dem Flusslauf folgt. Darüber das Schatten spendende Blätterdach von weissen River Red Gums (weissstämmigen Eukalyptusbäume) und Paperbark Trees (Teebäume), das leise im Wind rauscht. Phänomenal!

Was wir auch sehr charmant finden: Anders als z.B. der Kalberri NP ist der Karijini nicht zugepflastert, sondern schön naturbelassen. Wir haben bei unserem Besuch strahlenden Sonnenschein. Regen fällt hier in der Wüste Westaustraliens nur sehr selten, aber wenn, dann sind die Wege schnell unpassierbar. Denn die Straßen des Park sind größtenteils – mehr oder weniger stark gerillte – Schotterstraßen. Da hüpft es sich auch bei gutem Wetter im Allradfahrzeug bequemer auf und ab 🙂

Bevor wir im Westen auf die eine Durchgangsstraße des Park einfahren, passieren wir 90 km vorher die kleine Minenstadt Tom Price. Der einzige Ort mit einem großen Supermarkt, einigen Shops und Handyempfang im Umkreis von ca. 600 Kilometern. Abgebaut wird hier eines der weltweit größten Eisenerz-Vorkommen. Wir machen frühmorgens für Lion King zum Aufwärmen noch einen kurzen Ausflug auf den mit 1.100 Metern höchsten per 4WD befahrbaren Berg Westaustraliens. Es dauert gut eine halbe Stunde, bis wir unseren Jeep die 2 km über die holprige Geröllpiste hinaufgequält haben. Oben wartet eine tolle Aussicht über die Hamersley Gebirgskette auf uns.

Mit frisch aufgefüllten Lebensmittelvorräten geht es anschließend los. Unsere ersten Halts im Park sind der Junction Pool Lookout und der Oxer Lookout. An dieser Stelle kreuzen sich gleich 4 Schluchten – die Weano, Hancock, Joffre und die rote Schlucht – was einen grandiosen Anblick ergibt.

In der Mittagshitze leuchten die steil abfallenden Felswände der Schluchten glutrot. Uns ist heiß und nach einem kurzen Lunch auf dem Parkplatz machen wir uns auf den Abstieg in die Weano Schlucht. Der Trampelpfad hinunter ist schmal und gleich daneben geht es steil in die Tiefe. Mehrere tödliche Unfälle haben sich in den Schluchten leider bereits ereignet. Vor allem bei Regen herrscht Absturz- und Sturzflutgefahr. Wir sind froh, an diesem Tag (ausnahmsweise) wie fast überall angeraten und von uns meist (und oft zurecht) leichtmütig ignoriert in festen Sneakers statt in FlipFlops unterwegs zu sein. Nach einer guten halben Stunde kommen wir am Boden des Canyons an.
Jetzt heißt es: Zehen ins kalte Wasser strecken. Wir folgen einem herrlich klaren – und eiskaltem – Flusslauf. An manchen Stellen ist das Wasser nur knietief, an anderen schwimmen wir durch die schmale Schlucht. Um uns herum die schönste Szenerie die wir uns vorstellen können. Wenn wir die Augen schweifen lassen, sehen wir magentarote Felswände, die fast 100 m direkt neben uns steil und majestätisch in den Himmel aufragen. Im lebendigen Kontrast dazu leuchtend grüne Palmen die zwischen den Felsen hindurch lugen. Und weissrindige Eukalyptusbäume, die Schatten spenden. Das kalte Wasser ist angenehm. Immer weiter folgen wir dem Fluss von Pool zu Pool und der Canyon wird immer schmaler. Ein bisschen kommen wir uns vor wie Indiana Jones auf Abenteuertour durch unentdecktes Terrain.

Teilweise ist die Schlucht so eng, dass wir nur hintereinander und im „Spinnengang“ kraxeln können, also jeweils ein Bein und einen Arm an jeder Seite der Felswand abstützen und uns diagonal vorwärts bewegen.

Am Ende wartet zur Belohnung und hinter Felsbroken versteckt der klarste natürliche Pool, den man sich vorstellen kann. Kreisrund und einladend liegt er vor uns, der Handrail-Pool. Bevor wir hinein springen können, müssen wir uns zuerst noch 2 Meter an einer Metallstange über die glatten Felswände nach unten hangeln. Und dann nichts wie hinein ins kühle Nass! Herrlich erfrischend. Dagegen kann jedes Freibad einpacken 😉

Später am Abend machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wasserfall in die Kalamina Schlucht, bevor wir am Rande von einem der Parkplätze kochen, ein Glas Wein trinken und bis tief in die Nacht Sterne schauen.

Am nächsten Morgen statten wir dem informativen und super aufgebauten Info-Center des Parks einen Besuch ab. Interaktive Displays zu den Themenbereichen Tier, Natur & zum frühen Leben der Aborigines sowie der ersten europäischen Siedler der Region lassen uns hier länger als geplant verweilen.

Deshalb ist es schon später Vormittag und entsprechend heiß (wobei die winterlichen 30 Grad nichts gegen die bis zu 50 Grad C sind, die hier in den Schluchten in den Sommermonaten herrschen), als wir uns auf in die Dales Schlucht machen. Der gut einstündige Pfad hinab in die beliebteste Schlucht des Parks ist schon erheblich mehr ausgebaut, abgesichert und nicht so anspruchsvoll wie tags zuvor in die Weano Schlucht. Dementsprechend treffen wir auch mehr Besucher am Fuße der Schlucht – wenn auch noch lange keine Massen. An den wunderschön über die Felsen plätschernden und beliebten Fortescue Wasserfällen machen wir nur kurz Rast, bevor wir einem kleinen, unausgeschilderten Trampelpfad zum Fern Pool folgen. Dieser wunderschöne tiefe Pool, der von Zwillings-Wasserfällen gespeist wird und so klar wie kalt ist, liegt eingebettet zwischen großen Eukalyptusbäumen und von Palmen gesäumt. Wir sind fast allein hier und die Atmosphäre an dieser versteckten Oase ist irgendwie besonders. Für die hiesigen Aborigines ist dieser Pool ein heiliger Ort – uns wundert es nicht, die Magie dieses Ortes ist fast spürbar.

Nach einem wunderbar erfrischenden Bad laufen wir die Schlucht entlang bis diese nach ca. 2 Stunden plötzlich abrupt endet und wir vor einem weiteren herrlichen Pool stehen. Auch der Circular Pool haut uns schier von den Socken – das Farbenspiel der Natur ist grandios: das tiefe Wasser des Pools schimmert grünlich (obwohl es absolut klar ist und sich kleine Fische darin tummeln), die senkrecht im Halbkreis aufragenden Felswände leuchten rot wie glühende Lava und der Himmel ist strahlend blau! Alles wirkt super intensiv!

Nach diesem Erlebnis glauben wir nicht dass eine weitere Schlucht das noch übertreffen kann und fahren spätnachmittags im Osten aus dem Park hinaus. Vor uns liegt ein kunstvoll durch die Gebirgszüge gehauener Highway, den wir uns nur mit riesigen Minenfahrzeugen und laaaaaangen Roadtrains teilen müssen. Es warten 300 km tiefrote Erde auf uns, bevor wir bei Port Headland wieder die Küste erreichen.

Der Karijini zählt auf jeden Fall zu unseren bisherigen Favoriten unter den australischen Nationalparks!

Verzauberter Circular Pool

Faszination Myanmar – 10 Besonderheiten eines ungewöhnlichen Landes

Faszination Myanmar – 10 Besonderheiten eines ungewöhnlichen Landes

Unser ursprünglicher Plan war, in 2 bis max. 3 Wochen durch Myanmar zu reisen. Pusteblume. Wir haben unser 28-Tages-Visum auf den Tag genau ausgenutzt. Fast hätten wir es sogar noch um 1-2 Tage überzogen. Myanmar hat nicht lange gebraucht, um uns in seinen Bann zu ziehen. Mit seiner Ursprünglichkeit hat es unsere Entdeckerherzen im Sturm erobert.
Es ist noch nicht lange, dass sich das exotische Land langsam der Welt öffnet. Viele Gebiete sind bis heute für Touristen gesperrt – sei es durch anhaltende Kämpfe des Militärs mit Rebellenarmeen der verschiedenen Volksstämme oder aufgrund von großflächigen Opiumplantagen, die uns hinter vorgehaltener Hand als Grund genannt wurden. Durch diese Abschottung haben sich viele nationale Bräuche erhalten und äußere Einflüsse auf Kultur, Kleidung, Bräuche etc. halten sich bislang in Grenzen.

In vielem hat uns Myanmar überrascht! Wir sind über Dinge gestolpert, die wir bisher nicht kannten und die für uns dieses Land in seiner Einzigartigkeit ausmachen. 10 dieser Besonderheiten haben wir hier zusammengestellt, um Euch dieses faszinierende Land mit seinen warmherzigen Menschen etwas näher vorzustellen und nicht nur als Nebendarsteller in unseren Tagesabläufen. 😉

# 1 Die Landesdroge: Betelnuss

Das Kauen der Betelnuss ist Volkssport in Myanmar. Es ist Sucht wie Gepflogenheit, vergleichbar mit dem Rauchen in deutschen Breitengraden. Getrocknete und klein gehackte Stückchen der Nuss werden zusammen mit einer Prise Kräuter, Zimt, Kardamonsamen und für den Geschmack wahlweise Tabasco in die mit einer weißen, seifenähnlichen Paste bestrichenen Betelblätter eingewickelt und zu mundgerechten Päckchen gefaltet.
Männer wie Frauen kauen die Päckchen. Beim Sprechen wird das Gemisch einfach in der Backe zwischen geparkt. Die Wirkung ist vergleichbar mit der von Koka. Unansehnlicher Nebeneffekt: Erhöhte Speichelproduktion. Dieser wird dann als rote Suppe alle paar Minuten ausgespuckt. Dadurch sind die ganzen Straßen und Gehwege in Burma wie von getrocknetem Blut rot-gefleckt. Was ordentlich eklig aussieht. Außerdem färbt der Betel die Zähne rot. Die ersten Male sind wir erstmal erschrocken, wenn uns eine freundliche Alte angelächelt hat und statt Zähnen rot verfaulte Stumpen aufblitzten.

Biene hat sich einmal am Betel kauen versucht und sich ein Päckchen in den Mund gesteckt. Der Geschmack war …gewöhnungsbedürftig. Es besteht keine Suchtgefahr.

# 2 Die Landestracht: Longyi

Dieser traditionelle Rock ist das überwiegend getragene Kleidungsstück von beiden Geschlechtern. Die Männervariante ist kariert und eine Art breiter Stoffschlauch. Vorn wird der Rock mittig gefaltet und der Knoten oben in den Rockbund eingeschlagen. Der Rock ist wie die Frauenversion ebenfalls knöchellang, wird von den männlichen Trägern aber auch schonmal auf Knielänge zusammen gerafft. Die Damenlongyis gibt es in den verschiedensten, wunderbar gewebten Designs. Sie werden wie Wickelröcke an der Seite eingeschlagen getragen. Dazu werden meist farblich abgestimmte Blusen kombiniert, die Männer tragen mehrheitlich Hemd zum Longyi.

Amüsantes Detail: Der Longyi sorgt für Gleichberechtigung. Wie in den Pausen unserer zahlreichen Busfahrten gesehen, müssen damit auch die Männer im Sitzen pinkeln. Uli beweist aber, dass es auch anders geht 😀

# 3 Der Landes-Look: Thanaka

Diese nationale Besonderheit fällt ins Auge und ist mit das erste, das uns in unseren ersten Stunden in Myanmar auffällt: Mehrheitlich Frauen aller Altersgruppen und Kinder haben eine hellbraune Paste im Gesicht aufgetragen. Mal kunstvoll in Spiralen, Punkten und feinen Mustern auf Wangen und Stirn, mal großflächig im ganzen Gesicht wie zu helles Make-up.
Die hellbraune Paste ist Sonnenschutz, Kosmetik und Schmuck zugleich. Sie wird aus der zerriebenen Rinde und dem Mark des Thanaka-Baumes hergestellt und zum Auftragen mit Wasser vermischt. Laut den Einheimischen ist Thanaka die Erklärung dafür, warum Burmesen – anders als die meisten anderen Asiaten – nicht an Hautproblemen leiden.

Biene probiert das kosmetische Wundermittel natürlich aus. Als die Paste erst einmal aufgetragen ist – wobei es gar nicht so leicht ist, dass es auch ästhetisch aussieht – entfaltet sie eine angenehm kühlende Wirkung. Und riecht ein bisschen nach Baum. Die Einheimischen fanden es höchst amüsant, eine Ausländerin mit Thanaka im Gesicht zu entdecken.

# 4 Die Landesspezialität: Teeblattsalat

Diese ungewöhnliche Köstlichkeit war uns gänzlich unbekannt. Tee zum trinken, klar – aber Teeblätter essen? Ein holländisches Pärchen schwärmte uns in Chengdu davon vor. Das haben wir natürlich ausprobiert. Und tatsächlich schmeckt es köstlich. Und überall ein bisschen anders. Zur Zubereitung werden die frisch gepflückten grünen Teeblätter zunächst kurz aufgekocht, dann in Holzfässer gepresst und eingelagert (im Prinzip das gleiche Verfahren wie bei der Herstellung von Silage für Kühe 😀 ). Die fermentierten Blätter werden mit vielen Nüssen, ebenso viel Knoblauch, Öl und Kräutern gewürzt. So ergibt sich daraus ein intensiv schmeckender Salat. Köstlich. Wir haben die Nascherei allerdings auch im Verdacht, unsere europäischen Mägen mehr als einmal ordentlich zur Meuterei angestiftet zu haben. Nicht schön.

# 5 Das Landesgetränk: Myanmar-Tee

Neben dem schmackhaften Myanmar-Bier gibt es vor allem ein Getränk, dass sich großer Beliebtheit erfreut: Der Myanmar-Tee. Dieser süße, mit Kondensmilch angereicherte Tee wird dabei nicht zuhause in der Küche zum Frühstück getrunken, sondern in den zahlreichen Teestuben, die allgegenwärtig sind. Hauptsächlich sind es Männer, die hier beisammen sitzen. Was in Deutschland die Stammkneipe ist, in der zusammen mit den Kumpels das Feierabendbier getrunken wird, ist hier die Teestube. Im geselligen Beisammensein wird auf den meist nur miniaturgroßen Plastikstühlen gesessen, Tee getrunken, Samosas und frittiertes Stangengebäck geknabbert und geschwatzt.

Uns ging es mehr als einmal so, dass wir gegen Abend gemütlich ein Bier trinken gehen wollten und erst beim Grinsen des Wirtes beim aufgeben unserer Bestellung bemerkten, dass wir in einer Teestube stehen. 😀

# 6 Der Landessport: Chinlon

Wird es Abend in Burma, ist in den kleinen Gassen überall dasselbe Bild zu sehen: Kleine Gruppen von Männern versammeln sich auf oder neben der Straße, den Longyi zu Shorts gefaltet oder zum kniekurzen Rock hochgezogen, und spielen begeistert Chinlon. Der Chinlon ist ein ca. 10 cm großer, geflochtener Ball aus Rattan. Dieser wird mit den Füßen gespielt und entweder über ein Netz oder zum Spaß im Kreis herum gespielt. Begleitet wird das Spiel oft durch laute Anfeuerungsrufe der Zuschauer oder der Spieler selbst.

# 7 Der Landesrhythmus: 8-Tage-Woche

In Myanmar hat die Woche 8 Tage. Dabei gibt es wie im Allgemeinen zwar die 7 Wochentage von Montag bis Sonntag, allerdings wird der Mittwoch zweigeteilt und als 2 Tage gezählt. Ein Tag ist vormittags, der andere von 12 Uhr bis Mitternacht. Ihren Ursprung hat diese Zählung in der burmesischen Astrologie, nach der jedem Tag ein Tier zugeordnet ist. Der Mittwoch ist der Tag der Elefanten. Dabei gehört der Mittwoch-Vormittag dem Elefanten mit Stoßzähnen, der Nachmittag dem Elefanten ohne. Die burmesischen Arbeitselefanten haben aus diesem Grund mittwochs frei.

# 8 Die Landesfarbe: Gold

Wenn wir nur ein Wort hätten, um die eindrücklichste Erinnerung an Myanmar zusammenzufassen, wäre es wahrscheinlich: Gold. Am Flughafen in Yangon werden ankommende Reisende mit dem Schild „Welcome to the Golden Land“ willkommen geheißen. Schon auf dem Weg in die Stadt sieht man von weitem die golden funkelnde Shwedagon Pagode über der Stadt thronen. Die Flüsse des Landes sind reich an Gold und in jeder Stadt finden sich zahlreiche Schmuck-Goldhändler. Überall leuchten goldene Stupas auf den Hügeln, goldene Buddha-Statuen finden sich im noch so kleinsten Stupa und gläubige Pilger bringen ihre Ehrerbietung durch das Aufkleben von Blattgold auf die verehrten Statuen zum Ausdruck. Ganz klar: keine Farbe charakterisiert Myanmar so sehr wie Gold. Ob es sich dabei überall um echtes Gold handelt, sei dahin gestellt.

# 9 Der Landesrückstand (u.a.): Infrastruktur und Elektrizität

Die reibungslose Versorgung mit Elektrizität ist in Myanmar noch nicht flächendeckend ausgebaut. Abgesehen von den beiden großen Metropolen Yangon und Mandalay ist die Stromversorgung oft nur provisorisch und stundenweise vorhanden. So ist es vor allen in den wenig touristischen kleinen Orten im Süden und Nordosten nicht unüblich, dass jedes Haus/Hostel über einen eigenen Generator verfügt. Der dann auch recht regelmäßig zum Einsatz kommt.

Ähnlich verhält es sich mit der Infrastruktur. Auch hier gibt es – ausgenommen den neuen Highway, der Yangon mit Mandalay verbindet – noch sehr viel Entwicklungspotenzial.
Als wir z.B. gegen Ende unserer Reise in einer achtstündigen Busfahrt ganze 150 km südlich reisen, sind wir zunächst froh, dass wir auch im Anschluss nach Süden weiter wollen und ein Stück dieser Strecke also schon hinter uns haben. Aber nur vorübergehend: Da die Straße Richtung Süden hier endet, geht es zunächst wieder 8 Stunden Richtung Norden. …im Anschluss gefolgt von 10 Stunden nach Süden.

# 10 Der Landeszustand: Wandel und Veränderung

Myanmar ändert sich derzeit rasend schnell. Unser Reiseführer erschien erst letztes Jahr im Oktober – dennoch waren viele Informationen darin bereits wieder veraltet. So lasen wir bei unseren Recherchen im Vorfeld, dass es Bankautomaten nur vereinzelt in den Großstädten gibt und ausländische Kreditkarten meist nicht funktionieren. Was wir vorfanden, war eine flächendeckende Ausstattung mit Geldautomaten, selbst im kleinen Trekkingort Hsipaw. Auch der ans Herz gelegte US-Dollar, mit dem wir uns in Manila sicherheitshalber ausstatteten, wird (von Privatpersonen) längst nicht mehr so gern angenommen wie überall aufgeführt. Daneben werden u.a. Grenzübergänge geöffnet, Gebiete ohne Spezialgenehmigung zugänglich gemacht und die Infrastruktur ausgebaut. Manchmal wissen selbst die Einheimischen nicht, was inzwischen aktueller Stand ist.

Diese Entwicklung ist sicherlich Chance und Herausforderung zugleich für das Land.
Wir haben uns sehr gefreut, Dich etwas kennen lernen zu dürfen, Myanmar. Wir sagen heute nicht tschüss – wir sagen Auf Wiedersehen.

Im Bett mit 14 1/2 Mann und 1 Babyziege

Im Bett mit 14 1/2 Mann und 1 Babyziege

…eine Reise ins mongolische Hinterland!

8 internationale Touristen aus Holland, England und Deutschland, 2 Guides aus Ulaan Bataar, 1 mongolisches Nomadenehepaar und deren Hilfsarbeiter sowie ihre Nichte samt ihrem 5-jährigem Sohn plus eine 1 Tag alte Babyziege. Was diese alle gemeinsam haben? Ihr Schlafquartier. Eine Jurte. So werden die runden, ca. 5 Meter Durchmesser zählenden Zelte der mongolischen Nomaden genannt, in denen diese leben. Und das Schlafquartier für diese Nacht war für alle eingangs genannten Personen – bzw. Ziegen – die Jurte des Nomaden, der sich als erfolgreicher Wrestler den Beinamen „Der Löwe des Dorfes“ errungen hat. Klingt kuschelig? War es auch. Um sich umzudrehen musste dem Nebenmann auf die Schulter getippt werden, dieser wiederum tat dasselbe beim nächsten Liegenden – war so die ganze Reihe wach und vorbereitet, konnte sich auf 1,2,3 im Gleichtakt auf die gewünschte Seite gedreht werden ;-D Wie es dazu kam? Wir wollten es so authentisch wie möglich…:

Nach unserer frühmorgendlichen Ankunft mit dem Zug aus Ulan Ude in Ulaan Bataar wurden wir abgeholt und ins gemütlichen Hostel „Golden Gobi“ gefahren. Dort gab es gleich Frühstück und ein großes Hallo mit anderen Reisenden, die mit uns im selben Zug gewesen waren und sympathischen anderen Travellern, die 2 Stunden früher angekommen waren. An diesem Morgen erkundeten wir das Stadtzentrum der kältesten Hauptstadt der Welt (durchschnittliche Jahrestemperatur: -2 Grad Celsius!). An diesem Tag aber war es angenehm warm und sonnig, sodass wir zum ersten Mal unsere T-Shirts auspacken konnten. Das Zentrum der Stadt besteht größtenteils aus dem zentralen Suchbataarplatz, auf dem ein monumentales Dschingis Khan Denkmal thront. Überhaupt ist man hier sehr stolz auf den berühmten Eroberer und so finden wir diesen überall: Biersorten heißen Dschingis Bräu und Khan Bier, auf allen Banknoten ist sein Antlitz abgedruckt und nahezu jedes 2. Hotel trägt seinen Namen.
Wir kamen auf unserer Erkundungstour zufällig gerade rechtzeitig zum Tribut der Soldaten an Dschingis Khan, was ein großes Spektakel war.

Abends testeten wir zusammen mit 2 Mädels aus Finnland und einem Holländer, die auch bei uns im Zug gewesen waren, eines der vielen lokalen Brauhäuser und verbrachten einen lustigen Abend. Das Testen lokaler Delikatessen setzten wir tags darauf beim mongolischen Barbecue fort. Dabei sucht man sich aus einer großen Auswahl an Gemüse, Gewürzen, Fleisch und Meeresfrüchten all das aus, was man möchte und häuft es in seine Schüssel. Dann hat man noch die Wahl zwischen 8 verschiedenen Soßen von feurig-scharf bis exotisch-nussig. Beide Schüsseln bringt man dann zum Grillmeister, der alles vor den Augen der Gäste mit viel Show auf einer überdimensionalen Grillplatte anbrutzelt. Sehr lecker – wir konnten gar nicht soviel essen, wie wir gerne wollten (es war All you can eat) 😀 Zum BBQ gingen wir mit 4 Israelis aus unserem Hostel. Alle 4 sind schon viel gereist. Einer von ihnen ist Wanderführer und er erstieg gefühlt schon Berge in allen Ländern der Erde. Wir hörten viele spannende Geschichten und zu unserer Route kam das ein oder andere Reiseziel hinzu 😉

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Nachdem wir montags noch unsere Visa auf der chinesischen Botschaft beantragten und diese frühestens freitags abholen konnten, begannen wir zu überlegen was wir in der Mongolei noch alles sehen wollten. Ulaan Bataar gleicht trotz seiner 1,4 Millionen Einwohner eher einer überdimensionalen Kleinstadt und sehr viel gibt es nicht zu entdecken. Den Dienstag verbrachten wir dann größtenteils damit, uns zusammen mit Ocki, der Besitzerin des Hostels, mögliche Touren ins Hinterland der Mongolei zusammenzustellen. Heraus kam schließlich eine 14-tägige Tour, bei der wir in der ersten Woche komplett organisiert mit Guide und Fahrer zu den Nomaden in den Westen ziehen und von Jack & Francis aus England und Rick aus Holland begleitet werden würden. Im Anschluss daran würden Jack, Francis, Rick und der Guide mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückfahren und wir nur mit dem Fahrer weiter in die Wüste Gobi nach Süden. Hörte sich gut an, der Preis lag auch in unserem Budget – nahmen wir 🙂

So brachen wir am Mittwoch morgen zu fünft auf den Rücksitzen eines russischen Vans in die wilde Weite Mongoliens auf. Recht früh endeten die geteerten Straßen und auf und ab hüpfend verstanden wir, weshalb in der Mongolei für eine Distanz von 100 km 2 1/2 Stunden Fahrtdauer angesetzt werden. Unsere erste Mittagspause fand schon mitten im Nirgendwo am Rande von großen Sanddünen statt. Zum kochen wurde das gesamte Gepäck aus dem Van ausgeladen und im hinteren Teil ein mobiler Gasherd aufgebaut. Gekocht wurde von Zeezgee, unserer Guide. Dass sie uns gleich am ersten Tag erzählte, dass ihre Kinder nicht glauben können, dass sie tatsächlich für Touristen kocht und sie kochen eigentlich nicht ausstehen kann, machte ihre wiederkehrenden Nudeltopfvariationen nicht viel schmackhafter 😀 Überhaupt hatten wir mit unserer Guide nicht unbedingt das große Los gezogen. Schon gleich zu Beginn wurde deutlich, dass sie unsere Fragen so knapp wie möglich beantwortete und eher als lästiges Übel betrachtete statt sich am Interesse der Touristen an ihrer Kultur und ihrer Lebensart zu freuen. Was sehr schade war, da wir alle zahlreiche Fragen zur mongolischen Kultur, der Natur und soviel mehr gehabt hätten. Nach Zeegzees ultimativer Antwort auf die Frage, was ein mitten in der flachen Steppe auftauchendes und seltsam unnatürlich anmutendes, ca. 10 m großes Felsgebilde war, fanden wir uns allerdings damit ab dass uns auf unserer Tour vieles ein Rätsel bleiben würde. Denn die Antwort war so schlicht wie ergreifend simpel: „Ein Fels“.
Wir trafen im Laufe der Woche allerdings noch mehrere Gruppen (wie in der Nacht in der Jurte des Löwen des Dorfes), die uns bestätigten, dass andere Guides des Hostels eine differenzierte Auffassung von ihrem Job als Reiseführer hatten und wir mit der Zuteilung von Zeezgee wohl einfach Pech gehabt hatten. Ärgerlich war es natürlich dennoch.

Dafür war die Landschaft umso fesselnder: Kaum aus dem Stadtgebiet um Ulaan Bataar heraus, wurde die Weite endloser, der Horizont weiter und die Berge schroffer. Auf der von vielen Flüssen durchzogenen endlosen Steppe grasten vereinzelt Herden von Wildpferden, Kühen, Schafen und Ziegen. Es war wie in einer Dokumentation auf arte 😉 Unser erster Stopp war der Nationalpark Hustai. Hier ist die Heimat der wild lebenden Przewalski Pferde. Die Wildpferde dieser Urpferderasse – auch „Takhi“ – sind die einzigen noch lebenden genetischen Vorfahren der heutigen Pferde. Sie sind ca. 1,40 groß, falbenfarben mit schwarzen Beinen, besitzen einen ausgeprägtem Ramskopf und Stehmähne.

Wir hatten Glück und sahen neben einer Herde Rehe und Hirsche, vielen Murmeltieren und Wühlmäusen auch eine große Wildpferdeherde mit vielen Fohlen. Dort ergab sich für Biene sogar die Gelegenheit einen kurzen Ritt zu unternehmen (nicht auf den Wildpferden, sondern auf dem Pferd eines mongolischen Hirten, der dort sein ausgebüchstes Pferd suchte).

Im Anschluss fuhren wir zu unserem erstem Nachtquartier, der Jurte eines Nomadenehepaares. Das Nomadentum ist die traditionelle Lebensweise der Mongolen und noch immer leben viele Menschen in Zelten im weiten Hinterland. Dabei ist das Leben hart, die Bedingungen oft rau und der Alltag wird von den Tieren bestimmt. Die meisten Nomaden halten Ziegen- und Schafherden sowie je nach Gegend entweder Kamele im Süden oder Kühe, Pferde und Yaks im Norden. Die Nomaden leben größtenteils autark und von dem, was sie selbst produzieren. Zusätzliches Einkommen erzielen sie mit dem Verkauf von Wolle (Kashmir) oder eben der Aufnahme von Touristen. Die Lebensbedingungen sind sehr einfach: Die Jurten messen ca. 5 m im Durchmesser und sind ohne weitere Unterteilungen der Lebensraum der gesamten Familie. In der Mitte jeder Jurte steht ein Ofen. Dieser ist Hitzequelle und Herd zugleich. Als Brennstoff wird das genommen, was vor der Zelttür produziert werden kann – nein, mit Holz ist es in der baumlosen Steppe nicht weit her. Die Öfen werden mit Dung gefüllt, der verbrannt wird und so die Jurte aufheizt. Ja, es stinkt. Nach Dung. (Allerdings hätte wir wohl alle in der ersten Nacht lieber etwas mehr gestunken als so bitterlich gefroren. Am 2. Tag waren bis auf Uli alle etwas angeschlagen…) Oben in der Mitte des Zeltdaches befindet sich eine Öffnung, durch die der Rauch /und leider auch die Wärme) entweichen kann.

Gegenüber des Eingangs befindet sich an der Nordseite des Gers (=mongolisch für Jurte) immer der Hausaltar der Familie, der meist mit einem Bildnis des Dalai Lamas und Familienfotos geschmückt ist. Links und rechts davon stehen entlang der Wände 2 Betten, dann folgt auf einer Seite ein Sofa und auf der anderen Seite die Küchenregale bzw. Stauraum. Der Boden ist mit einer Plane oder PVC ausgelegt – alles in allem nicht gerade sehr luxuriös. Nein, die Toilette haben wir nicht vergessen. Die gibt es nicht. Dafür dient die weite Natur um die Jurte. Dafür hat die elektronische Welt auch hier schon Einzug gehalten und alle Zelte (die wir sahen) sind mit TV und Telefon ausgestattet. Die Satelitenschüssel dazu steht vor dem Zelt.Wir persönlich würden uns wohl eher ein Klo bauen – aber so hat jeder seine Prioritäten 😀
In der Jurte selbst gibt es viele Dinge, die man nicht tun sollte, da es ansonsten Unglück bringen wird – wie z.B. die Fußsohlen niemals Richtung Hausaltar oder auf andere Menschen strecken, nicht zwischen dem inneren Gestänge der Jurte durchgehen und immer nur im Uhrzeigersinn durch die Jurte durchgehen. Ganz schön viel zu beachten für so ein kleines Zelt!

In der Jurte angekommen, gab es zur Begrüßung mongolischen Milchtee, das typische nationale Getränk, dass zu jeder Tageszeit getrunken wird. Dieser besteht zur einen Hälfte aus Wasser und zur anderen aus Milch, in die loser Schwarztee gegeben wird. Anders als bei uns wird der Tee aber nicht gesüßt, sondern mit Salz verfeinert getrunken. Eine ganz neue Geschmackserfahrung. Probiert es doch mal aus 😉 Dazu wurde uns Boortsog gereicht, mongolisches Gebäck aus Mehl, Butter und Salz. Später gab es noch Aaruul dazu, eine Art getrockneter Schafskäse /-quark. Aaruul schmeckt ziemlich salzig und bitter, soll aber sehr gesund sein. Der Quark wird auf dem Jurtendach getrocknet und wird so fest, dass die Stücke eher gelutscht als gebissen werden. Hat uns Zeezgee leider nicht erzählt 🙂

Vor dem Abendessen, zu dem es getrocknetes Yakfleisch eingelegt in eine Art Reissuppe gab, machten wir beide mit Rick zusammen eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Hügel. Wir hatten eine tolle Aussicht und sahen einen tollen Sonnenuntergang in der weiten Steppe!

Abends wurden in einer launigen Prozedur noch die Ziegen zusammengetrieben, bevor es zum gemütlichen Teil, d.h. zum Aufbrauch des Gastgeschenkes (eine Flasche mongolischen Wodkas) wieder in die Jurte ging. Die Kommunikation und Interaktion mit der Nomadenfamilie hielt sich aber leider in Grenzen, da wir aufgrund der Sprachbarriere ja nicht direkt miteinander sprechen konnten und Zeezgee sich lieber selbst unterhielt als für uns zu übersetzen. Nach einer recht kalten Nacht in Schlafsäcken auf dem Boden waren wir froh, als es am nächsten Morgen endlich hell wurde und wir unsere Glieder ausstrecken und wärmen konnten. Nach dem Frühstück ging unsere Fahrt über Stock und Stein weiter und am Nachmittag stand Kamele reiten auf dem Programm.

Die Kamele mussten erstmal noch eingefangen werden. Dann ritten wir, von einem singenden Hirten begleitet, durch die Steppe zu den Sanddünen der kleinen Gobi. Dort angekommen saßen wir ab, gönnten den Kamelen eine Pause und erkundeten die Wüste zu Fuß. Eigentlich dachten wir ja, dass wir durch die Wüste reiten, nicht an die Wüste, aber nun gut. Immer diese Klischees 😉 Es war auch so lustig.
Gegen Abend kamen wir bei der Nomadenfamilie an, bei der wir übernachten sollten und diese hatte sogar ein Gäste-Ger. Damit hatten wir alle ein eigenes Bett, dafür kaum Kontakt mit der Familie. Tja, man kann halt anscheinend nicht alles haben – entweder kultureller Austausch oder ein bequemes Schlafplätzchen. Zum Abendessen gab es Fleischsuppe. Die Landschaft um das Nomadenlager herum war beeindruckend. Endlos weite Steppe, rot leuchtende Felsgebilde und ein nicht-endender Horizont.
Wir verbrachten einen lustigen Abend mit Kartenspielen, Wodka und dem Heizen unseres eigenen Shit-Ofens. 😀 Am nächsten Morgen wurden wir Zeuge einer Hammelschlachtung nach altem mongolischen Brauch bzw. nach der von Dschinggis Khan vorgeschriebenen Art. Dabei wird dem Hammel durch einen kleinen Schnitt in die Brust das Herz mit der Hand zugedrückt, sodass dieser innerhalb von Sekunden friedlich einschläft und bewusstlos wird. Anschließend wird das Fell abgezogen und das Tier ausgenommen. Hier wird nichts weggeworfen, sondern alle Teile werden verwertet. Rick wurde kurzerhand dazu eingespannt, den Magen auszuwaschen um darin die Innereien zu lagern. Und das noch vor dem Frühstück.

Unser Tagesziel heute war ein Wasserfall. Dahin war es ein gutes Stück, sodass wir fast den ganzen Tag fuhren. Auf dem Weg dorthin änderte sich schlagartig das Wetter und es begann, in großen Flocken zu schneien. Bis zu unserem Mittagsstopp hatte es soviel geschneit, dass wir einen großen Schneemann bauen konnten. Die Schneeballschlacht folgte natürlich prompt 🙂 Bei diesen Bedingungen war es auch das einzige Mal, dass unser hervorragender Fahrer Ishka seinen grauen Pfeil nicht mehr rechtzeitig unter Kontrolle bekam und wir in den Graben fuhren. Nach viel Geschiebe, Gebuddele und Geschrei kamen wir wieder frei und konnten weiterfahren. Ansonsten waren wir sehr fasziniert, wie Ishka sich in der Steppe orientieren konnte und die aus unseren Augen nicht zu erkennenden Wege zu unseren Zielen fand. Gegen Abend kamen wir am Wasserfall an, betrachteten diesen und fuhren weiter zur nächsten Nomadenfamilie. Diese waren die ersten, die Yaks hielten. Hier hatten wir ebenfalls wieder unser eigenes Ger, den Abend verbrachten wir wie den vorherigen in unserer geselligen Runde unter uns.

An Tag 4 hatte die Offroad-Fahrt vorerst ein Ende und wir wagten uns selbst in den Schnee. Bis auf Zeezgee freuten wir uns alle über etwas Bewegung und wanderten in ca. 3 Stunden über einen Berg und eine Hochebene in Richtung der nächsten Nomadenfamilie. Hier sollten wir 2 Nächte bleiben, bevor es am übernächsten Tag auf dem Pferderücken wieder zurück zum Van ins Tal ging.
Aber zunächst wurden wir vom Löwen des Dorfes abgeholt. Bei seinem Ger am Fluss angekommen, freuten wir uns über den wärmenden, obligatorischen mongolischen Milchtee, den uns seine sympathische Frau zur Begrüßung reichte und durften leckeren Yak-Joghurt testen. Außer uns beiden hatten alle nasse Füsse bekommen – unsere guten Wanderschuhe haben sich also auch schon gelohnt 🙂 In einem Meer von aufgehängten Schuhen, Socken und Jacken verbrachten wir den Rest des Tages mit der Familie in der Jurte und spielten Karten. Gegen Abend fragten wir uns, wo wir alle schlafen sollten… Es gab zwar ein zweites Ger, allerdings war dieses nicht für Gäste sondern für die kleinen Zicklein. Die Antwort wartete quasi zu unseren Füßen: Der Jurtenboden. Nun gut, da lagen wir also kuschlig alle aneinander und wir Touristen hofften, dass es so wenigstens etwas wärmer sein würde. Es war wohl jeder von uns heilfroh, als es wieder hell wurde, wir aufstehen konnten und der Ofen wieder angeheizt wurde. Beim ersten Augenaufschlag wussten wir auch, weshalb das mit der Wärme nicht so recht geklappt hatte: es schneite. Ins Zelt. Durch den Zeltausschnitt für das Ofenrohr sind die Zelt oben immer einen Spalt offen – auch praktisch, so muss nicht erst der Kopf aus der Jurte gestreckt werden, um zu wissen wie das Wetter ist 😀
Nach dem Mittagessen wurden die Pferde für uns gesattelt und los ging es auf einen mehrstündigen Ausritt durch das Gebiet der 8 Lakes. Die Landschaft dieses Gebietes wurde durch einen Vulkanausbruch vor knapp 700.000 Jahren geformt und dabei entstanden 8 Seen, die alle unterirdisch miteinander verbunden sind. Es hatte aufgehört zu schneien und so ritten wir bei schönstem Sonnenschein auf 1.800 Metern durch den wilden Westen der Mongolei – es war herrlich, endlich wieder auf dem Pferderücken zu sitzen!

Bei unserer Rückkehr sahen wir, dass noch eine andere Tourgruppe des Golden Gobi, bestehend aus 3 Holländerinnen und ihrem Guide, ebenfalls zur Übernachtung am Ger angekommen waren. Und wieder fragten wir uns: Wo sollen wir alle schlafen?! …und damit sind wir nun wieder am Anfang der Geschichte 🙂
Nun, trotz unserer Zweifel fanden doch alle irgendeinen Platz auf dem Boden (wenn wir auch stark vermuten, dass die Nichte & ihr Sohn tatsächlich im Ziegen-Ger schliefen, da wir sie nicht sahen als wir „ins Bett“ gingen. Wir konnten über die Situation zum Glück lachen, dennoch waren wir uns alle einig, dass diese Nacht ganz oben auf Platz 1 der widrigsten Nächte jemals steht!

Am nächsten Morgen hieß es für uns dann wieder ab auf die Pferde und wir ritten über den Berg, über den wir 2 Tage zuvor kamen, wieder zurück Richtung Jeep. Dabei war die Trittsicherheit und Balance der mongolischen Steppenpferde absolut zum staunen! Die meiste Zeit ging es im wörtlichen Sinne über Stock & Stein, wir ritten durch Geröllfelder, kniehohe Flüsse, ebenso hohen Morast und über Schneefelder und kein einziges der Pferde ist auch nur einmal aus dem Tritt geraten oder gestolpert. Faszinierend! Und all das ohne Bandagen, Gamaschen oder sonstigen Schutz an den Pferdebeinen.

Beim Jeep angekommen, tauschten wir die Sättel wieder gegen die Rücksitze des russischen Vans und hüpften bald darauf wieder im Takt der Schlaglöcher und Felsen in Richtung nächster Jurte. Unsere Freude beim Anblick des Gäste-Gers der Familie mit richtigen Betten darin wurde nur von unserer Freude am nächsten Tag über die Dusche zurück im Hostel in Ulaan Bataar übertroffen 😀 Davor besichtigten wir noch das älteste Kloster und die antike frühere Hauptstadt der Mongolei aus dem 14 Jahrhundert und malten uns aus, was wir zurück in der Zivilisation alles tun würden. 😀

Wir beide hatten im Laufe der Woche bereits beschlossen, mit den anderen nach Ulaan Bataar zurück zu fahren und nicht in die Wüste Gobi weiterzuziehen, da das zunächst 2 volle Tage Fahrt gen Süden und dann auch vor Ort jeden Tag mind. zwischen 4-6 Stunden Fahrt geheißen hätte. Nach dem Vorgeschmack auf die Straßen in der ersten Woche entschieden wir, dass wir auf unserer Route sicher noch an einer anderen Wüste vorbeikommen würden. Und ganz ehrlich – nach diesen 7 Tagen ohne fließend Wasser freuten wir uns auch riesig auf besagte Dusche 😀 So erreichten wir am nächsten Tag gegen Nachmittag Ulaan Bataar und checkten wieder im Golden Gobi Hostel ein. Nach einem großen Hallo gingen wir 5 an diesem Abend zum Abschluss zusammen richtig gut indisch essen & ein kühles Bier trinken.

Alles in allem war unsere Tour ins mongolische Hinterland sehr interessant. Es war imposant einmal diese unglaubliche Weite der Steppe zu erleben und diese karge Natur zu sehen, wild lebende Pferde- und andere Tierherden zu entdecken und einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie die Nomaden leben. Unsere Guide war leider eine riesige Enttäuschung, sodass wir nicht viel mehr als passiv beobachten konnten und unseren eigenen Reim machen mussten. Zum Glück waren wir eine lustige Truppe, die sehr gut harmoniert hat und hatten so trotzdem viel zu lachen!

Nach unserer Rückkehr verbrachten wir noch 3 weitere Tage in Ulaan Bataar, wuschen den Dung-Geruch aus unseren Kleidern, schlenderten durch die Stadt, planten unsere letzte Etappe mit der transsibischen Eisenbahn und nahmen schließlich am Freitag den Nachtzug nach Zhamyn Uud, der mongolischen Grenzstadt Richtung China. Zum Abschluss sahen wir nochmal einen tollen Sonnenuntergang und eine beeindruckende Landschaft aus dem Zugfenster und kamen morgens um 8 in Zhamyn Uud an, von wo aus es per Bus über die Grenze in unser Reiseland Nr. 3 ging.

…und nun sind wir gespannt, ob jemand den Bericht wirklich bis zum Ende gelesen hat (wow! bitte verewige diese tolle Leistung in einem Kommentar) oder nur hierhin gescrollt wurde 😉 Aber ihr wisst ja, wie das Sprichwort heißt – wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen… und wir sind erst am Anfang! 😀

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