Weltreise

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

„Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden“.

Dieser Spruch trifft ganz gut, was bei uns gerade los ist. Denn eigentlich hatten wir – ganz unüblich für uns – das nächste halbe Jahr komplett geplant und durchorganisiert. Eine Wintersaison in den Rocky Montains zu (er-)leben war einer der Hauptgründe, weshalb es uns für ein Jahr nach Kanada zog. Im Laufe des Oktobers hat sich dann auch nach und nach alles perfekt ergeben:

Wir beide bekommen Jobangebote im Panorama Resort. Dieses Skigebiet war von Anfang an eines unserer Favoriten: Super Schneebedingungen, anders als die bekannteren Skigebiete wie Whistler oder Banff ist es nur selten überfüllt, es bietet gute Arbeitsbedingungen plus Personalvorteile und ist gut gelegen. Anfang Dezember geht die Skisaison los und dauert bis Mitte April. Passt!

Die Personalunterkünfte am Berg sind leider bereits alle vergeben, aber nach etwas Suche finden wir ein gemütliches, großzügiges und toll eingerichtetes Haus im nahen Dorf. Zwar keine Ski in/Ski out-Möglichkeit wie am Berg, dafür aber in direkter Nähe zum See, der winters zufriert und als längste Eisbahn der Welt sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hält. Wir sehen uns bereits an unseren freien Tagen morgens Schlittschuh fahren und Langlaufen und abends am Ufer entlang joggen. Ende November können wir einziehen. Da das Haus recht groß ist, wollen wir der 2 der 4 Schlafzimmer an zukünftige Kollegen untervermieten. In null Komma nichts finden sich ein sympathischer Engländer und eine nette Australierin. Passt! 

Sonnenaufgang über den Rocky Mountains

Auf Skeena Meadows arbeiten wir noch bis Mitte November. Wir gönnen uns noch 2 Wochen Zeit zum Reisen, bevor die Wintersaison startet. Zum Wandern und Zelten ist es mittlerweile zwar zu kalt, aber auch für diese Jahreszeit bietet Kanada etwas Besonderes: Nordlichter und Eisbären! Während sich die Reise zu den Nordlichtern nach Yellowknife ganz wunderbar fügt und wir dort im Apartment unserer Arbeitgeber wohnen dürfen, gestaltet sich der geplante Abstecher in die Subarktis zu den Eisbären schwieriger! Es will einfach nichts so recht zusammen passen. Und so beschließen wir nach wochenlanger Recherche, Planung und viel Hin und Her, darauf zu verzichten. Mittlerweile könnten wir einen Reiseführer über die „Eisbären-Hauptstadt der Welt“ Churchill in Manitoba schreiben, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Ganz ehrlich, vor allem Biene ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…!

Der 1. Schneeball!

Nach Manitoba wollen wir dennoch reisen und stattdessen ein Wochenende in dessen Hauptstadt Winnipeg verbringen. Die Flüge sind bereits gebucht und ehrlich gesagt…wir haben da diesen winzigen Funken Hoffnung, dass sich wie schon öfters in letzter Minute doch noch irgendwie eine Möglichkeit auftut, zu dem Eisbären zu gelangen….you never know!

In den letzten Tagen auf dem Anwesen sind wir noch gut beschäftigt: Wir wollen das gelichtete Waldstück noch vollends von Geäst und Baumstümpfen befreien, die Hunde sowie  die Fasanen müssen versorgt werden, Feuerholz gemacht und der Ofen geheizt werden, einige kleinere Projekte stehen auch noch an. Nicht zuletzt hat auch unser Koch Urlaub und wir müssen uns selbst verpflegen. Was nach 4 Monaten Rundumverköstigung auch wieder eine Umstellung ist. 

Dann am vorletzten Arbeitstag passiert es: Biene gerät mit dem Allrad-Buggy  auf dem gefrorenen Weg ins Schleudern, rutscht eine kleine Böschung hinauf und das Fahrzeug kippt um. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der linke Knöchel gebrochen und ein Band gerissen ist. Noch lässt sich nicht ausschließen, dass ein weiterer Knochen ebenfalls gebrochen ist, was eine OP bedeuten würde. So oder so lautet die Prognose 6 Wochen Gips, jede Woche Röntgen und keinerlei Belastung des Beines. Uuumpf!

Das bringt natürlich erstmal alles heftig durcheinander! Was machen wir jetzt? Fliegen wir dennoch? Können wir überhaupt? Wie organisieren wir das alles? Und vor allem: was wird jetzt aus Biene´s Job als Liftie in 3 Wochen?! 

Klotz am Bein…

Schnell ist klar: an der Situation können wir nichts ändern. Ist jetzt halt so, auch wenn es sch*** ist! Was aber in unserer Hand liegt, ist die Entscheidung, wie wir mit dieser Situation umgehen. Wir beschließen, das Beste daraus zu machen!

2 Tage später fliegen wir deshalb trotz Klotz am Bein nach Winnipeg. Schnell stellen wir fest, dass Winterpeg seinem Spitznamen alle Ehre macht: Schon bei unserer Ankunft mitten am Tage erwarten uns frostige minus -25 Grad Celsius. Direkt nach unserer Landung leihen wir uns einen Rollstuhl für unsere 4 Tage vor Ort. So sind wir doch einiges mobiler als nur mit den Krücken. 

Rock´n´Roll in Winnipeg

Dick eingemummelt erkunden wir die kommenden 3 Tage rollend Manitoba´s Hauptstadt: Wir spazieren am bereits zugefrorenen Fluss entlang, werfen einen Blick in das architektonisch interessante Regierungsgebäude, erkunden das historische Zentrum und schauen uns den lokalen Weihnachtsumzug an. Länger als eine Stunde halten wir es in der beißenden Kälte und dem eisigen Wind, der durch die Straßen pfeift, allerdings nicht aus – zwischendurch wärmen wir uns immer wieder in gemütlichen kleinen Cafés auf. Besonders gut gefallen uns die Forks Markets, eine historische Markthalle mit originellen kleinen Shops und kulinarischen Delikatessen aus aller Welt. Einen Tag verbringen wir im super interessanten und spannend komponierten Museum of Human Rights.

An unserem letzten Tag in Winnipeg sehen wir schließlich doch noch Eisbären – wenn auch nur im Assiniboine Zoo. Dieser arbeitet eng mit mehreren Tierschutzorganisationen und Forschungsstationen zusammen und neben einem tollen Arktis-Habitat gibt es auch viele Infos zu wichtigen Themen wie Klimawandel und Schutz des arktischen Lebensraumes. Es ist beeindruckend, die weißen Giganten aus nächster Nähe beim Schwimmen, Raufen und Tauchen beobachten zu können – dennoch ist es natürlich nicht dasselbe, wie Tiere in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Wenn wir uns auch sicher sind, dass sich die Eisbären bei den Temperaturen in Winnipeg an diesem Tag pudelwohl fühlen…

Dienstags fliegen wir weiter nach Yellowknife. Dass die Hauptstadt der Nordwest-Territorien gut 1.000 km weiter nördlich liegt als Winnipeg macht sich in karger, bereits verschneiter Tundra rundum und nochmals 10 Grad kälteren Temperaturen bemerkbar. 

Auch hier leihen wir uns zuallererst einen Rollstuhl, um nicht ganz auf Winterspaziergänge verzichten zu müssen. Wir beziehen das Apartment der Besitzer von Skeena Meadows im zweithöchsten Gebäude der Stadt und schauen vom Erkerfenster aus dem Schneegestöber zu. Vom neunten Stock aus haben wir einen guten Blick über die 20.000 Einwohner zählende Stadt und die Seen rundum. Diese sind bereits vereist – noch ungefähr einen Monat wird es dauern, bis das Eis dick genug ist und die Eisstraßen eröffnet werden können. Yellowknife liegt am Ende der Straße – von hier aus Richtung Norden kommt bis zum Nordpol nur noch Tundra, Wasser und Eis. Alles, was nördlich von hier liegt (hauptsächlich Diamantminen und Inuit-Siedlungen), ist sommers nur per Wasserflugzeug und winters nur über diese berühmt-berüchtigten „Ice Roads“ zu erreichen.  

Wood Buffalo in Yellowknife

 Während Yellowknife selbst im Winter nichts besonders Sehenswertes ist, ist es seine Lage, dass seinen besonderen Reiz ausmacht. Abgesehen von den unterirdischen Gold- und Diamantvorkommen in dem Gebiet liegt der Hauptanziehungsgrund Yellowknife´s im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft: In den kalten Winternächten können hier regelmäßig Aurora Borealis (Nordlichter) am dunklen Nachthimmel beobachtet werden. Yellowknife bietet dafür so gute Bedingungen, dass es sogar den Titel „Hauptstadt der Nordlichter“ trägt und jede Winternacht durchschnittlich zwischen 300-500, größtenteils asiatische, Touristen anlockt. Die Aurora Borealis einmal mit eigenen Augen über den Nachthimmel tanzen zu sehen, ist ein Traum, den auch wir uns hier erfüllen wollen. Wenn das klappt, ist es auch nicht schlimm, dass es derzeit mit Schlittenhundefahrt, Schneemobilausflügen und Schneespaziergängem nichts ist.

Und hier sind wir jetzt also.

Bisher schneit es fast durchgehend und der Himmel hängt voller Schneewolken. Tagsüber unternehmen wir rollend kurze Spaziergänge, besuchen das Museum und kommen dank den Kontakten der Besitzer von Skeena Meadows auch über die Stadt hinaus und raus in die schöne, wilde Umgebung. Zwischendurch legen wir immer wieder Pausen auf der Couch ein, damit Beine ihr Bein hochlegen kann. Die Tage hier sind kurz: Sonnenlicht hat es nur zwischen 10 Uhr und 15 Uhr – bereits um 16 Uhr ist es stockdunkel. Bis morgen hoffen wir noch auf ein Aufreißen der Wolkendecke und tanzende Nordlichter. Dann werden wir nach Calgary fliegen und dort 2 Tage verbringen. Ein weiterer Röntgentermin steht an, bevor wir donnerstags mit dem Shuttlebus des Skigebiets Invermere erreichen und hoffentlich in unser Haus einziehen können.

Wie es im Skigebiet laufen wird, ob Biene trotz Gipsfuß arbeiten kann, ob eine OP notwendig sein wird, wann sie wieder Ski fahren kann – all das wissen wir noch nicht. 

Wir wissen nur eins: egal was kommt, wir werden das Beste daraus machen! 

Sonnenaufgang in Yellowknife um 9.36 Uhr

 

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

„Ach, ist das herrlich!“  Dieser geflügelte Satz purer Freude fällt ziemlich oft zwischen uns, seit wir am 20. September wieder gen Kanada aufgebrochen sind.

Schon am Vorabend vor unserem Abflug kommen wir nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Erreicht uns doch spätabends noch eine kurze Email der Besitzer von Skeena Meadows: „Hey, wann kommt ihr morgen in Vancouver an? Wir würden Euch gleich gerne direkt zu uns weiterfliegen lassen anstatt zu warten, bis ihr per Anhalter her kommt. Flug und Hotel übernehmen wir. Ist das ok?“ 

Klar ist das ok für uns. Keine 24 Stunden nach unserem Aufbruch aus Deutschland sind wir so schon wieder zurück auf dem Anwesen. British Columbia empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Der Skeena fließt eisblau und wild das sich windende Flusstal entlang, die ersten Blätter färben sich schon bunt und zu 3 Seiten blicken wir wieder auf majestätisch aufragende Berggipfel.

„Ach, ist das herrlich!“

Mit den Besitzern brechen wir zu einer Rundfahrt über das Anwesen auf und besprechen dabei unsere Projekte für die kommenden Wochen. Unsere Hauptaufgabe wird sein, ein großes Waldstück zu ebnen und zu planieren, damit dieses nächstes Jahr mit Gras eingesät und in Heuwiesen umgewandelt werden kann. Daneben ist das Gemüse im Bio-Garten erntereif und auch die Jagdhunde wollen wieder versorgt werden. Einen zweiten Schnitt und Silage wird es dieses Jahr nicht geben. Es ist zu trocken, das Gras ist kaum nachgewachsen. Viele der Bauern, denen wir in den nächsten Wochen Heu verkaufen und die bereits ihr ganzes Leben hier wohnen, erzählen uns, dass der Skeena noch nie so wenig Wasser geführt hat wie dieses Jahr. Es hat seit Mitte Juli nicht mehr geregnet.

Wir ziehen vorübergehend in ein kleineres Zelt neben dem Hauptgebäude ein, da „unser“ Zelt am Fluss mit Gästen belegt ist. Aber nach 4 Nächten können wir endlich wieder einziehen. Jetzt sind wir richtig angekommen: wir trinken morgens unseren Kaffee wieder mit Blick auf den Fluss, entspannen abends in der holzbefeuerten Holzbadwanne auf unserer Terrasse und kuscheln uns danach an den Kamin in unserem Wohnzimmer.

„Ach, ist das herrlich!“

Unsere Arbeitstage verbringen wir hauptsächlich im Wald. Während Uli mit dem Bulldozer große Schneisen durchs Gebüsch zieht und die größeren Bäume mit der Kettensäge zu Feuerholz verarbeitet, fährt Biene den Traktor mit der Greifschaufel am Frontlader. Mit dieser werden Wurzelwerke, Stämme, Büsche und die kleineren Bäume zu großen Scheiterhaufen aufgeschichtet. Wir können für uns arbeiten und kommen gut voran, gleichzeitig sind wir abends froh, wenn wir unsere geplagte Rücken nach 10 sehr holprigen Stunden zur Muskelentspannung in unserem Hot Tub eintauchen. Spätestens beim Blick nach oben zum klaren Sternenhimmel ertönt dann meist ein:

„Ach, ist das herrlich!“

Die Wochenende nehmen wir uns frei. Wir schlafen aus,  trinken gemütlich Kaffee und bewundern durch unsere große Glasfront das mittlerweile bunt gefärbte Herbstlaub. Die Eichhörnchen, die in den Tannen rund um unseren Bungalow ihren Lebensraum haben, kommen auf unserer Terrasse vorbei. Hier in unserem Waldstück am Fluss ist alles friedlich. Alles ist gut. 

„Ach, ist das herrlich!“

Wenn wir wollen, können wir eins der Firmenautos nehmen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir fahren durch die herbstliche, wilde Landschaft. Der Weg ist unser Ziel. Wir staunen darüber, wie unterschiedlich die Landschaft im Vergleich zum Sommer aussieht und wie gut ihr das farbenfrohe, herbstliche Kleid steht. Mit unseren kanadischen Kollegen unternehmen wir einen Sonntagsausflug ins nahe Kispiox Tal. Wir bewundern die fast 200 Jahre alten Totempfähle und das bunte Herbstlaub rundum. Wir sehen eine Bärenmutter mit ihrem Jungen und 3 Hirsche. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„Ach, ist das herrlich!“

An einem schönen sonnigen Samstag steigen wir auf den Kathlyn Gletscher bei Smithers auf. Während es unten im Tal angenehm warm ist, spüren wir mit jedem Höhenmeter, wie die Temperatur fällt. Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen über ein Geröllfeld und große Felsblöcke zum Gletscherfuß auf. Hier oben auf 1.600 Meter ist es sehr frisch – wie frisch, wird uns beim Blick unter unsere Füße klar: der Gletscherbach ist am Rand bereits vereist und auch der Boden ist gefroren. Wir können unsere Atemwolken sehen. Große Gletscherspalten halten uns davon ab, weiter aufzusteigen. So genießen wir nur für kurze Zeit die herrliche Panoramasicht, bevor wir mit eisigen Fingern und Nasenspitzen den Abstieg in Angriff nehmen.    

„Ach, ist das herrlich!“

In großen Schritten geht es auf Oktober zu. Inzwischen hat es die ersten frostigen Nächte und wenn wir morgens zum arbeiten und abends zurück in unser Zelt fahren, mummeln wir uns dabei in Handschuhe, Mützen und dicke Jacken. Sogar der aufgestaute Biber-Teich ist bereits mit einer Eisschicht überzogen. Biene´s Geburtstag feiern wir mit einem Glühwein-Umtrunk mit unseren Kollegen in der Jagdlodge des Anwesens. Als Überraschung zaubert unser Koch eine riesige Schwarzwälderkirschtorte.

„Ach, ist das herrlich!“

Einige Tage darauf kommt uns eine indianische Schulklasse besuchen. Eigentlich sind die Kinder hier, um mehr über die Lachse zu erfahren, die in einem der Bäche auf dem Anwesen laichen. Aber die Kinder haben mehr Spaß am Karotten ernten und Deutsch lernen. Am selben Tag kommen 200 Fasanen auf dem Anwesen an. Deren Ausläufe haben wir beide im Sommer hergerichtet und nun darf Biene die prächtig anzusehenden Vögel versorgen. Wir sind gut beschäftigt: neben unserem Waldprojekt, den Fasanen und Hunden muss Feuerholz für den Winter gemacht, Heu geladen und so einiges Anderes gemacht werden. Es ist nach wie vor schönstes Herbstwetter, nachts ist es klirrend kalt und sternenklar und tagsüber strahlt die Sonne.

„Ach, ist das herrlich!“

Am zweiten Montag im Oktober wird in Kanada traditionell Thanksgiving gefeiert. Ähnlich unserem Erntedankfest kommen die Familien zusammen, um bei einem festlichen Abendessen dankbar für all das zu sein, was uns die Natur das ganze Jahr über schenkt. 

Obwohl Thanksgiving in Kanada ein staatlicher Feiertag ist, arbeiten wir bis nachmittags. Allerdings machen wir alle früher Feierabend und in der gemütlich eingeheizten Jagdlodge laden die Besitzer die gesamte Belegschaft zu Drinks ein, bevor es ein festliches Abendessen gibt: traditionell gibt es gefüllten Truthahn mit Kartoffelbrei und verschiedenem Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Nachtisch gibt es Kürbiskuchen. Es ist ein festlicher Abend und wir freuen uns, diesen kanadischen Festtag miterleben zu dürfen:

„Ach, ist das herrlich!“

 

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Die Zeit zwischen den Jahren ist ein entspannter Zwischenraum: Alles, was man im aktuellen Jahr tun oder erleben wollte ist geschehen – und wenn nicht, passiert es wohl nicht mehr vor dem nächsten Jahr. Wäre man auf einer Flugreise, wären die Tage zwischen den Jahren der Transit: Man ist aufgebrochen und nicht mehr da, wo man los ging – aber man ist auch noch nicht da angekommen, wo man hin will. Man ist irgendwo dazwischen. Zwischen dem was war und dem, was kommen wird. Total im Hier und Jetzt. Eine ideale Gelegenheit, Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten und Revue passieren zu lassen, was die letzten 365 Tage so geschehen ist. Genau das haben wir gemacht. Weil im Jahr 2017 viel bei uns passiert ist. Und weil vieles davon es bisher noch nicht auf unseren Blog geschafft hat!

Manches davon wisst ihr vielleicht schon von facebook, Instagram oder aus unseren persönlichen Erzählungen, anderes wahrscheinlich noch nicht. Deshalb, Vorhang auf für unser Jahr 2017:

DEZEMBER 2016

Gefühlt fängt das Jahr 2017 für uns bereits einen Monat früher an. Am 1. Dezember 2016 brechen wir auf die 2. Etappe unserer Weltreise auf. Es geht nach Südamerika. Das Kreuzfahrtschiff Costa Fascinosa bringt uns in 3 Wochen von Savona in Italien nach Santos in Brasilien. Dazwischen liegen Stopps in Barcelona, Santa Cruz de Tenerife, Casablanca in Marokko und die ersten spannenden Landgänge in den brasilianischen Städten Recife, Maceió, Salvador de Bahia, Buzios und natürlich als persönliches Highlight in Rio de Janeiro. Dank unserem Polyglott Reiseführer sind wir nach den 7 Seetagen auf der Reise über den Atlantik über jedes der brasilianischen Ziele gut informiert. Auch das Schiff selbst hat einiges zu bieten und so wird bereits unsere Anreise nach Südamerika zur Reise an sich. Wenn wir auch ganz anders reisen, als das sonst unsere Art ist. Wir sehen es mit der Kreuzfahrt so: wir nehmen von der Fahrt mit, was uns gefällt (und wenn wir mal ehrlich sind – wer lässt sich nicht gerne mit 5-Gänge-Abendessen, Sauna mit Meerblick und Open-Air Whirlpools verwöhnen?) und sagen uns bei dem Rest, dass es für uns eine Überfahrt ist.

Da wir die wenigen milden Sommermonate in Patagonien abpassen wollen, wollen wir so schnell wie möglich in den Süden weiter reisen. Aufgrund dessen legen wir nach Sao Paulo nur noch einen Stopp in Brasilien ein: die Wasserfälle von Iguazu. Hier erleben wir gleich das erste Highlight unserer Südamerika-Reise!

Die mächtigen Wasserfälle liegen im Dreiländereck Brasilien-Argentinien-Paraguay und fungieren als natürliche Grenzlinie zwischen Brasilien und Argentinien. Obwohl sie weit weniger bekannt sind, sind die Wasserfälle von Iguazu größer als die Niagarafälle und sind als größter Wasserfall der Welt anerkannt! Auf einer Breite von ganzen 2,7 km fallen an 275 Fällen insgesamt durchschnittlich 7000 m3 Wasser pro Sekunde hinab. Was das heißt, dürfen wir mit eigenen Augen bestaunen: tosende Wassermassen stürzen unaufhörlich brausend in die Tiefe. Weisse Gischt durchnässt unsere Kleidung innerhalb von Sekunden. Der Anblick der mit sprudelndem Wasser gefüllten und von diesem in Jahrtausenden von Jahren gegrabenen Schluchten ist schwer beeindruckend! Hier zu stehen rückt mal wieder die Größe des Menschen im Vergleich zur Natur ins rechte Verhältnis: Winzig kommen wir uns vor! Zum baden lädt es hier eher nicht ein – auch schon nicht, bevor wir ein Krokodil im Fluss entdecken. Wir verbringen je einen Tag auf der brasilianischen und auf der argentinischen Seite der Wasserfälle und finden beide auf ihre Art beeindruckend. Auch das nahe gelegene Vogel-Refugium besuchen wir. Hier lernen wir neue exotische Spezies kennen und sehen andere wieder, die wir bereits aus Zentralamerika kennen. Es ist herrlich, wieder in den artenreichen Tropen Amerika’s zu sein!

In Puerto Iguazu starten wir nicht nur unseren eigentlichen Trip durch Südamerika, sondern auch ein neues Abenteuer: wir wollen zunächst ausschließlich per Anhalter fahren und sehen, wie weit wir so kommen. In den ersten 3 Tagen schaffen wir 2.000 Kilometer. Wir machen mit dieser Fortbewegungsart direkt zu Beginn nicht nur Strecke, sondern auch Freunde. Weihnachten wollen wir eigentlich ausfallen lassen – dank unserem neuen Freund Louis, mit dem wir anfänglich nur einige Stunden mitfahren wollen, kommen wir am 2. Weihnachtsfeiertag aber doch in den Genuss eines (eigens für uns organisierten) original argentischen Asado. Bei dem argentinischen Nationalessen werden auf einem überdimensionalen Grill verschiedenste Schnitte Rindfleisch und Würste zubereitet.

Den Jahreswechsel 2016/2017 erleben wir in Puerto Madryn, an der rauen Ostküste Argentiniens. In dem kleinen Städtchen sind wir tags zuvor nach 2 Tagen Fahrt durch La Pampa (die ihrem Namen alle Ehre macht: 2.000 km gähnende Steppe) mit einem LKW angekommen. Mit unserer Ankunft in Puerto Madryn haben wir Patagonien erreicht. Das erste Sehnsuchtsziel unserer Südamerika-Etappe. Unser erster Eindruck Patagonien’s: wenig bewachsene, von unaufhörlichem Wind gepeitschte raue Steppe mit weiten, spärlich bewachsenen und noch spärlicher besiedelten Ebenen. Dieser Eindruck sollte sich die nächsten 3.000 km in den Süden noch verfestigen. Erwähnten wir den starken Wind?

Puerto Madryn haben wir uns bewusst als erste Destination in Patagonien ausgesucht. Denn hier bietet sich uns eine fantastische Möglichkeit: Schnorcheln mit wilden Seehunden! Mit dem Boot von Lobo Larsen fahren wir frühmorgens zu einer Seehundkolonie und springen 100 Meter vor dieser ins Wasser. Seehunde sind allgemein sehr neugierige und verspielte Tiere und vor allem die Jungtiere sind so zutraulich, dass es nur wenige Minuten dauert, bis wir von halbwüchsigen Seehunden geradezu umringt sind. Sie stupsen uns an, knabbern spielerisch an unseren Flossen und fordern uns zum Spielen auf. Übermütig schlagen sie neben uns Salti im Wasser und auch die bedeutend größeren männlichen Tiere gesellen sich nach einiger Zeit zu uns. Was für ein Erlebnis!

Silvester verbringen wir in internationaler Runde auf dem Campingplatz am Rande des Ortes. Wie es sich für Argentinien gehört starten wir mit einem „Asado“ und Rotwein ins neue Jahr. Prost, 2017 – Jetzt geht es erst richtig los!

JANUAR

An Neujahr verlassen wir Puerto Madryn wieder. Weiter ins Neuland. Unser nächstes Highlight ist der Besuch einer Pinguin-Kolonie, in der sich zu dieser Jahreszeit Hunderttausende Magellan-Pinguine mausern und ihre Jungen aufziehen. Dazwischen liegen windige Nächte im Zelt irgendwo im Nirgendwo und eine Premiere als Anhalter: eine Mitfahrt im Ambulanzwagen.

Weitere windige Nächte und viele Stunden Fahrt in und mit den verschiedensten Fahrern später bekommen wir langsam ein Gefühl für die schiere Weite Patagoniens. Auf der legendären Ruta 40 erreichen wir El Chalten und erhaschen einen ersten Blick auf die majestätische Anden. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und trekken zu den erhabenen Gipfeln des Cerro Torre und des Fitzroy, zu türkis farbenen Gletscherlagunen, Gletscherzungen und zu stillen Bergseen. Inzwischen sind wir durch das einmonatige ständige Tragen unserer Rucksäcke sehr fit und trotz Gepäck flotter unterwegs als die meisten Tageswanderer. Auf den Wanderungen um El Chalten und allen weiteren Wanderungen in Patagonien ist uns unser Rother Wanderführer ein zuverlässiger Ratgeber und Begleiter, den wir allen empfehlen, die Teile dieser Region zu Fuß erkunden möchten! El Chalten erinnert uns sehr an die Skiorte Österreichs und wird uns als eines der gemütlichsten Dörfer mit einigen der schönsten Wanderungen Patagonien’s in Erinnerung bleiben.

Sehr eindrucksvoll bleibt uns auch der Gletscher Perito Moreno eine Tagesreise weiter südlich in Erinnerung. Von diesem können wir uns trotz Eiseskälte mehrere Stunden lang nicht losreißen – gehört er doch zu den wenigen Gletschern weltweit, die noch wachsen. Hier sehen wir also zum allerersten Mal einen Gletscher kalben. Immer wieder lösen sich mehrere Meter hohe Eisberge von der Gletscherfront und fallen mit donnerndem Getöse vor unseren Augen in den Gletschersee, wo der Aufprall mehrere Meter hohe Wellen verursacht.

Mitte Januar wechseln wir über die Grenze ins chilenische Patagonien. Im meistbesuchten Nationalpark Patagonien’s, dem Nationalpark Torres del Peine, wandern wir eine Woche lang auf dem „W-“ und dem „O“-Track zu und um die ikonischen Torres. Von hier bleiben uns nicht nur die weiten Felder voll Gänseblümchen, der massive Grey Gletscher, atemberaubende Landschaftsblicke, die grasenden Guanakos oder die namensgebenden Torres del Peine in Erinnerung – sondern auch und vor allem unsere Begegnung mit Joana und ihrer Familie. Was wie eine der unzähligen netten Fahrten per Anhalter kurz hinter der abgelegenen chilenischen Grenze Cerro Castillo beginnt, wird zu etwas Besonderem, als uns Joana 45 Minuten, nachdem sie uns abgesetzt hat, wieder aufsammelt und zu sich nach Hause einlädt – weil es ihr keine Ruhe lässt, dass wir bei starkem Wind und von Pumas umgeben mitten in der Pampa unser Zelt aufschlagen wollen. Wir verbringen mehrere Tage bei und mit ihr, ihrem Mann Juan und ihren beiden Töchtern auf der Estancía und lernen, dass in Patagonien die chilenische Gastfreundschaft der argentinischen in nichts nach steht.

FEBRUAR

Zum Monatsanfang erreichen wir das Ende der Welt. Genauer gesagt, die südlichste Landmasse jenseits der Antarktis. Hierhin bringt uns eine sehr spontane Fährfahrt mit dem wöchentlichen Versorgungsschiff (das eigentlich Monate im Voraus ausgebucht ist). Entlang enger Fjorde und mehrerer Hängegletscher erreichen wir nach 3 Tagen Fahrt durch das unwirtliche Fjordland den Beagle Kanal. Hier fuhr einst schon Charles Darwin entlang. Im gleißend roten Sonnenuntergang kommen wir an diesem Abend von Delfinen begleitet an unserem nächsten Sehnsuchtsziel an: Vor uns liegt Feuerland!

Hier auf der chilenischen Isla Navarino liegt Puerto Williams, der südlichste Ort der Welt. Denn auch wenn die Argentinier das bessere Marketing betreiben und ihre Stadt Ushuaia auf der gegenüberliegenden Seite des Beagle Kanal vielen als südlichste Stadt der Welt bekannt sein dürfte, liegt das chilenische Dorf Puerto Williams mit seinen 2.000 Einwohnern noch ein paar Breitengrade südlicher. Wir scheinen wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein. An einem sehr gemütlichen und urigen Ende. Die Uhren ticken in Puerto Williams merklich langsamer – und auch hier erwartet uns große Gastfreundschaft. Noch bei Sonnenschein machen wir uns auf den fünftägigen Circuito Dientes de Navarino, die südlichste – mehr oder weniger markierte – Mehrtageswanderung Südamerika’s. Das Wetter verschlechtert sich allerdings so sehr, dass wir an einem extrem langen Tag drei Tagesetappen hinter uns bringen, um nicht noch 2 weitere Nächte nass und im Schneematsch zelten zu müssen.

Nach einer Woche auf der Isla Navarino nimmt uns ein Segelschiff mit auf die andere Seite des Beagle Kanals. Hier auf der argentinischen Seite Feuerlands ist bedeutend mehr los als im kleinen Stützpunktort Puerto Williams – starten doch in Ushuaia die Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis. Diesen schauen wir dieses Mal allerdings nur sehnsüchtig hinterher, denn selbst die günstigsten Last-Minute-Deals liegen preislich bei 5.000 € pro Person aufwärts. Naja, wir müssen uns ja auch noch Reiseträume für später aufheben… 😉

Nach einigen ebenso windigen wie traumhaften Tageswanderungen in der Gegend rund um Ushuaia sind es wieder einmal Menschen, die uns länger als geplant an einem Ort bleiben lassen. Ganze 6 Tage verbringen wir bei der Familie von Silvina & Alejandro, die uns 6 Wochen zuvor und gute 1.000 km weiter nördlich mitten in der Pampa ein Stück mitnahmen und uns einluden, sie besuchen zu kommen wenn wir in Rio Grande sind. Das machen wir natürlich gerne! So schlafen wir nach 2 Monaten im Zelt das erste Mal wieder in einem Bett und in (beheizten!) geschlossenen 4 Wänden.

Das letzte Highlight Feuerland’s finden wir in dessen sehr dünn besiedelten chilenischen Westen. Hier ist Gaucho-Country und außer vielen Schafen, die dem Wind trotzen, gibt es hier eigentlich nicht viel zu sehen. Außer, ja außer in einer Bucht ganz im Südwesten, wo sich erst vor wenigen Jahren eine Kolonie Königspinguine angesiedelt hat. Die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Subantarktis! Aus einiger Entfernung beobachten wir still und leise die majestätischen Meeresvögel dabei, wie sie miteinander schnattern und ihre Jungen vor der Kälte unter den Bauch der Eltern schlüpfen.
Und mit den tierischen Begegnungen ist es an diesem Tag noch nicht vorbei: auf der Fährüberfahrt zurück auf’s Festland begleitet uns ein Schwarm schwarz-weisser Commerson-Delfine. Die Exemplare dieser Delfin-Art sind ebenso schön wie selten und leider vom Aussterben bedroht.

Zurück auf dem Festland reisen wir weiter per Anhalter zurück nach Argentinien. Zwar wollen wir von nun an auf der chilenischen Seite Patagonien’s gen Norden reisen, allerdings ist der Süden Chile’s hier dichtes Fjordland und so unwirtlich und dünn besiedelt, dass es in diesem Teil des Landes keine Straßen gibt. Daher lassen wir uns mitnehmen zurück nach El Chalten und zum nahen Lago del Desierto. Von dort führt eine dreitägige Wanderung über einen Andenpass und über die Grenze nach Chile. Wir brauchen 4 Tage, da die letzte Tagesetappe über einen großen Gletschersee nur per Boot zurück gelegt werden kann und der Schiffsverkehr aufgrund von Sturm stillgelegt ist. Dafür kommen wir einen Tag später dann ganz unverhofft – und gratis – zu einer exklusiven Bootsfahrt zum nur per Schiff erreichbaren Gletscher Ventisauero O‘ Higgins. Scotch on the (glacier-) rocks inklusive! Wie es dazu kommt, ist eine eigene Geschichte…

Auf chilenischer Seite erreichen wir mit dem Dorf Villa O’Higgins das südliche Ende der Carretera Austral. Die knapp 1.350 km lange, über weite Teile geschotterte Ruta 7 zu trampen scheint auch bei jedem anderen Backpacker auf dessen Südamerika-Bucketlist zu stehen. So stehen wir hier oft in vierter oder fünfter Reihe am Straßenrand und sehen an manchen Tagen mehr Tramperkollegen als Autos. Wir kommen dennoch ganz gut voran und lassen uns 10 Tage Zeit für die Straße. Entlang des Weges gibt es neben sich von Fjordland zu Regenwald verändernder Natur viel zu entdecken: so zum Beispiel das urige Dörfchen Caleta Tortel, dessen Holzhäuser allesamt auf Stelzen in den Fjord gebaut sind. Oder die Marmorhöhlen bei Puerto Río Tranquilo. Auch einige Gletscher, Vulkane, Regenwald und tolle Naturschutzgebiete gäbe es im nördlicheren Abschnitt zu erkunden – leider haben wir aber großes Pech mit dem Wetter und geraten in anhaltende Regenfälle. Diese sind so stark, dass wir uns nach mehreren Tagen Dauerregen – und durchnässten Nächten im Zelt – nicht nur das erste Pensionszimmer seit 2 Monaten buchen, sondern auch eine Nacht in einer Turnhalle schlafen. Diese wurde in einem Ort aufgrund mehrerer weggerissener Brücken und unpassierbaren Straßen als Notunterkunft für gestrandete Reisende eigerichtet. Ein gutes hat auch das: wir können von hier an auch eine Mitfahrt per Anhalter im Feuerwehrfahrzeug verzeichnen.

Anstatt der typischen Backpacker-Route zu folgen und am Ende der Carretera Austral von Puerto Montt aus weiter auf die Insel Chiloé zu reisen, verlassen wir die Carretera Austral auf gleicher Höhe in Cochamó. Von hier führt eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Cochamó mit seinem atemberaubenden Granitgebirge über die Grenze nach Argentinien. Von den Granitfelsen sehen wir leider keinen einzigen Steinbrocken, da das Wetter trotz anders lautender Vorhersage immer noch nicht viel besser ist und wir die ersten 2 der 4 Tage bis La Junta hauptsächlich im Regen laufen. Dafür ist die Ankunft auf der argentinischen Seite des Paso El León umso schöner. In dem abgelegenen Bergtal gibt es weder Autos noch andere motorisierte Fahrzeuge und so tragen viele Pferde zum idyllischen Eindruck des Tales bei.

Über El Bolson und Bariloche reisen wir auf der Ruta de los 7 Lagos weiter durch das Seenland Patagonien’s, das aufgrund der sehr ähnlichen Landschaft auch die „argentinische Schweiz“ genannt wird. Gerade rechtzeitig zum jährlichen Weinfestival Vendimia kommen wir dank und mit unserem neuen Freund Toni in Argentinien’s Wein-Hauptstadt Mendoza an. Damit verlassen wir Patagonien nach zweieinhalb sehr windigen, aber auch sehr eindrucksvollen Monaten mit unzähligen Erinnerungen an atemberaubende Landschaften und herzensgute Menschen. Am südlichen Zipfel Südamerika’s haben wir nicht nur ungezähmte und wilde Natur kennen gelernt, sondern auch neue Freunde gefunden. Mit einigen Flaschen guten Malbec im Rucksack queren wir zum Monatsende ein weiteres Mal über die Anden nach Chile. Das 7. Mal in 6 Wochen! Auf dieser Höhe sind die Anden am höchsten und neben der Puente de las Incas sehen wir auf dem Weg über die Gebirgskette neben wahnsinnig schönen Bergpanoramen auch den schneebedeckten Aconcagua – den mit 6.962 Metern höchsten Berg Südamerika’s.

MÄRZ

Gleich zum Monatsanfang machen wir richtig Strecke: in nur 3 Tagen fahren wir im LKW 2.500 km in den hohen Norden von Chile. Unser Ziel ist San Pedro de Atacama, eine kleine Oase in der gleichnamigen Atacama-Wüste. Die Atacama-Wüste ist die trockenste Wüste der Welt. Neben surreal geformten Tälern aus Salzkristallen, ariden Hochebenen, riesigen Sanddünen und indigenen Oasen lockt auch mit der weltweit klarste und lichtverschmutzungsfreiste Nachthimmel Touristen und Wissenschaftler aus alles Welt in diese ansonsten menschenleere Gegend. Leider ist Vollmond, als wir da sind. Unglaublich viele Sterne, die gesamte Milchstraße und selbst die Ringe des Saturn sehen wir trotzdem. Und natürlich bei Tageslicht die beeindruckende Landschaft der Atacama.

Die Nächte in San Pedro de Atacama sollten unsere letzten Zeltnächte für diesen Monat sein – den Rest verbringen wir zwischen 3.000-4.500 Metern Höhe und da wird es auch im Sommer doch sehr frisch nachts. Denn obwohl es in San Pedro de Atacama ein riesiges Angebot an Aktivitäten gibt und man locker eine ganze Woche in – und vor allem um – dem hippen Ort verweilen kann, zieht es uns weiter nach Bolivien. Kurz hinter der bolivianischen Grenze liegt der Salar de Uyuni – der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde! Und ein weiterer unserer Sehnsuchtsorte! Hierher unternehmen wir die erste gebuchte Gruppentour auf unserem Südamerika-Trip. Die Hochebenen der Anden sind so abgelegen, dass wir per Anhalter wohl nicht – oder zumindest nicht zeitnah – durch das Grenzgebiet reisen könnten. Unser Timing könnte besser nicht sein: wir sind zum Ende der Regenzeit hier und durch das niedrig stehende Wasser und das Fehlen jeglicher landschaftlicher Erhebungen im Salar de Uyuni ergeben sich perfekte Spiegelungen auf der endlos flachen Ebene. Gekrönt mit einer Übernachtung in einem komplett aus Salz erbauten Hotel ist die Fahrt durch den Salar de Uyuni ein ganz besonderes Erlebnis.

Den restlichen Monat verbringen wir mit der Erkundung Boliviens. Hier erwartet uns nach den kulturell und wertesystematisch teils sehr europäisch und US-amerikanisch geprägten Ländern Chile und Argentinien eine ganz neue Facette Südamerika’s: Mit dem Grenzübertritt nach Bolivien tauchen wir in eine andere Welt ein, in der die Schere zwischen arm und reich, Tradition und Moderne sowie zwischen Stadt und Land unverkennbar weit auseinander klafft. Auch die Menschen sind anders: viele sprechen Quechua als Muttersprache -manche sogar nur gebrochen spanisch -, ihre Gesichtszüge sind anders, ihre Hautfarbe dunkler. Die Bolivianer sind distanzierter als ihre südlichen Nachbarn. Mit ein Grund, warum wir Mitte März beschließen, unser Tramping-Abenteuer an dieser Stelle zu beenden und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bis hierhin sind wir ganze 12.000 km durch Südamerika per Anhalter gefahren! 12.000 Kilometer! Wir hätten zuvor selbst nicht erwartet, dass wir so weit kommen und wir dabei so tolle Begegnungen haben würden! Und ganz ehrlich: Wir haben nicht eine einzige mulmige Minute! Stattdessen haben wir von den unzähligen Fahrten mit den verschiedensten Fahrern sehr viel mitnehmen können, was uns sonst verborgen geblieben wäre: an Wissen über Land und Menschen, an persönlichen Geschichten und an Erfahrungen. Von jeder Fahrt bleibt etwas bei uns zurück und jede ist nun auch ein Teil unserer Reise und unseres Lebens.

Wir fahren also mal wieder Bus! Zuerst in die bolivianische Hauptstadt Sucre, wo uns doch noch die Höhenkrankheit erwischt und wir einige Tage schachmatt sind. Weiter in die Millionenmetropole La Paz, wo wir Biene’s Cousine treffen, die hier ein freiwilliges soziales Jahr beim Projekt Arco Iris absolviert. In La Paz treffen wir auch Biene’s Großcousins Mario & Matthias an, die ebenfalls gerade um die Welt reisen. Und so veranstalten wir mitten in Bolivien ein Verwandtschaftstreffen.

Von La Paz aus geht es zur Abwechslung ein Stück mit dem Fahrrad weiter. Ein aufregendes Stück, denn wir fahren den Camino de la Muerte hinab. Los geht es auf dem La Cumbre Pass auf 4.670 Metern und ihr Ende findet unsere Downhill Fahrt im nur 1.200 Meter tief gelegenen Coroico. Auf der 80 km langen, rasanten Radtour durchqueren wir in wenigen Stunden fast alle Klimazonen Südamerika’s! Die geschotterte Piste ist dabei nicht viel breiter als eine Fahrbahn und an vielen Stellen zeugen tiefer Morast, Matsch und Felsbrocken von vergangenen Erdrutschen und Steinschlägen. Neben dem sich in unzähligen Serpentinen hinab windenden Weg geht es mehrere Hundert Meter tiefe Berghänge hinunter. Bis vor wenigen Jahren war die Yungas-Straße eine Hauptverkehrsstraße mit sehr hohem Verkehrsaufkommen und schwere LKWs schoben sich – ohne Leitplanken – auf dem schmalen Weg aneinander vorbei. Deshalb gilt auf der Yungas-Straße bis heute – anders als im Rest des Landes – Linksverkehr, damit die Fahrer bei Ausweichmanövern den Abstand zum Fahrbahnrand besser einschätzen können. Eine Analyse der Interamerikanischen Entwicklungsbank in den 90ern ergab, dass die Yungas-Straße die höchste jährliche Absturzrate an Fahrzeugen weltweit zu verzeichnen hatte (Durchschnittlich starben jedes Jahr 200-300 Reisende auf der Strecke). Dies brachte der Straße den zweifelhaften Titel als „gefährlichste Straße der Welt„. Aber auch die bolivianische Regierung hat dadurch die Tatdringlichkeit erkannt und so gibt es seit knapp 10 Jahren eine Neubaustrecke – seither ist die Straße des Todes nur noch für lokalen Kraftverkehr geöffnet und hauptsächlich eine Attraktion für Nervenkitzel suchende Reisende wie uns. Hier mit dem Mountainbike hinunter zu sausen beschert Nervenkitzel pur! Allerdings können wir auf dem Mountainbike jederzeit selbst unser Gefährt lenken – das würden wir uns auch auf mancher Busfahrt wünschen…

Unsere letzte Station in Bolivien ist der Titicacasee. Ebenfalls ein Sehnsuchtsort! Hier verbringen wir tolle Tage auf der Isla del Sol und in Copacabana am Seeufer, bevor wir über die Grenze wandern und den Monat auf der peruanischen Seite des Sees ausklingen lassen…

So – das war bis hierhin unser erstes Quartal des Jahres 2017! Wow! Wir finden es selbst total verrückt wenn wir uns an all das erinnern und dann daran denken, dass wir die ganzen Erlebnisse in gerade einmal 3 Monaten – okay, in 4 Monaten, wenn wir den Dezember mitzählen – erlebt haben! Findet ihr nicht auch?

Und weil die darauf folgenden Monate nicht weniger ereignisreich werden, folgen diese im nächsten Teil unseres Jahresrückblickes 2017!

Inselhopping in Thailand – Flitterwochen zwischen James Bond und The Beach

Inselhopping in Thailand – Flitterwochen zwischen James Bond und The Beach

Wir mögen Inseln. Ganz besonders, wenn sie klein und noch etwas verschlafen sind. Ohne Massentourismus oder gehypte Orte für digitale Nomaden, Backpacker oder Pauschaltouristen. Dann ist es ein kleines bisschen so, als hätten wir das Paradies für uns allein. So wie auf Tonga.

Keine große Überraschung also, dass wir uns für unsere Flitterwochen in Thailand solche Inseln aussuchen. Koh Yao Yai und ihre nördlich gelegene kleinere Schwester Koh Yao Noi sind – vor allem im Vergleich z.B. zur nur wenige Kilometer südlich gelegenen Insel Koh Phi Phi mit ihrer berühmten Maya Bay (Drehort von The Beach mit Leonardo Di Caprio) – recht unbekannt. Ein kurzer Check bezüglich Wetter (sich zu Ende neigende Regenzeit), Saison vor Ort (Nebensaison) und verfügbaren Hotels (gute Rabatte, da Regenzeit und Nebensaison) und unsere Flüge sind gebucht. Mehr als diese 2 Inseln haben wir bewusst nicht geplant, schließlich wollten wir auch etwas zur Ruhe kommen und haben nicht zum Ziel, soviel wie möglich zu sehen in diesen 2 Wochen. Zusammen mit ein paar Tagen auf Phuket und in Krabi sind wir dann schließlich schon bei 4 Destinationen.

Die beiden Inseln liegen in der von unzähligen Karstinseln und Felsformationen durchzogenen Bucht von Ao Phang Nga im gleichnamigen Nationalpark in der emerald grünlich schimmernden Andamanensee. Eine surreale Landschaft, die uns ein wenig an die Halong Bucht in Vietnam erinnert. Nur, dass die Temperaturen hier wärmer sind und wir mit den für Thailand so typischen Langheckbooten statt einer Segelbarke über das Wasser schippern.

DIE ANREISE

Nach einem kurzen Flug nach London, einer Nacht am Flughafen Gatwick, einem vierzehnstündigen Flug im Dreamliner nach Singapur und einem weiteren zweistündigen Flug nach Thailand landen wir 2 Tage nach unserer Abreise aus Stuttgart gegen Mittag in Krabi. Vom Flughafen aus teilen wir uns mit 6 anderen Ankömmlingen für 150 Baht pro Person einen der Minivans, die wartend bereit stehen. Die Tickets kaufen wir erst draußen beim Van. Man kann sie aber auch direkt an einem von mehreren Schaltern in der Ankunftshalle kaufen – hier werden sie für 200 Baht pro Person angeboten. Für denselben Preis wie der reguläre Flughafenbus kommen wir so direkt nach Ao Nang, ohne in Krabi Town umsteigen zu müssen.

KRABI – AO NANG UND HAT NAPPHARAT THARA

Um in Ruhe anzukommen, haben wir uns für die ersten beiden Nächte ein Hotel in Ao Nang gebucht. Bei unserer Ankunft sind wir positiv überrascht – wir waren bereits einmal im Urlaub in Krabi und hatten den Strand von Ao Nang als nichts Besonderes in Erinnerung. Unser Hotel ist dieses Mal aber auch nicht direkt am Ao Nang Beach, sondern einen Strand weiter nördlich am Strand Hat Noppharat Thara. Die beiden Strände sind allerdings nur durch einen mächtigen Kreidefels getrennt und zu Fuß ist man locker in 15 Minuten an der Strand-Promenade Ao Nang’s. Der Strand Hat Nappharat Thara ist breiter, länger und naturbelassener als der Ao Nang Beach. Am nördlichen Ende des langen Strand erhebt sich einer der vielen Karstfelsen in der Bucht von Ao Nang aus dem Wasser und bei Ebbe verbindet eine lange Sandbank die Insel mit dem Strand. Hier lässt es sich herrlich planschen, die Zehen in den Sand strecken und das Strandleben genießen. Die Strandpromenade ist noch sehr einfach, anders als in Ao Nang zieren sie keine Shops, die alle dieselben Souvenirs verkaufen, sondern einfache Saftbar-Stände stehen vereinzelt zwischen Ödland, Resorts und einfachen Restaurants. Direkt hinter dem Strand verläuft die Hauptstraße, allerdings hält sich der Verkehr aus Tuktuks, Taxis und Motorrollern in Grenzen.

Wir finden direkt nach unserer Ankunft einen kleinen, einfachen open air Food Court und genießen bei leckeren Fruchtshakes unseren ersten Papayasalat seit langem. Es sollte der erste von Drölftausend in diesen 2 Wochen sein.

Eigentlich wollen wir am 26. Oktober nach Koh Yao Yai übersetzen. Da an diesem Tag aber der letztjährig verstorbene König in einer feierlichen Zeremonie eingeäschert wird, ist ein nationaler Feiertag ausgerufen und aller Fährverkehr eingestellt. Wir verlängern also unseren Aufenthalt in Krabi um eine Nacht und verbringen nochmal einen Tag am Strand.
Das Schnorcheln um die Karstinsel ist leider nicht so bunt wie erhofft, durch die Regenzeit ist der Meeresboden aufgewühlt und Sedimente verringern die Sicht. Wir machen daher einen Spaziergang zum Ao Nang Beach. Am südlichen Ende führt hier ein kleiner Trampelpfad über einen Hügel hinein in den Nationalpark und in eine wunderschöne Bucht.

Gerade als wir hier nach einem erfrischenden Bad im Meer aus den Fluten steigen, ergießt sich über unseren Köpfen ein Monsunschauer. Während alle anderen Strandbesucher schnell unter der überdachten Poolbar des einzigen Hotels in der Bucht Schutz suchen, duschen wir lachend unter einem Palmwedel, lauschen dem rollenden Donner und genießen die kurze Abkühlung. Kurz darauf verziehen sich die Wolken wieder und klatschnass, aber fröhlich machen wir uns auf den Rückweg.

Am nächsten Morgen geht es dann endlich auf die Insel. Statt für 650 Baht pro Person direkt mit dem Schnellboot vom Pier am nördlichen Ende des Hat Nappharat Thara Strandes in 40 Minuten nach Koh Yao Yai überzusetzen, entscheiden wir uns für eine Fahrt mit dem Tuktuk zum Tha Len Pier weiter nördlich und nehmen von dort ein lokales Langheckboot, für das wir je 200 Baht bezahlen. Auf diese Weise sehen wir auf der vierzigminütigen Fahrt zum Pier noch etwas mehr von der schönen Landschaft Krabi’s und einige beeindruckende Karstberge.

Schon die Überfahrt von Krabi nach Koh Yao ist ein Erlebnis – auf dem knatternden Longtailboot geht es vorbei am steil aufragenden Felsen und unbewohnten Karstinseln mit wunderschönen Buchten und schneeweißen Stränden. Ein von Palmen gesäumter schneeweißer Strand ist auch das Erste, was wir von Koh Yao Yai sehen. Wenn das mal kein guter erster Eindruck ist.

KOH YAO YAI

Die Vegetation der bergigen Insel besteht aus grünen Hängen unberührter Natur, darin eingebetteten Kautschukplantagen und unbefestigten Küsten. Dazwischen liegen eine Handvoll kleiner Dörfer, deren überwiegend muslimische Bevölkerung unglaublich freundlich ist. Wir legen im Norden der Insel am Pier Klong Hia an. Mit einem Tuktuk fahren wir in das Hotel „Baan Taranya“ im Osten der Insel. Nach einem netten Empfang und einem leckeren Begrüßungsdrink können wir auch schon direkt unsere Flitterwochen Villa beziehen – ein freistehender Bungalow mit Meerblick, doppelten Schwingtüren ins große Bad mit Regendusche und eigener Terrasse. Die Villa ist ganz aus Holz und sehr gemütlich. Rückblickend ist das Baan Taranya das beste Hotel unserer Thailandreise und wir fühlen uns hier so wohl, dass wir unseren Aufenthalt um 2 Nächte verlängern. Das Restaurant – in denen wir einige der leckersten Gerichte der 2 Wochen essen – ist ebenso wie der Rezeptionsbereich Open Air und direkt vorne am Strand. Daneben ist ein gemütliches Stranddeck, das zum Fruitshake schlürfen und Fischer beobachten einlädt. Direkt neben dem Hotel liegt ein großer Pier und in den frühen Abendstunden ist dieser Treffpunkt der lokalen Bevölkerung.

Wir mieten uns einen Rollen für 2 Tage und dürfen diesen sogar noch einen weiteren Nachmittag umsonst fahren. Wir lassen es gemütlich angehen und machen öfters Pausen, um irgendwo einen frischen Fruitshake zu trinken – trotzdem reichen die 2 Tage gut aus, um die komplette Insel zu erkunden.

STÄNDE AUF KOH YAO YAI

Das Baan Taranya liegt direkt am langen Strand Ao Hin Kong, der bei Ebbe allerdings wie alle Strände der Ostseite in sehr flaches Schlickwatt übergeht. Das Meer ist dann gut 400 Meter weiter draußen.


Eine halbe Stunde südlich führt eine 3 km lange, unscheinbare Holperpiste in die kleine Bucht Lam Nok Ok. Deren herrlich goldgelben Strand haben wir komplett für uns allein – samt der tollen Baumschaukel.


Über das sehr einfache Fischerdorf Ban Klong Din Nhaew im Süden der Insel gelangen wir zum Strand Loh Jark im Südwesten. Vom Pier in dieser Bucht aus fahren Boote nach Phuket und zu zwei winzigen vorgelagerten Inseln ab. Der Strand der Bucht ist sehr schön und bei einem kalten Bier und leckerem Papaya Salat schauen wir entspannt eine Weile aufs Meer, bevor wir unsere Erkundungstour fortsetzen.

Der Strand Loh Pared an der Westküste liegt ideal zum Bewundern wunderschöner Sonnenuntergänge und ist gleichzeitig der einzige Strand der Insel mit touristischer Infrastruktur. Auf dem goldgelben Band feinen Sandes finden sich Saftstände, Massageliegen, mehrere Touranbieter und dahinter einige Hotels.

Uns hält es nicht allzu lange hier – wozu an einen belebten Strand, wenn wir andere ganz für uns allein haben können? Das haben wir eine halbe Stunde Rollerfahrt später in der etwas versteckten Son Bay im Nordwesten der Insel.

Der paradiesischste Strand der Insel befindet sich im Nordosten Koh Yao Yais, nur 5 Minuten vom Bootspier entfernt. Hier zieht sich eine palmengesäumte, schneeweiße Sandzunge hufeisenförmig 2-3 Kilometer lang ins türkis farbene Meer. Bei Ebbe ist der Strand aufgrund des flachen Wassers nicht wirklich zum Baden geeignet, aber dann kann man wie wir auf dem puderfeinen Sand ganz and Ende laufen und Tausende kleiner Krebse bewundern.

Wenn wir in unseren 4 Tagen auf Koh Yao Yai nicht gerade mit dem Roller die Insel erkunden, lesen wir gemütlich auf unserer Verandah, planschen im Pool, kayaken durch die Bucht zu einer vorgelagerten Insel und zu einsamen Strände oder schlürfen Fruitshakes auf dem Stranddeck. Oh – oder wir sind gerade in einem der verstreuten kleinen Restaurants mega lecker thailändisch essen…

So können wir es gut aushalten. Nach ein paar Tagen entscheiden wir trotzdem, weiterzuziehen – schließlich wollen wir such noch Koh Yao Noi kennenlernen. Für die zehnminütige Überfahrt bezahlen wir 60 Baht und schon kann es los gehen.

KOH YAO NOI

Das nördlich gelegene Koh Yao Noi ist noch winziger als Koh Yao Yai. Mit einem gemieteten Roller fahren wir in an einem halben Tag alle Straßen der Insel ab. Noi ist dichter besiedelt als Yao Yai und wie auf ihrer Schwesterinsel leben auch die größtenteils muslimischen Bewohner diesen kleinen Inseljuwels hauptsächlich vom Fischfang, Kautschukanbau und Tourismus. Die Dörfer konzentrieren sich auf den südlichen Inselteil, der Norden ist durchweg nur mit Trampelpfaden durchzogene Natur und vereinzelte Kautschukplantagen.
Trotz ihrer kleineren Fläche gibt es auf Yao Noi auch schon mehr Tourismus als auf Yao Yai. Dieser konzentriert sich vor allem auf die Strände Thakhao und Klong Jark im Südosten der Insel, wo mehrere Luxushotels in die grünen Hänge gebaut sind. Anders als auf Yao Yai finden sich in 2-3 Dörfern auch bereits Souvenirläden und einige hippe Cafés zieren die einfachen Marktstraßen. Wir haben uns mit dem „Sunglobe Bungalows“ ein Hotel im Innern der Insel ausgesucht. Vor allem im Vergleich zum Baan Taranya aber ist es recht einfach – ihm fehlt etwas an Flair.

Dafür finden wir auf unserer Tour um die Insel einen wunderschönen, versteckten Strand. Der Long Beach im Nordosten der Insel ist nur über eine ca 9 km lange holprige Dschungelpiste zu erreichen. Das letzte Stück davon ist nicht für Mopeds gemacht – aber dennoch irgendwie befahrbar.

Hier am quietschfeinen Strand erwarteten uns gleich 2 einsame Baumschaukeln – klar, dass wir bei der Aussicht natürlich ausgiebig schaukeln mussten! Wer würde das nicht?! Unter Wasser war die Sicht aufgrund der Regenzeit und des kommenden Vollmonds leider sehr eingeschränkt. Da unser Hotel wie gesagt nichts Besonderes ist und wir das Gefühl haben, eigentlich auch alles auf der Insel gesehen zu haben, ziehen wir nach 2 Nächten auf Noi weiter nach Phuket.

PHUKET

Statt allerdings eines der zahlreichen direkten Boote dorthin zu nehmen, gehen wir morgens um 7 Uhr an Bord des täglichen Bootes nach Phang Nga. Auf diese Weise kommen wir noch zu einer zweistündiger Bootsfahrt durch die Phang Nga Bucht mit ihren zahlreichen Karstformationen und Inseln. Dabei fahren wir auch direkt am James Bond Felsen (Schauplatz von 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt) und dem schwimmenden Dorf Koh Panyee vorbei. Vom Phang Nga Pier aus nehmen wir für 50 Baht ein Tuktuk zum Busbahnhof, wo wir für gerade einmal 100 Baht pro Person in einen direkten Minivan nach Phuket einsteigen. 2 Stunden später finden wir uns auch schon auf Thailands größter Insel wieder. Genauso lange brauchen wir nochmal mit dem Songthaew aus Phuket Town heraus zum Kata Beach, an dem unser Hotel liegt. Eigentlich ist Phuket nur 40 km lang und an seiner breitesten Stelle 21 km breit – durch die sehr dichte Bebauung und den starken Verkehr verliert sich aber abseits der Strände schnell das Gefühl, auf einer Insel zu sein.

Mit dem Chanalai Romantica Resort haben wir uns hier ein eher gehobenes Hotel gegönnt. Unser Zimmer ist auch wirklich riesengroß, raffiniert beleuchtet und kommt mit Badewanne, riesiger Regendusche und eigenem Balkon. Das Hotelpersonal ist wie überall super freundlich und das Frühstücksbuffet bietet neben einer Eierstation eine große Auswahl – und ist mit seiner Verfügbarkeit bis 10.30 Uhr endlich mal urlaubsgerecht, wie die Nachteule von uns beiden findet.

So pendeln wir zwischen dem großen Hotelpool und dem Kata Beach, der zu Fuß 10 Minuten von unserem Hotel entfernt liegt. Die Strände sind ohne Frage das Schönste auf Phuket und auch der Kata Beach ist da keine Ausnahme, wie er schneeweiss in eine hufeisenförmige Bucht eingebettet da liegt. Gleichzeitig ist hier natürlich einiges mehr los als auf Koh Yao: Phuket ist – neben den deutschen – vor allem bei russischen Pauschalurlaubern sehr beliebt. Bars, Restaurants, Shops, Massagestudios und Schönheitssalon reihen sich nahtlos aneinander und die meisten haben zusätzlich zu englischen auch russische Speisekarten ausliegen. Insgesamt ist es hier sehr touristisch und ein typischer Resort-Ort, der so auch überall sonst am Meer stehen könnte.

Wir ziehen daher nach 2 Nächten am Kata Beach um in eine kleine Bungalowanlage am Strand Bang Tao im Norden Phukets. Hier ist allgemein sehr viel weniger los und statt mehrstöckigen Hotelanlagen finden sich hier noch einfache Strandbars, in denen man zum Sonnenuntergang in Ruhe einen Cocktail schlürfen und dabei die Zehen in den Sand bohren kann. Zuvor hatten wir uns überlegt, noch zur Full Moon Party auf die Insel Koh Phangan weiter zu ziehen, uns dann aber entschieden dies einmal außerhalb unserer Flitterwochen nachzuholen.

Stattdessen feiern wir am Abend des 3. Novembers das Lichterfest Loi Krathong. Loi Krathong wird landesweit jedes Jahr am Tag des Vollmonds des 12. Monats gefeiert. Dabei werden kleine Boote aus Bananenblättern mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen geschmückt und auf Flüssen oder im Meer zu Wasser gelassen. Das Treiben lassen der Flöße symbolisiert dabei das Loslassen von Groll und allem Ärger und einen reinen Neuanfang für das neue Jahr. Im Norden Thailands und besonders in Chiang Mai werden zu Loi Krathong – dort Yi Peng genannt – Hunderte leuchtender Himmelslaternen steigen gelassen. Auch in Phuket steigen diese vereinzelt in den Himmel auf. Ein wunderschöner Anblick. Zu Ehren von Loi Krathong sind die Straßen Phuket’s mit bunten Bändern feierlich geschmückt, überall ertönt traditionelle Musik und die Hotelangestellten tragen traditionelle thailändische Gewänder. Wir nehmen am festlichen Dinner in unserem Hotel teil und haben das riesige Buffet fast ganz für uns alleine. So kommen wir zum 1. romantischen Candle Light Dinner in unseren Flitterwochen. Nach dem Essen setzen wir unseren eigenen Krathong aus Bananblättern in die Brandung aufs Meer.

Wenn Phuket das Mallorca Asiens ist, ist Patong dessen Ballermann. Vor allem die Banglao Street bietet hier des Nachts alles, was man(n) sich wünscht – oder sich auch lieber nicht wünscht. Einen Abend spazieren wir hier ebenfalls kurz durch, finden zwischen den Angeboten von Ping Pong Shows und Gogo Bars aber nichts, was uns sonderlich reizt.
Da finden wir den Mai Khao Strand direkt hinter dem Internationalen Flughafen von Phuket deutlich spannender – hier fliegen nur wenige Meter über einem die Flugzeuge im Start- oder Landeanflug hinweg.

Daneben wird auf ganz Phuket alles an Entertainment angeboten, was Thailand zu bieten hat: wer möchte, kann morgens Fallschirm springen und Tauchen gehen, nachmittags Elefanten reiten und auf einer Zipline durch den Regenwald sausen oder gleich den ganzen Tag in einem Vergnügungspark verbringen und abends eine von unzählige Unterhaltungs-Show besuchen. Uns genügt es vollkommen, an verschiedenen Stränden zu schnorcheln und auf Tour mit dem Roller Strände, Aussichtspunkte und neue Thai Gerichte zu entdecken. Aber jedem das Seine 😉

Mit noch ein bisschen Markt-Shopping, Rollertouren, Zeit am Strand, einem Besuch in der Altstadt Phukets und beim Großen Buddha sowie der Besichtigung des einen oder anderen Tempels gehen die 5 Tage, die wir insgesamt auf Phuket verbringen, auch so schnell vorbei.

Insgesamt müssen wir sagen, dass es uns rein nach Phuket eher nicht mehr ziehen wird. Phuket ist uns für unseren Geschmack – zumindest im Süden – zu kommerziell. Aber als Ausgangspunkt zu Thailand Inselwelt in der Andamanensee eignet sich Phuket hervorragend. Und dann ist es auch schon soweit. Ein letztes üppiges Essen mit Thai Curry, Papaya Salat und Thom Yum und schon hebt unser Flieger ab und bringt uns an unsere nächste Destination…

Ein neuer Abschnitt unserer (Lebens-)Reise!

Ein neuer Abschnitt unserer (Lebens-)Reise!

Wir haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Auf unserer Reise. In unserem Leben.

Diesen Sommer haben wir geheiratet. Von nun an treten wir unsere Reisen und die durch unser Leben als Ehepaar an. Ab jetzt brauchen wir nicht mehr korrigierend eingreifen, wenn in asiatischen Ländern, in denen die Menschen oft bereits mit Anfang Zwanzig verheiratet sind, andere unsere jeweilig bessere Hälfte als „your wife“ oder „your husband“ betiteln und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass wir denselben Nachnamen tragen. Denn von nun an sind wir genau das: Ehemann und Ehefrau.
Noch klingt es ungewohnt, uns gegenseitig so vorzustellen. Aber es geht schon gut über die Lippen.

Der 9. September 2017 war ein wunderschöner Tag. Dass das Wetter nicht so mitgespielt hat wie erhofft, spielte dabei gar keine Rolle. Es war dennoch einer der emotionalsten, intensivsten und besondersten Tage unserer bisherigen Beziehung. Und einer der Schönsten. Es war unsere perfekte Hochzeit, genau so und noch viel schöner, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Dass wir diesen Tag mit unseren Familien und vielen unserer liebsten Freunde teilen konnten, hat ihn noch wunderbarer gemacht.

Fast ein dreiviertel Jahr lang haben wir den Tag erwartet, herbei gesehnt und vorbereitet. Zwischendurch auch mal gedacht, dass wir froh sind, wenn er denn dann vorbei ist. Nicht, dass wir wirklich so viel Stress mit der Planung hatten. Andere planen ihre Hochzeit erfolgreich neben einem Vollzeitjob, dessen sind wir uns voll und ganz bewusst. Aber dennoch steckt bei der Vorbereitung einer Hochzeit eben viel Herzblut drin und manches Mal mussten wir – oder besser die Braut 😉 – einfach mal tief durchatmen und überlegen, ob die eigenen Ansprüche nicht viel mehr aufgebauschte Erwartungen seitens der Hochzeitsindustrie sind und ob wir das, was in Hochzeitsmagazinen, auf Messen oder ähnlichem als notwendig präsentiert wird, wirklich persönlich wollen. Zum Glück kam dann zuverlässig der Bräutigam und hat die Braut ganz cool wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Also haben wir neu überlegt, geplant, Ideen gehabt, wieder verworfen und neue Pläne aufgestellt. Und alles konnten wir auch gar nicht planen. Wie auch auf unserer Reise mussten wir bei manchen Dingen darauf vertrauen, dass sich Dinge fügen. Und das taten sie. Besser, als es jede Planung hätte ermöglichen können. Und da wir die meiste Zeit auf einem anderen Kontinent unterwegs waren, haben wir auch oft machen lassen. Dann übernahmen unsere fantastische persönliche Hochzeitsplanerin / unsere Trauzeugen. Danke!

Auch an unserem großen Tag selbst und das ganze Hochzeitswochenende über durften wir uns darauf verlassen, dass um alles gesorgt wurde und wir uns um nichts kümmern mussten. Wir durften einfach nur genießen – uns als Brautpaar, unseren Tag und viele fantastische Überraschungen. Auch dafür sind wir sehr dankbar!

Den neuen Lebensabschnitt leiten wir passenderweise mit einer Reise ein. Am 22. Oktober 2017 ging es los: 2 Wochen Flitterwochen in Thailand. Spontan gebucht, weil der Flug von Singapur aus unausschlagbar günstig war und Thailand für uns immer geht. Außerdem lag es quasi auf dem Weg. Denn genau genommen waren diese herrlichen 2 Wochen süßen Insel-Nichtstuns nur der Auftakt zu unserer eigentlichen Reise. Nach Australien.

Downunder verbringen wir sozusagen „Flittermonate“. Solange, bis wir Mitte nächsten Jahres zu unserer nächsten Destination aufbrechen. Die ganz ungewohnt sogar bereits fest steht. Unsere Lebensreise geht weiter. Um den Globus. Spannend und wie bisher weitgehend ungeplant. Eines ist sicher: langweilig wird es nicht werden. Und es wird auch weiterhin jede Menge zu erzählen geben.

Das Ende: ungewiss.

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Schließt einmal kurz die Augen und stellt Euch folgendes vor: schneeweisse Sandstrände und die türkis schimmernde Karibik…antike Stätten eines ehemals mächtigen Herrschervolkes…halb zerfallene Dschungelruinen…mit Süßwasser gefüllte Kalksteinhöhlen mitten im Wald…eine siebenfarbige Lagune…das weltweit längste unterirdische Flusssystem…

Könnt ihr es vor Euch sehen? Ja? Dann: Herzlich willkommen in Yucatan!

Die mexikanische Halbinsel, die den Golf von Mexiko vom karibischen Meer trennt, bietet all das. Da ist es kein Wunder, dass Yucatan die mit Abstand meistbesuchte Region Mexiko’s ist. Für uns war es nicht zwingend, dass wir hier gelandet sind. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, Yucatan einmal im Rahmen eines Urlaubs aus zu bereisen. Denn Flüge von Europa nach Cancun gibt es schon ab 200 €. Aber auch der mit Abstand günstigste Flug von Havana aus geht Anfang Mai 2016 nach Cancun. Also ab nach Yucatan!

Ursprünglich wollten wir nach den 3 Wochen teils schnellen Reisens auf Kuba also zunächst ein paar ruhige Tage auf der Isla Mujeres oder der Isla Holbox verbringen. Aber durch die Erzählungen anderer Reisender ahnen wir, dass die Isla Mujeres uns gerade vieeeel zu touristisch wäre. Und unseren Traum vom Schnorcheln mit Walhaien rund um die Isla Holbox verwerfen wir nach etwas Recherche aufgrund der nicht gerade tierfreundlich scheinenden Methoden dort auch kurzerhand. (Mehr dazu hier) Stattdessen machen wir uns mit dem Bus auf ins Inland und fahren nach Valladolid. Valladolid ist eine schöne mexikanische Kleinstadt im Kolonialstil, wie wir zuvor schon mehrere in Mexiko´s Inland besucht haben. Das Stadtzentrum bildet üblicherweise ein begrünter Platz, auf dem sich in den lauen Stunden des Tages das öffentliche Leben abspielt und sich die Einwohner zum Flanieren, Flirten und Unterhalten treffen. An einer Seite der Plaza Mayor dominieren meist eine bis mehrere Kirchen das Stadtbild. Darum ziehen sich gepflasterte Einbahnstraßen, die von farbenfrohen, kolonialen Häuserfassaden gesäumt sind.

Valladolid gefällt uns recht gut. Es ist weniger vollgestopft und verkehrslastig als Oaxaca, die Luft ist gut und die Stadt hat genau die richtige Größe, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad alle interessanten Plätze bequem erreichen zu können. Der Hauptgrund um nach Valladolid zu reisen aber ist seine Lage – es liegt geradezu perfekt, um von hier aus in Tagesausflügen antike Mayastätten und einige der schönsten Zenoten des Landes zu erkunden.

EK BALAM

Bevor wir uns Chichen Itza widmen, die ihrerzeit eine der bedeutendsten Mayastädte war, erkunden wir zuerst noch die weniger bekannte Mayastätte Ek Balam. (Danke für den Tipp, Steffi & Tobi!). Die Ruinen von Ek Balam sind im Gegensatz zu Chichen Itza nur teilweise restauriert und große Teile der Stadt sind nach wie vor von Dschungel überwuchert. Deshalb ist die Stätte auch viel kleiner als Chichen Itza und zieht weit weniger Besucher an. In unseren Augen ein großer Vorteil, denn so haben wir die Ruinen teilweise für uns allein. Auch ist es hier – anders als in Chichen Itza – noch erlaubt, durch und auf die Steinbauten hinauf zu steigen und so von den Dächern aus wie einst die Maya weit über das bewaldete Umland zu blicken. Da es hier ruhiger zugeht als in Chichen Itza fühlen sich in Ek Balam noch viele Vögel und Echsen wohl und wir können einige farbenfrohe und außergewöhnliche Exemplare beobachten. Da Ek Balam nicht ganz so groß ist, hat man an einem halben Tag gut alles gesehen.

TIPP: Wir empfehlen auf jeden Fall, die Ruinen früh zu besichtigen und rechtzeitig zum Einsetzen der Mittagshitze den Rückweg anzutreten.

CENOTEN X’KEKÉN und SAMULA

Zurück in Valladolid leihen wir uns Fahrräder aus, um zu den nahe gelegenen Cenoten X‘ Kekén und Samula zu radeln. Die Sonne brennt hier mittags unerbittlich und so ist eine Abkühlung im kühlen Nass genau das, wonach uns der Sinn steht. Cenoten sind dolinenartige Kalksteinhöhlen, die durch den Einsturz der Höhlendecken entstanden und mit Süßwasser gefüllt sind. In ganz Yucatan finden sich diese Höhlen, viele davon liegen versteckt in den Wäldern. Die beiden, die wir an diesem Tag besuchen, sind aber ziemlich bekannt und überirdisch schon sehr touristisch ausgebaut. Dafür sind sie aber unterirdisch wunderschön! Da nicht die kompletten Decken hinabgestürzt sind, kommen wir uns in beiden vor wie in unterirdischen Swimming Pools. Durch die Löcher in der Decke fällt beide Male ein Strahl natürlichen Sonnenlichtes und erhellt die Höhlen in blau-grünlichem Schummerlicht. Das Wasser ist glasklar und erfrischend – und sogar ziemlich viele Fische tummeln sich hier unten. So lassen wir uns fasziniert zwischen Lianen und Baumwurzeln auf dem Rücken treiben und genießen wieder mal die Wunder unserer Natur!

CHICHEN ITZA

Am nächsten Tag dann erkunden wir natürlich auch Chichen Itza. Herzstück der berühmten Mayastätte ist das meist fotografierte Bauwerk Mexiko’s: die Pyramide des Kukulcán. Auf der enorm weitläufigen Anlage befinden sich aber noch unzählige weitere Bauten wie das Observatorium, die antiken Spielstätten, verschiedene Tempel und Palastruinen. Die meisten Gebäude sind größtenteils restauriert und wiederaufgebaut, wodurch man sich gut vorstellen kann, wie die Stadt zur Zeit der Maya ausgesehen haben muss. Ansonsten weiß man aber leider sehr wenig über die Geschichte hinter Chichen Itza. Und so ranken sich viele Mythen um diese Stadt, die einst eine der bedeutendsten Stätten des Maya-Reiches war. Deswegen würden wir auch nicht unbedingt empfehlen, einen der zahlreichen wartenden Touristen-Führer anzuheuern, sondern eher dazu raten, bei einem Spaziergang die vielen Bauten einfach auf sich wirken zu lassen, sich dann in Ruhe auf einen Stein zu setzen und die faktischen Hintergründe im Reiseführer nachzulesen. Und auf jeden Fall schon gleich morgens bei Öffnung der Tore um 8 Uhr herkommen! Denn so gegen 11 Uhr kommen Scharen von Reisebussen mit Tagestouristen aus Cancun an und dann schieben sich die Massen im Gänsemarsch über das Gelände!

RIVIERA MAYA

Den gleichen Tipp geben wir auch zur Besichtigung der Maya-Ruinen in Tulum. Hier am besten gleich morgens ab 7 Uhr in Ruhe die Stätte besichtigen und anschließend ganz entspannt in die wunderschöne Bucht absteigen, solange die Massen sich über die Ruinen hermachen. Denn das Schönste an der Anlage ist eben diese Lage oberhalb dieser Bucht: die Mayastätte in Tulum thront direkt am Rande steil abfallender Klippen, darunter das blau leuchtende Meer der Karibik. Die Maya hatten wirklich ein Auge für Architektur mit Ausblick. Nicht umsonst wird dieser Teil der Karibikküste die Riviera Maya genannt.

Ansonsten hat uns der Ort Tulum definitiv nicht umgehauen. Eine sechsspurige Straße zieht sich durch das wenige Kilometer vom Meer entfernte Dorf und auf beiden Seiten reihen sich austauschbare Shops, Restaurants und Bars aneinander. Direkt am Meer reihen sich teure Boutique-Hotels mit großen Namen aneinander. Trotzdem zieht der Ort nicht nur einen beachtlichen Touristenstrom an, sondern auch viele Aussteiger, die sich hier niederlassen um Tattoo Shops, vegane Restaurants, hippe Hostels etc. zu eröffnen. Wir wären direkt weiter gezogen – wäre da nicht noch eines der professionellsten Yoga Studios unserer Reise gewesen und die Möglichkeit, die Cenoten zu betauchen…denn DAS wollte sich Biene auf keinen Fall entgehen lassen. Hat sie zum Glück auch nicht!

CENOTEN-TAUCHEN MIT Aquatic Tulum

Denn so haben wir die Ehre, Alejandro Alvarez Enriques kennenzulernen. Alejandro ist der Besitzer der ersten Tauchschule Tulum’s und selbst eine absolute Koryphäe unter den Höhlentauchern Mexiko’s. Vor wenigen Jahren hat Alejandro auf einer seiner Expeditionen mit dem National Geographic in die bis heute größtenteils unerforschten Tiefen des unterirdischen Flusssystems menschliche Überreste gefunden, die die Theorien über die globale Ausbreitung der Menschheit komplett über den Haufen warfen und ganz neue Erkenntnisse zuließen (mehr dazu hier). Eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Alejandro nimmt Biene kurzerhand unter seine Fittiche und so bereitet sie sich nicht nur beim Yoga in dem von seiner Lebensgefährtin geführten Yogastudio bestens auf die Tauchgänge vor, sondern erfährt nebenbei noch viel mehr über das faszinierende Höhlensystem, als das in einer der zahlreichen anderen Tauchschulen möglich gewesen wäre. Fast wären wir sogar noch in das der Tauchschule angeschlossene Loft unter demselben Dach wie das Yogastudio umgezogen – das wäre die perfekte Kombination aus Yoga, Tauchen und Entspannung gewesen! Da wir aber nur wenige Tage bleiben wollten, lohnte es sich leider nicht mehr umzuziehen. Aber bei unserem nächsten Aufenthalt in Tulum würden wir nirgendwo anders einziehen als hier:

Mit Alejandro’s Neffe Alec als persönlichem Tauch-Guide geht Biene auf Erkundungstauchgang in die Cenoten. Zuerst fahren wir zur Grand Cenote. Diese ist außer einigen Felsüberhängen komplett offen und sieht somit aus wie ein natürlicher Süßwasserpool. Da die Cenote auch nicht besonders tief ist, wird sie von der Tauchschule gerne für den 1. Tauchgang angesteuert, um das technische Können des Tauchers einzuschätzen. Uli darf natürlich auch mit und erkundet die Cenote schnorchelnd, während Biene einige Meter tiefer durch die grünlich schimmernde Unterwasserwelt gleitet. Der 2. Tauchgang führt uns in eine andere, abgelegenere Cenote. Diese ist wie eine Grotte größtenteils geschlossen und nur an einer Stelle ist ein Einstieg möglich. Von hier geht es mit Taschenlampen ausgerüstet hinein in die Cenote. Da man ohne spezielle Ausbildung nicht in vollkommen geschlossenen Höhlen tauchen darf, behalten wir den gesamten Tauchgang über den Einstieg mit Tageslicht im Sichtfeld. Dennoch ist es fast rabenschwarz und das Tauchen hier wahnsinnig faszinierend. Und dass, obwohl es hier keine Fischschwärme oder farbenfrohe Korallen wie im Meer gibt. Dafür bilden massive Stalaktiten ein Labyrinth aus grotesk geformtem Fels. Durch die fehlende Strömung und das Süßwasser ist es außerdem, als würde man vollkommen schwerelos durch diese surreale Unterwelt schweben. Grandios!

Es gäbe rund um Tulum noch unzählige weitere besondere Cenoten wie Dos Ojos oder The Pit zu betauchen – aber da Biene zu diesem Zeitpunkt leider noch kein ausreichendes Tauchzertifikat besitzt, müssen wir das wohl oder übel verschieben und irgendwann noch einmal wiederkommen. 😉

LAGUNA BACALAR

Mit dem Bus fahren wir weiter in den Süden Yucatan’s. Obwohl unsere nächste Destination ein See ist, fühlen wir uns dort wie am Meer. Das liegt vor allem an den Farben der Laguna Bacalar – nicht umsonst wird diese das Meer der 7 Farben genannt. Von türkis über marineblau bis hellblau leuchtet das Wasser in den schönsten Farben der Karibik.

Die Laguna Bacalar gefällt uns gut und wir könnten es gut noch einen Tag an dem schönen See aushalten – finden im Umkreis aber leider keine Unterkunft, die uns preistechnisch überzeugt. Das ist leider ein Nebeneffekt des fortgeschrittenen Tourismus auf Yucatan – die Preise sind hier fast überall deutlich höher als im Rest des Landes. Und so verlassen wir Yucatan an diesem Abend nach einer Woche mit vielen neuen Eindrücken und machen uns mit dem Nachtbus auf den Weg nach  Chiapas in den hochlagigen Süden Mexiko’s.

 

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

Diese Woche Dienstag, den 21. März 2017, sind wir seit genau 111 Tagen wieder auf Reisen. Ein guter Anlass finden wir, um über unsere Reise zu philosophieren und Euch schonmal einen kleinen Einblick zu geben, was wir in den vergangenen 111 Tagen so alles erlebt haben:

  1. Wir haben in den 111 Tagen 4 Länder bereist: Brasilien, Argentinien, Chile und Bolivien. Zählen wir die Länder dazu, die wir im Rahmen unserer Überfahrt nach Südamerika per Schiff besucht haben, kommen sogar noch 3 dazu: Italien, Spanien und Marokko. Mit Peru, Ecuador und Kolumbien soll es auf unserer Südamerika-Etappe noch in weitere 3 Länder gehen.
  2. Am 111. Reisetag machten wir eine geile Radtour: Es ging die „Death Road“ hinunter, die Studien vor wenigen Jahren als gefährlichste Straße der Welt belegten. Im Schnitt stürzten 26 Fahrzeuge pro Jahr hier in die Tiefe. Auf der Radtour von La Paz nach Coroico fuhren wir in 3 Stunden über 3.000 Höhenmeter auf der Death Road hinunter! Adrenalin pur!DANKE AN STEFAN K. & STEFAN W., DEREN GESCHENKE WIR FÜR DIESE RADTOUR EINGELÖST HABEN!!
  3. Von den Wasserfällen von Iguazu sind wir durch ganz Argentinien bis an die Südspitze des amerikanischen Kontinents und komplett Chile wieder hoch bis nach Sucre in Bolivien getrampt.
  4. Das macht 12.700 km per Anhalter! Verteilt auf 122 Lifts, die uns hilfsbereite Menschen gegeben haben – viele davon im Auto, auf Pick-up Pritschen, im LKW, in Kleintransportern, auf Ladeflächen…
  5. Unsere exotischsten Lifts waren ein Krankenwagen, ein Polizeiauto, ein Feuerwehrauto und ein Segelschiff!
  6. Unser längster Lift war eine 1.400 km lange Fahrt am Stück im LKW.
  7. Als wir in Bolivien (aufgrund der sehr günstigen Buspreise, des geringen Privatverkehrs überland, der Zurückhaltung der Bolivianer und der Praktik, dass Tramper sich am Benzingeld beteiligen) beschlossen von nun an per Bus weiterzureisen, fühlte es sich an wie das Ende eines Abenteuers. Traurig.
  8. Schon nach 3 Busfahrten sehnen wir uns wieder nach einem eigenen Transportmittel. Nach Aufregung. Nach Abenteuer.
  9. Beim Reisen per Anhalter lernt man die Menschen eines Landes und ihre Geschichten besser kennen als bei jeder anderen Reiseart.
  10. Wir wurden viele Male eingeladen – auf einen Kaffee, ein Mittagessen, eine Übernachtung – und ebenso viele Male beschenkt – mit Keksen, Wasser, einem Umweg für uns etc. Unzählige Male waren wir von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft uns gegenüber überwältigt!
  11. Aus manchen Begegnungen entwickelten sich bleibende Kontakte und sogar Freundschaften.
  12. Wir machten keine einzige schlechte Erfahrung beim Trampen durch Südamerika.
  13. Wir kennen nun alle möglichen latinoamerikanischen Musikstile und die aktuellen Charts aus Argentinien und Chile.
  14. Feuerland und das südliche chilenische Fjordland haben das wohl unwirtlichste – und gleichzeitig unwirklichste – Klima der Erde.
  15. In Patagonien sind Schneestürme, Hagel und Minusgrade selbst im Hochsommer keine Seltenheit. Auch 4 Jahreszeiten an 1 Tag sind ganz normal.
  16. Trotzdem haben wir hier 2 Monate lang ausschließlich gezeltet. Meist in der freien Natur. Unser Zelt ist inzwischen sowas wie unsere Höhle: Aufgebaut, reingewurschtelt, zuhause.
  17. Patagonien ist in allem extrem: extrem wenige Menschen, extrem schöne Natur, extrem starker Wind, extrem rau, extrem starke Sonne, extreme Wetterumschwünge, extrem langwierig zu erreichen, extreme Naturgewalten.
  18. Am Ende der Welt wartet immer ein Regenbogen!
  19. Nach der Zeit in Patagonien nehmen wir verschmutzte Luft und Abgasgeruch viel intensiver wahr.
  20. Der kalbende Gletscher Perito Moreno, die Wasserfälle von Iguazu und die Salar de Uyuni sind zusammen wohl drei der beeindruckendsten Wunder der Schöpfung, die wir bisher sahen.
  21. In Argentinien gibt es eine Provinz, die tatsächlich „La Pampa“ heißt. Sie ist…eben – reine Pampa: dürre Steppe, keine Bäume, keine Besiedlungen, kein Wasser. Die Pampa ist flächenmäßig größer als Deutschland.
  22. Korruption ist eines der größten Probleme für ein Land.
  23. Je höher der Lebensstandard in einem Land ist, desto teurer ist Essen.
  24. Chile, Argentinien und Brasilien haben dasselbe Preisniveau wie Deutschland.
  25. In Boliven ist es teurer Zutaten zum kochen zu kaufen als essen zu gehen. Für 1-2€ bekommt man im Restaurant ein komplettes Menü bestehend aus Suppe, Hauptspeise und Nachtisch.
  26. Hier gibt es auch endlich wieder leckeres Streetfood und frisch gepresste Fruchtsäfte an jeder Straßenecke.
  27. Mangos, Bananen und Avocados schmecken hier noch mindestens 10mal besser als aus dem deutschen Supermarkt.
  28. Wenn die Einheimischen das Leitungswasser trinken, tun auch wir dies bedenkenlos. Bisher ohne Probleme. In Plastikflaschen abgefülltes Wasser kaufen wir nur, wenn es absolut notwendig ist. In 3 Jahren Reisen haben wir viel zu viele Plastikflaschen am Straßenrand, im Meer und überall in der Natur gesehen.
  29. Wir wissen noch nicht genau, was es damit auf sich hat, aber bisher verging noch kein Tag, an dem wir in Bolivien keine Blaskapelle spielen hörten.
  30. Einfach Fragen öffnet alle möglichen Türen.
  31. Nett und mit einem Lächeln fragen sogar Tore.
  32. Egal wie wenig Klamotten wir dabei haben – selbst dann noch ziehen wir manches fast immer an und anderes fast nie.
  33. Nach fast 3 Jahren auf Reisen hat sich unser Gepäck fast um die Hälfte reduziert.
  34. Man kann sich auch in Orte verlieben, nicht nur in Menschen.
  35. Die schönsten Plätze sind nicht leicht zu finden. Und sie stehen in keinem Reiseführer.
  36. Wir sind keine Gruppenreisenden.
  37. Wir sind viel lieber draußen und wandern zur 10. Lagune als länger in einer Großstadt zu sein. Die sehen oft irgendwie gleich aus. Grau.
  38. Vieles kommt auf die Sichtweise an – in Australien’s Outback ist Regen ein Grund zur allgemeinen Freude. Im chilenischen Fjordland tägliches Ereignis.
  39. An den meisten Orten ist es nicht gefährlicher als zuhause.
  40. Fragt man die Einheimischen, ist es im Nachbarland/im Nachbarort/in der Nachbarprovinz immer viel gefährlicher.
  41. Es gibt nur sehr wenige Orte, an denen kein anderer Deutscher ist.
  42. Gastfreundschaft hat nichts mit Wohlstand oder Armut zu tun.
  43. Die Monate im australischen Outback und in Patagonien haben uns geprägt: Größere Menschenansammlungen und vor allem hohes Verkehrsaufkommen gehen uns schnell auf die Nerven.
  44. Wir schlafen inzwischen viel lieber in unserem Zelt als in einem mäßigen Hostel mit verranzter Küche oder schmuddligem Badezimmer.
  45. Aber auch die Nacht in der Turnhalle, die als Notunterkunft aufgrund der Überflutungen in der chilenischen Region Aysen geöffnet war, war nicht so schlecht. Es gab Kaffee, Frühstück und sogar eine heiße Dusche.
  46. Allgemein herrscht das Klischee, Südamerikaner seien unpünktlich. Auf Chilenen trifft das ganz und gar nicht zu. Hier fahren selbst Tourbusse überpünktlich ab.
  47. Es gibt schwarzweisse Delfine! Und Pinguine mit gelben Halskrägen! Und wir haben sie gesehen!
  48. Mit Seelöwen zu schnorcheln war eine der genialsten Erfahrungen unserer Reise!
  49. Insgesamt tragen wir in Südamerika sehr viel häufiger unsere Wanderschuhe als unsere Flipflops.
  50. Auch unsere Regenjacken hatten wir schon häufiger an als unsere kurzen Hosen. Irgendwie hatten wir uns den südamerikanischen Sommer wärmer vorgestellt. Wir sind aber auch meist in Höhenlagen zwischen 3.000-5.000 Meter unterwegs.
  51. Wenn es dann mal wo warm ist, ist es gleich richtig heiß.
  52. Kurz vor San Pedro de Atacama in Chile haben wir zum 2. Mal (das 1. Mal war an der Westküste Australien’s) den tropischen Breitengrad der Südhalbkugel, den „Tropic of Capricorn“, überquert. Wir freuten uns wie verrückt.
  53. Nichts ist unbefriedigender, als einen Gipfel zu erklimmen – und nichts außer einem grauen Wolkenmeer zu sehen.
  54. In der Regel lohnt es sich, fremden Menschen die Chance zu geben, ihre gute Seite zu zeigen. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschen vorausgesetzt, widerfährt einem unheimlich viel Gutes.
  55. Auch auf einer Reise ist nicht jeder Tag fantastisch. Mal ist es anstrengend, mal mühsam und oft müssen wir uns jedes Mal auf’s Neue außerhalb unserer Komfortzonen wagen. Aber am Ende des Tages werden wir immer wieder für die Anstrengungen belohnt.

Ergo: Diese Reise ist bis heute das Beste, was wir unternommen haben!

6 Freunde, 2 Jahre Reisen, 3 Wochen Karibik – Urlaub vom Urlaub mit Cuba Libre!

6 Freunde, 2 Jahre Reisen, 3 Wochen Karibik – Urlaub vom Urlaub mit Cuba Libre!

Kilometer über Kilometer weisser Sandstrände, Mojitos, ins Blut gehende Salsa-Rhythmen, laue karibische Nächte, Rum, amerikanische Cabrios aus den 50er Jahren, dazu die revolutionäre Stimmung vergangener Zeiten und verschwörerische Rebellion in den engen Gassen vor den bröckelnden Fassaden kolonialer Prachtbauten…

Mit dieser Idee von einem Land wie aus vergangener Zeit in unseren Köpfen stand Kuba schon seit Anbeginn unserer Reise als Destination fest. Obwohl wir nur eine grobe Reiseroute im Kopf hatten, war klar: Kuba wollen wir auf jeden Fall besuchen. Und das so bald wie möglich. Noch bevor die sich langsam annähernden politischen Beziehungen zu den USA es US-amerikanischen Firmen ermöglicht, das Wesen des Landes unwiderruflich zu wandeln und der karibische Inselstaat von Horden amerikanischer Touristen überrannt wird. (Mit diesem Vorhaben sind wir keinesfalls die Einzigen, wie wir merken sollten…)

Wir freuten uns noch aus einem anderen Grund besonders auf Kuba: wir würden Besuch bekommen! Fast 2 Jahre nach unserem Abschied aus Deutschland würden 4 unserer besten Freunde für 3 Wochen mit uns reisen. Einen genauen Reiseplan gab es nicht – nur die Wünsche ohne Urlaubsstress soviel wie möglich vom Land zu sehen, an karibischen Stränden in der Sonne zu brutzeln und an Korallenriffen zu schnorcheln. Nun, das meiste davon hat ganz gut geklappt. Wobei es manchmal gar nicht so leicht war, die verschiedenen Wünsche und Urlaubsvorstellungen aller unter einen Hut zu bekommen: der Eine will braun werden, der Andere in den Schatten, der Eine möchte an den Strand, der Andere mag keinen Sand zwischen seinen Zehen… Aber im Zweifelsfall tranken wir einen Mojito und dann sah die Welt gleich wieder etwas bunter aus 😉 Wir denken, wir haben das gut hin bekommen und hatten einen grandiosen Karibiktrip zusammen!

Voilà, und hier ist unsere Kubareise im Detail:

Ankunft: HAVANNA

Kuba’s pulsierende Hauptstadt bildet den Ausgangspunkt unserer Kuba Rundreise. Von hier starten wir gegen den Uhrzeigersinn und schauen, wie weit wir kommen. Da unsere Flüge recht unterschiedlich auf Kuba landen, nehmen wir uns in Havana Central 3 Zimmer in einem Casa Particular für die ersten 2 Nächte. (Mehr zu Unterkünften in Kuba bald). Co & Alex L. kommen schon einige Stunden vor uns an und so gibt es bei unserer Ankunft gleich ein fröhliches Willkommen im Casa. Wir unternehmen direkt einen ersten Spaziergang zum Malecon, der Flaniermeile und berühmten Ufermauer Havana’s und feiern unser Wiedersehen mit einigen Cocktails, für die Kuba berühmt ist: Mojito, Piña Colada, Daiquiri, Cuba Libre – sie alle haben ihren Ursprung auf Kuba. Rum ist günstig in Kuba – und im Gegensatz zu Trinkwasser überall und zu jeder Tageszeit erhältlich, wie Alex L. & Uli noch in der ersten Nacht herausfinden. Jaaa, es könnte Schlimmeres geben 😉

Ein erster Spaziergang durch das Altstadtviertel Habana Vieja mit seinen zerfallenden Prachtbauten am nächsten Tag führt zu einem gemischten Fazit – während Co & Alex L. eher geschockt sind von dem herum liegenden Müll, dem Zustand der Straßen und den Häusern im Verfall, stellen wir beide fest wie sehr wir inzwischen routiniert über solche Zustände hinweg sehen bzw. daran gewöhnt sind. Was wir dagegen hauptsächlich wahrnehmen ist der morbide Charme dieser bröckelnden Fassaden, der sich auf den zweiten Blick offenbart. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Es wäre leicht, ein romantisches Bild von Havana’s Gassen zu zeichnen – aber dies würde Havana und seinen Einwohnern nur wenig gerecht werden. Für sie ist der allgegenwärtige Verfall in den kleinen Gassen sicher ebenso schwer zu ertragender Zustand wie die kaum mehr bezahlbaren Mieten im von der UNESCO subventionierten und daher hübsch restaurierten und prächtig anzuschauenden Teil des Altstadtviertels.

Am 2. Abend ist mit der Ankunft von Oli & Alex unsere Reisegruppe für die nächsten Wochen vollständig. Es ist herrlich, unsere Freunde plötzlich um uns zu haben und fast so, als wäre seit unserem letzten Wiedersehen nicht 24 Monate, sondern nur wenige Tage vergangen.

2. Stopp: VIÑALES

In einem stilechten grünen Cadillac starten wir unsere Reise über die Insel mit der dreistündigen Fahrt nach Viñales. Zu sechst handeln wir für das Privattaxi denselben Preis aus, den wir auch für den Touristenbus Viazul bezahlt hätten (mehr zu Transport in Kuba bald). Karibische Rhythmen aus dem lauthals aufgedrehten Radio und kubanisches Feeling inklusive!

Unterwegs machen wir Halt auf einer der vielen Tabakplantagen, die das Umland säumen. Hier wird uns der Herstellungsprozess der weltberühmten kubanischen Zigarren wie Cohiba, Monte Christo, Romeo & Julietta gezeigt und wir testen die ersten Züge der „Habanos“.

In Viñales angekommen beziehen wir ein Sechserzimmer in einem Casa Particular am Ortsrand. Ein echtes Schnäppchen – der Zimmerpreis ist derselbe, ob nun 3 oder 6 Personen das Zimmer beziehen. Gut, dass wir uns alle mögen und das Zimmer Klimaanlage und ein eigenes Bad hat 😉 Das Casa besticht vor allem mit einem Pool und dem von uns schnell zur Dachterrasse umfunktionierten Flachdach! Hier lässt es sich herrlich unter dem Sternenhimmel einige Cuba Libre trinken und auf die Geschichten der vergangenen 2 Jahre anstoßen. Davor essen wir noch im hauseigenen Restaurant mit Blick auf die Karstberge, für die die Gegend um Viñales bekannt ist, zu Abend. Dabei machen wir direkt Bekanntschaft mit der durchtriebenen Geschäftstüchtigkeit der Kubaner – als wir fest stellen, dass die Preise in der Speisekarte höher sind als uns zuvor genannt, bekommen wir einen Rabatt zugesichert – andere Restaurantgäste, die nicht im Casa wohnen oder nach haken, zahlen jedoch mehr. So etwas ähnliches passierte uns schon am ersten Abend, als wir noch zu viert in einem Casa Particular in Havana aßen – und uns der Besitzer unter der Hand 50 % Rabatt auf die gesamte Speisekarte gab. Auch wenn in Kuba nach wie vor von Seiten des Staats Kommunismus verordnet ist, herrscht im Privaten wachsender Kapitalismus. Bedenkt man, dass bis heute große Teile der Bevölkerung von staatlichen Rationen leben, kann man es den Kubanern kaum verdenken, wenn sie den vergleichsweise großen Reichtum der Touristen sehen und auch ein Stück vom Kuchen abhaben möchten. In diesem Zusammenhang muss wohl auch das Verschwinden von Biene’s halbem Rucksackinhalt von der Wäscheleine des Casa Particular in Viñales gesehen werden…

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausritt durch den Parque Nacional Viñales. Die Natur hier zählt zu den spektakulärsten Landschaften, die Kuba zu bieten hat. Schwarze Karstberge – genannt Mogotes – erheben sich majestätisch über üppig grünen Tabakfeldern und den hier wüchsigen Königspalmen. Auf Pferden mit so passenden Namen wie Cuba Libre, Mojito und Luzerno reiten wir durch das „Tal der Stille“ und besuchen mit unserem ausschließlich spanisch sprachigem Guide neben einer Höhle mit Felsformationen in Tierformen auch eine Kaffeeplantage, eine Aussichtsterrasse und eine weitere Tabakplantage. …Ach ja, und dann war da Alex L.´s filmreifer Stunt, als sich sein Pferd spontan im Fluss abkühlen wollte… 😀

Am Nachmittag gönnen wir unseren teils leidenden Hinterteilen Erholung und springen in den Pool unseres Casa’s. Oh, wie strahlt Uli, als er dabei ein lang ersehntes Weizenbier trinken kann, das ihm Alex L. aus Deutschland mitbrachte. 😉

3. Station: Cayo Jutiá

Tags darauf unternehmen wir einen Tagesausflug auf die Insel Cayo Jutiá an der Nordküste. Per Taxi geht es in 1,5 Stunden auf die über einen 4 km langen Damm mit dem Festland verbundene Insel. Dabei hören wir auch zum ersten Mal, dass es der kubanischen Bevölkerung selbst bis heute nicht gestattet ist, die vor dem Festland liegenden Inseln zu betreten, die nur mit dem Boot zu erreichen sind. Es könnte ja jemand per Schiff des Landes fliehen… Die Insel Cayo Jutiá erwartet uns mit dem heiß ersehnten karibischen Sandstrand. Schnorcheln am vorgelagerten Korallenriff ist aber nur per Bootstour möglich. Wir entscheiden uns gegen eine solche und laufen stattdessen 45 Minuten an das nördliche Ende der Insel, wo uns ein wunderschöner einsamer Sandstrand erwartet. Schnorcheln lohnt sich aufgrund der lang gezogenen Sandbank leider auch hier nicht – dafür liegen im kniehohen Wasser zahllose Seesterne und die Jungs nutzen den breiten Strand für ein Faustballmatch.

Zurück in Viñales lassen wir den Strandtag bei kubanischer Live-Musik und – wie könnte es anders sein 🙂 – bei Mojitos und Cuba Libre gemütlich ausklingen. Der nächste Tag ist ein schönes Beispiel für den Unterschied zwischen Urlaub und Reisen:
Wir teilen uns morgens zunächst auf, da Biene & Uli noch etwas über den Verbleib von Biene’s verschwundener Wäsche heraus zu finden versuchen (vergeblich), während die anderen 4 schon einmal in die Schweinebucht vor reisen. Während sie gemütlich im Oldtimer dorthin chauffiert werden, können wir beide etwas später am Morgen nicht anders, als die lokalen Transportmittel auszuprobieren. Unsere Anreise nach Playa Larga beinhaltet zunächst eine Fahrt im – zum Bersten mit Einheimischen gefüllten – Bus (ein umgebauter LKW mit Pritsche auf der Ladefläche) zur nächsten Stadt, von dort einen kurzen Fußweg zur Autobahnauffahrt um den nächsten „Guagua“ anzuhalten (die lokalen Langstreckenbusse dürfen am Busbahnhof keine Ausländer einsteigen lassen, halten am Straßenrand außerhalb auf Winken aber auch für diese), zwei Fahrten mit vollgestopften Collectivos (Sammeltaxis) und eine Fahrt per Anhalter. Das per Anhalter fahren ist auf Kuba übrigens weit verbreitet – Männer wie Frauen jeden Alters stehen hier an den Autobahnbrücken und -auffahrten und trampen. Sprit ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf Kuba teuer – und deshalb nehmen die wenigen Autobesitzer gerne Anhalter mit, die einen Beitrag zum Benzingeld leisten.

So kommen wir beiden 2 Stunden später und mit deutlich weniger Komfort als die anderen, dafür aber auch zu einem Bruchteil des Fahrpreises abends ebenfalls in Playa Larga an. Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, auf Kuba mal so richtig Urlaub zu machen und nicht auf unser Budget zu achten – so ganz aus unserer Backpacker-Haut fahren können wir jedoch nicht, wie wir schon ziemlich bald fest stellen. Und so müssen unsere Freunde öfters mal mit uns an den kleinen Hole-in-the-wall Imbissen essen – was mal mehr, mal weniger genussvoll ist. Dafür immer sehr günstig und authentisch. Zum Ausgleich dafür lassen wir uns aber auch hin und wieder Langusten, Garnelen und andere Köstlichkeiten in den Casa Restaurants schmecken.

Next stopp: BAY OF PIGS – PLAYA LARGA

Von Playa Larga aus unternehmen wir einen Ausflug zur nahen Cueva de los pesces – ein mit Wasser gefüllter, 72m tiefer Riss in der Tektonalplatte. Leider wimmelt es statt der erwarteten bunten Fischvielfalt eher vor planschenden Schnorchlern mit Schwimmnudeln, sodass wir zum Schnorcheln ins Meer ausweichen. Am eindrücklichsten bleiben uns von diesem Ausflug wohl die zahllosen Krebse in Erinnerung, die zur Paarungszeit zu Tausenden über die Straße wuseln…und das schrecklich krachende Geräusch, wenn die Reifen unseres Taxis wieder welche davon erfasst haben…

Bay of pigs – PLAYA GIRON

Per Oldtimer-Taxi fahren wir am nächsten Tag weiter in das nahe Playa Giron. Obwohl der Ort nur aus 2 Straßenzügen besteht, ist er jedem Kubaner ein Begriff: Hier in der Schweinebucht haben die Truppen Fidel Castro’s einst einen groß angelegten Hinterhalts-Angriff der Amerikaner abgewehrt. Wir sind zufällig zum Jahrestag der Militäroffensive hier und bekommen so den Aufbau der großen Feierlichkeiten am Rande mit. Spannender finden wir das aus demselben Anlass statt findende Straßenfest, dem wir zu fortgeschrittener Stunde einen Besuch abstatten. Zuerst gehen wir aber natürlich zum Strand – deswegen sind wir schließlich her gekommen. Besser als das Schnorcheln und der mit Plastikmüll übersäte Strand sind allerdings die Mojitos in der Hotelbar des nahen Strandresorts. 😉 Wir beziehen daher recht bald ein gemütliches Casa. Und da es sonst nicht viel zu tun gibt, läuten wir schon am späten Nachmittag die Mojito Hour ein. Schließlich müssen wir heute bereits wieder von Co & Alex L. Abschied nehmen, die bereits eine Woche vor Oli & Alex wieder ihren Rückflug antreten. Es wird eine lange, feucht-fröhliche Nacht…. Hatten wir schon erwähnt, dass Rum im Gegensatz zu Trinkwasser immer und überall erhältlich ist?! 😉
Dementsprechend ist es am nächsten Morgen noch sehr ruhig in den beiden Zimmern, als Biene zum Tauchen geht. Der Shoredive ist mit 25 € sehr günstig. Trotzdem hält er, was er verspricht. Neben einem in 28 Meter Tiefe liegendem Schiffswrack gibt es eine mit farbenfrohen Hartkorallen bewachsene Steilwand und viele Rifffische zu bestaunen. Das Wasser ist kristallklar und die Sicht hervorragend. Auch das Schnorcheln hier ist das mit Abstand beste auf unserer gesamten Kubareise. Als Biene nach dem Schnorcheln wieder zum Casa kommt, ist es bereits wieder Zeit für Mojiiito. Dann heißt es Abschied nehmen und während Co & Alex L. sich zum Abschluss für einige entspannte Strandtage nach Varadero aufmachen, bringt uns ein schnittiger Oldtimer in Richtung Trinidad.

TRINIDAD

Wenige Kilometer von der UNESCO-Weltkulturerbe Stadt mit seinen farbenfrohen Casas entfernt, suchen wir uns in dem kleinen Fischerdorf Las Bocas ein gemütliches Casa am Wasser aus. Wir handeln einen guten Preis inklusive Frühstück aus und lassen in den Hängematten die Beine baumeln. Einen Tag lang erkunden wir die Gassen von Trinidad, besuchen das Museum über die Glanzzeit der hier ansässigen Zuckerbarone, die der Stadt zu ihrem Prunk verholfen, testen den lokalen Signature-Cocktail Canchanchara und bummeln durch die aufgehübschten Gassen der Altstadt. Anders als in Havana sehen wir in der ehemals reichen Stadt wenig Verfall – aber auch in Trinidad lässt der Standard rasch nach, wenn man die Hauptgassen verlässt.

Ebenfalls einen Tag verbringen wir am 6 km entfernten Playa Ancon, der als schönster Strand der Südküste gilt. Tatsächlich ist der Strand wie aus dem Bilderbuch – nur, dass man den doch recht kühlen Wind auf den Bildern nicht sieht 😉 Uli freut sich hier ein weiteres Mal über ein kulinarisches Mitbringsel aus der Heimat – und verschlingt grinsend wie ein Honigkuchenpferd die gute Büchsenwurst vom heimischen Metzger

Shootingstar: Sancti Spiritus

Die Stadt Sancti Spiritus, die wir nur als Übernachtungsstopp einplanen, stellt sich überraschend als eine der schönsten Städte Kuba’s heraus. Vor ein paar Jahren wurde die Altstadt zu ihrer 500-Jahr-Feier aufwändig restauriert und so erwartet uns neben der Puente Yayabo – der „schönsten Steinbrücke Kuba’s“ unter Anderem eine marmorne Fußgängerzone und ein Casa Particular im Barockstil – inklusive edler Dachterrasse, auf der stilvoll Mojito serviert wird. Aber auch in Sancti Spiritus zeigt sich der für Kuba so typische Kontrast – den Weg zum Busbahnhof legen wir in einer der zahllosen Pferdekutschen zurück (bei diesen machen sowohl die Pferde als auch die Kutsche den Eindruck, als hätten sie schon bessere Tage gesehen).

Von hier starten wir in einen Reisetag à la Biene & Uli und fahren zuerst Guagua und später noch mit dem Zug – was auf Kuba eher ein Erlebnis für sich als ein effektives Vorankommen von A nach B bedeutet. Trotzdem kommen wir am späten Abend in Moron an, von wo aus wir am nächsten Tag auf die Insel Cayo Coco aufbrechen.

UNSER 2. REISEJUBILÄUM

Der heutige Tag ist für UnS ein besonderer Tag! Es ist der 22. April 2016 – und damit unser 2-jähriges Reisejubiläum! Genau vor 2 Jahren haben wir Deutschland den Rücken gekehrt, um auf unbestimmte Zeit zu reisen und die Welt zu entdecken! Im Rückblick konnten wir damals selbst nicht ahnen, wohin es uns verschlagen würde, wie lange wir unterwegs sein würden und ob das überhaupt eine gute Idee war… Dass es das war, wissen wir mittlerweile. Wie viel durften wir in den 2 Jahren sehen und erleben! In den Wochen auf Kuba wird uns das wieder richtig bewusst, wenn wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen zu erzählen bei all den Erlebnissen und Erfahrungen, die wir in den 2 Jahren auf Weltreise schon machen durften! Für dieses besondere Datum haben wir uns ein besonderes Schmanckerl ausgesucht – den schönsten Strand der Karibik, wie es über den Playa Pilar auf der Cayo Guillermo im Reiseführer geschrieben steht. Dort angekommen erwartet uns ein hufeisenförmiger, kilometer langer weisser Sandstrand. Das spiegelglatte Meer ist türkisblau und hat Badewannentemperatur – ganz so, wie es in der Karibik sein soll.

Zur Krönung gibt es eine kleine Strandbar mit unaufhörlichem Nachschub an eiskalten Mojitos, Rum und Cola – mehr braucht es nicht für uns 4, um dieses Jubiläum zu feiern! Und das tun wir! Nach einem herrlichen Strandtag gönnen wir uns im Strandrestaurant zur Feier des Tages Languste, Steak und Shrimp zum Abendessen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an Alex & Oli für die Einladung!

Die Nacht verbringen wir am Strand. Sie wird lang, lustig und legendär… 🙂

Am nächsten Tag wartet direkt der nächste traumhafte Strand auf uns. Auf der Nachbarinsel Cayo Coco liegt der nach seinen pinken Bewohnern benannte Playa Flamingo, der schon deutlich touristischer entwickelt ist als Playa Pilar. Für einen herrlich entspannten Beachtag ist er aber dennoch gut.

Nach einer weiteren Nacht auf der Insel, einem Übernachtungsstopp in Moron und einem langen Reisetag mit Bus, Guagua, Taxi und zu guter Letzt auch noch mit dem Touristenbus Viazul (yeah, wir haben alle Transportmittel durch!) erreichen wir die letzte Station unserer Rundreise: Varadero! Auch wir wollen zum Abschluss noch ein paar entspannte Tage am Strand verbringen. Für die rein auf Touristen ausgelegte Resortstadt spricht dabei eben eindeutig ihr nahezu 20 km langer, schneeweisser Sandstrand.

Letzter Halt: Varadero

Wir beziehen ein Casa in erster Strandreihe und finden in eine faule Urlaubsroutine zum Abschluss: Ausschlafen, Sprung ins Meer, Kaffee am Straßenstand, Sonnen baden, Hamburger am Straßenstand, mehr Sonnen baden, Cuba Libre, Abendessen, mehr Cuba Libre, Sonnenuntergang am Strand, Karten spielen…ach, und vielleicht noch einen Cuba Libre? 😉

Nach 3 faulen Tagen neigt sich langsam auch unser Urlaub auf Kuba seinem Ende zu. Wir vollenden unsere Runde und checken in Havana nochmal für 2 Nächte in das Casa ein, in dem wir bereits zu Beginn unter kamen. Und schaffen es wieder weder ins Rum noch ins Zigarren Museum…irgendwas hat Havana an sich…ob wir wohl nochmal wieder kommen müssen?!

Dann heißt es schon wieder Abschied nehmen und auch Oli & Alex brechen zum Flughafen auf! Adios y hasta luego, amigos! Danke ihr 4 für den tollen Urlaub!

Mexiko  – abseits des Gringo Trails

Mexiko – abseits des Gringo Trails

Endlich Lateinamerika! Nachdem wir 8 Monate in Asien verbrachten, fast 1 Jahr lang den roten Kontinent Australien bereisten, 3 Monate lang durch die Südsee tingelten und Nordamerika einen Kurzbesuch abstatteten, ist es höchste Zeit, diesen Teil unseres Planeten kennen zu lernen. Unser erstes Land in Lateinamerika ist Mexiko. Mit einer jährlichen Besucherzahl von etwa 1,5 Millionen Touristen ist es eines der meist besuchten Länder der Welt. Der Großteil der Reisenden konzentriert sich dabei allerdings auf die Halbinsel Yucatan im Osten des Landes. Diese hat mit einer hohen Dichte historischer Mayastätten, schneeweißen Karibikstränden, dem weltweit größten zusammen hängenden unterirdischem Flusssystem und den einmaligen Zenoten auch Einiges zu bieten. Uns interessiert allerdings auch das andere Mexiko, das größtenteils in Zentralmexiko und im Norden des Landes zu finden ist.

Dafür verwerfen wir auch unseren ursprünglicher Plan, in der Mitte des Landes anzufangen und uns dann über Land bis nach Cancun an der Spitze Yucatans vorzuarbeiten. Das hätte durchaus Sinn gemacht, da wir von hier aus 3 Wochen später nach Kuba fliegen. Aber die anderen Landesteile haben soviel zu bieten, dass wir sie nicht links liegen lassen, sondern genauer erkunden möchten. Hier verraten wir Dir, welche Orte Du unbedingt besuchen solltest, wenn Du noch mehr von Mexiko sehen möchtest als die klassischen Backpacker-Orte auf Yucatan und „den wahren Kern Mexiko’s“ kennen lernen willst!

Da wäre zum Beispiel…

GUADALAJARA

In der zweitgrößten Stadt des Landes sind wir sofort mittendrin im farbenfrohen und fröhlichen Mexiko. Schon im Flieger bekommen wir einen Vorgeschmack auf die Trinkfreudigkeit der Mexikaner, als Biene überrascht gefragt wird, ob sie ihren O-Saft tatsächlich pur und nicht lieber mit Tequila möchte. Die Altstadt von Guadalajara ist aufgrund ihrer prachtvollen Kolonialbauten, erhabenen Kathedralen und zahlreichen schönen Kirchen UNESCO-Weltkulturerbe und gut zu Fuß zu erkunden. Außerdem ist Guadalajara die Geburtsstadt des Mariachi, der hier noch jeden Abend von prächtig gekleideten Musikanten in den Straßen vorgetragen wird. Die bunten Häuserfassaden und die farbenfrohen Straßenzüge sind genau so hübsch, wie wir uns das in Mexiko vorgestellt haben. Auch in Sachen Gastfreundschaft heißt uns Guadalajara direkt herzlich willkommen in Mexiko und gibt uns einen Vorgeschmack auf die vielen Male, die wir in den kommenden Wochen von Einheimischen eingeladen werden sollten. Schon als wir das erste Mal aus unserem Hostel treten, um irgendwo etwas zu essen aufzutreiben, winkt uns der Barkeeper aus der Billardhalle gegenüber zu sich. Wir gehen hinüber und prompt lädt uns der nette Mexikaner zu hausgemachtem Ceviche und einem Bier ein. Ceviche ist roher Fisch, der in kleine Stücke geschnitten mit Tomaten, Chilli, Limettensaft und natürlich Koriander gewürzt wird. Neben Tacos, Enchiladas, Tortas und Burritos eine von vielen mexikanischen Köstlichkeiten (auch wenn Uli irgendwann an Maisfladen-Overkill litt).

TEQUILA

Nur 2 Busstunden von Guadalajara entfernt liegt das Städtchen Tequila, Herkunftsort des gleichnamigen alkoholischen Getränks. Natürlich unternehmen wir einen Abstecher dorthin! Und natürlich dreht sich in dem kleinen Ort alles um den hochprozentigen mexikanischen Exportschlager. Schon auf dem Weg fahren wir durch die endlosen blauen Agavenfelder, die es nur hier gibt und die wie die Lavendelfelder in der Bretagne so regional bedeutsam und besonders sind, dass die UNESCO diese Region zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Vor Ort besichtigen wir die Traditionsdestillerie „Herradurra“. Auf der Führung durch die Hacienda erfahren wir neben der interessanten Geschichte des Tequila auch, wie der süße Fruchtsaft aus dem Herzen der blauen Agave extrahiert und in einem aufwändigen Prozess destilliert wird. Und obwohl wir in unserem Leben schon einige Tequila geleert haben, sind wir bei der anschließenden Verkostung überrascht: der Geschmack des hiesigen Tequila hat nur wenig mit dem Gesöff zu tun, dass aus gutem Grund zusammen mit Salz und Zitrone bzw. Zimt und Orange getrunken wird (was hier übrigens keiner tut). Viel eher erinnert der Geschmack an in Eichenfässer gereiften Whiskey. Auch mit der Qualität verhält es sich gleich – je älter, desto hochwertiger. Und wie lang gereifter Whiskey hat auch der mehrjährige Tequila eine sattgoldene Farbe. In seiner wahren Form also durchaus ein Getränk für Genießer. Und in den verschiedensten Variationen zu haben, was Jahrgang, Preis und Marke anbelangt.

SAN MIGUEL DE ALLENDE

Ein weiteres typisch mexikanisches Getränk lernen wir direkt einen Tag später kennen. In dem netten Örtchen San Miguel de Allende machen wir unsere erste Begegnung mit Micheladas. Das ist Bier mit Tomatensaft, Limette, Chili, Salz und Tobaso auf Eis! Klingt für Anhänger des deutschen Reinheitsgebotes grausam – schmeckt aber überraschend lecker und sehr erfrischend. Und ist eine wahre mexikanische Spezialität!
Obwohl San Miguel de Allende eine hübsche koloniale Altstadt, mehrere großartige Märkte mit allerlei Kunsthandwerk, leckeren mexikanischen Snacks und frischen Obstsäften sowie eine imposante Kathedrale hat, werden es wohl die Micheladas sein, die uns am eindrücklichsten von der Stadt in Erinnerung bleiben. Ach ja – und das wir dort den berüchtigten Stierkampf in der großen Arena um genau einen Tag verpassten.

GUANAJUATO

Guanajuatu ist ein idyllisch gelegenes Städtchen auf 2.000 Metern Höhe mit dem Flair einer netten kleinen Studentenstadt. Auf den vielen schönen Plätzen zwischen den bunten Gassen treffen sich in den lauen Abendstunden die Bewohner, um unter großen Schatten spendenden Bäumen und auf den Treppen rundherum die Neuigkeiten des Tages auszutauschen. In den autofreien und Kopfstein gepflasterten Gassen geht es das ganze Jahr über ruhig und bedächtig zu – außer an einem einzigen Wochenende: Ostern! Dann fällt halb Mexiko in dem kleinen Ort ein, um das wichtigste religiöse Fest des Jahres zu feiern! Und mittendrin 2 kleine ahnungslose Backpacker, die kein Zimmer reserviert haben… Nach unserer Ankunft am frühen Abend schieben wir uns über 2 Stunden durch die zum Bersten mit Menschen und Marktständen vollen Gassen. Mit wachsender Verzweiflung klappern wir mindestens 20 Unterkünfte ab und halten schon nach einem Zeltplatz Ausschau – als wir ganz zentral ein kleines verstecktes Hostal finden, welches noch Dormbetten frei hat. Puh – unser persönliches Osterwunder! Auf den Schreck hin wollen wir noch auf einen kurzen Absacker in eine Bar, aus der laute Rockmusik tönt – und landen in einer rammelvollen Studentenkneipe mit ausgelassener Stimmung! Es vergehen nur wenige Minuten, bis wir ein weiteres lokales Spezialgetränk und eine Gruppe sehr sympathischer Studenten kennen lernen, mit denen wir einige der besagten Mezcal preparada (=Tequila-ähnlicher Alkohol mit Salz, Chili, Limette und Fruchtsaft) leeren und bis in die frühen Morgenstunden um die Häuser ziehen und Salsa tanzen.

Bei einem Spaziergang zum El Papilo hoch oben über dem Ort bewundern wir am nächsten Vormittag den fantastischen Rundumblick auf das zwischen hohe Berge eingebettete Guanajuato, bevor die Feierlichkeiten zur Semana Santa, der heiligen Woche, beginnen. Anders als bei uns wird in Mexiko Ostern richtig groß gefeiert. Wie die meisten lateinamerikanischen Länder ist es überwiegend katholisch und Glaube und Religion spielt im täglichen Leben der Mexikaner noch eine viel größere Rolle als in Mitteleuropa. So mancher deutsche Pfarrer würde sich vielleicht wünschen, seine Kirche sei zur Karfreitagsmesse nur einmal so zum Bersten gefüllt wie hier. Im Anschluss daran wird auf dem zentralen Platz die Ostergeschichte nachgespielt. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die Osterprozession: Hunderte vermummte Gläubige ziehen durch die von Zuschauer gesäumten Straßen. Barfuß und in einfache Säcke gekleidet tragen sie mehrere Stunden lang schwere Holzpodeste mit lebensgroßen Heiligenfiguren durch die engen Gassen. Wir sind mittendrin und saugen die ungewöhnlichen Feierlichkeiten in uns auf.

Tags darauf besuchen wir eine eher gruselige Sehenswürdigkeit: das Mumienmuseum Guanajuato’s. Aus Platzgründen wurden im letzten Jahrhundert die Toten von Guanajuato’s Friedhof exhumiert, für die keine Grabsteuer mehr gezahlt wurde. Dabei stellte man fest, dass durch das trockene Klima und besondere Bodenbeschaffenheiten einige Leichen auf natürliche Weise mumifiziert worden waren. Einige findige Friedhofsmitarbeiter stellten diese in einer Lagerhalle aus und so entstand das Mumienmuseum. Die Mumien mit ihrer ledernen Haut und ihren sehr lebendig anmutenden Gesichtszügen sind für uns ein makabrer Anblick. Irgendwie fühlt es sich moralisch nicht richtig an, diese zur Schau gestellten toten Menschen anzugaffen. Wir verzichten auf eine geführte Tour und sind froh, als wir aus den dunklen Räumen wieder an die frische Luft treten. Nein, nochmal würden wir das Museum nicht besuchen.

Draußen erwarten uns wieder fröhliche Osterfeierlichkeiten. Heute werden die Heiligen, die gestern durch die Straßen getragen wurden, verehrt. Ihnen werden Blumen dargebracht, mit denen die Gläubigen um die Erhörung ihrer Gebete bitten. Wie der Ostersonntag selbst gefeiert wird, erleben wir leider nicht mehr mit, da wir mit dem Nachtbus nach Monterrey fahren.

MONTERREY

Da sind wir schon um mehr als die halbe getingelt und erreichen erst jetzt mit Monterrey die erste Destination unserer Reise, vor der sich Biene ein wenig fürchtet. Denn die Millionenstadt liegt im hohen Norden Mexiko’s. In der Gegend, von der es im Reiseführer heißt, man solle sie besser meiden. Im Gebiet der Drogenbosse und der Mafiakämpfe. Ausgerechnet hier wohnt Uli’s alter Schulfreund Michael, den wir besuchen wollen. Auf der Fahrt mit dem Nachtbus stopft Biene zum ersten Mal in 2 Jahren die US-Dollar, die wir als Notfallreserve mit uns führen, in den geheimen Geldbeutel. Nur zur Sicherheit. Nachtbusse sollen ja regelmäßig überfallen werden. Ein bisschen mulmig ist ihr schon zumute, auch wenn der Sonnenaufgang über der Sierra Madre aus dem Busfenster heraus schonmal traumhaft aussieht. Und dann ist mal wieder alles halb so wild wie das Bild, das die Medien zeichnen. Zwar hat Monterrey definitiv Stadtviertel, in die man sich besser nicht hinein wagen sollte und wohl ist hier auch die Gefahr höher, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein – aber eine für Touristen lebensgefährliche Hochburg der organisierten Gewalt ist Monterrey nicht. Auch wenn man sich bei dem für uns ungewohnten Anblick von Polizei Pick-ups, auf deren Ladefläche immer 2 Beamten mit Maschinengewehren im Anschlag stehen – und die in allen größeren Städten Mexiko’s zum Stadtbild gehören – immer wieder bewusst sagen muss, dass das die Guten sind.

Wir verbringen 2 tolle Tage mit Michael und seiner Familie, werden mit leckeren selbstgekochten mexikanischen Köstlichkeiten verwöhnt, schlendern über authentische Märkte, erkunden gemeinsam Monterrey’s modern gestaltetes Zentrum und schwelgen bis spät in die Nacht in Geschichten von früher. Oh – und noch eine mexikanische Spezialität probieren wir – geröstete Grashüpfer. Schmecken wie gesalzene Erdnüsse, knirschen aber zwischen den Zähnen beim Kauen.

REAL DE CATORZE

Das kleine Bergdorf ist ein echter Geheimtipp, den uns Michael verrät. Auf einem Hochplateau in der Wüste an den Ausläufern der Sierra Madre gelegen, haben wir schon vor unserer Ankunft das Gefühl, dass hier die Zeit vor Hundert Jahren einfach stehen geblieben ist: die letzten 23 Kilometer der sich in engen Serpentinen den Berg hinauf windenden Straße sind gepflastert und der einzige Zugang in das kleine Bergdorf ist durch einen von Hand in den Fels gehauenen Tunnel. Im Dorf selbst erwarten uns keine Autos, sondern Esel und Mulis, die schwere Lasten durch die Kopfsteingassen tragen. Cowboys mit breiten Sombreros binden ihre Pferde vor den Salons an und die Häuser haben dicke Steinwände, um die nächtliche Wüstenkälte abzuhalten. Wir organisieren uns einen lokalen Reit-Guide, der uns am nächsten Morgen 3 Stunden lang auf dem Rücken von flinken Bergponys über die endlos scheinende Wüstensteppe begleitet. Durch die trockene Luft und die Höhe sind alle Farben hier besonders intensiv – das Grün der über 2 m hohen Kakteen vor der sandigen Stepppe sticht richtig ins Auge und der Himmel ist so intensiv blau, dass wir uns nach Tibet zurück versetzt fühlen. Wir reiten vorbei an zerfallenen Minenschächten aus der Zeit des Silberabbaus und an Hacienda-Ruinen und zu allem weiß uns unser kundiger Guide Interessantes zu erzählen.

Unser Ziel ist ein Berg mitten in der Wüste. Auf diesem liegt das zeremonielle Zentrum der Huichol-Indianer, zu dem einmal jährlich das Volk tausende Kilometer weit zu Fuß durch die Wüste pilgert. Und was haben wir für ein Glück – als wir am Fuß des heiligen Berges absteigen, um diesen zu Fuß zu erklimmen, geht vor uns eine Gruppe Huichol. Eine seltene Gelegenheit. Die stolzen Huichol tragen handbemalte, baumwollene Kleidung (ähnlich dem handbemalten Narrenhäs der schwäbisch-allemanischen Fasnet), dazu handgewebte, farbenfrohe Accesoires und von ihren breitkrempigen Hüten flattern Federn und bunte Bommeln. Ihre Gesichter sind von Wind und Wetter gegerbt – man sieht ihnen an, dass sie viel Zeit unter der Wüstensonne verbringen. So gern wir auch würden, wir widerstehen der Versuchung unsere Kamera zu zücken und sie um ein Foto zu bitten. Denn nach dem Glauben der Huichol bringt es Unglück, dass Abbild eines Menschen festzuhalten. Bevor die Huichol mit der Zeremonie zur Darbringung ihrer Opfergaben beginnen, steigen wir wieder ab und reiten zurück nach Real de 14.

VERACRUZ

Es gibt Orte, über die steht nichts Nennenswertes im Reiseführer und dann sind sie trotzdem irgendwie sehenswert. Veracruz gehört nicht dazu. Als wir nach einer langen Fahrt und nächtlichem Umsteigen in Mexico City dort ankommen, wird uns recht schnell klar, dass uns in der Industriestadt am Golf von Mexiko nichts lange halten wird. Das wichtigste Gebäude in der kurzen Fußgängerzone ist ein klimatisierter McDonalds, der Markt bietet nicht viel mehr außer billigem Kinderspielzeug aus Plastik und schöne Strände sind aufgrund der vorgelagerten Bohrinseln leider ebenfalls Fehlanzeige. Wir müssten unseren eintägigen Ausflug hierher daher als Flop verbuchen – wäre da nicht der größte Riesen-Hamburger aller Zeiten gewesen, den wir abends an der belebten Uferpromenade des benachbarten Ferienortes Bocas del Rio verdrücken und die Saftbar neben dem Busbahnhof, in der es superleckere, frische Obstsäfte und schnelles Internet bei guter Musik gibt.

OAXACA

Mit dem nächsten Nachtbus geht es von Veracruz direkt weiter in die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Oaxaca. Zur achtstündigen Fahrt kommen aufgrund einer Straßensperre nochmal 3 Stunden dazu und wir bereuen, einen Bus der 2. Klasse ohne Toilette an Bord gebucht zu haben. Dass der Fahrer während des Stehens zusätzlich die Klimaanlage aus schaltet, macht die Stimmung an Bord nicht besser. .. Bei unserer Ankunft herrscht in Oaxaca viel zu viel Verkehr in der Altstadt, die Abgase bleiben in der heißen Luft stehen und die Menschenmassen schieben sich in der Mittagshitze durch die engen Gassen. Es ist heiß, stickig, stinkt und ist laut. Wir taufen die Stadt daher direkt um in Oakacka 😉 Da uns viele im Vorfeld von Oaxaca als schönster Stadt Mexiko’s vorschwärmten, können wir uns die nervige Enge in der Altstadt nur als vorüber gehenden Zustand aufgrund der gerade statt findenden Renovierung einer der großen Märkte erklären. Ansonsten finden wir aber Guadalajara, Tequila oder besonders Guanajuato sehr viel pittoresker.

Allerdings macht Oaxaca damit etwas wieder gut, dass sie es ist, die uns das Lieblings-Frühstücksgetränk unserer Kindheit geschenkt hat – Kaba! Hier in Oaxaca stellten die Azteken vor Jahrhunderten die erste Trinkschokolade her! Natürlich probieren wir alle möglichen Varianten des Milchgetränks in den Traditionshäusern der Stadt. Und mit dazu auch allerlei andere kulinarische Spezialitäten der Provinz.

Das Besondere an Oaxaca liegt für uns in ihrem Umland – neben kleinen Dörfer, in die man durch die Ausläufer der Sierra wandern kann, liegen auch die ‚Hierve el Agua‘ ganz in der Nähe: diese mineralischen Quellen fließen in natürliche und durch die im Wasser enthaltenen Mineralien geschaffenen Kalkpools, die wie 5*-Infinitypools direkt am Abhang mit Blick über dicht bewachsene Bergwälder liegen. Leider führen die Pools nur sehr wenig Wasser als wir da sind, sodass wir uns auf das Betrachten des azurblauen Wassers und der versteinerten Wasserfälle beschränken. Auf der Anfahrt erleben wir eine weitere ‚Spezialität‘, die in der Provinz Oaxaca – und in Mexiko generell – häufig vorkommt: Gegen die herrschenden Zustände protestierende Lehrer haben eine Straßenblockade errichtet, die der Fahrer unseres Taxi Collectivos (sehr günstige Taxis, die immer die gleiche Strecke fahren und dann losfahren, wenn sie voll besetzt sind) erst nach langem Suchen nach einer offenen Ausweichstrecke umgehen kann. (Abfahrt für die Taxi Collectivos nach Hierve el Agua: Mercado de Artesanias)

Eine weitere Attraktion liegt genau vor den Stadttoren Oaxaca’s: Auf dem vor der Stadt gelegenen Monte Alban befinden sich die Ruinen der einstiegen Hauptstadt des Volkes der Zapoteken. Von der einst 20.000 Einwohner fassenden Stadt sind die mauernen Überreste des großen Platzes, des Observatoriums, der Spielstätte und Paläste erhalten geblieben.

ZIPOLITE

An einem kilometerlangen, goldenen Sandstrand finden wir hier unseren persönlichen Wohlfühlort Mexiko’s. Aus unserem sehr günstigen Strandbungalow heraus blicken wir direkt auf’s Meer und hören nachts zum Einschlafen den sich donnernd brechenden Wellen zu. Der kleine Strandort Zipolite (bestehend aus einer Dorf- und einer hinteren Straße) ist wie die nahe gelegenen Dörfchen Mazunte und San Augustinillo ein ehemailger Hippie-Rückzugsort, es gibt viele Yoga-Angebote und direkt am Strand kann in Hängematten übernachtet werden. Als wir kurz nach Ostern hier sind, ist das kleine Dorf wie ausgestorben und wir haben einen ganzen Strandabschnitt quasi für uns alleine. Die Strandtage sind ein gelungener Abschluss, bevor wir Mexiko nach einem kurzen Besuch des Surferortes Puerto Escondido und einer Nacht in Cancun für’s Erste verlassen und uns auf den Weg nach Kuba machen.

Facts & Figures – USA

Facts & Figures – USA

REISEDAUER

Wir haben 13 Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Davon 10 Tage auf den Inseln Oahu und Maui im Staat Hawaii und 3 in San Francisco, Kalifornien. Unsere Facts & Figures beziehen sich ausschließlich auf diese 2 Destinationen der USA und sind sicher nicht für alle Staaten repräsentativ. Wie schon in den Facts & Figures zu Neuseeland kurz erwähnt, würden wir im Nachhinein unsere Zeit auf Hawaii eher etwas kürzen und stattdessen länger in Neuseeland bleiben.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in den knapp 2 Wochen in den USA zu zweit 1.760 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 67,70 € pro Person. Autsch!
Die USA sind damit das teuerste Land, das wir auf unserer gesamten Reise besucht haben! Die hohen Kosten liegen natürlich auch an den 3 Inlandsflügen – sowohl zwischen Oahu und Maui als auch nach San Francisco mussten wir gegebenermaßen fliegen. Dass sich das in den Kosten nieder schlägt, ist klar. Aber auch davon abgesehen waren die Lebenshaltungskosten – vor allem auf Hawaii – hoch bis sehr hoch.

Transport:

Wer auf Hawaii mehr unternehmen möchte als nur an einem Strand zu verweilen/an einem Ort zu sein, wird um ein eigenes Fahrzeug kaum drum herum kommen. Im Stadtbereich von Honolulu sind die Busverbindungen zwar gut ausgebaut, aber alles was über die Vororte hinaus geht, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum mehr zu erreichen. Auf Maui gibt es ebenfalls kaum Busverbindungen außerhalb des Hauptortes Kalahui.

Im Gegenzug ist San Francisco sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundbar. Ein Mietwagen ist unseres Erachtens überflüssig – und kann nicht nur aufgrund der vielen Einbahnstraßen sondern auch bezüglich der zeitaufwändigen Parkplatzsuche und der hohen Aufbruchgefahr ziemlich lästig sein. Alles, was uns abhanden kam ist der wenig schmerzhafte Verlust von 0,30US$ Pfand – uns wurden doch tatsächlich unsere Wasserflaschen aus dem Getränkehalter unseres Tandems geklaut, während wir uns die Speisekarte eines Restaurants anschauten.

Unterkünfte

Für ein einfaches Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad bezahlen wir am Waikiki Beach in Honolulu im März 2016 knapp 100 €. Zwar ist da ein (einfaches) Frühstück mit dabei, das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt für uns trotzdem nicht. Es sollte daher unsere erste und einzige Nacht in einem Hostel auf Hawaii sein. Die restlichen Nächte „campten“ wir sowohl auf Oahu als auch auf Maui in unserem Mietwagen. Unser Doppelzimmer mit eigenem Bad im Hotel Aida Plaza in San Francisco kostet uns im selben Monat 86 €. Auch teuer, aber hier immerhin sehr zentral, ebenfalls inklusive Frühstück und mit Wifi.

Die 2 Nächte, die wir am Flughafen verbrachten, waren kostenlos 😉

3 Highlights:

  1. Unsere zufälligen Begegnung mit den Meerestieren auf Hawaii! So schnorchelten wir ganz für uns frühmorgens in einer kleinen Bucht auf Maui, als sich mehrere große Meeresschildkröten ganz gelassen und neugierig zu uns gesellten. Ebenso eindrucksvoll war es, als wir frühmorgens in unserem kleinen Mietwagen mit Stellplatz am Meer die Augen aufschlugen und beim Blick auf das Meer vor uns Buckelwale in der Bucht springen sahen.
  2. Unsere Übernachtung im Krater des Vulkans Haleakala! Nach einem spektakulären Sonnenuntergang dauerte es nicht lange, bis wir die einzigen Menschen auf dem Vulkan waren. Auf über 3.000 Metern hier allein in einem Vulkankrater zu stehen und in den funkelnden Sternenhimmel zu blicken wurde gekrönt vom fast ebenso spektakulärem Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
  3. Die Golden Gate Bridge! Das krönende Highlight unserer spaßigen Fahrradtour durch San Francisco! Unserer Meinung nach übrigens die beste Art, um die Metropole zu erkunden. Diese imposante, rot leuchtende Brücke, die sich fotogen über die Bucht spannt, sollte man einfach einmal gesehen haben.

3 Lowlights:

  1. Der unerwartet dichte Verkehr auf Maui und Oahu! Nach 3 Monaten in der Südsee, wo wir kaum Autos sahen, passte dieser so gar nicht mehr zu unserer Vorstellung von idyllischen Inselparadiesen! Auch dass bei den amerikanischen Autos generell die Devise höher, lauter und schneller zu gelten schien, fanden wir nervig (ehrlich, wozu braucht man in einer hawaiianischen Kleinstadt einen höher gelegten, 5 Meter langen Pick-up?!) Gefühlt standen wir außerdem jeden Tag irgendwo im Stau…
  2. Die vielen Obdachlosen in den Straßen! Sowohl auf Hawaii als auch in San Francisco sahen wir sehr viele Menschen auf der Straße leben. Die Schere zwischen den Gesellschaftsschichten ist sehr offensichtlich und dass ein wirtschaftlich so weit entwickeltes Land wie die USA nicht in der Lage ist, ihrer Bevölkerung auch im sozialen Bereich ein Mindestmaß an Absicherung zu bieten, stimmte uns gleichermaßen fassungslos, traurig und nachdenklich.
  3. Unsere Whalewatching-Tour auf Maui. Für 40 US$ pro Person zwar ein Schnäppchen, dafür sahen wir in diesen 2 Stunden Wale auch nur von Weitem. Außerdem war die Besatzung des Bootes alles andere als service-orientiert, freundlich oder motiviert. Das hatten wir in Australien und Neuseeland ganz anders erlebt.

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  1. Zumindest auf den hawaianischen Inseln Oahu und Maui finden sich nur noch sehr wenige Spuren polynesischer Kultur.
  2. Die in Supermärkten und Geschäften der USA ausgeschilderten Preise sind abzüglich Mehrwertsteuer. Das heißt, an der Kasse kommt auf jedes Produkt nochmal was drauf. Nervt!
  3. Trotz des allgegenwärtigen Konsumangebots fanden wir es sowohl in San Francisco als auch auf Hawaii relativ schwer, gesundes/frisches Essen zu günstigen Preisen zu finden. Fast Food Restaurants und Schnellimbisse finden sich an jeder Ecke, aber Lebensmittel wie frisches Obst, Salat oder echter Fruchtsaft sind selbst im Supermarkt entweder nur schwer zu bekommen oder unverhältnismäßig teuer. Auch die Sonderangebote und Fertiggerichte fördern auf Dauer eine Gewichtszunahme – siehe Fun Fact 3…

3 Fun Facts:

  1. Der chinesische Glückskeks hat seinen Ursprung nicht etwa in China, sondern in San Francisco! Der japanische Einwanderer Makoto Hagiwara kreierte hier den ersten, heute als urchinesisch angepriesenen Keks mit den Spruchweisheiten im Jahre 1914.
  2. Hawaii ist das abgelegenste bewohnte Gebiet der Erde! Es liegt 2.390 Meilen entfernt von der Westküste Kalifornien´s, 3.850 Meilen von Japan, 4.900 Meilen weit von China und 5.280 Meilen weg von den Philipinen.
  3. Auf den Flügen in der USA war der Anteil der übergewichtigen bis fettleibigen Menschen im Flugzeug mit Abstand und auffallend am höchsten!

Fazit

San Francisco gefiel uns wirklich sehr gut. Eine spannende Metropole, in der wir gut und gerne noch ein paar Tage mehr verbringen wurden. Hawaii hingegen konnte unseren Erwartungen nicht gerecht werden. Insgesamt ist es so, dass die USA – obwohl sie einige Nationalparks wie z. B. den Grand Canyon, Yosemite und andere sowie weitere Metropolen wie New York oder Washington haben, die uns reizen würden – vorerst nicht auf der Liste unserer nächsten Wunschdestinationen stehen. Außer vielleicht Alaska… 😉

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