Faszination Myanmar – 10 Besonderheiten eines ungewöhnlichen Landes

Unser ursprünglicher Plan war, in 2 bis max. 3 Wochen durch Myanmar zu reisen. Pusteblume. Wir haben unser 28-Tages-Visum auf den Tag genau ausgenutzt. Fast hätten wir es sogar noch um 1-2 Tage überzogen. Myanmar hat nicht lange gebraucht, um uns in seinen Bann zu ziehen. Mit seiner Ursprünglichkeit hat es unsere Entdeckerherzen im Sturm erobert.
Es ist noch nicht lange, dass sich das exotische Land langsam der Welt öffnet. Viele Gebiete sind bis heute für Touristen gesperrt – sei es durch anhaltende Kämpfe des Militärs mit Rebellenarmeen der verschiedenen Volksstämme oder aufgrund von großflächigen Opiumplantagen, die uns hinter vorgehaltener Hand als Grund genannt wurden. Durch diese Abschottung haben sich viele nationale Bräuche erhalten und äußere Einflüsse auf Kultur, Kleidung, Bräuche etc. halten sich bislang in Grenzen.

In vielem hat uns Myanmar überrascht! Wir sind über Dinge gestolpert, die wir bisher nicht kannten und die für uns dieses Land in seiner Einzigartigkeit ausmachen. 10 dieser Besonderheiten haben wir hier zusammengestellt, um Euch dieses faszinierende Land mit seinen warmherzigen Menschen etwas näher vorzustellen und nicht nur als Nebendarsteller in unseren Tagesabläufen. 😉

# 1 Die Landesdroge: Betelnuss

Das Kauen der Betelnuss ist Volkssport in Myanmar. Es ist Sucht wie Gepflogenheit, vergleichbar mit dem Rauchen in deutschen Breitengraden. Getrocknete und klein gehackte Stückchen der Nuss werden zusammen mit einer Prise Kräuter, Zimt, Kardamonsamen und für den Geschmack wahlweise Tabasco in die mit einer weißen, seifenähnlichen Paste bestrichenen Betelblätter eingewickelt und zu mundgerechten Päckchen gefaltet.
Männer wie Frauen kauen die Päckchen. Beim Sprechen wird das Gemisch einfach in der Backe zwischen geparkt. Die Wirkung ist vergleichbar mit der von Koka. Unansehnlicher Nebeneffekt: Erhöhte Speichelproduktion. Dieser wird dann als rote Suppe alle paar Minuten ausgespuckt. Dadurch sind die ganzen Straßen und Gehwege in Burma wie von getrocknetem Blut rot-gefleckt. Was ordentlich eklig aussieht. Außerdem färbt der Betel die Zähne rot. Die ersten Male sind wir erstmal erschrocken, wenn uns eine freundliche Alte angelächelt hat und statt Zähnen rot verfaulte Stumpen aufblitzten.

Biene hat sich einmal am Betel kauen versucht und sich ein Päckchen in den Mund gesteckt. Der Geschmack war …gewöhnungsbedürftig. Es besteht keine Suchtgefahr.

# 2 Die Landestracht: Longyi

Dieser traditionelle Rock ist das überwiegend getragene Kleidungsstück von beiden Geschlechtern. Die Männervariante ist kariert und eine Art breiter Stoffschlauch. Vorn wird der Rock mittig gefaltet und der Knoten oben in den Rockbund eingeschlagen. Der Rock ist wie die Frauenversion ebenfalls knöchellang, wird von den männlichen Trägern aber auch schonmal auf Knielänge zusammen gerafft. Die Damenlongyis gibt es in den verschiedensten, wunderbar gewebten Designs. Sie werden wie Wickelröcke an der Seite eingeschlagen getragen. Dazu werden meist farblich abgestimmte Blusen kombiniert, die Männer tragen mehrheitlich Hemd zum Longyi.

Amüsantes Detail: Der Longyi sorgt für Gleichberechtigung. Wie in den Pausen unserer zahlreichen Busfahrten gesehen, müssen damit auch die Männer im Sitzen pinkeln. Uli beweist aber, dass es auch anders geht 😀

# 3 Der Landes-Look: Thanaka

Diese nationale Besonderheit fällt ins Auge und ist mit das erste, das uns in unseren ersten Stunden in Myanmar auffällt: Mehrheitlich Frauen aller Altersgruppen und Kinder haben eine hellbraune Paste im Gesicht aufgetragen. Mal kunstvoll in Spiralen, Punkten und feinen Mustern auf Wangen und Stirn, mal großflächig im ganzen Gesicht wie zu helles Make-up.
Die hellbraune Paste ist Sonnenschutz, Kosmetik und Schmuck zugleich. Sie wird aus der zerriebenen Rinde und dem Mark des Thanaka-Baumes hergestellt und zum Auftragen mit Wasser vermischt. Laut den Einheimischen ist Thanaka die Erklärung dafür, warum Burmesen – anders als die meisten anderen Asiaten – nicht an Hautproblemen leiden.

Biene probiert das kosmetische Wundermittel natürlich aus. Als die Paste erst einmal aufgetragen ist – wobei es gar nicht so leicht ist, dass es auch ästhetisch aussieht – entfaltet sie eine angenehm kühlende Wirkung. Und riecht ein bisschen nach Baum. Die Einheimischen fanden es höchst amüsant, eine Ausländerin mit Thanaka im Gesicht zu entdecken.

# 4 Die Landesspezialität: Teeblattsalat

Diese ungewöhnliche Köstlichkeit war uns gänzlich unbekannt. Tee zum trinken, klar – aber Teeblätter essen? Ein holländisches Pärchen schwärmte uns in Chengdu davon vor. Das haben wir natürlich ausprobiert. Und tatsächlich schmeckt es köstlich. Und überall ein bisschen anders. Zur Zubereitung werden die frisch gepflückten grünen Teeblätter zunächst kurz aufgekocht, dann in Holzfässer gepresst und eingelagert (im Prinzip das gleiche Verfahren wie bei der Herstellung von Silage für Kühe 😀 ). Die fermentierten Blätter werden mit vielen Nüssen, ebenso viel Knoblauch, Öl und Kräutern gewürzt. So ergibt sich daraus ein intensiv schmeckender Salat. Köstlich. Wir haben die Nascherei allerdings auch im Verdacht, unsere europäischen Mägen mehr als einmal ordentlich zur Meuterei angestiftet zu haben. Nicht schön.

# 5 Das Landesgetränk: Myanmar-Tee

Neben dem schmackhaften Myanmar-Bier gibt es vor allem ein Getränk, dass sich großer Beliebtheit erfreut: Der Myanmar-Tee. Dieser süße, mit Kondensmilch angereicherte Tee wird dabei nicht zuhause in der Küche zum Frühstück getrunken, sondern in den zahlreichen Teestuben, die allgegenwärtig sind. Hauptsächlich sind es Männer, die hier beisammen sitzen. Was in Deutschland die Stammkneipe ist, in der zusammen mit den Kumpels das Feierabendbier getrunken wird, ist hier die Teestube. Im geselligen Beisammensein wird auf den meist nur miniaturgroßen Plastikstühlen gesessen, Tee getrunken, Samosas und frittiertes Stangengebäck geknabbert und geschwatzt.

Uns ging es mehr als einmal so, dass wir gegen Abend gemütlich ein Bier trinken gehen wollten und erst beim Grinsen des Wirtes beim aufgeben unserer Bestellung bemerkten, dass wir in einer Teestube stehen. 😀

# 6 Der Landessport: Chinlon

Wird es Abend in Burma, ist in den kleinen Gassen überall dasselbe Bild zu sehen: Kleine Gruppen von Männern versammeln sich auf oder neben der Straße, den Longyi zu Shorts gefaltet oder zum kniekurzen Rock hochgezogen, und spielen begeistert Chinlon. Der Chinlon ist ein ca. 10 cm großer, geflochtener Ball aus Rattan. Dieser wird mit den Füßen gespielt und entweder über ein Netz oder zum Spaß im Kreis herum gespielt. Begleitet wird das Spiel oft durch laute Anfeuerungsrufe der Zuschauer oder der Spieler selbst.

# 7 Der Landesrhythmus: 8-Tage-Woche

In Myanmar hat die Woche 8 Tage. Dabei gibt es wie im Allgemeinen zwar die 7 Wochentage von Montag bis Sonntag, allerdings wird der Mittwoch zweigeteilt und als 2 Tage gezählt. Ein Tag ist vormittags, der andere von 12 Uhr bis Mitternacht. Ihren Ursprung hat diese Zählung in der burmesischen Astrologie, nach der jedem Tag ein Tier zugeordnet ist. Der Mittwoch ist der Tag der Elefanten. Dabei gehört der Mittwoch-Vormittag dem Elefanten mit Stoßzähnen, der Nachmittag dem Elefanten ohne. Die burmesischen Arbeitselefanten haben aus diesem Grund mittwochs frei.

# 8 Die Landesfarbe: Gold

Wenn wir nur ein Wort hätten, um die eindrücklichste Erinnerung an Myanmar zusammenzufassen, wäre es wahrscheinlich: Gold. Am Flughafen in Yangon werden ankommende Reisende mit dem Schild „Welcome to the Golden Land“ willkommen geheißen. Schon auf dem Weg in die Stadt sieht man von weitem die golden funkelnde Shwedagon Pagode über der Stadt thronen. Die Flüsse des Landes sind reich an Gold und in jeder Stadt finden sich zahlreiche Schmuck-Goldhändler. Überall leuchten goldene Stupas auf den Hügeln, goldene Buddha-Statuen finden sich im noch so kleinsten Stupa und gläubige Pilger bringen ihre Ehrerbietung durch das Aufkleben von Blattgold auf die verehrten Statuen zum Ausdruck. Ganz klar: keine Farbe charakterisiert Myanmar so sehr wie Gold. Ob es sich dabei überall um echtes Gold handelt, sei dahin gestellt.

# 9 Der Landesrückstand (u.a.): Infrastruktur und Elektrizität

Die reibungslose Versorgung mit Elektrizität ist in Myanmar noch nicht flächendeckend ausgebaut. Abgesehen von den beiden großen Metropolen Yangon und Mandalay ist die Stromversorgung oft nur provisorisch und stundenweise vorhanden. So ist es vor allen in den wenig touristischen kleinen Orten im Süden und Nordosten nicht unüblich, dass jedes Haus/Hostel über einen eigenen Generator verfügt. Der dann auch recht regelmäßig zum Einsatz kommt.

Ähnlich verhält es sich mit der Infrastruktur. Auch hier gibt es – ausgenommen den neuen Highway, der Yangon mit Mandalay verbindet – noch sehr viel Entwicklungspotenzial.
Als wir z.B. gegen Ende unserer Reise in einer achtstündigen Busfahrt ganze 150 km südlich reisen, sind wir zunächst froh, dass wir auch im Anschluss nach Süden weiter wollen und ein Stück dieser Strecke also schon hinter uns haben. Aber nur vorübergehend: Da die Straße Richtung Süden hier endet, geht es zunächst wieder 8 Stunden Richtung Norden. …im Anschluss gefolgt von 10 Stunden nach Süden.

# 10 Der Landeszustand: Wandel und Veränderung

Myanmar ändert sich derzeit rasend schnell. Unser Reiseführer erschien erst letztes Jahr im Oktober – dennoch waren viele Informationen darin bereits wieder veraltet. So lasen wir bei unseren Recherchen im Vorfeld, dass es Bankautomaten nur vereinzelt in den Großstädten gibt und ausländische Kreditkarten meist nicht funktionieren. Was wir vorfanden, war eine flächendeckende Ausstattung mit Geldautomaten, selbst im kleinen Trekkingort Hsipaw. Auch der ans Herz gelegte US-Dollar, mit dem wir uns in Manila sicherheitshalber ausstatteten, wird (von Privatpersonen) längst nicht mehr so gern angenommen wie überall aufgeführt. Daneben werden u.a. Grenzübergänge geöffnet, Gebiete ohne Spezialgenehmigung zugänglich gemacht und die Infrastruktur ausgebaut. Manchmal wissen selbst die Einheimischen nicht, was inzwischen aktueller Stand ist.

Diese Entwicklung ist sicherlich Chance und Herausforderung zugleich für das Land.
Wir haben uns sehr gefreut, Dich etwas kennen lernen zu dürfen, Myanmar. Wir sagen heute nicht tschüss – wir sagen Auf Wiedersehen.