Erfahrungsbericht

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

„Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden“.

Dieser Spruch trifft ganz gut, was bei uns gerade los ist. Denn eigentlich hatten wir – ganz unüblich für uns – das nächste halbe Jahr komplett geplant und durchorganisiert. Eine Wintersaison in den Rocky Montains zu (er-)leben war einer der Hauptgründe, weshalb es uns für ein Jahr nach Kanada zog. Im Laufe des Oktobers hat sich dann auch nach und nach alles perfekt ergeben:

Wir beide bekommen Jobangebote im Panorama Resort. Dieses Skigebiet war von Anfang an eines unserer Favoriten: Super Schneebedingungen, anders als die bekannteren Skigebiete wie Whistler oder Banff ist es nur selten überfüllt, es bietet gute Arbeitsbedingungen plus Personalvorteile und ist gut gelegen. Anfang Dezember geht die Skisaison los und dauert bis Mitte April. Passt!

Die Personalunterkünfte am Berg sind leider bereits alle vergeben, aber nach etwas Suche finden wir ein gemütliches, großzügiges und toll eingerichtetes Haus im nahen Dorf. Zwar keine Ski in/Ski out-Möglichkeit wie am Berg, dafür aber in direkter Nähe zum See, der winters zufriert und als längste Eisbahn der Welt sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hält. Wir sehen uns bereits an unseren freien Tagen morgens Schlittschuh fahren und Langlaufen und abends am Ufer entlang joggen. Ende November können wir einziehen. Da das Haus recht groß ist, wollen wir der 2 der 4 Schlafzimmer an zukünftige Kollegen untervermieten. In null Komma nichts finden sich ein sympathischer Engländer und eine nette Australierin. Passt! 

Sonnenaufgang über den Rocky Mountains

Auf Skeena Meadows arbeiten wir noch bis Mitte November. Wir gönnen uns noch 2 Wochen Zeit zum Reisen, bevor die Wintersaison startet. Zum Wandern und Zelten ist es mittlerweile zwar zu kalt, aber auch für diese Jahreszeit bietet Kanada etwas Besonderes: Nordlichter und Eisbären! Während sich die Reise zu den Nordlichtern nach Yellowknife ganz wunderbar fügt und wir dort im Apartment unserer Arbeitgeber wohnen dürfen, gestaltet sich der geplante Abstecher in die Subarktis zu den Eisbären schwieriger! Es will einfach nichts so recht zusammen passen. Und so beschließen wir nach wochenlanger Recherche, Planung und viel Hin und Her, darauf zu verzichten. Mittlerweile könnten wir einen Reiseführer über die „Eisbären-Hauptstadt der Welt“ Churchill in Manitoba schreiben, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Ganz ehrlich, vor allem Biene ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…!

Der 1. Schneeball!

Nach Manitoba wollen wir dennoch reisen und stattdessen ein Wochenende in dessen Hauptstadt Winnipeg verbringen. Die Flüge sind bereits gebucht und ehrlich gesagt…wir haben da diesen winzigen Funken Hoffnung, dass sich wie schon öfters in letzter Minute doch noch irgendwie eine Möglichkeit auftut, zu dem Eisbären zu gelangen….you never know!

In den letzten Tagen auf dem Anwesen sind wir noch gut beschäftigt: Wir wollen das gelichtete Waldstück noch vollends von Geäst und Baumstümpfen befreien, die Hunde sowie  die Fasanen müssen versorgt werden, Feuerholz gemacht und der Ofen geheizt werden, einige kleinere Projekte stehen auch noch an. Nicht zuletzt hat auch unser Koch Urlaub und wir müssen uns selbst verpflegen. Was nach 4 Monaten Rundumverköstigung auch wieder eine Umstellung ist. 

Dann am vorletzten Arbeitstag passiert es: Biene gerät mit dem Allrad-Buggy  auf dem gefrorenen Weg ins Schleudern, rutscht eine kleine Böschung hinauf und das Fahrzeug kippt um. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der linke Knöchel gebrochen und ein Band gerissen ist. Noch lässt sich nicht ausschließen, dass ein weiterer Knochen ebenfalls gebrochen ist, was eine OP bedeuten würde. So oder so lautet die Prognose 6 Wochen Gips, jede Woche Röntgen und keinerlei Belastung des Beines. Uuumpf!

Das bringt natürlich erstmal alles heftig durcheinander! Was machen wir jetzt? Fliegen wir dennoch? Können wir überhaupt? Wie organisieren wir das alles? Und vor allem: was wird jetzt aus Biene´s Job als Liftie in 3 Wochen?! 

Klotz am Bein…

Schnell ist klar: an der Situation können wir nichts ändern. Ist jetzt halt so, auch wenn es sch*** ist! Was aber in unserer Hand liegt, ist die Entscheidung, wie wir mit dieser Situation umgehen. Wir beschließen, das Beste daraus zu machen!

2 Tage später fliegen wir deshalb trotz Klotz am Bein nach Winnipeg. Schnell stellen wir fest, dass Winterpeg seinem Spitznamen alle Ehre macht: Schon bei unserer Ankunft mitten am Tage erwarten uns frostige minus -25 Grad Celsius. Direkt nach unserer Landung leihen wir uns einen Rollstuhl für unsere 4 Tage vor Ort. So sind wir doch einiges mobiler als nur mit den Krücken. 

Rock´n´Roll in Winnipeg

Dick eingemummelt erkunden wir die kommenden 3 Tage rollend Manitoba´s Hauptstadt: Wir spazieren am bereits zugefrorenen Fluss entlang, werfen einen Blick in das architektonisch interessante Regierungsgebäude, erkunden das historische Zentrum und schauen uns den lokalen Weihnachtsumzug an. Länger als eine Stunde halten wir es in der beißenden Kälte und dem eisigen Wind, der durch die Straßen pfeift, allerdings nicht aus – zwischendurch wärmen wir uns immer wieder in gemütlichen kleinen Cafés auf. Besonders gut gefallen uns die Forks Markets, eine historische Markthalle mit originellen kleinen Shops und kulinarischen Delikatessen aus aller Welt. Einen Tag verbringen wir im super interessanten und spannend komponierten Museum of Human Rights.

An unserem letzten Tag in Winnipeg sehen wir schließlich doch noch Eisbären – wenn auch nur im Assiniboine Zoo. Dieser arbeitet eng mit mehreren Tierschutzorganisationen und Forschungsstationen zusammen und neben einem tollen Arktis-Habitat gibt es auch viele Infos zu wichtigen Themen wie Klimawandel und Schutz des arktischen Lebensraumes. Es ist beeindruckend, die weißen Giganten aus nächster Nähe beim Schwimmen, Raufen und Tauchen beobachten zu können – dennoch ist es natürlich nicht dasselbe, wie Tiere in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Wenn wir uns auch sicher sind, dass sich die Eisbären bei den Temperaturen in Winnipeg an diesem Tag pudelwohl fühlen…

Dienstags fliegen wir weiter nach Yellowknife. Dass die Hauptstadt der Nordwest-Territorien gut 1.000 km weiter nördlich liegt als Winnipeg macht sich in karger, bereits verschneiter Tundra rundum und nochmals 10 Grad kälteren Temperaturen bemerkbar. 

Auch hier leihen wir uns zuallererst einen Rollstuhl, um nicht ganz auf Winterspaziergänge verzichten zu müssen. Wir beziehen das Apartment der Besitzer von Skeena Meadows im zweithöchsten Gebäude der Stadt und schauen vom Erkerfenster aus dem Schneegestöber zu. Vom neunten Stock aus haben wir einen guten Blick über die 20.000 Einwohner zählende Stadt und die Seen rundum. Diese sind bereits vereist – noch ungefähr einen Monat wird es dauern, bis das Eis dick genug ist und die Eisstraßen eröffnet werden können. Yellowknife liegt am Ende der Straße – von hier aus Richtung Norden kommt bis zum Nordpol nur noch Tundra, Wasser und Eis. Alles, was nördlich von hier liegt (hauptsächlich Diamantminen und Inuit-Siedlungen), ist sommers nur per Wasserflugzeug und winters nur über diese berühmt-berüchtigten „Ice Roads“ zu erreichen.  

Wood Buffalo in Yellowknife

 Während Yellowknife selbst im Winter nichts besonders Sehenswertes ist, ist es seine Lage, dass seinen besonderen Reiz ausmacht. Abgesehen von den unterirdischen Gold- und Diamantvorkommen in dem Gebiet liegt der Hauptanziehungsgrund Yellowknife´s im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft: In den kalten Winternächten können hier regelmäßig Aurora Borealis (Nordlichter) am dunklen Nachthimmel beobachtet werden. Yellowknife bietet dafür so gute Bedingungen, dass es sogar den Titel „Hauptstadt der Nordlichter“ trägt und jede Winternacht durchschnittlich zwischen 300-500, größtenteils asiatische, Touristen anlockt. Die Aurora Borealis einmal mit eigenen Augen über den Nachthimmel tanzen zu sehen, ist ein Traum, den auch wir uns hier erfüllen wollen. Wenn das klappt, ist es auch nicht schlimm, dass es derzeit mit Schlittenhundefahrt, Schneemobilausflügen und Schneespaziergängem nichts ist.

Und hier sind wir jetzt also.

Bisher schneit es fast durchgehend und der Himmel hängt voller Schneewolken. Tagsüber unternehmen wir rollend kurze Spaziergänge, besuchen das Museum und kommen dank den Kontakten der Besitzer von Skeena Meadows auch über die Stadt hinaus und raus in die schöne, wilde Umgebung. Zwischendurch legen wir immer wieder Pausen auf der Couch ein, damit Beine ihr Bein hochlegen kann. Die Tage hier sind kurz: Sonnenlicht hat es nur zwischen 10 Uhr und 15 Uhr – bereits um 16 Uhr ist es stockdunkel. Bis morgen hoffen wir noch auf ein Aufreißen der Wolkendecke und tanzende Nordlichter. Dann werden wir nach Calgary fliegen und dort 2 Tage verbringen. Ein weiterer Röntgentermin steht an, bevor wir donnerstags mit dem Shuttlebus des Skigebiets Invermere erreichen und hoffentlich in unser Haus einziehen können.

Wie es im Skigebiet laufen wird, ob Biene trotz Gipsfuß arbeiten kann, ob eine OP notwendig sein wird, wann sie wieder Ski fahren kann – all das wissen wir noch nicht. 

Wir wissen nur eins: egal was kommt, wir werden das Beste daraus machen! 

Sonnenaufgang in Yellowknife um 9.36 Uhr

 

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

„Ach, ist das herrlich!“  Dieser geflügelte Satz purer Freude fällt ziemlich oft zwischen uns, seit wir am 20. September wieder gen Kanada aufgebrochen sind.

Schon am Vorabend vor unserem Abflug kommen wir nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Erreicht uns doch spätabends noch eine kurze Email der Besitzer von Skeena Meadows: „Hey, wann kommt ihr morgen in Vancouver an? Wir würden Euch gleich gerne direkt zu uns weiterfliegen lassen anstatt zu warten, bis ihr per Anhalter her kommt. Flug und Hotel übernehmen wir. Ist das ok?“ 

Klar ist das ok für uns. Keine 24 Stunden nach unserem Aufbruch aus Deutschland sind wir so schon wieder zurück auf dem Anwesen. British Columbia empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Der Skeena fließt eisblau und wild das sich windende Flusstal entlang, die ersten Blätter färben sich schon bunt und zu 3 Seiten blicken wir wieder auf majestätisch aufragende Berggipfel.

„Ach, ist das herrlich!“

Mit den Besitzern brechen wir zu einer Rundfahrt über das Anwesen auf und besprechen dabei unsere Projekte für die kommenden Wochen. Unsere Hauptaufgabe wird sein, ein großes Waldstück zu ebnen und zu planieren, damit dieses nächstes Jahr mit Gras eingesät und in Heuwiesen umgewandelt werden kann. Daneben ist das Gemüse im Bio-Garten erntereif und auch die Jagdhunde wollen wieder versorgt werden. Einen zweiten Schnitt und Silage wird es dieses Jahr nicht geben. Es ist zu trocken, das Gras ist kaum nachgewachsen. Viele der Bauern, denen wir in den nächsten Wochen Heu verkaufen und die bereits ihr ganzes Leben hier wohnen, erzählen uns, dass der Skeena noch nie so wenig Wasser geführt hat wie dieses Jahr. Es hat seit Mitte Juli nicht mehr geregnet.

Wir ziehen vorübergehend in ein kleineres Zelt neben dem Hauptgebäude ein, da „unser“ Zelt am Fluss mit Gästen belegt ist. Aber nach 4 Nächten können wir endlich wieder einziehen. Jetzt sind wir richtig angekommen: wir trinken morgens unseren Kaffee wieder mit Blick auf den Fluss, entspannen abends in der holzbefeuerten Holzbadwanne auf unserer Terrasse und kuscheln uns danach an den Kamin in unserem Wohnzimmer.

„Ach, ist das herrlich!“

Unsere Arbeitstage verbringen wir hauptsächlich im Wald. Während Uli mit dem Bulldozer große Schneisen durchs Gebüsch zieht und die größeren Bäume mit der Kettensäge zu Feuerholz verarbeitet, fährt Biene den Traktor mit der Greifschaufel am Frontlader. Mit dieser werden Wurzelwerke, Stämme, Büsche und die kleineren Bäume zu großen Scheiterhaufen aufgeschichtet. Wir können für uns arbeiten und kommen gut voran, gleichzeitig sind wir abends froh, wenn wir unsere geplagte Rücken nach 10 sehr holprigen Stunden zur Muskelentspannung in unserem Hot Tub eintauchen. Spätestens beim Blick nach oben zum klaren Sternenhimmel ertönt dann meist ein:

„Ach, ist das herrlich!“

Die Wochenende nehmen wir uns frei. Wir schlafen aus,  trinken gemütlich Kaffee und bewundern durch unsere große Glasfront das mittlerweile bunt gefärbte Herbstlaub. Die Eichhörnchen, die in den Tannen rund um unseren Bungalow ihren Lebensraum haben, kommen auf unserer Terrasse vorbei. Hier in unserem Waldstück am Fluss ist alles friedlich. Alles ist gut. 

„Ach, ist das herrlich!“

Wenn wir wollen, können wir eins der Firmenautos nehmen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir fahren durch die herbstliche, wilde Landschaft. Der Weg ist unser Ziel. Wir staunen darüber, wie unterschiedlich die Landschaft im Vergleich zum Sommer aussieht und wie gut ihr das farbenfrohe, herbstliche Kleid steht. Mit unseren kanadischen Kollegen unternehmen wir einen Sonntagsausflug ins nahe Kispiox Tal. Wir bewundern die fast 200 Jahre alten Totempfähle und das bunte Herbstlaub rundum. Wir sehen eine Bärenmutter mit ihrem Jungen und 3 Hirsche. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„Ach, ist das herrlich!“

An einem schönen sonnigen Samstag steigen wir auf den Kathlyn Gletscher bei Smithers auf. Während es unten im Tal angenehm warm ist, spüren wir mit jedem Höhenmeter, wie die Temperatur fällt. Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen über ein Geröllfeld und große Felsblöcke zum Gletscherfuß auf. Hier oben auf 1.600 Meter ist es sehr frisch – wie frisch, wird uns beim Blick unter unsere Füße klar: der Gletscherbach ist am Rand bereits vereist und auch der Boden ist gefroren. Wir können unsere Atemwolken sehen. Große Gletscherspalten halten uns davon ab, weiter aufzusteigen. So genießen wir nur für kurze Zeit die herrliche Panoramasicht, bevor wir mit eisigen Fingern und Nasenspitzen den Abstieg in Angriff nehmen.    

„Ach, ist das herrlich!“

In großen Schritten geht es auf Oktober zu. Inzwischen hat es die ersten frostigen Nächte und wenn wir morgens zum arbeiten und abends zurück in unser Zelt fahren, mummeln wir uns dabei in Handschuhe, Mützen und dicke Jacken. Sogar der aufgestaute Biber-Teich ist bereits mit einer Eisschicht überzogen. Biene´s Geburtstag feiern wir mit einem Glühwein-Umtrunk mit unseren Kollegen in der Jagdlodge des Anwesens. Als Überraschung zaubert unser Koch eine riesige Schwarzwälderkirschtorte.

„Ach, ist das herrlich!“

Einige Tage darauf kommt uns eine indianische Schulklasse besuchen. Eigentlich sind die Kinder hier, um mehr über die Lachse zu erfahren, die in einem der Bäche auf dem Anwesen laichen. Aber die Kinder haben mehr Spaß am Karotten ernten und Deutsch lernen. Am selben Tag kommen 200 Fasanen auf dem Anwesen an. Deren Ausläufe haben wir beide im Sommer hergerichtet und nun darf Biene die prächtig anzusehenden Vögel versorgen. Wir sind gut beschäftigt: neben unserem Waldprojekt, den Fasanen und Hunden muss Feuerholz für den Winter gemacht, Heu geladen und so einiges Anderes gemacht werden. Es ist nach wie vor schönstes Herbstwetter, nachts ist es klirrend kalt und sternenklar und tagsüber strahlt die Sonne.

„Ach, ist das herrlich!“

Am zweiten Montag im Oktober wird in Kanada traditionell Thanksgiving gefeiert. Ähnlich unserem Erntedankfest kommen die Familien zusammen, um bei einem festlichen Abendessen dankbar für all das zu sein, was uns die Natur das ganze Jahr über schenkt. 

Obwohl Thanksgiving in Kanada ein staatlicher Feiertag ist, arbeiten wir bis nachmittags. Allerdings machen wir alle früher Feierabend und in der gemütlich eingeheizten Jagdlodge laden die Besitzer die gesamte Belegschaft zu Drinks ein, bevor es ein festliches Abendessen gibt: traditionell gibt es gefüllten Truthahn mit Kartoffelbrei und verschiedenem Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Nachtisch gibt es Kürbiskuchen. Es ist ein festlicher Abend und wir freuen uns, diesen kanadischen Festtag miterleben zu dürfen:

„Ach, ist das herrlich!“

 

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Schließt einmal kurz die Augen und stellt Euch folgendes vor: schneeweisse Sandstrände und die türkis schimmernde Karibik…antike Stätten eines ehemals mächtigen Herrschervolkes…halb zerfallene Dschungelruinen…mit Süßwasser gefüllte Kalksteinhöhlen mitten im Wald…eine siebenfarbige Lagune…das weltweit längste unterirdische Flusssystem…

Könnt ihr es vor Euch sehen? Ja? Dann: Herzlich willkommen in Yucatan!

Die mexikanische Halbinsel, die den Golf von Mexiko vom karibischen Meer trennt, bietet all das. Da ist es kein Wunder, dass Yucatan die mit Abstand meistbesuchte Region Mexiko’s ist. Für uns war es nicht zwingend, dass wir hier gelandet sind. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, Yucatan einmal im Rahmen eines Urlaubs aus zu bereisen. Denn Flüge von Europa nach Cancun gibt es schon ab 200 €. Aber auch der mit Abstand günstigste Flug von Havana aus geht Anfang Mai 2016 nach Cancun. Also ab nach Yucatan!

Ursprünglich wollten wir nach den 3 Wochen teils schnellen Reisens auf Kuba also zunächst ein paar ruhige Tage auf der Isla Mujeres oder der Isla Holbox verbringen. Aber durch die Erzählungen anderer Reisender ahnen wir, dass die Isla Mujeres uns gerade vieeeel zu touristisch wäre. Und unseren Traum vom Schnorcheln mit Walhaien rund um die Isla Holbox verwerfen wir nach etwas Recherche aufgrund der nicht gerade tierfreundlich scheinenden Methoden dort auch kurzerhand. (Mehr dazu hier) Stattdessen machen wir uns mit dem Bus auf ins Inland und fahren nach Valladolid. Valladolid ist eine schöne mexikanische Kleinstadt im Kolonialstil, wie wir zuvor schon mehrere in Mexiko´s Inland besucht haben. Das Stadtzentrum bildet üblicherweise ein begrünter Platz, auf dem sich in den lauen Stunden des Tages das öffentliche Leben abspielt und sich die Einwohner zum Flanieren, Flirten und Unterhalten treffen. An einer Seite der Plaza Mayor dominieren meist eine bis mehrere Kirchen das Stadtbild. Darum ziehen sich gepflasterte Einbahnstraßen, die von farbenfrohen, kolonialen Häuserfassaden gesäumt sind.

Valladolid gefällt uns recht gut. Es ist weniger vollgestopft und verkehrslastig als Oaxaca, die Luft ist gut und die Stadt hat genau die richtige Größe, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad alle interessanten Plätze bequem erreichen zu können. Der Hauptgrund um nach Valladolid zu reisen aber ist seine Lage – es liegt geradezu perfekt, um von hier aus in Tagesausflügen antike Mayastätten und einige der schönsten Zenoten des Landes zu erkunden.

EK BALAM

Bevor wir uns Chichen Itza widmen, die ihrerzeit eine der bedeutendsten Mayastädte war, erkunden wir zuerst noch die weniger bekannte Mayastätte Ek Balam. (Danke für den Tipp, Steffi & Tobi!). Die Ruinen von Ek Balam sind im Gegensatz zu Chichen Itza nur teilweise restauriert und große Teile der Stadt sind nach wie vor von Dschungel überwuchert. Deshalb ist die Stätte auch viel kleiner als Chichen Itza und zieht weit weniger Besucher an. In unseren Augen ein großer Vorteil, denn so haben wir die Ruinen teilweise für uns allein. Auch ist es hier – anders als in Chichen Itza – noch erlaubt, durch und auf die Steinbauten hinauf zu steigen und so von den Dächern aus wie einst die Maya weit über das bewaldete Umland zu blicken. Da es hier ruhiger zugeht als in Chichen Itza fühlen sich in Ek Balam noch viele Vögel und Echsen wohl und wir können einige farbenfrohe und außergewöhnliche Exemplare beobachten. Da Ek Balam nicht ganz so groß ist, hat man an einem halben Tag gut alles gesehen.

TIPP: Wir empfehlen auf jeden Fall, die Ruinen früh zu besichtigen und rechtzeitig zum Einsetzen der Mittagshitze den Rückweg anzutreten.

CENOTEN X’KEKÉN und SAMULA

Zurück in Valladolid leihen wir uns Fahrräder aus, um zu den nahe gelegenen Cenoten X‘ Kekén und Samula zu radeln. Die Sonne brennt hier mittags unerbittlich und so ist eine Abkühlung im kühlen Nass genau das, wonach uns der Sinn steht. Cenoten sind dolinenartige Kalksteinhöhlen, die durch den Einsturz der Höhlendecken entstanden und mit Süßwasser gefüllt sind. In ganz Yucatan finden sich diese Höhlen, viele davon liegen versteckt in den Wäldern. Die beiden, die wir an diesem Tag besuchen, sind aber ziemlich bekannt und überirdisch schon sehr touristisch ausgebaut. Dafür sind sie aber unterirdisch wunderschön! Da nicht die kompletten Decken hinabgestürzt sind, kommen wir uns in beiden vor wie in unterirdischen Swimming Pools. Durch die Löcher in der Decke fällt beide Male ein Strahl natürlichen Sonnenlichtes und erhellt die Höhlen in blau-grünlichem Schummerlicht. Das Wasser ist glasklar und erfrischend – und sogar ziemlich viele Fische tummeln sich hier unten. So lassen wir uns fasziniert zwischen Lianen und Baumwurzeln auf dem Rücken treiben und genießen wieder mal die Wunder unserer Natur!

CHICHEN ITZA

Am nächsten Tag dann erkunden wir natürlich auch Chichen Itza. Herzstück der berühmten Mayastätte ist das meist fotografierte Bauwerk Mexiko’s: die Pyramide des Kukulcán. Auf der enorm weitläufigen Anlage befinden sich aber noch unzählige weitere Bauten wie das Observatorium, die antiken Spielstätten, verschiedene Tempel und Palastruinen. Die meisten Gebäude sind größtenteils restauriert und wiederaufgebaut, wodurch man sich gut vorstellen kann, wie die Stadt zur Zeit der Maya ausgesehen haben muss. Ansonsten weiß man aber leider sehr wenig über die Geschichte hinter Chichen Itza. Und so ranken sich viele Mythen um diese Stadt, die einst eine der bedeutendsten Stätten des Maya-Reiches war. Deswegen würden wir auch nicht unbedingt empfehlen, einen der zahlreichen wartenden Touristen-Führer anzuheuern, sondern eher dazu raten, bei einem Spaziergang die vielen Bauten einfach auf sich wirken zu lassen, sich dann in Ruhe auf einen Stein zu setzen und die faktischen Hintergründe im Reiseführer nachzulesen. Und auf jeden Fall schon gleich morgens bei Öffnung der Tore um 8 Uhr herkommen! Denn so gegen 11 Uhr kommen Scharen von Reisebussen mit Tagestouristen aus Cancun an und dann schieben sich die Massen im Gänsemarsch über das Gelände!

RIVIERA MAYA

Den gleichen Tipp geben wir auch zur Besichtigung der Maya-Ruinen in Tulum. Hier am besten gleich morgens ab 7 Uhr in Ruhe die Stätte besichtigen und anschließend ganz entspannt in die wunderschöne Bucht absteigen, solange die Massen sich über die Ruinen hermachen. Denn das Schönste an der Anlage ist eben diese Lage oberhalb dieser Bucht: die Mayastätte in Tulum thront direkt am Rande steil abfallender Klippen, darunter das blau leuchtende Meer der Karibik. Die Maya hatten wirklich ein Auge für Architektur mit Ausblick. Nicht umsonst wird dieser Teil der Karibikküste die Riviera Maya genannt.

Ansonsten hat uns der Ort Tulum definitiv nicht umgehauen. Eine sechsspurige Straße zieht sich durch das wenige Kilometer vom Meer entfernte Dorf und auf beiden Seiten reihen sich austauschbare Shops, Restaurants und Bars aneinander. Direkt am Meer reihen sich teure Boutique-Hotels mit großen Namen aneinander. Trotzdem zieht der Ort nicht nur einen beachtlichen Touristenstrom an, sondern auch viele Aussteiger, die sich hier niederlassen um Tattoo Shops, vegane Restaurants, hippe Hostels etc. zu eröffnen. Wir wären direkt weiter gezogen – wäre da nicht noch eines der professionellsten Yoga Studios unserer Reise gewesen und die Möglichkeit, die Cenoten zu betauchen…denn DAS wollte sich Biene auf keinen Fall entgehen lassen. Hat sie zum Glück auch nicht!

CENOTEN-TAUCHEN MIT Aquatic Tulum

Denn so haben wir die Ehre, Alejandro Alvarez Enriques kennenzulernen. Alejandro ist der Besitzer der ersten Tauchschule Tulum’s und selbst eine absolute Koryphäe unter den Höhlentauchern Mexiko’s. Vor wenigen Jahren hat Alejandro auf einer seiner Expeditionen mit dem National Geographic in die bis heute größtenteils unerforschten Tiefen des unterirdischen Flusssystems menschliche Überreste gefunden, die die Theorien über die globale Ausbreitung der Menschheit komplett über den Haufen warfen und ganz neue Erkenntnisse zuließen (mehr dazu hier). Eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Alejandro nimmt Biene kurzerhand unter seine Fittiche und so bereitet sie sich nicht nur beim Yoga in dem von seiner Lebensgefährtin geführten Yogastudio bestens auf die Tauchgänge vor, sondern erfährt nebenbei noch viel mehr über das faszinierende Höhlensystem, als das in einer der zahlreichen anderen Tauchschulen möglich gewesen wäre. Fast wären wir sogar noch in das der Tauchschule angeschlossene Loft unter demselben Dach wie das Yogastudio umgezogen – das wäre die perfekte Kombination aus Yoga, Tauchen und Entspannung gewesen! Da wir aber nur wenige Tage bleiben wollten, lohnte es sich leider nicht mehr umzuziehen. Aber bei unserem nächsten Aufenthalt in Tulum würden wir nirgendwo anders einziehen als hier:

Mit Alejandro’s Neffe Alec als persönlichem Tauch-Guide geht Biene auf Erkundungstauchgang in die Cenoten. Zuerst fahren wir zur Grand Cenote. Diese ist außer einigen Felsüberhängen komplett offen und sieht somit aus wie ein natürlicher Süßwasserpool. Da die Cenote auch nicht besonders tief ist, wird sie von der Tauchschule gerne für den 1. Tauchgang angesteuert, um das technische Können des Tauchers einzuschätzen. Uli darf natürlich auch mit und erkundet die Cenote schnorchelnd, während Biene einige Meter tiefer durch die grünlich schimmernde Unterwasserwelt gleitet. Der 2. Tauchgang führt uns in eine andere, abgelegenere Cenote. Diese ist wie eine Grotte größtenteils geschlossen und nur an einer Stelle ist ein Einstieg möglich. Von hier geht es mit Taschenlampen ausgerüstet hinein in die Cenote. Da man ohne spezielle Ausbildung nicht in vollkommen geschlossenen Höhlen tauchen darf, behalten wir den gesamten Tauchgang über den Einstieg mit Tageslicht im Sichtfeld. Dennoch ist es fast rabenschwarz und das Tauchen hier wahnsinnig faszinierend. Und dass, obwohl es hier keine Fischschwärme oder farbenfrohe Korallen wie im Meer gibt. Dafür bilden massive Stalaktiten ein Labyrinth aus grotesk geformtem Fels. Durch die fehlende Strömung und das Süßwasser ist es außerdem, als würde man vollkommen schwerelos durch diese surreale Unterwelt schweben. Grandios!

Es gäbe rund um Tulum noch unzählige weitere besondere Cenoten wie Dos Ojos oder The Pit zu betauchen – aber da Biene zu diesem Zeitpunkt leider noch kein ausreichendes Tauchzertifikat besitzt, müssen wir das wohl oder übel verschieben und irgendwann noch einmal wiederkommen. 😉

LAGUNA BACALAR

Mit dem Bus fahren wir weiter in den Süden Yucatan’s. Obwohl unsere nächste Destination ein See ist, fühlen wir uns dort wie am Meer. Das liegt vor allem an den Farben der Laguna Bacalar – nicht umsonst wird diese das Meer der 7 Farben genannt. Von türkis über marineblau bis hellblau leuchtet das Wasser in den schönsten Farben der Karibik.

Die Laguna Bacalar gefällt uns gut und wir könnten es gut noch einen Tag an dem schönen See aushalten – finden im Umkreis aber leider keine Unterkunft, die uns preistechnisch überzeugt. Das ist leider ein Nebeneffekt des fortgeschrittenen Tourismus auf Yucatan – die Preise sind hier fast überall deutlich höher als im Rest des Landes. Und so verlassen wir Yucatan an diesem Abend nach einer Woche mit vielen neuen Eindrücken und machen uns mit dem Nachtbus auf den Weg nach  Chiapas in den hochlagigen Süden Mexiko’s.

 

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

Diese Woche Dienstag, den 21. März 2017, sind wir seit genau 111 Tagen wieder auf Reisen. Ein guter Anlass finden wir, um über unsere Reise zu philosophieren und Euch schonmal einen kleinen Einblick zu geben, was wir in den vergangenen 111 Tagen so alles erlebt haben:

  1. Wir haben in den 111 Tagen 4 Länder bereist: Brasilien, Argentinien, Chile und Bolivien. Zählen wir die Länder dazu, die wir im Rahmen unserer Überfahrt nach Südamerika per Schiff besucht haben, kommen sogar noch 3 dazu: Italien, Spanien und Marokko. Mit Peru, Ecuador und Kolumbien soll es auf unserer Südamerika-Etappe noch in weitere 3 Länder gehen.
  2. Am 111. Reisetag machten wir eine geile Radtour: Es ging die „Death Road“ hinunter, die Studien vor wenigen Jahren als gefährlichste Straße der Welt belegten. Im Schnitt stürzten 26 Fahrzeuge pro Jahr hier in die Tiefe. Auf der Radtour von La Paz nach Coroico fuhren wir in 3 Stunden über 3.000 Höhenmeter auf der Death Road hinunter! Adrenalin pur!DANKE AN STEFAN K. & STEFAN W., DEREN GESCHENKE WIR FÜR DIESE RADTOUR EINGELÖST HABEN!!
  3. Von den Wasserfällen von Iguazu sind wir durch ganz Argentinien bis an die Südspitze des amerikanischen Kontinents und komplett Chile wieder hoch bis nach Sucre in Bolivien getrampt.
  4. Das macht 12.700 km per Anhalter! Verteilt auf 122 Lifts, die uns hilfsbereite Menschen gegeben haben – viele davon im Auto, auf Pick-up Pritschen, im LKW, in Kleintransportern, auf Ladeflächen…
  5. Unsere exotischsten Lifts waren ein Krankenwagen, ein Polizeiauto, ein Feuerwehrauto und ein Segelschiff!
  6. Unser längster Lift war eine 1.400 km lange Fahrt am Stück im LKW.
  7. Als wir in Bolivien (aufgrund der sehr günstigen Buspreise, des geringen Privatverkehrs überland, der Zurückhaltung der Bolivianer und der Praktik, dass Tramper sich am Benzingeld beteiligen) beschlossen von nun an per Bus weiterzureisen, fühlte es sich an wie das Ende eines Abenteuers. Traurig.
  8. Schon nach 3 Busfahrten sehnen wir uns wieder nach einem eigenen Transportmittel. Nach Aufregung. Nach Abenteuer.
  9. Beim Reisen per Anhalter lernt man die Menschen eines Landes und ihre Geschichten besser kennen als bei jeder anderen Reiseart.
  10. Wir wurden viele Male eingeladen – auf einen Kaffee, ein Mittagessen, eine Übernachtung – und ebenso viele Male beschenkt – mit Keksen, Wasser, einem Umweg für uns etc. Unzählige Male waren wir von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft uns gegenüber überwältigt!
  11. Aus manchen Begegnungen entwickelten sich bleibende Kontakte und sogar Freundschaften.
  12. Wir machten keine einzige schlechte Erfahrung beim Trampen durch Südamerika.
  13. Wir kennen nun alle möglichen latinoamerikanischen Musikstile und die aktuellen Charts aus Argentinien und Chile.
  14. Feuerland und das südliche chilenische Fjordland haben das wohl unwirtlichste – und gleichzeitig unwirklichste – Klima der Erde.
  15. In Patagonien sind Schneestürme, Hagel und Minusgrade selbst im Hochsommer keine Seltenheit. Auch 4 Jahreszeiten an 1 Tag sind ganz normal.
  16. Trotzdem haben wir hier 2 Monate lang ausschließlich gezeltet. Meist in der freien Natur. Unser Zelt ist inzwischen sowas wie unsere Höhle: Aufgebaut, reingewurschtelt, zuhause.
  17. Patagonien ist in allem extrem: extrem wenige Menschen, extrem schöne Natur, extrem starker Wind, extrem rau, extrem starke Sonne, extreme Wetterumschwünge, extrem langwierig zu erreichen, extreme Naturgewalten.
  18. Am Ende der Welt wartet immer ein Regenbogen!
  19. Nach der Zeit in Patagonien nehmen wir verschmutzte Luft und Abgasgeruch viel intensiver wahr.
  20. Der kalbende Gletscher Perito Moreno, die Wasserfälle von Iguazu und die Salar de Uyuni sind zusammen wohl drei der beeindruckendsten Wunder der Schöpfung, die wir bisher sahen.
  21. In Argentinien gibt es eine Provinz, die tatsächlich „La Pampa“ heißt. Sie ist…eben – reine Pampa: dürre Steppe, keine Bäume, keine Besiedlungen, kein Wasser. Die Pampa ist flächenmäßig größer als Deutschland.
  22. Korruption ist eines der größten Probleme für ein Land.
  23. Je höher der Lebensstandard in einem Land ist, desto teurer ist Essen.
  24. Chile, Argentinien und Brasilien haben dasselbe Preisniveau wie Deutschland.
  25. In Boliven ist es teurer Zutaten zum kochen zu kaufen als essen zu gehen. Für 1-2€ bekommt man im Restaurant ein komplettes Menü bestehend aus Suppe, Hauptspeise und Nachtisch.
  26. Hier gibt es auch endlich wieder leckeres Streetfood und frisch gepresste Fruchtsäfte an jeder Straßenecke.
  27. Mangos, Bananen und Avocados schmecken hier noch mindestens 10mal besser als aus dem deutschen Supermarkt.
  28. Wenn die Einheimischen das Leitungswasser trinken, tun auch wir dies bedenkenlos. Bisher ohne Probleme. In Plastikflaschen abgefülltes Wasser kaufen wir nur, wenn es absolut notwendig ist. In 3 Jahren Reisen haben wir viel zu viele Plastikflaschen am Straßenrand, im Meer und überall in der Natur gesehen.
  29. Wir wissen noch nicht genau, was es damit auf sich hat, aber bisher verging noch kein Tag, an dem wir in Bolivien keine Blaskapelle spielen hörten.
  30. Einfach Fragen öffnet alle möglichen Türen.
  31. Nett und mit einem Lächeln fragen sogar Tore.
  32. Egal wie wenig Klamotten wir dabei haben – selbst dann noch ziehen wir manches fast immer an und anderes fast nie.
  33. Nach fast 3 Jahren auf Reisen hat sich unser Gepäck fast um die Hälfte reduziert.
  34. Man kann sich auch in Orte verlieben, nicht nur in Menschen.
  35. Die schönsten Plätze sind nicht leicht zu finden. Und sie stehen in keinem Reiseführer.
  36. Wir sind keine Gruppenreisenden.
  37. Wir sind viel lieber draußen und wandern zur 10. Lagune als länger in einer Großstadt zu sein. Die sehen oft irgendwie gleich aus. Grau.
  38. Vieles kommt auf die Sichtweise an – in Australien’s Outback ist Regen ein Grund zur allgemeinen Freude. Im chilenischen Fjordland tägliches Ereignis.
  39. An den meisten Orten ist es nicht gefährlicher als zuhause.
  40. Fragt man die Einheimischen, ist es im Nachbarland/im Nachbarort/in der Nachbarprovinz immer viel gefährlicher.
  41. Es gibt nur sehr wenige Orte, an denen kein anderer Deutscher ist.
  42. Gastfreundschaft hat nichts mit Wohlstand oder Armut zu tun.
  43. Die Monate im australischen Outback und in Patagonien haben uns geprägt: Größere Menschenansammlungen und vor allem hohes Verkehrsaufkommen gehen uns schnell auf die Nerven.
  44. Wir schlafen inzwischen viel lieber in unserem Zelt als in einem mäßigen Hostel mit verranzter Küche oder schmuddligem Badezimmer.
  45. Aber auch die Nacht in der Turnhalle, die als Notunterkunft aufgrund der Überflutungen in der chilenischen Region Aysen geöffnet war, war nicht so schlecht. Es gab Kaffee, Frühstück und sogar eine heiße Dusche.
  46. Allgemein herrscht das Klischee, Südamerikaner seien unpünktlich. Auf Chilenen trifft das ganz und gar nicht zu. Hier fahren selbst Tourbusse überpünktlich ab.
  47. Es gibt schwarzweisse Delfine! Und Pinguine mit gelben Halskrägen! Und wir haben sie gesehen!
  48. Mit Seelöwen zu schnorcheln war eine der genialsten Erfahrungen unserer Reise!
  49. Insgesamt tragen wir in Südamerika sehr viel häufiger unsere Wanderschuhe als unsere Flipflops.
  50. Auch unsere Regenjacken hatten wir schon häufiger an als unsere kurzen Hosen. Irgendwie hatten wir uns den südamerikanischen Sommer wärmer vorgestellt. Wir sind aber auch meist in Höhenlagen zwischen 3.000-5.000 Meter unterwegs.
  51. Wenn es dann mal wo warm ist, ist es gleich richtig heiß.
  52. Kurz vor San Pedro de Atacama in Chile haben wir zum 2. Mal (das 1. Mal war an der Westküste Australien’s) den tropischen Breitengrad der Südhalbkugel, den „Tropic of Capricorn“, überquert. Wir freuten uns wie verrückt.
  53. Nichts ist unbefriedigender, als einen Gipfel zu erklimmen – und nichts außer einem grauen Wolkenmeer zu sehen.
  54. In der Regel lohnt es sich, fremden Menschen die Chance zu geben, ihre gute Seite zu zeigen. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschen vorausgesetzt, widerfährt einem unheimlich viel Gutes.
  55. Auch auf einer Reise ist nicht jeder Tag fantastisch. Mal ist es anstrengend, mal mühsam und oft müssen wir uns jedes Mal auf’s Neue außerhalb unserer Komfortzonen wagen. Aber am Ende des Tages werden wir immer wieder für die Anstrengungen belohnt.

Ergo: Diese Reise ist bis heute das Beste, was wir unternommen haben!

6 Freunde, 2 Jahre Reisen, 3 Wochen Karibik – Urlaub vom Urlaub mit Cuba Libre!

6 Freunde, 2 Jahre Reisen, 3 Wochen Karibik – Urlaub vom Urlaub mit Cuba Libre!

Kilometer über Kilometer weisser Sandstrände, Mojitos, ins Blut gehende Salsa-Rhythmen, laue karibische Nächte, Rum, amerikanische Cabrios aus den 50er Jahren, dazu die revolutionäre Stimmung vergangener Zeiten und verschwörerische Rebellion in den engen Gassen vor den bröckelnden Fassaden kolonialer Prachtbauten…

Mit dieser Idee von einem Land wie aus vergangener Zeit in unseren Köpfen stand Kuba schon seit Anbeginn unserer Reise als Destination fest. Obwohl wir nur eine grobe Reiseroute im Kopf hatten, war klar: Kuba wollen wir auf jeden Fall besuchen. Und das so bald wie möglich. Noch bevor die sich langsam annähernden politischen Beziehungen zu den USA es US-amerikanischen Firmen ermöglicht, das Wesen des Landes unwiderruflich zu wandeln und der karibische Inselstaat von Horden amerikanischer Touristen überrannt wird. (Mit diesem Vorhaben sind wir keinesfalls die Einzigen, wie wir merken sollten…)

Wir freuten uns noch aus einem anderen Grund besonders auf Kuba: wir würden Besuch bekommen! Fast 2 Jahre nach unserem Abschied aus Deutschland würden 4 unserer besten Freunde für 3 Wochen mit uns reisen. Einen genauen Reiseplan gab es nicht – nur die Wünsche ohne Urlaubsstress soviel wie möglich vom Land zu sehen, an karibischen Stränden in der Sonne zu brutzeln und an Korallenriffen zu schnorcheln. Nun, das meiste davon hat ganz gut geklappt. Wobei es manchmal gar nicht so leicht war, die verschiedenen Wünsche und Urlaubsvorstellungen aller unter einen Hut zu bekommen: der Eine will braun werden, der Andere in den Schatten, der Eine möchte an den Strand, der Andere mag keinen Sand zwischen seinen Zehen… Aber im Zweifelsfall tranken wir einen Mojito und dann sah die Welt gleich wieder etwas bunter aus 😉 Wir denken, wir haben das gut hin bekommen und hatten einen grandiosen Karibiktrip zusammen!

Voilà, und hier ist unsere Kubareise im Detail:

Ankunft: HAVANNA

Kuba’s pulsierende Hauptstadt bildet den Ausgangspunkt unserer Kuba Rundreise. Von hier starten wir gegen den Uhrzeigersinn und schauen, wie weit wir kommen. Da unsere Flüge recht unterschiedlich auf Kuba landen, nehmen wir uns in Havana Central 3 Zimmer in einem Casa Particular für die ersten 2 Nächte. (Mehr zu Unterkünften in Kuba bald). Co & Alex L. kommen schon einige Stunden vor uns an und so gibt es bei unserer Ankunft gleich ein fröhliches Willkommen im Casa. Wir unternehmen direkt einen ersten Spaziergang zum Malecon, der Flaniermeile und berühmten Ufermauer Havana’s und feiern unser Wiedersehen mit einigen Cocktails, für die Kuba berühmt ist: Mojito, Piña Colada, Daiquiri, Cuba Libre – sie alle haben ihren Ursprung auf Kuba. Rum ist günstig in Kuba – und im Gegensatz zu Trinkwasser überall und zu jeder Tageszeit erhältlich, wie Alex L. & Uli noch in der ersten Nacht herausfinden. Jaaa, es könnte Schlimmeres geben 😉

Ein erster Spaziergang durch das Altstadtviertel Habana Vieja mit seinen zerfallenden Prachtbauten am nächsten Tag führt zu einem gemischten Fazit – während Co & Alex L. eher geschockt sind von dem herum liegenden Müll, dem Zustand der Straßen und den Häusern im Verfall, stellen wir beide fest wie sehr wir inzwischen routiniert über solche Zustände hinweg sehen bzw. daran gewöhnt sind. Was wir dagegen hauptsächlich wahrnehmen ist der morbide Charme dieser bröckelnden Fassaden, der sich auf den zweiten Blick offenbart. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Es wäre leicht, ein romantisches Bild von Havana’s Gassen zu zeichnen – aber dies würde Havana und seinen Einwohnern nur wenig gerecht werden. Für sie ist der allgegenwärtige Verfall in den kleinen Gassen sicher ebenso schwer zu ertragender Zustand wie die kaum mehr bezahlbaren Mieten im von der UNESCO subventionierten und daher hübsch restaurierten und prächtig anzuschauenden Teil des Altstadtviertels.

Am 2. Abend ist mit der Ankunft von Oli & Alex unsere Reisegruppe für die nächsten Wochen vollständig. Es ist herrlich, unsere Freunde plötzlich um uns zu haben und fast so, als wäre seit unserem letzten Wiedersehen nicht 24 Monate, sondern nur wenige Tage vergangen.

2. Stopp: VIÑALES

In einem stilechten grünen Cadillac starten wir unsere Reise über die Insel mit der dreistündigen Fahrt nach Viñales. Zu sechst handeln wir für das Privattaxi denselben Preis aus, den wir auch für den Touristenbus Viazul bezahlt hätten (mehr zu Transport in Kuba bald). Karibische Rhythmen aus dem lauthals aufgedrehten Radio und kubanisches Feeling inklusive!

Unterwegs machen wir Halt auf einer der vielen Tabakplantagen, die das Umland säumen. Hier wird uns der Herstellungsprozess der weltberühmten kubanischen Zigarren wie Cohiba, Monte Christo, Romeo & Julietta gezeigt und wir testen die ersten Züge der „Habanos“.

In Viñales angekommen beziehen wir ein Sechserzimmer in einem Casa Particular am Ortsrand. Ein echtes Schnäppchen – der Zimmerpreis ist derselbe, ob nun 3 oder 6 Personen das Zimmer beziehen. Gut, dass wir uns alle mögen und das Zimmer Klimaanlage und ein eigenes Bad hat 😉 Das Casa besticht vor allem mit einem Pool und dem von uns schnell zur Dachterrasse umfunktionierten Flachdach! Hier lässt es sich herrlich unter dem Sternenhimmel einige Cuba Libre trinken und auf die Geschichten der vergangenen 2 Jahre anstoßen. Davor essen wir noch im hauseigenen Restaurant mit Blick auf die Karstberge, für die die Gegend um Viñales bekannt ist, zu Abend. Dabei machen wir direkt Bekanntschaft mit der durchtriebenen Geschäftstüchtigkeit der Kubaner – als wir fest stellen, dass die Preise in der Speisekarte höher sind als uns zuvor genannt, bekommen wir einen Rabatt zugesichert – andere Restaurantgäste, die nicht im Casa wohnen oder nach haken, zahlen jedoch mehr. So etwas ähnliches passierte uns schon am ersten Abend, als wir noch zu viert in einem Casa Particular in Havana aßen – und uns der Besitzer unter der Hand 50 % Rabatt auf die gesamte Speisekarte gab. Auch wenn in Kuba nach wie vor von Seiten des Staats Kommunismus verordnet ist, herrscht im Privaten wachsender Kapitalismus. Bedenkt man, dass bis heute große Teile der Bevölkerung von staatlichen Rationen leben, kann man es den Kubanern kaum verdenken, wenn sie den vergleichsweise großen Reichtum der Touristen sehen und auch ein Stück vom Kuchen abhaben möchten. In diesem Zusammenhang muss wohl auch das Verschwinden von Biene’s halbem Rucksackinhalt von der Wäscheleine des Casa Particular in Viñales gesehen werden…

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausritt durch den Parque Nacional Viñales. Die Natur hier zählt zu den spektakulärsten Landschaften, die Kuba zu bieten hat. Schwarze Karstberge – genannt Mogotes – erheben sich majestätisch über üppig grünen Tabakfeldern und den hier wüchsigen Königspalmen. Auf Pferden mit so passenden Namen wie Cuba Libre, Mojito und Luzerno reiten wir durch das „Tal der Stille“ und besuchen mit unserem ausschließlich spanisch sprachigem Guide neben einer Höhle mit Felsformationen in Tierformen auch eine Kaffeeplantage, eine Aussichtsterrasse und eine weitere Tabakplantage. …Ach ja, und dann war da Alex L.´s filmreifer Stunt, als sich sein Pferd spontan im Fluss abkühlen wollte… 😀

Am Nachmittag gönnen wir unseren teils leidenden Hinterteilen Erholung und springen in den Pool unseres Casa’s. Oh, wie strahlt Uli, als er dabei ein lang ersehntes Weizenbier trinken kann, das ihm Alex L. aus Deutschland mitbrachte. 😉

3. Station: Cayo Jutiá

Tags darauf unternehmen wir einen Tagesausflug auf die Insel Cayo Jutiá an der Nordküste. Per Taxi geht es in 1,5 Stunden auf die über einen 4 km langen Damm mit dem Festland verbundene Insel. Dabei hören wir auch zum ersten Mal, dass es der kubanischen Bevölkerung selbst bis heute nicht gestattet ist, die vor dem Festland liegenden Inseln zu betreten, die nur mit dem Boot zu erreichen sind. Es könnte ja jemand per Schiff des Landes fliehen… Die Insel Cayo Jutiá erwartet uns mit dem heiß ersehnten karibischen Sandstrand. Schnorcheln am vorgelagerten Korallenriff ist aber nur per Bootstour möglich. Wir entscheiden uns gegen eine solche und laufen stattdessen 45 Minuten an das nördliche Ende der Insel, wo uns ein wunderschöner einsamer Sandstrand erwartet. Schnorcheln lohnt sich aufgrund der lang gezogenen Sandbank leider auch hier nicht – dafür liegen im kniehohen Wasser zahllose Seesterne und die Jungs nutzen den breiten Strand für ein Faustballmatch.

Zurück in Viñales lassen wir den Strandtag bei kubanischer Live-Musik und – wie könnte es anders sein 🙂 – bei Mojitos und Cuba Libre gemütlich ausklingen. Der nächste Tag ist ein schönes Beispiel für den Unterschied zwischen Urlaub und Reisen:
Wir teilen uns morgens zunächst auf, da Biene & Uli noch etwas über den Verbleib von Biene’s verschwundener Wäsche heraus zu finden versuchen (vergeblich), während die anderen 4 schon einmal in die Schweinebucht vor reisen. Während sie gemütlich im Oldtimer dorthin chauffiert werden, können wir beide etwas später am Morgen nicht anders, als die lokalen Transportmittel auszuprobieren. Unsere Anreise nach Playa Larga beinhaltet zunächst eine Fahrt im – zum Bersten mit Einheimischen gefüllten – Bus (ein umgebauter LKW mit Pritsche auf der Ladefläche) zur nächsten Stadt, von dort einen kurzen Fußweg zur Autobahnauffahrt um den nächsten „Guagua“ anzuhalten (die lokalen Langstreckenbusse dürfen am Busbahnhof keine Ausländer einsteigen lassen, halten am Straßenrand außerhalb auf Winken aber auch für diese), zwei Fahrten mit vollgestopften Collectivos (Sammeltaxis) und eine Fahrt per Anhalter. Das per Anhalter fahren ist auf Kuba übrigens weit verbreitet – Männer wie Frauen jeden Alters stehen hier an den Autobahnbrücken und -auffahrten und trampen. Sprit ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf Kuba teuer – und deshalb nehmen die wenigen Autobesitzer gerne Anhalter mit, die einen Beitrag zum Benzingeld leisten.

So kommen wir beiden 2 Stunden später und mit deutlich weniger Komfort als die anderen, dafür aber auch zu einem Bruchteil des Fahrpreises abends ebenfalls in Playa Larga an. Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, auf Kuba mal so richtig Urlaub zu machen und nicht auf unser Budget zu achten – so ganz aus unserer Backpacker-Haut fahren können wir jedoch nicht, wie wir schon ziemlich bald fest stellen. Und so müssen unsere Freunde öfters mal mit uns an den kleinen Hole-in-the-wall Imbissen essen – was mal mehr, mal weniger genussvoll ist. Dafür immer sehr günstig und authentisch. Zum Ausgleich dafür lassen wir uns aber auch hin und wieder Langusten, Garnelen und andere Köstlichkeiten in den Casa Restaurants schmecken.

Next stopp: BAY OF PIGS – PLAYA LARGA

Von Playa Larga aus unternehmen wir einen Ausflug zur nahen Cueva de los pesces – ein mit Wasser gefüllter, 72m tiefer Riss in der Tektonalplatte. Leider wimmelt es statt der erwarteten bunten Fischvielfalt eher vor planschenden Schnorchlern mit Schwimmnudeln, sodass wir zum Schnorcheln ins Meer ausweichen. Am eindrücklichsten bleiben uns von diesem Ausflug wohl die zahllosen Krebse in Erinnerung, die zur Paarungszeit zu Tausenden über die Straße wuseln…und das schrecklich krachende Geräusch, wenn die Reifen unseres Taxis wieder welche davon erfasst haben…

Bay of pigs – PLAYA GIRON

Per Oldtimer-Taxi fahren wir am nächsten Tag weiter in das nahe Playa Giron. Obwohl der Ort nur aus 2 Straßenzügen besteht, ist er jedem Kubaner ein Begriff: Hier in der Schweinebucht haben die Truppen Fidel Castro’s einst einen groß angelegten Hinterhalts-Angriff der Amerikaner abgewehrt. Wir sind zufällig zum Jahrestag der Militäroffensive hier und bekommen so den Aufbau der großen Feierlichkeiten am Rande mit. Spannender finden wir das aus demselben Anlass statt findende Straßenfest, dem wir zu fortgeschrittener Stunde einen Besuch abstatten. Zuerst gehen wir aber natürlich zum Strand – deswegen sind wir schließlich her gekommen. Besser als das Schnorcheln und der mit Plastikmüll übersäte Strand sind allerdings die Mojitos in der Hotelbar des nahen Strandresorts. 😉 Wir beziehen daher recht bald ein gemütliches Casa. Und da es sonst nicht viel zu tun gibt, läuten wir schon am späten Nachmittag die Mojito Hour ein. Schließlich müssen wir heute bereits wieder von Co & Alex L. Abschied nehmen, die bereits eine Woche vor Oli & Alex wieder ihren Rückflug antreten. Es wird eine lange, feucht-fröhliche Nacht…. Hatten wir schon erwähnt, dass Rum im Gegensatz zu Trinkwasser immer und überall erhältlich ist?! 😉
Dementsprechend ist es am nächsten Morgen noch sehr ruhig in den beiden Zimmern, als Biene zum Tauchen geht. Der Shoredive ist mit 25 € sehr günstig. Trotzdem hält er, was er verspricht. Neben einem in 28 Meter Tiefe liegendem Schiffswrack gibt es eine mit farbenfrohen Hartkorallen bewachsene Steilwand und viele Rifffische zu bestaunen. Das Wasser ist kristallklar und die Sicht hervorragend. Auch das Schnorcheln hier ist das mit Abstand beste auf unserer gesamten Kubareise. Als Biene nach dem Schnorcheln wieder zum Casa kommt, ist es bereits wieder Zeit für Mojiiito. Dann heißt es Abschied nehmen und während Co & Alex L. sich zum Abschluss für einige entspannte Strandtage nach Varadero aufmachen, bringt uns ein schnittiger Oldtimer in Richtung Trinidad.

TRINIDAD

Wenige Kilometer von der UNESCO-Weltkulturerbe Stadt mit seinen farbenfrohen Casas entfernt, suchen wir uns in dem kleinen Fischerdorf Las Bocas ein gemütliches Casa am Wasser aus. Wir handeln einen guten Preis inklusive Frühstück aus und lassen in den Hängematten die Beine baumeln. Einen Tag lang erkunden wir die Gassen von Trinidad, besuchen das Museum über die Glanzzeit der hier ansässigen Zuckerbarone, die der Stadt zu ihrem Prunk verholfen, testen den lokalen Signature-Cocktail Canchanchara und bummeln durch die aufgehübschten Gassen der Altstadt. Anders als in Havana sehen wir in der ehemals reichen Stadt wenig Verfall – aber auch in Trinidad lässt der Standard rasch nach, wenn man die Hauptgassen verlässt.

Ebenfalls einen Tag verbringen wir am 6 km entfernten Playa Ancon, der als schönster Strand der Südküste gilt. Tatsächlich ist der Strand wie aus dem Bilderbuch – nur, dass man den doch recht kühlen Wind auf den Bildern nicht sieht 😉 Uli freut sich hier ein weiteres Mal über ein kulinarisches Mitbringsel aus der Heimat – und verschlingt grinsend wie ein Honigkuchenpferd die gute Büchsenwurst vom heimischen Metzger

Shootingstar: Sancti Spiritus

Die Stadt Sancti Spiritus, die wir nur als Übernachtungsstopp einplanen, stellt sich überraschend als eine der schönsten Städte Kuba’s heraus. Vor ein paar Jahren wurde die Altstadt zu ihrer 500-Jahr-Feier aufwändig restauriert und so erwartet uns neben der Puente Yayabo – der „schönsten Steinbrücke Kuba’s“ unter Anderem eine marmorne Fußgängerzone und ein Casa Particular im Barockstil – inklusive edler Dachterrasse, auf der stilvoll Mojito serviert wird. Aber auch in Sancti Spiritus zeigt sich der für Kuba so typische Kontrast – den Weg zum Busbahnhof legen wir in einer der zahllosen Pferdekutschen zurück (bei diesen machen sowohl die Pferde als auch die Kutsche den Eindruck, als hätten sie schon bessere Tage gesehen).

Von hier starten wir in einen Reisetag à la Biene & Uli und fahren zuerst Guagua und später noch mit dem Zug – was auf Kuba eher ein Erlebnis für sich als ein effektives Vorankommen von A nach B bedeutet. Trotzdem kommen wir am späten Abend in Moron an, von wo aus wir am nächsten Tag auf die Insel Cayo Coco aufbrechen.

UNSER 2. REISEJUBILÄUM

Der heutige Tag ist für UnS ein besonderer Tag! Es ist der 22. April 2016 – und damit unser 2-jähriges Reisejubiläum! Genau vor 2 Jahren haben wir Deutschland den Rücken gekehrt, um auf unbestimmte Zeit zu reisen und die Welt zu entdecken! Im Rückblick konnten wir damals selbst nicht ahnen, wohin es uns verschlagen würde, wie lange wir unterwegs sein würden und ob das überhaupt eine gute Idee war… Dass es das war, wissen wir mittlerweile. Wie viel durften wir in den 2 Jahren sehen und erleben! In den Wochen auf Kuba wird uns das wieder richtig bewusst, wenn wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen zu erzählen bei all den Erlebnissen und Erfahrungen, die wir in den 2 Jahren auf Weltreise schon machen durften! Für dieses besondere Datum haben wir uns ein besonderes Schmanckerl ausgesucht – den schönsten Strand der Karibik, wie es über den Playa Pilar auf der Cayo Guillermo im Reiseführer geschrieben steht. Dort angekommen erwartet uns ein hufeisenförmiger, kilometer langer weisser Sandstrand. Das spiegelglatte Meer ist türkisblau und hat Badewannentemperatur – ganz so, wie es in der Karibik sein soll.

Zur Krönung gibt es eine kleine Strandbar mit unaufhörlichem Nachschub an eiskalten Mojitos, Rum und Cola – mehr braucht es nicht für uns 4, um dieses Jubiläum zu feiern! Und das tun wir! Nach einem herrlichen Strandtag gönnen wir uns im Strandrestaurant zur Feier des Tages Languste, Steak und Shrimp zum Abendessen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an Alex & Oli für die Einladung!

Die Nacht verbringen wir am Strand. Sie wird lang, lustig und legendär… 🙂

Am nächsten Tag wartet direkt der nächste traumhafte Strand auf uns. Auf der Nachbarinsel Cayo Coco liegt der nach seinen pinken Bewohnern benannte Playa Flamingo, der schon deutlich touristischer entwickelt ist als Playa Pilar. Für einen herrlich entspannten Beachtag ist er aber dennoch gut.

Nach einer weiteren Nacht auf der Insel, einem Übernachtungsstopp in Moron und einem langen Reisetag mit Bus, Guagua, Taxi und zu guter Letzt auch noch mit dem Touristenbus Viazul (yeah, wir haben alle Transportmittel durch!) erreichen wir die letzte Station unserer Rundreise: Varadero! Auch wir wollen zum Abschluss noch ein paar entspannte Tage am Strand verbringen. Für die rein auf Touristen ausgelegte Resortstadt spricht dabei eben eindeutig ihr nahezu 20 km langer, schneeweisser Sandstrand.

Letzter Halt: Varadero

Wir beziehen ein Casa in erster Strandreihe und finden in eine faule Urlaubsroutine zum Abschluss: Ausschlafen, Sprung ins Meer, Kaffee am Straßenstand, Sonnen baden, Hamburger am Straßenstand, mehr Sonnen baden, Cuba Libre, Abendessen, mehr Cuba Libre, Sonnenuntergang am Strand, Karten spielen…ach, und vielleicht noch einen Cuba Libre? 😉

Nach 3 faulen Tagen neigt sich langsam auch unser Urlaub auf Kuba seinem Ende zu. Wir vollenden unsere Runde und checken in Havana nochmal für 2 Nächte in das Casa ein, in dem wir bereits zu Beginn unter kamen. Und schaffen es wieder weder ins Rum noch ins Zigarren Museum…irgendwas hat Havana an sich…ob wir wohl nochmal wieder kommen müssen?!

Dann heißt es schon wieder Abschied nehmen und auch Oli & Alex brechen zum Flughafen auf! Adios y hasta luego, amigos! Danke ihr 4 für den tollen Urlaub!

Mexiko  – abseits des Gringo Trails

Mexiko – abseits des Gringo Trails

Endlich Lateinamerika! Nachdem wir 8 Monate in Asien verbrachten, fast 1 Jahr lang den roten Kontinent Australien bereisten, 3 Monate lang durch die Südsee tingelten und Nordamerika einen Kurzbesuch abstatteten, ist es höchste Zeit, diesen Teil unseres Planeten kennen zu lernen. Unser erstes Land in Lateinamerika ist Mexiko. Mit einer jährlichen Besucherzahl von etwa 1,5 Millionen Touristen ist es eines der meist besuchten Länder der Welt. Der Großteil der Reisenden konzentriert sich dabei allerdings auf die Halbinsel Yucatan im Osten des Landes. Diese hat mit einer hohen Dichte historischer Mayastätten, schneeweißen Karibikstränden, dem weltweit größten zusammen hängenden unterirdischem Flusssystem und den einmaligen Zenoten auch Einiges zu bieten. Uns interessiert allerdings auch das andere Mexiko, das größtenteils in Zentralmexiko und im Norden des Landes zu finden ist.

Dafür verwerfen wir auch unseren ursprünglicher Plan, in der Mitte des Landes anzufangen und uns dann über Land bis nach Cancun an der Spitze Yucatans vorzuarbeiten. Das hätte durchaus Sinn gemacht, da wir von hier aus 3 Wochen später nach Kuba fliegen. Aber die anderen Landesteile haben soviel zu bieten, dass wir sie nicht links liegen lassen, sondern genauer erkunden möchten. Hier verraten wir Dir, welche Orte Du unbedingt besuchen solltest, wenn Du noch mehr von Mexiko sehen möchtest als die klassischen Backpacker-Orte auf Yucatan und „den wahren Kern Mexiko’s“ kennen lernen willst!

Da wäre zum Beispiel…

GUADALAJARA

In der zweitgrößten Stadt des Landes sind wir sofort mittendrin im farbenfrohen und fröhlichen Mexiko. Schon im Flieger bekommen wir einen Vorgeschmack auf die Trinkfreudigkeit der Mexikaner, als Biene überrascht gefragt wird, ob sie ihren O-Saft tatsächlich pur und nicht lieber mit Tequila möchte. Die Altstadt von Guadalajara ist aufgrund ihrer prachtvollen Kolonialbauten, erhabenen Kathedralen und zahlreichen schönen Kirchen UNESCO-Weltkulturerbe und gut zu Fuß zu erkunden. Außerdem ist Guadalajara die Geburtsstadt des Mariachi, der hier noch jeden Abend von prächtig gekleideten Musikanten in den Straßen vorgetragen wird. Die bunten Häuserfassaden und die farbenfrohen Straßenzüge sind genau so hübsch, wie wir uns das in Mexiko vorgestellt haben. Auch in Sachen Gastfreundschaft heißt uns Guadalajara direkt herzlich willkommen in Mexiko und gibt uns einen Vorgeschmack auf die vielen Male, die wir in den kommenden Wochen von Einheimischen eingeladen werden sollten. Schon als wir das erste Mal aus unserem Hostel treten, um irgendwo etwas zu essen aufzutreiben, winkt uns der Barkeeper aus der Billardhalle gegenüber zu sich. Wir gehen hinüber und prompt lädt uns der nette Mexikaner zu hausgemachtem Ceviche und einem Bier ein. Ceviche ist roher Fisch, der in kleine Stücke geschnitten mit Tomaten, Chilli, Limettensaft und natürlich Koriander gewürzt wird. Neben Tacos, Enchiladas, Tortas und Burritos eine von vielen mexikanischen Köstlichkeiten (auch wenn Uli irgendwann an Maisfladen-Overkill litt).

TEQUILA

Nur 2 Busstunden von Guadalajara entfernt liegt das Städtchen Tequila, Herkunftsort des gleichnamigen alkoholischen Getränks. Natürlich unternehmen wir einen Abstecher dorthin! Und natürlich dreht sich in dem kleinen Ort alles um den hochprozentigen mexikanischen Exportschlager. Schon auf dem Weg fahren wir durch die endlosen blauen Agavenfelder, die es nur hier gibt und die wie die Lavendelfelder in der Bretagne so regional bedeutsam und besonders sind, dass die UNESCO diese Region zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Vor Ort besichtigen wir die Traditionsdestillerie „Herradurra“. Auf der Führung durch die Hacienda erfahren wir neben der interessanten Geschichte des Tequila auch, wie der süße Fruchtsaft aus dem Herzen der blauen Agave extrahiert und in einem aufwändigen Prozess destilliert wird. Und obwohl wir in unserem Leben schon einige Tequila geleert haben, sind wir bei der anschließenden Verkostung überrascht: der Geschmack des hiesigen Tequila hat nur wenig mit dem Gesöff zu tun, dass aus gutem Grund zusammen mit Salz und Zitrone bzw. Zimt und Orange getrunken wird (was hier übrigens keiner tut). Viel eher erinnert der Geschmack an in Eichenfässer gereiften Whiskey. Auch mit der Qualität verhält es sich gleich – je älter, desto hochwertiger. Und wie lang gereifter Whiskey hat auch der mehrjährige Tequila eine sattgoldene Farbe. In seiner wahren Form also durchaus ein Getränk für Genießer. Und in den verschiedensten Variationen zu haben, was Jahrgang, Preis und Marke anbelangt.

SAN MIGUEL DE ALLENDE

Ein weiteres typisch mexikanisches Getränk lernen wir direkt einen Tag später kennen. In dem netten Örtchen San Miguel de Allende machen wir unsere erste Begegnung mit Micheladas. Das ist Bier mit Tomatensaft, Limette, Chili, Salz und Tobaso auf Eis! Klingt für Anhänger des deutschen Reinheitsgebotes grausam – schmeckt aber überraschend lecker und sehr erfrischend. Und ist eine wahre mexikanische Spezialität!
Obwohl San Miguel de Allende eine hübsche koloniale Altstadt, mehrere großartige Märkte mit allerlei Kunsthandwerk, leckeren mexikanischen Snacks und frischen Obstsäften sowie eine imposante Kathedrale hat, werden es wohl die Micheladas sein, die uns am eindrücklichsten von der Stadt in Erinnerung bleiben. Ach ja – und das wir dort den berüchtigten Stierkampf in der großen Arena um genau einen Tag verpassten.

GUANAJUATO

Guanajuatu ist ein idyllisch gelegenes Städtchen auf 2.000 Metern Höhe mit dem Flair einer netten kleinen Studentenstadt. Auf den vielen schönen Plätzen zwischen den bunten Gassen treffen sich in den lauen Abendstunden die Bewohner, um unter großen Schatten spendenden Bäumen und auf den Treppen rundherum die Neuigkeiten des Tages auszutauschen. In den autofreien und Kopfstein gepflasterten Gassen geht es das ganze Jahr über ruhig und bedächtig zu – außer an einem einzigen Wochenende: Ostern! Dann fällt halb Mexiko in dem kleinen Ort ein, um das wichtigste religiöse Fest des Jahres zu feiern! Und mittendrin 2 kleine ahnungslose Backpacker, die kein Zimmer reserviert haben… Nach unserer Ankunft am frühen Abend schieben wir uns über 2 Stunden durch die zum Bersten mit Menschen und Marktständen vollen Gassen. Mit wachsender Verzweiflung klappern wir mindestens 20 Unterkünfte ab und halten schon nach einem Zeltplatz Ausschau – als wir ganz zentral ein kleines verstecktes Hostal finden, welches noch Dormbetten frei hat. Puh – unser persönliches Osterwunder! Auf den Schreck hin wollen wir noch auf einen kurzen Absacker in eine Bar, aus der laute Rockmusik tönt – und landen in einer rammelvollen Studentenkneipe mit ausgelassener Stimmung! Es vergehen nur wenige Minuten, bis wir ein weiteres lokales Spezialgetränk und eine Gruppe sehr sympathischer Studenten kennen lernen, mit denen wir einige der besagten Mezcal preparada (=Tequila-ähnlicher Alkohol mit Salz, Chili, Limette und Fruchtsaft) leeren und bis in die frühen Morgenstunden um die Häuser ziehen und Salsa tanzen.

Bei einem Spaziergang zum El Papilo hoch oben über dem Ort bewundern wir am nächsten Vormittag den fantastischen Rundumblick auf das zwischen hohe Berge eingebettete Guanajuato, bevor die Feierlichkeiten zur Semana Santa, der heiligen Woche, beginnen. Anders als bei uns wird in Mexiko Ostern richtig groß gefeiert. Wie die meisten lateinamerikanischen Länder ist es überwiegend katholisch und Glaube und Religion spielt im täglichen Leben der Mexikaner noch eine viel größere Rolle als in Mitteleuropa. So mancher deutsche Pfarrer würde sich vielleicht wünschen, seine Kirche sei zur Karfreitagsmesse nur einmal so zum Bersten gefüllt wie hier. Im Anschluss daran wird auf dem zentralen Platz die Ostergeschichte nachgespielt. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die Osterprozession: Hunderte vermummte Gläubige ziehen durch die von Zuschauer gesäumten Straßen. Barfuß und in einfache Säcke gekleidet tragen sie mehrere Stunden lang schwere Holzpodeste mit lebensgroßen Heiligenfiguren durch die engen Gassen. Wir sind mittendrin und saugen die ungewöhnlichen Feierlichkeiten in uns auf.

Tags darauf besuchen wir eine eher gruselige Sehenswürdigkeit: das Mumienmuseum Guanajuato’s. Aus Platzgründen wurden im letzten Jahrhundert die Toten von Guanajuato’s Friedhof exhumiert, für die keine Grabsteuer mehr gezahlt wurde. Dabei stellte man fest, dass durch das trockene Klima und besondere Bodenbeschaffenheiten einige Leichen auf natürliche Weise mumifiziert worden waren. Einige findige Friedhofsmitarbeiter stellten diese in einer Lagerhalle aus und so entstand das Mumienmuseum. Die Mumien mit ihrer ledernen Haut und ihren sehr lebendig anmutenden Gesichtszügen sind für uns ein makabrer Anblick. Irgendwie fühlt es sich moralisch nicht richtig an, diese zur Schau gestellten toten Menschen anzugaffen. Wir verzichten auf eine geführte Tour und sind froh, als wir aus den dunklen Räumen wieder an die frische Luft treten. Nein, nochmal würden wir das Museum nicht besuchen.

Draußen erwarten uns wieder fröhliche Osterfeierlichkeiten. Heute werden die Heiligen, die gestern durch die Straßen getragen wurden, verehrt. Ihnen werden Blumen dargebracht, mit denen die Gläubigen um die Erhörung ihrer Gebete bitten. Wie der Ostersonntag selbst gefeiert wird, erleben wir leider nicht mehr mit, da wir mit dem Nachtbus nach Monterrey fahren.

MONTERREY

Da sind wir schon um mehr als die halbe getingelt und erreichen erst jetzt mit Monterrey die erste Destination unserer Reise, vor der sich Biene ein wenig fürchtet. Denn die Millionenstadt liegt im hohen Norden Mexiko’s. In der Gegend, von der es im Reiseführer heißt, man solle sie besser meiden. Im Gebiet der Drogenbosse und der Mafiakämpfe. Ausgerechnet hier wohnt Uli’s alter Schulfreund Michael, den wir besuchen wollen. Auf der Fahrt mit dem Nachtbus stopft Biene zum ersten Mal in 2 Jahren die US-Dollar, die wir als Notfallreserve mit uns führen, in den geheimen Geldbeutel. Nur zur Sicherheit. Nachtbusse sollen ja regelmäßig überfallen werden. Ein bisschen mulmig ist ihr schon zumute, auch wenn der Sonnenaufgang über der Sierra Madre aus dem Busfenster heraus schonmal traumhaft aussieht. Und dann ist mal wieder alles halb so wild wie das Bild, das die Medien zeichnen. Zwar hat Monterrey definitiv Stadtviertel, in die man sich besser nicht hinein wagen sollte und wohl ist hier auch die Gefahr höher, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein – aber eine für Touristen lebensgefährliche Hochburg der organisierten Gewalt ist Monterrey nicht. Auch wenn man sich bei dem für uns ungewohnten Anblick von Polizei Pick-ups, auf deren Ladefläche immer 2 Beamten mit Maschinengewehren im Anschlag stehen – und die in allen größeren Städten Mexiko’s zum Stadtbild gehören – immer wieder bewusst sagen muss, dass das die Guten sind.

Wir verbringen 2 tolle Tage mit Michael und seiner Familie, werden mit leckeren selbstgekochten mexikanischen Köstlichkeiten verwöhnt, schlendern über authentische Märkte, erkunden gemeinsam Monterrey’s modern gestaltetes Zentrum und schwelgen bis spät in die Nacht in Geschichten von früher. Oh – und noch eine mexikanische Spezialität probieren wir – geröstete Grashüpfer. Schmecken wie gesalzene Erdnüsse, knirschen aber zwischen den Zähnen beim Kauen.

REAL DE CATORZE

Das kleine Bergdorf ist ein echter Geheimtipp, den uns Michael verrät. Auf einem Hochplateau in der Wüste an den Ausläufern der Sierra Madre gelegen, haben wir schon vor unserer Ankunft das Gefühl, dass hier die Zeit vor Hundert Jahren einfach stehen geblieben ist: die letzten 23 Kilometer der sich in engen Serpentinen den Berg hinauf windenden Straße sind gepflastert und der einzige Zugang in das kleine Bergdorf ist durch einen von Hand in den Fels gehauenen Tunnel. Im Dorf selbst erwarten uns keine Autos, sondern Esel und Mulis, die schwere Lasten durch die Kopfsteingassen tragen. Cowboys mit breiten Sombreros binden ihre Pferde vor den Salons an und die Häuser haben dicke Steinwände, um die nächtliche Wüstenkälte abzuhalten. Wir organisieren uns einen lokalen Reit-Guide, der uns am nächsten Morgen 3 Stunden lang auf dem Rücken von flinken Bergponys über die endlos scheinende Wüstensteppe begleitet. Durch die trockene Luft und die Höhe sind alle Farben hier besonders intensiv – das Grün der über 2 m hohen Kakteen vor der sandigen Stepppe sticht richtig ins Auge und der Himmel ist so intensiv blau, dass wir uns nach Tibet zurück versetzt fühlen. Wir reiten vorbei an zerfallenen Minenschächten aus der Zeit des Silberabbaus und an Hacienda-Ruinen und zu allem weiß uns unser kundiger Guide Interessantes zu erzählen.

Unser Ziel ist ein Berg mitten in der Wüste. Auf diesem liegt das zeremonielle Zentrum der Huichol-Indianer, zu dem einmal jährlich das Volk tausende Kilometer weit zu Fuß durch die Wüste pilgert. Und was haben wir für ein Glück – als wir am Fuß des heiligen Berges absteigen, um diesen zu Fuß zu erklimmen, geht vor uns eine Gruppe Huichol. Eine seltene Gelegenheit. Die stolzen Huichol tragen handbemalte, baumwollene Kleidung (ähnlich dem handbemalten Narrenhäs der schwäbisch-allemanischen Fasnet), dazu handgewebte, farbenfrohe Accesoires und von ihren breitkrempigen Hüten flattern Federn und bunte Bommeln. Ihre Gesichter sind von Wind und Wetter gegerbt – man sieht ihnen an, dass sie viel Zeit unter der Wüstensonne verbringen. So gern wir auch würden, wir widerstehen der Versuchung unsere Kamera zu zücken und sie um ein Foto zu bitten. Denn nach dem Glauben der Huichol bringt es Unglück, dass Abbild eines Menschen festzuhalten. Bevor die Huichol mit der Zeremonie zur Darbringung ihrer Opfergaben beginnen, steigen wir wieder ab und reiten zurück nach Real de 14.

VERACRUZ

Es gibt Orte, über die steht nichts Nennenswertes im Reiseführer und dann sind sie trotzdem irgendwie sehenswert. Veracruz gehört nicht dazu. Als wir nach einer langen Fahrt und nächtlichem Umsteigen in Mexico City dort ankommen, wird uns recht schnell klar, dass uns in der Industriestadt am Golf von Mexiko nichts lange halten wird. Das wichtigste Gebäude in der kurzen Fußgängerzone ist ein klimatisierter McDonalds, der Markt bietet nicht viel mehr außer billigem Kinderspielzeug aus Plastik und schöne Strände sind aufgrund der vorgelagerten Bohrinseln leider ebenfalls Fehlanzeige. Wir müssten unseren eintägigen Ausflug hierher daher als Flop verbuchen – wäre da nicht der größte Riesen-Hamburger aller Zeiten gewesen, den wir abends an der belebten Uferpromenade des benachbarten Ferienortes Bocas del Rio verdrücken und die Saftbar neben dem Busbahnhof, in der es superleckere, frische Obstsäfte und schnelles Internet bei guter Musik gibt.

OAXACA

Mit dem nächsten Nachtbus geht es von Veracruz direkt weiter in die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Oaxaca. Zur achtstündigen Fahrt kommen aufgrund einer Straßensperre nochmal 3 Stunden dazu und wir bereuen, einen Bus der 2. Klasse ohne Toilette an Bord gebucht zu haben. Dass der Fahrer während des Stehens zusätzlich die Klimaanlage aus schaltet, macht die Stimmung an Bord nicht besser. .. Bei unserer Ankunft herrscht in Oaxaca viel zu viel Verkehr in der Altstadt, die Abgase bleiben in der heißen Luft stehen und die Menschenmassen schieben sich in der Mittagshitze durch die engen Gassen. Es ist heiß, stickig, stinkt und ist laut. Wir taufen die Stadt daher direkt um in Oakacka 😉 Da uns viele im Vorfeld von Oaxaca als schönster Stadt Mexiko’s vorschwärmten, können wir uns die nervige Enge in der Altstadt nur als vorüber gehenden Zustand aufgrund der gerade statt findenden Renovierung einer der großen Märkte erklären. Ansonsten finden wir aber Guadalajara, Tequila oder besonders Guanajuato sehr viel pittoresker.

Allerdings macht Oaxaca damit etwas wieder gut, dass sie es ist, die uns das Lieblings-Frühstücksgetränk unserer Kindheit geschenkt hat – Kaba! Hier in Oaxaca stellten die Azteken vor Jahrhunderten die erste Trinkschokolade her! Natürlich probieren wir alle möglichen Varianten des Milchgetränks in den Traditionshäusern der Stadt. Und mit dazu auch allerlei andere kulinarische Spezialitäten der Provinz.

Das Besondere an Oaxaca liegt für uns in ihrem Umland – neben kleinen Dörfer, in die man durch die Ausläufer der Sierra wandern kann, liegen auch die ‚Hierve el Agua‘ ganz in der Nähe: diese mineralischen Quellen fließen in natürliche und durch die im Wasser enthaltenen Mineralien geschaffenen Kalkpools, die wie 5*-Infinitypools direkt am Abhang mit Blick über dicht bewachsene Bergwälder liegen. Leider führen die Pools nur sehr wenig Wasser als wir da sind, sodass wir uns auf das Betrachten des azurblauen Wassers und der versteinerten Wasserfälle beschränken. Auf der Anfahrt erleben wir eine weitere ‚Spezialität‘, die in der Provinz Oaxaca – und in Mexiko generell – häufig vorkommt: Gegen die herrschenden Zustände protestierende Lehrer haben eine Straßenblockade errichtet, die der Fahrer unseres Taxi Collectivos (sehr günstige Taxis, die immer die gleiche Strecke fahren und dann losfahren, wenn sie voll besetzt sind) erst nach langem Suchen nach einer offenen Ausweichstrecke umgehen kann. (Abfahrt für die Taxi Collectivos nach Hierve el Agua: Mercado de Artesanias)

Eine weitere Attraktion liegt genau vor den Stadttoren Oaxaca’s: Auf dem vor der Stadt gelegenen Monte Alban befinden sich die Ruinen der einstiegen Hauptstadt des Volkes der Zapoteken. Von der einst 20.000 Einwohner fassenden Stadt sind die mauernen Überreste des großen Platzes, des Observatoriums, der Spielstätte und Paläste erhalten geblieben.

ZIPOLITE

An einem kilometerlangen, goldenen Sandstrand finden wir hier unseren persönlichen Wohlfühlort Mexiko’s. Aus unserem sehr günstigen Strandbungalow heraus blicken wir direkt auf’s Meer und hören nachts zum Einschlafen den sich donnernd brechenden Wellen zu. Der kleine Strandort Zipolite (bestehend aus einer Dorf- und einer hinteren Straße) ist wie die nahe gelegenen Dörfchen Mazunte und San Augustinillo ein ehemailger Hippie-Rückzugsort, es gibt viele Yoga-Angebote und direkt am Strand kann in Hängematten übernachtet werden. Als wir kurz nach Ostern hier sind, ist das kleine Dorf wie ausgestorben und wir haben einen ganzen Strandabschnitt quasi für uns alleine. Die Strandtage sind ein gelungener Abschluss, bevor wir Mexiko nach einem kurzen Besuch des Surferortes Puerto Escondido und einer Nacht in Cancun für’s Erste verlassen und uns auf den Weg nach Kuba machen.

Facts & Figures – USA

Facts & Figures – USA

REISEDAUER

Wir haben 13 Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Davon 10 Tage auf den Inseln Oahu und Maui im Staat Hawaii und 3 in San Francisco, Kalifornien. Unsere Facts & Figures beziehen sich ausschließlich auf diese 2 Destinationen der USA und sind sicher nicht für alle Staaten repräsentativ. Wie schon in den Facts & Figures zu Neuseeland kurz erwähnt, würden wir im Nachhinein unsere Zeit auf Hawaii eher etwas kürzen und stattdessen länger in Neuseeland bleiben.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in den knapp 2 Wochen in den USA zu zweit 1.760 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 67,70 € pro Person. Autsch!
Die USA sind damit das teuerste Land, das wir auf unserer gesamten Reise besucht haben! Die hohen Kosten liegen natürlich auch an den 3 Inlandsflügen – sowohl zwischen Oahu und Maui als auch nach San Francisco mussten wir gegebenermaßen fliegen. Dass sich das in den Kosten nieder schlägt, ist klar. Aber auch davon abgesehen waren die Lebenshaltungskosten – vor allem auf Hawaii – hoch bis sehr hoch.

Transport:

Wer auf Hawaii mehr unternehmen möchte als nur an einem Strand zu verweilen/an einem Ort zu sein, wird um ein eigenes Fahrzeug kaum drum herum kommen. Im Stadtbereich von Honolulu sind die Busverbindungen zwar gut ausgebaut, aber alles was über die Vororte hinaus geht, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum mehr zu erreichen. Auf Maui gibt es ebenfalls kaum Busverbindungen außerhalb des Hauptortes Kalahui.

Im Gegenzug ist San Francisco sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundbar. Ein Mietwagen ist unseres Erachtens überflüssig – und kann nicht nur aufgrund der vielen Einbahnstraßen sondern auch bezüglich der zeitaufwändigen Parkplatzsuche und der hohen Aufbruchgefahr ziemlich lästig sein. Alles, was uns abhanden kam ist der wenig schmerzhafte Verlust von 0,30US$ Pfand – uns wurden doch tatsächlich unsere Wasserflaschen aus dem Getränkehalter unseres Tandems geklaut, während wir uns die Speisekarte eines Restaurants anschauten.

Unterkünfte

Für ein einfaches Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad bezahlen wir am Waikiki Beach in Honolulu im März 2016 knapp 100 €. Zwar ist da ein (einfaches) Frühstück mit dabei, das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt für uns trotzdem nicht. Es sollte daher unsere erste und einzige Nacht in einem Hostel auf Hawaii sein. Die restlichen Nächte „campten“ wir sowohl auf Oahu als auch auf Maui in unserem Mietwagen. Unser Doppelzimmer mit eigenem Bad im Hotel Aida Plaza in San Francisco kostet uns im selben Monat 86 €. Auch teuer, aber hier immerhin sehr zentral, ebenfalls inklusive Frühstück und mit Wifi.

Die 2 Nächte, die wir am Flughafen verbrachten, waren kostenlos 😉

3 Highlights:

  1. Unsere zufälligen Begegnung mit den Meerestieren auf Hawaii! So schnorchelten wir ganz für uns frühmorgens in einer kleinen Bucht auf Maui, als sich mehrere große Meeresschildkröten ganz gelassen und neugierig zu uns gesellten. Ebenso eindrucksvoll war es, als wir frühmorgens in unserem kleinen Mietwagen mit Stellplatz am Meer die Augen aufschlugen und beim Blick auf das Meer vor uns Buckelwale in der Bucht springen sahen.
  2. Unsere Übernachtung im Krater des Vulkans Haleakala! Nach einem spektakulären Sonnenuntergang dauerte es nicht lange, bis wir die einzigen Menschen auf dem Vulkan waren. Auf über 3.000 Metern hier allein in einem Vulkankrater zu stehen und in den funkelnden Sternenhimmel zu blicken wurde gekrönt vom fast ebenso spektakulärem Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
  3. Die Golden Gate Bridge! Das krönende Highlight unserer spaßigen Fahrradtour durch San Francisco! Unserer Meinung nach übrigens die beste Art, um die Metropole zu erkunden. Diese imposante, rot leuchtende Brücke, die sich fotogen über die Bucht spannt, sollte man einfach einmal gesehen haben.

3 Lowlights:

  1. Der unerwartet dichte Verkehr auf Maui und Oahu! Nach 3 Monaten in der Südsee, wo wir kaum Autos sahen, passte dieser so gar nicht mehr zu unserer Vorstellung von idyllischen Inselparadiesen! Auch dass bei den amerikanischen Autos generell die Devise höher, lauter und schneller zu gelten schien, fanden wir nervig (ehrlich, wozu braucht man in einer hawaiianischen Kleinstadt einen höher gelegten, 5 Meter langen Pick-up?!) Gefühlt standen wir außerdem jeden Tag irgendwo im Stau…
  2. Die vielen Obdachlosen in den Straßen! Sowohl auf Hawaii als auch in San Francisco sahen wir sehr viele Menschen auf der Straße leben. Die Schere zwischen den Gesellschaftsschichten ist sehr offensichtlich und dass ein wirtschaftlich so weit entwickeltes Land wie die USA nicht in der Lage ist, ihrer Bevölkerung auch im sozialen Bereich ein Mindestmaß an Absicherung zu bieten, stimmte uns gleichermaßen fassungslos, traurig und nachdenklich.
  3. Unsere Whalewatching-Tour auf Maui. Für 40 US$ pro Person zwar ein Schnäppchen, dafür sahen wir in diesen 2 Stunden Wale auch nur von Weitem. Außerdem war die Besatzung des Bootes alles andere als service-orientiert, freundlich oder motiviert. Das hatten wir in Australien und Neuseeland ganz anders erlebt.

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  1. Zumindest auf den hawaianischen Inseln Oahu und Maui finden sich nur noch sehr wenige Spuren polynesischer Kultur.
  2. Die in Supermärkten und Geschäften der USA ausgeschilderten Preise sind abzüglich Mehrwertsteuer. Das heißt, an der Kasse kommt auf jedes Produkt nochmal was drauf. Nervt!
  3. Trotz des allgegenwärtigen Konsumangebots fanden wir es sowohl in San Francisco als auch auf Hawaii relativ schwer, gesundes/frisches Essen zu günstigen Preisen zu finden. Fast Food Restaurants und Schnellimbisse finden sich an jeder Ecke, aber Lebensmittel wie frisches Obst, Salat oder echter Fruchtsaft sind selbst im Supermarkt entweder nur schwer zu bekommen oder unverhältnismäßig teuer. Auch die Sonderangebote und Fertiggerichte fördern auf Dauer eine Gewichtszunahme – siehe Fun Fact 3…

3 Fun Facts:

  1. Der chinesische Glückskeks hat seinen Ursprung nicht etwa in China, sondern in San Francisco! Der japanische Einwanderer Makoto Hagiwara kreierte hier den ersten, heute als urchinesisch angepriesenen Keks mit den Spruchweisheiten im Jahre 1914.
  2. Hawaii ist das abgelegenste bewohnte Gebiet der Erde! Es liegt 2.390 Meilen entfernt von der Westküste Kalifornien´s, 3.850 Meilen von Japan, 4.900 Meilen weit von China und 5.280 Meilen weg von den Philipinen.
  3. Auf den Flügen in der USA war der Anteil der übergewichtigen bis fettleibigen Menschen im Flugzeug mit Abstand und auffallend am höchsten!

Fazit

San Francisco gefiel uns wirklich sehr gut. Eine spannende Metropole, in der wir gut und gerne noch ein paar Tage mehr verbringen wurden. Hawaii hingegen konnte unseren Erwartungen nicht gerecht werden. Insgesamt ist es so, dass die USA – obwohl sie einige Nationalparks wie z. B. den Grand Canyon, Yosemite und andere sowie weitere Metropolen wie New York oder Washington haben, die uns reizen würden – vorerst nicht auf der Liste unserer nächsten Wunschdestinationen stehen. Außer vielleicht Alaska… 😉

Ein Wochenende in San Francisco – 8 Highlights die Du nicht verpassen solltest (und was Du Dir sparen kannst)

Ein Wochenende in San Francisco – 8 Highlights die Du nicht verpassen solltest (und was Du Dir sparen kannst)

Bekanntermaßen sind wir beiden ja nicht die größten Stadtfans. Dennoch gibt es durchaus Metropolen, die wir mit eigenen Augen sehen und erleben wollen. San Francisco ist eine von ihnen. Deshalb zögern wir nicht lange, als sich auf unserem Sprung über den Pazifik nach Mexiko flugtechnisch ein Zwischenstopp an der kalifornischen Westküste anbietet und verlängern diesen zu einem Wochenendtrip in San Francisco, das neben seinen klassischen Sehenswürdigkeiten vor allem für Flowerpower-Flair, gelebte Toleranz und kosmopolitische Offenheit bekannt ist. San Francisco erscheint einerseits recht europäisch, andererseits sehr amerikanisch und Jedermann scheint dort willkommen zu sein. Finden wir großartig!

Transport

Nachdem wir aufgrund einer späten Ankunft die erste Nacht am Flughafen verbringen (übrigens die 2. Nacht hintereinander, da wir auch unsere letzte Nacht auf Hawaii am Flughafen von Oahu übernachten – der Flughafen von San Francisco hat eindeutig geeignetere Ecken für eine ungestörte Nachtruhe), dürfen wir uns am nächsten Morgen gleich persönlich von San Fransisco’s effektivem und gut ausgebautem öffentlichen Nahverkehr überzeugen. Mit der Buslinie KX gelangen wir für 2,25 US$ in knapp 45 Minuten ohne Umsteigen direkt ins Stadtzentrum von San Francisco.

Unterkunft

Von der Bushaltestelle sind es nur wenige Minuten zu Fuß zu unserem Hotel Aida Plaza in der Market Street. Die verläuft super zentral und ist als Ausgangspunkt zur Stadterkundung bestens geeignet. Beim Betreten der Großen Hotellobby fühlen wir uns direkt zurück versetzt in das San Francisco der 70er Jahre: Kunstgemälde im Retro-Stil zieren die marmornen Wände, der dicke Teppichboden schluckt jedes Geräusch, in der Ecke neben den tiefen Sesseln steht eine Jukebox und aus den Lautsprechern erklingt kernige Jazzmusik. Die Atmosphäre passt super gut zu dieser Stadt und wir sind positiv überrascht, dass wir trotz der frühen Uhrzeit schon einchecken und unser Zimmer beziehen können. Auch das im Preis inbegriffene Frühstück könnte nicht amerikanischer sein: zum Kaffee aus dem Pappbecher gibt es eine große Auswahl zuckersüßer Donuts!

Unsere Retro-Hotellobby

GO AND SEE

Zwei Tage sind nicht viel Zeit, um eine vielfältige Metropole wie San Francisco zu erkunden. Daher haben wir – entgegen unseres üblichen Reisestils – vorab recherchiert, was wir unbedingt sehen wollen und uns einen groben Plan zurecht gelegt. Natürlich mussten wir uns auf einige Highlights beschränken. Solltet Du ebenfalls einmal für ein Wochenende in San Francisco sein und vor der Entscheidung stehen, was Du unternimmst, findest Du hier unser perfekt auf 2 Tage ausgefeiltes Programm! Darunter sind unsere ganz persönlichen Tipps für die Dinge, die Du auf keinen Fall verpassen solltest – genauso wie unsere Empfehlungen, was Du getrost sein lassen kannst, wenn Du befürchtest dass zu viele Unternehmungen in Sightseeing-Stress ausarten:

1. Die Golden Gate Bridge

Die ikonische Brücke über die Golden Gate Bucht von San Francisco ist DAS architektonische Wahrzeichen der Stadt. In unzähligen Filmen wurde sie bereits als Drehort verwendet und sogar zu einem der neuen Wunder der Modernen Welt ernannt. Entgegen ihres Namens leuchtet sie allerdings nicht golden, sondern dunkelrot neben der Skyline der Stadt. So soll sie für Schiffe besser sichtbar sein in dem dichten Nebel, der die Brücke regelmäßig einhüllt. Die Golden Gate Bridge muss man einfach einmal mit eigenen Augen sehen! Man kann sie mit dem PKW oder in Bussen befahren – unser Tipp aber ist eine Radtour über die Brücke! Fußgänger und Fahrradfahrer haben ihre eigene Spur, die von den Fahrzeugspuren durch einen Zaun abgetrennt ist. So kommst Du einerseits sicher und flott voran und kannst andererseits auch mal stehen bleiben und die zweitlängste Hängebrücke der USA ganz in Ruhe bestaunen! Verbinden kannst Du das perfekt mit unserem nächsten Punkt:

2. Radtour entlang der Sea Front – von South Beach bis zum Presidio

San Francisco eignet sich unserer Meinung nach perfekt für eine Erkundung auf dem Fahrrad! Damit sparst Du Dir lästige Parkplatzsuchen mit dem Mietwagen, musst Dich nicht um die Sicherheit Deiner Wertsachen im Auto sorgen oder mit der Verkehrsführung auseinander setzen und kommst gleichzeitig schneller voran als zu Fuß. Gerade wenn man nur ein Wochenende Zeit für San Francisco hat, ist eine Radtour durch die unterschiedlichen Stadtviertel unserer Meinung nach ideal. Wir haben uns für 43 US$ für einen Tag ein Tandem ausgeliehen und haben in wenigen Stunden schon sehr viel gesehen. Zusätzlich war die Fahrt mit dem Tandem ein eigenes Erlebnis für sich! Fahrradvermietungen gibt es entlang der Uferpromenade an jeder Ecke. Unser Tipp ist die „Bike Hut“ bei Pier 40 – die Fahrräder sind in top Zustand und mit den Einnahmen finanziert die Non-Profit-Organisation Projekte für sozial benachteiligte Jugendliche! Wer es gern gemütlich angehen lässt, kann ohne große Anstrengung entlang der Uferpromenade fahren. Die Marina ist durchgehend mit Fahrradwegen ausgestattet. Zu sehen gibt es auch jede Menge: fantastische Panoramablicken auf die Golden Gate Bridge; das AT&T Baseballstadion, in dem jedes Jahr der Superbowl ausgetragen wird; das Vergnügungszentrum Fisherman’s Wharf; Pier 39 und das historische Presidio sind nur einige der Wegpunkte, die es zu bewundern gibt. Wer gern sportlicher in die Pedale tritt, biegt einfach irgendwo ab ins Stadtinnere. Von den zahlreichen Hügelkuppen bieten sich oft phänomenale Ausblicke über die Bucht von San Francisco und hinter jedem Anstieg wartet ein neues spannendes Stadtviertel. Die folgenden 4 solltest Du Dir nicht entgehen lassen:

3. Chinatown, Mission, Little Italy & Castro

China Town

 

Während in Little Italy selbst die Straßenlaternen blau-weiß-grüne Banderolen tragen und Du in Mission in unzähligen kleinen Taquerias nach uralten Familienrezepten zubereitete mexikanische Tacos naschen kannst, geht es im angrenzenden Schwulenviertel Castro weniger traditionell zu. Hier weht der erfrischende Wind der Toleranz und Akzeptanz – nicht nur sinnbildlich in Form einer überdimensionalen Regenbogenflagge an der Harvey Milk Plaza. Was Du in Chinatown unbedingt tun solltest, ist sicher auch klar: hier gibt es das günstigste Essen der Stadt. Noch dazu schmecken die Dumplings lecker und authentisch wie in Peking selbst.

4. The Painted Ladys

Diese pastellfarbenen viktorianischen Häuser am Alamo Square gelten als die meistfotografierte Häuserreihe der USA. Aus dem richtigen Winkel bekommt man hinter ihnen wunderschön die Skyline San Franciscos mit auf’s Bild. Die Painted Ladys stehen außerdem stellvertretend für den charmanten viktorianischen Baustil, der sich durch das ganze Viertel zieht und schon eine Sehenswürdigkeit an sich ist. Auch die Painted Ladys kannst Du gut mit dem Fahrrad erreichen.

5. Die legendären Cable Cars

Das Bild von schönen Waggons mit Jugendstil-Charme, die sich ächzend und vollgestopft mit johlenden Touristen und im letzten Moment aufspringenden Einheimischen die steilen Hügel San Francisco’s hinauf quälen, gehört einfach zu San Francisco dazu. Spätestens wenn man dann vor Ort beim Losfahren das Klingeln des Bellman hört, fühlt man sich um Jahrzehnte zurück versetzt. Die Fahrten sind inzwischen ein echter Touristenmagnet und nicht ganz billig – ein günstigeres und ebenso authentisches Erlebnis ist das Zuschauen am Drehpunkt Market Street/ Powell, wo die Waggons auch heute immer noch von Hand in die neue Fahrtrichtung gedreht werden. Die Cable Cars musst Du nicht suchen – Du wirst ganz automatisch über sie stolpern.

6. Die Seelöwenkolonie an Pier 39

Mitten am trubeligen Pier 39 hat sich eine Kolonie kalifornischer Seelöwen die Boots-Pontons als ihr Zuhause ausgesucht. Hier lassen sie sich ungestört von den Touristenmassen, die die drolligen Tierchen von der kleinen Tribüne auf dem Kai daneben aus bestaunen, die Sonne auf den Pelz scheinen. Wir hätten den urigen Kollegen stundenlang zuschauen können – die Seelöwen sind echte Komiker und wenn sie untereinander lautstark bellend um die besten Plätze oder das attraktivste Weibchen buhlen, kann man gar nicht anders als die Kamera zu zücken und sekündlich drauf los zu knipsen. Inzwischen wurde daneben ein kleines Info-Center gebaut und direkt auf dem Steg halten Meeresbiologen mehrmals täglich sehr interessante und kurzweilige Info-Talks.

7. Die Lombard Street

Diese Straße verläuft in Ost-West-Richtung durch die Stadt. Anschauen solltest Du Dir einen kleinen Abschnitt auf dem Russian Hill. Hier windet sich die Straße auf 148 Metern einspurig in 8 direkt aufeinander folgenden Kurven den Berg hinunter. Zusammen mit dem Blick auf die dahinter sichtbare Bucht von San Francisco und den gepflegten Blumenrabatten entlang der Straße bieten sich hier schöne Fotomotive. Die Lombard Street gibt einen netten Zwischenstopp, wenn Du sowieso in der Gegend bist – allerdings verpasst Du nicht das Herzstück von San Francisco, wenn Du diesen Straßenabschnitt nicht siehst.

8. Die Gefängnisinsel Alcatraz

Das legendäre Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz liegt grau und einsam mitten in der Bucht von San Francisco auf einem Felsen. Bei der etwa zehnminütigen Bootsfahrt auf die verlassene Felseninsel hat man tolle Ausblicke auf die Stadt und die Golden Gate Bridge und kann sich vorstellen, wie es für die Insassen des Militärgefängnisses gewesen sein musste, das pulsierende Leben so nah und gleichzeitig so unerreichbar jeden Tag durch die Gitterstäbe ihrer Zellen zu sehen. Wir machten eine Tour durch das berüchtigte Zellhaus, in dem bis zu seiner Schließung 1963 viele gewichtige Schwerverbrecher wie z.B. Al Capone einsaßen und kaus dem offiziell keinem einzigen Insasse je die Flucht gelang. Zusätzlich zu der 45-minütigen Audiotour bekommt man Zeit, sich die Außenanlagen des Gefängnisses und die ehemaligen Wärtergebäude anzuschauen. Viel zu sehen gibt es auf der kargen Insel allerdings nicht. Wir verbrachten alles in allem knapp 3 Stunden auf der Insel. Eine Besichtigung auf eigene Faust ist nicht möglich. Die Touren kosten zwischen 30-40 US$ und sind oft einige Wochen im Voraus ausgebucht, daher solltest Du für Deinen Wunschtermin schon vorab online buchen. Wir fanden die Tour ganz interessant – allerdings wäre Alcatraz das Erste, was wir streichen würden, wenn wir müssten.

Wir haben nach unserem Wochenende in San Francisco das Gefühl, dass wir trotz der kurzen Zeit doch einen ganz guten Eindruck von dieser spannenden Metropole bekamen. Vielleicht kann man in 2 Tagen noch mehr sehen – aber mit unserem Programm hatten wir trotzdem noch genügend Zeit, um auch mal eine Weile ohne bestimmtes Ziel durch die Straßen der Stadt zu schlendern. Und das war uns wichtig. Unserer Meinung nach ist es nie verkehrt, auch ein wenig Zeit zum Treiben lassen einzukalkulieren – oft entdeckt man genau dabei und ganz unverhofft die besten Ecken!

The Best of Hawaii – eine Foto-Love-Story!

The Best of Hawaii – eine Foto-Love-Story!

Zugegeben, Hawaii hat uns von Anfang an ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt. Was sicher auch daran liegt, dass wir hohe Erwartungen an die Eilande mitbrachten. Was ja meist keine so gute Idee ist. Viele begeisterte Schwärmereien hatten wir schon von den Trauminseln im Pazifik gehört und selbst das Bild sanfter Inselydille vor Augen – da hatten es die Inseln schwer, ihrem eigenen Ruf gerecht zu werden.

Von der Amerikanisierung der polynesichen Eilande aber einmal abgesehen, müssen und wollen wir Hawaii eines definitiv lassen: die Insel-Schönheiten sind unglaublich fotogen! Und bevor wir nun noch mehr darüber schreiben, lassen wir die Schönheit Hawaiis für sich sprechen und sagen – Vorhang auf für Hawaii:

Das Hawaii aus dem Bilderbuch

WOOOOOOOW

Sonnenuntergang auf dem Haleakala Vulkan

2 Schildkröten :)

Meeresbewohner unter sich 🙂

Der Haleakala Krater - oder war es der Mond?

Der Haleakala Krater – oder war es der Mond?

Good bye, Oahu!

Good bye, dicht besiedeltes Oahu!

Die ersten Sonnenstrahlung samt Strand-Übernachtung auf Hawaii

Surf surf, Baby!

Hawaii von oben - Oahu im Landeanflug

Hawaii von oben – Oahu im Landeanflug

...hier entfuhr uns auf Oahu ein erstes: wow, wie schön!

…hier entfuhr uns auf Oahu ein erstes: wow, wie schön!

Da ist er! Der Kultklassiker!

Der amerikanische Kult-Klassiker!

einer der vielen traumhaften Strände Oahu´s

einer der vielen traumhaften Strände Oahu´s

ruhiger Strand im Nordosten

Unser Sweet Spot in Oahu´s Nordosten

Kreisrunder Koko Krater

Honolulu und der kreisrunde Koko Krater

Waikiki Beach

Der weltberühmte Waikiki Beach

schöne Szenerie auf Maui

Inselszenerie auf Maui

Sonnenuntergang auf Maui

…ohne Worte, ne?

Mauis schöne Ostküste

Mauis schöne Ostküste

Oahu aus der Luft

Oahu aus der Luft – viele Häuser, ein bisschen sagenhafte Natur

Eykalyptusbäume mit besonders hübschen Rinden

Hübsche Kunstwerke der Natur!

alles auf Hawaii ist farbenfroh

alles auf Hawaii ist farbenfroh

Wer leuchtet nun hier mehr?

Magische Sonnenuntergänge...

Magische Sonnenuntergänge…

Eine echte Anstrengung, so ein Landgang!

Hey, Dude!

Hey, Dude!

Stein, Stein, Schildkröte!

Honu auf ihrem beschwerlichen Landgang

Eine große Honu auf ihrem beschwerlichen Landgang

Geschafft!

Es war windig - gut für das Blowhole, schlecht für die Haare

Es war windig – gut für das Blowhole, schlecht für die Haare

Silversword- nirgends sonst auf der Welt wächst diese elegante Pflanze

Silversword- nirgends sonst auf der Welt wächst diese elegante Pflanze

Einer von zahlreichen tollen Wasserfällen

Sonnenuntergang von unserem Schlafplatz aus

Good bye Hawaii, Du Schöne!

Die Schildkröteninsel Maui – Hawaii´s immergrüne Perle

Die Schildkröteninsel Maui – Hawaii´s immergrüne Perle

Am frühen Abend auf Maui holen wir uns direkt wieder einen Mietwagen. Und los geht’s. Zumindest bis auf den Highway. Dort stehen wir erstmal im Feierabendverkehr… Obwohl der Hauptort Kalahui nur die Größe einer Kleinstadt hat und auf Maui viel weniger Menschen leben als auf Oahu, gibt es auch hier um die Orte herum ein (zu) hohes Verkehrsaufkommen. Wir wollen in den Süden der Insel. Wir schlafen aber nicht in einer der vielen schicken Hotelanlagen, mit denen ein großer Teil der südwestlichen Küste verbaut ist, sondern mal wieder im Auto. Zwar kann der kompakte Spark, den wir von der Mietwagenfirma zugeteilt bekommen haben, bei weitem nicht mit dem Schlafkomfort unseres Jeeps in Australien mithalten – dafür überzeugt sein Preis!

Unsere Quietschekugel

Unsere Quietschekugel

Der Preis spielt auch eine Rolle bei den Lebensmitteln, die wir uns auf Hawaii kaufen. Manchmal ist es gar nicht so leicht, trotz allseits schier übermächtigem Konsum-Angebot etwas vernünftiges zu Essen oder zu Trinken zu erträglichen Preisen zu finden. Obwohl wir keine Fans von Fertiggerichten aus dem Supermarkt sind, kommen wir kaum an amerikanischer Junkfood vorbei, wenn wir unsere Ausgaben hier im Rahmen halten wollen. Z. B. kostet purer, frischer Saft fast dreimal soviel wie dieselbe Menge an Coca-Cola, Pepsi und co.! Etwas schwierig gestaltet sich teilweise auch die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht, da viel Land umzäunt und in Privatbesitz ist und die meisten Beachparks (=Strandparkplätze) und öffentlichen Toiletten nachts abgeschlossen werden. Dennoch finden wir auch einige richtig schöne Schlafplätze. Eine Nacht stehen wir mit unserem kleinen Auto direkt an der Küste mit Blick auf’s Meer – und sehen morgens noch mit schlaftrunkenen Augen in der Bucht vor uns Buckelwale springen. An einem anderen Abend fahren wir einen kleinen Weg zwischen Kuhwiesen den Berg hinauf und haben vom Hang aus beste Aussicht auf die Westküste – und auf einen wunderschönen Sonnenuntergang.

A room with a -fabulous-view

A room with a – fabulous – view

Unser spektakulärster Schlafplatz ist in einem Vulkankrater. Etwas über 3.000 Metern hoch ist der erloschene Vulkan Haleakala, auf den man ganz bequem mit dem Auto hinauf fahren kann. (Was auch sonst – schließlich sind wir in den USA! 🙂 ) Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang dauert es nicht lange, bis wir die einzigen auf dem Gipfelparkplatz sind. Die Nacht in dieser Höhe ist bitterkalt. Aber der einmalige Sternenhimmel und das ergreifende Gefühl, völlig allein am Rande eines Vulkankraters zu schlafen, ist das Frieren allemal wert. Gegen 4 Uhr morgens ist es jäh vorbei mit der Nachtruhe – die ersten Touristen kommen hoch gefahren, um sich die besten Plätze zum Sonnenaufgang zu sichern. Gut, dass wir schon in der ersten Reihe stehen. So können wir ganz gemütlich noch etwas weiter schlafen, bevor wir dick eingemummelt ebenfalls den spektakulären Sonnenaufgang am Kraterrand bestaunen.

Im Anschluss laufen wir zu einen Aussichtspunkt über den Krater. Vor uns liegt eine faszinierende Mondlandschaft. Wie kleine Vulkane ragen kegelförmige Hügel aus der Masse an rotbraunem Geröll auf. Unterwegs fällt unser Blick auf die silbernen, kugelförmigen Gewächse am Wegesrand. Es sind Silverswords. Die metallisch schimmernden Pflanzen wachsen nirgendwo sonst auf der Welt, nur hier im Krater des Haleakalas. Sonst wachsen keine Pflanzen unter den widrigen Bedingungen hier oben. Bis zu 50 Jahre kann eine Silversword-Pflanze alt werden. Und nur ganz am Ende ihres Lebens, da blüht sie einmal für wenige Wochen. Ihre lila farbene Blüte wird bis zu 2 Meter hoch – was muss das für ein edler Anblick sein in der surreal monotonen Kraterlandschaft.

Anschließend gehen wir zurück zu unserem Auto. Jetzt ist nur noch wenig los hier oben, die meisten Touristen fahren direkt nach dem Sonnenaufgang wieder hinab. Dabei gäbe es auch längere Wanderwege, der längste führt in ca. 7 Stunden erst hinab in den Krater und wieder hinauf auf den Gipfel. Wir haben aber heute ebenfalls andere Pläne. Wir wollen die Road to Hana fahren. Die bekannteste Straße Maui’s schlängelt sich in unzähligen Kurven wunderschön entlang der gesamten Ostküste der Insel. Wir entscheiden uns, die Straße entgegen der üblichen Richtung zu fahren. So führt uns unser Weg zunächst in den Süden der Insel. Hier beginnt in Haiku der Pi’ilani Highway – der mit einem Highway aber nur den Namen gemeinsam hat. Die schmale Straße ist nicht sonderlich gut instand gehalten und mehrere Meilen sind komplett unbefestigt. Da hier auch immer wieder Steinschläge passieren und viele Fahrer es nicht gewohnt sind, auf Schotterstraßen zu fahren, verbieten viele Mietwagenverleiher das Befahren dieser Strecke mit ihren Fahrzeugen.Wir als erfahrene Outback-Fahrer finden die Strecke allerdings halb so wild und haben auch keinerlei Probleme.

Ähnlich ging es uns 2 Tage zuvor auch schon auf dem Death Highway im Nordwesten der Insel. Richtige Horrorgeschichten haben wir über diese sich schlängelnde Strecke im Vorfeld gehört. Und dann entpuppt sich die Todesstraße als zwar kurvige und holprige einspurige Strecke, die aber mit wenigen sehr engen Stellen gut zu meistern ist – nur das Hupen beim Einfahren in die Kurven darf man besser nicht vergessen!

Zurück in den Süden der Insel. Die Landschaft in diesem Teil der Insel ist sehr trocken, große Lavagesteinsbrocken liegen auf der dürren Erde und die Küste ist durchgehend felsig. Ein richtiger Kontrast zu dem immergrünen Regenwald, der uns auf der anderen Seite des Berges bei Hana am nächsten Tag erwarten würde. Zuvor kommen wir noch an einigen landschaftlich attraktiven Stellen vorbei. Aus einem Bad in den natürlichen Felsenpools der Seven Sacred Pools wird leider nichts, da diese wegen Sturzflutgefahr derzeit geschlossen sind – auf diesen Umstand weisen uns gleich mehrere Schilder nebeneinander wiederholt hin. Überhaupt haben wir auf Hawai’i den Eindruck, dass ein Schild nirgendwo auszureichen scheint. Wo eines aufgestellt ist, stehen garantiert noch 2-3 weitere mit derselben Aufschrift in wenigen Metern Abstand. Ob sich die Menschen dadurch wohl eher an etwas halten?

Hana selbst ist nur ein kleiner Ort und hat nicht allzu viel zu bieten. Hier ist der Weg das Ziel. Auf der 85 km langen Strecke mit den 617 Kurven und den 59 Brücken zwischen Hana und Paiia laden eine ganze Reihe natürlicher Attraktionen zu Stopps ein: Strände mit rotem, schwarzem und weissem Sand, Wasserfälle, Lavastrände, kurze Wanderwege in den Regenwald, urige Cafés mit frisch gebackenem Bananenbrot und und und. Und immer wieder spannen sich Regenbögen über den Himmel. Am besten gefallen uns persönlich einige Eykalyptusbäme. Bei diesen handelt es sich um eine besondere Art, deren Rinde bunt gefärbt ist. Die Stämme schauen aus, als hätte sie jemand mit Wasserfarben angestrichen.

Am anderen Ende der Straße liegt das Hippiestädtchen Paiia. Allerdings sind mit den Touristen mittlerweile auch hier die üblichen Shops der großen Surfmarken eingezogen, die in keinem hawaiianischen Ort fehlen dürfen. Kein Wunder – nur wenige Kilometer hinter Paiia findet sich die berühmte THE TUBE. Diese berüchtigte Welle ist nur etwas für absolute Surf-Profis, die das Innere der Welle, also den Tunnel, surfen. Videos davon sind beeindruckend. Live gesehen haben wir es leider nicht – auch an diesem Tag meint es der Gott des Windes nicht gut mit uns und lässt die Wellen un-surfbar brechen. Wir sehen dafür am Hockipa Strand in der Nähe ein anderes Highlight: der Strand ist einer der wenigen Ruheplätze, den die Grünen Meeresschildkröten, für die Hawaii bekannt ist, an Land aufsuchen. An die 20 Honus, wie die Tiere in der Sprache der hawaiianischen Ureinwohner heißen, ruhen sich gerade am Strand aus, als wir kommen. Auf die Entfernung sind die noch nassen Panzer kaum von den großen Steinen am Strand zu unterscheiden. Erst beim genauen Hinsehen verwandeln sich mehr und mehr Steine in Schildkröten. Immer wieder schleppt sich eines der behäbigen Tiere langsam ins Wasser oder eine neue Honu lässt sich von der Brandung an den Strand spülen. Und wir haben noch mehr Tierbeobachter-Glück: am selben Strand lässt sich an diesem Tag eine seltene Mönchsrobbe die Sonne auf den Bauch scheinen. Wir freuen uns riesig, nach unseren bisherigen erfolglosen Schnorchelgängen doch noch Honus zu sehen zu bekommen.

Und es ist, als wäre mit dieser Begegnung ein Bann gebrochen worden: als wir an anderer Stelle an diesem Abend und auch früh am nächsten Morgen schnorcheln, sehen wir die großen Grünen Meeresschildkröten endlich auch in ihrem Element unter Wasser. Die 3 Schildkröten lassen uns ganz entspannt mit sich schwimmen und eine kommt uns sogar so nah, dass wir sie hätten berühren können. Wow! Erst als eine große Gruppe Schnorchler von einem Ausflugsboot aus neben uns ins Wasser springt, nehmen die Tiere Reißaus….

Wir sagen ebenfalls Adieu und fliegen zurück nach Honolulu, von wo aus uns einen Tag später unser Flug auf’s amerikanische Festland bringt. Obwohl uns Maui viel besser gefallen hat als Oahu, würden wir unsere Flitterwochen trotzdem auch hier eher nicht verbringen… aber dafür haben wir schließlich auch schon andere Ideen! 😉

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