Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Ka-ri-ji-ni! Schon der Name klingt exotisch, vielversprechend und irgendwie besonders. Und genau das ist der Karijini Nationalpark!

Gute 600 km von der Küste entfernt liegt er mitten im Herz der Pilbarra Region in Westaustralien. Und obwohl die Strecke Exmouth-Port Headland mit diesem Schlenker gute 200 km länger ist als deren Entfernung entlang des Küsten-Highways, entschieden wir uns, eine kleine Pause vom Meer einzulegen. Und den „Umweg“ haben wir keine Sekunde lang bereut.

Der Karijini reißt uns durch seine atemberaubende, einzigartige Landschaft in seinen Bann:

Dramatische rote Schluchten. Gewaltige Felsen in den bizarrsten Formen. Von Farnen und Palmen gesäumte Wasserfälle, die in tiefe, enge Canyons hinabstürzen. Versteckte natürliche Pools am Boden der Schluchten, in die wir teilweise nur gelangen, wenn wir im Wasser watend dem Flusslauf folgt. Darüber das Schatten spendende Blätterdach von weissen River Red Gums (weissstämmigen Eukalyptusbäume) und Paperbark Trees (Teebäume), das leise im Wind rauscht. Phänomenal!

Was wir auch sehr charmant finden: Anders als z.B. der Kalberri NP ist der Karijini nicht zugepflastert, sondern schön naturbelassen. Wir haben bei unserem Besuch strahlenden Sonnenschein. Regen fällt hier in der Wüste Westaustraliens nur sehr selten, aber wenn, dann sind die Wege schnell unpassierbar. Denn die Straßen des Park sind größtenteils – mehr oder weniger stark gerillte – Schotterstraßen. Da hüpft es sich auch bei gutem Wetter im Allradfahrzeug bequemer auf und ab 🙂

Bevor wir im Westen auf die eine Durchgangsstraße des Park einfahren, passieren wir 90 km vorher die kleine Minenstadt Tom Price. Der einzige Ort mit einem großen Supermarkt, einigen Shops und Handyempfang im Umkreis von ca. 600 Kilometern. Abgebaut wird hier eines der weltweit größten Eisenerz-Vorkommen. Wir machen frühmorgens für Lion King zum Aufwärmen noch einen kurzen Ausflug auf den mit 1.100 Metern höchsten per 4WD befahrbaren Berg Westaustraliens. Es dauert gut eine halbe Stunde, bis wir unseren Jeep die 2 km über die holprige Geröllpiste hinaufgequält haben. Oben wartet eine tolle Aussicht über die Hamersley Gebirgskette auf uns.

Mit frisch aufgefüllten Lebensmittelvorräten geht es anschließend los. Unsere ersten Halts im Park sind der Junction Pool Lookout und der Oxer Lookout. An dieser Stelle kreuzen sich gleich 4 Schluchten – die Weano, Hancock, Joffre und die rote Schlucht – was einen grandiosen Anblick ergibt.

In der Mittagshitze leuchten die steil abfallenden Felswände der Schluchten glutrot. Uns ist heiß und nach einem kurzen Lunch auf dem Parkplatz machen wir uns auf den Abstieg in die Weano Schlucht. Der Trampelpfad hinunter ist schmal und gleich daneben geht es steil in die Tiefe. Mehrere tödliche Unfälle haben sich in den Schluchten leider bereits ereignet. Vor allem bei Regen herrscht Absturz- und Sturzflutgefahr. Wir sind froh, an diesem Tag (ausnahmsweise) wie fast überall angeraten und von uns meist (und oft zurecht) leichtmütig ignoriert in festen Sneakers statt in FlipFlops unterwegs zu sein. Nach einer guten halben Stunde kommen wir am Boden des Canyons an.
Jetzt heißt es: Zehen ins kalte Wasser strecken. Wir folgen einem herrlich klaren – und eiskaltem – Flusslauf. An manchen Stellen ist das Wasser nur knietief, an anderen schwimmen wir durch die schmale Schlucht. Um uns herum die schönste Szenerie die wir uns vorstellen können. Wenn wir die Augen schweifen lassen, sehen wir magentarote Felswände, die fast 100 m direkt neben uns steil und majestätisch in den Himmel aufragen. Im lebendigen Kontrast dazu leuchtend grüne Palmen die zwischen den Felsen hindurch lugen. Und weissrindige Eukalyptusbäume, die Schatten spenden. Das kalte Wasser ist angenehm. Immer weiter folgen wir dem Fluss von Pool zu Pool und der Canyon wird immer schmaler. Ein bisschen kommen wir uns vor wie Indiana Jones auf Abenteuertour durch unentdecktes Terrain.

Teilweise ist die Schlucht so eng, dass wir nur hintereinander und im „Spinnengang“ kraxeln können, also jeweils ein Bein und einen Arm an jeder Seite der Felswand abstützen und uns diagonal vorwärts bewegen.

Am Ende wartet zur Belohnung und hinter Felsbroken versteckt der klarste natürliche Pool, den man sich vorstellen kann. Kreisrund und einladend liegt er vor uns, der Handrail-Pool. Bevor wir hinein springen können, müssen wir uns zuerst noch 2 Meter an einer Metallstange über die glatten Felswände nach unten hangeln. Und dann nichts wie hinein ins kühle Nass! Herrlich erfrischend. Dagegen kann jedes Freibad einpacken 😉

Später am Abend machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wasserfall in die Kalamina Schlucht, bevor wir am Rande von einem der Parkplätze kochen, ein Glas Wein trinken und bis tief in die Nacht Sterne schauen.

Am nächsten Morgen statten wir dem informativen und super aufgebauten Info-Center des Parks einen Besuch ab. Interaktive Displays zu den Themenbereichen Tier, Natur & zum frühen Leben der Aborigines sowie der ersten europäischen Siedler der Region lassen uns hier länger als geplant verweilen.

Deshalb ist es schon später Vormittag und entsprechend heiß (wobei die winterlichen 30 Grad nichts gegen die bis zu 50 Grad C sind, die hier in den Schluchten in den Sommermonaten herrschen), als wir uns auf in die Dales Schlucht machen. Der gut einstündige Pfad hinab in die beliebteste Schlucht des Parks ist schon erheblich mehr ausgebaut, abgesichert und nicht so anspruchsvoll wie tags zuvor in die Weano Schlucht. Dementsprechend treffen wir auch mehr Besucher am Fuße der Schlucht – wenn auch noch lange keine Massen. An den wunderschön über die Felsen plätschernden und beliebten Fortescue Wasserfällen machen wir nur kurz Rast, bevor wir einem kleinen, unausgeschilderten Trampelpfad zum Fern Pool folgen. Dieser wunderschöne tiefe Pool, der von Zwillings-Wasserfällen gespeist wird und so klar wie kalt ist, liegt eingebettet zwischen großen Eukalyptusbäumen und von Palmen gesäumt. Wir sind fast allein hier und die Atmosphäre an dieser versteckten Oase ist irgendwie besonders. Für die hiesigen Aborigines ist dieser Pool ein heiliger Ort – uns wundert es nicht, die Magie dieses Ortes ist fast spürbar.

Nach einem wunderbar erfrischenden Bad laufen wir die Schlucht entlang bis diese nach ca. 2 Stunden plötzlich abrupt endet und wir vor einem weiteren herrlichen Pool stehen. Auch der Circular Pool haut uns schier von den Socken – das Farbenspiel der Natur ist grandios: das tiefe Wasser des Pools schimmert grünlich (obwohl es absolut klar ist und sich kleine Fische darin tummeln), die senkrecht im Halbkreis aufragenden Felswände leuchten rot wie glühende Lava und der Himmel ist strahlend blau! Alles wirkt super intensiv!

Nach diesem Erlebnis glauben wir nicht dass eine weitere Schlucht das noch übertreffen kann und fahren spätnachmittags im Osten aus dem Park hinaus. Vor uns liegt ein kunstvoll durch die Gebirgszüge gehauener Highway, den wir uns nur mit riesigen Minenfahrzeugen und laaaaaangen Roadtrains teilen müssen. Es warten 300 km tiefrote Erde auf uns, bevor wir bei Port Headland wieder die Küste erreichen.

Der Karijini zählt auf jeden Fall zu unseren bisherigen Favoriten unter den australischen Nationalparks!

Verzauberter Circular Pool