Posts by Sabine Kieninger:

Weltreise Update & Status Quo! Wo, was,  wohin, warum und überhaupt…?

Weltreise Update & Status Quo! Wo, was, wohin, warum und überhaupt…?

Holy Moly! Jetzt ist tatsächlich ein halbes Jahr ohne Blogeintrag vergangen. Wir können es selbst kaum glauben und es tut uns leid, dass es so lange nichts von uns zu lesen gab. Jetzt wischen wir hier daher schleunigst die mehrere Zentimeter dicke Staubschicht weg und geben Euch ein lang überfälliges Update. 

Starten wir von vorne…

WAS WAR IN DEN LETZTEN 6 MONATEN SO LOS BEI UNS?

KANADA

Bis Ende März haben wir eine Wintersaison in den Rocky Mountains verbracht. Wie sich heraus gestellt hat, war der Job Lift Attendant noch anspruchsloser, als wir bereits erwartet hatten. Für interessantere Jobs hätten wir aufgrund unserer zeitlich begrenzten Visa allerdings entweder in einem anderem Resort arbeiten oder flunkern müssen. Und dafür waren wir zu ehrlich…  Auf der positiven Seite hatten wir durch unsere Anstellung im Ski Resort die Möglichkeit, uns in unserer nicht zu knappen Freizeit (gratis) in zahlreichen anderen nordamerikanischen Skigebieten im Schnee zu vergnügen. So kamen wir – obwohl unsere Ski-Saison aufgrund von Biene´s Beinbruch nur 6 Wochen kurz war – immerhin auf 100 abgefahrene Pisten im Panorama Mountain Resort, auf viele weitere Abfahrten in 9 weiteren Skigebieten der kanadischen Rocky Mountains, einem Skiwochenende auf US-amerikanischer Seite der Berge in Montana, und unsere ersten Abfahrten auf „Double Black Diamonds“-Pisten

Ansonsten genossen wir die Gemütlichkeit und den Luxus unseres Hauses am See Windermere sehr. Morgens sahen wir aus unseren Panorama-Fenstern die Sonne über den Rocky Mountains aufgehen, tagsüber liefen wir auf dem zugefrorenen See Schlittschuh oder Langlauf-Ski und abends kuschelten wir vor dem Feuer eines unserer Kamine ein. Unser erstes gemeinsames Haus hat Maßstäbe für alle weiteren gesetzt.

Ende März ging es für uns zurück in die Heimat. Wir feierten den 40. Geburtstag von Biene´s Schwester und den 60. Geburtstag von ihrem Patenonkel. Da es Anfang April in Süddeutschland aber noch kalt und ungemütlich war und wir uns nach dem langen, kalten Winter die Sonne herbei sehnten, buchten wir nach 2 Wochen in Deutschland spontan ein absolutes Flugschnäppchen.

MALEDIVEN

2 Tage später wachten wir deshalb auf den Malediven auf. Auf die Traum-Inseln im Indischen Ozean wollte Biene schon seit ihrer Jugend einmal fliegen. Et voila!

Auch wenn die meisten bei dem Gedanken an die Malediven luxuriöse All-Inclusive Resort-Inseln vor Augen haben, lassen sich die Trauminseln auch als Backpacker gut bereisen. Seit wenigen Jahren ist es Privatpersonen erlaubt, in den Dörfern der bewohnten Inseln Gästehäuser für ausländische Touristen zu führen. Das ist nicht nur günstiger, sondern in unseren Augen auch authentischer, abwechslungsreicher und interessanter. Und anstelle von Inselhopping mit Wasserflugzeugen lassen sich die verschiedenen Atolle günstig mit den lokalen Fähren erreichen. Wer jedoch auf seinen Cocktail zum Sonnenuntergang nicht verzichten möchte, ist auf den exklusiven Resort-Inseln besser aufgehoben: abseits von diesen herrscht auf den Malediven islamisches Gesetz und jeglicher Alkohol ist verboten. 

Da die Malediven im Vergleich zu anderen Ländern in Asien dennoch etwas kostspielig sind und gleichzeitig unsere Entdecker-Füße nach gut einer Woche Strand- und Badeurlaub wieder zu kribbeln begannen, verließen wir die Postkarteninseln wieder nach 8 herrlichen Tagen.

SRI LANKA

Unsere nächste Destination hieß Sri Lanka. Kaum angekommen, erschütterte eine Serie verheerender Terror-Attentate das Land. Unsere Reise deshalb abzubrechen, stand für uns nicht wirklich zur Debatte. Nach dem ersten Schock war schnell aufgeklärt, dass es sich um einen extremistischen Anschlag handelte – und dass ein solcher heutzutage leider jeden Tag fast überall auf der Welt geschehen könnte, wissen wir wohl spätestens seit den Anschlägen von London, Paris, Melbourne oder dem Berliner Weihnachtsmarkt. 

Unsere Erfahrungen der kommenden Wochen sollten unsere Entscheidung bekräftigen. Überall im Land trafen wir gastfreundliche und herzliche Menschen. Von denen alle in irgendeiner Weise persönlich vom plötzlichen Ausbleiben der Touristen betroffen waren und von denen sich keiner – egal ob Muslim, Christ, Buddhist oder Hindu – wünschte, nur 10 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges erneut Unfrieden im Land zu erleben.

Schon an unserem 1. Tag organisierten wir uns spontan und entgegen unserer eigentlichen Pläne ein TukTuk. Die beste Entscheidung! Mit diesem erkundeten wir in 4 Wochen entspannt und unabhängig das gesamte Land. Dabei legten wir nicht nur Stopps an den bekannteren Spots ein, sondern fuhren auch abseits der touristischen Pfade viel über´s Land und sahen so, eingebettet in wunderschöne Natur, sogar jede Menge wilder Tiere. 

Sri Lanka ist sehr einfach zu bereisen, ein Großteil der Bevölkerung versteht etwas Englisch, die Preise sind sehr günstig, die Kultur interessant, die historischen Stätten bemerkenswert (Gleich 8 UNESCO Weltkulturerbestätten bietet Sri Lanka auf relativ kleinem Raum!), die Landschaft abwechslungsreich und die Menschen herzlich und aufgeschlossen – von der leckeren Küche Sri Lanka ´s ganz zu schweigen… 

Das optimale Land, um unser fünfjähriges Reisejubiläum zu begehen! 5 Jahre reisen wir nun schon um die Welt – manchmal erscheint es uns selbst unglaublich!

Nach 4 wunderschönen Wochen in Sri Lanka, in denn wir das kleine Land südlich von Indien in unsere Herzen geschlossen haben, ging es für uns abermals für einen Monat zurück nach Deutschland. Bis wir Mitte Juni wieder unsere Rucksäcke packten.

WO SIND WIR JETZT GERADE?

Wir sind zurück in Kanada. Hier werden wir noch einmal einen Sommer verbringen. Nachdem wir inzwischen fast ein Jahr in Kanada gelebt haben, ohne es in den Osten des riesigen Landes zu schaffen, sind wir dieses Mal zuerst für eine Stippvisite in den französisch sprachigen Landesteil geflogen. In Quebec erkundeten wir die historische Altstadt von Montreal mit dem Fahrrad, verköstigten die kanadische Spezialität Poutine an ihrem Ursprungsort, stiegen auf den namensgebenden Mont Real und lauschten groovigen Jazz-Klängen. 

Nach 2 Tagen reisten wir weiter nach Toronto. Der größten Stadt Kanada ´s statteten wir nur einen kurzen Besuch ab, bevor es weiter ging an die Niagarafälle. 

Mitten in der Nacht dort angekommen, packten wir kurzerhand unweit der berühmten Fälle unser Zelt aus – nun können wir erzählen, dass wir schon zum Tosen der Niagarafälle eingeschlafen sind. Am nächsten Morgen waren wir so auch die ersten dort und bewunderten zu früher Stunde ganz für uns die mächtigsten Wasserfälle Nordamerikas. 

In Niagara on the lake trafen wir uns mit Kevin, einem unserer kanadischen Arbeitskollegen von Skeena Meadows. Er fuhr mit uns über´s Land und zeigte uns etwas die Gegend. So erhaschten wir einen kleinen Einblick in die andere, flache und von Seen durchzogene Seite Kanada´s, die so anders ist als der bergige Westen des Landes. 

In Richtung Westen zog es uns dann auch weiter. Da Inlandsflüge in Kanada leider meistens ziemlich teuer sind und sich kurzfristig auch keine Überlandfahrt für uns ergab, machten wir uns per Anhalter auf in die USA, um von Detroit über Atlanta nach Vancouver zu fliegen. Nach dem wohl zähesten und anstrengendsten Tramp-Tag unserer bisherigen Anhalterkarriere kamen wir schließlich doch noch an und flogen am nächsten Tag nach British Columbia.

WAS MACHEN WIR HIER ?

Wir verbringen zuerst nochmal einige Wochen auf Skeena Meadows, dem Anwesen, auf dem wir im letzten Jahr den Sommer und Herbst über gearbeitet haben. Die Heuernte steht bevor und anscheinend haben wir letztes Jahr einen ganz guten Job gemacht. Wir sind wieder in unseren Bungalow am Fluss eingezogen, warten beim Kaffee auf vorbei laufende Schwarzbären, fahren Traktor, führen die Jagdhunde aus und planschen abends in unserem Hot Tub auf dem Deck. Wenn das Heu voll eingebracht ist, werden wir zum Wandern in die Rocky Mountains aufbrechen. Die Berge, mit denen Kanada für uns untrennbar verbunden ist und die auch der Grund sind, warum wir ursprünglich hergekommen sind. Letztes Jahr haben wir es nicht geschafft, hier wandern zu gehen und das wollen wir diesen Sommer nachholen. 

UND DANN? WAS MACHEN WIR IM ANSCHLUSS?

Im Herbst werden wir nach Australien reisen. Schließlich haben wir dort immer noch unser Auto stehen…

SIND WIR ÜBERHAUPT NOCH AUF WELTREISE?

Jain. Uns brennt es nach wie vor unter den Nägeln, noch mehr von unserer wunderschönen Welt kennen zu lernen. Es gibt viele Orte, Momente und Erfahrungen, die wir gerne noch erleben möchten. Auf der anderen Seite merken wir aber auch, dass wir gerade an einem Punkt sind, an dem wir uns überlegen, wie es für uns weitergehen soll. Wir reisen nun seit 5 Jahren. Haben unglaublich viel gesehen, erlebt und gelernt. Damit kommt eine gewisse Erwartung, Reise-Haltung und Rastlosigkeit einher.

Vielleicht ist es deshalb langsam an der Zeit für eine Veränderung, oder gar eine Kursänderung. 

WO WIRD DIE REISE HINGEHEN? 

Das – genau das – wissen wir selbst noch nicht genau. Die Möglichkeiten sind endlos. Wir haben inzwischen so viele Länder bereist und so viel erlebt, dass wir vielleicht gerne mal für eine Weile wo bleiben würden. Wir würden gerne mal wieder etwas Anspruchsvolles arbeiten, uns weiter entwickeln. Etwas Schaffen. Auf der anderen Seite gibt es auch noch viele Länder, die wir noch nicht bereist haben und die uns noch reizen. Einen ganzen Kontinent, Afrika, haben wir noch nicht gesehen auf unserer fünfjährigen Weltreise

Es gibt so viele Optionen, die wir uns für uns vorstellen können und gerade fällt es uns schwer, uns für eine zu entscheiden. Man könnte auch sagen: Wir würden gerne 1.000 Leben in dieses 1 stecken.

WARUM GAB ES HIER SO LANGE NIX NEUES MEHR ZU LESEN?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen liegt das daran, dass wir das vergangene Jahr fast ausschließlich in Kanada verbracht haben und bis zum Frühjahr nur wenig gereist sind. Den Winter über haben wir – abgesehen von kleineren  Roadtrips durch die Rocky Mountains, entlang des Columbia Valley und ins Okanagen Valley – hauptsächlich in Invermere in Kanada verbracht. Auch eine wunderschöne Gegend, über die es viel zu erzählen gäbe. Aber irgendwie war letzten Winter die Luft raus und mir fehlte sowohl Inspiration als auch Motivation, etwas für den Blog zu machen. Zum Anderen hat es mir irgendwie komplett das Design verhauen. Dadurch sieht jetzt vieles nicht mehr so schön, sondern anders aus und die Wiederherstellung bedeutet Einfuchsen und zeitintensive Arbeit.

Hinzu kommt, dass wir mittlerweile weniger Zeit in Reiserecherchen stecken, sondern ein anderes Thema für uns stark in den Vordergrund gerückt ist: Unsere Umwelt. Seit wir uns verstärkt damit beschäftigen, welche Auswirkungen unser aller Lebensstil und Flugreisen auf unsere Erde haben, fragen wir uns manchmal, ob wir es überhaupt noch vor uns selbst vertreten können, andere zum (Flug-)Reisen zu inspirieren?

EXISTIERT DIESER BLOG DANN ÜBERHAUPT NOCH? 

Gute Frage! Ein halbes Jahr kein Update auf dem Blog – das ist im Internet sowas wie eine Lichtmillion Jahre. Aber vielleicht ist das hier ja die Sternschnuppe, die wieder etwas Bewegung in den Kosmos bringt.

Falls also irgend jemand diesen Blogeintrag liest, würden wir uns sehr über einen Kommentar unter diesem Beitrag oder einen Eintrag ins Gästebuch freuen! 

TUT SICH HIER KÜNFTIG WIEDER WAS?

Ja! Wir  möchten Euch nach wie vor an unserer persönlichen Reise teilhaben lassen, Euch mit uns mitnehmen und unsere Erfahrungen und Eindrücke mit Euch teilen. Vielleicht wird unser Blog sich etwas verändern – so wie auch wir und unsere Reise sich kontinuierlich weiter entwickeln. 

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

„Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden“.

Dieser Spruch trifft ganz gut, was bei uns gerade los ist. Denn eigentlich hatten wir – ganz unüblich für uns – das nächste halbe Jahr komplett geplant und durchorganisiert. Eine Wintersaison in den Rocky Montains zu (er-)leben war einer der Hauptgründe, weshalb es uns für ein Jahr nach Kanada zog. Im Laufe des Oktobers hat sich dann auch nach und nach alles perfekt ergeben:

Wir beide bekommen Jobangebote im Panorama Resort. Dieses Skigebiet war von Anfang an eines unserer Favoriten: Super Schneebedingungen, anders als die bekannteren Skigebiete wie Whistler oder Banff ist es nur selten überfüllt, es bietet gute Arbeitsbedingungen plus Personalvorteile und ist gut gelegen. Anfang Dezember geht die Skisaison los und dauert bis Mitte April. Passt!

Die Personalunterkünfte am Berg sind leider bereits alle vergeben, aber nach etwas Suche finden wir ein gemütliches, großzügiges und toll eingerichtetes Haus im nahen Dorf. Zwar keine Ski in/Ski out-Möglichkeit wie am Berg, dafür aber in direkter Nähe zum See, der winters zufriert und als längste Eisbahn der Welt sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hält. Wir sehen uns bereits an unseren freien Tagen morgens Schlittschuh fahren und Langlaufen und abends am Ufer entlang joggen. Ende November können wir einziehen. Da das Haus recht groß ist, wollen wir der 2 der 4 Schlafzimmer an zukünftige Kollegen untervermieten. In null Komma nichts finden sich ein sympathischer Engländer und eine nette Australierin. Passt! 

Sonnenaufgang über den Rocky Mountains

Auf Skeena Meadows arbeiten wir noch bis Mitte November. Wir gönnen uns noch 2 Wochen Zeit zum Reisen, bevor die Wintersaison startet. Zum Wandern und Zelten ist es mittlerweile zwar zu kalt, aber auch für diese Jahreszeit bietet Kanada etwas Besonderes: Nordlichter und Eisbären! Während sich die Reise zu den Nordlichtern nach Yellowknife ganz wunderbar fügt und wir dort im Apartment unserer Arbeitgeber wohnen dürfen, gestaltet sich der geplante Abstecher in die Subarktis zu den Eisbären schwieriger! Es will einfach nichts so recht zusammen passen. Und so beschließen wir nach wochenlanger Recherche, Planung und viel Hin und Her, darauf zu verzichten. Mittlerweile könnten wir einen Reiseführer über die „Eisbären-Hauptstadt der Welt“ Churchill in Manitoba schreiben, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Ganz ehrlich, vor allem Biene ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…!

Der 1. Schneeball!

Nach Manitoba wollen wir dennoch reisen und stattdessen ein Wochenende in dessen Hauptstadt Winnipeg verbringen. Die Flüge sind bereits gebucht und ehrlich gesagt…wir haben da diesen winzigen Funken Hoffnung, dass sich wie schon öfters in letzter Minute doch noch irgendwie eine Möglichkeit auftut, zu dem Eisbären zu gelangen….you never know!

In den letzten Tagen auf dem Anwesen sind wir noch gut beschäftigt: Wir wollen das gelichtete Waldstück noch vollends von Geäst und Baumstümpfen befreien, die Hunde sowie  die Fasanen müssen versorgt werden, Feuerholz gemacht und der Ofen geheizt werden, einige kleinere Projekte stehen auch noch an. Nicht zuletzt hat auch unser Koch Urlaub und wir müssen uns selbst verpflegen. Was nach 4 Monaten Rundumverköstigung auch wieder eine Umstellung ist. 

Dann am vorletzten Arbeitstag passiert es: Biene gerät mit dem Allrad-Buggy  auf dem gefrorenen Weg ins Schleudern, rutscht eine kleine Böschung hinauf und das Fahrzeug kippt um. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der linke Knöchel gebrochen und ein Band gerissen ist. Noch lässt sich nicht ausschließen, dass ein weiterer Knochen ebenfalls gebrochen ist, was eine OP bedeuten würde. So oder so lautet die Prognose 6 Wochen Gips, jede Woche Röntgen und keinerlei Belastung des Beines. Uuumpf!

Das bringt natürlich erstmal alles heftig durcheinander! Was machen wir jetzt? Fliegen wir dennoch? Können wir überhaupt? Wie organisieren wir das alles? Und vor allem: was wird jetzt aus Biene´s Job als Liftie in 3 Wochen?! 

Klotz am Bein…

Schnell ist klar: an der Situation können wir nichts ändern. Ist jetzt halt so, auch wenn es sch*** ist! Was aber in unserer Hand liegt, ist die Entscheidung, wie wir mit dieser Situation umgehen. Wir beschließen, das Beste daraus zu machen!

2 Tage später fliegen wir deshalb trotz Klotz am Bein nach Winnipeg. Schnell stellen wir fest, dass Winterpeg seinem Spitznamen alle Ehre macht: Schon bei unserer Ankunft mitten am Tage erwarten uns frostige minus -25 Grad Celsius. Direkt nach unserer Landung leihen wir uns einen Rollstuhl für unsere 4 Tage vor Ort. So sind wir doch einiges mobiler als nur mit den Krücken. 

Rock´n´Roll in Winnipeg

Dick eingemummelt erkunden wir die kommenden 3 Tage rollend Manitoba´s Hauptstadt: Wir spazieren am bereits zugefrorenen Fluss entlang, werfen einen Blick in das architektonisch interessante Regierungsgebäude, erkunden das historische Zentrum und schauen uns den lokalen Weihnachtsumzug an. Länger als eine Stunde halten wir es in der beißenden Kälte und dem eisigen Wind, der durch die Straßen pfeift, allerdings nicht aus – zwischendurch wärmen wir uns immer wieder in gemütlichen kleinen Cafés auf. Besonders gut gefallen uns die Forks Markets, eine historische Markthalle mit originellen kleinen Shops und kulinarischen Delikatessen aus aller Welt. Einen Tag verbringen wir im super interessanten und spannend komponierten Museum of Human Rights.

An unserem letzten Tag in Winnipeg sehen wir schließlich doch noch Eisbären – wenn auch nur im Assiniboine Zoo. Dieser arbeitet eng mit mehreren Tierschutzorganisationen und Forschungsstationen zusammen und neben einem tollen Arktis-Habitat gibt es auch viele Infos zu wichtigen Themen wie Klimawandel und Schutz des arktischen Lebensraumes. Es ist beeindruckend, die weißen Giganten aus nächster Nähe beim Schwimmen, Raufen und Tauchen beobachten zu können – dennoch ist es natürlich nicht dasselbe, wie Tiere in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Wenn wir uns auch sicher sind, dass sich die Eisbären bei den Temperaturen in Winnipeg an diesem Tag pudelwohl fühlen…

Dienstags fliegen wir weiter nach Yellowknife. Dass die Hauptstadt der Nordwest-Territorien gut 1.000 km weiter nördlich liegt als Winnipeg macht sich in karger, bereits verschneiter Tundra rundum und nochmals 10 Grad kälteren Temperaturen bemerkbar. 

Auch hier leihen wir uns zuallererst einen Rollstuhl, um nicht ganz auf Winterspaziergänge verzichten zu müssen. Wir beziehen das Apartment der Besitzer von Skeena Meadows im zweithöchsten Gebäude der Stadt und schauen vom Erkerfenster aus dem Schneegestöber zu. Vom neunten Stock aus haben wir einen guten Blick über die 20.000 Einwohner zählende Stadt und die Seen rundum. Diese sind bereits vereist – noch ungefähr einen Monat wird es dauern, bis das Eis dick genug ist und die Eisstraßen eröffnet werden können. Yellowknife liegt am Ende der Straße – von hier aus Richtung Norden kommt bis zum Nordpol nur noch Tundra, Wasser und Eis. Alles, was nördlich von hier liegt (hauptsächlich Diamantminen und Inuit-Siedlungen), ist sommers nur per Wasserflugzeug und winters nur über diese berühmt-berüchtigten „Ice Roads“ zu erreichen.  

Wood Buffalo in Yellowknife

 Während Yellowknife selbst im Winter nichts besonders Sehenswertes ist, ist es seine Lage, dass seinen besonderen Reiz ausmacht. Abgesehen von den unterirdischen Gold- und Diamantvorkommen in dem Gebiet liegt der Hauptanziehungsgrund Yellowknife´s im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft: In den kalten Winternächten können hier regelmäßig Aurora Borealis (Nordlichter) am dunklen Nachthimmel beobachtet werden. Yellowknife bietet dafür so gute Bedingungen, dass es sogar den Titel „Hauptstadt der Nordlichter“ trägt und jede Winternacht durchschnittlich zwischen 300-500, größtenteils asiatische, Touristen anlockt. Die Aurora Borealis einmal mit eigenen Augen über den Nachthimmel tanzen zu sehen, ist ein Traum, den auch wir uns hier erfüllen wollen. Wenn das klappt, ist es auch nicht schlimm, dass es derzeit mit Schlittenhundefahrt, Schneemobilausflügen und Schneespaziergängem nichts ist.

Und hier sind wir jetzt also.

Bisher schneit es fast durchgehend und der Himmel hängt voller Schneewolken. Tagsüber unternehmen wir rollend kurze Spaziergänge, besuchen das Museum und kommen dank den Kontakten der Besitzer von Skeena Meadows auch über die Stadt hinaus und raus in die schöne, wilde Umgebung. Zwischendurch legen wir immer wieder Pausen auf der Couch ein, damit Beine ihr Bein hochlegen kann. Die Tage hier sind kurz: Sonnenlicht hat es nur zwischen 10 Uhr und 15 Uhr – bereits um 16 Uhr ist es stockdunkel. Bis morgen hoffen wir noch auf ein Aufreißen der Wolkendecke und tanzende Nordlichter. Dann werden wir nach Calgary fliegen und dort 2 Tage verbringen. Ein weiterer Röntgentermin steht an, bevor wir donnerstags mit dem Shuttlebus des Skigebiets Invermere erreichen und hoffentlich in unser Haus einziehen können.

Wie es im Skigebiet laufen wird, ob Biene trotz Gipsfuß arbeiten kann, ob eine OP notwendig sein wird, wann sie wieder Ski fahren kann – all das wissen wir noch nicht. 

Wir wissen nur eins: egal was kommt, wir werden das Beste daraus machen! 

Sonnenaufgang in Yellowknife um 9.36 Uhr

 

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

„Ach, ist das herrlich!“  Dieser geflügelte Satz purer Freude fällt ziemlich oft zwischen uns, seit wir am 20. September wieder gen Kanada aufgebrochen sind.

Schon am Vorabend vor unserem Abflug kommen wir nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Erreicht uns doch spätabends noch eine kurze Email der Besitzer von Skeena Meadows: „Hey, wann kommt ihr morgen in Vancouver an? Wir würden Euch gleich gerne direkt zu uns weiterfliegen lassen anstatt zu warten, bis ihr per Anhalter her kommt. Flug und Hotel übernehmen wir. Ist das ok?“ 

Klar ist das ok für uns. Keine 24 Stunden nach unserem Aufbruch aus Deutschland sind wir so schon wieder zurück auf dem Anwesen. British Columbia empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Der Skeena fließt eisblau und wild das sich windende Flusstal entlang, die ersten Blätter färben sich schon bunt und zu 3 Seiten blicken wir wieder auf majestätisch aufragende Berggipfel.

„Ach, ist das herrlich!“

Mit den Besitzern brechen wir zu einer Rundfahrt über das Anwesen auf und besprechen dabei unsere Projekte für die kommenden Wochen. Unsere Hauptaufgabe wird sein, ein großes Waldstück zu ebnen und zu planieren, damit dieses nächstes Jahr mit Gras eingesät und in Heuwiesen umgewandelt werden kann. Daneben ist das Gemüse im Bio-Garten erntereif und auch die Jagdhunde wollen wieder versorgt werden. Einen zweiten Schnitt und Silage wird es dieses Jahr nicht geben. Es ist zu trocken, das Gras ist kaum nachgewachsen. Viele der Bauern, denen wir in den nächsten Wochen Heu verkaufen und die bereits ihr ganzes Leben hier wohnen, erzählen uns, dass der Skeena noch nie so wenig Wasser geführt hat wie dieses Jahr. Es hat seit Mitte Juli nicht mehr geregnet.

Wir ziehen vorübergehend in ein kleineres Zelt neben dem Hauptgebäude ein, da „unser“ Zelt am Fluss mit Gästen belegt ist. Aber nach 4 Nächten können wir endlich wieder einziehen. Jetzt sind wir richtig angekommen: wir trinken morgens unseren Kaffee wieder mit Blick auf den Fluss, entspannen abends in der holzbefeuerten Holzbadwanne auf unserer Terrasse und kuscheln uns danach an den Kamin in unserem Wohnzimmer.

„Ach, ist das herrlich!“

Unsere Arbeitstage verbringen wir hauptsächlich im Wald. Während Uli mit dem Bulldozer große Schneisen durchs Gebüsch zieht und die größeren Bäume mit der Kettensäge zu Feuerholz verarbeitet, fährt Biene den Traktor mit der Greifschaufel am Frontlader. Mit dieser werden Wurzelwerke, Stämme, Büsche und die kleineren Bäume zu großen Scheiterhaufen aufgeschichtet. Wir können für uns arbeiten und kommen gut voran, gleichzeitig sind wir abends froh, wenn wir unsere geplagte Rücken nach 10 sehr holprigen Stunden zur Muskelentspannung in unserem Hot Tub eintauchen. Spätestens beim Blick nach oben zum klaren Sternenhimmel ertönt dann meist ein:

„Ach, ist das herrlich!“

Die Wochenende nehmen wir uns frei. Wir schlafen aus,  trinken gemütlich Kaffee und bewundern durch unsere große Glasfront das mittlerweile bunt gefärbte Herbstlaub. Die Eichhörnchen, die in den Tannen rund um unseren Bungalow ihren Lebensraum haben, kommen auf unserer Terrasse vorbei. Hier in unserem Waldstück am Fluss ist alles friedlich. Alles ist gut. 

„Ach, ist das herrlich!“

Wenn wir wollen, können wir eins der Firmenautos nehmen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir fahren durch die herbstliche, wilde Landschaft. Der Weg ist unser Ziel. Wir staunen darüber, wie unterschiedlich die Landschaft im Vergleich zum Sommer aussieht und wie gut ihr das farbenfrohe, herbstliche Kleid steht. Mit unseren kanadischen Kollegen unternehmen wir einen Sonntagsausflug ins nahe Kispiox Tal. Wir bewundern die fast 200 Jahre alten Totempfähle und das bunte Herbstlaub rundum. Wir sehen eine Bärenmutter mit ihrem Jungen und 3 Hirsche. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„Ach, ist das herrlich!“

An einem schönen sonnigen Samstag steigen wir auf den Kathlyn Gletscher bei Smithers auf. Während es unten im Tal angenehm warm ist, spüren wir mit jedem Höhenmeter, wie die Temperatur fällt. Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen über ein Geröllfeld und große Felsblöcke zum Gletscherfuß auf. Hier oben auf 1.600 Meter ist es sehr frisch – wie frisch, wird uns beim Blick unter unsere Füße klar: der Gletscherbach ist am Rand bereits vereist und auch der Boden ist gefroren. Wir können unsere Atemwolken sehen. Große Gletscherspalten halten uns davon ab, weiter aufzusteigen. So genießen wir nur für kurze Zeit die herrliche Panoramasicht, bevor wir mit eisigen Fingern und Nasenspitzen den Abstieg in Angriff nehmen.    

„Ach, ist das herrlich!“

In großen Schritten geht es auf Oktober zu. Inzwischen hat es die ersten frostigen Nächte und wenn wir morgens zum arbeiten und abends zurück in unser Zelt fahren, mummeln wir uns dabei in Handschuhe, Mützen und dicke Jacken. Sogar der aufgestaute Biber-Teich ist bereits mit einer Eisschicht überzogen. Biene´s Geburtstag feiern wir mit einem Glühwein-Umtrunk mit unseren Kollegen in der Jagdlodge des Anwesens. Als Überraschung zaubert unser Koch eine riesige Schwarzwälderkirschtorte.

„Ach, ist das herrlich!“

Einige Tage darauf kommt uns eine indianische Schulklasse besuchen. Eigentlich sind die Kinder hier, um mehr über die Lachse zu erfahren, die in einem der Bäche auf dem Anwesen laichen. Aber die Kinder haben mehr Spaß am Karotten ernten und Deutsch lernen. Am selben Tag kommen 200 Fasanen auf dem Anwesen an. Deren Ausläufe haben wir beide im Sommer hergerichtet und nun darf Biene die prächtig anzusehenden Vögel versorgen. Wir sind gut beschäftigt: neben unserem Waldprojekt, den Fasanen und Hunden muss Feuerholz für den Winter gemacht, Heu geladen und so einiges Anderes gemacht werden. Es ist nach wie vor schönstes Herbstwetter, nachts ist es klirrend kalt und sternenklar und tagsüber strahlt die Sonne.

„Ach, ist das herrlich!“

Am zweiten Montag im Oktober wird in Kanada traditionell Thanksgiving gefeiert. Ähnlich unserem Erntedankfest kommen die Familien zusammen, um bei einem festlichen Abendessen dankbar für all das zu sein, was uns die Natur das ganze Jahr über schenkt. 

Obwohl Thanksgiving in Kanada ein staatlicher Feiertag ist, arbeiten wir bis nachmittags. Allerdings machen wir alle früher Feierabend und in der gemütlich eingeheizten Jagdlodge laden die Besitzer die gesamte Belegschaft zu Drinks ein, bevor es ein festliches Abendessen gibt: traditionell gibt es gefüllten Truthahn mit Kartoffelbrei und verschiedenem Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Nachtisch gibt es Kürbiskuchen. Es ist ein festlicher Abend und wir freuen uns, diesen kanadischen Festtag miterleben zu dürfen:

„Ach, ist das herrlich!“

 

3 Monate Work & Travel in Kanada – erster Eindruck, erster Überblick, erster Bericht!

3 Monate Work & Travel in Kanada – erster Eindruck, erster Überblick, erster Bericht!

Wir schreiben den 16. August 2018. Heute sind wir seit genau 3 Monaten in Kanada! Wie die Zeit verfliegt…

Es ist an der Zeit, unsere ersten 92 Tage in dem Land, das sich selbst in seiner Nationalhymne als The True North besingt, Revue passieren zu lassen. Wir haben schon viel zu erzählen. Aber heute möchten wir Euch erstmal einen Überblick geben, wo und wie wir unsere Zeit in Kanada verbringen. Euch hier auf unserem Blog wieder auf unsere Reise mitnehmen. Und unsere ersten Eindrücke mit Euch teilen.

Das ist unsere bisherige Route durch Kanada:

Wie ihr seht, haben wir 3 der 13 kanadischen Provinzen und Territorien bereist. Wir haben über 7.000 Kilometer zurück gelegt und sind sogar schon an Orte gereist, von denen wir dachten, sie seien zu schwer zu erreichen und zu weit entfernt, um sie – per Anhalter – zu bereisen.

So denn, fangen wir von vorne an:

Am Donnerstag, den 16. Mai landen wir gegen Abend in Vancouver. Davor fliegen wir bei strahlendem Sonnenschein bereits einmal quer übers Land. Im Landeanflug können wir uns bei goldenen Abendlicht bereits ein erstes Bild von der Hauptstadt der Provinz British Columbia machen. Wir sehen viele Grünflächen, viel Wasser, viele Bäume und viele Brücken. Vancouver ist sehr schön gelegen: auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Seite die Berge. Dazwischen akkurat angelegte Straßenzüge. Der Internationale Flughafen greift das Thema Natur auf: raumhohe Wasserfälle tosen in der Ankunftshalle. Neben diesen gibt es ebenso große, kunstvolle Holzschnitzereien mit indianischen Motiven zu bestaunen. Bevor wir kanadischen Boden betreten dürfen, müssen wir erst noch gute 2 Stunden auf die Ausstellung unserer Arbeitsgenehmigungen warten. Es sollte unsere erste Erfahrung mit der kanadischen Bürokratie sein, die sich vor ihrem deutschen Pendant nicht zu verstecken braucht.

VANCOUVER

Unsere private Unterkunft erreichen wir super easy per SkyTrain und Bus. Das Straßenbild dominieren amerikanische, überdimensionale Pick-ups. Der Supermarkt um die Ecke, in dem wir uns mit Abendessen eindecken, erinnert uns ebenfalls sehr an die USA: wie die US-amerikanischen Supermärkte auf Hawaii ist er riesig, bietet überdimensionierte Packungsgrößen, ein großes Sortiment an Tiefkühlgerichten und verarbeiteten Lebensmitteln und extrabreite Supermarktgänge. Auf der positiven Seite stellen wir fest, dass frisches Obst und Gemüse viel günstiger ist als in Australien.

Die nächsten beiden Tage füllen wir mit Sightseeing und Organisatorischem: wir lassen unsere Steuernummern erstellen, beantragen kanadische Ausweisdokumente und leiten alles in die Wege, um Bankkonten zu eröffnen. Die Eröffnung selbst wird sich mehrere Wochen hinziehen (Fun Fact am Rande; Biene wartet bis heute, den 16.8., noch auf ihre Bankkarte!).

Außerdem verschaffen wir uns natürlich einen ersten Eindruck von Vancouver. Zu Fuß erkunden wir das Zentrum mit seinem Mix aus historischen Gebäuden und modernen Wolkenkratzern. Wir schlendern entlang der Uferpromenade, durch die Altstadt und das Businessviertel und spazieren zum Stanley Park. Gesamt laufen wir an den ersten beiden Tagen über 26 Kilometer. Auf diesen entdecken wir eine multikulturelle Großstadt mit Charme aber auch mit weniger charmanten Ecken. Vancouver pulsiert. In Englisch würden wir sagen, Vancouver ist edgy. Es ist ein Mix aus allem, was dieses Einwanderungsland ausmacht: es ist lebendig, vielseitig, amerikanisiert aber auch ethnisch divers, widersprüchlich und facettenreich. Mit 43% asiatischen Bürgern ist Vancouver außerdem die Stadt mit dem höchsten Anteil an Asiaten außerhalb Asiens. Gleichzeitig sehen wir viele Fast-Food-Ketten, riesige Shoppingmalls, hippe Cafés, kleine Bücherläden, Cowboystiefel-Shops und schicke Boutique-Bars . Die Vancouverites, wie die Einwohner Vancouvers genannt werden, sind bemerkenswert höflich, freundlich und respektvoll im Umgang. Mehrere Male bekommen wir am Ticketautomaten Tickets von Menschen geschenkt, die ihres nicht mehr brauchen. Wir dürfen umsonst im Bus mitfahren, weil wir den Fahrpreis noch nicht passend in Kleingeld haben und jeder, mit dem wir ins Gespräch kommen, heißt uns willkommen in Vancouver und in Kanada. Wir fühlen uns willkommen!

Nach 3 Tagen in Vancouver nehmen wir die Fähre nach Vancouver Island. Die eineinhalbstündigen Fährfahrt von Tsawassen in die Swartz Bay kostet uns 17,50 Dollar. Auf der Fahrt passieren wir die Gulf Islands und sehen auf diesen das Kanada aus unserem Kopfkino im Miniaturformat: dichte Tannenwälder, vereinzelte Blockhäuser, jedes  Grundstück verfügt über seinen eigenen Anlegesteg.

VANCOUVER ISLAND

Vancouver Island ist größer, als es sein Anblick auf der Karte vermuten lässt. Immerhin gute 500 Kilometer misst die Insel von Süd nach Nord. Generell sind Distanzen in Kanada groß. Kein Wunder, ist es doch das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde.

Grob gesagt reisen wir auf Vancouver Island vom Südwesten über die Inselmitte an die Ostküste, hier bis ganz hoch in den Norden und die Küste entlang bis ans Nodwestkap der Insel. Highlights sind unsere mehrtägigen Wanderungen, z. B. der Juan de Fucca Trail, der Elk River Trail im Strathconia Provincial Park und unsere Zweitageswanderung ans Cape Scott, wo wir nicht nur die schönsten Strände der Insel finden und am Leuchtturm den einzigen wolkenlosen Sonnenuntergang unserer Zeit an der Westküste Vancouver Island‘s erleben, sondern zu diesem von den Leuchtturmwächtern auch noch auf ein Glas Rotwein und Schokolade eingeladen werden.

Überhaupt sind unsere Begegnungen mit den Kanadiern ein weiteres Highlight auf Vancouver Island. Da ist zum Beispiel Peter. Auf unserer vierstündigen gemeinsamen Fahrt in den Norden der Insel gibt uns Peter nicht nur viele wertvolle Tipps, die in keinem Reiseführer stehen, er fährt mit uns auch einen Umweg, um uns am versteckt gelegenen Mak‘ama‘lak See mehrere Jahrhunderte alte und sehr hohe Bäume zu zeigen, erklärt uns die kanadische Pflanzenwelt und lädt uns schlussendlich noch zu sich und seiner Familie zum Abendessen ein. Als wäre das noch nicht genug, fährt er uns danach ungefragt noch zu unserer 20 km entfernt gelegenen Zieldestination – und begründet es damit, dass wir es sonst schwierig haben würden, diese am selben Abend noch zu erreichen. Peter ist ein typisches Beispiel für all die tollen Erfahrungen, die wir als Anhalter auf Vancouver Island machen!

Zwar ist auch die Natur sehr schön, allerdings denken wir dass diese erst ein Vorgeschmack auf das ist, was wir auf dem kanadischen Festland noch zu sehen bekommen werden. Des Weiteren sehen wir auf Vancouver Island deutlich mehr abgeholzte Flächen, als wir das erwartet hätten.

Herrlich finden wir allerdings die wilde Natur, die wir entlang der dünn besiedelten West- und Nordküste und auf unseren Abstechern auf die beiden winzigen Inseln Cormorant Island und Malcolm Island, entdecken können. Am meisten faszinieren uns die riesigen Baumstämme, die als Treibholz an allen Stränden zu finden sind. Die Strände selbst sind wie die Küsten wild und rau.

Auch wenn tagsüber die Sonne rauskommt, ist es für unser Empfinden für Mitte Mai noch ganz schön kühl. Die Einheimischen sprechen allerdings von ungewohnt hohen Temperaturen und mildem Wetter für diesen Monat. Für uns ungewohnt ist eher die Wassertemperatur des Meeres und der Flüsse, in die wir auf unseren Wanderungen zum Waschen springen: wenige Minuten reichen, um Gefühlstaubheit zu erreichen. Eisig! Eisig ist auch so manche Nacht in höheren Lagen in unserem Zelt. Und das im wörtlichen Sinne! Denn auch da erleben wir eine Neuheit: zelten im Schnee! Dank unserer guten Ausrüstung und unseren zu Wärmflaschen umfunktionierten Trinkflaschen ist aber auch das kein Problem.

Dabei bedarf das Zelten in Kanada einiger besonderer Vorkehrungen, die wir so noch nirgendwo anders beachten mussten. Zwar ist Camping in Kanada weit verbreitet und absolut etabliert – die Kanadier selbst sind ein totales Outdoor-Volk und kaum ein Kanadier geht am Wochenende nicht regelmäßig campen. Es gibt sogar ähnlich wie in Skandinavien ein sogenanntes „Jedermannsrecht“, gemäß dem überall auf „Crown Land“ (=Land in öffentlichem Besitz) gezeltet werden darf. Allerdings ist Kanada auch Heimat von Bären. Deshalb müssen beim Zelten in Kanada einige Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden. Die wichtigste: Essen und duftende Hygieneartikel wie Deo, Zahnpaste etc. immer außerhalb des Zeltes aufbewahren und am besten abseits des Zeltplatzes in einen Baum hängen.

Rechts im Foto unsere Essensvorräte aufgehängt im Baum

Passend dazu verbinden wir auch dieses Highlight mit Vancouver Island: unsere ersten Begegnungen mit Bären! Während wir in unseren ersten Bären fast hinein stolpern, weil der Schwarzbär nach einer Kurve direkt vor uns den Wanderweg kreuzt – und wir diese Begegnung vor lauter Adrenalin in dem Moment nicht so ganz genießen können – sehen wir noch am selben Tag aus sicherer Entfernung und von Bäumen verborgen, wie eine Bärenmutter mit ihrem halbwüchsigen Nachwuchs in einer Bucht Seegras fressen.

SUNSHINE COAST

Nach 2 Wochen auf Vancouver Island setzen wir wieder auf das Festland über. Von Powell River aus laufen wir auf den Sunshine Coast Trail. Dieser erst vor wenigen Jahren eingeweihte und insgesamt 180 km lange  Fernwanderweg ist ein kleiner Geheimtipp und die einzige kostenlose Hütte-zu-Hütte-Wanderung Kanada’s. Der Sunshine Coast Trail lässt unsere Wanderherzen höher schlagen: die Wanderpfade sind herrlich naturbelassen, dennoch ist er gut gemarkt und da er noch nicht allzu bekannt ist, ist er auch noch nicht überlaufen. Als Belohnung für steile Auf- und Abstiege bietet er sagenhafte Ausblicke entlang der Sunshine Coast und am Abend wartet meist eine gemütliche, beheizbare Blockhütte. Diese steht nicht selten direkt am Wasser und somit kann man sich auch gleich erfrischen.

Nur seinem Namen macht der Trail – zumindest als wir ihn gehen – leider keine Ehre: das Wetter ist sehr durchwachsen und wir laufen mehr Tagesetappen bei Regen und Hagel als bei Sonnenschein. Daher brechen wir den Trail nach 4 Tagen ab. Denn wenn wir Berge bezwingen, haben wir auf dem Gipfel schon ganz gern eine gute Sicht als Belohnung für die überwundenen Höhenmeter. So wie hier vom Tin Hat Mountain:

Da das Wetter auch im Anschluss nicht viel besser wird, werfen wir den groben Plan, den wir für die nächsten 2-3 Wochen bereits hatten, komplett über den Haufen. Denn Wandern bei Regen und inzwischen auch mit ordentlicher Erkältung seitens Biene macht einfach keinen Sinn. Stattdessen visieren wir nun den Norden an. Den hohen Norden. Es ist mittlerweile der 10. Juni und zur Mittsommernacht am 21. Juni wollen wir dort sein, wo die Sonne an diesem Tag nicht untergeht: Nördlich des arktischen Polarkreises!

PER ANHALTER IN DIE ARKTIS

Zugegeben, es ist ein verrückter Plan. Nach wie vor haben wir kein eigenes Transportmittel in Kanada und das wollen wir auch so beibehalten. Wir wollen per Anhalter in die Arktis! Aber wie wir auf unserer Reise schon des Öfteren fest gestellt haben, sind die verrücktesten Ideen oft die besten. So wie unsere wahnwitzige Idee, uns in Guatemala ein altes Moped zu kaufen und damit durch Zentralamerika bis an den Panamakanal zu fahren. Und das hat schließlich auch geklappt…

Also stellen wir uns wieder an den Straßenrand und los geht‘s. Es läuft wie am Schnürchen. Wir wissen manchmal gar nicht, was uns mehr begeistert: die herrliche Landschaft, durch die wir fahren oder die tollen Menschen, die uns dort durch fahren.

SMITHERS

Zu Uli‘s Geburtstag 3 Tage später sind wir bereits in der Caribou Mountains Region im nördlichen British Columbia. Unser Fahrer Robin hat uns zu sich nach Hause eingeladen und so beginnt Uli‘s Geburtstag mit einem pompösen Geburtstagsfrühstück inklusive hausgemachten Blaubeerpfannkuchen. In der idyllischen Kleinstadt Smithers übernachten wir zur Feier des Tages das erste Mal in Kanada auf einem öffentlichen Campingplatz und haben so nicht nur eine heiße Dusche, sondern auch unser privates Lagerfeuer. Fast schon nebenbei machen wir auch direkt noch Sommerjobs in der Umgebung klar.

So können wir nun ganz entspannt genießen, dass die Landschaft wilder, die Ortschaften spärlicher und das Internet non-existent werden. Es gibt jetzt sowieso Spannenderes zu tun, als das Handy im Blick zu behalten: Der Highway 37, auf dem wir unterwegs sind, ist berüchtigt für seine Bären. Und tatsächlich sehen wir auf den 1.257 Kilometern so viele Schwarzbären am Wegesrand, dass wir aufhören sie zu zählen.

Auch in der nächsten Provinz, dem Yukon, halten wir die Augen fest nach draußen gerichtet: auf die 33.000 Einwohner des Yukon kommen immerhin geschätzt 10.000 Schwarz- und 6.000 Grizzlybären. In Whitehorse, der charmanten kleinen Provinz-Hauptstadt, erblicken wir den namensgebenden Fluss mit eigenen Augen. Wir sind tatsächlich am Yukon! Diesem konischen Wahrzeichen des wilden, weiten Nordens Kanada‘s!

Unser nächster Stopp ist der Goldgräberort Dawson City. Längst nicht mehr so wild wie zur Blütezeit des Goldrausches in der Klondike, lebt das kleine Städtchen bis heute von seinem Ruf als dessen Geburtsort.

Von hier geht es für uns auf die letzte Etappe: den Dempster Highway! Die 740 km lange Schotterpiste ist die einzige Straße Kanada´s, die den Polarkreis überquert. Und nicht nur das: der Dempster Highway gilt als eines der letzen großen Roadtrip-Abenteuer Nordamerika´s, als Roadtrip in und durch die Wildnis.

Wir erwarten lange Wartezeiten zum Trampen und sind uns unsicher, ob wir an diesem letzten Teilstück nicht scheitern werden. Unsere Bedenken sollten total überflüssig sein: keine Stunde warten wir am Beginn des Dempster Highways, als Julian in seinem roten Kleinwagen  neben uns abbremst. Wir kennen uns bereits: Julian hatte uns 2 Stunden früher ein kleines Stück aus Dawson City heraus mitgenommen. Auf der kurzen Fahrt unterhalten wir uns und erzählen ihm von unserem Vorhaben, den Polarkreis zu überqueren. Dann kommen wir auch schon an der Wäscherei an, wo er hinwill und sagen auf Wiedersehen.

Was wir nicht wussten, war, dass wir mit unserer Begeisterung und unserer Abenteuerlust Julian dermaßen inspiriert hatten, dass er, statt seine Wäsche zu waschen, Proviant für 2 Tage einkauft und uns kurzerhand hinterher fährt. Noch am selben Nachmittag überqueren wir Drei den Arctic Circle!

Bereits die Fahrt dorthin haut uns völlig von den Socken: so weit das Auge reicht, sehen wir unberührte Natur. Die nächste Straße ist Tausende und die nächste Siedlung Hunderte von Kilometern entfernt. Deshalb ist der Dempster Highway auch nicht nur landschaftlich eine Wucht: Karibus, Hirsche, ein  Elch, ein Luchs, Schneeschuhasen, Adler und eine Eule kommen uns vor die Linse.

Mit unserem nächsten Fahrer Coleman überqueren wir am nächsten Tag die kontinentale Wasserscheide und kurz darauf die Grenze zu den North West Territories. Nochmal einige Stunden später erreichen wir Inuvik. Das 3.400 Einwohner zählende Dorf im MacKenzie Flussdelta war lange Zeit das Ende der Straße. Erst seit Mai 2018 führt eine neue Straße weiter bis in das kleine Dorf Tuktoyaktuk ans arktische Meer. Glück für uns!

Und dann stehen wir am Abend des 20. Juni in der kleinen Inuit-Siedlung Tuktoyaktuk am arktischen Ozean! Wir brauchen einen Moment, um das zu realisieren! Wir haben es wirklich geschafft! Wir sind in der Arktis!

Zur Mittsommernacht schlagen wir unser Zelt direkt am Ufer des Nordpolarmeeres auf. Viel schlafen sollten wir in der Nacht allerdings nicht. Mit den einheimischen Fischern, von denen wir fangfrischen Fisch für unser Abendessen kaufen, stehen wir die ganze – taghelle – Nacht lang am Lagerfeuer und hören gespannt zu, was Leben in der Arktis für die Inuit bedeutet. Um 4.07 Uhr sehen wir der Sonne zu, wie sie anstatt unterzugehen über Norden zieht und im Osten wieder aufgeht. Was für ein Erlebnis! (Über das wir in einem separaten Bericht ausführlicher erzählen werden)

Keine 6 Tage später sind wir auch schon wieder in der Nähe von Smithers. Schneller hätten wir die Strecke bis in die Arktis und zurück auch mit eigenem Fahrzeug nicht zurück legen können. Wir würden daher sagen: die Expedition „Trampen in die Arktis“ war ein voller Erfolg!

SKEENA MEADOWS WILDLIFE PRESERVE

Auf dem Skeena Meadows Wildlife Preserve wartet ab Ende Juni unsere erste Arbeitserfahrung in Kanada auf uns. Schließlich sagt schon unser Visa, dass wir für ein Working Holiday in Kanada sind. Das 280 Hektar große Anwesen erstreckt sich über 2 Meilen entlang des fischreichen Skeena Rivers. An den 3 anderen Seiten wird das Gelände malerisch von den Hazelton Mountains eingerahmt. Wir dürfen in eines der 4 gemütlichen 5-Zimmer-Zelte direkt am Fluss einziehen. Die letzten Jahre über übernachteten hier zahlende Jagdgäste. Dieses Jahr bleibt die Jagd-Lodge allerdings geschlossen und lediglich die Zweitfirma der Besitzer operiert von den höher gelegenen Gebäuden aus. Unsere Hauptaufgabe für den Sommer ist es, von den 80 Hektar Wiesen im Flusstal Heu zu machen und einige kleinere Projekte umzusetzen.

Während Uli anfangs die Maschinen für die Heuernte einsatzfähig macht, arbeitet Biene solange im Bio-Garten mit. Dessen Erträge werden direkt vom Koch verarbeitet, der uns und unsere Kollegen täglich mit erstklassigem Mittag- und Abendessen verköstigt. Da geht sie hin, unsere Wanderfitness…

Während der Heuernte sind unsere Tage lang und wir sitzen die meiste Zeit auf den Traktoren. Da wir währenddessen allerdings mitten in diesem idyllischen Landschaftsbild sitzen, uns unsere Arbeit selbst einteilen können und nicht selten nebenbei Wildtiere wie Kojoten, Bären, Weisskopfseeadler und Hirsche sehen, macht uns das wenig aus.

Anfang August ist alles Heu eingebracht. Seither sieht ein typischer Tag so aus bei uns:

Morgens um 6 Uhr stehen wir auf und trinken Kaffee in unserem Wohnzimmer mit Blick auf den Fluss (der Traum jeden Anglers – schade, dass wir beide nicht fischen). Um 7 Uhr fangen wir an zu arbeiten. Während sich Biene um die 6 Jagdhunde kümmert und eine erste Runde mit ihnen dreht, findet Uli immer irgendwelche Maschinen zur Reparatur. Mittagessen gibt es um 12. Anschließend arbeiten wir weiter bis zum Abendessen um 18 Uhr. Gegen 20 Uhr machen wir die Hunde fertig für die Nacht und fahren einmal quer über das Gelände in unser Zelt. Dort lassen wir den Abend  je nach Temperatur in unserer vorgeheizten Holz-Badewanne auf unserer Terrasse oder auf der Couch im Wohnzimmer ausklingen. Gelegentlich sehen wir dabei morgens wie abends einen Bär vorbei laufen.

Seit einer Woche arbeiten wir nun nur noch halbtags und nur noch 5 Tage die Woche. Die Nachmittage nutzen wir für die Erkundung der herrlichen Umgebung. Oder wie letztes Wochenende für einen Kurztrip nach Alaska.

Das waren sie also, unsere ersten 92 Tage in Kanada.  

So far, life is pretty good in Canada.

Neuland.

Neuland.

Zum ersten Mal seit längerer Zeit spüren wir heute wieder dieses Kribbeln im Bauch. Diese freudige Aufregung. Zu Beginn unserer Reise spürten wir sie ganz oft: Beim Aufbruch. Vor der Ankunft in einer Region, in der wir noch nie waren. Vor jedem neuen Land. Es kribbelt.

Und da ist die Vorfreude. Auf das Unbekannte. Auf all das, was uns in diesem neuen Land erwarten mag. Auf die Erlebnisse, Erkenntnisse, Begegnungen und Erfahrungen, die wir machen und erleben werden. Die schon bald zu uns und unserer Geschichte gehören werden. Vor uns liegt Neuland. Nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne. Gut sichtbar liegt es bereits unter uns. Beinahe schon greifbar. Schon seit mehreren Stunden fliegen wir über das Land, in dem wir von heute an ein Jahr lang leben, arbeiten und reisen wollen. Es ist das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde.

Bis jetzt sehen wir vor allem viel Wasser. In gefrorenem Zustand! Zugefrorene Seen und Flüsse winden sich in natürlichen Schlangenlinien durch eine karge Weite. Es ist sonnig, nur wenige Wolken trüben hin und wieder die Sicht. Mit der Zeit wird das Eis weniger und braune Steppe löst die weiße Schneelandschaft ab. Die ersten Berggipfel erheben sich aus der Ebene. Langsam werden die Berge höher und die Täler dazwischen tiefer. Vermutlich fliegen wir nun bereits über die Rocky Mountains.

Während wir aus dem Fenster blicken, tanzen in unseren Köpfen die Gedanken. Springen von den letzten Tagen zuhause in Deutschland zu unserem Rucksackinhalt. Haben wir alles dabei? Uns erwarten verschiedene Klimazonen und 4 ausgeprägte Jahreszeiten. Dann springen die Gedanken weiter zu den wenigen Landesinfos, die wir bisher in Blogs und Reiseführern recherchiert haben. Formen daraus Ideen und Erwartungen an unsere Zeit hier – und springen wieder zurück zu der Erkenntnis, dass wir eigentlich noch kaum was über dieses riesige Land wissen.

Mit Absicht. Wie meist reisen wir ohne fixen Plan, ohne eine geplante Route und ohne zu wissen, wo wir in einer Woche sein werden oder wo und was wir im Laufe des Jahres arbeiten wollen. Wir haben eine ungefähre Idee, aber noch ist alles offen und nichts spruchreif. Was für andere unvorstellbar oder der pure Stress wäre, beinhaltet für uns die ultimative Freiheit.

Die Freiheit, das Land auf uns wirken zu lassen. Unvoreingenommen anzukommen und einfach zu erleben, wie es ist. Wo es uns gefällt. Was uns die Einheimischen empfehlen. Bis jetzt planen wir nur, dass wir für die ersten Wochen wieder unsere Rucksäcke schultern und die Wanderschuhe schnüren werden. Es warten unzählige Nationalparks mit eindrucksvoller Natur. Soviel ist sicher. Größere Strecken wollen wir per Anhalter fahren. In welche Richtung wissen wir noch nicht.

Im Anschluss…? Wir sind selbst gespannt, wo es uns hin verschlagen wird.

Was Kanada für uns bereit hält.

Die Vorfreude fühlt sich an wie Schmetterlinge im Bauch. Sie kribbelt.

 

INASKA – die Eier legende Wollmilchsau unter den Sportbikinis

INASKA – die Eier legende Wollmilchsau unter den Sportbikinis

Eigentlich. Ja, eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Dass ein Sportbikini das hält, was er verspricht. Also eben beim Sport „hält„. Sollte man meinen. Meiner Erfahrung nach ist es das aber ganz und gar nicht. An irgendeiner Stelle verrutscht oder löst sich beim Surfen, Paddeln, Yoga, Joggen oder Beachvolleyball dann doch immer was. Und wenn wirklich mal alles an Ort und Stelle gehalten wird, drückt, zwickt oder scheuert es garantiert irgendwo – oder die Optik ist so, dass ich am liebsten was über den Bikini drüber ziehen würde.

Bis vor einem Jahr noch ging ich fest davon aus, dass es DEN perfekten Bikini nicht gibt. Und heute? Heute besitze ich gleich zwei davon!

Wie eigentlich jede Saison suchte ich vor unserer Abreise nach Australien wieder nach einem funktionalen und gleichzeitig ästhetischen Bikini. Dabei stieß ich auf die junge Marke INASKA. Deren Gründerinnen Katharina & Franziska – selbst aktive Sportlerinnen – sahen sich lange Zeit mit demselben Problem konfrontiert: was toll aussieht, gibt meist keinen richtigen Halt, verrutscht ständig oder kneift. Also entschieden sie, selbst aktiv zu werden und das Problem ein für allemal zu lösen! In enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Designern und europäischen Herstellern entwickelten sie von Grund auf ihre eigene Bikini-Kollektion.
Das Ergebnis sind hochfunktionale Sportbikinis in umwerfend coolen Designs, die nicht nur höchsten Tragekomfort bieten, sondern dabei auch noch starken Halt mit maximaler Bewegungsfreiheit vereinen.

DER BIKINI

Im Gegensatz zu herkömmlichen Bikinis kommen alle INASKA-Modelle ohne jegliche störende Schnallen, Knoten oder Bügel aus. Dadurch drückt, scheuert und reibt schonmal nix. Anders als bei Neckholder-Bikinis lassen sich die Träger der Modelle WILD, CHILL und STRONG durch den innovativen 4-Wege-Rücken individuell und bei jedem Tragen anders einstellen. Eben je nach Tagesform und Anforderung. Gerade wenn man wie ich einen rundgeformten Skoliose-Nacken hat und deshalb sehr druckempfindlich im Nackenbereich ist, ist das Gold wert. Ich trage meinen super bequemes WILD-Top am liebsten zum Yoga, beim Scchwimmen und Tauchen sowie zum Stand-up Paddling. Und überhaupt ersetzt es in meinem Rucksack den Sport-BH. Denn durch die flexibel einstellbaren Träger drückt auch unter den Rucksackriemen nichts auf den Schultern.

Dahingegen ist mein Top FREE mit stabilem T-Rücken das Oberteil meiner Wahl, wenn ich maximalen Halt bei schnellen Bewegungen wie beim Beachvolleyball, Surfen oder beim Wellen planschen brauche. Gut aussehen tun sie dank ihres schlichten und dennoch schicken Designs sowieso beide!

DAS BESONDERE

Die Verwendung eines hochwertigen Stoffes mit besonders hoher Stoffdichte – und damit besonders hoher Stabilität – macht die Bikinis besonders widerstandsfähig und langlebig. Ich trage meine beiden Bikinis nun schon fast ein Jahr lang fast täglich und beide sind immer noch top in Form und auch an den kritischen Stellen Dekolletee und Po null ausgeleiert. Das schont auf die Dauer nicht nur meinen Geldbeutel (Set mit Top ab 39,50 € + Hose 35, 50 €), sondern vor allem auch unsere Umwelt! Apropos Umwelt – hier kommen wir zu meinem Lieblings-Aspekt:

DIE INASKA MARKENPHILOSOPHIE

Besonders wichtig ist den Mädels von INAKSA nämlich eine nachhaltige und klimafreundliche Produktion: ihre Kunstwerke lassen sie ausschließlich in Europa produzieren – das garantiert kurze Transportwege und faire Arbeitsbedingungen. Außerdem bieten sie – ohne Aufpreis – cO²-neutralen Versand weltweit und verwenden ausschließlich recyceltes und wiederverwertbares Verpackungsmaterial (kein Plastik!). Den Paketen liegen obendrauf ein super praktischer und umweltfreundlicher Stoffbeutel bei. Für umme. Obendrauf spenden sie dann noch für jedes verkaufte Produkt 20 Cent an eine Umweltorganisation! Ist das genial oder ist das genial?!

DAS NONPLUSULTRA

Der Stoff jedes INASKA Bikinis besteht aus ECONYL® Garn, welches zu 100% aus recycelten alten Fischernetzen, Teppichresten und diversem Plastikmüll, welcher aus dem Meer gefischt wurde, hergestellt wird. Wie cool ist das denn bitte? Mir persönlich gibt das Sein am und im Meer sehr viel und ich bin eine totale Wassernixe. Im Ozean und unterwasser fühle ich mich frei und lebendig und tauche jedesmal ein in eine andere, spannende Welt. Deshalb bedeutet es mir viel, dass ich durch das Tragen eines upgecycelten Bikinis, für den schädlicher Müll aus dem Ozean entfernt wurde, der Umwelt etwas zurück geben kann! Gut für die Umwelt = gut für mich!

Mein Fazit:

Die schicken, funktionalen und umweltfreundlichen Multitalente von INASKA sind von meiner Packliste nicht mehr wegzudenken und haben voll und ganz mein Herz erobert!

#lieblingsstücke #rucksackheld #eierlegendewollmilchsauimbikini

 

Offenlegung: Meine beiden Bikinis wurden mir von INASKA überlassen. Meine Begeisterung für das Produkt und die Marke dahinter wäre allerdings nicht weniger groß, hätte ich den vollen Preis für die besten Sportbikinis bezahlt, die mir bisher zwischen die Finger gekommen sind! Denn meiner Meinung nach sollten noch mehr aktive Bikini-Mädels von diesen nachhaltigen, funktionalen und optisch ansprechenden Sportbikinis erfahren.

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Nachdem wir die erste Jahreshälfte von Patagonien bis nach Kolumbien quer durch Südamerika reisten, verbringen wir die Sommermonate komplett in good old Germany. Also eigentlich nichts, worüber wir auf einem Reiseblog schreiben können. Wir tun es trotzdem – weil wir hier in unserer Plauderecke tun können, was wir wollen und weil es uns auch in Deutschland nicht langweilig geworden ist:

JULI

Während Biene im Juli voll in die Planung unserer Hochzeit einsteigt, genießt Uli es, mal wieder seine Arbeitshose anzuziehen und sich handwerklich betätigen zu können. An den Wochenenden verbringen wir soviel Zeit wie möglich mit unseren Freunden und Familien, die wir so lange nicht gesehen haben. So grillen wir u.A. in Seedorf, in Aichhalden und in Rottenburg am Neckar, trinken Kaffee im Kraichtal, essen Sushi in Düsseldorf und picknicken zu Ballett im Suttgarter Schlosspark. Eine Reihe festlicher Anlässe gibt es im Juli auch: wir feiern den 1. Geburtstag und die Taufe von Uli’s Nichte, die Hochzeit von Biene’s langjährigster Freundin und zum Monatsende wird Uli’s Abschied vom Junggesellendasein legendär gefeiert.

AUGUST

Der August steht dann auch ganz im Zeichen unserer eigenen nahenden Hochzeit. Mit 6 Wochen bis zu dieser geht es so langsam an die 1.001 kleinen Details… Zum Glück finden wir viel Inspiration und Anregungen für diese in der raffinierten Wedding Box.

Neben Biene’s tollem Junggesellinnenabschied steht im Zuge unserer Hochzeit im August noch ein Fest vorab an: unser Polterabend! Kurzerhand werden Hof und Garten von Uli’s Eltern von uns zur Festplatzanlage hergerichtet und wir feiern eine herrliche Gartenparty! Das Schönste daran ist, dass wir einen Abend lang so viele Menschen um uns haben, die uns alle einen Teil unseres Lebens begleitet haben und uns wichtig sind: so feiern neben Jahrgängern, Freunden aus Kinder- und Jugendtagen, Familie, Sportkameraden und Ex-Arbeitskolleginnen auch unsere auf der Kreuzfahrt nach Brasilien neu gewonnen Freunde Francisca & Joachim sowie Petra mit uns. Francisca & Joachim reisen sogar eigens für unseren Polterabend für eine Nacht aus Hamburg an! Der Wahnsinn! Wir freuen uns sehr, all unsere Gäste zu sehen und schaffen es trotzdem kaum, mit allen annähernd ausgiebig genug zu quatschen…was vielleicht auch daran liegt, dass wir einen guten Teil des Abends mit Besen und Schaufel bewaffnet Scherben zusammen kehren. Aber wenn’s Glück bringt…alles so, wie es sein muss!

SEPTEMBER

Jetzt rückt mit großen Schritten unsere Hochzeit näher…und wir sind ohne in Hektik zu verfallen ganz gut mit den finalen Vorbereitungen ausgefüllt. Davor kommen uns Biene’s Patenkinder noch für drei herrliche Tage besuchen und wir beide radeln einen Tag nach Stuttgart. Wir haben einfach keine Lust mehr auf die dauerverstopfte A8 und ein bisschen Bewegung tut schließlich immer gut.

Und dann ist sie da: unsere Hochzeit! Dieser eine, erwartungsvolle Tag, auf den wir monatelang hingefiebert und vorbereitet haben. Und unser Tag ist noch viel schöner, als wir uns das hätten ausmalen können. Über unsere Hochzeit haben wir ja bereits einen extra Artikel geschrieben. Wir möchten uns jetzt auch nicht wiederholen. Nur eins wollen wir an dieser Stelle nochmal los werden: mit all den genialen Überraschungen hätten wir nie gerechnet – sei es das plötzlich aus Akkordeon und Trompeten erklingende Ave Maria in der Hochzeitskirche, das Crépes-Mobil beim Sektempfang oder die kreativen Programmpunkte und so viel mehr: wir feierten unsere persönliche Traumhochzeit und hatten ein unvergessliches Wochenende! Dazu machten es unsere wundervollen Freunde, unsere kreativen Familien und unsere perfekten Trauzeugen! Danke! Ihr seid einfach die Besten!

Nach unserer Hochzeit nehmen wir uns 2 Tage Zeit für uns. Zeit, um die einmaligen Erlebnisse zu reflektieren und für immer im Gedächtnis zu speichern. Wir sind immer noch voller Glücksgefühle und die halten auch noch an, lange nachdem wir all die wundervollen Geschenke auspacken und die Karten lesen.

Wenige Tage später bekommen wir unerwarteten Besuch: der Argentinier Paco, bei und mit dessen Bruder Alejandro und seiner Familie wir eine Woche lang auf Feuerland leben durften, tourt mit einem Freund auf dem Motorrad durch Europa. Es versteht sich von selbst, dass wir die beiden zu uns einladen und einen Tag mit ihnen fahren. Wir zeigen ihnen die schönsten kurvigen Sträßchen durch den Schwarzwald – und natürlich die weltgrößte Kuckucksuhr!

Dann geht es in großen Schritten direkt weiter: es ist die Einschulung von Biene’s Patentochter. Zeitgleich findet in Enzberg das jährliche Faustballfest statt, bei dem Uli natürlich mit auf dem Platz steht. Und so langsam beginnen wir auch wieder mit Reisevorbereitungen. Nur noch 6 Wochen bis zu unseren Flitterwochen!

OKTOBER

Bevor wir allerdings am 22. Oktober nach Thailand aufbrechen, haben wir noch einiges vor: Zum Monatsanfang feiern wir Biene’s Geburtstag mit einem vergnüglichen Tag im Freizeitpark und einer coolen Überraschungsparty. Im Anschluss machen wir uns reise-fit: wir aktualisieren und stocken unsere Ausrüstung auf, machen die routinemäßigen medizinischen Check-ups, erneuern unsere Auslandskrankenversicherung und Biene frischt ihr fotografisches Wissen bei einem Fotokurs auf. Und dann ist die letzte Woche vor unserem Abflug auch schon da. Wieder einmal verabschieden wir uns von Familie und Freunden. Am 22. Oktober steigen wir – noch etwas angeschlagen von der spontanen Abschiedsparty nachts zuvor – freudestrahlend und in Erwartung der neuen Abenteuer, die vor uns liegen, in den Flieger. Dass wir in unseren Flitterwochen anstelle eines exklusiven Resort-Urlaubs backpackend Insel-Hopping in Thailand’s Süden gemacht haben, wisst ihr bereits, wenn ihr den Post über unsere Flitterwochen in Thailand gelesen habt.

NOVEMBER

Am 8. November sind unsere Flitterwochen zu Ende. Und unsere Flittermonate downunder starten. 😉
Australien empfängt uns im Landeanflug auf Perth mit einem glühend roten Sonnenaufgang! Was für eine Begrüßung. Es fühlt sich gut an, wieder Fuß auf den roten Kontinent zu setzen. Mit dem Flughafenbus kommen wir super einfach ins Stadtzentrum und von dort zu Fuß zu unserem für 2 Nächte gebuchten Hostel. Nach einem guten Kaffee und einer Dusche gehen wir los zu einer ersten Erkundungtour. Alles ist uns vertraut. Das typische australische Straßenbild, die schattenspendenden Überdachungen der Gehsteige und „Hotel“ heißende Pubs. Wir erkennen Gebäude und Parks wieder; wissen, in welchen Supermärkten wir frischen Saft und wo wir gutes Fleisch kaufen und dass wir unsere Trinkflaschen an Trinkbrunnen auffüllen können. Anders als bei unserer Ankunft in Darwin vor 2 Jahren trifft uns der gewaltige Preisunterschied zwischen Südostasien und Australien dieses Mal nicht so hart – aber wir verbringen dieses Mal davor ja auch nur 2 Wochen in Thailand und nicht 8 Monate in Südostasien. Auch sonst läuft alles wie am Schnürchen: Schon nach 2 Tagen ziehen wir in eine WG mit einer sympathischen Australierin. Da sind wir bereits stolze Autobesitzer! Wie schon vor 2 Jahren fällt unsere Wahl auf einen Mitsubishi Challenger – bei dem Modell kennt Uli sich jetzt schon bestens mit den mechanischen Feinheiten aus. Außer einer grundlegenden Tiefenreinigung braucht unser neues allradgetriebenes Fahrzeug auch nicht viel, um vom Vorstadt-Zweitwagen zum mobilen Heim umgerüstet zu werden. Zwischen Auto putzen und aufrüsten machen wir noch einen Tagesausflug nach Rottnest Island: hier leben Quokkas – die wohl putzigsten Tierchen ever!

Kaum sind die letzten Hundehaares des Vorbesitzers aus unserem Auto entfernt; die Innenausstattung wie Matratze, Küchenutensilien etc. gekauft; ein Regal eingebaut und die Scheiben abgedunkelt, geht die Fahrt auch direkt los: Innerhalb von nur 3 Tagen Jobsuche erhalten wir mehrere gut klingende Angebote und so besteht die größte Schwierigkeit diesmal für uns darin, uns für eines davon zu entscheiden. Und das fällt uns wahrlich nicht leicht! Nach viel Abwägen und Hin- und Her-Gerissenheit ist auch das geschafft. Gewonnen hat das australische Outback: eine große Rinderfarm im abgeschiedenen tropischen Norden Australien’s. In unseren Köpfen haben wir das Bild der letzten Farm, auf der wir arbeiteten. Nur etwa zwanzig Nummern größer: denn auf dieser Rinderfarm werden auf einer Fläche von 600.000 Hektar an die 20.000 Rinder gehalten. Das Farmgelände ist so riesig, dass es in 3 eigenständige Gehöfte unterteilt ist:

  • das Hauptgut, auf dessen 400.000 Hektar der Großteil der Rinder umher streifen,
  • das vom Haupthaus 3 Stunden Fahrt entfernte Gut in Strandnähe, auf dessen 200.000 Hektar Weideland hauptsächlich die jungen Rinder grasen – und wo wir eingesetzt werden sollen
  • die von dort nochmal 80 km weiter entfernte Außenstation mit Bewässerungsanlagen. Hier wächst auf 300 Hektar saftig grünes Gras. Ein starker Kontrast zum kargen Steppengras der übrigen Weiden. Auf den bewässerten Paddocks stehen die Rinder zur Endmast. Gleichzeitig wird von diesen Wiesen Heu gemacht, um es während Dürren den Herden der beiden anderen Anlagen zufüttern zu können.

Also machen wir uns auf den 2.000 km langen Weg dorthin. Leider zeigt sich nach unserer Ankunft aber ein etwas anderes Bild: Wallal Downs ist nicht wie die vorige Farm familien-geführt, sondern gehört einem Millionär aus der Stadt. Geleitet wird sie von einem General Manager. Die meisten Angestellten bleiben nicht viel länger als ein Jahr und irgendwie ist hier von den Verwaltern bis zum Gärtner keiner richtig heimisch. Und das spürt man. Hinzu kommt, dass die Arbeit für uns unzufrieden stellend ist: nachdem uns der General Manager so schnell wie möglich hier haben wollte, scheint der Gutsverwalter nun nicht so recht zu wissen, welche Arbeit er uns auftragen soll. So stehen wir in der ersten Woche viel rum oder machen zu Dritt Jobs, die eigentlich Ein-Mann-Aufgaben sind. Pferde gibt es auch keine. So hadern wir die ersten 10 Tage mit unserer Entscheidung, uns für dieses Angebot entschieden zu haben.

Zum Glück ist wenigstens der Eighty Miles Strand nur 2 km von unserem Cottage entfernt. Zwar können wir aufgrund der Krokodile und Haie hier nicht im Meer baden, aber um diese Jahreszeit kommen nachts bei Flut Meeresschildkröten zur Eiablage an Land. Mehrmals haben wir das Glück, den bis zu 150 kg schweren Tieren zusehen zu dürfen, wie sie sich mit Mühe den Strand hoch ziehen, mit vollem Körpereinsatz Nester graben, Eier legen, dann mit ihren Hinterflossen die Nester fast liebevoll mit Sand bedecken und solange Sand darauf schaufeln, bis das Nest nicht mehr zu erkennen und so bestmöglich vor natürlichen Feinden geschützt ist.

DEZEMBER

Anfang Dezember ergibt sich für uns zum Glück ein anderer Einsatzbereich auf der Farm: das Verwalterpaar der Bewässerungsanlagen fährt für 6 Wochen in Urlaub. Und wir sollen es vertreten! Abgesehen davon, dass das für Biene – anders als vor Arbeitsantritt vereinbart – auch Haushalts- und Küchenarbeit einschließt, bringt der Umzug hauptsächlich Positives für uns. Die ersten beiden Wochen ist das Verwalterpaar noch vor Ort und zeigt uns die täglichen Abläufe und alles Nötige. Ab Mitte des Monats sind dann nur noch wir beide und unser australischer Kollege Dan auf der Anlage. Jetzt können wir endlich arbeiten 🙂

Uli fährt größtenteils Traktor und mäht, schwadert oder häckselt Gras. Dazwischen verbringt er auch viel Zeit in der Werkstatt, um die recht alten Maschinen zu reparieren und instand zu halten. Biene ist währenddessen für das leibliche Wohl von uns Dreien verantwortlich. Das heißt hauptsächlich Brot backen, salzige Snacks und süße Naschereien für die Vesperpausen bereit halten, Mittagessen vorbereiten und Abendessen kochen. Das Fleisch stammt dabei von der Farm selbst. Für alle ungekühlt lagerbaren Lebensmittel gibt es einen begehbaren, randvoll gefüllten Vorratsraum. Frische Lebensmittel kommen nur alle 14 Tage per LKW aus dem 2.000 km entfernten Perth! So abgelegen ist die Farm. Da wir ja nur drei Personen sind (außer wenn gelegentlich Mechaniker für einige Tage auf der Anlage sind oder Dienstleister über Nacht bleiben), bleibt ihr neben der Arbeit im Haus noch genug Zeit, um ebenfalls alle paar Tage was auf dem Traktor oder mit dem Frontlader zu arbeiten. Nebenbei ist sie für die Baum- und Rasenpflege der noch ziemlich neuen (und kargen) Anlage verantwortlich. Und macht die Büroarbeit. Unser Kollege Dan kümmert sich hauptsächlich darum, dass die Rinder immer auf den richtigen Paddocks grasen, dass die Bewässerungsanlagen funktionieren und kommuniziert mit dem General Manager.

Die Arbeit macht uns hier einiges mehr Spaß als am Gutshof – wir wissen, was zu tun ist und können selbständig arbeiten. So geht der Arbeitstag, der für uns jeden Morgen um 6 Uhr beginnt und um 17 Uhr endet (bzw. für Biene um 19 Uhr, wenn das Abendessen auf dem Tisch steht) schneller vorbei. Und befriedigender als Beine-in-den-Bauch-stehen ist es allemal. Es ist gut, abends zu sehen, was wir tagsüber geschafft haben! Meist ist das eine ganze Menge.

Und dann steht plötzlich schon Weihnachten vor der Türe! Heilig Abend machen wir früher Feierabend und die Küche bleibt kalt. Zur Feier des Tages schenkt uns der Himmel einen glutroten Sonnenuntergang, den wir zusammen mit Dan bei einem Weihnachts-Picknick und eisgekühlten Drinks am Strand genießen. Die beiden Weihnachtsfeiertage haben wir frei. Wir beide fahren für eine Nacht ins 420 km entfernte Broome. Hier campen wir – in derselben Düne wie vor 2 Jahren – am goldgelben Cable Beach und genießen bei BBQ und mit den nackten Zehen im Sand tropische Weihnachten. Was das heißt? Das heißt, dass Uli die Nacht lang kaum ein Auge zu macht und am nächsten Morgen schweißgebadet ist – weil es hier um diese Jahreszeit – Regenzeit – auch nachts nicht unter 30 Grad abkühlt und unser Auto anders als unser Zimmer auf der Farm keine klimatisierten 24 Grad hat… Schön war es trotzdem!

Da die Regenzeit gleichzeitig auch die Hurrikan-Season ist, stehen direkt nach Weihnachten statt dem Tagesgeschäft ungeplant dringend andere Arbeiten an: der erste Hurrikan der Saison hat sich angekündigt. Jetzt muss schnellstens alles niet- und nagelfest gemacht werden. Uli und Dan sind 2 Tage lang mit Festzurren der Bewässerungsanlagen, Verschweißen von Seecontainern und Sichern von Maschinen beschäftigt. Im Endeffekt schwächt sich der Hurrikan dann kurz vor der Küste ab und bringt außer einem Nachmittag mit heftigem Wind nur gerade genug Regentropfen, um den roten Sand zu befeuchten. Aber das kann eben keiner vorher sagen.

An Silvester neigt sich das Jahr schließlich seinem Ende zu. Wir planen einen unspektakulären Jahresausklang: Zur Feier des Tages lädt uns Dan ins 40 km entfernte Roadhouse zum Abendessen ein. Im Anschluss wollen wir Zwei uns um 21 Uhr das riesige Feuerwerksfestival von Sydney im Fernsehen anschauen (die Ostküste ist der Westküste 3 Stunden voraus) und um Mitternacht vielleicht noch mit einem Glas Wein anstoßen. Daraus wird so aber nichts… Nach dem Essen im Roadhouse lädt uns der dortige Koch Rob zu sich auf die Veranda ein – und bei Musik, Tequila, vielen Geschichten aus aller Welt und aus allen Lebenslagen, Bier und viel Gelächter amüsieren wir Vier uns so sehr, dass wir glatt Mitternacht verpassen und bis in die frühen Morgenstunden hinein quatschend unter’m Sternenhimmel sitzen!

Und so findet dieses Jahr seinen überaus gebührenden Abschluss!

2017 war für uns rundherum ein grandioses, sehr ereignisreiches und glückliches Jahr. Es hielt so viele einmalige Momente und Erlebnisse für uns bereit! Für 2018 wünschen wir uns daher ganz bescheiden nur ein: dass es nicht weniger gut wird als das Jahr zuvor 😉

Jahresrückblick 2017 – Teil 2

Jahresrückblick 2017 – Teil 2

Nachdem wir Euch im 1. Teil unseres Jahresrückblickes 2017 berichtet haben, was wir von Januar-März erlebt haben, geht es hier nun weiter mit dem 2. Quartal 2017. Diese Monate halten einige der Highlights unseres Südamerika-Trips für uns bereit:

APRIL

Die erste Hälfte dieses Monats steht voll und ganz im Zeichen des Wanderns. Unsere erste Wanderung absolvieren wir im Colca Canyon: Dieser Canyon ist mit einer Tiefe von 3.269 Metern der zweittiefste Canyon der Welt. Noch tiefer ist nicht etwa der Grand Canyon (der ist lediglich 1.800 Meter tief) , sondern nur der nahe Cotahuasi Canyon. Einen Tag lang steigen wir in den Canyon ab, den zweiten Tag laufen wir am Boden der Schlucht entlang und dann geht es am 3. Tag wieder hinauf. Die Höhenunterschiede machen sich beim Wandern nicht nur in knacksenden Knien und in Oberschenkeln so weich wie Wackelpudding bemerkbar, sondern auch an den Temperaturen: Verfluchen wir am frühen Morgen vor unserem Start auf 3.287 Metern noch die kalte Dusche im Hostel, ist es am selben Abend an unserem Etappenziel – die 2.100 Meter tiefer liegenden Oase Sangalle – soviel wärmer, dass wir zu gerne in den von Palmen gesäumten Swimming Pool springen. Genauso gerne lassen wir uns am nächsten Tag in die heißen Quellen neben dem Fluss am Boden der Schlucht gleiten, um unsere von Muskelkater steifen Muskeln zu entspannen, bevor es sm dritten Tage wieder 1.400 Meter hinauf geht.

Die dreitägige Wanderung dient uns auch zur Akklimatisierung an die Höhenluft: nach einem kurzen Abstecher in Peru’s „weißer Perle“, wie die Stadt Arequipa auch genannt wird, verbringen wir einige Tagen in der wunderschönen und kulturell spannenden Altstadt von Cusco.

Von dort brechen wir auf zur längsten Mehrtageswanderung unseres Südamerika Trips.

Hier deren Rahmenbedingungen:

  • 9 Wandertage,
  • 3.810 Meter Höhenunterschied
  • 120 Kilometern Länge,
  • Überquerung von 2 Bergpässen über 4.000 Meter,
  • höchster Punkt auf 4.670 Metern,
  • Start in Cachora, Endziel Aguas Calientes (Machu Picchu Pueblo),
  • Wetter und Temperatur je nach variierender Höhenlage von tropisch schwül über mäßig angenehm bis kalt und regnerisch,
  • unterwegs kaum bis keine touristische Infrastruktur.

Warum wir diesen Weg zu Machu Picchu wählen? Zum einen, weil wir die erst in den 1970ern ausgegrabene Inkastadt Choquequirao besuchen wollen. Dorthin gibt es keine geteerten Straßen, keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und keine Taxis. Choquequirao liegt extrem abgelegen auf einer steilen Bergkuppe. Tatsächlich sind die Ruinen von Choquequirao noch so unerschlossen, dass nur ein mehrtägiger Fußmarsch auf schmalen Muli-Bergpfaden einen dorthin bringt (noch! Glaubt man den lokalen Gerüchten, soll Choquequirao zur „Schwester von Machu Picchu“ ausgebaut werden). Zum anderen wollen wir uns Machu Picchu verdienen. Wir wollen keinen Tagesausflug dorthin unternehmen und in wenigen Stunden durch die Ruinen hetzen, nur um sagen zu können, dass wir auch dort waren. Die Inkas hatten einen ausgeprägten Sinn für die Ästhetik der Landschaft in ihrer Architektur und all ihre Stätten liegen an atemberaubend schönen Flecken. Und die wollen wir ausgiebig bewundern. Also gehen wir zu Fuß. Es wird die anstrengendste Wanderung unseres Trips!

Den ersten Tag wandern wir 6 Stunden bergab, am zweiten geht es ausschließlich bergauf. An beiden Tagen zusammen machen wir aufaddiert mehr als 3.000 Höhenmeter. Am 3. Tag unserer Wanderung erreichen wir Choquequirao! Wir haben die Ruinen ganz für uns und dürfen sogar mitten auf den Terrassen unser Zelt aufschlagen. Wir erkunden die Überreste der historischen Bauten, Mauern und Terrassen und sind beeindruckt, mit welcher Raffinesse und wieviel Wissen die Inkas diese Stätte im 15. Jahrhundert geschaffen haben.

Weiter führt uns ein steiler Bergpfad vorbei an Minenschächten, in denen noch von Hand Gold geschürft und auf Eseln abtransportiert wird. Inzwischen sind wir in jede Himmelsrichtung mindestens 2 Tage Fußmarsch von der nächsten Straße entfernt. Die folgenden Tage sind ein stetes Auf und Ab. Der höchste Pass mit 4.670 Metern Höhe verlangt uns alle Kraft ab. In dieser Höhe ist die Luft ziemlich dünn. Mit jedem Atemzug versuchen wir so viel Sauerstoff wie möglich in unsere Lungen zu pumpen. Wie in Zeitlupe setzen wir einen Fuß vor den anderen. Alle paar Meter müssen wir anhalten, nach Luft schnappen. Schon ein Schluck aus der Wasserflasche bringt uns aus der Puste. Aber wir schaffen es! Gemeinsam erreichen wir die Passhöhe. Wir sind tierisch stolz auf uns: Darauf, dass uns unsere Beine hier hoch getragen haben. Und wir aus eigener Kraft soweit oben stehen. Diese Wanderung von Choquequirao nach Machu Picchu ist jede Anstrengung wert und lohnt sich auf jedem Meter. Eine Tagesetappe später müssen wir unsere Wanderung 2 Tage vor Aguas Calientes allerdings abbrechen. Ein Steinschlag hat die Hängebrücke über einen reißenden Fluss und eine tiefe Schlucht beschädigt und das Gebiet ist abgesperrt. Also nehmen wir einen Umweg über  Hidroelectrica. Von hier nach Aguas Calientes muss jeder laufen. Oder die 18 USD teure Zugfahrt nach Aguas Calientes bezahlen. Wir laufen natürlich und schaffen die 10 km lange Strecke entlang der Bahngleise in 3 Stunden. Endspurt!

Dann sind wir da: am Michu Picchu. Oder besser in Aguas Calientes, dem Ausgangsort am Fuße des Berges. Ein Dorf, das ausschließlich für und wegen der Scharen an Touristen gebaut wurde, die jeden Tag hierher strömen. Souvenirshops reihen sich an Massagesalons und Boutiquen mit Alpaka-Pullovern, dazwischen finden sich Restaurants jeder Landesküche und Preisklasse. Marktschreier versuchen mit Happy Hour Angeboten und Gratis Drinks die vorbei gehenden Touristen in ihre Restaurants zu lotsen. Nach Peru’s ursprünglichem Bergland finden wir hier den krassen Gegensatz zu den einfachen Bauernhäusern aus Lehm mit Meerschweinchen im Wohnraum. Wir sind im ersten Moment von dem Trubel etwas überfordert. Aber Aguas Calientes hat auch sein Gutes: Nach 8 Tagen auf Wanderung mit einfacher Campingküche haben wir einen Bärenhunger. Also gehen wir erstmal Pizza essen. Dann essen wir peruanisch. Und einen Burger. Zum Nachtisch gönnen wir uns noch Eis. Alles an einem Abend! Ganz entgegen unserer sonstigen Gewohnheit greifen wir in Aguas Calientes auf das (Über-)Angebot internationaler Speisen zurück. Authentisch peruanisch ist – zumindest auf der Touri-Meile – hier eh nichts. Und die schiere Anzahl an Restaurants drückt zur Nebensaison mächtig die Preise. Meist bekommen wir zum Essen einen Pisco Sour (DER peruanische Nationalcocktail) gratis dazu.

Machu Picchu selbst sehen wir am nächsten Tag leider zuerst nur verschwommen: die Wolken hängen so tief, dass ein Großteil der Stätte darin verschwindet. Es regnet außerdem so stark, dass wir bereits nach dem zweistündigen Aufstieg trotz Regenkleidung bis auf die Unterwäsche durchnässt sind. Wir harren selbstverständlich dennoch aus. Die Hoffnung auf eine sich lichtende Wolkendecke nicht aufgebend, klettern wir in 1,5 Stunden auf den höchsten Berg des Areals, Machu Picchu Mountain. Von hier aus lässt sich ganz Machu Picchu überblicken. Eigentlich. Wir sehen nur grau. Die Enttäuschung ist riesengroß. …Hier oben stehen, auf diese mysteriöse Stadt zu blicken, die den Wissenschaftlern bis heute Rätsel aufgibt und von der niemand mit Sicherheit weiß, warum sie erbaut, wozu sie genutzt und weshalb sie verlassen wurde – wie lange haben wir davon geträumt. Machu Picchu war ein Inbegriff Südamerika’s für uns. Aber so ist das eben auf Reisen: Immer Glück haben geht nicht. Und die tief hängenden Wolken verleihen dem Ruinen eine fast schon mystische, geheimnisvolle Atmosphäre. Rechtzeitig mit unserer Ankunft am Sonnentor reißt die Wolkendecke dann doch noch etwas auf uns wir erblicken Machu Picchu in seiner ganzen beeindruckenden Pracht.

Mehr Glück mit dem Wetter haben wir einige Tage später. Von Cusco aus machen wir uns auf zu den Cerros Colorados – die bunten Berge. Nach einem anstrengenden Aufstieg auf 5.200 Meter (nebenbei unser persönlich erlaufener Höhenrekord!) blicken wir tatsächlich auf regenbogenfarbene Berge! Unglaublich, was unsere Natur für Schätze bereit hält. Es ist Ostersamstag und statt bunten Ostereier bestaunen wir bunte Berge… Ein guter Deal, wie wir finden. Erst auf unserem Abstieg beginnt es zu schneien.

Ostersonntag und – montag verbringen wir im Bus. In einer 24-Stunden-Hardcore Busfahrt geht es für uns über Lima direkt weiter nach Guayaquil in Ecuador. Zwar hätten wir sehr gerne noch mehr Zeit in Peru verbracht, müssen das aber auf ein anderes Mal verschieben. Zum Einen stehen große Teile des Landes derzeit unter Wasser, zum anderen wartet auf uns bereits das nächste Highlight: am 21. April 2017 fliegen wir für 2 Wochen auf die Galapagos Inseln!

Durch ihre abgelegene Lage 3.000 km vor der ecuadorianischen Küste im Pazifischen Ozean konnte sich Flora & Fauna auf den Galapagos Inseln über Jahrmillionen Jahre hinweg ohne jeglichen Einfluss des Menschen und (anderer) Naturkatastrophen entwickeln. Entstanden ist ein Mikrokosmos, in dem ansonsten ausgestorbene Urtiere und -pflanzen bis heute überlebt haben. Die Galapagos Inseln haben einst Charles Darwin zu seiner damals revolutionären Evolutionstheorie inspiriert. Mit das Tollste: durch das Fehlen natürlicher Feinde haben die Tiere des Archipels keinerlei Scheu vor den Menschen.

Unsere Zeit dort ist schwer mit Worten zu beschreiben, ohne dabei mit Phrasen wie unglaublich, einzigartig, einmalig und Highlight nur so um uns zu werfen. Dadurch mag es abgedroschen klingen – ist es aber Null. Für uns geht mit unserer Reise auf die Galapagos Inseln ein Traum in Erfüllung! Wir erleben zwei unglaubliche Wochen mit einmaligen Erlebnissen, die wir im wahrsten Sinne an keinem anderen Ort dieses Planeten hätten machen können! Und das ist doch wirklich ganz schön WOW!

Das Tollste für uns sind die vielen einzigartigen Tierbegegnungen: Wir schnorcheln mit Seehunden, Adlerrochen und Meeresschildkröten; spüren ganz allein 150 Jahre alte Riesenschildkröten im Wald auf; tauchen mit Hammerhaien; rangeln uns mit Seehunden um die besten Plätze am Strand und auf der Parkbank; schwimmen über schlafende Haie hinweg; sonnen uns neben pechschwarzen Iguanas; sehen unser erstes Seepferdchen, kayaken zwischen Pinguinen und Robben hindurch; beobachten aus nächster Nähe  Pelikane und Kormorane bei der Jagd, Finken beim Kaktus picken und Flamingos beim fischen; sehen neben unseren Booten Mantarochen Salti schlagen und Fische fliegen; dürfen Riesenschildkröten so nahe kommen, dass wir sie atmen hören können und sind Zuschauer beim Balztanz von Blaufußtölpeln. Und das alles in freier Wildbahn!

Zwischendurch klettern wir durch Jahrtausende alte Lavatunnel, sonnen uns an schneeweissen Stränden, planschen in Felsspalten im Süßwasser, suchen Schatten unter Kakteen die doppelt so groß sind wie wir und spazieren entlang pechschwarzer und goldgelber Strände! Wahnsinn! …und in Wirklichkeit noch viel beeindruckender, als wir das hier zusammen gefasst wiedergeben können!

MAI
Im Mai passiert so viel, dass wir jetzt im Rückblick kaum glauben können, wo wir in einem Monat überall waren:
Anfang des Monats neigt sich unsere Zeit auf den Galapagos Inseln ihrem Ende zu. Unsere letzten 4 Tage verbringen wir auf der Insel San Christobal. Diese ist in jeder Hinsicht der krönende Abschluss: Es hat deutlich weniger Tourismus als auf Santa Cruz – wodurch es hier deutlich entspannter zu geht. Die Insel lässt sich aufgrund ihrer geringeren Göße auch besser auf eigene Faust erkunden als die Insel Isabella und die Tierwelt ist noch vielfältiger und artenreicher als auf den anderen beiden Inseln. Wir liegen mit Seehunden zusammen am Strand und spielen im Wasser mit ihnen Stöckchen holen, erleben eine prachtvolle Unterwasserwelt und trinken nicht zuletzt Cocktails mit unseren neuseeländischen Freunden Helena & Alan, die wir auf unserer Tour durch den Salar de Uyuni kennen gelernt haben und hier wieder sehen.

Kurze Bemerkung am Rande: Nicht alles auf den Galapagos Inseln ist paradiesisch. Ausflüge und Transport sind überteuert, die Siedlungen auf den Inseln sind weder nachhaltig noch besonders umweltfreundlich und unserer Meinung nach wird bei weitem nicht genug – und mit den Nationalparkeintrittsgeldern nicht das richtige – zum Schutz dieses weltweit einzigartigen Naturraumes getan! Aber das ändert nichts daran, dass die Tierwelt auf den Galapagos Inseln die Beeindruckendste ist, die wir auf unserer gesamten Reise um die Welt bisher gesehen haben!

Zurück auf dem Festland erkunden wir Ecuador’s Hauptstadt Quito. Diese wurde dank ihrer kolonialen Altstadt mit barocken Prachtbauten, unzähligen Kirchen und gleich mehreren Kathedralen als erste Stadt überhaupt 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Nur 20 km weiter nördlich machen wir mit einem einzigen Schritt über eine in gelber Farbe auf den Boden gepinselte Linie einen großen symbolischen Sprung: wir überqueren den Äquator! Damit sind wir zurück in der nördlichen Hemisphäre! Ein Zeichen dafür, dass unsere Südamerika-Reise langsam aber sicher ihrem Ende zu geht…

Bevor es aber soweit ist, bereisen wir noch ein letztes Land auf dem südamerikanischen Kontinent: über den Landweg geht es weiter nach Kolumbien. Das Lieblingsland vieler Südamerika-Reisender. Da bei uns die Uhr bis zum Abflug tickt, können wir das Land nicht so ausgiebig bereisen, wie wir das gerne möchten. Aber ein bisschen spickeln wollen wir trotzdem. Und die Kolumbianer bleiben uns in bester Erinnerung: sehr gesellig, offen und stolz auf ihr sich wandelndes Land.

Unsere erste Destination in Kolumbien ist eine sehr aromatische: wir verbringen einige Tage in Kolumbien’s Zona de Cafétera – Kolumbien’s Kaffee-Anbaugebiet. Kolumbien ist weltweit größter Erzeuger von Arabica-Bohnen und drittgrößter Kaffee-Exporteur der Welt. Die hier im Hochland angebauten Arabica Bohnen zählen zu den edelsten Bohnen für Spitzenkaffee. Wir testen selbstverständlich so viele Tassen wie möglich und tatsächlich: alle sehr lecker! Neben Kaffee trinken gehen wir auch spazieren. Und zwar im Parque Natural Valle de Cocora: hier erwarten uns die höchsten Palmen der Welt! Und das gleich im doppelten Sinne: mit einer Höhe von 60 bis 70 Metern sind die hier wachsenden Wachspalmen nicht nur das zweithöchste Gewächs der Erde. Durch ihren Standort in den Anden auf einer einer Höhe zwischen 1800 und 3000 Metern wachsen sie noch dazu weit höher als jede andere Palmenart.

Mit unserer Weiterreise nach Cartagena verabschieden wir uns von den Anden und fliegen geradewegs in die Karibik. Hier runden farbenfrohe Häuserfassaden, Straßenkünstler, kleine Straßenstände, hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die auch nachts nicht unter 30 Grad fallen zusammen mit Tropendschungel, Hängematten und Palmen unser Bild von einem äußerst vielseitigen Südamerika ab.

Noch 4 Monaten vorher fegte uns der eiskalte patagonische Wind unerbittlich um die Ohren! In einem halben Jahr haben wir alle Klimazonen unserer Erde durchquert; haben Vulkane, Gletscher, Regenwald, Lagunen und Wüsten bewundert und jeden Tag über die Wunder unserer Erde gestaunt! Südamerika hat uns vom Hocker gerissen! Uns mit seiner fantastischen Natur, seinen großartigen Menschen und seiner Vielfältigkeit überrascht. Uns schon auch mal heraus gefordert. Immer wieder mussten wir unsere Komfortzone verlassen – sei es, um bei 5 Grad schon wieder im Zelt zu übernachten, zur Dusche in den eiskalten Fluss zu springen oder um auf Spanisch Gespräche über den 2. Weltkrieg zu führen. Oder um überhaupt Spanisch zu sprechen. Aber jedes einzelne Mal hat es sich gelohnt! Dadurch wurde unsere Reise durch Südamerika zu einem unvergesslichen Trip! Der nun viel zu schnell und wirklich vorbei ist…

Denn der nächste Kontrast lässt nicht lange auf sich warten: Als Transithub zwischen Europa und Amerika fliegen wir für 2 Tage nach Miami. Hier herrscht ein anderer Ton als im entspannten Südamerika, alles geht streng geordnet zu und auf den breiten Straßen glänzen große Autos deutscher Marken. Und auf einmal sprechen wieder (fast) alle Englisch – wir ertappen uns einige Male dabei, wie wir sagen, wenn wir Yes meinen.

Dadurch haben wir schon die Gelegenheit, uns langsam umzugewöhnen, bevor wir ins Vaterland der englischen Sprache weiter fliegen: Great Britain is calling!
Hier verbringen wir 2 Tage bei und mit Francis – mit ihm reisten wir ganz zu Beginn unserer Weltreise 1 Woche lang durch die Mongolei . Dabei lud Francis uns ein, auf dem Rückweg unserer Weltreise bei ihm vorbei zu kommen – weder er noch wir hätten damals gedacht, dass wir uns erst 3 Jahre später wiedersehen würden….
In seinem Heimatdorf in England’s Norden erwartet uns britisches Landleben wie aus dem Rosamunde Pilcher Film: die Backsteinhäuser des kleinen Dorfes sind eingebettet in saftig grüne Wiesen und Hügel. Samstags trifft sich die Dorfgemeinschaft erst zum Cricket und abends wird im einzigen Pub des Ortes hitzig über Politik diskutiert. Francis selbst wohnt in einem herrlich unrestaurierten alten Gutshof aus dem 19. Jahrhundert, in dem die einzigen Wärmequellen der Kaminofen und viele Tassen Schwarztee mit Milch sind.

Noch britischer ist nur unsere nächste Destination: London! Vier Tage lang erkunden wir das Herzstück Großbritannien’s. Dabei lassen wir keinen Punkt des typisches Touri-Programmes aus: wir besichtigen die Kronjuwelen im Tower of England, stehen bei der Wachablösung am Buckingham Palast in der ersten Reihe, hören den Glockenschlag des Big Bens, suchen am Bahnhof Kings Cross das Gleis 9 3/4, sitzen andächtig in der Westminster Abby und in der St. John’s Kathedrale, spazieren durch den Hyde Park, entlang der Themse und über die Tower Bridge, schlendern über diverse wundervolle Märkte und durch Notting Hill, suchen uns den urigsten Pub für die Übertragung eines Rugbyspiels bei Fish & Chips und einem Pint aus, essen Indisches Curry, fahren mit einem roten Doppeldecker durch die Einbahnstraßen der Metropole und mit der Tube durch deren Untergrund. Zur Abwechslung sind wir einfach mal Zwei unter Tausenden Touristen und genießen es! Vor allem fällt uns auf, wie grün und sauber London ist. Und wie humorvoll die Briten sind. Nur einen Besuch bei Madame Tussaud heben wir uns für den nächsten Besuch auf – damit wir einen Grund haben, nochmal nach London zu reisen.

Unsere letzte Nacht auf britischem Boden verbringen wir – wieder ganz die sparsamen Backpacker – am Flughafen, bevor uns zu guter Letzt früh am nächsten Morgen ein kurzer Flug über den Kanal zurück auf deutschen Boden bringt. Wir sind wieder hier! Daheim! In Memmingen nehmen uns Biene’s Eltern in Empfang. Herzliche „Willkommen Zuhause“-Grillparties, eine wilde Geburtstagsparty und ein cooler Junggesellinnenabschied runden diesen ereignisreichen Maienmonat gebührend ab.

JUNI
Für uns geht es direkt weiter: In Berlin findet das Internationale Deutsche Turnfest statt! Eine Woche verbringen wir mit Uli’s Faustballmannschaft und 100.00 anderen Mitgliedern internationaler Sportvereine in der deutschen Hauptstadt. Tagsüber wird beim Faustball, Yoga, Joggen, Tanzen und diversen anderen Sportangeboten gesportelt und nachts findet in den Schulunterkünften der gesellige Teil statt. Dabei geht es immer sehr lustig zu und an dem ein oder anderen Abend werden auf den Turnfesten schonmal legendäre Erinnerungen geschrieben… So wie an dem einen Abend auf dem Landesturnfest in Heidelberg im Jahr 2006: da lernten wir beide uns nämlich überhaupt erst kennen

Das Schönste am diesjährigen Turnfest ist für uns, dass es – wie schon nach unserer Rückkehr nach 2,5 Jahren Reise ein Jahr zuvor – mit unseren Freunden immer noch so ist, als wären wir nie weg gewesen!

…und damit geht die erste Jahreshälfte 2017 in die 2. über…

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Die Zeit zwischen den Jahren ist ein entspannter Zwischenraum: Alles, was man im aktuellen Jahr tun oder erleben wollte ist geschehen – und wenn nicht, passiert es wohl nicht mehr vor dem nächsten Jahr. Wäre man auf einer Flugreise, wären die Tage zwischen den Jahren der Transit: Man ist aufgebrochen und nicht mehr da, wo man los ging – aber man ist auch noch nicht da angekommen, wo man hin will. Man ist irgendwo dazwischen. Zwischen dem was war und dem, was kommen wird. Total im Hier und Jetzt. Eine ideale Gelegenheit, Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten und Revue passieren zu lassen, was die letzten 365 Tage so geschehen ist. Genau das haben wir gemacht. Weil im Jahr 2017 viel bei uns passiert ist. Und weil vieles davon es bisher noch nicht auf unseren Blog geschafft hat!

Manches davon wisst ihr vielleicht schon von facebook, Instagram oder aus unseren persönlichen Erzählungen, anderes wahrscheinlich noch nicht. Deshalb, Vorhang auf für unser Jahr 2017:

DEZEMBER 2016

Gefühlt fängt das Jahr 2017 für uns bereits einen Monat früher an. Am 1. Dezember 2016 brechen wir auf die 2. Etappe unserer Weltreise auf. Es geht nach Südamerika. Das Kreuzfahrtschiff Costa Fascinosa bringt uns in 3 Wochen von Savona in Italien nach Santos in Brasilien. Dazwischen liegen Stopps in Barcelona, Santa Cruz de Tenerife, Casablanca in Marokko und die ersten spannenden Landgänge in den brasilianischen Städten Recife, Maceió, Salvador de Bahia, Buzios und natürlich als persönliches Highlight in Rio de Janeiro. Dank unserem Polyglott Reiseführer sind wir nach den 7 Seetagen auf der Reise über den Atlantik über jedes der brasilianischen Ziele gut informiert. Auch das Schiff selbst hat einiges zu bieten und so wird bereits unsere Anreise nach Südamerika zur Reise an sich. Wenn wir auch ganz anders reisen, als das sonst unsere Art ist. Wir sehen es mit der Kreuzfahrt so: wir nehmen von der Fahrt mit, was uns gefällt (und wenn wir mal ehrlich sind – wer lässt sich nicht gerne mit 5-Gänge-Abendessen, Sauna mit Meerblick und Open-Air Whirlpools verwöhnen?) und sagen uns bei dem Rest, dass es für uns eine Überfahrt ist.

Da wir die wenigen milden Sommermonate in Patagonien abpassen wollen, wollen wir so schnell wie möglich in den Süden weiter reisen. Aufgrund dessen legen wir nach Sao Paulo nur noch einen Stopp in Brasilien ein: die Wasserfälle von Iguazu. Hier erleben wir gleich das erste Highlight unserer Südamerika-Reise!

Die mächtigen Wasserfälle liegen im Dreiländereck Brasilien-Argentinien-Paraguay und fungieren als natürliche Grenzlinie zwischen Brasilien und Argentinien. Obwohl sie weit weniger bekannt sind, sind die Wasserfälle von Iguazu größer als die Niagarafälle und sind als größter Wasserfall der Welt anerkannt! Auf einer Breite von ganzen 2,7 km fallen an 275 Fällen insgesamt durchschnittlich 7000 m3 Wasser pro Sekunde hinab. Was das heißt, dürfen wir mit eigenen Augen bestaunen: tosende Wassermassen stürzen unaufhörlich brausend in die Tiefe. Weisse Gischt durchnässt unsere Kleidung innerhalb von Sekunden. Der Anblick der mit sprudelndem Wasser gefüllten und von diesem in Jahrtausenden von Jahren gegrabenen Schluchten ist schwer beeindruckend! Hier zu stehen rückt mal wieder die Größe des Menschen im Vergleich zur Natur ins rechte Verhältnis: Winzig kommen wir uns vor! Zum baden lädt es hier eher nicht ein – auch schon nicht, bevor wir ein Krokodil im Fluss entdecken. Wir verbringen je einen Tag auf der brasilianischen und auf der argentinischen Seite der Wasserfälle und finden beide auf ihre Art beeindruckend. Auch das nahe gelegene Vogel-Refugium besuchen wir. Hier lernen wir neue exotische Spezies kennen und sehen andere wieder, die wir bereits aus Zentralamerika kennen. Es ist herrlich, wieder in den artenreichen Tropen Amerika’s zu sein!

In Puerto Iguazu starten wir nicht nur unseren eigentlichen Trip durch Südamerika, sondern auch ein neues Abenteuer: wir wollen zunächst ausschließlich per Anhalter fahren und sehen, wie weit wir so kommen. In den ersten 3 Tagen schaffen wir 2.000 Kilometer. Wir machen mit dieser Fortbewegungsart direkt zu Beginn nicht nur Strecke, sondern auch Freunde. Weihnachten wollen wir eigentlich ausfallen lassen – dank unserem neuen Freund Louis, mit dem wir anfänglich nur einige Stunden mitfahren wollen, kommen wir am 2. Weihnachtsfeiertag aber doch in den Genuss eines (eigens für uns organisierten) original argentischen Asado. Bei dem argentinischen Nationalessen werden auf einem überdimensionalen Grill verschiedenste Schnitte Rindfleisch und Würste zubereitet.

Den Jahreswechsel 2016/2017 erleben wir in Puerto Madryn, an der rauen Ostküste Argentiniens. In dem kleinen Städtchen sind wir tags zuvor nach 2 Tagen Fahrt durch La Pampa (die ihrem Namen alle Ehre macht: 2.000 km gähnende Steppe) mit einem LKW angekommen. Mit unserer Ankunft in Puerto Madryn haben wir Patagonien erreicht. Das erste Sehnsuchtsziel unserer Südamerika-Etappe. Unser erster Eindruck Patagonien’s: wenig bewachsene, von unaufhörlichem Wind gepeitschte raue Steppe mit weiten, spärlich bewachsenen und noch spärlicher besiedelten Ebenen. Dieser Eindruck sollte sich die nächsten 3.000 km in den Süden noch verfestigen. Erwähnten wir den starken Wind?

Puerto Madryn haben wir uns bewusst als erste Destination in Patagonien ausgesucht. Denn hier bietet sich uns eine fantastische Möglichkeit: Schnorcheln mit wilden Seehunden! Mit dem Boot von Lobo Larsen fahren wir frühmorgens zu einer Seehundkolonie und springen 100 Meter vor dieser ins Wasser. Seehunde sind allgemein sehr neugierige und verspielte Tiere und vor allem die Jungtiere sind so zutraulich, dass es nur wenige Minuten dauert, bis wir von halbwüchsigen Seehunden geradezu umringt sind. Sie stupsen uns an, knabbern spielerisch an unseren Flossen und fordern uns zum Spielen auf. Übermütig schlagen sie neben uns Salti im Wasser und auch die bedeutend größeren männlichen Tiere gesellen sich nach einiger Zeit zu uns. Was für ein Erlebnis!

Silvester verbringen wir in internationaler Runde auf dem Campingplatz am Rande des Ortes. Wie es sich für Argentinien gehört starten wir mit einem „Asado“ und Rotwein ins neue Jahr. Prost, 2017 – Jetzt geht es erst richtig los!

JANUAR

An Neujahr verlassen wir Puerto Madryn wieder. Weiter ins Neuland. Unser nächstes Highlight ist der Besuch einer Pinguin-Kolonie, in der sich zu dieser Jahreszeit Hunderttausende Magellan-Pinguine mausern und ihre Jungen aufziehen. Dazwischen liegen windige Nächte im Zelt irgendwo im Nirgendwo und eine Premiere als Anhalter: eine Mitfahrt im Ambulanzwagen.

Weitere windige Nächte und viele Stunden Fahrt in und mit den verschiedensten Fahrern später bekommen wir langsam ein Gefühl für die schiere Weite Patagoniens. Auf der legendären Ruta 40 erreichen wir El Chalten und erhaschen einen ersten Blick auf die majestätische Anden. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und trekken zu den erhabenen Gipfeln des Cerro Torre und des Fitzroy, zu türkis farbenen Gletscherlagunen, Gletscherzungen und zu stillen Bergseen. Inzwischen sind wir durch das einmonatige ständige Tragen unserer Rucksäcke sehr fit und trotz Gepäck flotter unterwegs als die meisten Tageswanderer. Auf den Wanderungen um El Chalten und allen weiteren Wanderungen in Patagonien ist uns unser Rother Wanderführer ein zuverlässiger Ratgeber und Begleiter, den wir allen empfehlen, die Teile dieser Region zu Fuß erkunden möchten! El Chalten erinnert uns sehr an die Skiorte Österreichs und wird uns als eines der gemütlichsten Dörfer mit einigen der schönsten Wanderungen Patagonien’s in Erinnerung bleiben.

Sehr eindrucksvoll bleibt uns auch der Gletscher Perito Moreno eine Tagesreise weiter südlich in Erinnerung. Von diesem können wir uns trotz Eiseskälte mehrere Stunden lang nicht losreißen – gehört er doch zu den wenigen Gletschern weltweit, die noch wachsen. Hier sehen wir also zum allerersten Mal einen Gletscher kalben. Immer wieder lösen sich mehrere Meter hohe Eisberge von der Gletscherfront und fallen mit donnerndem Getöse vor unseren Augen in den Gletschersee, wo der Aufprall mehrere Meter hohe Wellen verursacht.

Mitte Januar wechseln wir über die Grenze ins chilenische Patagonien. Im meistbesuchten Nationalpark Patagonien’s, dem Nationalpark Torres del Peine, wandern wir eine Woche lang auf dem „W-“ und dem „O“-Track zu und um die ikonischen Torres. Von hier bleiben uns nicht nur die weiten Felder voll Gänseblümchen, der massive Grey Gletscher, atemberaubende Landschaftsblicke, die grasenden Guanakos oder die namensgebenden Torres del Peine in Erinnerung – sondern auch und vor allem unsere Begegnung mit Joana und ihrer Familie. Was wie eine der unzähligen netten Fahrten per Anhalter kurz hinter der abgelegenen chilenischen Grenze Cerro Castillo beginnt, wird zu etwas Besonderem, als uns Joana 45 Minuten, nachdem sie uns abgesetzt hat, wieder aufsammelt und zu sich nach Hause einlädt – weil es ihr keine Ruhe lässt, dass wir bei starkem Wind und von Pumas umgeben mitten in der Pampa unser Zelt aufschlagen wollen. Wir verbringen mehrere Tage bei und mit ihr, ihrem Mann Juan und ihren beiden Töchtern auf der Estancía und lernen, dass in Patagonien die chilenische Gastfreundschaft der argentinischen in nichts nach steht.

FEBRUAR

Zum Monatsanfang erreichen wir das Ende der Welt. Genauer gesagt, die südlichste Landmasse jenseits der Antarktis. Hierhin bringt uns eine sehr spontane Fährfahrt mit dem wöchentlichen Versorgungsschiff (das eigentlich Monate im Voraus ausgebucht ist). Entlang enger Fjorde und mehrerer Hängegletscher erreichen wir nach 3 Tagen Fahrt durch das unwirtliche Fjordland den Beagle Kanal. Hier fuhr einst schon Charles Darwin entlang. Im gleißend roten Sonnenuntergang kommen wir an diesem Abend von Delfinen begleitet an unserem nächsten Sehnsuchtsziel an: Vor uns liegt Feuerland!

Hier auf der chilenischen Isla Navarino liegt Puerto Williams, der südlichste Ort der Welt. Denn auch wenn die Argentinier das bessere Marketing betreiben und ihre Stadt Ushuaia auf der gegenüberliegenden Seite des Beagle Kanal vielen als südlichste Stadt der Welt bekannt sein dürfte, liegt das chilenische Dorf Puerto Williams mit seinen 2.000 Einwohnern noch ein paar Breitengrade südlicher. Wir scheinen wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein. An einem sehr gemütlichen und urigen Ende. Die Uhren ticken in Puerto Williams merklich langsamer – und auch hier erwartet uns große Gastfreundschaft. Noch bei Sonnenschein machen wir uns auf den fünftägigen Circuito Dientes de Navarino, die südlichste – mehr oder weniger markierte – Mehrtageswanderung Südamerika’s. Das Wetter verschlechtert sich allerdings so sehr, dass wir an einem extrem langen Tag drei Tagesetappen hinter uns bringen, um nicht noch 2 weitere Nächte nass und im Schneematsch zelten zu müssen.

Nach einer Woche auf der Isla Navarino nimmt uns ein Segelschiff mit auf die andere Seite des Beagle Kanals. Hier auf der argentinischen Seite Feuerlands ist bedeutend mehr los als im kleinen Stützpunktort Puerto Williams – starten doch in Ushuaia die Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis. Diesen schauen wir dieses Mal allerdings nur sehnsüchtig hinterher, denn selbst die günstigsten Last-Minute-Deals liegen preislich bei 5.000 € pro Person aufwärts. Naja, wir müssen uns ja auch noch Reiseträume für später aufheben… 😉

Nach einigen ebenso windigen wie traumhaften Tageswanderungen in der Gegend rund um Ushuaia sind es wieder einmal Menschen, die uns länger als geplant an einem Ort bleiben lassen. Ganze 6 Tage verbringen wir bei der Familie von Silvina & Alejandro, die uns 6 Wochen zuvor und gute 1.000 km weiter nördlich mitten in der Pampa ein Stück mitnahmen und uns einluden, sie besuchen zu kommen wenn wir in Rio Grande sind. Das machen wir natürlich gerne! So schlafen wir nach 2 Monaten im Zelt das erste Mal wieder in einem Bett und in (beheizten!) geschlossenen 4 Wänden.

Das letzte Highlight Feuerland’s finden wir in dessen sehr dünn besiedelten chilenischen Westen. Hier ist Gaucho-Country und außer vielen Schafen, die dem Wind trotzen, gibt es hier eigentlich nicht viel zu sehen. Außer, ja außer in einer Bucht ganz im Südwesten, wo sich erst vor wenigen Jahren eine Kolonie Königspinguine angesiedelt hat. Die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Subantarktis! Aus einiger Entfernung beobachten wir still und leise die majestätischen Meeresvögel dabei, wie sie miteinander schnattern und ihre Jungen vor der Kälte unter den Bauch der Eltern schlüpfen.
Und mit den tierischen Begegnungen ist es an diesem Tag noch nicht vorbei: auf der Fährüberfahrt zurück auf’s Festland begleitet uns ein Schwarm schwarz-weisser Commerson-Delfine. Die Exemplare dieser Delfin-Art sind ebenso schön wie selten und leider vom Aussterben bedroht.

Zurück auf dem Festland reisen wir weiter per Anhalter zurück nach Argentinien. Zwar wollen wir von nun an auf der chilenischen Seite Patagonien’s gen Norden reisen, allerdings ist der Süden Chile’s hier dichtes Fjordland und so unwirtlich und dünn besiedelt, dass es in diesem Teil des Landes keine Straßen gibt. Daher lassen wir uns mitnehmen zurück nach El Chalten und zum nahen Lago del Desierto. Von dort führt eine dreitägige Wanderung über einen Andenpass und über die Grenze nach Chile. Wir brauchen 4 Tage, da die letzte Tagesetappe über einen großen Gletschersee nur per Boot zurück gelegt werden kann und der Schiffsverkehr aufgrund von Sturm stillgelegt ist. Dafür kommen wir einen Tag später dann ganz unverhofft – und gratis – zu einer exklusiven Bootsfahrt zum nur per Schiff erreichbaren Gletscher Ventisauero O‘ Higgins. Scotch on the (glacier-) rocks inklusive! Wie es dazu kommt, ist eine eigene Geschichte…

Auf chilenischer Seite erreichen wir mit dem Dorf Villa O’Higgins das südliche Ende der Carretera Austral. Die knapp 1.350 km lange, über weite Teile geschotterte Ruta 7 zu trampen scheint auch bei jedem anderen Backpacker auf dessen Südamerika-Bucketlist zu stehen. So stehen wir hier oft in vierter oder fünfter Reihe am Straßenrand und sehen an manchen Tagen mehr Tramperkollegen als Autos. Wir kommen dennoch ganz gut voran und lassen uns 10 Tage Zeit für die Straße. Entlang des Weges gibt es neben sich von Fjordland zu Regenwald verändernder Natur viel zu entdecken: so zum Beispiel das urige Dörfchen Caleta Tortel, dessen Holzhäuser allesamt auf Stelzen in den Fjord gebaut sind. Oder die Marmorhöhlen bei Puerto Río Tranquilo. Auch einige Gletscher, Vulkane, Regenwald und tolle Naturschutzgebiete gäbe es im nördlicheren Abschnitt zu erkunden – leider haben wir aber großes Pech mit dem Wetter und geraten in anhaltende Regenfälle. Diese sind so stark, dass wir uns nach mehreren Tagen Dauerregen – und durchnässten Nächten im Zelt – nicht nur das erste Pensionszimmer seit 2 Monaten buchen, sondern auch eine Nacht in einer Turnhalle schlafen. Diese wurde in einem Ort aufgrund mehrerer weggerissener Brücken und unpassierbaren Straßen als Notunterkunft für gestrandete Reisende eigerichtet. Ein gutes hat auch das: wir können von hier an auch eine Mitfahrt per Anhalter im Feuerwehrfahrzeug verzeichnen.

Anstatt der typischen Backpacker-Route zu folgen und am Ende der Carretera Austral von Puerto Montt aus weiter auf die Insel Chiloé zu reisen, verlassen wir die Carretera Austral auf gleicher Höhe in Cochamó. Von hier führt eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Cochamó mit seinem atemberaubenden Granitgebirge über die Grenze nach Argentinien. Von den Granitfelsen sehen wir leider keinen einzigen Steinbrocken, da das Wetter trotz anders lautender Vorhersage immer noch nicht viel besser ist und wir die ersten 2 der 4 Tage bis La Junta hauptsächlich im Regen laufen. Dafür ist die Ankunft auf der argentinischen Seite des Paso El León umso schöner. In dem abgelegenen Bergtal gibt es weder Autos noch andere motorisierte Fahrzeuge und so tragen viele Pferde zum idyllischen Eindruck des Tales bei.

Über El Bolson und Bariloche reisen wir auf der Ruta de los 7 Lagos weiter durch das Seenland Patagonien’s, das aufgrund der sehr ähnlichen Landschaft auch die „argentinische Schweiz“ genannt wird. Gerade rechtzeitig zum jährlichen Weinfestival Vendimia kommen wir dank und mit unserem neuen Freund Toni in Argentinien’s Wein-Hauptstadt Mendoza an. Damit verlassen wir Patagonien nach zweieinhalb sehr windigen, aber auch sehr eindrucksvollen Monaten mit unzähligen Erinnerungen an atemberaubende Landschaften und herzensgute Menschen. Am südlichen Zipfel Südamerika’s haben wir nicht nur ungezähmte und wilde Natur kennen gelernt, sondern auch neue Freunde gefunden. Mit einigen Flaschen guten Malbec im Rucksack queren wir zum Monatsende ein weiteres Mal über die Anden nach Chile. Das 7. Mal in 6 Wochen! Auf dieser Höhe sind die Anden am höchsten und neben der Puente de las Incas sehen wir auf dem Weg über die Gebirgskette neben wahnsinnig schönen Bergpanoramen auch den schneebedeckten Aconcagua – den mit 6.962 Metern höchsten Berg Südamerika’s.

MÄRZ

Gleich zum Monatsanfang machen wir richtig Strecke: in nur 3 Tagen fahren wir im LKW 2.500 km in den hohen Norden von Chile. Unser Ziel ist San Pedro de Atacama, eine kleine Oase in der gleichnamigen Atacama-Wüste. Die Atacama-Wüste ist die trockenste Wüste der Welt. Neben surreal geformten Tälern aus Salzkristallen, ariden Hochebenen, riesigen Sanddünen und indigenen Oasen lockt auch mit der weltweit klarste und lichtverschmutzungsfreiste Nachthimmel Touristen und Wissenschaftler aus alles Welt in diese ansonsten menschenleere Gegend. Leider ist Vollmond, als wir da sind. Unglaublich viele Sterne, die gesamte Milchstraße und selbst die Ringe des Saturn sehen wir trotzdem. Und natürlich bei Tageslicht die beeindruckende Landschaft der Atacama.

Die Nächte in San Pedro de Atacama sollten unsere letzten Zeltnächte für diesen Monat sein – den Rest verbringen wir zwischen 3.000-4.500 Metern Höhe und da wird es auch im Sommer doch sehr frisch nachts. Denn obwohl es in San Pedro de Atacama ein riesiges Angebot an Aktivitäten gibt und man locker eine ganze Woche in – und vor allem um – dem hippen Ort verweilen kann, zieht es uns weiter nach Bolivien. Kurz hinter der bolivianischen Grenze liegt der Salar de Uyuni – der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde! Und ein weiterer unserer Sehnsuchtsorte! Hierher unternehmen wir die erste gebuchte Gruppentour auf unserem Südamerika-Trip. Die Hochebenen der Anden sind so abgelegen, dass wir per Anhalter wohl nicht – oder zumindest nicht zeitnah – durch das Grenzgebiet reisen könnten. Unser Timing könnte besser nicht sein: wir sind zum Ende der Regenzeit hier und durch das niedrig stehende Wasser und das Fehlen jeglicher landschaftlicher Erhebungen im Salar de Uyuni ergeben sich perfekte Spiegelungen auf der endlos flachen Ebene. Gekrönt mit einer Übernachtung in einem komplett aus Salz erbauten Hotel ist die Fahrt durch den Salar de Uyuni ein ganz besonderes Erlebnis.

Den restlichen Monat verbringen wir mit der Erkundung Boliviens. Hier erwartet uns nach den kulturell und wertesystematisch teils sehr europäisch und US-amerikanisch geprägten Ländern Chile und Argentinien eine ganz neue Facette Südamerika’s: Mit dem Grenzübertritt nach Bolivien tauchen wir in eine andere Welt ein, in der die Schere zwischen arm und reich, Tradition und Moderne sowie zwischen Stadt und Land unverkennbar weit auseinander klafft. Auch die Menschen sind anders: viele sprechen Quechua als Muttersprache -manche sogar nur gebrochen spanisch -, ihre Gesichtszüge sind anders, ihre Hautfarbe dunkler. Die Bolivianer sind distanzierter als ihre südlichen Nachbarn. Mit ein Grund, warum wir Mitte März beschließen, unser Tramping-Abenteuer an dieser Stelle zu beenden und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bis hierhin sind wir ganze 12.000 km durch Südamerika per Anhalter gefahren! 12.000 Kilometer! Wir hätten zuvor selbst nicht erwartet, dass wir so weit kommen und wir dabei so tolle Begegnungen haben würden! Und ganz ehrlich: Wir haben nicht eine einzige mulmige Minute! Stattdessen haben wir von den unzähligen Fahrten mit den verschiedensten Fahrern sehr viel mitnehmen können, was uns sonst verborgen geblieben wäre: an Wissen über Land und Menschen, an persönlichen Geschichten und an Erfahrungen. Von jeder Fahrt bleibt etwas bei uns zurück und jede ist nun auch ein Teil unserer Reise und unseres Lebens.

Wir fahren also mal wieder Bus! Zuerst in die bolivianische Hauptstadt Sucre, wo uns doch noch die Höhenkrankheit erwischt und wir einige Tage schachmatt sind. Weiter in die Millionenmetropole La Paz, wo wir Biene’s Cousine treffen, die hier ein freiwilliges soziales Jahr beim Projekt Arco Iris absolviert. In La Paz treffen wir auch Biene’s Großcousins Mario & Matthias an, die ebenfalls gerade um die Welt reisen. Und so veranstalten wir mitten in Bolivien ein Verwandtschaftstreffen.

Von La Paz aus geht es zur Abwechslung ein Stück mit dem Fahrrad weiter. Ein aufregendes Stück, denn wir fahren den Camino de la Muerte hinab. Los geht es auf dem La Cumbre Pass auf 4.670 Metern und ihr Ende findet unsere Downhill Fahrt im nur 1.200 Meter tief gelegenen Coroico. Auf der 80 km langen, rasanten Radtour durchqueren wir in wenigen Stunden fast alle Klimazonen Südamerika’s! Die geschotterte Piste ist dabei nicht viel breiter als eine Fahrbahn und an vielen Stellen zeugen tiefer Morast, Matsch und Felsbrocken von vergangenen Erdrutschen und Steinschlägen. Neben dem sich in unzähligen Serpentinen hinab windenden Weg geht es mehrere Hundert Meter tiefe Berghänge hinunter. Bis vor wenigen Jahren war die Yungas-Straße eine Hauptverkehrsstraße mit sehr hohem Verkehrsaufkommen und schwere LKWs schoben sich – ohne Leitplanken – auf dem schmalen Weg aneinander vorbei. Deshalb gilt auf der Yungas-Straße bis heute – anders als im Rest des Landes – Linksverkehr, damit die Fahrer bei Ausweichmanövern den Abstand zum Fahrbahnrand besser einschätzen können. Eine Analyse der Interamerikanischen Entwicklungsbank in den 90ern ergab, dass die Yungas-Straße die höchste jährliche Absturzrate an Fahrzeugen weltweit zu verzeichnen hatte (Durchschnittlich starben jedes Jahr 200-300 Reisende auf der Strecke). Dies brachte der Straße den zweifelhaften Titel als „gefährlichste Straße der Welt„. Aber auch die bolivianische Regierung hat dadurch die Tatdringlichkeit erkannt und so gibt es seit knapp 10 Jahren eine Neubaustrecke – seither ist die Straße des Todes nur noch für lokalen Kraftverkehr geöffnet und hauptsächlich eine Attraktion für Nervenkitzel suchende Reisende wie uns. Hier mit dem Mountainbike hinunter zu sausen beschert Nervenkitzel pur! Allerdings können wir auf dem Mountainbike jederzeit selbst unser Gefährt lenken – das würden wir uns auch auf mancher Busfahrt wünschen…

Unsere letzte Station in Bolivien ist der Titicacasee. Ebenfalls ein Sehnsuchtsort! Hier verbringen wir tolle Tage auf der Isla del Sol und in Copacabana am Seeufer, bevor wir über die Grenze wandern und den Monat auf der peruanischen Seite des Sees ausklingen lassen…

So – das war bis hierhin unser erstes Quartal des Jahres 2017! Wow! Wir finden es selbst total verrückt wenn wir uns an all das erinnern und dann daran denken, dass wir die ganzen Erlebnisse in gerade einmal 3 Monaten – okay, in 4 Monaten, wenn wir den Dezember mitzählen – erlebt haben! Findet ihr nicht auch?

Und weil die darauf folgenden Monate nicht weniger ereignisreich werden, folgen diese im nächsten Teil unseres Jahresrückblickes 2017!

Inselhopping in Thailand – Flitterwochen zwischen James Bond und The Beach

Inselhopping in Thailand – Flitterwochen zwischen James Bond und The Beach

Wir mögen Inseln. Ganz besonders, wenn sie klein und noch etwas verschlafen sind. Ohne Massentourismus oder gehypte Orte für digitale Nomaden, Backpacker oder Pauschaltouristen. Dann ist es ein kleines bisschen so, als hätten wir das Paradies für uns allein. So wie auf Tonga.

Keine große Überraschung also, dass wir uns für unsere Flitterwochen in Thailand solche Inseln aussuchen. Koh Yao Yai und ihre nördlich gelegene kleinere Schwester Koh Yao Noi sind – vor allem im Vergleich z.B. zur nur wenige Kilometer südlich gelegenen Insel Koh Phi Phi mit ihrer berühmten Maya Bay (Drehort von The Beach mit Leonardo Di Caprio) – recht unbekannt. Ein kurzer Check bezüglich Wetter (sich zu Ende neigende Regenzeit), Saison vor Ort (Nebensaison) und verfügbaren Hotels (gute Rabatte, da Regenzeit und Nebensaison) und unsere Flüge sind gebucht. Mehr als diese 2 Inseln haben wir bewusst nicht geplant, schließlich wollten wir auch etwas zur Ruhe kommen und haben nicht zum Ziel, soviel wie möglich zu sehen in diesen 2 Wochen. Zusammen mit ein paar Tagen auf Phuket und in Krabi sind wir dann schließlich schon bei 4 Destinationen.

Die beiden Inseln liegen in der von unzähligen Karstinseln und Felsformationen durchzogenen Bucht von Ao Phang Nga im gleichnamigen Nationalpark in der emerald grünlich schimmernden Andamanensee. Eine surreale Landschaft, die uns ein wenig an die Halong Bucht in Vietnam erinnert. Nur, dass die Temperaturen hier wärmer sind und wir mit den für Thailand so typischen Langheckbooten statt einer Segelbarke über das Wasser schippern.

DIE ANREISE

Nach einem kurzen Flug nach London, einer Nacht am Flughafen Gatwick, einem vierzehnstündigen Flug im Dreamliner nach Singapur und einem weiteren zweistündigen Flug nach Thailand landen wir 2 Tage nach unserer Abreise aus Stuttgart gegen Mittag in Krabi. Vom Flughafen aus teilen wir uns mit 6 anderen Ankömmlingen für 150 Baht pro Person einen der Minivans, die wartend bereit stehen. Die Tickets kaufen wir erst draußen beim Van. Man kann sie aber auch direkt an einem von mehreren Schaltern in der Ankunftshalle kaufen – hier werden sie für 200 Baht pro Person angeboten. Für denselben Preis wie der reguläre Flughafenbus kommen wir so direkt nach Ao Nang, ohne in Krabi Town umsteigen zu müssen.

KRABI – AO NANG UND HAT NAPPHARAT THARA

Um in Ruhe anzukommen, haben wir uns für die ersten beiden Nächte ein Hotel in Ao Nang gebucht. Bei unserer Ankunft sind wir positiv überrascht – wir waren bereits einmal im Urlaub in Krabi und hatten den Strand von Ao Nang als nichts Besonderes in Erinnerung. Unser Hotel ist dieses Mal aber auch nicht direkt am Ao Nang Beach, sondern einen Strand weiter nördlich am Strand Hat Noppharat Thara. Die beiden Strände sind allerdings nur durch einen mächtigen Kreidefels getrennt und zu Fuß ist man locker in 15 Minuten an der Strand-Promenade Ao Nang’s. Der Strand Hat Nappharat Thara ist breiter, länger und naturbelassener als der Ao Nang Beach. Am nördlichen Ende des langen Strand erhebt sich einer der vielen Karstfelsen in der Bucht von Ao Nang aus dem Wasser und bei Ebbe verbindet eine lange Sandbank die Insel mit dem Strand. Hier lässt es sich herrlich planschen, die Zehen in den Sand strecken und das Strandleben genießen. Die Strandpromenade ist noch sehr einfach, anders als in Ao Nang zieren sie keine Shops, die alle dieselben Souvenirs verkaufen, sondern einfache Saftbar-Stände stehen vereinzelt zwischen Ödland, Resorts und einfachen Restaurants. Direkt hinter dem Strand verläuft die Hauptstraße, allerdings hält sich der Verkehr aus Tuktuks, Taxis und Motorrollern in Grenzen.

Wir finden direkt nach unserer Ankunft einen kleinen, einfachen open air Food Court und genießen bei leckeren Fruchtshakes unseren ersten Papayasalat seit langem. Es sollte der erste von Drölftausend in diesen 2 Wochen sein.

Eigentlich wollen wir am 26. Oktober nach Koh Yao Yai übersetzen. Da an diesem Tag aber der letztjährig verstorbene König in einer feierlichen Zeremonie eingeäschert wird, ist ein nationaler Feiertag ausgerufen und aller Fährverkehr eingestellt. Wir verlängern also unseren Aufenthalt in Krabi um eine Nacht und verbringen nochmal einen Tag am Strand.
Das Schnorcheln um die Karstinsel ist leider nicht so bunt wie erhofft, durch die Regenzeit ist der Meeresboden aufgewühlt und Sedimente verringern die Sicht. Wir machen daher einen Spaziergang zum Ao Nang Beach. Am südlichen Ende führt hier ein kleiner Trampelpfad über einen Hügel hinein in den Nationalpark und in eine wunderschöne Bucht.

Gerade als wir hier nach einem erfrischenden Bad im Meer aus den Fluten steigen, ergießt sich über unseren Köpfen ein Monsunschauer. Während alle anderen Strandbesucher schnell unter der überdachten Poolbar des einzigen Hotels in der Bucht Schutz suchen, duschen wir lachend unter einem Palmwedel, lauschen dem rollenden Donner und genießen die kurze Abkühlung. Kurz darauf verziehen sich die Wolken wieder und klatschnass, aber fröhlich machen wir uns auf den Rückweg.

Am nächsten Morgen geht es dann endlich auf die Insel. Statt für 650 Baht pro Person direkt mit dem Schnellboot vom Pier am nördlichen Ende des Hat Nappharat Thara Strandes in 40 Minuten nach Koh Yao Yai überzusetzen, entscheiden wir uns für eine Fahrt mit dem Tuktuk zum Tha Len Pier weiter nördlich und nehmen von dort ein lokales Langheckboot, für das wir je 200 Baht bezahlen. Auf diese Weise sehen wir auf der vierzigminütigen Fahrt zum Pier noch etwas mehr von der schönen Landschaft Krabi’s und einige beeindruckende Karstberge.

Schon die Überfahrt von Krabi nach Koh Yao ist ein Erlebnis – auf dem knatternden Longtailboot geht es vorbei am steil aufragenden Felsen und unbewohnten Karstinseln mit wunderschönen Buchten und schneeweißen Stränden. Ein von Palmen gesäumter schneeweißer Strand ist auch das Erste, was wir von Koh Yao Yai sehen. Wenn das mal kein guter erster Eindruck ist.

KOH YAO YAI

Die Vegetation der bergigen Insel besteht aus grünen Hängen unberührter Natur, darin eingebetteten Kautschukplantagen und unbefestigten Küsten. Dazwischen liegen eine Handvoll kleiner Dörfer, deren überwiegend muslimische Bevölkerung unglaublich freundlich ist. Wir legen im Norden der Insel am Pier Klong Hia an. Mit einem Tuktuk fahren wir in das Hotel „Baan Taranya“ im Osten der Insel. Nach einem netten Empfang und einem leckeren Begrüßungsdrink können wir auch schon direkt unsere Flitterwochen Villa beziehen – ein freistehender Bungalow mit Meerblick, doppelten Schwingtüren ins große Bad mit Regendusche und eigener Terrasse. Die Villa ist ganz aus Holz und sehr gemütlich. Rückblickend ist das Baan Taranya das beste Hotel unserer Thailandreise und wir fühlen uns hier so wohl, dass wir unseren Aufenthalt um 2 Nächte verlängern. Das Restaurant – in denen wir einige der leckersten Gerichte der 2 Wochen essen – ist ebenso wie der Rezeptionsbereich Open Air und direkt vorne am Strand. Daneben ist ein gemütliches Stranddeck, das zum Fruitshake schlürfen und Fischer beobachten einlädt. Direkt neben dem Hotel liegt ein großer Pier und in den frühen Abendstunden ist dieser Treffpunkt der lokalen Bevölkerung.

Wir mieten uns einen Rollen für 2 Tage und dürfen diesen sogar noch einen weiteren Nachmittag umsonst fahren. Wir lassen es gemütlich angehen und machen öfters Pausen, um irgendwo einen frischen Fruitshake zu trinken – trotzdem reichen die 2 Tage gut aus, um die komplette Insel zu erkunden.

STÄNDE AUF KOH YAO YAI

Das Baan Taranya liegt direkt am langen Strand Ao Hin Kong, der bei Ebbe allerdings wie alle Strände der Ostseite in sehr flaches Schlickwatt übergeht. Das Meer ist dann gut 400 Meter weiter draußen.


Eine halbe Stunde südlich führt eine 3 km lange, unscheinbare Holperpiste in die kleine Bucht Lam Nok Ok. Deren herrlich goldgelben Strand haben wir komplett für uns allein – samt der tollen Baumschaukel.


Über das sehr einfache Fischerdorf Ban Klong Din Nhaew im Süden der Insel gelangen wir zum Strand Loh Jark im Südwesten. Vom Pier in dieser Bucht aus fahren Boote nach Phuket und zu zwei winzigen vorgelagerten Inseln ab. Der Strand der Bucht ist sehr schön und bei einem kalten Bier und leckerem Papaya Salat schauen wir entspannt eine Weile aufs Meer, bevor wir unsere Erkundungstour fortsetzen.

Der Strand Loh Pared an der Westküste liegt ideal zum Bewundern wunderschöner Sonnenuntergänge und ist gleichzeitig der einzige Strand der Insel mit touristischer Infrastruktur. Auf dem goldgelben Band feinen Sandes finden sich Saftstände, Massageliegen, mehrere Touranbieter und dahinter einige Hotels.

Uns hält es nicht allzu lange hier – wozu an einen belebten Strand, wenn wir andere ganz für uns allein haben können? Das haben wir eine halbe Stunde Rollerfahrt später in der etwas versteckten Son Bay im Nordwesten der Insel.

Der paradiesischste Strand der Insel befindet sich im Nordosten Koh Yao Yais, nur 5 Minuten vom Bootspier entfernt. Hier zieht sich eine palmengesäumte, schneeweiße Sandzunge hufeisenförmig 2-3 Kilometer lang ins türkis farbene Meer. Bei Ebbe ist der Strand aufgrund des flachen Wassers nicht wirklich zum Baden geeignet, aber dann kann man wie wir auf dem puderfeinen Sand ganz and Ende laufen und Tausende kleiner Krebse bewundern.

Wenn wir in unseren 4 Tagen auf Koh Yao Yai nicht gerade mit dem Roller die Insel erkunden, lesen wir gemütlich auf unserer Verandah, planschen im Pool, kayaken durch die Bucht zu einer vorgelagerten Insel und zu einsamen Strände oder schlürfen Fruitshakes auf dem Stranddeck. Oh – oder wir sind gerade in einem der verstreuten kleinen Restaurants mega lecker thailändisch essen…

So können wir es gut aushalten. Nach ein paar Tagen entscheiden wir trotzdem, weiterzuziehen – schließlich wollen wir such noch Koh Yao Noi kennenlernen. Für die zehnminütige Überfahrt bezahlen wir 60 Baht und schon kann es los gehen.

KOH YAO NOI

Das nördlich gelegene Koh Yao Noi ist noch winziger als Koh Yao Yai. Mit einem gemieteten Roller fahren wir in an einem halben Tag alle Straßen der Insel ab. Noi ist dichter besiedelt als Yao Yai und wie auf ihrer Schwesterinsel leben auch die größtenteils muslimischen Bewohner diesen kleinen Inseljuwels hauptsächlich vom Fischfang, Kautschukanbau und Tourismus. Die Dörfer konzentrieren sich auf den südlichen Inselteil, der Norden ist durchweg nur mit Trampelpfaden durchzogene Natur und vereinzelte Kautschukplantagen.
Trotz ihrer kleineren Fläche gibt es auf Yao Noi auch schon mehr Tourismus als auf Yao Yai. Dieser konzentriert sich vor allem auf die Strände Thakhao und Klong Jark im Südosten der Insel, wo mehrere Luxushotels in die grünen Hänge gebaut sind. Anders als auf Yao Yai finden sich in 2-3 Dörfern auch bereits Souvenirläden und einige hippe Cafés zieren die einfachen Marktstraßen. Wir haben uns mit dem „Sunglobe Bungalows“ ein Hotel im Innern der Insel ausgesucht. Vor allem im Vergleich zum Baan Taranya aber ist es recht einfach – ihm fehlt etwas an Flair.

Dafür finden wir auf unserer Tour um die Insel einen wunderschönen, versteckten Strand. Der Long Beach im Nordosten der Insel ist nur über eine ca 9 km lange holprige Dschungelpiste zu erreichen. Das letzte Stück davon ist nicht für Mopeds gemacht – aber dennoch irgendwie befahrbar.

Hier am quietschfeinen Strand erwarteten uns gleich 2 einsame Baumschaukeln – klar, dass wir bei der Aussicht natürlich ausgiebig schaukeln mussten! Wer würde das nicht?! Unter Wasser war die Sicht aufgrund der Regenzeit und des kommenden Vollmonds leider sehr eingeschränkt. Da unser Hotel wie gesagt nichts Besonderes ist und wir das Gefühl haben, eigentlich auch alles auf der Insel gesehen zu haben, ziehen wir nach 2 Nächten auf Noi weiter nach Phuket.

PHUKET

Statt allerdings eines der zahlreichen direkten Boote dorthin zu nehmen, gehen wir morgens um 7 Uhr an Bord des täglichen Bootes nach Phang Nga. Auf diese Weise kommen wir noch zu einer zweistündiger Bootsfahrt durch die Phang Nga Bucht mit ihren zahlreichen Karstformationen und Inseln. Dabei fahren wir auch direkt am James Bond Felsen (Schauplatz von 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt) und dem schwimmenden Dorf Koh Panyee vorbei. Vom Phang Nga Pier aus nehmen wir für 50 Baht ein Tuktuk zum Busbahnhof, wo wir für gerade einmal 100 Baht pro Person in einen direkten Minivan nach Phuket einsteigen. 2 Stunden später finden wir uns auch schon auf Thailands größter Insel wieder. Genauso lange brauchen wir nochmal mit dem Songthaew aus Phuket Town heraus zum Kata Beach, an dem unser Hotel liegt. Eigentlich ist Phuket nur 40 km lang und an seiner breitesten Stelle 21 km breit – durch die sehr dichte Bebauung und den starken Verkehr verliert sich aber abseits der Strände schnell das Gefühl, auf einer Insel zu sein.

Mit dem Chanalai Romantica Resort haben wir uns hier ein eher gehobenes Hotel gegönnt. Unser Zimmer ist auch wirklich riesengroß, raffiniert beleuchtet und kommt mit Badewanne, riesiger Regendusche und eigenem Balkon. Das Hotelpersonal ist wie überall super freundlich und das Frühstücksbuffet bietet neben einer Eierstation eine große Auswahl – und ist mit seiner Verfügbarkeit bis 10.30 Uhr endlich mal urlaubsgerecht, wie die Nachteule von uns beiden findet.

So pendeln wir zwischen dem großen Hotelpool und dem Kata Beach, der zu Fuß 10 Minuten von unserem Hotel entfernt liegt. Die Strände sind ohne Frage das Schönste auf Phuket und auch der Kata Beach ist da keine Ausnahme, wie er schneeweiss in eine hufeisenförmige Bucht eingebettet da liegt. Gleichzeitig ist hier natürlich einiges mehr los als auf Koh Yao: Phuket ist – neben den deutschen – vor allem bei russischen Pauschalurlaubern sehr beliebt. Bars, Restaurants, Shops, Massagestudios und Schönheitssalon reihen sich nahtlos aneinander und die meisten haben zusätzlich zu englischen auch russische Speisekarten ausliegen. Insgesamt ist es hier sehr touristisch und ein typischer Resort-Ort, der so auch überall sonst am Meer stehen könnte.

Wir ziehen daher nach 2 Nächten am Kata Beach um in eine kleine Bungalowanlage am Strand Bang Tao im Norden Phukets. Hier ist allgemein sehr viel weniger los und statt mehrstöckigen Hotelanlagen finden sich hier noch einfache Strandbars, in denen man zum Sonnenuntergang in Ruhe einen Cocktail schlürfen und dabei die Zehen in den Sand bohren kann. Zuvor hatten wir uns überlegt, noch zur Full Moon Party auf die Insel Koh Phangan weiter zu ziehen, uns dann aber entschieden dies einmal außerhalb unserer Flitterwochen nachzuholen.

Stattdessen feiern wir am Abend des 3. Novembers das Lichterfest Loi Krathong. Loi Krathong wird landesweit jedes Jahr am Tag des Vollmonds des 12. Monats gefeiert. Dabei werden kleine Boote aus Bananenblättern mit Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen geschmückt und auf Flüssen oder im Meer zu Wasser gelassen. Das Treiben lassen der Flöße symbolisiert dabei das Loslassen von Groll und allem Ärger und einen reinen Neuanfang für das neue Jahr. Im Norden Thailands und besonders in Chiang Mai werden zu Loi Krathong – dort Yi Peng genannt – Hunderte leuchtender Himmelslaternen steigen gelassen. Auch in Phuket steigen diese vereinzelt in den Himmel auf. Ein wunderschöner Anblick. Zu Ehren von Loi Krathong sind die Straßen Phuket’s mit bunten Bändern feierlich geschmückt, überall ertönt traditionelle Musik und die Hotelangestellten tragen traditionelle thailändische Gewänder. Wir nehmen am festlichen Dinner in unserem Hotel teil und haben das riesige Buffet fast ganz für uns alleine. So kommen wir zum 1. romantischen Candle Light Dinner in unseren Flitterwochen. Nach dem Essen setzen wir unseren eigenen Krathong aus Bananblättern in die Brandung aufs Meer.

Wenn Phuket das Mallorca Asiens ist, ist Patong dessen Ballermann. Vor allem die Banglao Street bietet hier des Nachts alles, was man(n) sich wünscht – oder sich auch lieber nicht wünscht. Einen Abend spazieren wir hier ebenfalls kurz durch, finden zwischen den Angeboten von Ping Pong Shows und Gogo Bars aber nichts, was uns sonderlich reizt.
Da finden wir den Mai Khao Strand direkt hinter dem Internationalen Flughafen von Phuket deutlich spannender – hier fliegen nur wenige Meter über einem die Flugzeuge im Start- oder Landeanflug hinweg.

Daneben wird auf ganz Phuket alles an Entertainment angeboten, was Thailand zu bieten hat: wer möchte, kann morgens Fallschirm springen und Tauchen gehen, nachmittags Elefanten reiten und auf einer Zipline durch den Regenwald sausen oder gleich den ganzen Tag in einem Vergnügungspark verbringen und abends eine von unzählige Unterhaltungs-Show besuchen. Uns genügt es vollkommen, an verschiedenen Stränden zu schnorcheln und auf Tour mit dem Roller Strände, Aussichtspunkte und neue Thai Gerichte zu entdecken. Aber jedem das Seine 😉

Mit noch ein bisschen Markt-Shopping, Rollertouren, Zeit am Strand, einem Besuch in der Altstadt Phukets und beim Großen Buddha sowie der Besichtigung des einen oder anderen Tempels gehen die 5 Tage, die wir insgesamt auf Phuket verbringen, auch so schnell vorbei.

Insgesamt müssen wir sagen, dass es uns rein nach Phuket eher nicht mehr ziehen wird. Phuket ist uns für unseren Geschmack – zumindest im Süden – zu kommerziell. Aber als Ausgangspunkt zu Thailand Inselwelt in der Andamanensee eignet sich Phuket hervorragend. Und dann ist es auch schon soweit. Ein letztes üppiges Essen mit Thai Curry, Papaya Salat und Thom Yum und schon hebt unser Flieger ab und bringt uns an unsere nächste Destination…

Load More

Hier lang für noch mehr von UnS!schliessen
oeffnen