Mexiko

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Yucatan – Mexiko´s karibische Maya-Prinzessin

Schließt einmal kurz die Augen und stellt Euch folgendes vor: schneeweisse Sandstrände und die türkis schimmernde Karibik…antike Stätten eines ehemals mächtigen Herrschervolkes…halb zerfallene Dschungelruinen…mit Süßwasser gefüllte Kalksteinhöhlen mitten im Wald…eine siebenfarbige Lagune…das weltweit längste unterirdische Flusssystem…

Könnt ihr es vor Euch sehen? Ja? Dann: Herzlich willkommen in Yucatan!

Die mexikanische Halbinsel, die den Golf von Mexiko vom karibischen Meer trennt, bietet all das. Da ist es kein Wunder, dass Yucatan die mit Abstand meistbesuchte Region Mexiko’s ist. Für uns war es nicht zwingend, dass wir hier gelandet sind. Wir hätten uns auch gut vorstellen können, Yucatan einmal im Rahmen eines Urlaubs aus zu bereisen. Denn Flüge von Europa nach Cancun gibt es schon ab 200 €. Aber auch der mit Abstand günstigste Flug von Havana aus geht Anfang Mai 2016 nach Cancun. Also ab nach Yucatan!

Ursprünglich wollten wir nach den 3 Wochen teils schnellen Reisens auf Kuba also zunächst ein paar ruhige Tage auf der Isla Mujeres oder der Isla Holbox verbringen. Aber durch die Erzählungen anderer Reisender ahnen wir, dass die Isla Mujeres uns gerade vieeeel zu touristisch wäre. Und unseren Traum vom Schnorcheln mit Walhaien rund um die Isla Holbox verwerfen wir nach etwas Recherche aufgrund der nicht gerade tierfreundlich scheinenden Methoden dort auch kurzerhand. (Mehr dazu hier) Stattdessen machen wir uns mit dem Bus auf ins Inland und fahren nach Valladolid. Valladolid ist eine schöne mexikanische Kleinstadt im Kolonialstil, wie wir zuvor schon mehrere in Mexiko´s Inland besucht haben. Das Stadtzentrum bildet üblicherweise ein begrünter Platz, auf dem sich in den lauen Stunden des Tages das öffentliche Leben abspielt und sich die Einwohner zum Flanieren, Flirten und Unterhalten treffen. An einer Seite der Plaza Mayor dominieren meist eine bis mehrere Kirchen das Stadtbild. Darum ziehen sich gepflasterte Einbahnstraßen, die von farbenfrohen, kolonialen Häuserfassaden gesäumt sind.

Valladolid gefällt uns recht gut. Es ist weniger vollgestopft und verkehrslastig als Oaxaca, die Luft ist gut und die Stadt hat genau die richtige Größe, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad alle interessanten Plätze bequem erreichen zu können. Der Hauptgrund um nach Valladolid zu reisen aber ist seine Lage – es liegt geradezu perfekt, um von hier aus in Tagesausflügen antike Mayastätten und einige der schönsten Zenoten des Landes zu erkunden.

EK BALAM

Bevor wir uns Chichen Itza widmen, die ihrerzeit eine der bedeutendsten Mayastädte war, erkunden wir zuerst noch die weniger bekannte Mayastätte Ek Balam. (Danke für den Tipp, Steffi & Tobi!). Die Ruinen von Ek Balam sind im Gegensatz zu Chichen Itza nur teilweise restauriert und große Teile der Stadt sind nach wie vor von Dschungel überwuchert. Deshalb ist die Stätte auch viel kleiner als Chichen Itza und zieht weit weniger Besucher an. In unseren Augen ein großer Vorteil, denn so haben wir die Ruinen teilweise für uns allein. Auch ist es hier – anders als in Chichen Itza – noch erlaubt, durch und auf die Steinbauten hinauf zu steigen und so von den Dächern aus wie einst die Maya weit über das bewaldete Umland zu blicken. Da es hier ruhiger zugeht als in Chichen Itza fühlen sich in Ek Balam noch viele Vögel und Echsen wohl und wir können einige farbenfrohe und außergewöhnliche Exemplare beobachten. Da Ek Balam nicht ganz so groß ist, hat man an einem halben Tag gut alles gesehen.

TIPP: Wir empfehlen auf jeden Fall, die Ruinen früh zu besichtigen und rechtzeitig zum Einsetzen der Mittagshitze den Rückweg anzutreten.

CENOTEN X’KEKÉN und SAMULA

Zurück in Valladolid leihen wir uns Fahrräder aus, um zu den nahe gelegenen Cenoten X‘ Kekén und Samula zu radeln. Die Sonne brennt hier mittags unerbittlich und so ist eine Abkühlung im kühlen Nass genau das, wonach uns der Sinn steht. Cenoten sind dolinenartige Kalksteinhöhlen, die durch den Einsturz der Höhlendecken entstanden und mit Süßwasser gefüllt sind. In ganz Yucatan finden sich diese Höhlen, viele davon liegen versteckt in den Wäldern. Die beiden, die wir an diesem Tag besuchen, sind aber ziemlich bekannt und überirdisch schon sehr touristisch ausgebaut. Dafür sind sie aber unterirdisch wunderschön! Da nicht die kompletten Decken hinabgestürzt sind, kommen wir uns in beiden vor wie in unterirdischen Swimming Pools. Durch die Löcher in der Decke fällt beide Male ein Strahl natürlichen Sonnenlichtes und erhellt die Höhlen in blau-grünlichem Schummerlicht. Das Wasser ist glasklar und erfrischend – und sogar ziemlich viele Fische tummeln sich hier unten. So lassen wir uns fasziniert zwischen Lianen und Baumwurzeln auf dem Rücken treiben und genießen wieder mal die Wunder unserer Natur!

CHICHEN ITZA

Am nächsten Tag dann erkunden wir natürlich auch Chichen Itza. Herzstück der berühmten Mayastätte ist das meist fotografierte Bauwerk Mexiko’s: die Pyramide des Kukulcán. Auf der enorm weitläufigen Anlage befinden sich aber noch unzählige weitere Bauten wie das Observatorium, die antiken Spielstätten, verschiedene Tempel und Palastruinen. Die meisten Gebäude sind größtenteils restauriert und wiederaufgebaut, wodurch man sich gut vorstellen kann, wie die Stadt zur Zeit der Maya ausgesehen haben muss. Ansonsten weiß man aber leider sehr wenig über die Geschichte hinter Chichen Itza. Und so ranken sich viele Mythen um diese Stadt, die einst eine der bedeutendsten Stätten des Maya-Reiches war. Deswegen würden wir auch nicht unbedingt empfehlen, einen der zahlreichen wartenden Touristen-Führer anzuheuern, sondern eher dazu raten, bei einem Spaziergang die vielen Bauten einfach auf sich wirken zu lassen, sich dann in Ruhe auf einen Stein zu setzen und die faktischen Hintergründe im Reiseführer nachzulesen. Und auf jeden Fall schon gleich morgens bei Öffnung der Tore um 8 Uhr herkommen! Denn so gegen 11 Uhr kommen Scharen von Reisebussen mit Tagestouristen aus Cancun an und dann schieben sich die Massen im Gänsemarsch über das Gelände!

RIVIERA MAYA

Den gleichen Tipp geben wir auch zur Besichtigung der Maya-Ruinen in Tulum. Hier am besten gleich morgens ab 7 Uhr in Ruhe die Stätte besichtigen und anschließend ganz entspannt in die wunderschöne Bucht absteigen, solange die Massen sich über die Ruinen hermachen. Denn das Schönste an der Anlage ist eben diese Lage oberhalb dieser Bucht: die Mayastätte in Tulum thront direkt am Rande steil abfallender Klippen, darunter das blau leuchtende Meer der Karibik. Die Maya hatten wirklich ein Auge für Architektur mit Ausblick. Nicht umsonst wird dieser Teil der Karibikküste die Riviera Maya genannt.

Ansonsten hat uns der Ort Tulum definitiv nicht umgehauen. Eine sechsspurige Straße zieht sich durch das wenige Kilometer vom Meer entfernte Dorf und auf beiden Seiten reihen sich austauschbare Shops, Restaurants und Bars aneinander. Direkt am Meer reihen sich teure Boutique-Hotels mit großen Namen aneinander. Trotzdem zieht der Ort nicht nur einen beachtlichen Touristenstrom an, sondern auch viele Aussteiger, die sich hier niederlassen um Tattoo Shops, vegane Restaurants, hippe Hostels etc. zu eröffnen. Wir wären direkt weiter gezogen – wäre da nicht noch eines der professionellsten Yoga Studios unserer Reise gewesen und die Möglichkeit, die Cenoten zu betauchen…denn DAS wollte sich Biene auf keinen Fall entgehen lassen. Hat sie zum Glück auch nicht!

CENOTEN-TAUCHEN MIT Aquatic Tulum

Denn so haben wir die Ehre, Alejandro Alvarez Enriques kennenzulernen. Alejandro ist der Besitzer der ersten Tauchschule Tulum’s und selbst eine absolute Koryphäe unter den Höhlentauchern Mexiko’s. Vor wenigen Jahren hat Alejandro auf einer seiner Expeditionen mit dem National Geographic in die bis heute größtenteils unerforschten Tiefen des unterirdischen Flusssystems menschliche Überreste gefunden, die die Theorien über die globale Ausbreitung der Menschheit komplett über den Haufen warfen und ganz neue Erkenntnisse zuließen (mehr dazu hier). Eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Alejandro nimmt Biene kurzerhand unter seine Fittiche und so bereitet sie sich nicht nur beim Yoga in dem von seiner Lebensgefährtin geführten Yogastudio bestens auf die Tauchgänge vor, sondern erfährt nebenbei noch viel mehr über das faszinierende Höhlensystem, als das in einer der zahlreichen anderen Tauchschulen möglich gewesen wäre. Fast wären wir sogar noch in das der Tauchschule angeschlossene Loft unter demselben Dach wie das Yogastudio umgezogen – das wäre die perfekte Kombination aus Yoga, Tauchen und Entspannung gewesen! Da wir aber nur wenige Tage bleiben wollten, lohnte es sich leider nicht mehr umzuziehen. Aber bei unserem nächsten Aufenthalt in Tulum würden wir nirgendwo anders einziehen als hier:

Mit Alejandro’s Neffe Alec als persönlichem Tauch-Guide geht Biene auf Erkundungstauchgang in die Cenoten. Zuerst fahren wir zur Grand Cenote. Diese ist außer einigen Felsüberhängen komplett offen und sieht somit aus wie ein natürlicher Süßwasserpool. Da die Cenote auch nicht besonders tief ist, wird sie von der Tauchschule gerne für den 1. Tauchgang angesteuert, um das technische Können des Tauchers einzuschätzen. Uli darf natürlich auch mit und erkundet die Cenote schnorchelnd, während Biene einige Meter tiefer durch die grünlich schimmernde Unterwasserwelt gleitet. Der 2. Tauchgang führt uns in eine andere, abgelegenere Cenote. Diese ist wie eine Grotte größtenteils geschlossen und nur an einer Stelle ist ein Einstieg möglich. Von hier geht es mit Taschenlampen ausgerüstet hinein in die Cenote. Da man ohne spezielle Ausbildung nicht in vollkommen geschlossenen Höhlen tauchen darf, behalten wir den gesamten Tauchgang über den Einstieg mit Tageslicht im Sichtfeld. Dennoch ist es fast rabenschwarz und das Tauchen hier wahnsinnig faszinierend. Und dass, obwohl es hier keine Fischschwärme oder farbenfrohe Korallen wie im Meer gibt. Dafür bilden massive Stalaktiten ein Labyrinth aus grotesk geformtem Fels. Durch die fehlende Strömung und das Süßwasser ist es außerdem, als würde man vollkommen schwerelos durch diese surreale Unterwelt schweben. Grandios!

Es gäbe rund um Tulum noch unzählige weitere besondere Cenoten wie Dos Ojos oder The Pit zu betauchen – aber da Biene zu diesem Zeitpunkt leider noch kein ausreichendes Tauchzertifikat besitzt, müssen wir das wohl oder übel verschieben und irgendwann noch einmal wiederkommen. 😉

LAGUNA BACALAR

Mit dem Bus fahren wir weiter in den Süden Yucatan’s. Obwohl unsere nächste Destination ein See ist, fühlen wir uns dort wie am Meer. Das liegt vor allem an den Farben der Laguna Bacalar – nicht umsonst wird diese das Meer der 7 Farben genannt. Von türkis über marineblau bis hellblau leuchtet das Wasser in den schönsten Farben der Karibik.

Die Laguna Bacalar gefällt uns gut und wir könnten es gut noch einen Tag an dem schönen See aushalten – finden im Umkreis aber leider keine Unterkunft, die uns preistechnisch überzeugt. Das ist leider ein Nebeneffekt des fortgeschrittenen Tourismus auf Yucatan – die Preise sind hier fast überall deutlich höher als im Rest des Landes. Und so verlassen wir Yucatan an diesem Abend nach einer Woche mit vielen neuen Eindrücken und machen uns mit dem Nachtbus auf den Weg nach  Chiapas in den hochlagigen Süden Mexiko’s.

 

Mexiko  – abseits des Gringo Trails

Mexiko – abseits des Gringo Trails

Endlich Lateinamerika! Nachdem wir 8 Monate in Asien verbrachten, fast 1 Jahr lang den roten Kontinent Australien bereisten, 3 Monate lang durch die Südsee tingelten und Nordamerika einen Kurzbesuch abstatteten, ist es höchste Zeit, diesen Teil unseres Planeten kennen zu lernen. Unser erstes Land in Lateinamerika ist Mexiko. Mit einer jährlichen Besucherzahl von etwa 1,5 Millionen Touristen ist es eines der meist besuchten Länder der Welt. Der Großteil der Reisenden konzentriert sich dabei allerdings auf die Halbinsel Yucatan im Osten des Landes. Diese hat mit einer hohen Dichte historischer Mayastätten, schneeweißen Karibikstränden, dem weltweit größten zusammen hängenden unterirdischem Flusssystem und den einmaligen Zenoten auch Einiges zu bieten. Uns interessiert allerdings auch das andere Mexiko, das größtenteils in Zentralmexiko und im Norden des Landes zu finden ist.

Dafür verwerfen wir auch unseren ursprünglicher Plan, in der Mitte des Landes anzufangen und uns dann über Land bis nach Cancun an der Spitze Yucatans vorzuarbeiten. Das hätte durchaus Sinn gemacht, da wir von hier aus 3 Wochen später nach Kuba fliegen. Aber die anderen Landesteile haben soviel zu bieten, dass wir sie nicht links liegen lassen, sondern genauer erkunden möchten. Hier verraten wir Dir, welche Orte Du unbedingt besuchen solltest, wenn Du noch mehr von Mexiko sehen möchtest als die klassischen Backpacker-Orte auf Yucatan und „den wahren Kern Mexiko’s“ kennen lernen willst!

Da wäre zum Beispiel…

GUADALAJARA

In der zweitgrößten Stadt des Landes sind wir sofort mittendrin im farbenfrohen und fröhlichen Mexiko. Schon im Flieger bekommen wir einen Vorgeschmack auf die Trinkfreudigkeit der Mexikaner, als Biene überrascht gefragt wird, ob sie ihren O-Saft tatsächlich pur und nicht lieber mit Tequila möchte. Die Altstadt von Guadalajara ist aufgrund ihrer prachtvollen Kolonialbauten, erhabenen Kathedralen und zahlreichen schönen Kirchen UNESCO-Weltkulturerbe und gut zu Fuß zu erkunden. Außerdem ist Guadalajara die Geburtsstadt des Mariachi, der hier noch jeden Abend von prächtig gekleideten Musikanten in den Straßen vorgetragen wird. Die bunten Häuserfassaden und die farbenfrohen Straßenzüge sind genau so hübsch, wie wir uns das in Mexiko vorgestellt haben. Auch in Sachen Gastfreundschaft heißt uns Guadalajara direkt herzlich willkommen in Mexiko und gibt uns einen Vorgeschmack auf die vielen Male, die wir in den kommenden Wochen von Einheimischen eingeladen werden sollten. Schon als wir das erste Mal aus unserem Hostel treten, um irgendwo etwas zu essen aufzutreiben, winkt uns der Barkeeper aus der Billardhalle gegenüber zu sich. Wir gehen hinüber und prompt lädt uns der nette Mexikaner zu hausgemachtem Ceviche und einem Bier ein. Ceviche ist roher Fisch, der in kleine Stücke geschnitten mit Tomaten, Chilli, Limettensaft und natürlich Koriander gewürzt wird. Neben Tacos, Enchiladas, Tortas und Burritos eine von vielen mexikanischen Köstlichkeiten (auch wenn Uli irgendwann an Maisfladen-Overkill litt).

TEQUILA

Nur 2 Busstunden von Guadalajara entfernt liegt das Städtchen Tequila, Herkunftsort des gleichnamigen alkoholischen Getränks. Natürlich unternehmen wir einen Abstecher dorthin! Und natürlich dreht sich in dem kleinen Ort alles um den hochprozentigen mexikanischen Exportschlager. Schon auf dem Weg fahren wir durch die endlosen blauen Agavenfelder, die es nur hier gibt und die wie die Lavendelfelder in der Bretagne so regional bedeutsam und besonders sind, dass die UNESCO diese Region zum Weltkulturerbe ernannt hat.

Vor Ort besichtigen wir die Traditionsdestillerie „Herradurra“. Auf der Führung durch die Hacienda erfahren wir neben der interessanten Geschichte des Tequila auch, wie der süße Fruchtsaft aus dem Herzen der blauen Agave extrahiert und in einem aufwändigen Prozess destilliert wird. Und obwohl wir in unserem Leben schon einige Tequila geleert haben, sind wir bei der anschließenden Verkostung überrascht: der Geschmack des hiesigen Tequila hat nur wenig mit dem Gesöff zu tun, dass aus gutem Grund zusammen mit Salz und Zitrone bzw. Zimt und Orange getrunken wird (was hier übrigens keiner tut). Viel eher erinnert der Geschmack an in Eichenfässer gereiften Whiskey. Auch mit der Qualität verhält es sich gleich – je älter, desto hochwertiger. Und wie lang gereifter Whiskey hat auch der mehrjährige Tequila eine sattgoldene Farbe. In seiner wahren Form also durchaus ein Getränk für Genießer. Und in den verschiedensten Variationen zu haben, was Jahrgang, Preis und Marke anbelangt.

SAN MIGUEL DE ALLENDE

Ein weiteres typisch mexikanisches Getränk lernen wir direkt einen Tag später kennen. In dem netten Örtchen San Miguel de Allende machen wir unsere erste Begegnung mit Micheladas. Das ist Bier mit Tomatensaft, Limette, Chili, Salz und Tobaso auf Eis! Klingt für Anhänger des deutschen Reinheitsgebotes grausam – schmeckt aber überraschend lecker und sehr erfrischend. Und ist eine wahre mexikanische Spezialität!
Obwohl San Miguel de Allende eine hübsche koloniale Altstadt, mehrere großartige Märkte mit allerlei Kunsthandwerk, leckeren mexikanischen Snacks und frischen Obstsäften sowie eine imposante Kathedrale hat, werden es wohl die Micheladas sein, die uns am eindrücklichsten von der Stadt in Erinnerung bleiben. Ach ja – und das wir dort den berüchtigten Stierkampf in der großen Arena um genau einen Tag verpassten.

GUANAJUATO

Guanajuatu ist ein idyllisch gelegenes Städtchen auf 2.000 Metern Höhe mit dem Flair einer netten kleinen Studentenstadt. Auf den vielen schönen Plätzen zwischen den bunten Gassen treffen sich in den lauen Abendstunden die Bewohner, um unter großen Schatten spendenden Bäumen und auf den Treppen rundherum die Neuigkeiten des Tages auszutauschen. In den autofreien und Kopfstein gepflasterten Gassen geht es das ganze Jahr über ruhig und bedächtig zu – außer an einem einzigen Wochenende: Ostern! Dann fällt halb Mexiko in dem kleinen Ort ein, um das wichtigste religiöse Fest des Jahres zu feiern! Und mittendrin 2 kleine ahnungslose Backpacker, die kein Zimmer reserviert haben… Nach unserer Ankunft am frühen Abend schieben wir uns über 2 Stunden durch die zum Bersten mit Menschen und Marktständen vollen Gassen. Mit wachsender Verzweiflung klappern wir mindestens 20 Unterkünfte ab und halten schon nach einem Zeltplatz Ausschau – als wir ganz zentral ein kleines verstecktes Hostal finden, welches noch Dormbetten frei hat. Puh – unser persönliches Osterwunder! Auf den Schreck hin wollen wir noch auf einen kurzen Absacker in eine Bar, aus der laute Rockmusik tönt – und landen in einer rammelvollen Studentenkneipe mit ausgelassener Stimmung! Es vergehen nur wenige Minuten, bis wir ein weiteres lokales Spezialgetränk und eine Gruppe sehr sympathischer Studenten kennen lernen, mit denen wir einige der besagten Mezcal preparada (=Tequila-ähnlicher Alkohol mit Salz, Chili, Limette und Fruchtsaft) leeren und bis in die frühen Morgenstunden um die Häuser ziehen und Salsa tanzen.

Bei einem Spaziergang zum El Papilo hoch oben über dem Ort bewundern wir am nächsten Vormittag den fantastischen Rundumblick auf das zwischen hohe Berge eingebettete Guanajuato, bevor die Feierlichkeiten zur Semana Santa, der heiligen Woche, beginnen. Anders als bei uns wird in Mexiko Ostern richtig groß gefeiert. Wie die meisten lateinamerikanischen Länder ist es überwiegend katholisch und Glaube und Religion spielt im täglichen Leben der Mexikaner noch eine viel größere Rolle als in Mitteleuropa. So mancher deutsche Pfarrer würde sich vielleicht wünschen, seine Kirche sei zur Karfreitagsmesse nur einmal so zum Bersten gefüllt wie hier. Im Anschluss daran wird auf dem zentralen Platz die Ostergeschichte nachgespielt. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die Osterprozession: Hunderte vermummte Gläubige ziehen durch die von Zuschauer gesäumten Straßen. Barfuß und in einfache Säcke gekleidet tragen sie mehrere Stunden lang schwere Holzpodeste mit lebensgroßen Heiligenfiguren durch die engen Gassen. Wir sind mittendrin und saugen die ungewöhnlichen Feierlichkeiten in uns auf.

Tags darauf besuchen wir eine eher gruselige Sehenswürdigkeit: das Mumienmuseum Guanajuato’s. Aus Platzgründen wurden im letzten Jahrhundert die Toten von Guanajuato’s Friedhof exhumiert, für die keine Grabsteuer mehr gezahlt wurde. Dabei stellte man fest, dass durch das trockene Klima und besondere Bodenbeschaffenheiten einige Leichen auf natürliche Weise mumifiziert worden waren. Einige findige Friedhofsmitarbeiter stellten diese in einer Lagerhalle aus und so entstand das Mumienmuseum. Die Mumien mit ihrer ledernen Haut und ihren sehr lebendig anmutenden Gesichtszügen sind für uns ein makabrer Anblick. Irgendwie fühlt es sich moralisch nicht richtig an, diese zur Schau gestellten toten Menschen anzugaffen. Wir verzichten auf eine geführte Tour und sind froh, als wir aus den dunklen Räumen wieder an die frische Luft treten. Nein, nochmal würden wir das Museum nicht besuchen.

Draußen erwarten uns wieder fröhliche Osterfeierlichkeiten. Heute werden die Heiligen, die gestern durch die Straßen getragen wurden, verehrt. Ihnen werden Blumen dargebracht, mit denen die Gläubigen um die Erhörung ihrer Gebete bitten. Wie der Ostersonntag selbst gefeiert wird, erleben wir leider nicht mehr mit, da wir mit dem Nachtbus nach Monterrey fahren.

MONTERREY

Da sind wir schon um mehr als die halbe getingelt und erreichen erst jetzt mit Monterrey die erste Destination unserer Reise, vor der sich Biene ein wenig fürchtet. Denn die Millionenstadt liegt im hohen Norden Mexiko’s. In der Gegend, von der es im Reiseführer heißt, man solle sie besser meiden. Im Gebiet der Drogenbosse und der Mafiakämpfe. Ausgerechnet hier wohnt Uli’s alter Schulfreund Michael, den wir besuchen wollen. Auf der Fahrt mit dem Nachtbus stopft Biene zum ersten Mal in 2 Jahren die US-Dollar, die wir als Notfallreserve mit uns führen, in den geheimen Geldbeutel. Nur zur Sicherheit. Nachtbusse sollen ja regelmäßig überfallen werden. Ein bisschen mulmig ist ihr schon zumute, auch wenn der Sonnenaufgang über der Sierra Madre aus dem Busfenster heraus schonmal traumhaft aussieht. Und dann ist mal wieder alles halb so wild wie das Bild, das die Medien zeichnen. Zwar hat Monterrey definitiv Stadtviertel, in die man sich besser nicht hinein wagen sollte und wohl ist hier auch die Gefahr höher, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein – aber eine für Touristen lebensgefährliche Hochburg der organisierten Gewalt ist Monterrey nicht. Auch wenn man sich bei dem für uns ungewohnten Anblick von Polizei Pick-ups, auf deren Ladefläche immer 2 Beamten mit Maschinengewehren im Anschlag stehen – und die in allen größeren Städten Mexiko’s zum Stadtbild gehören – immer wieder bewusst sagen muss, dass das die Guten sind.

Wir verbringen 2 tolle Tage mit Michael und seiner Familie, werden mit leckeren selbstgekochten mexikanischen Köstlichkeiten verwöhnt, schlendern über authentische Märkte, erkunden gemeinsam Monterrey’s modern gestaltetes Zentrum und schwelgen bis spät in die Nacht in Geschichten von früher. Oh – und noch eine mexikanische Spezialität probieren wir – geröstete Grashüpfer. Schmecken wie gesalzene Erdnüsse, knirschen aber zwischen den Zähnen beim Kauen.

REAL DE CATORZE

Das kleine Bergdorf ist ein echter Geheimtipp, den uns Michael verrät. Auf einem Hochplateau in der Wüste an den Ausläufern der Sierra Madre gelegen, haben wir schon vor unserer Ankunft das Gefühl, dass hier die Zeit vor Hundert Jahren einfach stehen geblieben ist: die letzten 23 Kilometer der sich in engen Serpentinen den Berg hinauf windenden Straße sind gepflastert und der einzige Zugang in das kleine Bergdorf ist durch einen von Hand in den Fels gehauenen Tunnel. Im Dorf selbst erwarten uns keine Autos, sondern Esel und Mulis, die schwere Lasten durch die Kopfsteingassen tragen. Cowboys mit breiten Sombreros binden ihre Pferde vor den Salons an und die Häuser haben dicke Steinwände, um die nächtliche Wüstenkälte abzuhalten. Wir organisieren uns einen lokalen Reit-Guide, der uns am nächsten Morgen 3 Stunden lang auf dem Rücken von flinken Bergponys über die endlos scheinende Wüstensteppe begleitet. Durch die trockene Luft und die Höhe sind alle Farben hier besonders intensiv – das Grün der über 2 m hohen Kakteen vor der sandigen Stepppe sticht richtig ins Auge und der Himmel ist so intensiv blau, dass wir uns nach Tibet zurück versetzt fühlen. Wir reiten vorbei an zerfallenen Minenschächten aus der Zeit des Silberabbaus und an Hacienda-Ruinen und zu allem weiß uns unser kundiger Guide Interessantes zu erzählen.

Unser Ziel ist ein Berg mitten in der Wüste. Auf diesem liegt das zeremonielle Zentrum der Huichol-Indianer, zu dem einmal jährlich das Volk tausende Kilometer weit zu Fuß durch die Wüste pilgert. Und was haben wir für ein Glück – als wir am Fuß des heiligen Berges absteigen, um diesen zu Fuß zu erklimmen, geht vor uns eine Gruppe Huichol. Eine seltene Gelegenheit. Die stolzen Huichol tragen handbemalte, baumwollene Kleidung (ähnlich dem handbemalten Narrenhäs der schwäbisch-allemanischen Fasnet), dazu handgewebte, farbenfrohe Accesoires und von ihren breitkrempigen Hüten flattern Federn und bunte Bommeln. Ihre Gesichter sind von Wind und Wetter gegerbt – man sieht ihnen an, dass sie viel Zeit unter der Wüstensonne verbringen. So gern wir auch würden, wir widerstehen der Versuchung unsere Kamera zu zücken und sie um ein Foto zu bitten. Denn nach dem Glauben der Huichol bringt es Unglück, dass Abbild eines Menschen festzuhalten. Bevor die Huichol mit der Zeremonie zur Darbringung ihrer Opfergaben beginnen, steigen wir wieder ab und reiten zurück nach Real de 14.

VERACRUZ

Es gibt Orte, über die steht nichts Nennenswertes im Reiseführer und dann sind sie trotzdem irgendwie sehenswert. Veracruz gehört nicht dazu. Als wir nach einer langen Fahrt und nächtlichem Umsteigen in Mexico City dort ankommen, wird uns recht schnell klar, dass uns in der Industriestadt am Golf von Mexiko nichts lange halten wird. Das wichtigste Gebäude in der kurzen Fußgängerzone ist ein klimatisierter McDonalds, der Markt bietet nicht viel mehr außer billigem Kinderspielzeug aus Plastik und schöne Strände sind aufgrund der vorgelagerten Bohrinseln leider ebenfalls Fehlanzeige. Wir müssten unseren eintägigen Ausflug hierher daher als Flop verbuchen – wäre da nicht der größte Riesen-Hamburger aller Zeiten gewesen, den wir abends an der belebten Uferpromenade des benachbarten Ferienortes Bocas del Rio verdrücken und die Saftbar neben dem Busbahnhof, in der es superleckere, frische Obstsäfte und schnelles Internet bei guter Musik gibt.

OAXACA

Mit dem nächsten Nachtbus geht es von Veracruz direkt weiter in die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Oaxaca. Zur achtstündigen Fahrt kommen aufgrund einer Straßensperre nochmal 3 Stunden dazu und wir bereuen, einen Bus der 2. Klasse ohne Toilette an Bord gebucht zu haben. Dass der Fahrer während des Stehens zusätzlich die Klimaanlage aus schaltet, macht die Stimmung an Bord nicht besser. .. Bei unserer Ankunft herrscht in Oaxaca viel zu viel Verkehr in der Altstadt, die Abgase bleiben in der heißen Luft stehen und die Menschenmassen schieben sich in der Mittagshitze durch die engen Gassen. Es ist heiß, stickig, stinkt und ist laut. Wir taufen die Stadt daher direkt um in Oakacka 😉 Da uns viele im Vorfeld von Oaxaca als schönster Stadt Mexiko’s vorschwärmten, können wir uns die nervige Enge in der Altstadt nur als vorüber gehenden Zustand aufgrund der gerade statt findenden Renovierung einer der großen Märkte erklären. Ansonsten finden wir aber Guadalajara, Tequila oder besonders Guanajuato sehr viel pittoresker.

Allerdings macht Oaxaca damit etwas wieder gut, dass sie es ist, die uns das Lieblings-Frühstücksgetränk unserer Kindheit geschenkt hat – Kaba! Hier in Oaxaca stellten die Azteken vor Jahrhunderten die erste Trinkschokolade her! Natürlich probieren wir alle möglichen Varianten des Milchgetränks in den Traditionshäusern der Stadt. Und mit dazu auch allerlei andere kulinarische Spezialitäten der Provinz.

Das Besondere an Oaxaca liegt für uns in ihrem Umland – neben kleinen Dörfer, in die man durch die Ausläufer der Sierra wandern kann, liegen auch die ‚Hierve el Agua‘ ganz in der Nähe: diese mineralischen Quellen fließen in natürliche und durch die im Wasser enthaltenen Mineralien geschaffenen Kalkpools, die wie 5*-Infinitypools direkt am Abhang mit Blick über dicht bewachsene Bergwälder liegen. Leider führen die Pools nur sehr wenig Wasser als wir da sind, sodass wir uns auf das Betrachten des azurblauen Wassers und der versteinerten Wasserfälle beschränken. Auf der Anfahrt erleben wir eine weitere ‚Spezialität‘, die in der Provinz Oaxaca – und in Mexiko generell – häufig vorkommt: Gegen die herrschenden Zustände protestierende Lehrer haben eine Straßenblockade errichtet, die der Fahrer unseres Taxi Collectivos (sehr günstige Taxis, die immer die gleiche Strecke fahren und dann losfahren, wenn sie voll besetzt sind) erst nach langem Suchen nach einer offenen Ausweichstrecke umgehen kann. (Abfahrt für die Taxi Collectivos nach Hierve el Agua: Mercado de Artesanias)

Eine weitere Attraktion liegt genau vor den Stadttoren Oaxaca’s: Auf dem vor der Stadt gelegenen Monte Alban befinden sich die Ruinen der einstiegen Hauptstadt des Volkes der Zapoteken. Von der einst 20.000 Einwohner fassenden Stadt sind die mauernen Überreste des großen Platzes, des Observatoriums, der Spielstätte und Paläste erhalten geblieben.

ZIPOLITE

An einem kilometerlangen, goldenen Sandstrand finden wir hier unseren persönlichen Wohlfühlort Mexiko’s. Aus unserem sehr günstigen Strandbungalow heraus blicken wir direkt auf’s Meer und hören nachts zum Einschlafen den sich donnernd brechenden Wellen zu. Der kleine Strandort Zipolite (bestehend aus einer Dorf- und einer hinteren Straße) ist wie die nahe gelegenen Dörfchen Mazunte und San Augustinillo ein ehemailger Hippie-Rückzugsort, es gibt viele Yoga-Angebote und direkt am Strand kann in Hängematten übernachtet werden. Als wir kurz nach Ostern hier sind, ist das kleine Dorf wie ausgestorben und wir haben einen ganzen Strandabschnitt quasi für uns alleine. Die Strandtage sind ein gelungener Abschluss, bevor wir Mexiko nach einem kurzen Besuch des Surferortes Puerto Escondido und einer Nacht in Cancun für’s Erste verlassen und uns auf den Weg nach Kuba machen.

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