Myanmar

Faszination Myanmar – 10 Besonderheiten eines ungewöhnlichen Landes

Faszination Myanmar – 10 Besonderheiten eines ungewöhnlichen Landes

Unser ursprünglicher Plan war, in 2 bis max. 3 Wochen durch Myanmar zu reisen. Pusteblume. Wir haben unser 28-Tages-Visum auf den Tag genau ausgenutzt. Fast hätten wir es sogar noch um 1-2 Tage überzogen. Myanmar hat nicht lange gebraucht, um uns in seinen Bann zu ziehen. Mit seiner Ursprünglichkeit hat es unsere Entdeckerherzen im Sturm erobert.
Es ist noch nicht lange, dass sich das exotische Land langsam der Welt öffnet. Viele Gebiete sind bis heute für Touristen gesperrt – sei es durch anhaltende Kämpfe des Militärs mit Rebellenarmeen der verschiedenen Volksstämme oder aufgrund von großflächigen Opiumplantagen, die uns hinter vorgehaltener Hand als Grund genannt wurden. Durch diese Abschottung haben sich viele nationale Bräuche erhalten und äußere Einflüsse auf Kultur, Kleidung, Bräuche etc. halten sich bislang in Grenzen.

In vielem hat uns Myanmar überrascht! Wir sind über Dinge gestolpert, die wir bisher nicht kannten und die für uns dieses Land in seiner Einzigartigkeit ausmachen. 10 dieser Besonderheiten haben wir hier zusammengestellt, um Euch dieses faszinierende Land mit seinen warmherzigen Menschen etwas näher vorzustellen und nicht nur als Nebendarsteller in unseren Tagesabläufen. 😉

# 1 Die Landesdroge: Betelnuss

Das Kauen der Betelnuss ist Volkssport in Myanmar. Es ist Sucht wie Gepflogenheit, vergleichbar mit dem Rauchen in deutschen Breitengraden. Getrocknete und klein gehackte Stückchen der Nuss werden zusammen mit einer Prise Kräuter, Zimt, Kardamonsamen und für den Geschmack wahlweise Tabasco in die mit einer weißen, seifenähnlichen Paste bestrichenen Betelblätter eingewickelt und zu mundgerechten Päckchen gefaltet.
Männer wie Frauen kauen die Päckchen. Beim Sprechen wird das Gemisch einfach in der Backe zwischen geparkt. Die Wirkung ist vergleichbar mit der von Koka. Unansehnlicher Nebeneffekt: Erhöhte Speichelproduktion. Dieser wird dann als rote Suppe alle paar Minuten ausgespuckt. Dadurch sind die ganzen Straßen und Gehwege in Burma wie von getrocknetem Blut rot-gefleckt. Was ordentlich eklig aussieht. Außerdem färbt der Betel die Zähne rot. Die ersten Male sind wir erstmal erschrocken, wenn uns eine freundliche Alte angelächelt hat und statt Zähnen rot verfaulte Stumpen aufblitzten.

Biene hat sich einmal am Betel kauen versucht und sich ein Päckchen in den Mund gesteckt. Der Geschmack war …gewöhnungsbedürftig. Es besteht keine Suchtgefahr.

# 2 Die Landestracht: Longyi

Dieser traditionelle Rock ist das überwiegend getragene Kleidungsstück von beiden Geschlechtern. Die Männervariante ist kariert und eine Art breiter Stoffschlauch. Vorn wird der Rock mittig gefaltet und der Knoten oben in den Rockbund eingeschlagen. Der Rock ist wie die Frauenversion ebenfalls knöchellang, wird von den männlichen Trägern aber auch schonmal auf Knielänge zusammen gerafft. Die Damenlongyis gibt es in den verschiedensten, wunderbar gewebten Designs. Sie werden wie Wickelröcke an der Seite eingeschlagen getragen. Dazu werden meist farblich abgestimmte Blusen kombiniert, die Männer tragen mehrheitlich Hemd zum Longyi.

Amüsantes Detail: Der Longyi sorgt für Gleichberechtigung. Wie in den Pausen unserer zahlreichen Busfahrten gesehen, müssen damit auch die Männer im Sitzen pinkeln. Uli beweist aber, dass es auch anders geht 😀

# 3 Der Landes-Look: Thanaka

Diese nationale Besonderheit fällt ins Auge und ist mit das erste, das uns in unseren ersten Stunden in Myanmar auffällt: Mehrheitlich Frauen aller Altersgruppen und Kinder haben eine hellbraune Paste im Gesicht aufgetragen. Mal kunstvoll in Spiralen, Punkten und feinen Mustern auf Wangen und Stirn, mal großflächig im ganzen Gesicht wie zu helles Make-up.
Die hellbraune Paste ist Sonnenschutz, Kosmetik und Schmuck zugleich. Sie wird aus der zerriebenen Rinde und dem Mark des Thanaka-Baumes hergestellt und zum Auftragen mit Wasser vermischt. Laut den Einheimischen ist Thanaka die Erklärung dafür, warum Burmesen – anders als die meisten anderen Asiaten – nicht an Hautproblemen leiden.

Biene probiert das kosmetische Wundermittel natürlich aus. Als die Paste erst einmal aufgetragen ist – wobei es gar nicht so leicht ist, dass es auch ästhetisch aussieht – entfaltet sie eine angenehm kühlende Wirkung. Und riecht ein bisschen nach Baum. Die Einheimischen fanden es höchst amüsant, eine Ausländerin mit Thanaka im Gesicht zu entdecken.

# 4 Die Landesspezialität: Teeblattsalat

Diese ungewöhnliche Köstlichkeit war uns gänzlich unbekannt. Tee zum trinken, klar – aber Teeblätter essen? Ein holländisches Pärchen schwärmte uns in Chengdu davon vor. Das haben wir natürlich ausprobiert. Und tatsächlich schmeckt es köstlich. Und überall ein bisschen anders. Zur Zubereitung werden die frisch gepflückten grünen Teeblätter zunächst kurz aufgekocht, dann in Holzfässer gepresst und eingelagert (im Prinzip das gleiche Verfahren wie bei der Herstellung von Silage für Kühe 😀 ). Die fermentierten Blätter werden mit vielen Nüssen, ebenso viel Knoblauch, Öl und Kräutern gewürzt. So ergibt sich daraus ein intensiv schmeckender Salat. Köstlich. Wir haben die Nascherei allerdings auch im Verdacht, unsere europäischen Mägen mehr als einmal ordentlich zur Meuterei angestiftet zu haben. Nicht schön.

# 5 Das Landesgetränk: Myanmar-Tee

Neben dem schmackhaften Myanmar-Bier gibt es vor allem ein Getränk, dass sich großer Beliebtheit erfreut: Der Myanmar-Tee. Dieser süße, mit Kondensmilch angereicherte Tee wird dabei nicht zuhause in der Küche zum Frühstück getrunken, sondern in den zahlreichen Teestuben, die allgegenwärtig sind. Hauptsächlich sind es Männer, die hier beisammen sitzen. Was in Deutschland die Stammkneipe ist, in der zusammen mit den Kumpels das Feierabendbier getrunken wird, ist hier die Teestube. Im geselligen Beisammensein wird auf den meist nur miniaturgroßen Plastikstühlen gesessen, Tee getrunken, Samosas und frittiertes Stangengebäck geknabbert und geschwatzt.

Uns ging es mehr als einmal so, dass wir gegen Abend gemütlich ein Bier trinken gehen wollten und erst beim Grinsen des Wirtes beim aufgeben unserer Bestellung bemerkten, dass wir in einer Teestube stehen. 😀

# 6 Der Landessport: Chinlon

Wird es Abend in Burma, ist in den kleinen Gassen überall dasselbe Bild zu sehen: Kleine Gruppen von Männern versammeln sich auf oder neben der Straße, den Longyi zu Shorts gefaltet oder zum kniekurzen Rock hochgezogen, und spielen begeistert Chinlon. Der Chinlon ist ein ca. 10 cm großer, geflochtener Ball aus Rattan. Dieser wird mit den Füßen gespielt und entweder über ein Netz oder zum Spaß im Kreis herum gespielt. Begleitet wird das Spiel oft durch laute Anfeuerungsrufe der Zuschauer oder der Spieler selbst.

# 7 Der Landesrhythmus: 8-Tage-Woche

In Myanmar hat die Woche 8 Tage. Dabei gibt es wie im Allgemeinen zwar die 7 Wochentage von Montag bis Sonntag, allerdings wird der Mittwoch zweigeteilt und als 2 Tage gezählt. Ein Tag ist vormittags, der andere von 12 Uhr bis Mitternacht. Ihren Ursprung hat diese Zählung in der burmesischen Astrologie, nach der jedem Tag ein Tier zugeordnet ist. Der Mittwoch ist der Tag der Elefanten. Dabei gehört der Mittwoch-Vormittag dem Elefanten mit Stoßzähnen, der Nachmittag dem Elefanten ohne. Die burmesischen Arbeitselefanten haben aus diesem Grund mittwochs frei.

# 8 Die Landesfarbe: Gold

Wenn wir nur ein Wort hätten, um die eindrücklichste Erinnerung an Myanmar zusammenzufassen, wäre es wahrscheinlich: Gold. Am Flughafen in Yangon werden ankommende Reisende mit dem Schild „Welcome to the Golden Land“ willkommen geheißen. Schon auf dem Weg in die Stadt sieht man von weitem die golden funkelnde Shwedagon Pagode über der Stadt thronen. Die Flüsse des Landes sind reich an Gold und in jeder Stadt finden sich zahlreiche Schmuck-Goldhändler. Überall leuchten goldene Stupas auf den Hügeln, goldene Buddha-Statuen finden sich im noch so kleinsten Stupa und gläubige Pilger bringen ihre Ehrerbietung durch das Aufkleben von Blattgold auf die verehrten Statuen zum Ausdruck. Ganz klar: keine Farbe charakterisiert Myanmar so sehr wie Gold. Ob es sich dabei überall um echtes Gold handelt, sei dahin gestellt.

# 9 Der Landesrückstand (u.a.): Infrastruktur und Elektrizität

Die reibungslose Versorgung mit Elektrizität ist in Myanmar noch nicht flächendeckend ausgebaut. Abgesehen von den beiden großen Metropolen Yangon und Mandalay ist die Stromversorgung oft nur provisorisch und stundenweise vorhanden. So ist es vor allen in den wenig touristischen kleinen Orten im Süden und Nordosten nicht unüblich, dass jedes Haus/Hostel über einen eigenen Generator verfügt. Der dann auch recht regelmäßig zum Einsatz kommt.

Ähnlich verhält es sich mit der Infrastruktur. Auch hier gibt es – ausgenommen den neuen Highway, der Yangon mit Mandalay verbindet – noch sehr viel Entwicklungspotenzial.
Als wir z.B. gegen Ende unserer Reise in einer achtstündigen Busfahrt ganze 150 km südlich reisen, sind wir zunächst froh, dass wir auch im Anschluss nach Süden weiter wollen und ein Stück dieser Strecke also schon hinter uns haben. Aber nur vorübergehend: Da die Straße Richtung Süden hier endet, geht es zunächst wieder 8 Stunden Richtung Norden. …im Anschluss gefolgt von 10 Stunden nach Süden.

# 10 Der Landeszustand: Wandel und Veränderung

Myanmar ändert sich derzeit rasend schnell. Unser Reiseführer erschien erst letztes Jahr im Oktober – dennoch waren viele Informationen darin bereits wieder veraltet. So lasen wir bei unseren Recherchen im Vorfeld, dass es Bankautomaten nur vereinzelt in den Großstädten gibt und ausländische Kreditkarten meist nicht funktionieren. Was wir vorfanden, war eine flächendeckende Ausstattung mit Geldautomaten, selbst im kleinen Trekkingort Hsipaw. Auch der ans Herz gelegte US-Dollar, mit dem wir uns in Manila sicherheitshalber ausstatteten, wird (von Privatpersonen) längst nicht mehr so gern angenommen wie überall aufgeführt. Daneben werden u.a. Grenzübergänge geöffnet, Gebiete ohne Spezialgenehmigung zugänglich gemacht und die Infrastruktur ausgebaut. Manchmal wissen selbst die Einheimischen nicht, was inzwischen aktueller Stand ist.

Diese Entwicklung ist sicherlich Chance und Herausforderung zugleich für das Land.
Wir haben uns sehr gefreut, Dich etwas kennen lernen zu dürfen, Myanmar. Wir sagen heute nicht tschüss – wir sagen Auf Wiedersehen.

Von A nach Z in Myanmar

Von A nach Z in Myanmar

Von außergewöhnlichen Transportmitteln und Erlebnissen on the road

Die Transportmittel in Myanmar sind so exotisch wie verschieden. Außerdem sind wir in den 4 Wochen quer durch das Land gereist und haben so zahlreiche Stunden auf der Straße verbracht. Deshalb widmen wir diesem Thema einen eigenen Eintrag in unserem Reisetageblog.

DIE TRISHAW

Diese Fahrradtaxis haben ähnlich den bekannten Fahrrad-Rikschas einen kleinen Beiwagen. Allerdings nicht hinter, sondern neben dem Fahrrad. Auf diesem können Rücken an Rücken 2 Passagiere Platz nehmen. Die Sitzbreite ist dabei noch nicht auf die breiteren Wohlstandshintern westlicher Touristen ausgelegt. 😉 Dann geht die Fahrt je per Muskelkraft des Fahrers mehr oder weniger rasant los. Wir fuhren damit einmal durch Yangon und in dem chaotischen Verkehr waren wir ganz froh, als wir wohlbehalten an unserem Ziel ankamen. Einst waren die Trishaws das Symbol für das brodelnde, burmesische Großstadtleben. Heute versucht die Regierung die Trishaws als „Verkehrshindernisse“ oder auch „Symbole der Armut“ aus den Innenstädten zu verbannen. (Leider haben wir es verpasst, davon ein gutes Foto zu schießen)

PICK-UPS

In verschiedenen Größenordnungen fungieren die Pick-ups als Sammeltaxis. Sie fahren bestimmte Routen ab und fahren meist erst dann los, wenn sie ganz voll sind. Die Fahrpreise sind günstig. Von Vorteil sind etwas Abenteuerlust und ein gutes Sitzfleisch, um an den meist schaukelnden und ruckeligen Fahrten Spaß zu finden.
Die meisten Pick-ups sind mit einer Dachplane ausgestattet, die vor Sonne und Regen schützt. Die Passagiere sitzen mehr oder weniger zusammengepfercht auf den längsseitigen Bänken auf der Ladefläche. Für die vorderen Sitze in der Fahrerkabine muss mehr bezahlt werden. Und sind die Bänke hinten voll, werden nicht selten noch Plastikhocker in der Mitte aufgereiht. Einer passt immer noch rein.

 BUSSE

Die an sich unspektakulären Vehikel bekommen ihren Besonderheitswert daher, dass es sich dabei – abgesehen von den meisten VIP-Touristen-Bussen – um wahre Oldtimer handelt. Was in China aus dem Straßenverkehr ausgemustert wird, wird hier noch viele weitere Jahre als Linienbus eingesetzt. Und wenn die Türen nicht mehr in den Halterungen halten, können sie ja immer noch mit Seilen festgemacht werden. Und wer braucht schon durchgehend Fenster? Auch ein bisschen Wasser, das bei Regen durch das Dach tropft, hat noch keinem geschadet. Auf längeren Fahrten werden regelmäßig alle 2 Stunden Pausen eingelegt. Was tagsüber zum Beine ausstrecken sehr angenehm ist, uns nachts aber des öfteren aus dem mühsam erkämpften Schlaf gerissen hat. Für längere Strecke und auf der Hauptroute der Nord-Süd-Achse sind Busse die Hauptverkehrsmittel. Die Eisenbahn ist hier nicht wirklich konkurrenzfähig 😉

DIE EISENBAHN

Ein Highlight und Erlebnis gleichermaßen ist eine Fahrt mit der burmesischen Eisenbahn! Im Vorfeld hatten wir schon einige Male gelesen, dass eine Fahrt auf Schienen in Myanmar ein einmaliges Erlebnis ist. Andere Reisende, die bereits mit der Eisenbahn gefahren sind, erzählten uns die lustigsten und haarsträubendsten Anekdoten. Für uns war klar: Wir wollen TschuTschu fahren. Wir hatten uns für unsere Fahrt auf den Gleisen eine der ältesten Bahnstrecken Myanmars ausgesucht: Die Fahrt von der Bergstadt Pyin Oo Lwin nach Hsipaw im Nordosten des Landes. Die Strecke verläuft durch eine tolle Berglandschaft und über die berühmteste Eisenbahnbrücke Mynamars – das Gokteik-Viadukt. Diese ist seit 1901 in Betrieb, 111 m hoch und wird äußerst vorsichtig im Schritttempo befahren – perfekt für leidenschaftliche Reisefotografen 😉

Genau 2 Züge verkehren täglich zwischen Lashio, der chinesischen Grenzstadt im Nordosten und Mandalay. Einer „up“ nach Norden, einer „down“ in die Gegenrichtung.
Aus unserer geplanten Fahrt wurde aber zunächst nichts. Als wir in Pyin Oo Lwin morgens 1 Stunde vor Abfahrt am Bahnhof im Kolonialstil eintrafen, erfuhren wir, dass heute kein Zug fahren würde. In der Nacht zuvor war bei einem Unwetter ein Erdrutsch auf den Schienen nieder gegangen, wodurch die Strecke unpassierbar war. Der nächste Zug würde evtl. in 3 Tagen fahren, genau konnte das noch niemand sagen. Also fuhren wir erst einmal mit dem Bus nach Hsipaw, um dann den Rückweg mit dem Zug zurückzulegen.

Die luftige Fahrt war in der Tat ein Erlebnis. Das Ticket kostete uns knapp 1 USD – für 7 Stunden Fahrt. Mit dem Bus hatten wir 4 Stunden für dieselbe Strecke benötigt. Warum, wurde uns schnell bewusst, als der Zug sich ruckelt in Bewegung setzte: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Eisenbahn lag bei ca. 15 km/h und abschnittsweise hatten wir das Gefühl, mehr seitwärts zu schwenken als vorwärts zu fahren. Munter hüpften wir auf unserer Sitzbank auf und ab. Was zum größten Teil daran lag, dass die verlegten Schienen mehrheitlich noch original aus der Kolonialzeit stammen. Teilweise waren sie bereits so überwuchert, dass sie nicht mehr zu erkennen waren.

Wir hatten Holzklasse gebucht. Und sie machte ihrem Namen alle Ehre: Die Sitzbänke waren tatsächlich aus Holz. Fenster gab es keine – fuhr der Zug durch den Wald, mussten wir schnell genug die Köpfe einziehen. Für Proviant war reichlich gesorgt, an den Bahnsteigen warteten immer schon Frauen, die mit Körben auf dem Kopf Getränke und Snacks anboten und an der Handvoll Bahnhöfe entlang der Strecke wurde richtig gekocht. Wir hatten einen Riesenspaß auf der Fahrt. Auch die Einheimischen freuten sich über unsere Anwesenheit, wollten uns großzügig mit Nüssen und Obst versorgen, uns an ihrem Kartenspiel teilhaben lassen und sich mit uns unterhalten. In der Regel fahren Touristen in der etwas komfortableren Upper Class.

Und so sah die aufregende Fahrt live aus unserer Perspektive aus:

DIE PFERDEKUTSCHE

Ebenso wie die Eisenbahn sind auch die Pferdekutschen noch ein Relikt aus der Kolonialzeit und die an einigen Orten üblichen Transportmittel für kürzere Strecke innerorts. Teilweise sind es sogar noch wunderschön bemalte, originale Holzkutschen aus den 20er-Jahren. Während an den touristischen Hauptorten wie Bagan oder dem viel besuchten Pyin Oo Lwin die Kutschen schon eher zu einer Touristenattraktion werden, sahen wir in den abgelegenen Orten und außerhalb von Mandalay, dass die Kutschen auch für die Einheimischen oft das Transportmittel der Wahl sind.

DER OCHSENKARREN

Weniger als Personenbeförderungsmittel, dafür aber in großem Stil in der Landwirtschaft im Einsatz. Die Bestellung der Felder findet hier größtenteils tatsächlich noch mit dem Ochsenkarren statt. Gemächlich ziehen jeweils 2 mächtige Ochsen die hölzernen Wägen über die holprigen Straßen zu den Feldern, angetrieben und auf Spur gehalten mit einem dünnen Ast als Peitsche. Wir konnten gar nicht genug staunen, wenn wir diese in Deutschland längst ausgestorbenen Gefährte erspähten!

DAS FAHRRAD

An den touristischen Orten wie Bagan, Yangon, Mandalay oder dem Inle-See vermieten viele Hostels und Verleihe tageweise Fahrräder. Im Angebot sind größtenteils recht klapprige, chinesische Modelle, mit denen noch richtiges Entdeckerflair aufkommt 🙂 In Yangon würden wir eher nicht mehr Fahrrad fahren, durch den chaotischen Verkehr kamen wir auf dem Drahtesel mittendrin ziemlich verloren vor und auch die vielen Einbahnstraßen machen das Vorwärtskommen hier ziemlich unübersichtlich. Am Inle See haben wir eine tolle Tagestour am See entlang und zu einem Weingut auf dem Berg unternommen. Und in Bagan hatten wir für die Erkundung der antiken Pagoden 2 Tage lang das absolute Non-Plus-Ultra unter den Rädern: Ein Elektro-Fahrrad. Bei den heißen Temperaturen, die dort herrschten und uns bereits zum Sonnenaufgang beim radeln ins Schwitzen gebracht hatten, genau das Richtige.
Ach ja, Radeln mit dem Longyi will geübt sein 😉

 

DAS BOOT

Wir selbst sind nicht auf einem der Flüsse gefahren, weil es sich einfach nicht passend ergeben hat. Von anderen Reisenden hörten wir aber, dass die Strecken auf dem Ayeyarwaddy und den Thanlwin meist recht schön aber zum Teil evtl. etwas eintönig sind, da die Landschaften flach und die Flüsse jetzt in der Regenzeit sehr breit sind. Typische Strecken sind auf dem Ayeyerwaddy von Mandalay nach Bagan oder auf dem Tschaldwin zwischen Hpa An und Mawlamiayng.

 

DIE STRAßEN

Nicht jeder Kilometer, der befahren wird, hat den Namen Straße verdient. Die mit Abstand am besten ausgebaute Straße ist der Highway zwischen Yangon und Mandalay. Die meisten anderen Straßen sind ziemliche Schlaglochpisten. Rund die Hälfte der Straßen, die wir befuhren, waren asphaltiert, der Rest Kieswege und unbefestigte Staubpisten. Außerdem entdeckten wir die Kunst des langsamen Reisens nochmal neu: für 150 km sind wir geschlagene 8 Stunden Bus gefahren.
Eine Besonderheit ist, dass zwar Rechtsverkehr herrscht, die meisten Autos und Busse aber dennoch die Lenkräder auf der rechten Seite haben. Das hat seinen Ursprung darin, dass ein ranghoher Offizier einst übernacht landesweit den Verkehr von (seit der Kolonialzeit herrschendem) Links- auf Rechtsverkehr umstellen ließ. Angeblich, weil ihm von einer Wahrsagerin prophezeit wurde, dass er einmal auf der linken Straßenseite ums Leben kommen wird.

Kaum zu glauben, aber wahr: An einer der zahlreichen Baustellen konnten wir beobachten, dass der Straßenbelag hier noch VON HAND gelegt wird. In Akkordarbeit legten rund ein Dutzend Frauen große und kleine Steine passen zurecht, bevor diese festgewalzt und mit Bitumen übergossen wurden.

Auch sonst tummelt sich noch allerlei exotisches Gefährt auf den Wegen:

 

Oh, und ein Transportmittel hätten wir beinahe vergessen: das CHINESE HORSE. Das ist das wohl meist verbreitetste Fortbewegungsmittel für jedermann. Ein Auto fahren hier nur die wenigsten. Was dem Deutschen sein Auto ist, ist dem Burmesen sein Moped. Das "Chinese Horse" steht dafür für die Modelle aus China. Das sind die günstigsten auf dem Markt. Wer es sich leisten kann, fährt aber viel lieber Honda! 😀

(Wir beschränken uns hier auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Für den gehobenen Geldbeutel gibt es zusätzlich fast überall noch die Möglichkeit einen Mietwagen inkl. Fahrer zu chartern oder ins Flugzeug zu steigen-wobei der Besonderheitswert hier eindeutig abnimmt 😉 )

Gesucht: Unberührte Landstriche und besondere Begegnungen!

Gesucht: Unberührte Landstriche und besondere Begegnungen!

GEFUNDEN: DAS Volk DER PADAUNG

Den ersten Anreiz gab eine Broschüre, die uns zufällig in Yangon im Büro des MTT (Ministry for Travel & Torism) in die Hände fiel, als wir uns wegen nötigen Sondergenehmigungen für den südlichen Landesteil erkundigten. Auf deren Rückseite war eine in traditionelle Gewänder gekleidete Frau in voller Tracht abgebildet. Um ihren lang gereckten Hals: viele Reihen schwerer Silberringe. Dieser Halsschmuck ist die Besonderheit der Padaung, die in Burma auch das Volk der Roten Karen genannt werden. Übersetzt und touristisch vermarktet werden sie häufig als Giraffenhalsfrauen. Eine Bezeichnung, die die Angehörigen des Volkes aber ablehnen.
Wir waren erstaunt und geben zu – unwissenderweise hätten wir diesen Stamm eher irgendwo in Afrika vermutet. Ja, dieses Volk siedle im Osten des Landes, aber Genaueres konnte uns die freundliche Dame an der Information leider auch nicht sagen. Auch das Nachschlagen in unserem Reiseführer brachte erstmal keinen Erfolg.

Nun gut, wir hatten auch erstmal andere Pläne und reisten in den Süden des Landes und anschließend in den Norden. Aber die Padaung waren im Hinterkopf. Allerdings gab es nirgends mehr Hinweise auf dieses interessante Volk. Eher zufällig stießen wir einige Zeit später doch noch auf eine kleine Passage in unserem Loose, in der die Padaung in einem Nebensatz erwähnt wurden.

Wir waren inzwischen am Inlesee und hatten noch knapp eine Woche, bevor unsere Visa abliefen. Ganz in der Nähe von hier, ca. 150 km weiter südlich, sollte es ein Padaung-Dorf geben. Wir waren unschlüssig. Kamen wir mit dem Bus dorthin? Lohnte es sich, dorthin zu fahren? Und möchten wir, trotz aller Neugier, überhaupt? Wir wollten keinen Minderheiten-Tourismus unterstützen, der die kulturelle Besonderheit kleiner Völker vermarktet.

Den Ausschlag gab schließlich unsere recht erfolglose Internetrecherche. Trotz mehrstündiger Suche konnten wir keine Erfahrungsberichte anderer Reisender finden, die hier bereits die Padaung besucht hatten oder überhaupt in diesem Gebiet Myanmars waren.

(Was wir fanden, waren mehrere Dörfer im Norden Thailands, wohin viele Angehörigen der verschiedenen Minderheiten während der Zeit des Militärregimes vor der kulturellen Unterdrückung flohen und wo diese mittlerweile auch stark touristisch vermarktet werden. Da mochten wir nicht hin.)

Es wurde deutlich, dass dieses Gebiet Burmas ein weisser Fleck auf der touristischen Landkarte ist. Klare Sache: DA möchten wir hin! 🙂

Nach einiger Informations-Suche wussten wir auch, wie wir dorthin kommen konnten: Zunächst mussten wir morgen uns 7 Uhr mit einem Pick-up zur großen Kreuzung eine halbe Stunde weiter nördlich und dort den Bus erwischen, der gegen 8 Uhr aus der Bezirksstadt Taunggy in den Süden fahren sollte. Dieser Bus war selbst unter den Bussen Burmas schon ein echter Oldtimer: mit seinen wackeligen Sitzen, einer ausgehängten Tür, meterhoher Dachbeladung und zusätzlichen Plastikstühlen im Gang war er so überladen wie klapprig. Dass wir für die 150 km ganze 8 Stunden brauchen sollten, konnten wir uns dennoch noch nicht so recht vorstellen. Aber das sollte sich rasch ändern… 😀

Die Straße gen Süden stand in ihrer Beschaffenheit dem Bus in nichts nach! Und so ging es im Schneckentempo holpernd auf einer staubigen Piste am Inlesee entlang. Unterbrochen wurde die Fahrt noch von einer Mittagspause, die ausgiebig ausgedehnt wurde, da irgendetwas am Bus repariert werden musste. Wir waren kaum überrascht 😉
Gegen Spätnachmittag kamen wir in der kleinen Stadt Loikaw an. Von hier aus sollte lt. Reiseführer eine 6-stündige Wanderung in das Dorf der Padaung führen. Das war bis dahin auch alles, was wir an Info hatten. 😀 Aber wir wissen aus Erfahrung, das vor Ort meist die akkuratesten Infos zu bekommen sind.

Hier hatten wir allerdings das Problem, dass wir uns kaum verständigen konnten. Statt Englisch hätten wir auch genausogut auf Sulaheli fragen können und auch unsere Verständigung mit Händen und Füssen wollte nicht klappen. Wir glauben nicht, dass vor uns schon viele Ausländer den Weg hierher fanden. Als wir dann doch noch jemanden fanden, der Englisch sprach, hatte dieser noch nie von einem Dorf der Padaung in der Umgebung gehört. Abhilfe fand sich schließlich in unserem Hotel, dessen Besitzer das Dorf kannte und einer der anderen Gäste dezentes Englisch sprach und als Übersetzer fungierte. So fanden wir heraus, dass das Dorf der Padaung Pan Pe´hieß und ca. 30 km entfernt in der Nähe des Marktfleckens Demoso lag.

Mit einem Zettel ausgerüstet, auf dem in Burmesisch der Name des Dorfes stand zogen wir am nächsten Morgen los. Die ersten Tuk Tuk Fahrer winkten ab. Das Dorf kannten sie nicht. Schließlich fanden wir einen jungen Fahrer, der meinte das Dorf zu kennen. Überraschend schnell wurden wir uns auch über den Fahrpreis einig, kletterten auf die Ladefläche und los ging die holperige Fahrt. Kurz hinter dem Ortsausgang war allerdings schon Stopp. Ein Kontrollposten des Militärs. Ob wir eine Sondergenehmigung hätten, um diesen Landesteil zu betreten? Ab hier sei für Ausländer gesperrtes Gebiet. Hatten wir natürlich nicht. Wir gaben die blauäugigen, naiven Touristen und tatsächlich willigte der Beamte ein, uns ausnahmsweise für 3 Stunden ohne Sondererlaubnis passieren zu lassen.
Die erste Hürde war genommen. Die zweite folgte sogleich: Wie sich herausstellte, kannte der Fahrer das Dorf doch nicht. Deshalb auch der geringe Preis…. Nach einigem Diskutieren in verschiedenen Sprachen setzte er uns schließlich im nächsten Ort ab, von wo aus wir mit dem Motorbike und 2 Locals weiter fahren sollten. Auch gut.

Wir fuhren ab hier nochmals eine gute Stunde mit den Motorbikes und waren angesichts der Sandpiste froh, die Strecke nicht im Tuk Tuk zurückzulegen. Links und rechts des Weges wartete die schönste Landschaft. Der Himmel war strahlend blau und das von der Regenzeit frische Gras und die Bäume leuchteten sattgrün im Kontrast zu den roten Sandwegen. Sanft geschwungene Hügel, Reisfelder und grasende Kuhherden säumten die letzten Kilometer. Dann kam das Dorf in Sicht.

An einem Verkaufsstand hatten wir unsere erste Begegnung mit einer Angehörigen des Padaung Volkes, die sich über unseren Besuch und die von uns mitgebrachten Gastgeschenke (Waschmittel, Tabak, Seife etc.) freute. Wir fuhren weiter ins Dorf hinein und trafen hier noch weitere Frauen mit den markanten Silberspiralen um den Hals. Unsere Begleiter konnten aber leider nur bedingt als Dolmetscher fungieren, da das Volk der Padaung eine eigene Sprache spricht. Wie wir erfuhren werden kurze Spiralen schon im Kindesalter um die Hälse der jungen Mädchen gebogen. Die Spiralen werden nur sehr selten abgelegt. Die Halsmuskulatur bildet sich zurück, wodurch es für die Frauen anstrengend ist, keine Spirale zu tragen. Dass mit dem Ablegen der Spiralen der Hals den Kopf nicht mehr trägt, stammt jedoch aus dem Reich der Ammenmärchen.

Mit den Jahren werden die Spiralen immer länger und der Hals so gedehnt. Bzw. werden eigentlich die Schultern nach unten gedrückt, was wir bei den Frauen auch gut sichtbar war. Neben den auffälligen Halsspiralen tragen die Padaung-Frauen auch Silberreife um Hand- und Kniegelenke. Wie wir aber sahen, tragen nicht mehr alle Frauen des Stammes den traditionellen Schmuck. Vor allem jüngere Frauen verzichten zunehmend darauf.

Bilder machten wir bei diesem Ausflug recht wenige und auch nur mit den Frauen, die gerne einwilligten, sich mit ihrem seltenen Schmuck fotografieren zu lassen.
Bei anderen hatten wir den Eindruck, dass sie nicht gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen oder sich auf Polaroid verewigt sehen wollten. Da zückten wir dann natürlich gar nicht erst die Kamera. Ebenso wenig wie im Vorort zum Dorf, wo sich eine Padaung-Frau zwar sehr gerne fotografieren lassen wollte, aber gleich dafür Geld verlangte.

Was wir auch etwas verstehen können. Wie oft waren wir selbst in China versucht, einen Yuan pro Foto zu verlangen, wenn uns die Linsen vor der Nase zuviel wurden. 😉

Da wir uns nicht allzu viel mit den Frauen unterhalten konnten und viele der Dorfbewohnerinnen auch bei der Feldarbeit und nicht zuhause waren, machten wir uns bald darauf wieder auf den Rückweg. Dieser brachte uns am nächsten Morgen dann in einer abermals achtstündigen Busfahrt zurück an den Nordzipfel des Inlesees. Zwar wollten wir weiter nach Süden reisen, um im Süden Myanmars bei Iawaddy überland nach Thailand zu reisen – allerdings ist die einzige Busverbindung von und nach Loikaw der tägliche Bus nach Norden. Also alles wieder zurück.
Direkt im Anschluss fuhren wir in 10 Stunden nach Yangon. Dort stiegen wir um und fuhren in nochmal 6 Stunden weiter nach Hpa An. Und von dort am nächsten Morgen in 3 Stunden zur Grenze nach Thailand. Alles in allem verbrachten wir damit 27 Stunden auf der Straße – aber dafür wartete direkt hinter der Grenze schon das erste Thai Curry auf uns! 🙂

Unser Fazit:
Abgelegene Orte abseits der ausgetretenen Touristenpfade liegen meist nicht direkt neben der Hauptstraße. Dafür sind die Begegnungen wie in diesem Fall oft umso spannender und etwas ganz Besonderes!

Bagan und der Inlesee – Pagoden und Wasser bis zum Horizont

Bagan und der Inlesee – Pagoden und Wasser bis zum Horizont

Mit dem Nachtbus kommen wir nachts um 3 Uhr in Bagan an. Eine gute Zeit, denn zum Sonnenaufgang wollen wir dort draußen sein. Inmitten der antiken Pagoden.

Da wir nicht wissen, wie weit es ins Zentrum ist und es stockfinstere Nacht ist, entscheiden wir uns, auf das günstigste Angebot aus dem Kreis der am Busbahnhof wartenden Fahrer einzugehen. Das von unseren Trekkingbegleitern Hanna & Calham empfohlene Hostel kennt der Fahrer auch, also los… Mit der Fahrradrikscha, auf der wir samt unserem Gepäck kurzerhand gestapelt werden (schließlich hat keiner was von Taxi gesagt …wir hätten es ahnen sollen 😀 ), geht es dann auch direkt los Richtung Nyaung-U, der auch Backpackertown genannten günstigen Alternative zu Old Bagan und New Bagan. Beim Hostel angekommen checken wir direkt ein. Nach einer kurzen kalten Dusche schwingen wir uns auch gleich auf die Räder, um den Sonnenaufgang mit Sicht über die Jahrhunderte alten Pagoden Bagans zu bewundern.
Trotz der frühmorgendlichen Stunde geraten wir beim radeln schon ordentlich ins Schwitzen. Bei einer der größeren Pagoden, auf die hinaufgeklettert werden darf, halten wir schließlich an und gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang erreichen wir die obere Terrasse der 800 Jahre alten Pagode. Der erste Blick über das antike Pagodenfeld ist unbeschreiblich! Wie oft haben wir diese Ansicht schon auf Postkarten bewundert. Nun ist es endlich so weit, wir sehen es mit eigenen Augen.
Wie kupferfarbene Blütenstängel ragen die bis zu 1.000 Jahre überdauernden Bauwerke im dunstigen Morgenlicht aus der grünen Ebene auf. Ein majestätischer Anblick, der live alle zuvor gesehen Bilder bei weitem übertrifft. Diese magischen Augenblicke müssen wir uns mit weit weniger anderen Touristen teilen als befürchtet – definitiv ein Vorteil, dass wir noch chinesische Größenordnungen gewohnt sind 😉

Im Anschluss radeln wir mit den Drahteseln zurück zum Hostel und frühstücken erst einmal.

Als es schließlich taghell ist, brechen wir erneut zu den Pagodenfeldern auf. Diesmal mit dem Elektro-Tandembike. Bei gut 40 Grad das einzig vernünftige Zweirad, um die Pagoden von Old Bagan bis New Bagan ohne Hitzeschlag oder knatternden Motor besichtigen zu können. Alternativ werden auch noch schöne Kutschfahrten angeboten.
Wir verbringen 2 ganze Tage zwischen, auf und in den Pagoden. Jedes der Bauwerke hat seine eigene Geschichte, die Biene mal mehr, Uli mal weniger spannend findet 😉 Manche Pagoden sind innen kunstvoll bemalt, andere beherbergen Überbleibsel der Bewohnung im 2. Weltkrieg, als sich die zivile Bevölkerung in den Pagoden versteckt hielt und wieder andere zeigen wahre Meisterleistungen der Steinmetzkunst. Am meisten beeindruckt hat uns die Sicht von den höheren Pagoden aus über die Pagodenfelder. Ein einzigartiger Anblick!

Zwar sehen wir in Bagan mehr Touristen als an den anderen Orten Myanmars, allerdings verlaufen sich die Wege auf den weitläufigen Pagodenfeldern sehr. Und auch wenn man wie wir sonst lieber abseits der ausgetreten Pfade unterwegs ist – Bagan war mit eines unserer Highlights in Myanmar. Eines, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Im Anschluss geht es mal wieder mit dem Nachtbus weiter zu der am zweithäufigsten besuchten Region Myanmars: der Inlesee! Der zweitgrößte, tropfenförmige See ist vor allem für die sogenannten Einbeinruderer bekannt – hiesige Fischervölker, die ihre Ruderboote mit einem Bein manövrieren, um die Hände für das Fischernetz freizuhaben.

Als wir hier nachts um 2 Uhr ankommen stellen wir fest, dass um diese Uhrzeit – anders als in Bagan – niemand die 10 $ „Eintrittsgebühr“ verlangt. Zwar fährt uns ein junger Mann auf unserem Spaziergang in die Stadt hinterher und möchte Geld eintreiben – aber da könnte ja jeder kommen des nachts 🙂

Im gemütlichen Aquarius Guesthouse – dass wir ebenfalls auf einen Tipp von anderen Reisenden hin für die nächsten Nächte gebucht haben – bekommen wir sogar glatt noch ein (gratis) Bett für diese Nacht samt Frühstück. Am Morgen starten wir zu einer Radtour rund um den nördlichen Teil des Sees. Vorbei an ländlichem Leben und begleitet von vielem Winken und „mingalabar-„Rufen treten wir auf dem kleinen Uferpfad in die Pedale. Auf dem Weg passieren wir Reisfelder, viele kleine Dörfer, sehen traditionelle Tofu-Herstellung und teilen uns den Weg mit Hühnern, Ziegen und Herden von Wasserbüffeln. Über den See geht es mit einer kleinen Dschunke und mit den Rädern an der anderen Seite wieder hinauf. Bei einer Weinverkostung auf dem lokalen Weingut lassen wir den Tag gemütlich ausklingen – die Aussicht von den Hügeln auf den See ist phänomenal – der Weinanbau sollte aber vielleicht lieber doch den Franzosen überlassen werden 😉

Am nächsten Tag erkunden wir den See zusammen mit Thomas aus Frankreich vom Wasser aus. Neben der Besichtigung einer lokalen Silberschmiede, einer Schmuckwerkstatt und Perlenfarm besuchen wir auch Webereien, in denen aus Lotus- und Seidenfäden die traditionellen Longyis gewebt werden. Die Besichtigungen sind sehr interessant und zu unserer positiven Überraschung wird nirgends erwartet, dass wir etwas kaufen. Sehr spannend ist auch die Werkstatt, in der Cheroots hergestellt werden, eine Art Zigarren aus in Cherootblättern eingewickeltem Tabak – auch in ausgefallenen Geschmacksvariatioenen wie Anis erhältlich. Das müssen wir natürlich probieren 🙂

Anschließend schippern wir noch zu und durch die schwimmenden Gärten. In den fruchtbaren Beeten auf dem See wachsen hauptsächlich Tomaten, die von hier aus in alle Teile des Landes transportiert werden. Unterwegs sehen wir immer wieder Einbeinruderer, die trotz des touristischen Interesses an ihrer Person ungerührt und in aller Seelenruhe ihre Netze auswerfen und ihrem täglichen Broterwerb nachgehen.

Pyin Oo Lwin und Hsipaw – wo die Zeit stehen geblieben scheint

Pyin Oo Lwin und Hsipaw – wo die Zeit stehen geblieben scheint

Obwohl Pwin Oo Lyin eigentlich noch zum Großraum Mandalay gehört, ergreift bei unserer Ankunft das Gefühl von uns Besitz, in der Zeit zurück gereist zu sein…

Etwas abseits der touristischen Hauptroute durch Myanmar erwarten uns in der netten Kleinstadt mit Kolonialflair staubige Sandpisten, ein von Queen Victoria gestifteter Uhrenturm und Pferdekutschen als Taxen. Diese teils noch originalgetreu aus dem Jahr 1916. In den 2 Tagen lassen wir uns auf das alte Birma ein: wir erkunden erhabene alte Kolonialbauten, lassen uns in einem fast 100 Jahre alten Einspänner zum Bahnhof kutschieren und trinken für uns frisch von Hand gemahlenen Shan Kaffee.

Anschließend geht unsere Reise weiter in den erst seit kurzem für Touristen zugänglichen Nordosten des Landes, den Shan-Staat. Genauer gesagt in das kleine Städtchen Hsipaw. Hier haben wir unsere ganz persönliche Begegnung mit der jüngeren Geschichte Burmas: In Hsipaw steht der einzige nicht zerstörte Shan-Palast des Landes. Die Shan-Fürsten lenkten bis zur Machtübernahme durch das Militär die politischen Geschicke des Shan-Staates. In diesem Palast lebt bis heute die Frau des Neffen des letzten Shan-Fürsten. Jeden Tag öffnet sie die Tore und erzählt interessierten Besuchern von ihren Erlebnissen und den Zuständen in der Zeit des Militärregimes. Eine sehr persönliche und tief gehende Erfahrung.

** Wer Lust hat, mehr über das Thema zu erfahren – oder wer für die Wartezeit auf den nächsten Bericht gerne was zu lesen hätte 😉 – in ihrem Buch „Dämmerung über Birma – Mein Leben als Shan-Prinzessin“ erzählt die Österreicherin Inga Sargent, Ehefrau des letzten Shan-Fürsten, aus ihrem Leben als Shan-Prinzessin in Hsipaw.**

Hsipaw ist einer der Orte, an denen wir länger bleiben als gedacht. Weil es uns einfach so gut gefällt. Wir finden mit Lily eine herzliche Gastgeberin, die uns sofort bei unserer Ankunft in -und an- ihr Herz schließt. Unser gemütliches Doppelzimmer ist eines von der Sorte, in dem wir uns innerhalb von Minuten „zuhause“ fühlen und unser privater Balkon ist das Sahnehäubchen auf der Hosteltorte. Wir liegen hier aber nicht (nur) auf der faulen Haut, sondern schnüren die Wanderschuhe.

TREKKING MIT AUNG SAN

Falls jemandem der Name Aung San geläufig sein sollte 😉 – genau: Aung San war der große Reformator, der kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit Burmas von Großbritannien das Land zur Demokratie führen wollte. Wäre dies geglückt, wäre Myanmar heute vielleicht auf einer ganz anderen Entwicklungsstufe. Tragischerweise wurde Aung San nur wenige Monate nach der Anerkennung des Staates vom Militär ermordet und so schrieb bekanntermaßen das Militärregime die letzten 50 Jahre der Geschichte Burmas. Die Tochter Aung San´s wird sicher mehr Menschen etwas sagen – es ist Aung San Suu Kyi, die heutige Oppositionsführerin, die bis 2010 15 Jahre lang unter Hausarrest stand und für ihr Engagement für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Landes im Jahr 1991 den Friedensnobelpreis verliehen bekam.

Ein großer Name also, dieser Aung San. So ganz waren wir uns nicht sicher, ob unser Trekkingguide diesem gerecht werden würde, als uns Lily bei der Buchung unserer 2-Tageswanderung erzählte, dass unser Guide Aung San gerade einmal 20 Jahre alt sein würde. Als wir ihn jedoch tags darauf kennen lernen, sind unsere Bedenken rasch verflogen. Aung San entpuppt sich als hervorragender Guide. Zusammen mit Hanna & Calham aus Neuseeland bzw. Schottland als sympathische Weggefährten brechen wir zu der 42 km langen Wanderung auf. Aung San’s Wissen über die lokale Flora & Fauna ist beeindruckend und auch über Land & Leute weiß er viel zu erzählen. Unser Weg führt uns vorbei an vielen Dörfern der ethnischen Palaung und der Shan, zwischen Reis- und Maisfeldern hindurch und über majestätische Bergkuppen mit weiter Sicht ins malerische Flusstal. Mit zunehmender Höhe nehmen die Teeplantagen zu und an den Berghängen wird zunehmend Klebreis angebaut. Nach dem Mittagessen bei einer lokalen Familie vergehen die Stunden wie im Flug und vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir im Heimatdorf von Aung San an. Unser Nachtlager schlagen wir im Haus seiner Eltern auf, die mit Teeanbau ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Tee aus dem Shan-Staat soll ganz besonders schmackhaft sein. Das können wir als Laien nicht beurteilen, aber der Teeblattsalat, den Aung San’s Mutter auf Uli’s Wunsch für uns zum Abendessen zubereitet, ist jedenfalls der beste in ganz Burma! Fließend Wasser gibt es nicht im Dorf und so duschen wir uns wie die Einheimischen – mithilfe einer Schüssel Wasser am Brunnen hinter dem Haus.

Die Nacht hindurch schüttet es wie aus Kübeln, aber am nächsten Morgen scheint rechtzeitig zu unserem Aufbruch wieder die Sonne. Nur die schlammigen Trampelpfade mitsamt meterlangen Pfützen erinnern noch an den Regen der vergangenen Nacht. Als wir den ersten Fluss überqueren müssen, sind wir froh um unsere guten (wenn auch im Rucksack so schweren) Wanderschuhe. Hanna & Calham ziehen ihre Sneakers hier aus – nasse Füße Haben sie im Gegensatz zu uns schon lange.

Nach 19 weiteren Kilometern kommen wir an unserem verdienten Mittagsziel an und mit dem Tuk Tuk geht es die letzten Kilometer auf der Hauptstraße zurück nach Hsipaw. Weil es so schön war, beziehen wir bei Lily’s Home nochmal für 2 weitere Nächte unser kuscheliges Balkonzimmer und genießen mit anderen Reisendenden im gemütlichen Innenhof den am nächsten Tag einsetzenden Muskelkater 🙂

Dazwischen gehen wir bei Miss Popcorn im Garten Pfannkuchen essen, bei Mister Shake leckere Cocktails schlürfen, besichtigen „Little Bagan“ sowie einen hölzernen Buddha und dann haben wir auch so ziemlich alles in dem sympathischen kleinen Städtchen gesehen 😉

Es ist Zeit für ein neues Abenteuer: Unsere Zugfahrt in Myanmar!

Herzlichen Dank an Lily von Lily’s Home für das Upgrade in das gemütliche Balkonzimmer.

„The grass is always greener on the other side of the fence“ – Unsere Begegnung mit einem burmesischen Mönch

„The grass is always greener on the other side of the fence“ – Unsere Begegnung mit einem burmesischen Mönch

Mingalabar. Entschuldigung, sprechen Sie Englisch?“

Ausnahmsweise sind es nicht wir, die diese Frage hilfe- oder antwortsuchend einem Einheimischen stellen. Sie stammt von einem burmesischen Mönch. Dieser hat Biene angesprochen. Wir besichtigen gerade ein buddhistisches Kloster in Amarapura, in der alten Königsstadt von Mandalay. Es ist 11.30 Uhr und die Mönche sind dabei, sich nach der morgendlichen Speisung zu ihrer Vormittagsruhe zurückzuziehen. Es ist ihre letzte Mahlzeit des Tages. Ein voller Bauch stört die meditative Konzentration.

Mingalabar. Ich? Ja, ich spreche Englisch. Was kann ich für Sie tun?“

Leicht überrascht bleibt Biene bleibt vor dem Eingang des Hauses stehen, in das sich die Mönche mit ihren Almosenschüsseln zurückziehen.

„Ich habe gestern Abend ein Buch gelesen und da war eine Stelle, die ich nicht verstanden habe. …Vielleicht können Sie sie mir erklären?“

„Natürlich, ich will es gerne versuchen. Worum ging es?“

Vielleicht handelt es sich um ein unbekanntes Wort oder eine westliche Begebenheit, denkt sich Biene und fragt sich, welches Buch der junge Mönch wohl gerade liest.

„Es stand dort geschrieben: The gras is always greener on the other side of the fence (zu dt. heißt das Sprichwort: „Die Kirschen in Nachbar´s Garten schmecken immer ein bisschen süßer„). Was bedeutet das?“

Nachdem wir geklärt hatten, dass die Bedeutung der einzelnen Wörter bekannt sind, wird klar, dass es um den Sinn dieses für ihn unbekannten Sprichwortes geht. Der Mönch sieht jugendlich aus, vielleicht 17 Jahre alt. Er könnte aber auch schon Mitte 20 sein. Dass er den Sinn dieses Sprichwortes nicht von selbst verstand, ist kein Zeichen von mangelndem Intellekt – sondern charakterlich lobenswert. Er sieht keinen Sinn darin, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner sein sollte, als da wo er selbst steht.

Wie erklärt man einem augenscheinlich zufriedenen und in sich ruhendem, buddhistischen Mönch also die Bedeutung von Neid und Missgunst? Dass man die Umstände/Besitztümer/Leben anderer gerne mit der rosaroten Brille sieht, während man all die schönen Blumen in seinem eigenen „Garten“ ausblendet? Nach einigen Erklärungen mit beispielhaften Metaphern geht ihm die sprichwörtliche Bedeutung auf:

„Jetzt verstehe ich. Es heißt, dass ich mit dem was ich selbst habe unzufrieden bin und glaube, die anderen haben es immer besser.“

Eine einfache Erklärung. Genau so ist es. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit dem jungen Mönch. Biene darf ihm Fragen stellen, zu ihm, zu seinem Leben im Kloster und seinem Glauben. Wie lange lebt er schon im Kloster? War es sein eigener Wille, mit 9 Jahren Mönch zu werden? Kann er aus dem Orden austreten, sollte er sich verleiben oder aus anderen Gründen ein Leben außerhalb der Klostermauern führen wollen? Glaubt er an Wiedergeburt? Warum gibt es so viele verschiedene Formen des Buddhismus? Fragen über Fragen… Geduldig beantwortet der Mönch alle. Nur manchmal scheitert die Kommunikation an der Sprachbarriere. Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns. Der junge Mönch zieht sich zur Meditation zurück und Biene geht Uli suchen. Er hatte ebenfalls ein interessantes Gespräch mit einem der Mönche. Wir fahren weiter.

Einige Straßen hinter dem Kloster befindet sich die U-Bein-Brücke, die mit 1,2 km Länge längste Teakholzbrücke der Welt. Von ihrer früheren Vergoldung ist heute allerdings nichts mehr zu sehen. Auf der rauen Holzbrücke sind überraschend viele Menschen unterwegs. Burmesinnen flanieren mit Blumenschmuck im Haar über die Brücke, während ausländische Touristen die besten Winkel für das Fotomotiv suchen und viele Einheimischen in den Pavillons der Brücke picknicken.

Warum dieser für Myanmar so unübliche hohe Andrang an Besuchern herrscht, sehen wir bei unserer Rückkehr auf der Hauptstraße. In Amarapura findet gerade das jährliche Nat-Fest statt. 3 Tage lang strömen Scharen von Gläubigen in die kleine Stadt, um den Schutzgeistern des Ortes zu huldigen. Das Atmosphäre des Festes gleicht einem Dorffest, entlang der Straße sind Verkaufsstände aufgebaut, die Menschen kaufen Opferblumen und Süßigkeiten. Die Hauptstraße ist komplett dicht, der Verkehr staut sich kilometerlang. Die Temperaturanzeige am Haus gegenüber zeigt stolze 44 Grad an und genauso heiß fühlt es sich auch an. Wir fahren von der Hauptstraße ab, um einen Schleichweg in das wenige Kilometer entfernte Sagaing zu finden. Der Weg wird immer schmaler und die Gegend immer ländlicher. Nur wenige Minuten von der Hauptstraße entfernt kommen uns auf dem kleinen Sandweg mit einem Mal Ochsenkarren entgegen, die Menschen schauen uns von den Bambusterrassen ihrer Stelzenhäuser herab interessiert nach. Wir hören ein gleichmäßiges Klappern und halten an. In der flachen Werkstatt neben dem Weg entdecken wir die wohl erste Entwicklung eines automatisierten traditionellen Holzwebstuhls und die Bewohner zeigen uns gerne die an den Holzbalken daneben zum einfärben aufgehängten Baumwollfäden. Hier werden die traditionellen Longyis hergestellt.

Der Großraum Mandalay ist neben dem kulturellen Herz des Landes auch dessen Kunsthandwerkshauptstadt. Der Weg führt uns schließlich tatsächlich noch zu den Pagoden auf den Hügeln von Sagaing. Davor suchen wir aber Abkühlung im Schatten und gönnen uns in einer Beer Station (=Kneipe) am Fluss ein kühles Myanmar. Auf dem Rückweg nach Mandalay statten wir der Mahamuni-Pagode einen Besuch ab. Hier steht die meistverehrte Buddha-Statue des Landes, die zusammen mit der Shwedagon-Pagode und dem Goldenen Felsen zu den Hauptilgerzielen des Landes zählt. Sichtbar wird das vor allem an den zahlreichen Verkaufsständen in den 4 Eingängen zur Pagode, wo ein großes Angebot an Opfergaben, Souvenirs, Kunsthandwerk und Kleidung ausliegt. Auch der Statue selbst ist ihre Beliebtheit anzusehen: einst eine bronzene Figur, ist die Statue mittlerweile über und über mit Blattgold bedeckt. An einigen Stellen ist die Goldschicht so dick, dass die ursprünglichen Gliedmaßen der Figur bis zur Unkenntlichkeit verformt sind. In den kleinen Werkstätten auf der Straße vor der Pagode sehen wir, wie aus großen Steinblöcken und Holzstämmen Buddhastatuen gehauen und geschnitzt werden.

MANDALAY

An diesem Abend besuchen wir den Nachtmarkt Mandalays eine Straße von unserem Hostel entfernt. Neben Second-Hand Kleidung, gebrauchten Büchern und Spielzeug gibt es vor allem Essensstände mit burmesischem Curry und den überall zu kaufenden Innereien-Grillspießen. An einem anderen Abend essen wir beim Inder um die Ecke. Für umgerechnet 1 € werden wir beide Male satt. Wir gehen gerne abends raus, tagsüber ist es in Mandalay brütend heiß. Wir schaffen es, uns trotzdem den im Vergleich zu einem der Originalbauwerke nur mäßig gelungen restaurierten Königspalast anzusehen und den Mandalay Hill zu besteigen. Die Panorama-Aussicht von dem im Norden der Stadt gelegenen Berg ist mit eines unserer Highlights in Mandalay: Im Osten geht der Blick auf die grün bewachsenen, hohen Shan-Berge, im Süden ist die ganze Stadt zu sehen, im Osten reicht der Blick bis auf den breiten Fluss Ayearwaddy und dessen Delta, während im Norden pure grüne Ebene ist, soweit der Blick reicht.

Es bleibt ein tiefer Eindruck von dieser spannenden Begegnung mit dem jungen Mönch in Amarapura. Wie oft geht es uns nicht selbst so? Wir sind betrübt darüber, dass wir – obwohl wir doch jetzt auf Weltreise sind – unmöglich alle Flecken der Erde bereisen können. Die Welt ist so groß. Bei Gesprächen mit anderen Reisenden ertappen wir uns bei dem Gedanken, dass andere mehr sehen und erleben oder mehr Budget zur Verfügung haben. Wir jammern auf hohem Niveau. Dabei ist das Gras, auf dem wir stehen, doch so grün. Und dass nicht nur während der Regenzeit in Myanmar 🙂 Hier noch einige Bilder – denn es ist mal wieder Zeit, die Blumen im eigenen Garten zu bewundern 😉

Von Yangon bis Mawlamyaing – der goldene Süden Myanmars

Von Yangon bis Mawlamyaing – der goldene Süden Myanmars

Bei unserer Ankunft in Yangon ist der Himmel grau. Es sieht aus, als ob es bald regnen wird. Mit dem Public Bus, einem wahren chinesischen Oldtimer, rumpeln wir vom Flughafen in die Innenstadt. Dabei bekommen wir einen ersten Eindruck von der Hilfsbereitschaft der Burmesen: als wir etwas verloren vor dem Flughafen an der Stelle stehen, von wo wir glauben dass der Bus abfährt dauert es nicht lange, bis sich einige freundliche Burmesen unser annehmen. Sie erklären uns (mit Händen und Füßen), wo der Bus tatsächlich abfährt, welchen Bus wir nehmen und wo wir aussteigen müssen. Bei der burmesischen Schrift können wir nicht einmal die Zahlen lesen. Nach den Wochen auf den Philippinen, wo es stets englische Beschriftungen gab und jeder Englisch sprach, wieder eine erste Umstellung.

Downtown angekommen, laufen wir die letzten 10 Minuten von der Sule-Pagode bis zu unserem Hostel. Unterwegs fängt es an regnen. Wir legen einen Stopp in einem kleinen Restaurant am Straßenrand ein. Es regnet sich ein und als wir beschließen, trotzdem weiter zu gehen und wieder raus schauen, trauen wir unseren Augen kaum: Die Straßen haben sich zu Kanälen verwandelt. Gut kniehoch stehen wir im Wasser. Also, Schuhe und Socken ausgezogen, FlipFlops an die Füße und los geht es. Wir waten munter durch das Wasser zu unserem Hostel. Insgeheim sind wir etwas verunsichert: Regnet es jeden Tag so stark? War es wirklich eine gute Idee, in der Regenzeit hierher zu reisen?

Die nächsten 4 Wochen sollten uns beruhigen. Zwar regnet es immer mal wieder, aber meist nicht lange. Schon am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Wir starten unseren Tag mit einem ausgiebigen Besuch der Shwedagon-Pagode, eines der wichtigsten Heiligtümer Myanmars. Ein fast 100 m Meter hoher, gold glänzender Hauptstupa ist von 68 kleineren goldenen Stupas und Tempeln umgeben und thront majestätisch auf einer fast 60 000 m2 fassenden Plattform über der Stadt. Ein beeindruckender Anblick. Hatten wir erwartet, hier auf Touristenscharen zu treffen, hält sich die Anzahl an ausländischen Besuchern noch sehr in Grenzen. Wir mischen uns unter die Gläubigen und umrunden den Hauptstupa entgegen dem Uhrzeigersinn. Die goldenen Monumente glitzern und funkeln im Sonnenlicht und bei all den verzierten Details klickt unsere Kamera in einem fort. Aber auch wir werden des Öfteren von asiatischen Besuchern zum Fotomotiv auserkoren 🙂

Abends kehren wir noch einmal zurück, um die hell erleuchtete Pagode bei Nacht zu erleben. Die Atmosphäre ist andächtig und wir sind fast die einzigen Besucher. Gold glänzend leuchtet die Pagode über die Stadt. Überhaupt spielt Gold in Myanmar eine große Rolle: Von Buddhastatuen über Pagoden, Stupas, Tempel bis hin zu Felsen wird alles entweder mit Goldfarbe bestrichen oder von den Pilgern mit Blattgold beklebt.

Ein weiteres Merkmal ist der überall erkennbare Einfluss der britischen Kolonialzeit. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt erkunden wir am nächsten Tag die kolonial geprägten Straßenzüge. Leider sehen viele der alten Herrenhäuser bereits ziemlich verfallen aus, da in den 48 Jahren der Militärregierung kein gesteigerter Wert auf Denkmalpflege gelegt wurde.

Anschließend brechen wir mit dem Bus auf nach Bago. In der früheren Königstadt, die heute eher einer kleine Provinzstadt ähnelt, gibt es mehrere sehenswerte Pagoden und 2 liegende Buddhas, mit deren Erkundung wir den Nachmittag verbringen.

Unser nächstes Ziel ist der Goldene Fels. Dieser mit Goldfarbe überzogene Felsen ist jedes Jahr das Ziel tausender Pilger und nach der Shwedagon-Pagode das zweitwichtigste Heiligtum des Landes. Seine Besonderheit macht aus, dass der Fels schräg über dem Abgrund „hängt“ und so aus sieht, als würde er jeden Moment den Berg hinunter rollen. Allerdings liegt er wohl schon seit ca. 1.000 Jahren an Ort und Stelle. Dem buddhistischen Glauben nach im Gleichgewicht gehalten allein von einem vergoldeten Haar Buddhas.
Zum Fels bringt uns ein LKW Pick-up. Hier sitzen wir auf schmalen Holsschrannen hinten auf der Ladefläche und warten, bis auch der letzte der 50 Plätze gefüllt ist. In 40 Minuten rasanter Fahrt geht es dann hinauf auf den Berg. Biene hat sich vorsichtshalber an den Rand gesetzt, da ihr Magen an diesem Tag die Myanmar-Krankheit hat und ihr schon beim Gedanken an die kurvenreiche Fahrt wieder übel wird. Zum Glück aber eine unbenötigte Vorsichtsmaßnahme 🙂

Oben angekommen, erwartet uns neben dem Fels eine herrliche Aussicht über das Thanlwin-Flussdelta bis zum Meer. Wir haben Glück. Noch am Morgen war die Sicht gleich 0, wie uns andere Reisende berichteten. Für den Weg abwärts wählen wir den 7 Meilen langen Wanderweg mit einer herrlichen Aussicht über die bis nach Thailand reichenden Gebirgszüge im Westen und auf das Flussdelta im Osten. In unserem Reiseführer mit 3 1/2 Stunden angegeben, dachten wir, dass wir den Abstieg sicher auch etwas schneller und damit vor Einbruch der Dunkelheit schaffen werden. Pusteblume! Als es anfängt zu dämmern, haben wir noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft. So kommt es, dass wir die letzten 3 Meilen auf dem Trampelpfad durch kleine Bäche, über Steine und Geröll in vollkommener Finsternis zurücklegen. Zum Glück hatten wir – als gut ausgestattete und auf alles vorbereitete Reisende – wenigstens 2 kleine Taschenlampen dabei. Das ist übrigens typisch deutsch, wie uns schon gesagt wurde 🙂
Wir sind froh, dass wir bis dahin noch keine Zeit hatten, im Reiseführer nachzulesen, ob es in Myanmar giftige Schlangen, Tiger oder andere Wildtiere gibt, denen wir eigentlich lieber nicht in freier Wildbahn im Dunkeln begegnen möchten 😉 Wir kommen auch wieder heil im kleinen Pilgerort am Fuße des Berges an.

Mit einem wahren Museumsstück als Bus geht es am nächsten Morgen ins 2 Stunden weiter südlich gelegene Hpa An. Unterwegs merken wir wieder, dass gerade Regenzeit ist: Teilweise sind die Straßen überflutet und nur langsam einseitig befahrbar. In dem Wasser baden fröhlich ganze Familien, daneben wird gepicknickt, Jugendliche trinken vergnügt planschend ein paar Bierchen und ein paar Meter weiter werden die Fahrzeuge im Wasser gewaschen. Wir sind fasziniert, mit welchem Frohmut die Menschen hier das Leben nehmen, wie es kommt.

Rund um dem kleinen Marktflecken Hpa An erwarten uns viele Höhlenheiligtümer, die wir auf einer lustigen Tagestour mit 7 anderen Reisenden aus unserem Hostel erkunden.

Unser nächstes Ziel heißt Mawlamyaing. Noch einmal 2 Stunden weiter südlich gelegen starten wir von hier aus einen Ausflug mit dem Motorbike zum größten liegenden Buddha der Welt bei Mudon. Dieser ist ganze 180 Meter lang, innen mehrstöckig begehbar und schon von weitem zu sehen. Eine ziemlich beeindruckende Erscheinung. Wenn wir uns auch nicht sicher sind, ob sich der Buddha noch im Bau befindet (da an einigen Stellen noch unverputzt) oder bereits wieder zerfällt (da an anderen Stellen bereits wieder sichtbar restaurationsbedürftig). Im Inneren des Buddhas sind mit lebensgroß geformten Tonfiguren die verschiedenen wichtigen Stationen im Leben Buddhas dargestellt.

In Mawlamyaing ist in südlicher Richtung für uns Schluss. Der tiefe Süden Myanmars darf nur mit vorher eingeholter Spezialgenehmigung bereist werden und selbst dann ginge es von hier nur mit dem Flugzeug weiter.

Nach knapp einer Woche im Süden fahren wir deshalb mit dem Nachtbus in 11 Stunden nach Mandalay, um uns dem nördlichen Teil des Landes zu widmen.

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