Kambodscha

Liebes Kambodscha…

Liebes Kambodscha…

Irgendwie hat es bei uns dreien nicht so richtig gefunkt. Wir können nicht einmal den Grund dafür recht benennen, dass wir nicht so richtig miteinander warm wurden.

Lag es vielleicht daran, dass unser Beginn gleich schon etwas verkorkst war? Dadurch, dass wir von Laos aus nicht einreisen durften, mussten wir unsere Route umstellen und konnten weder die spannenden Nationalparks in Deinem Nordosten, noch die seltenen Myawaddy-Flussdelfine im Mekong besuchen.

Oder war das Essens-Thema mit ein Grund? Irgendwie wurden wir mit Deiner Art der Streetfood, die wir doch sonst so mögen, nicht recht warm. Der Papaya-Salat, einer unserer absoluten Favoriten in Thailand und Laos, knirscht auf einmal. Als wir nachschauen, was da so hart ist, finden wir Insektenpanzer darin. Also ehrlich, ich bitte Dich. Oder die kleinen Würste, die am Straßenstand hingen und wie leckere Bratwürste aussehen – aber süßlich schmecken. Die Suppen, die anders als in Laos eher fad sind. Essen scheint so banal, kein Grund ein Land nicht zu mögen. Und es gibt ja auch durchaus Dinge, die wir mögen: die leckere Suppe auf dem Markt direkt hinter der Grenze – mit frischen Kräutern und Gewürzen zum selbst abschmecken. Oder der eisgekühlte Fruchtshake, der aus einer Tüte Saft in einer Tüte Eis besteht. Und auf der staubigen Fahrt von Siam Reap nach Phnom Penh so lecker und erfrischend war, dass wir uns gleich noch einen zweiten holten.

Oder waren es gar die Menschen? Keiner war bewusst unfreundlich, keiner wollte uns was Böses anhaben, aber irgendwie sprang der Funke nicht über. Deine Bewohner lächeln weniger als die Thais, sind weniger interessiert als die Laoten – so scheint es uns. Aber natürlich durften wir auch Begegnungen machen, die uns unvergesslich in Erinnerung bleiben. Weil sie so schön waren.

Schauen wir auf Deine Geschichte, haben dieMenschen hier vermutlich auch nicht viel Grund zum fröhlich sein. So ziemlich jeder hat durch das grausame Regime unter Pol Pot Angehörige verloren oder selbst gelitten. Und die Spuren des Vietnam-Krieges sind nicht nur an den Schildern sichtbar, die in manchen Landesteilen davor warnen, die Wege zu verlassen. Vielleicht ist es auch diese düstere Vergangenheit, die uns in den vielen Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen so oft vor Augen geführt wird und uns öfters trübsinnig stimmt.

Und überhaupt, immer diese Vergleiche. Tut wir Dir als Land damit nicht unrecht? Die Landschaft flacher und eintöniger als in Laos, die Menschen distanzierter als in Thailand, die Unterwasserwelt weniger schillernd als auf den Philippinen, die Bevölkerung ärmer als woanders… Haben wir etwa versäumt, uns ganz auf Dich einzulassen?

Vielleicht haben wir Dir auch einfach nicht genügend Zeit gegeben, um uns in Deinen Bann zu ziehen. Gerade einmal 2 Wochen hatten wir, bevor wir wieder in Thailand sein wollten. Das ist eine kurze Zeit, um ein ganzes Land zu erkunden. Das haben wir auch nicht geschafft. Nur einen kleinen Ausschnitt von Dir konnten wir uns ansehen. Und vielleicht liegt irgendwo in Deinem dünn besiedelten Osten noch viel mehr von Deiner Schönheit verborgen!

Oder gibt es vielleicht einfach Länder, die einem mehr und andere, die einem weniger liegen? In ihrer ganzen Gesamtheit?

Wir werden wiederkommen, irgendwann. Es herausfinden. Und uns eine 2. Chance geben. Denn irgendwie hast Du uns auch fasziniert. Auf den zweiten Blick.

Deine
Sabine & Uli

Mit dem Moped durch das alte Reich der Khmer – Unsere Katze erzählt Part 5

Mit dem Moped durch das alte Reich der Khmer – Unsere Katze erzählt Part 5

Unsere Katze erzählt

So, da sind wir also. Land Nr. 3 in Südostasien mit mir, dem zuverlässigen Moped. Da es nach dem Überqueren der Grenze schon dämmert, bleiben wir direkt in dem kleinen Grenzort und fahren nicht mehr weiter. Die beiden lernen tatsächlich noch dazu 😉 Wir finden etwas abgelegen ein einfaches Hotel und auf der einzigen Hauptstraße des Dorfes gibt es leckere belegte Baguettes, die die beiden zum Abendessen knabbern. Alles ist sehr einfach. Die Kinder des Dorfes sausen auf alten Brettern mit Rollen dran die staubige Dorfstraße hinunter und Essen & Trinken gibt es an den einfachen Straßenständen. Bezahlt wird hier meist in US Dollar, der 2. offiziellen Landeswährung. Nur auf Beträge unter 1 US$ wird in der eigentlichen Landeswährung, dem kambodschanischen Riel, rausgegeben.

Bevor wir am nächsten Morgen nach Siem Reap zu den antiken Tempeln von Angkor aufbrechen, werfen wir noch einen schnellen Blick auf den Friedhof. In dem kleinen Ort hier wurde der kambodschanische Diktator Pol Pot kremiert – eine traurige Sehenswürdigkeit für den kleinen Ort. Der tatsächlich Touristenbusse anlockt, wie wir bei unserer Abfahrt sehen.

Nachdem Biene & Uli von den Straßen im Norden Kambodschas nicht viel Gutes gehört haben, tun mir schonmal vorsorglich die Stoßdämpfer weh. Die beiden haben Videos gesehen, da waren die Straßen eine einzige Schlammpiste. Und andere Reisende erzählten, dass sie auf der Busfahrt von Laos nach Kambodscha wahre Todesängste ausgestanden haben (viele Grüße nach Salzburg 🙂 ). Hier haben wir wohl Glück, dass wir nicht in Laos über die Grenze gelassen wurden. Die Straße, der wir hier folgen, ist neu asphaltiert und das einzige lästige ist der sandige Staub, der flugs eine rote Schicht über alles legt. Die Landschaft auf der dreistündigen Fahrt ist rötlich-trocken, ländlich und nicht sehr abwechslungsreich. Und eben – das Land scheint flach wie ein Pfannkuchen zu sein.

Eine gute Stunde vor Siam Reap sehen wir eine Abzweigung zu einem Khmer Tempel und natürlich – die zwei biegen ab. Da haben die beiden wohl mal wieder einen unbedeutenden Tempel in der Pampa gefunden, denke ich mir. Ich warte draußen, während Uli durch die Mauer lugt, dann auf mich aufpasst und Biene sich die wunderschön verzierten Steinmauern von innen anschaut. Ganz begeistert kommt sie wieder. Tja, wie sich später herausstellen sollte, war das nicht irgendein Tempel – nein, wir haben hier ganz unwissend den Banteay Srey gefunden. Dieser ist einer der abgelegeneren Tempel des Angkor Komplexes und gilt als der mit den detailreichsten Verzierungen. Volltreffer. Eigentlich müsste man hier auch Eintritt bezahlen – davon haben wir aber nichts mitbekommen und durften uns den Tempel in seiner ganzen Pracht umsonst ansehen. Worüber sich die 2 – typisch Schwaben – diebisch freuen 😀

Kurz darauf kommen wir in Siam Reap an. Siam Reap war ursprünglich eine kleine, einfache Stadt. Durch ihre Lage nur wenige Kilometer von Angkor entfernt, hat sie sich aber zur Touristenhochburg gewandelt. Es gibt zahlreiche Unterkünfte jeder Preisklasse, kulinarische Vielfalt von Pizza bis zum kambodschanischen Amok, Nachtmärkte und sogar ein Ausgehviertel, in dem die ganze Nacht Highlife ist. In einer kleinen Seitenstraße finden wir ein gemütliches Hostel. Da ich auch mal wieder etwas Zuwendung will, opfert Uli einen ganzen Nachmittag und optimiert mich. Ölwechsel, Fellpflege, Maniküre, alles mit dabei. Und endlich gibt´s den geschweißten Gepäckträger, den ich schon die ganze Zeit gewollt habe. Yeah!

Früh am nächsten Morgen geht´s dann zu den Tempeln von Angkor und joah, was soll ich dazu sagen!? Ich musste ja immer draußen bleiben. Von den Vorplätzen aus hab ich viele große Steinhaufen gesehen, manche mehr, manche weniger zusammen gefallen. Eigentlich hätte ich sowieso überhaupt nicht dort sein dürfen, in Angkor, wie wir am 2. Tag erfahren. Nur Mopedtaxis, Pferdekutschen mit Fahrer, Taxis und Fahrräder sind in dem UNESCO Weltkulturerbe Areal zugelassen. Deshalb hab´ ich Biene gesagt, zu den Steinruinen soll sie mal wieder was schreiben. Das hat sie auch gemacht. Wenn ihr Euch also für die faszinierenden Tempel der Khmer interessiert, geht´s  – ab morgen – hier lang: Angkor Wat – zwischen Spiritualität und Tomb Raider!

Aber zu der Straße von Siam Reap nach Phnom Penh, der Hauptstadt des Landes, dazu kann ich Euch was erzählen. Boah, war das eine Staubpiste! Sowas hab´ selbst ich als original südostasiatisches Moped noch nicht erlebt! Schon nach den ersten 20 Minuten auf dem großen Highway waren wir komplett eingestaubt. Rucksäcke, Klamotten, ich – alles zentimeterdick mit rotem Staub bedeckt. Beim erstbesten Straßenstand haben sich die 2 dann erstmal Atemmasken für 50 Cent zugelegt – eine sinnvolle Investition, das muss ich zugeben! Hätt´ ich auch gern eine gehabt…

Die Landschaft ist zwar etwas grüner als ganz im Norden, aber auch hier flach und nicht sehr abwechslungsreich. Interessant wird es erst wieder, als wir auf die Hauptverkehrsstraße von Phnom Penh einfahren. Denn dann stehen wir. Im Stau. Es ist der 1. Abend des 3-tägigen Festes Bonn Um Tok zum Ende der Regenzeit, das jedes Jahr groß gefeiert wird. Und das Hostel, dass sich die beiden anschauen wollen, liegt natürlich mitten drin im Trubel. Rund um die Festlichkeiten auf dem Mekong sind die Straßen gesperrt und wir sind bei weitem nicht die einzigen, die in die Nähe des Flussufers wollen. Wir versuchen alles mögliche; biegen mal links ab, versuchen mal uns rechtsrum an den abgesperrten Straßen vorbeizuhangeln, dürfen sogar einige Male durch die Absperrungen fahren (nennen wir es mal Wessi-Bonus 😉 ) und kommen unserem Ziel trotzdem nicht näher. Alles ist chaotisch, es geht weder vor noch zurück und die Stimmung in dem chaotischen Verkehr auf den zum Bersten vollen Straßen sinkt langsam aber sicher.

Schließlich wird es dunkel, es knallt laut und der Himmel leuchtet – das Feuerwerk, das an allen 3 Nächten während des Festivals hochgelassen wird, beginnt. Und wir stehen immer noch mitten auf der Straße. Mann. Die beiden schauen sich kurz an, dann manövrieren sie mich irgendwie auf eine nicht ganz dichte Seitenstraße. Sie stellen mich ab, kaufen sich an dem Straßenstand eine Dose Bier und schauen sich erstmal in Ruhe das Feuerwerk an. Dann wird anschließend beschlossen, ein anderes Hostel zu suchen. Das stellt sich als gar nicht so einfach heraus, sind doch wegen dem Festival viele ausgebucht oder die Preise astronomisch angezogen. Schließlich wird den beiden der Rummel zu bunt und sie fahren wieder aus dem Zentrum raus. Dank mir sind wir ja mobil und sie müssen nicht unbedingt im unmittelbaren Zentrum der kleinen Hauptstadt nach einer Unterkunft suchen. Hätten sie ja auch etwas früher drauf kommen können, ne. Etwas nördlich des Zentrums werden sie dann auch fündig. Auf einem unscheinbaren Schild steht ganz klein etwas von Guesthouse. Zwar sieht die Rezeption etwas zwielichtig aus, aber der Preis stimmt. Als sie sehen, dass jedes Zimmer seine eigene Garage hat, wird schnell klar, wo wir da schon wieder gelandet sind: im Stundenhotel 😀 Für eine Nacht muss es gehen, dann ziehen wir um.

Am nächsten Tag beschäftigen sich die zwei mit der jüngeren Geschichte des Landes. Gerade mal 25 Jahre ist es her, das in Kambodscha ein sozialistisches Regime mehr als 3 Millionen Menschen der eigenen Bevölkerung grausam ausgelöscht hat. Das Militärregime der Roten Khmer mit Pol Pot an der Spitze sah in der Stadtbevölkerung eine neumodische Bedrohung und im Kommunismus die Lösung aller Probleme des leidgebeutelten Landes. Deshalb wurden von einem Tag auf den anderen alle Städte geplündert und die Stadtbewohner in Arbeitscamps zur Zwangsarbeit auf den Feldern verschleppt. Ähnlich wie in den KZs des Dritten Reiches wurden alle die zu schwach oder krank zum arbeiten waren, gefoltert oder hingerichtet. Ein grausamer Genozid, der nahezu eine ganze Generation und ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung tötete. Wir gehen als erstes zu den Killing Fields einige Kilometer außerhalb Phnom Penhs. Hier gab es ein geheimes Arbeitslager und der Name deutet schon an, was mit den Insassen letztendlich geschehen ist. Obwohl es ein sonniger Tag ist, fröstelt es Biene & Uli, als sie die eindrückliche Audiotour über das Gelände unternehmen. Im Anschluss fahren wir ins Gefängnis S21, eine unter Pol Pot zum geheimen Hochsicherheitsgefängnis umfunktionierte High School mitten in Phnom Penh. Der Rundgang hier ist nicht weniger bedrückend als die Killing Fields. Sie treffen einen der nur 7 überlebenden Haftinsassen. Die Begegnung hinterlässt einen tiefen Eindruck von dem Grauen dieser Zeit. Und sie fragen sich, wie so etwas im späten 20. Jahrhundert noch passieren kann? Und wieso die ganze Welt sie auf Hitler anspricht, sie aber von den Gräueltaten in Kambodscha zuvor so gut wie nichts gewusst haben?

Und wie an jedem Tag sehen wir auch heute auf den Straßen Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen. Opfer der zahlreichen Landminen, die während des Vietnamkrieges auch kambodschanischen Boden flächendeckend verseucht haben. Es ist einer der Tage, die unter die Haut gehen. In einem Land, das noch schwer an seiner Vergangenheit trägt.

Für die Bootsrennen, die zu Ehren des Wasserfestes statt finden, und bei denen Ruderboote mit bis zu 40 Mann um den Sieg rudern, sind die 2 danach nicht so recht in Stimmung und lassen sie aus. Um sich wieder etwas aufzuheitern, treffen sie sich am Abend aber noch mit Steffi & Christo auf ein, zwei, drei Bier 😉 bei den Festlichkeiten am Mekongufer.

Tags darauf freuen sie sich über eine ganz besondere Einladung. Über einen Geschäftskunden von Uli kam der Kontakt zu Leni & Johan von der Hilfsorganisation Mercy International zustande. Die beiden betreiben hier in Kambodscha´s Hauptstadt ein tolles Hilfsprojekt, bei dem Jugendlichen aus den Slums eine Ausbildung erhalten. Zwar sind wegen der Feiertage keine Teilnehmer hier, trotzdem nehmen sich Leni & Johan den ganzen Tag Zeit, um Biene & Uli über das Projekt zu erzählen und das Haus zu zeigen: die Werkstatt, in der die Jugendlichen zu Kfz-Mechaniker ausgebildet werden; die Computer, an denen die Jugendlichen EDV-Kenntnisse sammeln können und die Begegnungsräume, in denen Mütter und Familien Informationen über Themen wie Hygiene und gewaltfreie Erziehung bekommen und in denen Englischkurse stattfinden. Ein tolles Projekt, über das ihr auf Mercy Team Cambodia mehr erfahren könnt.

Tags darauf kehren wir der Hauptstadt den Rücken und fahren auf einem holprigen Highway Richtung Süden. Unser Ziel: Kep. Ein kleiner Ort an der Küste, der bekannt ist für seinen Krabbenmarkt. Biene & Uli finden den langgezogenen Ort leider etwas ungemütlich und den Krabbenmarkt eher unspektakulär und touristisch und wir fahren daher schon einen Tag später weiter nach Kampot. Dieser kleine Ort liegt zwar nicht am Meer, aber idyllisch am Fluss. Hier gefällt es den beiden schon viel besser, irgendwie hat dieser Ort richtig Atmosphäre und ein schönes Altstadtzentrum. Sagen sie. Ich vermute, den beiden hat gefallen, dass es hier frisch gezapftes Bier für 1 US$ gab. 😉

Das nächste und letzte Ziel in Kambodscha erreichen wir nach weiteren 3 Stunden Fahrt entlang der hier dicht bewaldeten Küste: Sihanoukville. Dieser Ort gehört schon zu den bekannteren Destinationen in Kambodscha und hat mit 5 Stränden für jeden etwas zu bieten: der abgelegene, einsame Pärchen-Strand; der ruhige Familienstrand; der belebte Partystrand mit vielen Hostels, Bars und Shops und die vorgelagerten Inseln, ideal für wassersportliche Aktivitäten wie Tauchen und Schnorcheln. Die beiden suchen sich ein schönes Fleckchen am Partystrand 😀 und wissen schon nach der 1. Nacht, wieso das Zimmer trotz Meerblick und Top-Strandlage so günstig war. Von den Strandbars dröhnt bis 5 Uhr morgens laute Musik herüber. Mit schlafen ist hier nicht viel, da ist mitfeiern angesagt 😀 Ich werde dauergeparkt und die beiden erkunden auf einem Tagesausflug mit Boot & Schnorchel die Unterwasserwelt. Die sei ganz schön, aber dem Vergleich zu den Philippinen könne sie nicht standhalten, so ihr Fazit. Ganz schön verwöhnt die zwei, wenn ihr mich fragt.

Im Anschluss geht es weiter gen Osten durch die Küstennationalparks Richtung Thailand. Nach gerade einmal 2 Wochen heißt es schon wieder Tschüss Kambodscha. Immer diese Hektik, das ist ja gerade mal ein Kurzurlaub. Aber die beiden haben große Pläne, da müssen sie sich hier kurz fassen, sagen sie. Also geht es wieder mal zurück in mein Heimatland: Thailand. Wohin auch sonst!

Angkor Wat – zwischen Spiritualität und Tomb Raider

Angkor Wat – zwischen Spiritualität und Tomb Raider

Die TEMPELANLAGEN VON ANGKOR gelten als eine der größten Sehenswürdigkeit ganz Asiens. Kein Wunder, sind hier fast 1.000 Tempel – mehr oder weniger – gut erhalten, die an archäologischer, architektonischer und spiritueller Bedeutung weltweit ihresgleichen suchen. Erbaut wurden die Reichtümer zwischen dem 9. und dem 15. Jahrhundert, als Angkor Mittelpunkt und Hauptstadt des mächtigen Khmer-Königreiches war. Wem nicht schon allein die Größe und Mächtigkeit dieser Bauwerke beeindruckt, dem bleibt spätestens bei der näheren Betrachtung ihrer detailreichen Mauerdekors und beeindruckenden Fassadenverzierungen der Mund vor Staunen offen stehen.

Bei dieser schieren Anzahl an Tempeln ist die Gefahr groß, beim Versuch so viele wie möglich zu besichtigen von den Eindrücken einfach überwältigt zu werden und an Tempel-Burnout zu erkranken 😉 Wir sind weder stark ausgeprägte Geschichts- noch Archäologie-Nerds, deshalb gehen wir die Besichtigung von Angkor entspannt an. Unser Ziel ist es nicht, möglichst alle Tempel und jedes Detail abzuhaken sondern lieber tiefere Eindrücke mitzunehmen.

Trotzdem stehen wir schon frühmorgens auf. Bereits ab 5 Uhr sind die Kassenhäuschen geöffnet, die praktischerweise direkt an der Straße von Siam Reap zu dem UNESCO Weltkulturerbe Areal von Angkor liegen. Bei den Tickets hat man die Wahl zwischen einem Tagesticket für 20 US$, einem Drei-Tages-Pass für 40 US$ und einem Wochenpass für 60 US$. Unser erster Gang führt uns wie hunderte andere zum oft spektakulären Sonnenaufgang vor der Kulisse der 3 gewaltigen Steintürme Angkor Wats. Dieser ist der bekannteste Tempel in Angkor, dessen Name oft synonym für den ganzen Komplex verwendet wird. Er ziert u.a. die kambodschanische Flagge und gilt als das größte sakrale Bauwerk der Welt.

Als Guide für ganz Kambodscha kaufen wir uns an einem der zahlreichen Verkaufsstände einen (druckfrischen 😉 ) Lonely Planet, in dem ausführlich auf die meisten Tempel der Anlage eingegangen wird. (Zuvor waren wir mit einem in Thailand gefundenen Lonely Planet von 2002 unterwegs. Das Kapitel zu Angkor war nahezu identisch – aber bei jahrhundertealten Tempeln ändert sich naturgemäß ja auch nicht viel in 10 Jahren 😀 )

Auf einer Fläche von über 400 Quadratkilometern verlaufen sich die Massen nach dem Sonnenaufgang zum Glück recht schnell. Dennoch tut man gut daran, hier gegen den allgemeinen Strom zu schwimmen. So besichtigen wir trotz eher ungünstigen Lichtverhältnissen erstmal in aller Ruhe den Tempelberg Angkor Wat, bevor wir zur alten Königshauptstadt Angkor Thom fahren. Nach der Einfahrt durch die mit überlebensgroßen, steinernen Wächtern gesäumten Stadttore stoppen wir als erstes an der Elefantenterrasse. Von hier laufen wir zum Baphuon. Dieser Prachtbau in Pyramidenform war im Laufe der Jahrhunderte komplett zusammen gestürzt. Wie ein großes Puzzle begann man ihn in den 60er Jahren Stein für Stein zu rekonstruieren. Ein liegender Buddha, der sich über die gesamte rückwärtige Fassade erstreckt, bereitet den Rekonstrukteuren dabei viel Kopfzerbrechen. Wer sieht den Buddha auf dem Bild?

Ebenfalls in Angkor Thom hat uns der Bayon Tempel beeindruckt. Von insgesamt 37 Türmen blicken von diesem ca. 200 bis zu 7 Meter hohe majestätische Gesichter auf den Besucher herab. Sie alle bilden das Antlitz des Königs ab, der den Tempel einst erbauen ließ. Der verwendete Stein ist durch Verwitterung und Flechtenbewuchs fleckig und verleiht dadurch den eigentlich identischen Gesichtern verschiedene Gesichtszüge.

Zum Sonnenuntergang klettern wir am ersten Abend auf den Phnom Bakheng, auf dessen Gipfel sich ebenfalls ein Tempel befindet. Für Faule werden auch Elefantenritte bis zum Gipfel angeboten. Von hier aus bekommt man Angkor Wat im Abendlicht vor die Linse. Daher ist der Berg abends sehr beliebt und recht überlaufen. Wir klettern daher noch vor dem Untergang der Sonne wieder herab und fahren zu einem der weniger bekannten Tempel. Auch schön. Besonders gut gefallen uns die Dschungeltempel. Das sind die, die nicht mehr restauriert, sondern der Natur überlassen werden, Und diese erobert sich langsam aber sicher die Bauwerke zurück. Indiana Jones Feeling in der Besichtigung inbegriffen 🙂

Filmliebhabern wird von diesen am ehesten der Tempel Ta Prohm bekannt sein. Dieser bildete die Kulisse für Tomb Raider. Wo sich im Film Lara Croft an Lianen durch den Tempel schwingt, ist auch in echt ein von Bäumen durchwachsenes Mauerwerk zu bestaunen. Hier ist es gut, früh dran zu sein – denn wenn die asiatischen Reisegruppen anrücken, wird es voll, laut und eng. Gegen 10 Uhr, wenn die vielen Reisebusse einfahren und die Hitze des Tages beginnt sich in den Steinmauern zu stauen, legen wir an beiden Tagen erstmal eine lange Pause ein. In den kleinen Suppenküchen zwischen den Tempelanlagen gehen wir lecker frühstücken, trinken frische Fruchtshakes und legen uns in die Hängematte.

Und ganz ohne Sightseeing-Stress hat uns die spirituelle Atmosphäre und die baulichen Meisterwerke von Angkor tief beeindruckt. Viele Tempel haben wir besichtigt, viele sicher nicht. Aber wir haben mehr mitgenommen, als wenn wir versucht hätten, alle Tempel in wenigen Tage zu sehen.

UNSER TIPP:

Für die „optimale“ Besichtigung Angkors gibt es zahlreiche Ansätze. Von Touren nach den optimalen Lichtverhältnissen für Fotos bis zur Anleitung gemäß der historischen Wichtigkeit findet sich alles. Am gebräuchlichsten sind zwei Rundtouren über das Hauptareal: Im „kleinen Rundkurs“ sind die bedeutendsten und größeren Tempelkomplexe eingeschlossen, während der „große Rundkurs“ mehrere weniger zentrale Tempel beinhaltet. Die meisten Touristen unternehmen den kleinen Rundkurs am 1. Tag, den großen am 2. Tag und besichtigen an Tag 3 den Banteay Srey (den wir auf unserer Anreise bereits zufällig fanden). Wenn man die Tempeltour so – wie von den meisten Tuk Tuk Fahrern auch vorgeschlagen – macht, kann man sich sicher sein, immer genau da zu sein, wo gerade die meisten Besucher sind 😉 Wir waren mit unserer Katze zum Glück unabhängig und konnten uns unsere eigene Route zusammen stellen. Am zweiten Tag ließen wir uns auch einfach mal durch das Areal treiben und schauten, an welchen Tempeln wir vorbeikamen. Denn beeindruckend sind die meisten der Tempel – da machten wir uns keinen Stress, ob wir vielleicht gerade 1 von 1.000 verpasst haben.

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