Reisebericht

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

„Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden“.

Dieser Spruch trifft ganz gut, was bei uns gerade los ist. Denn eigentlich hatten wir – ganz unüblich für uns – das nächste halbe Jahr komplett geplant und durchorganisiert. Eine Wintersaison in den Rocky Montains zu (er-)leben war einer der Hauptgründe, weshalb es uns für ein Jahr nach Kanada zog. Im Laufe des Oktobers hat sich dann auch nach und nach alles perfekt ergeben:

Wir beide bekommen Jobangebote im Panorama Resort. Dieses Skigebiet war von Anfang an eines unserer Favoriten: Super Schneebedingungen, anders als die bekannteren Skigebiete wie Whistler oder Banff ist es nur selten überfüllt, es bietet gute Arbeitsbedingungen plus Personalvorteile und ist gut gelegen. Anfang Dezember geht die Skisaison los und dauert bis Mitte April. Passt!

Die Personalunterkünfte am Berg sind leider bereits alle vergeben, aber nach etwas Suche finden wir ein gemütliches, großzügiges und toll eingerichtetes Haus im nahen Dorf. Zwar keine Ski in/Ski out-Möglichkeit wie am Berg, dafür aber in direkter Nähe zum See, der winters zufriert und als längste Eisbahn der Welt sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hält. Wir sehen uns bereits an unseren freien Tagen morgens Schlittschuh fahren und Langlaufen und abends am Ufer entlang joggen. Ende November können wir einziehen. Da das Haus recht groß ist, wollen wir der 2 der 4 Schlafzimmer an zukünftige Kollegen untervermieten. In null Komma nichts finden sich ein sympathischer Engländer und eine nette Australierin. Passt! 

Sonnenaufgang über den Rocky Mountains

Auf Skeena Meadows arbeiten wir noch bis Mitte November. Wir gönnen uns noch 2 Wochen Zeit zum Reisen, bevor die Wintersaison startet. Zum Wandern und Zelten ist es mittlerweile zwar zu kalt, aber auch für diese Jahreszeit bietet Kanada etwas Besonderes: Nordlichter und Eisbären! Während sich die Reise zu den Nordlichtern nach Yellowknife ganz wunderbar fügt und wir dort im Apartment unserer Arbeitgeber wohnen dürfen, gestaltet sich der geplante Abstecher in die Subarktis zu den Eisbären schwieriger! Es will einfach nichts so recht zusammen passen. Und so beschließen wir nach wochenlanger Recherche, Planung und viel Hin und Her, darauf zu verzichten. Mittlerweile könnten wir einen Reiseführer über die „Eisbären-Hauptstadt der Welt“ Churchill in Manitoba schreiben, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Ganz ehrlich, vor allem Biene ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…!

Der 1. Schneeball!

Nach Manitoba wollen wir dennoch reisen und stattdessen ein Wochenende in dessen Hauptstadt Winnipeg verbringen. Die Flüge sind bereits gebucht und ehrlich gesagt…wir haben da diesen winzigen Funken Hoffnung, dass sich wie schon öfters in letzter Minute doch noch irgendwie eine Möglichkeit auftut, zu dem Eisbären zu gelangen….you never know!

In den letzten Tagen auf dem Anwesen sind wir noch gut beschäftigt: Wir wollen das gelichtete Waldstück noch vollends von Geäst und Baumstümpfen befreien, die Hunde sowie  die Fasanen müssen versorgt werden, Feuerholz gemacht und der Ofen geheizt werden, einige kleinere Projekte stehen auch noch an. Nicht zuletzt hat auch unser Koch Urlaub und wir müssen uns selbst verpflegen. Was nach 4 Monaten Rundumverköstigung auch wieder eine Umstellung ist. 

Dann am vorletzten Arbeitstag passiert es: Biene gerät mit dem Allrad-Buggy  auf dem gefrorenen Weg ins Schleudern, rutscht eine kleine Böschung hinauf und das Fahrzeug kippt um. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der linke Knöchel gebrochen und ein Band gerissen ist. Noch lässt sich nicht ausschließen, dass ein weiterer Knochen ebenfalls gebrochen ist, was eine OP bedeuten würde. So oder so lautet die Prognose 6 Wochen Gips, jede Woche Röntgen und keinerlei Belastung des Beines. Uuumpf!

Das bringt natürlich erstmal alles heftig durcheinander! Was machen wir jetzt? Fliegen wir dennoch? Können wir überhaupt? Wie organisieren wir das alles? Und vor allem: was wird jetzt aus Biene´s Job als Liftie in 3 Wochen?! 

Klotz am Bein…

Schnell ist klar: an der Situation können wir nichts ändern. Ist jetzt halt so, auch wenn es sch*** ist! Was aber in unserer Hand liegt, ist die Entscheidung, wie wir mit dieser Situation umgehen. Wir beschließen, das Beste daraus zu machen!

2 Tage später fliegen wir deshalb trotz Klotz am Bein nach Winnipeg. Schnell stellen wir fest, dass Winterpeg seinem Spitznamen alle Ehre macht: Schon bei unserer Ankunft mitten am Tage erwarten uns frostige minus -25 Grad Celsius. Direkt nach unserer Landung leihen wir uns einen Rollstuhl für unsere 4 Tage vor Ort. So sind wir doch einiges mobiler als nur mit den Krücken. 

Rock´n´Roll in Winnipeg

Dick eingemummelt erkunden wir die kommenden 3 Tage rollend Manitoba´s Hauptstadt: Wir spazieren am bereits zugefrorenen Fluss entlang, werfen einen Blick in das architektonisch interessante Regierungsgebäude, erkunden das historische Zentrum und schauen uns den lokalen Weihnachtsumzug an. Länger als eine Stunde halten wir es in der beißenden Kälte und dem eisigen Wind, der durch die Straßen pfeift, allerdings nicht aus – zwischendurch wärmen wir uns immer wieder in gemütlichen kleinen Cafés auf. Besonders gut gefallen uns die Forks Markets, eine historische Markthalle mit originellen kleinen Shops und kulinarischen Delikatessen aus aller Welt. Einen Tag verbringen wir im super interessanten und spannend komponierten Museum of Human Rights.

An unserem letzten Tag in Winnipeg sehen wir schließlich doch noch Eisbären – wenn auch nur im Assiniboine Zoo. Dieser arbeitet eng mit mehreren Tierschutzorganisationen und Forschungsstationen zusammen und neben einem tollen Arktis-Habitat gibt es auch viele Infos zu wichtigen Themen wie Klimawandel und Schutz des arktischen Lebensraumes. Es ist beeindruckend, die weißen Giganten aus nächster Nähe beim Schwimmen, Raufen und Tauchen beobachten zu können – dennoch ist es natürlich nicht dasselbe, wie Tiere in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Wenn wir uns auch sicher sind, dass sich die Eisbären bei den Temperaturen in Winnipeg an diesem Tag pudelwohl fühlen…

Dienstags fliegen wir weiter nach Yellowknife. Dass die Hauptstadt der Nordwest-Territorien gut 1.000 km weiter nördlich liegt als Winnipeg macht sich in karger, bereits verschneiter Tundra rundum und nochmals 10 Grad kälteren Temperaturen bemerkbar. 

Auch hier leihen wir uns zuallererst einen Rollstuhl, um nicht ganz auf Winterspaziergänge verzichten zu müssen. Wir beziehen das Apartment der Besitzer von Skeena Meadows im zweithöchsten Gebäude der Stadt und schauen vom Erkerfenster aus dem Schneegestöber zu. Vom neunten Stock aus haben wir einen guten Blick über die 20.000 Einwohner zählende Stadt und die Seen rundum. Diese sind bereits vereist – noch ungefähr einen Monat wird es dauern, bis das Eis dick genug ist und die Eisstraßen eröffnet werden können. Yellowknife liegt am Ende der Straße – von hier aus Richtung Norden kommt bis zum Nordpol nur noch Tundra, Wasser und Eis. Alles, was nördlich von hier liegt (hauptsächlich Diamantminen und Inuit-Siedlungen), ist sommers nur per Wasserflugzeug und winters nur über diese berühmt-berüchtigten „Ice Roads“ zu erreichen.  

Wood Buffalo in Yellowknife

 Während Yellowknife selbst im Winter nichts besonders Sehenswertes ist, ist es seine Lage, dass seinen besonderen Reiz ausmacht. Abgesehen von den unterirdischen Gold- und Diamantvorkommen in dem Gebiet liegt der Hauptanziehungsgrund Yellowknife´s im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft: In den kalten Winternächten können hier regelmäßig Aurora Borealis (Nordlichter) am dunklen Nachthimmel beobachtet werden. Yellowknife bietet dafür so gute Bedingungen, dass es sogar den Titel „Hauptstadt der Nordlichter“ trägt und jede Winternacht durchschnittlich zwischen 300-500, größtenteils asiatische, Touristen anlockt. Die Aurora Borealis einmal mit eigenen Augen über den Nachthimmel tanzen zu sehen, ist ein Traum, den auch wir uns hier erfüllen wollen. Wenn das klappt, ist es auch nicht schlimm, dass es derzeit mit Schlittenhundefahrt, Schneemobilausflügen und Schneespaziergängem nichts ist.

Und hier sind wir jetzt also.

Bisher schneit es fast durchgehend und der Himmel hängt voller Schneewolken. Tagsüber unternehmen wir rollend kurze Spaziergänge, besuchen das Museum und kommen dank den Kontakten der Besitzer von Skeena Meadows auch über die Stadt hinaus und raus in die schöne, wilde Umgebung. Zwischendurch legen wir immer wieder Pausen auf der Couch ein, damit Beine ihr Bein hochlegen kann. Die Tage hier sind kurz: Sonnenlicht hat es nur zwischen 10 Uhr und 15 Uhr – bereits um 16 Uhr ist es stockdunkel. Bis morgen hoffen wir noch auf ein Aufreißen der Wolkendecke und tanzende Nordlichter. Dann werden wir nach Calgary fliegen und dort 2 Tage verbringen. Ein weiterer Röntgentermin steht an, bevor wir donnerstags mit dem Shuttlebus des Skigebiets Invermere erreichen und hoffentlich in unser Haus einziehen können.

Wie es im Skigebiet laufen wird, ob Biene trotz Gipsfuß arbeiten kann, ob eine OP notwendig sein wird, wann sie wieder Ski fahren kann – all das wissen wir noch nicht. 

Wir wissen nur eins: egal was kommt, wir werden das Beste daraus machen! 

Sonnenaufgang in Yellowknife um 9.36 Uhr

 

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

„Ach, ist das herrlich!“  Dieser geflügelte Satz purer Freude fällt ziemlich oft zwischen uns, seit wir am 20. September wieder gen Kanada aufgebrochen sind.

Schon am Vorabend vor unserem Abflug kommen wir nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Erreicht uns doch spätabends noch eine kurze Email der Besitzer von Skeena Meadows: „Hey, wann kommt ihr morgen in Vancouver an? Wir würden Euch gleich gerne direkt zu uns weiterfliegen lassen anstatt zu warten, bis ihr per Anhalter her kommt. Flug und Hotel übernehmen wir. Ist das ok?“ 

Klar ist das ok für uns. Keine 24 Stunden nach unserem Aufbruch aus Deutschland sind wir so schon wieder zurück auf dem Anwesen. British Columbia empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Der Skeena fließt eisblau und wild das sich windende Flusstal entlang, die ersten Blätter färben sich schon bunt und zu 3 Seiten blicken wir wieder auf majestätisch aufragende Berggipfel.

„Ach, ist das herrlich!“

Mit den Besitzern brechen wir zu einer Rundfahrt über das Anwesen auf und besprechen dabei unsere Projekte für die kommenden Wochen. Unsere Hauptaufgabe wird sein, ein großes Waldstück zu ebnen und zu planieren, damit dieses nächstes Jahr mit Gras eingesät und in Heuwiesen umgewandelt werden kann. Daneben ist das Gemüse im Bio-Garten erntereif und auch die Jagdhunde wollen wieder versorgt werden. Einen zweiten Schnitt und Silage wird es dieses Jahr nicht geben. Es ist zu trocken, das Gras ist kaum nachgewachsen. Viele der Bauern, denen wir in den nächsten Wochen Heu verkaufen und die bereits ihr ganzes Leben hier wohnen, erzählen uns, dass der Skeena noch nie so wenig Wasser geführt hat wie dieses Jahr. Es hat seit Mitte Juli nicht mehr geregnet.

Wir ziehen vorübergehend in ein kleineres Zelt neben dem Hauptgebäude ein, da „unser“ Zelt am Fluss mit Gästen belegt ist. Aber nach 4 Nächten können wir endlich wieder einziehen. Jetzt sind wir richtig angekommen: wir trinken morgens unseren Kaffee wieder mit Blick auf den Fluss, entspannen abends in der holzbefeuerten Holzbadwanne auf unserer Terrasse und kuscheln uns danach an den Kamin in unserem Wohnzimmer.

„Ach, ist das herrlich!“

Unsere Arbeitstage verbringen wir hauptsächlich im Wald. Während Uli mit dem Bulldozer große Schneisen durchs Gebüsch zieht und die größeren Bäume mit der Kettensäge zu Feuerholz verarbeitet, fährt Biene den Traktor mit der Greifschaufel am Frontlader. Mit dieser werden Wurzelwerke, Stämme, Büsche und die kleineren Bäume zu großen Scheiterhaufen aufgeschichtet. Wir können für uns arbeiten und kommen gut voran, gleichzeitig sind wir abends froh, wenn wir unsere geplagte Rücken nach 10 sehr holprigen Stunden zur Muskelentspannung in unserem Hot Tub eintauchen. Spätestens beim Blick nach oben zum klaren Sternenhimmel ertönt dann meist ein:

„Ach, ist das herrlich!“

Die Wochenende nehmen wir uns frei. Wir schlafen aus,  trinken gemütlich Kaffee und bewundern durch unsere große Glasfront das mittlerweile bunt gefärbte Herbstlaub. Die Eichhörnchen, die in den Tannen rund um unseren Bungalow ihren Lebensraum haben, kommen auf unserer Terrasse vorbei. Hier in unserem Waldstück am Fluss ist alles friedlich. Alles ist gut. 

„Ach, ist das herrlich!“

Wenn wir wollen, können wir eins der Firmenautos nehmen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir fahren durch die herbstliche, wilde Landschaft. Der Weg ist unser Ziel. Wir staunen darüber, wie unterschiedlich die Landschaft im Vergleich zum Sommer aussieht und wie gut ihr das farbenfrohe, herbstliche Kleid steht. Mit unseren kanadischen Kollegen unternehmen wir einen Sonntagsausflug ins nahe Kispiox Tal. Wir bewundern die fast 200 Jahre alten Totempfähle und das bunte Herbstlaub rundum. Wir sehen eine Bärenmutter mit ihrem Jungen und 3 Hirsche. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„Ach, ist das herrlich!“

An einem schönen sonnigen Samstag steigen wir auf den Kathlyn Gletscher bei Smithers auf. Während es unten im Tal angenehm warm ist, spüren wir mit jedem Höhenmeter, wie die Temperatur fällt. Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen über ein Geröllfeld und große Felsblöcke zum Gletscherfuß auf. Hier oben auf 1.600 Meter ist es sehr frisch – wie frisch, wird uns beim Blick unter unsere Füße klar: der Gletscherbach ist am Rand bereits vereist und auch der Boden ist gefroren. Wir können unsere Atemwolken sehen. Große Gletscherspalten halten uns davon ab, weiter aufzusteigen. So genießen wir nur für kurze Zeit die herrliche Panoramasicht, bevor wir mit eisigen Fingern und Nasenspitzen den Abstieg in Angriff nehmen.    

„Ach, ist das herrlich!“

In großen Schritten geht es auf Oktober zu. Inzwischen hat es die ersten frostigen Nächte und wenn wir morgens zum arbeiten und abends zurück in unser Zelt fahren, mummeln wir uns dabei in Handschuhe, Mützen und dicke Jacken. Sogar der aufgestaute Biber-Teich ist bereits mit einer Eisschicht überzogen. Biene´s Geburtstag feiern wir mit einem Glühwein-Umtrunk mit unseren Kollegen in der Jagdlodge des Anwesens. Als Überraschung zaubert unser Koch eine riesige Schwarzwälderkirschtorte.

„Ach, ist das herrlich!“

Einige Tage darauf kommt uns eine indianische Schulklasse besuchen. Eigentlich sind die Kinder hier, um mehr über die Lachse zu erfahren, die in einem der Bäche auf dem Anwesen laichen. Aber die Kinder haben mehr Spaß am Karotten ernten und Deutsch lernen. Am selben Tag kommen 200 Fasanen auf dem Anwesen an. Deren Ausläufe haben wir beide im Sommer hergerichtet und nun darf Biene die prächtig anzusehenden Vögel versorgen. Wir sind gut beschäftigt: neben unserem Waldprojekt, den Fasanen und Hunden muss Feuerholz für den Winter gemacht, Heu geladen und so einiges Anderes gemacht werden. Es ist nach wie vor schönstes Herbstwetter, nachts ist es klirrend kalt und sternenklar und tagsüber strahlt die Sonne.

„Ach, ist das herrlich!“

Am zweiten Montag im Oktober wird in Kanada traditionell Thanksgiving gefeiert. Ähnlich unserem Erntedankfest kommen die Familien zusammen, um bei einem festlichen Abendessen dankbar für all das zu sein, was uns die Natur das ganze Jahr über schenkt. 

Obwohl Thanksgiving in Kanada ein staatlicher Feiertag ist, arbeiten wir bis nachmittags. Allerdings machen wir alle früher Feierabend und in der gemütlich eingeheizten Jagdlodge laden die Besitzer die gesamte Belegschaft zu Drinks ein, bevor es ein festliches Abendessen gibt: traditionell gibt es gefüllten Truthahn mit Kartoffelbrei und verschiedenem Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Nachtisch gibt es Kürbiskuchen. Es ist ein festlicher Abend und wir freuen uns, diesen kanadischen Festtag miterleben zu dürfen:

„Ach, ist das herrlich!“

 

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

Diese Woche Dienstag, den 21. März 2017, sind wir seit genau 111 Tagen wieder auf Reisen. Ein guter Anlass finden wir, um über unsere Reise zu philosophieren und Euch schonmal einen kleinen Einblick zu geben, was wir in den vergangenen 111 Tagen so alles erlebt haben:

  1. Wir haben in den 111 Tagen 4 Länder bereist: Brasilien, Argentinien, Chile und Bolivien. Zählen wir die Länder dazu, die wir im Rahmen unserer Überfahrt nach Südamerika per Schiff besucht haben, kommen sogar noch 3 dazu: Italien, Spanien und Marokko. Mit Peru, Ecuador und Kolumbien soll es auf unserer Südamerika-Etappe noch in weitere 3 Länder gehen.
  2. Am 111. Reisetag machten wir eine geile Radtour: Es ging die „Death Road“ hinunter, die Studien vor wenigen Jahren als gefährlichste Straße der Welt belegten. Im Schnitt stürzten 26 Fahrzeuge pro Jahr hier in die Tiefe. Auf der Radtour von La Paz nach Coroico fuhren wir in 3 Stunden über 3.000 Höhenmeter auf der Death Road hinunter! Adrenalin pur!DANKE AN STEFAN K. & STEFAN W., DEREN GESCHENKE WIR FÜR DIESE RADTOUR EINGELÖST HABEN!!
  3. Von den Wasserfällen von Iguazu sind wir durch ganz Argentinien bis an die Südspitze des amerikanischen Kontinents und komplett Chile wieder hoch bis nach Sucre in Bolivien getrampt.
  4. Das macht 12.700 km per Anhalter! Verteilt auf 122 Lifts, die uns hilfsbereite Menschen gegeben haben – viele davon im Auto, auf Pick-up Pritschen, im LKW, in Kleintransportern, auf Ladeflächen…
  5. Unsere exotischsten Lifts waren ein Krankenwagen, ein Polizeiauto, ein Feuerwehrauto und ein Segelschiff!
  6. Unser längster Lift war eine 1.400 km lange Fahrt am Stück im LKW.
  7. Als wir in Bolivien (aufgrund der sehr günstigen Buspreise, des geringen Privatverkehrs überland, der Zurückhaltung der Bolivianer und der Praktik, dass Tramper sich am Benzingeld beteiligen) beschlossen von nun an per Bus weiterzureisen, fühlte es sich an wie das Ende eines Abenteuers. Traurig.
  8. Schon nach 3 Busfahrten sehnen wir uns wieder nach einem eigenen Transportmittel. Nach Aufregung. Nach Abenteuer.
  9. Beim Reisen per Anhalter lernt man die Menschen eines Landes und ihre Geschichten besser kennen als bei jeder anderen Reiseart.
  10. Wir wurden viele Male eingeladen – auf einen Kaffee, ein Mittagessen, eine Übernachtung – und ebenso viele Male beschenkt – mit Keksen, Wasser, einem Umweg für uns etc. Unzählige Male waren wir von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft uns gegenüber überwältigt!
  11. Aus manchen Begegnungen entwickelten sich bleibende Kontakte und sogar Freundschaften.
  12. Wir machten keine einzige schlechte Erfahrung beim Trampen durch Südamerika.
  13. Wir kennen nun alle möglichen latinoamerikanischen Musikstile und die aktuellen Charts aus Argentinien und Chile.
  14. Feuerland und das südliche chilenische Fjordland haben das wohl unwirtlichste – und gleichzeitig unwirklichste – Klima der Erde.
  15. In Patagonien sind Schneestürme, Hagel und Minusgrade selbst im Hochsommer keine Seltenheit. Auch 4 Jahreszeiten an 1 Tag sind ganz normal.
  16. Trotzdem haben wir hier 2 Monate lang ausschließlich gezeltet. Meist in der freien Natur. Unser Zelt ist inzwischen sowas wie unsere Höhle: Aufgebaut, reingewurschtelt, zuhause.
  17. Patagonien ist in allem extrem: extrem wenige Menschen, extrem schöne Natur, extrem starker Wind, extrem rau, extrem starke Sonne, extreme Wetterumschwünge, extrem langwierig zu erreichen, extreme Naturgewalten.
  18. Am Ende der Welt wartet immer ein Regenbogen!
  19. Nach der Zeit in Patagonien nehmen wir verschmutzte Luft und Abgasgeruch viel intensiver wahr.
  20. Der kalbende Gletscher Perito Moreno, die Wasserfälle von Iguazu und die Salar de Uyuni sind zusammen wohl drei der beeindruckendsten Wunder der Schöpfung, die wir bisher sahen.
  21. In Argentinien gibt es eine Provinz, die tatsächlich „La Pampa“ heißt. Sie ist…eben – reine Pampa: dürre Steppe, keine Bäume, keine Besiedlungen, kein Wasser. Die Pampa ist flächenmäßig größer als Deutschland.
  22. Korruption ist eines der größten Probleme für ein Land.
  23. Je höher der Lebensstandard in einem Land ist, desto teurer ist Essen.
  24. Chile, Argentinien und Brasilien haben dasselbe Preisniveau wie Deutschland.
  25. In Boliven ist es teurer Zutaten zum kochen zu kaufen als essen zu gehen. Für 1-2€ bekommt man im Restaurant ein komplettes Menü bestehend aus Suppe, Hauptspeise und Nachtisch.
  26. Hier gibt es auch endlich wieder leckeres Streetfood und frisch gepresste Fruchtsäfte an jeder Straßenecke.
  27. Mangos, Bananen und Avocados schmecken hier noch mindestens 10mal besser als aus dem deutschen Supermarkt.
  28. Wenn die Einheimischen das Leitungswasser trinken, tun auch wir dies bedenkenlos. Bisher ohne Probleme. In Plastikflaschen abgefülltes Wasser kaufen wir nur, wenn es absolut notwendig ist. In 3 Jahren Reisen haben wir viel zu viele Plastikflaschen am Straßenrand, im Meer und überall in der Natur gesehen.
  29. Wir wissen noch nicht genau, was es damit auf sich hat, aber bisher verging noch kein Tag, an dem wir in Bolivien keine Blaskapelle spielen hörten.
  30. Einfach Fragen öffnet alle möglichen Türen.
  31. Nett und mit einem Lächeln fragen sogar Tore.
  32. Egal wie wenig Klamotten wir dabei haben – selbst dann noch ziehen wir manches fast immer an und anderes fast nie.
  33. Nach fast 3 Jahren auf Reisen hat sich unser Gepäck fast um die Hälfte reduziert.
  34. Man kann sich auch in Orte verlieben, nicht nur in Menschen.
  35. Die schönsten Plätze sind nicht leicht zu finden. Und sie stehen in keinem Reiseführer.
  36. Wir sind keine Gruppenreisenden.
  37. Wir sind viel lieber draußen und wandern zur 10. Lagune als länger in einer Großstadt zu sein. Die sehen oft irgendwie gleich aus. Grau.
  38. Vieles kommt auf die Sichtweise an – in Australien’s Outback ist Regen ein Grund zur allgemeinen Freude. Im chilenischen Fjordland tägliches Ereignis.
  39. An den meisten Orten ist es nicht gefährlicher als zuhause.
  40. Fragt man die Einheimischen, ist es im Nachbarland/im Nachbarort/in der Nachbarprovinz immer viel gefährlicher.
  41. Es gibt nur sehr wenige Orte, an denen kein anderer Deutscher ist.
  42. Gastfreundschaft hat nichts mit Wohlstand oder Armut zu tun.
  43. Die Monate im australischen Outback und in Patagonien haben uns geprägt: Größere Menschenansammlungen und vor allem hohes Verkehrsaufkommen gehen uns schnell auf die Nerven.
  44. Wir schlafen inzwischen viel lieber in unserem Zelt als in einem mäßigen Hostel mit verranzter Küche oder schmuddligem Badezimmer.
  45. Aber auch die Nacht in der Turnhalle, die als Notunterkunft aufgrund der Überflutungen in der chilenischen Region Aysen geöffnet war, war nicht so schlecht. Es gab Kaffee, Frühstück und sogar eine heiße Dusche.
  46. Allgemein herrscht das Klischee, Südamerikaner seien unpünktlich. Auf Chilenen trifft das ganz und gar nicht zu. Hier fahren selbst Tourbusse überpünktlich ab.
  47. Es gibt schwarzweisse Delfine! Und Pinguine mit gelben Halskrägen! Und wir haben sie gesehen!
  48. Mit Seelöwen zu schnorcheln war eine der genialsten Erfahrungen unserer Reise!
  49. Insgesamt tragen wir in Südamerika sehr viel häufiger unsere Wanderschuhe als unsere Flipflops.
  50. Auch unsere Regenjacken hatten wir schon häufiger an als unsere kurzen Hosen. Irgendwie hatten wir uns den südamerikanischen Sommer wärmer vorgestellt. Wir sind aber auch meist in Höhenlagen zwischen 3.000-5.000 Meter unterwegs.
  51. Wenn es dann mal wo warm ist, ist es gleich richtig heiß.
  52. Kurz vor San Pedro de Atacama in Chile haben wir zum 2. Mal (das 1. Mal war an der Westküste Australien’s) den tropischen Breitengrad der Südhalbkugel, den „Tropic of Capricorn“, überquert. Wir freuten uns wie verrückt.
  53. Nichts ist unbefriedigender, als einen Gipfel zu erklimmen – und nichts außer einem grauen Wolkenmeer zu sehen.
  54. In der Regel lohnt es sich, fremden Menschen die Chance zu geben, ihre gute Seite zu zeigen. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschen vorausgesetzt, widerfährt einem unheimlich viel Gutes.
  55. Auch auf einer Reise ist nicht jeder Tag fantastisch. Mal ist es anstrengend, mal mühsam und oft müssen wir uns jedes Mal auf’s Neue außerhalb unserer Komfortzonen wagen. Aber am Ende des Tages werden wir immer wieder für die Anstrengungen belohnt.

Ergo: Diese Reise ist bis heute das Beste, was wir unternommen haben!

Ein Wochenende in San Francisco – 8 Highlights die Du nicht verpassen solltest (und was Du Dir sparen kannst)

Ein Wochenende in San Francisco – 8 Highlights die Du nicht verpassen solltest (und was Du Dir sparen kannst)

Bekanntermaßen sind wir beiden ja nicht die größten Stadtfans. Dennoch gibt es durchaus Metropolen, die wir mit eigenen Augen sehen und erleben wollen. San Francisco ist eine von ihnen. Deshalb zögern wir nicht lange, als sich auf unserem Sprung über den Pazifik nach Mexiko flugtechnisch ein Zwischenstopp an der kalifornischen Westküste anbietet und verlängern diesen zu einem Wochenendtrip in San Francisco, das neben seinen klassischen Sehenswürdigkeiten vor allem für Flowerpower-Flair, gelebte Toleranz und kosmopolitische Offenheit bekannt ist. San Francisco erscheint einerseits recht europäisch, andererseits sehr amerikanisch und Jedermann scheint dort willkommen zu sein. Finden wir großartig!

Transport

Nachdem wir aufgrund einer späten Ankunft die erste Nacht am Flughafen verbringen (übrigens die 2. Nacht hintereinander, da wir auch unsere letzte Nacht auf Hawaii am Flughafen von Oahu übernachten – der Flughafen von San Francisco hat eindeutig geeignetere Ecken für eine ungestörte Nachtruhe), dürfen wir uns am nächsten Morgen gleich persönlich von San Fransisco’s effektivem und gut ausgebautem öffentlichen Nahverkehr überzeugen. Mit der Buslinie KX gelangen wir für 2,25 US$ in knapp 45 Minuten ohne Umsteigen direkt ins Stadtzentrum von San Francisco.

Unterkunft

Von der Bushaltestelle sind es nur wenige Minuten zu Fuß zu unserem Hotel Aida Plaza in der Market Street. Die verläuft super zentral und ist als Ausgangspunkt zur Stadterkundung bestens geeignet. Beim Betreten der Großen Hotellobby fühlen wir uns direkt zurück versetzt in das San Francisco der 70er Jahre: Kunstgemälde im Retro-Stil zieren die marmornen Wände, der dicke Teppichboden schluckt jedes Geräusch, in der Ecke neben den tiefen Sesseln steht eine Jukebox und aus den Lautsprechern erklingt kernige Jazzmusik. Die Atmosphäre passt super gut zu dieser Stadt und wir sind positiv überrascht, dass wir trotz der frühen Uhrzeit schon einchecken und unser Zimmer beziehen können. Auch das im Preis inbegriffene Frühstück könnte nicht amerikanischer sein: zum Kaffee aus dem Pappbecher gibt es eine große Auswahl zuckersüßer Donuts!

Unsere Retro-Hotellobby

GO AND SEE

Zwei Tage sind nicht viel Zeit, um eine vielfältige Metropole wie San Francisco zu erkunden. Daher haben wir – entgegen unseres üblichen Reisestils – vorab recherchiert, was wir unbedingt sehen wollen und uns einen groben Plan zurecht gelegt. Natürlich mussten wir uns auf einige Highlights beschränken. Solltet Du ebenfalls einmal für ein Wochenende in San Francisco sein und vor der Entscheidung stehen, was Du unternimmst, findest Du hier unser perfekt auf 2 Tage ausgefeiltes Programm! Darunter sind unsere ganz persönlichen Tipps für die Dinge, die Du auf keinen Fall verpassen solltest – genauso wie unsere Empfehlungen, was Du getrost sein lassen kannst, wenn Du befürchtest dass zu viele Unternehmungen in Sightseeing-Stress ausarten:

1. Die Golden Gate Bridge

Die ikonische Brücke über die Golden Gate Bucht von San Francisco ist DAS architektonische Wahrzeichen der Stadt. In unzähligen Filmen wurde sie bereits als Drehort verwendet und sogar zu einem der neuen Wunder der Modernen Welt ernannt. Entgegen ihres Namens leuchtet sie allerdings nicht golden, sondern dunkelrot neben der Skyline der Stadt. So soll sie für Schiffe besser sichtbar sein in dem dichten Nebel, der die Brücke regelmäßig einhüllt. Die Golden Gate Bridge muss man einfach einmal mit eigenen Augen sehen! Man kann sie mit dem PKW oder in Bussen befahren – unser Tipp aber ist eine Radtour über die Brücke! Fußgänger und Fahrradfahrer haben ihre eigene Spur, die von den Fahrzeugspuren durch einen Zaun abgetrennt ist. So kommst Du einerseits sicher und flott voran und kannst andererseits auch mal stehen bleiben und die zweitlängste Hängebrücke der USA ganz in Ruhe bestaunen! Verbinden kannst Du das perfekt mit unserem nächsten Punkt:

2. Radtour entlang der Sea Front – von South Beach bis zum Presidio

San Francisco eignet sich unserer Meinung nach perfekt für eine Erkundung auf dem Fahrrad! Damit sparst Du Dir lästige Parkplatzsuchen mit dem Mietwagen, musst Dich nicht um die Sicherheit Deiner Wertsachen im Auto sorgen oder mit der Verkehrsführung auseinander setzen und kommst gleichzeitig schneller voran als zu Fuß. Gerade wenn man nur ein Wochenende Zeit für San Francisco hat, ist eine Radtour durch die unterschiedlichen Stadtviertel unserer Meinung nach ideal. Wir haben uns für 43 US$ für einen Tag ein Tandem ausgeliehen und haben in wenigen Stunden schon sehr viel gesehen. Zusätzlich war die Fahrt mit dem Tandem ein eigenes Erlebnis für sich! Fahrradvermietungen gibt es entlang der Uferpromenade an jeder Ecke. Unser Tipp ist die „Bike Hut“ bei Pier 40 – die Fahrräder sind in top Zustand und mit den Einnahmen finanziert die Non-Profit-Organisation Projekte für sozial benachteiligte Jugendliche! Wer es gern gemütlich angehen lässt, kann ohne große Anstrengung entlang der Uferpromenade fahren. Die Marina ist durchgehend mit Fahrradwegen ausgestattet. Zu sehen gibt es auch jede Menge: fantastische Panoramablicken auf die Golden Gate Bridge; das AT&T Baseballstadion, in dem jedes Jahr der Superbowl ausgetragen wird; das Vergnügungszentrum Fisherman’s Wharf; Pier 39 und das historische Presidio sind nur einige der Wegpunkte, die es zu bewundern gibt. Wer gern sportlicher in die Pedale tritt, biegt einfach irgendwo ab ins Stadtinnere. Von den zahlreichen Hügelkuppen bieten sich oft phänomenale Ausblicke über die Bucht von San Francisco und hinter jedem Anstieg wartet ein neues spannendes Stadtviertel. Die folgenden 4 solltest Du Dir nicht entgehen lassen:

3. Chinatown, Mission, Little Italy & Castro

China Town

 

Während in Little Italy selbst die Straßenlaternen blau-weiß-grüne Banderolen tragen und Du in Mission in unzähligen kleinen Taquerias nach uralten Familienrezepten zubereitete mexikanische Tacos naschen kannst, geht es im angrenzenden Schwulenviertel Castro weniger traditionell zu. Hier weht der erfrischende Wind der Toleranz und Akzeptanz – nicht nur sinnbildlich in Form einer überdimensionalen Regenbogenflagge an der Harvey Milk Plaza. Was Du in Chinatown unbedingt tun solltest, ist sicher auch klar: hier gibt es das günstigste Essen der Stadt. Noch dazu schmecken die Dumplings lecker und authentisch wie in Peking selbst.

4. The Painted Ladys

Diese pastellfarbenen viktorianischen Häuser am Alamo Square gelten als die meistfotografierte Häuserreihe der USA. Aus dem richtigen Winkel bekommt man hinter ihnen wunderschön die Skyline San Franciscos mit auf’s Bild. Die Painted Ladys stehen außerdem stellvertretend für den charmanten viktorianischen Baustil, der sich durch das ganze Viertel zieht und schon eine Sehenswürdigkeit an sich ist. Auch die Painted Ladys kannst Du gut mit dem Fahrrad erreichen.

5. Die legendären Cable Cars

Das Bild von schönen Waggons mit Jugendstil-Charme, die sich ächzend und vollgestopft mit johlenden Touristen und im letzten Moment aufspringenden Einheimischen die steilen Hügel San Francisco’s hinauf quälen, gehört einfach zu San Francisco dazu. Spätestens wenn man dann vor Ort beim Losfahren das Klingeln des Bellman hört, fühlt man sich um Jahrzehnte zurück versetzt. Die Fahrten sind inzwischen ein echter Touristenmagnet und nicht ganz billig – ein günstigeres und ebenso authentisches Erlebnis ist das Zuschauen am Drehpunkt Market Street/ Powell, wo die Waggons auch heute immer noch von Hand in die neue Fahrtrichtung gedreht werden. Die Cable Cars musst Du nicht suchen – Du wirst ganz automatisch über sie stolpern.

6. Die Seelöwenkolonie an Pier 39

Mitten am trubeligen Pier 39 hat sich eine Kolonie kalifornischer Seelöwen die Boots-Pontons als ihr Zuhause ausgesucht. Hier lassen sie sich ungestört von den Touristenmassen, die die drolligen Tierchen von der kleinen Tribüne auf dem Kai daneben aus bestaunen, die Sonne auf den Pelz scheinen. Wir hätten den urigen Kollegen stundenlang zuschauen können – die Seelöwen sind echte Komiker und wenn sie untereinander lautstark bellend um die besten Plätze oder das attraktivste Weibchen buhlen, kann man gar nicht anders als die Kamera zu zücken und sekündlich drauf los zu knipsen. Inzwischen wurde daneben ein kleines Info-Center gebaut und direkt auf dem Steg halten Meeresbiologen mehrmals täglich sehr interessante und kurzweilige Info-Talks.

7. Die Lombard Street

Diese Straße verläuft in Ost-West-Richtung durch die Stadt. Anschauen solltest Du Dir einen kleinen Abschnitt auf dem Russian Hill. Hier windet sich die Straße auf 148 Metern einspurig in 8 direkt aufeinander folgenden Kurven den Berg hinunter. Zusammen mit dem Blick auf die dahinter sichtbare Bucht von San Francisco und den gepflegten Blumenrabatten entlang der Straße bieten sich hier schöne Fotomotive. Die Lombard Street gibt einen netten Zwischenstopp, wenn Du sowieso in der Gegend bist – allerdings verpasst Du nicht das Herzstück von San Francisco, wenn Du diesen Straßenabschnitt nicht siehst.

8. Die Gefängnisinsel Alcatraz

Das legendäre Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz liegt grau und einsam mitten in der Bucht von San Francisco auf einem Felsen. Bei der etwa zehnminütigen Bootsfahrt auf die verlassene Felseninsel hat man tolle Ausblicke auf die Stadt und die Golden Gate Bridge und kann sich vorstellen, wie es für die Insassen des Militärgefängnisses gewesen sein musste, das pulsierende Leben so nah und gleichzeitig so unerreichbar jeden Tag durch die Gitterstäbe ihrer Zellen zu sehen. Wir machten eine Tour durch das berüchtigte Zellhaus, in dem bis zu seiner Schließung 1963 viele gewichtige Schwerverbrecher wie z.B. Al Capone einsaßen und kaus dem offiziell keinem einzigen Insasse je die Flucht gelang. Zusätzlich zu der 45-minütigen Audiotour bekommt man Zeit, sich die Außenanlagen des Gefängnisses und die ehemaligen Wärtergebäude anzuschauen. Viel zu sehen gibt es auf der kargen Insel allerdings nicht. Wir verbrachten alles in allem knapp 3 Stunden auf der Insel. Eine Besichtigung auf eigene Faust ist nicht möglich. Die Touren kosten zwischen 30-40 US$ und sind oft einige Wochen im Voraus ausgebucht, daher solltest Du für Deinen Wunschtermin schon vorab online buchen. Wir fanden die Tour ganz interessant – allerdings wäre Alcatraz das Erste, was wir streichen würden, wenn wir müssten.

Wir haben nach unserem Wochenende in San Francisco das Gefühl, dass wir trotz der kurzen Zeit doch einen ganz guten Eindruck von dieser spannenden Metropole bekamen. Vielleicht kann man in 2 Tagen noch mehr sehen – aber mit unserem Programm hatten wir trotzdem noch genügend Zeit, um auch mal eine Weile ohne bestimmtes Ziel durch die Straßen der Stadt zu schlendern. Und das war uns wichtig. Unserer Meinung nach ist es nie verkehrt, auch ein wenig Zeit zum Treiben lassen einzukalkulieren – oft entdeckt man genau dabei und ganz unverhofft die besten Ecken!

The Best of Hawaii – eine Foto-Love-Story!

The Best of Hawaii – eine Foto-Love-Story!

Zugegeben, Hawaii hat uns von Anfang an ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischt. Was sicher auch daran liegt, dass wir hohe Erwartungen an die Eilande mitbrachten. Was ja meist keine so gute Idee ist. Viele begeisterte Schwärmereien hatten wir schon von den Trauminseln im Pazifik gehört und selbst das Bild sanfter Inselydille vor Augen – da hatten es die Inseln schwer, ihrem eigenen Ruf gerecht zu werden.

Von der Amerikanisierung der polynesichen Eilande aber einmal abgesehen, müssen und wollen wir Hawaii eines definitiv lassen: die Insel-Schönheiten sind unglaublich fotogen! Und bevor wir nun noch mehr darüber schreiben, lassen wir die Schönheit Hawaiis für sich sprechen und sagen – Vorhang auf für Hawaii:

Das Hawaii aus dem Bilderbuch

WOOOOOOOW

Sonnenuntergang auf dem Haleakala Vulkan

2 Schildkröten :)

Meeresbewohner unter sich 🙂

Der Haleakala Krater - oder war es der Mond?

Der Haleakala Krater – oder war es der Mond?

Good bye, Oahu!

Good bye, dicht besiedeltes Oahu!

Die ersten Sonnenstrahlung samt Strand-Übernachtung auf Hawaii

Surf surf, Baby!

Hawaii von oben - Oahu im Landeanflug

Hawaii von oben – Oahu im Landeanflug

...hier entfuhr uns auf Oahu ein erstes: wow, wie schön!

…hier entfuhr uns auf Oahu ein erstes: wow, wie schön!

Da ist er! Der Kultklassiker!

Der amerikanische Kult-Klassiker!

einer der vielen traumhaften Strände Oahu´s

einer der vielen traumhaften Strände Oahu´s

ruhiger Strand im Nordosten

Unser Sweet Spot in Oahu´s Nordosten

Kreisrunder Koko Krater

Honolulu und der kreisrunde Koko Krater

Waikiki Beach

Der weltberühmte Waikiki Beach

schöne Szenerie auf Maui

Inselszenerie auf Maui

Sonnenuntergang auf Maui

…ohne Worte, ne?

Mauis schöne Ostküste

Mauis schöne Ostküste

Oahu aus der Luft

Oahu aus der Luft – viele Häuser, ein bisschen sagenhafte Natur

Eykalyptusbäume mit besonders hübschen Rinden

Hübsche Kunstwerke der Natur!

alles auf Hawaii ist farbenfroh

alles auf Hawaii ist farbenfroh

Wer leuchtet nun hier mehr?

Magische Sonnenuntergänge...

Magische Sonnenuntergänge…

Eine echte Anstrengung, so ein Landgang!

Hey, Dude!

Hey, Dude!

Stein, Stein, Schildkröte!

Honu auf ihrem beschwerlichen Landgang

Eine große Honu auf ihrem beschwerlichen Landgang

Geschafft!

Es war windig - gut für das Blowhole, schlecht für die Haare

Es war windig – gut für das Blowhole, schlecht für die Haare

Silversword- nirgends sonst auf der Welt wächst diese elegante Pflanze

Silversword- nirgends sonst auf der Welt wächst diese elegante Pflanze

Einer von zahlreichen tollen Wasserfällen

Sonnenuntergang von unserem Schlafplatz aus

Good bye Hawaii, Du Schöne!

Die Schildkröteninsel Maui – Hawaii´s immergrüne Perle

Die Schildkröteninsel Maui – Hawaii´s immergrüne Perle

Am frühen Abend auf Maui holen wir uns direkt wieder einen Mietwagen. Und los geht’s. Zumindest bis auf den Highway. Dort stehen wir erstmal im Feierabendverkehr… Obwohl der Hauptort Kalahui nur die Größe einer Kleinstadt hat und auf Maui viel weniger Menschen leben als auf Oahu, gibt es auch hier um die Orte herum ein (zu) hohes Verkehrsaufkommen. Wir wollen in den Süden der Insel. Wir schlafen aber nicht in einer der vielen schicken Hotelanlagen, mit denen ein großer Teil der südwestlichen Küste verbaut ist, sondern mal wieder im Auto. Zwar kann der kompakte Spark, den wir von der Mietwagenfirma zugeteilt bekommen haben, bei weitem nicht mit dem Schlafkomfort unseres Jeeps in Australien mithalten – dafür überzeugt sein Preis!

Unsere Quietschekugel

Unsere Quietschekugel

Der Preis spielt auch eine Rolle bei den Lebensmitteln, die wir uns auf Hawaii kaufen. Manchmal ist es gar nicht so leicht, trotz allseits schier übermächtigem Konsum-Angebot etwas vernünftiges zu Essen oder zu Trinken zu erträglichen Preisen zu finden. Obwohl wir keine Fans von Fertiggerichten aus dem Supermarkt sind, kommen wir kaum an amerikanischer Junkfood vorbei, wenn wir unsere Ausgaben hier im Rahmen halten wollen. Z. B. kostet purer, frischer Saft fast dreimal soviel wie dieselbe Menge an Coca-Cola, Pepsi und co.! Etwas schwierig gestaltet sich teilweise auch die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht, da viel Land umzäunt und in Privatbesitz ist und die meisten Beachparks (=Strandparkplätze) und öffentlichen Toiletten nachts abgeschlossen werden. Dennoch finden wir auch einige richtig schöne Schlafplätze. Eine Nacht stehen wir mit unserem kleinen Auto direkt an der Küste mit Blick auf’s Meer – und sehen morgens noch mit schlaftrunkenen Augen in der Bucht vor uns Buckelwale springen. An einem anderen Abend fahren wir einen kleinen Weg zwischen Kuhwiesen den Berg hinauf und haben vom Hang aus beste Aussicht auf die Westküste – und auf einen wunderschönen Sonnenuntergang.

A room with a -fabulous-view

A room with a – fabulous – view

Unser spektakulärster Schlafplatz ist in einem Vulkankrater. Etwas über 3.000 Metern hoch ist der erloschene Vulkan Haleakala, auf den man ganz bequem mit dem Auto hinauf fahren kann. (Was auch sonst – schließlich sind wir in den USA! 🙂 ) Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang dauert es nicht lange, bis wir die einzigen auf dem Gipfelparkplatz sind. Die Nacht in dieser Höhe ist bitterkalt. Aber der einmalige Sternenhimmel und das ergreifende Gefühl, völlig allein am Rande eines Vulkankraters zu schlafen, ist das Frieren allemal wert. Gegen 4 Uhr morgens ist es jäh vorbei mit der Nachtruhe – die ersten Touristen kommen hoch gefahren, um sich die besten Plätze zum Sonnenaufgang zu sichern. Gut, dass wir schon in der ersten Reihe stehen. So können wir ganz gemütlich noch etwas weiter schlafen, bevor wir dick eingemummelt ebenfalls den spektakulären Sonnenaufgang am Kraterrand bestaunen.

Im Anschluss laufen wir zu einen Aussichtspunkt über den Krater. Vor uns liegt eine faszinierende Mondlandschaft. Wie kleine Vulkane ragen kegelförmige Hügel aus der Masse an rotbraunem Geröll auf. Unterwegs fällt unser Blick auf die silbernen, kugelförmigen Gewächse am Wegesrand. Es sind Silverswords. Die metallisch schimmernden Pflanzen wachsen nirgendwo sonst auf der Welt, nur hier im Krater des Haleakalas. Sonst wachsen keine Pflanzen unter den widrigen Bedingungen hier oben. Bis zu 50 Jahre kann eine Silversword-Pflanze alt werden. Und nur ganz am Ende ihres Lebens, da blüht sie einmal für wenige Wochen. Ihre lila farbene Blüte wird bis zu 2 Meter hoch – was muss das für ein edler Anblick sein in der surreal monotonen Kraterlandschaft.

Anschließend gehen wir zurück zu unserem Auto. Jetzt ist nur noch wenig los hier oben, die meisten Touristen fahren direkt nach dem Sonnenaufgang wieder hinab. Dabei gäbe es auch längere Wanderwege, der längste führt in ca. 7 Stunden erst hinab in den Krater und wieder hinauf auf den Gipfel. Wir haben aber heute ebenfalls andere Pläne. Wir wollen die Road to Hana fahren. Die bekannteste Straße Maui’s schlängelt sich in unzähligen Kurven wunderschön entlang der gesamten Ostküste der Insel. Wir entscheiden uns, die Straße entgegen der üblichen Richtung zu fahren. So führt uns unser Weg zunächst in den Süden der Insel. Hier beginnt in Haiku der Pi’ilani Highway – der mit einem Highway aber nur den Namen gemeinsam hat. Die schmale Straße ist nicht sonderlich gut instand gehalten und mehrere Meilen sind komplett unbefestigt. Da hier auch immer wieder Steinschläge passieren und viele Fahrer es nicht gewohnt sind, auf Schotterstraßen zu fahren, verbieten viele Mietwagenverleiher das Befahren dieser Strecke mit ihren Fahrzeugen.Wir als erfahrene Outback-Fahrer finden die Strecke allerdings halb so wild und haben auch keinerlei Probleme.

Ähnlich ging es uns 2 Tage zuvor auch schon auf dem Death Highway im Nordwesten der Insel. Richtige Horrorgeschichten haben wir über diese sich schlängelnde Strecke im Vorfeld gehört. Und dann entpuppt sich die Todesstraße als zwar kurvige und holprige einspurige Strecke, die aber mit wenigen sehr engen Stellen gut zu meistern ist – nur das Hupen beim Einfahren in die Kurven darf man besser nicht vergessen!

Zurück in den Süden der Insel. Die Landschaft in diesem Teil der Insel ist sehr trocken, große Lavagesteinsbrocken liegen auf der dürren Erde und die Küste ist durchgehend felsig. Ein richtiger Kontrast zu dem immergrünen Regenwald, der uns auf der anderen Seite des Berges bei Hana am nächsten Tag erwarten würde. Zuvor kommen wir noch an einigen landschaftlich attraktiven Stellen vorbei. Aus einem Bad in den natürlichen Felsenpools der Seven Sacred Pools wird leider nichts, da diese wegen Sturzflutgefahr derzeit geschlossen sind – auf diesen Umstand weisen uns gleich mehrere Schilder nebeneinander wiederholt hin. Überhaupt haben wir auf Hawai’i den Eindruck, dass ein Schild nirgendwo auszureichen scheint. Wo eines aufgestellt ist, stehen garantiert noch 2-3 weitere mit derselben Aufschrift in wenigen Metern Abstand. Ob sich die Menschen dadurch wohl eher an etwas halten?

Hana selbst ist nur ein kleiner Ort und hat nicht allzu viel zu bieten. Hier ist der Weg das Ziel. Auf der 85 km langen Strecke mit den 617 Kurven und den 59 Brücken zwischen Hana und Paiia laden eine ganze Reihe natürlicher Attraktionen zu Stopps ein: Strände mit rotem, schwarzem und weissem Sand, Wasserfälle, Lavastrände, kurze Wanderwege in den Regenwald, urige Cafés mit frisch gebackenem Bananenbrot und und und. Und immer wieder spannen sich Regenbögen über den Himmel. Am besten gefallen uns persönlich einige Eykalyptusbäme. Bei diesen handelt es sich um eine besondere Art, deren Rinde bunt gefärbt ist. Die Stämme schauen aus, als hätte sie jemand mit Wasserfarben angestrichen.

Am anderen Ende der Straße liegt das Hippiestädtchen Paiia. Allerdings sind mit den Touristen mittlerweile auch hier die üblichen Shops der großen Surfmarken eingezogen, die in keinem hawaiianischen Ort fehlen dürfen. Kein Wunder – nur wenige Kilometer hinter Paiia findet sich die berühmte THE TUBE. Diese berüchtigte Welle ist nur etwas für absolute Surf-Profis, die das Innere der Welle, also den Tunnel, surfen. Videos davon sind beeindruckend. Live gesehen haben wir es leider nicht – auch an diesem Tag meint es der Gott des Windes nicht gut mit uns und lässt die Wellen un-surfbar brechen. Wir sehen dafür am Hockipa Strand in der Nähe ein anderes Highlight: der Strand ist einer der wenigen Ruheplätze, den die Grünen Meeresschildkröten, für die Hawaii bekannt ist, an Land aufsuchen. An die 20 Honus, wie die Tiere in der Sprache der hawaiianischen Ureinwohner heißen, ruhen sich gerade am Strand aus, als wir kommen. Auf die Entfernung sind die noch nassen Panzer kaum von den großen Steinen am Strand zu unterscheiden. Erst beim genauen Hinsehen verwandeln sich mehr und mehr Steine in Schildkröten. Immer wieder schleppt sich eines der behäbigen Tiere langsam ins Wasser oder eine neue Honu lässt sich von der Brandung an den Strand spülen. Und wir haben noch mehr Tierbeobachter-Glück: am selben Strand lässt sich an diesem Tag eine seltene Mönchsrobbe die Sonne auf den Bauch scheinen. Wir freuen uns riesig, nach unseren bisherigen erfolglosen Schnorchelgängen doch noch Honus zu sehen zu bekommen.

Und es ist, als wäre mit dieser Begegnung ein Bann gebrochen worden: als wir an anderer Stelle an diesem Abend und auch früh am nächsten Morgen schnorcheln, sehen wir die großen Grünen Meeresschildkröten endlich auch in ihrem Element unter Wasser. Die 3 Schildkröten lassen uns ganz entspannt mit sich schwimmen und eine kommt uns sogar so nah, dass wir sie hätten berühren können. Wow! Erst als eine große Gruppe Schnorchler von einem Ausflugsboot aus neben uns ins Wasser springt, nehmen die Tiere Reißaus….

Wir sagen ebenfalls Adieu und fliegen zurück nach Honolulu, von wo aus uns einen Tag später unser Flug auf’s amerikanische Festland bringt. Obwohl uns Maui viel besser gefallen hat als Oahu, würden wir unsere Flitterwochen trotzdem auch hier eher nicht verbringen… aber dafür haben wir schließlich auch schon andere Ideen! 😉

Aloha Hawai´i – Trauminseln zwischen Baströckchen und Coca-Cola

Aloha Hawai´i – Trauminseln zwischen Baströckchen und Coca-Cola

Hawai’i – schon der Name der klangvollen Trauminseln klingt nach Sonne, Palmen, Ukulele spielenden Einheimischen im Hawaihemd, Hulatanz und Baströckchen. Nur…: Wie passen die zahlreichen Obdachlosen in das Bild, die wir schon auf unserer ersten Fahrt durch Honolulu mit ihrem wenigen Hab und Gut in den Stadtparks zelten sehen? Werfen wir doch mal einen Blick auf Hawai’i, wie wir es erlebt haben:

Die Inselgruppe Hawai’i besteht aus mehreren Inseln vulkanischen Ursprungs. Touristisch erschlossen und am bekanntesten sind die 6 Inseln Oahu, Maui, Big Island, Kauai, Lanai und Lomokai. Viele andere des insgesamt 137 Inseln fassenden Hawai’i Archipels befinden sich in Privatbesitz und sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf der Hauptinsel Oahu liegt nicht nur die Hauptstadt Honolulu, wo auch wir landen, auch Dreiviertel der hawaianischen Bevölkerung entfällt auf diese Insel. Dennoch finden sich auf Oahu nur noch wenige Spuren polynesischer Kultur oder Tradition – abgesehen von den Darbietungen für Touristen rund um Waikiki Beach. Wovon es stattdessen nach unserem ersten Eindruck im Großraum Honolulu mehr als genug gibt, sind Hochhäuser, breite Straßen und – viel Verkehr! Zur Rush Hour sind die mehrspurigen Highways regelmäßig verstopft. Bei Autos scheint auch auf Hawai’i die amerikanische Parole zu gelten: größer, stärker, lauter! Von wegen von sanften Ukuleleklängen begleitete Inselidylle…laut aufheulende Pick-ups sind angesagt!

Typisch amerikanischer Pick-up

Auch wir reihen uns in den Stau ein und holen uns an unserem 1. Tag direkt einen Mietwagen. Der kostet uns pro Tag nur halb soviel wie das günstigste Hostelzimmer, gibt uns Mobilität zur Erkundung der Insel (was mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr eingeschränkt möglich ist) und ganz bequem schlafen lässt es sich in dem VW Jetta auch. Zuallererst statten wir selbstverständlich dem weltberühmten Waikiki Beach einen Besuch ab. Allerdings hält sich unsere Begeisterung in Grenzen. Der Strand ist ziemlich überlaufen, rundum von Hochhäusern zugebaut und der Blick auf’s Meer wird teilweise durch einen hässlichen Wellenbrecher aus Beton verschandelt. Zum Baden ist es an diesem Tag zu kalt und windig. Stürmisch und verregnet wird auch unsere erste Tour durch den Südosten der Insel. So hatten wir uns das Wetter auf Hawaii nicht vorgestellt…

Waikiki Beach! - die schöne Perspektive

Waikiki Beach! – eine schöne Perspektive für´s Photo findet sich immer.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne und wir beschäftigen uns beim Besuch von Pearl Harbour mit der Bedeutung Hawaii’s im 2. Weltkrieg. Das interessante Museum können wir wirklich empfehlen, auch wenn uns die Darstellungen teilweise eine Spur zu patriotisch sind. Auch das sehr bewegende Memorial der USS Arizona besuchen wir. Es wurde genau über der Stelle errichtet, an dem das Kriegsschiff bei dem Luftangriff der Japaner sank und fast 1.500 Menschen lebendig begraben mit sich in die Tiefe riss. Bis heute liegen die Trümmerreste des Schiffes hier unter Wasser. Wir können an dem sonnigen Tag sogar die Umrisse des unter Wasser liegenden Wracks erkennen. Und während wir vollstes Mitgefühl für die Angehörigen der gefallenen Matrosen haben, für die diese Stätte ein zu ehrender Begräbnisort ist, ist es uns dennoch unverständlich, dass nichts unternommen wird, um zu verhindern, dass bis heute jeden Tag etwa ein Liter Öl aus dem Schiffstank ins Meer auslaufen. Man kann ja leicht einmal hochrechnen, wieviele Liter Öl seit dem 7.12.1941 da zusammen gekommen sind…

Auf unserer Fahrt über die dünner besiedelte Westküste in den Norden wird die Natur wilder. An der für ihre gleichnamigen Meeresbewohner bekannten Turtle Bay wagen wir uns trotz kaltem Wind das erste Mal ins Wasser. Nach 30 Minuten Schnorcheln klappern uns zwar die Zähne, eine Schildkröte sehen wir leider trotzdem nicht. Durch kleine Surferörtchen fahren wir weiter an die Nordküste. Hier hat es die berühmten, mehrere Meter hohen Wellen, für die die weltbesten Surfer regelmäßig nach Hawai’i pilgern. Zumindest normalerweise…heute sind die Wellen kaum über 1 Meter hoch und trotz starkem Wind kommen die Wellen ungünstig. Weit und breit keine sind Surfer in Sicht. Schade.

Nach einer weiteren Nacht in unserem VW Jetta – dieses Mal direkt am Strand – entdecken wir am nächsten Morgen den landschaftlich schönsten Teil der Insel – den Nordosten! Zur Inselmitte ragen dicht bewachsene, steile Vulkanhänge auf, hinter denen das unzugängliche, immergrüne Innere der Vulkaninsel schlummert. Hier führen keine Straßen hinein oder hindurch. Nur vereinzelt bewirtschaften weitläufige Farmen die fruchtbaren Böden am Fuß der Hänge. Die Küste in diesem Teil der Insel wirkt wild und ungezähmt in ihrer rauen Schönheit. Zu gerne würden wir unsere Wanderschuhe schnüren und die Berghänge erkunden. Zu schade, dass wir aber keinerlei Informationen zu Wanderwegen in das wilde Innere finden. Wir sind uns sicher, dass es hier nochmal eine ganz andere Seite der Insel zu entdecken gibt. Und vielleicht das Hawai’i, das wir gerne gefunden hätten.

Gegen Mittag erreichen wir wieder den Südosten – und damit auch wieder den dichter werdenden Verkehr. Auf einem Strandspaziergang erlaufen wir den 2012 zum schönsten Strand der USA gewählten Waimanalo Beach. Dieser sieht wie viele der Strände hier wirklich traumhaft aus – wenn nur nicht so ein eiskalter Wind blasen würde… Deshalb beschränken wir uns auf der restlichen Strecke zurück nach Honolulu auf einige Auserwählte der tollen Strände, auf die Aussichtspunkte mit Blick über die Küste sowie einen Stopp am Surf-Hotspot Sandy Beach. Anders als beim ersten Mal sehen wir heute auch einige Surfer. Wir schauen eine Weile zu und bewundern die furchtlosen Brettkünstler. Selbst wagen wir uns nicht auf’s Brett, denn für Anfänger sind viele Strandabschnitte hier nicht geeignet.

Unsere geplante Wanderung auf den Diamond Head, ein erloschener Vulkankrater mit einer Wahnsinns-Aussicht über die Südostküste und Honolulu, blasen wir kurzerhand ab, als wir schon auf dem Weg zum Parkplatz in einem dichten Stau stehen und auf dem Weg nach oben einfach gar nichts mehr voran geht. Stattdessen fahren wir noch einmal zum Waikiki Beach, bevor wir uns wieder auf den Weg zum Flughafen machen, um unseren Mietwagen abzugeben und unseren wenige Stunden vorher gebuchten Flug auf die Insel Maui anzutreten. Denn ganz egal wie windig es ist – es kann doch nicht sein, dass wir Oahu verlassen ohne wenigstens ein einziges Mal planschen gewesen zu sein, nicht wahr? Von oben zeigt sich uns Oahu zum Abschied von seiner schönsten Seite! Von unserer kleinen Propellermaschine aus haben wir beste Sicht auf die Ostküste samt dem erloschenen Vulkan Koko und den Diamonds Head – und sehen zum ersten Mal Hawaii so, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Oahu von oben - links der Diamond Head und rechts davon der Koko Krater

Facts & Figures – Neuseeland

Facts & Figures – Neuseeland

Reisedauer:

Wir haben 35 Tage in Neuseeland verbracht. In diesen 5 Wochen haben wir sowohl die Nord- als auch auf die Südinsel bereist. Auch wenn sich viele „Highlights“ Neuseelands in 3 Wochen packen lassen, war uns die Zeit keinesfalls zu lang. Wir hätten im Nachhinein eher unsere Zeit auf Hawaii gekürzt und wären dafür noch 1 Woche länger in Neuseeland geblieben. Gerade für Naturliebhaber, Outdoorsportler und Wanderfreunde hat der kleine Nachbarstaat Australiens jede Menge zu bieten.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in Neuseeland zu zweit 1.355 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 19,35 € pro Person. Obwohl Neuseeland zu den teureren Reiseländern gehört, konnten wir dank Camping und Trampen auch hier sehr günstig reisen. Wir verpflegten uns fast ausschließlich selbst und kauften meist in Supermärkten, kleinen Gemüseländen und an Hof-Direktverkaufsständen ein. Viel Geld kann man bei den zahlreichen – kostspieligen – Extrem-Sportangeboten wie z.B. Bungee-Jumping oder Fallschirmsprünge liegen lassen, für die Neuseeland bekannt ist. Darauf verzichteten wir bei dieser Reise.

Transport:

Dank unseres Experimentes, in Neuseeland ausschließlich auf unseren eigenen Beinen und per Anhalter Strecke zu machen, waren wir einzig auf die Hilfsbereitschaft von Fahrern angewiesen. Das hat auch wunderbar funktioniert und meist wären wir auch mit einem eigenen fahrbaren Untersatz nicht schneller von A nach B gekommen. Unsere einzigen Transportkosten in den 5 Wochen waren die Interislander-Fähre zwischen den beiden Inseln sowie unser Inlandsflug von Christchurch nach Auckland. Davon abgesehen verfügt Neuseeland über eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Für Individualreisende bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Neuseeland auf eigene Faust zu bereisen: es gibt Backpacker-Automärkte, wo bereits fertig ausgerüstete Backpacker-Autos zeitsparend ge- und verkauft werden können, jede Menge Auto- und Wohnmobilvermietungen, Bahnpässe sowie ein gut ausgebautes Fernbusnetz.

TIPP:

Oft lohnt es sich, günstige Inlandsflüge zwischen den Inseln zu recherchieren. Gerade Air New Zealand hat immer wieder günstige Promotionen. Die Flüge Christchurch – Auckland sind so z.B. oft günstiger als ein entsprechender Gabelflug. Uns hat unser Inlandsflug nur 50 NZ$ gekostet (Promotion in Verbindung mit dem Flug nach Hawaii).

Unterkünfte

Definitiv in der Liste der schönsten ZeltplätzeFür einen einfachen Zeltplatz bezahlen wir im Februar/März 2016 meist zwischen 5-10€. Ein Doppelzimmer mit geteiltem Bad im Hostel kostet uns 36 €, unser AirBnB Zimmer mit eigenem Bad in Christchurch 35 €. Das Preis-Leistungsverhältnis der Unterkünfte war in unseren wenigen Fällen immer gut – wir hatten jedes Mal eine Küche, Aufenthaltsraum, Geschirr etc. und Wifi inklusive.

TIPP:

Die Übernachtungen in den Wander-Hütten des DOC sind preislich sehr fair und eine super Option für Wanderer! Die Übernachtungen kann man vorab buchen. Je nach Anzahl der geplanten Übernachtungen rechnet sich ein Hinterland-Hüttenpass. Die Hüttenpässe kann man einfach online oder vor Ort in jedem DOC-Büro buchen.

3 Highlights:

  • Der Motatapu Track! Unsere spontane Wanderung von Wanaka nach Queenstown war landschaftlich das Spektakulärste, was wir uns vorstellen können! Bei absolutem Kaiserwetter die schmalen Berggrade hinauf und hinunter zu keuchen, mit diesen sagenhaften Blicken über die Gebirge XX – einfach unschlagbar!
  • Der Routeburn-Track! Die zweitägige Wanderung auf Neuseeland’s kürzestem Great Walk hat uns so richtig vom Hocker gerissen! Absolutes Highlight war auf jeden Fall unsere Nacht auf dem Berggipfel, in der wir unter freiem Himmel schliefen und die Sterne zum Greifen nah schienen.
  • Das Tongariro-Alpine Crossing und anschließend der Northern Circuit mit Übernachtung im Zelt am Fuße des Vulkans! Das Tongariro Alpine Crossing ist nicht umsonst eine der beliebtesten Tageswanderungen Neuseelands. Die Landschaft hier ist alpin und vulkanischen Ursprungs, also eher karg – und dennoch sind genau diese raue Kargheit, das Lavagestein und die Gesteinsfarben sehr beeindruckend. Auch die Aussicht vom Gipfel des Mt Tongariro, die an einem klaren Tag über die Bergseen bis zum See Taupo blicken lässt, ist absolut fabelhaft.

Ein weiteres Highlight war auch unsere Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark. Und nicht zuletzt unsere Begegnungen mit all den wunderbaren Menschen, die uns ein Stück des Weges mitnahmen; uns Kekse, Pflaumen oder Pfirsiche schenkten und unsere Zeit in Neuseeland zu einer ganz Besonderen machten!

Der Schicksalsberg in ganzer Pracht

3 Lowlights:

  • Uns hat es in Neuseeland bestens gefallen. Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit unseren Landsleuten. Daran gibt es soweit auch gar nichts auszusetzen. Allerdings war es uns dennoch manchmal einfach zu viel Deutsch um uns herum. Schließlich möchte man auf der anderen Seite der Welt halt doch nicht unbedingt das Gefühl haben, irgendwo in Mitteldeutschland zu sein…
  • Als Folge ihrer großen Beliebtheit muss das Begehen der Great Walks mittlerweile über die komplette Saison hinweg reglementiert werden. Das ist gut und wichtig, damit nicht zu viele Wanderer zur selben Zeit auf den Wegen sind. Dadurch werden bei den beliebtesten von ihnen, wie z.B. dem Milford Track, aber auch fixe Buchungen bis zu einem Jahr im Voraus nötig. Was es kurzentschlossenen Reisenden wie uns unmöglich macht, diese tollen Wanderungen zu laufen. Zum Glück wartet Neuseeland mit jeder Menge Alternativen auf.
  • Nope. Uns fällt wirklich nichts mehr ein. 🙂

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  • In den großen Städten dauert es trotz dem höchsten Verkehrsaufkommen immer am längsten, bis man als Anhalter mitgenommen wird.
  • Die Post von Deutschland nach Neuseeland dauert – zumindest in unserem Falle – länger als die offizielle Angabe. Was uns ein aufwendiges Nachschicken von einem neuseeländischen Ort in den nächsten beschert hat. Aber geklappt hat es letztendlich.
  • Die Wolkendecke an der Westküste der Südinsel kann sehr dicht sein. Und muss innerhalb von 3 Stunden nicht unbedingt irgendwann mal aufreißen. Hätten wir gewusst, dass wir wirklich nur graue Suppe statt eisblauem Gletscher sehen, hätten wir unsere Füße samt gesamtem Gepäck an diesem Tag nicht den steilen Pfad hinauf gequält, um einen Blick auf den ewigen Berg aus Eis zu erhaschen.

3 Fun Facts:

  • Mit 38 Grad Neigungswinkel gilt die Baldwin Street in Dunedin offiziell als steilste innerorts gelegene Straße der Welt. Auch der Ort mit dem längsten Ortsnamen der Welt liegt in Neuseeland: es ist Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu in Hawkes Bay. Übersetzt bedeutet der maorische Name in etwa „der Ort an dem Tamatea, der Mann mit den dicken Knien der von Bergen rutschte, sie erkletterte und schluckte und der Erdesser genannt wurde, seinen Lieben auf der Nasenflöte vorspielte„. Poetisch, nicht wahr?
  • Neuseeland hat das weltweit höchste Verhältnis Schaf zu Mensch weltweit: Auf jeden Einwohner Neuseelands kommen ganze 9 Schafe! Auch die Kühe sind stark im Kommen…
  • In der Stadt Auckland leben mit knapp 1,4 Miollionen Einwohner mehr Menschen als auf der gesamten Südinsel. Insgesamt leben in Neuseeland nur ca. 4 Millionen Menschen.
Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Fazit:

Neuseeland hat bei uns einen Stein im Brett. Die Natur, die Menschen, die Mentalität – es stimmt einfach alles! Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke!

Was für eine Aussicht!

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Wir haben es also geschafft. Vom nördlichsten Zipfel bis hinunter in den tiefen Süden führte uns unser Experiment: Einmal quer durch Neuseeland – nur zu Fuß und per Anhalter. Zahlreiche tolle Menschen nahmen uns ein Stück des Weges mit. Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, verschiedensten Alters und Abstammung. Andere Touristen, Einheimische und Einwanderer. Vollkommen verschiedene Charaktere auf den unterschiedlichsten Wegen – persönlich wie wegbezogen. Jeder davon hatte seine eigene Geschichte. Und jeder seinen persönlichen Grund, warum er für uns anhielt. So wie die sympathische Senior-Unternehmerin, die nur wegen Biene’s roten Haaren für uns abbremste – weil ihre Enkeltochter die gleiche Haarfarbe hat. Oder der Techniker auf Geschäftsfahrt, der generell keine Anhalter mitnimmt, die nur am Straßenrand sitzen. Wir liefen aber und durften einsteigen. Eine junge Studentin nahm uns mit, weil sie selbst viel als Anhalterin unterwegs ist; ein älterer Künstler, weil wir ihn an seine früheren Reisen durch Indien erinnerten. Der Telefontechniker hat auf seinen langen Fahrten ins abgelegene Nordland gerne Gesellschaft. Einmal nahm uns sogar ein vollbesetzter Tourbus mit (es nieselte und die Busgesellschaft hatte wohl Mitleid). Einige Fahrer fuhren für uns extra einen Umweg. Manche erzählten aus ihrem Leben, andere hörten lieber unseren Geschichten zu. Mit dem Großteil führten wir interessante Gespräche und ausnahmslos alle fanden unser Vorhaben awesome! 😀 Mit manchen tranken wir nach der Fahrt noch einen Kaffee, mehrere luden uns ein, bei ihnen zu kampieren und nur sehr wenige Male waren wir froh, wenn eine Fahrt ihr Ende fand. Ein Paar konnten wir sogar zum Traum einer eigenen Weltreise inspirieren.

Eines hatten alle Fahrten gemeinsam: die Menschen die wir dabei kennen lernten, wurden zu einem Highlight unserer Reise durch Neuseeland! Und deshalb wollen wir Euch stellvertretend für all die großartigen Geschichten, die wir erlebten, 3 von ihnen vorstellen!

Unsere 3 erinnerungswürdigsten Tramp-Geschichten:

  • Einblicke in den Alltag einer Marihuana-Dealerin

Obwohl diese Fahrt mit ca. 10 Minuten Fahrzeit eine der kürzesten war, bleibt sie uns dennoch lebhaft in Erinnerung! Schwungvoll hält der rote Kleinwagen mit dem schon etwas abgeblättertem Lack neben uns. Die Fahrerin (Mitte 50, stattliche Erscheinung, maorische Abstammung) kurbelt das Fenster auf der Beifahrerseite für uns herunter, fragt wo wir hinmöchten, erklärt uns dass sie nur bis zum Ortsende fährt… – und entschuldigt sich im gleichen Atemzug dafür, dass es in ihrem Auto nach Marihuana riecht. Aber sie sei Marihuana-Dealerin, da ließe sich das nicht vermeiden… Wir schauen uns ungläubig grinsend an und steigen ein. Auf dem Weg zum Ortsende machen wir noch einen kurzen Umweg, um die Tageseinnahmen bei ihrem Großhändler abzuliefern. Kein Problem. Ganz locker-flockig erzählt sie auf unsere neugierigen Fragen auch, wie das Geschäft denn so läuft (sehr gut), ob mehr Einheimische oder Touristen ihre Ware kaufen (sowohl als auch) und wie das alles so abläuft. Zwar fragt sie uns höflichkeitshalber nach unseren Berufen, winkt aber im selben Moment schon wieder ab und sagt, selbst wenn wir Polizisten wären, würde sie das nicht interessieren. Eine wirklich urige Charaktere! Wir haben uns selten vor Lachen die Bäuche gehalten, als wir aus einem Auto ausstiegen. Dieses Mal schon.

  • Gegensätze ziehen sich an: die Lady und die Hippie-Hexe

Der Tag fing gut an. Obwohl am Ortsausgang vor uns schon 3 andere Tramper stehen, dauert es nicht lange, bis ein Auto für uns anhält. Gelenkt wird der große Jeep von einer sehr gepflegten älteren Lady, die uns auf Anhieb sympathisch ist. Wir ihr zum Glück auch. So dürfen wir bei ihr einsteigen, nachdem sie an unserem Englisch hört, dass wir keine Kiwis sind. Ihre Landsmänner nimmt die Dame hier generell nicht mit. Warum, das erzählt sie uns auch gleich: in dieser Gegend liegt ein Gefängnis und viele Häftlinge würden nach dem Verbüßen ihrer Haftstraße die in unsere Fahrtrichtung gelegene Golden Bay ansteuern. Zur Entspannung mit Grünpflanzen… Sagen wir es so: In diesem abgelegenen Örtchen hinter den Bergen machen Leute mit dem selben Beruf wie unsere obige Mitfahrgelegenheit einen sehr guten Verdienst. 😉 Die zart gebaute Dame habe schon mehrere Male Ärger mit aggressiven Mitfahrern gehabt und zwar habe sie einen Selbstverteidungskurs besucht, wolle aber nichts mehr riskieren seit sie über 70 ist. Weil wir ihr aber auf Anhieb sympathisch sind, dürfen wir uns sogar aus der Keksdose bedienen, die sie für ihre Enkelkinder im Auto hat. Die Lady hat einen ausgezeichneten feinen Sinn für Humor und wir unterhalten uns bestens auf der langen Fahrt. So erzählt sie uns auch, wie sie vor Jahrzehnten mit ihrem Mann und ihren 3 kleinen Kindern in einem alten Bus 18 Monate durch Mexiko gereist sind und alle sie damals für verrückt erklärten. Und wie sie und ihr Ehemann ihre erfolgreiche Firma vor wenigen Jahren an die jüngere Generation übergaben, um mit demselben jahrzehntealten Bus samt Hund und Katze für 4 Jahre ihr Heimatland Neuseeland zu befahren. Und sie wieder von allen für verrückt erklärt wurden. Und es zur besten Zeit ihres Lebens wurde. Die Lady erzählt wunderbar und bestärkt uns darin, unseren eigenen Weg zu gehen und unsere Träume zu leben. Als wir die Kleinstadt Nelson erreichen, fährt sie für uns statt der Highway-Umfahrung einmal mitten durch das Zentrum – so hätten wir alles gesehen, was es hier zu sehen gibt und müssten keine weitere Zeit in der Stadt verschwenden. Wir lachen herzhaft – so richtig schätzt sie uns ein. Als wir kurz darauf in Richmond aussteigen, haben wir das Gefühl, diese Dame schon viel länger als nur eine zweistündige Fahrt lang zu kennen. Es ist eine der Begegnungen, die unsere Reise so besonders machen.

Von Richmond aus weiter sollte es eigentlich nur ein kurzer Lift weiter nach Kaiteriteri werden. Dafür steigen wir in das klapprige Auto von Karen ein. Man könnte sagen, das in die Jahre gekommene Hippie-Mädchen ist mit ihrer wallenden grauen Mähne und den Katzenhaaren und Teppichen im Auto vom Typ her das Gegenstück zu unserer vorherigen Mitfahrgelegenheit. Auch diese Fahrt beginnt nett. Dann entscheiden wir uns, mit ihr doch weiter bis nach Takaka zu fahren, um unsere Wanderung im Abel Tasman NP von West nach Ost statt anders herum von Kaiteriteri zu laufen. Hätten wir allerdings gewusst, welches Verhältnis Karen zu ihrer Gangschaltung hat, wären wir vielleicht doch wieder ausgestiegen…. Schon beim ersten Anstieg am Fuße der Takaka Berge werden wir zu Rate gezogen, ob es sich wohl besser im dritten oder vierten Gang hinauf führe. Und dann verwechselt sie doch den zweiten mit dem vierten Gang. Das lustige Ratespiel wiederholt sich in jeder Serpentine der zweistündigen und sehr kurvenreichen Strecke über die Berge. Dass sie vor lauter pflanzlicher Entspannung jedes Schalten mit lautem Überlegen begleitet, viel zu schnell in die Kurven fährt und beim Unterhalten statt auf die Straße zu Biene auf den Beifahrersitz sieht, hilft unserer eigenen Entspanntheit nicht gerade. Und als sie vor lauter Geplapper dann auch noch Biene’s Hand, mit der sie sich in den Kurven am Autorahmen fest hält, im Fenster einklemmt, fährt die Plauderlaune endgültig auf höfliches Nicken und gezwungenes Lächeln zurück. Wir wundern uns so auch nicht mehr, als sie uns anbietet uns bis nach Golden Bay mitzunehmen, wo sie wohne (…) – wir lehnen höflich ab und sind froh, als wir in Takaka die Autotüre hinter uns zumachen können.

  • Peter, der Avocado-Farmer mit den Lachfältchen von George Clooney

Peter hält für uns am Ortsausgang von Whangamata. Nach mehreren kurzen Lifts ist er der erste, mit dem wir an diesem Nachmittag ein ordentliches Stück weiter kommen. Seine verwuschelten blonden Haaren und die Lachfalten in seinem von der Sonne gegerbten Gesicht verraten uns auf Anhieb, dass Peter viel Zeit an der frischen Luft verbringt. Dieser erste Eindruck stellt sich im Gespräch schnell als richtig heraus. Peter hat eine Avocado- und Kiwiplantage. Und er ist der Typ Mensch, mit dem wir rasch von einem interessanten Gesprächsthema auf das nächste kommen, ohne groß überlegen zu müssen. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass Peter uns einlädt, bei sich zu übernachten. Er ist uns so sympathisch, dass wir die Einladung gerne annehmen. Und so schlagen wir an diesem Abend unser Zelt neben Tausenden von Kiwis auf, sitzen mit Peter auf seiner Terrasse mit Blick über den farmeigenen See und kommen sogar zu einer heißen Dusche. Am nächsten Morgen lernen wir bei frisch gebrühtem Kaffee noch einiges über den Anbau von Kiwis und Avocados, dürfen uns die Taschen mit den süßesten Pflaumen füllen, die wir seit langer Zeit naschten, bevor Peter uns in den nächsten Ort fährt. Einfach so.

Uli trampt

Und weil nicht nur diese 3 Begegnungen etwas Besonderes waren, sondern wir jedes Mal Glück verspürten, wenn neben uns ein Auto stoppte, wollen wir auch alle anderen Menschen, die für uns anhielten, nicht unter den Tisch fallen lassen. Es haben uns außerdem mitgenommen (chronologisch geordnet):

  • die Kulturliebhaberin, die uns unseren allerersten Lift direkt vom Flughafen in die Innenstadt gab. Die nette Fahrt sparte uns 50 NZ$.
  • die ältere Dame auf dem Weg in ihren Wochenendurlaub ins Nordland. Sie fragte Uli zuerst, mit wem er unterwegs ist bevor er einsteigen durfte (zeitgleich stand ein sehr nach Langzeitreisender aussehender Tramper mit hüftlangen Deardlocks an derselben Tankstelle).
  • der Milchmann, der unterwegs noch den LKW abladen musste und uns zum Abschied TimTams (diese unwiderstehlich leckeren, australischen Kekse schenkte).
  • das Unternehmerpaar, welches für uns einen Umweg fuhr, damit wir nicht nass werden und deren Tochter als Kayak-Guide auf einem Kreuzfahrtschiff in der Antarktis arbeitet.
  • Bill der Künstler, der uns total wahnsinnig fand, weil wir so ganz ohne Karte und mit bescheidener Ortskenntnis unterwegs waren (war unser erster Tag on the road).
  • das ältere Ehepaar auf dem Weg zum Wochenmarkt, von denen wir alles über die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Manuka-Honigs lernten.
  • der Telefontechniker, der mit uns über den 90 Miles Beach jagte, statt schnöde den Highway entlang zu kurven. Und uns dabei lustige Stories von all den Backpackern erzählte, die er aus genau diesem Strand schon herausgezogen hat, nachdem sie mit ihren Backpacker-Mühlen darin stecken blieben.
  • Mink der angehende holländische Kitesurflehrer, der lieber in seinem umgebauten VW-Bus durch Neuseeland fährt, statt in Europa zu studieren und dessen schönster Tag in seinem Leben der war, an dem er ganz allein mit einem Buckelwalbaby schwamm.
  • Mornie, der bis vor wenigen Jahren noch nicht an Gott glaubte, uns nun aber vor der kurz bevorstehenden biblischen Apokalypse warnte.
  • die 4 Jungs im Kleinwagen, zu denen wir uns noch mit rein quetschen durften, weil sie erst nur Biene sahen. 😀
  • die Aussteigerin mittleren Alters, die sich so sehr freut wenn sie jemanden mitnehmen kann, dass sie darauf bestand, uns soweit wie möglich in die gemeinsame Richtung mitzunehmen – was 200 Meter bis zum nächsten Kreisverkehr waren.
  • der aufgedrehte Gefängniswärter, der schon für uns anhielt, bevor wir überhaupt den Daumen rausstrecken konnten und der schon einen Helikopterrundflug über Hawaii machte.
  • die ältere Dame, die für uns an ihrem Haus vorbei fuhr und uns über eine holprige Schotterstraße weiter bis zum Nationalpark brachte.
  • das tschechische Paar in unserem Alter, das ebenfalls auf Weltreise war und denen wir Reisetipps gaben.
  • das neuseeländische Studentenpaar, die in der Coromandel ihre Semesterferien verbrachten.
  • Dave der Straßenarbeiter auf dem Heimweg, der für uns am Aussichtspunkt hielt und uns ermahnte, beim Wildcampen ja kein Klopapier in der Natur zurückzulassen (machen wir sowieso nie!).
  • das französische Ehepaar, das zum ersten Mal mit dem Wohnmobil und obendrein zum ersten Mal im Linksverkehr unterwegs war (sie nahmen uns an anderer Stelle tags darauf sogar gleich nochmal mit)
  • die beiden Kiwis, die im Sommer als Surflehrer und im Winter als Skilehrer auf der Südinsel arbeiten und das Wochenende im Strandhaus verbrachten der Kayak-Guide, der auf dem Weg zur Arbeit war.
  • die 3 deutschen Camper, die zusammen ein Wohnmobil gemietet und sogar den Hund dabei hatten
  • der Tscheche, der sich in seiner Wahlheimat China so gut integriert hat, dass er fuhr wie all die asiatischen Touristen – und glatt von der Polizei eine Verwarnung für zu langsames Fahren erhielt. 😀
  • Marcus der Life-Coach, der mit seinen 26 Lebensjahren schon erstaunlich weise war und uns zum Abschied einen maorischen Segen gab
  • Damien, der an diesem Nachmittag auf seine Kinder aufpassen musste und mit ihnen, von uns inspiriert, eine Wanderung um den See unternahm.
  • Michael der Hochzeitsfotograf, der uns vom ersten richtig langem Warten am Straßenrand in Rotorua erlöste.
  • Ivan, der aus Südafrika ausgewanderte Jugend-Coach, der gerade erst andere Anhalter abgesetzt hatte und sich freute, direkt wieder jemand mitnehmen zu können.
  • der Spanier Oscar, der in seinem Wohnmobil eigentlich nur eine Person mitnehmen durfte – weshalb sich Biene hinter’m Vorhang verstecken musste statt die tolle Landschaft anschauen zu können.
  • die junge Karrierefrau, die plante ihren Job als Sales Managerin an den Nagel zu hängen um Kunst zu studieren.
  • die alleinerziehende Mutter, die über beide Ohren strahlte, da sie just an diesem Tag einen Heiratsantrag von ihrem Freund bekam.
  • Wilhelm der Hobby-Historiker, der uns alles über die Geschichte Neuseelands erzählen konnte.
  • das Rentnerpaar Wicky & Brian, die ebenfalls auf einem mehrmonatigem Trip waren und von ihrer Patentochter Must-See-Listen für Neuseeland bekamen.
  • die jungen Eltern mit Kleinkind, welches die Neuzukömmlinge neben sich auf der Rückbank sehr unbehaglich fand. der junge Amerikaner, der mit seiner Mutter mehrere Monate durch Neuseeland reiste und dabei alle Action-Sportarten ausprobieren wollte.
  • Liz, die uns ihre leer stehende Pferdekoppel zum campen anbot.
  • das Wanderer-Paar aus England, die anders als wir voll ausgerüstet mit Wanderstöcken, Schienbeinschützern und dehydriertem Vesper wandern gingen.
  • die nach Neuseeland ausgewanderten Deutschen, die sich nicht einig waren, ob der Wochenmarkt ihres Ortes nun groß oder klein ist.
  • die Immobilienmaklerin, die auch sonntags im Dienst war.
  • die sympathische Mutter mit Tochter, die sich zum allerersten Mal in ihrem Leben traute, Anhalter mitzunehmen und deshalb zum Abschied ein Foto mit uns machen wollte.
  • der einarmige Vater, der gerade seinen Sohn zurück zur Mutter brachte und der besser fuhr als so mancher mit 2 Händen.
  • der Pilot, der eigentlich für die Tramperin anhielt, die 50 Meter weiter vorne an der Straße stand und uns dann zusätzlich noch mitnahm.
  • die 2 deutschen Mädels, die am ersten Tag ihren Campervan im Ninety Miles Beach versenkten, am Ende dieses Tages dank des wunderschönen Sonnenuntergangs aber wieder mit dem Tag versöhnt waren.
  • der Außendienstler, der uns mitten im Nirgendwo aufsammelte und uns viel über Flora & Fauna Neuseelands erzählen konnte.
  • das sympathische Kiwi-Paar auf dem Weg zu einer Umweltkonferenz.
  • das deutsche Paar aus Braunschweig, die einen tollen Reiseführer mit dabei hatten, den wir noch überhaupt nicht kannten.
  • William aus Deutschland, der uns mit zu einen Campingplatz nahm, auf dem gefühlt jeder Zweite aus Deutschland war.
  • 2 junge Australier aus Sydney, die für uns von der Hauptstraße abbogen und uns die 2 km zum Ausgangspunkt unserer Gletscher-Wanderung fuhren.
  • der vollbesetzte Tourbus, dessen Insassen ihre Reiseführer einstimmig dazu überredeten, uns mitzunehmen.
  • das junge Geschwisterpaar aus England, die sich spontan dafür entschieden, gemeinsam für einige Monate Neuseeland zu erkunden.
  • der Helikoperpilot, der seinen guten Tag hatte und uns anbot, unser Zelt in seinem Garten aufzuschlagen.
  • der Südtiroler, der endlich mal wieder auf einen Gletscher steigen wollte.
  • das junge Pärchen mit den unaussprechlichen Namen aus Litauen, mit denen wir unterwegs nach einer Seehundekolonie Ausschau hielten, zu 2 Wasserfällen wanderten, Fotostopp am See Wanaka machten und Fish & Chips essen gingen.
  • Tracy, die jedes Jahr mit Freunden ein Campingwochenende in Wanaka verbringt.
  • das einheimische Paar, das uns in ihrem Geländewagen mitnahm und uns damit einige Flussdurchquerungen mit nassen Füßen ersparte.
  • der junge Familienvater & Hausbesitzer aus Queenstown, dessen Eigenheim in nur einem Jahr durch die gestiegenen Eigentumspreise in Queenstown seinen Wert verdoppelte.
  • das australische Paar, dass glücklicherweise für uns gar nicht genug Fotostopps auf der Strecke von Queenstown nach Glenorchy einlegen konnte.
  • das Goldgräberpaar, das auch im Urlaub immer die Goldschürfausrüstung im Kofferraum dabei hat.
  • Derrick, dessen Sohn als verantwortlicher Jurist mitgeholfen hat, das umstrittene TTIP-Abkommen zwischen Neuseeland und den USA auszuarbeiten.
  • Anita & Peter, die vielleicht in einigen Jahren selbst noch auf Weltreise gehen werden?
  • Mick, der beim Arbeiten als Kayakguide im Milford Sound ständig mit Seerobben und Delfinen paddeln darf.
  • der schweigsame Kiwi, mit dem wir zum ersten Mal keine gemeinsamen Gesprächsthemen fanden.
  • das philippinische Paar, in deren Auto laute Gute-Laune-Musik läuft und die sich riesig freuten, dass uns ihr Heimatland so gut gefallen hat.
  • der schwule Modehauseinrichter, dessen Fingernägel besser manikürt waren als die von Biene.
  • der Kiwi, der uns nach langem Stehen an einer vielbefahrenen Zufahrt zum Highway mitten in der Stadt (hier dauerte es immer am längsten) mitnahm.
  • der tschechische Backpacker, der die Nacht durchfuhr, um in Dunedin seinen neuen Van abzuholen und der für uns einen Umweg zum Flughafen machte (wo wir unser kostenloses Mietauto abholten).
  • Kim, unsere AirBnB-Gastgeberin in Christchurch, die uns super bemerkenswerterweise morgens um 5 Uhr zum Flughafen fuhr.

Ihr wart alle großartig! DANKE!!

Die Kür des Reisens ohne Transportkosten- mit einem kostenlosen Mietwagen durch Neuseeland!

Die Kür des Reisens ohne Transportkosten- mit einem kostenlosen Mietwagen durch Neuseeland!

Den Reißverschluss des Zeltes aufziehen. Erster Blick ins Freie – keine Menschenseele zu sehen. Raus in die kalte Morgenluft. Das Gras ist noch feucht unter den Füßen. Die von der Nacht noch etwas steifen Glieder strecken. Zelt zusammen packen. Rucksack aufziehen. Ein schönes Plätzchen für den morgendlichen Kaffee und die nächste öffentliche Toilette für die Morgentoilette suchen.

So beginnen wir in Neuseeland all unsere Tage. Draußen. An diesem Morgen ist unser Frühstückstisch eine Parkbank mit Blick über die unter uns liegende Stadt Dunedin. Am Horizont sehen wir das Meer. Gezeltet haben wir in einer abgelegenen Ecke des Stadtparks hinter Bäumen. Wie schon in Rotorua haben wir auch in Dunedin’s Stadtpark eine ruhige Nacht verbracht. Die einst reichste Stadt Neuseelands, deren Namen vom schottischen Edinburgh abgeleitet ist, liegt noch verschlafen unter uns. Tags zuvor kamen wir erst kurz vor Dunkelheit hier an. Gerade rechtzeitig, um noch einen Blick auf die schöne viktorianische Architektur der Altstadt zu erhaschen. Hinter uns lag ein langer Tag auf der Straße. Zwischendurch warteten wir 1 Stunde an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo auf die nächste Mitfahrgelegenheit. Weil in dieser Zeit kein einziges Auto vorbei fuhr. Die Uhr tickt langsam im Süden von Neuseeland’s Südinsel. Wir zählten so lange die Schafe auf der Weide hinter uns. Es war ein guter Tag.

Die Morgensonne wirft ihre wärmenden Strahlen zu uns, während wir Morgensport machen und auf unserem Campingkocher Kaffeewasser kochen. Trinkwasser finden wir im Clubhaus des nahen Golfplatzes. Im Anschluss schlendern wir über den Wochenmarkt zur Stadtbibliothek, die mit kostenlosem und schnellem Wifi lockt. So langsam nähert sich unsere Zeit in Neuseeland ihrem Ende. Nur noch 4 Tage bleiben uns bis zu unserem Weiterflug nach Hawaii. Die letzten 2 Tage werden wir in Christchurch verbringen. Davor möchten wir noch einen Abstecher in das malerische Waitaki Valley machen und Familie Tyrrell besuchen, in deren Reisebüro Biene vor 10 Jahren ein Praktikum absolvierte Noch während wir uns überlegen, ob wir das wohl per Anhalter bewerkstelligen können, tut sich eine andere Möglichkeit auf: schon seit unserer glücklichen Fahrt mit Oscar zum Tongariro Alpine Crossing beobachten wir die Onlineplattform www.transfercars.co.nz. Auf dieser werden Mietwägen eingestellt, die innerhalb eines gewissen Zeitraums an einen anderen Ort gebracht werden müssen. Meist wurden diese Fahrzeuge one way gemietet und müssen an ihre Ausgangsorte zurück oder werden an einem anderen Standort zur Vermietung benötigt. Diese Rückführung ist für den Mieter in den meisten Fällen kostenlos und manchmal sind dabei sogar Sprit- und Versicherungskosten inklusive. Für die Autovermietungen ist das günstiger, als dafür einen Mitarbeiter abzustellen Wenn man wie wir in einem relativ begrenzten Zeitraum von A nach B kommen und ohne Transportkosten unabhängig voran kommen möchte also eine optimale Lösung!

Zauberwort: Mietwagenrückführung

Nachdem bisher in Neuseeland (solche Plattformen gibt es auch für andere Länder) nichts für uns dabei war, finden wir an diesem Morgen tatsächlich ein wie maßgeschneidertes Angebot: ein Mittelklassewagen muss von Dunedin nach Christchurch gebracht werden. Dem Fahrer entstehen keinerlei Kosten, eine Tankfüllung und Versicherung sind inklusive. Der Wagen kann noch am selben Tag abgeholt werden und muss erst 2 Tage später im 361 km entfernten Christchurch wieder abgegeben werden. Perfekt! Wir „bewerben“ uns online um den Wagen und eine Stunde später erhalten wir die Bestätigung. Nun heißt es wieder Daumen raus und ab zum Flughafen von Dunedin, wo wir den Wagen abholen können. Nachdem wir unsere Geschichte dem tschechischen Backpacker erzählen, der uns in seinem Van mitnimmt, fährt er begeistert für uns einen Umweg und bringt uns direkt zum Flughafen. Dort nehmen wir einen silbernen Toyota Apollo in Empfang. Zum ersten Mal seit wir unseren Lion King in Australien schweren Herzens verkauften, besitzen wir jetzt wieder ein eigenes Transportmittel. Da wir nun keinen Puffer mehr einplanen müssen und somit etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, verbringen wir den Nachmittag auf der Otago Peninsula. Die Halbinsel und die geschützten Bucht davor bietet Seelöwen, Walen, seltenen Gelbaugen-Pinguinen und anderen spannenden Meeresbewohnern Lebensraum. Außerdem befindet sich hier die einzige Brutstätte von königlichen Albatrossen weltweit, wo die großen Seevögel mit einer Spannweite von bis zu 3 Metern auf dem Festland brüten. Wir besuchen das sehr interessante Infozentrum und sehen aus nächster Nähe sich sonnende Seelöwen, während über unseren Köpfen beeindruckend riesige Albatrosse kreisen. Bis zu 155 km/h schnell können diese beeindruckenden Seevögel durch die Lüfte gleiten.

Nach einer Nacht im Auto sind wir am nächsten Morgen noch keine 5 Kilometer gefahren, als 2 Anhalter am Straßenrand stehen. Keine Frage – natürlich nehmen wir sie mit. Wir freuen uns, dass wir direkt ein bisschen von all der Hilfsbereitschaft die wir in den letzten Wochen erfuhren, zurück geben können. Am späten Vormittag erreichen wir über die landschaftlich sehr attraktive Straße der Southern Scenic Route das Waikati Valley. Die Wiedersehensfreude bei Biene und ihrem ehemaligen Chef ist beiderseits groß. Da Patrick sich aufgrund seiner Tätigkeit in der Tourismusbranche natürlich bestens in Neuseeland auskennt, hat er noch einige Tipps für unseren Weg bis Christchurch auf Lager.

Am frühen Nachmittag brechen wir wieder auf und erreichen kurze Zeit später die neuseeländischen Alpen. Hier stehen wir am Fuße des mit 3724 Metern höchsten Berges Neuseelands, des Mt. Cooks/Aoraki. Leider ist dessen Gipfel wie an den meisten Tagen des Jahres wolkenverhangen, sodass wir unsere geplante Wanderung sein lassen. Dafür leuchten die Bergseen Pukaki und Tekapo trotz des grauen Himmels in einem strahlenden Eisblau. Sowas haben wir noch nie gesehen! Die ungewöhnlich türkise Wasserfarbe kommt durch Mineralienabrieb des Gletschergesteins zustande und sieht surreal schön aus. Da das zugehörige Örtchen Twizel sehr auf asiatische Fotosafari-Touristen ausgelegt ist, fahren wir noch etwas weiter. Wir erreichen das Dark Sky Reserve, eines der wenigen Gebiete weltweit, in denen nachts so gut wie keine Lichtverschmutzung den Sternenhimmel trübt. Das Mt. John Observatorium ist an diesem Abend leider geschlossen, dennoch können wir auch von unserem abseits gelegenen Park- und Schlafplatz einen grandiosen Sternenhimmel bewundern.

Am nächsten Morgen fahren wir die Telegraph Road entlang. Diese Landstraße war einst schnurgerade – bis das schwere Erdbeben, das im Jahr 2011 die Stadt Christchurch schwer zerstörte, einen Riss durch die Straße zog und einen Teil der Straße um mehrere Meter versetze. Der