Neuseeland

Facts & Figures – Neuseeland

Facts & Figures – Neuseeland

Reisedauer:

Wir haben 35 Tage in Neuseeland verbracht. In diesen 5 Wochen haben wir sowohl die Nord- als auch auf die Südinsel bereist. Auch wenn sich viele „Highlights“ Neuseelands in 3 Wochen packen lassen, war uns die Zeit keinesfalls zu lang. Wir hätten im Nachhinein eher unsere Zeit auf Hawaii gekürzt und wären dafür noch 1 Woche länger in Neuseeland geblieben. Gerade für Naturliebhaber, Outdoorsportler und Wanderfreunde hat der kleine Nachbarstaat Australiens jede Menge zu bieten.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in Neuseeland zu zweit 1.355 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 19,35 € pro Person. Obwohl Neuseeland zu den teureren Reiseländern gehört, konnten wir dank Camping und Trampen auch hier sehr günstig reisen. Wir verpflegten uns fast ausschließlich selbst und kauften meist in Supermärkten, kleinen Gemüseländen und an Hof-Direktverkaufsständen ein. Viel Geld kann man bei den zahlreichen – kostspieligen – Extrem-Sportangeboten wie z.B. Bungee-Jumping oder Fallschirmsprünge liegen lassen, für die Neuseeland bekannt ist. Darauf verzichteten wir bei dieser Reise.

Transport:

Dank unseres Experimentes, in Neuseeland ausschließlich auf unseren eigenen Beinen und per Anhalter Strecke zu machen, waren wir einzig auf die Hilfsbereitschaft von Fahrern angewiesen. Das hat auch wunderbar funktioniert und meist wären wir auch mit einem eigenen fahrbaren Untersatz nicht schneller von A nach B gekommen. Unsere einzigen Transportkosten in den 5 Wochen waren die Interislander-Fähre zwischen den beiden Inseln sowie unser Inlandsflug von Christchurch nach Auckland. Davon abgesehen verfügt Neuseeland über eine sehr gut ausgebaute touristische Infrastruktur. Für Individualreisende bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Neuseeland auf eigene Faust zu bereisen: es gibt Backpacker-Automärkte, wo bereits fertig ausgerüstete Backpacker-Autos zeitsparend ge- und verkauft werden können, jede Menge Auto- und Wohnmobilvermietungen, Bahnpässe sowie ein gut ausgebautes Fernbusnetz.

TIPP:

Oft lohnt es sich, günstige Inlandsflüge zwischen den Inseln zu recherchieren. Gerade Air New Zealand hat immer wieder günstige Promotionen. Die Flüge Christchurch – Auckland sind so z.B. oft günstiger als ein entsprechender Gabelflug. Uns hat unser Inlandsflug nur 50 NZ$ gekostet (Promotion in Verbindung mit dem Flug nach Hawaii).

Unterkünfte

Definitiv in der Liste der schönsten ZeltplätzeFür einen einfachen Zeltplatz bezahlen wir im Februar/März 2016 meist zwischen 5-10€. Ein Doppelzimmer mit geteiltem Bad im Hostel kostet uns 36 €, unser AirBnB Zimmer mit eigenem Bad in Christchurch 35 €. Das Preis-Leistungsverhältnis der Unterkünfte war in unseren wenigen Fällen immer gut – wir hatten jedes Mal eine Küche, Aufenthaltsraum, Geschirr etc. und Wifi inklusive.

TIPP:

Die Übernachtungen in den Wander-Hütten des DOC sind preislich sehr fair und eine super Option für Wanderer! Die Übernachtungen kann man vorab buchen. Je nach Anzahl der geplanten Übernachtungen rechnet sich ein Hinterland-Hüttenpass. Die Hüttenpässe kann man einfach online oder vor Ort in jedem DOC-Büro buchen.

3 Highlights:

  • Der Motatapu Track! Unsere spontane Wanderung von Wanaka nach Queenstown war landschaftlich das Spektakulärste, was wir uns vorstellen können! Bei absolutem Kaiserwetter die schmalen Berggrade hinauf und hinunter zu keuchen, mit diesen sagenhaften Blicken über die Gebirge XX – einfach unschlagbar!
  • Der Routeburn-Track! Die zweitägige Wanderung auf Neuseeland’s kürzestem Great Walk hat uns so richtig vom Hocker gerissen! Absolutes Highlight war auf jeden Fall unsere Nacht auf dem Berggipfel, in der wir unter freiem Himmel schliefen und die Sterne zum Greifen nah schienen.
  • Das Tongariro-Alpine Crossing und anschließend der Northern Circuit mit Übernachtung im Zelt am Fuße des Vulkans! Das Tongariro Alpine Crossing ist nicht umsonst eine der beliebtesten Tageswanderungen Neuseelands. Die Landschaft hier ist alpin und vulkanischen Ursprungs, also eher karg – und dennoch sind genau diese raue Kargheit, das Lavagestein und die Gesteinsfarben sehr beeindruckend. Auch die Aussicht vom Gipfel des Mt Tongariro, die an einem klaren Tag über die Bergseen bis zum See Taupo blicken lässt, ist absolut fabelhaft.

Ein weiteres Highlight war auch unsere Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark. Und nicht zuletzt unsere Begegnungen mit all den wunderbaren Menschen, die uns ein Stück des Weges mitnahmen; uns Kekse, Pflaumen oder Pfirsiche schenkten und unsere Zeit in Neuseeland zu einer ganz Besonderen machten!

Der Schicksalsberg in ganzer Pracht

3 Lowlights:

  • Uns hat es in Neuseeland bestens gefallen. Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft mit unseren Landsleuten. Daran gibt es soweit auch gar nichts auszusetzen. Allerdings war es uns dennoch manchmal einfach zu viel Deutsch um uns herum. Schließlich möchte man auf der anderen Seite der Welt halt doch nicht unbedingt das Gefühl haben, irgendwo in Mitteldeutschland zu sein…
  • Als Folge ihrer großen Beliebtheit muss das Begehen der Great Walks mittlerweile über die komplette Saison hinweg reglementiert werden. Das ist gut und wichtig, damit nicht zu viele Wanderer zur selben Zeit auf den Wegen sind. Dadurch werden bei den beliebtesten von ihnen, wie z.B. dem Milford Track, aber auch fixe Buchungen bis zu einem Jahr im Voraus nötig. Was es kurzentschlossenen Reisenden wie uns unmöglich macht, diese tollen Wanderungen zu laufen. Zum Glück wartet Neuseeland mit jeder Menge Alternativen auf.
  • Nope. Uns fällt wirklich nichts mehr ein. 🙂

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  • In den großen Städten dauert es trotz dem höchsten Verkehrsaufkommen immer am längsten, bis man als Anhalter mitgenommen wird.
  • Die Post von Deutschland nach Neuseeland dauert – zumindest in unserem Falle – länger als die offizielle Angabe. Was uns ein aufwendiges Nachschicken von einem neuseeländischen Ort in den nächsten beschert hat. Aber geklappt hat es letztendlich.
  • Die Wolkendecke an der Westküste der Südinsel kann sehr dicht sein. Und muss innerhalb von 3 Stunden nicht unbedingt irgendwann mal aufreißen. Hätten wir gewusst, dass wir wirklich nur graue Suppe statt eisblauem Gletscher sehen, hätten wir unsere Füße samt gesamtem Gepäck an diesem Tag nicht den steilen Pfad hinauf gequält, um einen Blick auf den ewigen Berg aus Eis zu erhaschen.

3 Fun Facts:

  • Mit 38 Grad Neigungswinkel gilt die Baldwin Street in Dunedin offiziell als steilste innerorts gelegene Straße der Welt. Auch der Ort mit dem längsten Ortsnamen der Welt liegt in Neuseeland: es ist Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu in Hawkes Bay. Übersetzt bedeutet der maorische Name in etwa „der Ort an dem Tamatea, der Mann mit den dicken Knien der von Bergen rutschte, sie erkletterte und schluckte und der Erdesser genannt wurde, seinen Lieben auf der Nasenflöte vorspielte„. Poetisch, nicht wahr?
  • Neuseeland hat das weltweit höchste Verhältnis Schaf zu Mensch weltweit: Auf jeden Einwohner Neuseelands kommen ganze 9 Schafe! Auch die Kühe sind stark im Kommen…
  • In der Stadt Auckland leben mit knapp 1,4 Miollionen Einwohner mehr Menschen als auf der gesamten Südinsel. Insgesamt leben in Neuseeland nur ca. 4 Millionen Menschen.
Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Biene im Jahr 2006 vor dem längsten Ortsnamen-Schild der Welt

Fazit:

Neuseeland hat bei uns einen Stein im Brett. Die Natur, die Menschen, die Mentalität – es stimmt einfach alles! Wir waren sicher nicht zum letzten Mal in Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke!

Was für eine Aussicht!

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Wir haben es also geschafft. Vom nördlichsten Zipfel bis hinunter in den tiefen Süden führte uns unser Experiment: Einmal quer durch Neuseeland – nur zu Fuß und per Anhalter. Zahlreiche tolle Menschen nahmen uns ein Stück des Weges mit. Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, verschiedensten Alters und Abstammung. Andere Touristen, Einheimische und Einwanderer. Vollkommen verschiedene Charaktere auf den unterschiedlichsten Wegen – persönlich wie wegbezogen. Jeder davon hatte seine eigene Geschichte. Und jeder seinen persönlichen Grund, warum er für uns anhielt. So wie die sympathische Senior-Unternehmerin, die nur wegen Biene’s roten Haaren für uns abbremste – weil ihre Enkeltochter die gleiche Haarfarbe hat. Oder der Techniker auf Geschäftsfahrt, der generell keine Anhalter mitnimmt, die nur am Straßenrand sitzen. Wir liefen aber und durften einsteigen. Eine junge Studentin nahm uns mit, weil sie selbst viel als Anhalterin unterwegs ist; ein älterer Künstler, weil wir ihn an seine früheren Reisen durch Indien erinnerten. Der Telefontechniker hat auf seinen langen Fahrten ins abgelegene Nordland gerne Gesellschaft. Einmal nahm uns sogar ein vollbesetzter Tourbus mit (es nieselte und die Busgesellschaft hatte wohl Mitleid). Einige Fahrer fuhren für uns extra einen Umweg. Manche erzählten aus ihrem Leben, andere hörten lieber unseren Geschichten zu. Mit dem Großteil führten wir interessante Gespräche und ausnahmslos alle fanden unser Vorhaben awesome! 😀 Mit manchen tranken wir nach der Fahrt noch einen Kaffee, mehrere luden uns ein, bei ihnen zu kampieren und nur sehr wenige Male waren wir froh, wenn eine Fahrt ihr Ende fand. Ein Paar konnten wir sogar zum Traum einer eigenen Weltreise inspirieren.

Eines hatten alle Fahrten gemeinsam: die Menschen die wir dabei kennen lernten, wurden zu einem Highlight unserer Reise durch Neuseeland! Und deshalb wollen wir Euch stellvertretend für all die großartigen Geschichten, die wir erlebten, 3 von ihnen vorstellen!

Unsere 3 erinnerungswürdigsten Tramp-Geschichten:

  • Einblicke in den Alltag einer Marihuana-Dealerin

Obwohl diese Fahrt mit ca. 10 Minuten Fahrzeit eine der kürzesten war, bleibt sie uns dennoch lebhaft in Erinnerung! Schwungvoll hält der rote Kleinwagen mit dem schon etwas abgeblättertem Lack neben uns. Die Fahrerin (Mitte 50, stattliche Erscheinung, maorische Abstammung) kurbelt das Fenster auf der Beifahrerseite für uns herunter, fragt wo wir hinmöchten, erklärt uns dass sie nur bis zum Ortsende fährt… – und entschuldigt sich im gleichen Atemzug dafür, dass es in ihrem Auto nach Marihuana riecht. Aber sie sei Marihuana-Dealerin, da ließe sich das nicht vermeiden… Wir schauen uns ungläubig grinsend an und steigen ein. Auf dem Weg zum Ortsende machen wir noch einen kurzen Umweg, um die Tageseinnahmen bei ihrem Großhändler abzuliefern. Kein Problem. Ganz locker-flockig erzählt sie auf unsere neugierigen Fragen auch, wie das Geschäft denn so läuft (sehr gut), ob mehr Einheimische oder Touristen ihre Ware kaufen (sowohl als auch) und wie das alles so abläuft. Zwar fragt sie uns höflichkeitshalber nach unseren Berufen, winkt aber im selben Moment schon wieder ab und sagt, selbst wenn wir Polizisten wären, würde sie das nicht interessieren. Eine wirklich urige Charaktere! Wir haben uns selten vor Lachen die Bäuche gehalten, als wir aus einem Auto ausstiegen. Dieses Mal schon.

  • Gegensätze ziehen sich an: die Lady und die Hippie-Hexe

Der Tag fing gut an. Obwohl am Ortsausgang vor uns schon 3 andere Tramper stehen, dauert es nicht lange, bis ein Auto für uns anhält. Gelenkt wird der große Jeep von einer sehr gepflegten älteren Lady, die uns auf Anhieb sympathisch ist. Wir ihr zum Glück auch. So dürfen wir bei ihr einsteigen, nachdem sie an unserem Englisch hört, dass wir keine Kiwis sind. Ihre Landsmänner nimmt die Dame hier generell nicht mit. Warum, das erzählt sie uns auch gleich: in dieser Gegend liegt ein Gefängnis und viele Häftlinge würden nach dem Verbüßen ihrer Haftstraße die in unsere Fahrtrichtung gelegene Golden Bay ansteuern. Zur Entspannung mit Grünpflanzen… Sagen wir es so: In diesem abgelegenen Örtchen hinter den Bergen machen Leute mit dem selben Beruf wie unsere obige Mitfahrgelegenheit einen sehr guten Verdienst. 😉 Die zart gebaute Dame habe schon mehrere Male Ärger mit aggressiven Mitfahrern gehabt und zwar habe sie einen Selbstverteidungskurs besucht, wolle aber nichts mehr riskieren seit sie über 70 ist. Weil wir ihr aber auf Anhieb sympathisch sind, dürfen wir uns sogar aus der Keksdose bedienen, die sie für ihre Enkelkinder im Auto hat. Die Lady hat einen ausgezeichneten feinen Sinn für Humor und wir unterhalten uns bestens auf der langen Fahrt. So erzählt sie uns auch, wie sie vor Jahrzehnten mit ihrem Mann und ihren 3 kleinen Kindern in einem alten Bus 18 Monate durch Mexiko gereist sind und alle sie damals für verrückt erklärten. Und wie sie und ihr Ehemann ihre erfolgreiche Firma vor wenigen Jahren an die jüngere Generation übergaben, um mit demselben jahrzehntealten Bus samt Hund und Katze für 4 Jahre ihr Heimatland Neuseeland zu befahren. Und sie wieder von allen für verrückt erklärt wurden. Und es zur besten Zeit ihres Lebens wurde. Die Lady erzählt wunderbar und bestärkt uns darin, unseren eigenen Weg zu gehen und unsere Träume zu leben. Als wir die Kleinstadt Nelson erreichen, fährt sie für uns statt der Highway-Umfahrung einmal mitten durch das Zentrum – so hätten wir alles gesehen, was es hier zu sehen gibt und müssten keine weitere Zeit in der Stadt verschwenden. Wir lachen herzhaft – so richtig schätzt sie uns ein. Als wir kurz darauf in Richmond aussteigen, haben wir das Gefühl, diese Dame schon viel länger als nur eine zweistündige Fahrt lang zu kennen. Es ist eine der Begegnungen, die unsere Reise so besonders machen.

Von Richmond aus weiter sollte es eigentlich nur ein kurzer Lift weiter nach Kaiteriteri werden. Dafür steigen wir in das klapprige Auto von Karen ein. Man könnte sagen, das in die Jahre gekommene Hippie-Mädchen ist mit ihrer wallenden grauen Mähne und den Katzenhaaren und Teppichen im Auto vom Typ her das Gegenstück zu unserer vorherigen Mitfahrgelegenheit. Auch diese Fahrt beginnt nett. Dann entscheiden wir uns, mit ihr doch weiter bis nach Takaka zu fahren, um unsere Wanderung im Abel Tasman NP von West nach Ost statt anders herum von Kaiteriteri zu laufen. Hätten wir allerdings gewusst, welches Verhältnis Karen zu ihrer Gangschaltung hat, wären wir vielleicht doch wieder ausgestiegen…. Schon beim ersten Anstieg am Fuße der Takaka Berge werden wir zu Rate gezogen, ob es sich wohl besser im dritten oder vierten Gang hinauf führe. Und dann verwechselt sie doch den zweiten mit dem vierten Gang. Das lustige Ratespiel wiederholt sich in jeder Serpentine der zweistündigen und sehr kurvenreichen Strecke über die Berge. Dass sie vor lauter pflanzlicher Entspannung jedes Schalten mit lautem Überlegen begleitet, viel zu schnell in die Kurven fährt und beim Unterhalten statt auf die Straße zu Biene auf den Beifahrersitz sieht, hilft unserer eigenen Entspanntheit nicht gerade. Und als sie vor lauter Geplapper dann auch noch Biene’s Hand, mit der sie sich in den Kurven am Autorahmen fest hält, im Fenster einklemmt, fährt die Plauderlaune endgültig auf höfliches Nicken und gezwungenes Lächeln zurück. Wir wundern uns so auch nicht mehr, als sie uns anbietet uns bis nach Golden Bay mitzunehmen, wo sie wohne (…) – wir lehnen höflich ab und sind froh, als wir in Takaka die Autotüre hinter uns zumachen können.

  • Peter, der Avocado-Farmer mit den Lachfältchen von George Clooney

Peter hält für uns am Ortsausgang von Whangamata. Nach mehreren kurzen Lifts ist er der erste, mit dem wir an diesem Nachmittag ein ordentliches Stück weiter kommen. Seine verwuschelten blonden Haaren und die Lachfalten in seinem von der Sonne gegerbten Gesicht verraten uns auf Anhieb, dass Peter viel Zeit an der frischen Luft verbringt. Dieser erste Eindruck stellt sich im Gespräch schnell als richtig heraus. Peter hat eine Avocado- und Kiwiplantage. Und er ist der Typ Mensch, mit dem wir rasch von einem interessanten Gesprächsthema auf das nächste kommen, ohne groß überlegen zu müssen. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass Peter uns einlädt, bei sich zu übernachten. Er ist uns so sympathisch, dass wir die Einladung gerne annehmen. Und so schlagen wir an diesem Abend unser Zelt neben Tausenden von Kiwis auf, sitzen mit Peter auf seiner Terrasse mit Blick über den farmeigenen See und kommen sogar zu einer heißen Dusche. Am nächsten Morgen lernen wir bei frisch gebrühtem Kaffee noch einiges über den Anbau von Kiwis und Avocados, dürfen uns die Taschen mit den süßesten Pflaumen füllen, die wir seit langer Zeit naschten, bevor Peter uns in den nächsten Ort fährt. Einfach so.

Uli trampt

Und weil nicht nur diese 3 Begegnungen etwas Besonderes waren, sondern wir jedes Mal Glück verspürten, wenn neben uns ein Auto stoppte, wollen wir auch alle anderen Menschen, die für uns anhielten, nicht unter den Tisch fallen lassen. Es haben uns außerdem mitgenommen (chronologisch geordnet):

  • die Kulturliebhaberin, die uns unseren allerersten Lift direkt vom Flughafen in die Innenstadt gab. Die nette Fahrt sparte uns 50 NZ$.
  • die ältere Dame auf dem Weg in ihren Wochenendurlaub ins Nordland. Sie fragte Uli zuerst, mit wem er unterwegs ist bevor er einsteigen durfte (zeitgleich stand ein sehr nach Langzeitreisender aussehender Tramper mit hüftlangen Deardlocks an derselben Tankstelle).
  • der Milchmann, der unterwegs noch den LKW abladen musste und uns zum Abschied TimTams (diese unwiderstehlich leckeren, australischen Kekse schenkte).
  • das Unternehmerpaar, welches für uns einen Umweg fuhr, damit wir nicht nass werden und deren Tochter als Kayak-Guide auf einem Kreuzfahrtschiff in der Antarktis arbeitet.
  • Bill der Künstler, der uns total wahnsinnig fand, weil wir so ganz ohne Karte und mit bescheidener Ortskenntnis unterwegs waren (war unser erster Tag on the road).
  • das ältere Ehepaar auf dem Weg zum Wochenmarkt, von denen wir alles über die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Manuka-Honigs lernten.
  • der Telefontechniker, der mit uns über den 90 Miles Beach jagte, statt schnöde den Highway entlang zu kurven. Und uns dabei lustige Stories von all den Backpackern erzählte, die er aus genau diesem Strand schon herausgezogen hat, nachdem sie mit ihren Backpacker-Mühlen darin stecken blieben.
  • Mink der angehende holländische Kitesurflehrer, der lieber in seinem umgebauten VW-Bus durch Neuseeland fährt, statt in Europa zu studieren und dessen schönster Tag in seinem Leben der war, an dem er ganz allein mit einem Buckelwalbaby schwamm.
  • Mornie, der bis vor wenigen Jahren noch nicht an Gott glaubte, uns nun aber vor der kurz bevorstehenden biblischen Apokalypse warnte.
  • die 4 Jungs im Kleinwagen, zu denen wir uns noch mit rein quetschen durften, weil sie erst nur Biene sahen. 😀
  • die Aussteigerin mittleren Alters, die sich so sehr freut wenn sie jemanden mitnehmen kann, dass sie darauf bestand, uns soweit wie möglich in die gemeinsame Richtung mitzunehmen – was 200 Meter bis zum nächsten Kreisverkehr waren.
  • der aufgedrehte Gefängniswärter, der schon für uns anhielt, bevor wir überhaupt den Daumen rausstrecken konnten und der schon einen Helikopterrundflug über Hawaii machte.
  • die ältere Dame, die für uns an ihrem Haus vorbei fuhr und uns über eine holprige Schotterstraße weiter bis zum Nationalpark brachte.
  • das tschechische Paar in unserem Alter, das ebenfalls auf Weltreise war und denen wir Reisetipps gaben.
  • das neuseeländische Studentenpaar, die in der Coromandel ihre Semesterferien verbrachten.
  • Dave der Straßenarbeiter auf dem Heimweg, der für uns am Aussichtspunkt hielt und uns ermahnte, beim Wildcampen ja kein Klopapier in der Natur zurückzulassen (machen wir sowieso nie!).
  • das französische Ehepaar, das zum ersten Mal mit dem Wohnmobil und obendrein zum ersten Mal im Linksverkehr unterwegs war (sie nahmen uns an anderer Stelle tags darauf sogar gleich nochmal mit)
  • die beiden Kiwis, die im Sommer als Surflehrer und im Winter als Skilehrer auf der Südinsel arbeiten und das Wochenende im Strandhaus verbrachten der Kayak-Guide, der auf dem Weg zur Arbeit war.
  • die 3 deutschen Camper, die zusammen ein Wohnmobil gemietet und sogar den Hund dabei hatten
  • der Tscheche, der sich in seiner Wahlheimat China so gut integriert hat, dass er fuhr wie all die asiatischen Touristen – und glatt von der Polizei eine Verwarnung für zu langsames Fahren erhielt. 😀
  • Marcus der Life-Coach, der mit seinen 26 Lebensjahren schon erstaunlich weise war und uns zum Abschied einen maorischen Segen gab
  • Damien, der an diesem Nachmittag auf seine Kinder aufpassen musste und mit ihnen, von uns inspiriert, eine Wanderung um den See unternahm.
  • Michael der Hochzeitsfotograf, der uns vom ersten richtig langem Warten am Straßenrand in Rotorua erlöste.
  • Ivan, der aus Südafrika ausgewanderte Jugend-Coach, der gerade erst andere Anhalter abgesetzt hatte und sich freute, direkt wieder jemand mitnehmen zu können.
  • der Spanier Oscar, der in seinem Wohnmobil eigentlich nur eine Person mitnehmen durfte – weshalb sich Biene hinter’m Vorhang verstecken musste statt die tolle Landschaft anschauen zu können.
  • die junge Karrierefrau, die plante ihren Job als Sales Managerin an den Nagel zu hängen um Kunst zu studieren.
  • die alleinerziehende Mutter, die über beide Ohren strahlte, da sie just an diesem Tag einen Heiratsantrag von ihrem Freund bekam.
  • Wilhelm der Hobby-Historiker, der uns alles über die Geschichte Neuseelands erzählen konnte.
  • das Rentnerpaar Wicky & Brian, die ebenfalls auf einem mehrmonatigem Trip waren und von ihrer Patentochter Must-See-Listen für Neuseeland bekamen.
  • die jungen Eltern mit Kleinkind, welches die Neuzukömmlinge neben sich auf der Rückbank sehr unbehaglich fand. der junge Amerikaner, der mit seiner Mutter mehrere Monate durch Neuseeland reiste und dabei alle Action-Sportarten ausprobieren wollte.
  • Liz, die uns ihre leer stehende Pferdekoppel zum campen anbot.
  • das Wanderer-Paar aus England, die anders als wir voll ausgerüstet mit Wanderstöcken, Schienbeinschützern und dehydriertem Vesper wandern gingen.
  • die nach Neuseeland ausgewanderten Deutschen, die sich nicht einig waren, ob der Wochenmarkt ihres Ortes nun groß oder klein ist.
  • die Immobilienmaklerin, die auch sonntags im Dienst war.
  • die sympathische Mutter mit Tochter, die sich zum allerersten Mal in ihrem Leben traute, Anhalter mitzunehmen und deshalb zum Abschied ein Foto mit uns machen wollte.
  • der einarmige Vater, der gerade seinen Sohn zurück zur Mutter brachte und der besser fuhr als so mancher mit 2 Händen.
  • der Pilot, der eigentlich für die Tramperin anhielt, die 50 Meter weiter vorne an der Straße stand und uns dann zusätzlich noch mitnahm.
  • die 2 deutschen Mädels, die am ersten Tag ihren Campervan im Ninety Miles Beach versenkten, am Ende dieses Tages dank des wunderschönen Sonnenuntergangs aber wieder mit dem Tag versöhnt waren.
  • der Außendienstler, der uns mitten im Nirgendwo aufsammelte und uns viel über Flora & Fauna Neuseelands erzählen konnte.
  • das sympathische Kiwi-Paar auf dem Weg zu einer Umweltkonferenz.
  • das deutsche Paar aus Braunschweig, die einen tollen Reiseführer mit dabei hatten, den wir noch überhaupt nicht kannten.
  • William aus Deutschland, der uns mit zu einen Campingplatz nahm, auf dem gefühlt jeder Zweite aus Deutschland war.
  • 2 junge Australier aus Sydney, die für uns von der Hauptstraße abbogen und uns die 2 km zum Ausgangspunkt unserer Gletscher-Wanderung fuhren.
  • der vollbesetzte Tourbus, dessen Insassen ihre Reiseführer einstimmig dazu überredeten, uns mitzunehmen.
  • das junge Geschwisterpaar aus England, die sich spontan dafür entschieden, gemeinsam für einige Monate Neuseeland zu erkunden.
  • der Helikoperpilot, der seinen guten Tag hatte und uns anbot, unser Zelt in seinem Garten aufzuschlagen.
  • der Südtiroler, der endlich mal wieder auf einen Gletscher steigen wollte.
  • das junge Pärchen mit den unaussprechlichen Namen aus Litauen, mit denen wir unterwegs nach einer Seehundekolonie Ausschau hielten, zu 2 Wasserfällen wanderten, Fotostopp am See Wanaka machten und Fish & Chips essen gingen.
  • Tracy, die jedes Jahr mit Freunden ein Campingwochenende in Wanaka verbringt.
  • das einheimische Paar, das uns in ihrem Geländewagen mitnahm und uns damit einige Flussdurchquerungen mit nassen Füßen ersparte.
  • der junge Familienvater & Hausbesitzer aus Queenstown, dessen Eigenheim in nur einem Jahr durch die gestiegenen Eigentumspreise in Queenstown seinen Wert verdoppelte.
  • das australische Paar, dass glücklicherweise für uns gar nicht genug Fotostopps auf der Strecke von Queenstown nach Glenorchy einlegen konnte.
  • das Goldgräberpaar, das auch im Urlaub immer die Goldschürfausrüstung im Kofferraum dabei hat.
  • Derrick, dessen Sohn als verantwortlicher Jurist mitgeholfen hat, das umstrittene TTIP-Abkommen zwischen Neuseeland und den USA auszuarbeiten.
  • Anita & Peter, die vielleicht in einigen Jahren selbst noch auf Weltreise gehen werden?
  • Mick, der beim Arbeiten als Kayakguide im Milford Sound ständig mit Seerobben und Delfinen paddeln darf.
  • der schweigsame Kiwi, mit dem wir zum ersten Mal keine gemeinsamen Gesprächsthemen fanden.
  • das philippinische Paar, in deren Auto laute Gute-Laune-Musik läuft und die sich riesig freuten, dass uns ihr Heimatland so gut gefallen hat.
  • der schwule Modehauseinrichter, dessen Fingernägel besser manikürt waren als die von Biene.
  • der Kiwi, der uns nach langem Stehen an einer vielbefahrenen Zufahrt zum Highway mitten in der Stadt (hier dauerte es immer am längsten) mitnahm.
  • der tschechische Backpacker, der die Nacht durchfuhr, um in Dunedin seinen neuen Van abzuholen und der für uns einen Umweg zum Flughafen machte (wo wir unser kostenloses Mietauto abholten).
  • Kim, unsere AirBnB-Gastgeberin in Christchurch, die uns super bemerkenswerterweise morgens um 5 Uhr zum Flughafen fuhr.

Ihr wart alle großartig! DANKE!!

Die Kür des Reisens ohne Transportkosten- mit einem kostenlosen Mietwagen durch Neuseeland!

Die Kür des Reisens ohne Transportkosten- mit einem kostenlosen Mietwagen durch Neuseeland!

Den Reißverschluss des Zeltes aufziehen. Erster Blick ins Freie – keine Menschenseele zu sehen. Raus in die kalte Morgenluft. Das Gras ist noch feucht unter den Füßen. Die von der Nacht noch etwas steifen Glieder strecken. Zelt zusammen packen. Rucksack aufziehen. Ein schönes Plätzchen für den morgendlichen Kaffee und die nächste öffentliche Toilette für die Morgentoilette suchen.

So beginnen wir in Neuseeland all unsere Tage. Draußen. An diesem Morgen ist unser Frühstückstisch eine Parkbank mit Blick über die unter uns liegende Stadt Dunedin. Am Horizont sehen wir das Meer. Gezeltet haben wir in einer abgelegenen Ecke des Stadtparks hinter Bäumen. Wie schon in Rotorua haben wir auch in Dunedin’s Stadtpark eine ruhige Nacht verbracht. Die einst reichste Stadt Neuseelands, deren Namen vom schottischen Edinburgh abgeleitet ist, liegt noch verschlafen unter uns. Tags zuvor kamen wir erst kurz vor Dunkelheit hier an. Gerade rechtzeitig, um noch einen Blick auf die schöne viktorianische Architektur der Altstadt zu erhaschen. Hinter uns lag ein langer Tag auf der Straße. Zwischendurch warteten wir 1 Stunde an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo auf die nächste Mitfahrgelegenheit. Weil in dieser Zeit kein einziges Auto vorbei fuhr. Die Uhr tickt langsam im Süden von Neuseeland’s Südinsel. Wir zählten so lange die Schafe auf der Weide hinter uns. Es war ein guter Tag.

Die Morgensonne wirft ihre wärmenden Strahlen zu uns, während wir Morgensport machen und auf unserem Campingkocher Kaffeewasser kochen. Trinkwasser finden wir im Clubhaus des nahen Golfplatzes. Im Anschluss schlendern wir über den Wochenmarkt zur Stadtbibliothek, die mit kostenlosem und schnellem Wifi lockt. So langsam nähert sich unsere Zeit in Neuseeland ihrem Ende. Nur noch 4 Tage bleiben uns bis zu unserem Weiterflug nach Hawaii. Die letzten 2 Tage werden wir in Christchurch verbringen. Davor möchten wir noch einen Abstecher in das malerische Waitaki Valley machen und Familie Tyrrell besuchen, in deren Reisebüro Biene vor 10 Jahren ein Praktikum absolvierte Noch während wir uns überlegen, ob wir das wohl per Anhalter bewerkstelligen können, tut sich eine andere Möglichkeit auf: schon seit unserer glücklichen Fahrt mit Oscar zum Tongariro Alpine Crossing beobachten wir die Onlineplattform www.transfercars.co.nz. Auf dieser werden Mietwägen eingestellt, die innerhalb eines gewissen Zeitraums an einen anderen Ort gebracht werden müssen. Meist wurden diese Fahrzeuge one way gemietet und müssen an ihre Ausgangsorte zurück oder werden an einem anderen Standort zur Vermietung benötigt. Diese Rückführung ist für den Mieter in den meisten Fällen kostenlos und manchmal sind dabei sogar Sprit- und Versicherungskosten inklusive. Für die Autovermietungen ist das günstiger, als dafür einen Mitarbeiter abzustellen Wenn man wie wir in einem relativ begrenzten Zeitraum von A nach B kommen und ohne Transportkosten unabhängig voran kommen möchte also eine optimale Lösung!

Zauberwort: Mietwagenrückführung

Nachdem bisher in Neuseeland (solche Plattformen gibt es auch für andere Länder) nichts für uns dabei war, finden wir an diesem Morgen tatsächlich ein wie maßgeschneidertes Angebot: ein Mittelklassewagen muss von Dunedin nach Christchurch gebracht werden. Dem Fahrer entstehen keinerlei Kosten, eine Tankfüllung und Versicherung sind inklusive. Der Wagen kann noch am selben Tag abgeholt werden und muss erst 2 Tage später im 361 km entfernten Christchurch wieder abgegeben werden. Perfekt! Wir „bewerben“ uns online um den Wagen und eine Stunde später erhalten wir die Bestätigung. Nun heißt es wieder Daumen raus und ab zum Flughafen von Dunedin, wo wir den Wagen abholen können. Nachdem wir unsere Geschichte dem tschechischen Backpacker erzählen, der uns in seinem Van mitnimmt, fährt er begeistert für uns einen Umweg und bringt uns direkt zum Flughafen. Dort nehmen wir einen silbernen Toyota Apollo in Empfang. Zum ersten Mal seit wir unseren Lion King in Australien schweren Herzens verkauften, besitzen wir jetzt wieder ein eigenes Transportmittel. Da wir nun keinen Puffer mehr einplanen müssen und somit etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, verbringen wir den Nachmittag auf der Otago Peninsula. Die Halbinsel und die geschützten Bucht davor bietet Seelöwen, Walen, seltenen Gelbaugen-Pinguinen und anderen spannenden Meeresbewohnern Lebensraum. Außerdem befindet sich hier die einzige Brutstätte von königlichen Albatrossen weltweit, wo die großen Seevögel mit einer Spannweite von bis zu 3 Metern auf dem Festland brüten. Wir besuchen das sehr interessante Infozentrum und sehen aus nächster Nähe sich sonnende Seelöwen, während über unseren Köpfen beeindruckend riesige Albatrosse kreisen. Bis zu 155 km/h schnell können diese beeindruckenden Seevögel durch die Lüfte gleiten.

Nach einer Nacht im Auto sind wir am nächsten Morgen noch keine 5 Kilometer gefahren, als 2 Anhalter am Straßenrand stehen. Keine Frage – natürlich nehmen wir sie mit. Wir freuen uns, dass wir direkt ein bisschen von all der Hilfsbereitschaft die wir in den letzten Wochen erfuhren, zurück geben können. Am späten Vormittag erreichen wir über die landschaftlich sehr attraktive Straße der Southern Scenic Route das Waikati Valley. Die Wiedersehensfreude bei Biene und ihrem ehemaligen Chef ist beiderseits groß. Da Patrick sich aufgrund seiner Tätigkeit in der Tourismusbranche natürlich bestens in Neuseeland auskennt, hat er noch einige Tipps für unseren Weg bis Christchurch auf Lager.

Am frühen Nachmittag brechen wir wieder auf und erreichen kurze Zeit später die neuseeländischen Alpen. Hier stehen wir am Fuße des mit 3724 Metern höchsten Berges Neuseelands, des Mt. Cooks/Aoraki. Leider ist dessen Gipfel wie an den meisten Tagen des Jahres wolkenverhangen, sodass wir unsere geplante Wanderung sein lassen. Dafür leuchten die Bergseen Pukaki und Tekapo trotz des grauen Himmels in einem strahlenden Eisblau. Sowas haben wir noch nie gesehen! Die ungewöhnlich türkise Wasserfarbe kommt durch Mineralienabrieb des Gletschergesteins zustande und sieht surreal schön aus. Da das zugehörige Örtchen Twizel sehr auf asiatische Fotosafari-Touristen ausgelegt ist, fahren wir noch etwas weiter. Wir erreichen das Dark Sky Reserve, eines der wenigen Gebiete weltweit, in denen nachts so gut wie keine Lichtverschmutzung den Sternenhimmel trübt. Das Mt. John Observatorium ist an diesem Abend leider geschlossen, dennoch können wir auch von unserem abseits gelegenen Park- und Schlafplatz einen grandiosen Sternenhimmel bewundern.

Am nächsten Morgen fahren wir die Telegraph Road entlang. Diese Landstraße war einst schnurgerade – bis das schwere Erdbeben, das im Jahr 2011 die Stadt Christchurch schwer zerstörte, einen Riss durch die Straße zog und einen Teil der Straße um mehrere Meter versetze. Der Riss ist bis heute zu sehen und für uns ein Vorgeschmack auf das, was uns in Christchurch erwarten sollte. Dessen wunderschönen – für Neuseeland’s Verhältnisse historischen – Stadtkern gibt es seit dem Erdbeben vor 5 Jahren nicht mehr. Überall im Stadtzentrum klaffen große Löcher. Gläserne Neubauten stehen dort, wo davor charmante Mauergebäude standen. Die Bauten, die dem Beben mit der Stärke 6,3 auf der Richterskala teilweise Stand hielten, sind abgesperrt und werden mit schwerem Gerät gestützt. Auch nach 5 Jahren ist noch nicht entschieden, ob die beschädigten Gebäude vollends abgerissen oder wieder aufgebaut werden. Teilweise stehen nur noch Fassaden, die Häuser dazu stürzten ein wie Kartenhäuser. Das ehemalige Wahrzeichen der Stadt, eine stilvolle Kathedrale, gibt es nicht mehr. Es ist ein bedrückender Anblick.

Wir geben unseren Mietwagen am Flughafen ab und laufen die kurze Strecke zum nahen Antarktis Center. Nach einem Rundgang durch das interessante Center nehmen wir den kostenlosen Shuttle Bus zurück in die Innenstadt. Mit Kommentaren zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke ist es wie eine kostenlose kleine Stadtrundfahrt. Und unser absoluter Geheimtipp für alle, die mal einen kostenlosen Transfer vom Flughafen in Christchurch’s Innenstadt benötigen. 😉 Und dann ist es soweit: zum ersten Mal seit mehr als 2 Wochen haben wir für diese Nacht ein BETT. Wir haben uns für unsere letzten 2 Nächte via AirBnB ein Zimmer gemietet und einen echten Glückstreffer gelandet. Etwas außerhalb gelegen, mit guter Busanbindung in die Innenstadt, günstiger als ein Hostelzimmer und mit super sympathischen Gastgebern. Ach, und eine traumhaft heiße Dusche gibt es auch.

Am nächsten Tag erkunden wir Christchurch. Wir bummeln durch die Stadt, besuchen das sehenswerte Canterbury Museum und holen lang ersehnte Post auf dem Postamt ab. Neben dem bedrückenden Anblick der zerstörten Innenstadt stoßen wir auf viel Dynamik. Der neu geschaffene Raum wird genutzt für kreative Stätten der Begegnung. Als Notlösung für beschädigte Geschäfte eingerichtete Container werden zu einer dauerhaften Einrichtung – eine bunte, trendige Container-Mall. In der Mitte ein hipper Foodcourt mit Gerichten aus aller Welt. Und Pad Thai, das tatsächlich schmeckt wie in Bangkok… In der Innenstadt herrscht Aufbruchstimmung, die Schockstarre ist vorüber. Die Stadt ist nicht mehr dieselbe wie vor dem Erdbeben. Aber die Menschen Christchurch´s haben ein neues Kapitel aufgeschlagen und schreiben ihre Geschichte weiter.

Nach 2 Tagen heißt es Abschied nehmen. Frühmorgens um 5 Uhr brechen wir zu unserem Inlandsflug nach Auckland an den Flughafen auf. Da so früh morgens noch keine Busse fahren, fährt uns unsere AirBnB-Gastgeberin absolut liebenswerterweise zum Flughafen. Es ist unser letzter Lift in Neuseeland.

Damit ist unser Experiment geglückt: In 5 Wochen haben wir beide Inseln Neuseelands ohne Überland-Transportkosten (ex. Inlandsflug nach Auckland am letzten Tag und Fährüberfahrt) bereist! Yeaah! Wir haben es geschafft!

Schön war´s, Neuseeland! Jetzt geht es über den Pazifik nach Hawaii!

Schön war´s, Neuseeland! Jetzt geht es über den Pazifik nach Hawaii!

Neuseeland´s Routeburn Track – so fühlt sich Freiheit an!

Neuseeland´s Routeburn Track – so fühlt sich Freiheit an!

In Neuseeland’s Abenteuerhauptstadt Queenstown bleiben wir trotz sympathischen Ischgl-Atmosphäre nur eine Nacht. Zum einen haben wir uns nach Abwägen von Kosten und Erlebnis für dieses Mal gegen die zahlreichen Angebote an Bungeejumping, Fallschirmspringen etc. entschieden. Queenstown hat seinen Preis – und der liegt nunmal nicht auf Backpackerniveau. Zum anderen laden die arktischen Winde, die im Spätsommer schon hier durchziehen, nicht gerade dazu ein, eine weitere Nacht im Botanischen Garten zu zelten. So frühstücken wir gemütlich im Park, nutzen das kostenfreie W-Lan der Bibliothek und bestaunen noch etwas die Bergkette der Remarkables, eine von nur zwei Gebirgsketten weltweit, die in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sind. Beeindruckender als ihre geografische Besonderheit finden wir ihre optische Schönheit. Wie gemalt erheben sich die hohen Berge direkt hinter den Stadtgrenzen. Im Anschluss machen wir uns weiter auf den Weg ins 50 km entfernte Glenorchy. Bereits kurz hinter dem Ortsschild haben wir Glück. Ein australisches Paar hält für uns an und da die beiden genauso begeistert von der Landschaft sind wie wir, können wir auf der wunderschönen Strecke entlang des Sees Wakatipu sogar einige Fotostopps einlegen.

Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir Glenorchy. Der kleine Ort mit nur 3 Straßen ist Ausgangort für unsere nächste Wanderung: der Routeburn Track! Mit 32 km einer der kürzeren Great Walks bietet die 2-3 tägige Wanderung zwischen den Nationalparks des Mount Apiring und des Fjordlandes dennoch beeindruckende Landschaften. Das Gebiet, durch das sich der Wanderweg schlängelt, ist Teil des Weltkulturerbegebietes Te Wahipounamu Südwest Neuseeland. Diese Gegend wurde durch mehrere Vergletscherungen in Fjorde, felsige Küsten, emporragende Klippen, Seen und Wasserfälle verwandelt. Lonely Planet betitelt den Routeburn Track gar als eine der „Top Ten klassischen Wanderungen weltweit“. Kein Wunder, führt der Wanderweg doch vorbei an steilen Gipfeln, alpinen Landschaften, Wasserfällen und spiegelklaren Seen.

Auf dem Routeburn Track finden sich wie auf die Postkarte gemalte Alpenlandschaften

Auf dem Routeburn Track finden sich wie auf die Postkarte gemalte Alpenlandschaften

Da es in Glenorchy nur einen einzigen Campingplatz gibt, hat dieser leider auch das Preismonopol. Wir beschließen, uns die teuren 30 $ für den Zeltplatz zu sparen, gönnen uns aber für 4 $ eine herrlich wohltuende heiße Dusche und suchen uns wie immer ein Plätzchen zum wild campen. Fündig werden wir am Fluss. Hier schlagen wir unser Schlaflager windgeschützt im alten Bootsschuppen auf. Und obwohl es noch Spätsommer ist, zieht es mit Einbruch der Nacht kältetechnisch auch hier schon ordentlich an. Gegen die klirrende Kälte kochen wir uns Spaghetti und heißen Tee. Am späten Abend stößt ein weiterer Wanderer zu uns, der vor wenigen Tagen seine sechsmonatige Wanderung auf dem Te Araroa vollendet hat und bei uns in der Hütte sein Nachtlager aufschlägt. Von ihm erfahren wir, dass wir ohne es zu wissen den Übernachtungs-Geheimtipp der Te Araroa Wanderer in Glenorchy fanden 😀 Was sollen wir sagen? Die Nacht ist eiskalt und am nächsten Morgen können wir alle 3 kaum erwarten, dass die Sonne sich endlich über die Berge erhebt und das Tal in ihr warmes Licht taucht.

TAG 1 – der Berg ruft

Nach einem stärkenden Porridge-Frühstück laufen wir los zum Startpunkt des Routeburn Tracks. Leider – wenn auch eigentlich zum Glück – herrscht in diesem abgelegenen Winkel Neuseelands kaum Verkehr und so wandern wir gut eine Stunde, bis uns ein Goldgräber schließlich aufsammelt und den Rest der Strecke mitnimmt. Dafür ist uns zu diesem Zeitpunkt auch wieder warm. Beim Erreichen des Startpunktes am Wanderparkplatz um die Mittagszeit bekommen wir beim Blick entlang des lang gestreckten Tales schon einen kleinen Vorgeschmack auf die landschaftliche Pracht, die uns später erwarten sollte. Zunächst aber geht es durch moosige Wälder bergaufwärts. Nach 2,5 Stunden auf dem schönen Waldweg erreichen wir die Routeburn Falls Hütte. Mit 80 Betten gehört diese zu den größten DOC-Hütten – und ist während der Wandersaison fast jede Nacht ausgebucht. Wir haben aber sowieso nicht vor hier zu übernachten und ziehen nach einem kurzen Vesper in der Sonne weiter. Schon kurz hinter der Hütte nimmt die Anzahl an Wanderern bedeutend ab. Viele gehen nicht den gesamten Track, sondern laufen nur die 1. Etappe als Tageswanderung.

Die nächsten 1,5 Stunden führt uns der stetig ansteigende Pfad hinauf zum Harris Sattel. Dort empfängt einen je nach Wetterlage ein tiefblauer oder schiefergrauer Lake Harris in der alpinen Landschaft. Umgeben von weiteren schönen kleinen Bergseen in den Furchen und Spalten des Bergsattels liegt er an diesem Tag tiefblau schimmernd vor uns. Da auch der Himmel strahlend blau ist, entscheiden wir uns für den Aufstieg auf den 1515 m hohen Gipfel des Conical Hill. Dieser ist nicht Teil des Routeburn Tracks, sondern bedeutet einen zusätzlichen eineinhalbstündigen Ausflug. Wir lassen also unsere Rucksäcke im Notfall-Unterstand auf dem Harris Sattel zurück und folgen dem kieseligen Trampelpfad bergauf. 45 anstrengende Minuten später stehen wir auf dem Gipfel. Von hier haben wir einen phänomenalen 360° Panoramablick auf die umliegenden Berge der südlichen Alpen. Wir blicken im Süden auf die Gipfel der Darren Range, den 2.537 m hohen Mount Madeline und den schneebedeckten Mount Tutoko mit 2746 m. Und wenn wir den Kopf ein kleines bisschen drehen, sehen wir im Westen bis zum Meer!

Es ist so einzigartig hier oben, dass wir nicht lange überlegen wo wir heute Nacht schlafen wollen. Es kommt nur ein Ort in Frage: hier oben auf dem Gipfel! …auch wenn das bedeutet, dass wir zuerst noch einmal absteigen und den anstrengenden Aufstieg ein 2. Mal mit Gepäck machen müssen! Für die Anstrengung werden wir direkt entschädigt. Wieder oben angekommen, sind wir weit und breit die einzigen Menschen. Unter unseren Füßen liegen kleine Bergseen und moosige Spalten, vor uns taucht der Sonnenuntergang die atemberaubende Landschaft in magisches Licht!

Sobald die Sonne hinter den Berggipfeln abgetaucht ist, weht uns ein eisiger Wind um die Nasen. Schnell suchen wir uns einen windgeschützten Quadratmeter fester Erde mit Blick nach Osten, breiten unsere Schlafsäcke über dem ausgebreiteten Regenponcho aus und stecken unsere Zeltplane flach darüber fest. Das sollte die schlimmste Kälte zumindest lindern. Dann mummeln wir uns – Biene vierschichtig bekleidet – in unser Schlaflager. Zu Wärmflaschen umfunktioniert dürfen unsere Trinkflaschen ebenfalls mit in die Schlafsäcke. So vorbereitet wird es innen tatsächlich wohlig warm. Nur alles, was aus der warmen Höhle hinaus schaut wird innerhalb weniger Sekunden zum gefühlten Einszapfen. Trotzdem stecken wir immer wieder unsere Nasen aus dem Schlafsack, um einen so eindrucksvoll funkelnden Sternenhimmel zu bewundern, wie wir ihn noch nie zuvor (außer vielleicht Biene in der Nacht am Mount Everest Basecamp in Tibet) gesehen haben. Es ist das pure Glück! Dieses Gefühl, das wir in dieser Nacht weit abgelegen von jeglichem Zeichen von Zivilisation auf diesem Berggipfel unter freiem Himmel schlafend, empfinden – es ist die pure Freiheit!

Wunderschönes Erwachen im Morgengrauen

Einmalige Stimmung im Morgengrauen

TAG 2 -Frühstück über den Wolken

Am nächsten Morgen wachen wir von der aufgehenden Sonne auf. Wir haben richtig kalkuliert und können einen herrlichen Sonnenaufgang direkt aus den Schlafsäcken heraus bestaunen. Auf unserer Zeltplane glitzert eine dünne Eisschicht. Der sichtbare Beweis, dass es nachts im wahrsten Sinne des Wortes eiskalt war! Im goldenen Morgenlicht liegt die Welt unter uns noch in einem weissen Wolkenmeer verborgen. Während wir uns Porridge zum Frühstück zubereiten, gibt der beginnende Tag ganz allmählich das alpine Tal unter uns frei.

Noch bevor die ersten Wanderer den Gipfel erklimmen, sind wir bereits wieder auf dem Abstieg. Die nächsten Stunden geht es oberhalb der Baumgrenze parallel zum Tal entlang. Dabei begleiten uns tolle Aussichten auf die gegenüberliegende Gebirgsskette der Darren Range. Zu Mittag erreichen wir die am grünlich schimmernden Mackenzie See gelegene gleichnamige Hütte. Anschließend geht es langsam wieder durch moosbewachsene Waldstücke bergab. Hier in dieser Gegend lebt der Kea, der einzige alpine Papagei der Welt. Leider sehen wir an diesem Tag keinen der frechen Federtiere. Dafür überqueren wir auf Hängebrücken mehrere Gebirgsflüsse und queren rauschende Wasserfälle. Ca. 30 Minuten vor dem südlichen Ende des Wanderweges plagen wir unsere Beine zu einem letzten halbstündigen Aufstieg auf den Key Summit. Von diesem Gipfel haben wir noch einmal gute Sicht auf die Berge der Humboldt Range. Da wir schon einmal oben sind, begehen wir auch noch den 20-minütigen Naturkundepfad. Das ist unser Glück, da wir sonst beim Abstieg nicht Anita & Peter getroffen hätten. Gemeinsam mit dem sympathischen deutschen Paar, das gerade Urlaub in Neuseeland macht, laufen wir die letzten Meter zum Ende des Wanderweges bei The Divide.

Am Parkplatz angekommen, dürfen wir bei ihnen ins Auto einsteigen und die lange Strecke bis zu ihrer Lodge kurz vor Te Anau mitfahren. Wir hatten schon etwas Bedenken, dass wir so kurz vor Sonnenuntergang noch einen Lift in dieser abgelegenen Ecke des Fjordlandes bekommen – und so kriegen wir sogar noch ausgesprochen nette Unterhaltungen dazu! Ein Kajak-Tourguide nimmt uns nur wenig später das letzte Stück bis zum kleinen Örtchen Te Anau mit. Dass wir das an diesem Tag noch erreichen, hätten wir gar nicht erwartet. Damit haben wir den kompletten Routeburn Track in 2 Tagen zurück gelegt. Mit seiner eindrucksvollen alpinen Natur, den schneebedeckten Gipfeln der südlichen Alpen und den spiegelnden Bergseen ist er eine unserer Favoriten-Wanderungen Neuseeland’s.

Und diese klirrend kalte Nacht auf dem Gipfel werden wir nie vergessen – sie wird uns immer als unsere tollste Nacht unter freiem Himmel in Erinnerung bleiben! In dieser Nacht fühlten wir uns wie große Weltentdecker, wie Abenteuer auf einer ungewissen Expedition…was wir ja in gewisser Weise auch sind.

Blick über die Berge bis zum Meer

Up & down and up & down – Backcountry Trampen bei Shania Twain

Up & down and up & down – Backcountry Trampen bei Shania Twain

Ausschlaggebend für unsere Wanderung von Wanaka nach Queenstown war ein Gedanke: „Warum sollen wir uns auf dem Highway in einer Stunde um die Berge herum zu unserem nächsten Ziel Queenstwon kutschieren lassen, wenn eine Etappe des Te Araroa in 3-4 Tagen mitten durch die spektakuläre Gebirgsregion durchführt?“ Na? …Eben – auch uns fiel kein vernünftiger Grund dafür ein! Außer vielleicht der flüchtige Blick auf das Höhenprofil des Tracks…auweh!

Beim Blick auf das Höhenprofil des Motatapu-Tracks spüren wir direkt unsere Beine...!

Beim Blick auf das Höhenprofil des Motatapu-Tracks spüren wir direkt unsere Beine…!

TRAMPEN DES MOTATAPU TRACKS – Tag 1

Nach dieser spontanen Entscheidung versorgen wir uns mit Proviant, springen nochmals in den gleichnamigen See Wanankas, werfen einen letzten Blick auf die imposanten Gipfel des Cordona und Treble Stone am gegenüber liegenden Ufer und machen uns am späten Nachmittag auf die erste Tagesetappe des Motatapu Tracks. Wir trampen also mal wieder. Witzigerweise bedeutet tramping in Neuseeland nicht wie bei uns per Anhalter fahren, sondern ist eine Wortschöpfung aus „Trekking“ und „Camping“ – also Mehrtageswanderungen durch das Hinterland Neuseelands.

Es dauert nicht lange und wir sind vollkommen hingerissen von der Landschaft um uns herum: durch ein langgezogenes Tal führt uns der immer schmaler werdende Wanderweg zwischen imposanten Ausläufern der Südlichen Alpen. Allerdings dauert es auch nicht viel länger, bis sich der bis dahin gemächlich auf der Ebene dahin schlängelnde Schotterweg zu einem steil ansteigenden Trampelpfad wandelt. Mal geht es steil mitten durch einen dunklen Tannenwald, dann wieder auf einem schmalen Pfad entlang einem kleinen Gebirgsbächleins. Es geht hinauf, wieder hinunter und noch höher hinauf. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir nach 4 Stunden die gut gepflegte Fern Burn Hütte. Wir haben Glück – und erhaschen die letzten beiden Betten. Im Gespräch mit anderen Wanderern verbringen wir eine gemütliche Stunde auf der Hütte, bevor wir alle recht früh die Lichter ausmachen!

UP & DOWN and UP & DOWN – Tag 2

Nach unserem Bergsteiger-Kaffee machen wir uns gegen 9 Uhr wieder auf. Auch die heutige Tagesetappe ist super anstrengend. Auf schmalen Graten geht es Bergkämme rauf und runter. Schon nach kurzer Zeit geraten wir trotz inzwischen guter Kondition ordentlich ins Schwitzen. Aber landschaftlich gibt der Weg soviel her, dass die Begeisterung die Anstrengung immer noch um Welten übersteigt. Kilometerweit genießen wir eine wolkenlose Rundumsicht über das sommerliche Faltgebirge der südlichen Alpen …Und wenn wir allzu sehr außer Atem sind, nehmen wir einfach die grandiose Aussicht als Vorwand, um kurz stehen zu bleiben und ein (oder zwei, oder drei, oder dutzende…) Fotos zu schießen. So wie hier:

Oder hier:

Küsschen!

Nach 4 schweißtreibenden Stunden erreichen wir die spektakulär gelegene Highland Creek Hütte. An dieser Stelle müssen wir unbedingt mal etwas von den DOC Backcountry (=Hinterland) Hütten schwärmen! Während unserer 5 Wochen in Neuseeland haben wir in so einigen Rast gemacht, in mehreren übernachtest und von ausnahmslos allen sind wir schwer begeistert. Die größtenteils sehr neuen Hütten sind top in Schuss, sauber, mit Matratzenlagern, Gemeinschaftsbereich und Kaminöfen ausgestattet und stehen allen Wanderern für einen wirklich sehr fairen Übernachtungspreis zur Verfügung. Viele davon liegen außerdem wie eben die Highland Creek Hütte absolut traumahft:

ganz da vorne, in der Mitte, da is´uns´re Hütte....da woll´n wir hin!

ganz da vorne, genau in der Mitte, da ist unsere Hütte….da woll´n wir hin!

Während wir uns also Porridge zum Mittagessen zubereiten und noch überlegen, ob wir direkt zur nächsten Hütte weiter wandern oder uns einen faulen Hüttennachmittag genehmigen, ziehen dunkle Wolken auf. Das Wetter macht uns die Entscheidung zu bleiben leicht und schon während wir für ein erfrischendes Bad zum nahen Gebirgsbach absteigen, beginnt es zu regnen. Wir sind kaum zurück in der Hütte, als zuckende Blitze den inzwischen fast schwarzen Himmel durchziehen, lautes Donnergrollen ertönt und der Himmel seine Schleusen vollständig öffnet. Mit bester Panoramasicht auf das Himmelsspektakel verbringen wir einen sehr gemütlichen Hüttenmittag, spielen Karten, tauschen Wandergeschichten mit den übrigen Hüttengästen und wärmen uns an heißer Suppe. Rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit verzieht sich das Unwetter wieder und als wir in unsere Betten fallen, können wir von diesen aus einen gigantischen Sternenhimmel bewundern.

In Shania Twain´s Vorgarten – Tag 3

Unser heutiges Tagesziel ist Mazetown. Die einstige Goldgräbersiedlung ist heute eine Geisterstadt: null Einwohner – aber ein Zeltplatz. Davor wartet allerdings das anstrengendste Etappenstück auf uns. Es geht gleich über 3 hohe Bergkämme. Unsere Beine sind müde vom steilen und stetigen Auf und Ab. Aber der Geist bleibt motiviert und tapfer bringen uns unsere Füße Schritt für Schritt unserem Ziel entgegen. Auch die Landschaft bleibt sagenhaft. Einziges Zeichen der Zivilisation ist ein Hubschrauber, den wir zweimal über die Berge fliegen sehen – er fliegt wohl die berühmte Besitzerin dieses Geländes, Shania Twain, zu oder von ihrer Residenz. Obwohl dieses Land also in prominentem Privatbesitz  ist, hat es die Besitzerin dankenswerterweise der Öffentlichkeit mit diesem Wanderweg zugänglich gemacht – und kommt sogar für die Instandhaltung der Wanderwege auf.

Gegen Mittag erreichen wir die Rose Hütte, wo wir mit den Füßen im Gebirgsbach Rast machen. Zwei der drei zu bewingenden Bergkämme liegen nun hinter uns. Nach der Pause müssen unsere Füße dennoch überredet werdet, hinter der Hütte den steilsten Anstieg der Tracks hochzugehen. Sie würden lieber umdrehen und sich auf der Bank vor der Hütte in die Höhe strecken. Aber nix da. Kaum auf dem Berg oben angekommen, beginnt der ebenso steile Abstieg auf die andere Seite. Zurück im Tal erreichen wir das Flussbett des Arrow Flusses. Hier haben wir zwei Möglichkeiten:

  • das Flussbett entlang zu laufen,
  • auf einen erhöhten Flut-Weg auszuweichen.

Da die zweite Option einen erneuten Aufstieg bedeutet hätte, entscheiden wir uns trotz erhöhtem Wasserpegel kurzerhand für den Weg entlang des Flusses. Wobei Weg hier nicht ganz zutreffend ist – gelingt es uns für die ersten Kilometer noch, uns trockenen Fußes entlang des steinigen Ufers zu hangeln, zu hüpfen und zu schlängeln, führt schon bald keine Möglichkeit mehr an nassen Füßen vorbei. Die kurzzeitig willkommene Abkühlung weicht schon bald trägen Eisklötzen in den Wanderschuhen. Eine gefühlte Ewigkeit stapfen wir mit kalten, nassen und müden Füßen den Fluß noch weiter hinunter. Auf dem Weg sehen wir unseren ersten Goldschürfer! Aber immer noch ist kein Zeltplatz in Sicht. Uns reicht es für heute, wir sind müde. Deshalb schlagen wir unser Zelt kurzerhand an einer grasigen Stelle neben dem Flussufer auf. Noch schnell die Schuhe zum Trocknen rausgestellt und selbst zur Katzenwäsche in den Fluss gesprungen, dann fallen wir auch schon geschafft in unsere Schlafsäcke. Die Sonne ist schon lang aus dem engen Tal verschwunden und uns steht eine sehr kalte Nacht bevor.

Goldgräberstimmung – Tag 4

Am nächsten Morgen sind unsere Wanderschuhe immer noch pitschnass. Ist aber nicht weiter schlimm – es geht ja eh direkt wieder im Fluss weiter. Außerdem scheint nun die Sonne ins Tal und wärmt unsere bibbernden Glieder. Kurz vor Mazetown treffen wir einige Te Ararao Wanderer. Ein kurzes Stück wandern wir gemeinsam – dann laufen sie uns in ihren Wassersandalen davon. Mit der Kondition der Läufer, die seit 4 Monaten zu Fuß durch Neuseeland unterwegs sind, können wir noch nicht mithalten. Noch ca. 2 Stunden geht unsere Wanderung im Flussbett weiter, dann bildet sich ein kleiner Trampelpfad heraus, der sich zu einem Feldweg vergrößert. Auf ihm wandern wir einige Kilometer weiter am Boden der Schlucht neben dem Fluss entlang. Langsam aber sicher kommen wir wieder in belebteres Gebiet. Der Wanderweg wird zur Schotterstraße, die Landschaft im Vergleich zu den drei vorhergehenden Tagen unspektakulärer. Wir sehen weitere Goldschürfer sowie Familien beim 4WD-Sonntagsausflug und zum Angeln am Fluss. Als wir vor der nächsten Flussdurchquerung stehen – mit inzwischen fast wieder trockenen Füßen – strecken wir beim nächsten vorbei fahrenden Geländewagen kurzentschlossen die Daumen raus. Und wir haben Glück. Wir werden die restliche Strecke bis Arrowtown mitgenommen.

Als wir das süß für Touristen hergerichtetem Goldgräber-Städtchen am späten Nachmittag erreichen, führt uns unser Instinkt schnurstraks zum gemütlichen Biergarten mit Livemusik. Hier machen wir erst mal Pause, ziehen die immer noch feuchten Wanderschuhe aus und stärken uns bei einem Glas lokal gebrautem Weizenbier, Pizza und Hamburger. Diese mehr als willkommene Stärkung gönnen wir uns von einem Geschenk:

HERZLICHEN DANK, ELVIRA!

Anschließend geht es weiter auf die letzte Etappe nach Queenstown. Noch haben wir unser Tagesziel nicht erreicht. Da wir aber schon vorab gelesen hatten, dass das letzte Teilstück mit den vorherigen Etappen nicht mithalten kann, entscheiden wir uns für die bequeme Variante: wir trampen – also, mit dem Auto! 😉 Keine halbe Stunde später stehen wir dank einem supernetten Lift auch schon im Zentrum von Neuseeland’s Abenteuer- und Outdoor-Hauptstadt. Queenstown ist das Mekka schlechthin für Action-Begeisterte. Hier wurde das kommerzielle Bungee-Jumping erfunden, im Winter ist es DER Skiort Ozeaniens und auch sonst wird hier das ganze Jahr über alles geboten, was das Herz von Adrenalin-Junkies höher schlagen lässt. Gleichzeitig ist es der touristischste – und teuerste!- Ort Neuseelands. Dass das Ischgl der Südhalbkugel trotz seiner Touristenströme auch uns richtig gut gefällt, liegt hauptsächlich an seiner unwiderstehlichen Umgebung: eingebettet in die Bergkette der Remarkables sieht die Landschaft direkt hinter dem Stadtrand aus sämtlichen Perspektiven aus, als wäre sie direkt einer Postkarte entsprungen. Wie gemalt heben sich die dunklen Bergkonturen vor dem strahlend blauen Himmel ab. Surreal schön! Aber Queenstown ist ein teures Pflaster. Eigentlich wollten wir uns nach unserer viertägigen Wanderung ein bequemes Hostelbett und eine ordentliche Dusche gönnen – aber alle Hostels sind entweder bereits ausgebucht oder unverschämt teuer. So laufen wir stattdessen zum Botanischen Garten. Hier finden wir ganz hinten hinter dem Rosengarten ein windgeschütztes, verstecktes Plätzchen zwischen hohen Tannen. Perfekt für unser Zelt. Urbanes Camping! 😀

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Nach unserem dreitägigen Abel Tasman Coast Track wollen wir wieder etwas Strecke machen. Die Westküste der neuseeländischen Südinsel ist dünn besiedelt und wir haben nur wenige Stopps geplant. Die meiste Zeit sind wir auf der Straße unterwegs – und das erleben wir so (es folgen Tagebucheinträge aus unserer beider Tagebücher. Könnt ihr erahnen, welche Tagebuchauszüge aus wessen Tagebuch stammen? Wenn ja, schreibt uns doch Eure Vermutungen in die Kommentare!):

Sonntag, 21. Februar 2016:
„…Lift von Immobilienmaklerin nach Kaiteriteri. Dort duschen. Lift von Margaret und Tochter Holly bis Richmond. Sehr nett. Von Richmond nach Wakefield Lift von Einarmigem. Fiel uns erst beim Aussteigen auf, als er den Kofferraum öffnete. Hier treffen nach uns noch 4 (!) andere Tramper ein. Wir stehen alle im Abstand von ca. 200 Metern und warten…und warten…nach ca. 30 Minuten nimmt ein junger Mann (Pilot, unsympathische Augen) uns und das französische Mädel Anne mit bis Morchison. Hier essen wir eine Kleinigkeit in Neuseelands selbsternanntem „Best country Pub„. Füllen unsere Wasserflaschen auf, kaufen kurz ein. Laufen aus dem Ort raus und trampen weiter. Luisa & Lea, 18 bzw. 19 Jahre alt und aus Deutschland, nehmen uns in ihrem Campervan mit. Sie finden es toll, dass „man in DEM Alter auch noch reisen kann!“ Wir fühlen uns schlagartig steinalt. Steigen irgendwo in der Pampa in der tollen Landschaft aus. Laufen noch ein gutes Stück, bis wir einen geeigneten Zeltplatz im Wald finden. In der Dunkelheit sehen wir Weckas im Gebüsch“

Lifts: 6 Gelaufen: ~ 13 km

Montag, 22. Februar 2016:
„Aufgewacht mit Bienen summen. Kaffee. Zurück auf die Straße. Das 2. Auto hält. Unternehmer nimmt uns mit bis Westport. Tolle Strecke durch Bullet Schlucht. Gleich weiter mit nettem Kiwi-Paar bis zu den Pfannkuchen-Felsen. Kurzer Rundweg. Von dort im Campervan mit deutschem Ehepaar aus Braunschweig bis nach Hokitika. Dort eingekauft. Weiter mit William aus Deutschland bis zum DOC-Zeltplatz vor’m Franz-Josef-Gletscher. Wir überlegen mal wieder, ob wir bleiben oder weiter gehen – wir bleiben, es ist schon 19.00 Uhr. Baden und Waschen im See Mapourika. Sehen direkt vor uns zwei 1,50 Meter lange Aale. Überall Deutsche auf dem Platz.“

Lifts: 4 Gelaufen: ~ 4 km

Dienstag, 23. Februar 2016:
„Heute gibt’s endlich mal wieder Porridge zum Frühstück. Lecker! 2 junge Aussies aus Sydney nehmen uns mit zum Franz-Josef-Gletscher. Fahren uns direkt bis zum Wanderparkplatz. Wilder Gletscherfluss und Blick auf die Gletscherzunge – leider bleibt es trotz dreistündigem Aufstieg auf den Alex-Knob-Track bei dieser ersten Sicht. Die Wolken verdichten sich und es zieht komplett zu. Quälen uns deshalb nicht noch 1 weitere Stunde zum Gipfel. Toller, abenteuerlicher Weg mit vielen Höhensteigen. Davor liefen wir noch zu 2 Spiegelseen. Sind um 17.00 Uhr wieder unten. Laufen zur Hauptstraße, hier nimmt uns ein vollbesetzter Tourbus mit zurück ins Dorf. Nett! Füllen unser Wasser auf. Lift von britischem Geschwisterpaar Meg & Jonny bis zum Gletscherdorf des Fox Gletschers. Laufen aus dem Dorf raus Richtung Lake Matheson. Ein einheimischer Helikopterpilot fährt uns die letzten Kilometer und bietet uns an, auf seinem Rasen zu zelten. Dürfen aber direkt beim See auf der Wiese hinter dem Souvenirshop unser Zelt aufschlagen. Haben sogar einen Tisch, yeah! Hören wie schon auf der heutigen Wanderung sehr viele Vögel, echt schön. Unzählige Sandflies und grooooße Moskitos. Echt nervig. Interview via Skype für das Stadtwerker-Magazin. Trinken Tee und verkriechen uns ins Zelt.“

Lifts: 3 Gelaufen: ~ 18 Kilometer

Mittwoch, 24. Februar 2016:
„Sicht ist leider nicht besser geworden. Kaffee & Porridge zum Frühstück. Es fängt an zu regnen. Lift aus Südtirol fährt uns bis zur Kreuzung des Fox Gletschers. Laufen ca. 3 km die Straße entlang, weil keiner anhält. Junges Paar aus Litauen nimmt uns mit bis Wanaka. Unterwegs 2 Wasserfälle und Seehundekolonie (keine gesehen) angeschaut. Der Typ kann nicht Auto fahren! In Wanaka am See entlang gelaufen. Gebadet, gewaschen und am See gevespert. Es windet. Wir schlagen unser Zelt etwas weg vom See in einem netten Park zwischen den Bäumen auf.“

Mit unserer Ankunft in Wanaka kehrten wir der Westküste auf dem Haast Pass den Rücken. Damit sind wir diese verhältnismäßig schnell in 3,5 Tagen hinunter gereist. Mit ein Grund war sicher das miese Wetter, das Gletscherbesteigungen und längere Wandertouren unattraktiv machte. Mit der Überquerung der Südlichen Alpen in Richtung Wanaka ändert sich aber auch das wieder: kaum fahren wir in tiefere Lagen und hinein in den dahinter liegenden Regenwald, steigt die Temperatur direkt ein paar Grade an und die Sonne bricht durch. So erwarten uns nach schroffen, trockenen Bergkuppen und eisblauen Gebirgsbächen in Wanaka dann ein traumhaftes Bergpanorama wie aus dem Bilderbuch.

vor dem Lake Wanaka

Kein Wunder, dass sich am gleichnamigen See Wanaka’s ganze Gruppen japanischer Touristen mit ihren Kameras tummeln und versuchen, diese Naturschönheit aus den besten Winkel unvergänglich auf Polaroid zu bannen. Trotzdem ist der kleine Ort ruhig und entspannt und wirkt weder künstlich noch überlaufen. Der ideale Ort für einen kleinen Zwischenstopp, bevor es für uns weiter in Neuseeland’s Outdoor- und Actionsport-Hauptstadt Queenstown geht.

….Und weil die Wanderung dorthin mit eines der Highlights unseres Neuseeland-Aufenthaltes ist, hat sie sich ihren eigenen Bericht verdient.