On the road

Good Bye, 2018! Happy New Year 2019!

Good Bye, 2018! Happy New Year 2019!

Wir wünschen Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!??

Gestern Abend saßen wir mit einem Glas Wein gemütlich unter unserem Christbaum im Wohnzimmer und haben unser Jahr 2018 Revue passieren lassen:

Zusammen fassend lässt sich sagen, dass wir ein super ereignisreiches, aufregendes und spannendes Jahr erlebt haben!

Wir waren in Australien, Deutschland, Bali, Alaska und Kanada unterwegs. Mit unserem Koala haben wir einen genialen Road-Trip quer durch Westaustralien, Südaustralien, New South Wales bis nach Queensland unternommen und in Kanada sind wir per Anhalter bis in die Arktis getrampt. Wir durften tolle Menschen kennen lernen und liebgewonnene Freunde wiedersehen. Wir haben viel Neues gelernt und unzählige Eindrücke mitgenommen. Wir haben an traumhaften Orten am Wasser und in den Bergen gewohnt, unser (Dach-)Zelt an den schönsten Stränden und in den tiefsten Wäldern aufgeschlagen. Uns beim Wandern in der Natur und der Weite Australien‘s und Kanada‘s frei gefühlt. Wir sind an unseren Erfahrungen gewachsen und für unsere Überzeugungen eingestanden.

Wir durften unfassbar viele und einmalige Höhepunkte erleben – allen voran unsere Strandhochzeit – und hatten nur wenige wirkliche Tiefpunkte wie Biene‘s Beinbruch. Über unsere Highlights werden wir in den kommenden Tagen noch ein bisschen was schreiben.

Alles in allem sind wir unfassbar dankbar!

Für all die wunderbaren Menschen, die wir kennen gelernt haben und für die, die uns persönlich und hier auf unserem Blog begleiten!

Für all die Möglichkeiten, die sich immer wunderbarerweise auftun!

Dafür, dass wir unser Leben so leben und gestalten können wie es uns glücklich macht!

Für unsere tollen Partner und Sponsoren!

Und ganz besonders dafür, dass wir und unsere Lieben gesund sind und uns diese Welt mit all ihren Wundern offen steht! ❤️

Auf ein fabelhaftes Jahr 2019!

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

Ein Satz mit X… oder: Winter(b)einbruch in Kanada

„Leben ist das, was passiert, während wir damit beschäftigt sind, andere Pläne zu schmieden“.

Dieser Spruch trifft ganz gut, was bei uns gerade los ist. Denn eigentlich hatten wir – ganz unüblich für uns – das nächste halbe Jahr komplett geplant und durchorganisiert. Eine Wintersaison in den Rocky Montains zu (er-)leben war einer der Hauptgründe, weshalb es uns für ein Jahr nach Kanada zog. Im Laufe des Oktobers hat sich dann auch nach und nach alles perfekt ergeben:

Wir beide bekommen Jobangebote im Panorama Resort. Dieses Skigebiet war von Anfang an eines unserer Favoriten: Super Schneebedingungen, anders als die bekannteren Skigebiete wie Whistler oder Banff ist es nur selten überfüllt, es bietet gute Arbeitsbedingungen plus Personalvorteile und ist gut gelegen. Anfang Dezember geht die Skisaison los und dauert bis Mitte April. Passt!

Die Personalunterkünfte am Berg sind leider bereits alle vergeben, aber nach etwas Suche finden wir ein gemütliches, großzügiges und toll eingerichtetes Haus im nahen Dorf. Zwar keine Ski in/Ski out-Möglichkeit wie am Berg, dafür aber in direkter Nähe zum See, der winters zufriert und als längste Eisbahn der Welt sogar einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde hält. Wir sehen uns bereits an unseren freien Tagen morgens Schlittschuh fahren und Langlaufen und abends am Ufer entlang joggen. Ende November können wir einziehen. Da das Haus recht groß ist, wollen wir der 2 der 4 Schlafzimmer an zukünftige Kollegen untervermieten. In null Komma nichts finden sich ein sympathischer Engländer und eine nette Australierin. Passt! 

Sonnenaufgang über den Rocky Mountains

Auf Skeena Meadows arbeiten wir noch bis Mitte November. Wir gönnen uns noch 2 Wochen Zeit zum Reisen, bevor die Wintersaison startet. Zum Wandern und Zelten ist es mittlerweile zwar zu kalt, aber auch für diese Jahreszeit bietet Kanada etwas Besonderes: Nordlichter und Eisbären! Während sich die Reise zu den Nordlichtern nach Yellowknife ganz wunderbar fügt und wir dort im Apartment unserer Arbeitgeber wohnen dürfen, gestaltet sich der geplante Abstecher in die Subarktis zu den Eisbären schwieriger! Es will einfach nichts so recht zusammen passen. Und so beschließen wir nach wochenlanger Recherche, Planung und viel Hin und Her, darauf zu verzichten. Mittlerweile könnten wir einen Reiseführer über die „Eisbären-Hauptstadt der Welt“ Churchill in Manitoba schreiben, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Ganz ehrlich, vor allem Biene ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich frustriert. Naja, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben…!

Der 1. Schneeball!

Nach Manitoba wollen wir dennoch reisen und stattdessen ein Wochenende in dessen Hauptstadt Winnipeg verbringen. Die Flüge sind bereits gebucht und ehrlich gesagt…wir haben da diesen winzigen Funken Hoffnung, dass sich wie schon öfters in letzter Minute doch noch irgendwie eine Möglichkeit auftut, zu dem Eisbären zu gelangen….you never know!

In den letzten Tagen auf dem Anwesen sind wir noch gut beschäftigt: Wir wollen das gelichtete Waldstück noch vollends von Geäst und Baumstümpfen befreien, die Hunde sowie  die Fasanen müssen versorgt werden, Feuerholz gemacht und der Ofen geheizt werden, einige kleinere Projekte stehen auch noch an. Nicht zuletzt hat auch unser Koch Urlaub und wir müssen uns selbst verpflegen. Was nach 4 Monaten Rundumverköstigung auch wieder eine Umstellung ist. 

Dann am vorletzten Arbeitstag passiert es: Biene gerät mit dem Allrad-Buggy  auf dem gefrorenen Weg ins Schleudern, rutscht eine kleine Böschung hinauf und das Fahrzeug kippt um. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass der linke Knöchel gebrochen und ein Band gerissen ist. Noch lässt sich nicht ausschließen, dass ein weiterer Knochen ebenfalls gebrochen ist, was eine OP bedeuten würde. So oder so lautet die Prognose 6 Wochen Gips, jede Woche Röntgen und keinerlei Belastung des Beines. Uuumpf!

Das bringt natürlich erstmal alles heftig durcheinander! Was machen wir jetzt? Fliegen wir dennoch? Können wir überhaupt? Wie organisieren wir das alles? Und vor allem: was wird jetzt aus Biene´s Job als Liftie in 3 Wochen?! 

Klotz am Bein…

Schnell ist klar: an der Situation können wir nichts ändern. Ist jetzt halt so, auch wenn es sch*** ist! Was aber in unserer Hand liegt, ist die Entscheidung, wie wir mit dieser Situation umgehen. Wir beschließen, das Beste daraus zu machen!

2 Tage später fliegen wir deshalb trotz Klotz am Bein nach Winnipeg. Schnell stellen wir fest, dass Winterpeg seinem Spitznamen alle Ehre macht: Schon bei unserer Ankunft mitten am Tage erwarten uns frostige minus -25 Grad Celsius. Direkt nach unserer Landung leihen wir uns einen Rollstuhl für unsere 4 Tage vor Ort. So sind wir doch einiges mobiler als nur mit den Krücken. 

Rock´n´Roll in Winnipeg

Dick eingemummelt erkunden wir die kommenden 3 Tage rollend Manitoba´s Hauptstadt: Wir spazieren am bereits zugefrorenen Fluss entlang, werfen einen Blick in das architektonisch interessante Regierungsgebäude, erkunden das historische Zentrum und schauen uns den lokalen Weihnachtsumzug an. Länger als eine Stunde halten wir es in der beißenden Kälte und dem eisigen Wind, der durch die Straßen pfeift, allerdings nicht aus – zwischendurch wärmen wir uns immer wieder in gemütlichen kleinen Cafés auf. Besonders gut gefallen uns die Forks Markets, eine historische Markthalle mit originellen kleinen Shops und kulinarischen Delikatessen aus aller Welt. Einen Tag verbringen wir im super interessanten und spannend komponierten Museum of Human Rights.

An unserem letzten Tag in Winnipeg sehen wir schließlich doch noch Eisbären – wenn auch nur im Assiniboine Zoo. Dieser arbeitet eng mit mehreren Tierschutzorganisationen und Forschungsstationen zusammen und neben einem tollen Arktis-Habitat gibt es auch viele Infos zu wichtigen Themen wie Klimawandel und Schutz des arktischen Lebensraumes. Es ist beeindruckend, die weißen Giganten aus nächster Nähe beim Schwimmen, Raufen und Tauchen beobachten zu können – dennoch ist es natürlich nicht dasselbe, wie Tiere in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Wenn wir uns auch sicher sind, dass sich die Eisbären bei den Temperaturen in Winnipeg an diesem Tag pudelwohl fühlen…

Dienstags fliegen wir weiter nach Yellowknife. Dass die Hauptstadt der Nordwest-Territorien gut 1.000 km weiter nördlich liegt als Winnipeg macht sich in karger, bereits verschneiter Tundra rundum und nochmals 10 Grad kälteren Temperaturen bemerkbar. 

Auch hier leihen wir uns zuallererst einen Rollstuhl, um nicht ganz auf Winterspaziergänge verzichten zu müssen. Wir beziehen das Apartment der Besitzer von Skeena Meadows im zweithöchsten Gebäude der Stadt und schauen vom Erkerfenster aus dem Schneegestöber zu. Vom neunten Stock aus haben wir einen guten Blick über die 20.000 Einwohner zählende Stadt und die Seen rundum. Diese sind bereits vereist – noch ungefähr einen Monat wird es dauern, bis das Eis dick genug ist und die Eisstraßen eröffnet werden können. Yellowknife liegt am Ende der Straße – von hier aus Richtung Norden kommt bis zum Nordpol nur noch Tundra, Wasser und Eis. Alles, was nördlich von hier liegt (hauptsächlich Diamantminen und Inuit-Siedlungen), ist sommers nur per Wasserflugzeug und winters nur über diese berühmt-berüchtigten „Ice Roads“ zu erreichen.  

Wood Buffalo in Yellowknife

 Während Yellowknife selbst im Winter nichts besonders Sehenswertes ist, ist es seine Lage, dass seinen besonderen Reiz ausmacht. Abgesehen von den unterirdischen Gold- und Diamantvorkommen in dem Gebiet liegt der Hauptanziehungsgrund Yellowknife´s im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft: In den kalten Winternächten können hier regelmäßig Aurora Borealis (Nordlichter) am dunklen Nachthimmel beobachtet werden. Yellowknife bietet dafür so gute Bedingungen, dass es sogar den Titel „Hauptstadt der Nordlichter“ trägt und jede Winternacht durchschnittlich zwischen 300-500, größtenteils asiatische, Touristen anlockt. Die Aurora Borealis einmal mit eigenen Augen über den Nachthimmel tanzen zu sehen, ist ein Traum, den auch wir uns hier erfüllen wollen. Wenn das klappt, ist es auch nicht schlimm, dass es derzeit mit Schlittenhundefahrt, Schneemobilausflügen und Schneespaziergängem nichts ist.

Und hier sind wir jetzt also.

Bisher schneit es fast durchgehend und der Himmel hängt voller Schneewolken. Tagsüber unternehmen wir rollend kurze Spaziergänge, besuchen das Museum und kommen dank den Kontakten der Besitzer von Skeena Meadows auch über die Stadt hinaus und raus in die schöne, wilde Umgebung. Zwischendurch legen wir immer wieder Pausen auf der Couch ein, damit Beine ihr Bein hochlegen kann. Die Tage hier sind kurz: Sonnenlicht hat es nur zwischen 10 Uhr und 15 Uhr – bereits um 16 Uhr ist es stockdunkel. Bis morgen hoffen wir noch auf ein Aufreißen der Wolkendecke und tanzende Nordlichter. Dann werden wir nach Calgary fliegen und dort 2 Tage verbringen. Ein weiterer Röntgentermin steht an, bevor wir donnerstags mit dem Shuttlebus des Skigebiets Invermere erreichen und hoffentlich in unser Haus einziehen können.

Wie es im Skigebiet laufen wird, ob Biene trotz Gipsfuß arbeiten kann, ob eine OP notwendig sein wird, wann sie wieder Ski fahren kann – all das wissen wir noch nicht. 

Wir wissen nur eins: egal was kommt, wir werden das Beste daraus machen! 

Sonnenaufgang in Yellowknife um 9.36 Uhr

 

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

Ach,ist das herrlich!Unser Herbst in Kanada

„Ach, ist das herrlich!“  Dieser geflügelte Satz purer Freude fällt ziemlich oft zwischen uns, seit wir am 20. September wieder gen Kanada aufgebrochen sind.

Schon am Vorabend vor unserem Abflug kommen wir nicht mehr aus dem Grinsen heraus. Erreicht uns doch spätabends noch eine kurze Email der Besitzer von Skeena Meadows: „Hey, wann kommt ihr morgen in Vancouver an? Wir würden Euch gleich gerne direkt zu uns weiterfliegen lassen anstatt zu warten, bis ihr per Anhalter her kommt. Flug und Hotel übernehmen wir. Ist das ok?“ 

Klar ist das ok für uns. Keine 24 Stunden nach unserem Aufbruch aus Deutschland sind wir so schon wieder zurück auf dem Anwesen. British Columbia empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Der Skeena fließt eisblau und wild das sich windende Flusstal entlang, die ersten Blätter färben sich schon bunt und zu 3 Seiten blicken wir wieder auf majestätisch aufragende Berggipfel.

„Ach, ist das herrlich!“

Mit den Besitzern brechen wir zu einer Rundfahrt über das Anwesen auf und besprechen dabei unsere Projekte für die kommenden Wochen. Unsere Hauptaufgabe wird sein, ein großes Waldstück zu ebnen und zu planieren, damit dieses nächstes Jahr mit Gras eingesät und in Heuwiesen umgewandelt werden kann. Daneben ist das Gemüse im Bio-Garten erntereif und auch die Jagdhunde wollen wieder versorgt werden. Einen zweiten Schnitt und Silage wird es dieses Jahr nicht geben. Es ist zu trocken, das Gras ist kaum nachgewachsen. Viele der Bauern, denen wir in den nächsten Wochen Heu verkaufen und die bereits ihr ganzes Leben hier wohnen, erzählen uns, dass der Skeena noch nie so wenig Wasser geführt hat wie dieses Jahr. Es hat seit Mitte Juli nicht mehr geregnet.

Wir ziehen vorübergehend in ein kleineres Zelt neben dem Hauptgebäude ein, da „unser“ Zelt am Fluss mit Gästen belegt ist. Aber nach 4 Nächten können wir endlich wieder einziehen. Jetzt sind wir richtig angekommen: wir trinken morgens unseren Kaffee wieder mit Blick auf den Fluss, entspannen abends in der holzbefeuerten Holzbadwanne auf unserer Terrasse und kuscheln uns danach an den Kamin in unserem Wohnzimmer.

„Ach, ist das herrlich!“

Unsere Arbeitstage verbringen wir hauptsächlich im Wald. Während Uli mit dem Bulldozer große Schneisen durchs Gebüsch zieht und die größeren Bäume mit der Kettensäge zu Feuerholz verarbeitet, fährt Biene den Traktor mit der Greifschaufel am Frontlader. Mit dieser werden Wurzelwerke, Stämme, Büsche und die kleineren Bäume zu großen Scheiterhaufen aufgeschichtet. Wir können für uns arbeiten und kommen gut voran, gleichzeitig sind wir abends froh, wenn wir unsere geplagte Rücken nach 10 sehr holprigen Stunden zur Muskelentspannung in unserem Hot Tub eintauchen. Spätestens beim Blick nach oben zum klaren Sternenhimmel ertönt dann meist ein:

„Ach, ist das herrlich!“

Die Wochenende nehmen wir uns frei. Wir schlafen aus,  trinken gemütlich Kaffee und bewundern durch unsere große Glasfront das mittlerweile bunt gefärbte Herbstlaub. Die Eichhörnchen, die in den Tannen rund um unseren Bungalow ihren Lebensraum haben, kommen auf unserer Terrasse vorbei. Hier in unserem Waldstück am Fluss ist alles friedlich. Alles ist gut. 

„Ach, ist das herrlich!“

Wenn wir wollen, können wir eins der Firmenautos nehmen und Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir fahren durch die herbstliche, wilde Landschaft. Der Weg ist unser Ziel. Wir staunen darüber, wie unterschiedlich die Landschaft im Vergleich zum Sommer aussieht und wie gut ihr das farbenfrohe, herbstliche Kleid steht. Mit unseren kanadischen Kollegen unternehmen wir einen Sonntagsausflug ins nahe Kispiox Tal. Wir bewundern die fast 200 Jahre alten Totempfähle und das bunte Herbstlaub rundum. Wir sehen eine Bärenmutter mit ihrem Jungen und 3 Hirsche. Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

„Ach, ist das herrlich!“

An einem schönen sonnigen Samstag steigen wir auf den Kathlyn Gletscher bei Smithers auf. Während es unten im Tal angenehm warm ist, spüren wir mit jedem Höhenmeter, wie die Temperatur fällt. Wir lassen die Baumgrenze hinter uns und steigen über ein Geröllfeld und große Felsblöcke zum Gletscherfuß auf. Hier oben auf 1.600 Meter ist es sehr frisch – wie frisch, wird uns beim Blick unter unsere Füße klar: der Gletscherbach ist am Rand bereits vereist und auch der Boden ist gefroren. Wir können unsere Atemwolken sehen. Große Gletscherspalten halten uns davon ab, weiter aufzusteigen. So genießen wir nur für kurze Zeit die herrliche Panoramasicht, bevor wir mit eisigen Fingern und Nasenspitzen den Abstieg in Angriff nehmen.    

„Ach, ist das herrlich!“

In großen Schritten geht es auf Oktober zu. Inzwischen hat es die ersten frostigen Nächte und wenn wir morgens zum arbeiten und abends zurück in unser Zelt fahren, mummeln wir uns dabei in Handschuhe, Mützen und dicke Jacken. Sogar der aufgestaute Biber-Teich ist bereits mit einer Eisschicht überzogen. Biene´s Geburtstag feiern wir mit einem Glühwein-Umtrunk mit unseren Kollegen in der Jagdlodge des Anwesens. Als Überraschung zaubert unser Koch eine riesige Schwarzwälderkirschtorte.

„Ach, ist das herrlich!“

Einige Tage darauf kommt uns eine indianische Schulklasse besuchen. Eigentlich sind die Kinder hier, um mehr über die Lachse zu erfahren, die in einem der Bäche auf dem Anwesen laichen. Aber die Kinder haben mehr Spaß am Karotten ernten und Deutsch lernen. Am selben Tag kommen 200 Fasanen auf dem Anwesen an. Deren Ausläufe haben wir beide im Sommer hergerichtet und nun darf Biene die prächtig anzusehenden Vögel versorgen. Wir sind gut beschäftigt: neben unserem Waldprojekt, den Fasanen und Hunden muss Feuerholz für den Winter gemacht, Heu geladen und so einiges Anderes gemacht werden. Es ist nach wie vor schönstes Herbstwetter, nachts ist es klirrend kalt und sternenklar und tagsüber strahlt die Sonne.

„Ach, ist das herrlich!“

Am zweiten Montag im Oktober wird in Kanada traditionell Thanksgiving gefeiert. Ähnlich unserem Erntedankfest kommen die Familien zusammen, um bei einem festlichen Abendessen dankbar für all das zu sein, was uns die Natur das ganze Jahr über schenkt. 

Obwohl Thanksgiving in Kanada ein staatlicher Feiertag ist, arbeiten wir bis nachmittags. Allerdings machen wir alle früher Feierabend und in der gemütlich eingeheizten Jagdlodge laden die Besitzer die gesamte Belegschaft zu Drinks ein, bevor es ein festliches Abendessen gibt: traditionell gibt es gefüllten Truthahn mit Kartoffelbrei und verschiedenem Gemüse aus dem eigenen Garten. Zum Nachtisch gibt es Kürbiskuchen. Es ist ein festlicher Abend und wir freuen uns, diesen kanadischen Festtag miterleben zu dürfen:

„Ach, ist das herrlich!“

 

Neuland.

Neuland.

Zum ersten Mal seit längerer Zeit spüren wir heute wieder dieses Kribbeln im Bauch. Diese freudige Aufregung. Zu Beginn unserer Reise spürten wir sie ganz oft: Beim Aufbruch. Vor der Ankunft in einer Region, in der wir noch nie waren. Vor jedem neuen Land. Es kribbelt.

Und da ist die Vorfreude. Auf das Unbekannte. Auf all das, was uns in diesem neuen Land erwarten mag. Auf die Erlebnisse, Erkenntnisse, Begegnungen und Erfahrungen, die wir machen und erleben werden. Die schon bald zu uns und unserer Geschichte gehören werden. Vor uns liegt Neuland. Nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne. Gut sichtbar liegt es bereits unter uns. Beinahe schon greifbar. Schon seit mehreren Stunden fliegen wir über das Land, in dem wir von heute an ein Jahr lang leben, arbeiten und reisen wollen. Es ist das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde.

Bis jetzt sehen wir vor allem viel Wasser. In gefrorenem Zustand! Zugefrorene Seen und Flüsse winden sich in natürlichen Schlangenlinien durch eine karge Weite. Es ist sonnig, nur wenige Wolken trüben hin und wieder die Sicht. Mit der Zeit wird das Eis weniger und braune Steppe löst die weiße Schneelandschaft ab. Die ersten Berggipfel erheben sich aus der Ebene. Langsam werden die Berge höher und die Täler dazwischen tiefer. Vermutlich fliegen wir nun bereits über die Rocky Mountains.

Während wir aus dem Fenster blicken, tanzen in unseren Köpfen die Gedanken. Springen von den letzten Tagen zuhause in Deutschland zu unserem Rucksackinhalt. Haben wir alles dabei? Uns erwarten verschiedene Klimazonen und 4 ausgeprägte Jahreszeiten. Dann springen die Gedanken weiter zu den wenigen Landesinfos, die wir bisher in Blogs und Reiseführern recherchiert haben. Formen daraus Ideen und Erwartungen an unsere Zeit hier – und springen wieder zurück zu der Erkenntnis, dass wir eigentlich noch kaum was über dieses riesige Land wissen.

Mit Absicht. Wie meist reisen wir ohne fixen Plan, ohne eine geplante Route und ohne zu wissen, wo wir in einer Woche sein werden oder wo und was wir im Laufe des Jahres arbeiten wollen. Wir haben eine ungefähre Idee, aber noch ist alles offen und nichts spruchreif. Was für andere unvorstellbar oder der pure Stress wäre, beinhaltet für uns die ultimative Freiheit.

Die Freiheit, das Land auf uns wirken zu lassen. Unvoreingenommen anzukommen und einfach zu erleben, wie es ist. Wo es uns gefällt. Was uns die Einheimischen empfehlen. Bis jetzt planen wir nur, dass wir für die ersten Wochen wieder unsere Rucksäcke schultern und die Wanderschuhe schnüren werden. Es warten unzählige Nationalparks mit eindrucksvoller Natur. Soviel ist sicher. Größere Strecken wollen wir per Anhalter fahren. In welche Richtung wissen wir noch nicht.

Im Anschluss…? Wir sind selbst gespannt, wo es uns hin verschlagen wird.

Was Kanada für uns bereit hält.

Die Vorfreude fühlt sich an wie Schmetterlinge im Bauch. Sie kribbelt.

 

Jahresrückblick 2017 – Teil 2

Jahresrückblick 2017 – Teil 2

Nachdem wir Euch im 1. Teil unseres Jahresrückblickes 2017 berichtet haben, was wir von Januar-März erlebt haben, geht es hier nun weiter mit dem 2. Quartal 2017. Diese Monate halten einige der Highlights unseres Südamerika-Trips für uns bereit:

APRIL

Die erste Hälfte dieses Monats steht voll und ganz im Zeichen des Wanderns. Unsere erste Wanderung absolvieren wir im Colca Canyon: Dieser Canyon ist mit einer Tiefe von 3.269 Metern der zweittiefste Canyon der Welt. Noch tiefer ist nicht etwa der Grand Canyon (der ist lediglich 1.800 Meter tief) , sondern nur der nahe Cotahuasi Canyon. Einen Tag lang steigen wir in den Canyon ab, den zweiten Tag laufen wir am Boden der Schlucht entlang und dann geht es am 3. Tag wieder hinauf. Die Höhenunterschiede machen sich beim Wandern nicht nur in knacksenden Knien und in Oberschenkeln so weich wie Wackelpudding bemerkbar, sondern auch an den Temperaturen: Verfluchen wir am frühen Morgen vor unserem Start auf 3.287 Metern noch die kalte Dusche im Hostel, ist es am selben Abend an unserem Etappenziel – die 2.100 Meter tiefer liegenden Oase Sangalle – soviel wärmer, dass wir zu gerne in den von Palmen gesäumten Swimming Pool springen. Genauso gerne lassen wir uns am nächsten Tag in die heißen Quellen neben dem Fluss am Boden der Schlucht gleiten, um unsere von Muskelkater steifen Muskeln zu entspannen, bevor es sm dritten Tage wieder 1.400 Meter hinauf geht.

Die dreitägige Wanderung dient uns auch zur Akklimatisierung an die Höhenluft: nach einem kurzen Abstecher in Peru’s „weißer Perle“, wie die Stadt Arequipa auch genannt wird, verbringen wir einige Tagen in der wunderschönen und kulturell spannenden Altstadt von Cusco.

Von dort brechen wir auf zur längsten Mehrtageswanderung unseres Südamerika Trips.

Hier deren Rahmenbedingungen:

  • 9 Wandertage,
  • 3.810 Meter Höhenunterschied
  • 120 Kilometern Länge,
  • Überquerung von 2 Bergpässen über 4.000 Meter,
  • höchster Punkt auf 4.670 Metern,
  • Start in Cachora, Endziel Aguas Calientes (Machu Picchu Pueblo),
  • Wetter und Temperatur je nach variierender Höhenlage von tropisch schwül über mäßig angenehm bis kalt und regnerisch,
  • unterwegs kaum bis keine touristische Infrastruktur.

Warum wir diesen Weg zu Machu Picchu wählen? Zum einen, weil wir die erst in den 1970ern ausgegrabene Inkastadt Choquequirao besuchen wollen. Dorthin gibt es keine geteerten Straßen, keine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und keine Taxis. Choquequirao liegt extrem abgelegen auf einer steilen Bergkuppe. Tatsächlich sind die Ruinen von Choquequirao noch so unerschlossen, dass nur ein mehrtägiger Fußmarsch auf schmalen Muli-Bergpfaden einen dorthin bringt (noch! Glaubt man den lokalen Gerüchten, soll Choquequirao zur „Schwester von Machu Picchu“ ausgebaut werden). Zum anderen wollen wir uns Machu Picchu verdienen. Wir wollen keinen Tagesausflug dorthin unternehmen und in wenigen Stunden durch die Ruinen hetzen, nur um sagen zu können, dass wir auch dort waren. Die Inkas hatten einen ausgeprägten Sinn für die Ästhetik der Landschaft in ihrer Architektur und all ihre Stätten liegen an atemberaubend schönen Flecken. Und die wollen wir ausgiebig bewundern. Also gehen wir zu Fuß. Es wird die anstrengendste Wanderung unseres Trips!

Den ersten Tag wandern wir 6 Stunden bergab, am zweiten geht es ausschließlich bergauf. An beiden Tagen zusammen machen wir aufaddiert mehr als 3.000 Höhenmeter. Am 3. Tag unserer Wanderung erreichen wir Choquequirao! Wir haben die Ruinen ganz für uns und dürfen sogar mitten auf den Terrassen unser Zelt aufschlagen. Wir erkunden die Überreste der historischen Bauten, Mauern und Terrassen und sind beeindruckt, mit welcher Raffinesse und wieviel Wissen die Inkas diese Stätte im 15. Jahrhundert geschaffen haben.

Weiter führt uns ein steiler Bergpfad vorbei an Minenschächten, in denen noch von Hand Gold geschürft und auf Eseln abtransportiert wird. Inzwischen sind wir in jede Himmelsrichtung mindestens 2 Tage Fußmarsch von der nächsten Straße entfernt. Die folgenden Tage sind ein stetes Auf und Ab. Der höchste Pass mit 4.670 Metern Höhe verlangt uns alle Kraft ab. In dieser Höhe ist die Luft ziemlich dünn. Mit jedem Atemzug versuchen wir so viel Sauerstoff wie möglich in unsere Lungen zu pumpen. Wie in Zeitlupe setzen wir einen Fuß vor den anderen. Alle paar Meter müssen wir anhalten, nach Luft schnappen. Schon ein Schluck aus der Wasserflasche bringt uns aus der Puste. Aber wir schaffen es! Gemeinsam erreichen wir die Passhöhe. Wir sind tierisch stolz auf uns: Darauf, dass uns unsere Beine hier hoch getragen haben. Und wir aus eigener Kraft soweit oben stehen. Diese Wanderung von Choquequirao nach Machu Picchu ist jede Anstrengung wert und lohnt sich auf jedem Meter. Eine Tagesetappe später müssen wir unsere Wanderung 2 Tage vor Aguas Calientes allerdings abbrechen. Ein Steinschlag hat die Hängebrücke über einen reißenden Fluss und eine tiefe Schlucht beschädigt und das Gebiet ist abgesperrt. Also nehmen wir einen Umweg über  Hidroelectrica. Von hier nach Aguas Calientes muss jeder laufen. Oder die 18 USD teure Zugfahrt nach Aguas Calientes bezahlen. Wir laufen natürlich und schaffen die 10 km lange Strecke entlang der Bahngleise in 3 Stunden. Endspurt!

Dann sind wir da: am Michu Picchu. Oder besser in Aguas Calientes, dem Ausgangsort am Fuße des Berges. Ein Dorf, das ausschließlich für und wegen der Scharen an Touristen gebaut wurde, die jeden Tag hierher strömen. Souvenirshops reihen sich an Massagesalons und Boutiquen mit Alpaka-Pullovern, dazwischen finden sich Restaurants jeder Landesküche und Preisklasse. Marktschreier versuchen mit Happy Hour Angeboten und Gratis Drinks die vorbei gehenden Touristen in ihre Restaurants zu lotsen. Nach Peru’s ursprünglichem Bergland finden wir hier den krassen Gegensatz zu den einfachen Bauernhäusern aus Lehm mit Meerschweinchen im Wohnraum. Wir sind im ersten Moment von dem Trubel etwas überfordert. Aber Aguas Calientes hat auch sein Gutes: Nach 8 Tagen auf Wanderung mit einfacher Campingküche haben wir einen Bärenhunger. Also gehen wir erstmal Pizza essen. Dann essen wir peruanisch. Und einen Burger. Zum Nachtisch gönnen wir uns noch Eis. Alles an einem Abend! Ganz entgegen unserer sonstigen Gewohnheit greifen wir in Aguas Calientes auf das (Über-)Angebot internationaler Speisen zurück. Authentisch peruanisch ist – zumindest auf der Touri-Meile – hier eh nichts. Und die schiere Anzahl an Restaurants drückt zur Nebensaison mächtig die Preise. Meist bekommen wir zum Essen einen Pisco Sour (DER peruanische Nationalcocktail) gratis dazu.

Machu Picchu selbst sehen wir am nächsten Tag leider zuerst nur verschwommen: die Wolken hängen so tief, dass ein Großteil der Stätte darin verschwindet. Es regnet außerdem so stark, dass wir bereits nach dem zweistündigen Aufstieg trotz Regenkleidung bis auf die Unterwäsche durchnässt sind. Wir harren selbstverständlich dennoch aus. Die Hoffnung auf eine sich lichtende Wolkendecke nicht aufgebend, klettern wir in 1,5 Stunden auf den höchsten Berg des Areals, Machu Picchu Mountain. Von hier aus lässt sich ganz Machu Picchu überblicken. Eigentlich. Wir sehen nur grau. Die Enttäuschung ist riesengroß. …Hier oben stehen, auf diese mysteriöse Stadt zu blicken, die den Wissenschaftlern bis heute Rätsel aufgibt und von der niemand mit Sicherheit weiß, warum sie erbaut, wozu sie genutzt und weshalb sie verlassen wurde – wie lange haben wir davon geträumt. Machu Picchu war ein Inbegriff Südamerika’s für uns. Aber so ist das eben auf Reisen: Immer Glück haben geht nicht. Und die tief hängenden Wolken verleihen dem Ruinen eine fast schon mystische, geheimnisvolle Atmosphäre. Rechtzeitig mit unserer Ankunft am Sonnentor reißt die Wolkendecke dann doch noch etwas auf uns wir erblicken Machu Picchu in seiner ganzen beeindruckenden Pracht.

Mehr Glück mit dem Wetter haben wir einige Tage später. Von Cusco aus machen wir uns auf zu den Cerros Colorados – die bunten Berge. Nach einem anstrengenden Aufstieg auf 5.200 Meter (nebenbei unser persönlich erlaufener Höhenrekord!) blicken wir tatsächlich auf regenbogenfarbene Berge! Unglaublich, was unsere Natur für Schätze bereit hält. Es ist Ostersamstag und statt bunten Ostereier bestaunen wir bunte Berge… Ein guter Deal, wie wir finden. Erst auf unserem Abstieg beginnt es zu schneien.

Ostersonntag und – montag verbringen wir im Bus. In einer 24-Stunden-Hardcore Busfahrt geht es für uns über Lima direkt weiter nach Guayaquil in Ecuador. Zwar hätten wir sehr gerne noch mehr Zeit in Peru verbracht, müssen das aber auf ein anderes Mal verschieben. Zum Einen stehen große Teile des Landes derzeit unter Wasser, zum anderen wartet auf uns bereits das nächste Highlight: am 21. April 2017 fliegen wir für 2 Wochen auf die Galapagos Inseln!

Durch ihre abgelegene Lage 3.000 km vor der ecuadorianischen Küste im Pazifischen Ozean konnte sich Flora & Fauna auf den Galapagos Inseln über Jahrmillionen Jahre hinweg ohne jeglichen Einfluss des Menschen und (anderer) Naturkatastrophen entwickeln. Entstanden ist ein Mikrokosmos, in dem ansonsten ausgestorbene Urtiere und -pflanzen bis heute überlebt haben. Die Galapagos Inseln haben einst Charles Darwin zu seiner damals revolutionären Evolutionstheorie inspiriert. Mit das Tollste: durch das Fehlen natürlicher Feinde haben die Tiere des Archipels keinerlei Scheu vor den Menschen.

Unsere Zeit dort ist schwer mit Worten zu beschreiben, ohne dabei mit Phrasen wie unglaublich, einzigartig, einmalig und Highlight nur so um uns zu werfen. Dadurch mag es abgedroschen klingen – ist es aber Null. Für uns geht mit unserer Reise auf die Galapagos Inseln ein Traum in Erfüllung! Wir erleben zwei unglaubliche Wochen mit einmaligen Erlebnissen, die wir im wahrsten Sinne an keinem anderen Ort dieses Planeten hätten machen können! Und das ist doch wirklich ganz schön WOW!

Das Tollste für uns sind die vielen einzigartigen Tierbegegnungen: Wir schnorcheln mit Seehunden, Adlerrochen und Meeresschildkröten; spüren ganz allein 150 Jahre alte Riesenschildkröten im Wald auf; tauchen mit Hammerhaien; rangeln uns mit Seehunden um die besten Plätze am Strand und auf der Parkbank; schwimmen über schlafende Haie hinweg; sonnen uns neben pechschwarzen Iguanas; sehen unser erstes Seepferdchen, kayaken zwischen Pinguinen und Robben hindurch; beobachten aus nächster Nähe  Pelikane und Kormorane bei der Jagd, Finken beim Kaktus picken und Flamingos beim fischen; sehen neben unseren Booten Mantarochen Salti schlagen und Fische fliegen; dürfen Riesenschildkröten so nahe kommen, dass wir sie atmen hören können und sind Zuschauer beim Balztanz von Blaufußtölpeln. Und das alles in freier Wildbahn!

Zwischendurch klettern wir durch Jahrtausende alte Lavatunnel, sonnen uns an schneeweissen Stränden, planschen in Felsspalten im Süßwasser, suchen Schatten unter Kakteen die doppelt so groß sind wie wir und spazieren entlang pechschwarzer und goldgelber Strände! Wahnsinn! …und in Wirklichkeit noch viel beeindruckender, als wir das hier zusammen gefasst wiedergeben können!

MAI
Im Mai passiert so viel, dass wir jetzt im Rückblick kaum glauben können, wo wir in einem Monat überall waren:
Anfang des Monats neigt sich unsere Zeit auf den Galapagos Inseln ihrem Ende zu. Unsere letzten 4 Tage verbringen wir auf der Insel San Christobal. Diese ist in jeder Hinsicht der krönende Abschluss: Es hat deutlich weniger Tourismus als auf Santa Cruz – wodurch es hier deutlich entspannter zu geht. Die Insel lässt sich aufgrund ihrer geringeren Göße auch besser auf eigene Faust erkunden als die Insel Isabella und die Tierwelt ist noch vielfältiger und artenreicher als auf den anderen beiden Inseln. Wir liegen mit Seehunden zusammen am Strand und spielen im Wasser mit ihnen Stöckchen holen, erleben eine prachtvolle Unterwasserwelt und trinken nicht zuletzt Cocktails mit unseren neuseeländischen Freunden Helena & Alan, die wir auf unserer Tour durch den Salar de Uyuni kennen gelernt haben und hier wieder sehen.

Kurze Bemerkung am Rande: Nicht alles auf den Galapagos Inseln ist paradiesisch. Ausflüge und Transport sind überteuert, die Siedlungen auf den Inseln sind weder nachhaltig noch besonders umweltfreundlich und unserer Meinung nach wird bei weitem nicht genug – und mit den Nationalparkeintrittsgeldern nicht das richtige – zum Schutz dieses weltweit einzigartigen Naturraumes getan! Aber das ändert nichts daran, dass die Tierwelt auf den Galapagos Inseln die Beeindruckendste ist, die wir auf unserer gesamten Reise um die Welt bisher gesehen haben!

Zurück auf dem Festland erkunden wir Ecuador’s Hauptstadt Quito. Diese wurde dank ihrer kolonialen Altstadt mit barocken Prachtbauten, unzähligen Kirchen und gleich mehreren Kathedralen als erste Stadt überhaupt 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Nur 20 km weiter nördlich machen wir mit einem einzigen Schritt über eine in gelber Farbe auf den Boden gepinselte Linie einen großen symbolischen Sprung: wir überqueren den Äquator! Damit sind wir zurück in der nördlichen Hemisphäre! Ein Zeichen dafür, dass unsere Südamerika-Reise langsam aber sicher ihrem Ende zu geht…

Bevor es aber soweit ist, bereisen wir noch ein letztes Land auf dem südamerikanischen Kontinent: über den Landweg geht es weiter nach Kolumbien. Das Lieblingsland vieler Südamerika-Reisender. Da bei uns die Uhr bis zum Abflug tickt, können wir das Land nicht so ausgiebig bereisen, wie wir das gerne möchten. Aber ein bisschen spickeln wollen wir trotzdem. Und die Kolumbianer bleiben uns in bester Erinnerung: sehr gesellig, offen und stolz auf ihr sich wandelndes Land.

Unsere erste Destination in Kolumbien ist eine sehr aromatische: wir verbringen einige Tage in Kolumbien’s Zona de Cafétera – Kolumbien’s Kaffee-Anbaugebiet. Kolumbien ist weltweit größter Erzeuger von Arabica-Bohnen und drittgrößter Kaffee-Exporteur der Welt. Die hier im Hochland angebauten Arabica Bohnen zählen zu den edelsten Bohnen für Spitzenkaffee. Wir testen selbstverständlich so viele Tassen wie möglich und tatsächlich: alle sehr lecker! Neben Kaffee trinken gehen wir auch spazieren. Und zwar im Parque Natural Valle de Cocora: hier erwarten uns die höchsten Palmen der Welt! Und das gleich im doppelten Sinne: mit einer Höhe von 60 bis 70 Metern sind die hier wachsenden Wachspalmen nicht nur das zweithöchste Gewächs der Erde. Durch ihren Standort in den Anden auf einer einer Höhe zwischen 1800 und 3000 Metern wachsen sie noch dazu weit höher als jede andere Palmenart.

Mit unserer Weiterreise nach Cartagena verabschieden wir uns von den Anden und fliegen geradewegs in die Karibik. Hier runden farbenfrohe Häuserfassaden, Straßenkünstler, kleine Straßenstände, hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die auch nachts nicht unter 30 Grad fallen zusammen mit Tropendschungel, Hängematten und Palmen unser Bild von einem äußerst vielseitigen Südamerika ab.

Noch 4 Monaten vorher fegte uns der eiskalte patagonische Wind unerbittlich um die Ohren! In einem halben Jahr haben wir alle Klimazonen unserer Erde durchquert; haben Vulkane, Gletscher, Regenwald, Lagunen und Wüsten bewundert und jeden Tag über die Wunder unserer Erde gestaunt! Südamerika hat uns vom Hocker gerissen! Uns mit seiner fantastischen Natur, seinen großartigen Menschen und seiner Vielfältigkeit überrascht. Uns schon auch mal heraus gefordert. Immer wieder mussten wir unsere Komfortzone verlassen – sei es, um bei 5 Grad schon wieder im Zelt zu übernachten, zur Dusche in den eiskalten Fluss zu springen oder um auf Spanisch Gespräche über den 2. Weltkrieg zu führen. Oder um überhaupt Spanisch zu sprechen. Aber jedes einzelne Mal hat es sich gelohnt! Dadurch wurde unsere Reise durch Südamerika zu einem unvergesslichen Trip! Der nun viel zu schnell und wirklich vorbei ist…

Denn der nächste Kontrast lässt nicht lange auf sich warten: Als Transithub zwischen Europa und Amerika fliegen wir für 2 Tage nach Miami. Hier herrscht ein anderer Ton als im entspannten Südamerika, alles geht streng geordnet zu und auf den breiten Straßen glänzen große Autos deutscher Marken. Und auf einmal sprechen wieder (fast) alle Englisch – wir ertappen uns einige Male dabei, wie wir sagen, wenn wir Yes meinen.

Dadurch haben wir schon die Gelegenheit, uns langsam umzugewöhnen, bevor wir ins Vaterland der englischen Sprache weiter fliegen: Great Britain is calling!
Hier verbringen wir 2 Tage bei und mit Francis – mit ihm reisten wir ganz zu Beginn unserer Weltreise 1 Woche lang durch die Mongolei . Dabei lud Francis uns ein, auf dem Rückweg unserer Weltreise bei ihm vorbei zu kommen – weder er noch wir hätten damals gedacht, dass wir uns erst 3 Jahre später wiedersehen würden….
In seinem Heimatdorf in England’s Norden erwartet uns britisches Landleben wie aus dem Rosamunde Pilcher Film: die Backsteinhäuser des kleinen Dorfes sind eingebettet in saftig grüne Wiesen und Hügel. Samstags trifft sich die Dorfgemeinschaft erst zum Cricket und abends wird im einzigen Pub des Ortes hitzig über Politik diskutiert. Francis selbst wohnt in einem herrlich unrestaurierten alten Gutshof aus dem 19. Jahrhundert, in dem die einzigen Wärmequellen der Kaminofen und viele Tassen Schwarztee mit Milch sind.

Noch britischer ist nur unsere nächste Destination: London! Vier Tage lang erkunden wir das Herzstück Großbritannien’s. Dabei lassen wir keinen Punkt des typisches Touri-Programmes aus: wir besichtigen die Kronjuwelen im Tower of England, stehen bei der Wachablösung am Buckingham Palast in der ersten Reihe, hören den Glockenschlag des Big Bens, suchen am Bahnhof Kings Cross das Gleis 9 3/4, sitzen andächtig in der Westminster Abby und in der St. John’s Kathedrale, spazieren durch den Hyde Park, entlang der Themse und über die Tower Bridge, schlendern über diverse wundervolle Märkte und durch Notting Hill, suchen uns den urigsten Pub für die Übertragung eines Rugbyspiels bei Fish & Chips und einem Pint aus, essen Indisches Curry, fahren mit einem roten Doppeldecker durch die Einbahnstraßen der Metropole und mit der Tube durch deren Untergrund. Zur Abwechslung sind wir einfach mal Zwei unter Tausenden Touristen und genießen es! Vor allem fällt uns auf, wie grün und sauber London ist. Und wie humorvoll die Briten sind. Nur einen Besuch bei Madame Tussaud heben wir uns für den nächsten Besuch auf – damit wir einen Grund haben, nochmal nach London zu reisen.

Unsere letzte Nacht auf britischem Boden verbringen wir – wieder ganz die sparsamen Backpacker – am Flughafen, bevor uns zu guter Letzt früh am nächsten Morgen ein kurzer Flug über den Kanal zurück auf deutschen Boden bringt. Wir sind wieder hier! Daheim! In Memmingen nehmen uns Biene’s Eltern in Empfang. Herzliche „Willkommen Zuhause“-Grillparties, eine wilde Geburtstagsparty und ein cooler Junggesellinnenabschied runden diesen ereignisreichen Maienmonat gebührend ab.

JUNI
Für uns geht es direkt weiter: In Berlin findet das Internationale Deutsche Turnfest statt! Eine Woche verbringen wir mit Uli’s Faustballmannschaft und 100.00 anderen Mitgliedern internationaler Sportvereine in der deutschen Hauptstadt. Tagsüber wird beim Faustball, Yoga, Joggen, Tanzen und diversen anderen Sportangeboten gesportelt und nachts findet in den Schulunterkünften der gesellige Teil statt. Dabei geht es immer sehr lustig zu und an dem ein oder anderen Abend werden auf den Turnfesten schonmal legendäre Erinnerungen geschrieben… So wie an dem einen Abend auf dem Landesturnfest in Heidelberg im Jahr 2006: da lernten wir beide uns nämlich überhaupt erst kennen

Das Schönste am diesjährigen Turnfest ist für uns, dass es – wie schon nach unserer Rückkehr nach 2,5 Jahren Reise ein Jahr zuvor – mit unseren Freunden immer noch so ist, als wären wir nie weg gewesen!

…und damit geht die erste Jahreshälfte 2017 in die 2. über…

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Die Zeit zwischen den Jahren ist ein entspannter Zwischenraum: Alles, was man im aktuellen Jahr tun oder erleben wollte ist geschehen – und wenn nicht, passiert es wohl nicht mehr vor dem nächsten Jahr. Wäre man auf einer Flugreise, wären die Tage zwischen den Jahren der Transit: Man ist aufgebrochen und nicht mehr da, wo man los ging – aber man ist auch noch nicht da angekommen, wo man hin will. Man ist irgendwo dazwischen. Zwischen dem was war und dem, was kommen wird. Total im Hier und Jetzt. Eine ideale Gelegenheit, Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten und Revue passieren zu lassen, was die letzten 365 Tage so geschehen ist. Genau das haben wir gemacht. Weil im Jahr 2017 viel bei uns passiert ist. Und weil vieles davon es bisher noch nicht auf unseren Blog geschafft hat!

Manches davon wisst ihr vielleicht schon von facebook, Instagram oder aus unseren persönlichen Erzählungen, anderes wahrscheinlich noch nicht. Deshalb, Vorhang auf für unser Jahr 2017:

DEZEMBER 2016

Gefühlt fängt das Jahr 2017 für uns bereits einen Monat früher an. Am 1. Dezember 2016 brechen wir auf die 2. Etappe unserer Weltreise auf. Es geht nach Südamerika. Das Kreuzfahrtschiff Costa Fascinosa bringt uns in 3 Wochen von Savona in Italien nach Santos in Brasilien. Dazwischen liegen Stopps in Barcelona, Santa Cruz de Tenerife, Casablanca in Marokko und die ersten spannenden Landgänge in den brasilianischen Städten Recife, Maceió, Salvador de Bahia, Buzios und natürlich als persönliches Highlight in Rio de Janeiro. Dank unserem Polyglott Reiseführer sind wir nach den 7 Seetagen auf der Reise über den Atlantik über jedes der brasilianischen Ziele gut informiert. Auch das Schiff selbst hat einiges zu bieten und so wird bereits unsere Anreise nach Südamerika zur Reise an sich. Wenn wir auch ganz anders reisen, als das sonst unsere Art ist. Wir sehen es mit der Kreuzfahrt so: wir nehmen von der Fahrt mit, was uns gefällt (und wenn wir mal ehrlich sind – wer lässt sich nicht gerne mit 5-Gänge-Abendessen, Sauna mit Meerblick und Open-Air Whirlpools verwöhnen?) und sagen uns bei dem Rest, dass es für uns eine Überfahrt ist.

Da wir die wenigen milden Sommermonate in Patagonien abpassen wollen, wollen wir so schnell wie möglich in den Süden weiter reisen. Aufgrund dessen legen wir nach Sao Paulo nur noch einen Stopp in Brasilien ein: die Wasserfälle von Iguazu. Hier erleben wir gleich das erste Highlight unserer Südamerika-Reise!

Die mächtigen Wasserfälle liegen im Dreiländereck Brasilien-Argentinien-Paraguay und fungieren als natürliche Grenzlinie zwischen Brasilien und Argentinien. Obwohl sie weit weniger bekannt sind, sind die Wasserfälle von Iguazu größer als die Niagarafälle und sind als größter Wasserfall der Welt anerkannt! Auf einer Breite von ganzen 2,7 km fallen an 275 Fällen insgesamt durchschnittlich 7000 m3 Wasser pro Sekunde hinab. Was das heißt, dürfen wir mit eigenen Augen bestaunen: tosende Wassermassen stürzen unaufhörlich brausend in die Tiefe. Weisse Gischt durchnässt unsere Kleidung innerhalb von Sekunden. Der Anblick der mit sprudelndem Wasser gefüllten und von diesem in Jahrtausenden von Jahren gegrabenen Schluchten ist schwer beeindruckend! Hier zu stehen rückt mal wieder die Größe des Menschen im Vergleich zur Natur ins rechte Verhältnis: Winzig kommen wir uns vor! Zum baden lädt es hier eher nicht ein – auch schon nicht, bevor wir ein Krokodil im Fluss entdecken. Wir verbringen je einen Tag auf der brasilianischen und auf der argentinischen Seite der Wasserfälle und finden beide auf ihre Art beeindruckend. Auch das nahe gelegene Vogel-Refugium besuchen wir. Hier lernen wir neue exotische Spezies kennen und sehen andere wieder, die wir bereits aus Zentralamerika kennen. Es ist herrlich, wieder in den artenreichen Tropen Amerika’s zu sein!

In Puerto Iguazu starten wir nicht nur unseren eigentlichen Trip durch Südamerika, sondern auch ein neues Abenteuer: wir wollen zunächst ausschließlich per Anhalter fahren und sehen, wie weit wir so kommen. In den ersten 3 Tagen schaffen wir 2.000 Kilometer. Wir machen mit dieser Fortbewegungsart direkt zu Beginn nicht nur Strecke, sondern auch Freunde. Weihnachten wollen wir eigentlich ausfallen lassen – dank unserem neuen Freund Louis, mit dem wir anfänglich nur einige Stunden mitfahren wollen, kommen wir am 2. Weihnachtsfeiertag aber doch in den Genuss eines (eigens für uns organisierten) original argentischen Asado. Bei dem argentinischen Nationalessen werden auf einem überdimensionalen Grill verschiedenste Schnitte Rindfleisch und Würste zubereitet.

Den Jahreswechsel 2016/2017 erleben wir in Puerto Madryn, an der rauen Ostküste Argentiniens. In dem kleinen Städtchen sind wir tags zuvor nach 2 Tagen Fahrt durch La Pampa (die ihrem Namen alle Ehre macht: 2.000 km gähnende Steppe) mit einem LKW angekommen. Mit unserer Ankunft in Puerto Madryn haben wir Patagonien erreicht. Das erste Sehnsuchtsziel unserer Südamerika-Etappe. Unser erster Eindruck Patagonien’s: wenig bewachsene, von unaufhörlichem Wind gepeitschte raue Steppe mit weiten, spärlich bewachsenen und noch spärlicher besiedelten Ebenen. Dieser Eindruck sollte sich die nächsten 3.000 km in den Süden noch verfestigen. Erwähnten wir den starken Wind?

Puerto Madryn haben wir uns bewusst als erste Destination in Patagonien ausgesucht. Denn hier bietet sich uns eine fantastische Möglichkeit: Schnorcheln mit wilden Seehunden! Mit dem Boot von Lobo Larsen fahren wir frühmorgens zu einer Seehundkolonie und springen 100 Meter vor dieser ins Wasser. Seehunde sind allgemein sehr neugierige und verspielte Tiere und vor allem die Jungtiere sind so zutraulich, dass es nur wenige Minuten dauert, bis wir von halbwüchsigen Seehunden geradezu umringt sind. Sie stupsen uns an, knabbern spielerisch an unseren Flossen und fordern uns zum Spielen auf. Übermütig schlagen sie neben uns Salti im Wasser und auch die bedeutend größeren männlichen Tiere gesellen sich nach einiger Zeit zu uns. Was für ein Erlebnis!

Silvester verbringen wir in internationaler Runde auf dem Campingplatz am Rande des Ortes. Wie es sich für Argentinien gehört starten wir mit einem „Asado“ und Rotwein ins neue Jahr. Prost, 2017 – Jetzt geht es erst richtig los!

JANUAR

An Neujahr verlassen wir Puerto Madryn wieder. Weiter ins Neuland. Unser nächstes Highlight ist der Besuch einer Pinguin-Kolonie, in der sich zu dieser Jahreszeit Hunderttausende Magellan-Pinguine mausern und ihre Jungen aufziehen. Dazwischen liegen windige Nächte im Zelt irgendwo im Nirgendwo und eine Premiere als Anhalter: eine Mitfahrt im Ambulanzwagen.

Weitere windige Nächte und viele Stunden Fahrt in und mit den verschiedensten Fahrern später bekommen wir langsam ein Gefühl für die schiere Weite Patagoniens. Auf der legendären Ruta 40 erreichen wir El Chalten und erhaschen einen ersten Blick auf die majestätische Anden. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und trekken zu den erhabenen Gipfeln des Cerro Torre und des Fitzroy, zu türkis farbenen Gletscherlagunen, Gletscherzungen und zu stillen Bergseen. Inzwischen sind wir durch das einmonatige ständige Tragen unserer Rucksäcke sehr fit und trotz Gepäck flotter unterwegs als die meisten Tageswanderer. Auf den Wanderungen um El Chalten und allen weiteren Wanderungen in Patagonien ist uns unser Rother Wanderführer ein zuverlässiger Ratgeber und Begleiter, den wir allen empfehlen, die Teile dieser Region zu Fuß erkunden möchten! El Chalten erinnert uns sehr an die Skiorte Österreichs und wird uns als eines der gemütlichsten Dörfer mit einigen der schönsten Wanderungen Patagonien’s in Erinnerung bleiben.

Sehr eindrucksvoll bleibt uns auch der Gletscher Perito Moreno eine Tagesreise weiter südlich in Erinnerung. Von diesem können wir uns trotz Eiseskälte mehrere Stunden lang nicht losreißen – gehört er doch zu den wenigen Gletschern weltweit, die noch wachsen. Hier sehen wir also zum allerersten Mal einen Gletscher kalben. Immer wieder lösen sich mehrere Meter hohe Eisberge von der Gletscherfront und fallen mit donnerndem Getöse vor unseren Augen in den Gletschersee, wo der Aufprall mehrere Meter hohe Wellen verursacht.

Mitte Januar wechseln wir über die Grenze ins chilenische Patagonien. Im meistbesuchten Nationalpark Patagonien’s, dem Nationalpark Torres del Peine, wandern wir eine Woche lang auf dem „W-“ und dem „O“-Track zu und um die ikonischen Torres. Von hier bleiben uns nicht nur die weiten Felder voll Gänseblümchen, der massive Grey Gletscher, atemberaubende Landschaftsblicke, die grasenden Guanakos oder die namensgebenden Torres del Peine in Erinnerung – sondern auch und vor allem unsere Begegnung mit Joana und ihrer Familie. Was wie eine der unzähligen netten Fahrten per Anhalter kurz hinter der abgelegenen chilenischen Grenze Cerro Castillo beginnt, wird zu etwas Besonderem, als uns Joana 45 Minuten, nachdem sie uns abgesetzt hat, wieder aufsammelt und zu sich nach Hause einlädt – weil es ihr keine Ruhe lässt, dass wir bei starkem Wind und von Pumas umgeben mitten in der Pampa unser Zelt aufschlagen wollen. Wir verbringen mehrere Tage bei und mit ihr, ihrem Mann Juan und ihren beiden Töchtern auf der Estancía und lernen, dass in Patagonien die chilenische Gastfreundschaft der argentinischen in nichts nach steht.

FEBRUAR

Zum Monatsanfang erreichen wir das Ende der Welt. Genauer gesagt, die südlichste Landmasse jenseits der Antarktis. Hierhin bringt uns eine sehr spontane Fährfahrt mit dem wöchentlichen Versorgungsschiff (das eigentlich Monate im Voraus ausgebucht ist). Entlang enger Fjorde und mehrerer Hängegletscher erreichen wir nach 3 Tagen Fahrt durch das unwirtliche Fjordland den Beagle Kanal. Hier fuhr einst schon Charles Darwin entlang. Im gleißend roten Sonnenuntergang kommen wir an diesem Abend von Delfinen begleitet an unserem nächsten Sehnsuchtsziel an: Vor uns liegt Feuerland!

Hier auf der chilenischen Isla Navarino liegt Puerto Williams, der südlichste Ort der Welt. Denn auch wenn die Argentinier das bessere Marketing betreiben und ihre Stadt Ushuaia auf der gegenüberliegenden Seite des Beagle Kanal vielen als südlichste Stadt der Welt bekannt sein dürfte, liegt das chilenische Dorf Puerto Williams mit seinen 2.000 Einwohnern noch ein paar Breitengrade südlicher. Wir scheinen wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein. An einem sehr gemütlichen und urigen Ende. Die Uhren ticken in Puerto Williams merklich langsamer – und auch hier erwartet uns große Gastfreundschaft. Noch bei Sonnenschein machen wir uns auf den fünftägigen Circuito Dientes de Navarino, die südlichste – mehr oder weniger markierte – Mehrtageswanderung Südamerika’s. Das Wetter verschlechtert sich allerdings so sehr, dass wir an einem extrem langen Tag drei Tagesetappen hinter uns bringen, um nicht noch 2 weitere Nächte nass und im Schneematsch zelten zu müssen.

Nach einer Woche auf der Isla Navarino nimmt uns ein Segelschiff mit auf die andere Seite des Beagle Kanals. Hier auf der argentinischen Seite Feuerlands ist bedeutend mehr los als im kleinen Stützpunktort Puerto Williams – starten doch in Ushuaia die Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis. Diesen schauen wir dieses Mal allerdings nur sehnsüchtig hinterher, denn selbst die günstigsten Last-Minute-Deals liegen preislich bei 5.000 € pro Person aufwärts. Naja, wir müssen uns ja auch noch Reiseträume für später aufheben… 😉

Nach einigen ebenso windigen wie traumhaften Tageswanderungen in der Gegend rund um Ushuaia sind es wieder einmal Menschen, die uns länger als geplant an einem Ort bleiben lassen. Ganze 6 Tage verbringen wir bei der Familie von Silvina & Alejandro, die uns 6 Wochen zuvor und gute 1.000 km weiter nördlich mitten in der Pampa ein Stück mitnahmen und uns einluden, sie besuchen zu kommen wenn wir in Rio Grande sind. Das machen wir natürlich gerne! So schlafen wir nach 2 Monaten im Zelt das erste Mal wieder in einem Bett und in (beheizten!) geschlossenen 4 Wänden.

Das letzte Highlight Feuerland’s finden wir in dessen sehr dünn besiedelten chilenischen Westen. Hier ist Gaucho-Country und außer vielen Schafen, die dem Wind trotzen, gibt es hier eigentlich nicht viel zu sehen. Außer, ja außer in einer Bucht ganz im Südwesten, wo sich erst vor wenigen Jahren eine Kolonie Königspinguine angesiedelt hat. Die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Subantarktis! Aus einiger Entfernung beobachten wir still und leise die majestätischen Meeresvögel dabei, wie sie miteinander schnattern und ihre Jungen vor der Kälte unter den Bauch der Eltern schlüpfen.
Und mit den tierischen Begegnungen ist es an diesem Tag noch nicht vorbei: auf der Fährüberfahrt zurück auf’s Festland begleitet uns ein Schwarm schwarz-weisser Commerson-Delfine. Die Exemplare dieser Delfin-Art sind ebenso schön wie selten und leider vom Aussterben bedroht.

Zurück auf dem Festland reisen wir weiter per Anhalter zurück nach Argentinien. Zwar wollen wir von nun an auf der chilenischen Seite Patagonien’s gen Norden reisen, allerdings ist der Süden Chile’s hier dichtes Fjordland und so unwirtlich und dünn besiedelt, dass es in diesem Teil des Landes keine Straßen gibt. Daher lassen wir uns mitnehmen zurück nach El Chalten und zum nahen Lago del Desierto. Von dort führt eine dreitägige Wanderung über einen Andenpass und über die Grenze nach Chile. Wir brauchen 4 Tage, da die letzte Tagesetappe über einen großen Gletschersee nur per Boot zurück gelegt werden kann und der Schiffsverkehr aufgrund von Sturm stillgelegt ist. Dafür kommen wir einen Tag später dann ganz unverhofft – und gratis – zu einer exklusiven Bootsfahrt zum nur per Schiff erreichbaren Gletscher Ventisauero O‘ Higgins. Scotch on the (glacier-) rocks inklusive! Wie es dazu kommt, ist eine eigene Geschichte…

Auf chilenischer Seite erreichen wir mit dem Dorf Villa O’Higgins das südliche Ende der Carretera Austral. Die knapp 1.350 km lange, über weite Teile geschotterte Ruta 7 zu trampen scheint auch bei jedem anderen Backpacker auf dessen Südamerika-Bucketlist zu stehen. So stehen wir hier oft in vierter oder fünfter Reihe am Straßenrand und sehen an manchen Tagen mehr Tramperkollegen als Autos. Wir kommen dennoch ganz gut voran und lassen uns 10 Tage Zeit für die Straße. Entlang des Weges gibt es neben sich von Fjordland zu Regenwald verändernder Natur viel zu entdecken: so zum Beispiel das urige Dörfchen Caleta Tortel, dessen Holzhäuser allesamt auf Stelzen in den Fjord gebaut sind. Oder die Marmorhöhlen bei Puerto Río Tranquilo. Auch einige Gletscher, Vulkane, Regenwald und tolle Naturschutzgebiete gäbe es im nördlicheren Abschnitt zu erkunden – leider haben wir aber großes Pech mit dem Wetter und geraten in anhaltende Regenfälle. Diese sind so stark, dass wir uns nach mehreren Tagen Dauerregen – und durchnässten Nächten im Zelt – nicht nur das erste Pensionszimmer seit 2 Monaten buchen, sondern auch eine Nacht in einer Turnhalle schlafen. Diese wurde in einem Ort aufgrund mehrerer weggerissener Brücken und unpassierbaren Straßen als Notunterkunft für gestrandete Reisende eigerichtet. Ein gutes hat auch das: wir können von hier an auch eine Mitfahrt per Anhalter im Feuerwehrfahrzeug verzeichnen.

Anstatt der typischen Backpacker-Route zu folgen und am Ende der Carretera Austral von Puerto Montt aus weiter auf die Insel Chiloé zu reisen, verlassen wir die Carretera Austral auf gleicher Höhe in Cochamó. Von hier führt eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Cochamó mit seinem atemberaubenden Granitgebirge über die Grenze nach Argentinien. Von den Granitfelsen sehen wir leider keinen einzigen Steinbrocken, da das Wetter trotz anders lautender Vorhersage immer noch nicht viel besser ist und wir die ersten 2 der 4 Tage bis La Junta hauptsächlich im Regen laufen. Dafür ist die Ankunft auf der argentinischen Seite des Paso El León umso schöner. In dem abgelegenen Bergtal gibt es weder Autos noch andere motorisierte Fahrzeuge und so tragen viele Pferde zum idyllischen Eindruck des Tales bei.

Über El Bolson und Bariloche reisen wir auf der Ruta de los 7 Lagos weiter durch das Seenland Patagonien’s, das aufgrund der sehr ähnlichen Landschaft auch die „argentinische Schweiz“ genannt wird. Gerade rechtzeitig zum jährlichen Weinfestival Vendimia kommen wir dank und mit unserem neuen Freund Toni in Argentinien’s Wein-Hauptstadt Mendoza an. Damit verlassen wir Patagonien nach zweieinhalb sehr windigen, aber auch sehr eindrucksvollen Monaten mit unzähligen Erinnerungen an atemberaubende Landschaften und herzensgute Menschen. Am südlichen Zipfel Südamerika’s haben wir nicht nur ungezähmte und wilde Natur kennen gelernt, sondern auch neue Freunde gefunden. Mit einigen Flaschen guten Malbec im Rucksack queren wir zum Monatsende ein weiteres Mal über die Anden nach Chile. Das 7. Mal in 6 Wochen! Auf dieser Höhe sind die Anden am höchsten und neben der Puente de las Incas sehen wir auf dem Weg über die Gebirgskette neben wahnsinnig schönen Bergpanoramen auch den schneebedeckten Aconcagua – den mit 6.962 Metern höchsten Berg Südamerika’s.

MÄRZ

Gleich zum Monatsanfang machen wir richtig Strecke: in nur 3 Tagen fahren wir im LKW 2.500 km in den hohen Norden von Chile. Unser Ziel ist San Pedro de Atacama, eine kleine Oase in der gleichnamigen Atacama-Wüste. Die Atacama-Wüste ist die trockenste Wüste der Welt. Neben surreal geformten Tälern aus Salzkristallen, ariden Hochebenen, riesigen Sanddünen und indigenen Oasen lockt auch mit der weltweit klarste und lichtverschmutzungsfreiste Nachthimmel Touristen und Wissenschaftler aus alles Welt in diese ansonsten menschenleere Gegend. Leider ist Vollmond, als wir da sind. Unglaublich viele Sterne, die gesamte Milchstraße und selbst die Ringe des Saturn sehen wir trotzdem. Und natürlich bei Tageslicht die beeindruckende Landschaft der Atacama.

Die Nächte in San Pedro de Atacama sollten unsere letzten Zeltnächte für diesen Monat sein – den Rest verbringen wir zwischen 3.000-4.500 Metern Höhe und da wird es auch im Sommer doch sehr frisch nachts. Denn obwohl es in San Pedro de Atacama ein riesiges Angebot an Aktivitäten gibt und man locker eine ganze Woche in – und vor allem um – dem hippen Ort verweilen kann, zieht es uns weiter nach Bolivien. Kurz hinter der bolivianischen Grenze liegt der Salar de Uyuni – der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde! Und ein weiterer unserer Sehnsuchtsorte! Hierher unternehmen wir die erste gebuchte Gruppentour auf unserem Südamerika-Trip. Die Hochebenen der Anden sind so abgelegen, dass wir per Anhalter wohl nicht – oder zumindest nicht zeitnah – durch das Grenzgebiet reisen könnten. Unser Timing könnte besser nicht sein: wir sind zum Ende der Regenzeit hier und durch das niedrig stehende Wasser und das Fehlen jeglicher landschaftlicher Erhebungen im Salar de Uyuni ergeben sich perfekte Spiegelungen auf der endlos flachen Ebene. Gekrönt mit einer Übernachtung in einem komplett aus Salz erbauten Hotel ist die Fahrt durch den Salar de Uyuni ein ganz besonderes Erlebnis.

Den restlichen Monat verbringen wir mit der Erkundung Boliviens. Hier erwartet uns nach den kulturell und wertesystematisch teils sehr europäisch und US-amerikanisch geprägten Ländern Chile und Argentinien eine ganz neue Facette Südamerika’s: Mit dem Grenzübertritt nach Bolivien tauchen wir in eine andere Welt ein, in der die Schere zwischen arm und reich, Tradition und Moderne sowie zwischen Stadt und Land unverkennbar weit auseinander klafft. Auch die Menschen sind anders: viele sprechen Quechua als Muttersprache -manche sogar nur gebrochen spanisch -, ihre Gesichtszüge sind anders, ihre Hautfarbe dunkler. Die Bolivianer sind distanzierter als ihre südlichen Nachbarn. Mit ein Grund, warum wir Mitte März beschließen, unser Tramping-Abenteuer an dieser Stelle zu beenden und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bis hierhin sind wir ganze 12.000 km durch Südamerika per Anhalter gefahren! 12.000 Kilometer! Wir hätten zuvor selbst nicht erwartet, dass wir so weit kommen und wir dabei so tolle Begegnungen haben würden! Und ganz ehrlich: Wir haben nicht eine einzige mulmige Minute! Stattdessen haben wir von den unzähligen Fahrten mit den verschiedensten Fahrern sehr viel mitnehmen können, was uns sonst verborgen geblieben wäre: an Wissen über Land und Menschen, an persönlichen Geschichten und an Erfahrungen. Von jeder Fahrt bleibt etwas bei uns zurück und jede ist nun auch ein Teil unserer Reise und unseres Lebens.

Wir fahren also mal wieder Bus! Zuerst in die bolivianische Hauptstadt Sucre, wo uns doch noch die Höhenkrankheit erwischt und wir einige Tage schachmatt sind. Weiter in die Millionenmetropole La Paz, wo wir Biene’s Cousine treffen, die hier ein freiwilliges soziales Jahr beim Projekt Arco Iris absolviert. In La Paz treffen wir auch Biene’s Großcousins Mario & Matthias an, die ebenfalls gerade um die Welt reisen. Und so veranstalten wir mitten in Bolivien ein Verwandtschaftstreffen.

Von La Paz aus geht es zur Abwechslung ein Stück mit dem Fahrrad weiter. Ein aufregendes Stück, denn wir fahren den Camino de la Muerte hinab. Los geht es auf dem La Cumbre Pass auf 4.670 Metern und ihr Ende findet unsere Downhill Fahrt im nur 1.200 Meter tief gelegenen Coroico. Auf der 80 km langen, rasanten Radtour durchqueren wir in wenigen Stunden fast alle Klimazonen Südamerika’s! Die geschotterte Piste ist dabei nicht viel breiter als eine Fahrbahn und an vielen Stellen zeugen tiefer Morast, Matsch und Felsbrocken von vergangenen Erdrutschen und Steinschlägen. Neben dem sich in unzähligen Serpentinen hinab windenden Weg geht es mehrere Hundert Meter tiefe Berghänge hinunter. Bis vor wenigen Jahren war die Yungas-Straße eine Hauptverkehrsstraße mit sehr hohem Verkehrsaufkommen und schwere LKWs schoben sich – ohne Leitplanken – auf dem schmalen Weg aneinander vorbei. Deshalb gilt auf der Yungas-Straße bis heute – anders als im Rest des Landes – Linksverkehr, damit die Fahrer bei Ausweichmanövern den Abstand zum Fahrbahnrand besser einschätzen können. Eine Analyse der Interamerikanischen Entwicklungsbank in den 90ern ergab, dass die Yungas-Straße die höchste jährliche Absturzrate an Fahrzeugen weltweit zu verzeichnen hatte (Durchschnittlich starben jedes Jahr 200-300 Reisende auf der Strecke). Dies brachte der Straße den zweifelhaften Titel als „gefährlichste Straße der Welt„. Aber auch die bolivianische Regierung hat dadurch die Tatdringlichkeit erkannt und so gibt es seit knapp 10 Jahren eine Neubaustrecke – seither ist die Straße des Todes nur noch für lokalen Kraftverkehr geöffnet und hauptsächlich eine Attraktion für Nervenkitzel suchende Reisende wie uns. Hier mit dem Mountainbike hinunter zu sausen beschert Nervenkitzel pur! Allerdings können wir auf dem Mountainbike jederzeit selbst unser Gefährt lenken – das würden wir uns auch auf mancher Busfahrt wünschen…

Unsere letzte Station in Bolivien ist der Titicacasee. Ebenfalls ein Sehnsuchtsort! Hier verbringen wir tolle Tage auf der Isla del Sol und in Copacabana am Seeufer, bevor wir über die Grenze wandern und den Monat auf der peruanischen Seite des Sees ausklingen lassen…

So – das war bis hierhin unser erstes Quartal des Jahres 2017! Wow! Wir finden es selbst total verrückt wenn wir uns an all das erinnern und dann daran denken, dass wir die ganzen Erlebnisse in gerade einmal 3 Monaten – okay, in 4 Monaten, wenn wir den Dezember mitzählen – erlebt haben! Findet ihr nicht auch?

Und weil die darauf folgenden Monate nicht weniger ereignisreich werden, folgen diese im nächsten Teil unseres Jahresrückblickes 2017!

Ein neuer Abschnitt unserer (Lebens-)Reise!

Ein neuer Abschnitt unserer (Lebens-)Reise!

Wir haben ein neues Kapitel aufgeschlagen. Auf unserer Reise. In unserem Leben.

Diesen Sommer haben wir geheiratet. Von nun an treten wir unsere Reisen und die durch unser Leben als Ehepaar an. Ab jetzt brauchen wir nicht mehr korrigierend eingreifen, wenn in asiatischen Ländern, in denen die Menschen oft bereits mit Anfang Zwanzig verheiratet sind, andere unsere jeweilig bessere Hälfte als „your wife“ oder „your husband“ betiteln und ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass wir denselben Nachnamen tragen. Denn von nun an sind wir genau das: Ehemann und Ehefrau.
Noch klingt es ungewohnt, uns gegenseitig so vorzustellen. Aber es geht schon gut über die Lippen.

Der 9. September 2017 war ein wunderschöner Tag. Dass das Wetter nicht so mitgespielt hat wie erhofft, spielte dabei gar keine Rolle. Es war dennoch einer der emotionalsten, intensivsten und besondersten Tage unserer bisherigen Beziehung. Und einer der Schönsten. Es war unsere perfekte Hochzeit, genau so und noch viel schöner, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Dass wir diesen Tag mit unseren Familien und vielen unserer liebsten Freunde teilen konnten, hat ihn noch wunderbarer gemacht.

Fast ein dreiviertel Jahr lang haben wir den Tag erwartet, herbei gesehnt und vorbereitet. Zwischendurch auch mal gedacht, dass wir froh sind, wenn er denn dann vorbei ist. Nicht, dass wir wirklich so viel Stress mit der Planung hatten. Andere planen ihre Hochzeit erfolgreich neben einem Vollzeitjob, dessen sind wir uns voll und ganz bewusst. Aber dennoch steckt bei der Vorbereitung einer Hochzeit eben viel Herzblut drin und manches Mal mussten wir – oder besser die Braut 😉 – einfach mal tief durchatmen und überlegen, ob die eigenen Ansprüche nicht viel mehr aufgebauschte Erwartungen seitens der Hochzeitsindustrie sind und ob wir das, was in Hochzeitsmagazinen, auf Messen oder ähnlichem als notwendig präsentiert wird, wirklich persönlich wollen. Zum Glück kam dann zuverlässig der Bräutigam und hat die Braut ganz cool wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Also haben wir neu überlegt, geplant, Ideen gehabt, wieder verworfen und neue Pläne aufgestellt. Und alles konnten wir auch gar nicht planen. Wie auch auf unserer Reise mussten wir bei manchen Dingen darauf vertrauen, dass sich Dinge fügen. Und das taten sie. Besser, als es jede Planung hätte ermöglichen können. Und da wir die meiste Zeit auf einem anderen Kontinent unterwegs waren, haben wir auch oft machen lassen. Dann übernahmen unsere fantastische persönliche Hochzeitsplanerin / unsere Trauzeugen. Danke!

Auch an unserem großen Tag selbst und das ganze Hochzeitswochenende über durften wir uns darauf verlassen, dass um alles gesorgt wurde und wir uns um nichts kümmern mussten. Wir durften einfach nur genießen – uns als Brautpaar, unseren Tag und viele fantastische Überraschungen. Auch dafür sind wir sehr dankbar!

Den neuen Lebensabschnitt leiten wir passenderweise mit einer Reise ein. Am 22. Oktober 2017 ging es los: 2 Wochen Flitterwochen in Thailand. Spontan gebucht, weil der Flug von Singapur aus unausschlagbar günstig war und Thailand für uns immer geht. Außerdem lag es quasi auf dem Weg. Denn genau genommen waren diese herrlichen 2 Wochen süßen Insel-Nichtstuns nur der Auftakt zu unserer eigentlichen Reise. Nach Australien.

Downunder verbringen wir sozusagen „Flittermonate“. Solange, bis wir Mitte nächsten Jahres zu unserer nächsten Destination aufbrechen. Die ganz ungewohnt sogar bereits fest steht. Unsere Lebensreise geht weiter. Um den Globus. Spannend und wie bisher weitgehend ungeplant. Eines ist sicher: langweilig wird es nicht werden. Und es wird auch weiterhin jede Menge zu erzählen geben.

Das Ende: ungewiss.

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

Diese Woche Dienstag, den 21. März 2017, sind wir seit genau 111 Tagen wieder auf Reisen. Ein guter Anlass finden wir, um über unsere Reise zu philosophieren und Euch schonmal einen kleinen Einblick zu geben, was wir in den vergangenen 111 Tagen so alles erlebt haben:

  1. Wir haben in den 111 Tagen 4 Länder bereist: Brasilien, Argentinien, Chile und Bolivien. Zählen wir die Länder dazu, die wir im Rahmen unserer Überfahrt nach Südamerika per Schiff besucht haben, kommen sogar noch 3 dazu: Italien, Spanien und Marokko. Mit Peru, Ecuador und Kolumbien soll es auf unserer Südamerika-Etappe noch in weitere 3 Länder gehen.
  2. Am 111. Reisetag machten wir eine geile Radtour: Es ging die „Death Road“ hinunter, die Studien vor wenigen Jahren als gefährlichste Straße der Welt belegten. Im Schnitt stürzten 26 Fahrzeuge pro Jahr hier in die Tiefe. Auf der Radtour von La Paz nach Coroico fuhren wir in 3 Stunden über 3.000 Höhenmeter auf der Death Road hinunter! Adrenalin pur!DANKE AN STEFAN K. & STEFAN W., DEREN GESCHENKE WIR FÜR DIESE RADTOUR EINGELÖST HABEN!!
  3. Von den Wasserfällen von Iguazu sind wir durch ganz Argentinien bis an die Südspitze des amerikanischen Kontinents und komplett Chile wieder hoch bis nach Sucre in Bolivien getrampt.
  4. Das macht 12.700 km per Anhalter! Verteilt auf 122 Lifts, die uns hilfsbereite Menschen gegeben haben – viele davon im Auto, auf Pick-up Pritschen, im LKW, in Kleintransportern, auf Ladeflächen…
  5. Unsere exotischsten Lifts waren ein Krankenwagen, ein Polizeiauto, ein Feuerwehrauto und ein Segelschiff!
  6. Unser längster Lift war eine 1.400 km lange Fahrt am Stück im LKW.
  7. Als wir in Bolivien (aufgrund der sehr günstigen Buspreise, des geringen Privatverkehrs überland, der Zurückhaltung der Bolivianer und der Praktik, dass Tramper sich am Benzingeld beteiligen) beschlossen von nun an per Bus weiterzureisen, fühlte es sich an wie das Ende eines Abenteuers. Traurig.
  8. Schon nach 3 Busfahrten sehnen wir uns wieder nach einem eigenen Transportmittel. Nach Aufregung. Nach Abenteuer.
  9. Beim Reisen per Anhalter lernt man die Menschen eines Landes und ihre Geschichten besser kennen als bei jeder anderen Reiseart.
  10. Wir wurden viele Male eingeladen – auf einen Kaffee, ein Mittagessen, eine Übernachtung – und ebenso viele Male beschenkt – mit Keksen, Wasser, einem Umweg für uns etc. Unzählige Male waren wir von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft uns gegenüber überwältigt!
  11. Aus manchen Begegnungen entwickelten sich bleibende Kontakte und sogar Freundschaften.
  12. Wir machten keine einzige schlechte Erfahrung beim Trampen durch Südamerika.
  13. Wir kennen nun alle möglichen latinoamerikanischen Musikstile und die aktuellen Charts aus Argentinien und Chile.
  14. Feuerland und das südliche chilenische Fjordland haben das wohl unwirtlichste – und gleichzeitig unwirklichste – Klima der Erde.
  15. In Patagonien sind Schneestürme, Hagel und Minusgrade selbst im Hochsommer keine Seltenheit. Auch 4 Jahreszeiten an 1 Tag sind ganz normal.
  16. Trotzdem haben wir hier 2 Monate lang ausschließlich gezeltet. Meist in der freien Natur. Unser Zelt ist inzwischen sowas wie unsere Höhle: Aufgebaut, reingewurschtelt, zuhause.
  17. Patagonien ist in allem extrem: extrem wenige Menschen, extrem schöne Natur, extrem starker Wind, extrem rau, extrem starke Sonne, extreme Wetterumschwünge, extrem langwierig zu erreichen, extreme Naturgewalten.
  18. Am Ende der Welt wartet immer ein Regenbogen!
  19. Nach der Zeit in Patagonien nehmen wir verschmutzte Luft und Abgasgeruch viel intensiver wahr.
  20. Der kalbende Gletscher Perito Moreno, die Wasserfälle von Iguazu und die Salar de Uyuni sind zusammen wohl drei der beeindruckendsten Wunder der Schöpfung, die wir bisher sahen.
  21. In Argentinien gibt es eine Provinz, die tatsächlich „La Pampa“ heißt. Sie ist…eben – reine Pampa: dürre Steppe, keine Bäume, keine Besiedlungen, kein Wasser. Die Pampa ist flächenmäßig größer als Deutschland.
  22. Korruption ist eines der größten Probleme für ein Land.
  23. Je höher der Lebensstandard in einem Land ist, desto teurer ist Essen.
  24. Chile, Argentinien und Brasilien haben dasselbe Preisniveau wie Deutschland.
  25. In Boliven ist es teurer Zutaten zum kochen zu kaufen als essen zu gehen. Für 1-2€ bekommt man im Restaurant ein komplettes Menü bestehend aus Suppe, Hauptspeise und Nachtisch.
  26. Hier gibt es auch endlich wieder leckeres Streetfood und frisch gepresste Fruchtsäfte an jeder Straßenecke.
  27. Mangos, Bananen und Avocados schmecken hier noch mindestens 10mal besser als aus dem deutschen Supermarkt.
  28. Wenn die Einheimischen das Leitungswasser trinken, tun auch wir dies bedenkenlos. Bisher ohne Probleme. In Plastikflaschen abgefülltes Wasser kaufen wir nur, wenn es absolut notwendig ist. In 3 Jahren Reisen haben wir viel zu viele Plastikflaschen am Straßenrand, im Meer und überall in der Natur gesehen.
  29. Wir wissen noch nicht genau, was es damit auf sich hat, aber bisher verging noch kein Tag, an dem wir in Bolivien keine Blaskapelle spielen hörten.
  30. Einfach Fragen öffnet alle möglichen Türen.
  31. Nett und mit einem Lächeln fragen sogar Tore.
  32. Egal wie wenig Klamotten wir dabei haben – selbst dann noch ziehen wir manches fast immer an und anderes fast nie.
  33. Nach fast 3 Jahren auf Reisen hat sich unser Gepäck fast um die Hälfte reduziert.
  34. Man kann sich auch in Orte verlieben, nicht nur in Menschen.
  35. Die schönsten Plätze sind nicht leicht zu finden. Und sie stehen in keinem Reiseführer.
  36. Wir sind keine Gruppenreisenden.
  37. Wir sind viel lieber draußen und wandern zur 10. Lagune als länger in einer Großstadt zu sein. Die sehen oft irgendwie gleich aus. Grau.
  38. Vieles kommt auf die Sichtweise an – in Australien’s Outback ist Regen ein Grund zur allgemeinen Freude. Im chilenischen Fjordland tägliches Ereignis.
  39. An den meisten Orten ist es nicht gefährlicher als zuhause.
  40. Fragt man die Einheimischen, ist es im Nachbarland/im Nachbarort/in der Nachbarprovinz immer viel gefährlicher.
  41. Es gibt nur sehr wenige Orte, an denen kein anderer Deutscher ist.
  42. Gastfreundschaft hat nichts mit Wohlstand oder Armut zu tun.
  43. Die Monate im australischen Outback und in Patagonien haben uns geprägt: Größere Menschenansammlungen und vor allem hohes Verkehrsaufkommen gehen uns schnell auf die Nerven.
  44. Wir schlafen inzwischen viel lieber in unserem Zelt als in einem mäßigen Hostel mit verranzter Küche oder schmuddligem Badezimmer.
  45. Aber auch die Nacht in der Turnhalle, die als Notunterkunft aufgrund der Überflutungen in der chilenischen Region Aysen geöffnet war, war nicht so schlecht. Es gab Kaffee, Frühstück und sogar eine heiße Dusche.
  46. Allgemein herrscht das Klischee, Südamerikaner seien unpünktlich. Auf Chilenen trifft das ganz und gar nicht zu. Hier fahren selbst Tourbusse überpünktlich ab.
  47. Es gibt schwarzweisse Delfine! Und Pinguine mit gelben Halskrägen! Und wir haben sie gesehen!
  48. Mit Seelöwen zu schnorcheln war eine der genialsten Erfahrungen unserer Reise!
  49. Insgesamt tragen wir in Südamerika sehr viel häufiger unsere Wanderschuhe als unsere Flipflops.
  50. Auch unsere Regenjacken hatten wir schon häufiger an als unsere kurzen Hosen. Irgendwie hatten wir uns den südamerikanischen Sommer wärmer vorgestellt. Wir sind aber auch meist in Höhenlagen zwischen 3.000-5.000 Meter unterwegs.
  51. Wenn es dann mal wo warm ist, ist es gleich richtig heiß.
  52. Kurz vor San Pedro de Atacama in Chile haben wir zum 2. Mal (das 1. Mal war an der Westküste Australien’s) den tropischen Breitengrad der Südhalbkugel, den „Tropic of Capricorn“, überquert. Wir freuten uns wie verrückt.
  53. Nichts ist unbefriedigender, als einen Gipfel zu erklimmen – und nichts außer einem grauen Wolkenmeer zu sehen.
  54. In der Regel lohnt es sich, fremden Menschen die Chance zu geben, ihre gute Seite zu zeigen. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschen vorausgesetzt, widerfährt einem unheimlich viel Gutes.
  55. Auch auf einer Reise ist nicht jeder Tag fantastisch. Mal ist es anstrengend, mal mühsam und oft müssen wir uns jedes Mal auf’s Neue außerhalb unserer Komfortzonen wagen. Aber am Ende des Tages werden wir immer wieder für die Anstrengungen belohnt.

Ergo: Diese Reise ist bis heute das Beste, was wir unternommen haben!

Facts & Figures – USA

Facts & Figures – USA

REISEDAUER

Wir haben 13 Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht. Davon 10 Tage auf den Inseln Oahu und Maui im Staat Hawaii und 3 in San Francisco, Kalifornien. Unsere Facts & Figures beziehen sich ausschließlich auf diese 2 Destinationen der USA und sind sicher nicht für alle Staaten repräsentativ. Wie schon in den Facts & Figures zu Neuseeland kurz erwähnt, würden wir im Nachhinein unsere Zeit auf Hawaii eher etwas kürzen und stattdessen länger in Neuseeland bleiben.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in den knapp 2 Wochen in den USA zu zweit 1.760 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 67,70 € pro Person. Autsch!
Die USA sind damit das teuerste Land, das wir auf unserer gesamten Reise besucht haben! Die hohen Kosten liegen natürlich auch an den 3 Inlandsflügen – sowohl zwischen Oahu und Maui als auch nach San Francisco mussten wir gegebenermaßen fliegen. Dass sich das in den Kosten nieder schlägt, ist klar. Aber auch davon abgesehen waren die Lebenshaltungskosten – vor allem auf Hawaii – hoch bis sehr hoch.

Transport:

Wer auf Hawaii mehr unternehmen möchte als nur an einem Strand zu verweilen/an einem Ort zu sein, wird um ein eigenes Fahrzeug kaum drum herum kommen. Im Stadtbereich von Honolulu sind die Busverbindungen zwar gut ausgebaut, aber alles was über die Vororte hinaus geht, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum mehr zu erreichen. Auf Maui gibt es ebenfalls kaum Busverbindungen außerhalb des Hauptortes Kalahui.

Im Gegenzug ist San Francisco sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundbar. Ein Mietwagen ist unseres Erachtens überflüssig – und kann nicht nur aufgrund der vielen Einbahnstraßen sondern auch bezüglich der zeitaufwändigen Parkplatzsuche und der hohen Aufbruchgefahr ziemlich lästig sein. Alles, was uns abhanden kam ist der wenig schmerzhafte Verlust von 0,30US$ Pfand – uns wurden doch tatsächlich unsere Wasserflaschen aus dem Getränkehalter unseres Tandems geklaut, während wir uns die Speisekarte eines Restaurants anschauten.

Unterkünfte

Für ein einfaches Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad bezahlen wir am Waikiki Beach in Honolulu im März 2016 knapp 100 €. Zwar ist da ein (einfaches) Frühstück mit dabei, das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt für uns trotzdem nicht. Es sollte daher unsere erste und einzige Nacht in einem Hostel auf Hawaii sein. Die restlichen Nächte „campten“ wir sowohl auf Oahu als auch auf Maui in unserem Mietwagen. Unser Doppelzimmer mit eigenem Bad im Hotel Aida Plaza in San Francisco kostet uns im selben Monat 86 €. Auch teuer, aber hier immerhin sehr zentral, ebenfalls inklusive Frühstück und mit Wifi.

Die 2 Nächte, die wir am Flughafen verbrachten, waren kostenlos 😉

3 Highlights:

  1. Unsere zufälligen Begegnung mit den Meerestieren auf Hawaii! So schnorchelten wir ganz für uns frühmorgens in einer kleinen Bucht auf Maui, als sich mehrere große Meeresschildkröten ganz gelassen und neugierig zu uns gesellten. Ebenso eindrucksvoll war es, als wir frühmorgens in unserem kleinen Mietwagen mit Stellplatz am Meer die Augen aufschlugen und beim Blick auf das Meer vor uns Buckelwale in der Bucht springen sahen.
  2. Unsere Übernachtung im Krater des Vulkans Haleakala! Nach einem spektakulären Sonnenuntergang dauerte es nicht lange, bis wir die einzigen Menschen auf dem Vulkan waren. Auf über 3.000 Metern hier allein in einem Vulkankrater zu stehen und in den funkelnden Sternenhimmel zu blicken wurde gekrönt vom fast ebenso spektakulärem Sonnenaufgang am nächsten Morgen.
  3. Die Golden Gate Bridge! Das krönende Highlight unserer spaßigen Fahrradtour durch San Francisco! Unserer Meinung nach übrigens die beste Art, um die Metropole zu erkunden. Diese imposante, rot leuchtende Brücke, die sich fotogen über die Bucht spannt, sollte man einfach einmal gesehen haben.

3 Lowlights:

  1. Der unerwartet dichte Verkehr auf Maui und Oahu! Nach 3 Monaten in der Südsee, wo wir kaum Autos sahen, passte dieser so gar nicht mehr zu unserer Vorstellung von idyllischen Inselparadiesen! Auch dass bei den amerikanischen Autos generell die Devise höher, lauter und schneller zu gelten schien, fanden wir nervig (ehrlich, wozu braucht man in einer hawaiianischen Kleinstadt einen höher gelegten, 5 Meter langen Pick-up?!) Gefühlt standen wir außerdem jeden Tag irgendwo im Stau…
  2. Die vielen Obdachlosen in den Straßen! Sowohl auf Hawaii als auch in San Francisco sahen wir sehr viele Menschen auf der Straße leben. Die Schere zwischen den Gesellschaftsschichten ist sehr offensichtlich und dass ein wirtschaftlich so weit entwickeltes Land wie die USA nicht in der Lage ist, ihrer Bevölkerung auch im sozialen Bereich ein Mindestmaß an Absicherung zu bieten, stimmte uns gleichermaßen fassungslos, traurig und nachdenklich.
  3. Unsere Whalewatching-Tour auf Maui. Für 40 US$ pro Person zwar ein Schnäppchen, dafür sahen wir in diesen 2 Stunden Wale auch nur von Weitem. Außerdem war die Besatzung des Bootes alles andere als service-orientiert, freundlich oder motiviert. Das hatten wir in Australien und Neuseeland ganz anders erlebt.

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

  1. Zumindest auf den hawaianischen Inseln Oahu und Maui finden sich nur noch sehr wenige Spuren polynesischer Kultur.
  2. Die in Supermärkten und Geschäften der USA ausgeschilderten Preise sind abzüglich Mehrwertsteuer. Das heißt, an der Kasse kommt auf jedes Produkt nochmal was drauf. Nervt!
  3. Trotz des allgegenwärtigen Konsumangebots fanden wir es sowohl in San Francisco als auch auf Hawaii relativ schwer, gesundes/frisches Essen zu günstigen Preisen zu finden. Fast Food Restaurants und Schnellimbisse finden sich an jeder Ecke, aber Lebensmittel wie frisches Obst, Salat oder echter Fruchtsaft sind selbst im Supermarkt entweder nur schwer zu bekommen oder unverhältnismäßig teuer. Auch die Sonderangebote und Fertiggerichte fördern auf Dauer eine Gewichtszunahme – siehe Fun Fact 3…

3 Fun Facts:

  1. Der chinesische Glückskeks hat seinen Ursprung nicht etwa in China, sondern in San Francisco! Der japanische Einwanderer Makoto Hagiwara kreierte hier den ersten, heute als urchinesisch angepriesenen Keks mit den Spruchweisheiten im Jahre 1914.
  2. Hawaii ist das abgelegenste bewohnte Gebiet der Erde! Es liegt 2.390 Meilen entfernt von der Westküste Kalifornien´s, 3.850 Meilen von Japan, 4.900 Meilen weit von China und 5.280 Meilen weg von den Philipinen.
  3. Auf den Flügen in der USA war der Anteil der übergewichtigen bis fettleibigen Menschen im Flugzeug mit Abstand und auffallend am höchsten!

Fazit

San Francisco gefiel uns wirklich sehr gut. Eine spannende Metropole, in der wir gut und gerne noch ein paar Tage mehr verbringen wurden. Hawaii hingegen konnte unseren Erwartungen nicht gerecht werden. Insgesamt ist es so, dass die USA – obwohl sie einige Nationalparks wie z. B. den Grand Canyon, Yosemite und andere sowie weitere Metropolen wie New York oder Washington haben, die uns reizen würden – vorerst nicht auf der Liste unserer nächsten Wunschdestinationen stehen. Außer vielleicht Alaska… 😉

Zu Besuch in der Heimat – Kurzurlaub im Schwarzwald!

Zu Besuch in der Heimat – Kurzurlaub im Schwarzwald!

Die Besitzer haben es uns einfach gemacht und alles Wichtige für unsere Ankunft vorab per Email genau beschrieben. Ohne Schwierigkeiten finden wir das Haus am Hang. Wir nehmen den Schlüssel aus dem gesicherten Schlüsselkästchen und schließen die Haustür zu dem schicken Haus auf, dass wir für die nächsten 2 Tage unser Eigen nennen dürfen.

Auf dem langen Esstisch erwartet uns schon ein kleines Geschenk: ein großes Glas Heidelbeermarmelade. Lecker! Für ihre wilden Heidelbeeren ist die Region um das Dorf Enzklösterle bekannt, auch Uli’s Eltern sammeln hier jedes Jahr die feinschmeckenden Beeren. Jetzt im November ist es zum Beeren sammeln natürlich schon zu spät, umso mehr freuen wir uns über den süßen Willkommensgruß. Wir stellen unsere Reisetaschen ab, holen eine Kiste bereits gehacktes Feuerholz aus der Garage hoch und bringen erst einmal den Kaminofen in Gang, der in einer Ecke des kombinierten Wohn- und Esszimmers steht. Schon kurz darauf wird es wohlig warm in der ganzen Etage. Während das Kaminfeuer behaglich vor sich hin knistert, genießen wir einen ersten Kaffee mit Blick über den Schwarzwald und schauen uns im Haus um. Eigentlich ist es mit seinen über 3 Stockwerke verteilten 6 Schlafzimmern und den 3 Bädern ja viel zu groß für uns beide allein – dennoch kommen wir uns aufgrund der gelungenen Aufteilung des Ferienhauses auch zu zweit nicht verloren vor. Ganz im Gegenteil – die aus geschmackvollen antiken und neuen Möbeln kombinierte Einrichtung ist so gemütlich, dass wir uns vom ersten Augenblick an wie zuhause fühlen.

Man spürt die Liebe zum Detail, mit der das Haus eingerichtet wurde. Kein Wunder – Familie Roth, der das Haus gehört und die noch weitere Traumferienhäuser im ganzen Schwarzwald vermietet, sucht die Inneneinrichtung für all ihre Häuser persönlich aus. Das ist ihnen wichtig, erzählen uns Sandra & Heiko, als wir sie auf einen Kaffee in Alpirsbach – also ganz in der Nähe von Biene’s Heimatort Waldmössingen – besuchen. Zur Ferienhausvermietung kamen sie eher zufällig. Beruflich zog die Familie zeitweise ins Ausland und vermietete ihr eigenes Haus für diese Dauer. Nach ihrer Rückkehr richteten sie schrittweise weitere Häuser zeitaufwändig her und bauten sich sukzessive eine Lebensgrundlage damit auf. Ein echtes schwäbisches Self-Made-Familienunternehmen also.

Ausblick nach WestenWir lassen uns einen weiteren Kaffee aus der Maschine in Enzklösterle. Die sympathische Hausverwalterin kommt zur persönlichen Begrüßung vorbei und zeigt uns alles im Haus. Anschließend machen wir es uns auf der Couch gemütlich und schauen zu, wie vor den großen Fenstern leise der erste Schnee des Jahres zur Erde fällt.  Am nächsten Tag haben wir viel vor. Beim Stöbern im kostenlosen eBook mit Ausflugsideen und persönlichen Geheimtipps der Familie Roth haben wir einige kürzere Wanderungen entdeckt, die wir laufen wollen. Aber draußen ist es grau und regnerisch. Und hier drinnen doch so gemütlich…!

…also frühstücken wir erst einmal gemütlich…spielen Brettspiele…Hach, was gibt es Schöneres an einem kalten Novembertag?Uli zaubert uns in der voll ausgestatteten Küche leckere Lasagne…wir legen Holz im Ofen nach…mummeln uns auf der Couch ein…schauen zu, wie dicke Wolken langsam das Tal verhüllen…trinken Kaffee…

…und so gehen wir doch tatsächlich den ganzen Tag nicht vor die Tür – außer, um neues Feuerholz für den Kaminofen zu holen. Es ist einfach zu gemütlich! Als es draußen langsam dämmert, heizen wir die hauseigene Sauna im Untergeschoss an. Ganz für uns gönnen wir uns den Luxus eines entspannten Wellnessabends, bevor wir den Tag bei einem guten Glas Rotwein vor dem Kamin ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen heißt es schon Abreisen. Da wir nur zu zweit sind, sind wir ohne Eile zur Abreisezeit um 10 Uhr fertig. Obwohl wir nur 2 Nächte hier waren, fühlen wir uns wie nach einem Urlaub, als wir die Türe hinter uns zu ziehen. Schön ist, dass wir trotzdem nur 45 Minuten Fahrzeit haben, bis wir wieder zuhause sind. Dieser Kurzurlaub im Schwarzwald hat uns wieder mal gezeigt, wie schön auch unsere Heimat ist!

Und so gehen wir im Anschluss frisch erholt an die Planung für die nächste Etappe unserer großen Reise – denn die wird etwas länger und führt uns auch wieder aus dem Schwarzwald hinaus! 🙂

…was bei der Planung heraus kam, verraten wir Euch sobald es losgeht im nächsten Bericht!

Vielen Dank an Traum-Ferienhäuser Schwarzwald für die Einladung nach Enzklösterle.

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