Indonesien

Farbenfrohes Unterwasserparadies – Tauchen auf Pulau Weh

Farbenfrohes Unterwasserparadies – Tauchen auf Pulau Weh

Von unserem Tauch- und Schnorchelausflug ans Great Barrier Reef wird es wahrscheinlich kein Video geben. Das Wetter war einfach nicht gut genug für schöne Aufnahmen. Wir wollen Euch trotzdem gerne mal mit in die Unterwasserwelt nehmen. Deshalb nutzen wir die Gelegenheit und tauchen mit Euch ab in die farbenfrohe Tiefe des Ozeans vor Indonesien.

Hier hat Biene letztes Jahr im November auf Pulau Weh mit den Rubiah Tirta Divern ihren Open Water Diver Tauchschein – quasi das Seepferdchen für Taucher – gemacht.

Viel Spaß beim Abtauchen:
(für eine gute Qualität am besten bei Einstellungen auf „HD“ klicken)

 

Zum Himmel stinkende Schönheiten, vorgekaute Kaffeebohnen und galoppierende Büffel – letzte Station Bukkitinggi

Zum Himmel stinkende Schönheiten, vorgekaute Kaffeebohnen und galoppierende Büffel – letzte Station Bukkitinggi

Mittlerweile haben wir ja schon so manch anstrengende (wie z.B. in Myanmar) oder auch abenteuerliche Busfahrt (wie z.B. in Tibet) hinter uns gebracht. Trotzdem hat sich die Fahrt mit dem Nachtbus von Parabat nach Bukkitinggi ganz klar Platz 1 auf unserer Liste der übelsten Busfahrten ergattert.

Da es nur ein einziges Busunternehmen gibt, das diese Strecke bedient, hat dieses vollen Preisgestaltungsspielraum. Das heißt: die Fahrt kommt mit 17 € p.P. für Sumatra´s Verhältnisse recht teuer. Außerdem fahren die Busse ab Medan los, sodass in Parabat oft nur noch Restplätze verfügbar sind. Und da die Strecke über die Bergkette in Sumatra´s Inselinneren führt, wo es oft zu Straßensperrungen infolge von Unfällen oder Stürmen oder zu Verspätungen durch Pannen kommt, kann einem auch niemand genau sagen, wie lang die Busfahrt sein wird. Die genaue Aussage war: mit viel Glück 10 Stunden. Wir sollen aber eher mit 20 rechnen. Alles klar, das kann ja heiter werden 😀

Wir haben Glück und bekommen noch 2 Plätze nebeneinander im fast vollen Bus für den heutigen Tag. Denn entgegen der Empfehlung unseres Hostel haben wir nicht von Tuk Tuk aus vorgebucht, sondern buchen wie immer direkt im Büro des Busunternehmens. So haben wir schon einiges an Kommission gespart. Um 16 Uhr geht die Fahrt recht pünktlich los. Gegen die schon erwartete Eiseskälte aus der Klimaanlage sind wir gut mit Decken und Socken gerüstet. Wogegen wir nichts machen können: den dauertelefonierenden Fahrgast in der Reihe hinter uns. Während wir den mit Kopfhörern in den Ohren ganz gut ausblenden können, sind wir machtlos, als der Fahrgast hinter Biene schon bald feststellt, dass ihn die vielen Bergkurven über den unser Busfahrer im Formel 1 Stil heizt, reisekrank machen. Wir gehen hier nicht weiter in die Details…

Eigentlich soll dieser Bericht ja auch gar nicht die mühselige Anreise zum Thema haben. Denn die hat sich so oder so gelohnt. Bukkitinggi und sein Umland hat zahlreiche Besonderheiten zu bieten, die wir in knapp einer Woche erkunden.

DIE STADT BUKKTINGGI

Die Stadt selbst versprüht trotz der funktionalen Bauweise ihrer Häuser ein sympathisches Flair. Schon frühmorgens rufen die Muezzins von der zentralen Moschee die Gläubigen zum Gebet. Tagsüber füllen sich die chaotischen Straßen der Marktstadt, aber mit Einbruch der Dunkelheit wird die belebte Hauptstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt, die an beiden Seiten von Warungs gesäumt ist. Hier reiht sich eine lokale Köstlichkeit an die andere und wir probieren allerlei scharfe Padang-Gerichte, die typisch sind für Sumatra´s Westküste. Zu erkunden gibt es u.a. nichts weniger als die chinesische Mauer – ein Wanderweg durch und über eine Schlucht mit fantastischen Ausblicken. Und gemauerten Stufen, denen er wohl seinen großen Namen verdankt 😀

Außerdem gibt es ein zugängliches Höhlensystem aus dem 2. Weltkrieg. Uns haben bei der Besichtigung am meisten unsere Guides beeindruckt – 2 Schuljungen sprachen uns auf der Straße an und wollten uns die Höhlen unbedingt zeigen – nur, um sich mit uns zu unterhalten und ihr Englisch üben zu können.

Hier in Bukktinggi stellen wir auch mal wieder fest, dass die Welt trotz ihrer Größe manchmal ein Dorf ist: schon auf der Anreise vom Lake Tobau hierher lernen wir Dijou aus Karlsruhe kennen, mit dem wir im selben Hostel absteigen. Und bei einem Spaziergang über den belebten Markt treffen wir Herbert aus Neuenbürg (einem Teilort Pforzheims), der hier die Wintermonate verbringt. Wenn man bedenkt, wie wenig Ausländer sich hierher verirren, nahezu eine Sensation.

Wenn wir dann nach langen und erfüllenden Erkundungs-Tagen abends zurück in unser Hostel „Hello Guesthouse“ kommen, sitzen wir oft noch gemütlich mit Dijou, Julia und Tom aus Berlin, Lisa aus Schweden und anderen Reisenden beisammen.

DAS UMLAND – KÖNIGREICH DER MINANGKABAU

An mehreren Tagen leihen wir uns ein Moped und erkunden die Gegend um Bukkitinggi. Dabei ist oft schon der Weg unser Ziel. Das vulkanische Hochland in diesem Teil Sumatra´s ist äußerst fruchtbar und im milden Bergklima gedeihen Reis, Gemüse und Obst besonders gut. Die Landschaft ist grün, saftig und von klaren Flüssen durchzogen. Unterwegs kommen wir durch kleine Dörfer, in denen noch viele traditionelle Holzhäuser der Minangkabau mit den nach hornförmig nach oben gebogenen Giebeln das Ortsbild prägen. Die Minangkabau sind ein stolzes Volk, in denen traditionell die Frauen das Sagen haben. Ein spannender Besuch mit persönlicher Führung im Königinnenpalast enthüllt viel von ihrer spannenden Kultur.

DONAU MANINJAU

Ebenfalls mit dem Moped machen wir einen Tagesausflug zum Donau Maninjau. Dieser große Kratersee gilt als der perfekte Vulkankratersee überhaupt. In der Tat ist er schön. Uns bleibt vor allem auch die Anfahrt im Gedächtnis – über 48 (durchnummerierte) Haarnadelkurven führt eine steile kleine Straße hinab an den idyllischen See. Während hier bis vor wenigen Jahren noch Tourismus die Haupteinnahmequelle war, gibt es nun immer mehr nachhaltig geführte Fischzuchten im klaren Wasser des Kratersees. Wir verbringen einen gemütlichen Mittag bei gutem indonesischen Kaffee am Seeufer, essen – sehr zur Belustigung dieser – wie die Einheimischen in einem kleinen Warung mit den Händen Reis und Fisch und sehen dabei einem Affen zu, der dafür trainiert wurde um Kokosnüsse zu pflücken.

TRADITIONELLE BÜFFELRENNEN

Jeden 2. Samstag finden im Umland von Bukktinggi Büffelrennen statt. Dabei rennen jeweils 2 Büffel über ein geflutetes Reisfeld, angefeuert von der johlenden Menge am Rand. Gelenkt wird von einem Jockey, der mit je einem Fuß auf den Deichseln beider Büffel dazwischen steht. Nicht immer klappt das auf Anhieb und das Gejohle ist groß, wenn die Büffel einzeln losrennen und der Jockey in den Matsch fällt. Ob der schnellere der beiden Büffel gewinnt oder das schnellste Gespann, haben wir leider nicht herausgefunden. Der Veranstaltungsort wechselt jedes Mal und da wir mit unserem geliehenen Moped den Weg nicht gleich fanden und es zwischendurch heftig regnete, kamen wir etwas zu spät und haben nur noch das letzte Rennen gesehen… Trotzdem war die Atmosphäre großartig. Wie bei einem Dorffest gibt es drumherum um das Feld viele Essensbuden, Verkaufsstände, Kinderprogramm und ein (handbetriebenes) Riesenrad. Wir haben uns erklären lassen, dass die teilnehmenden Büffel verkauft werden sollen – und für schnelle Büffel können höhere Verkaufspreise erzielt werden.

DIE GRÖßTEN BLUMEN DER WELT

Im tiefen Dschungel Sumatra´s gedeihen allerlei seltenen und ungewöhnlichen Pflanzen. Zwei besondere Exemplare haben es sogar ins Guiness Buch der Rekorde gebracht: Die größten Blumen der Welt! Mit unserem Guide Joni wandern wir in der Nähe des Dorfes Palupuh tief in den Dschungel und obwohl wir ja am liebsten auf eigene Faust unterwegs sind, müssen wir eingestehen, dass wir die Blumen allein nie gefunden hätten. Über die Erste wären wir wohl einfach drüber gestiefelt. Denn auf den ersten Blick sahen wir nur einen baumstamm-artigen Trunk aus dem Boden ragen. Dass es sich dabei um den Blütenstengel einer Titanwurz handelt, erklärt uns fachkundig Joni. Die Titanwurz ist ein wahrer Gigant. Ihr Blütenstengel ragt bis zu 3 Meter gen Himmel empor. Damit gilt sie als höchste Blume der Welt. Sie zeigt allerdings selten ihre volle Pracht und blüht nur etwa alle 1,5 Jahre.

Noch seltener, nämlich nur einmal in 5 Jahren, blüht die Rafflesia Arnoldi. Tja, was sollen wir sagen? Wir verpassen ihre volle Blüte um ganze 3 Tage. Als wir da sind, sehen wir zwar eine riesige Blütenknospe, diese ist aber noch fest verschlossen. Wir entdecken noch ein verwelkendes Exemplar und können uns so ganz gut vorstellen, wie die größte Blume der Welt (gemessen am Durchmesser ihrer Blüte) wohl kurz darauf aussieht. Eigentlich ein Parasit, wiegt ihre Blütenknolle dann bis zu 11 kg und ist ca. 1 m im Durchmesser.

Ach, noch ein anderes Superlativ dürfen die beiden Blumen ihr Eigen nennen: während des Blühens sind sie die wohl am übelsten stinkenden Blumen der Welt! 🙂

LUWAK COFFEE

Zur Stärkung gönnen wir uns nach unserer Dschungelwanderung eine Tasse Kaffee. Aber nicht irgendeinen Kaffee, sondern Luwak Kaffee. Bei dem als feinste Kaffeesorte der Welt (wieder so ein Superlativ 😉 ) angepriesenen Getränk handelt es sich um ein zertifiziertes Produkt Sumatra´s, das original aus dem kleinen Dorf Palupuh stammt. Was den Kaffee so besonders macht? Sein Herstellungsprozess! Denn anders als beim gewöhnlichen Kaffee werden die Kaffeebohnen dafür nicht einfach auf der Plantage gepflückt. Sie werden aufgelesen. Besser gesagt wird der Kot der Wildkatzen aus dem Dschungel aufgesammelt, die die rein organischen Kaffeebohnen gefressen und ausgeschieden haben. Hört sich eklig an? Fanden wir auch! Wir lassen uns trotzdem zu einer Kostprobe überreden. Es heißt schließlich, man soll nichts verurteilen, was man nicht probiert hat. Und die wirklich tolle Vorstellung der Kaffee-Produzentin, die mehr als 100 Farmer aus mehreren Dörfern beschäftigt, um genügend Kot für die Produktion zu sammeln, überzeugt uns, dass am koffeinreichen Endprodukt nicht Ekliges mehr dran ist. Dafür soll die Kaffeesorte allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften haben. Der Kaffee riecht ausgesprochen aromatisch, vom Geschmack her finden wir ihn aber nicht mehr oder weniger intensiv als herkömmlichen guten Kaffe. Sein Preis liegt mit ca. 20 € / 100 g allerdings im gehobenen Segment.

Mit all diesen einmaligen Erlebnissen gefüllt vergeht die Woche, die wir bis zu unserer Abreise nach Singapur haben, wie im Flug. Und damit steht auch schon unser Abschied von der Insel bevor, die uns schwer gefallen hat.

Sumatra – eine Insel für Abenteurer und Entdecker, wild und brodelnd im Kern!

Wir danken unserem Guide Joni für das zur Verfügung stellen der Bilder vom Blüteprozess der Rafflesia Arnoldi. Und Danke an Dijou, dass wir Deine Bilder vom Büffelrennen zeigen dürfen.

Eine Insel auf der Insel und ein Dorf namens Tuk Tuk – ruhige Tage am Lake Toba

Eine Insel auf der Insel und ein Dorf namens Tuk Tuk – ruhige Tage am Lake Toba

Um von Berastagi auf die Insel Samosir im Toba See zu kommen ohne wieder zurück nach Medan fahren zu müssen, nehmen wir am nächsten Morgen als erstes ein Opelet ins 15 Minuten entfernte Kabanjahe. Opelets haben wie die meisten öffentlichen Verkehrsmittel in Südostasien keine festen Fahrzeiten, sondern fahren ab sobald sie voll sind. Und wie die meisten anderen Verkehrsmittel auch werden so viele zahlende Passagiere mitgenommen, wie es nur irgendwie geht. In Kabanjahe steigen wir um in einen Bus nach Pematangsiantar und wünschen uns schon bald das klapprige Opelet zurück. Die Fahrt ist holprig und rasant, der Bus proppevoll und es wird heiß. Die Fahrtzeit ist eigentlich mit 3 Stunden angegeben, dauert aber einiges länger, sodass wir bei unserer Ankunft nicht sicher sind, ob noch ein Bus nach Parabat kommt, von wo aus die Fähre auf die Insel Samosir fährt. Und natürlich findet sich wie so oft ein Fahrer, der erzählt dass der letzte Bus für heute schon weg sei und die einzige Möglichkeit noch weiter zu kommen darin besteht, sich von ihm für ein zehnfaches des Buspreises fahren zu lassen. Aber wir sind ja nicht mehr ganz reiseunerfahren und während Biene auf das Gepäck aufpasst, fragt sich Uli durch.

Tatsächlich kommt noch ein Bus nach Parabat. Nachdem wir uns nach langem Handeln mit dem Kassier auf den tatsächlichen statt den doppelten Fahrpreis einigen, steigen wir ein und die nächste zweistündige Fahrt steht der vorherigen in nichts nach. Als wir dann in Parabat ankommen wird es bereits dunkel. Um die letzte Fähre des Tages noch zu erreichen, müssen wir vom Bus zum Fährterminal rennen. Vollbepackt sprinten wir über den Markt den Bootssteg entlang und die Bootsplanke hinauf. Keine Sekunde später legt die Fähre ab. Passenderweise steht über die Anreise zum Lake Toba im Lonely Planet: „die Anfahrt ist qualvoll oder geht einem zumindest richtig auf den Wecker – aber irgendwann wird man letztendlich am Ziel ankommen“. 😀

Zuerst aber fahren wir nochmal 45 Minuten mit der Fähre zum Ort Tuk Tuk. An Bord müssen wir uns schnell überlegen, wo wir schlafen wollen – die Fähre legt nicht an einem festen Bootssteg an, sondern bei den verschiedenen Unterkünften. Wir haben wie eigentlich immer nicht vorgebucht und entscheiden uns für das Guesthouse, dass sich bei unserer Recherche am besten anhörte. Tatsächlich ist Liberta Homestay, für das wir uns entschieden haben, nach der Besichtigung von ein paar Unterkünften dann auch unser Favorit und wir bleiben dort. Den Ausschlug hat nicht nur der kostenlose Welcome Drink gegeben 🙂 Das Guesthouse, das aus mehreren Bungalows in einem großen Garten direkt am Seeufer besteht, ist sehr beliebt und bis auf ein sehr einfaches Zimmer ohne Bad für die erste Nacht komplett ausgebucht. Daher nehmen wir das für eine Nacht und ziehen am nächsten Morgen in ein traditionelles Holzhaus um.

Den Donau (=See) Toba sehen wir auch erst am nächsten Morgen richtig. Dunkelblau schimmernd liegt er in seiner ganzen Größe vor uns. Und die ist enorm – immerhin ist der See mit über 1.000 Quadratkilometern Fläche der größte See Südostasiens. Die darin liegende Insel Samosir ist ungefähr gleich groß wie Singapur. Der hoch gelegene See samt Insel entstand bei einem Vulkanausbruch vor etwas 30.000 Jahren – Lake Toba ist also eigentlich der Kratersee eines gigantischen Vulkans. Wenn der ausbricht, wollen wir lieber nicht in der Nähe sein! Zur Blütezeit der Hippies war der kleine Ort Tuk Tuk auf Samosir eine Partyhochburg und fester Bestandteil des Banana-Pancake-Trails durchs Südostasien. Wilde Vollmondparties wurden gefeiert und oft blieben Rucksackreisende wie in Vang Vieng mehrere Wochen „hängen“. Dann traten in Indonesien schärfere Drogengesetze in Kraft und langsam aber sicher geriet der kleine Ort in Vergessenheit. Heute ist Tuk Tuk ein eher verschlafener Touristen-Ort, an dem es zwar viele Unterkünfte, Restaurants, Bars etc. gibt aber im Vergleich dazu recht wenig Reisende – auch wenn Magic Mushrooms nach wie vor fast überall auf den Speisekarten zu finden sind. Neue Zielgruppe sind chinesische Touristen, die in großen Bettenburgen im Zentrum des Ortes unterkommen. Unser Homestay liegt am anderen Ende und am Rande des Dorfes, wo die Restaurants noch einfache Warungs sind und wo die Locals wohnen. Hier gefällt es uns viel besser.

An den überall aufgestellten Weihnachtsbäumen merken wir, dass wir im christlichen Teil Sumatras angekommen sind. Fiel uns schon in Bukit Lawang und Berastagi auf, dass bedeutend weniger Frauen als in Banda Aceh Kopftuch tragen, sind sie hier die große Ausnahme. Im Lake Toba siedelt traditionell das Volk der Batak. Diese ursprünglich von Malaien abstammende Volksgruppe lebte hier jahrhundertelang isoliert. Bis zur Ankunft christlicher Missionare im spätem 19. Jahrhundert wurde gar ritueller Kannibalismus praktiziert. Das Volk der Batak ist ein sehr aufgeschlossenes und freundliches Volk, bei unseren Spaziergängen durch das Dorf hören wir von überall her laute Horas-Rufe (= Willkommen). Musik und Tanz spielen kulturell eine große Rolle und ein Batak scheint sich nie außerhalb der Reichweite einer Gitarre aufzuhalten. Abends erklingen überall Gitarrenklänge und Gesang und nicht nur bei dem traditionellen Tanz- und Gesangabend im benachbarten Guesthouse Bagus Bay kommen wir in den Genuss von Batak Live-Musik.

Ansonsten lassen wir uns vom gediegenen Insel-Flair treiben und gehen es gemütlich an. Wir spazieren durch das Dorf, nutzen regnerisches Wetter für unseren Blog und Recherche und verbringen gemütliche Stunden im Gemeinschaftsbereich unseres Guesthouses. Morgens gehen wir trotz erfrischenden Temperaturen im See baden. Wir besichtigen ein Freiluftmuseum, das ein traditionelles Dorf der Batak zeigt und an einem Tag leihen wir uns einen Motorroller zur Erkundung der Insel. Gerade so schaffen wir es an einem Tag rundherum und nach einem kurzen Abstecher auf das Festland sind wir recht froh, dass wir im halsbrecherischen Verkehr Sumatra´s nicht mit unserer Katze unterwegs sind. So vergehen die Tage… Da es uns bei unserer hektischen Anreise nicht mehr zum Geldautomat gereicht hat, müssen wir nach einer Weile wohl oder übel wieder von der kleinen auf die große Insel übersetzen.

Ansonsten wären wir vielleicht immer noch in Tuk Tuk im Lake Toba 🙂

Willkommen in Teufel´s Küche – Dicke Luft in Berastagi

Willkommen in Teufel´s Küche – Dicke Luft in Berastagi

Nach dem Dschungeltrek durch den Gunung Leuser Nationalpark bei Bukit Lawang sind wir plan-, aber nicht ziellos. Bis wir Mitte Dezember in Singapur sein wollen, haben wir noch knappe 3 Wochen. Zuvor hatten wir uns überlegt, im Anschluss an den Besuch bei den Orang Utans weiter auf die Insel Borneo und wenn möglich noch nach Sulawesi zu reisen. Womit wir nicht gerechnet hatten: Die Vielfältigkeit Sumatra´!

Nach unserem Dschungeltrek und Gesprächen mit anderen Reisenden ist uns klar, dass wir auch locker 3 Wochen hier verbringen können, ohne dass wir im Geringsten Gefahr laufen, den Inselkoller zu erwischen. Wir sind uns schnell einig und beschließen, lieber Sumatra ausgiebig zu erkunden als zu versuchen, in zu kurze Zeit zu viele Ziele zu stopfen.

Eine 6-stündige Fahrt mit vollgestopften, klapprigen Minibussen bringt uns weiter nach Berastagi. Die hochgelegene Stadt im Karo Hochland liegt in einem riesigen Vulkankessel und ist umzingelt von zahlreichen Vulkanen. Mindestens 2 davon gelten noch als aktiv – und da wollen wir rauf! Viel mehr wissen wir noch nicht über den kleinen Ort und auch ein Reiseführer-Check verrät uns noch nicht, welches Glück wir haben. Denn Gunung Sinabung, einer der beiden Vulkane in der unmittelbaren Umgebung des Ortes, ist seit gut einem Jahr schwer am brodeln. Seit er im September 2013 zum ersten Mal seit Jahren mit großem Brimborium ausgebrochen ist, grummelt er miesgelaunt vor sich hin und seit Oktober 2014 – also knapp 6 Wochen bevor wir hier ankommen – speit er fast täglich Asche und Lava. Glück für uns, natürlich. Die Bewohner des Dorfes am Fuße des Vulkans, das sicherheitshalber evakuiert wurde, sehen das mit Sicherheit aus einem anderen Blickwinkel. Wobei die erhöhte Vulkanaktivität den Tourismus ankurbelt und zusätzliche Rupiah in die Gegend bringt.

Berastagi selbst würde – wie der Großteil indonesischer Städte – wohl keinen Schönheitspreis gewinnen. Die meisten Gebäude sind mehrstöckige, funktionale Betonbauten. Längs durch die Stadt verläuft der Trans-Sumtra-Highway, die vertikale Hauptverkehrsader der Insel. Entsprechend viele LKWs sind hier tags wie nachts – natürlich nonstop hupend – unterwegs. Wir quartieren uns im Wisma Sibayak ein, die erste Adresse im Ort unter Travellern. Die Zimmer sind geräumig und trotz der Nähe zur Hauptstraße recht ruhig. Hier treffen wir auch das australische Paar Oishee & Will wieder, mit denen wir in Bukit Lawang durch den Dschungel gewandert und ein anderes Pärchen, die wir auf Pulau Weh kennen lernten. Gleich am ersten Abend merken wir dass wir uns nicht mehr auf Meereshöhe, sondern auf 1.300 Metern befinden. Mit Einbruch der Dunkelheit kühlt es schlagartig ab. Zum ersten Mal seit gefühlt einer Ewigkeit kramen wir unsere langen Hosen und die Fleecepullover aus den Rucksäcken. Und zahlen gerne jeden Abend 0,70 € extra für eine heiße Dusche. Gut, dass die ganze Hauptstraße mit kleinen Warungs gesäumt ist, in denen wir uns bei Mie Goreng in allen erdenklichen Variationen wieder aufwärmen können. Und auch gut, dass es im kleinen Restaurant des Guesthouses heißen Ingwertee gibt.

Überhaupt ist das Wetter in Berastagi berüchtigt für seine abrupten Umschwünge. Wie wir selbst sehen, kann es morgens sonnig und klar sein und innerhalb einer halben Stunde ist alles wolkenverhangen und die Sicht eingeschränkt. Das schwer kalkulierbare Wetter ist mit ein Grund dafür, dass schon mehrere Bergsteiger und Forscher hier bei Vulkanbesteigungen ums Leben kamen. Wir treffen uns zur Touplanung mit einem lokalen Guide und erfahren, dass eine Besteigung des Gunung Sinabung nicht möglich ist. Aus Sicherheitsgründen sind derzeit alle Wege auf den brodelnden Vulkan gesperrt. Wir überlegen hin und her und hören von einer andere Reisende im Guesthouse, dass man zwar nicht hinauf kann, aber vom Fuße des Berges eine gute Sicht auf den Vulkankrater hat. Sie saß mit einem Guide stundenlang auf einem Fels und wartete, bis der Vulkan schließlich mit einer beeindruckenden Aschewolke ausbrach. Am nächsten Morgen brechen wir mit einem Opelet (= Minibus) auf in Richtung Vulkan. Wir beschließen, dass wir keinen Guide brauchen, um stundenlang auf einem Fels zu sitzen und zum Vulkan hoch zu schauen. Wir passieren mehrere verlassen scheinende Dörfer und lassen uns am Fuße des Vulkans absetzen.

Zu unserer Überraschung sehen zwar die Häuser leer stehend aus, der Anfang des Pfades auf den Vulkan hoch ist aber weder abgesperrt noch warnen Schilder vor der Besteigung. Man kann einfach hinaufspazieren…Keine Sorge – wir waren vernünftig genug, dass wir nicht weiter aufgestiegen sind (außerdem war es bereits zu spät für den siebenstündigen Aufstieg) 😉 Stattdessen suchen wir uns einen guten Platz zum beobachten des Vulkans. Dafür müssen wir aber zurück auf die andere Seite des Berges. Zwar kommt kein Opelet mehr, aber ein Zigaretten-Lieferwagen nimmt uns mit. In der Nähe eines Dorfes lassen wir uns absetzen und laufen weiter. Die Häuser hier sind alle von einer dicken grauen Ascheschicht bedeckt. Wir haben Glück und nur wenig später bricht der Vulkan aus. Zwar ist der Kraterrand wolkenverhangen, trotzdem ist die enorme Aschenwolke, die innerhalb weniger Sekunden über dem Vulkankrater erscheint, gut zu erkennen.

Wir machen uns auf den Rückweg und wieder ist das Glück auf unserer Seite: erst nimmt uns ein vom Feld heimkehrender Bauer sehr zur Belustigung seiner Frau und Tocher hinten auf der Ladefläche bis zur Kreuzung mit. Und kaum auf der Hauptstraße angekommen und den Daumen ausgestreckt, dürfen wir in die Fahrerkabine eines LKW einsteigen. Die Menschen sind sehr sehr freundlich und großzügig und jeder will sich mit uns unterhalten – oder wenigstens ein gemeinsames Foto machen.

Zurück im Guesthouse nehmen wir eine ausgiebige Dusche um all die Asche wieder loszuwerden, die sich auch überall auf uns abgesetzt hat. Am nächsten Morgen herrscht dicke Luft in Berstagi – der Wind hat gedreht und bläst die Asche des Sinabung über die Stadt. Graue Ascheschwaden rieseln sichtbar durch die Luft und die feine Asche legt sich auf alles, was eine Fläche bietet.

Kaum gehen wir vor die Tür, haben wir auch schon die feinen Partikel in der Nase. Auf den Straßen und auf dem Bauernmarkt ist deutlich weniger los als an den vorherigen Tagen. Wir wollen trotzdem den noch klaren Himmel ausnutzen und den zweiten Vulkan besteigen.Der Gunung Sibayak ist 2.049 Meter hoch und deutlich besser gelaunt als sein 450 m höherer großer Bruder Gunung Sinabung. Es gibt 3 verschiedene Aufstiege auf den Vulkan:

  • Ein dreistündiger, teilweise asphaltierter Weg entlang einer Straße, der gut zu finden ist und nordwestlich auf dem Bergrücken empor führt;
  • ein steiler, zweistündiger Aufstieg mit vielen ausgewaschenen Steintreppen direkt vom Fuße des Vulkans nach oben;
  • eine fünfstündige Wanderung durch den Dschungel.

Option 3 wird nur in Begleitung eines Guides empfohlen, da der Weg durch den Dschungel nicht gekennzeichnet ist und extrem rutschig sein kann. Auch der direkte Weg soll eher nicht alleine begangen werden, da viele der Treppen ausgewaschen sind und Sturzgefahr besteht. Da wir ja schon in Bukit Lawang durch den Dschungel gewandert sind und eigentlich lieber tolle Ausblicke genießen wollen, entscheiden wir uns für den 5 km langen Aufstieg Nr. 1, den wir problemlos alleine laufen können. Mit einem Opelet fahren wir bis zum „Vulcano entry“, wo eine kleine Eintrittsgebühr fällig wird. Nach einem guten Kaffee in der kleinen Hütte am Wegrand machen wir uns auf den wirklich einfach zu bewältigenden Weg und erreichen gegen 11 Uhr den Vulkanrand. Die Landschaft hier oben sieht fast schon unwirklich aus: der Boden ist bröselig-trocken, die Steine sind gelb und blassgrün vor Schwefel, schwarze Baumstümpfe ragen kahl in den Himmel, alles sieht verbrannt aus.

Schon auf dem Weg entlang des Kraterrims steigt uns ein beißender Geruch nach faulen Eiern in die Nase. Aus vielen kleinen Fumarolen werden laut zischend und mit riesigem Druck heiße Schwefelgasse ausgestoßen. Wir kommen uns vor, als wären wir in der Vorhölle gelandet: neben uns zischt und dampft es, unter uns brodelt es – und dann bricht neben uns in der Distanz der Gunung Sinabung aus. Wir haben vom Kratersee aus eine perfekte Sicht auf die riesige austretende Aschewolke. Ein beeindruckendes Schauspiel.

Dann gehen wir noch weiter um den Krater herum und steigen auf den Gipfel auf. Wir haben Glück, das Wetter hält und wir sehen bis weit hinab ins Tal. Keine halbe Stunde später ziehen Wolken auf und wir machen uns auf den Abstieg. Wir nehmen den direkten Abstieg und kommen am Fuß des Berges bei zahlreichen heißen Quellen raus. Obwohl uns direkt nach der Wanderung zum ersten Mal in Berastagi eher nach einer kalten Dusche wäre, packen wir die Gelegenheit beim Schopfe und tauchen in die fast schon zu heißen Pools ein.

Die letzten Kilometer fahren wir mit dem Bus zurück. Inzwischen hat sich der Himmel komplett zugezogen und es fängt an zu regnen. Leider hört es die ganze Nacht nicht mehr auf, sodass aus unserem letzten Highlight wetterbedingt nichts mehr wird. Wir hatten uns mit einem Guide und 2 anderen Reisenden zu einer nächtlichen Fahrt zum Gunung Sinabung verabredet, da man bei Ausbrüchen nachts die herabfließenden Lavaströme sehen können soll. Aber leider nicht wenn es regnet, sondern nur in klaren Nächten.

Trotzdem hat sich der Trip nach Berastagi für uns auf alle Fälle gelohnt. Und so sind wir immerhin ausgeschlafen für den anstrengenden nächsten Reisetag, der uns an den Toba See bringen soll…

Zu Besuch bei Familie Orang Utan in Bukit Lawang

Zu Besuch bei Familie Orang Utan in Bukit Lawang

Nach einer Woche auf Pulau Weh kehren wir dem Inselparadies den Rücken und nehmen die Fähre zurück nach Banda Aceh. Eine vierzehnstündige Fahrt mit dem Nachtbus (ausgestattet mit -nicht funktionierendem- WiFI, einer separaten VIP-Lounge, einer auf eiskalt gestellten Klimaanlage und zwei rasenden Fahrer) später stehen wir an der Abzweigung, von wo aus wir noch 2 Stunden mit dem Minibus nach Bukit Lawang weiterfahren.

Bukit Lawang ist ein kleiner Ort am Rande des Dschungels, der nur für und wegen den Touristen existiert. Die kommen hierher, um einen Blick auf die seltenen Orang Utans zu erhaschen, die im gleich dahinter beginnenden Gunung Leuser Nationalpark beheimatet sind. Der als Weltkulturerbe gelistete Gunung Leuser Nationalpark gilt aufgrund der hohen Zahl an in ihm vorkommenden Tier- und Pflanzenarten als einer der weltweit wichtigsten zu schützenden Ökosysteme. Einige der meist gefährdeten Tierarten wie Tiger, Rhinozerosse und Elefanten haben in ihm seinen Lebensraum – und natürlich die Orang Utans, die sonst in Indonesien nur noch auf Kalimantan (Borneo) durch die Baumwipfel schwingen.

In Gehdistanz vom eher unspektakulären Ort aus befindet sich eine Orang Utan Forschungs- und Auswilderungsstation. Diese ist zwar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, aber zweimal täglich gibt es die Chance, auf der Fütterungsplattform unsere orange behaarten Artverwandten zu sehen.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass Orang Utans auf die Plattform kommen. Gefüttert werden nur Bananen und Milch als zusätzliche Nahrungsergänzung zu dem, was die Primaten im Urwald finden. Hauptsächlich holen sich hier schwangere, säugende oder alte Affen eine extra Ration Nährstoffe ab, wenn die Nahrungssuche jahreszeitlich bedingt mühsam ist. Wenn aber die Früchte im Dschungel erntereif sind, kann es auch vorkommen, dass tagelang kein Orang Utan zur Fütterungsplattform kommt. Der Eintritt in den Nationalpark für umgerechnet ca. 2 € und die Gebühr für Fotoapparat/Kamera in Höhe von 5€ bzw. 7 € sind dann natürlich trotzdem fällig.

Als wir da sind, ist gerade Obstsaison im Dschungel und die Chance, Orang Utans auf der Fütterungsplattform zu sehen, sehr gering. Einzig andere Möglichkeit Orang Utans zu sichten, ist eine geführte Tour durch den Dschungel, da der Nationalpark – außer zur Fütterungsplattform – nur in Begleitung von Guides betreten werden darf.

Einen Guide zu finden ist nicht schwer. Wir informieren uns in der offiziellen Touri-Info. Hier lässt man uns wissen, dass alle 100 Guides des Dorfes in einer kommunalen Initiative zusammen geschlossen seien und im Rotationssystem Touren führen. Standardmäßig werden ein- und mehrtägige Wanderungen angeboten. Gebucht werden könne nur über das Info-Zentrum und die Preise seien fix. Ein gutes Konzept – allerdings sieht die Realität anders aus. Als wir hier sind, ist Nebensaison und auf jeden Tourist kommen geschätzte 3 Guides. Schon bei unserer Ankunft am Busbahnhof, auf dem Fußweg ins Dorf und auf der Suche nach einer Unterkunft haben uns viele Guides angesprochen und uns ihre Dienste als Führer angeboten. Zu verschiedensten Konditionen.

Nachdem wir in der Mongolei ja etwas Pech mit unserer Reiseführerin hatten, sind wir wählerisch. Wir möchten einen Guide, der uns sympathisch ist, sich mit Flora & Fauna auskennt und sein Wissen gern an uns weitergibt. Schließlich treffen wir einen Guide, der uns gut dünkt. Als er auch noch unsere Test-Frage umfassend beantworten kann, sind wir uns sicher: er soll unser Dschungelguide sein. Wir einigen uns auf einen Preis und per Handschlag wird der Deal besiegelt.

Am nächsten Tag soll es losgehen, 2 Tage wollen wir auf der Suche nach Orang Utans durch den Dschungel wandern, nur zusammen mit einem englischen Pärchen. In unseren Tagesrucksack packen wir Zahnbürsten und Klamotten zum wechseln und das restliche Gepäck deponieren wir im Hostel. Zur vereinbarten Zeit sind wir abmarschbereit. Um die Ecke biegt: ein uns unbekannter Guide. Der Vater unseres Guides sei in der Nacht gestorben und da wir ja schon eine Anzahlung geleistet haben, hätte ihn unser Guide gebeten uns auf seiner Tour mitzunehmen, nuschelt er vor sich hin. Wir, ganz die misstrauischen Backpacker, sind uns nicht so recht sicher, ob wir diese Geschichte glauben sollen. Als wir dann noch auf 5 weitere Teilnehmer treffen, darunter aber kein englisches Pärchen ist und jeder irgendwie was anderes gehört hat, sind wir uns recht sicher, dass wir veräppelt wurden. Wie sich hinterher heraus stellte, starb der Vater unseres ursprünglichen Guides tatsächlich. Schande über unsere misstrauischen Häupter!

So gehen wir insgesamt zu acht los: Unser Guide Jonny marschiert voraus, zur Sicherheit der Gruppe geht ein Guide-Trainee am Schluss und dazwischen kommen wir 7 Touristen. Nachdem wir an den Palmölplantagen hinter dem Dorf vorbei sind, gelangen wir direkt in den Nationalpark. Wir wandern einige Kilometer durch dicht bewachsenen Dschungel, die Guides immer mit Blick auf die Baumwipfel, um vielleicht ein Orang Utan Nest als Anhaltspunkt zu entdecken. Denn eine Begegnung mit Orang Utans ist auch auf den Touren nicht garantiert: Orang Utans legen auf ihrer Nahrungssuche über 30 km pro Tag zurück und bauen sich jede Nacht woanders ein neues Nest. Da kann es schon mal sein, dass man 3 Tage durch den Dschungel wandert ohne einen Affen zu sehen.

Von weitem sehen wir seltene graue Gibbons, die flink durch die Bäume fliegen. Und plötzlich sehen wir direkt vor uns eine ganze Bande von Affen, die ganz ohne Scheu sitzen bleiben und für uns in den Ästen posieren. Es sind nach ihrem Entdecker benannte Thomas Leaf Affen – ob er auch dieselbe Punkfrisur hatte, wissen wir leider nicht 😀 Die nur hier vorkommenden grauen Affen mit ihren weißen Brüsten und der Irokesenfrisur sehen wirklich zu drollig aus und wir können gar nicht genug ooohen und aaahen.

Wir wandern weiter durch das dichte grüne Gestrüpp und nach einem leckerem Nasi Goreng (gebratener Reis) zum Mittagessen haben wir schon bald Glück: Durch die Baumwipfel vor uns schwingt ein Orang Utan auf uns zu. Beim näheren Hinsehen sehen wir, dass es sogar 2 sind: es handelt sich um ein Weibchen, die ihr Junges erst säugt und dann auf dem Rücken trägt.

Gebannt schauen wir dem großen Menschenaffen zu, wie er sich fast schon mit menschlich anmutenden Gesten fortbewegt. Als das Weibchen allerdings immer näher auf uns zu kommt, weisen uns die Guides an, langsam weiterzugehen. Denn obwohl Orang Utans friedliche Genossen sind, sind es trotzdem Wildtiere. Sehr starke Wildtiere. Dabei sind ungefähr die Hälfte der hier lebenden 16 Orang Utans halb-wild. Sie wurden aus Gefangenschaft gerettet und in ihrem natürlichen Lebensraum ausgewildert. Dadurch sind sie aber gewohnt, von Menschen Futter zu bekommen. Tun sie das nicht, können sie wie trotzige Kinder toben und wüten – und bei den 200kg schweren Zeitgenossen mit dem scharfen Primatengebiss will man da lieber nicht daneben stehen.

Wir wandern tiefer in den dichten Urwald hinein. Kurze Zeit später kommt uns eine andere Gruppe entgegen. Ganz außer Puste und mit großen Augen berichten sie, dass ihnen ein Orang Utan Männchen nachgegangen ist. Und tatsächlich – kurz darauf hangelt sich ein beeindruckendes Alphamännchen durch die Bäume vor uns. Es hat sich wohl wieder abgeregt und hängt ganz entspannt in den Ästen über uns. Bis auf einen Sicherheitsabstand können wir ganz nah heranschleichen und leise das stolze Tier beobachten, wie es majestätisch in den Wipfeln hängt.

Gegen Abend erreichen wir unser Übernachtungslager. Das Camp besteht aus einem hölzernen Unterstand mit einer große Plane als Dach und einer einfachen Feuerstelle. Hier schlafen wir heute Nacht. Isomatten und Schlafsäcke haben 2 weitere Helfer schon ins Camp getragen. Während wir ein erfrischendes Bad im nahen Wasserfall nehmen, bereiten unsere Guides ein leckeres Abendessen mit lokalen Gerichten zu. Anschließend sitzen wir alle auf dem Boden zusammen, lauschen den Dschungel-Geschichten unserer Guides und spielen Spiele. Später schlafen wir zu den Geräuschen des Dschungels ein und wachen erst im Morgengtauen wieder auf.

Wir wandern nochmal 3 Stunden durch den Dschungel. Orang Utans sehen wir keine mehr, dafür aber viele Makaken und verschiedene Vögel. Gegen Mittag erreichen wir den Fluss, der durch den Nationalpark hindurch nach Bukit Lawang fließt.
Hier heißt es Schuhe aus, Badekleidung an und ab ins Wasser: wir tuben zurück! Drei Reifen werden zu einem Floss zusammengebunden und vorne drin sitzt ein Guide, der das Floß mit einem langen Stab durch die Strömung steuert. Nach den schweißtreibenden Stunden im Dschungel ein erfrischender Spaß zum Abschluss der Tour!

Zurück in Bukit Lawang freuen wir uns auf eine Dusche, auch wenn diese in unserem Fall eher außergewöhnlich ist: Unser Zimmer in der einfachen Unterkunft, die sonst nur einheimische Gäste aufnimmt (deren Besitzerin Uli´s Charme aber nicht widerstehen konnte 😉 ) verfügt nur über eine indonesische Dusche: ein großes Schöpfbecken. Aus diesem leert man sich mit einer Kelle das Wasser über den Körper, während man sich mit der anderen Hand einseift. Authentisches Reisen 🙂

Abends treffen wir uns mit den anderen Teilnehmern unserer Tour und dem sympathischen Trainee in einer der Bars und verbringen nochmal einen witzigen Abend zusammen.

Und wir hören nochmal das ultimative, selbst gedichtete Dschungellied (Achtung, Ohrwurm-Gefahr) 😀 : …coming soon…

Pulau Weh – Wir tauchen unter!

Pulau Weh – Wir tauchen unter!

Pulau Weh! Noch nie von gehört? Wir auch nicht. Erst als wir Tauchreviere recherchieren, erscheint die kleine, hufeisenförmige Insel auf unserem Reise-Radar. Unter Tauchern gilt die tropische Insel immer noch als Geheimtipp und außerdem als einer der besten Tauchspots im Indischen Ozean. Und unter Nicht-Tauchern ist die mit üppigem Tropenwald bewachsene Vulkaninsel noch weniger bekannt. Klingt perfekt in unseren Ohren, also ab nach Weh!

Ganz so schnell kommen wir allerdings noch nicht auf die Insel, die oberhalb von Sumatra liegt. In dem kleinen Fährterminal von Banda Aceh heißt es erstmal warten. Es ist Samstag und obwohl der Fahrplan etwas anderes sagt, ist die Fähre heute schon eine Stunde früher abgefahren. Die nächste fährt erst wieder in 2 Stunden. Wir nutzen die Wartezeit für Mie Goreng (gebratene Nudeln) und leckeren indonesischen Kaffee an einem der einfachen Essensstände. Europäische Rucksack-Touristen wie wir scheinen noch etwas Besonderes zu sein, wir werden von derHälfte der anderen Wartenden angestarrt – und die zweite Hälfte möchte Fotos mit uns zusammen schießen. 😉

Die zweistündige Überfahrt auf der Slow Ferry ist: langsam. Wir setzen uns auf dem Oberdeck zu den Einheimischen auf den Boden und schauen auf den Ozean. Unterdessen fängt es an zu regnen. Wir hoffen, es ist nur ein Vorbote der bald beginnenden Regenzeit und nicht deren Anfang. Als wir auf Pulau Weh ankommen, wird es bereits Nacht. Hier in der Nähe des Äquators geht die Sonne wieder früher unter, gegen 18 Uhr ist es dunkel.

Wir wollen an den Iboih Beach, neben Gapang einer der beiden touristischen Orte der Insel, die oft auch einfach nach ihrer Hauptstadt Sabang genannt wird. Da es schon dunkel ist, wollen wir die 20 km nicht mit dem Mopedtaxi fahren sondern teilen uns ein Taxi mit Andy aus England, den wir auf der Fähre kennenlernten. Er arbeitet seit einigen Monaten auf Borneo als Lehrer und spricht etwas indonesisch. Sehr praktisch, da der Taxifahrer so gut wie kein Englisch spricht. In 45 Minuten geht die rasante Fahrt im Stockdunkeln über gewundene Bergstraßen und Haarnadelkurven und wir bekommen einen ersten Vorgeschmack auf die halsbrecherischen Fahrten, die uns auf Sumatra erwarten werden.

Iboih besteht aus einer Küstenstraße. „Im Dorf“ gibt es 2 Tauchschulen, einige Mittelklasseunterkünfte, ein paar Souvenirläden und 2-3 Restaurants. Da, wo die Straße in einen Fußweg über geht, kommen nochmal einige kleine Shops, eine Tauchschule und in einigen Abständen mehrere lokale Bungalows. Unsere erste Nacht verbringen wir im „Green House„. Der Besitzer Eric ist eine lokale Berühmtheit. Es gibt eine große Terrasse mit Chill-out Area und Hängematten, wo die Gäste abends beisammen sitzen. Es ist alles grün, duftet abends sehr gut und geht entspannt zu 😀 Hier lernen wir schon am 1. Abend Biene´s zukünftigen Tauchlehrer kennen, der mit seiner Frau in einem der Bungalows wohnt.

Leider sind die Bungalows bei unserer Ankunft schon alle belegt und es ist nur noch ein einfaches Zimmer mit Gemeinschaftsbad frei. Das Gemeinschaftsbad ist ein Stockwerk weiter oben und sehr spartanisch. Für eine Nacht geht es.

Am nächsten Morgen im Tageslicht laufen wir den gepflasterten Fußweg weiter entlang und sehen uns einige Bungalows an. Bei der Besichtigung eines Bungalows von „Ohlala“ jagt über dem türkisblauen Wasser vor uns gerade ein Weisskopfseeadler und unter uns sehen wir vom Balkon aus mit bloßem Auge bunte Fische hindurch schwimmen. Keine Frage – hier wollen wir wohnen. Da es Nebensaison ist, bekommen wir Rabatt und zahlen nur 6,50 € statt 10 € pro Nacht. Der einfache Holz-Bungalow mit Bad und Hängematte auf dem Balkon liegt direkt über dem Wasser und nachts ist es so warm, dass wir Fenster und Balkontüre offen stehen haben. So hören wir sanftes Meeresrauschen zum einschlafen und wachen mit dem Geräusch der an die Felsen klatschenden Wellen wieder auf. Und in windigen Nächten, wenn das Wasser an die Felsen unter unserem Bungalow spritzt, leuchtet das Meer vor Plankton.

Anschließend machen wir uns auf die Suche nach einer Tauchschule. Biene will den Open Water Diver – das „Seepferdchen für Taucher“ – machen. Für die Auswahl der Tauchschule nehmen wir uns viel Zeit, gehen zu allen 3 Tauchschulen vor Ort und sprechen mit den Tauchlehrern dort. Gerade als Anfänger will sich Biene sicher sein, unter Wasser in guten Händen zu sein.

Die Kriterien bei der Auswahl der Tauchschule waren hauptsächlich:

  • Sicherheit – Sieht die Ausrüstung gut gepflegt und gewartet aus? Ist sie ordentlich verstaut oder liegen Schläuche, Druckmesser etc. auf dem Boden herum? Wo ist die nächste Druckkammer, falls doch was schief läuft?
  • Eindruck der Schule und der Tauchlehrer – Werden meine Fragen ernst genommen? Wie geht es in der Tauchschule zu?
  • Ablauf und Organisation des Tauchkurses – wie viele Tauchschüler pro Kurs? Wie flexibel ist der Kursablauf? Welche Qualifikation hat der Tauchlehrer? Wieviele Tauchgänge sind inbegriffen?
  • Kosten – Was kostet der OWD? Sind die Kosten für Lehrmaterialien im Kurspreis inbegriffen? Kostet die Prüfung extra?

Die Entscheidung fällt schließlich auf Rubiah Tirta Divers. Dieses Dive Center war die erste Tauchschule auf Pulau Weh und liegt direkt am Strand. Geführt wird sie von 2 einheimischen Brüdern, die sich viel Zeit für Biene´s Fragen nehmen. Preislich liegt der Kurs ähnlich wie die anderen Angebote. Dafür sind hier neben den 5 obligatorischen Kurs-Tauchgängen im Anschluss noch 2 weitere sog. Fun Dives im Kurspreis inbegriffen. Pablo, den Tauchlehrer, kennen wir bereits. Neben Biene gibt es nur einen weiteren Tauchschüler für den Kurs. Da er aber nur 2 Tage Zeit hat und Biene nicht Theorie & Praxis in 2 Tage stopfen will, ist Pablo super flexibel und unterrichtet den Kurs individuell.
Weiteres Plus: Uli möchte keinen Tauchkurs machen sondern lieber schnorcheln. Dazu kann er auf den Tauchbooten kostenlos mit raus fahren, wann immer er will. Und von unserem Bungalow sind es gerade einmal 2 Minuten über den Fußweg zur Tauchschule.

Fast 20 Tauchspots gibt es rund um Pulau Weh, die meisten davon in und um Iboih und Gapang. Je nach Saison lassen sich hier sogar häufig Mantarochen, Haie und Walhaie sichten – die sehen wir aber leider nicht. Dafür jede Menge tropische Riff-Fische, Moränen, Löwenfische, große Schwärme jagender Barracuddas, Thunfische, Stachelrochen, Tintenfische, hervorragend getarnte Skorpionfische, Seeschlangen, Langusten, … Kurz gesagt: unter Wasser ist die bunte Hölle los! 😀 Und beim schnorcheln sieht Uli 2 große Schildkröten. (Dafür das Tauchboot nicht mehr, dass ihn eigentlich nach einer Stunde wieder abholen sollte und ihn auf der anderen Seite der Insel schon fieberhaft suchte 😀 )

Da ist es auch nicht so schlimm, dass die Korallenfelder nicht so bunt sind, wie wir sie im Südwesten Indonesiens gesehen haben. Die Korallen hier sind durch den Tsunami 2004 ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden, auch denn das Seebeben unter Wasser längst nicht so viel Schaden anrichtete wie an Land. Dafür gibt auf dem Meeresboden riesige Farne, bis zu 60 m abfallende Steilkanten, einen Canyon und einen Unterwasservulkan!

Unsere nächsten Tage auf der Insel sehen meist so aus: Kurz vor 9 Uhr stehen wir auf. Während Biene mit Pablo Theorie büffelt und und die ersten Male abtaucht, geht Uli von unserem Bungalow aus schnorcheln oder mit dem Motorroller auf Erkundungstouren um die Insel. Neben Wasserfällen gibt es auch einen Vulkan, heiße Quellen und den nördlichsten Punkt Indonesiens. Alle geografischen Lageangaben in Indonesien werden ab diesem Punkt gemessen. Zum Mittagessen treffen wir uns meistens gegenüber der Tauchschule bei dem kleinen Warung (= Essensküche), wo jeden Tag andere Gerichte gekocht werden und es den besten Eiskaffee der Insel gibt. Mittags gehen wir nochmal tauchen bzw. schnorcheln.

Abends essen wir einheimische Gerichte in einem der Warungs und lauschen dem Meeresrauschen auf unserem Balkon. Nach Pulau Weh kommt man nicht wegen seinem Nachtleben. Abgesehen von dem, wofür die Gäste selbst sorgen (wie die sehr legendäre Geburtstagsparty von Pablo´s Frau Jana im Greenhouse…) gibt es da nichts. Alkohol darf nur an einigen wenigen Stellen verkauft werden und ist sehr teuer. Und auf dem von Wurzeln überwachsenen Fußweg gibt es auch keine Straßenbeleuchtung. Da ist es nachts stockfinster.

Am 4. Tag legt Biene ihre OWD-Prüfung ab. 0 Fehler in der Theorie, yeah 😀 Ab jetzt darf sie überall mit einem Buddy bis in eine Tiefe von 30 Meter tauchen und es geht zusammen mit den anderen Tauchern auf den großen Tauchbooten raus.

Einen der anschließenden Fun Dives nutzt Biene für ein ganz besonderes Erlebnis: einen Nachttauchgang. Los geht es abends um 20 Uhr in absoluter Finsternis. Auf dem Boot gibt es nochmal genaue Informationen zur Dive Site, der Benutzung der Lampen, der Tauchrichtung usw. und dann wird in die schwarze Tiefe abgetaucht. Jeder Taucher ist mit einer Taschenlampe ausgerüstet. Und nachts sieht es unter wasser nochmal ganz anders aus als am Tage: Schlafende Fische auf Felsvorsprüngen, lauernde Moränen und plötzlich in den Lichtkegel eintauchende Oktopusse waren einige der Highlights.
Und dann das Highlight: zu fünft knien wir uns im Kreis auf den Boden, schalten die Taschenlampen aus und bleiben eine Minute ganz ruhig – als wir uns dann bewegen, leuchtet der Plankton im Wasser um uns rum wie ein Sternenhimmel . Und wir mittendrin 🙂 Ein tolles Erlebnis.

Wir bedanken uns bei der Tauchschule Rubiah Tirta Divers für die Kooperation.

Banda Aceh – Freud und Leid einer traurigen Berühmtheit

Banda Aceh – Freud und Leid einer traurigen Berühmtheit

Nach dem pulsierenden Bangkok kommt uns Banda Aceh bei unserer Ankunft fast schon verschlafen vor. Es ist auch schon nach Mitternacht und damit tatsächlich Schlafenszeit. Trotzdem laufen wir noch eine ganze Weile durch die Straßen, um eine Bleibe zu finden. Spontan begeistert uns keines der heruntergekommenen, aber teuren Hotelzimmer. Aus Mangel an Alternativen entscheiden wir uns dann doch für das schmuddlige Zimmer ohne Fenster und mit dem komischen Geruch. Für eine Nacht wird es schon gehen. Und genau für solche Nächte haben wir ja unsere Schlafsack-Inlets. Trotz der späten Stunde sitzen draußen an den Straßenständen noch Männer beim Tee zusammen. Genau, beim Tee – Alkohol ist hier verboten! Vielleicht mit ein Grund, warum es hier so viel ruhiger zugeht als auf Bangkok´s wilder Kao Sanh Road 😉 Denn hier in der Provinz Banda Aceh gilt das Sharia Gesetz, eine besonders strenge Auslegung des Korans.

Bis vor wenigen Jahren herrschte hier noch Bürgerkrieg, strenggläubige Rebellen forderten größere Autonomie von der indonesischen Regierung in Jakarta. Seit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens in 2005 kann aber auch der Norden Sumatra´s gefahrlos bereist werden. Dennoch ist der muslimische Glaube hier gesellschaftlich und kulturell stark verankert – anders als in touristischen Hochburgen wie z.B: auf Bali. So sehen wir nicht eine weibliche Person ohne Kopftuch. Das sollte sich weiter im Inselinnern wieder ändern.

Banda Aceh selbst hat es bei dem verheerenden Tsunami am 2. Weihnachtsfeiertag 2004 zu traurigen Schlagzeilen gebracht. Nur wenige Kilometer vor der Küste lag das Epizentrum des mit 9,3 auf der Richterskala gemessenen stärksten Erdbebens seit 40 Jahren, das die gewaltigen Flutwellen auslöste, die selbst an der Küste Kenias auf dem afrikanischen Kontinent noch bis zu 3 Meter hoch waren. Über Banda Aceh selbst schlugen bis zu 34 Meter hohe Flutwellen an Land und rissen kilometerweit ins Landesinnere hinein Bäume, Häuser, Autos und Menschen mit sich.

Die Folgen in Banda Aceh waren katastrophal. Was nicht bereits durch das Erdbeben eingestürzt war, wurde durch die nur eine halbe Stunde später ankommende Flutwellen zerstört. Die Stadt wurde fast komplett dem Erdboden gleichgemacht. Einzig die Große Baiturrahman Moschee blieb unbeschädigt, was viele der Acahnesen für eine direkte Intervention Allahs halten.

Unser Becak-Fahrer (so heißen hier die Rikschas) erzählt uns, dass er erst kurz vor der Katastrophe mit seiner ganzen Großfamilie nach Banda Aceh zog, um in der Stadt Arbeit zu finden. Er hat bei der Katastrophe alle Familienmitglieder verloren. Zum trauern geht er an eines der 4 Massengräber außerhalb der Stadt. Ob die sterblichen Überreste seiner Angehörigen wirklich dort begraben liegen, weiß er nicht. Viele Opfer der Fluten konnten nicht identifiziert werden. Allein in Banda Aceh selbst kamen 61.000 Menschen bei der Naturkatastrophe ums Leben.

Fährt man heute durch die Stadt, ist von der Zerstörung so gut wie nichts mehr zu sehen. Durch großen Tatendrang und Hilfe von internationalen Organisationen und Spendengelder wurde die Stadt komplett neu aufgebaut. Wären nicht die Schiffe, die kilometerweit ins Landesinnere gespült wurden und heute mitten zwischen Häusern stehen.

Wir besichtigen eine riesige, tonnenschwere Strom-Erzeugeplattform, die durch die Fluten 4 km ins Landesinnere gespült wurde. Hier wird uns in aller Deutlichkeit bewusst, was für eine unvorstellbare Kraft die Wassermassen gehabt haben müssen.

Einige Straßen weiter liegen 2 Schiffe zwischen den Häusern. Auf einem davon konnten sich 15 Menschen vor den Wassermassen retten, erzählt uns die Nachbarin. Tags darauf sahen sie, dass sich auch ein großer Kormoran im Innern des Schiffsrumpf vor der Flut in Sicherheit brachte.

Die Acehnesen sind freundlich und aufgeschlossen. Hatten wir erwartet, dass vor allem die Frauen eher zurückhaltend auf uns Touristen reagieren, werden wir bald eines Besseren gelehrt. Fast jeder möchte ein Erinnerungsfoto mit uns schießen. Dabei kichern meist alle so aufgeregt und nervös, dass wir oft tatsächlich herzlich lachen auf den Bildern. Zumindest auf den ersten 50 😉 Manchmal wird uns der Rummel aber auch fast etwas zuviel.

Natürlich besichtigen wir auch das monumentale Tsunami-Museum. Der Besuch beginnt mit einem dunklen, nassen Gang zwischen zwei 36 Meter hohen Steinwänden – so hoch war die Mauer aus Wasser, die auf die Menschen zukam. Es ist bedrückend und eindrücklich. Neben Gedenkstätte für die Opfer des Tsunamis hat das Museum auch viele Displays, die die Aufräumarbeiten und den Wiederaufbau der Stadt zeigen. Toll gemacht sind auch die vielen anschaulichen Informationen darüber, wie Seebeben und Tsunamis entstehen.

Während die Rufe des Mohazeddin zum Gebet laut über die Stadt schallen, machen wir uns auf zum Fährhafen, um die Fähre nach Pulau Weh zu erreichen.

Mit dem Zug von Bangkok nach Malaysia – 3 Länder in 2 Tagen

Mit dem Zug von Bangkok nach Malaysia – 3 Länder in 2 Tagen

Wir wollen weiter in den Süden, wo Biene ihren Open Water Diver (OWD) Tauchkurs machen will und nach viel Recherche entscheiden wir uns für Pulau Weh, eine kleine indonesische Insel oberhalb Sumatras. Andere Optionen waren u.a. die thailändische Insel Koh Tao in der Andamensee und die Bunaken Islands vor Sulawesi. Gegen Koh Tao sprach die Regensaison, die die Sicht unter Wasser erheblich einschränken kann und die Tatsache, dass es eben „die Tauchinsel“ Thailands ist. Böse Zungen behaupten, dass man dadurch beim Tauchen inzwischen mehr andere Taucher als Fische oder Korallen sieht 😉

So steht Indonesien als nächste Destination fest und wir planen unsere Anreise. Nachdem wir uns schweren Herzens von unserer Katze getrennt haben, sind wir wieder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Dabei fällt uns gleich als erstes auf, dass in Bangkok heute viel weniger Tuk Tuks fahren als noch bei unserem Besuch vor 6 Jahren.
Unsere nächste Entdeckung ist, dass es tatsächlich direkte Zugverbindungen von Bangkok aus bis nach Malaysia und sogar weiter bis nach Singapur gibt!

In 21 Stunden bringt uns dieser Zug für gerademal 27 € dann auch über Nacht von Bangkok nach Butterworth in Malaysia. Dieser Nachtzug ist um einiges komfortabler, als wir es von den Zugreisen in China gewohnt sind. An beiden Seiten sind in Fahrtrichtung 2 breite Betten übereinander angebracht und jedes Bett hat einen Vorhang, durch den man seine eigene kleine Schlafkabine und ein bisschen Privatsphäre hat. Von Butterworth aus geht es mit der Fähre auf die Halbinsel Penang. Von dort setzen wir nach Medan über, die Hauptstadt Sumatra´s. Eigentlich hätte wir diese Passage gerne mit dem Schiff zurückgelegt. Aber durch die zunehmende Konkurrenz der Billigfluggesellschaften wurde die Fährverbindung zwischen Penang und Medan vor 3 Jahren eingestellt. Es war einfach nicht mehr rentabel. Von Medan aus fliegen wir direkt weiter in den Norden der Insel nach Banda Aceh. Da uns der einstündige Flug gleich viel kostete wie alternativ die 12-stündige Busfahrt bei Nacht über holprige Bergpässe, sahen wir hier keinen Grund nicht zu fliegen. Bus sollten wir auf Sumatra noch genug fahren… 🙂

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