Roadtrip

Liebe Katze… – ein Brief vom Jeep ans Moped

Liebe Katze… – ein Brief vom Jeep ans Moped

Liebe Katze,

obwohl wir uns nie persönlich vor die Räder gefahren sind, glaube ich, dass Du mich derzeit am besten verstehst. Ich bin nämlich in genau derselben Situation wie Du vor einem Jahr. Sie haben mich ausgesetzt!

KatzenabenteuerZugegeben, anfangs warst Du mir sehr unsympathisch. Hörte ich doch ständig von Uli: „Ob der Lion King wohl so gut ist wie unsere Katze? Ich hab da so meine Zweifel…“ Und das alles nur, weil ich aus purer Fahrfreude hin und wieder ein Kupplungs-Quietschen von mir gab. Ach, und ein bisschen Öl verlor. Ich meine, ich bin ja auch schon etwas in die Jahre gekommen, da wird man doch mal etwas inkontinent sein dürfen. Ist ja auch nicht so, dass das bei den älteren australischen Autos eine Seltenheit wäre. Und andauernd schwärmten die beiden von ihrem ach-so-einmaligen Roadtrip mit ihrem ach-so-tollen Moped Katze durch Thailand, Laos und Kambodscha. Du gingst mir vielleicht auf die Nerven…

Sonnenuntergang - nur wir und die Katze in THailand

Als ich es nicht mehr ausgehalten hab, ist mir der Kragen geplatzt und ich hab mit Zündkerzen geschossen. Ha, geradewegs rauskatapultiert hab ich sie, in voller Fahrt. Da hat Uli vielleicht gestaunt. Sowas hat er noch nie erlebt! Einen Sound hab ich dazu von mir gegeben, wie die größte Harley Davidson! Das war vielleicht ein Spaß 😀 Mit einem Löwen legt man sich eben besser nicht an.

In der Kimberleys WildernessEin paar Tage später hat Uli mir dann neue Zündkerzen eingebaut, sogar tolle deutsche von Bosch. Und gleich dazu hat er sich endlich mal ein bisschen um mich gekümmert; mir einen Ölwechsel und andere kleine Schönheitsanwendungen verpasst. Das tat vielleicht gut. Ich fühlte mich danach wie ein richtiger Schmusetiger. An diesem Tag haben wir uns ein bisschen näher angefreundet. Zum Dank hab ich mich im Anschluss mustergültig benommen. Ich bin ja schließlich kein Unmensch auf Räderni.

Uli und ich verbrachten jetzt regelmäßig Zeit zusammen. Wir Lion King auf den Haarnadelkurven in Tasmanienhatten sogar kleine Freundschaftsrituale. Wie z.B. dass morgendliche Aufklappen meiner Motorhaube, um nach dem Ölstand zu sehen, bevor es auf einen neuen langen Tag auf den Highway ging. Oder in die Wildnis. Durch die tiefsten Sanddünen und den dichtesten Dschungel hab ich die 2 gebracht. Kein Sand war mir zu weich, kein Fluss zu tief und kein Abhang zu steil.

Und wann immer Biene etwas Zeit zum Bericht schreiben für den Reiseblog der beiden brauchte, machten Uli & ich einen Männertag! Zu schrauben und zu basteln gab es immer was. Wie das Licht, dass er hinten in den Kofferraum gebaut hat, damit die beiden auch was sahen, wenn sie mal wieder im Dunkeln kochten.

Lion King in der Bay of Fire

Insgesamt haben wir über 40.000 Kilometer gemeinsam zurück gelegt. 40.000 Kilometer! (ha, damit habe ich Dich mit Eurem 4.000 Kilometer-Radtrip durch Laos, Kambodscha und Thailand locker abgehängt, Mieze). Einmal komplett rund um Australien, dazu kreuz und quer über und rund um Tasmanien und sogar ein Abstecher ins rote Zentrum Australien’s mitten durch die Wüste war noch drin! Das war vielleicht ein Spaß! Was wir unterwegs alles gesehen haben…unglaublich!

Ein toller ÜbernachtungsplatzTagsüber brachte ich die beiden von A nach B. Gegen Einbruch der Dämmerung ging es dann meist in den Busch an irgendein abgelegenes, landschaftlich schön gelegenes Fleckchen. In 2 Minuten das Gepäck anders verstaut, bot ich ihnen dann Nacht für Nacht ein zuverlässig warmes und bequemes Zuhause zum Schlafen. Ich gab ihnen die Flexibilität, überall anzuhalten wo sie wollten und so lange an einem Ort zu bleiben, wie es ihnen gefiel. Oder wenn nicht, eben auch sofort weiterzufahren. Gleichzeitig war ich ein unschlagbarer Weggefährte! Meinem starken Allradantrieb war kein Gelände zu unwegsam. Und trotzdem schauten wir dank meinem schicken Äußeren nicht schon von weitem wie ein typisches Backpacker-Trio aus. Das hat uns sicher in so mancher Stadt vor einem frühmorgendlichen Kontrollbesuch der Ranger bewahrt.

Dann im Oktober erkannte ich die ersten Anzeichen, dass irgendetwas im Busch ist. Auf einmal wurde ich gesaugt! Der komplette Innenraum wurde geputzt. Ich meine, wer wäre da nicht misstrauisch geworden? Da fuhren wir nun schon fast ein dreiviertel Jahr durch den tiefsten australischen Busch, mein einst blassgraues Fell ist schon monatelang von einem kräftigen Rotschimmer überdeckt – und jetzt auf einmal verbringt Biene 4 Stunden damit, mich auszusaugen und jeden noch so kleinen Krümel aus meinen Falten und Polstern herauszuholen?? Höchst verdächtig!

Und dann wurde ich auch noch poliert! POLIERT! Spätestens jetzt war mir klar, irgendwas geht hier vor sich. Und dann noch dieser mysteriöse Blitzbesuch mit geliehenen Reifen in der Werkstatt, um bestätigen zu lassen, dass ich fit bin. Natürlich bin ich das, ich bin ein starker Löwe!

...die letzte Nacht in unserem GoldstückUnd all dieser Besuch. Natürlich ist mir klar, dass die beiden stolz auf mich, ihr Glanzstück, sind, aber dass sie mich auf einmal all ihren neuen Freunden vorstellen und die mich interessiert von oben bis unten betrachten, ist mir doch neu.

Und dann dämmerte es mir: die beiden wollen mich los werden! Aber nicht mit mir, Herrschaften! In einem plötzlichen Anfall von Frust zog es mir die Stirnfalten zusammen. So sehr, dass aus dem kleinen Steinschlag, der seit einigen Wochen meine Windschutzscheibe zierte, ein ordentlicher Riss wurde! Ha! Da haben die beiden ganz schön blöd aus der Wäsche geguckt.

AbschiedsschmatzerAllerdings merkte ich bald, dass ich mir damit ins eigene Fleisch geschnitten hatte. Nun konnten die beiden mich gar nicht schnell genug los werden. Gerade einmal 2 Wochen nachdem sie mich im Internet ausgeschrieben hatten, gingen sie auf ein neues Angebot des ersten Interessenten ein. Sicherheitshalber. Inzwischen zog sich der Riss schon über die komplette halbe Seite der Scheibe.

Und weißt Du was? Die Füchse haben es doch tatsächlich geschafft, mich für mehr Geld wieder zu verkaufen, als sie für mich bezahlt haben! Genau so, wie sie es bei Dir auch geschafft haben! Unglaublich, nicht wahr?

Was mir aber doch ein wenig Befriedigung verschafft hat, war, dass es den beiden ganz und gar nicht leicht gefallen ist, meine Schlüssel an meinen neuen Besitzer zu übergeben. Sogar die Tränen musste sich Biene verdrücken. Kein Wunder, war ich den 2 doch fast ein Jahr lang nicht nur Transportmittel, sondern auch Zuhause!

Schlüsselübergabe

Aber letzten Endes half alles nichts. Mich über den Pazifik zu verschiffen, das wollten sie sich nicht leisten. Dafür wäre ich ihnen dann doch zu alt. Pah! Und mich wie vom Farmer angeboten in den Schuppen zu stellen, bis sie eines Tages wiederkommen, das wollten sie dann auch nicht. Sie wollen ja unbedingt unabhängig und ohne Ballast weiter um die Welt reisen.

Unser AmphibienfahrzeugHach Katze, die beiden fehlen mir jetzt schon! Wir hatten eine unvergessliche Zeit zusammen und unser Roadtrip rund um Australien war einfach einmalig! Wird das Gefühl des Verloren seins mit der Zeit besser? Wie geht es Dir jetzt in den Reisfeldern von Chiang Mai? Langweilst Du Dich auch so sehr ohne die 2 Abenteurer?

Für mich geht es ja jetzt bald wieder los. Mein neuer Besitzer ist auch wieder ein Backpacker. Hat mich samt der kompletten Ausrüstung, die die 2 anschafften, übernommen. Und dem soll ich nun die schönsten Ecken Australien’s zeigen. Kein Problem für mich. Ich kenn mich ja jetzt aus.

…Ich hoffe nur, der Neue malt mein Nummernschild nicht gelb an und hängt einen Wohnwagen an meine Anhängerkupplung! Er ist nämlich Holländer… 😀

Mach es gut, Katze!

Viele Grüße nach Thailand,
Dein Lion King

Roadtrip to Somewhere

Roadtrip to Somewhere

Vom roten Zentrum aus fahren wir wieder gen Norden. Ganz in den Norden. Es zieht uns in die Wärme. Unser nächstes Ziel ist daher das tropische Top End Australiens. Dazwischen liegen nur noch 2.000 Kilometer. Wir satteln also unseren Löwen und brechen auf zu einem weiteren Roadtrip! Yeaah!

Fully loaded we got snacks and supplies
It’s time to leave this town
It’s time to steal away
Let’s go get lost
Red Hot Chili Peppers | Road Trippin

Anstatt denselben Weg zurück nach Alice Springs zu fahren, nehmen wir die Hinterstraße. Der Meribee Loop ist zwar 170 (Schotter-)Kilometer länger, führt aber am dramatischen King´s Canyon vorbei. Da der Weg durch Aborigines-Land führt, müssen wir uns vorher noch für 10$ eine Durchfahrtsgenehmigung kaufen. Der King´s Canyon ist immens! Auf 3 km Länge verlaufen 270 Meter hohe Sandsteinklippen (Orangerot leuchtend. Und senkrecht abfallend.) parallel zueinander, bevor die Schlucht am Ende einfach halbkreisförmig endet. Und genau entlang der Abbruchkante des Canyons kann auf dem 7,4 km langen Rundweg oben entlang gewandert werden. Sicher nichts für Leute mit Höhenangst 😉 Dafür bieten sich gigantische Aussichten. Vor allem von den Überhängen. Obwohl gerade Winter ist, reflektiert der von der Sonne aufgeheizte Sandstein so sehr, dass es knallheiß ist. Schatten und Abkühlung spenden nur vereinzelte Zykaden, weissrindige Ghost Gums und der kleine Wasserlauf im Garten von Eden.

Stilecht für einen Roadtrip verbringen wir die Nacht auf einem Rastplatz mit Lookout und herrlicher Aussicht über die West MacDonnell Gebirgskette in der Wüste. Ja, natürlich am Lagerfeuer und mit Sterne schauen. Nur Gitarre spielen muss einer von uns endlich noch lernen… 😀

Am nächsten Tag fahren wir durch die ehemalige Missionarstation Hermannsburg und passieren das Grabmal des Visionärs und Gründer der Royal Flying Doctors John Flynn. Dann erreichen wir wieder Alice Springs und biegen auf den Stuart Highway ab, der Adelaide im Süden des Kontinents mit Darwin im Norden verbindet. Ab hier geht es mehr oder weniger die nächsten 1.500 Kilometer immer gerade aus. 😉

Just me and my baby
Top down, you and me, we’re just rollin
Without having a clue where we going
Speedin like we in slow motion
Close yo eyes and look good darling
On a road trip destined for love
Eric Bellinger | Road Trip

Nach einer weiteren Nacht im Nirgendwo geht es früh wieder auf die Straße. Die einzigen menschlichen Behausungen auf den heutigen 500 km sind Highway-Tankstellen und sehr vereinzelte Farmen. Unser erster Halt ist eine kostenlose Mangowein-Verprobung auf einer Mangofarm. Zwar ist es erst 10 Uhr morgens, aber ein Likörchen zum Frühstück geht schon. 😉 Richtiges Roadtrip-Gefühl kommt auch bei unserem nächsten Stopp auf. Wir kommen am offiziellen UFO-Hauptquartier Australien´s vorbei. Schon mehrere UFOs sollen in der Nähe dieses Roadhouses gesichtet worden sein und auch der ein oder andere Außerirdische war dabei. Skurril 😀

Natürlicheren Ursprungs ist unser nächster Ziel. Die Devil´s Marbles sind eine Ansammlung meterhoher ovaler Granitfelsen in der ansonsten flachen Landschaft. Abenteuerlich liegen die runden Felsen teils auf- und aufeinander. Manche der aufeinander balancierten Felsen sind genau in der Mitte auseinander gebrochen. Wie die Hälften eines Kinder-Überraschungs-Eis. Andere schauen aus als würde ein kleiner Luftstoß genügen, um die Formation zum Einstürzen zu bringen.

Wir verbringen eine weitere Nacht im australischen Busch. Der Horizont ist weit, die Wüste endlos und hoch am wolkenlosen Himmel kreisen immer wieder majestätische Adler.

If it was up to me
Girl I’ll be down to leave
We’d be gone for the rest of our lives
Lord knows that you would be
The perfect scenery
So tell me if you’re ready to ride
Eric Bellinger | Road Trip

Die Thermalquellen in Mataranka erreichen wir am kommenden Nachmittag. Diese konstant 34 Grad Celsius warmen natürlichen Quellen sind nach der Fahrt eine Wohltat. Und komplett kostenlos. Wir entscheiden uns für die Bitter Springs – in dem kleinen Quellfluss lassen wir uns von einer gemächlichen Strömung den von Palmen gesäumten Flusslauf hinab treiben. Das Wasser schimmert türkisblau und emeraldgrün und ist kristallklar. Und riecht nurein klitzekleines bisschen nach Schwefel 😉 Beim schnorcheln entdecken wir sogar mehrere Süßwasserschildkröten, die sich munter unterwasser tummeln. Ein Busch-Paradies!

In den Busch fahren wir auch wieder zum Übernachten. Wir schlagen unser Nachtlager in einem kleinen Wäldchen auf. Dass wir wirklich im Busch sind, merken wir so richtig, als des Nachts grunzende Wildsauen ganz nah an unser Lager herankommt. Wir sind schon mit Feuerholz und Schaufel bewaffnet, als sie dann doch wieder abdrehen und einige Meter weiter wieder im Unterholz verschwinden. Puh! 😀

Am nächsten Morgen werden wir von exotischem Vogelgezwitscher geweckt – wir sind wieder in den Tropen!

Get free: Believe: Go real
Everything you ever need
Is waiting for you here
Get Free; Believe: Go real
Could this be the living glimpse
Of all that’s meant to be
Runrig | Road Trip

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Ka-ri-ji-ni! Schon der Name klingt exotisch, vielversprechend und irgendwie besonders. Und genau das ist der Karijini Nationalpark!

Gute 600 km von der Küste entfernt liegt er mitten im Herz der Pilbarra Region in Westaustralien. Und obwohl die Strecke Exmouth-Port Headland mit diesem Schlenker gute 200 km länger ist als deren Entfernung entlang des Küsten-Highways, entschieden wir uns, eine kleine Pause vom Meer einzulegen. Und den „Umweg“ haben wir keine Sekunde lang bereut.

Der Karijini reißt uns durch seine atemberaubende, einzigartige Landschaft in seinen Bann:

Dramatische rote Schluchten. Gewaltige Felsen in den bizarrsten Formen. Von Farnen und Palmen gesäumte Wasserfälle, die in tiefe, enge Canyons hinabstürzen. Versteckte natürliche Pools am Boden der Schluchten, in die wir teilweise nur gelangen, wenn wir im Wasser watend dem Flusslauf folgt. Darüber das Schatten spendende Blätterdach von weissen River Red Gums (weissstämmigen Eukalyptusbäume) und Paperbark Trees (Teebäume), das leise im Wind rauscht. Phänomenal!

Was wir auch sehr charmant finden: Anders als z.B. der Kalberri NP ist der Karijini nicht zugepflastert, sondern schön naturbelassen. Wir haben bei unserem Besuch strahlenden Sonnenschein. Regen fällt hier in der Wüste Westaustraliens nur sehr selten, aber wenn, dann sind die Wege schnell unpassierbar. Denn die Straßen des Park sind größtenteils – mehr oder weniger stark gerillte – Schotterstraßen. Da hüpft es sich auch bei gutem Wetter im Allradfahrzeug bequemer auf und ab 🙂

Bevor wir im Westen auf die eine Durchgangsstraße des Park einfahren, passieren wir 90 km vorher die kleine Minenstadt Tom Price. Der einzige Ort mit einem großen Supermarkt, einigen Shops und Handyempfang im Umkreis von ca. 600 Kilometern. Abgebaut wird hier eines der weltweit größten Eisenerz-Vorkommen. Wir machen frühmorgens für Lion King zum Aufwärmen noch einen kurzen Ausflug auf den mit 1.100 Metern höchsten per 4WD befahrbaren Berg Westaustraliens. Es dauert gut eine halbe Stunde, bis wir unseren Jeep die 2 km über die holprige Geröllpiste hinaufgequält haben. Oben wartet eine tolle Aussicht über die Hamersley Gebirgskette auf uns.

Mit frisch aufgefüllten Lebensmittelvorräten geht es anschließend los. Unsere ersten Halts im Park sind der Junction Pool Lookout und der Oxer Lookout. An dieser Stelle kreuzen sich gleich 4 Schluchten – die Weano, Hancock, Joffre und die rote Schlucht – was einen grandiosen Anblick ergibt.

In der Mittagshitze leuchten die steil abfallenden Felswände der Schluchten glutrot. Uns ist heiß und nach einem kurzen Lunch auf dem Parkplatz machen wir uns auf den Abstieg in die Weano Schlucht. Der Trampelpfad hinunter ist schmal und gleich daneben geht es steil in die Tiefe. Mehrere tödliche Unfälle haben sich in den Schluchten leider bereits ereignet. Vor allem bei Regen herrscht Absturz- und Sturzflutgefahr. Wir sind froh, an diesem Tag (ausnahmsweise) wie fast überall angeraten und von uns meist (und oft zurecht) leichtmütig ignoriert in festen Sneakers statt in FlipFlops unterwegs zu sein. Nach einer guten halben Stunde kommen wir am Boden des Canyons an.
Jetzt heißt es: Zehen ins kalte Wasser strecken. Wir folgen einem herrlich klaren – und eiskaltem – Flusslauf. An manchen Stellen ist das Wasser nur knietief, an anderen schwimmen wir durch die schmale Schlucht. Um uns herum die schönste Szenerie die wir uns vorstellen können. Wenn wir die Augen schweifen lassen, sehen wir magentarote Felswände, die fast 100 m direkt neben uns steil und majestätisch in den Himmel aufragen. Im lebendigen Kontrast dazu leuchtend grüne Palmen die zwischen den Felsen hindurch lugen. Und weissrindige Eukalyptusbäume, die Schatten spenden. Das kalte Wasser ist angenehm. Immer weiter folgen wir dem Fluss von Pool zu Pool und der Canyon wird immer schmaler. Ein bisschen kommen wir uns vor wie Indiana Jones auf Abenteuertour durch unentdecktes Terrain.

Teilweise ist die Schlucht so eng, dass wir nur hintereinander und im „Spinnengang“ kraxeln können, also jeweils ein Bein und einen Arm an jeder Seite der Felswand abstützen und uns diagonal vorwärts bewegen.

Am Ende wartet zur Belohnung und hinter Felsbroken versteckt der klarste natürliche Pool, den man sich vorstellen kann. Kreisrund und einladend liegt er vor uns, der Handrail-Pool. Bevor wir hinein springen können, müssen wir uns zuerst noch 2 Meter an einer Metallstange über die glatten Felswände nach unten hangeln. Und dann nichts wie hinein ins kühle Nass! Herrlich erfrischend. Dagegen kann jedes Freibad einpacken 😉

Später am Abend machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wasserfall in die Kalamina Schlucht, bevor wir am Rande von einem der Parkplätze kochen, ein Glas Wein trinken und bis tief in die Nacht Sterne schauen.

Am nächsten Morgen statten wir dem informativen und super aufgebauten Info-Center des Parks einen Besuch ab. Interaktive Displays zu den Themenbereichen Tier, Natur & zum frühen Leben der Aborigines sowie der ersten europäischen Siedler der Region lassen uns hier länger als geplant verweilen.

Deshalb ist es schon später Vormittag und entsprechend heiß (wobei die winterlichen 30 Grad nichts gegen die bis zu 50 Grad C sind, die hier in den Schluchten in den Sommermonaten herrschen), als wir uns auf in die Dales Schlucht machen. Der gut einstündige Pfad hinab in die beliebteste Schlucht des Parks ist schon erheblich mehr ausgebaut, abgesichert und nicht so anspruchsvoll wie tags zuvor in die Weano Schlucht. Dementsprechend treffen wir auch mehr Besucher am Fuße der Schlucht – wenn auch noch lange keine Massen. An den wunderschön über die Felsen plätschernden und beliebten Fortescue Wasserfällen machen wir nur kurz Rast, bevor wir einem kleinen, unausgeschilderten Trampelpfad zum Fern Pool folgen. Dieser wunderschöne tiefe Pool, der von Zwillings-Wasserfällen gespeist wird und so klar wie kalt ist, liegt eingebettet zwischen großen Eukalyptusbäumen und von Palmen gesäumt. Wir sind fast allein hier und die Atmosphäre an dieser versteckten Oase ist irgendwie besonders. Für die hiesigen Aborigines ist dieser Pool ein heiliger Ort – uns wundert es nicht, die Magie dieses Ortes ist fast spürbar.

Nach einem wunderbar erfrischenden Bad laufen wir die Schlucht entlang bis diese nach ca. 2 Stunden plötzlich abrupt endet und wir vor einem weiteren herrlichen Pool stehen. Auch der Circular Pool haut uns schier von den Socken – das Farbenspiel der Natur ist grandios: das tiefe Wasser des Pools schimmert grünlich (obwohl es absolut klar ist und sich kleine Fische darin tummeln), die senkrecht im Halbkreis aufragenden Felswände leuchten rot wie glühende Lava und der Himmel ist strahlend blau! Alles wirkt super intensiv!

Nach diesem Erlebnis glauben wir nicht dass eine weitere Schlucht das noch übertreffen kann und fahren spätnachmittags im Osten aus dem Park hinaus. Vor uns liegt ein kunstvoll durch die Gebirgszüge gehauener Highway, den wir uns nur mit riesigen Minenfahrzeugen und laaaaaangen Roadtrains teilen müssen. Es warten 300 km tiefrote Erde auf uns, bevor wir bei Port Headland wieder die Küste erreichen.

Der Karijini zählt auf jeden Fall zu unseren bisherigen Favoriten unter den australischen Nationalparks!

Verzauberter Circular Pool

Roadtrip durch Old New England

Roadtrip durch Old New England

Von Glenbrook in den Blue Mountains aus fahren wir weiter Richtung Norden. Unser Ziel heißt Bellingen. Hier wollen wir bei einer Bekannten von Uli´s Eltern vorbei schauen. Über Bellingen selbst wissen wir sonst nichts, aber immerhin finden wir den Ort sogar in unserem Straßenatlas, den wir uns von Opa Leo´s Weihnachtsgeschenk gekauft haben und der uns schon gut durch den Blue Mountains gelotst hat. An dieser Stelle noch ein herzliches:

 DANKE, OPA!

Wir meiden die Highways und fahren auf kleinen, kurvigen Landstraßen entlang des Wollemi Nationalparks durch die pure Natur. Die Landschaft hier ist grün, bergig und scheint endlos. Gegen Abend biegen wir auf einer Anhöhe von der Hauptstraße einfach ab und finden 2 km an einem Schotterweg entlang einen top Übernachtungsplatz mit herrlicher Aussicht über die darunter liegenden Bergkuppen. Auf den letzten Metern fängt Lion King plötzlich komisch an zu röhren und die Kupplung fällt durch. Blöd, so können wir natürlich nicht mehr fahren. Uli macht auch gleich die Motorhaube auf und sieht, dass der Kupplungsgeberzylinder undicht ist, mist. Aber erstmal stehen wir ja 🙂 Wir lassen den Abend gemütlich bei BBQ und einem Gläschen Wein ausklingen und bestaunen den gigantischen Sternenhimmel. Am nächsten Morgen behebt Uli den Schaden ganz einfach, indem er mit einem unserer Suppenlöffel Bremsflüssigkeit aus dem Bremsbehälter in den Kupplungsbehälter umfüllt. Improvisation ist manchmal alles 😀 So gerüstet schaffen wir es weiter bis in die Kleinstadt Singleton, wo wir die größte Sonnenuhr der südlichen Hemisphäre bestaunen und uns einen Vorrat an Bremsflüssigkeit kaufen. Singleton ist das geografische Herz des Hunter River Valleys, ein langgestrecktes Tal das vor allem für seine guten Weine und seine Kohleminen bekannt ist.

Und hier sind wir in New England angekommen. Diese Gegend wurde nach der Landung der ersten Siedler als eine der ersten besiedelt und viele der Weingüter hier stammen noch aus den 1850ern. Und es sieht heute noch genau so aus, wie wir uns das „Old England“ aus dieser Zeit vorstellen: auf den weitläufigen Wiesen grasen Kühe, Pferdegestüte mit weiß eingezäunten Koppeln und Rinderfarmen wechseln sich entlang der Straße ab und entgegenkommenden Fahrern wird freundlich die Hand vom Lenkrad zum Gruß gehoben. Die kleinen Ortschaften mit den historischen einstöckigen Gebäuden haben meist nicht mehr als 3 Straßen und Getreidefelder und Obstgärten säumen die Straße.

Auf dem New England Highway (der eher eine Landstraße ist) fahren wir weiter durch das friedliche, ländliche Hinterland und erreichen nach einer weiteren Übernachtung in Lion King im Gloucester Stadtpark am nächsten Tag auf Landstraßen die kleinen Städte Walcha und Uralla. Jede Ortschaft hier hat seine eigenen historischen Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert und Geschichten von bedeutenden lokalen Persönlichkeiten aus dieser Zeit sind der ganze Stolz eines Ortes. Diese frühen Helden haben z.B. entweder die erste Verbindungsstraße ins 100 km entfernte Nachbarort ermöglicht, den wichtigen Holzhandel vorangebracht oder waren auch mal berüchtigte „Bushranger“, die in den Orten ihr Unwesen trieben bis sie von den Sheriffs zur Strecke gebracht wurden.

In Armidale biegen wir ab Richtung Osten und folgen dem Waterfall Way, der sich von hier bis zur Küste in Uranga entlang vieler Wasserfälle durch eine Handvoll Nationalparks schlängelt. Bevor wir 30 km vor Uranga unser Ziel Bellingen erreichen, müssen wir uns erst noch durch dicke Wolken manövrieren, die hier plötzlich direkt über der Straße hängen, ordentlich Wasser abgeben und die Sicht auf wenige Meter reduzieren.

Wie wir später erfahren, ist diese Wetterbedingung typisch für diese Gegend.

G´DAY AUSTRALIA – in 6 Tagen von Darwin nach Sydney

G´DAY AUSTRALIA – in 6 Tagen von Darwin nach Sydney

HOWDY AUSTRALIA

Endlich ist er da. Der 24. Dezember. Heilig Abend. Wie die kleinen Kinder haben wir uns in der letzten Adventswoche dieses Jahr auf Weihnachten gefreut, sollte es doch der Tag sein, an dem Biene auch endlich nach Australien reisen darf. Wieviele Jahre hat sie von diesem Tag geträumt 🙂 Im fast leeren Flugzeug geht es über Nacht von Singapur nach Darwin, wo Uli schon seit 1 Woche ist. Genug Zeit, um vor Ort Kontakte zu knüpfen, sodass er sogar einen kostenlosen Flughafen-Shuttle morgens um 5 Uhr organisieren kann 🙂 Der offizielle Flughafenbus kostet hier 18 australische Dollar (ca. 12 €) für eine 20-minütige Fahrt ins Zentrum. Das ist wieder ein anderes Preisniveau, als wir es von den letzten Monaten gewohnt sind. Damit wird gleich bei Ankunft klar, dass wir Asien endgültig hinter uns gelassen haben. Wir sind nun auf dem roten Kontinent, auf dem mit Sydney an 5. und Melbourne an 8. Stelle gleich 2 der 10 teuersten Städte weltweit liegen.

Da wir aber natürlich wussten, dass Australien teuer wird, wollen wir unsere Erfahrungen hier ganz bewusst nicht nur auf deren Preis reduzieren. Sonst kann einem nämlich recht schnell die Entdeckerlust vergehen 😉

Nach einem ersten Kaffee gehen wir auch gleich auf Erkundungstour durch Darwin. Uli hat die Stadt schon mit all ihren Winkeln erkundet, zeigt als Reiseführer die schönsten Ecken und weiß vieles zu Darwin zu berichten. Die Stadt mit Kleinstadtflair liegt ganz im Norden Australien und ist Hauptstadt des Northern Territory. Dieser nördliche Zipfel Australiens ist recht dünn besiedelt, gerade einmal 1% der Bevölkerung ist hier angesiedelt. Und obwohl Darwin geografisch gesehen näher an Singapur als an Melbourne und näher an Jakarta in Indonesien als an Sydney liegt, erleben wir einen kleinen Kulturschock.

Denn die Unterschiede zu Asien sind gewaltig. Wir sind überrascht, wenn die Autos am Zebrastreifen anhalten, die Busfahrer weigern sich aus Sicherheitsgründen, 5 Meter neben der Haltestelle oder an der Ampel noch Fahrgäste aussteigen zu lassen, an den Supermarktkassen wird ohne Drängeln ordentlich in Reihen angestanden (ebenso wie an roten Ampeln), es gibt Wurst und Käse in den Supermarktregalen, die Hostelduschen sind nicht auf demselben Quadratmeter wie das Klo und – natürlich – spricht jeder Englisch.

WEIHNACHTEN DOWNUNDER

Den Heilig Abend verbringen wir bei 30 Grad Celsius original australisch: Wir kaufen uns 1 kg Beef-Rumpsteak und eine gute Flasche Wein und ziehen damit zum BBQ in Richtung Strand. Wenn schon exotisch, dann richtig 😀 In den australischen Parks gibt es an vielen Stellen öffentliche Gas-Grillplatten, an denen jeder umsonst brutzeln und kochen kann, wie er will. An einem kleinen See hinter der Strandpromenade grillen wir uns unseren Weihnachts-Schmaus, stoßen auf das Fest der Liebe an und lauschen Weihnachtslieder. Die Christmette fällt dieses Jahr für uns leider aus, dafür genießen wir andächtig einen ganz besonders schönen Sonnenuntergang am Strand. Und wer ganz genau hin hört, der kann uns dabei sogar ganz leise ein Weihnachtslied singen hören 🙂 Mit dem letzten Bus fahren wir zurück in unser Hostel und sitzen mit einigen anderen Reisenden noch gemütlich bei ein-mehreren Gläschen Wein gemütlich zusammen vor dem Pool.

Das große gemeinsame Weihnachtsessen am nächsten Mittag verpassen wir. Wie in England wird Weihnachten hier nicht wie bei uns hauptsächlich an Heilig Abend gefeiert, sondern erst am 1. Weihnachtsfeiertag. Wir fliegen an diesem aber schon weiter nach Brisbane an der Ostküste. Zu unserer Überraschung ist das Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt. Und wir dachten, außer uns setzt sich an Weihnachten keiner ins Flugzeug. Bedenkt man, wie groß Australien ist, sollte es uns aber eigentlich nicht verwundern, dass hier viele statt ins Auto in den Flieger steigen, um Weihnachten gemeinsam mit ihren Familien zu verbringen. Der Flug ist mit 4 1/2 Flugstunden gleich lang wie von Singapur nach Darwin – und dabei liegt Brisbane nur auf halber Strecke in den Süden des Landes. Begleitet von Weihnachtsliedern von Schnee und Eis kommen wir gegen Abend im sommerlich heißen Brisbane an.

Wie schon in Hong Kong haben wir uns ein Zimmer in einem privaten Haus gemietet. Für den Preis, den wir für ein Doppelzimmer mit eigenem Bad bezahlen, reicht es in den Hostels gerade einmal für zwei Betten im gemischten Schlafsaal. Außerdem lernen wir so gleich Einheimische kennen, bekommen von diesen oft Insider-Tipps (die in keinem Reiseführer stehen) und oft entstehen tolle Begegnungen. Hier wohnen wir in einer WG und als wir ankommen, erwartet uns sogar schon eine Flasche Wein und Schokolade als Willkommensgeschenk 🙂 Wir lieben Weihnachten 😀
Und wir dürfen neben dem ganzen Haus auch die Küche mitnutzen – nach den Monaten, in denen wir uns fast ausschließlich bekochen ließen, freuen wir uns sogar darauf, uns mal wieder selbst an den Herd bzw. an den Grill zu stellen.

Am 2. Weihnachtsfeiertag erkunden wir die schöne Stadt Brisbane. Und sehen die Straßen nicht wie von uns erwartet menschenleer. Nein, hier ist der 2. Weihnachtsfeiertag, der im englischen „Boxing Day“ heißt, kein besinnlicher Tag im Kreise der Familie. Am Boxing Day wird das Weihnachtsgeld in Materielles angelegt 😀 Überall gibt es „Boxing Day Sales “ und die Kaufwütigen stehen Schlange vor den Shops. Andere Länder, andere Sitten… Wir sehen dem bunten Treiben in der lebendigen Fußgängerzone eine Weile zu, dann schlendern wir am Fluss entlang über die Story Bridge, fahren mit der kostenlosen Fähre wieder zurück ins Zentrum und schlendern durch den künstlich angelegten Sandstrand am Fluss.

Unterwegs fällt uns auf, wievieles hier unerwartet kostenlos ist: es gibt viele Trinkwasserbrunnen, an denen man sich auch seine Wasserflaschen auffüllen kann, es gibt kostenlose Fährrouten, der Wasserpark ist gratis, ebenso die Grillstellen im Park und überall kann man auf Schildern Interessantes zur Geschichte der Stadt nachlesen. Wir sind positiv überrascht 🙂

Wir verbringen noch 2 schöne Tage in Brisbane, skypen mit unseren Lieben zuhause, genießen sogar einen gemütlichen Regentag auf der Couch und machen mit einem der WG-Mitbewohner einen deutschen Filmabend. Zwar gibt es auch im Umland noch jede Menge anzusehen, aber da Brisbane die Stadt mit dem teuersten öffentlichen Nahverkehr in Australien ist und wir höchstwahrscheinlich nochmal diesen Abschnitt der Ostküste besuchen werden, beschließen wir, das auf unseren nächsten Besuch mit eigenem Gefährt zu vertagen. Auch sind wir noch etwas mit ankommen auf diesem neuen, spannenden Kontinent beschäftigt 🙂

IM SAUSESCHRITT NACH SYDNEY

Dann ist es an der Zeit, weiter zu reisen. Zu Silvester haben wir ein Date in Sydney und bis dahin noch gute 1.000 km zurückzulegen.
Hier haben wir mal wieder richtiges Backpacker-Glück: da viele der typischen Reisebusse zwischen den Jahren schon ausgebucht sind und wir bereits hin und her planen, wie wir trotzdem nach Sydney kommen und nach Flügen und Zugverbindungen schauen, finden wir online eine Mitfahrgelegenheit. Dabei haben wir richtig Glück gehabt, da es zwar viele Gesuche für genau diese Strecke gab, aber nur ein einziges Angebot! Für gerade einmal 80 AU$ legen wir so den kompletten Weg von Brisbane bis Sydney komfortabel und in netter Gesellschaft mit Marc im geräumigen Kombi zurück. Und es kommt noch besser: Da uns die gesamte Strecke für einen Tag zu lang war, legen wir noch einen Zwischenstopp im schönen Küstenort Coffs Harbour ein und trinken Kaffee bei Marc´s Vater und seiner Frau Linda. Da unser ursprünglicher Plan, hier in der Gegend zu zelten, von den ausgebuchten Campingplätzen zerschlagen wird, bieten uns Linda & Chris spontan an, die Nacht bei ihnen zu schlafen. Im gemütlichen Gästezimmer, mit eigenem Bad und Terrasse. Und das, obwohl sie eigentlich an diesem Tag ihren 10. Hochzeitstag haben. Ablehnen und bezahlen dürfen wir natürlich auch nicht. So verbringen wir einen weiteren herrlich australischen Abend bei Bier & Burgern im Pub mit anschließendem Kartenspiel. Wenigstens eine Flasche Wein als Dankeschön durften wir dann doch noch beisteuern 🙂 …Von der wir natürlich auch was haben 😉

Zum Frühstück werden wir schon frühmorgens mit leckeren selbstgebackenen Waffeln und italienischem Kaffe verwöhnt und starten so gut gestärkt auf die letzten 650 km nach Sydney.

Mit dem Zug von Bangkok nach Malaysia – 3 Länder in 2 Tagen

Mit dem Zug von Bangkok nach Malaysia – 3 Länder in 2 Tagen

Wir wollen weiter in den Süden, wo Biene ihren Open Water Diver (OWD) Tauchkurs machen will und nach viel Recherche entscheiden wir uns für Pulau Weh, eine kleine indonesische Insel oberhalb Sumatras. Andere Optionen waren u.a. die thailändische Insel Koh Tao in der Andamensee und die Bunaken Islands vor Sulawesi. Gegen Koh Tao sprach die Regensaison, die die Sicht unter Wasser erheblich einschränken kann und die Tatsache, dass es eben „die Tauchinsel“ Thailands ist. Böse Zungen behaupten, dass man dadurch beim Tauchen inzwischen mehr andere Taucher als Fische oder Korallen sieht 😉

So steht Indonesien als nächste Destination fest und wir planen unsere Anreise. Nachdem wir uns schweren Herzens von unserer Katze getrennt haben, sind wir wieder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Dabei fällt uns gleich als erstes auf, dass in Bangkok heute viel weniger Tuk Tuks fahren als noch bei unserem Besuch vor 6 Jahren.
Unsere nächste Entdeckung ist, dass es tatsächlich direkte Zugverbindungen von Bangkok aus bis nach Malaysia und sogar weiter bis nach Singapur gibt!

In 21 Stunden bringt uns dieser Zug für gerademal 27 € dann auch über Nacht von Bangkok nach Butterworth in Malaysia. Dieser Nachtzug ist um einiges komfortabler, als wir es von den Zugreisen in China gewohnt sind. An beiden Seiten sind in Fahrtrichtung 2 breite Betten übereinander angebracht und jedes Bett hat einen Vorhang, durch den man seine eigene kleine Schlafkabine und ein bisschen Privatsphäre hat. Von Butterworth aus geht es mit der Fähre auf die Halbinsel Penang. Von dort setzen wir nach Medan über, die Hauptstadt Sumatra´s. Eigentlich hätte wir diese Passage gerne mit dem Schiff zurückgelegt. Aber durch die zunehmende Konkurrenz der Billigfluggesellschaften wurde die Fährverbindung zwischen Penang und Medan vor 3 Jahren eingestellt. Es war einfach nicht mehr rentabel. Von Medan aus fliegen wir direkt weiter in den Norden der Insel nach Banda Aceh. Da uns der einstündige Flug gleich viel kostete wie alternativ die 12-stündige Busfahrt bei Nacht über holprige Bergpässe, sahen wir hier keinen Grund nicht zu fliegen. Bus sollten wir auf Sumatra noch genug fahren… 🙂

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

 Unsere Katze erzählt

Vom Dschungelabenteuer von oben bis unten mit Schlamm eingesaut ist von meiner eigentlich grünen Farbe am nächsten Morgen nix mehr zu sehen. Fellpflege ist angesagt! Davor genehmig ich den beiden noch einen hier auf dem Bolavenplateau organisch angebauten Kaffee und einen Spaziergang durch das kleine Örtchen Tad Lo. Zu Fuß natürlich, so eingesaut beweg´ich mich nicht mehr vom Fleck als unbedingt nötig. Außerdem ist direkt neben dem Hostel, in das sie wir uns letzte Nacht im Dunkeln einquartiert haben, ein Wasserfall. Besser gesagt, der unterste von den drei Wasserfällen, die diesen kleinen Ort zu einem beliebten Ziel auf dem Bolavenplateau machen. Und die Brücke drüber war mir gestern schon nicht geheuer. So ein wackliges Ding mit Holzplanken und ohne Geländer. Nene, von Wasser habe ich als Katze erstmal wieder das Schnäuzchen voll. Sollen die beiden ruhig im Fluss baden und auf den Wasserfällen entlang klettern, ich lehne dankend ab. Während Uli mir die verdiente Vollwäsche verpasst und mich und meinen Gepäckträger wieder aufpäppelt, zieht Biene schonmal mit dem ganzen Krempel in einen Homestay bei einer lokalen Familie ans Ende des Dorfs um. Mir soll´s recht sein, mein Parkplatz dort sieht auch ganz ok aus. Abends wird mit der Familie zusammen gekocht, gegessen und beisammen gesessen. Und das ein oder andere Bierchen mit den anderen Gästen getrunken. War wohl ganz nett. Jedenfalls lachen die beiden tags darauf, als wir zum obersten der Wasserfälle fahren und von dem hohen Felsvorsprung dort oben eine tolle Aussicht auf die von einem Gebirge umgebene Hochebene haben, immer noch über die späte Karaokeparty im Guesthouse gegenüber.

Also hör ich an dem Abend, als sie wieder alle beisammen sitzen, mal genauer hin und joa, die ebenfalls weltreisenden Engländer Sophie & Neil, das belgische Paar mittleren Alters, die jedes Jahr eine große Reise machen und die französische Familie, die mit ihren zwei 2 und 4 Jahre alten Kindern für 3 Monate in Asien unterwegs sind (und hier auch ganz cool mit 2 Mopeds ankamen 😀 – mit Kindersitz, versteht sich 😀 ) und die skandinavische Österreicherin hören sich alle ganz lustig an. Tags darauf sitzen die beiden wieder auf und wir düsen über das Bolavenplateau weiter Richtung Süden. Unterwegs wird noch bei einer Kaffeeplantage angehalten. Das Klima des Bolavenplateaus ist für den Anbau von schmackhaftem Hochlandkaffee ideal. Das sagt zumindest der Loose Reiseführer, in den Biene auf dem Sozius immer wieder die Nase reinsteckt. Andere können nichtmal im Auto lesen, Biene selbst auf dem Moped hinten drauf 😀

An diesem Tag geht´s weiter in die Stadt Paxe. Nach dem weichen Waldboden im Dschungel tut mir der harte Asphaltboden an den Tatzen weh. So ist erstmal die Luft raus. Ich verlange einen neuen Hinterreifen. Weich gepolstert für meine Samtpfote, bitte. Uli macht nicht lang rum und ruckzuck ist der Ersatzreifen dran. Geht doch. Damit geht´s nun über die große Mekongbrücke und auf der anderen Seite soll es auf einer kleiner Nebenstraße – mal wieder eine Alternative zum Highway 13 – bis ganz in den Süden zu den Si Phan Don gehen. Oh oh, Alternative zum Highway, ich befürchte das Schlimmste! Aber vorläufig ist noch alles im Lot. Ohne Verkehr geht auf einer geteerten Straße bis zum heutigen Übernachtungsstopp, Champasak. In diesem kleinen Dorf finden die zwei einen tollen, günstigen Bungalow direkt am Mekong – inklusive einer riesigen Spinne, die bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich an der Wand hängt. Aber vollkommen ungefährlich, wie der Besitzer mitteilt, als er das Viech wieder frei lässt.

Am nächsten Morgen holt sich Biene ihren Kulturschub, als sie die Ruinen des Wat Phou, des größten Tempels der Khmer außerhalb Kambodschas, besichtigt. Uli und ich pfeifen auf die alten Steine und gönnen uns lieber einen guten Kaffee. Interessant ist, dass der Tempel in einer Linie zu Angkor Wat gebaut wurde, mit über 1.000 Km dazwischen. Das ist ja wie im alten Rom, wo es auch nur gerade Straßen gab. Für ein gutes Moped wie mich aber viel zu langweilig. Ich steh auf Kurven. Als wir einige Kilometer weiter an eine eingestürzte Brücke kommen und warten müssen, bis der Bagger eine zumindest für Mopeds passierbaren Damm aufgetürmt hat, scheint sich meine dunkle Vorahnung langsam zu bestätigen. Nachts zuvor hat es stark geregnet und es dauert nicht lang, bis ich mal wieder matschige Tatzen krieg´. Aus der Nebenstraße wird ein Schottersträßchen, aus dem Sträßchen ein matschiger Trampelpfad. Davon stand nix im Loose. Die beiden sind trotzdem noch ganz im Staunen von der Landschaft und dem ländlichen Leben entlang des Weges, immer wieder kommen uns Ochsenwägen und von Hand gezogene Karren entgegen. Die Begeisterung ist jeweils auf beiden Seiten groß, oft fahren hier jedenfalls keine Ausländer. Das frisch geschnittene Korn wird hier noch von Hand in die Dreschmaschine geworfen.

Mit der Zeit schwitzt Uli immer mehr vor Anstrengung, damit wir nicht alle zusammen im Dreck liegen und Biene steigt öfters mal ab und läuft über die ganz schlammigen Stellen. Am Spätnachmittag stehen wir dann mal wieder vor´m Wasser. Erst jetzt wird mir klar, was unser Ziel, die „4.000 Inseln“ wirklich bedeuten – ich soll über´s Wasser! Katzen sind wasserscheu, hab ich das eigentlich schon mal erwähnt? Den beiden ist das jedenfalls herzlich egal. Mit Anlauf schuckt mich Uli auf den kleinen Kahn, der flucks vom anderen Ufer rüber fährt, als er uns am Ufer warten sieht. Das Ding ist so winzig, ich kann mich nicht mal darauf umdrehen. Und schon sind wir auf der ersten Insel. Weiter schaffen wir heut nicht, also quartieren wir uns im einzigen Ort der Insel für eine Nacht ein. Am nächsten Tag wird noch 2mal mit gruslichen Dschunken übergesetzt, dann sind wir endlich auf Don Khong, eine kleine und eine der bekannteren Inseln der Si Phan Don  (zu dt. 4.000 Inseln). Ob es wirklich 4.000 sind weiß ich nicht, ist mir aber auch recht piepe. Die 2 suchen sich mal wieder einen Bungalow mit Hängematte am Mekong raus und ich stell mich drunter. 3 € kostet die Übernachtung. Das sind noch Preise hier, miau. Don Khong ist dafür bekannt, dass man hier eins ganz toll tun kann: nix! 😀 Irgendwie haben sich die 2 das aber ein bisschen spannender vorgestellt. Von der Partystimmung, von der sie gehört hatten, ist jedenfalls weit und breit keine Spur. Zwar gibt es überall „magische“ und „fröhliche“ Dinge im Angebot, aber die Partypeople dazu sind wohl ausgeflogen. Ne, das ist nicht so der Reisser. Aber so ganz ohne chaotischen-laotischen Verkehr traut sich hier auch Biene mal an meine Pedale. Ich schnurr natürlich wie ein Samtkater. Also machen wir noch einen Tagesausflug auf die Zwillingsinsel, Don Khon und uns dann mit der Fähre wieder vom Acker bzw. der Insel.

Unser nächstes Ziel: Kambodscha! Bis zur Grenze sind es nur noch knapp 40 Kilometer, die legen wir dann auch tatsächlich mal auf dem Highway 13 zurück. Aber denkste, so einfach kommen wir nicht rein. Da könnte ja jeder kommen… An diesem Tag jedenfalls werden wir Kambodscha nicht mehr sehen!

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Unsere Katze erzählt

Liebe Leute, ich hätte nie gedacht, dass man für 80 Kilometer 2 Tage benötigen kann. Tut man aber.
Und zwar im laotischen Dschungel:

Die Tour begann ja noch ganz harmlos. Eine Alternative zum Highway 13 hatten die beiden rausgesucht. So biegen wir gen Osten Richtung Vietnam ab und fuhren teilweise den alten Hoh Chi Minh Pfad entlang, bevor wir Richtung Süden auf die kleine, laut Loose Reiseführer lediglich in der Trockenzeit befahrbare Straße 23 abbiegen. Die soll außerdem nur von erfahrenen Motorradfahrer gefahren werden, da es auch ohne Regen eine Cross-Strecke ist. An Selbst- und Gottvetrauen mangelt es den zwei ja wirklich nicht, meine Güte. Ich bin zwar echt ein tolles Moped, aber nun auch nicht gerade eine Geländemaschine. Naja, so weit so gut. Sie würden schon wissen, was sie da tun – dachte ich! Auch als Moped kann man sich ja mal irren. Bis zu unserem Ziel, dem Bolaven-Plateau im Südwesten des Landes, waren es von hier nur noch knappe 100 Kilometer. Das würde ich schon irgendwie rumkriegen. Als besagte Straße von einer Schotter- in einen sandigen Trampelpfad mit tiefen Wasserrinnen übergeht und wir stundenlang kein anderes Fahrzeug sehen, kommen mir jedenfalls schon leichte Zweifel. Als wir dann noch vor einer lang eingestürzten Brücke stehen und stattdessen mit einem kleinen Kahn den großen Fluss überqueren müssen, schwant mir Böses.

Alternative zum Highway, pah! Als wir tatsächlich wieder ein paar Hütten sehen, fragen die zwei erstmal, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Sind wir, oh wunder. Also geht die holprige Fahrt langsam weiter, immer den Trampelpfad entlang. Der wird immer schmaler, die Bäume höher und enger und das Blätterdach darüber dichter. Die Fahrt verlangt uns allen Drei ganz schön was ab… Uli ist voll konzentriert, um auf dem sandigen Boden nicht wegzurutschen, ich bin voll mit dem auf und ab über die tiefen Löcher beschäftigt und Biene hält unser Gepäck mit einem Band zusätzlich mit aller Kraft von oben fest. Für dieses Gelände war der Gepäckträger nicht ausgelegt. So geht es weiter, bis uns in einem kleinen Dorf mit Händen und Füßen klar gemacht wird, dass wir ca. die Hälfte des Weges geschafft haben. Es ist 17 Uhr und dämmert schon langsam. In einer Stunde ist es stockfinstere Nacht. Es ist klar, dass schaffen wir heute nicht mehr. Guter Rat ist teuer. Das Dorf besteht aus einer Ansammlung von 10 Hütten auf Stelzen, keiner spricht englisch und wir stehen mitten im Dschungel. Zum Glück entdecken die beiden einen Pavillon auf Stelzen, auf dem sie übernachten dürfen. Hier wird das Zelt aufgeschlagen, dass die beiden seit China mit sich herumtragen. Ich werd darunter gestellt. Mir können Schlangen und sonstiges Getier ja nicht viel anhaben, vielen Dank auch. Uli entdeckt in dem Dorf Gott sei Dank Benzinfässer zum Tank auffüllen und einen kleinen Laden, in dem es Bananen, Kekse und vor allem Wasser gibt. Als es langsam dunkel wird, erhellen Lagerfeuer vor den Hütten den Nachthimmel und die Frauen holen Wasser zum kochen am Dorfbrunnen. Der ist die einzige Wasserquelle des Dorfes und gleichzeitig Trink-, Wasch- und Duschbrunnen. Uli macht ebenfalls ein großes Lagerfeuer – an das Biene aber gar nicht sitzen will, nachdem sie im Gras eine tote Schlange entdeckt hat. Die war ja sicher nicht die letzte ihrer Sorte… So klettern sie bald auf ihren Pavillon. Von dort, weit weg von jeglicher lichtverschmutzenden Zivilisation, glotzen sie noch eine ganze Weile in einen gigantischen Sternenhimmel, bevor sie mit vielen Dschungelgeräuschen im Hintergrund einschlafen.

Um der Mittagshitze zu entgehen, geht´s um 6 Uhr am nächsten Morgen weiter. Schon bald wird´s kritisch – der kleine Trampelpfad gabelt sich immer wieder. Rechts? Links? Der eine Pfad sieht so aus, als wäre er schon seit Ewigkeiten nicht mehr befahren worden, auf dem anderen hängen die Äste so tief über den Pfad, dass die 2 in Jockeyhaltung und mit eingezogenen Köpfen fahren müssen. Und das soll richtig sein? Aber irgendwohin muss es ja weitergehen… Oder vielleicht doch der andere Weg? Wir probieren sie alle.

Und hier stehe ich nun. Mitten im Dschungel, mit abgebrochenem Gepäckträger, klatschnassem Motor und verbogenen Pedalen. Hinter uns ein breiter Fluss. Wir Katzen wissen schon, warum wir wasserscheu sind! Durchgejagt haben sie mich trotzdem. Nachdem Biene barfuss getestet hat, wie tief das Wasser ist, hab ich mich schließlich von Uli überreden lassen, mit Anlauf durchzuspringen. Tja, das haben sie jetzt davon.

Mit Bambusstöcken wird der Gepäckträger notdürftig ersetzt, Biene schultert die Last zusätzlich und weiter. Eine halbe Stunde später macht uns ein Mann, der im Wald liegt (??) mit Händen und Füßen klar, dass es hier nicht weitergeht. Mit einem Stock in den sandigen Boden malt er uns den Weg auf. Und er malt einen breiten Fluss… Also zurück. Dass jeder, den wir sporadisch unterwegs sehen – vom 6-jährigen Kuhhirten bis zu im Fluss Wäsche waschenden Frauen – uns eine andere Richtung weist, hilft auch nicht wirklich weiter.
Klar wird, dass die beiden keinen blassen Schimmer mehr haben, wo es weitergehen soll. Am Fluss entlang? Oder drüber und südlich? Oder dahinter abbiegen nach Westen? 3 Stunden später stehen wir wieder kurz vor dem Dorf, in dem wir frühmorgens aufgebrochen sind. Geld wollen sie jemandem anbieten, damit er mit dem Moped vorausfährt, uns den Weg zeigt und aus dem Dschungel rausbringt. Während sie das mit Händen und Füßen rüberzubringen versuchen, kommt ein Auto.

Und sapperlott, haben die beiden ein Glück: In dem Pick-up sitzt ein einheimisches Paar, das zufällig in dieselbe Richtung fährt. Wie der große Geländewagen in den Dschungel kam oder wie er durch die Wege, die wir an diesem Morgen gefahren sind, durchkommen soll, ist mir ein Rätsel! Selbst ich als rankes und schlankes Moped kam ja manchmal kaum durch.
Schnell schmeißen wir das Gepäck hinten auf die Ladefläche, Biene steigt hinten ins Auto ein und jetzt wird´s richtig lustig…. Der große Pick-up voraus, Uli mit mir hinterher geht die Geländefahrt erst so richtig los! Durch mindestens ein Dutzend größere und kleinere Flüsse (manche so tief, dass mir doch glatt die Luft weg bleibt und ich ausgehe), steile Abhänge hinauf und hinunter, durch 10 Meter langen knietiefen Matsch geht der „Weg“.

Ha, ich weiß schon was die beiden bei ihrer Navigation falsch gemacht haben: sie haben immer den Weg genommen, der am passabelsten aussah. Richtig wäre der gewesen, der am allerwenigsten passierbar scheint! Der große Geländewagen kämpft trotz Allrad ganz schön und die Kratzer, die sich allein auf dieser Strecke tief in den Lack gegraben haben, würden wohl jedem der männlichen Leser hier das Herz bluten lassen.

Nach 5 anstrengenden Stunden lichtet sich der Wald langsam. Eins steht fest: Allein hätten wir den Weg hierhin NIE gefunden. An einer Kreuzung trennen sich die Wege wieder. Mehr als ein herzliches Danke wollen die Helfer in der Not partout nicht annehmen. Biene wechselt wieder auf den Sozius, schultert den großen Rucksack, der sonst auf dem Gepäckträger liegt (die Bambuskonstruktion hatte mittlerweile den Dienst versagt)und weiter geht´s. Nach kurzer Zeit kommen wir in einen kleinen Ort, in dem wir Trinkwasser kaufen und Benzin auffüllen können. Für beides war es höchste Eisenbahn. Die Reaktion der Einheimischen, die sich schnell alle neugierig um uns versammeln lässt vermuten, dass hier nicht oft Menschen mit weisser Haut und roten Haaren oder mit Bart vorbei kommen. Und wahrscheinlich erst recht nicht von oben bis unten mit rotem Sand paniert. Wohl auch eher selten führen Besucher beim Anblick einer eiskalten Cola einen Freudentanz auf 😀 Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Händen und Füßen und sind froh, als der Weg kurz hinter dem Dorf langsam wieder zu einer Straße wird.

Obwohl wir drei ganz schön geschlaucht sind, wollen die beiden in der Stadt Savannakhet noch weiter bis zum Bolavenplateau fahren. Gegen Abend fängt es aus vollen Kübeln an zu regnen und ich bin Mopedgottfroh, als wir mal wieder nach Einbruch der Dunkelheit und klatschnass in Tad Lo ankommen.

Sense für heute.

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