Backpacking Vanuatu

Facts & Figures – Vanuatu

Facts & Figures – Vanuatu

Reisedauer:

Wir haben 15 Tage auf Vanuatu verbracht. In dieser Zeit waren wir auf 4 Inseln unterwegs. Je nachdem, wieviele Inseln man besuchen möchte, kann man locker mehr Zeit in dem Inselstaat verbringen.

TIPP: Möchtet ihr mehr als eine Insel besuchen, solltet ihr ausreichend Pufferzeit einplanen, um auch bei (den häufigen) kurzfristigen Fahrplanänderungen nicht in Terminstress zu geraten.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in Vanuatu 723 € pro Person ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 42,25 €. Darin inbegriffen sind 2 Tauchgänge in der SS Coolidge, dem größten zugänglichsten Wrack der Welt. Aber vor allem schagen dieInlandsflüge zu Buche – ohne die 2×3 Flüge wären wir nur bei einem Schnitt von 21 € pro Tag und Kopf.

TIPP: Als Posten im Budget einplanen solltet ihr unbedingt auch Eintrittspreise zu Stränden, Blue Holes, Schnorchelriffen etc. Auf Vanuatu ist alles Land in Privatbesitz und die Grundstückseigentümer verlangen für die Betretung/Nutzung ihres Landes fast immer eine Gebühr. Z.B. schlägt schnorcheln am Million Dollar Point auf Espritu Santo mit 10€ pro Person auf die Reisekasse.

Transport:

Es gibt vergleichweise wenig Infrastruktur. Die Straßen die über die Inseln verlaufen, sind größtenteils staubige Sandpisten. Geteerte Straßen gibt es nur vereinzelt sowie in den Städten Luganville und Port Vila. Langsam wird das Straßennetz ausgebaut – hauptsächlich finanziert aus Entwicklungshilfe der Länder Australien und NeusUli_Outriggerkanueeland. Öffentlichen Nahverkehr gibt es ebenfalls nicht. In den Städten fahren Taxis und ansonsten private Minivans oder Pick-ups, die Fahrgäste am Straßenrand aufsammeln. Das Ausländer sich nicht im Taxi fahren lassen sondern reisen wie die Einheimischen ist hier eher eine Seltenheit. Eine, die die Einheimischen toll finden – und die oft zu interessanten Gesprächen auf den Ladeflächen der Pick-ups führt!

Unterkünfte:

Ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad in einfachen Hotels liegt im Dezember 2015 bei 25-30 €. Für einen Zeltplatz bezahlen wir meist 1.000 Vat (umgerechnet knapp 10 €).

Das Preis-Leistungsverhältnis der Unterkünfte ist schlechter als z.B. auf Fidschi. In den Hotels in Port Vila und Luganville gibt es kostenloses Wifi – das auch meist funktionierte.

 3 Highlights:

  • Die Natur. Während das Inselinnere oft von dichtem Dschungel bedeckt ist, gibt es rundum wunderschöne Strände – ganz so, wie man sich das von der Südsee erhofft. Außerdem gibt es türkisblaue, glasklare Blueholes (Süßwasser!). Und beim Schnorcheln jede Menge Unterwasserleben zu bewundern.
  • Auf Tanna Island gibt es den aktivsten Vulkan der Welt, Mount Yasur. Unser Besuch am Yasur war eines der Highlights unserer bisherigen Reise.
  • Wir haben unglaublich herzliche Menschen kennen lernen dürfen. Unsere Begegnungen mit Peter und seiner Familie und mit Catherine & Willi waren ein großartiges Weihnachtsgeschenk.

3 Lowlights:

  • Die Fahrpläne der Fähren und Frachtschiffe zwischen den einzelnen Inseln sind sehr unzuverlässig – und die Fahrten dauern lange. Aus diesem Grund mussten wir mehrere teure Inlandsflüge buchen.
  • Für uns ist es befremdlich, für manche -natürlichen- Dinge Eintritt zu bezahlen (z.B. um einen Strand zu besuchen). Unsere Freunde aus Norwegen hatten mit diesem Konzept noch größere Probleme als wir…
  • Der Dienstleistungsgedanke ist nur wenig ausgeprägt. Angestellte in Shops oder bei der Airline sind – bis auf wenige Ausnahmen- nur sehr wenig interessiert bzw. bemüht, den Kunden zu helfen. Auch das Auftreten der Menschen, die ihr Einkommen mit Touristen verdienen, war uns gegenüber leider oft von einem Dollarzeichen in den Augen geprägt.

Wir wollen an dieser Stelle keinesfalls breit verallgemeinern. Wir schreiben nur über unsere persönlichen Erfahrungen.

3 wahllose Fakten:

  • Es ist unnötig, auf Wanderungen Proviant mitzunehmen – das Essen wächst hier im wörtlichen Sinne an den Bäumen.
  • Durch die Besetzung der US-Amerikaner im 2. Weltkrieg entstand auf Tanna Island ein sog. Cargo-Kult. Massenhaft Versorgungsmaterial wurde aus der Luft abgeworfen. Die indigene Bevölkkerung dachte, die Ausländer verfügten über einen besonderen Kontakt zu den Ahnen, die ihnen als die einzigen Wesen mit der Macht erschienen, solche fremdartigen Reichtümer auszuschütten. Nach dem Kriegsende und dem Abzug der Amerikaner begannen sie, die Ausländer nachzuahmen – in der Hoffnung, die Götter mögen auch ihnen westliche Güter abwerfen. So bauten sie zum Beispiel lebensgroße Flugzeugmodelle aus Stroh, schnitzen Kopfhörer aus Holz und imitieren die Laute aus den Flughafentowern.
  • Die offizielle Amtssprache Vanuatus hat viele englische Begriffe übernommen und etwas abgewandelt. Einige lustige Beispiele:

    Good morning = Gud moning

    Good night = Good naet

    Thank you very much = Tangkiu tumas

    Water = Wota

    Bra (BH) = Basket blong titis

    Saw (Säge) = Pulem I kam, pushem I go, wood I fall down

    Helicopter = Mixmaster blong Jesus Christ

    Piano = black fala box we igat black teeth, hemi gat white teeth you faetem hard I singout

    See you later = Lukim you

    One/ two / three = wan / tu / tri

3 Dinge, die wir gerne davor gewusst hätten:

Gabelstapler.

  • Vanuatu hat große Systemprobleme. Es ist eines der Länder mit der höchsten Korruptionsrate weltweit. Es herrschen Armut und einfachste Lebensbedingungen in weiten Teilen des Landes, Reichtum für einige wenige Privilegierte
  • Kurz vor Weihnachten Fährtickets zu bekommen, ist schier unmöglich. Genauso, wie ein schönes Hotel über Weihnachten zu vernünftigen Preisen auf der Hauptinsel Efate.
  • Flugbuchungen auf der Internetseite von Fiji Airways (Konkurrenz der einheimischen Airline Air Vanuatu) funktionieren in Vanuatu wundersamerweise nicht.

 Fazit:

Auf Vanuatu machten wir sehr widersprüchliche Erfahrungen. Wir trafen wunderbare Menschen, die zu Freunden wurden, waren aber auch oft frustriert von der Gleichgültigkeit Anderer. In der Summe würden wir Vanuatu nicht als typisches Urlaubsland empfehlen. Aber als Reiseland auf alle Fälle. Vanuatu ist unbequem, anstrengend und manchmal frustrierend. Aber spannend! Es ist eines der Länder, in denen man seine Komfortzone verlassen muss, wenn man Land & Leute wirklich kennen lernen möchte. Und das lohnt sich!

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

BOOOOOOM boooom! Wir stehen direkt am Kraterrand. Schooouusch schooouuuusch!! Immer wieder. SCHOOOOUUUUSCH!! Vor uns geht es steil hinunter ins Auge des Vulkans! Nur wenige Meter liegen zwischen uns und dem blubbernden Magma. Boooom booooom! Unter unseren Füßen spüren wir, wie die Erde bebt! BOOOOOM!

Über uns steigt eine pechschwarze Aschewolke Hunderte Meter hoch in den Himmel! Der Anblick ist unvergesslich! Wieder erzittert die Erde. Schoooooousch! Dieses Mal speit der Vulkan zusätzlich zur Asche glühende Lavabrocken hoch über unsere Köpfe hinweg in die Luft! Waaaaahnsinn!

Es wird heiß und funkig!Wir ducken uns instinktiv. Dann schauen wir uns mit großen Augen an, nicken und gehen Hand in Hand noch einen winzigen Schritt näher an den Abgrund. Noch weiter geht wirklich nicht. Sonst kullern wir den steilen Abhang hinunter. Direkt unter uns sehen wir eine von schwarzen Brocken übersäte Mondlandschaft. Einige der zu Stein gewordenen Lavabrocken dampfen noch. Rotgoldenes Magma fließt zurück in die 3 Krateröffnungen. Wir blicken direkt in den Schlund des Vulkans Yasur.

Vergessen der teure Flug, die mühselige dreistündige Anfahrt quer über die Insel auf der Ladefläche eines Pick-ups, für die wir als weißhäutige Palangi doppelt soviel bezahlen mussten wie die einheimischen Mitfahrer – und die so holprig war, dass wir danach an den unmöglichsten Stellen blaue Flecke hatten. Auch dass wir danach erst einmal eine Stunde mit einem neuen Freund zu dessen Dorf in die entgegen gesetzte Richtung liefen, um letztendlich nur seinen Generator zu reparieren. All das ist hier und jetzt im Angesicht des Vulkans nicht mehr wichtig. Was zählt ist dieses unglaubliche Schauspiel der Kraft der Natur.

Deshalb sind wir hier. Auf Tanna Island. Auf Vanuatu. Vor uns liegt der aktivste Vulkan der Welt! Besser gesagt: Wir stehen oben drauf!

Nicht nur uns hat der Vulkan Yasur nach Tanna Island gelockt. Der 361 m hoch aufragende Vulkan war der Grund, warum Entdecker James Cook im Jahre 1774 Vanuatu überhaupt erst entdeckte. Er beschrieb den nachts dauerhaft in rot-goldenen Leuchtschein gehüllten Vulkan poetisch als den Leuchtturm der Südsee.

Uncle Yasur besitzt in der Tat ein feuriges Temperament. Seit 800 Jahren bricht der Vulkan kontinuierlich alle paar Minuten aus. Auch jetzt ist es wieder soweit. Die Erde erbebt ein weiteres Mal. Gefolgt von einem ohrenbetäubendem Knall fliegen uns die Lavabrocken um die Ohren. Der Soundtrack ist gewaltiger als es die weltbeste Dolby Surround Soundanlage schaffen könnte. Eher so, als würde direkt neben einem ein Düsenjet durchstarten.

Wir setzen uns mit gebanntem Blick einige Meter weiter hinten auf eine etwas verloren wirkende Bank. Dort machen wir uns die 2 Bier auf, die wir den steilen Aufstieg hier hoch getragen haben. Prost! Auf Weihnachten! Und auf Stefan, dessen Nervenkitzel-Geschenk wir für den saftigen Eintrittspreis zum Vulkan eingelöst haben (wie bereits hier gesagt: auf Vanuatu ist JEDER Quadratmeter Land in Privatbesitz. Auch ein Vulkan. Wobei das diesen kaum interessieren dürfte…).

DANKE, STEFAN! DANKE!

Während wir im heißen Angesicht des feuerspeienden Vulkans unsere eisgekühlten Bierchen trinken, haben wir wieder einen dieser Momente, in denen uns in aller Deutlichkeit bewusst wird, wie winzig klein und unbedeutend wir Homo Sapiens doch sind. Vielleicht wäre unsere Welt ein Stückchen besser, wenn mehr Menschen hin und wieder auf einen aktiven Vulkan steigen würden…

Die nächsten 2 Stunden verbringen wir in ehrfürchtiger Faszination. Alle paar Minuten erklingt ein gewaltiges Grollen aus dem Inneren der Erde, und dann – whooooom- schießt mit ohrenbetäubenden Knalls inmitten riesiger Aschewolken glühende Lava in die Höhe!

Wir setzen uns ganz dicht an den Kraterrand. Hier haben wir beste Sicht auf die exklusive Vorführung. Mit ein paar anderen Backpackern aus England blödeln wir herum. Uli wirft einen herum liegenden Stein in den Krater hinunter. Was dann passiert, ist absolut unglaublich: der Stein rollt direkt in eine der Krateröffnungen und GENAU in dem Moment, als er in den Schlund eintaucht, bricht der Vulkan mit einer gewaltigen Explosion und ohrenbetäubendem Fauchen aus! Die Lavaföntane ist rieeesig, die aufsteigende Aschewolke enorm! Yasur hat uns die Provokation eindeutig übel genommen! Lerne: Lege Dich nie mit einem brodelndem Vulkan an!! 😀

Wir glauben, das war es jetzt. Eindrucksvoller geht nicht. Aber es kommt noch viel besser. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Szenerie absolut unfassbar. Der Himmel ist trotz Vollmond pechschwarz, Wolken verdecken heute jegliches Himmelslicht. Ideale Bedingungen. Einzig die flüssige Lava glüht rot und orange in der pechschwarzen Nacht. In den 3 Krateröffnungen brodelt und blubbert es. Abwechselnd schießt aus den Löchern flüssiges Magma, Rauch und Gas in den Himmel! Und jedes Mal wenn wir nach einer gewaltigen Explosion denken „woooow, also höher geht es echt nicht mehr“ – belehrt uns der nächste Ausbruch eines Besseren.

Erst kurz vor Mitternacht können wir uns von dem Spektakel lösen und machen uns auf den steilen einstündigen Abstieg. Zum Glück hat die Wolkendecke etwas aufgerissen und wir können den Weg unter unseren Füßen zumindest erahnen.

Noch Stunden später sitzen wir vor unserem Zelt und blicken zum Gipfel des Vulkans, der die Wolken über ihm orange-rot erleuchtet. Kaum 2 km Luftlinie entfernt, können wir Yasur sogar in unsere Schlafsäcke gehüllt noch fauchen hören. Davor versuchten wir, unter der Dusche all die Asche wieder von unserer Haut und aus unseren Haaren zu bekommen. Vergeblich… Noch Tage später sollten wir Aschepartikel an uns finden!

Natürlich können wir am nächsten Morgen noch nicht einfach so wieder abreisen. Zu beeindruckend ist dieses Feuerwerk der Natur. So beschließen wir nach einem kostenlosen Weihnachts-Frühstück noch eine Nacht hier zu bleiben.

Für den Nachmittag leihen wir uns ein Snowboard aus. Ja genau, ein Snowboard! Wir wollen auf dem Vulkan Ascheboarden gehen. Auf der Windseite wird all die Asche abgelagert, die der Wind mit sich trägt. So entstehen hinter dem steilen Vulkankegel weitläufige Aschefelder. Wo einst Gras wuchs, ist heute nur noch grau Ebene. Nur am Rand der Aschefelder trotzen noch einzelne Bäume der Asche. Ungefähr so muss Pompeji aussehen, denken wir uns. Durch die Ascheablagerungen wächst der Vulkan unaufhörlich weiter. Auch wir sind schon nach kurzer Zeit wieder von oben bis unten von einer dünnen Schicht Asche bedeckt. Aber selbst an der besonders steilen Seite der Vulkanwand rutscht das Brett eher langsam durch die Asche als rasant darauf zu gleiten. Und da wir nun schon auf halbem Weg nach oben sind…beschließen wir, uns an der Vulkanwand durch die Asche bis zum Krater hoch zu kämpfen (nebenbei umgehen wir so auch den erneut fälligen Eintrittspreis an der Kasse. Schwäbische Backpacker halt 😉 ).

Alles läuft gut. Wir sind schon fast oben. Nur noch ungefähr 10 Meter fehlen uns zum Kraterrand. Dicke Aschewolke beim Ausbruch des Mt. YasursAuf einmal grollt es tief im Inneren der Erde. Es folgt ein gewaltiger Vulkanausbruch. Und dann – dreht plötzlich der Wind. Statt wie bei den vorherigen Ausbrüchen über unsere Köpfe hinwegzuziehen, rollt eine pechschwarze Wolke die Vulkanwand hinunter und direkt auf uns zu. Uns rutscht das Herz in die Hose.

Werden wir jetzt gleich ohnmächtig? Was für Gase werden denn da so ausgespuckt? Wir setzen uns auf den Boden, verbarrikadieren uns so gut es geht hinter dem Snowboard und halten uns Taschentücher vor Mund und Nase. Der Gestank ist im wahrsten Sinne des Wortes für einen Moment atemberaubend. Aber weiter passiert uns nichts. Als die Wolke schließlich weiter zieht, atmen wir tief durch. Nochmal Glück gehabt.

Schnell laufen wir durch die tiefe Asche die letzten Meter hoch zum Krater. Hier setzen wir uns ein wieder an den Kraterrand und schauen ebenso gebannt wie tags zuvor dem Vulkan zu. Es ist, als würde man an einer besonders spannenden Stelle im Film die Fernbedienung nehmen und die gleiche Szene immer wieder abspielen lassen: glutrote Lava wird hoch in den Himmel geschleudert, bevor sie als solide Felsbrocken mit Karacho wieder im Kraterschlund landen.

Und bevor ich nun mit noch mehr Worten versuche, dieses gigantische Erlebnis ausbrechender Vulkan zum 2. Mal zu beschreiben, schaut Euch doch lieber das Video davon an!

Vorhang auf für Yasur:

Zu Besuch bei den glücklichsten Menschen der Welt?!

Zu Besuch bei den glücklichsten Menschen der Welt?!

Mit den Ni-Van wurden wir anfänglich nicht recht warm. Hatten wir doch bei unserer Recherche zum Land wiederholt gelesen, dass die ni-Van die glücklichsten Menschen der Welt sein sollen.* Für uns spiegeln sie das bei unserer Ankunft in Port Vila nicht so recht wieder. Vor allem nicht nach unserer herzlichen Begegnungen mit den -laut selbiger Studie- fröhlichsten Menschen der Welt, den gastfreundlichen Fijianern. An unseren ersten beiden Stationen im Land, den Städten Port Vila und Luganville waren wir manchmal sogar richtiggehend gefrustet von der gleichgültigen und teilweise schon fast ablehnenden Haltung der Ni-Van.

Dass wir mit Vanuatu rückblickend dennoch einige der eindrücklichsten und schönsten Begegnungen unserer bisherigen Reise verknüpfen, liegt vor allem an 2 wundervollen Begegnungen:

1 – Zuhause im Dschungel auf MALEKULA

Obwohl Malekula die zweitgrößte Insel Vanuatu’s ist und zwischen Espiritu Santo und der Hauptinsel Efate liegt, wird sie von viel weniger Besuchern angesteuert Auch in unserem Reiseführer wird die Insel eher beiläufig erwähnt. Was uns natürlich nur viel neugieriger auf sie macht, als wir ohnehin schon sind. Soll hier doch bis in die 1960er Jahre hinein von den befeindeten Stämmen der Big Nambas und der Small Nambas tatsächlich noch Kannibalismus praktiziert worden sein. So sehr waren die Stämme und selbst die Dörfer untereinander verfeindet, dass es auf der Insel nicht einmal Straßen gab. Wer sich da im Dschungel verlief und im falschen Ort landete, lief schnell Gefahr, im Kochtopf zu enden. Vielleicht gibt es auch gerade aus diesem Grund hier so wenig Tourismus. 😉 Heute aber leben die einst kriegerischen Stämme friedlich miteinander auf der Insel. Dank australischer bzw. neuseeländischer Entwicklungshilfe werden mittlerweile auch (laaangsam) erste Straßen gebaut. Für uns war klar: Malekula klingt spannend, abgelegen und nach Abenteuer – da wollen wir hin!

Als wir gegen Abend mit der Fähre aus Espiritu Santo auf Malekula anlegen, wollen wir direkt weiter in den Westen der Insel. Hier sollen im Dorf Unmet noch Mitglieder des Volkes der Big Nambas traditionell leben. Nach einem kurzen Gespräch mit den 2 am Steg wartenden Pick-up Fahrern (= die lokalen Busfahrer) bringt uns einer von ihnen nach Lakataro, dem kleinen Hauptort der Insel. Der winzige Kiosk hier ist das einzige Lebensmittelgeschäft der Insel. Vorsorglich decken wir uns mit Verpflegung für 3 Tage ein, bevor wir auf den nächsten Pick-up nach Unmet umsteigen wollen. Nachdem wir nochmal mit Peter, dem Fahrer unseres Pick-ups, sprechen, überlegen wir es uns allerdings anders. Die Fahrt nach Unmet dauere mindestens 2 Stunden, gibt er uns zu bedenken. Da es bereits dämmert hieße das, dass wir in stockdunkler Nacht in dem kleinen Dorf ankommen würden – nicht gerade ideal, um uns dort noch einen Zeltplatz zu organisieren. Wohin er denn fahre, fragen wir deshalb. In den Norden, antwortet Peter. Der Norden ist aufgrund der besseren Straße („besser“ darf hier nur im Vergleich zu den übrigen holprigen Staubpisten der Insel stehen) schneller zu erreichen und außerdem Stammesgebiet der „Small Nambas“. Ungefähr eine Stunde solle die Fahrt zum ersten der zwei uns bekannten Dörfer dauern, sagt Peter. Alles klar. Wir ändern kurzerhand unsere Pläne und springen wieder auf seinen Pick-up auf. Zusammen mit 10 Anderen teilen wir uns die bereits mit Kartons und Taschen vollgeladene Ladefläche.

Schon nach knapp 40 Minuten halten wir an. Peter bedeutet uns abzuspringen. Wir sind verwirrt: Kann es sein, dass wir schon in dem Dorf sind? Nach unserer Erfahrung mit vanutischen Zeitangaben kann sonst auf die angegebene Zeit immer mindestens nochmal die Hälfte draufgeschlagen werden. Wir sehen auch nur ein Wohnhaus und dahinter dichten Dschungel. Hier können wir nicht richtig sein. Wir denken, dass das sicherlich ein Missverständnis ist und wollen Peter nochmal sagen, wo genau wir hinwollen. Aber Peter lädt schon unsere Rucksäcke ab. Moment mal! Da wendet sich Peter auch schon zu uns um und erklärt uns, dass wir nicht vor Dunkelheit im Dorf ankommen würden. Spätabends würde es schwer werden, dort noch nach einem Zeltplatz zu fragen. Deshalb hat er uns zu sich nach Hause gefahren. Hier sollen wir in aller Ruhe übernachten, bevor er uns am nächsten Morgen weiter in den Norden fährt. Wir sind erst einmal vorsichtig, fast schon misstrauisch. Wo genau sind wir? Möchte er Geld für die Übernachtung? Aber irgendwie haben wir ein gutes Gefühl. Peter ist uns sympathisch. Und auch seine Frau Esther, die dazukommt und der Peter kurzerhand erklärt, dass wir heute ihre Gäste sind, macht einen herzlichen, wenn auch ebenso überraschten Eindruck wie wir. Wir beschließen, unserem Bauchgefühl zu vertrauen und die Einladung anzunehmen.

Da verabschiedet sich Peter auch schon wieder. Er muss die restlichen Passagiere noch in ihre Dörfer fahren, was mindestens noch 2 Stunden dauern wird. Wir bleiben mit Esther zurück. Wie viele Ni-Van spricht sie als Zweitsprache Französisch anstelle von Englisch. Mit Biene’s eingerostetem Französisch und ihrem ältesten Sohn als Übermittler können wir uns zumindest ein bisschen unterhalten. Obwohl Esther von ihren plötzlichen Gästen ebenso überrascht ist wie wir von unserer heutigen Unterkunft, heißt sie sogleich ihre Söhne an, deren Bambushütte für uns zu räumen. Das ist uns ziemlich unangenehm. Wir wollen lieber neben dem Haus zelten, als den Fünfen ihre Matratze wegzunehmen. Aber unser Widerspruch wird nicht geduldet. In Windeseile räumen die Jungs ihre wenigen Sachen ins größere Haupthaus und stellen unsere Rucksäcke in ihr Reich. Wir seien schließlich Gäste.

Direkt im Anschluss wartet auch schon das Abendessen. Es gibt Reis, Cassava und gekochtes Gemüse. Gekocht wird hier noch auf offenem Holzfeuer. Um niemandem etwas wegzuessen – schließlich wurde nicht mit Gästen gerechnet – essen wir nur ein kleines bisschen. Esther entschuldigt sich schon fast für das aus ihrer Sicht einfache Essen. Immer wieder hebt sie etwas verlegen die Achseln und sagt „local, local„. Dazu müssen wir sagen, dass wir Peter zu Beginn eindringlich gebeten haben, uns nicht zu einem der wenigen Gasthäuser der Insel zu bringen, da wir erleben möchten wie die lokale Bevölkerung lebt – und nicht ein geschöntes Touristenbild vorgeführt bekommen wollen. Er hat das wohl an Esther weitergegeben.

Local, local!“ entschuldigt sich Esther auch wieder, als sie uns nach dem Abendessen „Bad“ und Klohäuschen zeigt. Das Bad besteht aus einem Wasserschlauch, aus dem 20 Meter hinter dem Haus im Dschungel Flusswasser in mehrere aufgestellte Tonnen fließt. Wir versichern ihr, dass wir Open-Air Bäder toll finden – und hey, immerhin gibt es fließend Wasser! Das haben wir auch schon anders erlebt. Auch das separate Klohäuschen kann uns nicht schocken. Zwar ist das von dünnen Holzwänden umgebene Loch-in-den-Bodenplanken-Plumpsklo sicher keine japanische Luxustoilette – aber immerhin haben wir als erfahrene Backpacker wohlweislich eine Rolle Klopapier im Rucksack. Darüber sind wir dann auch sehr froh. Denn die lokale Variante zum abwischen des Allerwertesten sind Kokosnussfasern…. Nein, kein Scherz!

Nach dem Essen unterhalten wir uns mit Esther darüber, wie ihre Tage hier verlaufen, wenn kein unangekündigter Besuch auf der Matte steht. Da sie uns erzählt, dass samstags immer im weit entfernten Garten gearbeitet wird, vereinbaren wir, ihr morgen als Dankeschön für ihre Gastfreundschaft bei der Gartenarbeit zu helfen und erst im Anschluss weiter zu fahren. Anschließend schließen wir nur noch kurz die Autobatterie in unserer Hütte an, um im Licht geschwind das Moskitonetz zurecht zu ziehen, bevor wir uns müde auf die Matratze fallen lassen.

Am nächsten Morgen sollte es dann allerdings doch ganz anders anders kommen.

Als wir gegen 7 Uhr aufstehen, warten die Kinder schon mit einem randvoll gefüllten Tablett voll frischer, tropischer Früchte auf uns zum Frühstück. Zu trinken gibt es frisch gepflückte Kokosnuss, aus der wir anschließend auch noch das Fruchtfleisch essen können. Lecker! Peter ist auch wieder da. Wir unterhalten uns und er sagt uns, dass wir unsere Pläne wohl etwas ändern müssen, da am Abend des Vortages sein Onkel verstorben sei. Heute werden sich deshalb alle Erwachsenen der umliegenden Dörfer bei der Familie seines Onkels versammeln. Auch die Bewohner des Dorfes der Small Nambas. Er werde sie aber fragen, ob wir morgen ins Dorf kommen dürfen. Esther werde deswegen heute aber auch nicht im Garten arbeiten. Ob wir dennoch so lange noch bleiben möchten? Na klar möchten wir. Wir möchten gerne helfen, so gut es geht und beschließen die 5 Söhne samt 1 Neffen zu beschäftigen, solange Esther & Peter weg sein werden.

Also ab an den Strand! Der knapp halbstündige Fußweg dorthin führt uns durch dichten Dschungel und die Jungs haben große Freude daran, uns auf dem Weg alle möglichen tropischen Früchte zu pflücken. So ganz verstehen tun sie unsere Begeisterung darüber allerdings nicht. Hier ist es einfach ganz normal, dass das Essen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Bäumen wächst und nicht viel dafür getan werden muss. Wie uns Peter später erzählen sollte, ist das zwar einerseits großartig – andererseits rege es die ni-Van nicht unbedingt zum Arbeiten an – wozu auch, wenn Nahrung auch ohne Einkommen jederzeit verfügbar ist? Wir verbringen einige lustige Stunden mit den Jungs am Strand. Auf dem Heimweg erleben wir dann unseren ersten richtigen Monsunschauer auf Vanuatu: innerhalb von wenigen Sekunden sind wir klatschnass. Aber nicht weiter schlimm, schließlich ist es tropisch warm – und duschen wollten wir ja eh noch. So laufen wir alle lachend und pitschnass in aller Seelenruhe zurück zum Haus. Nachdem die 5 Jungs uns gegenüber anfänglich noch etwas schüchtern waren, ist es spätestens jetzt vorbei damit. Als Esther später heim kommt, ist sie überwältigt davon, wie aufgeweckt und mit welchem Eifer die Jungs bei den Spielen dabei sind, die ihnen Biene beibringt. Wie sie uns später am Abend erzählt ist es das erste Mal, dass die Kinder andere Spielkameraden als ihre Geschwister haben. Jetzt wird auch auf Vanuatu Galgenmännle, Kommando Bimberle, 4 gewinnt und co. gespielt 😉

Zum Abendessen steuern wir den Proviant bei, den wir für unsere Zeit auf Malekula kauften. Im Anschluss laufen wir beide noch ins Dorf. Wir wollen in die lokale Kavabar. Und obwohl es Frauen eigentlich nicht gestattet ist, diese zu besuchen, wird für Biene eine Ausnahme gemacht und wir bekommen die letzten Schalen Kava des Tages geschenkt. Anders als auf Fiji, wo das Kava trinken hauptsächlich eine soziale Angelegenheit ist, bei der alle im Kreis sitzen, sich unterhalten und die Schalen reihum gereicht werden, trinkt hier jeder für sich seine eigene Schale in Stille. Daher machen wir uns recht bald wieder auf nach Hause. Hier sitzen wir im Licht der Solarlampen noch lange mit Esther und Peter zusammen und erfahren viel über deren tägliches Leben, das politische System Vanuatu’s und die Herausforderungen, die das Leben hier mit sich bringt. Und das sind so ganz andere, als wir es von Deutschland kennen…

Auch beschließen wir an diesem Abend, nicht in das Dorf der Small Nambas weiter zu reisen. Denn wie uns Peter erzählt, leben diese im Alltag nicht mehr besonders traditionell. Nur zu besonderen Festtagen – oder eben für zahlende Touristen – ziehen sie ihre außergewöhnliche Kleidung an und führen traditionelle Tänze auf. Da gerade keine Feier ansteht und wir keine 50 $ pro Nase zahlen möchten (ein, so versichert uns Peter, höchst überteuerter Preis), damit sich die Dorfbewohner für uns „verkleiden“, nehmen wir stattdessen Peter’s Einladung an, ein paar weitere Tage bei ihnen zu bleiben. Schließlich erleben wir hier auch das wahre lokale Leben.

Der nächste Tag ist ein Sonntag. Das heißt auf Vanuatu: Kirchgang! Die Menschen sind wie in den meisten Ländern Polynesiens auch hier tief religiös und kaum einer geht sonntags nicht zur Messe. Selbst wenn das für viele bedeutet, mehrere Kilometer Fußweg zur nächsten Kirche zurück legen zu müssen. Natürlich kommen wir – sehr zur Freude der anderen – mit zur Messe ins nächste Dorf. Biene bekommt sogar extra für den Kirchgang ein festliches Inselkleid von Esther ausgeliehen. Uli darf trotz fehlender Krawatte in seiner langen Hose und Poloshirt auch mit. In bester Sonntagskleidung geht es im frisch gewaschenen Auto auf zur Kirche. Hier ziehen wir beiden Exoten natürlich die Aufmerksamkeit der gesamten kleinen Kirchengemeinden auf uns und der Priester begrüßt uns persönlich mit Handschlag. Ausnahmsweise dürfen wir trotz eigentlich strenger Geschlechtertrennung auf derselben Kirchbank Platz nehmen.

Und weil sonntags der Tag der Ruhe ist, verbringen wir den Nachmittag abermals mit den Kindern und Esther am Meer. Gegen später hilft Biene Esther beim Kochen. Dabei tauscht sie auch einige simple Rezepte mit Esther. Denn obwohl hier so viele verschiedene Früchte und Gemüse wachsen, ist die Küche Vanuatu’s nicht sehr abwechslungsreich und bietet geschmacklich kaum Varietät. Kräuter oder Gewürze werden keine verwendet. Esther freut sich über neue Ideen und so gibt es vielleicht inzwischen schon regelmäßig Bananenkuchen 😉 Das im offenen Feuer der Küche gegrillte Stockbrot kommt jedenfalls schon mal sehr gut an 😉 Nachdem die Kinder im Bett sind, sitzen wir Erwachsenen wieder unter dem klaren Sternenhimmel zu den Lauten des Dschungels beisammen. Wir haben unsere Rucksäcke ausgeräumt und lassen alle Dinge da, die hier einen größeren Nutzen haben als bei uns (wie Kamera, Taschen, Stifte, Notizblöcke, Hefe, Gewürze etc.). Während Uli Peter erklärt, wie seine neue Kamera funktioniert, webt Esther nebenbei aus großen Palmblättern gekonnt eine sehr stabile, reissfeste Tasche. Darin soll mit der morgigen Fähre Gemüse in die Hauptstadt transportiert werden. So hat sie es von ihrer Großmutter gelernt. Wir sind begeistert – wieviel praktischer und ökologischer als Einweg-Plastiktüten! Auch die Böden und Wände der Häuser werden mit gewebten Palmblattmatten ausgelegt – diese werden dann alle 5 Jahre einfach erneuert. 100% ökologisch abbaubare Inneneinrichtung also!

Später an diesem Abend haben Esther und Peter noch eine ganz besondere Überraschung für uns: Sie haben beschlossen, das Baby welches sie in wenigen Monaten erwarten, nach uns zu nennen. Damit wir eines Tages wiederkommen, um unser Patenkind kennenzulernen. Wir sind sehr gerührt! Und fühlen uns zutiefst geehrt!

Den Abschied von der ganzen Familie tags darauf macht uns das nicht wirklich leichter… Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sehr uns Peter und seine Familie in diesen wenigen Tagen ans Herz gewachsen ist!

Familie John

…und wir sind sehr gespannt, ob tatsächlich schon bald eine kleine Sabine oder ein kleiner Uli durch den Dschungel Malekula’s springt! 🙂

* Quelle: http://www.happyplanetindex.org/data/

Espiritu Santo $$$ Schatzsuche über- und unterwasser $$$

Espiritu Santo $$$ Schatzsuche über- und unterwasser $$$

Nach einer kurzen Fahrt vom winzigen Flughafen auf Espiritu Santo kommen wir in der einzigen Stadt der Insel an. Luganville erscheint uns schon auf den ersten Blick ebenso unspektakulär wie Port Villa. Die unebenen Straßen der kleinen Stadt sind staubig, Geschäfte im chinesischen Stil (soll heißen: viele Plastikartikel, die niemand braucht) säumen die Hauptstraße, alles wirkt gruschtelig und in die Jahre gekommen. Die Gehwege sind so uneben und löchrig, dass wir uns meist auf der Fahrbahn durchschlängeln. Viel Verkehr gibt es eh nicht. Einzig koreanische Mini-Kleinwägen – die innerhalb der Stadt als Taxis fungieren – und Pick-ups für den Transport von Waren und Menschen fahren durch die Straßen. Aber wir sind ja nicht wegen der Stadt nach Santo gekommen!

Seine ökonomische Glanzzeit hatte Espiritu Santo während des 2. Weltkrieges, als die Amerikaner hier nach Pearl Harbour ihren zweitgrößten Militärstützpunkt im Pazifik einrichteten. Ganze 100.000 Soldaten waren auf der Insel stationiert, die bis dahin kaum entwickelt und nur von weit verstreuten Bergvölkern besiedelt war. Was sich diese beim plötzlichen Anblick von Fliegerstaffeln dachten? Sie hielten sie für Götter! So wird auf der Insel Tanna weiter südlich sogar bis heute der Cargo-Kult für die weißhäutigen Götter gelebt, die aus der Luft kamen und Wunderdinge wie Kühlschränke und Funkgeräte aus dem Himmel mit brachten.

Da die Gefahr im Pazifik aber wie wir heute wissen damals gelinde überschätzt wurde, gab es nach KrGabelstapler.iegsende plötzlich jede Menge Ausrüstung, Militärausstattung und Fahrzeuge, die nun mitten im Pazifik auf einer kleinen Insel nicht mehr gebraucht wurden. Wohin nun also mit dem ganzen Zeug? Eine Rückführung in die USA wäre zu kostenaufwendig gewesen. Zudem zeigten sich an der Ausrüstung durch die salzige Meeresluft schon erste Alterserscheinungen. Also boten die Amerikaner den damaligen Kolonialherren Vanuatu’s (Frankreich & England) an, die gesamte Ausrüstung für einen Bruchteil des Wertes zu übernehmen. Diese waren sich der alternativlosen Lage der Amerikaner allerdings bewusst und spekulierten darauf, die gesamte Ausrüstung früher oder später komplett kostenlos überlassen zu bekommen. Was daraufhin passierte, ist kaum zu glauben: Die amerikanische Führung entschied, die gesamten 9 Millionen Tonnen Militärausstattung im Wert von knapp 4 Milliarden Dollar stattdessen ins Meer zu kippen! Seither liegen hier in nur wenigen Metern Tiefe Tausende Jeeps, Lastwägen, mehrere Schiffe, Wellblechdächer, Waffen und Millionen Coca-Cola Flaschen unmittelbar vor der Küste im Meer! Dass all dieser Schrott nicht zu einer ökologischen Katastrophe geführt hat, ist fast schon ein Wunder. Diese unglaubliche Stätte wollen wir natürlich mit eigenen Augen sehen!

Nur wenige Kilometer weiter liegt außerdem mit der SS President Coolidge das größte zugängliche Wrack der Welt auf Grund. Versenkt nicht etwa durch feindlichen Angriff, sondern durch zwei eigene Minen bei Einfahrt in den Hafen. Wenn schon kein Feind kommt, wurde halt selbst für Action gesorgt… Gründe genug also für unseren Abstecher auf Vanuatu’s größte Insel.

Als Ausgangspunkt ist Luganville genau richtig. Direkt nach unserer Ankunft quartieren wir uns also im günstigsten Hotel der Stadt ein. Da uns der Preis für die sehr einfachen Zimmer aber selbst hier zu hoch ist, dürfen wir schließlich für 15 € die Nacht unser Zelt auf der Wiese hinter dem Gebäude aufschlagen. Hier stellen wir auch direkt fest, dass auf Vanuatu Handeln nicht üblich ist. Auf dem lokalen Markt gibt es endlich mal wieder frisches Obst und Gemüse.

Nachdem wir mehrere Tauchbasen vergleichen, geht es am nächsten Morgen mit Allan Power Dive nach einem guten Kaffee direkt los unterwasser. Anders als sonst geht es nicht mit dem Boot, sondern mit dem Minibus die wenigen Kilometer vor die Stadt dorthin, wo die SS Coolidge liegt. Uli darf auch mit. Und obwohl es für ihn nicht in die Tiefe geht, hat er später trotzdem das Highlight des Tages zu erzählen: er sieht beim Schnorcheln direkt vor ihm eine riesige Dugong! Mindestens ebenso lang wie er und doppelt so dick schwimmt diese seltene See-Kuh ganz gemächlich vor ihm an die Wasseroberfläche, bevor sie ihm direkt in die Augen schaut und daraufhin wieder in der Tiefe des Meeres verschwindet. Ein einmaliges Erlebnis!

Auch Biene’s Tauchgang zur SS Coolidge ist faszinierend. Bevor die SS Cooldige zu Beginn der 40er Jahre zum KriegssTauchbriefing.chiff umfunktioniert wurde, kreuzte sie als Luxuskreuzer die 7 Weltmeere. Aus dieser Epoche stammt noch die luxuriöse Innenausststtung, die trotz dichtem Algen- und Farnbewuchs immer noch gut zu erkennen ist. Während Biene mit ihrem Tauchguide beim 1. Tauchgang morgens noch hauptsächlich außen um des Wracks herumtaucht und Kanonen, Gasmasken, Stiefel und andere antike Überbleibsel auf Deck bestaunt, geht es nachmittags hinein in die dunklen Tiefen des Kriegsschiffes. Die Sichtweite reicht dabei nicht weiter als die Lichtkegel der beiden Taschenlampen. Nur gelegentlich fällt bläuliches Licht durch die Schiffsluken ein. Immer tiefer dringen wir durch das enge Stahlgerippe und durch schmale Luken in den Schiffsrumpf vor. Manchmal sind die Zwischenräume so eng, dass Biene beim hindurch tauchen mit der Sauerstoffflasche an die Stahlrohre stößt. Ein bisschen mulmig ist ihr dabei schon zumute. Im Schiffsbauch erwarten uns Jeeps, LKWs und mehrere Kanonen. Auf den Ablagen liegen noch, mittlerweile von Algen bewachsene Handgranaten. Neben dem Munitionslager, den Mannschaftsräumen und den Offiziersbädern statten wir auch dem Medizinkabinett einen Besuch ab. Hier finden wir antike braune Glasflaschen, die nach wie vor verkorkt sind und neben Tabletten laut den noch immer leserlichen Etiketten Lebertran oder Hustensaft enthalten.

Ein Highlight ist es, als wir in einem sehr dunklen Teil des Schiffsrumpfes elektrische Muscheln sehen. Wie Blitze ziehen Leuchtfäden durch sie durch. Andere leuchtende Punkte in der absoluten Dunkelheit sind Flashlightfische. Genial! Wir verlassen das Innere des Schiffes nicht, ohne auch der „Hauptattraktion“ des Schiffes einen Besuch abzustatten. In 38 Metern Tiefe liegt die weisse Lady, eine edle Porzellanfigur aus den 1920ern! Das ist tiefer, als Biene mit ihrer OWD-Zertifizierung eigentlich tauchen „darf“! Aber ihr erfahrener Tauchguide hat alles unter Kontrolle und so finden wir auch wieder gut aus dem düsteren Rumpf hinaus in die einladend blaue Weite des Meeres. Obwohl es unglaublich faszinierend war, im Schiffsbauch quasi in die Vergangenheit einzutauchen, wird Wracktauchen wohl eher keine von Biene’s Leidenschaften werden. Aber als Geburtstagsgeschenk war es genial!

An dieser Stelle deshalb HERZLICHEN DANK, GOTTE & OPA!

Direkt im Anschluss an den 2.Tauchgang machen wir uns auf den Weg raus aus der Stadt. Ein Pick-up bringt uns auf der einzigen geteerten Straße außerhalb Luganville’s in den Nordosten der Insel. Unser Ziel ist der Champaign-Beach. Diese wunderschöne hufeisenförmige Bucht mit feinem, goldgelben Sandstrand könnte gut und gerne das Urmotiv aller Postkarten-Strände sein. Wir bezweifeln aber, dass er genauso wirkt wenn die Kreuzfahrtschiffe in der Bucht liegen und 2.000 Menschen hier gleichzeitig ihr Südsee-Paradies suchen.

Champaign Beach

Wir haben aber Glück: bei unserer Ankunft liegt der Strand idyllisch und einsam im goldenen Abendlicht der untergehenden Sonne vor uns. Die Besitzerin zeigt uns, wo wir unser Zelt aufstellen dürfen. Die Besitzerin? Ja! Auf Vanuatu ist jedes Stück Erde – selbst Strände, Flüsse, und Riffe vor der Küste – in Privatbesitz! Und möchte jemand anderes dieses Land nutzen – sei es wie wir, um darauf sein Zelt aufzuschlagen, sich einfach nur an den Strand zu legen, zu fischen oder zu baden, wird dafür eine Gebühr an den Grundbesitzer fällig. Ein Prinzip, mit dem wir so manches Mal während unserer Zeit auf Vanuatu hadern. Wir bezahlen hier aber natürlich die 10 € Campinggebühr und schlagen unser Zelt vor einer der einfach zusammen geschreinerten Holzhütten auf, aus denen heraus Souvenirs und Snacks an Kreuzfahrttouristen verkauft werden. Außer 2 anderen zeltenden Backpackern, die wir bereits aus Luganville kennen, ist der Strand menschenleer. In der sternenklaren Nacht nehmen wir zum Abschluss des Tages noch ein erfrischendes Bad im Meer – und plötzlich glitzert es nicht nur über uns, sondern überall um uns herum. Leuchtender Plankton! Überall! Der Strand leuchtet golden im Mondschein, über uns funkeln die Sterne und um uns herum glitzern die winzigen Planktonpartikel- Schöner kann ein Bad im Mondschein nicht sein! Es ist absolut perfekt! Im Anschluss setzen wir uns im Sand ans Lagerfeuer und schlafen schließlich unterm Sternenhimmel ein.

Nach einer ausgiebigen Erkundung der Bucht mit dem Schnorchel machen wir uns schon früh am nächsten Morgen auf den Weg zurück in die Stadt. Entgegen der Info, dass nach 9 Uhr morgens keine Autos mehr in diese Richtung fahren, haben wir mal wieder Glück und bekommen schon nach einem kurzen Marsch auf der Hauptstraße eine Mitfahrgelegenheit ON TOP der voll mit Kopra beladenen Ladefläche eines Pick-ups. Überhaupt ist das mit dem Transport und den Informationen dazu auf Vanuatu so eine Sache. Offizielle Fahrpläne gibt es so gut wie gar nicht. Schiffe fahren mal montags, mal mittwochs, mal um 8 Uhr morgens und mal erst um 22 Uhr abends – und wann genau weiß im Voraus keiner! Zuverlässige Informationen zu bekommen ist anstrengend, zeitaufwendig und manchmal schlicht unmöglich. Nach zweistündigem Abklappern von verschiedenen Reedereien und Frachtschiff-Terminals am Vortag gehen wir heute davon aus, dass die nächste Fähre erst in einer Woche fahren wird, weshalb wir mit einem Frachtschiff abends auf die nächste Insel Malekula fahren möchten. Als wir zurück in Luganville allerdings nochmal im Fährbüro vorbeischauen, gibt es plötzlich eine Fähre dorthin am übernächsten Tag!

Oh Vanuatu…mach uns das Reisen doch nicht so anstrengend! 😉

Wir werfen kurzerhand also unsere Pläne nochmal über Bord, buchen die Fähre für übermorgen und schlagen für eine weitere Nacht unser Zelt in Luganville auf. Den Nachmittag verbringen wir wieder im Wasser. Heute wollen wir uns die Stelle genauer anschauen, an denen die Amerikaner all ihre Militärausrüstung im Meer versenkt haben. Der Küstenabschnitt ist treffend Million Dollar Point benannt. Natürlich gehört auch dieses Stück Küste wieder jemandem. Da wir die 10 €, die der Grundstücksbesitzer pro Person für das Schnorcheln in seinem Stück Meer verlangt, doch etwas übertrieben finden, laufen wir ein kurzes Stück an der staubigen Straße entlang zu seinem Nachbarn. Der baut gerade ein Haus am Strand, ist dankbar als ihm Uli beim Steine tragen unter die Arme greift und lässt uns sehr gern von seinem Grundstück aus ins Meer gehen. Was wir unterwasser sehen, verschlägt uns schier die Sprache: Nur wenige Meter unter uns sehen wir Radlader, Jeeps, Schiffe…..und Millionen anderer Gegenstände liegen. Obwohl wir genau das erwartet hatten, ist es doch unglaublich all diesen Kriegsmüll mit eigenen Augen im Meer zu sehen. Heute ist ein großer Teil des Schrotts Gott sei Dank von Mikrobionismen bewachsen und bietet so Korallen und anderen Meereslebewesen zusätzlichen Lebensraum.

Da uns in Luganville selbst nichts hält, kehren wir der Stadt am darauffolgenden Tag schnell wieder den Rücken. Auf unserem Weg zum Champagner-Beach kamen wir an mehreren Blue Holes vorbei, die wir uns noch genauer anschauen möchten. Diese natürlichen Süßwasserpools sind glasklar und verdanken ihren Namen ihrem schönen türkisen Leuchten. Schon am ersten Pool möchte der Besitzer allein für den Besuch am Blue Hole 10 € Eintritt. Das ist uns dann doch etwas zu teuer für ein Wasserloch. Stattdessen einigen wir uns mit ihm darauf, auf seinem mit dichtem Dschungel bewachsenen Land für die Hälfte des Preises an einer Flussmündung am Meer zelten zu dürfen. Der Platz ist wirklich wunderschön! Aus Pandanus-Blättern bauen wir uns eine Unterlage für unser Zelt, bevor wir ein Lagerfeuer entfachen und uns darin frisch gepflückte Bananen grillen. Abends kommt dann auch noch der Nachbar mit seinem Ausleger-Kanu vorbeigepaddelt und lädt Uli zu einer Runde Kava ein. Wie schon auf Fidschi ist Kava auch auf Vanuatu DAS Nationalgetränk. Bei der hiesigen Variante wird die Wurzel jedoch nicht wie nach fijianischer Tradition zu einem Pulver verrieben, sondern stattdessen wird die noch frische Wurzel zerkleinert (traditionell: zerkaut…) direkt als Basis des gräulichen Getränks genommen. Der Geschmack ist nicht viel anders, dafür ist die Wirkung des Kava stärker! Schon nach einer Schale wird die Zunge taub und eine wohlig entspannte Wirkung tritt ein. Wir haben jedenfalls eine entspannte Nacht 🙂

Bevor wir am nächsten Morgen aufbrechen, gehen wir noch an die vorgelagerten Riffe schnorcheln. Dabei sehen wir zum ersten Mal die sichtbaren Effekte, wenn kaltes Süßwasser auf wärmeres Meerwasser trifft – besser gesagt sehen wir gar nichts! Es entsteht nämlich eine fast undurchsichtige Schicht milchiger Schlieren im Wasser! Beim anschließenden Kaffee kochen auf dem Lagerfeuer besteht unser Camping-Kochtopf noch tadellos seine „Feuer“-Probe. Wilden Campingausflügen in den Busch steht also nichts mehr im Wege 😉 Mit einem guten Zeitpuffer machen wir uns dann zurück auf den Weg zur Fähre. Unterwegs finden wir tatsächlich noch ein kostenloses Blue Hole (dessen Besitzer ist Europäer). Dass es dann trotzdem nur gerade so zur Abfahrt reicht, liegt nicht etwa daran, dass wir beim Planschen die Zeit vergessen haben – sondern daran, dass die Fähre heute 6 Stunden früher als regulär – und als auf dem Ticket verzeichnet – abfährt!

Oh Vanuatu…!

Port Vila – ein Dorf spielt Hauptstadt

Port Vila – ein Dorf spielt Hauptstadt

Nach 3 Tagen süßem Nichts-Tun auf Waya Island in Fiji kribbelt es uns wieder unter den Füßen. Wir können es kaum erwarten in den Flieger zu steigen, der uns nach Vanuatu bringen soll.

Äm, wohin?!? Vanuatu?? …nie gehört! Da das meist die Reaktion ist, wenn wir von dieser Destination erzählen, hier ein kurzer Einschub:

Der melanesische Inselstaat liegt zwischen Fiji und Neukaledonien im Pazifik. Er besteht aus 87 Inseln, von denen 67 bewohnt sind. Die insgesamt 247.000 ni-Van (so heißen die Bewohner Vanuatu’s) sprechen über 100 verschiedene Stammessprachen. Gelebte melanesiche Bräuche & Kulturen sollen hier zu finden sein. Klingt interessant? Fanden wir auch! Also weiter:

3 Stunden nach Abflug in Nadi kommen wir in der vanuatischen Hauptstadt Port Vila an. Und obwohl nur 3.000 Kilometer Wasser zwischen den beiden kleinen Inselstaaten liegen, fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Nach der quirligen Betriebsamkeit in Nadi kommt uns Vanuatu ’s Hauptstadt bei unserer Ankunft vor wie im Dornröschenschlaf. Auf den holprigen Straßen fahren kaum Autos. Nur ein paar klapprige Minivans, die hier als Busse dienen, halten Ausschau nach Fahrgästen. Unser erster Erkundungstag fällt allerdings auch auf einen Sonntag – und das bedeutet hier: Ruhetag! Alle Geschäfte sind geschlossen und selbst die große Markthalle ist menschenleer. Das öffentliche Leben steht sonntags still. Die Kirche spielt in Vanuatu wie in den meisten Ländern des Südpazifiks eine große Rolle. Die Menschen sind fast ausnahmslos Christen und sehr religiös. Dabei sind es weniger die in Deutschland vorherrschende römisch-katholische und evangelische Kirche, sondern anglikanische und evangelistische Unterkirchen wie die 7-Tage-Adventisten, die Mormonen, etc… denen die Menschen angehören. Die europäische Missionare, die die Menschen im Pazifikraum zum Christentum bekehrten, haben ganze Arbeit geleistet: Sonntags besuchen die Menschen die Messe und ruhen anschließend für den Rest des Tages. Mit der Missionierung einhergehend sind in den letzten +- 300 Jahren so aber leider auch viele jahrhundertealten Traditionen und Gebräuche ausgemerzt worden.

Dass Port Vila aber auch hektisch und laut kann, erleben wir am nächsten Tag, als ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht liegt und sich die lokalen Anbieter um die 2.000 spendierfreudigen Gäste reißen. Da wir schon tags zuvor gefühlt alles Sehenswerte in der hügeligen kleinen Stadt gesehen haben, brechen wir direkt wieder auf. Uns zieht es auf andere, ursprünglichere Inseln des kleinen Landes. Zwar leben auf der Hauptinsel Efate, auf der Port Vila liegt, knapp 90 % der Bevölkerung Vanuatu’s, dennoch -oder gerade deshalb- gibt es hier heute noch die wenigsten Traditionen.

espiritu_abwesenheitsnotizAls erstes wollen wir die Insel Espiritu Santo besuchen. Neben exzellenten Möglichkeiten zum Schnorcheln und Tauchen hoffen wir hier auch noch auf das ursprüngliche Leben der Ni-Van zu treffen. So wie Günay & Werner, die im dichten Dschungel Espiritu Santo’s spannende Begegnungen wie diese mit den Bewohnern des Dorfes Marakei machen durften. Aber erst einmal müssen wir dorthin kommen… Es ist Mitte Dezember und viele ni-Van reisen über die Weihnachtsfeiertage zu ihren Familien auf die entlegenen Inseln. Offizielle Fahrpläne der verschiedenen Fähren gibt es nicht (ein Umstand, der uns das Reisen auf Vanuatu noch verkomplizieren sollte), auf der facebook-Seite einer Fährgesellschaft finden wir aber eine Notiz, dass noch heute eine Fähre nach Espiritu Santo ablegen soll. Also ab ins Fährbüro. Hier herrscht schon Hochbetrieb. Bis wir an der Reihe sind, ist die Fähre ausgebucht. Eine halbe Stunde später stehen wir daher im Büro von Air Vanuatu. Zwar kostet der Flug mehr als das Doppelte der 23-stündigen Fährfahrt, dafür können wir eine Stunde später schon am Flughafen in die kleine Propellermaschine steigen, die uns auf Espiritu Santo bringt. Was wir hier und auf der kleinen Insel Malekula erleben, erzählen wir Euch bald noch in eigenen Berichten…

PORT VILA – die Zweite

Um erneute Aufenthalte in Port Vila kommen wir dennoch nicht drumrum. Die Hauptstadt ist transporttechnisch der absolute Dreh- und Angelpunkt Vanuatu’s. Einheimische Produkte wie Kaffee, Kobra oder Kava werden auf den Inseln angebaut und zur weiteren Verarbeitung auf die Hauptinsel geschippert. Waren wie handgeflochtene Bastmatten, Fleisch und Fisch werden mit Fähren nach Efate transportiert, um sie in Port Vila auf dem Markt verkaufen zu lassen. Familien, die auf den Inseln große Gärten bewirtschaften, senden ihren Familienmitgliedern auf der Hauptinsel frisches Obst und Gemüse. Denn vor allem auf Efate hat ein großer Zyklon im Mai des vergangenes Jahres große Schäden angerichtet und fast alle Plantagen zerstört – seitdem sind die dortigen Lebensmittelpreise sprunghaft in die Höhe geschnellt. Für viele ist Gemüse seitdem unbezahlbar. Im Gegenzug transportieren die Bewohner der Hauptstadt zu ihren Familien auf dem Land Gebrauchsgegenstände aus dem Supermarkt – Möbelstücke, Kleidung, Kühlschränke, etc. – all das gibt es außerhalb Efate’s nirgendwo zu kaufen. Die kleinen Kioske, die auf den Inseln als Tante Emma Läden dienen, führen nur ein sehr begrenztes Sortiment aus Dosenfleisch, Reis, Fertigprodukten und wenigen Kosmetikartikel. Die Fähren sind die einzigen Lebensadern für die Bewohner der umliegenden Inseln. Kein Wunder also, dass an den Bootsanlegern stets ein reges Gedränge herrscht und die unregelmäßigen Fähren immer mit großem Andrang erwartet werden.

Auch wir landen nach 18-stündiger Fährfahrt von Malekula aus 2 Tage vor Weihnachten wieder auf Efate. Eigentlich wollen wir von hier mit dem Schiff weiter nach Tanna Island im Süden. Eine Fähre fährt entgegen vorheriger Info aber erst wieder nach Weihnachten. Wie wir herausfinden, legt ein Frachtschiff am nächsten Tag ab – die Fahrt mit diesem würde ganze 3 Tage dauern! Weihnachten auf dem Frachter? Würden wir uns ja sogar noch überlegen – aber nachdem wir schon die Nacht auf der Fähre von Malekula größtenteils nur im Liegen überstanden und das Meer südlich offener und jetzt während der Regenzeit noch rauer ist, entscheiden wir uns doch gegen diese Option! Auf Efate wollen wir aber auch nicht bleiben: Das Preis-Leistungs-Verhältnis der für uns in Frage kommenden Hotels ist gelinde ausgedrückt mager. Und viel Geld für Weihnachten in einem überteuerten Resort möchten wir auch nicht ausgeben. Also investieren wir lieber nochmals in einen Flug und fliegen noch am selben Tag nach Tanna Island. Eine gute Entscheidung! Denn hier sollten wir nicht nur wunderbare Menschen kennenlernen, sondern auch eines der bisherigen Höhepunkte unserer Reise erleben…! Auch dieses hat seinen eigenen Artikel verdient – coming soon!

PORT VILA – Kurzurlaub in der Komfortzone

Aller guten Dinge sind 3…und so landen wir nach 6 wundervollen Tagen auf Tanna Island immer noch komplett mit Asche bedeckt ein weiteres Mal in Port Vila! Wir machen das Beste draus und nutzen die Annehmlichkeiten der Stadt, die in den letzten 2 Wochen rar waren. Während wir uns also unter einer heißen Dusche auch die hartnäckigsten Asche-Rückstände in mehreren Waschgängen von Haut & Haaren spülen, lassen wir auch unsere Kleider von den Spuren des Vulkans reinigen. Außerdem schlafen wir mal wieder in einem richtigen Bett – wir fühlen uns wie im Urlaub 🙂

Bevor wir uns tags darauf auf den Weg zum Flughafen machen, unternehmen wir noch einen Abstecher auf eine letzte kleine Insel: Hideaway Island liegt nur wenige Meter vor Efate in der Bucht von Port Villa. Per kleinem Fährboot kommt man alle paar Minuten auch trockenen Fußes auf die Insel – wir schwimmen jedoch lieber die wenigen Meter durch die Meerenge und sparen uns die 5 € Gebühr für ein letztes kühles Bier auf Vanuatu! 🙂 Hideaway selbst ist eine kleine Resortinsel – so klein, dass man locker in 5 Minuten einmal drumrum spazieren kann. Um die Insel herum verläuft ein überraschend intaktes Riff mit wunderschönen farbigen Korallen und vielen farbenfrohen Rifffischen! Und noch eine weitere Attraktion hat der Meeresboden vor der kleinen Insel zu bieten: hier steht das einzige Unterwasser-Postamt der Welt! Klar, dass wir hier noch schnell eine Postkarte einwerfen müssen, bevor wir das Land verlassen (zu unserer Überraschung kam die Postkarte zwischenzeitlich auch tatsächlich an 😀 ).

Gegen Abend sagen wir Port Vila dann endgültig Adieu und fahren zum Flughafen. Von hier geht es zuerst für eine Nacht zurück nach Fidschi. Und von hier? Weiter in die weite Welt…

An dieser Stelle ein Spartipp zum Schluss:

Wenn sich eine Nacht Zwischenaufenthalt am Flughafen von Nadi nicht vermeiden lässt, Du für eine kurze Nacht aber kein teures Hotelzimmer buchen oder aus der Stadt rausfahren möchtest: Gegenüber dem Flughafen ist das 4*-Hotel Raffles. Hier ist es gar kein Problem, auch ohne Hotelzimmer eine Nacht zu überbrücken, die Hotel-Angestellten sind äußerst freundlich. Und wir hatten schon so manch unbequemeres Bett als die gepolsterten Pool-Liegen!

PS: Nur in der Regenzeit ist bei allzu tiefem Schlaf Vorsicht geboten… 😉

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