Im Bett mit 14 1/2 Mann und 1 Babyziege

…eine Reise ins mongolische Hinterland!

8 internationale Touristen aus Holland, England und Deutschland, 2 Guides aus Ulaan Bataar, 1 mongolisches Nomadenehepaar und deren Hilfsarbeiter sowie ihre Nichte samt ihrem 5-jährigem Sohn plus eine 1 Tag alte Babyziege. Was diese alle gemeinsam haben? Ihr Schlafquartier. Eine Jurte. So werden die runden, ca. 5 Meter Durchmesser zählenden Zelte der mongolischen Nomaden genannt, in denen diese leben. Und das Schlafquartier für diese Nacht war für alle eingangs genannten Personen – bzw. Ziegen – die Jurte des Nomaden, der sich als erfolgreicher Wrestler den Beinamen „Der Löwe des Dorfes“ errungen hat. Klingt kuschelig? War es auch. Um sich umzudrehen musste dem Nebenmann auf die Schulter getippt werden, dieser wiederum tat dasselbe beim nächsten Liegenden – war so die ganze Reihe wach und vorbereitet, konnte sich auf 1,2,3 im Gleichtakt auf die gewünschte Seite gedreht werden ;-D Wie es dazu kam? Wir wollten es so authentisch wie möglich…:

Nach unserer frühmorgendlichen Ankunft mit dem Zug aus Ulan Ude in Ulaan Bataar wurden wir abgeholt und ins gemütlichen Hostel „Golden Gobi“ gefahren. Dort gab es gleich Frühstück und ein großes Hallo mit anderen Reisenden, die mit uns im selben Zug gewesen waren und sympathischen anderen Travellern, die 2 Stunden früher angekommen waren. An diesem Morgen erkundeten wir das Stadtzentrum der kältesten Hauptstadt der Welt (durchschnittliche Jahrestemperatur: -2 Grad Celsius!). An diesem Tag aber war es angenehm warm und sonnig, sodass wir zum ersten Mal unsere T-Shirts auspacken konnten. Das Zentrum der Stadt besteht größtenteils aus dem zentralen Suchbataarplatz, auf dem ein monumentales Dschingis Khan Denkmal thront. Überhaupt ist man hier sehr stolz auf den berühmten Eroberer und so finden wir diesen überall: Biersorten heißen Dschingis Bräu und Khan Bier, auf allen Banknoten ist sein Antlitz abgedruckt und nahezu jedes 2. Hotel trägt seinen Namen.
Wir kamen auf unserer Erkundungstour zufällig gerade rechtzeitig zum Tribut der Soldaten an Dschingis Khan, was ein großes Spektakel war.

Abends testeten wir zusammen mit 2 Mädels aus Finnland und einem Holländer, die auch bei uns im Zug gewesen waren, eines der vielen lokalen Brauhäuser und verbrachten einen lustigen Abend. Das Testen lokaler Delikatessen setzten wir tags darauf beim mongolischen Barbecue fort. Dabei sucht man sich aus einer großen Auswahl an Gemüse, Gewürzen, Fleisch und Meeresfrüchten all das aus, was man möchte und häuft es in seine Schüssel. Dann hat man noch die Wahl zwischen 8 verschiedenen Soßen von feurig-scharf bis exotisch-nussig. Beide Schüsseln bringt man dann zum Grillmeister, der alles vor den Augen der Gäste mit viel Show auf einer überdimensionalen Grillplatte anbrutzelt. Sehr lecker – wir konnten gar nicht soviel essen, wie wir gerne wollten (es war All you can eat) 😀 Zum BBQ gingen wir mit 4 Israelis aus unserem Hostel. Alle 4 sind schon viel gereist. Einer von ihnen ist Wanderführer und er erstieg gefühlt schon Berge in allen Ländern der Erde. Wir hörten viele spannende Geschichten und zu unserer Route kam das ein oder andere Reiseziel hinzu 😉

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Nachdem wir montags noch unsere Visa auf der chinesischen Botschaft beantragten und diese frühestens freitags abholen konnten, begannen wir zu überlegen was wir in der Mongolei noch alles sehen wollten. Ulaan Bataar gleicht trotz seiner 1,4 Millionen Einwohner eher einer überdimensionalen Kleinstadt und sehr viel gibt es nicht zu entdecken. Den Dienstag verbrachten wir dann größtenteils damit, uns zusammen mit Ocki, der Besitzerin des Hostels, mögliche Touren ins Hinterland der Mongolei zusammenzustellen. Heraus kam schließlich eine 14-tägige Tour, bei der wir in der ersten Woche komplett organisiert mit Guide und Fahrer zu den Nomaden in den Westen ziehen und von Jack & Francis aus England und Rick aus Holland begleitet werden würden. Im Anschluss daran würden Jack, Francis, Rick und der Guide mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückfahren und wir nur mit dem Fahrer weiter in die Wüste Gobi nach Süden. Hörte sich gut an, der Preis lag auch in unserem Budget – nahmen wir 🙂

So brachen wir am Mittwoch morgen zu fünft auf den Rücksitzen eines russischen Vans in die wilde Weite Mongoliens auf. Recht früh endeten die geteerten Straßen und auf und ab hüpfend verstanden wir, weshalb in der Mongolei für eine Distanz von 100 km 2 1/2 Stunden Fahrtdauer angesetzt werden. Unsere erste Mittagspause fand schon mitten im Nirgendwo am Rande von großen Sanddünen statt. Zum kochen wurde das gesamte Gepäck aus dem Van ausgeladen und im hinteren Teil ein mobiler Gasherd aufgebaut. Gekocht wurde von Zeezgee, unserer Guide. Dass sie uns gleich am ersten Tag erzählte, dass ihre Kinder nicht glauben können, dass sie tatsächlich für Touristen kocht und sie kochen eigentlich nicht ausstehen kann, machte ihre wiederkehrenden Nudeltopfvariationen nicht viel schmackhafter 😀 Überhaupt hatten wir mit unserer Guide nicht unbedingt das große Los gezogen. Schon gleich zu Beginn wurde deutlich, dass sie unsere Fragen so knapp wie möglich beantwortete und eher als lästiges Übel betrachtete statt sich am Interesse der Touristen an ihrer Kultur und ihrer Lebensart zu freuen. Was sehr schade war, da wir alle zahlreiche Fragen zur mongolischen Kultur, der Natur und soviel mehr gehabt hätten. Nach Zeegzees ultimativer Antwort auf die Frage, was ein mitten in der flachen Steppe auftauchendes und seltsam unnatürlich anmutendes, ca. 10 m großes Felsgebilde war, fanden wir uns allerdings damit ab dass uns auf unserer Tour vieles ein Rätsel bleiben würde. Denn die Antwort war so schlicht wie ergreifend simpel: „Ein Fels“.
Wir trafen im Laufe der Woche allerdings noch mehrere Gruppen (wie in der Nacht in der Jurte des Löwen des Dorfes), die uns bestätigten, dass andere Guides des Hostels eine differenzierte Auffassung von ihrem Job als Reiseführer hatten und wir mit der Zuteilung von Zeezgee wohl einfach Pech gehabt hatten. Ärgerlich war es natürlich dennoch.

Dafür war die Landschaft umso fesselnder: Kaum aus dem Stadtgebiet um Ulaan Bataar heraus, wurde die Weite endloser, der Horizont weiter und die Berge schroffer. Auf der von vielen Flüssen durchzogenen endlosen Steppe grasten vereinzelt Herden von Wildpferden, Kühen, Schafen und Ziegen. Es war wie in einer Dokumentation auf arte 😉 Unser erster Stopp war der Nationalpark Hustai. Hier ist die Heimat der wild lebenden Przewalski Pferde. Die Wildpferde dieser Urpferderasse – auch „Takhi“ – sind die einzigen noch lebenden genetischen Vorfahren der heutigen Pferde. Sie sind ca. 1,40 groß, falbenfarben mit schwarzen Beinen, besitzen einen ausgeprägtem Ramskopf und Stehmähne.

Wir hatten Glück und sahen neben einer Herde Rehe und Hirsche, vielen Murmeltieren und Wühlmäusen auch eine große Wildpferdeherde mit vielen Fohlen. Dort ergab sich für Biene sogar die Gelegenheit einen kurzen Ritt zu unternehmen (nicht auf den Wildpferden, sondern auf dem Pferd eines mongolischen Hirten, der dort sein ausgebüchstes Pferd suchte).

Im Anschluss fuhren wir zu unserem erstem Nachtquartier, der Jurte eines Nomadenehepaares. Das Nomadentum ist die traditionelle Lebensweise der Mongolen und noch immer leben viele Menschen in Zelten im weiten Hinterland. Dabei ist das Leben hart, die Bedingungen oft rau und der Alltag wird von den Tieren bestimmt. Die meisten Nomaden halten Ziegen- und Schafherden sowie je nach Gegend entweder Kamele im Süden oder Kühe, Pferde und Yaks im Norden. Die Nomaden leben größtenteils autark und von dem, was sie selbst produzieren. Zusätzliches Einkommen erzielen sie mit dem Verkauf von Wolle (Kashmir) oder eben der Aufnahme von Touristen. Die Lebensbedingungen sind sehr einfach: Die Jurten messen ca. 5 m im Durchmesser und sind ohne weitere Unterteilungen der Lebensraum der gesamten Familie. In der Mitte jeder Jurte steht ein Ofen. Dieser ist Hitzequelle und Herd zugleich. Als Brennstoff wird das genommen, was vor der Zelttür produziert werden kann – nein, mit Holz ist es in der baumlosen Steppe nicht weit her. Die Öfen werden mit Dung gefüllt, der verbrannt wird und so die Jurte aufheizt. Ja, es stinkt. Nach Dung. (Allerdings hätte wir wohl alle in der ersten Nacht lieber etwas mehr gestunken als so bitterlich gefroren. Am 2. Tag waren bis auf Uli alle etwas angeschlagen…) Oben in der Mitte des Zeltdaches befindet sich eine Öffnung, durch die der Rauch /und leider auch die Wärme) entweichen kann.

Gegenüber des Eingangs befindet sich an der Nordseite des Gers (=mongolisch für Jurte) immer der Hausaltar der Familie, der meist mit einem Bildnis des Dalai Lamas und Familienfotos geschmückt ist. Links und rechts davon stehen entlang der Wände 2 Betten, dann folgt auf einer Seite ein Sofa und auf der anderen Seite die Küchenregale bzw. Stauraum. Der Boden ist mit einer Plane oder PVC ausgelegt – alles in allem nicht gerade sehr luxuriös. Nein, die Toilette haben wir nicht vergessen. Die gibt es nicht. Dafür dient die weite Natur um die Jurte. Dafür hat die elektronische Welt auch hier schon Einzug gehalten und alle Zelte (die wir sahen) sind mit TV und Telefon ausgestattet. Die Satelitenschüssel dazu steht vor dem Zelt.Wir persönlich würden uns wohl eher ein Klo bauen – aber so hat jeder seine Prioritäten 😀
In der Jurte selbst gibt es viele Dinge, die man nicht tun sollte, da es ansonsten Unglück bringen wird – wie z.B. die Fußsohlen niemals Richtung Hausaltar oder auf andere Menschen strecken, nicht zwischen dem inneren Gestänge der Jurte durchgehen und immer nur im Uhrzeigersinn durch die Jurte durchgehen. Ganz schön viel zu beachten für so ein kleines Zelt!

In der Jurte angekommen, gab es zur Begrüßung mongolischen Milchtee, das typische nationale Getränk, dass zu jeder Tageszeit getrunken wird. Dieser besteht zur einen Hälfte aus Wasser und zur anderen aus Milch, in die loser Schwarztee gegeben wird. Anders als bei uns wird der Tee aber nicht gesüßt, sondern mit Salz verfeinert getrunken. Eine ganz neue Geschmackserfahrung. Probiert es doch mal aus 😉 Dazu wurde uns Boortsog gereicht, mongolisches Gebäck aus Mehl, Butter und Salz. Später gab es noch Aaruul dazu, eine Art getrockneter Schafskäse /-quark. Aaruul schmeckt ziemlich salzig und bitter, soll aber sehr gesund sein. Der Quark wird auf dem Jurtendach getrocknet und wird so fest, dass die Stücke eher gelutscht als gebissen werden. Hat uns Zeezgee leider nicht erzählt 🙂

Vor dem Abendessen, zu dem es getrocknetes Yakfleisch eingelegt in eine Art Reissuppe gab, machten wir beide mit Rick zusammen eine kleine Wanderung zu einem nahe gelegenen Hügel. Wir hatten eine tolle Aussicht und sahen einen tollen Sonnenuntergang in der weiten Steppe!

Abends wurden in einer launigen Prozedur noch die Ziegen zusammengetrieben, bevor es zum gemütlichen Teil, d.h. zum Aufbrauch des Gastgeschenkes (eine Flasche mongolischen Wodkas) wieder in die Jurte ging. Die Kommunikation und Interaktion mit der Nomadenfamilie hielt sich aber leider in Grenzen, da wir aufgrund der Sprachbarriere ja nicht direkt miteinander sprechen konnten und Zeezgee sich lieber selbst unterhielt als für uns zu übersetzen. Nach einer recht kalten Nacht in Schlafsäcken auf dem Boden waren wir froh, als es am nächsten Morgen endlich hell wurde und wir unsere Glieder ausstrecken und wärmen konnten. Nach dem Frühstück ging unsere Fahrt über Stock und Stein weiter und am Nachmittag stand Kamele reiten auf dem Programm.

Die Kamele mussten erstmal noch eingefangen werden. Dann ritten wir, von einem singenden Hirten begleitet, durch die Steppe zu den Sanddünen der kleinen Gobi. Dort angekommen saßen wir ab, gönnten den Kamelen eine Pause und erkundeten die Wüste zu Fuß. Eigentlich dachten wir ja, dass wir durch die Wüste reiten, nicht an die Wüste, aber nun gut. Immer diese Klischees 😉 Es war auch so lustig.
Gegen Abend kamen wir bei der Nomadenfamilie an, bei der wir übernachten sollten und diese hatte sogar ein Gäste-Ger. Damit hatten wir alle ein eigenes Bett, dafür kaum Kontakt mit der Familie. Tja, man kann halt anscheinend nicht alles haben – entweder kultureller Austausch oder ein bequemes Schlafplätzchen. Zum Abendessen gab es Fleischsuppe. Die Landschaft um das Nomadenlager herum war beeindruckend. Endlos weite Steppe, rot leuchtende Felsgebilde und ein nicht-endender Horizont.
Wir verbrachten einen lustigen Abend mit Kartenspielen, Wodka und dem Heizen unseres eigenen Shit-Ofens. 😀 Am nächsten Morgen wurden wir Zeuge einer Hammelschlachtung nach altem mongolischen Brauch bzw. nach der von Dschinggis Khan vorgeschriebenen Art. Dabei wird dem Hammel durch einen kleinen Schnitt in die Brust das Herz mit der Hand zugedrückt, sodass dieser innerhalb von Sekunden friedlich einschläft und bewusstlos wird. Anschließend wird das Fell abgezogen und das Tier ausgenommen. Hier wird nichts weggeworfen, sondern alle Teile werden verwertet. Rick wurde kurzerhand dazu eingespannt, den Magen auszuwaschen um darin die Innereien zu lagern. Und das noch vor dem Frühstück.

Unser Tagesziel heute war ein Wasserfall. Dahin war es ein gutes Stück, sodass wir fast den ganzen Tag fuhren. Auf dem Weg dorthin änderte sich schlagartig das Wetter und es begann, in großen Flocken zu schneien. Bis zu unserem Mittagsstopp hatte es soviel geschneit, dass wir einen großen Schneemann bauen konnten. Die Schneeballschlacht folgte natürlich prompt 🙂 Bei diesen Bedingungen war es auch das einzige Mal, dass unser hervorragender Fahrer Ishka seinen grauen Pfeil nicht mehr rechtzeitig unter Kontrolle bekam und wir in den Graben fuhren. Nach viel Geschiebe, Gebuddele und Geschrei kamen wir wieder frei und konnten weiterfahren. Ansonsten waren wir sehr fasziniert, wie Ishka sich in der Steppe orientieren konnte und die aus unseren Augen nicht zu erkennenden Wege zu unseren Zielen fand. Gegen Abend kamen wir am Wasserfall an, betrachteten diesen und fuhren weiter zur nächsten Nomadenfamilie. Diese waren die ersten, die Yaks hielten. Hier hatten wir ebenfalls wieder unser eigenes Ger, den Abend verbrachten wir wie den vorherigen in unserer geselligen Runde unter uns.

An Tag 4 hatte die Offroad-Fahrt vorerst ein Ende und wir wagten uns selbst in den Schnee. Bis auf Zeezgee freuten wir uns alle über etwas Bewegung und wanderten in ca. 3 Stunden über einen Berg und eine Hochebene in Richtung der nächsten Nomadenfamilie. Hier sollten wir 2 Nächte bleiben, bevor es am übernächsten Tag auf dem Pferderücken wieder zurück zum Van ins Tal ging.
Aber zunächst wurden wir vom Löwen des Dorfes abgeholt. Bei seinem Ger am Fluss angekommen, freuten wir uns über den wärmenden, obligatorischen mongolischen Milchtee, den uns seine sympathische Frau zur Begrüßung reichte und durften leckeren Yak-Joghurt testen. Außer uns beiden hatten alle nasse Füsse bekommen – unsere guten Wanderschuhe haben sich also auch schon gelohnt 🙂 In einem Meer von aufgehängten Schuhen, Socken und Jacken verbrachten wir den Rest des Tages mit der Familie in der Jurte und spielten Karten. Gegen Abend fragten wir uns, wo wir alle schlafen sollten… Es gab zwar ein zweites Ger, allerdings war dieses nicht für Gäste sondern für die kleinen Zicklein. Die Antwort wartete quasi zu unseren Füßen: Der Jurtenboden. Nun gut, da lagen wir also kuschlig alle aneinander und wir Touristen hofften, dass es so wenigstens etwas wärmer sein würde. Es war wohl jeder von uns heilfroh, als es wieder hell wurde, wir aufstehen konnten und der Ofen wieder angeheizt wurde. Beim ersten Augenaufschlag wussten wir auch, weshalb das mit der Wärme nicht so recht geklappt hatte: es schneite. Ins Zelt. Durch den Zeltausschnitt für das Ofenrohr sind die Zelt oben immer einen Spalt offen – auch praktisch, so muss nicht erst der Kopf aus der Jurte gestreckt werden, um zu wissen wie das Wetter ist 😀
Nach dem Mittagessen wurden die Pferde für uns gesattelt und los ging es auf einen mehrstündigen Ausritt durch das Gebiet der 8 Lakes. Die Landschaft dieses Gebietes wurde durch einen Vulkanausbruch vor knapp 700.000 Jahren geformt und dabei entstanden 8 Seen, die alle unterirdisch miteinander verbunden sind. Es hatte aufgehört zu schneien und so ritten wir bei schönstem Sonnenschein auf 1.800 Metern durch den wilden Westen der Mongolei – es war herrlich, endlich wieder auf dem Pferderücken zu sitzen!

Bei unserer Rückkehr sahen wir, dass noch eine andere Tourgruppe des Golden Gobi, bestehend aus 3 Holländerinnen und ihrem Guide, ebenfalls zur Übernachtung am Ger angekommen waren. Und wieder fragten wir uns: Wo sollen wir alle schlafen?! …und damit sind wir nun wieder am Anfang der Geschichte 🙂
Nun, trotz unserer Zweifel fanden doch alle irgendeinen Platz auf dem Boden (wenn wir auch stark vermuten, dass die Nichte & ihr Sohn tatsächlich im Ziegen-Ger schliefen, da wir sie nicht sahen als wir „ins Bett“ gingen. Wir konnten über die Situation zum Glück lachen, dennoch waren wir uns alle einig, dass diese Nacht ganz oben auf Platz 1 der widrigsten Nächte jemals steht!

Am nächsten Morgen hieß es für uns dann wieder ab auf die Pferde und wir ritten über den Berg, über den wir 2 Tage zuvor kamen, wieder zurück Richtung Jeep. Dabei war die Trittsicherheit und Balance der mongolischen Steppenpferde absolut zum staunen! Die meiste Zeit ging es im wörtlichen Sinne über Stock & Stein, wir ritten durch Geröllfelder, kniehohe Flüsse, ebenso hohen Morast und über Schneefelder und kein einziges der Pferde ist auch nur einmal aus dem Tritt geraten oder gestolpert. Faszinierend! Und all das ohne Bandagen, Gamaschen oder sonstigen Schutz an den Pferdebeinen.

Beim Jeep angekommen, tauschten wir die Sättel wieder gegen die Rücksitze des russischen Vans und hüpften bald darauf wieder im Takt der Schlaglöcher und Felsen in Richtung nächster Jurte. Unsere Freude beim Anblick des Gäste-Gers der Familie mit richtigen Betten darin wurde nur von unserer Freude am nächsten Tag über die Dusche zurück im Hostel in Ulaan Bataar übertroffen 😀 Davor besichtigten wir noch das älteste Kloster und die antike frühere Hauptstadt der Mongolei aus dem 14 Jahrhundert und malten uns aus, was wir zurück in der Zivilisation alles tun würden. 😀

Wir beide hatten im Laufe der Woche bereits beschlossen, mit den anderen nach Ulaan Bataar zurück zu fahren und nicht in die Wüste Gobi weiterzuziehen, da das zunächst 2 volle Tage Fahrt gen Süden und dann auch vor Ort jeden Tag mind. zwischen 4-6 Stunden Fahrt geheißen hätte. Nach dem Vorgeschmack auf die Straßen in der ersten Woche entschieden wir, dass wir auf unserer Route sicher noch an einer anderen Wüste vorbeikommen würden. Und ganz ehrlich – nach diesen 7 Tagen ohne fließend Wasser freuten wir uns auch riesig auf besagte Dusche 😀 So erreichten wir am nächsten Tag gegen Nachmittag Ulaan Bataar und checkten wieder im Golden Gobi Hostel ein. Nach einem großen Hallo gingen wir 5 an diesem Abend zum Abschluss zusammen richtig gut indisch essen & ein kühles Bier trinken.

Alles in allem war unsere Tour ins mongolische Hinterland sehr interessant. Es war imposant einmal diese unglaubliche Weite der Steppe zu erleben und diese karge Natur zu sehen, wild lebende Pferde- und andere Tierherden zu entdecken und einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie die Nomaden leben. Unsere Guide war leider eine riesige Enttäuschung, sodass wir nicht viel mehr als passiv beobachten konnten und unseren eigenen Reim machen mussten. Zum Glück waren wir eine lustige Truppe, die sehr gut harmoniert hat und hatten so trotzdem viel zu lachen!

Nach unserer Rückkehr verbrachten wir noch 3 weitere Tage in Ulaan Bataar, wuschen den Dung-Geruch aus unseren Kleidern, schlenderten durch die Stadt, planten unsere letzte Etappe mit der transsibischen Eisenbahn und nahmen schließlich am Freitag den Nachtzug nach Zhamyn Uud, der mongolischen Grenzstadt Richtung China. Zum Abschluss sahen wir nochmal einen tollen Sonnenuntergang und eine beeindruckende Landschaft aus dem Zugfenster und kamen morgens um 8 in Zhamyn Uud an, von wo aus es per Bus über die Grenze in unser Reiseland Nr. 3 ging.

…und nun sind wir gespannt, ob jemand den Bericht wirklich bis zum Ende gelesen hat (wow! bitte verewige diese tolle Leistung in einem Kommentar) oder nur hierhin gescrollt wurde 😉 Aber ihr wisst ja, wie das Sprichwort heißt – wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen… und wir sind erst am Anfang! 😀