Backpacking Australia

Die Schule der Lüfte – ein Schultag in Alice Springs

Die Schule der Lüfte – ein Schultag in Alice Springs

Wenn für die fünfjährige Alice morgens der Schultag beginnt, läuft sie nicht wie andere Erstklässler zur Grundschule. Nein, Alice geht von ihrem Kinderzimmer ins Lernzimmer und schaltet den Computer an. Alice besucht die School of the Air. Sie sitzt im größten virtuellen Klassenzimmer der Welt. Über 1,3 Millionen Quadratkilometer groß ist die Fläche, aus der die 120 SchülerInnen in den abgelegensten Winkeln Australien´s stammen, welche die Schule der Lüfte besuchen. Das ist 3 1/2 mal so groß wie Deutschland. Die meisten der SchülerInnen wohnen mit ihren Eltern auf isolierten Farmen im Outback oder in sehr kleinen, abgeschiedenen Aborigines Gemeinden.

Schule mal ganz anders

Alte Radios, mit denen die Lehrer zu den Schülern kamenDie Alice Springs School of the Air gibt es schon seit 1951. Damit war sie ist die weltweit erste Fernschule. Vor 60 Jahren gab es natürlich noch keine Computer. Über Radios empfingen die Schüler der ersten Jahre ihre Schulstunden. Damit die Radios mit Strom versorgt wurden, mussten die Schüler selbst in die Pedale treten. Da war dann gleich der Sportunterricht mit abgedeckt 😉 Nach einigen Jahren wurde der Unterricht auf Funk umgestellt und so konnten nicht nur die Schüler hören, was die Lehrer sagten, sondern sich auch selbst zu Wort melden und untereinander kommunizieren. Heute findet der Unterricht über das Internet statt. Dank neuer Satelliten-Technologie können die Kinder auf ihren Computerbildschirmen ihre Lehrer und Mitschüler jetzt live sehen, in Echtzeit mit ihnen sprechen und schreiben und so interaktiv am Unterricht teilnehmen. Je nach Klassenstufe haben die Kinder 2-4 Stunden pro Tag interaktiven Fernunterricht im virtuellen Klassenzimmer, die restlichen Schulstunden werden sie von Hauslehrern beaufsichtigt. Das sind oft entweder die Eltern der Schulkinder oder eigens dafür angestellte Hauslehrer bzw. Tutoren.

Viermal im Jahr treffen sich Schüler und Lehrer für jeweils eine Woche in Alice Springs. Für viele der Kinder, die auf abgeschiedenen Farmen aufwachsen, ist es das erste Mal, dass sie mit anderen Kindern außer ihren Geschwistern spielen. Hausaufgaben und Klassenarbeiten wurden bis noch vor wenigen Jahren per Flugzeug eingesandt, von den Lehrern korrigiert und ebenfalls mit dem Flugzeug wieder zurückgeschickt. Da konnte es schonmal Wochen dauern, bis die Kinder wussten, ob ihre Antwort auf Frage Nummer 5 richtig war… Heute wird soviel wie möglich per Email übermittelt und nur zusätzliches Lernmaterial (wie Materialien für den Kunstunterricht) und Bücher werden per Luftpost versendet. Bis zur 7. Klasse werden die Kinder in der Schule der Lüfte unterrichtet, für die weitere Ausbildung müssen sie dann entweder ein Internat besuchen oder sich in eine andere Fernschule einschreiben.

VON ALICE SPRINGS IN ALLE HIMMELSRICHTUNGEN

Die besonders geschulten Lehrer der School of the Air sind den größten Teil des Jahres in Alice Springs. Vom Besucherzentrum der Schule aus darf man hinter Glaswänden ins Lehrerzimmer und mit auf den Bildschirm in die Schulstunden spickeln. Als wir hier sind, sind leider gerade Winterferien und es findet kein Unterricht statt. Trotzdem gibt es im Infozentrum genug zu sehen für einen ganzen interessanten Vormittag: Ein einstündiger Film berichtet über die Anfänge und die Entwicklung der School of the Air, hinterher kann man in einer 20-minütigen Frage- & Antwortrunde den Mitarbeitern alle möglichen Fragen stellen oder sich Unterrichtsmaterialien, die alten Radios und Videos von berühmten Besuchern wie Lady Di und Prinz Charles im Ausstellungsraum anschauen.

Vor dem Schulgebäude der Schule der LüfteUnd wenn Alice und ihre MitschülerInnen zu den jährlichen Schulwochen vor Ort nach Alice Springs kommen und die vielen Besucher sehen, sind sie immer ganz überrascht, warum sich Menschen ihre Schule anschauen wollen. Für sie ist das schließlich normaler Schulalltag.

ALICE SPRINGS – IM ZENTRUM DES ROTEN KONTINENTS

Auch neben der School of the Air gibt es in Alice Springs genug zu sehen, um einen dreitägigen Zwischenaufenthalt in der charmanten kleinen Stadt in der Wüste einzulegen. Wie zum Beispiel die historische Telegrafenstation. Diese von Nord nach Süd durch Australien durchführende Telefonleitung war überhaupt der Grund, warum Alice Springs in der Mitte des Kontinents entstand. Auf einem kostenlosen Stadtspaziergang lassen wir uns durch die einzige Stadt in Australien´s Roten Zentrum führen, schlendern durch die Fußgängerzone mit ihren vielen Kunstgalerien, in denen tolle (aber leider ziemlich teure) Aborigines-Bilder erstanden werden können und entlang des ausgetrockneten Flussbetts, in dem einmal jährlich das weltweit einzige Flussrennen statt findet, das abgesagt werden muss, wenn der Fluss ausnahmsweise mal Wasser führt. 🙂

Außerdem ist Alice Springs das Sprungbrett zum Ayer´s Rock – der ist aber entgegen der häufigen Annahme nicht ein paar Kilometer außerhalb der kleinen Stadt, sondern nochmal 500 Kilometer weiter südlich 😀 Trotzdem ist Alice Springs mit Abstand der nächste Ort dorthin. Bevor wir also dorthin aufbrechen stocken wir nochmal unsere Vorräte auf, gehen mal wieder ordentlich duschen :-D, waschen unsere vom Wüstensand der Tanami Desert einheitlich rot eingefärbten Kleider, nutzen das kostenlose W-LAN in der Fußgängerzone und der Bibliothek und lassen unseren platten Reifen flicken.

P1200816Da wir aus den Kimberleys wieder gut 1.000 Kilometer in den Süden gefahren sind, ist es hier nachts wieder ordentlich kalt. So kramen wir die für Wochen verbannten Fließdecken wieder hervor und wärmen uns abends an unserem Lagerfeuer. Der sternenklare Wüstenhimmel macht das gut und gerne wieder wett. Wir haben es endlich in Australien´s Herz geschafft. Und nun können es kaum noch erwarten, endlich den Uluru mit eigenen Augen zu sehen.

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Dieser Eintrag in unserem Reisetageblog entstand ohne inhaltliche Einflussnahme in Kooperation mit der Alice Springs School of the Air (ASSOA).

Ab in die Wüste – durch die Tanami Dessert nach Alice Springs

Ab in die Wüste – durch die Tanami Dessert nach Alice Springs

„Was wollt ihr denn in der Wüste??“ Da gibt es doch gar nichts zu sehen!“. Das war so ungefähr die Reaktion, wenn wir von unseren Plänen erzählten, zunächst nicht wie ursprünglich geplant vom Purnululu Nationalpark aus weiter ganz hoch in den Norden zu fahren, sondern über eine hauptsächlich von Minenfahrzeugen befahrene Verbindungsstraße quer durch die Tanami Wüste nach Alice Springs ins Landesinnere.

700 Kilometer. Auf einer Schotterpiste. Mitten durch eine der größten Wüsten Australiens.

Die Tanami-Wüste gehört zu den eher unwirtschaftlichsten Gegenden Australiens. Was der Name „Wüste“ ja schon vermuten lässt. Hier wächst einfach nix. Nichtmal Kängurus oder andere Überlebenskünstler soll es dort aufgrund der kargen Landschaft geben. Was wir da genau sehen wollten? NIX! Genau das reizte uns. Wir wollten einfach sehen, wie das so ist, in der Wüste. Wenn einfach mal NIX drumrum ist. Keine besondere Landschaft, keine menschlichen Siedlungen, keine Farmen, keine „Sehenswürdigkeiten“. Was gibt es denn da dann zu sehen? Liegt wirklich überall nur Sand? Oder wie sieht NIX eigentlich aus?

Bevor wir die Abzweigung vom Great Northern Highway ins Rote Zentrum erreichen, passieren wir den kleinen Ort Halls Creek. Hier füllen wir im Tankstellenshop (der einzige Supermarkt des kleinen Ortes und im Umkreis von 300 Kilometern) unsere Vorräte auf, duschen und erkundigen uns im Info-Center nach den aktuellen Straßenbedingungen der Tanami Road. Unser Trinkwasser füllen wir kostenlos am Trinkbrunnen im Park auf. Mit gut 40 Litern Wasser sollten wir für die nächsten beiden Tagen, die wir für die Wüstendurchquerung und für alle Fälle einplanten, gut gerüstet sein. Und noch ein Stopp liegt auf unserem Weg, bevor wir die Wüste erreichen. Wir machen einen Abstecher zum zweitgrößten Meteoritenkrater der Welt. Der übrigens Schauplatz und Drehort des gleichnamigen Filmes Wolfe Creek war. Ähem, wir haben den Film beide bisher noch nicht gesehen und keine Ahnung, worin es in dem australischen Klassiker geht… Wenn ihr ihn gesehen habt, dürft ihr uns gerne unter diesem Bericht in den Kommentaren aufklären! 🙂

Der Wolfe Creek Krater

Jedenfalls krachte an genau dieser Stelle vor 30.000 Jahren ein riesiger Meteorit mit einer Geschwindigkeit von 15 km/s (!!!) auf die Erde. Der Aufprall hatte eine solche Wucht, dass das Weltraumgestein beim Aufprall zerschellte und die Trümmer in bis zu 4 km Entfernung geschleudert wurden. An der Einschlagsstelle entstand ein 120 Meter tiefer Krater mit stolzen 880 Metern Durchmessern! Heute ist der Krater durch die Erd-Ablagerungen im Laufe der Jahrtausende nur noch 50 Meter tief. Und trotzdem noch beeindruckend. Wir verbringen eine Nacht auf dem kostenlosen winzigen Campingplatz am Fuße des Kraters, klettern auf den Rim und schauen von dort in den kreisrunden Krater hinab, sehen in der Ferne ein paar Buschbrände lodern, bewundern den von dort oben aus endlos erscheinenden Horizont und einen tollen Sonnenaufgang. Wir versuchen uns vorzustellen, was für eine gigantische Kraft der Aufprall gehabt haben musste – aber können das nicht wirklich!

Wenige Kilometer in die Tanami Wüste hinein biegen wir tags darauf in die kleine Aborigines Siedlung Bilabuna ab, um nochmal vollzutanken. Zu einem Rekordpreis. Aber wir sind ja hier auch in der Wüste. Anstelle des gewohnten bleifreien Benzins gibt es hier Opalbenzin. Das ist in vielen abgelegenen Gegenden Australiens der Fall, das haben wir zuvor schon gelesen. Wir machen uns Gedanken zum Grund. Später sollen wir in Alice Springs in einer Info-Broschüre lesen, dass dies eine Maßnahme zur Reduktion der Zahl an Benzinschnüffel-Abhängigkeit Betroffenen ist. Weil Opal-Benzin geruchlos ist. Leider ist es in der kleinen Siedlung nicht wirklich schön. Überall liegt Müll auf dem Boden herum, verwahrloste Hunde streunen durch die wenigen Straßen des kleinen Ortes und viele die kleinen Hütten haben sicher schon bessere Zeiten gesehen.

Und dann geht es also wirklich los in die Wüste. Nach ein paar Stunden Fahrt auf der wirklich stark gewellten Schotterpiste überqueren wir die Grenze von Western Australia ins Northern Territory. Für uns schließt sich hier ein Kreis, denn in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory, haben wir erstmals unseren Fuß auf australischen Boden gesetzt. Was wir unterwegs nun so sehen? Tja, da wäre erstmal:

  • überraschend wenig Sand (wusstet ihr, dass Wüste nicht gleich Sandwüste ist? Also Biene nicht…:-D ). Vielmehr wächst stacheliges Spinifex-Gras überall in Büscheln aus der roten Steppe
  • dafür umso mehr Staub – genauer gesagt sogenannter Bulldust: feinster roter Sandstaub, der sich einfach ü b e r a l l ab- und festsetzt. Unser Lion King hat seitdem einen – mehr oder weniger dezenten – Rotschimmer in seinem goldenen Fell.
  • Wildpferde! Gleich 2 Herden der ausralischen Brombys dürfen wir entdecken.
  • Riesige Roadtrains.
  • Abertausend funkelnde Sterne am Nachthimmel, die aufgrund der fehlenden Lichtquellen drumherum ganz besonders gut sichtbar funkeln.

Für die Nacht fahren wir einfach etwas abseits in die rote Steppe hinein, parken unseren Jeep hinter mannshohen Gestrüpp und schlagen hier unser Nachtlager auf. Und nach einem Tag Fahrt über viele viele Schlaglöchern, große spitze Steine und zerplatzte Reifenteilen kommt es, wie es irgendwann kommen musste: wir haben einen Platten! Zum Glück ist das halb so wild, dafür haben wir ja unser Ersatzrad dabei. Während Uli in der Wüste Reifen wechselt, backt Biene Stockbrot über´m Holzfeuer. Am Lagerfeuer später versuchen wir uns vorzustellen, dass wir gerade vielleicht die beiden einzigen Personen in dieser Wüste sind. Das ist so, als hätten wir uns versucht vorzustellen, dass wir die einzigen Personen zwischen Enzberg und Waldmössingen sind. Nur ist die Fläche noch viel größer. Wahnsinn, oder nicht?!
Gegen Mittag des nächsten Tages erreichen wir Alice Springs.

Alles in Allem war die Wüste gar nicht so langweilig wie man das vielleicht vermutet!

Bungle Bungle – oder: eine geheimnisvolle Welt aus Bienenkörben.

Bungle Bungle – oder: eine geheimnisvolle Welt aus Bienenkörben.

Die geheimnisvolle Welt der Bungle Bungle ist ein Naturwunder mitten in entlegener Wildnis. Die Gegend beheimatet Pflanzen, die teilweise bisher noch nicht einmal einen Namen haben, da sie erst kürzlich entdeckt worden sind. Bis vor wenigen Jahrzehnten war diese Gegend aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage nur den traditionellen Ureinwohnern und einigen Farmern, Viehtreibern, Geologen, Wissenschaftlern und Einheimischen bekannt. Erst als Anfang der 1980er-Jahre Luftaufnahmen von dieser Gegend in den Medien Schlagzeilen machten, erfuhren auch Reisende von ihrer Existenz. Das Interesse war groß. Schon kurze Zeit später wurde ein Nationalpark errichtet, seit 2003 ist der Purnululu UNESCO Weltkulturerbe. Allerdings sind die staunenden Besucher nicht die ersten, die diesen einmaligen Fleck Erde erkunden.

Ergebnisse von Radiokarbonmessungen lassen vermuten, dass Aborigines seit mindestens 20.000 Jahren in dieser Region gelebt haben. Für sie ist der Purnululu ein besonderer, sehr spiritueller Ort. So wichtig ist seine Bedeutung, dass sie nicht einmal den Grund dafür teilen möchten. Deshalb ist auch nur der südwestliche Zipfel des gesamten Parkgebietes für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum ersten Mal sind neben den Wanderwegen in kurzen Abständen Schilder angebracht, dass man als Besucher aufgrund der hohen spirituellen Bedeutung des Ortes die markierten Wege nicht verlassen darf.

Dafür besteht auch kein Grund. Zwar gibt es auch durch den öffentlichen Teil des Parks nur begrenzt Wanderwege, allerdings gibt es auf diesen jede Menge zu sehen:

Beim Besucherzentrum am Parkeingang teilt sich der Track in 2 Routen. Nach Norden führt eine geschotterte Straße entlang der Abbruchkante eines 200-300 steil aufragenden Sandsteinplateaus vorbei an Palmenoasen und von tiefen Wassergräben zerfurchten Steilklippen bis zum Echidna Chasm. Das ist ein zwei Kilometer langer Wanderweg im steinigen Bachbetts hinein in eine extrem schmale Felsschlucht, die teilweise keinen Sonnenstrahl mehr in sich hereinlässt. Sie verengt sich an ihrem Ende auf eine Breite von nur einem Meter, bevor sie aprupt ganz endet. Wir laufen den Weg am späten Nachmittag. Zu dieser Tageszeit färbt die Nachmittagssonne die von groben Kieselsteinen durchzogenen Sandsteinfelsen glutrot. Das Steingemisch sieht aus wie mit großen Kieselsteinen angerührter roter Zement. Links und rechts steigen die sich immer weiter verengenden Felswände bis zu 200 Meter senkrecht in den blauen Himmel auf. Ehrfürchtig laufen wir bis zum Ende der Schlucht. Auf einmal kommen wir uns ganz klein vor. Wir sind wieder einmal sprachlos ab der unfassbaren Schönheit unserer Natur.

Die Sprache verschlägt es uns am nächsten Morgen gleich nochmal. Nach einer Nacht im Flussbett erkunden wir heute den südlichen Teil des Parks. Hier erwarten uns die prominentesten Steinformationen des Parks, die Anfang der 80er Jahre für soviel Aufsehen gesorgt haben. Die Bungles Bungles.

Diese über 200 freistehenden Felsen sind nach oben domförmig abgerundet, noch dazu bandförmig schwarz-rot gestreift und sehen aus wie…naja, eben wie Bienenkörbe. 🙂 Genauso geheimnisvoll wie ihre Aussehen ist auch die Geologie der bis zu 578 m hohen „Bienenstöcke“. Für Geologen sind die „Domes“ eine der weltweit meist faszinierenden Gesteinsformationen. Und wahrscheinlich auch eine der ältesten. Das Massiv ist ca. 350 Millionen Jahre alt…

Nach dem kurzen Rundweg um die Domes wandern wir in die Cathedral Gorge, eine kathedralförmige Schlucht – der Wanderweg hinein führt durch das „Mittelschiff“, begrenzt von hohen Wänden, in die Rund-„Apsis“, die einen auch in der Trockenzeit verbleibenden kleinen Teich umschließt. Anschließend wandern wir ein Stück entlang der Piccaninny Gorge, von wo wir aus der Entfernung durch ein natürliches Fenster im Gestein nochmal beste Aussicht auf die faszinierenden und geheimnisvollen Bienenstöcke haben.

So geheimnisvoll wie die Bedeutung des Purnululu für die Aborigines ist auch die Herkunft seines englischen Namens „Bungle Bungle“. Der Name Purnululu bedeutet Sandstein in der Sprache des hiesigen Kija-Stammes. Man nimmt an, dass er entweder als „Bungle Bungle“ falsch verstanden wurde oder dass es sich um die falsche Schreibweise des gemeinen Kimberley-Grases Bundle Bundle handelt. Gerüchte kursieren jedoch hinsichtlich der wahren Bedeutung von Bungle Bungle, was diese verlorene Welt noch geheimnisvoller erscheinen lässt.

Ein Geheimnis des Bungle Bungle konnten wir lüften. Wir wissen inzwischen, weshalb die schwarzen Bänder schwarz sind und die roten Bänder rot gefärbt sind. Aber wir werden das Geheimnis hüten… 😉

TRAVEL TIPPS:

Der Purnululu Nationalpark liegt im östlichen Teil der Kimberleys Wilderness. Da hier der (geteerte) Great Northern Highway entlang läuft, ist er auf den ersten Blick zugänglicher als das Gebiet um die Gibb River Road.
Allerdings liegt das Parkgebiet gut 60 km östlich des Great Northern Highways und ist nur mit einem Allradfahrzeug erreichbar. Denn hat man die 304 Kilometer von Kununurra aus oder die 160 km von Halls Creek auf dem Highway zurückgelegt, biegt man auf die Spring Creek Track ab. Für die etwa 53 km Offroad-Piste zum Parkeingang benötigt man zwei bis drei Stunden. Und hat man die Piste hierhin tatsächlich in einem normalen PWK zurückgelegt, heißt es dann hier: Umkehren, bitte! Der Purnululu Nationalpark ist Allrad only!
Der Park ist vom 1. April bis zum 31. Dezember geöffnet und kann mit einem westaustralischen Nationalpark-Pass besucht werden. Da die Regenzeit in der Regel im Oktober/November einsetzt, schließt der Park je nach Straßenverhältnissen in manchen Jahren unter Umständen früher.

DasSandsteinplateau in ganzer Pracht

Wäre Deutschland die Kimberleys Wildnis – ein Gedankenspiel.

Wäre Deutschland die Kimberleys Wildnis – ein Gedankenspiel.

Wie wir schon kurz im letzten Bericht erwähnt haben, entspricht die Kimberley Wilderness ziemlich genau der Fläche Deutschlands (ganz genau genommen ist dieser Zipfel Australien´s sogar 100 000 Quadratkilometer größer)… Also. Wenn wir dieses Gedankenspiel mal weiter spielen, sähe Deutschland hier so aus:

Da haben wir die Gibb River Road. Stellt Euch diese als die Autobahn Stuttgart-Bremen vor. Das kommt von der Länge ungefähr hin. Das wäre die einzige Straße in ganz Deutschland, die keine Stichstraße ist. Natürlich ist sie nicht geteert wie eine Autobahn. Sondern geschottert. Je nachdem, wieviele Wochen vergangen sind, seit die Planierraupe das letzte Mal die Oberfläche begradigt hat, ist die Piste der Gibb auch ziemlich stark geriffelt. So stark, dass es nur 2 Möglichkeiten gibt, die 659 km lange Strecke einigermaßen bequem zu befahren:

  • 15 km/h!
    Mit dieser Geschwindigkeit wird langsam jede einzelne Bodenwellen ausgefahren. Dadurch spart man sich, alle 10 Zentimeter durchgeschüttelt zu werden. Geht, aber – geht ewig!
  • 90 km/h!
    Mit genügend Schwung wird über die Piste gebrettert und dabei quasi auf den Kuppen über die Bodenwellen drüber geflogen. Sitzt sich dann ganz bequem. Allerdings ist diese Variante ein echter Härtetest für alle möglichen Fahrzeugteile und alles im Fahrzeug vibriert. Lautstark. Jepp – natürlich ist das die Option, die wir gewählt haben 😀 Unseren Lion King haben wir schließlich nicht nur aus Spaß gekauft – hier durfte er mal beweisen, was in ihm steckt! Und er hat es mit Bravour gemeistert – allerdings sahen wir einige andere Jeeps mit gebrochenen Stoßdämpfern liegen bleiben.

WennNasse Füße vor einem der große Rindertransport fährt, wird auch mal kilometerlang nur mit 30 km/h gefahren. Drängeln tut hier keiner. Dafür grüßen sich die Fahrer beim entgegen kommen auf der Straße gegenseitig meist per Hand heben. Wenn nicht gerade durch den voraus fahrenden LKW soviel Staub aufgewirbelt ist, dass man sowieso nichts sieht.

Bleiben wir beim Beispiel Deutschland. Die 16 Bundesländer sind die über das Bundesgebiet verteilten Farmen. Das stimmt auch in Bezug auf die Grundstücksgröße ganz gut überein. Während einige Bundesländer gerne Besucher aufnehmen, Zwischen Stalktiten im Tunnel Creekmachen andere lieber ihr eigenes Ding und sehen sich wie Bayern auch gerne scherzhaft als eigenes Land 😉 So ist es hier mit dem nordöstlichen Gebiet der Aborigines-Gemeinden, das nicht ohne vorher eingeholte Sondergenehmigung bereist werden darf.

Von der einzigen öffentlichen Straße Stuttgart-Bremen zweigen an wenigen Stellen kleinere, schlechter ausgebaute Straßen zu den örtlichen natürlichen Sehenswürdigkeiten wie den Schwarzwald, die Mecklenburgische Seenplatte oder den Thüringer Wald ab. Es sind allerdings Stichstraßen. So kann es schonmal vorkommen, dass man für ein abkühlendes Bad in einer Schlucht erst 3 Stunden in die eine Richtung und anschließend auf der anderen Spur wieder 3 Stunden zurück in die Richtung fährt, aus der man gekommen ist.

Mitchell FallsWill man nach Hamburg, fährt man dafür noch etwas länger – nämlich nochmal 162 km holprig-geschotterte Kilometer. Das ist dann der nördlichste und abgelegenste Punkt, den man ohne Boot, Flugzeug oder Sondergenehmigung erreichen kann. Die Attraktion hier sind die weltweit größten Gezeitenunterschiede mit einem Höhenunterschied von bis zu 11 Metern. Das ergibt an einer Engstelle einen beeindruckenden horizontalen Wasserfall, durch den sich die Wassermassen pressen. Wie das in Hamburg so ist, sieht man aber leider nur die Elbe und nicht das Wattenmeer. Um den horizontalen Wasserfall zu sehen, müsste man in einen der Helikopter steigen, mit denen man Rundflüge unternehmen kann. Oder einem genügt Die 4-stufigen Mitchell Fallsdie kleine Hafenrundfahrt, die hier eine halbtägige Wanderung zu den -vertikalen- Mitchell Wasserfällen ist. St. Pauli ist der Picknicktisch auf dem kleinen hiesigen Campingplatz. Anders als auf dem Kiez kommt es aber eher selten zu alkohol-bedingten Ausfällen. Es gibt nämlich in ganz Deutschland keine Möglichkeit, Alkohol zu kaufen. Da will der als Vorrat in Italien eingekaufte Karton mit 36 Dosen Bier schon eingeteilt werden. Den nächsten Getränkemarkt gibt es nämlich erst wieder in Schweden.

Wie das so ist in Deutschland, sind einige Bundesländer in Sachen Natur mit mehr Attraktivität gesegnet worden als andere. Während nicht unbedingt jeder Besucher an die hessische Rhön fährt, zieht es schon mehr Touristen nach Baden-Württemberg zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands. Natürlich lässt sich BW das bezahlen. So ist es hier mit den Schluchten. Liegt eine Schlucht nicht in einem der vereinzelten Nationalparks, sondern zufällig auf einem der privaten Grundstücke, wird eine kleine bis größere Gebühr an den Grundstücksbesitzer zur Benutzung seiner Straßen und als Eintrittspreis fällig.

In der Hauptstadt wohnen statt 3,5 Millionen Menschen nur etwa 500 Einwohner. Diese setzen sich zusammen aus den Bewohnern des kleinen Aborigines Dorfes und der Tankstelle, die beieinander ungefähr auf halbem Wege an der Straße Stuttgart-Bremen liegen. Bleiben wir noch etwas bei Berlin: Was dort der Ku´damm ist, ist hier die Flussüberquerung des Pentecost Rivers. Mit einer beeindruckenden Breite und dennoch überschaubar eignet er sich hervorragend zum sehen und gesehen werden. Und natürlich zum Erinnerungsfotos schießen. Daher fahren viele (wir natürlich auch 🙂 ) gleich dreimal durch den Fluss.

Lion King vor seiner bisher herausfordernsten Flussüberquerung

Anstelle des KaDeWes ist die kleine Tankstelle bei Einheimischen wie Touristen die erste Adresse für den Einkauf. Hier gibt es überteuerte Snacks, einen angeschlossenen Minimarkt mit einem bunten Sortiment von Jeans über Kühlschränke bis zu Schubkarren und je eine Zapfsäule für Benzin bzw. Diesel.

Die Hauptattraktion ist zwar kein Fernsehturm, hat allerdings auch mit Kommunikation zu tun: Es ist der Münzfernsprecher, der an der Außenwand des blechernen Tankstellengebäudes angebracht ist. Das ist nämlich die einzige Möglichkeit in Deutschland, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Handynetze gibt es schlicht nicht.

Woran es in Berlin noch hapert, nämlich am zügigen Flughafenbau, haben die Einheimischen aus der Notwendigkeit heraus besser im Griff. So verfügt eigentlich jede der 16 Farmen über eine eigene Start-/Landebahn. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass keine überdimensionalen Terminals und sonstiger Schnickschnack dazugebaut wird. Einfach eine ebene Piste auf der riesigen Sandebene planieren, und fertig.,

Das ist auch wichtig, weil das oft in der Kritik stehende Gesundheitssystem tatsächlich noch lange nicht befriedigend ausgebaut ist. Es gibt in Deutschland keine Krankenhäuser. Auch keine Arztpraxen. Wenn Not am Mann ist, müssen die Fliegenden Doktoren aus dem Nachbarland einfliegen. Da ist man also lieber vorsichtig, nur in als krokodil-sicher eingestuften Gewässern zu baden. Sonst herrscht aber nicht viel Gefahr.

Das einzige überlebende Großraubtier Deutschlands ist der Dingo. Der klaut zwar schon mal (unsere) Turnschuhe, hält sich aber ansonsten eher von Menschen fern. Und nachts ist es so leise, dass man ihn sogar manchmal in der Ferne heulen hören kann. Und weil es keine störenden Straßenbeleuchtungen gibt, ist es nachts auch so dunkel, dass der Himmel nur so funkelnd vor Millionen von Sternen. Da macht es auch nichts aus, zum aufs Klo gehen die Taschenlampe mitzunehmen, damit man die grasenden Kühe im Busch rechtzeitig sieht. Und wenn man mehr Licht braucht, kann man ja immer noch ein Lagerfeuer aus dem vielen trockenen Holz anzünden, dass hier überall verstreut liegt. Das macht man als Einheimischer nämlich so. Gleichzeitig ist das dann auch der Herd zum Stockbrot backen und Lammkotletts grillen. Und morgens wird in der noch heißen Glut das Wasser für den ersten Kaffee gekocht, der unter dem durch die fehlende Luftverschmutzung strahlend blauen Himmel gemütlich getrunken wird…

Es ist also eigentlich ganz schön hier. In Deutschland…oder den Kimberleys. Wie auch immer man das jetzt nennt 🙂

So wunderschön sind die Sonnenuntergänge im Outback

We go wild!

We go wild!

Nur Wir. In Lion King. Abgeschnitten von jeglicher menschlichen Zivilisation. Um uns herum die wilde Natur. Den Kompass immer fest in der Hand bzw. auf dem Armaturenbrett. Nur vereinzelt andere mutige Jeep-Abenteurer. Die einzigen Fußspuren die von Crocodile Dundee.

In etwa so haben wir uns die Kimberleys Wilderness im hohen Nordwesten Australien´s vorgestellt. Dieses riesige, weitgehend unbesiedelte Gebiet ist größer als die Fläche Deutschlands! Im Süden eingerahmt vom Great Northern Highway gibt es mittendurch nur eine 659 km lange Schotterpiste. Die Gibb River Road! Diese ursprüngliche Viehroute ist nur während der Trockenzeit befahrbar, da sie in der Regenzeit von November bis Mai meist unpassierbar ist. Ein Allradfahrzeug ist auch im Sommer immer zu empfehlen, da zahlreiche Flüsse zu durchqueren sind. Große Teile der Kimberleys sind ganzjährig nur mit dem Flugzeug oder per Boot zugänglich.

Uns war von unserem ersten Tag in Australien an klar: da wollen wir hin! Viel haben wir also im Vorfeld recherchiert. Und uns einen Jeep gekauft. Einstimmiger Tenor aller Quellen: Auf jeden Fall soviel Wasser und Essensvorräte mitnehmen, dass man im Falle eines Falles (wie Panne, unpassierbare Flüsse, Wetterumsturz ect.) mindestens eine Woche lang überleben kann. Ebenso sollten 2 Ersatzreifen (wir haben immerhin 1 Ersatzrad), einen High Lift Jack (eine Art überdimensionaler Wagenheber – wir haben einen Wagenheber), diverse andere Werkzeuge und genügend Benzinreserven an Bord sein, bevor man sich auf die Strecke begibt.

Den laotischen Dschungel und die tasmanische Wildnis noch gut vor Augen, erwägen wir vorab, in ein Satellitentelefon oder ähnliches zu investieren, um im Notfall eine Verbindung zur Zivilisation herstellen zu können.

WIE WILD IST DIE WILDNIS?

Wir stutzen aber, als wir uns im Info-Center in Broome informieren, wo wir ein Satellitentelefon oder ähnliches Gerät herbekommen. Die freiwillige Helferin, die sich um die wenigen Infosuchenden unter den Scharen an Besuchern kümmert, die keine fixe Tour in die Kimberleys buchen wollen, sagt uns mit einem Lachen, dass das nicht notwendig sei. „Solange ihr nicht vollkommen verrückt durch die Wildnis fahrt, wird es nirgendwo länger als einen Tag dauern, bevor jemand anders dieselbe Strecke entlang kommt.“ Uuui! Das hatten wir nicht erwartet!

Hier im Info-Center lesen wir auch, dass die Kimberley Wilderness von Lonely Planet zur Wildnis des Jahres 2014 gewählt wurde. Da kommen uns erste Zweifel an der Wildheit dieser Wildnis 😀 Nichts gegen die Bibel unter den Reiseführern für Individualreisende – auch wir sind schon in einigen Ländern unserer Weltreise gut und gerne mit deren Auflagen gereist – aber es ist eben so: Wenn etwas erstmal im Lonely Planet steht, verkürzt sich seine Lebensdauer als Geheimtipp rasend schnell! 😉

Darüber hinaus erfreut sich die Gibb auch unabhängig von Lonely Planet in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit unter Abenteurern und Off-Road-Fahrern. Mit ihrem Ruf als eine der letzten großen Herausforderungen des australischen Outbacks juckt es viele Abenteurer unter den Fingern, auf ihr das wilde Herz der Kimberleys durchqueren… Wie uns auch.

So machen auch wir uns gut ausgerüstet auf den Weg. Hauptattraktionen der Kimberleys sind faszinierende Schluchten, Jahrtausende alte Felsenmalereien der Aborigines, Flüsse und schlicht und ergreifend das Erleben der Wildnis. Unser erster Eindruck von der Landschaft ist: trocken! Während der Trockenzeit färbt sich das weitläufige Grasland der Savanne in ein gelbes Sträuchermeer. Buschbrände sind hier keine Seltenheit. In der Regenzeit sieht das ganz anders aus und zeitweise ist das meiste Land überflutet. Wir sind noch relativ früh in der Trockenzeit hier und sehen neben dem offenen Grasland, auf dem Rinder grasen und mannshohen Termitenhügeln auch noch grüne Bäume und Palmen in den luftigen dünnen Tropenwäldern. Und eine uns bisher unbekannte Baumart finden wir ganz toll: Flaschenbäume! Sie sind mit den afrikanischen Affenbrotbäumen verwandt und eines der Wahrzeichen des tropischen Norden Australiens. In der Zeit der frühen europäischen Siedler wurden die hohlen Stämme auch des Öfteren einfach mal als Gefängniszellen genutzt.

ENTLANG DER GIBB RIVER ROAD

Unser erstes Ziel nach 124 km auf der Gibb und 37 km entlang einer Stichstraße ist die Windjana Schlucht. Vor 350 Millionen Jahren ursprünglich als Riff entstanden, ragen die kilometerlangen Felswände heute 90 Meter hoch steil in den Himmel auf. Das ist allerdings nur ein Bruchteil ihrer Größe – denn 900 weitere Meter graben sich unterirdisch in die Erde! In der Regenzeit ist die Schlucht geflutet, in der Trockenzeit geht der Fluss darin bis auf einige stehende Pools zurück. An diesen kann man an den beeindruckenden Felsen entlang laufen – und mit etwas Glück wie wir versteinerte Tintenfische und andere Fossilien im Gestein entdecken. Die eigentliche Sehenswürdigkeit aber sind die noch lebenden Tiere. Denn im Wasser der Windjana Schlucht leben Süßsasserkrokodile! Sicher 30 der zwischen 50cm und 2 Meter langen Tiere sehen wir im Flussbett nur wenige Meter von uns entfernt in der Sonne baden. Anders als die bis zu 5 Meter langen Salzwasserkrokodile greifen „Freshies“ (=freshwater crocodiles) nnormalerweise keine Menschen an. Wir halten trotzdem respektvollen Abstand 🙂

Schon nach weiteren 37 km auf der Stichstraße sind wir an unserem zweiten Ziel, dem Tunnel Creek. Ein 750 Meter langer Tunnel, Teil des weit verzweigten Höhlensystems im Inneren des Riffes, durch den ein Fluss auf die andere Seite führt. Die einzige Lichtquelle darin kommt von unserer Taschen- bzw. Stirnlampe. Vorsichtig waten wir im Dunkeln durch das knietiefe Wasser, um nicht versehentlich einem Süßwasserkrokodil auf den Kopf oder Schwanz zu treten. Die leben nämlich ebenfalls hier. Wir sehen aber keine. Dafür sehen wir toll geformte Stalaktiten.

Als wir zurück zum Parkplatz laufen, sehen wir etwas Anderes: Tourbusse! Gleich 3 knallrote der mit Allrad ausgerüsteten Exemplare stehen auf dem kleinen Parkplatz. Davor verspeisen die Insassen das von der Gruppenleiterin zubereitete Picknick auf den im Gepäck befindlichen Klappstühlen und -tischen. Wir hoffen, die Wildnis wird noch wilder!

Die Nacht verbringen wir einige Kilometer weiter im Flussbett des Lennard Flusses. Dessen breites Flussbett aus Kieselsteinen ist ausgetrocknet (wichtig, da Krokodile und so!:-) ) und die einzigen sichtbaren Tiere um uns herum sind laut kreischende Corollas (eine Art Kakadus) und Moskitos.

Eine 30 km lange Stichstraße und ein 2 km langer Spaziergang bringen uns am nächsten Morgen in die wunderschöne Bell Schlucht. Hier fließt ein breiter Fluss entlang der glutrot leuchteten Felswände. Wir steigen in die Schlucht ab und schwimmen im herrlich erfrischenden, glasklaren Wasser. Hier treffen wir auch einige andere Traveller, die ebenfalls von den Felsen in die Pools springen und im Wasser planschen. Als wir aber unterhalb des Wasserfalls einige Hundert Meter flussabwärts schwimmen, sind wir schon bald ganz allein an einem zweiten, ebenfalls wunderschönen Wasserfall. Nur ein großer Goana sonnt sich hier auf den heißen Felsen.

Diese Nacht schlagen wir unser Lager an einer kleinen Quelle auf. An einem Baum hängt eine Seilschaukel, die schon andere vor uns gebastelt haben. Schwimmen gehen wir allerdings nicht. Krokodile und so 🙂 Wir machen ein Lagerfeuer und lauschen den Geräuschen der Natur um uns herum.

Am nächsten Tag stehen zwei weitere Schluchten auf unserem Programm. Morgens machen wir einen kurzen Spaziergang – entgegen der Warnung eines wartenden Busfahrers (es hat immer noch Tourbusse!) in Flipflops – in die Galvans Gorge, an deren Ende ein hufeisenförmiger Pool mit Wasserfall und Tarzanschaukel auf uns wartet. Ach ja, der mit Kieselsteinen ausgelegte Weg war sehr gut in FlipFlops zu bewältigen. Wir sind aber wahrscheinlich auch besser zu Fuß als die Gruppenreisenden, die wir so sehen.

Mittags kühlen wir uns nach einer 2 km kurzen Wanderung durch das felsige Grasland in der gleisenden Mittagssonne in der Manning Schlucht ab. Um hierhin zu gelangen müssen wir aber zunächst in einer Barke zum ziehen den Fluss überqueren. Wir haben Spaß 😀 Am Ende der Schlucht erwartet uns ein hoher Wasserfall und darunter ein erfrischender Pool. Wir springen von den Felsen, schwimmen hinter den Wasserfall und unterhalten uns mit anderen Reisenden. Unseren Schlafplatz am Anfang der nächsten Schlucht, den wir uns ausgeguckt haben, haben auch andere entdeckt und so verbringen wir diese Nacht in wilder Campingplatz-Atmosphäre.

Nach einem erfrischenden Bad in der Barnett River Schlucht am nächsten Morgen erreichen wir nach 416 km Schotterpiste die Abzweigung zur Kalumburu Road. Diese führt auf nochmal 160 geschotterten Kilometern zu den Mitchell Falls, ein spektakulärer vierstufiger Wasserfall ganz im Nordwesten der Kimberleys, der vor allem zu Beginn der Trockenzeit beeindruckend ist. Nach kurzer Überlegung, ob wir wirklich je einen halben Tag noch holprigere Schotterpiste hin und zurück (es ist eine Stichstraße) fahren wollen, um einen Wasserfall zu sehen, machen wir es natürlich! 🙂  Davor tanken wir noch zu einem Rekordpreis unseren Jeep voll. Sprit ist in den Kimberleys teuer. Aber darüber beschwert sich hier niemand. Schließlich muss er auch über 700 km Schotterpiste her transportiert werden. 100 km rüttelnde „Wellblechpiste“ bringen uns an diesem Tag noch bis zu einer besonderen Stätte mit beeindruckenden, in dieser Form einmaligen Aborigines Malereien im Windjana-Stil.

Nach einem weiteren Tag auf der Straße und einer kurzen Wanderung zu den Little Mertens Falls laufen wir 2 Tage später schon frühmorgens los, um vor der Mittagshitze die mit 2-3 Stunden angegebene Wanderung zu den Mitchell Falls zu laufen. Wir brauchen nur 1,5 Stunden hin. Obwohl wir dort in einem absolut abgelegen Winkel unserer Erde sind, will kein rechtes Wildnisgefühl aufkommen. Zu oft hören wir über uns das laute Motorengeräusch der Hubschrauber, mit denen von hier Rundflüge über das wilde Gebiet unternommen werden können. Kurz überlegen wir uns auch, uns von noch nicht eingelösten Geschenken einen Rundflug zu gönnen, aber eigentlich ist uns hier das schon fast zu touristisch. Dennoch ist die Aussicht über die weite bewaldete Ebene toll. Wir sehen auch hier einen Tourbus. Direkt nach der Rückkehr von unserer Wanderung machen wir uns auf die Rückfahrt, um noch am selben Tag das ärgste Stück zu schaffen und zurück auf die Gibb zu kommen. Nach 4 Stunden Fahrt reicht es uns aber dann auch. Es rattert in unseren Ohren. In dieser Nacht hören wir einen Dingo heulen.

Am nächsten Tag wartet noch die Durchquerung des Pentecost Flusses auf uns, eines der bekanntesten Fotomotive der Gibb River Road. Dieser Fluss ist der breiteste, den wir dahin in den Kimberleys durchfahren haben und an der tiefsten Stelle ca. 40 cm tief. Wir hatten ihn uns tiefer vorgestellt. Er kann aber auch anders! Kurz nach der Regenzeit ist er nur von Fahrzeugen mit Schnorcheln passierbar. Auf dem weiteren Weg passieren wir die Cockburn Ranges. Obwohl noch einige weitere Schluchten auf den letzten 250 km liegen, lasse wir diese links liegen. Diese werden von einem „Wilderness Park“ gemanagt, der sich den Zugang zu ihnen extra bezahlen lässt. So erreichen wir noch am selben Nachmittag das kleine Örtchen Kununurra auf der östlichen Seite der Kimberleys.

Nach 7 Tagen auf der Gibb River Road ist damit unser Abenteuer Kimberleys Wilderness zu Ende.

Unser Fazit:

Eine Wildnis kann bedeuten, dass man Angst vor wilden Tieren haben muss, sich selbst orientieren muss und von jeglichen anderen abgeschnitten ist. Muss es aber nicht. Es kann auch einfach bedeuten, dass es auf einer Fläche größer als Deutschland nur eine geschotterte Straße, keinen Handyempfang, keine Supermärkte, nur eine Handvoll Farmen, 2 Aborigines Gemeinden und nur 2 Tankstellen gibt.

Trotzdem ist diese Wildnis auf jeden Fall immer noch eine Wildnis.

Es ist auf jeden Fall ratsam, genügend Nahrung und Trinkwasser mitzunehmen, um im Notfall eine Woche überleben zu können. Die Chance ist aber groß, dass dies nicht eintreten wird. Im schlimmsten Fall wird es richtig teuer – z.B. wenn das Auto 400 km abgeschleppt werden muss. Auch nicht schön, aber sicher nicht lebensbedrohlich. Auch die Flussüberquerungen waren spaßig und abenteuerlich, aber keine echte Herausforderung. Wir kamen überall gut durch. In oder kurz nach der Regenzeit ist das aber sicher nochmal eine andere Nummer!

Wir fanden die gesamte Strecke gut befahrbar, die Wellen in der geschotterten Piste waren nirgends unüberwindbar… Wir sind aber auch nicht mehr ganz grün hinter den Ohren was Offroadpisten angeht und schon so manche Buckelpiste in Australien gefahren. Die Maßstäbe sind hier anders als in Europa. Wir haben auch andere Reisende getroffen, die die Piste unerträglich fanden und trotz Allrad umgekehrt sind.

Wir sind gespannt auf das Amazonas-Gebiet in Süamerika. Auf die Wildnis. 🙂

Broome – die tropische Oase aus dem Westernfilm

Broome – die tropische Oase aus dem Westernfilm

Eines der längsten Teilstücke auf unserem Roadtrip entlang der Westküste Australien´s ist der Abschnitt vom Karijini Nationalpark nach Broome. 850 Kilometer dazwischen liegen hauptsächlich Abermillionen roter Sandkörner. Nach den ersten 300 km sind wir zurück an der Küste und erreichen Port Headland. Schon von weitem sind weisse Berge in der Hafennähe sichtbar. Nanu, Schnee? Weisse Sanddünen? Ne, beides nicht! Es sind Salzberge! Hier werden ca. 5 % des weltweiten Salzbedarfes produziert und exportiert. Daneben wird im großen Hafen Eisen aus einigen der weltgrößten Eisenminen auf einige der weltgrößten Cargochiffe verladen. Viele Superlative, keine persönlichen Highlights für uns. Deshalb lassen wir Port Headland nach einer Dusche im Freibad, Internet in der Bibliothek und einem guten Kaffee recht zügig wieder hinter uns. Die Nacht verbringen wir zum ersten Mal auf einem 24-Stunden-Parkplatz. Diese sind zahlreich entlang des Great Northern Highways. Auf den großen Arealen, die meist mit Plumplsklo und Picknicktischen ausgestattet sin, darf kostenlos 1 Nacht lang Rast gemacht werden. Meist wird das von vielen Reisenden genutzt, auch hier ist abends recht viel los. Ein Wohnmobil reiht sich ans nächste und vor allem die Stellplätze entlang des Flusses sind sehr beliebt. Da wir aber schon genug Bekanntschaft mit den ebenfalls vorzugsweise am Wasser vorhandenen westaustralischen Mosquitos gemacht haben und zusätzlich ein großes Schild vor Krokodilen im Fluss warnt, suchen wir uns für diese Nacht lieber einen Schlafplatz abseits auf weitem Feld 😀 Das hilft sehr gut gegen fiese Mossi-Stiche, aber nicht gegen den lärmenden Generator unseres Nachbarn.

Ausgeschlafen geht es am nächsten Morgen nach einem guten Kaffee weiter auf die restlichen 600 km nach Broome. Hatten wir auf dem Highway in der Pilbarra meist nur beladene Roadtrains und Minenfahrzeuge gesehen, überholen wir jetzt immer mehr Wohnmobile und Autos mit Wohnwägen. Landschaftlich ist die Strecke nicht sooo abwechslungsreich. Rote Steppen wechseln sich ab mit dünn bewaldeten Ebenen. Obwohl der Highway direkt am 80 Meilen langen gleichnamigen Strand entlang führt, ist dieser von der Straße aus nie zu sehen. Nur 2 geschotterte Stichstraßen führen zum Meer. Natürlich nehmen wir eine davon und picknicken am schööönen laaaaangen Sandstrand. Das Schwimmen lassen wir wegen der hohen Population an Haien an diesem Küstenabschnitt aber lieber brav sein 😉

Weiter geht´s. Gerade rechtzeitig kommen wir gegen Abend in Broome an. Gerade rechtzeitig heißt: auf die Minute genau zum Sonnenuntergang! 😀
Broome ist nämlich nicht nur mit einem ganzjährig tropisch warmen Klima gesegnet, sondern außerdem noch mit dem 22 km langen, 100 m breiten, goldfarbenem Cable Beach. Und an diesem kann man ausgezeichnet miterleben, wie die Sonne als glutorangener Ball tagtäglich langsam im Meer versinkt und dabei den kompletten Horizont in ein leuchtend rotes Farbenmeer verwandelt. Schööööön. Da wir außerhalb der Stadt und der hiesigen Aborigines Gemeinden sind, lassen wir nach dem herrlichen Sonnenuntergang einfach etwas Luft aus unseren Reifen, fahren an den 2 picknickenden Familien am Strand vorbei und schlagen 2 Kilometer weiter unser Nachtlager mitten auf dem herrlichen Strand auf. Um uns herum nur Sand und Meer und über uns eine Million funkelnder Sterne.

Als wir am nächsten Morgen vom Strand ins Stadtzentrum fahren wollen – bleiben wir stecken! Aus unerfindlichen Gründen hat sich unser Allrad nicht eingeschalten und Lion King gräbt sich immer tiefer in den weichen Sand ein. Und dann sitzen wir auch schon auf. Jetzt hilft nur noch eins: buddeln! Nach gefühlten 100 Schaufeln Sand und mit Zweigen, Steinen und Fußmatten unterlegten Hinterrädern kommen wir schließlich doch wieder vom Fleck und ins Zentrum von Broome.

Broome ist die einzig nennenswerte Stadt im Nordwesten Australiens. Neben 2 Supermärkten gibt es einen Flughafen, einen Zoo, ein Vogelobservatorium, Perlfarmen, eine kleine Fußgängerzone und ein Mangrovenwäldchen (oh, und einen Dinosaurier-Fußabdruck, den man bei niedrigster Ebbe sehen kann. Leider nicht, als wir dort waren). Und genau das macht es uns so sympathisch. Obwohl hier viel mehr Touristen sind als wir in den letzten Wochen sahen, ist die Atmosphäre in der Kleinstadt sehr entspannt. Ob das an den heißen Temperaturen und der gleißenden Sonne liegt? Broome wird als exotische Oase vermarktet. Seinen Anfang nahm die kleine Siedlung Ende des 19. Jahrhunderts. Von hier ging Australien´s 1. Übersee-Telefonkabel auf dem Meeresboden bis nach Jakarta im damaligen Batavia – heute Indonesien. Zur internationalen Berühmtheit brachte es Broome aber, als vor der Küste Perlgründe entdeckt wurden. Die meisten Perltaucher stammten aus Asien. Das asiatische Erbe ist bis heute in der Stadt sichtbar, obwohl die Perlindustrie mit Beginn des 2. Weltkrieges – als die fast ausschließlich japanischen Taucher an die Front abgezogen wurden – fast vollständig zusammenbrach. Broome´s kleines Stadtzentrum ist „Chinatown“ – allerdings hat das ungefähr soviel mit China zu tun wie das chinesische Restaurant in der Stuttgarter Fußgängerzone 😉
Auf uns macht die Stadt eher den Eindruck einer verschlafenen Western-Stadt. Die Gebäude haben lange überdachte Holzveranden, die um die ganzen Gebäude gehen und in der Mittagshitze Schatten und Kühle spenden. Davor stehen Palmen, durch deren Blätter ganz leise der Wind rauscht. Die Bewohner tragen breitkrempige Cowboyhüte und das Leben ist langsam. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum fahren wir wieder an den Cable Beach. Das einzig vernünftige bei der Hitze 🙂 Auf einem kurzen Abschnitt patrouillieren Rettungsschwimmer und es kann ohne Schielen nach Haien, Krokodilen oder Quallen geplanscht werden.

Wirklich exotisch finden wir die Kamele, auf denen geführte Ritte auf dem Strand unternommen werden können. Nachdem wir uns noch gut an unsere Kamelritte in der Mongolei erinnern, entscheiden wir uns der Bequemlichkeit halber für einen Strandritt mit Lion King 🙂

Diesen parken wir wieder einfach einige Kilometer oberhalb des Hauptabschnittes zwischen den Dünen. Wir packen den Grill aus, machen uns ein Bier auf und genießen einen weiteren von Broome´s unglaublich schön anzusehenden Sonnenuntergängen. Als die Sonne schließlich als glutroter Leuchtball am Horizont im Wasser versinkt, springen genau davor Delfine durch das Wasser. Es ist fast zu kitschig, um wahr zu sein – Walt Disney könnte es nicht besser hinbekommen…! 😉

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Spektakuläres Farbspiel der Natur – Der Karijini Nationalpark

Ka-ri-ji-ni! Schon der Name klingt exotisch, vielversprechend und irgendwie besonders. Und genau das ist der Karijini Nationalpark!

Gute 600 km von der Küste entfernt liegt er mitten im Herz der Pilbarra Region in Westaustralien. Und obwohl die Strecke Exmouth-Port Headland mit diesem Schlenker gute 200 km länger ist als deren Entfernung entlang des Küsten-Highways, entschieden wir uns, eine kleine Pause vom Meer einzulegen. Und den „Umweg“ haben wir keine Sekunde lang bereut.

Der Karijini reißt uns durch seine atemberaubende, einzigartige Landschaft in seinen Bann:

Dramatische rote Schluchten. Gewaltige Felsen in den bizarrsten Formen. Von Farnen und Palmen gesäumte Wasserfälle, die in tiefe, enge Canyons hinabstürzen. Versteckte natürliche Pools am Boden der Schluchten, in die wir teilweise nur gelangen, wenn wir im Wasser watend dem Flusslauf folgt. Darüber das Schatten spendende Blätterdach von weissen River Red Gums (weissstämmigen Eukalyptusbäume) und Paperbark Trees (Teebäume), das leise im Wind rauscht. Phänomenal!

Was wir auch sehr charmant finden: Anders als z.B. der Kalberri NP ist der Karijini nicht zugepflastert, sondern schön naturbelassen. Wir haben bei unserem Besuch strahlenden Sonnenschein. Regen fällt hier in der Wüste Westaustraliens nur sehr selten, aber wenn, dann sind die Wege schnell unpassierbar. Denn die Straßen des Park sind größtenteils – mehr oder weniger stark gerillte – Schotterstraßen. Da hüpft es sich auch bei gutem Wetter im Allradfahrzeug bequemer auf und ab 🙂

Bevor wir im Westen auf die eine Durchgangsstraße des Park einfahren, passieren wir 90 km vorher die kleine Minenstadt Tom Price. Der einzige Ort mit einem großen Supermarkt, einigen Shops und Handyempfang im Umkreis von ca. 600 Kilometern. Abgebaut wird hier eines der weltweit größten Eisenerz-Vorkommen. Wir machen frühmorgens für Lion King zum Aufwärmen noch einen kurzen Ausflug auf den mit 1.100 Metern höchsten per 4WD befahrbaren Berg Westaustraliens. Es dauert gut eine halbe Stunde, bis wir unseren Jeep die 2 km über die holprige Geröllpiste hinaufgequält haben. Oben wartet eine tolle Aussicht über die Hamersley Gebirgskette auf uns.

Mit frisch aufgefüllten Lebensmittelvorräten geht es anschließend los. Unsere ersten Halts im Park sind der Junction Pool Lookout und der Oxer Lookout. An dieser Stelle kreuzen sich gleich 4 Schluchten – die Weano, Hancock, Joffre und die rote Schlucht – was einen grandiosen Anblick ergibt.

In der Mittagshitze leuchten die steil abfallenden Felswände der Schluchten glutrot. Uns ist heiß und nach einem kurzen Lunch auf dem Parkplatz machen wir uns auf den Abstieg in die Weano Schlucht. Der Trampelpfad hinunter ist schmal und gleich daneben geht es steil in die Tiefe. Mehrere tödliche Unfälle haben sich in den Schluchten leider bereits ereignet. Vor allem bei Regen herrscht Absturz- und Sturzflutgefahr. Wir sind froh, an diesem Tag (ausnahmsweise) wie fast überall angeraten und von uns meist (und oft zurecht) leichtmütig ignoriert in festen Sneakers statt in FlipFlops unterwegs zu sein. Nach einer guten halben Stunde kommen wir am Boden des Canyons an.
Jetzt heißt es: Zehen ins kalte Wasser strecken. Wir folgen einem herrlich klaren – und eiskaltem – Flusslauf. An manchen Stellen ist das Wasser nur knietief, an anderen schwimmen wir durch die schmale Schlucht. Um uns herum die schönste Szenerie die wir uns vorstellen können. Wenn wir die Augen schweifen lassen, sehen wir magentarote Felswände, die fast 100 m direkt neben uns steil und majestätisch in den Himmel aufragen. Im lebendigen Kontrast dazu leuchtend grüne Palmen die zwischen den Felsen hindurch lugen. Und weissrindige Eukalyptusbäume, die Schatten spenden. Das kalte Wasser ist angenehm. Immer weiter folgen wir dem Fluss von Pool zu Pool und der Canyon wird immer schmaler. Ein bisschen kommen wir uns vor wie Indiana Jones auf Abenteuertour durch unentdecktes Terrain.

Teilweise ist die Schlucht so eng, dass wir nur hintereinander und im „Spinnengang“ kraxeln können, also jeweils ein Bein und einen Arm an jeder Seite der Felswand abstützen und uns diagonal vorwärts bewegen.

Am Ende wartet zur Belohnung und hinter Felsbroken versteckt der klarste natürliche Pool, den man sich vorstellen kann. Kreisrund und einladend liegt er vor uns, der Handrail-Pool. Bevor wir hinein springen können, müssen wir uns zuerst noch 2 Meter an einer Metallstange über die glatten Felswände nach unten hangeln. Und dann nichts wie hinein ins kühle Nass! Herrlich erfrischend. Dagegen kann jedes Freibad einpacken 😉

Später am Abend machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Wasserfall in die Kalamina Schlucht, bevor wir am Rande von einem der Parkplätze kochen, ein Glas Wein trinken und bis tief in die Nacht Sterne schauen.

Am nächsten Morgen statten wir dem informativen und super aufgebauten Info-Center des Parks einen Besuch ab. Interaktive Displays zu den Themenbereichen Tier, Natur & zum frühen Leben der Aborigines sowie der ersten europäischen Siedler der Region lassen uns hier länger als geplant verweilen.

Deshalb ist es schon später Vormittag und entsprechend heiß (wobei die winterlichen 30 Grad nichts gegen die bis zu 50 Grad C sind, die hier in den Schluchten in den Sommermonaten herrschen), als wir uns auf in die Dales Schlucht machen. Der gut einstündige Pfad hinab in die beliebteste Schlucht des Parks ist schon erheblich mehr ausgebaut, abgesichert und nicht so anspruchsvoll wie tags zuvor in die Weano Schlucht. Dementsprechend treffen wir auch mehr Besucher am Fuße der Schlucht – wenn auch noch lange keine Massen. An den wunderschön über die Felsen plätschernden und beliebten Fortescue Wasserfällen machen wir nur kurz Rast, bevor wir einem kleinen, unausgeschilderten Trampelpfad zum Fern Pool folgen. Dieser wunderschöne tiefe Pool, der von Zwillings-Wasserfällen gespeist wird und so klar wie kalt ist, liegt eingebettet zwischen großen Eukalyptusbäumen und von Palmen gesäumt. Wir sind fast allein hier und die Atmosphäre an dieser versteckten Oase ist irgendwie besonders. Für die hiesigen Aborigines ist dieser Pool ein heiliger Ort – uns wundert es nicht, die Magie dieses Ortes ist fast spürbar.

Nach einem wunderbar erfrischenden Bad laufen wir die Schlucht entlang bis diese nach ca. 2 Stunden plötzlich abrupt endet und wir vor einem weiteren herrlichen Pool stehen. Auch der Circular Pool haut uns schier von den Socken – das Farbenspiel der Natur ist grandios: das tiefe Wasser des Pools schimmert grünlich (obwohl es absolut klar ist und sich kleine Fische darin tummeln), die senkrecht im Halbkreis aufragenden Felswände leuchten rot wie glühende Lava und der Himmel ist strahlend blau! Alles wirkt super intensiv!

Nach diesem Erlebnis glauben wir nicht dass eine weitere Schlucht das noch übertreffen kann und fahren spätnachmittags im Osten aus dem Park hinaus. Vor uns liegt ein kunstvoll durch die Gebirgszüge gehauener Highway, den wir uns nur mit riesigen Minenfahrzeugen und laaaaaangen Roadtrains teilen müssen. Es warten 300 km tiefrote Erde auf uns, bevor wir bei Port Headland wieder die Küste erreichen.

Der Karijini zählt auf jeden Fall zu unseren bisherigen Favoriten unter den australischen Nationalparks!

Verzauberter Circular Pool

Das Ningaloo Reef – dream big and believe in yourself!

Das Ningaloo Reef – dream big and believe in yourself!

…oder eine Geschichte von der Wichtigkeit, an sich selbst zu glauben!

Die North-West-Cape Peninsula! Unser nächstes Ziel. Wieder eine Halbinsel, wieder UNESCO Welterbe und wieder ist die Unterwasserwelt der Grund für unseren Abstecher. Hier liegt der kleine Bruder des Great Barrier Reefs, das Ningaloo Riff. An einigen Stellen ist das insgesamt 250 km lange Riff nur 100 Meter vom Strand entfernt, was es zu einem der am leichtesten zugänglichen Riffe und perfekt für das Schnorcheln vom Strand aus macht.

2 recht lange Tagesetappen durch die rote Prärie Westaustraliens nach Norden bringen uns hin. Die Landschaft ist minimalistisch, nur blauer Himmel und rote Steppe – und hat trotzdem oder gerade deshalb ihren eigenen Reiz. Unterwegs halten wir nur in dem kleinen Marktstädtchen Carnarvon, um uns zu günstigeren Preisen als in den Supermärkten mit frischem Obst und Gemüse direkt von den umliegenden Farmen einzudecken. Außerdem bestaunen wir im Raumfahrts- und Wissenschaftsmuseum den Erd-Kommunikations-Turm, über den die Mondlandung 1986 live in Australien übertragen wurde.

Kurz bevor wir tags darauf an unserem Ziel ankommen, überqueren wir endlich eine geografische Marke, auf die wir im kalten Süden wochenlang sehnsüchtig mit dem Finger im Atlas getippt haben: den tropischen Gürtel von Capricorn! Hier wollten wir hin! Ab jetzt sind wir wieder in den Tropen!

Zunächst merken wir davon aber leider nicht viel. Ziemlich genau als wir im nett winzigen Feriendorf Coral Bay ankommen, unsere Schnorchelausrüstung auspacken und ins Wasser springen wollen, verdunkelt sich der Himmel. Es sieht verdächtig nach Regen aus. Und es ist windig. Dementsprechend aufgewühlt ist der Meeresboden und die Sicht nicht optimal. Wir gehen zum ersten Mal drift-schnorcheln. Dabei lassen wir uns einfach von der starken Strömung, die hier herrscht, über bunte Korallen, große Farne und an vielen Fischen vorbeitreiben. Kaum sind wir aus dem Wasser, öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet. Zum Glück haben wir unser Auto dabei, in das wir uns verkriechen können. Wir finden ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen einige Kilometer entfernt zwischen meterhohen Dünen. Trotz dem stürmischen Wetter strahlt das Meer in türkisblau. Wir können uns vorstellen, wie wunderschön es hier bei Sonnenschein aussieht. Ziemlich früh verkriechen wir uns in unsere Höhle. Erst gegen Mittag am nächsten Tag hört es kurz auf zu regnen. Bei der Fütterung von Snapper-Fischen an Coral Bay´s Strand erfahren wir von Einheimischen, dass es hier so gut wie nie regnet. Alle sind ganz aus dem Häuschen, weil das Meer heute sogar wellig ist – was sonst wohl so gut wie nie vorkommt Da haben wir ja ein grandioses Timing! 😉

Da es bei schlechtem Wetter in Coral Bay, das aus 4 Campingplätzen, 2 Pubs, 1 Bottleshop und 1 Hostel besteht, nicht viel zu tun gibt und die Wettervorhersage nicht viel Besseres verspricht, fahren wir weiter. Gute 2 Autostunden Fahrt entfernt liegt Exmouth. Der kleine Ort selbst ist ein aus dem Boden gestampftes Ferienresort und macht einen Australien-untypisch lieblosen Eindruck. Es gibt ein kleines Ortszentrum mit Supermarkt, Friseur, 1 Pub und 2 Souvenirläden. Und jede Menge Touranbieter, mit denen Outdoor-Enthusiasten voll auf ihre Kosten kommen können. Von Quadtouren über Paragliding, Schiffswracktauchen und Tauchen mit Mantarochen bis zu Schnorchel- und Walsichtungs-Bootstouren ist alles im Angebot. Wenn man gewillt ist, die Preise australischen Standards zu bezahlen. Eher nicht Backpacker-Niveau.

So. Bis hierhin ist das ganze ein üblicher unserer Reiseberichte. Was diesmal anders ist? Es hat mit der „Hauptattraktion“ des Ningaloo Reefs zu tun. Die, wegen der die vielen Touristen jedes Jahr zwischen Mai und August hier her strömen und weshalb Exmouth überhaupt existiert. Sie ist bis zu 18 m lang und der größte Fisch der Erde: die Rede ist von Walhaien!

Diese freundlichen Riesenfische migrieren jährlich über die Wintermonate her, um im planktonreichen Wasser ihren Winterspeck aufzustocken. Und hier besteht die Möglichkeit, sehr umwelt- und tierfreundlich mit ihnen zu schnorcheln. Leider sind aber auch die Preise dafür anders als auf den Philippinen… Nämlich sehr teuer! Ein Tagesausflug kostet je nach Anbieter zwischen 300-400 Euro pro Person! Das wussten wir schon, bevor wir herkamen und hatten deshalb eigentlich entschieden, uns mit den kleineren Fischen zu begnügen und nur vom Strand aus am Ningaloo Reef schnorcheln zu gehen. Aber wir – und vor allem die Meerjungfrau von uns beiden 😉 – würden ja schon soo gerne…. Was für eine Gelegenheit… Wenn wir schonmal hier sind und es gerade Saison ist… Wer weiß schon, ob wir es anderswo auf unserer Reise nochmal so treffend erwischen… Und wir hatten auch schon eine Idee, wie wir es anstellen könnten, vielleicht doch eine Schnorcheltour mit diesen Riesen des Meeres machen zu können. Also nahmen wir vor Ort Kontakt mit einem der Anbieter auf. Es klang auch ganz vielversprechend, allerdings seien bis in die nächste Woche hinein alle Touren aufgrund des schlechten Wetters die Tage zuvor bereits ausgebucht. Er wolle sich aber so bald wie möglich mit einer Entscheidung per Email zurück melden.

Zwischenzeitlich machen wir uns erst mal auf in Richtung des Cape Range Nationalpark. Hier gibt es 50 km wunderschöne Buchten, ein Jahrtausende altes Kalksteingebirge, tiefe Canyons und das Ningaloo Riff kommt bis auf 100 Meter an die Küste ran. Petrus war auch wieder gnädig gestimmt und ließ die Sonne scheinen, sodass das Wasser in schönstem türkisblau leuchtete und die Wellen sanft an den Strand schwappten. Wir waren überglücklich, dass wir unser mobiles Zuhause hatten und wählten unseren Schlafplatz in einer der einsamen Buchten ganz ungestört direkt zwischen den Dünen. Herrlich! Zum ersten Mal seit Wochen war es bis tief in die Nacht hinein wieder herrlich warm, wir hatten einen Traum-Stellplatz am Meer und vielleicht konnten wir sogar doch noch mit Walhaien schnorcheln. Was will man mehr?

Am nächsten Morgen entdecken wir als erstes Tausende von Krebsspuren im Sand um uns herum. Sogar unser draußen gelassenes Geschirr ist angeknabbert-Krebse scheinen wie wir auf Thai-Curry abzufahren 🙂 Bei nur ab und zu vorhandenem Empfang rufen wir morgens immer mal wieder unsere Emails ab, aber bisher hat sich der Touranbieter noch nicht zurückgemeldet. Also fahren wir wie geplant in den Cape Range Nationalpark, um hier vom Strand aus zu schnorcheln. Obwohl es viel weniger bekannt ist als das Great Barrier Reef, ist das Ningaloo Riff ein Refugium für viele seltene Tierarten wie Seekühe, Rochen und verschiedene Meeresschildkröten, die an den geschützten Stränden des Nationalparks im Sommer ihre Eier legen. Unser erster Schnorchelspot ist die Turquoise Bay. Die Bucht ist schon mehrmals als „schönster Strand Australiens“ ausgezeichnet worden – wir finden sie auch schön, aber unter unsere Top 5 australischen Strände würde sie es wohl nicht schaffen. Vielleicht waren die Juroren aber auch nicht überall, wo wir schon waren 😉

Dafür lässt die Unterwasserwelt beim drift-schnorcheln nichts zu wünschen übrig. Wir wissen nicht genau, ob wir alle der 500 Fischarten und der über 300 verschiedenen Korallenarten gesehen haben, die hier ihren Lebensraum haben 😉 aber es gibt so einiges zu bestaunen durch die Tauchermasken. Das Highlight ist eine riesige Meeresschildkröte, so groß wie wir es noch nie gesehen haben, zu der Biene von einer anderen Schildkröte quasi „hingeführt“ wurde. Wow! Auch unser zweiter Schnorchelgang in der Lakeside Bucht ist traumhaft! Bei einer super Sicht entdecken wir hier einen beeindruckend grooooooßen Stachelrochen, der so aus der Nähe betrachtet mit seinem langen Stachel sehr majestätisch´ aussieht! Und nur ein kleines bisschen gefährlich 😉

Wir verbringen eine weitere idyllische Nacht zwischen den Dünen direkt am Meer und genießen die Wärme, den Sonnenuntergang und ein gutes Glas Wein.

Leider hat uns aber auch am nächsten Morgen immer noch keine Email erreicht. Da wir sowieso nicht so recht daran glauben, dass unser Angebot für eines der Unternehmen interessant genug ist um mit uns einen Deal für eine Walhai-Tour abzuschließen, beschließen wir an diesem Tag weiterzufahren, ohne nochmal groß in Exmouth anzuhalten. Tja, hätten wir mal lieber noch einen Tag an unserem wunderschönen Strand verbracht…!

Aber so fahren wir über die Halbinsel wieder zurück und schon kurz nach Exmouth verlässt uns der Handyempfang für den Rest des Tages. Unterwegs entdecken wir die ersten großen Termitenhügel, die für das Top End Australien´s so typisch sind. Wir übernachten nach einer Fahrt bis zum Sonnenuntergang mitten im Nirgendwo, um uns herum nur roter Sand und endloser Horizont.

Und so sehen wir erst einen Tag später und 600 km weiter, dass wir eine ganze Reihe verpasster Anrufe und eine Nachricht per EMail erhalten haben: Wir könnten dann mit den Walhaien schnorcheln gehen. Schon morgen. Zu einem Preis, der absolut annehmbar ist. Es war zum Heulen! Und tatsächlich fließen an diesem Morgen zum ersten Mal auf unserer Reise bei Biene ein paar Tränen der Enttäuschung und des Frusts! Da hilft nicht mal das große Magnum was, das Uli zum Trost kauft! 😉 Hätten wir doch nur… aber jetzt bringt alles nichts mehr. Auch die Überlegung, wieder zurückzufahren verwerfen wir schließlich – mit den zusätzlichen Spritkosten hätten wir nichts gewonnen. Wir haben es vermasselt. Die Walhaie. Und die Gelegenheit.

Aber eines haben wir hoffentlich aus dieser Erfahrung und der verpassten Chance gelernt: an uns und unsere Ideen zu glauben! Und vielleicht, nur vielleicht, hat sich diese große verpasste Chance dann ja irgendwie gelohnt…!

Fotos gibt es zu diesem Bericht nicht sehr viele. Unterwasser und am Strand hatten wir nur unsere kleine Action Cam dabei – evtl. kommt da noch ein Video nach 🙂

Australien´s Westküste – a long way up Part 1

Australien´s Westküste – a long way up Part 1

Von Bunbury nach Perth ist es nur noch ein Katzensprung. Eine Stunde Fahrt und schon sind wir da. Uns erwarten auf unserem Roadtrip entlang der Westküste aber bald sehr viel längere Distanzen. Denn Australien´s Westküste ist wild, viel dünner besiedelt als die Ostküste und erstreckt sich über mehr als 2.500 km nach Norden. Lange Streckenabschnitte mit viel roter Erde, weissem Sand, Steppe und zwischendurch so einige Highlights werden unsere nächsten Wochen prägen.

Aber zunächst bleiben wir 2 Tage in Perth. Perth ist Westaustralien´s Hauptstadt und die einzig wirklich größere Stadt in diesem Staat. Wir schlendern einen Nachmittag lang durch die Innenstadt, zum Ufer des Swan Rivers, der unterhalb des Stadtzentrums in Freemantle ins Meer fließt, picknicken im Hyde Park und genießen die quirlige und trotzdem entspannte Atmosphäre der Stadt. Im Zentrum der lebendigen und multikulturellen Stadt nehmen neben futuristischen Hochhäuser elegante Kolonial-Bauten ihren Platz ein. Mit kostenlosen Bussen kommt man einfach und günstig überall hin in Perth. Die brauchen wir aber natürlich nicht, da wir unseren Jeep sogar kostenlos in Laufnähe zum Zentrum parken können. Und trotz Großstadt finden wir auch einen Übernachtungsplatz direkt hinter den Dünen am Meer.

Zum ersten Mal ist es wieder schön sonnig und warm. Das Meer ist trotzdem recht frisch und aufgewühlt. Wir entscheiden uns deshalb gegen einen geplanten Tagesausflug auf die kleine Insel Rottnest Island, deren Besonderheit neben kleinen Känguru-Ratten – den süßen Quokkas – vor allem ihre Unterwasserwelt ist.

Stattdessen verbringen wir einen Vormittag an einem von Perth´s vielen Stadtstränden. Der Cottlesloe Beach wird auch humorvoll Australien´s gefährlichster Strand genannt – neben 4 kleineren Haien und einem Hammerhai schaut auch öfters mal der berüchtigte weisse Hai an diesem vorbei. Dementsprechend oft fliegt hier die Hafenpolizei mit Hubschraubern die Küste auf und ab. Wir hätten ja nur zu gern die Haie – vom Strand aus – gesehen, allerdings lässt sich an dem Morgen keiner blicken. So streckt Biene schließlich doch noch ganz mutig ihre Zehen ins Wasser und geht ein erstes Mal im kalten Indischen Ozean schwimmen. Schließlich waren wir auch im Winter in Tasmanien baden.

Spätnachmittags machen wir uns dann mit einem Rucksack weniger im Auto auf den Weg. Wir haben noch weiter Gepäck reduziert und unseren Tagesrucksack verkauft. Der arme Backpacker, der den Rucksack kaufte, fuhr auf dem Weg zum Treffpunkt doch glatt einem anderen Auto hinten rein – damit kostete ihn der neue Rucksack 50 $ und ein neues Auto. Wir hoffen, die Anschaffung lohnt sich für ihn 😀

Sobald wir die Vororte von Perth hinter uns lassen, ist um uns rum nur noch unberührte Natur in Form von halbhoch mit Blue Bush und Salt Bush Büschen bewachsene Steppe. Die Strecke vermittelt uns einen guten ersten Eindruck, wie dünn besiedelt die Westküste im Vergleich zur Ostküste ist – und mal wieder, in was für einem riesigen Land wir hier unterwegs sind. Der Highway verläuft wunderschön entlang der Küste und immer wieder halten wir an Aussichtspunkten an, von denen wir tolle Ausblicke auf die sich weit hinziehende Steppe haben.

Unser erster richtiger Stopp ist eine riesig große, strahlend weisse Wanderdüne, in die wir natürlich reinfahren und wie die Kinder im Sandkasten im Wüstensand spielen 😀

Unser nächstes Ziel sind die Pinnacles im Nambung Nationalpark. Hier ragen mitten in der Wüste bis zu 4 Meter hohe Kalksteinsäulen aus dem goldenen Wüstenboden auf. Die ersten holländischen Entdecker im 17. Jahrhundert hielten diese für die Überreste einer antiken Stadt. Die verschiedenst geformten Säulen sind aber natürlichen Ursprungs und man kann entweder auf einem 4 km langen Weg durch sie durchwandern oder mit dem Auto um die Felsen durchfahren. Obwohl wir ja sonst ganz für sportliche Betätigung sind, ziehen wir hier in der Mittagshitze der Wüste unser klimatisiertes Auto vor. Aber wir wollen uns gar nicht beschweren – kalt war es uns lange genug 😀

Später an diesem Nachmittag machen wir noch einen Abstecher in die Steinzeit – nahe des kleinen Orts Cervantes gibt es einen Teich mit Stromatolithen. Wenn Euch das genau so viel sagt wie uns davor 😀 erklären wir es hier gern: Stromatolithen sind eine urzeitliche Algenform. Sie geben Sauerstoff ab und ermöglichten so vor Jahrmillionen von Jahren laut Geologen erst die Evolution von Leben auf unserem Planeten. Genau so steinalt wie die Algen sind, sehen sie auch aus – eben wie Steine. Es fällt uns doch ziemlich schwer uns vorzustellen, dass diese kleinen Steinklumpen, die es heute angeblich nur noch in Australien und den Bahamas zu sehen gibt, so eine bedeutende Rolle in der Schöpfungsgeschichte spielen sollen.

Weiter geht es in den kleinen Ort Jurien Bay, wo wir unsere Schnorchelausrüstung aus den Rucksäcken kramen. Leider ist es aber etwas windig, das Meer aufgewühlt und die Sichtweite gleich null. Deshalb machen wir uns recht bald wieder auf…und auf die Suche nach einem Schlafplatz. Die Nacht zuvor schlugen wir irgendwo mitten im Nichts neben einem Feldweg unser Nachtlager auf, da sich der in der Karte eingezeichnete 3 km Schotterweg in Wirklichkeit und bei stockfinsterer Nacht als über doppelt soweit vom Meer entfernte, tiefe Sandpiste herausstellte. Das soll uns heute nicht wieder passieren.

Und tatsächlich. Wir finden den schönsten kleinen Stellplatz direkt am Meer seit langem (auch das ein Vorgeschmack auf die kommende Zeit). Über uns ein Schatten spendender Baum, davor ein goldener Sandstrand der flach ins Meer läuft und neben dem Auto genügend unbewachsene Fläche für ein Lagerfeuer. Herrlich. So verbringen wir den Abend mit einer unserer Australien-Abend-Lieblingsbeschäftigungen: BBQ und Sterne schauen.

Auch die nächste Sehenswürdigkeit auf unserem Weg ist natürlichen Ursprungs und hat mit Wasser zu tun. Zur Abwechslung ist das aber nicht türkisblau und glasklar, sondern P I N K! Ein Salzsee, in dem eine besondere Art von Algen (was auch sonst 😉 ) wächst. Diese Karotin abgebenden Algen sind verantwortlich für den eindeutig pinken Schimmer, der sich auf den Fotos gar nicht so gut einfangen lässt wie in echt. Irgendwie ein faszinierender Anblick – vor allem, weil das Wasser absolut durchsichtig ist, wenn wir es aus einem anderen Winkel betrachten. Oder ohne jeden Pinkschimmer die Landschaft drumherum spiegelt, wo sich Wolken vor die Sonne schieben.

Von hier ist es nur noch ein Katzensprung in das nächste Land unserer Reise. Nicht einmal ins Flugzeug steigen müssen wir, um von Australien in das vielleicht kleinste Fürstentum der Welt zu reisen. Gerade einmal eine Stunde Schotterstraße ins Hinterland und schon verlassen wir vorübergehend australischen Staatsboden und finden uns im Fürstentum von Hutt River wieder.
Was mit einer Streitigkeit über die Abnahmemengen von Getreide zwischen dem hier ansässigen Farmer und der westaustralischen Regierung anfing, artete in einen richtig gehenden Staatskrieg aus. Durch einen genialen Geniestreich erlangte der Farmer (übrigens ein international angesehener Mathematik-Professor) schließlich die Unabhängigkeit von Australien und lebt nun seit 40 Jahren in einem eigenen, international anerkannten Land.

Wir bekommen natürlich auch Visa in unsere Reisepässe und Prinz Leonhard persönlich erzählt uns, wie es vor 40 Jahren zur Staatsgründung kam. Bei Interesse könnt ihr die komplette bizarre und sehr amüsante Geschichte hier nachlesen. Nach einem kleinen Rundgang und Besichtigung der vielen Geschenke, die Prinz Leonhard von anderen Staatsoberhäuptern (darunter die Queen von England, der chinesische Präsident u.a.) über die Jahre erhielt, haben wir eigentlich schon das ganze Land gesehen. Also geht es zurück nach Australien 😀

Hier liegt auf unserem Weg nach Norden der Kalbarri Nationalpark vor uns. Dieser eher kleine Park liegt direkt hinter dem gleichnamigen Ferienstädtchen und hat neben spektakulären Küstenabschnitten einige tief eingegrabene Schluchten zu bieten. Wir unternehmen eine kurze Wanderung zum wohl markantesten Fels des Parks: wie ein natürliches Fenster rahmt ein in der Mitte hohler, glutroter Fels die dahinter liegende Schlucht samt Fluss wie in einem Landschaftsbild perfekt ein.

The Great South-Western – Giganten in Wald und Wasser

The Great South-Western – Giganten in Wald und Wasser

Während die Erde in den meistens Teilen Westaustraliens glutrot gefärbt ist, ist der Boden im Südwestzipfel vor allem eins: weiss! Die Gegend um den kleinen Urlaubsort Esperance an der Südküste ist dafür bekannt, dass sich hier ein schneeweisser Strand an den anderen reiht. Da ist – laut Umfrageergebnissen – der beliebteste Strand Australiens im Westen des kleinen Ortes, der weisseste Strand Australiens im Osten von Esperance.

Denn offizielle Messungen 😀 haben wohl ergeben, dass der Sand der langgezogenen Lucky Bay im Cape Le Grand Nationalpark östlich von Esperance der weisseste Strand in ganz Australien ist. Das schauen wir natürlich nach 🙂 Neben seiner Farbe ist Lucky Bay auch für die Kängurus bekannt, die man mit etwas Glück hier auf dem Strand trifft. Wir haben Glück und treffen tatsächlich auf eine Kängurufamilie, die sich sogar ganz zutraulich streicheln lässt.

Der Sand ist wirklich strahlend weiss und als wir da sind, zeigt sich das Wasser in der Bucht in wunderschönen Schattierungen von tiefblau bis türkis. Aber ehrlich gesagt sind die meisten Strände hier ebenso wunderschön – an allen trifft weißer Sandstrand auf türkisblau schimmerndes Meer, das sanft an die Küste schwappt. Ebenfalls einen Abstecher wert sind auf jeden Fall die Whistling Rocks bei Thistle Cove, in denen der Wind wie ein Flüstern durch die Felsen pfeift.

Ansonsten erwarten uns hier im Cape Le Grand Nationalpark die Erklimmung des Granitmassivs Frenchman Peak, mit blue bush bewachsene Steppe und ein 22 km langer Sandstrand, den wir in unserem Lion King entlang surfen.

Auf der anderen Seite von Esperance liegen noch mehr wunderschöne Strände und Buchten, die wir auf dem 36 km langen Great Ocean Drive erkunden. Da der australische Winter aber nicht die richtige Jahreszeit für gemütliches planschen und sonnenbaden am Strand ist, brechen wir nach 3 Tagen wieder auf.

Unser nächstes Ziel ist – natürlich auch ein Nationalpark! 😉 Der Fitzgerald River Nationalpark ist aufgrund seiner vielen Pflanzen, die außer hier nirgendwo anders auf der Welt vorkommen, sogar ein UNESCO Welt Biosphären Reservat. Uns locken aber weniger Bäumchen & Blümchen hierher, als die größten Säugetieres des Meeres. Nachdem wir an der Great Australian Bight zu früh dran waren um Southern Right Wale zu sehen, hoffen wir, irgendwo anders entlang ihrer Migrationsroute der Südwestküste die majestätischen Riesen des Meeres zu erspähen. Dafür nehmen wir auch gern die 30 km lange Schotterpiste in Kauf, die die einzige Zufahrtsstraße in den Park darstellt. Hier in der Bucht am Point Ann bleiben die Wale oft einige Zeit, um zu kalben und ihre Jungen im flachen Gewässer aufzuziehen, bevor sie sich auf den Rückweg in die kühleren Gewässer der Antarktis machen. Sollten keine Wale da sein, haben wir uns als Alternativprogramm eine zweistündige Wanderung rausgesucht. Die brauchen wir aber zum Glück nicht antreten!
Schon bei unserer Ankunft entdecken wir 2 Wale in der Bucht! Nur wenige Meter vom Strand entfernt gleiten die Giganten des Meeres durch die Bucht, blasen prustend Luft aus ihren Atemlöchern und tauchen immer wieder auf und ab. Wir verbringen einen ganzen Nachmittag damit, den beiden riesigen Meeressäugern zuzusehen. Außer uns sind keine anderen Besucher da, was das ganze noch einmaliger für uns macht! Die beiden Wale scheinen wir nicht zu stören, ganz im Gegenteil. In spielerischer Laune drehen sich die Wale um sich selbst, tauchen auf und brechen sogar einige Male aus dem Wasser. Dabei propellern sie sich fast mit ganzem Körper aus dem Wasser, bevor sie sich drehen und mit dem Rücken wieder ins Wasser klatschen. Ein herrliches Schauspiel! Genau so genial ist es, die Wale sogar miteinander kommunizieren zu hören.

Wir bleiben über Nacht, sehen den Mond aufsteigen, einen tollen Sonnenaufgang und bewundern am nächsten Morgen nochmal einige Zeit die Wale. Dann brechen wir auf nach Albany, der ältesten europäischen Stadt in Western Australia und der einzigen etwas größeren Stadt im Südwestzipfel. Hier stocken wir unsere Vorräte auf und versuchen erneut unser Glück im Whalewatching im Tondirrup Nationalpark. Allerdings ist das Meer an diesem Tag zu unruhig und selbst wenn Wale da waren, haben wir sie trotzdem nicht gesehen.

Wären wir nicht mit unserem eigenen Auto unterwegs, wären wir hier vielleicht auf den 1.000 km langen Bibbulmun Track Richtung Perth aufgebrochen. Aber unseren Lion King wollen wir ja nicht so einfach aussetzen 😉 Nachdem wir jetzt die Giganten des Meeres gesehen haben, hält uns aber nichts mehr im Winter des Südens und so biegen wir kurzentschlossen hinter Denmark ab in Richtung Norden.

VALLEY OF THE GIANTS

Hier fahren wir mitten durch das Land der Riesenbäume. Ihren Namen verdankt diese dicht bewaldete Region den in diesem Gebiet wachsenden Karri und Tingle Trees. Beide Baumarten können bis zu 90 Meter hoch wachsen.

Während es der 25 m Umfang messende Giant Tingle Tree vor allem in den 70er Jahren zu einer Foto-Attraktion geschafft hat, hatten die Karri Bäume früher eine wichtige Funktion zu erfüllen. Die höchsten Bäume der Wälder wurden ab den 30er Jahren als strategische Aussichtspunkte zur Sichtung von Waldbränden genutzt. Auf hölzernen Plattformen in den Baumkronen waren während der Sommermonate von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Wachposten stationiert, die Waldbrände von diesen erhöhten Posten auch über große Entfernungen hinweg schon früh erkennen konnten. 3 solcher Lookouts sind noch erhalten und heute können Touristen die hölzernen Riesen erklettern.

Das Erklimmen der Bäume ist dabei nichts für Schwindelkranke oder Menschen mit Höhenangst, besteht die Leiter nach oben nach wie vor nur aus 182 Eisenstangen, die sich um den Stamm herum nach oben winden. Wir klettern neben dem 53 m hohen Karri Baum Gloucester auch an dem 65 m hohen Dave Evans Bicentennial Baum in die Lüfte. Dieser ist der höchste Baumwipfel-Lookout der Welt. Die Sicht von der Aussichtsplattform über die Wälder ist gigantisch. Wir sehen kilometerweit bis zu den Sanddünen an der Küste.

Am nächsten Morgen erreichen wir in Bunbury schließlich die Westküste. Hier ist es schon spürbar wärmer, sodass wir zum ersten Mal seit langem wieder (kalt) am Strand duschen 🙂 Auch die Nacht in den Dünen ist trotz klarem Sternenhimmel lange nicht so kalt wie die Nächte im Süden.

Und spätestens beim Blick auf die Wettervorhersage, die für die kommenden Tage in Perth warme 25 Grad Celsius und Sonne vorhersagt, haben wir ein fettes Grinsen im Gesicht.
Hier kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages an und damit haben wir es geschafft: Wir haben die Sonne wieder eingeholt 🙂

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