Laos

Spontan nach Thailand über Nacht – Unsere Katze erzählt Part 4

Spontan nach Thailand über Nacht – Unsere Katze erzählt Part 4

Unsere Katze erzählt

Der laotisch-kambodschanische Grenzübergang ist unter Reisenden einer der berüchtigtsten in Südostasien. Fast jeder Reisende hat schnaubend seine eigene Abzock-Anekdote zu erzählen. In den Hauptrollen meist korrupte Beamten, die für´s Pass stempeln 2 US Dollar extra verlangen und das Visa on arrival nur für 5-10 US$ teurer als den offiziellen Preis genehmigen. Berühmt ist der Grenzübergang außerdem dafür, dass obligatorisch – und natürlich kostenpflichtig – Fieber gemessen werden muss, da man sonst nicht einreisen darf. Da die meiste Abzocke schon in den Mini-Bussen anfängt, wenn schlitzohrige Fahrer die Pässe einsammeln, um entweder für die Rückgabe extra zu verlangen oder eine ordentliche Provision auf die Visumsgebühr draufhauen, sind die beiden mal wieder ordentlich froh, auf meinem Rücken individuell hier anzukommen.

Die laotischen Grenzbeamten sind aber ganz nett. Bevor sie Biene und Uli den Ausreisestempel in die Pässe drücken und mein Visum abstempeln, sollen die zwei doch erst mal checken, ob uns Kambodscha überhaupt reinlässt. Das sei nicht immer der Fall. Hm, bisher hat´s ja noch jedes Mal geklappt. Also fahren wir die gleiche Taktik wie immer, Biene läuft optimistisch lächelnd mit den Papieren durch´s Niemandsland zu den Beamten der anderen Seite, während Uli auf mich aufpasst. Hier sollen nämlich ganz gern schonmal hübsche Mopeds wie ich wegkommen – oder für einen Spottpreis von Reisenden verkauft werden, die es nicht schaffen damit über die Grenze zu kommen. Aber he, nicht mit mir. Mich geben die beiden nicht so einfach her, da bin ich mir sicher. Ohne mich sind sie ja auch aufgeschmissen. Bus fahren, davon haben sie immer noch die Nase voll. Und was sie bisher gehört haben, stehen die Schlaglochpisten in Kambodscha den laotischen in nichts nach!

Als Biene allerdings wieder kommt, sieht sie nicht ganz so freudestrahlend aus. Wo die Genehmigung des Königs wär´, um das Moped ins Land einzuführen, will der kambodschanische Grenzbeamte wissen. Bitte was?! Genehmigung vom König? Was soll denn der Käse? Doch doch, ohne schriftliche Genehmigung des Königs dürfe kein motorisiertes Zweirad nach Kambodscha eingeführt werden! Also, die zwei haben ja im Vorfeld einiges recherchiert, aber davon, dass eine Erlaubnis des – nur symbolisch eingesetzten – Königs nötig ist, haben sie nirgends gelesen. Was ist denn das für eine Masche? Na gut, wo bekommen wir denn die Genehmigung her? Die müsse man in Phnom Penh beantragen. Persönlich. Phnom Penh läge auch nur 6 Stunden von der Grenze entfernt, sagt der Beamte. Und wie, bitteschön, sollen wir da hinkommen, wenn wir ohne nicht mit dem Moped einreisen dürfen? Tja, wir sollen das Moped eben hier stehen lassen, mit dem Minibus hinfahren, die Erlaubnis beantragen und am nächsten Tag wieder mit einem Bus zurückfahren. Ja ne, is´klar. Wir reisen mit dem Bus durch das halbe Land und wieder zurück und lassen das Moped solange hier stehen.

Das kann ja wohl nicht deren Ernst sein? War es aber doch. Biene denkt sich natürlich, dass das die Einleitung für eine Schmiergeld-Forderung ist. Als aber auf die eindrückliche Frage, ob es denn nicht noch eine andere Möglichkeit gäbe, klipp und klar mit nein geantwortet wird, ist sie etwas ratlos! Wie jetzt, meint er die Geschichte etwa wirklich Ernst? Auch der Bluff, dass befreundete Reisende erst vor einem Monat hier ohne Genehmigung des Königs über die Grenze gefahren seien, funktioniert nicht. Der hinzugerufene höhere Beamte weist die Behauptung bestimmt zurück. Es wird klar, ohne so einen Wisch lassen die uns hier tatsächlich nicht rein. Tja, jetzt ist guter Rat erstmal teuer. Gut, dass wir zumindest noch nicht aus Laos ausgereist sind – sonst wären für 60 US$ neue Visa fällig. Die zwei studieren die Karte und schmieden schnell einen Ersatzplan.

Der Kompass wird neu ausgerichtet: Thailand heißt das neue Ziel. Ca. 100 km nordwestlich von der Grenze befindet sich ganz im Westen von Laos einer von nur 2 Landübergängen zwischen Laos und Thailand. Hier sollten wir problemlos rüber dürfen. Dann wollen sie ihr Glück an einem der oberen thai-kambodschanischen Grenzübergänge probieren. Und wenn das auch nicht klappt? Dann wird Kambodscha eben gestrichen. Mir ist gerade die Lust darauf sowieso schon etwas vergangen. Pff, es gibt ja auch in Thailand noch jede Menge zu sehen, wenn die mich nicht einreisen lassen wollen. Mit einem letzten fauchen drehen wir um und heizen mit dem letzten Liter Benzin den ganzen Highway 13 wieder hoch bis nach Paxe. Hier queren wir mal wieder den Mekong und im gestreckten Galopp geht´s weiter nach Westen. Den Grenzübergang passieren wir ohne Probleme und weiter geht´s. Im ersten recht netten Ort in Thailand, von dem sich leider keiner den Namen gemerkt hat, suchen wir was zum übernachten. Und wirklich, wir suchen. Die beiden sollten unbedingt mal ihr Thai verbessern, wenn sie hier so oft aufkreuzen. Das würde die Sache in den untouristischen Gegenden um einiges vereinfachen. Wobei, dann wäre die lustigste Episode des Tages wohl nicht zustande gekommen.

Denn das war so:
Ein Touri-Ort ist das Dorf nicht. Mit viel fragen-durch-Gestik finden wir ein Hotel, das aber mordsteuer ist. Nene, nicht unsere Preisklasse. Also wird weiter gesucht. Da entdeckt Uli am Straßenrand ein Plakat mit Resort und irgendwas auf Thai und Pfeil, also da lang. Die Bungalows auf dem Plakat sehen nett aus, ist also wahrscheinlich auch zu teuer. Probiert wird´s trotzdem. Etwas versteckt im Wald finden wir es schließlich. Das junge Mädel an der Rezeption ist ratlos: wie soll sie sagen, was ein Bungalow kostet, wenn die beiden sie nicht verstehen? Hilfe naht in Form des allgegenwärtigen Smartphones: Der Google Übersetzer muss her. Der sagt „700 Baht per night“ (ca. 17,50 €). Zu teuer, na klar. Schnell wird eingetippt, ob es auch günstiger geht. Worauf als Übersetzung der Antwort kommt „during this time, 300 Baht“. 7,50 €. Na, das ist doch nicht schlecht. Wahrscheinlich ist gerade Nebensaison und während dieser sind die Bungalows günstiger. Ganz klar, nehmen wir. Schnell wird das Gepäck abgeladen und in den Bungalow eingezogen, der wirklich schick ist, wie alle einen eigenen Carport daneben und innen viele Spiegel hat. Nett. Auch wenn das Bett bockelhart und die Deko etwas ungewöhnlich ist… Dann fährt Uli davon, um eine Werkstatt zu suchen. Da schaut das Mädel von der Rezeption dann ziemlich ratlos.
Nach einer halben Stunde kommt sie dann rüber zu Biene, die vor dem Bungalow sitzt und schreibt. Mit viel Smartphone-Übersetzung, Gestik und Interpretation wird schließlich klar, das die 300 Baht der Bungalow-Preis für 3 Stunden ist. Wir sind in einem Stundenhotel gelandet! 😀 😀 😀

Biene verhandelt nach und nach einem Telefonat mit dem Boss dürfen wir für 10 € schließlich die ganze Nacht bleiben. Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Süden. Nach einigem suchen und verfahren finden wir dann auch einen für Ausländer geöffneten Grenzübergang nach Kambodscha. Nachdem es auf thailändischer Seite etwas dauert, weil zwar alle sehr hilfsbereit sind aber keiner so recht weiß wie das funktioniert wenn plötzlich 2 Ausländer an der Grenze stehen und mit dem eigenen Motorrad ausreisen wollen, ist alles geregelt. Alle sind sehr freundlich, ich werde in den Schatten gestellt und Biene & Uli bekommen Wasser angeboten, solange der Papierkram erledigt wird. Ich darf mein Heimatland wieder für 30 Tage verlassen und wie gewollt an einer anderen Grenze ganz im Süden Kambodschas wieder zurückkommen. Dann wird es spannend: wir fahren auf die kambodschanische Seite.

Hier dürfen wir problemlos einreisen.

Von einer notwendigen Genehmigung durch den König ist keine Rede. Die Visa kosten jeweils genau 35 US$, was dem tatsächlichen Preis entspricht (seit 1. Oktober 2014). Die beiden Pässe noch in der Hand, weist der Grenzbeamte darauf hin, dass ich eigentlich ein internationales Nummernschild benötige. Jetzt kommt´s, denke ich mir. Das ist die Einleitung für eine Schmiergeldforderung. Biene & Uli tauschen einen schnellen Blick, sie denken dasselbe.

Beim nächsten Mal sollen die beiden das anbringen, sagt der Beamte, während er ihnen die Pässe wieder entgegen streckt.

Das war´s, wir sind drin. Ohne einen Cent an Schmiergeld zu bezahlen reisen wir nach Kambodscha ein.

Geht doch.

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

 Unsere Katze erzählt

Vom Dschungelabenteuer von oben bis unten mit Schlamm eingesaut ist von meiner eigentlich grünen Farbe am nächsten Morgen nix mehr zu sehen. Fellpflege ist angesagt! Davor genehmig ich den beiden noch einen hier auf dem Bolavenplateau organisch angebauten Kaffee und einen Spaziergang durch das kleine Örtchen Tad Lo. Zu Fuß natürlich, so eingesaut beweg´ich mich nicht mehr vom Fleck als unbedingt nötig. Außerdem ist direkt neben dem Hostel, in das sie wir uns letzte Nacht im Dunkeln einquartiert haben, ein Wasserfall. Besser gesagt, der unterste von den drei Wasserfällen, die diesen kleinen Ort zu einem beliebten Ziel auf dem Bolavenplateau machen. Und die Brücke drüber war mir gestern schon nicht geheuer. So ein wackliges Ding mit Holzplanken und ohne Geländer. Nene, von Wasser habe ich als Katze erstmal wieder das Schnäuzchen voll. Sollen die beiden ruhig im Fluss baden und auf den Wasserfällen entlang klettern, ich lehne dankend ab. Während Uli mir die verdiente Vollwäsche verpasst und mich und meinen Gepäckträger wieder aufpäppelt, zieht Biene schonmal mit dem ganzen Krempel in einen Homestay bei einer lokalen Familie ans Ende des Dorfs um. Mir soll´s recht sein, mein Parkplatz dort sieht auch ganz ok aus. Abends wird mit der Familie zusammen gekocht, gegessen und beisammen gesessen. Und das ein oder andere Bierchen mit den anderen Gästen getrunken. War wohl ganz nett. Jedenfalls lachen die beiden tags darauf, als wir zum obersten der Wasserfälle fahren und von dem hohen Felsvorsprung dort oben eine tolle Aussicht auf die von einem Gebirge umgebene Hochebene haben, immer noch über die späte Karaokeparty im Guesthouse gegenüber.

Also hör ich an dem Abend, als sie wieder alle beisammen sitzen, mal genauer hin und joa, die ebenfalls weltreisenden Engländer Sophie & Neil, das belgische Paar mittleren Alters, die jedes Jahr eine große Reise machen und die französische Familie, die mit ihren zwei 2 und 4 Jahre alten Kindern für 3 Monate in Asien unterwegs sind (und hier auch ganz cool mit 2 Mopeds ankamen 😀 – mit Kindersitz, versteht sich 😀 ) und die skandinavische Österreicherin hören sich alle ganz lustig an. Tags darauf sitzen die beiden wieder auf und wir düsen über das Bolavenplateau weiter Richtung Süden. Unterwegs wird noch bei einer Kaffeeplantage angehalten. Das Klima des Bolavenplateaus ist für den Anbau von schmackhaftem Hochlandkaffee ideal. Das sagt zumindest der Loose Reiseführer, in den Biene auf dem Sozius immer wieder die Nase reinsteckt. Andere können nichtmal im Auto lesen, Biene selbst auf dem Moped hinten drauf 😀

An diesem Tag geht´s weiter in die Stadt Paxe. Nach dem weichen Waldboden im Dschungel tut mir der harte Asphaltboden an den Tatzen weh. So ist erstmal die Luft raus. Ich verlange einen neuen Hinterreifen. Weich gepolstert für meine Samtpfote, bitte. Uli macht nicht lang rum und ruckzuck ist der Ersatzreifen dran. Geht doch. Damit geht´s nun über die große Mekongbrücke und auf der anderen Seite soll es auf einer kleiner Nebenstraße – mal wieder eine Alternative zum Highway 13 – bis ganz in den Süden zu den Si Phan Don gehen. Oh oh, Alternative zum Highway, ich befürchte das Schlimmste! Aber vorläufig ist noch alles im Lot. Ohne Verkehr geht auf einer geteerten Straße bis zum heutigen Übernachtungsstopp, Champasak. In diesem kleinen Dorf finden die zwei einen tollen, günstigen Bungalow direkt am Mekong – inklusive einer riesigen Spinne, die bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich an der Wand hängt. Aber vollkommen ungefährlich, wie der Besitzer mitteilt, als er das Viech wieder frei lässt.

Am nächsten Morgen holt sich Biene ihren Kulturschub, als sie die Ruinen des Wat Phou, des größten Tempels der Khmer außerhalb Kambodschas, besichtigt. Uli und ich pfeifen auf die alten Steine und gönnen uns lieber einen guten Kaffee. Interessant ist, dass der Tempel in einer Linie zu Angkor Wat gebaut wurde, mit über 1.000 Km dazwischen. Das ist ja wie im alten Rom, wo es auch nur gerade Straßen gab. Für ein gutes Moped wie mich aber viel zu langweilig. Ich steh auf Kurven. Als wir einige Kilometer weiter an eine eingestürzte Brücke kommen und warten müssen, bis der Bagger eine zumindest für Mopeds passierbaren Damm aufgetürmt hat, scheint sich meine dunkle Vorahnung langsam zu bestätigen. Nachts zuvor hat es stark geregnet und es dauert nicht lang, bis ich mal wieder matschige Tatzen krieg´. Aus der Nebenstraße wird ein Schottersträßchen, aus dem Sträßchen ein matschiger Trampelpfad. Davon stand nix im Loose. Die beiden sind trotzdem noch ganz im Staunen von der Landschaft und dem ländlichen Leben entlang des Weges, immer wieder kommen uns Ochsenwägen und von Hand gezogene Karren entgegen. Die Begeisterung ist jeweils auf beiden Seiten groß, oft fahren hier jedenfalls keine Ausländer. Das frisch geschnittene Korn wird hier noch von Hand in die Dreschmaschine geworfen.

Mit der Zeit schwitzt Uli immer mehr vor Anstrengung, damit wir nicht alle zusammen im Dreck liegen und Biene steigt öfters mal ab und läuft über die ganz schlammigen Stellen. Am Spätnachmittag stehen wir dann mal wieder vor´m Wasser. Erst jetzt wird mir klar, was unser Ziel, die „4.000 Inseln“ wirklich bedeuten – ich soll über´s Wasser! Katzen sind wasserscheu, hab ich das eigentlich schon mal erwähnt? Den beiden ist das jedenfalls herzlich egal. Mit Anlauf schuckt mich Uli auf den kleinen Kahn, der flucks vom anderen Ufer rüber fährt, als er uns am Ufer warten sieht. Das Ding ist so winzig, ich kann mich nicht mal darauf umdrehen. Und schon sind wir auf der ersten Insel. Weiter schaffen wir heut nicht, also quartieren wir uns im einzigen Ort der Insel für eine Nacht ein. Am nächsten Tag wird noch 2mal mit gruslichen Dschunken übergesetzt, dann sind wir endlich auf Don Khong, eine kleine und eine der bekannteren Inseln der Si Phan Don  (zu dt. 4.000 Inseln). Ob es wirklich 4.000 sind weiß ich nicht, ist mir aber auch recht piepe. Die 2 suchen sich mal wieder einen Bungalow mit Hängematte am Mekong raus und ich stell mich drunter. 3 € kostet die Übernachtung. Das sind noch Preise hier, miau. Don Khong ist dafür bekannt, dass man hier eins ganz toll tun kann: nix! 😀 Irgendwie haben sich die 2 das aber ein bisschen spannender vorgestellt. Von der Partystimmung, von der sie gehört hatten, ist jedenfalls weit und breit keine Spur. Zwar gibt es überall „magische“ und „fröhliche“ Dinge im Angebot, aber die Partypeople dazu sind wohl ausgeflogen. Ne, das ist nicht so der Reisser. Aber so ganz ohne chaotischen-laotischen Verkehr traut sich hier auch Biene mal an meine Pedale. Ich schnurr natürlich wie ein Samtkater. Also machen wir noch einen Tagesausflug auf die Zwillingsinsel, Don Khon und uns dann mit der Fähre wieder vom Acker bzw. der Insel.

Unser nächstes Ziel: Kambodscha! Bis zur Grenze sind es nur noch knapp 40 Kilometer, die legen wir dann auch tatsächlich mal auf dem Highway 13 zurück. Aber denkste, so einfach kommen wir nicht rein. Da könnte ja jeder kommen… An diesem Tag jedenfalls werden wir Kambodscha nicht mehr sehen!

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Unsere Katze erzählt

Liebe Leute, ich hätte nie gedacht, dass man für 80 Kilometer 2 Tage benötigen kann. Tut man aber.
Und zwar im laotischen Dschungel:

Die Tour begann ja noch ganz harmlos. Eine Alternative zum Highway 13 hatten die beiden rausgesucht. So biegen wir gen Osten Richtung Vietnam ab und fuhren teilweise den alten Hoh Chi Minh Pfad entlang, bevor wir Richtung Süden auf die kleine, laut Loose Reiseführer lediglich in der Trockenzeit befahrbare Straße 23 abbiegen. Die soll außerdem nur von erfahrenen Motorradfahrer gefahren werden, da es auch ohne Regen eine Cross-Strecke ist. An Selbst- und Gottvetrauen mangelt es den zwei ja wirklich nicht, meine Güte. Ich bin zwar echt ein tolles Moped, aber nun auch nicht gerade eine Geländemaschine. Naja, so weit so gut. Sie würden schon wissen, was sie da tun – dachte ich! Auch als Moped kann man sich ja mal irren. Bis zu unserem Ziel, dem Bolaven-Plateau im Südwesten des Landes, waren es von hier nur noch knappe 100 Kilometer. Das würde ich schon irgendwie rumkriegen. Als besagte Straße von einer Schotter- in einen sandigen Trampelpfad mit tiefen Wasserrinnen übergeht und wir stundenlang kein anderes Fahrzeug sehen, kommen mir jedenfalls schon leichte Zweifel. Als wir dann noch vor einer lang eingestürzten Brücke stehen und stattdessen mit einem kleinen Kahn den großen Fluss überqueren müssen, schwant mir Böses.

Alternative zum Highway, pah! Als wir tatsächlich wieder ein paar Hütten sehen, fragen die zwei erstmal, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Sind wir, oh wunder. Also geht die holprige Fahrt langsam weiter, immer den Trampelpfad entlang. Der wird immer schmaler, die Bäume höher und enger und das Blätterdach darüber dichter. Die Fahrt verlangt uns allen Drei ganz schön was ab… Uli ist voll konzentriert, um auf dem sandigen Boden nicht wegzurutschen, ich bin voll mit dem auf und ab über die tiefen Löcher beschäftigt und Biene hält unser Gepäck mit einem Band zusätzlich mit aller Kraft von oben fest. Für dieses Gelände war der Gepäckträger nicht ausgelegt. So geht es weiter, bis uns in einem kleinen Dorf mit Händen und Füßen klar gemacht wird, dass wir ca. die Hälfte des Weges geschafft haben. Es ist 17 Uhr und dämmert schon langsam. In einer Stunde ist es stockfinstere Nacht. Es ist klar, dass schaffen wir heute nicht mehr. Guter Rat ist teuer. Das Dorf besteht aus einer Ansammlung von 10 Hütten auf Stelzen, keiner spricht englisch und wir stehen mitten im Dschungel. Zum Glück entdecken die beiden einen Pavillon auf Stelzen, auf dem sie übernachten dürfen. Hier wird das Zelt aufgeschlagen, dass die beiden seit China mit sich herumtragen. Ich werd darunter gestellt. Mir können Schlangen und sonstiges Getier ja nicht viel anhaben, vielen Dank auch. Uli entdeckt in dem Dorf Gott sei Dank Benzinfässer zum Tank auffüllen und einen kleinen Laden, in dem es Bananen, Kekse und vor allem Wasser gibt. Als es langsam dunkel wird, erhellen Lagerfeuer vor den Hütten den Nachthimmel und die Frauen holen Wasser zum kochen am Dorfbrunnen. Der ist die einzige Wasserquelle des Dorfes und gleichzeitig Trink-, Wasch- und Duschbrunnen. Uli macht ebenfalls ein großes Lagerfeuer – an das Biene aber gar nicht sitzen will, nachdem sie im Gras eine tote Schlange entdeckt hat. Die war ja sicher nicht die letzte ihrer Sorte… So klettern sie bald auf ihren Pavillon. Von dort, weit weg von jeglicher lichtverschmutzenden Zivilisation, glotzen sie noch eine ganze Weile in einen gigantischen Sternenhimmel, bevor sie mit vielen Dschungelgeräuschen im Hintergrund einschlafen.

Um der Mittagshitze zu entgehen, geht´s um 6 Uhr am nächsten Morgen weiter. Schon bald wird´s kritisch – der kleine Trampelpfad gabelt sich immer wieder. Rechts? Links? Der eine Pfad sieht so aus, als wäre er schon seit Ewigkeiten nicht mehr befahren worden, auf dem anderen hängen die Äste so tief über den Pfad, dass die 2 in Jockeyhaltung und mit eingezogenen Köpfen fahren müssen. Und das soll richtig sein? Aber irgendwohin muss es ja weitergehen… Oder vielleicht doch der andere Weg? Wir probieren sie alle.

Und hier stehe ich nun. Mitten im Dschungel, mit abgebrochenem Gepäckträger, klatschnassem Motor und verbogenen Pedalen. Hinter uns ein breiter Fluss. Wir Katzen wissen schon, warum wir wasserscheu sind! Durchgejagt haben sie mich trotzdem. Nachdem Biene barfuss getestet hat, wie tief das Wasser ist, hab ich mich schließlich von Uli überreden lassen, mit Anlauf durchzuspringen. Tja, das haben sie jetzt davon.

Mit Bambusstöcken wird der Gepäckträger notdürftig ersetzt, Biene schultert die Last zusätzlich und weiter. Eine halbe Stunde später macht uns ein Mann, der im Wald liegt (??) mit Händen und Füßen klar, dass es hier nicht weitergeht. Mit einem Stock in den sandigen Boden malt er uns den Weg auf. Und er malt einen breiten Fluss… Also zurück. Dass jeder, den wir sporadisch unterwegs sehen – vom 6-jährigen Kuhhirten bis zu im Fluss Wäsche waschenden Frauen – uns eine andere Richtung weist, hilft auch nicht wirklich weiter.
Klar wird, dass die beiden keinen blassen Schimmer mehr haben, wo es weitergehen soll. Am Fluss entlang? Oder drüber und südlich? Oder dahinter abbiegen nach Westen? 3 Stunden später stehen wir wieder kurz vor dem Dorf, in dem wir frühmorgens aufgebrochen sind. Geld wollen sie jemandem anbieten, damit er mit dem Moped vorausfährt, uns den Weg zeigt und aus dem Dschungel rausbringt. Während sie das mit Händen und Füßen rüberzubringen versuchen, kommt ein Auto.

Und sapperlott, haben die beiden ein Glück: In dem Pick-up sitzt ein einheimisches Paar, das zufällig in dieselbe Richtung fährt. Wie der große Geländewagen in den Dschungel kam oder wie er durch die Wege, die wir an diesem Morgen gefahren sind, durchkommen soll, ist mir ein Rätsel! Selbst ich als rankes und schlankes Moped kam ja manchmal kaum durch.
Schnell schmeißen wir das Gepäck hinten auf die Ladefläche, Biene steigt hinten ins Auto ein und jetzt wird´s richtig lustig…. Der große Pick-up voraus, Uli mit mir hinterher geht die Geländefahrt erst so richtig los! Durch mindestens ein Dutzend größere und kleinere Flüsse (manche so tief, dass mir doch glatt die Luft weg bleibt und ich ausgehe), steile Abhänge hinauf und hinunter, durch 10 Meter langen knietiefen Matsch geht der „Weg“.

Ha, ich weiß schon was die beiden bei ihrer Navigation falsch gemacht haben: sie haben immer den Weg genommen, der am passabelsten aussah. Richtig wäre der gewesen, der am allerwenigsten passierbar scheint! Der große Geländewagen kämpft trotz Allrad ganz schön und die Kratzer, die sich allein auf dieser Strecke tief in den Lack gegraben haben, würden wohl jedem der männlichen Leser hier das Herz bluten lassen.

Nach 5 anstrengenden Stunden lichtet sich der Wald langsam. Eins steht fest: Allein hätten wir den Weg hierhin NIE gefunden. An einer Kreuzung trennen sich die Wege wieder. Mehr als ein herzliches Danke wollen die Helfer in der Not partout nicht annehmen. Biene wechselt wieder auf den Sozius, schultert den großen Rucksack, der sonst auf dem Gepäckträger liegt (die Bambuskonstruktion hatte mittlerweile den Dienst versagt)und weiter geht´s. Nach kurzer Zeit kommen wir in einen kleinen Ort, in dem wir Trinkwasser kaufen und Benzin auffüllen können. Für beides war es höchste Eisenbahn. Die Reaktion der Einheimischen, die sich schnell alle neugierig um uns versammeln lässt vermuten, dass hier nicht oft Menschen mit weisser Haut und roten Haaren oder mit Bart vorbei kommen. Und wahrscheinlich erst recht nicht von oben bis unten mit rotem Sand paniert. Wohl auch eher selten führen Besucher beim Anblick einer eiskalten Cola einen Freudentanz auf 😀 Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Händen und Füßen und sind froh, als der Weg kurz hinter dem Dorf langsam wieder zu einer Straße wird.

Obwohl wir drei ganz schön geschlaucht sind, wollen die beiden in der Stadt Savannakhet noch weiter bis zum Bolavenplateau fahren. Gegen Abend fängt es aus vollen Kübeln an zu regnen und ich bin Mopedgottfroh, als wir mal wieder nach Einbruch der Dunkelheit und klatschnass in Tad Lo ankommen.

Sense für heute.

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Erinnert ihr Euch noch? Von der laotischen Hauptstadt Vientiane sind wir Mitte Oktober über den Mekong zurück nach Thailand gefahren, um dort ein Moped zu suchen. Soweit der Stand im letzten Südostasien-Bericht aus Vang Vieng.

Zurück in Thailand werden wir noch am selben Tag in der Grenzstadt Nong Khai fündig. Nach einem Nachmittag Abfahren unzähliger Motorrad-Shops entdecken wir im Hinterhof einer Werkstatt einige Second Hand Maschinen zum Verkauf. Nachdem wir uns die verschiedenen Modelle von „sehr basic“ ‚a la erstes-Moped-mit-16 über „beliebt“ à la kultige-Honda-Win bis „luxuriös“ ‚a la asiatische-Familienkutsche-für 5-Personen angesehen haben, entschließen wir uns am nächsten Morgen direkt zum Kauf – aber wie das alles so war und was dann passiert, kann unsere Katze eigentlich viel besser erzählen!

UNSERE KATZE ERZÄHLT:

„Miau, Katze mein Name. Nicht Katze wie Stubenmieze, sondern Katze wie Wildtiger. Ich bin nämlich ein reinrassiges Moped der Marke Kawasaki, Modell 112 cc „Kaze“ mit semi-automatischem Kraftstrang auf der Hinterhand. Und mit Charakter. Nachdem das geklärt ist, will ich Euch mal verklickern, wie das so war, damals im Oktober 2014 im tiefen Isaan in Thailand. Alsooooo….

Ich dachte mir, ich spinne. Da steh ich hier nun schon fast 2 Jahre dösend im Halbdunkeln des Hinterhofs dieses Shops, in den mich mein Alter verkauft hat, als plötzlich dieses deutsche Backpacker-Pärchen mit den verwuschelten Haaren hier aufkreuzt und jede Menge Tumult reinbringt. Die versteht ja auch keiner. Nicht ein Wörtchen Thai sprechen die. Es ist ja nicht so, dass das hier Bangkok ist, wo jeder ein paar Brocken Englisch spricht. Das ist die tiefste, untouristischste Provinz Thailands hier, man.

Und die beiden wussten überhaupt nicht, was sie wollen. Nur günstig, das soll es sein. Und möglichst fahrbereit. Den Dicken neben mir, auf den die zwei mit ihren mitteleuropäischen Wohlstandshintern locker beide draufpassen, der sich aber auch nicht unter Wert verkauft, schauen sie sich lange an. Fahren ihn Probe. Genauso wie den Zwerg auf meiner anderen Seite, der für ´nen Appl und ´n Ei schonmal den Besitzer wechseln würde. Und der große, ich nenne ihn Uli den Lenker, schaut sich beide ganz genau von unten bis oben an. Sieht so aus, als ob der was davon versteht. Jedenfalls stellt er meinen Zwillingskumpel gleich wieder weg, als er merkt, dass er hinten plattfüßig ist. Als seine Freundin, ich nenne sie Biene die Sozius, auch noch mosert dass sie ihre Füße bei meinem Zwilling und mir nicht ausstrecken kann, ist der Fall für mich erledigt. Ich lass die beiden noch stundenlang weiter überlegen und hör gar nicht mehr hin, bis der Laden dicht macht.

Umso überraschter bin ich, als die beiden am nächsten Morgen wieder auf der Matte stehen. Und verkünden, sie hätten nochmal eine Nacht darüber geschlafen und wollen mich jetzt mitnehmen. Bitte was?! Klar, ich bin preis-leistungsmäßig große Klasse, aber hallo? Ich hab hier wohl gar nichts zu melden. Bei der Probefahrt zick´ ich also erstmal etwas rum, aber es hilft alles nichts. Uli der Lenker meint, dass er das schon alles hinbiegen kann. Na, das wollen wir ja mal sehen. Mit Händen und Füßen wird noch ein bisschen gehandelt, die beiden schlagen nagelneue Spiegel und einen Einkaufskorb für mich und einen farblich zu mir passenden Helm für sich raus und dann scheint mein Schicksal besiegelt. Noch während meine Haushälterin die Papiere umtragen lässt, werkelt Uli der Lenker schon an mir rum. Er prüft mich auf Herz und Nieren, verordnet mir als übervorsichtiger Deutscher eine Vorsorgeuntersuchung, zieht meine lockeren Schrauben nach und verpasst mir zu guter Letzt sogar noch einen Gepäckträger. Sieht gar nicht so schlecht aus. Auch die überlangen Fußpedale, die ich krieg, damit Biene ihre Hax´n bequem ausstrecken kann, machen was her.

Ich glaube fast, mit den beiden kann ich noch ´ne Menge Spaß haben. Als sie später allerdings mit ihrem gesamten Krempel ankommen, glaub´ ich eher, dass sie doch ´ne kleine Meise haben. Ich bin schließlich kein Lastesel. Wie soll ich die beiden, deren zwei 20 kg-Rucksäcke, ihren 5 kg Tagesrucksack samt Kleinkram bitteschön vom Fleck kriegen? Aber ich wäre schließlich keine Kawasaki, wenn ich das nicht mit links schultern würde. Ein großer Rucksack zwischen den Beinen von Uli dem Lenker, der andere auf dem Gepäckträger hinten, das Ersatzrad drunter (ich sag´s ja – übervorsichtige Deutsche) und den Tagesrucksack obendrauf – so hat Biene die Sozius und Fotografin beide Hände frei und sogar eine Rückenlehne zum anlehnen. Der Kleinkram wird im Einkaufskorb vorne verstaut.

Und dann wird´s spannend. Den ganzen Tag jagen mich die zwei über den Highway Richtung Osten, übernachtet wird im kleinen UNESCO Weltkulturerbe Dorf Ban Xai, in dem vor einigen Jahren uralte Werkzeuge von irgendwelchen Urmenschen gefunden wurden. Naja, Menschkram halt.
Dann geht´s weiter Richtung Osten. Mir schwant Böses – und ich sollte Recht behalten: Wir rasen geradewegs auf eine der 5 Freundschaftsbrücken der thai-laotischen Grenze zu. Ich hab´mich echt gefragt, ob die beiden wissen, was sie da tun. Denn die Brücken sind für Zweiräder tabu. Wie sich herausstellt, wissen die 2 das schon – und schicken mich auf gut Glück trotzdem mal auf die Brücke. Ich sag´s Euch – diese beiden! Ich stell mich also in bester Manier vor den thailändischen Grenzbeamten. Uli hält sich dezent im Hintergrund, während Biene als meine Besitzerin ihr Glück versucht und ganz überraschend erfährt, dass Zweiräder gar nicht auf die Brücke dürfen? Ach was?! Also fragt sie mal ganz nett den Beamten, ob es nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, ausnahmsweise…?! Und es klappt. Der Grenzbeamte willigt schließlich ein, uns über die Brücke zu lassen. An ihnen läge es ja nicht. Und sollten wir auf laotischer Seite nicht einreisen dürfen, dürfen wir auch wieder über die Brücke zurückkommen. Aber soweit kommt´s noch. Ich bekomme mein 30-Tage-Visum, beim Zoll hat auch alles seine Ordnung und dann lässt uns der Grenzbeamte durch die einzige Fahrbahnspur fahren, die nicht kamera überwacht ist 😀 Die Auch die Einreise auf der anderen Seite des Mekongs ist auch überraschend einfach: wenn wir jetzt schon mal da sind, können wir ja auch reinkommen. Ohne einen einzigen Cent Schmiergeld. Das hätten die 2 nicht gedacht.

Vielleicht bin ich damit das erste Motorrad, dass über diese Freundschaftsbrücke gefahren wurde 😀 Jedenfalls bin ich das erste Mal im Ausland und die zwei stecken mich mit ihrer Freude richtig an. Laos! Mensch, wer hätte das vor 2 Tagen schon gedacht, dass ich als wasserscheue Katze mal noch den Sprung über den Mekong schaffe und Thailand von außen sehe.

Vor Aufregung hab´ ich doch glatt eine dicke Wimper im Auge und kann mein vorderes Licht nicht mehr richtig kontrollieren. In vollkommener Dunkelheit geht es so in die 10 km entfernte Stadt Takhek. Da wird es den zwei oben drauf doch auch mal ein bisschen mulmig. Ohne Licht im Dunkeln von riesigen Lastern überholt zu werden macht denen wohl keinen Spaß. Die Fahrt auf der holprigen Buckelpiste – immerhin die Hauptverkehrsstraße des Landes von Nord nach Süd – sollte schon ein Vorgeschmack auf die Rumpelpisten der nächsten Wochen sein. Hätte ich gewusst, auf welche Straßen mich die zwei in diesem Land noch schicken würden, hätt´ ich ´mich vielleicht nicht so gefreut. Aber so bin ich noch gespannt auf die erste richtige Fahrt mit den beiden. Die Häuseransammlung Takhek ist nicht gerade ein gemütliches Plätzchen und so mach ich den 2 Feuer unter dem Hintern, damit wir am nächsten Morgen auch gleich zur Tour über das laotische Zentralplateau aufbrechen.

Los geht’s das erste Stück über die flache Ebene, zwischen Karstgebirgen durch und vorbei an den ersten Höhlen, in die die zwei eigentlich reinklettern wollten. Tja, wenn ich erstmal renne halte ich so schnell nicht mehr an. Und Schilder lesen müssten die beiden schon selbst. Die Landschaft ist auch so schön genug und ohne unnötigen Unterbrechungen kommen wir so schon gegen Mittag am Stausee an. Hier wurde vor ein paar Jahren ein nicht unumstrittener Stausee angelegt, um ein Wasserkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Dafür mussten über 1.000 Anwohner umgesiedelt werden, weil die existierenden Dörfer einfach geflutet wurden. In einem Land, in dem gefahrlos nutzbarer Boden eine Rarität ist, menschenrechtlich sehr schwierig. Rechtzeitig zur Mittagspause des eigentlich zur Besichtigung offenen Werkes sind wir an der Staumauer. Also wird auch aus dem Sightseeing-Programmpunkt nichts und wir düsen weiter. Am Stausee finden wir ein gemütliches Guesthouse und die zwei bestellen sich was zu knabbern. Das Sabaidee Guesthouse mit direktem Blick auf´s Wasser ist so gemütlich, dass die beiden doch glatt ein Mittagsschläfchen dranhängen und beschließen, heute nicht mehr weiterzufahren sondern sich für 5 € in einen der einfachen Holzbungalows mit Hängematte und direktem Seeblick einzumieten. Na, mir soll´s recht sein. Während ich mich in der Mittagshitze räkle, liegen die beiden in der Hängematte und erkunden die Umgebung zu Fuß. Abends sitzen sie mit den einzigen anderen Gästen, einem englischen Pärchen auf Asienreise, am Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten aus. Und einen Sternenhimmel gibt es hier, man o man. Keine störenden Lichter weit und breit lassen tausende Lichter am Firmament funkeln und die ein oder andere Sternschnuppe ist auch dabei. Biene kommt kaum ins Bett vor lauter glotzen.

Am nächsten Morgen geht´s trotzdem schon um 5:00 Uhr zum spektakulären Sonnenaufgang raus. Die 2. Etappe führt laut Loose über schlechte, unasphaltierte Straßen und die nächste Ortschaft ist erst nach 4 Stunden zu erwarten. Dort wollen die zwei vor der Mittagshitze ankommen. Und echt, die Straßen sind mies bzw noch gar nicht vorhanden, da erst noch im Bau. Zum Glück ist Uli der Lenker so ein passabler Fahrer. Ohne Sturz passieren wir so auch das steilste Stück, eine hügelige Sandpiste und schleichen vorbei an staubenden LKWs und eingegrabenen Wassergräben. Die nächste Ortschaft kündigt sich wie üblich mit winkenden Kindern in Schuluniform auf Fahrrädern und großen Staubwolken an. Eine Besonderheit ist der Affe, der angeleint vor einem Haus sitzt. Ein Wachaffe? Hier biegen wir nach Westen ab und düsen 2 weitere Stunden entlang durch ein herrliches Tal mit goldgelben Kornfeldern und grünen Wiesen, das von Karstbergen eingegrenzt ist.

Dann erreichen wir eins der großen touristischen Highlights von Laos: die Konglor Höhle. Für mich heißt das: Pause. Ich stell mich in den Schatten. Die 2 werden im Ruderboot über den Fluss zum Höhleneingang gerudert. Später erzählen sie, dass sie dort ihren Guide getroffen haben und ins nächste Boot gestiegen sind. Die Konglor Höhle wird auf 8 km von einem Fluss durchhöhlt und kann nur vom Boot aus erkundet werden. Sie ist eine der spektakulärsten Höhlen von Laos. Mit dem Motorboot geht es in rasanter Fahrt und in fast vollkommener Dunkelheit in den Höhlenschlund. Schnell ist es stockfinster und der Käpt´n orientiert sich im Zickzack-Kurs nur per Taschenlampe an Felsenmarkern, damit das Boot nicht an den spitzen Felsen schrofft. Zum Glück haben Biene & Uli ihre eigene Taschenlampe dabei, sonst wäre nicht viel zu sehen gewesen von den beeindruckenden Formationen im Felsenlabyrinth. Nach einigen Stromschnellen steigen sie in der Mitte der Höhle aus. Hier geht es zu Fuß über die Sandsteinfelsen an einer Seite der Höhle. Zu sehen gibt es toll geformte Stalagniten und Stalaktiten in verschiedenen Formen. Zu sehen sind sie wirklich, denn dieser Teil der Höhle wird per Lichtschalter mit Strahlern ausgeleuchtet.

Drumrum nehmen wir dem Tag an Wetter alles mit, was Petrus zu bieten hat: ein wunderschöner, wolkenloser Sonnenaufgang, auf einen Schlag wolkenverhangenen Himmel mit Nebel, gleißend heiße Mittagssonne, Windböen, Sommergewitter mit Platzregen, dramatisches Abendlicht. Bevor wir an Übernachtungsstopp ankommen, wird es mal wieder Nacht. Das mit dem Timing haben die zwei noch nicht so raus. Über die stockdunkle Schotterstraße geht es vorbei an unbeleuchteten Kühen, Mopeds und Traktoren zum Glück heil in den nächsten Ort Kong Kham.

Der dritte Tag der Tour kann landschaftlich mit den ersten beiden nicht mithalten. Auf dem Highway Nr. 13 (= wieder die schlechteste Hauptverkehrsstraße eines Landes) geht es nach einem steilen Anstieg mit noch toller Aussicht über das Hochplateau schnurgerade und wenig spektakulär zurück nach Takhek. Skurriles Highlight auf dem Weg: eine an einem Seil 1 Meter über die Straße baumelnde tote Ratte. Schlangenfänger? Oder Verkaufswerbung?
In Takhek holen wir die großen Rucksäcke der beiden im Hostel ab, wo wir sie während der Tour zwischen geparkt haben. Zwar war mein bewachter Parkplatz ganz nett, aber die Zimmer der Travel Lodge waren genau wie Takhek selbst wohl etwas ungemütlich. Deshalb wollen die zwei gleich weiter fahren. An mir soll´s nicht liegen. Aber dass mir nachher keiner jammert, dass das Sitzfleisch schmerzt.

Biene die Navigatorin sucht uns als Alternative zum Highway 13 ein kleines Sträßchen am Mekong entlang raus. Durch kleine Dörfer geht es schön entspannt Richtung Süden. Am nächsten Tag ist es mit der Entspannung vorbei. Dort erwartet mich ein Abenteuer mit den beiden, dass ich mir so nie hätte träumen lassen! Ich hab es ja schon am Anfang vermutet – ein bisschen verrückt sind die zwei auf jeden Fall… Ich sag´nur: Der Dschungel ruft!

Vang Vieng – hat hier jemand  P A R T Y  gerufen?!

Vang Vieng – hat hier jemand P A R T Y gerufen?!

Die Fahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng bestärkt uns noch in unserem Wunsch, uns einen eigenen fahrbaren Untersatz zuzulegen. Denn auch für den von uns ausnahmsweise gebuchten Touristen-Minibus gilt dasselbe wir für alle öffentlichen Verkehrsmittel: Abfahrt ist, wenn der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt ist! Für uns heißt das: 1 Stunde zusätzliche Fahrt durch die Straßen Luang Prabangs, da noch 2 Plätze frei sind. Etwas genervt erreichen wir so erst nach 4 Stunden das eigentlich nur 2 Stunden entfernt liegende Vang Vieng.

Hier angekommen, ergreift aber schon bald der tiefenentspannte „Vibe“ von uns Besitz, der über dem ganzen Ort liegt und alle Reisenden tagsüber entweder in Feierlaune oder in einen halbkomatösen Dämmerschlaf zu versetzen scheint.

Vang Vieng hat sich vor einigen Jahren hauptsächlich durch eine Aktivität einen festen Stammplatz auf dem „Banana-Pancake-Trail“ der Backpacker durch Südostasien gesichert: TUBING. Dabei lässt man sich in einem alten LKW-Reifen sitzend mit der Strömung den Fluss hinunter treiben. (Als Biene vor knapp 8 Jahren auf der anderen Seite des Globus´ das erste Mal von Vang Vieng hörte, machte es gerade als Geheimtipp unter alteingesessenen Backpackern die Runde. Da war noch nicht zu ahnen, wie sich das ganze in den kommenden Jahren entwickeln sollte. Bis wir jetzt in 2014 hier ankamen, hatte sich der Hype um Vang Vieng schon selbst überholt.) Denn gleichzeitig hat es sich mit über 20 Uferbars auf einem Abschnitt von knapp 2 Kilometern einen Ruf als Party- und Drogenhochburg gemacht. An jeder Bar konnten sich die dahintreibenden Feierwütigen per Leine an Land ziehen lassen, es gab Schaukeln, Partypodeste und Rutschen für bunten Wasserspaß, wummernde Bässe dröhnten aus den zahlreichen Lautsprechern, massenweise Eimer mit alkoholischen Mixgetränken sowie Marihuana, Opium und Magic Mushrooms fanden sich auf jeder Menuekarte und Kleidung war optional.
Zusammen ergab sich eine Mischung, die uns Deutschen auch bekannt ist als 17. Bundesland auf einer Insel im Mittelmeer. Vang Vieng mauserte sich zum Ballermann Südostasiens, auf einer Ebene mit der Full Moon Party in Koh Phangan.
Die Kombination aus billigen Alkohol, tropischer Hitze, Wassersport und der gefühlten Freiheit, ganz weit weg von zuhause die Party seines Lebens zu feiern, hatte sich für viele jedoch zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit verwandelt. Jedes Jahr starben Menschen und Verletzungen wie Knochenbrüche und Platzwunden waren an der Tagesordnung. 2012 schob die laotische Regierung dem bunten Treiben schließlich einen Riegel vor. Über Nacht mussten alle Uferbars geschlossen werden, sämtliche Wasserbauten wurden abgerissen und strikte Sperrstunden verhängt. Die Folge: die Einnahmen aus dem Tourismus gingen um 70% zurück. Vang Vieng, das wirklich traumhaft gelegen und von Karstbergen umgeben ist und in der nahen Umgebung mit zahlreichen Höhlen, Flüssen und Seen aufwarten kann, versuchte sich verstärkt als Destination für Eco- und Aktivtourismus zu vermarkten.

2 Jahre nach dem radikalen Showdown scheint der Partytourismus nach unserem Eindruck langsam wieder zuzunehmen. In reguliertem Rahmen: Abwechselnd dürfen nur noch 3 Bars entlang des Tubing-Flussabschnitts geöffnet haben, die Tubes müssen spätestens um 18 Uhr wieder abgegeben werden, Drogen sind offiziell streng verboten -wundersamerweise aber trotzdem auf den meisten Speisekarten zu finden- und überall stehen Schilder, die auf korrekte Kleidung und Verhaltensweisen verweisen. Und die großen Massen an Party-Backpackern sind nicht mehr hier. Das schlägt sich vor allen in günstigen Übernachtungspreisen und Freigetränken zur Happy Hour in den verschiedenen Bars im Ort wieder.
So finden wir Vang Vieng also vor. Wir finden auch schnell ein nettes, günstiges Hostel. Wie die meisten Restaurants und Hostels gibt es auch hier die obligatorischen Lounge, in der von morgens bis abends die Serie „Friends“ in Dauerschleife läuft und man sich auf gemütlichen Liegeflächen davor stundenlang unterhalten lassen kann.

Am Tag unserer Anreise findet die wöchentliche Dschungel-Party statt und gleich am ersten Abend stellen wir fest, dass man in Vang Vieng gut feiern kann, ohne viel Geld auszugeben – durch die zahlreichen Happy Hours in den verschiedenen Bars ist es möglich, von 20 Uhr bis 23 Uhr zu feiern ohne einen einzigen Cent für Getränke auszugeben. Als Backpacker durchaus nicht zu verachten 😀

Wir lernen andere Reisende kennen und verbringen gemeinsam einige lustige Nächte in den Bars im Ort. Unter anderem treffen wir die beiden Münchner Steffi & Christo, die seit dem Sommer für 15 Monate ebenfalls auf großer Reise um die Welt sind. Die beiden haben wie wir einen tollen Reiseblog, auf dem sie von ihren spannenden Erlebnissen berichten – und diesen bislang aktueller halten als wir 😉
Schaut doch mal bei den Abenteuern der Zwei rein: www.join-our-journey.com

Natürlich gehen wir auch einen Tag tuben. Wir lassen uns von der gemächlichen Strömung treiben und bei den Uferbars mit Seilen an Land ziehen. In den Bars gibt es nach wie vor Partypodeste, Beer Pong, Trinkspiele, laute Musik und günstige Eimer. Die Stimmung ist gut & es wird ausgelassen gefeiert. Skandale, gefährliche Situationen oder unangebrachtes Verhalten erleben und beobachten wir keine.

Wie klein die Welt doch ist, entdecken wir wieder einmal, als wir hier Jessica aus Pforzheim-Huchenfeld kennen lernen. Wir erkunden noch einige der Höhlen in der Umgebung Vang Viengs und planschen in der wunderschönen Blue Lagune.

Als wir schließlich weiterziehen, haben wir zum Glück eine attraktive Alternative zur Busfahrt in die Hauptstadt nach Vientiane gefunden: Wir reisen auf dem Fluss weiter. Nicht etwa mit dem Boot – nein, wir paddeln selbst! Gemeinsam mit Steffi & Christo, Jessica und 4 anderen Reisenden legen wir die Strecke im Kayak zurück und verbringen nochmal einen lustigen Tag zusammen, bevor in Vientiane unsere Wege wieder auseinander laufen.

Wir statten der wohl entspanntesten Großstadt Asiens, die den Eindruck macht als ob sie viel lieber eine Kleinstadt als Hauptstadt eines Landes wäre (was sie zumindest mit chinesischen Maßstäben mit ihren knapp 400.000 Einwohnern auch ist) nur einen kurzen Besuch ab. Zwar gäbe es auch hier zahlreiche wunderschöne Tempel zu besichtigen, allerdings lassen wir diese bei unserem Besuch links liegen und gehen gleich wieder auf die Suche nach einem Motorrad. Nachdem wir auch hier nicht fündig werden, fahren wir nach 2 Tagen kurzerhand über die Freundschaftsbrücke bei Vientiane mit dem Bus zurück nach Thailand. So schnell geben wir nicht auf!

Mit dem Motorrad durch den hohen Norden Laos‘

Mit dem Motorrad durch den hohen Norden Laos‘

Mit dem obligatorischen Ersatzschlauch ausgerüstet, starten wir zu unserer ersten längeren Motorradtour. Wir haben uns eine Rundfahrt zusammengestellt, die uns in 3-4 Tagen gute 1.100 Km durch den dünn besiedelten und von Regenwald durchzogenen bergigen Norden Laos´ führen soll.

Besagter Ersatzschlauch bringt uns aber leider nichts, als wir gegen Mittag des ersten Tages liegen bleiben. Nach dreistündiger Wartezeit auf den Mechaniker können wir zwar den Service des Verleihs empfehlen, unserem Motorrad bringt das aber nichts: Die Elektronikbox hat den Geist aufgegeben. Für unser Motorrad ist hier Schluss. Wir können unsere Tour zwar mit dem Motorrad des Mechanikers fortsetzen, da es inzwischen aber schon dunkel ist, ist für heute dennoch Sense. Denn nach Einbruch der Dunkelheit auf laotischen Straßen unterwegs zu sein, ist im besten Fall anstrengend, im schlechtesten Fall lebensgefährlich. Nicht nur, dass es quasi keine Verkehrsregeln gibt und jeder so fährt, wie er gerade Lust hat. Viele Mopeds, Ochsenkarren etc. sind auch nachts ohne Licht unterwegs. Genauso wie die vielen Fußgänger, die man meistens erst in letzter Sekunde sieht. Und die sich oft in schlechtem Zustand befindlichen Straßen machen Nachtfahrten auch nicht sicherer.

Am nächsten Morgen machen wir unseren ersten Halt bei der Ebene der Tonkrüge. Auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern stehen hier bis zu mannshohe steinerne Monolithen in der Landschaft. Deren Ursprung gibt der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Unter den Theorien dazu ist unter anderem die Legende von einem Volk Riesen, das hier gelebt haben und die Steinkrüge als Weingläser genutzt haben soll 😀 Für wahrscheinlicher halten wir persönlich die Erklärung von einem antiken Volk, das in den steinernen Gefäßen ihre Toten beerdigt hat.

In Phonsavan besuchen wir ein UXO-Infozentrum. UXO (Unexploded Ordnance = nicht explodierte Munition) ist eine von internationalen Hilfsorganisationen initiierte laotische Organisation, die das Land von Landminen säubert. Denn von diesen verseuchen als tragisches Erbe des Vietnamkrieges heute immer noch ca. 8 Millionen das Land. Bei UXO erfahren wir auch, dass Laos das meist bombardierte Land der Erde ist. Während des Vietnamkrieges geriet Laos zwischen die Fronten, da die kommunistischen Nordvietnamesen mit dem Ho Chi Minh Pfad eine ihrer wichtigsten Versorgungsstrecken durch Laos legten. Und die Amerikaner diese abschneiden wollten. Im Schnitt wurde daher während diesen Krieges über eine Dauer von 9 Jahren alle 8 Minuten ein Bombenangriff geflogen.
Zur besseren Vorstellung: Das sind mehr Bomben als im Zweiten Weltkrieg von allen Alliierten zusammen auf Deutschland und Japan abgeworfen wurden.

Die unzähligen Blindgänger, die noch immer im Boden liegen, stellen für die lokale Bevölkerung tragische Risiken dar:

  • Einmal töten und verletzen sie nach wie vor jährlich Hunderte Menschen, wenn sie durch Berührung explodieren. Damit sind sie ein Hauptgrund für die große Armut der Landbevölkerung. Denn viele Felder liegen aufgrund der in ihnen versteckten explosiven Gefahr brach und werden nicht bewirtschaftet.
  • Zusätzlich bietet das Sammeln von Altmetall eine der wenigen Einnahmequellen für die arme Landbevölkerung. In ihrer Verzweiflung sammeln die Altmetallsammler alles, was aus Metall besteht. Auch Minen und Sprengkörper. Damit gehen sie das Risiko ein, dass sie selbst oder ihre Käufer durch diese ernsthaften Schaden erleiden können.

Durch kleine Dörfer, in denen sich die Menschen noch am Brunnen in der Dorfmitte waschen und in denen unter den Stelzenhäusern Webstühle stehen, führt uns unsere Tour nun Richtung Norden. Immer wieder müssen wir großen Erdmassen ausweichen, die vom Regen der Regenzeit als Erdrutsche auf die Straßen abgegangen sind. Manchmal warnen laotische Warndreiecke vor: das sind aus Zweigen zusammengelegte Pyramiden. Warnschilder warnen auch vor den hier gängigen Verkehrsmitteln der Bewohner der Bergdörfer: in rasantem Tempo die Straßen hinuntersausende Bollerwägen! 😀

Die Wälder werden dichter und die Bäume höher, wir kommen in das Gebiet der nördlichen Nationalparks. Hier ist der Regenwald noch dicht, grün und wild. Die Strommästen sind von Pflanzen überwuchert, Affen tauchen am Straßenrand auf, wir sehen Kinder mit Körben auf den Köpfen beim Brennholz sammeln. In den Dörfern laufen die Kinder ohne Hosen durch die Gegend und die Männer gehen mit Pfeil & Bogen oder Gewehren jagen. Wir winden uns in engen Kurven die Bergpässe hinauf uns genießen die wunderschöne Aussicht über die grüne Weite.

Büffel werden auf den Straßen zu neuen Weideplätzen geführt während auf den Dächern der einfachen Häuser Mais, Chillis und Reis in der Sonne getrocknet werden. Wir weichen immer wieder Federvieh (Rebhühner, Truthähne, Hühner,…), Schlangen, Wild- und Hausschweinen und auf der Straße sich sonnenden Ziegen aus und winken fröhlich den staunenden Dorfbewohnern zu.

Am 3. Tag verändert sich die Landschaft wieder, die Berge werden flacher und wir fahren von der Hochebene ab. Nun geht es auf sandigen Off-Road-Pisten zuerst ins Nirgendwo (ja, wir haben uns verfahren…), bevor wir nach einer kurzen Reparatur des Kupplungszuges durch die Ausläufer eines Karstgebirges wieder Richtung Westen fahren. Im idyllisch gelegenen Dorf Nong Khiaw, das als Geheimtipp unter den Backpackern in Nordlaos gilt, machen wir eine kurze Pause, bevor wir uns auf dem Nord-Süd-Highway Nr. 13, der sich durch ganz Laos zieht, wieder Luang Prabang ansteuern. Allerdings darf man sich von der Bezeichnung „Highway“ nicht täuschen lassen – streckenweise erinnert die Straße mehr an einen Feldweg als an eine zentrale Hauptverkehrsader eines Landes.

Auf den letzten Kilometern vor der Stadt holen wir uns tatsächlich noch einen Platten mit dem wir aber gerade noch so im Guesthouse ankommen. So beenden wir nach den 3 Tagen staubig, unverletzt und glücklich unserer erste Motorradtour auf Reisen.

Wer sich traut, kann hier direkt auf dem Sozius mit uns durch den bildhübschen hohen Norden Laos‘ brettern – es lohnt sich:

3 Tage durch den Norden Laos mit der Lifan 150 cc

Luang Prabang – Reise ins kulturelle Zentrum von Laos

Luang Prabang – Reise ins kulturelle Zentrum von Laos

Unsere erste Station in Laos ist der überraschend nette Grenzort Huai Xai. Hier beziehen wir einen kleinen, einfachen Holzbungalow mit Blick über die grünen Berge und mit Hängematte auf dem Balkon. Anschließend machen uns auf die Suche nach einem Motorbike. Inzwischen sind wir fest entschlossen, Laos und Kambodscha mit eigenem fahrbaren Untersatz zu erkunden. Wir wollen Abenteuerluft schnuppern, uns in unserem eigenen Tempo fortbewegen und uns den Fahrtwind um die Nase wehen lassen – und wir brauchen eine Pause vom Bus fahren. Das größte Angebot am Ort sind Motorräder chinesischer Marken. Die lustigerweise bis auf den Markennamen alle absolut identisch aussehen 😀
Die neuen Räder sind aber alle verhältnismäßig teuer und wir können in dem kleinen Ort keine ordentlichen gebrauchten Motorräder finden. Da wir außerdem gerne auf dem Mekong nach Luang Prabang reisen wollen, beschließen wir, zunächst per Schiff weiter in die größte Stadt des Nordens zu reisen und unser Glück dort zu versuchen.

2 Tage Bootsfahrt auf dem Mekong

Mit einem Holzboot geht es in 2 Tagen nach Luang Prabang. Um die 40 Passagiere finden auf dem Boot Platz und es fährt ein buntes Publikum aus Touristen und Einheimischen mit. In der Hochsaison mögen die Boote flussabwärts vollbeladen sein, als wir allerdings fahren, gibt es keinerlei Platzprobleme an Bord und jeder findet ein gemütliches Plätzchen. Vor dem Anker lichten decken wir uns noch mit Proviant (frische Bananen, Fried Rice und Flussbier) ein, denn eine Küche an Bord gibt es nicht. Es bilden sich schnell kleine Grüppchen unter den Ausländern und es ist spannend, all die anderen Reisenden und ihre Geschichten kennenzulernen. Das Schiff schippert gemächlich den von der Regenzeit milchkaffeebraunen Mekong hinunter. Entlang des Flusses grünen die Hänge und die Landschaft sieht frisch und saftig aus.
Gegen Abend des ersten Tages legen wir in dem kleinen Ort Pakbeng an. Es gibt zahlreiche Unterkünfte, Restaurants und kleine Shops, ansonsten aber nicht viel zu entdecken. Das Dorf hat sich auf die allabendlichen Touristen eingestellt und arbeitet in zwei Schichten – tagsüber wird die Feldarbeit erledigt, abends die Touristen verpflegt. Früh am nächsten Morgen geht es auf die 2. Etappe. Unterwegs regnet es so stark, dass das Schiff für eine Weile ans Ufer fahren und warten muss. Endstation ist einige Kilometer vor Luang Prabang, so dass man keine andere Wahl hat, als auf die schon parat stehenden Tuktuks zurückzugreifen, um in die Stadt zu gelangen.

LUANG PRABANG

Luang Prabang ist das Zentrum von Nordlaos und gleichzeitig das kulturelle Herz des Landes. Zwar ist es nicht die Hauptstadt -das ist Vientiane etwas weiter südlich – dennoch pulsiert hier das Leben. Auf einer Halbinsel am Mekong gelegen, ist das schöne koloniale Stadtzentrum auf drei Seiten von Wasser umgeben, was fast ein bisschen Insel-Feeling aufkommen lässt. In der Stadt selbst geht alles gemütlich zu – Eile ist sowieso ein Wort, das im laotischen Wortschatz selten gebraucht wird! Zum Vergnügen gibt es in Luang Prabang eine Fußgängerzone, auf der allabendlich ein großer Nachtmarkt mit allerlei Kunsthandwerk und Souvernirs im Angebot abgehalten wird. Eine ganze Straße voll mit Essenständen und Fruchtbars und eine Bar Street gibt es ebenfalls. Um die sich natürlich die meisten Backpackerunterkünfte angesiedelt haben. Wie es der Zufall so will, 😉 finden wir hier am Rande der Straße ein nettes Guesthouse, in das wir uns für einige Nächte einquartieren.
Am nächsten Tag ist Biene´s Geburtstag. Dieser beginnt perfekt mit Kaffee und Geburtstagstorte (es passten sogar noch alle 28 Kerzen auf den Kuchen drauf, also bin ich noch jung 😀 ). Anschließend besteigen wir den Stadtberg Luang Prabangs, den für die Buddhisten heiligen Mount Phousi, von dem wir einen herrlichen Panoramablick bis weit über die Stadt hinaus haben. Nach dieser sportlichen Betätigung gönnen wir uns erstmal einen kleinen Lunch mit frischem Fruchtshake und Sandwich. Zum ersten Mal seit langem gibt es wieder Baguette. Das wird in Laos an jeder Ecke verkauft – ein Erbe aus der französischen Kolonialzeit. Am Nachmittag machen wir „Urlaub“ im „La Pistoche“, einer Oase mit Swimming-Pools samt Poolbar. Herrlich 😀 Als es dunkel wird, wollen wir in die Stadt zurück fahren und teilen uns ein Tuktuk mit einem lustigen Franzosen, der auf der Rückfahrt von einem Ausflug zum nahen Dorf Ban Xang Hai ist – das Dorf wird auch Whiskey-Dorf genannt, da es berühmt ist für die Herstellung des lokalen und viel getrunkenen Whiskey/Reisschnaps Lao-Lao. (1 Flasche lokaler Whiskey kostet einen Bruchteil von 1 Bier). …dies ist der Beginn einer grandiosen Nacht! Obwohl die Bars in Luang Prabang nur bis 23 Uhr geöffnet haben dürfen, ist die Nacht damit noch lange nicht vorbei. Einige Kilometer außerhalb gibt es eine Bowling-Bahn, für die diese Sperrstunde geheimnisvollerweise nicht gilt. Um 23 Uhr braucht man sich nur in eines der zahlreichen Tukutuks zu setzen, die vor jeder Bar bereit stehen, um die Scharen feierlustiger Nachteulen genau dorthin zu bringen. Kurz vor Abfahrt treffen wir die 3 Augsburger Anna-Lena, Rüdiger und Alex sowie ein italienisches Pärchen wieder, das ebenfalls auf Weltreise ist. Die 5 haben wir auf der Bootsfahrt nach Luang Prabang kennen gelernt. Was folgt, ist die wohl grandioseste Bowling-Nacht ever… 😀

In Luang Prabang kann man locker länger „hängen bleiben“ als man plant. So geht es auch uns. Wir passen uns dem langsamen Tempo Luang Prabangs an, Biene macht jeden Morgen Yoga am Mekong, wir machen einen Ausflug zum Wasserfall Tad Sae, der mitten durch die Landschaft in natürlichen Pools hinunter rauscht und nur per Boot zugänglich ist, schlendern über den Nachtmarkt, kosten allerlei lokale Leckereien und besichtigen das älteste buddhistische Kloster der Stadt. Überhaupt spielt der Buddhismus hier in Luang Prabang eine wichtige Rolle.

Wie auch schon in Myanmar ziehen die buddhistischen Mönche der zahlreichen Klöster hier jeden Morgen auf Almosengang in langen Reihen durch die Straßen der Stadt. Die Bewohner kochen schon frühmorgens Klebreis, Gemüse und Fleisch und stellen sich damit vor ihre Häuser, um diese den Mönchen in ihre Almosenschüsseln zu reichen. Die Gläubigen erbringen durch ihre Spende eine gute Tat und der Mönch gewährt diese, indem er die Gaben annimmt. Die ganze Zeremonie geht schweigend vonstatten und ist eine andächtige, würdevolle Darbietung. Leider gibt es aber viele rücksichtslose Touristen, die dieses Ritual durch aufdringliches Fotografieren und durch unangebrachtes Verhalten den Mönchen gegenüber stören. Es ist wirklich ein ergreifender Anblick, wenn im Dunst von rotem Morgenlicht Scharen von orange gekleideten Mönchen durch die stillen Straßen ziehen. Da sich die Mönche durch die vielen aufdringlich fotografierenden Touristen aber dermaßen gestört fühlen, dass bereits viele aus Luang Prabang in die umliegenden Dörfer außerhalb umgesiedelt sind, wollen wir das respektieren und es gibt hier bei uns nur 2 Bilder von der Ferne, aufgenommen ohne Blitz aus dem zurückgesetzten Eingangsbereich unseres Guesthouse. „Monks are no monkeys“

Unsere Suche nach einem Motorbike ist leider auch in Luang Prabang erfolglos. Nach vielem recherchieren, unterschiedlichen Informationen und Besuchen auf der Einwanderungsbehörde, der Polizeiwache und in Verkaufsshops stellt sich schließlich sogar heraus, dass es als Tourist illegal ist, ein neues Motorrad in Laos zu kaufen. Wir sind etwas niedergeschlagen, wollen unser Glück aber dennoch noch in Vientiane probieren.

Da wir den Norden Laos´noch erkunden wollen, leihen wir uns für 3 Tage eine geländegängige Maschine aus. Einen Einblick in unsere Rundfahrt gibt es hier:

Nach unserer Tour verbringen wir nochmal 2 Nächte in Luang Prabang, da nun das dreitägige Festival Bun Ok Phansaa, das jährliche Fest zum Ende der Regenzeit und zum Ende der buddhistischen Fastenzeit der Mönche, gefeiert wird.
Zum Festival finden tagsüber Ruderwettbewerbe auf dem Mekong statt. Mit Einbruch der Dunkelheit werden die zahlreichen Klöster mit Kerzen erleuchtet und festlich geschmückt. In tagelanger Vorbereitung wurden überall Boote aus Bambusholz gebaut, die an einem Abend in einer großen Prozession mit viel Musik und Kerzenlicht, durch die Stadt zum Mekong gebracht werden. Hier werden sie zu Wasser gelassen und treiben begleitet von zahllosen Kerzen in Booten aus Bananenblättern den Mekong hinunter. Gemeinsam mit Katharina und Theresa, zwei Mädels aus Österreich und Deutschland, die bei uns im Guesthouse wohnen und auf dreimonatiger Asienreise sind, schauen wir uns das Spektakel an und verbringen lustige Stunden in der Bar Street.

Und dann kriegen wir doch noch die Kurve und ziehen weiter. Es ist Partytime. Vang Vieng wartet….

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