Vanuatu

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

Im Auge des Vulkans – Heiße Weihnacht auf Tanna Island

BOOOOOOM boooom! Wir stehen direkt am Kraterrand. Schooouusch schooouuuusch!! Immer wieder. SCHOOOOUUUUSCH!! Vor uns geht es steil hinunter ins Auge des Vulkans! Nur wenige Meter liegen zwischen uns und dem blubbernden Magma. Boooom booooom! Unter unseren Füßen spüren wir, wie die Erde bebt! BOOOOOM!

Über uns steigt eine pechschwarze Aschewolke Hunderte Meter hoch in den Himmel! Der Anblick ist unvergesslich! Wieder erzittert die Erde. Schoooooousch! Dieses Mal speit der Vulkan zusätzlich zur Asche glühende Lavabrocken hoch über unsere Köpfe hinweg in die Luft! Waaaaahnsinn!

Es wird heiß und funkig!Wir ducken uns instinktiv. Dann schauen wir uns mit großen Augen an, nicken und gehen Hand in Hand noch einen winzigen Schritt näher an den Abgrund. Noch weiter geht wirklich nicht. Sonst kullern wir den steilen Abhang hinunter. Direkt unter uns sehen wir eine von schwarzen Brocken übersäte Mondlandschaft. Einige der zu Stein gewordenen Lavabrocken dampfen noch. Rotgoldenes Magma fließt zurück in die 3 Krateröffnungen. Wir blicken direkt in den Schlund des Vulkans Yasur.

Vergessen der teure Flug, die mühselige dreistündige Anfahrt quer über die Insel auf der Ladefläche eines Pick-ups, für die wir als weißhäutige Palangi doppelt soviel bezahlen mussten wie die einheimischen Mitfahrer – und die so holprig war, dass wir danach an den unmöglichsten Stellen blaue Flecke hatten. Auch dass wir danach erst einmal eine Stunde mit einem neuen Freund zu dessen Dorf in die entgegen gesetzte Richtung liefen, um letztendlich nur seinen Generator zu reparieren. All das ist hier und jetzt im Angesicht des Vulkans nicht mehr wichtig. Was zählt ist dieses unglaubliche Schauspiel der Kraft der Natur.

Deshalb sind wir hier. Auf Tanna Island. Auf Vanuatu. Vor uns liegt der aktivste Vulkan der Welt! Besser gesagt: Wir stehen oben drauf!

Nicht nur uns hat der Vulkan Yasur nach Tanna Island gelockt. Der 361 m hoch aufragende Vulkan war der Grund, warum Entdecker James Cook im Jahre 1774 Vanuatu überhaupt erst entdeckte. Er beschrieb den nachts dauerhaft in rot-goldenen Leuchtschein gehüllten Vulkan poetisch als den Leuchtturm der Südsee.

Uncle Yasur besitzt in der Tat ein feuriges Temperament. Seit 800 Jahren bricht der Vulkan kontinuierlich alle paar Minuten aus. Auch jetzt ist es wieder soweit. Die Erde erbebt ein weiteres Mal. Gefolgt von einem ohrenbetäubendem Knall fliegen uns die Lavabrocken um die Ohren. Der Soundtrack ist gewaltiger als es die weltbeste Dolby Surround Soundanlage schaffen könnte. Eher so, als würde direkt neben einem ein Düsenjet durchstarten.

Wir setzen uns mit gebanntem Blick einige Meter weiter hinten auf eine etwas verloren wirkende Bank. Dort machen wir uns die 2 Bier auf, die wir den steilen Aufstieg hier hoch getragen haben. Prost! Auf Weihnachten! Und auf Stefan, dessen Nervenkitzel-Geschenk wir für den saftigen Eintrittspreis zum Vulkan eingelöst haben (wie bereits hier gesagt: auf Vanuatu ist JEDER Quadratmeter Land in Privatbesitz. Auch ein Vulkan. Wobei das diesen kaum interessieren dürfte…).

DANKE, STEFAN! DANKE!

Während wir im heißen Angesicht des feuerspeienden Vulkans unsere eisgekühlten Bierchen trinken, haben wir wieder einen dieser Momente, in denen uns in aller Deutlichkeit bewusst wird, wie winzig klein und unbedeutend wir Homo Sapiens doch sind. Vielleicht wäre unsere Welt ein Stückchen besser, wenn mehr Menschen hin und wieder auf einen aktiven Vulkan steigen würden…

Die nächsten 2 Stunden verbringen wir in ehrfürchtiger Faszination. Alle paar Minuten erklingt ein gewaltiges Grollen aus dem Inneren der Erde, und dann – whooooom- schießt mit ohrenbetäubenden Knalls inmitten riesiger Aschewolken glühende Lava in die Höhe!

Wir setzen uns ganz dicht an den Kraterrand. Hier haben wir beste Sicht auf die exklusive Vorführung. Mit ein paar anderen Backpackern aus England blödeln wir herum. Uli wirft einen herum liegenden Stein in den Krater hinunter. Was dann passiert, ist absolut unglaublich: der Stein rollt direkt in eine der Krateröffnungen und GENAU in dem Moment, als er in den Schlund eintaucht, bricht der Vulkan mit einer gewaltigen Explosion und ohrenbetäubendem Fauchen aus! Die Lavaföntane ist rieeesig, die aufsteigende Aschewolke enorm! Yasur hat uns die Provokation eindeutig übel genommen! Lerne: Lege Dich nie mit einem brodelndem Vulkan an!! 😀

Wir glauben, das war es jetzt. Eindrucksvoller geht nicht. Aber es kommt noch viel besser. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Szenerie absolut unfassbar. Der Himmel ist trotz Vollmond pechschwarz, Wolken verdecken heute jegliches Himmelslicht. Ideale Bedingungen. Einzig die flüssige Lava glüht rot und orange in der pechschwarzen Nacht. In den 3 Krateröffnungen brodelt und blubbert es. Abwechselnd schießt aus den Löchern flüssiges Magma, Rauch und Gas in den Himmel! Und jedes Mal wenn wir nach einer gewaltigen Explosion denken „woooow, also höher geht es echt nicht mehr“ – belehrt uns der nächste Ausbruch eines Besseren.

Erst kurz vor Mitternacht können wir uns von dem Spektakel lösen und machen uns auf den steilen einstündigen Abstieg. Zum Glück hat die Wolkendecke etwas aufgerissen und wir können den Weg unter unseren Füßen zumindest erahnen.

Noch Stunden später sitzen wir vor unserem Zelt und blicken zum Gipfel des Vulkans, der die Wolken über ihm orange-rot erleuchtet. Kaum 2 km Luftlinie entfernt, können wir Yasur sogar in unsere Schlafsäcke gehüllt noch fauchen hören. Davor versuchten wir, unter der Dusche all die Asche wieder von unserer Haut und aus unseren Haaren zu bekommen. Vergeblich… Noch Tage später sollten wir Aschepartikel an uns finden!

Natürlich können wir am nächsten Morgen noch nicht einfach so wieder abreisen. Zu beeindruckend ist dieses Feuerwerk der Natur. So beschließen wir nach einem kostenlosen Weihnachts-Frühstück noch eine Nacht hier zu bleiben.

Für den Nachmittag leihen wir uns ein Snowboard aus. Ja genau, ein Snowboard! Wir wollen auf dem Vulkan Ascheboarden gehen. Auf der Windseite wird all die Asche abgelagert, die der Wind mit sich trägt. So entstehen hinter dem steilen Vulkankegel weitläufige Aschefelder. Wo einst Gras wuchs, ist heute nur noch grau Ebene. Nur am Rand der Aschefelder trotzen noch einzelne Bäume der Asche. Ungefähr so muss Pompeji aussehen, denken wir uns. Durch die Ascheablagerungen wächst der Vulkan unaufhörlich weiter. Auch wir sind schon nach kurzer Zeit wieder von oben bis unten von einer dünnen Schicht Asche bedeckt. Aber selbst an der besonders steilen Seite der Vulkanwand rutscht das Brett eher langsam durch die Asche als rasant darauf zu gleiten. Und da wir nun schon auf halbem Weg nach oben sind…beschließen wir, uns an der Vulkanwand durch die Asche bis zum Krater hoch zu kämpfen (nebenbei umgehen wir so auch den erneut fälligen Eintrittspreis an der Kasse. Schwäbische Backpacker halt 😉 ).

Alles läuft gut. Wir sind schon fast oben. Nur noch ungefähr 10 Meter fehlen uns zum Kraterrand. Dicke Aschewolke beim Ausbruch des Mt. YasursAuf einmal grollt es tief im Inneren der Erde. Es folgt ein gewaltiger Vulkanausbruch. Und dann – dreht plötzlich der Wind. Statt wie bei den vorherigen Ausbrüchen über unsere Köpfe hinwegzuziehen, rollt eine pechschwarze Wolke die Vulkanwand hinunter und direkt auf uns zu. Uns rutscht das Herz in die Hose.

Werden wir jetzt gleich ohnmächtig? Was für Gase werden denn da so ausgespuckt? Wir setzen uns auf den Boden, verbarrikadieren uns so gut es geht hinter dem Snowboard und halten uns Taschentücher vor Mund und Nase. Der Gestank ist im wahrsten Sinne des Wortes für einen Moment atemberaubend. Aber weiter passiert uns nichts. Als die Wolke schließlich weiter zieht, atmen wir tief durch. Nochmal Glück gehabt.

Schnell laufen wir durch die tiefe Asche die letzten Meter hoch zum Krater. Hier setzen wir uns ein wieder an den Kraterrand und schauen ebenso gebannt wie tags zuvor dem Vulkan zu. Es ist, als würde man an einer besonders spannenden Stelle im Film die Fernbedienung nehmen und die gleiche Szene immer wieder abspielen lassen: glutrote Lava wird hoch in den Himmel geschleudert, bevor sie als solide Felsbrocken mit Karacho wieder im Kraterschlund landen.

Und bevor ich nun mit noch mehr Worten versuche, dieses gigantische Erlebnis ausbrechender Vulkan zum 2. Mal zu beschreiben, schaut Euch doch lieber das Video davon an!

Vorhang auf für Yasur:

Weihnachten in der Südsee – Backpacker Version!

Weihnachten in der Südsee – Backpacker Version!

Ein schon etwas trockenes Weißbrotbaguette vom Vortag. Dazu eine Flasche des günstigsten Rotweins aus dem einzigen halbwegs gut sortierten Supermarkt Port Vilas. So sieht unser Weihnachtsschmaus an Heilig Abend 2015 aus. Backpacker-Variante eben. Ganz für uns sitzen wir am Strand und graben unsere Zehen in den Sand. Im langsam dunkler werdenden Abendlicht schauen wir auf’s ruhige Meer. Biene singt leise Weihnachtslieder. Vor uns lodert das Lagerfeuer, das Uli rechtzeitig zum Sonnenuntergang aus angeschwemmtem Treibholz in Gang gebracht hat. Hinter uns steht unser Zelt. Der Himmel ist sternenklar, wir haben nur das Moskitonetz aufgebaut. Den Regenschutz werden wir heute Nacht trotz Regenzeit wohl kaum brauchen. Der Himmel schenkt uns einen wunderschönen Sonnenuntergang zum Fest der Liebe. Wir sind mutterseelenallein am Strand. Dass wir dennoch nicht einsam oder traurig sind (abgesehen davon, dass wir unsere Familien heute natürlich besonders vermissen), liegt an der 2. wundervollen Begegnung, die wir während unserer Zeit auf Vanuatu machen dürfen. Wir wissen, dass wir später noch Besuch bekommen werden.

Spulen wir einen Tag zurück: Nur 50 Minuten dauert der Flug mit der kleinen Propellermaschine, die uns von Port Villa auf die kleine Insel Tanna bringt. Während wir in der kleinen Ankunftshalle des noch kleineren Flughafens darauf warten, dass unser Gepäck aus dem Bauch des Fliegers gehoben und vor uns auf die Theke gelegt wird, sehen wir das Angebotsplakat eines Hotels an der Wand. Der Preis mit 25 € pro Nacht für einen Bungalow inklusive Frühstück ist für uns in Ordnung. Schließlich ist morgen Heilig Abend. Wenn es uns gefällt, wollen wir ganz Weihnachten in dem Hotel verbringen. Wir rufen an und buchen uns ein. Vor dem kleinen Flughafen halten wir einen Pick-up an, der uns für knapp 2,50 € die wenigen Kilometer zum Hotel mitnimmt. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir die einzigen Gäste sind. Auch schön!

Unser kleiner Bungalow liegt direkt am Meer. Anders als die Bilder auf dem Plakat ist es aber keine traditionelle Fala, sondern ein roh verputzter Zementbau. Die einzige Angestellte erklärt uns, dass alle Bungalows bei dem schweren Zyklon im Mai zerstört wurden und nun erst langsam wieder neu – und aus stabilerem Material – wieder aufgerichtet werden. Das macht durchaus Sinn – schaut aber leider nicht sonderlich hübsch aus in Rohform. Auch die Inneneinrichtung ist sehr einfach gehalten: Die durchgelegene Matratze formt mittig eine Kuhle (erträglich)…im nach oben offenen Bad krabbelt es (geht auch noch)…das Moskitonetz ist durchlöchert (no-go -> Malaria & Freunde lassen grüßen)! Nach einer durchwachsenen  beschließen wir daher am nächsten Morgen, uns für Heilig Abend doch eine andere Unterkunft zu suchen.

2- Begegnung mit den Weihnachtsengeln Catherine & Willi

Wir verbinden das Notwendige mit dem Spaßigem und halten den nächsten Minivan Richtung Norden an. Im oberen Teil der Westküste gibt es neben einer Handvoll bezahlbarer Unterkünfte auch tolle Schnorchelplätze, die wir schon vom Flugzeug aus gesehen haben. Während wir beim Schnorcheln Glück haben und neben Felsenpools, in denen es nur so von farbenfrohen Fischen wimmelt auch mit kräftigen Korallen bewachsene Felswände und sogar eine große Meeresschildkröte sehen, bleibt unsere Suche nach einer neuen Bleibe leider erfolglos. Alle 4 Hotels sind entweder ausgebucht, uns zu teuer oder geschlossen.

Auf der Fahrt zwischen den Unterkünften unterhalten wir uns mit Willi, dem Fahrer des Minivans. Er wartet jeweils netterweise auf uns, während wir in den Hotels nach freien Zimmern fragen. Irgendwann fragt er, ob wir denn nur einen Platz zum schlafen brauchen? Wir bejahen. Na, dann könnten wir doch einfach bei ihm übernachten. Er habe Platz genug. Oder, falls uns das lieber wäre, neben seinem Haus im Dorf oder am Strand seiner Familie unser Zelt aufschlagen. Wir bedanken uns für die Einladung, ziehen aber zunächst nicht in Erwägung, sie wirklich anzunehmen. Schließlich ist Weihnachten. Und da wollen wir niemanden stören. Willi gibt uns trotzdem seine Handynummer für den Fall, dass wir es uns anders überlegen. Da wir nichts anderes mehr finden, stehen wir am späten Nachmittag schließlich doch vor Willi’s Haus.

In dem Dörfchen sind wir schon beim Durchlaufen eine kleine Sensation. Willi ist noch nicht zuhause, aber seine Frau Catherine öffnet uns die Tür. Sie spricht zu unserem Glück gut englisch, da sie vor Zyklon Pam in einem Hotel und als Tourguide für Touristen gearbeitet hat. Wir erzählen ihr von Willi’s Angebot, an ihrem Strand campen zu dürfen. Catherine versucht Willi anzurufen, kann ihn aber gerade nicht erreichen. Dennoch bietet sie uns sofort an, bei ihnen im Haus zu übernachten. Das sei doch viel bequemer als im Zelt. Die Kinder seien über die Ferien bei ihren Großeltern auf einer anderen Insel, da stünden deren Betten eh leer. Und die Weihnachtsfeierlichkeiten seien sowieso erst morgen. Man stelle sich vor, in Deutschland ständen am späten Nachmittag des Heilig Abends 2 Fremde vor der Tür und würden um einen Schlafplatz bitten! …würden sie wohl ebenso herzlich und selbstverständlich empfangen werden? …hätten wir – vor unserer Reise – genauso gastfreundlich reagiert wie Catherine? …oder wären wir viel zu sehr im Stress mit den letzten Weihnachtsvorbereitungen gewesen, um überhaupt zuzuhören? Wahrscheinlich…

Nachdem wir Catherine mehrmals versichern, dass wir wirklich gerne zelten und campen am Strand ganz wunderbar finden, schnappt sie sich eine Machete und eine große Bastmatte und macht sich mit uns auf den zehnminütigen Weg zum Strand. Begleitet werden wir von einer ganzen Schar neugieriger Kinder. Unterwegs laufen wir durch die Gärten des Dorfes. Catherine erzählt uns, dass die Bäume, Stauden und Palmen hier üblicherweise zu jeder Jahreszeit voll beladen sind mit Papayas, Mangos, Bananen und Kokosnüssen. Uns aber bieten sie ein trauriges Bild: die meisten Palmen sind umgeknickt, die Äste der Bäume liegen kreuz und quer auf dem Boden und wir sehen nur sehr vereinzelte Früchte. Die Gärten sehen verwildert aus. Schuld ist Zyklon Pam. Hier auf Tanna richtete er die schwersten Schäden an. Innerhalb weniger Stunden wurde die Lebensgrundlage Tausender Menschen vernichtet. Mindestens zwei Jahre wird es dauern, bis die Pflanzen wieder genügend Früchte für alle tragen. Vorausgesetzt, es fegt zwischenzeitlich nicht der nächste Zyklon über die Insel.

Am Strand angekommen, suchen wir uns einen geeigneten Platz für unser Zelt aus. Catherine breitet die große Bastmatte aus. Damit wir es ein bisschen bequemer haben. Die große Machete lässt sie uns ebenfalls da. Falls wir Kokosnüsse finden. Dann verabschiedet sie sich und läuft wieder nach Hause. Uli geht nochmal mit ins Dorf, um am Brunnen unsere Wasservorräte aufzufüllen. Catherine sagt ihm, dass sie und Willi uns später besuchen kommen werden. Damit wir nicht so alleine sind.

Und so sitzen wir also nun hier am Lagerfeuer. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kommen Catherine & Willi vorbei. Sie bringen Kava mit. Den hat Willi aus der Kavabar besorgt. Frauen dürfen hier auf Tanna Island nicht in die traditionellen Kavabars. Da Catherine aber auch ganz gerne mal Kava trinkt, kauft Willi manchmal Kava in Flaschen und bringt ihn mit nach Hause. Heute teilen sie ihn mit uns. Während wir die Schale auf traditionelle Art reihum gehen lassen, erzählen wir uns gegenseitig mehr voneinander. Catherine & Willi erzählen uns auch, wie das war, als der Zyklon über die Insel wütete. Dass sich die ganzen Dorfbewohner bei ihnen im Haus in Sicherheit brachten, weil sie das einzige Steinhaus im Dorf haben. Und dass viele von ihnen noch Monate bei ihnen wohnten, bis ihre eigenen Hütten wieder aufgebaut waren. Sie erzählen auch, dass selbst die gemauerte Dorfkirche einstürzte. Und dass Willi’s Mutter und Schwester dabei ums Leben kamen. Ganz sachlich erzählen sie das. Die Menschen hier sind an verheerende Naturkatastrophen gewöhnt. Es war nicht der erste Zyklon, der Menschenleben forderte. Und vermutlich leider auch nicht der letzte.

Später kommt auch Willi’s Bruder noch bei uns vorbei. Er wird wie jede Nacht auch heute am Strand schlafen. Seine Aufgabe ist es, darauf aufpassen, dass keiner ohne Erlaubnis vom Strand seines Vater’s aus fischen geht. Denn wie schon im Artikel über Espiritu Santo erwähnt, ist auf Vanuatu alles Land in Privatbesitz. Grundbesitz kann legal nicht ge- oder verkauft werden, sondern nur vom Vater an die Söhne vererbt werden. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns zunächst von Catherine und Willi. Wir wollen zum Vulkan Mt. Yasur auf der anderen Seite der Insel. Obwohl Weihnachten ist und Willi deshalb nicht wie sonst mit seinem Van als Taxi die Westküste entlang fährt, besteht er darauf, uns in den kleinen Hauptort Lakataro einige Kilometer weiter südlich zu fahren. Von hier aus hoffen wir auf einen Transport in den Osten der Insel. Jedoch dürfen wir nicht gehen, bevor uns Catherine noch Papayas als Wegproviant mitgibt. Unser Besuch des aktiven Vulkans Yasurs ist dann so dermassen spektakulär, dass wir darüber in einem eigenen Bericht mehr erzählen werden.

Da wir Catherine & Willi versprochen haben, wiederzukommen falls wir nochmal in den Westen Tanna’s zurückkehren, stehen wir 3 Tage später wieder vor ihrer Haustür. Willi ist gerade in der Kavabar. Schon vom Dorf aus hören wir von dort lauten Gesang herüber wehen. Catherine erzählt uns, dass heute Cousins von Willi, die in Port Vila leben, angereist sind und zu diesem Anlass traditionelle Tänze aufgeführt werden. Da wir nach unserem Besuch auf Malekula schon dachten, dass diese Tänze nur noch für Touristen aufgeführt werden, freut es uns sehr, dass die Traditionen zumindest auf Tanna tatsächlich noch gelebt werden.

Noch während Willi in der Kavabar ist, steht schon der Plan für den Abend. Den Kava besorgen heute wir. Papaya haben wir auch noch. Catherine bereitet außerdem traditionelle Spezialitäten zu. So sitzen wir nach Einbruch der Dunkelheit zum zweiten Mal am Strand ums Lagerfeuer zusammen. Bis in die frühen Morgenstunden hinein reden wir, erzählen und trinken Kava. Wir können nun aus eigener Erfahrung bezeugen, dass der Kava auf Tanna tatsächlich mit Abstand der stärkste des Landes ist. Darauf sind die Bewohner Tanna’s auch sehr stolz. 😀 Ebenso wie auf ihre Familien. Wir sind uns deshalb bewusst, dass es eine große Ehre ist, als Willi im Laufe des Abends Uli zu seinem Namens-Bruder und Catherine Biene zu ihrer Namens-Schwester erklärt. Wir würden nun zu ihrer Familie gehören, erklären sie uns. Wann immer wir nach Vanuatu zurückkommen werden, hier hätten wir nun einen Ort zum leben. Wow!

Dass die beiden das wirklich ernst meinen, merken wir so recht erst am nächsten Tag. Gegen Mittag geht unser Flieger zurück nach Port Vila. Das bedeutet erneut Abschied nehmen. Diesmal auf unbestimmt. Willi nimmt sich extra die Zeit, um uns zum Flughafen zu fahren. Obwohl er mehr Geld verdienen könnte, lässt er Passagiere in die andere Richtung stehen. Auch Catherine kommt mit. Davor drücken sie uns noch eine ganze Ladung Papayas und frische Erdnüsse als Proviant ins Gepäck. Widerspruch zwecklos. Ebenso, als sie uns unbedingt noch etwas Besonderes mitgeben möchten. Uli schenken die beiden ein Hemd, für Biene wird es ein festliches Inselkleid. Beides handgenäht.

mit Catherine, Willi und dem Neffen

Unser Flieger hat Verspätung. In der Wartehalle warten Catherine & Willi mit uns, bis wir schließlich in den Flieger steigen können. Während der ganzen Zeit sind die beiden viel stiller als bei unseren Begegnungen davor. Vor allem Catherine, die sonst ununterbrochen plapperte wie ein Wasserfall, ist sehr still. Die beiden sind tatsächlich traurig, dass wir gehen. Wir auch.

Unserer Auffassung nach mögen die ni-Van vielleicht nicht die glücklichsten Menschen der Welt sein – die gastfreundlichsten sind sie allerdings schon! Auf jeden Fall die besonderen Menschen, die wir näher kennenlernen durften! …und so fällt uns der Abschied von dem spannenden Land mitsamt seinen liebgewonnenen Bewohnern am Ende unserer 3 Wochen doch viel schwerer, als wir das zu Beginn vermutet hätten!

Espiritu Santo $$$ Schatzsuche über- und unterwasser $$$

Espiritu Santo $$$ Schatzsuche über- und unterwasser $$$

Nach einer kurzen Fahrt vom winzigen Flughafen auf Espiritu Santo kommen wir in der einzigen Stadt der Insel an. Luganville erscheint uns schon auf den ersten Blick ebenso unspektakulär wie Port Villa. Die unebenen Straßen der kleinen Stadt sind staubig, Geschäfte im chinesischen Stil (soll heißen: viele Plastikartikel, die niemand braucht) säumen die Hauptstraße, alles wirkt gruschtelig und in die Jahre gekommen. Die Gehwege sind so uneben und löchrig, dass wir uns meist auf der Fahrbahn durchschlängeln. Viel Verkehr gibt es eh nicht. Einzig koreanische Mini-Kleinwägen – die innerhalb der Stadt als Taxis fungieren – und Pick-ups für den Transport von Waren und Menschen fahren durch die Straßen. Aber wir sind ja nicht wegen der Stadt nach Santo gekommen!

Seine ökonomische Glanzzeit hatte Espiritu Santo während des 2. Weltkrieges, als die Amerikaner hier nach Pearl Harbour ihren zweitgrößten Militärstützpunkt im Pazifik einrichteten. Ganze 100.000 Soldaten waren auf der Insel stationiert, die bis dahin kaum entwickelt und nur von weit verstreuten Bergvölkern besiedelt war. Was sich diese beim plötzlichen Anblick von Fliegerstaffeln dachten? Sie hielten sie für Götter! So wird auf der Insel Tanna weiter südlich sogar bis heute der Cargo-Kult für die weißhäutigen Götter gelebt, die aus der Luft kamen und Wunderdinge wie Kühlschränke und Funkgeräte aus dem Himmel mit brachten.

Da die Gefahr im Pazifik aber wie wir heute wissen damals gelinde überschätzt wurde, gab es nach KrGabelstapler.iegsende plötzlich jede Menge Ausrüstung, Militärausstattung und Fahrzeuge, die nun mitten im Pazifik auf einer kleinen Insel nicht mehr gebraucht wurden. Wohin nun also mit dem ganzen Zeug? Eine Rückführung in die USA wäre zu kostenaufwendig gewesen. Zudem zeigten sich an der Ausrüstung durch die salzige Meeresluft schon erste Alterserscheinungen. Also boten die Amerikaner den damaligen Kolonialherren Vanuatu’s (Frankreich & England) an, die gesamte Ausrüstung für einen Bruchteil des Wertes zu übernehmen. Diese waren sich der alternativlosen Lage der Amerikaner allerdings bewusst und spekulierten darauf, die gesamte Ausrüstung früher oder später komplett kostenlos überlassen zu bekommen. Was daraufhin passierte, ist kaum zu glauben: Die amerikanische Führung entschied, die gesamten 9 Millionen Tonnen Militärausstattung im Wert von knapp 4 Milliarden Dollar stattdessen ins Meer zu kippen! Seither liegen hier in nur wenigen Metern Tiefe Tausende Jeeps, Lastwägen, mehrere Schiffe, Wellblechdächer, Waffen und Millionen Coca-Cola Flaschen unmittelbar vor der Küste im Meer! Dass all dieser Schrott nicht zu einer ökologischen Katastrophe geführt hat, ist fast schon ein Wunder. Diese unglaubliche Stätte wollen wir natürlich mit eigenen Augen sehen!

Nur wenige Kilometer weiter liegt außerdem mit der SS President Coolidge das größte zugängliche Wrack der Welt auf Grund. Versenkt nicht etwa durch feindlichen Angriff, sondern durch zwei eigene Minen bei Einfahrt in den Hafen. Wenn schon kein Feind kommt, wurde halt selbst für Action gesorgt… Gründe genug also für unseren Abstecher auf Vanuatu’s größte Insel.

Als Ausgangspunkt ist Luganville genau richtig. Direkt nach unserer Ankunft quartieren wir uns also im günstigsten Hotel der Stadt ein. Da uns der Preis für die sehr einfachen Zimmer aber selbst hier zu hoch ist, dürfen wir schließlich für 15 € die Nacht unser Zelt auf der Wiese hinter dem Gebäude aufschlagen. Hier stellen wir auch direkt fest, dass auf Vanuatu Handeln nicht üblich ist. Auf dem lokalen Markt gibt es endlich mal wieder frisches Obst und Gemüse.

Nachdem wir mehrere Tauchbasen vergleichen, geht es am nächsten Morgen mit Allan Power Dive nach einem guten Kaffee direkt los unterwasser. Anders als sonst geht es nicht mit dem Boot, sondern mit dem Minibus die wenigen Kilometer vor die Stadt dorthin, wo die SS Coolidge liegt. Uli darf auch mit. Und obwohl es für ihn nicht in die Tiefe geht, hat er später trotzdem das Highlight des Tages zu erzählen: er sieht beim Schnorcheln direkt vor ihm eine riesige Dugong! Mindestens ebenso lang wie er und doppelt so dick schwimmt diese seltene See-Kuh ganz gemächlich vor ihm an die Wasseroberfläche, bevor sie ihm direkt in die Augen schaut und daraufhin wieder in der Tiefe des Meeres verschwindet. Ein einmaliges Erlebnis!

Auch Biene’s Tauchgang zur SS Coolidge ist faszinierend. Bevor die SS Cooldige zu Beginn der 40er Jahre zum KriegssTauchbriefing.chiff umfunktioniert wurde, kreuzte sie als Luxuskreuzer die 7 Weltmeere. Aus dieser Epoche stammt noch die luxuriöse Innenausststtung, die trotz dichtem Algen- und Farnbewuchs immer noch gut zu erkennen ist. Während Biene mit ihrem Tauchguide beim 1. Tauchgang morgens noch hauptsächlich außen um des Wracks herumtaucht und Kanonen, Gasmasken, Stiefel und andere antike Überbleibsel auf Deck bestaunt, geht es nachmittags hinein in die dunklen Tiefen des Kriegsschiffes. Die Sichtweite reicht dabei nicht weiter als die Lichtkegel der beiden Taschenlampen. Nur gelegentlich fällt bläuliches Licht durch die Schiffsluken ein. Immer tiefer dringen wir durch das enge Stahlgerippe und durch schmale Luken in den Schiffsrumpf vor. Manchmal sind die Zwischenräume so eng, dass Biene beim hindurch tauchen mit der Sauerstoffflasche an die Stahlrohre stößt. Ein bisschen mulmig ist ihr dabei schon zumute. Im Schiffsbauch erwarten uns Jeeps, LKWs und mehrere Kanonen. Auf den Ablagen liegen noch, mittlerweile von Algen bewachsene Handgranaten. Neben dem Munitionslager, den Mannschaftsräumen und den Offiziersbädern statten wir auch dem Medizinkabinett einen Besuch ab. Hier finden wir antike braune Glasflaschen, die nach wie vor verkorkt sind und neben Tabletten laut den noch immer leserlichen Etiketten Lebertran oder Hustensaft enthalten.

Ein Highlight ist es, als wir in einem sehr dunklen Teil des Schiffsrumpfes elektrische Muscheln sehen. Wie Blitze ziehen Leuchtfäden durch sie durch. Andere leuchtende Punkte in der absoluten Dunkelheit sind Flashlightfische. Genial! Wir verlassen das Innere des Schiffes nicht, ohne auch der „Hauptattraktion“ des Schiffes einen Besuch abzustatten. In 38 Metern Tiefe liegt die weisse Lady, eine edle Porzellanfigur aus den 1920ern! Das ist tiefer, als Biene mit ihrer OWD-Zertifizierung eigentlich tauchen „darf“! Aber ihr erfahrener Tauchguide hat alles unter Kontrolle und so finden wir auch wieder gut aus dem düsteren Rumpf hinaus in die einladend blaue Weite des Meeres. Obwohl es unglaublich faszinierend war, im Schiffsbauch quasi in die Vergangenheit einzutauchen, wird Wracktauchen wohl eher keine von Biene’s Leidenschaften werden. Aber als Geburtstagsgeschenk war es genial!

An dieser Stelle deshalb HERZLICHEN DANK, GOTTE & OPA!

Direkt im Anschluss an den 2.Tauchgang machen wir uns auf den Weg raus aus der Stadt. Ein Pick-up bringt uns auf der einzigen geteerten Straße außerhalb Luganville’s in den Nordosten der Insel. Unser Ziel ist der Champaign-Beach. Diese wunderschöne hufeisenförmige Bucht mit feinem, goldgelben Sandstrand könnte gut und gerne das Urmotiv aller Postkarten-Strände sein. Wir bezweifeln aber, dass er genauso wirkt wenn die Kreuzfahrtschiffe in der Bucht liegen und 2.000 Menschen hier gleichzeitig ihr Südsee-Paradies suchen.

Champaign Beach

Wir haben aber Glück: bei unserer Ankunft liegt der Strand idyllisch und einsam im goldenen Abendlicht der untergehenden Sonne vor uns. Die Besitzerin zeigt uns, wo wir unser Zelt aufstellen dürfen. Die Besitzerin? Ja! Auf Vanuatu ist jedes Stück Erde – selbst Strände, Flüsse, und Riffe vor der Küste – in Privatbesitz! Und möchte jemand anderes dieses Land nutzen – sei es wie wir, um darauf sein Zelt aufzuschlagen, sich einfach nur an den Strand zu legen, zu fischen oder zu baden, wird dafür eine Gebühr an den Grundbesitzer fällig. Ein Prinzip, mit dem wir so manches Mal während unserer Zeit auf Vanuatu hadern. Wir bezahlen hier aber natürlich die 10 € Campinggebühr und schlagen unser Zelt vor einer der einfach zusammen geschreinerten Holzhütten auf, aus denen heraus Souvenirs und Snacks an Kreuzfahrttouristen verkauft werden. Außer 2 anderen zeltenden Backpackern, die wir bereits aus Luganville kennen, ist der Strand menschenleer. In der sternenklaren Nacht nehmen wir zum Abschluss des Tages noch ein erfrischendes Bad im Meer – und plötzlich glitzert es nicht nur über uns, sondern überall um uns herum. Leuchtender Plankton! Überall! Der Strand leuchtet golden im Mondschein, über uns funkeln die Sterne und um uns herum glitzern die winzigen Planktonpartikel- Schöner kann ein Bad im Mondschein nicht sein! Es ist absolut perfekt! Im Anschluss setzen wir uns im Sand ans Lagerfeuer und schlafen schließlich unterm Sternenhimmel ein.

Nach einer ausgiebigen Erkundung der Bucht mit dem Schnorchel machen wir uns schon früh am nächsten Morgen auf den Weg zurück in die Stadt. Entgegen der Info, dass nach 9 Uhr morgens keine Autos mehr in diese Richtung fahren, haben wir mal wieder Glück und bekommen schon nach einem kurzen Marsch auf der Hauptstraße eine Mitfahrgelegenheit ON TOP der voll mit Kopra beladenen Ladefläche eines Pick-ups. Überhaupt ist das mit dem Transport und den Informationen dazu auf Vanuatu so eine Sache. Offizielle Fahrpläne gibt es so gut wie gar nicht. Schiffe fahren mal montags, mal mittwochs, mal um 8 Uhr morgens und mal erst um 22 Uhr abends – und wann genau weiß im Voraus keiner! Zuverlässige Informationen zu bekommen ist anstrengend, zeitaufwendig und manchmal schlicht unmöglich. Nach zweistündigem Abklappern von verschiedenen Reedereien und Frachtschiff-Terminals am Vortag gehen wir heute davon aus, dass die nächste Fähre erst in einer Woche fahren wird, weshalb wir mit einem Frachtschiff abends auf die nächste Insel Malekula fahren möchten. Als wir zurück in Luganville allerdings nochmal im Fährbüro vorbeischauen, gibt es plötzlich eine Fähre dorthin am übernächsten Tag!

Oh Vanuatu…mach uns das Reisen doch nicht so anstrengend! 😉

Wir werfen kurzerhand also unsere Pläne nochmal über Bord, buchen die Fähre für übermorgen und schlagen für eine weitere Nacht unser Zelt in Luganville auf. Den Nachmittag verbringen wir wieder im Wasser. Heute wollen wir uns die Stelle genauer anschauen, an denen die Amerikaner all ihre Militärausrüstung im Meer versenkt haben. Der Küstenabschnitt ist treffend Million Dollar Point benannt. Natürlich gehört auch dieses Stück Küste wieder jemandem. Da wir die 10 €, die der Grundstücksbesitzer pro Person für das Schnorcheln in seinem Stück Meer verlangt, doch etwas übertrieben finden, laufen wir ein kurzes Stück an der staubigen Straße entlang zu seinem Nachbarn. Der baut gerade ein Haus am Strand, ist dankbar als ihm Uli beim Steine tragen unter die Arme greift und lässt uns sehr gern von seinem Grundstück aus ins Meer gehen. Was wir unterwasser sehen, verschlägt uns schier die Sprache: Nur wenige Meter unter uns sehen wir Radlader, Jeeps, Schiffe…..und Millionen anderer Gegenstände liegen. Obwohl wir genau das erwartet hatten, ist es doch unglaublich all diesen Kriegsmüll mit eigenen Augen im Meer zu sehen. Heute ist ein großer Teil des Schrotts Gott sei Dank von Mikrobionismen bewachsen und bietet so Korallen und anderen Meereslebewesen zusätzlichen Lebensraum.

Da uns in Luganville selbst nichts hält, kehren wir der Stadt am darauffolgenden Tag schnell wieder den Rücken. Auf unserem Weg zum Champagner-Beach kamen wir an mehreren Blue Holes vorbei, die wir uns noch genauer anschauen möchten. Diese natürlichen Süßwasserpools sind glasklar und verdanken ihren Namen ihrem schönen türkisen Leuchten. Schon am ersten Pool möchte der Besitzer allein für den Besuch am Blue Hole 10 € Eintritt. Das ist uns dann doch etwas zu teuer für ein Wasserloch. Stattdessen einigen wir uns mit ihm darauf, auf seinem mit dichtem Dschungel bewachsenen Land für die Hälfte des Preises an einer Flussmündung am Meer zelten zu dürfen. Der Platz ist wirklich wunderschön! Aus Pandanus-Blättern bauen wir uns eine Unterlage für unser Zelt, bevor wir ein Lagerfeuer entfachen und uns darin frisch gepflückte Bananen grillen. Abends kommt dann auch noch der Nachbar mit seinem Ausleger-Kanu vorbeigepaddelt und lädt Uli zu einer Runde Kava ein. Wie schon auf Fidschi ist Kava auch auf Vanuatu DAS Nationalgetränk. Bei der hiesigen Variante wird die Wurzel jedoch nicht wie nach fijianischer Tradition zu einem Pulver verrieben, sondern stattdessen wird die noch frische Wurzel zerkleinert (traditionell: zerkaut…) direkt als Basis des gräulichen Getränks genommen. Der Geschmack ist nicht viel anders, dafür ist die Wirkung des Kava stärker! Schon nach einer Schale wird die Zunge taub und eine wohlig entspannte Wirkung tritt ein. Wir haben jedenfalls eine entspannte Nacht 🙂

Bevor wir am nächsten Morgen aufbrechen, gehen wir noch an die vorgelagerten Riffe schnorcheln. Dabei sehen wir zum ersten Mal die sichtbaren Effekte, wenn kaltes Süßwasser auf wärmeres Meerwasser trifft – besser gesagt sehen wir gar nichts! Es entsteht nämlich eine fast undurchsichtige Schicht milchiger Schlieren im Wasser! Beim anschließenden Kaffee kochen auf dem Lagerfeuer besteht unser Camping-Kochtopf noch tadellos seine „Feuer“-Probe. Wilden Campingausflügen in den Busch steht also nichts mehr im Wege 😉 Mit einem guten Zeitpuffer machen wir uns dann zurück auf den Weg zur Fähre. Unterwegs finden wir tatsächlich noch ein kostenloses Blue Hole (dessen Besitzer ist Europäer). Dass es dann trotzdem nur gerade so zur Abfahrt reicht, liegt nicht etwa daran, dass wir beim Planschen die Zeit vergessen haben – sondern daran, dass die Fähre heute 6 Stunden früher als regulär – und als auf dem Ticket verzeichnet – abfährt!

Oh Vanuatu…!

Port Vila – ein Dorf spielt Hauptstadt

Port Vila – ein Dorf spielt Hauptstadt

Nach 3 Tagen süßem Nichts-Tun auf Waya Island in Fiji kribbelt es uns wieder unter den Füßen. Wir können es kaum erwarten in den Flieger zu steigen, der uns nach Vanuatu bringen soll.

Äm, wohin?!? Vanuatu?? …nie gehört! Da das meist die Reaktion ist, wenn wir von dieser Destination erzählen, hier ein kurzer Einschub:

Der melanesische Inselstaat liegt zwischen Fiji und Neukaledonien im Pazifik. Er besteht aus 87 Inseln, von denen 67 bewohnt sind. Die insgesamt 247.000 ni-Van (so heißen die Bewohner Vanuatu’s) sprechen über 100 verschiedene Stammessprachen. Gelebte melanesiche Bräuche & Kulturen sollen hier zu finden sein. Klingt interessant? Fanden wir auch! Also weiter:

3 Stunden nach Abflug in Nadi kommen wir in der vanuatischen Hauptstadt Port Vila an. Und obwohl nur 3.000 Kilometer Wasser zwischen den beiden kleinen Inselstaaten liegen, fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Nach der quirligen Betriebsamkeit in Nadi kommt uns Vanuatu ’s Hauptstadt bei unserer Ankunft vor wie im Dornröschenschlaf. Auf den holprigen Straßen fahren kaum Autos. Nur ein paar klapprige Minivans, die hier als Busse dienen, halten Ausschau nach Fahrgästen. Unser erster Erkundungstag fällt allerdings auch auf einen Sonntag – und das bedeutet hier: Ruhetag! Alle Geschäfte sind geschlossen und selbst die große Markthalle ist menschenleer. Das öffentliche Leben steht sonntags still. Die Kirche spielt in Vanuatu wie in den meisten Ländern des Südpazifiks eine große Rolle. Die Menschen sind fast ausnahmslos Christen und sehr religiös. Dabei sind es weniger die in Deutschland vorherrschende römisch-katholische und evangelische Kirche, sondern anglikanische und evangelistische Unterkirchen wie die 7-Tage-Adventisten, die Mormonen, etc… denen die Menschen angehören. Die europäische Missionare, die die Menschen im Pazifikraum zum Christentum bekehrten, haben ganze Arbeit geleistet: Sonntags besuchen die Menschen die Messe und ruhen anschließend für den Rest des Tages. Mit der Missionierung einhergehend sind in den letzten +- 300 Jahren so aber leider auch viele jahrhundertealten Traditionen und Gebräuche ausgemerzt worden.

Dass Port Vila aber auch hektisch und laut kann, erleben wir am nächsten Tag, als ein Kreuzfahrtschiff in der Bucht liegt und sich die lokalen Anbieter um die 2.000 spendierfreudigen Gäste reißen. Da wir schon tags zuvor gefühlt alles Sehenswerte in der hügeligen kleinen Stadt gesehen haben, brechen wir direkt wieder auf. Uns zieht es auf andere, ursprünglichere Inseln des kleinen Landes. Zwar leben auf der Hauptinsel Efate, auf der Port Vila liegt, knapp 90 % der Bevölkerung Vanuatu’s, dennoch -oder gerade deshalb- gibt es hier heute noch die wenigsten Traditionen.

espiritu_abwesenheitsnotizAls erstes wollen wir die Insel Espiritu Santo besuchen. Neben exzellenten Möglichkeiten zum Schnorcheln und Tauchen hoffen wir hier auch noch auf das ursprüngliche Leben der Ni-Van zu treffen. So wie Günay & Werner, die im dichten Dschungel Espiritu Santo’s spannende Begegnungen wie diese mit den Bewohnern des Dorfes Marakei machen durften. Aber erst einmal müssen wir dorthin kommen… Es ist Mitte Dezember und viele ni-Van reisen über die Weihnachtsfeiertage zu ihren Familien auf die entlegenen Inseln. Offizielle Fahrpläne der verschiedenen Fähren gibt es nicht (ein Umstand, der uns das Reisen auf Vanuatu noch verkomplizieren sollte), auf der facebook-Seite einer Fährgesellschaft finden wir aber eine Notiz, dass noch heute eine Fähre nach Espiritu Santo ablegen soll. Also ab ins Fährbüro. Hier herrscht schon Hochbetrieb. Bis wir an der Reihe sind, ist die Fähre ausgebucht. Eine halbe Stunde später stehen wir daher im Büro von Air Vanuatu. Zwar kostet der Flug mehr als das Doppelte der 23-stündigen Fährfahrt, dafür können wir eine Stunde später schon am Flughafen in die kleine Propellermaschine steigen, die uns auf Espiritu Santo bringt. Was wir hier und auf der kleinen Insel Malekula erleben, erzählen wir Euch bald noch in eigenen Berichten…

PORT VILA – die Zweite

Um erneute Aufenthalte in Port Vila kommen wir dennoch nicht drumrum. Die Hauptstadt ist transporttechnisch der absolute Dreh- und Angelpunkt Vanuatu’s. Einheimische Produkte wie Kaffee, Kobra oder Kava werden auf den Inseln angebaut und zur weiteren Verarbeitung auf die Hauptinsel geschippert. Waren wie handgeflochtene Bastmatten, Fleisch und Fisch werden mit Fähren nach Efate transportiert, um sie in Port Vila auf dem Markt verkaufen zu lassen. Familien, die auf den Inseln große Gärten bewirtschaften, senden ihren Familienmitgliedern auf der Hauptinsel frisches Obst und Gemüse. Denn vor allem auf Efate hat ein großer Zyklon im Mai des vergangenes Jahres große Schäden angerichtet und fast alle Plantagen zerstört – seitdem sind die dortigen Lebensmittelpreise sprunghaft in die Höhe geschnellt. Für viele ist Gemüse seitdem unbezahlbar. Im Gegenzug transportieren die Bewohner der Hauptstadt zu ihren Familien auf dem Land Gebrauchsgegenstände aus dem Supermarkt – Möbelstücke, Kleidung, Kühlschränke, etc. – all das gibt es außerhalb Efate’s nirgendwo zu kaufen. Die kleinen Kioske, die auf den Inseln als Tante Emma Läden dienen, führen nur ein sehr begrenztes Sortiment aus Dosenfleisch, Reis, Fertigprodukten und wenigen Kosmetikartikel. Die Fähren sind die einzigen Lebensadern für die Bewohner der umliegenden Inseln. Kein Wunder also, dass an den Bootsanlegern stets ein reges Gedränge herrscht und die unregelmäßigen Fähren immer mit großem Andrang erwartet werden.

Auch wir landen nach 18-stündiger Fährfahrt von Malekula aus 2 Tage vor Weihnachten wieder auf Efate. Eigentlich wollen wir von hier mit dem Schiff weiter nach Tanna Island im Süden. Eine Fähre fährt entgegen vorheriger Info aber erst wieder nach Weihnachten. Wie wir herausfinden, legt ein Frachtschiff am nächsten Tag ab – die Fahrt mit diesem würde ganze 3 Tage dauern! Weihnachten auf dem Frachter? Würden wir uns ja sogar noch überlegen – aber nachdem wir schon die Nacht auf der Fähre von Malekula größtenteils nur im Liegen überstanden und das Meer südlich offener und jetzt während der Regenzeit noch rauer ist, entscheiden wir uns doch gegen diese Option! Auf Efate wollen wir aber auch nicht bleiben: Das Preis-Leistungs-Verhältnis der für uns in Frage kommenden Hotels ist gelinde ausgedrückt mager. Und viel Geld für Weihnachten in einem überteuerten Resort möchten wir auch nicht ausgeben. Also investieren wir lieber nochmals in einen Flug und fliegen noch am selben Tag nach Tanna Island. Eine gute Entscheidung! Denn hier sollten wir nicht nur wunderbare Menschen kennenlernen, sondern auch eines der bisherigen Höhepunkte unserer Reise erleben…! Auch dieses hat seinen eigenen Artikel verdient – coming soon!

PORT VILA – Kurzurlaub in der Komfortzone

Aller guten Dinge sind 3…und so landen wir nach 6 wundervollen Tagen auf Tanna Island immer noch komplett mit Asche bedeckt ein weiteres Mal in Port Vila! Wir machen das Beste draus und nutzen die Annehmlichkeiten der Stadt, die in den letzten 2 Wochen rar waren. Während wir uns also unter einer heißen Dusche auch die hartnäckigsten Asche-Rückstände in mehreren Waschgängen von Haut & Haaren spülen, lassen wir auch unsere Kleider von den Spuren des Vulkans reinigen. Außerdem schlafen wir mal wieder in einem richtigen Bett – wir fühlen uns wie im Urlaub 🙂

Bevor wir uns tags darauf auf den Weg zum Flughafen machen, unternehmen wir noch einen Abstecher auf eine letzte kleine Insel: Hideaway Island liegt nur wenige Meter vor Efate in der Bucht von Port Villa. Per kleinem Fährboot kommt man alle paar Minuten auch trockenen Fußes auf die Insel – wir schwimmen jedoch lieber die wenigen Meter durch die Meerenge und sparen uns die 5 € Gebühr für ein letztes kühles Bier auf Vanuatu! 🙂 Hideaway selbst ist eine kleine Resortinsel – so klein, dass man locker in 5 Minuten einmal drumrum spazieren kann. Um die Insel herum verläuft ein überraschend intaktes Riff mit wunderschönen farbigen Korallen und vielen farbenfrohen Rifffischen! Und noch eine weitere Attraktion hat der Meeresboden vor der kleinen Insel zu bieten: hier steht das einzige Unterwasser-Postamt der Welt! Klar, dass wir hier noch schnell eine Postkarte einwerfen müssen, bevor wir das Land verlassen (zu unserer Überraschung kam die Postkarte zwischenzeitlich auch tatsächlich an 😀 ).

Gegen Abend sagen wir Port Vila dann endgültig Adieu und fahren zum Flughafen. Von hier geht es zuerst für eine Nacht zurück nach Fidschi. Und von hier? Weiter in die weite Welt…

An dieser Stelle ein Spartipp zum Schluss:

Wenn sich eine Nacht Zwischenaufenthalt am Flughafen von Nadi nicht vermeiden lässt, Du für eine kurze Nacht aber kein teures Hotelzimmer buchen oder aus der Stadt rausfahren möchtest: Gegenüber dem Flughafen ist das 4*-Hotel Raffles. Hier ist es gar kein Problem, auch ohne Hotelzimmer eine Nacht zu überbrücken, die Hotel-Angestellten sind äußerst freundlich. Und wir hatten schon so manch unbequemeres Bett als die gepolsterten Pool-Liegen!

PS: Nur in der Regenzeit ist bei allzu tiefem Schlaf Vorsicht geboten… 😉

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