Backpacking Tonga

Facts & Figures – Tonga

Facts & Figures – Tonga

Reisedauer:

Wir haben etwas mehr als einen Monat (35 Tage) auf Tonga verbracht. Möchte man in die Inselgruppe Ha’apai und/oder Vava’u reisen, sollte man mind. 2-3 Wochen Zeit haben, da die Fähre nur einmal wöchentlich fährt und die Fährfahrten mit 12 bzw. 18 Stunden einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Alternativ gibt es auch teure Inlandsflüge. Für einen kürzeren Aufenthalt bietet sich die nur 3 Fährstunden von der Hauptinsel Tongatapu gelegene Insel Eua an. Auf Tongatapu selbst herrscht wenig Südseeflair. Unmittelbar vor Tongatapu liegen mehrere kleine Resort-Inseln, die sich auch für Tagesausflüge von Nuku’alofa aus anbieten.

TIPPS:

  • Bei Einreise erhält man als deutscher Staatsbürger ein kostenfreies Visum für 30 Tage. Eine Verlängerung – und sei es nur um 2 Tage – kostet allerdings knappe 25 €. Bearbeitungszeit ist eine Woche. Es ist wohl schon öfters vorgekommen, dass Pässe dabei verschlampt wurden verschwunden sind – bei uns ging aber alles gut.
  • Bei den Fährfahrten unbedingt mind. 1 Tag Puffer vor dem Rückflug einplanen. Die Fahrpläne ändern sich oftmals kurzfristig….und richten sich generell nach Tonga-time.

Reisekosten:

Insgesamt haben wir in Tonga 1.527 € ausgegeben. Das entspricht einem Tagesdurchschnitt von 21,81 € pro Person. Wir hatten unser Zelt im Gepäck und haben insgesamt fast eine Woche an verschiedenen Stränden gezeltet – das spart natürlich Unterkunftskosten. Essen & Trinken kann man in den einheimischen Imbissen sehr günstig. Wir haben auch öfters auf den Märkten günstig leckeres Gemüse und frischen Fisch gekauft und selbst den Kochlöffel geschwungen.

Transport:

Außerhalb der Hauptstadt Nuku’alofa und Neiafu’s gibt es keine öffentlichen Transportmittel oder Taxis. Wir haben es oft gemacht wie die Einheimischen – Daumen raus, nett fragen und hinten auf die Pick-ups aufspringen. Tonganer sind sehr hilfsbereit und wir mussten nie lange auf einen Lift warten. Selbst ein Boot hat uns einmal mitgenommen. So kamen wir überall hin, wo wir hinwollten – auch zu abgelegenen Stränden. Zum wandern mit Gepäck ist es definitiv zu heiß. Die einmal wöchentlich zwischen den Inselgruppen Tongatapu-Ha’apai-Vava’u verkehrende Fähre ist eine günstige, wenn auch etwas anstrengende, Möglichkeit die verschiedenen Inseln zu erreichen. Einmal monatlich fährt die Fähre auch die abgelegene Inselgruppe der Niuas an.

Tipp: Wer auf Tonga selbst fahren und sich einen Mietwagen oder Roller mieten möchte, braucht nach den ersten 24 Stunden im Land einen tonganischen Führerschein! Diesen kann man einfach für 60 $ in Nuku’alofa auf der Polizeibehörde kaufen.

Unterkünfte:

Ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad im Hostel liegt im Januar 2016 bei 20-25 €. Für unseren Bungalow (einfach,mit eigenem Bad) direkt am Strand auf unserer kleinen Paradiesinsel zahlten wir 21 € die Nacht. Januar ist Hurrican-Season und damit absolute Nebensaison. Während der Hochsaison (Wal-Saison) sind die Preise vor allem auf Vava’u etwas höher. Die Unterkünfte, in denen wir waren, hatten alle eine Küche, die die Gäste nutzen dürfen. In den Hostels in Nuku’alofa und Neiafu gab es kostenloses Wifi – das je nach Wetter funktionierte oder nicht.

3 Highlights:

  • Unser Südsee-Paradies. Eine einsame Insel ganz für uns, ein kilometerlanger Sandstrand und rundum eine türkisblaue Lagune. Müssen wir nicht weiter begründen, oder? 🙂
  • Die Inselgruppe Ha’apai. Trotz ihrer absoluten Südsee-Idylle gibt es auf den meisten dieser Inseln hier noch sehr wenig Tourismus. Die Einheimischen sind total unbeeindruckt vom touristischen Potenzial ihrer Heimat und haben nicht vor, diese zu vermarkten. Wie sagte uns selbst ein Hostel-Besitzer: „Wenn Gäste kommen, ist es mir recht. Wenn keine Gäste kommen, geht es mir auch gut!“ Das ist doch mal eine Ansage!
  • Campen à la Robinson Crusoe an einsamen Traumstränden. Wie hier auf Foa. Oder auf Ofu. Mit frisch gepflückten Kokosnüssen, im Lagerfeuer gekochten Spaghetti und Riesenmuscheln als Teller. Und anders als auf Vanuatu immer kostenlos.

3 Lowlights:

  • Das fertig zubereitete Essen auf Tonga ist eher einseitig und nicht wirklich gesund. Standard-Gericht in den einheimischen Lokalen ist frittiertes Hühnchen oder frittierter Fisch mit Pommes oder Cassava. Außerhalb Nuku’alofas gibt es nur kleine Lebensmittelläden, in denen es außer Konserven nicht viel Auswahl gibt.
  • Zähe Fährfahrten, auf denen wetterbedingt nur flach liegen und Luftlöcher gucken ging. 18 Stunden können sich seeehr in die Länge ziehen. …
  • etwas Drittes fällt uns wirklich nicht ein….sorry!

3 Dinge, die wir gerne vor unserer Reise nach Tonga gewusst hätten:

  • Flüge von Tonga nach Samao sind im Januar 2016 teurer als gedacht.
  • Corned Beef ist kein akzeptabler Hackfleisch-Ersatz für die Bolognese-Sauce und geschmacklich bäh!
  • Selbst auf der Hauptinsel der Ha’apai-Gruppe gibt es keinen Markt, um Obst oder Gemüse zu kaufen. Es gibt nur sehr kleine chinesische Shops. Besser vorher in Tongatapu oder Vava’u mit Obst, Gemüse und frischen Nahrungsmitteln eindecken.

3+1 wahllose Fakten:

  • Das weibliche Schönheitsideal auf Tonga ist das Gegenteil des westlichen Strebens: Frauen gelten als umso schöner, je breiter und runder sie sind. Mit ein Grund, warum ein Großteil der Männer wie Frauen eine Statur besitzen wie aktive Rugby-Spieler. Und die Männer nicht möchten, dass sich ihre Frauen mehr als unbedingt nötig bewegen.
  • Der Großvater unserer Gastgeberin Yvette in Nuku’alofa stammte ursprünglich aus Deutschland – und brachte Tonga das Klopapier.
  • Die typisch westliche Optimierungs-Mentalität ist den Menschen hier fremd. Sie leben – unserem subjektiven Eindruck nach und generalisierend gesprochen – viel mehr in den Tag hinein, hinterfragen weniger und sehen keinen Grund, bewährte Abläufe oder Zustände zu ändern.
  • Tonga hat die mit Abstand leckerste Eiscreme unserer Reise! (Wir werden kurz darauf herausfinden, dass sie aus Neuseeland importert wird. Glück!)

Fazit:

Tonga ist ein Südsee-Paradies für abenteuerlustige Backpacker und Individualreisende. Dass es so abgelegen mitten im Ozean liegt, trägt noch mehr zu dazu bei. Obwohl in dem Land offiziell die Zeit beginnt, hatten wir manchmal das Gefühl, dass die Zeit hier stehen geblieben ist – und sowieso keine große Rolle spielt. Wir konnten uns nur schweren Herzens von dem kleinen Königreich verabschieden. Und wir wollen unbedingt nochmal zur Wal-Saison wiederkommen, um vom Strand aus Buckelwale zu sehen und mit ihnen zu schwimmen!

Vava´u – Urlauben wie Robinson Crusoe am Mittelmeer

Vava´u – Urlauben wie Robinson Crusoe am Mittelmeer

Die ersten 2 Nächte auf Vava’u’s gleichnamiger Hauptinsel verbringen wir im Port of Refuge Villa. Das Guesthause mit der tollen Aussicht auf’s Meer wird vom Ehemann der Besitzerin des Backpacker Townhouses in Nuku’alofa geführt, wo wir die ersten Nächte wohnten. Zuerst war diese Regelung nur übergangsweise gedacht. Da sich alle 4 inzwischen erwachsenen Kinder jedoch für ein Leben in den USA bzw. in Neuseeland entschieden haben, bedeutet das für Yvette & Kalafi, dass sie die größte Zeit des Jahres auf getrennten Inseln leben. Laut Yvette funktioniert ihre Ehe genau deswegen wunderbar 😉

Überhaupt lebt rund ein Drittel aller Tonganer im Ausland. Das hängt damit zusammen, dass die meisten ihre Schulausbildung in Australien, Neuseeland oder den USA absolvieren und im Anschluss daran nicht mehr in das „einfache“ Inselleben mit weniger Möglichkeiten zurückkehren möchten. Dass dadurch viel Potenzial aus dem Land abgezogen wird, ist natürlich ein Problem. Gleichzeitig versucht der tonganische König allzu viel ausländischen Investment einen Riegel vorzuschieben. So hat er vor wenigen Jahren ein Gesetz erlassen, welches Ausländern in Tonga Landerwerb verbietet. Dennoch gehören inzwischen z.B. so gut wie alle Supermärkte und Kioske chinesischen Immigranten. Dabei spielt sicher auch die tonganische Arbeitsmentalität eine Rolle. Wie uns ein einheimischer Freund auf Vava’u erzählt, sehen es viele Insulaner mit der Arbeit so: „In Australien oder den USA muss ich arbeiten, um Geld zu verdienen. Ohne Geld kann ich mir nichts zu essen kaufen. Wenn ich hier kein Geld hab, geh ich einfach zum Nachbar und der gibt mir was zu essen. Wozu soll ich da arbeiten?“

Vava´u – die Mittelmeerküste der Südsee

Vor allem auf Vava’u sind viele Bars, Cafés und Restaurants in der Hand europäischer oder US-amerikanischer Auswanderer. Uns erinnert Neiafu an eine italienische Kleinstadt am Mittelmeer: im geschützten Hafen liegen eine große Zahl Segelyachten vor Anker und an der Promenade reihen sich hippe Cafés, Bars und italienische Restaurants aneinaner. Wir sind während der Nebensaison hier und vieles ist geschlossen. Das Städtchen liegt im Dornröschenschlaf. Die Einheimischen gehen in aller Gemütlichkeit ihrem täglichem Leben nach. Viele von ihnen tragen dabei -wie auch auf Tongatapu und Ha’apai – noch traditionelle Gewänder: für Männer wie Frauen sind das schwarze, knöchellange Röcke, über die um die Hüften geflochtene Bastmatten getragen werden.

Über die Sommermonate sieht es hier allerdings ganz anders aus. Dann migrieren Buckelwale aus der Antarktis nach Tonga, um in den geschützten Gewässern zu kalben und ihre Kälber aufzuziehen. Mit den Walen kommen die Touristen. Tonga ist eines von nur 2 Ländern weltweit, in denen man mit diesen faszinierenden Tieren schwimmen darf. (Ja, das wussten wir vorher schon. Aber wir konnten uns trotzdem nicht rechtzeitig von unserem Farmjob in Australien losreißen. Wann kann man schonmal Cowgirl sein 😉 )

Ansonsten hat Neiafu uns zu dieser Jahreszeit nicht viel zu bieten. Zum Tauchen ist das Meer momentan zu aufgewühlt. Also decken wir uns wieder mal mit Proviant ein und ziehen los, um andere Inseln zu erkunden. Wir kriegen eine Mitfahrgelegenheit auf einem Fischerboot und lassen uns auf die kleine Insel Ofu fahren. Anders als unsere einsame Insel in Ha’apai ist auf Ofu ein kleines Dorf. Wir dürfen unser Zelt am Ende der kleinen Inselstraße direkt am Strand aufschlagen und das Bad des einzigen Guesthauses mit benutzen. Auch am Trinkwasser (gesammeltes Regenwasser) dürfen wir uns bedienen. Perfekt! Mehr brauchen wir nicht für die nächsten 3 Tage, die wir mit kayaken, lesen, kochen, faulenzen, schreiben und in der Südsee planschen füllen.

Am Tag der wöchentlichen Fähre nach Tongatapu fahren wir mit dem Boot zurück auf die Hauptinsel. Als wir allerdings unsere Tickets kaufen wollen, erfahren wir an dem kleinen Kiosk im Hafen, dass die Fähre erst am nächsten Tag fahren wird. Grund ist ein starker Zyklon, der über Tonga erwartet wird. Also gut. Nochmal eine Nacht am Strand. Wir schultern unsere Rucksäcke und machen uns wieder raus aus Neiafu. Natürlich erst, nachdem wir noch ein großes Eis gegessen haben 🙂 Unser Ziel ist der Nordosten Vava’us, wo es einen schönen Strand geben soll. Als wir nach mehreren Mitfahrgelegenheiten aber dort ankommen, zeigen sich schon die Vorboten des nahenden Zyklons: es fängt an zu regnen und an dem ungeschützten Strand bläst der Wind immer stärker. Auch der herumliegende Müll lädt nicht richtig zum Campen ein. So strecken wir nach einigen Stunden am Strand unsere Daumen nochmal raus und stehen gegen Abend doch wieder in Neiafu. Was nun? Uns nochmal in Kalafi’s Hostel einbuchen wollen wir eigentlich nicht. Zwar war es nett dort, aber doch etwas teuer und nicht so gemütlich wie bei Yvette. Nach einigem hin und her finden wir schließlich einen geeigneten Zeltplatz: die Kirchwiese! Der Priester hat nix dagegen, dass wir in dem weitläufigen Garten campen und wir dürfen sogar Bad & Dusche der angrenzenden Priesterschule nutzen. Gott sei Dank! 🙂

Tonga-Time

Am nächsten Morgen laufen wir erneut zum Hafen. Auf die durch den Zyklon garantiert wieder stürmische 18-stündige Fährfahrt freuen wir uns nicht wirklich, aber hilft ja nix. Da müssen wir durch. Aber noch geht es wieder nicht los: am Ticketschalter heißt es, dass die Abfahrt um mehrere Stunden verschoben werden muss. Der Zyklon werde Tonga wahrscheinlich in wenigen Stunden treffen und es sei deshalb besser, erst gegen Abend loszufahren. Also gut. Zusammen mit der Belgierin Larissa und dem Italiener Zac, die wir vor einer Woche im Hostel kennen lernten und immer mal wieder trafen, machen wir uns zur Zeitüberbrückung auf in ein Café mit Internet und günstigem Bier. So vergehen die Stunden. Aus der Abfahrt um 18 Uhr wird im Laufe des Nachmittages Abfahrt um Mitternacht. Uli hat sich die Telefonnummer des Kapitäns organisiert, der uns über die aktuelle Lage auf dem Laufenden hält. Gegen 20 Uhr steht dann fest: der Zyklon hat weiter an Stärke gewonnen. Vermutlich wird er die Hauptinsel Tongatapu treffen. An eine Fährfahrt ist nicht zu denken. Die Abfahrt wird auf den nächsten Tag verschoben.

…In dieser Nacht sind es schon 2 Zelte, die auf der Kirchwiese stehen 😀 Am nächsten Morgen bekommen wir dann sogar noch ein großes Frühstück von der Pfarrhälterin. Gut gestärkt machen wir uns also ein drittes Mal auf zum Hafen. Aber diesmal is‘ nix mit „aller guten Dinge sind 3„: die Abfahrt wird abermals verschoben. Und weil heute Freitag ist und die Fähre bei einer späteren Abfahrt in den Sonntag hinein fahren würde, ist Abfahrt nun erst in 3 Tagen! Denn wie schon geschrieben, ist Tonga ein sehr religiöses Land und die Einhaltung des christlichen Ruhetages gesetzlich vorgeschrieben! Nächstmögliche Abfahrt ist also Montag um Mitternacht. Wir machen das Beste daraus, dass wir nun nochmal 2 Tage auf einer Südseeinsel festsitzen 😉

Campingurlaub in der Südsee die Dritte

Soll heißen: wir kaufen Proviant und lassen uns per Anhalter auf eine andere Insel zum nächsten wunderschönen Strand fahren, an dem wir gut geschützt in einer Bucht unser Zelt aufschlagen. Das Wetter ist wieder gut genug zum schnorcheln und unsere Urlaubslektüre haben wir zum Glück in Neiafu auch nochmal aufgestockt. Uns wird also nicht langweilig. Gastfreundlich wie die Tonganer sind, hätten wir wie schon zuvor auch dieses Mal eigentlich überhaupt keinen Proviant kaufen brauchen: Der Strandbesitzer versorgt uns mit mehr frischem Obst und Gemüse aus seinem Garten, als wir überhaupt essen können. Wir trinken frische Kokosnuss zum Frühstück, essen Bananen und Papaya zu mittag und abends grillen wir neben den Spaghetti die wir im Feuer kochen, frisch geernteten Maniok und Cassava in unserem Lagerfeuer. Unser Trinkwasser dürfen wir im nahen Dorf aufstocken und werden sonntags sogar noch von einer dortigen Familie zum Festessen eingeladen. Typische Speisen bei einem tonganischen Feast sind Spanferkel, Wurzelgemüse wie Maniok, Yam oder Cassava und in Bananblätter gekochtes und in Kokosmilch eingelegtes Fleisch und Gemüse. Schmeckt so lecker wie es sich anhört!

Pappsatt und mit neu gewonnen Freunden machen wir uns Sonntag abends also ein erneutes Mal auf zum Hafen Vava’us. Bis es soweit ist, verbringen wir noch einen lustigen Abend in einer der Bars mit dem Inder Anthony, der 2 Jahre lang als Lehrer in einem Austausch der Schönstatt-Bewegung auf Tonga arbeitet.

Dieses Mal soll es tatsächlich losgehen. Allerdings nicht um Mitternacht… Und so sehr uns die tonganischen Menschen mit ihrer großen Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit auch ans Herz gewachsen sind, müssen wir sagen, dass die Arbeitsmentalität und mangelnde Organisationskunst für uns typisch-westliche-Effizienz-Optimierer an diesem Abend nur schwer auszuhalten ist! Obwohl die Fähre nun schon seit 4 Tagen im Hafen liegt, wird erst kurz vor Abfahrt mit der Ladung der Fracht begonnen. Schlag Mitternacht geht es los. Und dann wird ohne System alles hin- und her gekarrt. Die Passagiere können nicht an Bord, weil dort, wo eigentlich die Passagierbrücke befestigt werden soll, die Gabelstapler mit Fracht kreuz und quer über den Steg rasen. Wir kommen uns vor, als stünden wir mitten in einem Ameisenhaufen, in den jemand mit einem Stock hinein gestochert hat. Alle wuseln durch die Gegend, jeder steht jedem im Weg herum und nix geht voran. Irgendwann ist dann aber doch alles verladen und gegen 3 Uhr morgens geht die Überfahrt tatsächlich los. Wir finden Schlafplätze im klimatisierten Liegeraum. Jackie Chan frei 🙂 Durch den Zyklon ist das Meer immer noch aufgewühlt und sobald wir auf offener See sind, rollt das Schiff wieder so stark, dass an nichts anderes außer flach auf dem Boden liegen und Löcher in die Luft gucken, zu denken ist. Irgendwie gehen auch diese anstrengenden 18 Stunden vorüber.

Back to Nuku´alofa

In Tongatapu angekommen, holt uns Yvette am Hafen ab. Bei ihr werden wir nochmal für eine Woche bleiben. Zwar wollten wir eigentlich schon früher nach Neuseeland bzw. noch nach Samoa, aber der supergünstige Flugpreis nach Neuseeland eine Woche später ist einfach unausschlagbar. Wir nutzen die Zeit bis zu unserem Flug nach Neuseeland, um unseren Blog auf Vordermann zu bringen, zu planen, zu kochen und mit neuen und wieder getroffenen Freunden die Stunden zu verquatschen – und natürlich noch soviel Eis wie möglich zu essen.

Zu unserem Abschluss auf Tonga verabschiedet sich das Land genauso herzlich von uns, wie es uns begrüßt hat: als schwäbische Sparfüchse wollen wir uns das teure Taxi zum Flughafen sparen (wir wissen ja inzwischen, dass es wirklich keinen Bus gibt 😀 ) und hoffen, per Anhalter zumindest in Richtung des Flughafens zu kommen und den Rest laufen zu können bzw. dann ein günstigeres Taxi nehmen zu können. Also stehen wir mal wieder an die Hauptstraße und strecken die Daumen raus. Nicht einmal 2 Minuten später hält neben uns ein kleiner LKW – es ist der Frachtdienst von Air NewZealand 😀 Dessen Fahrer fährt uns direkt bis vor den CheckIn-Schalter!

Danke Tonga…!

Happy in Ha´apai!

Happy in Ha´apai!

6 Tage verbringen wir in unserem kleinen Inselparadies. Dann raffen wir uns schweren Herzens auf und lassen uns von Soni zurück auf die Hauptinsel fahren. Dafür – wie auch schon für die Bootsfahrt auf die Insel – lösen wir direkt ein Weihnachtsgeschenk ein…sozusagen ein Return-Ticket ins Paradies 🙂

DANKE, OLI!

Auch für unsere Zeit auf der Insel hatten wir ein Geschenk, dass wir einlösen durften. Und statt einer Nacht sind es sogar 2 Übernachtungen in unserem kleinen Bungalow geworden. …Quasi ein paradiesischer Schlafplatz 🙂

VIELEN DANK, SANDRA & KLAUS!

Nach der kurzen Bootsfahrt wartet in Pangai, dem Hauptort der Inselgruppe Ha’apai, zunächst eine Überraschung auf uns: die Fähre, mit der wir morgen weiter in die Inselgruppe Vava’u im Norden fahren wollten, fährt überraschend erst in 2 Tagen. Ein typisches Besipiel der flexiblen Tonga-Time

Aber wir beschweren uns ganz und gar nicht darüber, noch einen Tag länger auf Ha’apai bleiben zu können. Nur in dem unspektakulären Pangai wollen wir nicht 2 Tage bleiben. Also kaufen wir Proviant und machen uns auf den Weg zur Insel Foa im Norden. Und obwohl wir sonst selten unsere Rucksäcke als Last empfinden, ist hier in der prallen Hitze jeder Schritt mit Gepäck eine Qual. Der Schweiß rinnt uns auch so schon von der Stirn. Wir sind deshalb froh, als schon nach wenigen Minuten ein Auto vorbei fährt. Wir strecken den Daumen raus und haben Glück: die Familie ist auf dem Weg nach Foa und nimmt uns mit. Die Fahrt geht mitten über den Flughafen der Insel. Denn die Insel ist so schmal, dass die Landebahn über die komplette Inselbreite verläuft. Kurz stoppen, ein Blick links und rechts – gerade ist kein Flieger im Anflug, also schnell drübergefahren. 😀

Schon auf der Fahrt auf die per Brücke mit Ha’apai verbundene Insel Foa sehen wir viele schöne Strände. Aber das Beste sollte erst noch kommen: ganz im Norden von Foa springen wir am Houmale´eia Strand aus dem Auto. Uns entfährt ein bewunderndes „wooooow“ als wir uns umblicken. Wir stehen auf einem schneeweissen Sandstrand inmitten einer türkisfarbenen Lagune.

Schnell legen wir unsere Rucksäcke unter die nächste Palme und springen zur Abkühlung ins Wasser.

Nachdem wir mit dem einzigen Hotel auf der anderen Seite des Strandes abgeklärt haben, dass es sie nicht stört wenn wir am Strand unser Zelt aufschlagen, steht unseren Dasein à la Robinson Crusoe nicht mehr im Wege: aus dem Sarong bauen wir uns ein Schattensegel, gehen im herrlich klaren Wasser schnorcheln, kochen im Lagerfeuer Spaghetti und trinken Rum aus unserem Campingtopf. Nachts schlafen wir unter dem funkelndem Sternenhimmel.

Am nächsten Morgen werden wir von der aufgehenden Sonne geweckt. In der Lodge auf der anderen Seite des Strandes trinken wir unseren Kaffee. Und das ist der Beste seit langem. Aus echten Kaffeebohnen. Frisch gebrüht. Mit echter Milch. Nach all den Monaten mit morgendlichem Instant-Kaffee in Australien und Wochen mit Milchersatz-Pulver in der Südsee ein wahrlich genüsslicher Start in den Tag! Dafür lösen wir gerne direkt wieder ein Geschenk ein:

DANKE ELKE & STEFAN FÜR DEN KAFFEE MIT DER BESTEN AUSSICHT!!

Gut gestärkt machen wir uns im Anschluss durch schwimmend auf zur unbewohnten Insel Nukunamo. Auch hier könnten wir locker noch mehrere Tage verbringen 😉 Da uns aber schon auf unseer einstündigen Umrundung der Insel schier der Kopf verbrutzelt, schnorcheln wir dann doch wieder zurück und legen uns unter unser selbstgebautes Sonnensegel.

Nukunoma

Da die Fähre nach Vava’u am anderen Morgen planmäßig schon um 6 Uhr morgens ablegt, wollen wir es nicht darauf anlegen, früh morgens rechtzeitig eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern und brechen gegen Abend auf zurück nach Lifuka. 2 junge Männer haben hier im Norden einen Sack voller Seeigel von Fischern abgeholt und nehmen uns mit. Biene probiert die lokale Delikatesse. Fazit: schmeckt gar nicht schlecht – ein bisschen wie Muscheln, nur etwas salziger.

Mit der Fährfahrt nach Vava’u wartet dann schon die nächste anstrengende, zähe Überfahrt auf uns. Auch dieses Mal ist das Meer wieder rau und aufgewühlt. Da wir diesmal tagsüber fahren und die Sonne erbarmungslos auf das Oberdeck brutzelt, entscheiden wir uns für den klimatisierten Innenraum. Hier heißt es: 12 Stunden Jackie Chan und Co. in der Dauerschleife. Mit all unseren Busfahrten in China gibt es mittlerweile wahrscheinlich keinen Kong Fu Film mehr, den wir nicht kennen…! 😀

Unsere einsame Insel – das Paradies der Südsee!

Unsere einsame Insel – das Paradies der Südsee!

Wir haben das Paradies gefunden. Das Südsee-Paradies.

Eine kleine Insel, abgelegen mitten im Pazifik. Ungefähr 3 Kilometer lang und nur 500 Meter breit. Rundum umsäumt von goldfarbenem, feinem Sandstrand. Davor eine langgezogene türkisfarbene Lagune. Darauf viele Kokospalmen, 3 einfache Unterkünfte und eine Strandbar. Und wir haben es ganz für uns.

Und jetzt sind wir in einem Zwiespalt. Warum? Weil wir unser Inselparadies nicht teilen, sondern für uns behalten wollen. Ganz schön egoistisch, was? Aber die Insel soll genauso bleiben, wie sie ist. Ein Geheimtipp, der nur am Lagerfeuer im Tausch gegen Rum an andere Reisende weiter gegeben wird. Fernab von Massentourismus und Pauschalangeboten. Denn großer Teil seines Charmes ist eben auch, dass außer uns keiner da ist.

Deshalb verraten wir hier nicht den Namen unseres tonganischen Inselparadieses. Dafür nehmen wir Euch für einen Tag mit uns mit auf die Insel:

Ein Tag im Paradies

Von draußen hören wir Vogelgezwitscher. Wir schlagen noch etwas verschlafen die Augen auf. Unser kleiner Bungalow liegt noch im Dämmerlicht, erst langsam vertreiben die ersten Sonnenstrahlen die nächtliche Dunkelheit. Wir kruschteln das Mosiktonetz zur Seite und springen aus unserem Bett. Bikini und Badehose liegen schon griffbereit. Vor unserem Bungalow strecken wir die Arme in die Luft und die Zehen in den Sand. Hand in Hand gehen wir die wenigen Meter über den Strand. Wir springen in das trotz der frühen Stunde schon angenehm warme Meer. Dieses erste Bad des Tages direkt nach dem Aufstehen ist besonders herrlich!

Anschließend setzen wir uns vor unseren Bungalow und lesen. Schnell sind wir wieder trocken. Wir hören, dass in der Küche bereits gewerkelt wird. Also laufen wir durch den Sand zu der etwas weiter hinten stehenden Hütte. Unsere Gastgeber Maria und Soni sind schon beim Frühstück. Wir setzen uns dazu und trinken unseren Kaffee. Soni hat das Radio an, seine einzige Verbindung zum Festland. Das Telefon ist die meiste Zeit ausgesteckt. Um Strom zu sparen. Wichtig ist eigentlich eh nur der Wetterbericht. Und der kommt nach dem aktuellen Fährplan und den Todes- und Geburtstagsmeldungen des Landes im Radio.

Nach dem Kaffee springen wir wieder ins Meer, bevor wir uns mit unseren Büchern in die beiden Hängematten unter Palmen verziehen. Maria und Soni rächeln derweil die in der Nacht herabgefallenen Blätter am Strand zusammen. Aber nicht allzu lange. Selbst im Schatten wird es inzwischen heiß. Für die nächsten Stunden ist auch für sie süßes Nichtstun angesagt. Am liebsten sitzen sie dann unter den Bäumen im Sand und schauen auf’s weite Meer. Wir machen mit. Wenn uns die Sonne zu sehr auf die Bäuche brennt, gehen wir planschen. Dann verkrümeln wir uns wieder in die Hängematten. So vergehen die Stunden.

Wir bekommen langsam Hunger. Aus unserem vom Festland mitgebrachten Vorräten kochen wir. Für Biene gibt es zum ersten Mal seit 5 Tagen wieder etwas anderes als Reis ohne alles. Sie hat sich noch in Nuku’alofa eine lästige Fischvergiftung zugezogen. Gut für die Bikini-Figur 😉 Als wir anfangen zu essen, legt sich das junge Ferkelchen auf unsere Füße, dass von seiner Mutter verstoßen wurde und jetzt von Maria mit der Hand aufgezogen wird. Wie ein Hund rennt es ihr überall hin hinterher. Nach dem Essen springen wir wieder ins Meer. Anschließend pendeln wir zwischen Liegestuhl, Sand und Hängematte. Die Sonne brutzelt vom blauen Himmel. Nicht ein Wölkchen trübt die Südsee-Idylle. Uli hält Siesta. Biene geht in der Zwischenzeit kayaken.

Zurück in die Hängematte. Über uns rauschen die Palmblätter im lauen Wind. Wir fragen uns, was für ein Tag heute eigentlich ist. Wir kommen nicht drauf. Aber eigentlich ist es auch egal.

Die Sonne sinkt tiefer. Maria und Soni machen sich auf ihren täglichen Gang ins dicht bewachsene Inselinnere, um Kokosnüsse für die Schweine aufzulesen. Denn die fressen hier ausschließlich frisches Kokosfleisch. Unsere Essensreste werden missbilligend grunzend verschmäht. Und da sage noch jemand, was für ein Schweineleben!

Heute Abend kocht Soni für uns. Zum Dank dafür, dass Uli gestern seine beiden kaputten Generatoren repariert hat und es jetzt wieder Strom gibt. Zu essen gibt es frischen Fisch, gebratenes Hühnchen, Bananenchips, Yam und Maniok. Zu trinken gibt es Limonade aus frisch gepressten Limetten. Das Ferkelchen knabbert Uli am Zeh. Es gibt erst Ruhe, als er es mit dem Fuß am Bauch krault. Dann quiekt es vor Vergnügen.

Zeit für den Sonnenuntergang. Biene ist für den Sundowner-Cocktail zuständig. Mit frisch gepflückten Limetten schmeckt der Cuba Libre nochmal doppelt so gut. Uli bringt in der Zwischenzeit unser Lagerfeuer am Strand in Gang. Wir sitzen an unserem Liebligsplatz auf dem noch warmen Sand, mit bestem Blick auf den schon orange verfärbten Horizont. Neben uns steht diese eine Palme, die nicht geradewegs nach oben wächst, sondern knapp über dem Strand bis ins Meer ragt. Wie direkt von der Postkarte hierher verpflanzt.

Die Sonne nähert sich dem Horizont und taucht alles in ein goldenes Abendlicht. Dann ist es soweit. Als glutroter Feuerball versinkt die Sonne geradewegs im Meer. Der Himmel verfärbt sich in Schattierungen von zironengelb bis dunkelviolett.

Wir liegen noch lange am Strand. Sehen die ersten Sterne am Firmament aufleuchten und zu einen funkelnden Sternenhimmel werden. Der Mond geht auf. Es ist beinahe Vollmond. Der silberne Mondschein leuchtet uns den Weg auf den wenigen Metern über den Strand zu unserem Bungalow. Wir springen nochmal unter die Dusche. Schließlich schlafen wir zum Rauschen der Wellen ein.

…just another day in paradise!

Zu Besuch in Tonga – dem kleinen Königreich, in dem die Zeit beginnt!

Zu Besuch in Tonga – dem kleinen Königreich, in dem die Zeit beginnt!

Das Abenteuer Südsee ist für uns nach Vanuatu noch nicht zu Ende. Unser Reise führt uns mit einer Nacht Aufenthalt auf Fiji weiter gen Osten nach Tonga. Tonga what? Liegt das irgendwo in Afrika? Nicht vielen Menschen in Europa ist Tonga ein Begriff. Kein Wunder – liegt der kleine Inselstaat doch ziemlich abgelegen mitten im Pazifik auf der anderen Seite des Planeten. Gerade einmal 100.000 Einwohner leben auf 40 der insgesamt 176 Inseln, die zu dem Land gehören. Tonga ist unser erstes Königreich auf unserer Reise.

Der König lächelt uns auch direkt von Plakaten entgegen, als wir auf der Hauptinsel Tongatapu ankommen. Und wir bekommen gleich eine Idee davon, warum James Cook den Inseln bei seiner Entdeckung den Namen Friendly Islands gab: Vor der Ankunftshalle des kleinen Flughafens erzählen uns die wartenden Taxifahrer, dass es hier keinen Flughafenbus in die 40 Minuten entfernte Hauptstadt Nuku’alofa gäbe. Da wir dies fast an allen Flughäfen hören und sich meist herausstellt, dass es sehr wohl eine weitaus günstigere Variante als das Taxi gibt, ignorieren wir die Taxifahrer und laufen über den Parkplatz.

Und siehe da, da steht auch schon ein alter, etwas klappriger Bus. Wir sollten schnell feststellen, dass so gut wie alle Autos in Tonga so aussehen: alt und zusammen geflickt. Der Fahrer steigt gerade ein. Schnell laufen wir zu ihm und fragen, ob er nach Nuku’alofa fahre. Er bejaht und bedeutet uns einzusteigen. Auf unsere Frage, was die Fahrt denn koste, schüttelt er den Kopf. Mensch, das ist ja mal klasse, denken wir uns! So ein Service – hätten wir gar nicht erwartet. Der Bus füllt sich schnell, viele jugendliche und ältere Fahrgäste steigen ein. Irgendwie scheinen sich alle zu kennen. Während der Fahrt kommen wir mit einem der Jugendlichen vor uns ins Gespräch. Wie sich herausstellt, sitzen wir in einem privaten Familienbus – die ganze Busgesellschaft hat gerade ein Familienmitglied am Flughafen verabschiedet 😀

Im Zentrum der bisher kleinstädtischsten Hauptstadt unserer Reise angekommen, steuern wir als erstes den großen Markt an. Es ist Mittagszeit und wir beschließen, erst etwas zu essen bevor wir uns auf die Suche nach einem Hostel begeben. Noch während wir essen, werden wir von einem tonganisch-australischen Paar angesprochen. Sie hätten unsere Rucksäcke gesehen und wollen uns anbieten, uns mit ihrem Auto zu den Unterkünften zu fahren, die wir uns anschauen wollen. Dann bräuchten wir bei der Hitze nicht durch die Stadt laufen. Wow! Wir nehmen das Angebot gerne an. Wie wir später heraus finden, ist Uili ein berühmter tonganischer Künstler.

Bei soviel Freundlichkeit finden wir es nicht weiter schlimm, dass auf der Hauptinsel Tongatapu noch nicht viel vom Südseeflair zu spüren ist. Zwar ist das Meer selbst im Hafen unglaublich blau, einen Strand suchen wir in diesem Teil der Insel allerdings vergeblich. Dafür gibt es selbst in der Stadt Bananenstauden und Palmen en mas. Da die Fähre auf die weiter entfernten Inselgruppen Ha’apai und Vava’u nur zweimal die Woche fährt, bleiben wir zunächst 5 Tage in Nuku’alofa. Die Alternative Flug zur 12- bzw. 24-stündigen Fährfahrt ist uns schlicht und ergreifend zu teuer. Außerdem würden wir jederzeit eine authentische (lokale) Fährfahrt einem kurzen Flug vorziehen. Mit dem Backpacker’s Townhouse finden wir ein sehr gemütliches Hostel in guter Lage. Heißt: in Gehdistanz zu vielen kleinen Eisdielen, in denen wir uns ungezählte, unwiderstehlich leckere und absolut riesige tonganische Waffeleis gönnen 😉 Tags darauf ist der 31. Dezember. Nachmittags erhalten wir eine tolle Einstimmung in die vielfältige Kultur der Südsee: Zu den fröhlichen Klängen von Ukulele und co. werden von professionellen TänzerInnen traditionelle Tänze verschiedener polynesischer Völker aufgeführt.

Für abends hat uns eine Couchsurferin, die wir anschrieben, netterweise eingeladen mit ihr und ihren Freunden am Lagerfeuer ins neue Jahr zu feiern. In internationaler Runde sitzen wir so – etwas ruhiger, als wir sonst gerne Silvester feiern 😉 – im Flammenschein zusammen und grillen im offenen Feuer Marshmallows. Unseren mitgebrachten Beitrag an Getränken müssen wir allerdings größtenteils selbst vernichten ;-D Auch das Silvesterfeuerwerk fällt inselweit sehr gediegen aus – kein Vergleich zum letztjährigem Spektakel in Sydney – und knapp eine halbe Stunde später ist die Party dann auch schon zu Ende. Wir müssen dazu sagen, dass Silvester vom Großteil der Tonganer traditionell mit einem gut dreistündigen Kirchgang begangen wird – gefolgt von anschließenden Gottesdiensten im Kreise der Familie. Im Vergleich dazu feierten wir also durchaus eine wilde Party 😉

Überhaupt sind die Tonganer sehr religiös. Wie schon auf Vanuatu ist der Sonntag auch auf Tonga Kirchentag. Hier geht die Ehrung des christlichen Ruhetages aber noch einen Schritt weiter: per Gesetz sind sonntags neben dem Genuss von Alkohol auch alle körperlich anstrengenden Aktivitäten verboten – selbst Sport wie schwimmen oder joggen darf nicht getrieben werden. (Ausnahme sind die Resort-Inseln für Touristen) Nach dem sonntäglichen Kirchgang versammelt sich meist die ganze Großfamilie zum sonntäglichen Festessen. Wir durften zweimal von solch einem Feast kosten und es war beide Male sehr lecker. Anschließend wird für den Rest des Tages geruht…nicht, dass die Tonganer die restlichen Tage gehetzt durch die Gegend flitzen: zwar ist Tonga durch seine Lage direkt an der Datumsgrenze das erste Land, in dem jeden Tag die Sonne aufgeht. Hektik gibt es in dem Land, in dem die Zeit beginnt, deshalb aber keine. Ganz im Gegenteil: manchmal scheint es uns eher, als ob Zeit in dem kleinen Königreich ein sehr dehnbarer Begriff ist… 😉

In den nächsten Tagen erkunden wir die kleine Hauptstadt, unternehmen eine Radtour über die Insel, decken uns auf dem Markt mit Gemüse und fangfrischem Fisch ein und kochen mal wieder selbst. Wenn man das nicht ständig tut, macht das richtig Spaß 🙂 Die Abende verbringen wir mit anderen Reisenden in unserem Hostel. Vor allem, wenn die Gruppe junger Fidschianer ihre Gitarren zückt und die Kavaschalen reihum gehen lässt, werden die Nächte lang und lustig. Die jungen Männer sind als Schiedsrichter eines Rugby-Turniers auf Tonga (und das erste Mal außer Landes) und bereits nach 2 Wochen schwer Heimweh geplagt – was sie in beneidenswert melodischen Klängen wiedergeben können.

So vergehen die Tage auf Tongatapu auch ohne lümmeln am Traumstrand wie im Flug. Schon steht uns die zwölfstündige Fährfahrt zur Inselgruppe Ha’apai bevor. Unseren Fähr-Erfahrungen auf Vanuatu sei Dank sind wir ja schon abgehärtet. Deshalb versetzt es uns auch nicht allzu sehr in Aufregung, dass erst 2 Tage vor unserer Abfahrt ein schwerer Zyklon knapp an der Hauptinsel vorbei zwischen Tongatapu und Ha’apai vorbeigezogen ist. Wir haben dann auch tatsächlich keine Probleme mit der Seekrankheit. Einigen unserer (einheimischen) Mitreisenden auf der offenen Liegefläche auf dem Oberdeck macht der hohe Seegang aber doch hör- und vor allem riechbar… – schwer zu Schaffen. Das ist auch kein Schande: immerhin rollt das Schiff so stark von einer Seite zur anderen, dass wir uns nur mit beiden Händen festgeklammert an Bord bewegen können. Unter diesen Umständen sind wir ziemlich froh, dass uns der zuständige Schiffs-Stewart für ein kleines „Trinkgeld“ in den 1. Klasse-Kabinen tief im Schiffsrumpf weiterschlafen lässt, in die wir uns still und heimlich verkrochen haben… In den Stockbetten hier rollen wir wenigstens nur von einer Bettseite zur anderen. Nur gegen das ohrenbetäubende Krachen der meterhohen Wellen gegen die Schiffswand hilft auch das nicht… Da müssen mal wieder unsere Ohropax ran 🙂

Für die strapaziöse Überfahrt werden wir tags darauf mehr als entschädigt: auf der Inselgruppe Ha’apai erwartet uns das Südsee-Paradies aus dem Bilderbuch…

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