China

Hong Kong und Macau – von alternativen Schlafplätzen in Megametropolen

Hong Kong und Macau – von alternativen Schlafplätzen in Megametropolen

Nach 50 Tagen in China war es für uns Zeit, wieder aufzubrechen und neue Gegenden zu erkunden. 50 Tage hören sich nach einer langen Zeitspanne an. Wir waren viel unterwegs, haben das Land von Nord nach Süd und Ost nach West (teilweise) durchquert, tolle Orte gesehen, viel erlebt und hatten spannende Begegnungen. Und dennoch gibt es noch unzählig viele Plätze und interessante Ecken in diesem großen Land, die wir noch nicht entdeckt haben.
Aber wir brauchen ja auch noch Ziele für unsere nächste Reise…

HONG KONG

Mit dem Nachtbus kommen wir morgens um 6 Uhr in der chinesischen Grenzstadt Shenzhen an. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung nach Hong Kong. Nach einer kurzen Busfahrt sind wir auch bereits am Grenzübergang angekommen. Es ist Samstagmorgen und an den Ausreiseschaltern bilden sich lange Schlangen. Viele Festland-Chinesen nutzen das Wochenende für einen Kurztrip in die ehemals britische Kolonie. Dann ist es soweit: Wir bekommen den Ausreisestempel in unseren Pass gedrückt und sind aus der Volksrepublik China ausgereist. Auf der anderen Seite geht es schneller voran – es gibt extra Schalter für Nicht-Chinesen 🙂
Wir fahren mit der effektiven Subway MRT in den Stadtteil Mongkok, wo wir unsere Unterkunft gebucht haben. Wir haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise kein Hostel gebucht, sondern uns über airBnB ein Zimmer in einer privaten Wohnung gemietet. Dank der guten Wegbeschreibung unseres Vermieters finden wir unsere Bleibe auf Anhieb. Die Wohnung ist typisch für Hong Kong: Winzig. Mini-Bad, Mini-Waschmaschine, Mini-Küche (2 Kochplatten im Flur) und durch dünne Holzwände unterteilte Mini-Räume. Auch unser Zimmer ist so klein, dass neben dem Bett an 3 Seiten gleich die Wand kommt und an der 4. gerade so die Tür aufgeht. Die Quadratmeterpreise sind teuer in Hong Kong. Platz ist Luxus in diesem von Wasser umgebenen Art Stadtstaat. Uns reicht der Platz zum schlafen. Nach einem kurzen Plausch mit unserem Vermieter und Begrüßung seiner Schildkröte Toby machen wir uns stadtfein und ziehen los. Wir verbringen den Nachmittag mit der Erkundung des Stadtteils Kowloon, bevor wir uns bei Einbruch der Dunkelheit zur Avenue of Stars aufmachen.

Diese Uferpromenade ist dem Hollywood Walk of Fame nachempfunden. Namhafte asiatische Künstler sind hier mit einem Stern im Boden verewigt. Der einzige Name, der uns beiden etwas sagt, ist Jackie Chan… 😉 Von der Avenue of Stars aus haben wir beste Sicht auf die allabendlich stattfindende Lasershow „Symphony of Lights“. Wir ergattern einen Platz in der ersten Reihe direkt am Wasser, lauschen der passend zu den bunten Lasern komponierten Musik und genießen den Trubel. Im Anschluss schlendern wir durch das nächtliche Kowloon zum Nachtmarkt in der Temple Street, der vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär ist wie bei Biene’s letztem Besuch vor 5 Jahren (oder liegt es daran, dass wir wissen dass wir alles auf dem Rücken tragen müssen, was wir kaufen?!).

ONE DAY IN HONG KONG

Heute steht klassisches Sightseeing auf unserem Programm:
Mit der Star Ferry setzen wir über zum Victoria Harbour nach Hong Kong Island, erkunden das Stadtviertel Central mit seinen eisgekühlten, luxuriösen Shoppingmalls zu Fuß, fahren in SoHo mit den Midlevel-Escalators auf den längsten Outdoor-Rolltreppen der Welt, trinken ein Bier in Lan Kwai Fong und fahren mit einer nostalgischen Tram zum Yachthafen der Causeway Bay. Wir genießen das internationale Flair Hong Kong’s, lassen uns durch die belebten Straßen treiben und blicken an den spiegelnden Fassaden der Skyscrapper hinauf. Auch wenn diese Metropole seit 1996 wieder zu China gehört, fühlt es sich doch ganz ganz anders an. Internationaler, lebendiger, irgendwie weltoffener. Heute schauen wir uns die Symphony of Lights vom anderen Ufer aus an.

WIR SIND WELTMEISTER

Gegen Abend testen wir die Bars auf der Lockhardt Street, der Partymeile Wan Chai’s,. Heute ist Finalnacht der Fußball-WM! Deutschland gegen Argentinien! Wir suchen eine Bar, die das Spiel überträgt. Unsere Auswahlkriterien: großer Bildschirm, möglichst kein bzw. geringer Eintritt, gute Stimmung und der Preis für ein gezapftes Bier 😀
Wir werden fündig und suchen uns schließlich eine Eckbar aus, in der an allen 4 Wänden große Screens hängen und das Spiel zusätzlich auf einer großen Leinwand übertragen wird. Wie sich gegen 23 Uhr langsam herausstellt, hatten wir bei unserer Wahl einen guten Riecher! Die Stühle und Tische werden rausgetragen – der Wirt vermutet, dass es voll wird. Tatsächlich, gegen Mitternacht füllt sich die Bar zusehends. Um uns herum weiße Trikots mit schwarz-rot-goldenem Wappen und eine vertraute Sprachmelodie. Wir verstehen die Menschen um uns rum. Huch, und sie verstehen uns 😉 In der Bar sind gut 90% Deutsche – wir haben uns zufällig die Stammkneipe der deutschen Expats in Hong Kong für das Finale ausgesucht. Wir sind begeistert. * Noch 3 Stunden bis Spielbeginn. Bei Helene Fischer, den Toten Hosen und den Sportsfreunden Stiller fängt die Stimmung langsam an zu brodeln. Neben uns steht Kathrin aus Karlsruhe, die seit 5 Jahren in Hong Kong lebt… so klein ist die Welt! Als es endlich 3 Uhr morgens ist, ist die Bar gerammelt voll und die Stimmung sensationell. Es sind packende 120 Minuten mit vielen „Aah’s“ und „Ooohs“ und rauschenden Pausen (Video folgt 🙂 ).

Als es 2 Stunden später langsam hell wird und endlich fest steht, dass Deutschland tatsächlich zum 4. Mal in der Geschichte den Titel geholt hat, kennt die Freude kein Halten mehr. Auf der Straße vor der Bar wird getanzt, gejubelt und gefeiert bis die Polizei kommt. Der einsetzende Berufsverkehr kommt nicht mehr durch, die gesamte Straße ist dicht und der Polizei bleibt nichts anderes übrig, als die Kreuzung komplett abzusperren.

Wir feiern ausgelassen und an Schlaf ist nicht zu denken. Als sich die Party langsam auflöst, ziehen wir beide weiter. Unser Ziel: der Victoria Peak. Mit der historischen Peak Tram, der ältesten noch in Betrieb befindlichen Standseilbahn der Welt fahren wir, als erste Passagiere an diesem Morgen, auf den höchsten Berg Hong Kongs.
Oben angekommen genießen wir den klaren Blick auf die morgendliche Skyline Hong Kongs, den Victoria Harbour und die Outlaying Islands rundum. Als uns das Personal von der Aussichtsplattform schmeißen will, weil sie noch nicht geöffnet ist (warum genau fährt dann die Tram bereits?), setzen wir uns zum Ausruhen auf die Parkbänke auf der Terrasse. Es dauert natürlich keine 5 Minuten, bis wir eingeschlafen sind 😀

Frisch ausgeruht machen wir uns etwas später auf den Abstieg. Nach einer anstrengenden Wanderung abwärts und einem kurzen Abstecher in den Zoologischen Garten kommen wir wieder in SoHo an, von wo aus wir gemütlich mit der Metro zurück nach Mongkok fahren. Dort wartet schon ein Sieges-Schnitzel und unser Bett-Zimmer auf uns. Der Rest des Tages ist schnell erzählt: wir verschlafen ihn größtenteils 😀 Zum Glück regnet es den längsten Teil des Nachmittags, sodass wir guten Gewissens einfach liegen bleiben 😉

MACAU – DAS LAS VEGAS ASIENS

Immer noch in Siegeseuphorie erreichen wir am nächsten Tag Macau. Die ehemals portugiesische Kolonie liegt gerade einmal 45 Fähr-Minuten von Hong Kong entfernt. Wir fahren mit dem Bus durch die schöne, sehr mediterran anmutende Altstadt und checken in das Hostel ein, in dem Biene vor 5 Jahren schon war. Wie damals ist das San Va Hospiderìa immer noch die günstigste Unterkunft des Stadtstaats, die Besitzerin immer noch gleich garstig und die Zimmer noch gleich verlebt. Naja, für eine Nacht geht es…
Wir erkunden zu Fuß das Stadtzentrum, schlendern über den bekannten schwarz-weissen Largo d Senado und besichtigen die historisch bedeutsamen Bauten. Abends zieht es uns in eines der zahlreichen Casinos. Wie ihr merkt, sind wir aber noch nicht wieder zuhause – wir haben also der Versuchung widerstanden und uns nicht selbst an die Spieltische gesetzt 😀 Stattdessen haben wir einen unterhaltsamen Abend bei freien Drinks in schöner Hotelatmosphäre.

Bei unserer Rückkehr ins Hotel erwartet uns eine unerfreuliche Email: Aufgrund des Taifuns Glenda, der auf den Philippinen erwartet wird, wurde unser Flug für den morgigen Tag gecancelt.
Den Abstecher auf die Philippinen haben wir spontan in unsere Reiseplanung eingeschoben. Eigentlich stand als nächstes das geheimnisvolle Myanmar auf unserer Route. Allerdings haben wir nach den (heißen) knapp 2 Monaten in China das Bedürfnis nach Strand, Relaxen und Nichts tun. Und auf die Philippinen wollten wir eh noch irgendwann…

Trotz des gecancelten Fluges brechen wir am nächsten Morgen zum Flughafen auf. Wir wollen sehen, ob sich nicht doch noch etwas machen lässt, damit wir noch heute auf den Philippinen ankommen. Als aber kurz darauf fest steht, dass heute definitiv weder von Macau noch von Hong Kong aus ein Flug auf die Philippinen abhebt, überlegen wir uns unsere Optionen:

  • Eine weitere Nacht in unserer überteuerten Absteige, in der wir uns das Zimmer mit vierbeinigen Kriechern teilen müssen.
  • Verrückt und spontan sein.

PROJECT TERMINAL

Keine Frage – wir entscheiden uns für Alternative 2. Und so kam es, dass wir unser Zelt am bisher ungewöhnlichsten Ort unserer Reise aufschlugen…

Aber der Reihe nach. Zuerst fahren wir mit dem kostenlosen Shuttle-Bus von einem der noblen Casino-Hotels zum Strip, wo die ganzen schönen Luxushotels mit ihren Casinos die spielfreudigen Besserverdiener Asiens anlocken… Im einladenden Galaxy Hotel deponieren wir zuerst unser Gepäck beim überaus hilfsbereiten Concierge. Nun steht einem relaxten Nachmittag nichts mehr im Wege bzw. auf dem Rücken. 😉 Wir schlendern durch das Hotelcasino, freuen uns über den Gratis-Kaffee, den wir angeboten bekommen und gehen weiter ins Hotel Venetian, das eine genaue Replik des Venetian in Las Vegas ist. Hier bummeln wir entlang des originalgetreu nachgebauten Canale Grande bis zum Markusplatz, winken den singenden Gondolieres zu und schlendern anschließend in den alten Teil Macaus. Hier in Taipa bummeln wir durch die Marktstraßen und naschen uns in den Bäckereien durch die Gratis-Kostproben an lokalem Gebäck. Mit Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf ins Hard Rock Hotel, um bei guter Musik am Pool den Abend mit Blick auf das festlich beleuchtete Venetian ausklingen zu lassen.

In der Gewissheit, das Beste aus diesem zusätzlichen Tag gemacht zu haben, steigen wir später wieder in den kostenlosen Shuttle-Bus zurück zum Flughafen. 🙂
Und hier schlafen wir, etwas abseits der Wartehalle auf der Empore im 1. Stock, wie die Engel in unserem kleinen Zelt – bis uns am nächsten Morgen der Wachmann weckt 😀
Und nach 24 Stunden am Flughafen ist es dann auch fast schon Zeit, in den Flieger zu steigen, der uns auf die Insel bringt….

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Als wir die Gegend bei Guilin schön fanden und die dortigen Karstberge bewunderten, hatten wir die Landschaft bei Yangshuo noch nicht gesehen. Schon die zweistündige Busfahrt in die 60 km flussabwärts von Guilin gelegene Stadt wird zum Leckerbissen für unsere Augen.

Zwischen malerisch grünen Ebenen, auf denen Bauern mithilfe von mächtigen, grauen Wasserbüffeln gemächlich ihre Reisfelder bestellen, ragen in immer kürzer werdenden Abständen steile, schroffe Karstberge auf. Wie von Riesen auf die Wiesen geworfen stehen sie dunkelgrau und scharfkantig abfallend inmitten der ansonsten flachen, sattgrünen Felder.

Als wir vom Highway ab- und in die Stadt hinein fahren, staunen wir weiter: Obwohl Yangshuo 240 000 Einwohner zählt, wirkt sie auf uns wie eine Kleinstadt (abgesehen davon, dass sie das bei chinesischen Maßstäben tatsächlich ist). Die Straßen sind durchzogen von Karstbergen, sodass die Natur immer maximal eine Kurve entfernt ist. Für eine chinesische Stadt eine Sensation.

Der Haken? Wir müssen uns das malerisch am Li Fluss gelegene, einst lässige Städtchen mit den Massen teilen…

Am Busbahnhof angekommen, steigen wir voller Vorfreude aus. Obwohl es inzwischen bereits früher Abend ist, sind die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit immer noch so hoch, dass uns die Kleidung nach dem Schultern unserer Rucksäcke innerhalb von Sekunden am Körper klebt. Egal – wir entscheiden, trotzdem zu Fuß zu dem Hostel zu gehen, dass wir uns anschauen wollen. Das „ShowBiz Inn“ liegt direkt am Flussufer im Stadtzentrum, was laut unserem Reiseführer mit einem zehnminütigen Spaziergang vom Busbahnhof aus zu erreichen ist.
Tja, hier fallen wir das erste Mal mit unserem etwas veralteten Reiseführer auf die Nase. Bei unserem Lonely Planet China handelt es sich um die Ausgabe von 2009. Bisher war das kein wirkliches Problem, die meisten Informationen waren noch sehr akkurat. Was diese Ausgabe aber nicht wissen kann: Der Busbahnhof von Yangshuo wurde Anfang 2013 gut 2,5 Kilometer weiter außerhalb verlegt. Und so laufen wir…. 😀

Als wir die Fußgängerzone nach harten 45 Minuten Fußmarsch entlang der Hauptverkehrsader der Stadt gefunden haben und hechelnd die „West Street“ entlang laufen, an deren Ende das Hostel liegt, wird klar: Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die Yangshuo entdecken wollen…

Mit unseren Rucksäcken auf den Rücken schieben wir uns durch koreanische Reisegruppen, vorbei an ganzen Horden chinesischer Teenager, vereinzelten westlich aussehenden Familien, chinesischen Großfamilien und schlendernden Paaren. Ein bunter Haufen an Touristen.

Und für alle hat Yangshuo etwas zu bieten.
Die Fußgängerzone Xi Jie (West Street) ist ein einziges großes Touristenschlaraffenland: Neben großen und kleinen Shops mit allerlei traditionellen – und weniger traditionellen – Souvenirauslagen reihen sich Geschäfte mit Kunsthandwerk, Bekleidung und Kunstgalerien. Für den großen Hunger steht eine immense Auswahl Restaurants mit internationalen, westlichen und asiatischen Speisen und englisch übersetzten Menüs bereit. Um den shoppingmüden Füße eine Pause zu gönnen und die vom vielen Feilschen trockenen Kehlen wieder zu befeuchten, hat man die Qual der Wahl zwischen Eiscreme-Ständen; Cafés mit Oreo-Milkshakes; Karamell Latte aus der mobilen Kaffeeküche und Teehäusern mit chinesischem Grüntee. Zu später Stunde verwandeln sich die Bars in Karaoke-Bühnen, in denen unentdeckte Talente lautstark den Charthits des vorletzten Jahrzehnts den letzten schrägen Schliff geben. Nach unserer Ankunft und einem Bummel durch das Getümmel verziehen wir uns auf die Dachterrasse unseres Hostels, von der aus wir unverbaute Sicht auf den direkt daneben durchfließenden Li River und die dahinter aufragenden Karstberge genießen.

Nach einer Nacht im Hostel entscheiden wir uns, umzuziehen. Wir wollen weiter raus. Auf´s Land. In die Natur, die uns hier so beeindruckt. Also packen wir unsere 7 Sachen wieder zusammen und erreichen nach einem halbstündigen Spaziergang flussaufwärts das vor der Stadt gelegene Dorf Shibanqiao. Das Dorf ist lediglich durch mehrere Karstberge von der Stadt getrennt und besteht im Grunde aus einer einzigen Straße.
Hier finden wir das kleine, neu eröffnete Hostel „Cosy Garden“. Der Name ist Program – das gemütliche Hostel mit Wintergarten hat nach vorne wie nach hinten jeweils viel grün drumherum und liegt idyllisch inmitten der Karstberge. Wir werfen erst einmal all unsere Nachmittagspläne über den Haufen und machen gar nichts. Den Rest des Tages genießen wir einfach. Erst die schwüle Mittagshitze, dann das klärende Sommergewitter. Bei Einbruch der Dunkelheit hören wir anstelle von Beats rhythmisches Quaken und statt Neonreklamen sehen wir nachts sogar ein paar Sterne.

Trotz einer kurzen Nacht ausgeruht (wir schauten morgens ab 4 Uhr das Halbfinale Deutschland-Brasilien) und nach einem im Preis inbegriffenen Do-it-yourself Frühstück mit Omelette, Yoghurt, Obst und richtigem Filterkaffee (Premiere in China! Spätestens jetzt hat uns das Cosy Garden Hostel restlos überzeugt 😉 ) starten wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein unternehmungslustig zu unserer Erkundungstour.
Unser Ziel ist der Fluss Yulong. Kleiner, unbekannter und ruhiger gelegen als der Li Fluss fließt dieser ca. 4 km südwestlich von Yangshuo durch eine ebenso malerische Gegend.
Wir wollen die hügelige Landschaft per pedalo erkunden und leihen uns ein Tandem! Anfangs ist es gar nicht so einfach, unsere 4 Beine zu koordinieren aber schnell haben wir den Dreh raus und sind ein super Team. Überhaupt entdecken wir das Tandem als ideales Gefährt: Uli sitzt vorne und lenkt und Biene hat beide Hände frei zum Bilder knipsen ;-D
Die 10 km bis zum Fluss führen uns entlang an Teeplantagen und Reisfeldern über entlegene Bauerndörfer und mitten durch die kamelhöckerförmigen Karstberge. Die idyllische Szenerie übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem und verträumt lassen wir unsere Blicke über die malerische Landschaft schweifen und bewundern die Karstformationen.

Sind wir auf unserer Radtour bis zum Wasser noch die einzigen Touristen, erkennen wir bei unserer Ankunft am Flussufer schnell, dass auch der Yulong Fluss kein Geheimtipp mehr ist:
Auf zahlreichen Bambusfloßen werden überwiegend chinesische Touristen von Gondolieren über den friedlich dahinrauschenden Strom kutschiert. Wir schauen eine Weile dem bunten Treiben zu, dann schwingen wir uns wieder auf unseren überdimensionalen Drahtesel und fahren entgegen der Richtung zur bekannten Drachenbrücke weiter stromaufwärts. Hier sind wir schnell wieder allein mit der Natur und finden zum Abschluss des Tages sogar ein Plätzchen, an dem wir zur Abkühlung in das (für chinesische Verhältnisse seltene) klare Nass springen können.

Da wir seit der Mongolei noch eine (immerhin 500g schwere) Packung Nudeln mit uns herumtragen, beschließen wir, heute Abend zur Abwechslung mal wieder selbst den Kochlöffel zu schwingen. Deshalb machen wir noch einen Abstecher zum lokalen Bauernmarkt und decken uns mit Gemüse und Fleisch ein. Nein, natürlich kein Hundefleisch. Auch wenn das ebenfalls in der Auslage gelegen hätte.

Am nächsten Morgen zieht es uns abermals hinaus in die Natur. Nach der Idylle des Yulong Flusses sind wir gespannt, was den Li Fluss ausmacht. Vom Dorf Yangdi aus geht es zuerst auf einem Bambusboot mit knatterndem Motor einige Kilometer den Fluss hinauf. Wir finden uns in einer herrlichen Landschaft wieder; am Ufer ziehen fast sureal die Karstberge in verschiedensten Formationen vorbei – die Auslöser unserer Kameras klicken in einem fort. Kurz nach der bekanntesten Stelle des Flusses – die auf der 20 RMB-Banknote abgebildet ist – gehen wir von Bord, um von hier aus in ca. 3 Stunden entlang des Flusslaufs stromaufwärts zu wandern. Dabei haben wir neben den gut 40 Grad, die es an diesem herrlichen Sommertag hat, die touristische Erschlossenheit des Flusses vielleicht etwas unterschätzt. In den Dörfern, durch die wir kommen, werden wir häufig angesprochen. Allerdings werden wir hauptsächlich als touristische Einnahmequelle wahrgenommen à la „Hello! Water? Cold water! Good price! Cola? You want Rice? Cheap rice! Do you need a guide?“. Erst, als eine ältere Dame so über mehrere Kilometer partout nicht von unserer Seite weichen will, werden wir doch etwas genervt.
Perfekterweise entdecken wir einen versteckten Wasserfall zurückgesetzt im Wald und legen hier Rast ein. Wir erfrischen uns bei einem Bad in dem kühlen Nass von der schwülen Mittagshitze und können danach ungestört unsere schöne Wanderung fortsetzen. Gegen Spätnachmittag erreichen wir unser Ziel, gönnen uns in dem kleinen Örtchen ein Eis und fahren mit dem Bus zurück nach Yangshuo.

Unseren letzten Abend in China verbringen wir gemütlich sinnierend im Garten unseres Hostels. Am nächsten Abend steigen wir bereits in den Nachtbus, der uns in knapp 10 Stunden nach Shenzhen in der Provinz Guangdong bringt. Dort verlassen wir nach 50 Tagen im Reich der Mitte das Land, um unsere Reise nach Hong Kong fortzusetzen.

UNSER FAZIT:
Bei unserer Recherche zum Süden Chinas fanden wir Yangshuo in vielen Quellen als Geheimtipp. Es war auch mit Sicherheit einmal einer. Nur ein schlecht gehüteter 😀

Heute hat Yangshuo einen festen Platz auf der touristischen Landkarte und alles zu bieten, was man als Reisender gerne genießt. Uns persönlich war die touristische Infrastruktur fast ein bisschen too much. Nichtsdestotrotz machen der Charme des sympathischen Städtchens und die malerische Karstberglandschaft mit den beiden Flüssen Li und Yulong Yangshuo zu einem absolut lohnenswerten Reiseziel. Wer die Natur dem Rummel vorzieht, sollte außerhalb des quirligen Stadtzentrums Quartier beziehen und sich bei seinen Erkundungstouren abseits der bekannten Pfade treiben lassen. Dann lassen sich hier herrliche Ecken entdecken. Wir hatten tolle Tage hier!

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Provinz Guanxi ist so wasserreich, dass sie rund ein Drittel des Gesamtbedarfs an Wasser von gesamt Südchina abdecken kann. Ideale Voraussetzungen für den Reisanbau. Deshalb finden sich auch vor allem im bergigeren Norden der Provinz überall Reisterrassen. Diese wollen wir besuchen. Wir haben uns dafür die Reisterrassen von Longji um die Stadt Longsheng ausgesucht, die mit zu den schönsten und bekanntesten in China gehören. Ineinander übergehende Reisfelder ziehen sich auf bis zu 1.000 Metern Höhe entlang aneinander gereihter Bergkämme über mehrere Dörfer hinweg und werden aufgrund ihrer Form auch „Das Rückgrat des Drachens“ genannt. Dann wollen wir mal den Drachenrücken besteigen.

THE DRAGON´S BACKBONE RICE TERRACES

Gut eineinhalb Stunden Busfahrt von Guilin aus liegt die Kreuzung entfernt, von der aus die Straße nach Da´zhai abgeht. Da´zhai liegt am östlichen Ende der Reisterrassen von Longji und ist der geplante Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Als wir gegen Spätnachmittag an der Kreuzung ankommen, erfahren wir aber, dass heute kein Bus mehr nach Da´zhai fährt. Die letzten Tage gab es heftige Regenfälle und die Straße ist durch einen Erdrutsch blockiert und unpassierbar. Also fahren wir stattdessen ins 23 km von Da´zhai entfernt liegende Ping´an, um unsere Wanderung am nächsten Tag in entgegengesetzte Richtung zu absolvieren.
Ping´an ist ein 600 Jahre altes Bergdorf der ethnischen Minderheit der Mong. Das Dorf zieht sich vom Fuß des Berges bis hinauf zu den Reisterrassen. Nach dem Aufstieg mit vollem Gepäck finden wir hier oben unser Bett für eine Nacht in einem Homestay einer lokalen Familie. Wir beziehen unser Zimmer im mehrstöckigen Holzhaus und haben eine tolle Sicht hinunter ins Tal. Zum Abendessen probieren wir Bamboo Rice, die lokale Spezialität. Dabei wird Reis zusammen mit Gemüse und kleinen Fleischstücken in ein Bambusrohr gepresst , anschließend im offenen Feuer gegrillt und direkt aus dem längs aufgeschnittenen Bambusrohr verspeist. Es schmeckt geräuchert und und besitzt diesen unverwechselbaren Geschmack nach offenem Feuer. Sehr lecker.

Als wir uns am nächsten Morgen auf die mehrstündige Wanderung nach Da´zhai machen wollen, regnet es. Das ganze Tal ist unter einer dichten Wolkendecke verschwunden Wir schnüren trotzdem unsere Wanderschuhe und hoffen, dass es bald aufklart. Als wir nach einem anstrengenden Aufstieg am ersten Aussichtspunkt ankommen, sind die Terrassen leider immer noch in Regen und Nebel versunken. Wir sehen nur grau.

Von hier wird sich unser gewählter Trek durch mehrere Dörfer ethnischer Minderheiten bis zu den Reisterrassen von Da´zhai schlängeln. Unser Weg führt uns jetzt entlang des Bergkammes und bald wird der Regen schwacher. Die Wolkendecke reißt etwas auf und wir sehen erste Reisfelder in der noch feuchten Luft des Sommerregens glitzern. Mit zunehmend besserer Sicht durchwandern wir langgezogene Felder und Jiao Dörfer, in denen wir auf Jiao Frauen treffen, die ihre Haare traditionell in langen Zöpfen um den Kopf wickeln und deren Haarpracht meist um die 160 cm lang ist. Diese Bergdörfer sind aber längst keine urtümlichen Siedlungen fernab der Touristenpfade mehr, wie wir uns das so schön vorgestellt hatten. Die Nebenwirkungen des Tourismus sind bereits offensichtlich: Die Einwohner drängen geradezu darauf, sie abzulichten – allerdings nur gegen eine Fotogebühr. In den urigen Gassen der kleinen Dörfer laufen uns die Bewohner buchstäblich in Scharen hinterher, um uns ihre Dienste als Guide anzubieten. Erste Reisfelder liegen brach, da die Reisbauern Gästehäuser und kleine Shops betreiben und sich auf die durchziehenden Touristen konzentrieren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen statt mit der aufwändigen Bewirtschaftung der Reisfelder.

Gegen Nachmittag werden kurze Schauer von sonnigen Momenten abgelöst und diese geben erstmalig vollständig den Blick auf die stufenförmig angelegten Terrassen frei. Auf ungezählten Ebenen reichen die Felder über den ganzen Berg hinauf bis zu den Gipfeln. Ein schöner Anblick. Und sicherlich eine farmerische Meisterleistung.

Nach 6 Stunden Wanderung erreichen wir nass bis auf die Knochen das 45 min oberhalb von Da´zhai liegende Bergdörflein Thiantouzhai. Hier beziehen wir unser Zimmer in einem schönen Holzhaus direkt am Hang und haben einen tollen Blick auf und über die Reisterrassen. Das ist auch gut so, denn allzuviel laufen wollen wir an diesem Tag nicht mehr… Nach einer herrlich erfrischenden Dusche verbringen wir einen gemütlichen Abend, lassen unsere Blicke über die im Mondschein silber schimmernden Reisfelder schweifen und hören dem Plätschern der Bewässerungsbäche und dem Quaken der Frösche zu. Die Wolken verziehen sich und hier, mit vielen Kilometern Entfernung zur nächstgrößeren Stadt und ohne Elektrizität in den Nachtstunden, sehen wir ihn – den in China so raren, klaren Sternenhimmel.

Am nächsten Morgen wagt sich die Sonne hervor. Bevor wir uns auf den Abstieg hinunter machen, um mit dem Bus zurück über Guilin in Richtung Yangshuo zu fahren, laufen wir noch eine Dreiviertelstunde hinauf zur nächsten Aussichtsplattform. Von hier sehen wir die Reisterrassen und Dörfer auf den gegenüberliegenden Berghängen im Breitbildformat. Das Panorama ist beeindruckend. Die Berge sehen aus wie in dünne Scheiben geschnitten, die Terrassen verlaufen in konzentrischen Ringen rund um die Hänge und geben den Bergen sanfte und gleichmäßige Konturen. Die Terrassen ziehen sich wie endlos aufsteigende Treppenstufen in den Himmel.

Wir erahnen, warum diese Gegend Inspiration vieler Poeten und chinesischer Songtexter ist und verabschieden uns mit einem langen Rundumblick von den ungezählten Reisterrassen. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir auf den kurzen Abstieg nach Da´zhai, von wo aus wir mit einem Jeep in halsbrecherischer Fahrt zurück nach Guilin fahren.

Guilin – umgeben von Wasser und Karstbergen

Guilin – umgeben von Wasser und Karstbergen

Als wir nach unserem zweitätigen Zwischenstopp in Kunming frühmorgens im Zug nach Guilin die Augen aufschlagen, sind wir hellwach. Übernacht hat sich die Landschaft wieder verändert. Nichts ist mehr zu sehen von den Bergen, aus denen wir kamen oder von den dicht besiedelten Gegenden rund um Kunming. Was wir jetzt sehen sind steil aufragende Hügel in einer ansonsten flachen Landschaft. Wir sehen die Karstberge, für die die Gegend um Guilin bekannt ist. Vor dem Zugfenster ziehen Reisfelder vorbei, auf denen die Bauern mit Wasserbüffeln ihre Arbeit verrichten.

DIE STADT MIT ZWEI SEEN UND VIER FLÜSSEN

In Guilin angekommen, werden wir daran erinnert, dass die Sommermonate im Süden Chinas die regenreichste Zeit des Jahres ist. Es schüttet wie aus Kübeln, als wir zu unserem Hostel laufen. Dann ist es aber auch schon wieder gut und wir können von unserer Dachterrasse aus gemütlich im Schaukelstuhl den schönen Blick auf den Li River und die dahinter aufragenden Karstberge genießen.
Wir nutzen die trockenen Stunden und machen uns auf, die Stadt am Li River zu erkunden. Zu Fuß laufen wir entlang des Flusses die „2-Seen-4-Flüsse-Tour“ ab, die durch das schöne Zentrum der Stadt führt, wo 3 Li-Zuflüsse 2 Seen bilden und eine idyllische Kulisse vor dem Stadtbild ergeben.

Im Anschluss führt uns unser Instinkt zum Foodcourt der Stadt, wo wir uns durch lokale Spezialitäten naschen, bevor wir uns bei Einbruch der Dunkelheit zu einem neuerlichen Spaziergang entlang der schön beleuchtete Uferpromenaden aufmachen. Gerade rechtzeitig um Mitternacht kommen wir zum Beginn des Viertelfinales Deutschland gegen Frankreich im Irish Pub gegenüber der Paulaner Bar an und schauen Deutschland beim Siegen zu.

Da wir noch nach Yangshuo weiterreisen werden, wo die Karstberge noch beeindruckender sein sollen als in Guilin, brechen wir bereits am nächsten Tag wieder aus dieser sympathischen Stadt auf. Unser Ziel ist die zweite natürliche Sehenswürdigkeit in dieser Gegend, die ca. 100 km nördlich von Guilin gelegenen Reisterrassen von Longsheng.

Die vergessene tibetische Provinz Kham

Die vergessene tibetische Provinz Kham

In der Autonomen Region Tibet (TAR), wie das ehemals unabhängige Land auf dem Dach der Welt heute offiziell benannt ist, dürfen sich ausländische Touristen nicht frei bewegen. Mit Ausnahme des Stadtgebiets Lhasas ist eine Erkundung der Region nur in ständiger Begleitung eines Guides möglich. Hinzu kommt, dass je nach Reiseablauf auch für die gesamte Dauer der Reise ein Fahrer samt Fahrzeug angemietet werden muss, da ein öffentliches Nahverkehrssystem für Touristen in dieser Form nicht existiert. Diese Rahmenbedingungen machen Tibet leider zu einer für Asien ziemlich teuren Destination. Für eine Woche Reisen in Tibet muss schnell so viel Geld eingeplant werden wie für 3-4 Wochen individuelles Reisen auf anderem chinesischem Staatsboden. Sicherlich ein politisch nicht ganz ungewolltes Instrument, um den Fluss an ausländischen Touristen in dieser Region zu regulieren.

BESCHÜTZE REGION? BESETZTES LAND?

Hinzu kommt die politische Situation, die uns beschäftigt:
Wollen wir den Status Quo unterstützen? 2009, ein Jahr nach den blutigen Unruhen in Lhasa, war die Polizeipräsenz dort enorm. An jeder Straßenecke standen bewaffnete SWAT-Einsatzkräfte, auf den typisch tibetischen Flachdächern im alten Stadtkern standen pro Dach 4 Soldaten mit Gewehren im Anschlag und die Einschränkungen für die tibetischen Bewohner waren hoch (abendliche Sperrstunden, Registrierungen bei Übertritt in andere Stadtviertel und regelmäßige Personenkontrollen) Wie Liz, die Mitte Juni diesen Jahres ebenfalls in Lhasa war, berichtete, hat sich an der hohen Polizeipräsenz bis heute nichts geändert. Freies Tibet?

Nachdem wir einige Angebote von tibetischen Reiseveranstaltern eingeholt hatten und eine Weiterreise vom Mount Everest nach Nepal aufgrund der Regenzeit ausschlossen, begannen wir nach Alternativen zu suchen. Wir wollten Tibet nicht einfach von unserer Route streichen (dafür hatte diese einmalig reizvolle Region Biene auf ihrem 1. Besuch zu sehr fasziniert), auf der anderen Seite schreckten uns die hohen Kosten und die eingeschränkte und diktierte Art zu reisen ab.

DIE TIBETISCHE PROVINZ KHAM

Was wir fanden, war Kham – ein Gebiet in den Ausläufern des Himmalayas ganz im westlichen Zipfel Sichuans. Bis zur Einnahme Tibets durch China war diese Gegend am Fuße des Himmalaya tibetisches Gebiet. Heute gehört die Region zur Provinz Sichuan. Sie besteht aus mehreren, tibetisch autonom verwalteten Bezirken und auch heute leben hier noch hauptsächlich Menschen tibetischer Abstammung. Die Einschränkungen für die ethnischen Tibeter sind hier geringer als im Gebiet des tibetischen Hochplateaus. Viele tibetische Traditionen und religiöse Rituale (wie z.B. das Himmelsbegräbnis), die in Lhasa nur eingeschränkt erlaubt sind, dürfen hier mittlerweile wieder gelebt werden. Die Polizeipräsenz ist ebenfalls moderater.

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Die Abgeschnittenheit und hohe Autonomie der Bezirke erlaubt uns wie all den wenigen Besuchern, die die mühsame Anreise hierher auf sich nehmen, ein Stück ursprüngliches Tibet zu erleben – ohne die negativen Begleitumstände eines Besuchs in der TAR.

KANGDING – AM FUßE DES HIMMALAYA

Im Stadtzentrum von Kangding treffen die Kulturen aufeinander: Neben alten tibetischen Flachdachhäusern stehen mehrstöckige chinesische Bauten. Der (subventionierte) Zuzug von immer mehr Han-Chinesen drückt dem Gebiet städtebaulich wie kulturell fortschreitend seinen Stempel auf. In dieser alten Handelsstadt finden wir mit dem Zhilam Hostel ein tolles Hostel  oberhalb der Stadt, mit schöner Aussicht auf Stadt und Umgebung (und auf die Blitze, die bei den allabendlichen Gewittern mit Regengüssen erscheinen). Das Hostel, das ganz im tibetischen Stil gebaut ist und ausschließlich Tibeter beschäftigt, wird von einem amerikanischen Paar geführt, das sich vor einigen Jahren auf einer Reise in Tibet kennen lernte, sich in die Gegend verliebte, tibetisch studierte und hier blieb.

Trotz der moderaten Temperaturen tagsüber ist es zum ersten Mal seit längerem nachts wieder kühl. Dass das noch kein Vergleich zu den Temperaturen im Winter ist, lassen die Heizdecken vermuten, mit denen jedes Bett standardmäßig ausgestattet ist. Wir sind auf einer Höhe von 2.616 Metern ü.M., da sind die Winter lang und kalt.

Nach der neunstündigen Busfahrt hierher verspüren wir beide Bewegungsdrang. Darum unternehmen wir tags darauf eine halbtägige Wanderung auf und um den Berg hinter unserem Hostel herum. Für den schweißtreibenden Aufstieg werden wir mit einer herrlichen Aussicht belohnt, als sich gerade, als wir oben aus dem Wald treten ,die Wolkendecke verzieht und den Blick hinunter ins Tal und auf die umliegenden Berggipfel bis zum Gongga Shan mit seinen 7.556 Metern freigibt.

Auf dem Rückweg besichtigen wir noch eines der 3 Klöster der Stadt und erhalten einen Vorgeschmack auf das beeindruckende buddhistische Kloster, das uns in Litang erwartet. Dorthin brechen wir am nächsten Tag auf, um nach 9 abenteuerlichen Stunden Busfahrt mit herrlicher Landschaft nachmittags dort anzukommen.

LITANG – DEM HIMMEL SO NAH

In Litang atmen wir das erste Mal pure tibetische Luft. In dieser liegt der schwere, süßliche Duft von Räucherstäbchen, der in kleinen Rauchfahnen überall empor steigt. Mit den aufsteigenden Rauchkringeln sollen die Gebete der Buddhisten in den Himmel getragen werden. Glücklicherweise können wir ganz gut atmen, die Höhe macht uns keine Probleme. Nur beim Aufstieg auf den heiligen Berg, den wir tags darauf besteigen, sind wir etwas kurzatmiger als sonst.

Litang liegt auf einer Höhe von 4.014 Metern. Wir lesen, dass es die zweithöchstgelegene Stadt der Welt ist. Selbst Lhasa liegt 400 Meter tiefer. Hier oben ist die Luft dünn und klar. Der Himmel ist blau. Und so nah, dass wir das Gefühl haben, wir können ihn mit unseren Fingerspitzen berühren, wenn wir uns auf die Zehenspitzen stellen und uns gen Himmel strecken. Trotz der umliegenden Berge des Himalaya scheint der Horizont endlos, die Sicht ist so gut, dass wir unserem Gefühl nach kilometerweit sehen können. Auf den weiten Wiesen vor der Stadt grasen große Herden Yaks. Aus der Ferne sehen sie aus wie schwarze Punkte auf dem endlos grünem Grasland.

Alles wirkt viel klarer, die Farben intensiver und die Luft purer. Es ist wie in der Persil-Werbung: Ein T-Shirt mit herkömmlichem Waschmittel scheint bunt mit kräftigen Farben – bis das tiefenrein gewaschene daneben gehalten wird und man erkennt, dass die Farben hier unvergleichlich kräftiger sind und über dem anderen wie ein trüber Schleier liegt. So wirkt alles hier. Intensiv. Schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, ist der Schatten auf der Erde genau zu sehen.

Auf unserem ersten Erkundungsspaziergang durch die staubigen Straßen der Kleinstadt kommt uns das Tibet quasi entgegen, das wir suchten: Ältere Frauen, in traditionelle Gewänder gekleidet, lassen leise murmelnd ihre Gebetsketten durch die Finger gleiten, junge Burschen heizen auf ihren Motorrädern durch die Straßen, in rasendem Tempo den vielen Straßenhunden und Fußgängern ausweichend und ihr langes schwarzes Haar unter den Cowboyhüten flatternd im Wind. Am Straßenrand bildet sich ein Marktplatz. Um diese Jahreszeit „ernten“ die Tibeter bestimmte Schmetterlingsraupen aus der Erde, die sie an die Chinesen verkaufen. Diese verwenden sie für die traditionelle chinesische Medizin. Weiss getünchte Stupas thronen in der Form von überdimensionalen Glockenschellen majestätisch neben sich langsam drehenden Gebetsmühlen.
In den Läden der Stadt werden Yakfelle feilgeboten, daneben gibt es Kupfer- und Silberschmiede und Nähereien mit tibetischer Seide und farbenfrohen Stoffen, in denen Mönche sich neue Gewänder schneidern lassen.

Gleich am ersten Abend erleben wir die Ursprünglichkeit dieser Stadt noch in einer anderen Dimension. Als wir nach dem Abendessen in einem tibetischen Restaurant (mit Yakdumplings und süßem Milchtee) durch die einbrechende Dunkelheit zu unserem Hostel laufen, ist es in der ganzen Straße stockdunkel. Stromausfall. Hier nichts Besonderes, das kommt öfters vor. Wie auch der fehlende Wasserdruck in der Dusche, mit der wir uns den Staub des Tages abwaschen wollen. Um 22 Uhr ist der Strom wieder da. Auch das Wasser fließt wieder.

ENTLANG DER HISTORISCHEN TEESTRAßE

Wir leihen uns ein Motorrad für 2 Tage und erkunden die Gegend. Unser erster Halt führt uns zum Kloster Chamchen  Choekhorling am Fuß des Berges am Stadtrand. Von hier haben wir eine tolle Aussicht über die Dächer und die Bergkette auf der anderen Seite der Stadt. Uns kommen viele Mönche in ihren gelb-orangenen Gewändern entgegen und laden uns ein, die Tempelhallen zu besichtigen. Das lamaistische Kloster wird von Gelupgamönchen geführt, das ist die Gelbmützensekte, der auch der Dalai Lama angehört. Litang gilt als Geburtsstadt des 7. und des 10. Dalai Lamas. Als wir hinter der Gebetshalle den ersten der 3 Tempel betreten, sind wir sprachlos: Der ganze Raum wird von einem 16 Meter hohen, goldenen Buddha eingenommen. Der Anblick ist beeindruckend.
Auch im 2 Tempel bleibt uns der Mund vor Staunen offen stehen: ein noch höherer, ebenfalls goldener Buddha erwartet uns in der Raummitte, kunstvoll verziert und an den Wänden flankiert von tausenden kleinen goldenen Buddhas. Ein erhabener Anblick.

Den Rest des Tages erkunden wir die Gegend um die Stadt, genießen das Gefühl der Weite und dass wir unseren fahrenden Untersatz zur Abwechslung selbst lenken können.

Am nächsten Morgen machten wir uns früh um 7 auf, um zusammen mit unserem Hostelbesitzer einem tibetischen Himmelsbegräbnis beizuwohnen. Bei dieser tibetischen Bestattungszeremonie werden die Leichname der Toten mit Beilen zerkleinert und im wahrsten Sinne des Wortes den Geiern zum Fraß vorgeworfen. Was sich für uns anhören mag wie eine schrecklich makabre Praxis, ist hier ein letzter Akt der Großzügigkeit des Toten. Geier werden von den Tibetern als Gottwesen verehrt – indem sie ihre Körper diesen Tieren zur Nahrung geben, reihen sie sich in den Kreislauf des Lebens ein. Gleichzeitig sollen die Vögel die Seele des Toten in den Himmel tragen. Außerdem ist mit einer Religion, in der die Erde heilig ist und in einer Region, in der der Boden die meiste Zeit des Jahres gefroren ist, die bei uns praktizierte Erdbestattung keine Alternative. Allerdings fand an diesem Tag keine Bestattung statt und wir wissen selbst nicht recht, ob wir nun froh oder traurig darüber sind.

Wir besuchen stattdessen nochmals das Kloster und haben hier Glück: Wir kommen genau zur Morgenmeditation/-gebet der Mönche. Wir dürfen mit ihnen in die Gebetshalle und ihnen beim chanten zuschauen. Dabei sitzen die Mönche im Schneidersitz auf dem Boden und die höhergestellten Lamas je nach Rang und Bedeutung erhöht auf Podesten. Es ist ein besonderes Gefühl, hier beiwohnen zu dürfen.

Im Anschluss an den Besuch im Kloster machen wir uns auf zu einem heiligen Berg etwas außerhalb der Stadt. Auf dem Weg dorthin müssen wir aufgrund einer Straßensperrung einen Umweg durch das Grasland fahren. Hier kommen wir vorbei an grasenden Yakherden, sehen Erdmännchen neugierig aus ihren Löchern lugen und dürfen nochmal eine ganz besondere Erfahrung machen: Als wir in der Nähe von Nomadenzelten einen kurzen Foto-Stopp einlegen, werden wir von den Nomaden in ihr Zelt eingeladen. Wir betreten das kleine, viereckige Zelt, das große Ähnlichkeit hat mit den weissen Pavillons, die wir von Gartenfesten in Deutschland kennen. Auch die Dimensionen stimmen überein. Das Zelt ist sehr schlicht eingerichtet: In der Mitte ein Herdofen, an einer Seite steht ein einfaches Holzregal und auf dem Boden liegen Teppiche aus. In einer Ecke türmt sich ein großer Berg gepresstes Brennmaterial: Yakdung. Betten sehen wir keine. Diese Menschen leben in einfachsten Verhältnissen. Mit Händen und Füßen klappt die Verständigung auch ohne Worte. Wir werden zum Mittagessen eingeladen. Es gibt tibetisches Brot und Instantnudelsuppe.

Nach einiger Zeit setzen wir unseren Weg zum heiligen Berg fort. Wir sehen ihn schon von weitem. Die unzähligen tibetischen Gebetsflaggen wehen rauschend im Wind und geben dem Berg einen farbenfrohen Anstrich. Der Ort mit dem kleinen Kloster wirkt bunt und fröhlich.
Wir machen uns auf den Weg nach oben und umrunden ihn entgegen der buddhistischen Praxis gegen den Uhrzeigersinn, was uns leider zu spät auffällt. Gut, dass außer uns niemand da ist, den es stört. Auf dem Gipfel angekommen, tauchen wir ein in das Meer aus Gebetsflaggen, die den gesamten Berg umspannen. Obwohl der Berg nicht allzu hoch ist, geraten wir in der dünnen Luft außer Puste. Wir schwingen uns wieder auf unser Motorrad, fahren auf den Berg gegenüber und genießen die großartige Aussicht über das Tal.

Abends ziehen wir in ein anderes Hostel um, da in unserem trotz absoluter Versicherung leider doch kein Empfang des Kanals möglich ist, in dem die Spiele der Fussball-WM übertragen werden. In dieser Nacht spielt Deutschland gegen Algerien.

Am kommenden Morgen unternehmen wir nochmal einen längeren Spaziergang durch die erwachende Stadt, bevor wir uns zum Busbahnhof aufmachen, um die weitere Strecke Richtung Shangri-La zurückzulegen. Wir haben Glück und treffen zwei junge tibetische Männer, die uns für denselben Preis 2 Stunden früher in ihrem Geländewagen mitnehmen.

Damit kehren wir Tibet bereits wieder den Rücken. Es waren intensive und unvergessliche Tage.

Erlebt selbst die besondere Atmosphäre in den Klöstern:

Der wilde Westen Chinas – unterwegs auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway

Der wilde Westen Chinas – unterwegs auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway

Der Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway ist einer der legendäreren Highways Chinas. Ihn zu erwähnen sorgt für große Augen. Bei denen, die noch nie dort waren gleichermaßen wie bei denen, die ihn schon befahren haben. Bei Ersteren vor Abenteuerlust und Hinwollen, bei der 2. Gruppe vor lebhafter Erinnerung an diese Straße mit der unspektakulären Nummer G312.

Warum?

Wie es der Name vermuten lässt, verläuft der Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway von der südlichen Provinz Yunnan über den dünn besiedelten Westen Sichuans bis hinauf nach Tibet, wo man nach mehr als 2.000 Kilometern die Hauptstadt Lhasa erreicht. Die Strecke führt entlang der Ausläufer des Himmalaya-Hochgebirges und verläuft den größten Teil auf Höhen ab 3.000 Metern ü.M. Die zu überquerenden Bergpässe steigen in aufeinanderfolgenden Haarnadelkurven auf bis zu 5.000 Meter an. Die Aussichten sind beeindruckend und die Landschaft verändert sich quasi mit jedem Kilometer. Im Winter sind die Straßen oft tagelang unpassierbar und auch bei starkem Regen kann es gut sein, dass man mehrere Stunden feststeckt.
Wem das noch nicht spektakulär genug ist: abschnittsweise sind die Straßen nur Schotter- oder Lehmpisten, Fahrbahnmarkierungen gibt es nicht und neben der Fahrbahn geht es meist begrenzungslos mehrere hundert Meter steil abwärts. Der chinesische Fahrstil trägt vielleicht auch seinen Teil zum führenden Rang in den Unfallstatistiken bei…

All diese Eigenschaften zusammen machen die Straße laut Reiseliteratur zu einer der schönsten, höchsten, spektakulärsten wie auch zu einer der aufregendsten und gefährlichsten Straßen der Welt. Wir haben sie abschnittsweise befahren und glauben beides auf’s Wort.

IM BUS MIT JACKIE CHAN

Insgesamt waren wir 11 Tage in 5 Etappen unterwegs. Von Leshan aus führt uns unser Weg zunächst in 2 Bustagen à jeweils 9 Stunden nach Westen. Unser erster Bus ist vollklimatisiert und komfortabel. Er ist sogar mit einem TV ausgestattet. In diesem laufen die komplette Fahrt über chinesische Kongfu-Filme. Jackie Chan sitzt quasi zwischen uns, da wir direkt unter einem der Lautsprecher sitzen… Biene ist trotzdem froh, dass keine Karaoke läuft, das hatte sie nämlich schon auf einer anderen Fahrt in 2009 und gegen lauthals singende Chinesen kommen auch nicht Jackie Chan´s Kampfstöhner an 😀 Auch am zweiten Tag erwischen wir einen recht komfortablen Bus, was wir durchaus zu schätzen wissen, da die Stoßdämpfer nun schon mehr gefordert werden.

WE GO WEST

Die Landschaft auf diesem zweiten Abschnitt verwandelt sich von ineinander übergehenden Städten über tiefe Schluchten in weites Grasland. Auf steilen Bergkämmen geht es hinauf auf 4.000 Meter und mit jedem Höhenmeter kam uns der Himmel bildlich ein Stückchen näher vor und die Luft wurde dünner, klarer und reiner. Zunehmend grasen Yakherden neben der Straße und die Siedlungen sind schon von weitem zu sehen mit ihren weissen Blockhäusern und schwarzen Dächern. In dieser Gegend wird Grüntee zu Buttertee, ni hao zu tashi delegh und der in China weit verbreitete Konfuzinismus geht in Buddhismus über. Für Tibeter ist diese Region die tibetische Provinz Kham, die das östliche Drittel des tibetischen Hochplateaus einnimmt. Für uns als Reisende ist diese Region – ohne politische Wertung, sondern subjektiv aufgrund unserer Eindrücke – ebenfalls zu Tibet gehörig.

Deshalb haben wir unsere Erlebnisse auf unserem mehrtägigen Zwischenstopp in Kangding und in dem Städtchen Litang in einem Extra-Bericht festgehalten: Die vergessene tibetische Provinz Kham

Bei Litang teilt sich der Highway in den nördlichen und den südlichen Highway. Für Ausländer (auf chinesischen Schildern auch oft taktvoll als „Aliens“ betitelt) ist der Highway nur streckenweise geöffnet. Richtung Norden endet die Reise 38 km weiter am Grenzübergang in die autonome Region Tibet (TAR). Als nicht-chinesischer Staatsbürger bekommt man für die weitere Strecke keine Bustickets und auch die hier zahlreich stationierten Polizisten machen nicht den Eindruck, als würden sie ab und an ein Auge zudrücken. Die Einreise in die TAR ist streng reglementiert und für Ausländer nur per Flugzeug oder mit dem Zug vom Qinghai-Hochplateau her erlaubt, nicht aber überland von Sichuan aus.

DURCH DIE HINTERTÜR NACH YUNNAN

Daher biegen wir hier auf den Highway nach Süden ab, um weiter in die Provinz Yunnan zu reisen. Unser nächstes Ziel heißt Shangri-La …ohne „Hotel“ hinten dran 🙂
Für die 400 km dorthin benötigen wir 2 weitere Tage. Zunächst geht es in 8 Stunden knapp 250 km weit. Von 4.000 Höhenmeter geht es hinab auf 3.300 Meter. Langsam verändert sich die Landschaft wieder – aus der hochalpinen Geröll- und Felsenhängen mit tiefen Schluchten werden mehr und mehr Nadelwälder, vereinzelt durchzogen von Flüssen und grünen Wiesen. Die weite, für chinesische Verhältnisse noch sehr ursprüngliche Berggegend hier ist bis heute wenig entwickelt und wir sehen beim Blick aus dem auf und ab hüpfenden Busfenster nur vereinzelt kleinere Hütten.

Nach einer Übernachtung auf halber Strecke in Xiangcheng sind es nochmals 9 Stunden über Stock und Stein hinunter nach Shangri-La. Und unserem Gefühl nach fühlen wir jeden einzelnen dieser Steine. Die Straßen sind schon lange nicht mehr eben oder geteert, sondern wilde Schotterpisten und auch der Standard der Busse ist nicht mit den ersten beiden zu vergleichen. Die 9-stündige Rüttelmassage ist sozusagen im Fahrtpreis inklusive. Dafür gibt es aber auch keine Kongfu-Filme. 😀

DER SEHNSUCHTSORT SHANGRI-LA

Diesen sagenumwobenen Ort gibt es tatsächlich. Zumindest, wenn es nach den chinesischen Tourismusbehörden der Provinz Yunnan geht 😀 Diese erklärten Anfang der 90er-Jahre den ursprünglich Zhongdian benannten Ort zu dem Ort, an dem der später verfilmte Roman „Lost Horizon“ von James Hilton spielt.

Dass die fiktive Handlung an einem fiktiven Ort statt findet, tat dem daraus resultierenden Hype um diesen Ort keinen Abbruch. Nach den beiden Orten Dali und Lijiang entwickelte sich so auch Shangri-La Anfang der 90er Jahre zu einem Mekka für individuell reisende Touristen. In den letzten Jahren entdeckten chinesische Touristengruppen das ehemals kleine Dörflein für sich, gleichzeitig flachten die Ströme internationaler Besucher etwas ab. Zurück geblieben sind eine schöne Altstadt mit rund 300 Jahre alten Holzhäusern; viele Cafés, in denen sich neben grünem Tee auch Latte Macchiato auf den Menüs findet und eines der bedeutendsten buddhistischen Klöster Westchinas. Tragischerweise wurden ca. drei Viertel der Altstadt bei einem verheerenden Großbrand im Januar 2014 zerstört.
Als wir hier ankommen, machen wir uns wie meist an einem neuen Ort zuerst auf eine Erkundungstour zu Fuß. Auf unserem Weg Richtung Altstadt sind die Auswirkungen des Feuers nicht zu übersehen: ganze Straßenzüge sind nur noch Schutt und Asche. Die Wiederaufbauarbeiten sind in vollem Gange. Wir schlendern durch die Gassen der noch verbliebenen Altstadt und finden abseits der touristisch aufbereiteten Sehenswürdigkeit eine sympathische, entspannte Kleinstadtatmosphäre.
Obwohl die Stadt quasi über Nacht zu einer Touristendestination katapultiert wurde, konnte sie sich den Flair eines relativ unbelangten Bergdorfes in Teilen erhalten. Wir lassen uns davon anstecken und als es am nächsten Tag in Strömen regnet und wir eigentlich eine Radtour in die umliegenden Wälder unternehmen wollen, ärgern wir uns nicht lange, sondern lehnen uns zurück und verbringen den Tag gemütlich auf dem überdachten Balkon unseres Hostels. It´s Shangri-La Time 🙂

LOST IN IJIANG

Für den letzten Streckenabschnitt nehmen wir noch einmal den Bus. Eine andere Möglichkeit hätten wir auch gar nicht. Zugverbindungen gibt es hier oben (noch) nicht. Auf eine abermals holprige Fahrt gefasst, werden wir positiv überrascht: In diese Richtung sind die Straßen bereits wieder top ausgebaut. Von den Schotterpisten der vergangenen Tage zurück auf sechsspurige Highways. Die chinesische Zivilisation hat uns wieder. Zum ersten Mal schlafen wir im Bus ein – die Fahrt war einfach so geschmeidig. Nach 4 Stunden erreichen wir Lijiang.

Auch hier finden wir eine architektonisch herrliche Altstadt mit schönen dunklen Holzhäusern. Lijiang war lange Zeit die Hauptstadt der ethnischen chinesischen Minderheit Naxi. Als im Jahr 1996 ein schweres Erdbeben große Teile der Region dem Erdboden gleichmachte, wurde Lijiang im Stil der alten Naxi-Bauten wieder aufgebaut. Der Stadtkern gehört seitdem zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Altstadt ist komplett autofrei und durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen ziehen sich unzählige kleine Bäche, die mit zunehmender touristischer Entwicklung aber leider nicht mehr wie ursprünglich zum waschen sowie als Trinkwasser oder zum Gemüse putzen dienen.
Aus den schönen, dunklen und meist zweistöckigen Holzhäusern der Altstadt sind die ursprünglichen Bewohner aufgrund gestiegener Preise längst ausgezogen. Dafür sind Souvenirshops, Kunstgallerien, Restaurants, Teehäuser und kleine Hotels eingezogen.
Lijiang ist sehr touristisch. Keine Frage. Als wir ankommen, kommen wir mit unseren Rucksäcken kaum durch die Gassen hindurch, so voller chinesischer Touristen sind die kleinen Sträßlein. Auf der Suche nach einem Hostel verirren wir uns in dem Labyrinth aus engen Gassen, Windungen und Häuserecken. Dadurch landen wir in Gassen, die etwas abseits liegen und nicht so überlaufen sind. Wir genießen die kurzen Momente der Ruhe, bevor wir um die nächste Ecke biegen und uns wieder mittendrin im Getümmel befinden.

Abends sind die Straßen der Altstadt schön beleuchtet. Die vielen Tagestouristen sind in ihren Bussen abgefahren und wir hören das Wasser in den Bächen plätschern, als wir durch die leeren Gassen schlendern. Aus den Bars hören wir Gitarren-Livemusik und genießen die friedvolle Atmosphäre, die mit Eintritt der Dunkelheit Einzug gehalten hat.

Am nächsten Morgen unternehmen wir einem Spaziergang in den 7-Dragons-Pool-Park. Hier scheuen wir abermals den hohen Eintritt für ein Stück Natur und suchen uns unseren Weg balancierend über den Fluss daneben. Wie wir kurz darauf sehen, ist das sogar der „offizielle“ Eingang für die Touristenschmuggler 😀 Nachdem wir im Anschluss noch den Elephant Hill besteigen (was bei 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit eine sehr schweißtreibende Angelegenheit ist) und eine tolle Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge erreichen, steigen wir in den Zug, der uns über Nacht nach Kunming bringt, die Haupstadt Yunnans.

UNSER FAZIT:
Die Reise auf dem Yunnan-Sichuan-Tibet-Highway ist so abenteuerlich, wie sie beschrieben wird. Die Landschaft ist spektakulär und wir konnten nochmal einen Blick auf das alte, ursprüngliche China mit seinen abgeschnittenen Bergdörfern, Eselkarren und vielfältigen ethnischen Minderheiten erhaschen. Wer es im Bus gerne bequem hat oder leicht reisekrank wird, sollte sich allerdings gut überlegen, ob er die taffen 5-6 Reisetage erleben möchte. Auch wer eine schwache Blase hat, sollte sich darauf einstellen, dass die 2. Hälfte der neunstündigen Busfahrten einem sehr lange vorkommen können und man die Landschaft vielleicht nur mit einem durch die Zähne gepressten Lächeln genießen kann.
Uns hat es sehr gut gefallen!

Sichuan – die schärfste Provinz Chinas

Sichuan – die schärfste Provinz Chinas

CHENGDU – DIE SCHARFE HAUPTSTADT DER PANDAS

Nach unserem kurzen Abstecher in Chongqing verabschiedeten wir uns vom Yangtze und kamen nach einer 2-stündigen Fahrt mit dem Highspeed-Train am Sonntagnachmittag in Chengdu an. Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan. Diese ist vor allem für 2 Eigenschaften bekannt:

  • ihre scharfe Küche
  • die einzige Region Südostasiens, in der Pandas noch in freier Wildbahn leben

Einen guten Einstieg in Punkt 1 fanden wir direkt nach unserer Ankunft, als wir auf dem Weg zu unserem Hostel an einer kleinen Garküche am Straßenrand vorbei kamen und hier das sichuanesische Gericht 但但 面 (Dandan Mian) testeten. Das sind Nudeln mit Schweinehackfleisch, Erdnüssen und einer scharfer Soße. Köstlich. Die Stadt war uns auf Anhieb sympathisch! Ihre besondere Schärfe bekommen die Gerichte der Sichuan-Küche natürlich durch – ihr habt es wahrscheinlich nach unserem letzten Bericht schon vermutet – den Sichuan-Pfeffer.

ZUHAUSE AUF ZEIT

Gut gestärkt machten wir uns auf die letzten Meter zu unserem Hostel „Chengdu International Youth Hostel“ und anders als bei Tina´s Absteige in Chongqing wurden wir sehr positiv überrascht. Das Hostel im Norden der Stadt liegt zwar direkt an der geschäftigen Ringstraße um den Stadtkern, allerdings nahmen wir davon nichts mehr wahr, sobald wir durch das große rote Eingangstor traten. Dahinter erwartete uns ein bezaubernd angelegter Garten, durch dessen überdachte und mit Liegestühlen ausgestattete Pavillons ein plätscherndes Bächlein fließt und der total vergessen ließ, dass wir uns immer noch mitten in der Stadt befanden. Das ganze Hostel war trotz der recht großen Anlage sehr gemütlich und top ausgestattet mit Bar/Restaurant, Dachterrassen, Touren-Infoschalter, Videothek, Waschmaschine, Leseecke…und ganz wichtig: einer großen Leinwand in der Bar, auf der alle Fußball-WM-Spiele live übertragen wurden 🙂

Wir fühlten uns direkt wohl und trafen auch mal wieder andere internationale Touristen, mit denen wir so manch unterhaltsame Abende im Garten verbrachten. Insgesamt gefiel es uns so gut, dass wir unseren Aufenthalt im Hostel 2mal verlängerten und statt der ursprünglichen 3 Tage knapp eine Woche blieben. Aber natürlich saßen wir nicht nur im Hostel herum.

GROßE TEDDYBÄREN

Wir waren zu einem Rendezvous verabredet, auf das wir uns schon länger freuten und das einer der Hauptgründe für unseren Stopp in Chengdu war: Auf uns warteten die Pandas. Dort, in der Nähe der dichten Bambuswälder Sichuans, wo sie zurückgezogen noch in freier Wildbahn leben, wurde auch eine Forschungs- und Zuchtstation aufgebaut, um den Fortbestand dieser gemütlichen Bären mit den schwarzen Masken um die Augen zu sichern. Die beste Zeit für einen Besuch bei den Pandas ist frühmorgens, da um 9.00 Uhr Fütterungszeit ist. Und sind die Pandas erstmal satt und mit Bambus voll gefressen, sieht man sie den Rest des Tages bei ihrer 2. Lieblingsbeschäftigung: schlafend. Früh morgens fahren aber leider noch keine öffentlichen Busse, daher machten wir den Ausflug mit einer vom Hostel organisierten Tour.

Wir kamen rechtzeitig genug, um die schwarz-weiss gescheckten Bären noch in ihren Freigehegen zu sehen und ihnen im Anschluss beim Bambus vernichten zuzuschauen, was wirklich zu drollig ist. Die Pandas liegen mehr als dass sie sitzen mitten drauf auf ihrem Berg aus Bambusästen, die Hinterfüße weit ausgestreckt, den Kopf auf die Brust fallengelassen und mit beiden Vorderpfoten (die große Ähnlichkeit zu unseren Händen haben) wird flink ein Bambusast nach dem nächsten abgenagt. Auch einige Bären-Teenager konnten wir beim fressen beobachten. Ihr könnt sie Euch ungefähr so vorstellen: Kleine Kinder liegen in einem Riesenberg Schokolade und stopfen in aller Gemütlichkeit mit beiden Händen alles, was sie greifen können, in sich rein 😀

Außerdem lernten wir noch eine weitere gefährdete Spezies kennen, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existiert: Der rote Panda. Diese Pandaart ist etwa fuchsgroß und aktiver als ihre großen Artverwandten. Gegen Mittag wollten wir uns dann auf den Rückweg machen. Am Ausgang stellten wir allerdings fest, dass der Fahrer unserer Gruppe uns vergessen hatte und bereits ohne uns abgefahren war… Kein Problem für uns, wir schlenderten nochmal durch die Gehege und nahmen schließlich den öffentlichen Bus zurück in die Stadt. Zurück im Hostel war es den Organisatoren aber recht unangenehm, dass wir vergessen wurden und -zur Wiedergutmachung- kamen wir noch in den Genuss eines ausgiebigen Mittagessens. Mehr Zeit bei den Pandas und ein kostenloses Mittagessen – wir wollen uns nicht über die Tour beklagen 😉

AUF DU UND DU MIT CHENGDU

Die restlichen Tage verbrachten wir – neben gemütlichen Stunden im Hostelgarten – mit dem Erkunden der Stadt. Dazu stürzten wir uns sogar erstmals mit dem Fahrrad in das chinesische Verkehrsgewühl und fanden u.a.: eine „rehistorisierte“ antike Straße zum Bummeln, ein herrlich farbenfrohes tibetisches Viertel, einen schönen Stadtkern mit Fluss, Tempel, Tempel, Tempel, einen großen Stadtpark… In diesem Stadtpark stießen wir auf eine weitere Kuriosität in unserer Reihe „Original China“ : In einem Teil des Parks waren entlang der Wege lange Holzstäbe in die Erde gesteckt, an deren oberen Enden beschriebene DinA4 Seiten festgemacht waren. Davor tummelten sich viele, meist ältere Herrschaften, die diese interessiert lasen. Bei näherem Hinsehen konnten wir erkennen, dass es sich um Kontaktanzeigen handelte. „Er, 37 Jahre, männlich, sucht….“ Wie wir in Erfahrung brachten, werden hier -von Eltern und Großeltern- Alleinstehende beworben, die das heiratsfähige Alter nach chinesischem Verständnis überschritten haben, aber noch nicht unter der Haube sind. Wie erfolgreich und wie begeistert diejenigen auf den Anzeigen von den Versuchen sind, sie an den Mann zu bringen, wissen wir nicht 😉

LESHAN – DER GROßE DAFO

Nach 6 gemütlichen Tagen in netter Gesellschaft und mit gutem Essen in Chengdu machten wir uns schließlich Samstag morgens mit dem Bus auf die Weiterreise, um noch am selben Nachmittag in Leshan anzukommen. Hier sitzt der größte Buddha der Welt. Mit Fingernägeln, die länger sind als der durchschnittliche Mensch groß, thront dieser in Fels gehauen mit einer stattlichen Höhe von 71 m über der Mündung zweier Flüsse. Erschaffen wurde er im 7. Jhd. n. Ch., um den an dieser Stelle gefährlichen Flussabschnitt zu beruhigen, in dessen Strömung viele Schiffsunglücke passierten. Tatsächlich wurde der Fluss nach dem langen Entstehungsprozess des Buddhas wohl merklich ruhiger – darüber, ob das an dem durch die Abtragung des Felsens aufgeschütteten Flussbett liegt oder an dem schützenden Effekt des Buddhas, scheiden sich die Geister der Einwohner.

Touristen haben 2 Möglichkeiten, den Big Buddha zu erleben:

  • In Nahaufnahme zu seinen Füßen und auf den Treppen, die im Felsen neben ihm bis auf Kopfhöhe hinaufführen oder
  • In seiner ganzen Pracht von einem Boot aus, das 10 Minuten im Fluss vor dem Buddha auf und ab fährt.

Beides zu einem stattlichen Preis. Wir entschieden uns für Möglichkeit Nummer 3: Eine Überfahrt mit der lokalen Fähre zu der in der Mitte der beiden Flüsse gelegenen Insel. Dann ein kurzer Fußmarsch bis zum Inselende Richtung Flussmündung. Und von hier hatten wir zu einem Bruchteil der beiden Eintrittspreise eine herrliche, unversperrte Sicht auf den riesigen Buddha in voller Länge. Kleine Zugabe: von hier waren auch die beiden den Buddha flankierenden Wächter zu sehen, die vom Festland aus unsichtbar neben dem Buddha in den Stein gehauen sind.

Backpacker-Sightseeing rocks!

Mit dem Besuch beim großen Buddha hatten wir bereits alles gesehen, was in Leshan auf unserer Agenda stand. Am nächsten Tag machten wir uns daher wieder auf Richtung Busbahnhof. Vor uns lagen 9 Stunden Busfahrt, die uns Richtung Tibet bringen sollten…

Unser Tipp:

Ein Besuch beim großen Buddha lohnt sich, allerdings sind die Eintrittspreise auch hier chinesisch-gesalzen! Einen weit günstigeren Blick auf seine gesamte Pracht kann man erhaschen, wenn man an der Uferpromenade entlang Richtung Stadtzentrum läuft. Dort mit der lokalen Fähre für 2 RMB auf die kleine, ca. 200 m entfernte Insel in der Flussmündung (für gute Bilder Kamera mit Zoom nicht vergessen) übersetzen. Für einen noch besseren Blick auf den Buddha diese kleine Insel überqueren und für nochmal 2 RMB noch eine Insel weiterfahren. Direkt davor: Der große Dafo 🙂

Wuyuan und Yangtze – von kleinen Dörfern und großen Flüssen

Wuyuan und Yangtze – von kleinen Dörfern und großen Flüssen

Nach unserem Gipfelsturm auf den Huang Shan hatten wir 2 Möglichkeiten:

1) Uns eine Woche gar nicht mehr bewegen, bis der Muskelkater aus unseren Beinen wieder verschwunden sein würde

2) Weiterwandern, damit er schneller vergeht.

Möglichkeit 1 – langweilig, wir wollen ja etwas erleben! Also entschieden wir uns, die traditionellen Dörfer der Provinz Jianxi zu erkunden. Vor Treppen sollten wir hier sicher sein 😉 So machten wir uns am Morgen nach unserem Abstieg noch etwas steifbeinig aus Mr. Hu´s Hotel auf, um nach 3 Stunden Busfahrt in der Stadt Wuyuan anzukommen. Diese ist Ausgangspunkt für den öffentlichen Nahverkehr zu den Dörfern und für mehr auch nicht lohnenswert.

Die Dörfer rund um Wuyuan sind vor allem bei chinesischen Touristen so beliebt, dass die meisten von ihnen Eintritt kosten. Wir entschieden uns daher für die weniger bekannten, entlegeneren Dörfer Guankeng und Lingjiao, die nicht weniger pittoresk, aber umsonst und dafür vielleicht auch etwas weniger „touristisch aufgehübscht“ sind – was uns eh besser gefällt. Nachdem die ersten Einheimischen die Dörfer nicht einmal kannten, waren wir uns sicher, die richtigen ausgewählt zu haben 🙂 Der Busfahrer kannte Guankeng zum Glück und nach einer lustigen Fahrt mit vielen staunenden Einheimischen kamen wir dort gegen Spätnachmittag an.

Es führt genau eine Straße in das kleine, vielleicht 150 Einwohner umfassende Dörflein – und diese Straße endet auf dem Dorfplatz. Im Ort selber gibt es nur Fußwege. Als wir da waren, wurde gerade ein neues Haus gebaut – die Steine dafür wurden auf dem Dorfplatz abgekippt und von dort mit zweirädrigen Ziehkarren mit 2 Menschenstärken zu dem Bauplatz gekarrt. Hier hatten wir es gefunden – das ländliche, ursprüngliche China.

Guankeng mit seinen weissen Steinhäusern und schwarzen Schieferdächern liegt idyllisch in einem langgezogenen bewaldeten Tal, ist umgeben von Reiseterrassen und Teefeldern und wird von kleinen Bächen durchzogen. Die Menschen gehen hier in aller Seelenruhe ihrem Tagesgeschäft nach und der Tourismus ist (noch) keine Haupteinnahmequelle. Den Nachmittag verbrachten wir damit, durch die umliegenden grünen Reisfelder zu spazieren, den Einheimischen beim Pflanzen der Reissetzlinge und Pflücken der Teeblätter zuzuschauen (alles Handarbeit) und die Gassen des Dörfleins zu erkunden. Ein heftiger Regenschauer gab uns die Möglichkeit, mit einigen Dorfbewohnern näher in Kontakt zu kommen, da ein überdachter Vorplatz zum zentralen Treffpunkt für die eilends zurückkommenden Feldarbeiter wurde 🙂 Unsere Rucksäcke packten wir diese Nacht im Gästehaus einer lokalen Familie aus, die uns auch ein leckeres Abendessen zubereitete. Ein Restaurant gibt es nicht im Dorf.

Am nächsten Morgen brachen wir bei Tagesanbruch auf, um ins 10 km entfernte Dorf Linjiao zu wandern. Der Pfad führte uns auf einer historischen Postroute zunächst zwischen Reisterrassen und Teeplantagen entlang eines kleinen Flusses durch das Tal, bevor es über einen Berg auf die andere Talseite ging. Mit unserem ganzen Gepäck auf dem Rücken und bei geschätzten 80% Luftfeuchtigkeit nutzten wir spontan die frühe Stunde für ein morgendliches Bad im angenehm frischen Fluss. Gegen Mittag kamen wir in Linjiao an. Auch hier kamen wir bei einer lokalen Familie unter und ließen den Tag gemütlich auf der Dachterrasse ausklingen. Die dörfliche Stille wurde nur ab und zu von vorbei ziehenden Büffeln unterbrochen…

Am kommenden Tag gönnten wir unseren Beinen eine Pause und kamen nach einem vollen Reisetag, der morgens um 6 Uhr begann und uns zuerst per Bus von Linjiao nach Wuyuan, von dort mit dem Bus nach Nanchang und weiter mit dem High Speed Train über Wuhan nach Ychang brachte, nach 15 Stunden noch am selben Tag am Fluss Yangtze an. Hier war unser erstes Ziel der 3-Schluchten-Staudamm, der bei seinem Bau vor einigen Jahren für viele Schlagzeilen sorgte und bis heute unter Menschenrechtsaktivisten, Ökologen und Geologen sehr umstritten ist. Mit seinen 185 m Höhe und 2 km Länge ist er zwar nicht der höchste, aber der längste Staudamm der Welt. Würde er brechen, würde das innerhalb einer Stunde den sicheren Tod von mind. 4 Millionen Menschen bedeuten. Auch die Auswirkungen der Stauung auf die Umwelt sind gewaltig.

Unser erster Eindruck des Staudammes war, dass er gar nicht so gewaltig aussieht, wie es all die Superlative die ihn charakterisieren, vermuten lassen (größter Staudamm der Welt; die Stromproduktion des Wasserkraftwerkes ist äquivalent zu der Stromproduktion von 18 Atomkraftwerken; der angestaute Flussteil erstreckt sich auf 55o km und ist flächenmäßig so groß wie Singapur; etc. etc.). Irgendwie hatten wir ihn uns beeindruckender und größer vorgestellt. Das könnte zum Teil aber auch daran liegen, dass der Stausee teilweise abgelassen war, als wir da waren und der unterschiedliche Höhenstand des Flusses nicht so sichtbar war. Um die hohe Eintrittsgebühr von 100 RMB (knapp 12 €) für die Touristen-Aussichtsplattform zu umgehen, fuhren wir mit dem öffentlichen Bus für 2 RMB (0,24 €) bis zur Endstation auf die andere Flussseite. Hier stiegen wir auf einen Berg und genossen eine ebenso gute – kostenlose – Sicht auf den Staudamm. Yeah, Backpacker-Sightsseing!! 😀

 

Nach einer kleinen Stadtbesichtigung gingen wir am nächsten Nachmittag an Bord eines Tragflächenbootes, um auf dem Yangtze durch die bekannten 3 Schluchten (Namensgeber für den Staudamm) in Richtung Chongqing zu schippern. Die Angebote für Kreuzfahrten auf dem Yangtze sind unzählig und vom internationalen Kreuzfahrtschiff (die teuerste und komfortabelste Option) über Schiffe unter chinesischer Flagge bis zur regulären Passagierfähre ist alles vorhanden, um je nach gewünschtem Komfort und Budget mehrstündige bis 5-tägige Kreuzfahrten durch die 3 Schluchten zu unternehmen. Wir entschieden uns für den ersten Abschnitt für die reguläre und schnelle Passagierfähre, die uns in 3 Stunden nach Wushan bringen sollte. In Wushan, eine kleine Stadt ca. in der Mitte des Weges zwischen Ychang und Chongqing, wollten wir von Bord gehen und mit einem kleineren Boot am nächsten Tag die 3 Kleinen Schluchten befahren, die laut Reiseführer von vielen Reisenden als noch eindrucksvoller als ihre großen Namensgeber empfunden werden.

Der nächste Tag war Uli´s Geburtstag und gleichzeitig Freitag, der 13.! Eigentlich Uli´s Glückstag. Tja, was sollen wir sagen – an diesem Tag hatten wir zum ersten Mal auf unserer Reise richtig Pech und wir haben die 3 kleinen Schluchten leider nicht gesehen. Wir ließen uns vor dem Schiffsterminal von einem Kapitän „abschleppen“, der uns zum gleichen Preis eine Privattour zu den 3 Kleinen Schluchten anbot. Da es bereits nachmittags war und die reguläre Tour nur morgens ging, sahen wir darin unsere Chance, doch noch an diesem Tag zu den 3 Kleinen Schluchten fahren zu können. Langes Drama, kurzer Inhalt: Es war ein Reinfall – der Kapitän brachte uns nicht wie vereinbart dahin, wo wir hinwollten und es wurde recht hässlich.

Am nächsten Tag regnete es zu allem Überfluss, sodass eine Bootstour keinen Sinn machte. Weder zu den 3 Kleinen noch weiter auf dem Yangtze durch die 3. große Schlucht. Da uns die misslungene Tour zudem etwas die Lust an Wushan verdorben hatte, wollten wir auch nicht länger in der Stadt bleiben und warten, bis das Wetter wieder besser wurde. Daher entschieden wir uns für den restlichen Streckenabschnitt bis nach Chongqing für den Bus. Hier war es nicht so tragisch, dass wir beim Blick aus dem Fenster nur grau sahen 😉

Chongqing ist in China vor allem für eines bekannt: das scharfe Gericht huoguo (=Hotpot) – in der schärfsten Variante ganz Chinas! Hotpot (zu deutsch „scharfer Topf“) besteht aus einer sehr scharfen Brühe, die in einem großen Topf auf einen Herd direkt im Tisch gestellt wird. Da köchelt sie vor sich hin. Aus einer großen Auswahl an Fleisch, Fisch und Gemüse sucht man sich dann all die Zutaten aus, die man essen möchte und bekommt diese roh zum selbst kochen. Seine besondere Schärfe verdankt das Gericht einem Mix aus Chili und dem Sichuan-Pfefferkorn, eine Pfefferart, die in der benachbarten Provinz Sichuan wächst und deren im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Schärfe eine betäubende Wirkung hat.

Wir haben das natürlich gleich am Abend unserer Ankunft ausprobiert. Wir essen ja gerne scharf. Und das war es auch. Lecker und sehr, sehr scharf. Wir waren echt froh um die betäubende Wirkung des Sichuan Pfeffers – so spürten wir die Schärfe nach einer Weile nicht mehr auf der Zunge….uns wurde trotzdem noch ordentlich heiß und wir haben mehr als ein Bier zum Essen gebraucht 😀

Ursprünglich hatten wir vor, in Chongqing 3 Tage zu bleiben. Als wir in unserem vorgebuchten Hostel ankamen, entschieden wir uns allerdings um. Das Hostel lag in einem Bezirk, der – so vermuten wir – mit großer Sicherheit einer der nächsten ist, der „rehistorisiert“ wird. Diese Vermutung legte auch der Zustand des Hostels nahe, in das ganz offensichtlich schon längere Zeit nicht mehr investiert wurde. Als wir unser Zimmer sahen – oder besser „rochen“ – und Uli abends auch noch ein kleines, ekliges Tierchen entdeckte, das mit „K“ anfängt, waren wir froh, dass wir nur eine Nacht im voraus gebucht hatten und am nächsten Tag weiterziehen konnten. Und Biene war ganz besonders froh, dass Uli ihr von seiner Entdeckung erst am nächsten Morgen erzählte 😀

Wir schieben auch dieses Pech darauf, dass es in Deutschland noch Freitag, der 13. war 😀

So sagten wir am nächsten Tag Zaijian zu Chongqing und stiegen in den Expresszug, der uns in 2 Stunden nach Chengdu bringen sollte. Hier hatte unsere kurze Pechsträhne auch schon wieder ein Ende…

UNSER FAZIT ZUM YANGTZE-CRUISE

Obwohl wir ein bisschen Pech mit dem Wetter hatten, war die Fahrt auf dem Yangtze durch die tiefen, dicht bewaldeten ersten 2 Schluchten schon sehenswert und erinnerte uns an die Fjorde in Norwegen. Allerdings ist das Wasser des Yangtzes leider einiges brauner gefärbt als die Gewässer in Skandinavien.

Huang Shan – Bergsteigen auf chinesisch

Huang Shan – Bergsteigen auf chinesisch

„Verdammt touristisch! Aber ist es wert.“ Diese kurze Zusammenfassung zu unserem nächsten Ziel in China, dem gelben Gebirge Huang Shan, gab uns ein anderer Reisender, den wir in der Mongolei trafen. Damit deckte sich sein Eindruck mit dem von Liz und mit der Beschreibung in unserem Reiseführer. Der Huang Shan zählt zum UNESCO Weltkulturerbe, ist ein von tiefen Schluchten durchzogenes Granitgebirge, dessen höchster Gipfel 1.800 m hoch ist und bei dem die Täler auch im Sommer meist im dichten Nebel liegen. Und es ist ein Magnet für asiatische Touristen. Können wir verstehen. Auch für uns las es sich trotz der prophezeiten Touristenmassen verlockend. Also ab in die Provinz Anhui.

DIE ANREISE

Nach knapp einer Woche am selben Ort waren wir auch wieder so reisehungrig und bewegungslustig, dass uns nichts mehr in Beijing hielt. So schnappten wir unsere Rucksäcke (von uns liebevoll Feder & Klotz genannt – dabei ist Klotz immer der eigene und Feder der des/der Anderen 😀 ) und stiegen wieder in den Zug. Im Vergleich zu sonst war die Polizeipräsenz an diesem Tag noch größer und das erinnerte uns daran, dass der 4. Juni der Jahrestag des Tian´anmen Massakers ist. Die kommunistische Vergangenheit und die überall präsente Staatsgewalt ist eine Seite Chinas, die nicht zu denen zählt, die wir schätzen…. Trotzdem oder gerade deshalb war auch an diesem Tag alles friedlich. Am Bahnhof gab es die üblichen Sicherheitskontrollen und dann ging es mit dem Nachtzug in 26 Stunden an den Fuß des gelben Gebirges. Wir fuhren wie gewohnt 3. Klasse, also im offenen Großraumschlafwagen – allerdings zum ersten Mal in China. Und es war ein Erlebnis. Die Sitten sind anders. Um zu zeigen, dass Einem das Essen (im Zug in der Regel der Instant-Nudeltopf, die Erdnüsse oder die Hühnerfüße) schmeckt, schmatzt man hier lautstark. Und was nicht in den Mund wandert, fliegt kurzerhand auf den Boden. Auch im Zug. Nase putzen ist unhöflich. Also wird sie hochgezogen. Musik ist erst laut richtig gut. Der Nachbar kann ja seine Musik lauter machen, wenn er was anderes hören will. Überraschenderweise fahren Touristen wohl nicht so oft in der Hardsleeper-Klasse – wir waren eine kleine Sensation 😀

Nach unserer Ankunft frühmorgens fuhren wir direkt mit dem Bus in das kleine Dorf Tangkou weiter, welches Ausgangspunkt für den Zugang in den Huang Shan Nationalpark ist. Dort trafen wir Mr. Hu. In seinem Hotel (von Lonely Planet empfohlen, wie er uns ganz stolz zeigte) konnten wir alles an Gepäck deponieren, was wir auf dem Berg nicht brauchten. Wir packten also um, deckten uns mit genügend Wasser und Proviant für 3 Tage ein und kauften uns kurzentschlossen noch Zelt und Isomatte (günstiger als 1 Hotelübernachtung auf dem Berg). Mit je ca. 12 kg bepackt brachen wir auf, um den Berg zu besteigen. Wir hatten 3 Möglichkeiten: den langen, harten Weg im Osten (7,5 km in ca. 2,5 Stunden); den längeren, härteren Weg im Westen (15 km in ca. 5 Stunden) und den kurzen, einfachen Weg (30 Minuten, die Seilbahn). Wir entschieden uns für den langen, harten Weg. Was das heißen sollte, spürten wir bald….

HIMMELSLEITER

Treppen! Treppen! Treppen! Sobald wir die immense Eintrittsgebühr von 230 RMB (ca. 29 € – zum Vergleich: ein Doppelzimmer in einem Mittelklasse-Hotel kostest ca. 130 RMB die Nacht) pro Nase bezahlt hatten und den Park betraten, sahen wir sie: Treppenstufen! Anfangs dachten wir noch, dass nur der Anfang des Weges bis zur unteren Seilbahnstation so angelegt ist. Irrtum! Tatsächlich legten wir die kompletten 7,5 km über knapp 1.000 Höhenmeter bergaufwärts treppensteigend zurück….! Wir waren froh, uns den landschaftlich noch reizvolleren westlichen Weg für den Abstieg aufgehoben zu haben, da wir so japsend und stampfend die wirklich einmalige Landschaft irgendwie nicht in vollen Zügen genießen konnten…:-D Oben angekommen, bewunderten wir erstmal die tolle Aussicht. Als wir mittags im Tal losgingen, hatten wir noch strahlenden Sonnenschein. Über den Nachmittag zogen die Wolken und der Nebel die Täler unter uns zu, sodass nur noch de Gipfel zu sehen waren. Wieder zu Atem gekommen, konnten wir sagen, dass die Aussicht den Aufstieg wert gewesen war. Im Nachhinein… 😉

Die 2 Stunden bis zum Sonnenuntergang verbrachten wir damit, die verschiedenen Peaks in der Umgebung rund um den Gipfel zu erkunden. Auch hier wieder: sobald es einen Höhenunterschied von mehr als 20 cm gab, folgte eine Treppenstufe! Trafen wir auf unserem Aufstieg noch recht vereinzelt andere Wanderer, bekamen wir oben auf dem Berg schon einen Vorgeschmack darauf, was uns die kommenden 2 Tage erwartete: Mit der Seilbahn heraufgefahrene asiatische Touristengruppen (selbst ohne die obligatorischen Schildmützen wären sie leicht zu erkennen an ihrem unverschämt frischen Aussehen 😉 ) bekamen von ihren Guides mit Megaphonen die Gegend erklärt.

Wir genossen einen tollen, fast ruhigen Sonnenuntergang auf einem der Gipfel, bevor wir unser Zelt zum 1. Mal aufschlugen. Wenn ihr vorhin aufmerksam gelesen habt, dass wir uns zwar Zelt und Isomatte kauften aber keinen Schlafsack, könnt ihr Euch schon vorstellen, wie unsere Nacht auf knapp 1.700 m war: bitterkalt! 😀 Unsere tollen Seiden-Inlets sind zwar wunderbar kuschlig, aber als Wärmespeicher taugen sie nicht unbedingt… Irgendwann zogen wir uns unsere dicken Jacken und die langen Hosen wieder an und waren froh, dass unsere Nacht kurz war und um 4 Uhr früh der Wecker klingelte. Der Sonnenaufgang rief! Vor unserem Zelt konnten wir trotz der frühen Stunde bereits ein buntes Stimmengewirr vernehmen – wir waren nicht die einzigen, die die Sonne aufgehen sehen wollten…

GIPFELROMANTIK IM MORGENROT

Der Huang Shan verdankt einen großen Teil seiner Beliebtheit einem Phänomen, dass sich Wolkenmeer nennt und in dieser Form einmalig ist auf der Welt. Mit etwas Glück sind bei optimalen Wetterbedingungen frühmorgens nur die Gipfel der umliegenden Granitfelsen sichtbar, die wie aus dem Nichts bzw. wie aus einem Meer aus darunter hängendem Nebel aufragen. Dieses seltene Spektakel (an ca. 20 Tagen im Jahr zu sichten) blieb uns leider an diesem Morgen verwehrt, trotzdem war die Kulisse für den Sonnenaufgang gewaltig. Ihr könnt es Euch so vorstellen: Wir beide…um uns herum nur die Berggipfel…die aufgehende Sonne, die langsam durch die Wolken bricht …ach so ja, und natürlich die ca. 100 lautstark begeisterten Chinesen um uns herum 😀
Denn natürlich möchte jeder, der auf dem Berg ist, das Wolkenmeer sehen. Wir nutzen die frühe Stunde danach und machten uns auf, den weniger bekannten West Sea Canyon zu wandern. Dieser sollte uns in 4 Stunden auf 8,5 km zuerst 650 Höhenmeter hinunter in eine Schlucht führen, bevor es anschließend wieder auf den höchsten Gipfel des Gebirges hinauf ging. Tourgruppen kamen hier laut Reiseführer nicht hin. Wir hatten die Hoffnung, dass dies gleichzeitig hieß, keine Megaphone und richtige Wanderwege = keine Treppen. Während unsere erste Hoffnung sich bewahrheitete und wir auf dem Weg hinunter zunehmend weniger andere Touristen trafen, wurde unsere Hoffnung auf einen stufenlosen Tag enttäuscht! In unzähligen Treppenabsätzen ging es abwechselnd hinauf und wieder hinunter. Unterwegs stellten wir fest, dass die Wanderkarte die wir tags zuvor kauften, leider auch nicht mehr ganz aktuell war… Seit einigen Jahren gibt es eine neue Seilbahn, die aus dem Canyon wieder nach oben fährt – allerdings wurde auch der ursprüngliche Weg nach oben gesperrt. Für uns hieß das: Aus den 4 Stunden wandern wurden 7 und aus 8,5 km mit einem Mal 15,5! Biene war froh, dass ihr Rucksack mit abnehmendem Proviant langsam leichter wurde, Uli stieg tapfer mit seinen 12 kg die Stufen hoch und runter. Als wir gegen spätnachmittags schließlich wieder auf den Gipfel angekrochen aufgestiegen waren, waren unsere Beine für diesen Tag bedient….
Dementsprechend suchten wir uns ein Zeltplätzchen so nah wie möglich am Bright Summit Peak, um am nächsten Morgen vor dem Sonnenaufgang so wenig Stufen wie möglich steigen zu müssen. 😀 Nach einer zweiten kalten & kurzen Nacht sahen wir nochmal einen Sonnenaufgang vor schöner Kulisse (eingerahmt von Dutzenden von Armen, die alle versuchten, das perfekte Photo zu schießen und musikalisch untermalt von den unzähligen *Klicks* der Spiegelreflexkameras), wenn auch kein Nebelmeer. Im Anschluss daran machten wir uns auf den Abstieg. Es ging treppab…

STUFE UM STUFE UM STUFE

Die Landschaft rund um dem westlichen Weg war in der Tat noch schöner als auf dem Aufstieg. Allerdings gefiel uns die Landschaft und sie Aussichten auf dem West Sea Canyon, den wir am 2. Tag liefen, mindestens genauso gut. Könnte natürlich auch daran liegen, dass wir zunehmend darauf konzentriert waren, eine Gehart zu finden, mit der das Treppabsteigen weniger schmerzte 😉 Wir sahen auf dem Weg sehr viele Lastenträger, die auf schweren Körben auf ihren Schultern Lasten mit bis zu 100 kg hoch oder runter schleppten – absolut bewundernswert! Wir waren auch ohne zusätzliches Gewicht dieser Größe schon bedient… Wir fragten uns allerdings auch, weshalb die Waren nicht mit den Seilbahnen transportiert wurden 😉 Schließlich unten angekommen, gönnten wir uns erstmal ein Eis, bevor wir in das wirklich nette Hotel von Mr. Hu zurück liefen und dort eine Nacht übernachteten. Nach einer ausgiebigen Dusche legten wir für Rest des Tages – Überraschung – nur noch die Beine hoch…. Unsere nächsten Ziele, die pittoresken Dörfer rund um Wuyuan waren zum Glück flacher… 🙂

UNSER FAZIT NACH 3 TAGEN AUF DEM MOUNT HUANG SHAN:

Das gelbe Gebirge wird seinem Ruf gerecht. Es ist verdammt touristisch! Aber die Natur und die Aussichten sind etwas Besonderes. Wieder zu Atem gekommen, können wir sagen, dass die Aussicht den Aufstieg wert gewesen ist. Im Nachhinein, wenn der Muskelkater nach gut einer Woche wieder verschwunden ist… 😉 Wenn man in der Lage ist, die Scharen von Touristengruppen mitsamt den Megaphonen auszublenden, bekommt man für den strammen Eintrittspreis tatsächlich ein Stück erlebenswerte Natur geboten. Wer allerdings ein Bergsteigererlebnis wie wir Deutschen es aus den alpinen Bergen nah der Heimat gewohnt sind, sucht, wird enttäuscht. Dafür sind die menschgemachten Treppenstufen zu dominant. Wir haben mal grob überschlagen: Geschätzt sind wir in den 3 Tagen 50.000 (!!) Treppenstufen gestiegen!

Unsere Tipps Solltet ihr ebenfalls einmal den Mt. Huang Shan besteigen, um Euer Glück zu versuchen und in den seltenen Anblick des Wolkenmeer zu kommen – steigt für den Sonnenaufgang weder auf die Refreshing Terrace noch auf den Bright Summit Peak (die offiziell genannten besten Aussichtspunkte). Genau gegenüber des Bright Summit Peaks ist der Lotus Peak – ebenfalls in bester Lage und wir sahen auf diesem Gipfel in den frühen Morgenstunden keine einzige Menschenseele…wohingegen die beiden anderen Plattformen mehr als sehr beliebt sind!

Und solltet ihr noch zweifeln, ob sich der anstrengende Aufstieg auf den Huang Shan für das zu erwartende Bergpanorma lohnt, dann empfehlen wir Euch, Euch auf www.bergzeit.de auf jeden Fall durch die tollen Aufnahmen des Reisefotografen Björn Nehrhoff von Holderberg zu klicken.*

* Diese Empfehlung der wirklich sehenswerten Fotogalerie mit Reiseeindrücken aus dem Reich der Mitte entstand mit freundlicher Unterstützung von Bergzeit.

 

China – ein Wiedersehen mit dem Land des roten Drachens

China – ein Wiedersehen mit dem Land des roten Drachens

Wieder in China. Beijing. Herrlich! Vieles hat sich verändert. Vieles nicht. Wir waren im Januar vor 4 Jahren zum letzten Mal hier. Gemessen am schnelllebigen Takt einer Weltstadt eine lange Zeit. Da tut sich vieles: Das Hostel im Stadtzentrum, in dem Biene letztes Mal noch gewohnt hat – der Restaurierung der Hutongs zum Opfer gefallen. Die alten Public Toilets, auf denen man sich regelmäßig die Nase zuhalten musste – Vergangenheit (nicht schlimm 😉 ). Die neuen PT sind zwar immer noch sehr chinesisch (d.h. ohne Kabinen oder Türen, sondern nur mit halb-hohen Trennwänden zwischen den Lochklos – dafür aber sauber, geruchlos und mit Waschbecken ausgestattet (keine Selbstverständlichkeit). An positiven Veränderungen sticht auch heraus, dass zwischenzeitlich fast durchgehend alles in Englisch ausgeschildert ist (noch 4 Monate vor den Olympischen Spielen 2008 sahen wir kein einziges englisches Schild), die Ansagen in Bussen und in der Metro auch in Englisch kommen und selbst Straßenschilder auf Englisch übersetzt sind (obwohl Ausländer nicht selbst fahren dürfen…) Und trotzdem, das Gefühl bleibt: Beijing, wir kennen uns – es ist schön, Dich wieder zu sehen!

Schon als wir die Grenze zu China überqueren, haben wir das Gefühl, uns wieder etwas auszukennen. Obwohl wir noch nie in Erlian, der Grenzstadt in der wir mit dem Bus ankommen, waren, erinnert uns vieles an das China, das wir kennen: der ganz eigene Geruch nach gegartem Tofu; die zahlreichen Elektroroller auf den Straßen; die Menschen, die uns auf der Straße interessiert und ohne Scheu nachschauen. Und wir können uns mit Biene´s Mandarinkenntnissen zumindest ein bisschen in der Landessprache verständigen.

Unsere erste Station führt uns nach Datong in der Provinz Shanxi, ca. 5 Stunden nördlich von Beijing. Schon auf der Busfahrt (um die Strecke Erlian-Datong mit der Transib zu fahren, hätten wir in Erlian übernachten müssen, was wir nicht wollten) hierher wird deutlich, in welchem Ausmaß die chinesische Regierung in die Zukunft des Landes investiert: die kaum befahrenen Schnellstraßen sind neu und sechsspurig ausgebaut, die Landschaft ist von Windparks geprägt und die Straßen von frisch gepflanzten Bäumen gesäumt. In Datong selbst wird gerade der Stadtkern „rehistorisiert“ – eine ca. 6 Meter hohe, der historischen Stadtmauer nachempfundene Steinmauer wird um die Altstadt hochgezogen und die Hutongs darin restauriert. Die Stadt selbst klingt im Reiseführer nicht sehr verheißungsvoll, ist aber schöner als erwartet: Die Straßen der Altstadt sind voll von kleinen Garküchen, in denen für wenig Geld authentisches, schmackhaftes Essen zubereitet wird, die Menschen sympathisch und die Luft klar.

Uns ziehen 2 Ziele in der näheren Umgebung nach Datong: die Yungang Höhlen und die hängenden Klöster Xuankong´si. Die Yungang Höhlen besichtigen wir als Erstes. Diese Ansammlung von 252 Höhlen wurde im Auftrag verschiedener Kaiser zwischen 400 und 600 n.C. von buddhistischen Mönchen in den Sandstein gehauen. Darin befinden sich insgesamt über 51.000 kunstvoll gemeißelte Buddhastatuen – die kleinsten nur wenige Zentimeter klein, die größte 17 Meter hoch. Es sind die ältesten buddhistischen Bauwerke Chinas und sie enthalten einige der wertvollsten und elegantesten Kunstwerke der Ming- und Qing-Dynastien. 45 von den Höhlen kann man heute besichtigen, dazu einige Pagoden, Tempel und die kaiserliche Gartenanlage. Die Kunstfertigkeit, mit denen die Statuen in den Stein gemeißelt wurden, ist beeindruckend. Jede Statue besitzt detaillierte Gesichtszüge und ist (wahrscheinlich mehr oder weniger historisch – wir sind ja immer noch in China 😉 ) bunt bemalt. Abends snacken wir uns durch die Garküchen der Altstadt Datongs und bleiben schließlich in einer Chuanr Bar hängen. Eine Chuanr Bar muss man sich so vorstellen: Es gibt eine große Auswahl an auf Schaschlickspießen aufgespießte Fleischsorten. Die bestellte Anzahl an Spießen wird dann auf einen mit Kohle geheiztem, länglichen Grill gelegt und gewürzt. Gegessen wird auf kleinen Plastikhockern (bei uns bekannt aus dem Kindergarten), auf denen man um einen niedrigen Tisch herum auf dem Gehweg sitzt. Sehr anders, sehr günstig, sehr lecker! Eigentlich wollten wir hier nur eine Kleinigkeit essen…dann trafen wir auf 4 junge Chinesen am Nachbartisch, die uns unbedingt zu sich an den Tisch einladen wollten und es wurde – trotz eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit – ein langer, lustiger Abend mit viiieeel Essen (für beide von uns) und viel Baijiu (= chinesischer Reisschnaps – für Uli), da uns die Mannen nicht mehr gehen lassen wollten, bis wir alle 6 mehr als pappsatt und die 4 Chinesen recht betrunken waren. 😀

Am nächsten Tag fahren wir zu den hängenden Klöstern. Wie der Name vermuten lässt, wurde diese Klosteranlage nicht auf dem Boden gebaut, sondern „hängt“ in einer Schlucht an einer felsigen Bergwand. Die durch Balkone und enge Gänge miteinander verbundenen dreistöckigen Räume wurden im 4 Jahrhundert n. Ch. entlang der Felskonturen an den Berg „gehängt“, da das Flusstal oft überflutet wurde. Es ist das einzige Kloster in China, das Elemente aus dem Buddhismus, dem Taoismus und den Lehren des Konfuzius vereint. Diese religiöse Vielfalt rührt daher, dass das Kloster an einem Knotenpunkt der Seidenstraße lag und Kaufmänner aus den verschiedensten Teilen Chinas hier nochmal um Schutz beteten, bevor sie auf ihre langen Reisen ins ferne Europa aufbrachen. Die Klosteranlage ist imposant zu besichtigen, allerdings sind die knapp 15 € Eintritt pro Person auch ganz schön happig…

Nach 3 Tagen in Datong brechen wir zu unserer letzten Transsib-Etappe auf. Nach 5 Stunden Zugfahrt durch tolle Landschaften und mit Blick auf die große Mauer erreichen wir nach 7.865 km durch 3 Länder unser Ziel: Beijing. Here we are again! 🙂

Damit haben wir unser erstes Abenteuer, die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn auf der transmongolischen Route von Moskau bis Peking, nach knapp 5 Wochen und in 6 Etappen geschafft. Es war eine tolle Fahrt! Eine individuelle Reise mit der Transsib ist auch im 21. Jahrhundert noch ein Abenteuer und die wechselnden Landschaften, die Atmosphäre in den Zügen, das auf den Zwischenstopps Erlebte und die Menschen, die wir trafen, werden uns lebendig in Erinnerung bleiben. Landschaftsmäßig sind wir uns einig, dass uns die Etappen Baikalsee – Ulaan Ude – Ulaan Bataar – Peking am besten gefallen haben.

In Beijing bleiben wir eine Woche, um unsere weitere Route durch China zu planen. Unsere Reiseführer -per Post vorausgeschickt- erwarten uns schon und wir können es kaum erwarten, darin zu schmökern. Und noch ein freudiges Wiedersehen steht an: Wir treffen unsere Freundin Liz, die wir sonst nur einmal im Jahr zu Weihnachten in Deutschland sehen, da sie sich bei ihrem ursprünglich dreimonatigen geplanten Sprachkursaufenthalt in Beijing verliebte und die Stadt nie wieder verließ. Die Freude ist groß!

Wir verbringen viel Zeit mit Liz und auf den Dachterrassen unserer Hostels (nach den ersten 3 Nächten wechseln wir das Hostel, um noch einen anderen Teil der Stadt zu sehen), planen unsere nächsten Ziele und genießen die endlich sommerlichen Temperaturen – nach dem sibirischen und mongolischen Winter lassen wir den Frühling gerne aus und genießen den chinesischen Sommer bei knapp 40 Grad Celsius 😀 Sightseeing machen wir nur wenig, denn – so arrogant sich das an dieser Dtelle vielleicht auch anhören mag 😉 – wir haben vieles hier schon gesehen: die große Mauer, die Verbotene Stadt, den Sommerpalast, den Himmelstempel, den Jingshan Park… Kurz haben wir uns überlegt, Euch einige unserer Fotos der Sehenswürdigkeiten unseres letzten Besuchs zu zeigen (Bildmaterial gäbe es genügend 😀 ), aber uns dann doch umentschieden – wir wollen ja authentisch bleiben 😉 Einen Tag verbringen wir im Beihai-Park und an den Seen im Zentrum der Stadt, den Olympiapark von 2008 besuchen wir (unser Geheimtipp: unbedingt bei Nacht anschauen – noch eindrucksvoller als tagsüber und eine tolle Atmosphäre), ohne ein bisschen Shopping geht es natürlich auch nicht und viel Zeit verbringen wir in den tollen, unzähligen Chuanr Bars und in den Garküchen der Stadt 😀 Ein Schlemmerparadies…! Eigentlich wollten wir unsere Homepage auch etwas auf Vordermann bringen, aber das hat nicht so geklappt… Zu viele Chuanr Bars, deren Versuchungen wir nicht widerstehen konnten 😉

Letzten Mittwoch verabschiedeten wir uns dann wieder von der Stadt und stiegen – wieder einmal – in den Zug. Unser nächstes Ziel: das „gelbe Gebirge“ Huang Shan im Osten des Landes. Genauer gesagt: dessen Gipfel… 🙂

 

…Nach China zu kommen ist nicht wie nach Hause kommen. Aber es ist wie einen alten Freund wieder zu sehen, den wir länger nicht gesehen haben: Man kennt sich, man weiß um die guten und die weniger guten Seiten des anderen. Die rosarote Brille, durch die wir teilweise vielleicht Länder sehen, die wir zum ersten Mal bereisen, haben wir abgesetzt. Wir nehmen auch die weniger schönen Seiten des Landes wahr: den Müll auf den außerstädtischen Flächen, die vielen Flaschensammler in den Parks und den Smog, der in Beijing (aber nur an 3 von 8 Tagen) wie eine Dunstglocke über der Stadt hängt. Wir erkennen aber auch die schönen, dem Land und der Stadt ganz eigenen Eigenschaften: die älteren Menschen verbringen ihre Zeit im Park oder auf dem Dorfplatz, spielen gemeinsam Mehjong (ein Mühle-ähnliches Brettspiel), es wimmelt nur so von freiwilligen Verkehrslotsen und als wir ratlos auf unseren Stadtplan schauen, dauert es meist nicht lange, bis wir angesprochen werden ob wir Hilfe brauchen. Die Chinesen sind neugierig auf das Unbekannte, Fremde (in diesem Fall: auf uns 😀 ) und zeigen ihre Neugier ungeniert. Bietet sich die Gelegenheit, kommen sie gerne mit den ausländischen „Langnasen“ ins Gespräch. …Wir sind gespannt, welche unbekannten Seiten wir am Reich der Mitte noch entdecken werden!

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