Roadtrip Australien

Letzte Tage in Australien – Psst: Geheimtipp

Letzte Tage in Australien – Psst: Geheimtipp

Nach dem Verkauf unseres Jeeps und den ersten Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel war uns recht schnell klar: ohne eigenes Auto wollen wir nicht mehr weiter durch Australien reisen. Nur eines stand noch auf unserer Liste. Bevor wir Australien den Rücken kehren, wollten wir nochmal ans Great Barrier Riff. Diesmal nicht ans äußere Riff, sondern auf eine der Koralleninseln. Davon gibt es auf fast 2.000 Kilometern Riff-Länge richtig viele. Manche nur per privatem Boot zugänglich, andere mit teuren Resorts verbaut, wieder andere mit einfachen Campingplätzen in Nationalparks erschlossen. Und dann gibt es noch ein paar, die wundersamerweise fast ausschließlich die Einheimischen besuchen.

So wie Keppel Island. Die kleine Insel liegt gerade einmal 30 Minuten Fährfahrt vor Rockhampton. Sie wurde uns von unserem Farmer Andrew empfohlen und ist noch ein echter Geheimtipp.

Einst lockte ein luxuriöses Resort ausschließlich gut betuchte Australier auf die kleine Insel. Seit einigen Jahren steht dieses aber leer und verfällt zunehmend. Pläne, die Insel zu einer Backpacker-Oase zu machen scheiterten ebenso wie die geplante Neueröffnung einer luxuriösen Hotelanlage. Und so gibt es heute nur eine Handvoll kleiner Unterkünfte, die sich auf einem Zipfel der weitläufigen Insel konzentrieren. Dazwischen: bewaldete Hügel, von Palmen eingesäumte Wanderwege und drumherum gleich 17 Sandstrände – einer weißer als der andere.

Da es auf der Insel nur einen kleinen Souvenirshop mit wenigen Lebensmitteln und Getränken gibt und eine nur freitags geöffnete Pizzeria, haben wir alles, was wir für ein langes Inselwochenende brauchen, vom Festland mitgebracht. Insklusive 20 Liter Wasser, Nudeln, Wein und Gaskocher. Da kommen einige Kilo zusammen. Bei herrlichen 35 Grad und praller Dezembersonne verspüren wir daher keinen Drang erstmal über die gesamte Länge der Insel zu laufen, wie wir es sonst ja gerne tun. Deshalb laufen wir auf einem schönen überwucherten Wanderweg über Stock und Stein in einer Stunde zum Monkey Beach. Der lange weisse Sandstrand knirscht beim Gehen unter den Füße. Wir suchen uns einen Platz unter den knorrigen Bäumen die den breiten Strand säumen, bauen uns ein Sonnensegel und hüpfen erstmal ins Wasser.

Den Rest des Tages verbringen wir mit herrlichem Strandleben: schwimmen, schnorcheln, lesen, in den strahlen blauen Himmel schauen – und dasselbe wieder von vorn. Als auch die letzten Tagestouristen den Strand verlassen haben, bauen wir unser Zelt auf, schauen in den funkelnden Sternenhimmel und lassen die letzten Monate in Australien Revue passieren. Ein bisschen fühlen wir uns wie Robinson Crusoe. Der nächste Tag ist mehr oder weniger eine Wiederholung der ersten. Wir lesen, schwimmen, schnorcheln und erkunden den Long Beach. Auch der ist schneeweiss und quietscht zwischen den Zehen. Abends sitzen wir mit Erika aus Schweden und James aus England am Lagerfeuer und erzählen uns Reisegeschichten.

Bevor wir am späten Sonntagnachnittag wieder die Fähre zurück aufs Festland nehmen, schnorcheln wir zum Abschluss noch am Shelving Beach. Hier tummeln sich viele farbenfrohe Riff-Fische und wir sehen mit Abstand die schönsten Korallen des Wochenendes. Sogar eine große Schildkröte, einen blaugepunkteten gelben Stachelrochen und einen Leopardenhai entdecken wir am sandigen Meeresboden.

Nach dieser Einstimmung auf unsere nächste Destination Südsee heißt es am nächsten Morgen noch einmal früh aus den Federn. Da wir die kurze Nacht im Park campen, ist das Aufstehen um 4.30 Uhr halb so wild 😀 Über das Mitfahrportal coseats.com haben wir einen Lift (=Mitfahrgelegenheit) nach Brisbane gefunden. In seinem großen LKW bringt uns Brandon für einen Bruchteil dessen, was uns Bus-.Zug- oder Flugtickets gekostet hätte, in die Hauptstadt Queensland. Gute Laune und Musik in der Fahrerkabine inklusive 😀

Da wir in Brisbane schon zu Beginn unserer Reise durch Australien einen dreitägigen Aufenthalt eingelegt hatten, steht dieses Mal kein Sightseeing auf dem Programm. Stattdessen wollen wir mal wieder einiges an Ausrüstung ersetzen. Da Brisbane die Stadt mit dem teuersten öffentlichen Transportsystem Australiens ist und wir hauptsächlich in Shoppingcentern außerhalb unterwegs sein werden, überlegen wir uns eine kreative Idee, um Geld zu sparen: wir mieten uns für 2 Tage einen Kleinwagen! Das ist günstiger als 1 Übernachtung im Hostel, mobil sind wir damit auch – und im Auto schlafen wir – wie in den Monaten mit Lion King erprobt – ja eh ganz ausgezeichnet 🙂

Am 25. November morgens um 10.00 Uhr ist es dann schließlich soweit: nach mehr als spannenden 11 Monaten verlassen wir den roten Kontinent wieder. Der Abschied fällt uns nicht ganz leicht – so vieles haben wir downunder erlebt, so viele wunderbare Menschen kennengelernt, zum ersten Mal live Kängurus, Koalabären und viele andere exotische Tiere gesehen, dutzende Male hat uns die Natur die Münder vor Staunen offen stehen lassen und so viele einmalige Erinnerungen haben wir entlang der insgesamt 40.000 Kilomter Roadtrip rund um Australien gesammelt.

Aber irgendwie spüren wir, dass es nun Zeit ist für neue Abenteuer. Aus dem Flieger werfen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge einen letzten Blick auf das Great Barrier Reef. Danke, Australien! Wir hatten eine geile Zeit!!

Liebe Katze… – ein Brief vom Jeep ans Moped

Liebe Katze… – ein Brief vom Jeep ans Moped

Liebe Katze,

obwohl wir uns nie persönlich vor die Räder gefahren sind, glaube ich, dass Du mich derzeit am besten verstehst. Ich bin nämlich in genau derselben Situation wie Du vor einem Jahr. Sie haben mich ausgesetzt!

KatzenabenteuerZugegeben, anfangs warst Du mir sehr unsympathisch. Hörte ich doch ständig von Uli: „Ob der Lion King wohl so gut ist wie unsere Katze? Ich hab da so meine Zweifel…“ Und das alles nur, weil ich aus purer Fahrfreude hin und wieder ein Kupplungs-Quietschen von mir gab. Ach, und ein bisschen Öl verlor. Ich meine, ich bin ja auch schon etwas in die Jahre gekommen, da wird man doch mal etwas inkontinent sein dürfen. Ist ja auch nicht so, dass das bei den älteren australischen Autos eine Seltenheit wäre. Und andauernd schwärmten die beiden von ihrem ach-so-einmaligen Roadtrip mit ihrem ach-so-tollen Moped Katze durch Thailand, Laos und Kambodscha. Du gingst mir vielleicht auf die Nerven…

Sonnenuntergang - nur wir und die Katze in THailand

Als ich es nicht mehr ausgehalten hab, ist mir der Kragen geplatzt und ich hab mit Zündkerzen geschossen. Ha, geradewegs rauskatapultiert hab ich sie, in voller Fahrt. Da hat Uli vielleicht gestaunt. Sowas hat er noch nie erlebt! Einen Sound hab ich dazu von mir gegeben, wie die größte Harley Davidson! Das war vielleicht ein Spaß 😀 Mit einem Löwen legt man sich eben besser nicht an.

In der Kimberleys WildernessEin paar Tage später hat Uli mir dann neue Zündkerzen eingebaut, sogar tolle deutsche von Bosch. Und gleich dazu hat er sich endlich mal ein bisschen um mich gekümmert; mir einen Ölwechsel und andere kleine Schönheitsanwendungen verpasst. Das tat vielleicht gut. Ich fühlte mich danach wie ein richtiger Schmusetiger. An diesem Tag haben wir uns ein bisschen näher angefreundet. Zum Dank hab ich mich im Anschluss mustergültig benommen. Ich bin ja schließlich kein Unmensch auf Räderni.

Uli und ich verbrachten jetzt regelmäßig Zeit zusammen. Wir Lion King auf den Haarnadelkurven in Tasmanienhatten sogar kleine Freundschaftsrituale. Wie z.B. dass morgendliche Aufklappen meiner Motorhaube, um nach dem Ölstand zu sehen, bevor es auf einen neuen langen Tag auf den Highway ging. Oder in die Wildnis. Durch die tiefsten Sanddünen und den dichtesten Dschungel hab ich die 2 gebracht. Kein Sand war mir zu weich, kein Fluss zu tief und kein Abhang zu steil.

Und wann immer Biene etwas Zeit zum Bericht schreiben für den Reiseblog der beiden brauchte, machten Uli & ich einen Männertag! Zu schrauben und zu basteln gab es immer was. Wie das Licht, dass er hinten in den Kofferraum gebaut hat, damit die beiden auch was sahen, wenn sie mal wieder im Dunkeln kochten.

Lion King in der Bay of Fire

Insgesamt haben wir über 40.000 Kilometer gemeinsam zurück gelegt. 40.000 Kilometer! (ha, damit habe ich Dich mit Eurem 4.000 Kilometer-Radtrip durch Laos, Kambodscha und Thailand locker abgehängt, Mieze). Einmal komplett rund um Australien, dazu kreuz und quer über und rund um Tasmanien und sogar ein Abstecher ins rote Zentrum Australien’s mitten durch die Wüste war noch drin! Das war vielleicht ein Spaß! Was wir unterwegs alles gesehen haben…unglaublich!

Ein toller ÜbernachtungsplatzTagsüber brachte ich die beiden von A nach B. Gegen Einbruch der Dämmerung ging es dann meist in den Busch an irgendein abgelegenes, landschaftlich schön gelegenes Fleckchen. In 2 Minuten das Gepäck anders verstaut, bot ich ihnen dann Nacht für Nacht ein zuverlässig warmes und bequemes Zuhause zum Schlafen. Ich gab ihnen die Flexibilität, überall anzuhalten wo sie wollten und so lange an einem Ort zu bleiben, wie es ihnen gefiel. Oder wenn nicht, eben auch sofort weiterzufahren. Gleichzeitig war ich ein unschlagbarer Weggefährte! Meinem starken Allradantrieb war kein Gelände zu unwegsam. Und trotzdem schauten wir dank meinem schicken Äußeren nicht schon von weitem wie ein typisches Backpacker-Trio aus. Das hat uns sicher in so mancher Stadt vor einem frühmorgendlichen Kontrollbesuch der Ranger bewahrt.

Dann im Oktober erkannte ich die ersten Anzeichen, dass irgendetwas im Busch ist. Auf einmal wurde ich gesaugt! Der komplette Innenraum wurde geputzt. Ich meine, wer wäre da nicht misstrauisch geworden? Da fuhren wir nun schon fast ein dreiviertel Jahr durch den tiefsten australischen Busch, mein einst blassgraues Fell ist schon monatelang von einem kräftigen Rotschimmer überdeckt – und jetzt auf einmal verbringt Biene 4 Stunden damit, mich auszusaugen und jeden noch so kleinen Krümel aus meinen Falten und Polstern herauszuholen?? Höchst verdächtig!

Und dann wurde ich auch noch poliert! POLIERT! Spätestens jetzt war mir klar, irgendwas geht hier vor sich. Und dann noch dieser mysteriöse Blitzbesuch mit geliehenen Reifen in der Werkstatt, um bestätigen zu lassen, dass ich fit bin. Natürlich bin ich das, ich bin ein starker Löwe!

...die letzte Nacht in unserem GoldstückUnd all dieser Besuch. Natürlich ist mir klar, dass die beiden stolz auf mich, ihr Glanzstück, sind, aber dass sie mich auf einmal all ihren neuen Freunden vorstellen und die mich interessiert von oben bis unten betrachten, ist mir doch neu.

Und dann dämmerte es mir: die beiden wollen mich los werden! Aber nicht mit mir, Herrschaften! In einem plötzlichen Anfall von Frust zog es mir die Stirnfalten zusammen. So sehr, dass aus dem kleinen Steinschlag, der seit einigen Wochen meine Windschutzscheibe zierte, ein ordentlicher Riss wurde! Ha! Da haben die beiden ganz schön blöd aus der Wäsche geguckt.

AbschiedsschmatzerAllerdings merkte ich bald, dass ich mir damit ins eigene Fleisch geschnitten hatte. Nun konnten die beiden mich gar nicht schnell genug los werden. Gerade einmal 2 Wochen nachdem sie mich im Internet ausgeschrieben hatten, gingen sie auf ein neues Angebot des ersten Interessenten ein. Sicherheitshalber. Inzwischen zog sich der Riss schon über die komplette halbe Seite der Scheibe.

Und weißt Du was? Die Füchse haben es doch tatsächlich geschafft, mich für mehr Geld wieder zu verkaufen, als sie für mich bezahlt haben! Genau so, wie sie es bei Dir auch geschafft haben! Unglaublich, nicht wahr?

Was mir aber doch ein wenig Befriedigung verschafft hat, war, dass es den beiden ganz und gar nicht leicht gefallen ist, meine Schlüssel an meinen neuen Besitzer zu übergeben. Sogar die Tränen musste sich Biene verdrücken. Kein Wunder, war ich den 2 doch fast ein Jahr lang nicht nur Transportmittel, sondern auch Zuhause!

Schlüsselübergabe

Aber letzten Endes half alles nichts. Mich über den Pazifik zu verschiffen, das wollten sie sich nicht leisten. Dafür wäre ich ihnen dann doch zu alt. Pah! Und mich wie vom Farmer angeboten in den Schuppen zu stellen, bis sie eines Tages wiederkommen, das wollten sie dann auch nicht. Sie wollen ja unbedingt unabhängig und ohne Ballast weiter um die Welt reisen.

Unser AmphibienfahrzeugHach Katze, die beiden fehlen mir jetzt schon! Wir hatten eine unvergessliche Zeit zusammen und unser Roadtrip rund um Australien war einfach einmalig! Wird das Gefühl des Verloren seins mit der Zeit besser? Wie geht es Dir jetzt in den Reisfeldern von Chiang Mai? Langweilst Du Dich auch so sehr ohne die 2 Abenteurer?

Für mich geht es ja jetzt bald wieder los. Mein neuer Besitzer ist auch wieder ein Backpacker. Hat mich samt der kompletten Ausrüstung, die die 2 anschafften, übernommen. Und dem soll ich nun die schönsten Ecken Australien’s zeigen. Kein Problem für mich. Ich kenn mich ja jetzt aus.

…Ich hoffe nur, der Neue malt mein Nummernschild nicht gelb an und hängt einen Wohnwagen an meine Anhängerkupplung! Er ist nämlich Holländer… 😀

Mach es gut, Katze!

Viele Grüße nach Thailand,
Dein Lion King

Kichererbsen, Cowgirls und Beer o´clock – Farmarbeit im Outback 2

Kichererbsen, Cowgirls und Beer o´clock – Farmarbeit im Outback 2

21. – 25. September 2015
„…Mir nichts Dir nichts fliegen die Wochen vorbei. Am Wochenende haben die Männer mit der Ernte der Kichererbsen begonnen. Uli fährt seitdem jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einen der großen Mähdrescher. 12 Meter Dreschbreite. In Deutschland würde man bei dieser Breite direkt das Feld des Nachbarn miternten (habe ich mir sagen lassen 😉 ). Hier reicht ein Feld bis zum Horizont. Eine Runde dauert da locker mal 30 Minuten und nach 3 Reihen ist der Mähdrescher voll. Ich habe diese Woche etwas weniger zu tun. Wasche die Trucks, fahre immer mal wieder jemanden zum Flughafen in Emerald, mähe Rasen und arbeite bei Jocie rund um Haus & Hof. Wenn es nichts für mich zu tun gibt, gehe ich ausreiten, Rad fahren oder schreibe Berichte. Freitags bin ich bei Jenny, wir wollen im Garten arbeiten. Aber bei Nachbar Jobbs – 10 km weiter – ist Bullenauktion. Wir gehen hin und leisten moralische Unterstützung. 40 Stiere werden verkauft. Der Durchscnittspreis liegt bei 6.400 AU$. …“

Normalerweise ist die Ernte auf der Farm die arbeitsreichste Zeit des Jahres, oft werden die Nächte durchgefahren und es sind 4 Trucks zum Abtransport des Getreides im Einsatz. Dieses Jahr konnte aufgrund des fehlenden Regens aber nur ein Drittel der sonst üblichen Fläche angebaut werden. Und die gewachsenen Kichererbsen-Pflanzen sind nur halb so hoch wie sonst. Das Ernten geht deshalb aber nicht schneller, sondern ist eher schwieriger. Damit überhaupt etwas geerntet werden kann, muss das Schneidwerk ganz knapp über dem Boden gehalten werden. Gleichzeitig darf kein Dreck mitkommen, da sonst das Getreide vom Depot abgelehnt wird. Bei 12 Metern Arbeitsbreite und den in regelmäßigen Abständen durch das Feld verlaufenden Wasserabläufen ist in der Fahrerkabine hohe Konzentration gefragt. Nachts zu ernten ist dieses Jahr unmöglich.

Zu Biene’s Geburtstag meint es Petrus gut mit uns und lässt es einen Tag davor regnen. Das heißt, es kann erstmal nicht geerntet werden und wir haben beide einen Tag frei. Nach einem schönen Geburtstagsfrühstück mit Geburtstagspost von zuhause unternehmen wir einen Tagesausflug in den 200 km entfernten Nationalpark Blackdown Tablelands. Hier erwarten uns tolle Aussichten von einem Sandsteinplateau über die weite Ebene, ein kleiner Wasserfall und mehrere schöne Wanderwege. Die Landschaft erinnert uns an die beeindruckenden Blue Mountains. Abends schmeißt Jenny ein großes Geburtstagsessen. Es gibt Geschenke und sogar ein lauthals gesungenes Geburtstagsständchen wird vorgetragen. Es fühlt sich wunderbar an, dass alle so herzlich mit uns feiern. Der Geburtstag hätte auch in der Südsee nicht schöner sein können.

Donnerstag, 7. Oktober 2015
„Heute morgen kamen Jocie’s Freundinnen zur Kleiderparty. Ich dachte, alle kommen im Kleid und wir trinken einfach Kaffee zusammen. Aber es kommt eine Verkäuferin von Verducci-Design, die Kleider verkauft. Wie eine Tupperparty, nur mit Kleidern statt Schüsseln 😀 Die meisten der Gäste kenne ich. Ich probiere spaßeshalber ein Kleid an. Hinterher sagt mir Jocie, dass sie es für mich gekauft hat. Total verrückt!! Außerdem soll ich alle Stunden für heute aufschreiben, obwohl ich doch eigentlich nur Kaffee getrunken & Kuchen gegessen habe. WTF…!? So macht Arbeiten doppelt Spaß!! 😀 Mittags geh ich ausreiten. Wir bekommen unsere australische Steuer für das Finanzjahr 2015 zurück, yeah! Uli fährt wie immer den ganzen Tag Mähdrescher. …“

Natürlich ist nicht jeder Arbeitstag wie dieser und manchmal gibt es auch Jobs, die weniger spaßig sind als bezahltes Kaffee trinken. Dennoch ist es keine Frage, dass wir einen Volltreffer mit unseren Arbeitgebern gelandet haben. Wir fühlen uns von Beginn an als vollwertiger Teil des Teams. Unsere Chefs lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Und auch wenn es mal hektisch zugeht ist die Atmosphäre immer angenehm. Die Ernte ist immer noch in vollem Gange. Und auch sonst gibt es jede Menge zu tun.

Freitag, 16. Oktober 2015
„Gestern Nacht hat es geregnet und gewittert, daher ist es heute zu nass zum Ernten. Darren & Dave nehmen frei. Für uns steht stattdessen Rinderarbeit an, yeah! Die 100 Kälber, die Ross gestern gekauft hat, müssen gebrandmarkt, entwurmt, mit Ohrmarken versehen und in die Koppeln bei 70 Miles getrieben werden. Jenny & Ross fliegen raus, wir fahren mit dem Pferdehänger. Wir lassen jeweils 6 Kälber in den Gang, das vorderste kommt in die Schleuse. Ihm wird vorne der Hals „eingeklemmt“, damit es still hält. Ulis Aufgabe ist es, ihnen die Ohrmarken rein zu klipsen, Ross brennt sie und ich trage die Wurmkur auf. Das Brandeisen scheint die Kälbchen weniger zu stören als die Ohrmarken, da muhen sie manchmal schwer entrüstet.
Arg ist es, wenn die Kälber noch Hörner haben. Eigentlich werden diese bereits früh beim Züchter abgezwickt, manchmal wurde es aber nicht ordentlich gemacht und die Ansätze sind noch da. Die müssen dann rausgeschnitten werden, damit sich die Stiere draußen später nicht gegenseitig verletzen. Eine blutige Angelegenheit, die den jungen Tieren definitiv weh tut. Uli trägt Desinfektionsspray auf die Wunden auf. Die Kälbchen sind danach verängstigt, beruhigen sich aber schnell wieder. Jenny ist es sehr wichtig, dass wir verstehen dass es zum Besten der Kälbchen ist. Es ist bulleheiß! Wir machen Pause, damit sich die Kälber abregen und ausruhen können. Wir sind hier definitiv bei den Guten, aber ob es auf allen Rinderfarmen so tierfreundlich zugeht? Nach dem Lunch satteln Ross und ich die Pferde. Jenny & Uli nehmen das Quad. Wir wollen die Rinder mit den Pferden langsam den Hang runter treiben, aber es ist der Wurm drin! Schon aus den Paddocks raus brechen uns einige durch. Eine Handvoll springt durch den Zaun. Ross ist cranky und stinkig auf sich selbst. Auch auf der Weide rennen sie uns nochmal davon statt zum Wasser zu gehen. Damn! Ross wird morgen nochmal rausfliegen um sicherzugehen, dass alle das Wasser zum Saufen gefunden haben und nicht am Zaun entlang irren. Nachts hören wir die Koalas hinter unserem Cottage grunzen.“

Ja, die Tage mit Rinderarbeit sind großartig. Sie stimmen uns aber auch nachdenklich. Den Rindern hier auf Bendee geht es definitiv gut. Sie bewegen sich frei auf weitläufigen Weiden, sind 365 Tage im Jahr draußen, fressen Gras und gebären natürlich ihre Kälber. Damit haben sie es besser als so manche Milchkuh in deutschen Ställen. Die Stiere verbringen die letzten 100 Tage ihres Lebens im Mastpaddock, wo ihnen ein proteinreicher Getreidemix zugefüttert wird. Das einzige Mal, dass sie verladen werden, ist für den Transport zur Schlachterei. Wir waren dabei, auch hier geht es ruhig zu und die Tiere sind entspannt. Aber wir haben auch gehört, dass es nicht überall so ist. Dass auf anderen Farmen am Tierarzt gespart wird.

Die Ernte neigt sich nun langsam aber sicher dem Ende zu. Wir überlegen uns, wie unsere Reise weitergehen soll. Und schreiben unseren Jeep zum Verkauf aus. Dazwischen ereignen sich viele kleinere und größere Ereignisse wie z.B. eine Schlange vor unserem Cottage, schlüpfende Küken, gelegentliche Schlangen auf der Farm, das Eintreffen eines wunderschönen und um die halbe Welt gereisten Geburtstags-Blumenstraußes, der Besuch einer Ballettvorstellung…

…und dann war da noch dieser ganz normale Sonntagabend im australischen Outback:

Sonntag, 18. Oktober 2015
„… Nach dem Abendessen sitzen wir noch gemütlich am Tisch und quatschen. Ein UTE fährt vor’m Cottage vor. Es ist Ross, der uns um Hilfe bittet. Nachbar Jobbs – mit dem gebrochenen Arm – sind 3 Rinder ausgebüxt, die nun gefährlich nahe bei der Hauptstraße sind. Wir kommen natürlich mit. Es ist schon dunkel, aber wir finden die Rinder im Straßengraben. Ich leuchte mit der großen Power-Taschenlampe im Akkuschrauber-Format. Die Viecher rennen los. Uli schmeißt sich wagemutig auf eins der Kälber, zieht es zu Boden, liegt erst drunter, dann rollt er mit ihm durch das dichte Gebüsch bis er oben drauf liegt. Er hält es fest, bis Ross mit dem Strick kommt. Nach dem gleichen Prinzip werden auch die weiteren 2 Rinder eingefangen. Auf’s 3. Rind stürzen sich Uli und Andrew gleichzeitig drauf, es ein Gewusel aus Beinen, Armen und Stricken 😀 Jenny & ich kriegen uns nicht mehr vor Lachen. Die Kälber werden auf die Ladefläche des UTE’s verfrachtet und zurück in den sicheren Paddock gefahren. …“

Am 1. November sind wir seit genau 555 Tagen auf Reisen! Wahnsinn! Wir feiern mit Fish&Chips und genießen einen gemütlichen Regentag. Inzwischen haben wir tatsächlich gelernt, uns über Regen zu freuen und ihn wertzuschätzen. Gleichzeitig beschließen wir, noch 2 Wochen zu arbeiten und dann weiterzureisen. Wenn wir jetzt nicht gehen, sind wir noch zum Pflanzen des neuen Getreides an Weihnachten hier, das wird uns klar. Die Arbeit auf der Farm geht nie aus! In der folgenden Woche stellen die Männer noch die neuen Rinderpaddocks auf 17 Miles fertig. Damit ist unsere „eigentliche“ Aufgabe erfüllt.

Über das kommende Wochenende fahren wir mal wieder weg. Unser Ziel ist der 240 km entfernt gelegene Carnarvon Nationalpark, der uns von allen Seiten wärmstens ans Herz gelegt wurde. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch genau 2 kleine Dörfer – ansonsten: wildes, weites Land. Vor allem trockenes Land! Schon auf der Fahrt sehen wir die verheerenden Nebenwirkungen der herrschenden Dürre: Buschfeuer lodern am Horizont genauso wie direkt neben der Straße.

Im Carnarvon NP angekommen, sind wir überrascht, wie wenig andere Besucher hier sind. Dann wieder erinnern wir uns daran, dass die Gegend hier nicht gerade auf den typischen Touristenpfaden liegt.

Im Carnarvon erwarten uns an diesem Tag kleinere Wanderwege zu einer mit Felsenmalereien der Aborigines übersäten Höhle, einem Pool und in eine Schlucht. Wir parken unseren Lion King nach der Durchquerung zweier tiefen Flussbette wunderschön mitten zwischen Palmen und schlafen seit langem mal wieder im Auto. Uns wird bewusst, dass das vielleicht unsere letzte Nacht in unserem Lion King ist, wenn wir ihn wie geplant noch in Emerald verkaufen. Ein seltsames Gefühl.

Sonntag, 8. November 2015
Wir sind bereits bei Tagesanbruch um 5 Uhr auf den Beinen. Wir haben uns für heute den langen Wanderweg in die spektakuläre Carnarcon Schlucht vorgenommen. Schauen am Fluss ganz leise nach Platypussen – leider wieder mal erfolglos! Wandern zuerst einen Sidetrack zum Moss Garden, ein schöner schmaler Wasserfall dringt aus den dicht mit Moos bewachsenem Felswänden. Der Wanderweg führt entlang kleiner Nadelbäume, die Landschaft ist total schön – fast ein bisschen wie in der Schweiz. Weiter in beeindruckendes Amphitheater (=natürliche Höhle), in das man nur über eine Leiter gelangt. Toll! Weiter die Schlucht entlang bis zur Art Gallery. Hier Vesper mit Blick auf die Felsenmalerein. Wir entdecken neue Symbole, die wir noch nirgends sahen. Tolle Erklärungen auf den Tafeln. Über 24 mit Steinen gelegte Flussüberquerungen ganz ans Ende der Schlucht. Zur Cathedral Cave, in die kieselige und beeindruckende Wooleba Schlucht, am Big Bend die Füße ins Wasser gestreckt, auf dem Rückweg in die wunderschöne kleine Ward Schlucht, in der ein kleiner Wasserfall idyllisch in ein Bächlein plätschert. Trinkwasser. Wir sehen Coorawongs (=Raben), die Rucksack-Reisverschlüsse aufziehen! Unglaublich! Zum Abschluss noch auf den echt anstrengenden Boolinda Bluff zum Aussichtspunkt hochgekämpft. Sicht über die Weite, viele Waldbrände. Gegen 16 Uhr kamen wir wieder am Parkplatz an. Das macht 30 Kilometer wandern in 9,5 Stunden. Abends sind wir alle zum Dinner bei Jenny & Ross eingeladen. Müde.“

Es sollte tatsächlich unsere letzte Übernachtung in Lion King sein. Nur 5 Tage später verkaufen wir ihn an einen holländischen Backpacker. Gleichzeitig ist unser letzter Arbeitstag. Obwohl wir uns auf die Abenteuer und Länder freuen, die nun vor uns liegen, überwiegt heute der Abschiedsschmerz. Wir sind traurig, dass unser Löwe jetzt woanders brüllt, wir unser Steak heute in der Pfanne statt wie sonst im Grill brutzeln müssen und dass wir uns schon in wenigen Tagen von all den lieb gewonnenen Menschen auf der Farm verabschieden müssen.

Unser Abschiedsfest fand schon tags zuvor statt. Nachmittags ist die gesamte Mannschaft zum nahegelegenen Stausee gefahren, wo Jocie & Andrew eine Wochenendhütte direkt am Wasser besitzen. Zuerst ging es mit dem Boot raus auf den See. Auf 2 dahinter befestigten Schlauchreifen fetzen abwechselnd die großen und die kleinen Kinder 😀 im Affentempo hinterher. Ein Riesenspaß! Anschließend gibt es das Nationalgericht der Australier: BBQ Garnelen! Schüsselweise! Lecker! Wir essen uns alle so satt, dass die Steaks zum Hauptgang ausbleiben und wir direkt zu Nachtisch und Wein übergehen.

Danach reisen wir nicht direkt ab, sondern verbringen noch ein paar arbeitsfreie Tage im Cottage, um uns zu organisieren. Samstags laden uns Jocie & Andrew ein, mit ihnen und den Kids über’s Wochenende nochmal zum See rauszufahren. Wir bekommen endlich die Chance, uns im Wasserski fahren zu probieren. Es klappt sogar ganz gut und ist super spaßig! Abends grillen wir Steaks & Marshmallows und nachdem sich die Kids ins Bett verkrümeln, sitzen wir noch stundenlang bei ein paar Drinks mit Jocie & Andrew zusammen. Später gewittert es. Blitze ziehen sich über den ganzen Nachthimmel und es ist eine dieser besonderen Nächte mit Freunden, die einfach auf derselben Wellenlänge liegen.

An unserem vorletzten Tag schaffen wir es dann auch endlich noch, zu den nur 1 Stunde Autofahrt entfernten Edelsteinfeldern zu fahren (Andrew lieh uns nachdem wir unseren Jeep verkauft hatten eines der Farmautos für unsere restliche Zeit). Für diese ist die Gegend rund um Emerald eigentlich bekannt. Hier werden weltweit die meisten Saphire abgebaut. Schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird rund um Rubyvale und Saphire nach den wertvollen Steinen gegraben. Zuerst mit Hacke und Sieb, heute mit schwererem Gerät. Dementsprechend sieht die Landschaft inzwischen aus – hier liegt kein Stein mehr auf dem anderen und die hügeligen Felder sehen aus wie eine umgegrabene Mondlandschaft. Zurück im Cottage laden wir Jenny & Ross zum Abendessen ein. Als Dankeschön. Für einfach mal alles. Es gibt schwäbischen Kartoffelsalat, Uli’s leckeremGurkensalat und Steak mit Bratensauce.

Mittwoch, 18. November 2015
„Morgens unternehme ich als 1. einen letzten Ritt mit Mr. Jingles. Bringe Darren & Dave zur Smoko meine selbstgebackenen Blaubeer-Muffins. Wir suchen nach Flügen und putzen das Cottage. Gegen Spätnachmittag fahren wir zum „Auf Wiedersehen“-sagen nach Bendee. Wir bringen den Kids und den Cowboys Eis mit und trinken mit Jocie & Andrew Kaffee auf der Terrasse. Andrew freut sich, dass es uns bei ihnen gefallen hat und bedankt sich mehrmals dafür, dass wir großartige Arbeit in langen Arbeitswochen geleistet haben. Elsie will mich nicht gehen lassen und fragt, wie lange ich in den Urlaub gehe. Wir verabschieden uns lange und gehen dann nochmal zu Darren & Dave in den Shed. Ich bringe meinen Sattel zu Ross zurück. Wir trinken ein letztes Beer o‘ clock Bier mit Jenny & Ross. auf Kollarena Dann packen wir unsere Rucksäcke. Uli bringt später den Biomüll raus und entdeckt im Hühnerstall eine riesige Schlange! Ich hole Ross, der holt das Gewehr. Die Teppichpython stahl heute das letzte Küken! Letzter Abend. Aufbruchstimmung..“

Nach einem letzten Blick auf unser Zuhause der letzten Monate bringt uns Jenny früh am nächsten Morgen nach Emerald. Hier steigen wir in den Fernbus nach Rockhampton. Und damit sind wir wieder unterwegs. Weiter gereist von Bendee, wo wir viel länger blieben als geplant. Weil es schön war. Wir haben Arbeit gesucht und Freunde gefunden. Auf Bendee fanden wir für eine – wenn auch relativ kurze Zeit – tatsächlich eine Art home away from home. Es fällt uns nicht leicht zu gehen. Aber es ist Zeit. Die Welt wartet wieder auf uns.

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Ende Juli sind wir in Darwin. Zu diesem Zeitpunkt reisen wir schon viel länger über den roten Kontinent als ursprünglich geplant. Grob 2 Monate hatten wir vorab für Australien veranschlagt. Tja, knapp verrechnet – auch nach 7 Monaten haben wir immer noch nicht alles gesehen, was dieses riesige Land zu bieten hat. Und ganz los lässt es uns auch noch nicht, trotz zwischendurch bei Uli auftretendem Australien-Koller 😉 Unser Reisekonto wollen wir mit dem relativ teuren Land aber nicht allzu sehr strapazieren – also beschließen wir zu diesem Zeitpunkt, noch einmal für einige Wochen zu arbeiten. Wir bewerben uns auf eine Annonce in der für 4-6 Wochen nach einem geselligen, hart arbeitenden und erfahrenem Paar für eine betriebsame Familienfarm gesucht wird. Maschineninstandhaltung und -bedienung, das Bauen neuer Rinderpaddocks, etwas Haus- und Gartenarbeit. Nichts, was uns abschreckt. 2 Tage später haben wir die Jobs. Nicht zuletzt dank Uli’s Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und der sehr guten Referenz von unserem letzten Arbeitgeber Mat, der uns wohl wärmstens weiter empfahl.

Am 10. August sollten wir starten. Nach nur 2 Telefonaten mit dem Farmer, Andrew, wussten wir vor unserer Ankunft nicht sehr viel über die Farm Bendee. Außer dass unsere erste Aufgabe sein sollte, alte Rinderpaddocks abzureißen und neue aufzurichten. Und da wir eigentlich alles schonmal – sozusagen erlebnisfrisch – aufgeschrieben haben, gewähren wir Euch heute Einblick in Auszüge aus Biene’s Tagebuch aus diesen spannenden Wochen auf Bendee (das Tagebuch von Uli ist zwischenzeitlich bereits voll beschrieben wieder in Deutschland und daher nicht als Nachschlagewerk zur Hand):

Sonntag, 9. August 2015
„…Gegen Mittag erreichen wir Emerald. Vorräte eingekauft & die 20 km nach Gindie weitergefahren. Gindie: 1 Schule, Tennisplatz, 5 Häuser. Von der Hauptstraße ab und genau 20 km weiter nach „Kollarena“ eingebogen, die Farm von Andrews Eltern Jenny & Ross. Hier werden wir wohnen. Kostenlos. Die beiden begrüßen uns herzlich und zeigen uns unser Cottage. Was von außen auf den 1. Blick nach Container aussieht, stellt sich als voll eingerichteter Bungalow mit Wohnzimmer, 2 Schlafzimmern, Küchenzeile, Bad, Waschmaschine und Sitzgelegenheit draußen raus. Yeah! Wir ziehen ein. Andrew kommt gegen Abend vorbei, macht sehr sympathischen Eindruck. In den Bäumen ums Cottage leben wilde Koalas. Wie geil ist das denn? Schlafen zum 1. Mal seit unserem Besuch bei Elisa & Gunter in Adelaide im Mai wieder in einem Bett.“

Wie ihr lesen könnt, war unser erster Eindruck also ein sehr guter. Trotzdem konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass es uns letztendlich so gut gefallen würde, dass wir kurzerhand unsere schon gehegten Pläne für die Weiterreise einige Wochen später nochmal über den Haufen werfen sollten. Aber dafür kommt uns schon an unserem ersten Arbeitstag tags darauf der Gedanke, dass die Beschreibung busy family farm in der Annonce vielleicht ein bisschen untertrieben war 😀 Oder zumindest die australischen Dimensionen mit unseren Erwartungen mal wieder in keinem Verhältnis stehen:

Montag, 10. August 2015
„Um 5.50 Uhr aufgestanden, leckeren Kaffee aus der Maschine getrunken. Kurz vor 7 mit Ross zu Andrews Farm Bendee gefahren. Dort Darren & Dave, die 2 Vollzeitarbeiter, kennen gelernt. 2 richtige Cowboys :-). Die große Werkstatt ist aufgeräumt & alles hat seinen Platz! Alles ist riesig. Im Shed stehen 3 riesige Mähdrescher, 2 große LKWs, einige John Deere Traktoren etc. Die Farm ist auch riesig – 2.000 Rinder und 19.000 Hektar Grund! Davon 8.000 Hektar Anbaufläche. Hauptsächlich für Kichererbsen, die nach Indien, Bangladesch und Indonesien exportiert werden + je nach Wetter Weizen und/oder Baumwolle. Alles macht super 1. Eindruck, glaube wir haben einen Volltreffer gelandet. …Ich putze den ganzen Vormittag das Büro von Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm, wo bisher ein Junggeselle drin wohnte. Yak! Das fängt ja gut an… Um 10.30 gibt es gemeinsame Vesperpause – „Smoko“ heißt sie bei den Boys, „Morning Tea“ bei den Girls 🙂 Andrew’s Ehefrau Jocie ist ebenfalls sehr sympathisch. 3 Kids: Jessica, 8, Hugh, 6 und Elsie, 4. Mittagspause ebenfalls gemeinsam im Garten. Mittags noch Stroh auf den Gartenbeeten auslegen. Feierabend um 17.30 Uhr und Feierabendbier im Shed. Jocie zeigt mir die Pferde. Yeah! Bin kaputt. Arbeit ist anstrengend 🙂 Uli kocht leckere Pasta und anschließend fallen wir – gegen 20 Uhr! – ins Bett…“

Dienstag, 11. August 2015
„Morgens Stroh in den Gartenbeeten verteilen. Die jüngste Tochter Elsie leistet mir Gesellschaft. Nach der Smoko mit Darren im LKW zum 1 1/2 Stunden Fahrt entfernten Farmgelände „17 Miles“ gefahren. Gehört ebenfalls zu Bendee. Hier steht ein unbewohntes altes Haus, weitere Rinder und die Rentnerpferde der Farm. Das alte Holzhaus ist über 100 Jahre alt und sieht aus, als könne es spannende Geschichten aus einer anderen Zeit erzählen. Es ist wunderschön – oder war es einmal. Jetzt ist es von Termiten zerfressen. Früher wurde hier während dem Mustering immer 1 Woche lang gecampt. Heute werden die Rinder mit Helikoptern in 2 Tagen zusammen getrieben. Australien! Haus sieht aus wie die Sau – viele alte Möbel, Mausdreck, Staubschicht. Großer Clean-up! Alles raus! Für all den Müll wird ein großes Erdloch gebuddelt – wie ich das hasse! Umweltschutz, irgendwer?! Dann nehmen wir den Dampfstrahler, machen draußen sauber. … Abends FLIEGEN wir in Ross‘ Flugzeug zurück!! Mit dem Flieger dauert der Weg nur 15 Minuten. Andrew macht einen ausgiebigen Rundflug mit uns, fliegt über das Farmgelände, den Damm, den Stausee, über Bendee, Kollarena und Shalomar – die Farm auf der Darren wohnt und die ebenfalls zu Bendee gehört. Wie geil ist das denn!…“

Ja, wir waren schwer begeistert. Wer kann schon sagen, dass er den Weg zum/vom Arbeitsplatz mit dem Flugzeug zurücklegt? 😉 Für Uli sollte es im Laufe der kommenden Wochen schon fast normal werden, morgens die wenigen Schritte zum Flugzeughangar zu gehen und auch abends wieder in den Flieger zu steigen. Aber erstmal geht es so weiter:

Mittwoch, 12. August 2015
„Wir richten alles, was wir zum campen brauchen. Den Rest der Woche wird auf 70 Miles gecampt. Um 7 Uhr gehts los. Ich fahr bei Darren mit, Uli bei Dave und Andrew & Ross fliegen. Die Männer kümmern sich um Strom und fließend Wasser, ich blase das Haus aus und mähe drumrum. Sollte eine Schlange aufkreuzen,liegt das Gewehr griffbereit in Andrew’s UTE. Der übrigens nicht weiss ist. Das Haus ist tatsächlich sauber genug, dass wir uns vorstellen können, darin zu schlafen. Das hätte ich tags zuvor noch nicht gedacht! Wir richten uns mit Matratze, Moskitonetz und Schlafsäcken in einem der Zimmer ein, Dave im anderen, Darren schläft in seinem Camping-Anhänger draußen. Nachmittags geht’s ans Abreißen der alten Rinderpaddocks. Ich schneide mit Darren Draht. …Andrew & Ross fliegen nach Hause. Wahnsinnig schöner Sonnenuntergang, zu dem wir 2 mit dem Quad zum Fluss fahren. Wir trinken ein Feierabendbier, essen Chips und kochen Abendessen. Die Verpflegung hier draußen wird komplett gestellt. Cool! Die Dusche ist nur lauwarm. Wir sitzen den ganzen Abend mit Darren & Dave in der Küche zusammen, da haben wir echt nette Kollegen erwischt.“

Das hatten wir wirklich. Über die nächsten Wochen sollten uns die beiden zu guten Kameraden werden, mit denen wir scherzen konnten, nach Feierabend öfters noch zusammen saßen und auch am Wochenende mal was unternahmen.

Donnerstag, 13. August 2015
„Der Himmel ist glutrot als ich die Augen aufschlage. Atemberaubender Sonnenaufgang vor unserer offenen Glastüre. Der Horizont scheint hier kein Ende zu haben, so weit erscheint er. Man sieht kilometerweit, nur Steppe und Himmel. Genauso hat es hier wahrscheinlich schon vor 100 Jahren ausgesehen. Und so fühlt es sich auch an. Hier draußen, im Outback. Back & Beyond. Zum Frühstück isst Uli Reste vom Abendessen. Darren & Dave scherzen, dass er isst wie ein Scheunendrescher. Und darüber, dass wir Kuchen schon zum Frühstück essen. Sie essen WeetBix. Was Süßes gibts in Australien erst zur Smoko. Da essen wir ein herzhaftes Vesper. Andere Länder, andere Ess-Kultur. …“

Da reisen wir nun also schon monatelang durch Australien. Die Kultur scheint auf den ersten Blick so ähnlich zu unserer eigenen zu sein.  Westlich eben. Und erst jetzt beim Farmleben entdecken wir doch immer mehr kleine, aber feine Unterschiede. Wie das Kuchen-Thema. Und noch 100 andere Aspekte.

Freitag, 14. August 2015
„Beim Aufstehen ist es eisig kalt. Beim Arbeiten wird es schnell wieder warm! Die Paddocks sind jetzt schon komplett abgerissen. Ross kommt angeflogen. Uli zieht mit dem Radlader die alten Holzpfosten raus, ich mach Stacheldrahtzaun weg. Mittags schleifen wir Rost von den ersten Gattern ab. Ich find´s cool. Irgendwann kommt mir das Kabel von der Schleifmaschine zwischenrein. Huch 🙂 Warum sind auch alle Maschinen auf Rechtshänder ausgelegt…Tzz! Darren ersetzt das Kabel. Sehr hilfsbereit, der Kollege.! Wir streichen die ersten Gatter. Um 16.30 Uhr ist Feierabend, bzw. noch 1 1/2 Stunden bezahlte Heimfahrt. Jenny & Ross laden uns auf einen Drink auf ihre schöne hölzerne Veranda ein. Ist total nett. Andrew bedankt sich per sms für die großartige Arbeit, die wir diese Woche geleistet haben. Heiße und ausgiebige Dusche. Chips. Glas Wein. Wir sitzen draußen und verquatschen den ganzen Abend. Heute hat Linus Geburtstag. Schon sein 2. Geburtstag, an dem wir auf Reisen sind! …“

So sah also unsere erste Arbeitswoche aus. Wir hätten es schlechter treffen können, meint ihr nicht auch? Nach einem freien Samstag und einem halben Arbeitstag am Sonntag geht es montags für eine weitere Woche wieder raus nach 17 Miles. Zusammen gefasst schleifen wir die erste Hälfte der Woche Gatter ab und messen die neuen Paddocks aus, dann streicht Biene die ersten Gatter mit Unterlack und Farbe neu an, während die Männer mit dem Bulldozer Schotter für den Boden abgraben, mit dem LKW herankarren und mit der Planierraupe ebnen. Die Arbeitstage sind lang, hart und heiß – aber es macht uns Spaß. Es fühlt sich gut an, mal wieder was zu schaffen. Jeden Tag sehen wir atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge. Auch diese Woche wird die Verpflegung wieder gestellt, inklusive Feierabendbieren und Chips 🙂 Donnerstags laden Ross & Andrew alle zum Abendessen im Pub der nächsten Ortschaft ein. Und freitags sagt uns Andrew, dass er so zufrieden mit uns ist, dass wir eine Gehaltserhöhung bekommen. Am Ende der Arbeitswoche zählt Biene 22 blaue Flecken und unsrer beiden Füße sind müde.

Freitag, 21. August 2015
„…Beim Streichen der Gatter erzählt Ross, wie er Bendee aufgebaut hat. Als Jungspund versuchte er beim ersten Schürferrausch in den nahen Saphirminen sein Glück. Eine wilde Zeit. Er und Jenny wohnten anfangs im Wohnwagen auf den Gemfields. Er gehörte zu den Glücklichen. Mit dem Startkapital kaufte er Bendee. Die überlassenen Maschinen konnte er erst nach der 1. Ernte bezahlen, so knapp war das Geld. Im Laufe der Jahre wuchs die Farm, er konnte 4 andere Farmen dazu kaufen. Ein Self-made-Rinder-Millionär. Der australische Traum 🙂 …“

Für Uli geht es auch in der kommenden Woche nochmal zum Arbeiten und Campen nach 17 Miles. Dort werden in der prallen Sommerhitze Gatter gestrichen, neue Gatter aufgestellt und wie bei einem 3D-Puzzle in verschiedenen Variationen aneinander gereiht. Währenddessen heißt es für Biene auf Bendee arbeiten. In einer Woche wird für 3 Tage ein Filmteam der ABC erwartet, dass eine Dokumentation über Jocie & Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm dreht. Und dafür soll natürlich alles blitzeblank sein und der Garten für die Grillparty hergerichtet werden.
Über SwarmFarm haben wir ja schon hier mehr erzählt. Zu Beginn der Woche ereignet sich noch ein anderes Großereignis:

Dienstag, 25. August 2015
„…Auf der Heimfahrt fahre ich in einen herrlichen Sonnenuntergang mit dicken, schwarzen Gewitterwolken. Blitze zucken durch die Wolken, sieht toll aus. Kurz darauf bricht das Unwetter los – der Himmel wird schwarz, es stürmt dass sich die Eukalyptusbäume biegen, alle 3 Sekunden erhellen über den ganzen Himmel laufende Blitze den Himmel. Dann beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Ich stehe unter der Veranda und bestaune das Spektakel. Jenny kommt rübergefahren, um nachzuschauen ob ich Angst vor Gewittern habe. Süß. Wir trinken ein Glas Wein zusammen und rufen die Männer auf 70 Miles an. Als es etwas nachlässt, fahren wir zum Wassermesser. Auf Red Hill hat’s 18 mm geregnet, auf Kollarena 27 mm. Große Aufregung.“

Dazu müssen wir sagen, dass schon seit 4 Jahren in der größeren Region eine schwere Dürre herrscht. So trocken ist das Land inzwischen, dass auf Bendee zum ersten Mal seit 30 Jahren kein Weizen gepflanzt werden konnte. Regen ist hier ein besonderes Ereignis – und eines, über das sich alle freuen! Von der typisch deutschen Reaktion: „ach nö, heute regnet’s“ ist keine Spur. Sagt die Wettervorhersage Regen voraus, strahlen alle wie die Honigkuchenpferde und telefonieren ganz aufgeregt mit den Nachbarn.

Ein weiteres persönliches Großereignis hat Biene in der folgenden Woche. Ein lang gehegter Mädchentraum geht in Erfüllung:

Dienstag, 1. September 2015
„…Ross, Darren und ich gehen Rinder mustern (=zusammen treiben). Auf den Pferden! Ich bin jetzt offiziell ein australisches COWGIRL! Darren & Ross nehmen 2 der Arbeitspferde, ich reite Mr. Jingles, mit dem ich schon einige Male ausgeritten bin. Wir reiten über die weitläufigen Koppeln zu den oberen Weiden, dort galoppieren Ross und ich von hinten um die Herde und Darren reitet voraus. Immer wieder bricht eins der Rinder aus und ich darf es dann im gestreckten Galopp zurücktreiben. So geil! Wir treiben die Rinder in die Paddocks beim Hof. Morgen kommt der Tierarzt. Die Pferde sind top trainiert, reagieren blitzschnell und sind sehr aufmerksam dabei. Wir treiben 3 Herden rein. Mittags kommt Uli zusätzlich auf dem Quad mit. Wir wechseln die Pferde. Ich darf Playboy reiten, eins von Ross‘ Pferden. Darren sagt, ich muss den Boss beeindruckt haben, nicht mal er saß bisher auf Ross‘ Pferden. Playboy reagiert schon bevor ich ihm die Hilfen gebe. 8 Stunden bezahltes Reiten!! Arbeiten kann herrlich sein 🙂 …“

Ja, dieser und die weiteren Mustering-Tage über die nächsten Wochen sind unangefochten Biene’s Lieblings-Arbeitstage! Über die weite australische Prärie zu reiten, die Zügel in einer Hand, den Cowboyhut auf dem Kopf und hin und wieder ein tiefes, beruhigendes „slowly“ an die voraus trottenden Rinder zu geben – hach…! Dazwischen greift sie Jocie bei allem was im und ums Farmhaus so anfällt unter die Arme und natürlich gibt es auch die typischen Hausarbeiten zu erledigen: Wäsche waschen, bügeln, Fenster putzen, Kuchen backen, Rasen mähen, Bäume zurückschneiden, etc. Auch die Kinder wollen beschäftigt, bekocht und zum Schulbus gefahren werden, der am Anfang der 5 km langen Hofauffahrt hält.

Währenddessen gibt es für Uli ebenfalls jede Menge zu tun: zu seinen täglichen Aufgaben gehört das Mischen des Futters für die 100 Bullen in den Mastpaddocks und das Kontrollieren der Wassertränken. Außerdem müssen Erntemaschinen einsatzbereit gemacht und vorbereitet werden, verschiedene Maschinen benötigen Instandhaltung und einen Wasserrohrbruch gibt es auch zu reparieren. Auch bei der Hydraulik der Roboter-Prototypen ist Uli’s fachmännischer Rat gefragt. Dazwischen geht es für ihn immer wieder tageweise nach 17 Miles zu den halbfertigen neuen Rinderpaddocks…Ihr seht, die traditionelle Rollenverteilung wird im australischen Outback noch gelebt! 😉

An den meisten Wochenenden arbeiten wir und genießen die räumliche Gemütlichkeit in unserem Cottage. Nachts hören wir die Koalas grunzen und in der Früh‘ weckt uns das Lachen der Kookaburras. Der weite Horizont rückt vieles in eine größere Perspektive. Das Leben hier draußen ist noch friedlich. Es tut uns gut, mal wieder eine Zeit lang an einem Ort zu sein, eine Routine zu haben und die vielen Australien-Eindrücke sacken zu lassen.

Sonntag, 13. September 2015:
„Wir schlafen aus und frühstücken draußen. Anschließend Wocheneinkauf in Emerald. Mittags geh ich ausreiten und Uli schweißt was am Auto. Jenny & Ross kommen zur Beer o‘ clock rüber. Wir erzählen von zuhause, vom Leben in Deutschland. Sie erzählen, dass sie hier draußen nicht einmal Hausschlüssel für ihre Häuser besitzen. Wozu auch? Wie herrlich! Wir grillen gemütlich. …“

An unseren freien Tagen unternahmen wir Ausflüge in die weitere Umgebung. Wir setzen (vollkommen underdressed :-D) beim jährlichen Pferderennen im nahen Örtchen Springsure auf’s richtige Pferd, blicken in einem alten Fort in die Siedlungs-Vergangenheit des Landes, genießen die Aussicht von den Springsure Mountains, besuchen das jährlich statt findende Internationale Festival in Emerald (wo wir auf uns vollkommen unbekannte deutsche Biermarken stoßen :-D) und erkunden, was die kleinen Orte sonst noch so zu bieten haben.

Die Wochen fliegen nur so vorbei. Ehe wir es uns versehen, ist es Mitte September. Eigentlich planten wir, Biene’s Geburtstag bereits auf einer Insel in der Südsee zu feiern. Aber hier startet nun jeden Tag die Ernte und Andrew hätte uns nur zu gerne noch etwas länger als Verstärkung. Wir beschließen recht schnell, noch zur Ernte auf der Farm zu bleiben.

Die Südsee wird warten – die Kichererbsen nicht…

Roadtrip an der Upper Eastcoast – Cairns bis Emerald

Roadtrip an der Upper Eastcoast – Cairns bis Emerald

Für die 1.100 km Strecke von Cairns bis nach Emerald auf der Höhe von Rockhampton haben wir nur 4 Tage Zeit. Wir müssen uns daher etwas beeilen. Vieles gäbe es hier in Upper Queensland zu sehen. Einiges davon, wie die Whitsunday Islands, lassen wir dieses Mal aus. Es muss ja auch immer einen Grund geben, nochmal herzukommen…

Obwohl Brisbane die Hauptstadt von Queensland ist, ist Cairns die Stadt die den Beinamen Touristenhauptstadt des Nordens trägt. Der Grund ist natürlich das Great Barrier Riff, das hier leicht zugänglich nur 100 km vor der Küste liegt. Da wir schon tags zuvor von Port Douglas aus zum Riff gefahren sind, statten wir Cairns nur einen kurzen Besuch ab. Die Stadt mit Kolonialflair ist tropisch grün, im schönen Stadt-Park an der Promenade gibt es freies Wifi und weil Cairns keine Badestrände hat, kühlen wir uns in der künstlich angelegten Lagune ab. Sogar kostenlos. Auch das gibt´s im teuren Australien 😉 Nach der langen Reise von West nach Ost durch den dünn besiedelten Norden müssen wir auch mal wieder Teile unserer Ausrüstung ersetzen. Als erstes braucht Uli ein neues Paar neue FlipFlops. Die alten gingen wirklich nicht mehr:

Durchgelatscht!

Im Anschluss fahren wir wieder raus ins Grüne. Neben dem Tourismus ist die wichtigste Industrie der Region der Anbau von Zuckerrohr. Das ist gerade reif und so können wir zusehen, wie die mannshohen Stämme geerntet, gehäckselt und im Anschluss auf Schienen in die Mühlen transportiert werden. Die Spezialzüge sehen aus wie Spielzeugeisenbahnen und wenn sie voll beladen mit Zuckerrohr durch die saftig grüne Landschaft zu den Mühlen mit den weiss rauchenden Schornsteinen dampfen, kommen wir uns vor wie in einer idyllischen Szene aus dem Bilderbuch.

Unseren morgendlichen Strandspaziergang machen wir tags darauf am Mission Beach. Der 14 km lange Sandstrand ist von Palmen gesäumt und sieht aus wie die Vorlage aller Postkartenstrände! 🙂 Über einen Abstecher in der ebenfalls schönen Bingil Bay und einem Blick auf Hinchinbrook Island erreichen wir gegen Mittag Townsville. Wie in Cairns gibt es auch hier eine kostenlose Lagune, Wifi und sogar gratis heiße Duschen 🙂 An unserem Übernachtungsplatz haben wir an diesem Abend neben perfekter Rundumsicht auch noch vollen Empfang – wir schlafen auf einem Lookout direkt neben einem Mobilfunkturm. Nach den Wochen ohne Empfang im Nordwesten ein ungewohnter Luxus 🙂 So lässt es sich am nächsten Morgen gemütlich mit unseren süßenWallaby-Nachbarn Kaffee trinken, bevor es wieder auf die Straße geht.

Unser nächster Halt ist Bowen. Der kleine Ort mit 8 Stränden ist ein echter Geheimtipp für Schnorchler! Gerade einmal ein paar Schwimmzüge vom Ufer warten hier bunte Korallenriffe nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Wir entscheiden uns für die Hufeisenbucht und bewundern schnorchelnd intakte Korallen und bunte Fische, bis uns vom kalten Wasser die Lippen blau werden. (ja, es ist August – hier der „kälteste“ Monat des australischen Winters).

Bei Mackay kehren wir der Küste den Rücken und biegen nach Westen ab. Nun geht es durch relativ unspektakuläres Farmland weiter. Spannend wird es nochmal am Sonntag morgen: Zufällig findet an diesem Wochenende in Middlemount die große jährliche Pferdeshow statt – da müssen wir natürlich einen Zwischenstopp einlegen und zuschauen!

Noch einmal 200 Kilometer weiter südwestlich erreichen wir schließlich Gindie. 5 Häuser, 1 Schule, 3 große Silos und ein Tennisplatz – das ist der ganze Ort. Hier sollen wir die nächsten Wochen -nein, Monate- verbringen…

Tauchen am Great Barrier Reef – ein Traum wird wahr.

Tauchen am Great Barrier Reef – ein Traum wird wahr.

Wir wachen bereits auf, bevor unser Wecker klingelt. Es ist noch dunkel an unserem Schlafplatz neben dem kleinen Bächlein, das durch den moosbewachsenen Wald in der Nähe von Port Douglas plätschert. Wie die meisten Touristen zieht auch uns eigentlich nur ein Grund in den kleinen Ferienort an der Ostküste: Das Great Barrier Reef (GBR)! Das größte zusammenhängende Riffsystem der Welt erstreckt sich über 2.700 km von Bundaberg bis hoch zur Spitze Cape York´s entlang der Ostküste Australien´s. Aufgrund seiner einzigartigen und vielfältigen marinen Pflanzen- und Tierwelt wurde es neben dem Titel als UNESCO Welterbe auch zu einem der 7 natürlichen Weltwundern erklärt. Jeder, der schon einmal Unterwasser-Bilder von hier gesehen hat, weiß wie besonders es hier unten aussieht: verschieden farbene Korallen, riesige Meeresfarne, Riffhaie, allerlei kurios geformte Fischarten und natürlich farbenprächtige Rifffische wie Nemo den Clownfisch lassen einen in eine andere Welt eintauchen.

Tolle Korallenfelder
Solche Bilder waren es auch, die schon vor vielen Jahren in uns den Wunsch weckten, das Great Barrier einmal mit eigenen Augen zu sehen. Vor allem um hier tauchen zu können, hat Biene letztes Jahr auf Pulau Weh ihr OWD-Tauchzertifikat abgelegt. Ein lang gehegter Traum sollte sich also heute für uns erfüllen.

Einer, für den wir ein tolles Geschenk eingelöst haben. Bootstouren zum Great Barrier Reef sind nämlich leider alles andere als günstig! Und von Port Douglas aus sind die Touren generell noch etwas teurer als von Cairns, wo der große Wettbewerb die Preise drückt. Dafür soll das Riff im nördlichen Bereich in besserem Zustand sein und die Natur durch hohe Umweltauflagen besser geschützt werden. Das ist uns einen Aufschlag wert. Also haben wir für unseren Trip zum Great Barrier Reef das super-duper-fette Ostergeschenk ausgepackt, das uns der Osterhase von Biene´s Verwandtschaft extra nach Australien gehoppelt hat!

Ostergrüße
DANKE, IHR LIEBEN!!!

Vorfreudig springen wir also an diesem Morgen aus dem Auto, klappen unseren Tisch zusammen, packen Handtücher, Sonnencreme, Kamera und Biene´s Tauchlizenz in unsere Drybag und fahren nach Port Douglas zur Marina. Wir spüren ein Kribbeln im Bauch. Biene googelt zur Auffrischung schnell nochmal die wichtigsten Tauchregeln…

Wir haben uns für unsere Bootstour für die Poseidon entschieden. Bei der Auswahl des Unternehmens und des Schiffes waren uns wichtig:

  • Wieviele Personen gehen auf das Boot?
  • Was wird angefahren? Inneres Riff, äußeres Riff oder eine Unterwasserstation?
  • Wieviele verschiedene Schnorchel-/Tauchplätze werden besucht?
  • Wieviel Zeit verbringen wir tatsächlich im Wasser?
  • Was ist im Preis inbegriffen? (Viele Anbieter erheben einen zusätzlichen „Treibstoffaufschlag“ oder berechnen die Riff-Schutzgebühr extra.)
  • Sind Getränke/Mahlzeiten an Bord inklusive?
    Wichtig für Taucher:
  • Welche Ausrüstung und wieviele Tauchgänge sind im Preis inbegriffen? Wieviele Taucher kommen auf einen Tauchleiter?
    Greift eine Tauchversicherung? (sollte die eigene AKV Tauchunfälle ausschließen)

Bei unserer Recherche im Vorfeld fanden wir recht schnell heraus, dass es von Port Douglas aus zwar unterschiedliche Boote gibt, die aber (außer einem Segelschiff) alle zur selben Unternehmensgruppe gehören und ähnliche Preise haben. Wir haben uns daher für das kleinste Schiff der Flotte (max. Personenzahl: 40) entschieden, das die Ribbon Reefs (=das äußere Riff, hier ist die Sichtweite besser und das marine Gewusel spannender) anfährt.

Nachdem es die letzten Tage schönstes Wetter war und der Wetterbericht auch für die kommenden Tage wieder Sonnenschein ankündigt, ist es heute leider ziemlich bewölkt und windig… Dementsprechend hoch ist auch der Wellengang. Leider keine idealen Schnorchel- und Tauchbedingungen. Bei gutem Wetter herrscht eine Sichtweite von bis zu 60 Metern durch den kristallklaren Ozean und das Leben unter Wasser bietet ein farbenfrohes Arrangement wunderschöner Farben.
Um 8 Uhr geht das Boarding los. Kurz danach werden die Leinen der Poseidon losgemacht und der windschnittige Katamaran legt ab. Die Fahrt zum Agincourt Reef, das zum äußeren Riff gehört, dauert eineinhalb Stunden. Der Captain begrüßt alle Passagiere an Bord, es wird Kaffee, Tee und Sandwiches zum Frühstück gereicht. Für die Taucher beginnt direkt die Einweisung, das Ausfüllen der Gesundheitsbögen und das Briefing zum ersten Tauchspot. Dann wird die Ausrüstung zugeteilt und angepasst und nochmal alles kontrolliert. Die Schnorchler sitzen währenddessen separat im Innern des Bootes oder oben auf dem Deck bei der hier stattfindenden Präsentation zum Great Barrier Reef. Deshalb sind sie auch die Ersten, die den auftauchenden Buckelwal mit Kalb neben dem Boot entdecken. Heute hat Mama Wal leider keine Lust zu spielen und schwimmt nach wenigen Minuten und einige Male Schwanzflossen klatschen mit ihrem Kalb davon.

Und dann sind wir auch schon am ersten Tauch-/Schnorchelplatz: die 3 Schwestern heißen die prominent vom Meeresgrund aufragenden Felsentürme, die dicht mit mehrfarbigen Korallen bewachsen sind. Der Ozean hat hier nur eine ungefähre Tiefe von 15 Metern. So kann Uli trotz wolkenverhangenem Himmel und Wellengang auch beim schnorcheln gut die wunderschönen bunten Korallen am Meeresgrund und die unzähligen Schwärme von Papageien-, Süßlippen- und Triggerfischen, Moorish Idols und all die anderen farbenprächtigen Rifffische sehen. Beim Tauchen macht Biene eine besondere Entdeckung – nachdem wir in Whyalla den Riesenkraken bei ihrem Paarungsschauspiel zuschauen durften, sieht sie hier in versteckten Felsenlöchern ihre abgelegten Eier.

Quietschgelber Trompetenfisch

Nach 45 Minuten im Wasser geht es direkt weiter. Es ist gerade genug Zeit um uns kurz begeistert darüber auszutauschen, was wir alles entdeckt haben, dann sind wir schon am 2. Spot: The Point, ein Tauchspot am Agincourt Riff. Auch hier sehen wir trotz durchschnittlicher Sichtweise von nur ca. 10 Metern viele tolle Rifffische, Trompetenfische, farbenfrohe Korallen und eine ganze Großfamilie an Clownfischen. Sogar die Jäger der Ozeane zeigen sich: 2 Riffhaie schwimmen elegant in nur wenigen Metern Abstand zu uns über den Meeresboden. Beim Schnorcheln wird Uli deutlich, dass wir uns hier anders als in Asien (wo wir meist unser eigenes Boot hatten) auf einer Standard-Tour befinden und viele der Teilnehmer das erste Mal im freien Ozean schwimmen: obwohl er nicht am geführten Schnorchelgang teilnimmt, wird er energisch zurückgepfiffen, als er sich beim schnorcheln etwas weiter von der großen Gruppe mit Schwimmhilfen entfernt… Sicherheit geht vor 😀

Im Anschluss an diese 45 Minuten gibt es Mittagessen. Hungrig machen wir uns über das Buffet mit Shrimps und tropischen Salaten her. Und dann geht es auch schon wieder zurück ins Wasser: ein großer Unterwasserfels namens The Castle ist unser dritter und letzter Spot des Tages (die angefahrenen Plätze variieren von Tour zu Tour und werden erst am Morgen entsprechend dem Wetter und der Tide vom Kapitän ausgesucht). Hier erleben wir ein Highlight des Tages: beide sehen wir einen über 2.50 Meter großen Matabar Grouper! Um Biene schwimmt dieser Riesenfisch neugierig ganz nah herum, als die Taucher am Meeresboden ankommen. Wooow! Daneben zeigen sich beim Tauchen Riesenmuscheln, ein Tintenfisch, wieder viele Fische (Neeeemos) und verschiedene Mikrolebewesen. Die Korallen hier sind leider aber doch auch in Mitleidenschaft gezogen und viele liegen abgebrochen auf dem sandigen Grund. Ein trauriger Anblick.

Zurück auf dem Schiff schälen wir uns aus unseren Anzügen. Obwohl die Quallen-Saison (Oktober-März) noch nicht begonnen hat, trägt Uli wie von den Besatzungsmitgliedern des Schiffes empfohlen, auch zum Schnorcheln einen leichten Lycra-Anzug. Besonders vor und nach Vollmond treten hier ganzjährig häufig Quallen auf. Und lieber aussehen wie ein Ganzkörperkondom als einen schmerzhaften Stich riskieren 😉 Jetzt wird Nachmittagskaffee gereicht. Die Taucher müssen sich beeilen, um nach dem Verstauen ihrer Ausrüstung noch eine heiße Tasse Kaffee/Tee zum Aufwärmen zu ergattern, bevor er wieder abgeräumt wird. Das Wasser hat mit 22 Grad Celsius Wassertemperatur im August und damit im australischen Winter gerade seine Tiefsttemperatur.

Und dann wird es wellig! Das Wetter hat sich im Laufe des Nachmittags leider weiter verschlechtert und so wird nichts daraus, auf der Rückfahrt auf dem Deck in der Sonne zu liegen. Unser Katamaran donnert nur so über die Wellen und alle hocken im warmen Innern. Es schaukelt ordentlich. Biene wird seekrank 😀

Zurück im Hafen von Port Douglas scheint wieder die Sonne. Beim Verlassen des Schiffes verabschiedet sich die ganze Mannschaft persönlich von jedem Gast, eine schöne Geste. Einzig ein negativer Nachgeschmack bleibt, als zurück in der Marina bei der Frage nach den im Prospekt angepriesenen Duschen nach der Tour darauf hingewiesen wurde, dass dies die Wasserschläuche auf dem Boot gewesen wären, mit denen die Taucherausrüstung abgespritzt wird.

Und damit ist dieser lang ersehnte Ausflug ans Great Barrier schon vorbei. Einige Kilometer aus Port Douglas raus Richtung Cairns finden wir einen perfekten Platz direkt am Meer, um diesen besonderen Tag ausklingen zu lassen.

Ein Traum ist in Erfüllung gegangen…aber irgendwie ging dieser Tag viel zu schnell rum! Vor dem Einschlafen lassen wir nochmal Revue passieren, was wir alles an Unterwasserschätzen gesehen haben und schlafen mit einem munter mit der Flosse schlagenden Nemo vor unserem geistigen Auge schließlich ein…

2m langer Queensland Grouper
Dieser Eintrag in unserem Reisetageblog entstand ohne inhaltliche Einflussnahme in Kooperation mit Quicksilver Group – Australia´s most awarded Reef Cruise Company.

Kaffee & Kängurus in den Wet Tropics

Kaffee & Kängurus in den Wet Tropics

Die Regenwälder zwischen Cooktown und Townsville in Queensland sind UNESCO Welterbe. Hier ist das einzige Gebiet der Erde, an dem 2 verschiedene UNESCO Welterbegebiete aufeinandertreffen: die Feuchten Tropen und das Great Barrier Riff. Um das geht es später in einem eigenen Artikel. Denn zuerst verbringen wir einige Tage in den Atherthon Tablelands in den Feuchten Tropen. Und genau das ist das Hochplateau: feucht und tropisch. Nach der spärlichen Steppenvegetation im Northern Territory fühlen wir uns hier sehr stark an Tasmanien erinnert. Die Vegetation ist üppig und sattgrün, die Luft von feuchten Nebelschwaden durchzogen und die Gegend so hügelig wie die Schweizer Alpen. Enge Bergsträßchen winden sich entlang sanfter Hügel über Kuppen und durch schmale Täler. An den zahlreichen Flüssen stehen dichte Farne. Alles ist grün, bemoost und sieht so ganz anders aus als die Landschaft noch ein paar Tage vorher. Zum ersten Mal seit Monaten hören wir wieder das Lachen des Kookaburra.

Für Wanderer gibt es eine große Auswahl an kurzen bis mehrwöchigen Wanderwegen durch die verschiedenen Nationalparks. An einem Morgen spazieren wir zu den Millstream Falls, den breitesten Wasserfällen Australiens. Später wandern wir durch den Regenwald zum Curtain Fig Tree, dessen 15 Meter hohes Wurzelwerk wie ein breiter Vorhang beeindruckend auf den Boden fällt. Die Regenwälder bieten vielen seltenen Tierarten einen wichtigen Lebensraum. Wir haben sehr viel Glück und entdecken auch glatt ein sehr putziges Exemplar in den Bäumen: ein Baumkänguru! Hä? Ja, genau! Es gibt (nur hier) tatsächlich eine Känguru-Art, die ausschließlich auf Bäumen lebt und von Wipfeln zu Wipfeln schwingt und klettert. Zuckersüß sehen die scheuen Tiere mit dem langen, affenähnlichen Schwanz aus.

Bir vor wenigen Jahren war die Region außerdem die Hauptanbaufläche für australischen Tabak. Durch politische Entwicklungen wurde der Tabakanbau allerdings unrentabel und vollständig eingestellt. Heute werden auf dem Hochland Kaffeebohnen angebaut – gut für uns, wir haben zum Frühstück eh lieber einen Kaffee statt einer Zigarette 😉

Und da gibt es ja auch noch ein Geschenk einzulösen…! 🙂 Katrin, Anastasia und Max haben uns als große Liebhaber der gerösteten Kaffeebohne eine große Freude gemacht und 2 Kaffee spendiert! Und wo könnten wir das besser einlösen als hier in der Gegend? Also haben wir noch ein bisschen was dazu gelegt und in der Kaffeerösterei Coffee Works eine Kaffee-Verkostung gebucht! Hier dreht sich alles um Kaffee! Wir konnten beliebig viele der 20 internationalen Kaffeesorten verkosten, dazu hausgemachte Kaffee-Schokopralinen naschen und an selbstgebrauten Kaffee-Likören nippen. Im angeschlossenen Kaffee-Museum gab es allerlei Kuriositäten vom ersten Kaffeefiltergerät der Welt bis zur anschaulich dargestellten Geschichte des Kaffees. Ein Paradies für Koffein-Junkies!

Nach einem ausgiebigen Sonntagvormittag hatten wir fast alle Sorten Kaffee durch und außerdem einen ordentlichen Koffeinschock! 😀

DANKE KATRIN, MAX UND ANASTASIA!

Unser liebstes Fundstück im Kaffee-Museum war die Erklärung zur unterschiedlichen Gefäßgröße beim Kaffee trinken – warum wird ein italienischer Espresso in kleinen Tassen serviert, die Schweden oder Deutschen aber trinken ihren Milchkaffee am liebsten aus einem großen Pot? Weiß es jemand? Gibt jemand einen Tipp dazu in den Kommentaren ab?

( Vielleicht lag es ja am vielen Koffein, dass wir an diesem Nachmittag kurzerhand ein Jobangebot annehmen… 😉 )

Und dann wird es etwas wilder. Von den Tablelands fahren wir weiter nach Nordosten. Direkt an der Küstenlinie entlang verläuft hier der Daintree Nationalpark. Bis ganz ans Wasser wächst der Regenwald, bei Flut hängen die unteren Äste der mit Efeu und Lianen bewachsenen Tropenbäume bis in den Ozean. Der Daintree soll der älteste tropische Regenwald der Welt sein. Außerdem ist er ein Regenwald wie aus dem Erdkunde-Buch: eine spektakuläre Wildnis mit schroffen Bergketten, tosenden Flüssen und bis zu 60 m hoch aufragenden Baumriesen mit schier undurchdringlichem Unterholz. Unter dem dichten Blätterdach der Baumkronen ist es dunkel, die Welt ist ein Meer aus Grüntönen, Farnen und Palmen und die Luftfeuchtigkeit lässt einen in Minutenschnelle zum Wasserspender werden.

Einzig eine (nördlich von Cape Tribulation nur für 4WD-Fahrzeuge passierbare) Schotterpiste führt durch den dichten Regenwald. Um zum Cape Tribulation zu gelangen, ist außerdem eine Fährfahrt notwendig. Und obwohl es ein sehr heißer Tag ist, würden uns keine 10 Pferde ins einladende Wasser des Daintree Rivers springen lassen – hier oben ist Crocodile Country! Cape Tribulation ist der Ort an dem Captain Cook im wahrsten Sinne des Wortes auf´s Great Barrier Riff „stieß“. Wir können uns Schlimmeres vorstellen, als hier an Land zu müssen 😉

Ein Einheimischer des Daintree läuft uns bei unserer Dschungelfahrt fast vor die Füße bzw. das Auto: Wir haben das Glück, einen Cassowary mit Küken zu sehen. Ganz gelassen lässt der hübsche Exote seine Jungen neben dem Weg durch das Unterholz stolzieren. Zu nah sollte man den auffallend gefärbten Vögeln mit dem exotischen Horn auf der Stirn allerdings nicht kommen. Denn obwohl – oder gerade weil – der Cassowary nicht fliegen kann, ist der 1 Meter große Vogel recht aggressiv.

Passend zur Location suchen wir uns im Daintree natürlich einen wilden Schlafplatz. Direkt an einer langgestreckten, von Mangroven bewachsenen Bucht trennt uns nur ein dünner Streifen Urwald vom Meer. Nachts sehen wir Tausende Krabben am Strand und hören den grollenden Ruf des Cassowarys durch den Wald schallen. Morgens werden wir zu Tagesanbruch von den Geräuschen des Urwalds geweckt. Der Daintree Regenwald ist wirklich noch beeindruckend natürlich und besticht uns mit seiner sehr ursprünglichen Schönheit.

Bis zum aus schwarzem Geröll bestehenden Black Mountain bei Cooktown führt uns unsere Reise nach Norden. Von dort fahren wir über den Captain Cook Highway im Hinterland am gleichen Tag wieder Richtung Süden. Denn tags darauf werden wir in dem kleinen Strandort Port Douglas erwartet. Auf uns warten die Fische des Great Barrier Riffs!

Savannah Way – der Weg ist das Ziel

Savannah Way – der Weg ist das Ziel

Auf einmal ist es wieder grün. Innerhalb eines halben Tages ändert sich schlagartig die Welt um uns rum. Wir staunen über Nadelbäume und Farne, saftiges Gras, fruchtbares Land. Sanfte Hügel. Und sogar die grasenden Kühe ändern sich – nicht mehr die asiatischen Brahman mit ihren hohen Höckern, sondern schwarz-weisses Fleckvieh weidet jetzt auf saftig grünem Gras. Und damit nicht genug – überall sind Menschen, Farmen, kleine Outback-Städte. Mit jedem Kilometer ist das Land wieder dichter besiedelt.

Erst einen Tag ist es her, dass wir die Grenze zwischen dem Northern Territory und Queensland überquert haben. Davor fahren wir 4 Tage durch das karge, nur mit gelbem Savannah Gras bewachsene Steppenland im Golf von Carpentaria. Immer in Richtung Osten. Vereinzelt stehen schmale, abgebrannte Baumstümpfe im hohen Grasland. Hier wüten regelmäßig Buschbrände, seit Jahrtausenden von Jahren ist das der natürliche Lauf der Natur. Geregnet hat es hier seit 4 Jahren nicht mehr. Die Flüsse sind ausgetrocknet, viele Wasserfälle versiegt und das Land auf gut deutsch furztrocken. Egal was wir anfassen, es ist staubig.

BROOME NACH CAIRNS

Wir fahren den Savannah Way entlang. Diese epische Straße, die manchmal nicht mehr als eine staubige Dreckpiste ist, führt einmal komplett durch das nördliche Australien und verbindet das exotische Broome im Westen mit dem fast europäischen Cairns im Osten. 5 Tage lang sind wir so immer in eine Richtung gefahren – und das war gerade einmal die Hälfte des Weges! Denn wir sind erst in Katherine auf den Savannah Way gestartet. Bis nach Mataranka ist die Straße noch geteert. Die von Palmen gesäumten Quellen sind auch beim zweiten Besuch eine wahre Oase in der Wüste. Dahinter wird die Straße immer schmäler. So abgelegen und wenig bekannt ist diese Strecke, dass selbst in unserem Atlas nur ein winziger Abschnitt dazu steht. Er lautet: Der Savannah Way führt von Broome nach Cairns. Er wird wohl nicht ohne Grund eine Abenteuerfahrt genannt.

4WD-Liebhaber kommen auf dem Savannah Way ganz auf ihre Kosten. Über 1000 Kilometer gibt es kein geteertes Stück Straße, dafür jede Menge Kuppen, sandige Kurven, tiefe Senken aus denen das Auto beim hochfahren geradezu abhebt und vor allem: jede Menge ordentliche Flussdurchquerungen. In dieser Hinsicht hat uns die Gibb River Road ja etwas enttäuscht, da es viel trockener als erwartet war. Hier aber ist es noch so, wie wir uns das vorstellten. Die Flüsse sind trotz Dürre tief. Und naturbelassen. Und aufgrund der Krokodile wollen wir hier auch nicht zu Fuß vorab testen, wie tief das Wasser ist. Also heißt es: Allrad rein und los ins kalte Nass. Unser Lion King hat sich hervorragend geschlagen und wir sind auch ohne Schnorchel trockenen Fußes durch alle Flüsse gekommen.

An typischen Sehenswürdigkeiten gibt es unterwegs nicht viel. Einen Nachmittag laufen wir einen 2.4 km langen Spaziergang durch die Verlorene Stadt im Limmen Nationalpark. Die hier bis zu 20 m hoch aufragenden Sandsteinfelsen erinnern tatsächlich an verlassene Hochhäuser einer längst vergangenen Zivilisation.

Ansonsten sehen wir unterwegs spärliche Steppe, viele ausgetrocknete Flussläufe und vor allem: roter Sand und weiser Staub! Wir kommen an einer Hand voll kleiner Aborigines Gemeinden vorbei. Auch Booroloola, das früher einmal die Schmuggelhochburg des Nordens und für seinen illegalen Grogghandel berüchtigt war, ist heute nicht mehr viel mehr als eine Hauptstraße mit einer indigenen Kunstgalerie und 3 Tankstellen.

In Burketown, einer kleinen „Stadt“ am Golf (Einwohnerzahl: 250) landen wir in der Barramundi-Hauptstadt Australiens. Von dieser besonderen Fischart lesen wir davor schon oft, schwärmt doch jeder Einheimische von diesem äußerst schmackhaftem Fisch. Von Uli´s ehemaligem Arbeitskollegen haben wir schon vor einigen Wochen eine Support-US Spende zur freien Verfügung bekommen. Und nach einer kostenlosen Dusche nach 3 Tagen Staub finden wir den richtigen Anlass, um diese Spende einzulösen – für eine große Portion Barramundi-Filet mit Pommes & Salat!

Leckerer Barramundi!
DANKE, THOMAS!

Bei der am Fenster vorbeiziehenden monotonen Landschaft ziehen sich die Fahrtage etwas. Aber hier ist ja der Weg das Ziel. Wir finden jeden Tag herrliche Schlafplätze mitten in der Natur, in ausgetrockneten Flussbetten und mit vielen Wildtieren um uns herum.

Wir sehen Wasserlöcher, die den an die kargen Bedingungen bestens angepassten Tieren eine verlässliche Wasserquelle bieten. Auch noch nach 4 Jahren Dürre. An einem entdecken wir einen majestätischen Jabiru, den australischen Storch. Und an einem anderen 3 Brolgas, die einzige australische Kranich-Art. Und natürlich die wilden Krokodile, die fast unsichtbar in den Wasserlöchern unter der Wasseroberfläche liegen. Und uns an so manch idyllisch aussehendem Wasserlauf von einem erfrischenden Sprung ins kühle Nass abhalten. Und wir sehen wilde Brumbies. Und immer wieder verrostende Schrottautos, die gerade so am Straßenrand liegen gelassen wurden. die  Tägliche Highlights sind die Sonnenauf- und untergänge Am endlosen Horizont des australischen Outbacks färbt sich der Himmel zur Dämmerung in den leuchtendsten Farben.

Und heute sind wir also in den Atherton Hochlands angekommen. Auf einmal ist es eine große Herausforderung, nach all den Wochen in der Weite und Menschenleere Westaustraliens und dem Northern Territorry einen Schlafplatz zu finden, der nicht zu einer Farm gehört. Alles scheint besiedelt. Dafür freuen wir uns, wieder günstiges Obst & Gemüse in den Supermärkten zu finden. Und auch der Sprit ist wieder 50 Cent pro Liter günstiger. Es wieder Wein zu kaufen. Und was sind eigentlich diese dicken weissen Dinger am Himmel? Ach ja, Wolken! Die haben wir auch schon eine Weile nicht mehr gesehen.

Wir fühlen uns wie in einem anderen Land!

Australien´s Top End – Welcome to Crocodile Country

Australien´s Top End – Welcome to Crocodile Country

Nach 2 tollen Tagen im Litchfield erreichen wir schließlich Darwin. Für uns schließt sich hier ein Kreis. In Darwin haben wir vor gut 8 Monaten zum ersten Mal Fuß auf den australischen Kontinent gesetzt. Zur Abwechslung ist es schön irgendwo anzukommen, wo wir uns auskennen. Uli kennt sich sogar noch in den Straßen aus und wir sehen Orte wieder.

DARWIN – DIE STADT MIT DEN 2 GESICHTERN

Allerdings erkennen wir die kleine tropische Stadt kaum wieder. Vor allem für Uli, der ja eine ganze Woche in Darwin verbracht hat, während Biene in Singapur auf ihr Visum wartete, ist der Unterschied gewaltig. War letztes Jahr im Dezember absolut gar nichts los und die Straßen wie leergefegt, wuselt es jetzt in der Trockenzeit in der Fußgängerzone. Die Bars sind schon nachmittags um 15 Uhr gut gefüllt. Während die Hostels in der Regenzeit wie ausgestorben waren, sind sie jetzt fast alle ausgebucht. Die Stadt hat viel mehr Flair und versprüht Urlaubsfeeling. Was für ein Unterschied!

Wir bleiben 2 Tage hier und lassen unsere Reise durch Australien Revue passieren. Wir laufen durch die bekannten Parks, schauen den Sonnenuntergang am Mindil Beach und in der Fannie Bay, wo wir Heilig Abend verbrachten, springen wir ins türkisblaue Meer. Wir besuchen den Mindil Strand Markt, der ebenfalls nur während der Trockenzeit jeden Donnerstag- und Sonntagabend statt findet. Auf dem kunterbunten Markt gibt es neben Livemusik und tollen Live-Shows allerlei Kunst und alternative Souvenirs zu kaufen, ein Mega-Teleskop mit dem wir uns die Mondoberfläche im Detail anschauen können und jede Menge Köstlichkeiten aus allen möglichen Winkeln der Erde. Wir finden einen Papaya-Salat, der genauso schmeckt wie in Thailand. Göttlich 🙂

Und wir überlegen uns, wie es weitergehen soll mit unserer Reise durch Australien. Unser Hauptgrund für den Abstecher in den hohen Norden war der Kakadu Nationalpark. Dieser lockte uns mit weitläufigen Sumpfgebieten und Schwemmland, trockenen Ebenen, Wasservögeln an Billabongs, Salzwasserkrokodilen in Flussmündungen, Felsengebirgen und hohen Wasserfällen. Und dann hatten wir auf einmal das Gefühl, dass der Kakadu doch nichts für uns ist. Zumindest jetzt nicht… Tolle Wasserfälle hatten wir erst im Litchfield Nationalpark gesehen, durch felsige Schluchten sind wir im wunderschönen Karijini und in den Kimberleys gewandert, Wasserbüffel sahen wir zuhauf in Asien und Schwemmland kennen wir auch. Dazu kommt, dass gerade Hochsaison ist und wir uns die Sehenswürdigkeiten entlang des Highways (!) durch den Nationalpark sehr wahrscheinlich mit vielen, vielen anderen gemeinsam anschauen würden. Wir sind uns nicht mehr sicher, ob uns das die 25 $ Eintritt pro Person wert ist. Zumal für viele Erlebnisse nochmal extra Ausgaben anfallen würden wie für die Crocodile watching Tour auf dem Adelaide River, eine Bootstour zu den Billabongs durch die Yellow Waters… Der Kakadu wirkt auf uns touristisch sehr erschlossen und ziemlich kommerzialisiert. Und so ändern wir kurzerhand unsere Meinung und lassen es sein.

Stattdessen fahren wir in das Window on the Wetlands. In dem Infozentrum am Rande der Überschwemmungsebene des Adelaide Flusses gibt es viele Displays, Filme und Infos zum Ökosystem und der Tierwelt der Sumpfgebiete und vom Balkon aus reicht der Blick durch die Ferngläser bis zum Meer. Als wir auf der Rückfahrt über die Brücke des Adelaide Flusses fahren, trauen wir unseren Augen kaum: unter uns schwimmt gerade ein sicher 5 Meter langes Salzwasserkrokodil durch! Wow! Und das ganz ohne teure Bootstour 😉

SCHNAPPI DAS KLEINE KROKODIL

Anstatt dem Arnhem Highway in einem großen Bogen wieder Richtung Süden zu folgen, biegen wir von der geteerten Straße ab und fahren auf eine kleine, geschotterte Piste die laut unserem Atlas mitten durch das Top End führen müsste. Das tut sie zum Glück auch 🙂 Und hier erleben wir das Crocodile Country auch ohne Kakadu NP von seiner besten Seite.

Bei unserer Entscheidung für die Nacht schauen wir uns kurz an, ein Blick, ein Nicken, passt. We go wild – wir schlafen also im Busch. Auf einer Anhöhe im Wald, um genau zu sein. Von wo aus wir kilometerweit über die Eukalyptusswälder sehen, über denen erst glutrot die Sonne versinkt, um am nächsten Morgen ebenso bombastisch gefärbt wieder im Osten aufzugehen. Auf unserer Fahrt durch die abgelegene Natur sehen wir viele Wallabys, schwarze Rotschwanzkakadus, Spaltfußgänse und viele andere der besonderen Vögel des australischen Top Ends. Es zwitschert und schnattert überall.

Und immer wieder kommen wir an kleinen Wasserlöchern vorbei, an denen Wallabys, Wasservögel und andere hier beheimatete Tiere ihren Durst stillen. Und in jedem davon sehen wir, wenn wir ganz genau hinschauen, früher oder später die Schnauze eines Krokodils im Wasser auftauchen, das knapp unter der Wasseroberfläche auf der Lauer liegt. Trotz der tropischen Hitze verspüren wir keinen Drang, uns im Wasser abzukühlen. Wir sind in Crocodile Country!

Willkommen im Spaß- und Erlebnisbad Litchfield Nationalpark

Willkommen im Spaß- und Erlebnisbad Litchfield Nationalpark

Herzlich willkommen im Spaß- und Erlebnisbad Litchfield Nationalpark! Wir freuen uns, Sie heute hier bei uns begrüßen zu dürfen. Wir versprechen Ihnen Abenteuer und Erholung pur.

Sollten Sie gerade erst aus dem Süden anreisen, empfehlen wir Ihnen vorab noch einen kurzweiligen Besuch in unser angeschlossenes Familienbad Nitmuluk Nationalpark. Vertreten Sie sich nach der langen Anfahrt aus der Landesmitte die Beine beim dortigen 2.6 km langen Spaziergang zu den Edith Falls. Geeignet für Kinder wie Erwachsene, erwartet Sie hier eine Kaskade aus mehreren Wasserfällen. Die unteren sind vielseitig auch als Wasserrutsche nutzbar. Sollten Sie mit Teenagern oder energiegeladenen männlichen Teilnehmern reisen, können Sie diese unbesorgt beim Springen von den Felsen neben dem Wasserfall auspowern lassen. Abkühlen können Sie sich sowohl im Pool unterhalb der Fälle als auch in den zahlreichen kleinen Pools im oberen Flusslauf. Vergessen Sie nicht, Ihre Picknickdecke einzupacken. Wir garantieren Ihnen, dass Sie beim Rundgang durch das Bad ihr ganz persönliches Lieblingsplätzchen unter den Schatten spendenden Pandanus-Palmen oder unter majestätischen Eukalyptusbäumen finden werden.

Wenn Sie sich hier ausgiebig entspannt haben, treten Sie bitte die restlichen 3 Stunden Fahrt in unser Badeparadies an. Sollten Sie zu dem abenteuerlustigem Teil unserer Gäste gehören und zusätzlich über ein allradangetriebenes Fahrzeug verfügen, möchten wir Ihnen wärmstens den Zutritt über unseren Hintereingang ans Herz legen. Zur Einstimmung erwartet Sie hier eine nur in der Trockenzeit geöffnete und kaum befahrene weiche Sandpiste. Wohnmobile und Campingtrailer haben wir selbstverständlich verboten. Kein wahrer Offroad-Fahrer möchte sehen, dass die Piste über die er sein Kampffahrzeug im Stile Indiana Jones unter höchster Anstrengung manövriert, von einem Campingmobil befahren wird. Wir bitten Sie – wir verstehen Sie in diesem Punkt vollkommen!

Sie werden hier das Gefühl haben, tatsächlich an einem wilden Fleck Natur zu sein. Mit viel Liebe zum Detail haben wir in unserem Panoramabad mehrere tückische Flussdurchquerungen für Sie angelegt. Die Gibb in den Kimberleys mag bekannter sein – aber unsere Flussdurchfahrten sind tiefer, länger und anspruchsvoller. Überzeugen Sie sich selbst! Spätestens bei der Durchquerung des mehrfach gegabelten Reynold Rivers werden Sie uns zustimmen – die Kimberleys sind für Nicht-Schwimmer.

Apropos Schwimmen. Selbstverständlich ist das Baden in all unseren wunderschön angelegten Pools im Paketpreis inbegriffen. In jedem davon werden Sie auch einen idyllischen Wasserfall finden. Unsere Bandbreite reicht von sacht über die Felsen plätschernden Kaskaden bis zu tosenden Strahls mit Härtegrad 5.

Für eine gesunde Portion Nervenkitzel im Wasser sorgen die von uns großzügig aufgestellten Krokodil-Warnschilder. Machen Sie sich aber keine Sorgen – in der Regel sind die freigegebenen Pools krokodilfrei. Wir kontrollieren das jährlich. Vom Wasser treten in den Flüssen möchten wir Ihnen abraten. Diese werden gerne für ausgiebige Wanderungen unserer Krokodile genutzt, die sich wie all unsere Mitarbeiter frei in den Arbeiterbereichen unseres Erlebnisbades bewegen.

Zu deren Kollegen zählen Fledermäuse, Kakadus, australisch-endemische Brolgas, Ibusse, Herons und viele weitere exotische Wasservögel sowie in der Abteilung Säugetiere Wasserbüffel, Wildschweine und Kängurus. Während die Wasserbüffel am liebsten im back office arbeiten und kaum direkten Kontakt zu unseren Gästen pflegen, werden Ihnen die Kängurus gerne einen Blick in unsere betriebseigenen Kindergärten gewähren. Einfach in die Beutel spieken oder dem Joey zuwinken.

Wir möchten Sie ausdrücklich ermuntern, auf Ihrem Rundgang durch unser Panoramabad des Öfteren anzuhalten und unsere liebevoll gestaltete Wildnislandschaft zu betrachten. Zu unseren besonderen Attraktionen zählen die von Tausenden winzig kleinen Termiten eigens für Sie gebauten Termitenhügel. Diese mannshohen Gebilde haben schon mehrfach Auszeichnungen für ihre kreative Bauweise gewonnen und wir dürfen mit Stolz behaupten, dass die kathedral-ähnlichen Bauten inzwischen zu den Wahrzeichen unserer Region gehören. Auch international hat sich ihre ausgetüftelte Bauweise mit Nord-Süd-Ausrichtung einen hervorragenden Ruf erworben und wird von Architekten weltweit kopiert. Durch diese da wird im Inneren selbst während der tropisch schwülen Sommermonate stets ein angenehm kühles Klima bewahrt und für eine stetige Luftzirkulation gesorgt.

Für Ihre eigene Unterbringung bieten wir ein großes Spektrum an Unterkunftsmöglichkeiten: Für die Komfortgenießer unter Ihnen bieten wir freigeräumte Geländebuchten an. Abseits von Wasserlöchern sind diese moskitofrei. Mit tropischen Bäumen als Sichtschutz sind Sie hier auch relativ sicher vor den neugierigen Augen unserer Ranger.

Unsere Honeymoon-Suite ist die von Spinifex bewachsene Steppe zwischen zahllosen Termitenhügeln, gleich rechts hinter dem von zahlreichen Vögeln und Wildtieren besuchten Billabong. Zu Ihrer Unterhaltung warten hier äsende Kängurus in der Abenddämmerung. Als individuellen Weckton haben wir für Sie das Orchester der Tropen-Vögel zur Morgendämmerung gebucht.

Um all unsere Attraktionen in Ruhe genießen zu können, sollten Sie mindestens einen zweitätigen Aufenthalt bei uns verbringen. Genießen Sie ein ungestörtes Bad zu zweit in den frühen Morgenstunden in den Tjaynera Falls am Sandy Creek, tauschen Sie sich bei einem kühlen Drink mit anderen Badegästen in den Surprise Falls aus oder lassen Sie sich von dem großen Erfahrungsschatz unserer Dauergäste bei einem Plausch an den Zwillingswasserfällen Wangi Falls mitreißen. Wenn Sie mehr ein Freund des ungestörten Badevergnügens in individuellen Badewannenpools sind, werden Sie unsere Cascades lieben.

Wir möchten Sie dazu ermuntern, für das volle Abenteuerurlaub-Erlebnis ihre Verpflegung selbst mitzubringen. Zur Zubereitung steht Ihnen selbstverständlich an jedem Campingplatz eine eigene Feuerstelle zur Verfügung. Trinkwasser bester Qualität können Sie an jedem unserer Wasserläufe abfüllen. Während Ihres gesamten Aufenthaltes sollten Sie die Fenster ihres Wagens geöffnet halten, um im Innenraum diese typisch gleichmäßige, rot gefärbte Sandablagerungsschicht zu erreichen. Diesen dürfen Sie selbstverständlich als kostenloses Souvenir mit nach Hause nehmen.

Etwas dürfen wir Ihnen allerdings nicht verschweigen: Ihr Besuch in unserem Spaß- und Erlebnisbad wird unvermeidbar eine negative Seite haben! Sie werden im Anschluss nie wieder ein stinknormales Freibad besuchen können! Es wird Ihnen schlicht und ergreifend zu langweilig sein!

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserem Spaß- und Erlebnisbad Litchfield Nationalpark und sind uns sicher, dass Sie eine unvergessliche Zeit bei uns verbringen werden.

Spa-Pool

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