Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

 Unsere Katze erzählt

Vom Dschungelabenteuer von oben bis unten mit Schlamm eingesaut ist von meiner eigentlich grünen Farbe am nächsten Morgen nix mehr zu sehen. Fellpflege ist angesagt! Davor genehmig ich den beiden noch einen hier auf dem Bolavenplateau organisch angebauten Kaffee und einen Spaziergang durch das kleine Örtchen Tad Lo. Zu Fuß natürlich, so eingesaut beweg´ich mich nicht mehr vom Fleck als unbedingt nötig. Außerdem ist direkt neben dem Hostel, in das sie wir uns letzte Nacht im Dunkeln einquartiert haben, ein Wasserfall. Besser gesagt, der unterste von den drei Wasserfällen, die diesen kleinen Ort zu einem beliebten Ziel auf dem Bolavenplateau machen. Und die Brücke drüber war mir gestern schon nicht geheuer. So ein wackliges Ding mit Holzplanken und ohne Geländer. Nene, von Wasser habe ich als Katze erstmal wieder das Schnäuzchen voll. Sollen die beiden ruhig im Fluss baden und auf den Wasserfällen entlang klettern, ich lehne dankend ab. Während Uli mir die verdiente Vollwäsche verpasst und mich und meinen Gepäckträger wieder aufpäppelt, zieht Biene schonmal mit dem ganzen Krempel in einen Homestay bei einer lokalen Familie ans Ende des Dorfs um. Mir soll´s recht sein, mein Parkplatz dort sieht auch ganz ok aus. Abends wird mit der Familie zusammen gekocht, gegessen und beisammen gesessen. Und das ein oder andere Bierchen mit den anderen Gästen getrunken. War wohl ganz nett. Jedenfalls lachen die beiden tags darauf, als wir zum obersten der Wasserfälle fahren und von dem hohen Felsvorsprung dort oben eine tolle Aussicht auf die von einem Gebirge umgebene Hochebene haben, immer noch über die späte Karaokeparty im Guesthouse gegenüber.

Also hör ich an dem Abend, als sie wieder alle beisammen sitzen, mal genauer hin und joa, die ebenfalls weltreisenden Engländer Sophie & Neil, das belgische Paar mittleren Alters, die jedes Jahr eine große Reise machen und die französische Familie, die mit ihren zwei 2 und 4 Jahre alten Kindern für 3 Monate in Asien unterwegs sind (und hier auch ganz cool mit 2 Mopeds ankamen 😀 – mit Kindersitz, versteht sich 😀 ) und die skandinavische Österreicherin hören sich alle ganz lustig an. Tags darauf sitzen die beiden wieder auf und wir düsen über das Bolavenplateau weiter Richtung Süden. Unterwegs wird noch bei einer Kaffeeplantage angehalten. Das Klima des Bolavenplateaus ist für den Anbau von schmackhaftem Hochlandkaffee ideal. Das sagt zumindest der Loose Reiseführer, in den Biene auf dem Sozius immer wieder die Nase reinsteckt. Andere können nichtmal im Auto lesen, Biene selbst auf dem Moped hinten drauf 😀

An diesem Tag geht´s weiter in die Stadt Paxe. Nach dem weichen Waldboden im Dschungel tut mir der harte Asphaltboden an den Tatzen weh. So ist erstmal die Luft raus. Ich verlange einen neuen Hinterreifen. Weich gepolstert für meine Samtpfote, bitte. Uli macht nicht lang rum und ruckzuck ist der Ersatzreifen dran. Geht doch. Damit geht´s nun über die große Mekongbrücke und auf der anderen Seite soll es auf einer kleiner Nebenstraße – mal wieder eine Alternative zum Highway 13 – bis ganz in den Süden zu den Si Phan Don gehen. Oh oh, Alternative zum Highway, ich befürchte das Schlimmste! Aber vorläufig ist noch alles im Lot. Ohne Verkehr geht auf einer geteerten Straße bis zum heutigen Übernachtungsstopp, Champasak. In diesem kleinen Dorf finden die zwei einen tollen, günstigen Bungalow direkt am Mekong – inklusive einer riesigen Spinne, die bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich an der Wand hängt. Aber vollkommen ungefährlich, wie der Besitzer mitteilt, als er das Viech wieder frei lässt.

Am nächsten Morgen holt sich Biene ihren Kulturschub, als sie die Ruinen des Wat Phou, des größten Tempels der Khmer außerhalb Kambodschas, besichtigt. Uli und ich pfeifen auf die alten Steine und gönnen uns lieber einen guten Kaffee. Interessant ist, dass der Tempel in einer Linie zu Angkor Wat gebaut wurde, mit über 1.000 Km dazwischen. Das ist ja wie im alten Rom, wo es auch nur gerade Straßen gab. Für ein gutes Moped wie mich aber viel zu langweilig. Ich steh auf Kurven. Als wir einige Kilometer weiter an eine eingestürzte Brücke kommen und warten müssen, bis der Bagger eine zumindest für Mopeds passierbaren Damm aufgetürmt hat, scheint sich meine dunkle Vorahnung langsam zu bestätigen. Nachts zuvor hat es stark geregnet und es dauert nicht lang, bis ich mal wieder matschige Tatzen krieg´. Aus der Nebenstraße wird ein Schottersträßchen, aus dem Sträßchen ein matschiger Trampelpfad. Davon stand nix im Loose. Die beiden sind trotzdem noch ganz im Staunen von der Landschaft und dem ländlichen Leben entlang des Weges, immer wieder kommen uns Ochsenwägen und von Hand gezogene Karren entgegen. Die Begeisterung ist jeweils auf beiden Seiten groß, oft fahren hier jedenfalls keine Ausländer. Das frisch geschnittene Korn wird hier noch von Hand in die Dreschmaschine geworfen.

Mit der Zeit schwitzt Uli immer mehr vor Anstrengung, damit wir nicht alle zusammen im Dreck liegen und Biene steigt öfters mal ab und läuft über die ganz schlammigen Stellen. Am Spätnachmittag stehen wir dann mal wieder vor´m Wasser. Erst jetzt wird mir klar, was unser Ziel, die „4.000 Inseln“ wirklich bedeuten – ich soll über´s Wasser! Katzen sind wasserscheu, hab ich das eigentlich schon mal erwähnt? Den beiden ist das jedenfalls herzlich egal. Mit Anlauf schuckt mich Uli auf den kleinen Kahn, der flucks vom anderen Ufer rüber fährt, als er uns am Ufer warten sieht. Das Ding ist so winzig, ich kann mich nicht mal darauf umdrehen. Und schon sind wir auf der ersten Insel. Weiter schaffen wir heut nicht, also quartieren wir uns im einzigen Ort der Insel für eine Nacht ein. Am nächsten Tag wird noch 2mal mit gruslichen Dschunken übergesetzt, dann sind wir endlich auf Don Khong, eine kleine und eine der bekannteren Inseln der Si Phan Don  (zu dt. 4.000 Inseln). Ob es wirklich 4.000 sind weiß ich nicht, ist mir aber auch recht piepe. Die 2 suchen sich mal wieder einen Bungalow mit Hängematte am Mekong raus und ich stell mich drunter. 3 € kostet die Übernachtung. Das sind noch Preise hier, miau. Don Khong ist dafür bekannt, dass man hier eins ganz toll tun kann: nix! 😀 Irgendwie haben sich die 2 das aber ein bisschen spannender vorgestellt. Von der Partystimmung, von der sie gehört hatten, ist jedenfalls weit und breit keine Spur. Zwar gibt es überall „magische“ und „fröhliche“ Dinge im Angebot, aber die Partypeople dazu sind wohl ausgeflogen. Ne, das ist nicht so der Reisser. Aber so ganz ohne chaotischen-laotischen Verkehr traut sich hier auch Biene mal an meine Pedale. Ich schnurr natürlich wie ein Samtkater. Also machen wir noch einen Tagesausflug auf die Zwillingsinsel, Don Khon und uns dann mit der Fähre wieder vom Acker bzw. der Insel.

Unser nächstes Ziel: Kambodscha! Bis zur Grenze sind es nur noch knapp 40 Kilometer, die legen wir dann auch tatsächlich mal auf dem Highway 13 zurück. Aber denkste, so einfach kommen wir nicht rein. Da könnte ja jeder kommen… An diesem Tag jedenfalls werden wir Kambodscha nicht mehr sehen!