Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Unsere Katze erzählt

Liebe Leute, ich hätte nie gedacht, dass man für 80 Kilometer 2 Tage benötigen kann. Tut man aber.
Und zwar im laotischen Dschungel:

Die Tour begann ja noch ganz harmlos. Eine Alternative zum Highway 13 hatten die beiden rausgesucht. So biegen wir gen Osten Richtung Vietnam ab und fuhren teilweise den alten Hoh Chi Minh Pfad entlang, bevor wir Richtung Süden auf die kleine, laut Loose Reiseführer lediglich in der Trockenzeit befahrbare Straße 23 abbiegen. Die soll außerdem nur von erfahrenen Motorradfahrer gefahren werden, da es auch ohne Regen eine Cross-Strecke ist. An Selbst- und Gottvetrauen mangelt es den zwei ja wirklich nicht, meine Güte. Ich bin zwar echt ein tolles Moped, aber nun auch nicht gerade eine Geländemaschine. Naja, so weit so gut. Sie würden schon wissen, was sie da tun – dachte ich! Auch als Moped kann man sich ja mal irren. Bis zu unserem Ziel, dem Bolaven-Plateau im Südwesten des Landes, waren es von hier nur noch knappe 100 Kilometer. Das würde ich schon irgendwie rumkriegen. Als besagte Straße von einer Schotter- in einen sandigen Trampelpfad mit tiefen Wasserrinnen übergeht und wir stundenlang kein anderes Fahrzeug sehen, kommen mir jedenfalls schon leichte Zweifel. Als wir dann noch vor einer lang eingestürzten Brücke stehen und stattdessen mit einem kleinen Kahn den großen Fluss überqueren müssen, schwant mir Böses.

Alternative zum Highway, pah! Als wir tatsächlich wieder ein paar Hütten sehen, fragen die zwei erstmal, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Sind wir, oh wunder. Also geht die holprige Fahrt langsam weiter, immer den Trampelpfad entlang. Der wird immer schmaler, die Bäume höher und enger und das Blätterdach darüber dichter. Die Fahrt verlangt uns allen Drei ganz schön was ab… Uli ist voll konzentriert, um auf dem sandigen Boden nicht wegzurutschen, ich bin voll mit dem auf und ab über die tiefen Löcher beschäftigt und Biene hält unser Gepäck mit einem Band zusätzlich mit aller Kraft von oben fest. Für dieses Gelände war der Gepäckträger nicht ausgelegt. So geht es weiter, bis uns in einem kleinen Dorf mit Händen und Füßen klar gemacht wird, dass wir ca. die Hälfte des Weges geschafft haben. Es ist 17 Uhr und dämmert schon langsam. In einer Stunde ist es stockfinstere Nacht. Es ist klar, dass schaffen wir heute nicht mehr. Guter Rat ist teuer. Das Dorf besteht aus einer Ansammlung von 10 Hütten auf Stelzen, keiner spricht englisch und wir stehen mitten im Dschungel. Zum Glück entdecken die beiden einen Pavillon auf Stelzen, auf dem sie übernachten dürfen. Hier wird das Zelt aufgeschlagen, dass die beiden seit China mit sich herumtragen. Ich werd darunter gestellt. Mir können Schlangen und sonstiges Getier ja nicht viel anhaben, vielen Dank auch. Uli entdeckt in dem Dorf Gott sei Dank Benzinfässer zum Tank auffüllen und einen kleinen Laden, in dem es Bananen, Kekse und vor allem Wasser gibt. Als es langsam dunkel wird, erhellen Lagerfeuer vor den Hütten den Nachthimmel und die Frauen holen Wasser zum kochen am Dorfbrunnen. Der ist die einzige Wasserquelle des Dorfes und gleichzeitig Trink-, Wasch- und Duschbrunnen. Uli macht ebenfalls ein großes Lagerfeuer – an das Biene aber gar nicht sitzen will, nachdem sie im Gras eine tote Schlange entdeckt hat. Die war ja sicher nicht die letzte ihrer Sorte… So klettern sie bald auf ihren Pavillon. Von dort, weit weg von jeglicher lichtverschmutzenden Zivilisation, glotzen sie noch eine ganze Weile in einen gigantischen Sternenhimmel, bevor sie mit vielen Dschungelgeräuschen im Hintergrund einschlafen.

Um der Mittagshitze zu entgehen, geht´s um 6 Uhr am nächsten Morgen weiter. Schon bald wird´s kritisch – der kleine Trampelpfad gabelt sich immer wieder. Rechts? Links? Der eine Pfad sieht so aus, als wäre er schon seit Ewigkeiten nicht mehr befahren worden, auf dem anderen hängen die Äste so tief über den Pfad, dass die 2 in Jockeyhaltung und mit eingezogenen Köpfen fahren müssen. Und das soll richtig sein? Aber irgendwohin muss es ja weitergehen… Oder vielleicht doch der andere Weg? Wir probieren sie alle.

Und hier stehe ich nun. Mitten im Dschungel, mit abgebrochenem Gepäckträger, klatschnassem Motor und verbogenen Pedalen. Hinter uns ein breiter Fluss. Wir Katzen wissen schon, warum wir wasserscheu sind! Durchgejagt haben sie mich trotzdem. Nachdem Biene barfuss getestet hat, wie tief das Wasser ist, hab ich mich schließlich von Uli überreden lassen, mit Anlauf durchzuspringen. Tja, das haben sie jetzt davon.

Mit Bambusstöcken wird der Gepäckträger notdürftig ersetzt, Biene schultert die Last zusätzlich und weiter. Eine halbe Stunde später macht uns ein Mann, der im Wald liegt (??) mit Händen und Füßen klar, dass es hier nicht weitergeht. Mit einem Stock in den sandigen Boden malt er uns den Weg auf. Und er malt einen breiten Fluss… Also zurück. Dass jeder, den wir sporadisch unterwegs sehen – vom 6-jährigen Kuhhirten bis zu im Fluss Wäsche waschenden Frauen – uns eine andere Richtung weist, hilft auch nicht wirklich weiter.
Klar wird, dass die beiden keinen blassen Schimmer mehr haben, wo es weitergehen soll. Am Fluss entlang? Oder drüber und südlich? Oder dahinter abbiegen nach Westen? 3 Stunden später stehen wir wieder kurz vor dem Dorf, in dem wir frühmorgens aufgebrochen sind. Geld wollen sie jemandem anbieten, damit er mit dem Moped vorausfährt, uns den Weg zeigt und aus dem Dschungel rausbringt. Während sie das mit Händen und Füßen rüberzubringen versuchen, kommt ein Auto.

Und sapperlott, haben die beiden ein Glück: In dem Pick-up sitzt ein einheimisches Paar, das zufällig in dieselbe Richtung fährt. Wie der große Geländewagen in den Dschungel kam oder wie er durch die Wege, die wir an diesem Morgen gefahren sind, durchkommen soll, ist mir ein Rätsel! Selbst ich als rankes und schlankes Moped kam ja manchmal kaum durch.
Schnell schmeißen wir das Gepäck hinten auf die Ladefläche, Biene steigt hinten ins Auto ein und jetzt wird´s richtig lustig…. Der große Pick-up voraus, Uli mit mir hinterher geht die Geländefahrt erst so richtig los! Durch mindestens ein Dutzend größere und kleinere Flüsse (manche so tief, dass mir doch glatt die Luft weg bleibt und ich ausgehe), steile Abhänge hinauf und hinunter, durch 10 Meter langen knietiefen Matsch geht der „Weg“.

Ha, ich weiß schon was die beiden bei ihrer Navigation falsch gemacht haben: sie haben immer den Weg genommen, der am passabelsten aussah. Richtig wäre der gewesen, der am allerwenigsten passierbar scheint! Der große Geländewagen kämpft trotz Allrad ganz schön und die Kratzer, die sich allein auf dieser Strecke tief in den Lack gegraben haben, würden wohl jedem der männlichen Leser hier das Herz bluten lassen.

Nach 5 anstrengenden Stunden lichtet sich der Wald langsam. Eins steht fest: Allein hätten wir den Weg hierhin NIE gefunden. An einer Kreuzung trennen sich die Wege wieder. Mehr als ein herzliches Danke wollen die Helfer in der Not partout nicht annehmen. Biene wechselt wieder auf den Sozius, schultert den großen Rucksack, der sonst auf dem Gepäckträger liegt (die Bambuskonstruktion hatte mittlerweile den Dienst versagt)und weiter geht´s. Nach kurzer Zeit kommen wir in einen kleinen Ort, in dem wir Trinkwasser kaufen und Benzin auffüllen können. Für beides war es höchste Eisenbahn. Die Reaktion der Einheimischen, die sich schnell alle neugierig um uns versammeln lässt vermuten, dass hier nicht oft Menschen mit weisser Haut und roten Haaren oder mit Bart vorbei kommen. Und wahrscheinlich erst recht nicht von oben bis unten mit rotem Sand paniert. Wohl auch eher selten führen Besucher beim Anblick einer eiskalten Cola einen Freudentanz auf 😀 Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Händen und Füßen und sind froh, als der Weg kurz hinter dem Dorf langsam wieder zu einer Straße wird.

Obwohl wir drei ganz schön geschlaucht sind, wollen die beiden in der Stadt Savannakhet noch weiter bis zum Bolavenplateau fahren. Gegen Abend fängt es aus vollen Kübeln an zu regnen und ich bin Mopedgottfroh, als wir mal wieder nach Einbruch der Dunkelheit und klatschnass in Tad Lo ankommen.

Sense für heute.