mit dem Moped durch Asien

Ausgesetzt in Bangkok – Unsere Katze erzählt Part 6

Ausgesetzt in Bangkok – Unsere Katze erzählt Part 6

Unsere Katze erzählt

Ruck zuck waren wir über der Grenze und schon bald darauf fahren wir entlang des schmalsten Zipfel Thailands. Gerade mal straßenbreit ist das Land hier. An die eine Seite grenzt das Meer und auf der anderen Straßenseite zieht sich Kambodscha noch über viele Kilometer weiter in den Nordwesten.

Von der menschenleeren Straße zweigen immer wieder kleine Wege zum Wasser hinunter ab. Auf den kleinen Schildern daneben stehen die Aufschriften …“Beach“…“Bay“…“Beach“. Ha, das gefällt den beiden. An einem der „Beach“-Schilder biegen sie ab und finden einen wunderschönen, einsamen weissen Sandstrand. Als dann auch noch kurz darauf die Sonne glutrot im Meer versinkt, bin ich richtig stolz auf mein Heimatland. Das ist ein Empfang, so gehört sich das! 😀

Bevor es richtig dunkel wird, düsen wir noch weiter bis in die Stadt Trat, wo die 2 in einem einfachen Bungalow und ich auf dem Parkplatz davor übernachte. Und natürlich – als erstes gehen die 2 Thai-Curry und Papaya-Salat essen. Wie könnte es auch anders sein. Als ich da so auf dem Parkplatz vor dem Bungalow vor mich hindöse und mit einem Lenker noch den beiden beim Pläne schmieden zuhöre, dachte ich, ich hör´nicht recht!

Klar, am nächsten Tag sollte es nach Bangkok gehen, soweit war ich eingeweiht. Aber dann – die beiden wollen mich loswerden?! Mich einfach so weiter verkaufen an irgendeinen Backpacker, der ihnen am besten noch mehr zahlt als das, was sie für mich hingeblättert haben? Nachdem ich sie über 4.000 Kilometer weit durch Laos, Kambodscha und Thailand kutschiert hab´? Also ne, Leute, so geht das nicht!!

Das wollen wir erst mal sehen. Als wir tags darauf in voller Fahrt über den Highway bei Phuket düsen, zeig´ich ihnen was ich von ihrer Schnapsidee halte. Die Diagnose: Gebrochene Speichen im Hinterrad. Uli fährt mich vorsichtig im Schritttempo 5 km zur letzten Werkstatt zurück, während Biene zu Fuß hinterher läuft. So ist das nämlich ohne mich. Da läuft hier gar nix -> bzw. jeder 😀 Von Hand schrauben die beiden in der Werkstatt von einem alten Rad Speichen ab und fummeln sie in mein Hinterrad. Die sollen ruhig schwitzen, pah. Aber alles streiken hilft nix – sobald die Speichen wieder dran sind, geht es zurück auf den Highway. Die Stunde Werkstattmiete und die neuen alten Speichen haben sie zusammen auch gerade mal 2,50 € gekostet.

Durch die Verspätung kommen wir punktgenau zur Rush Hour in Bangkok an. Wir müssen ungefähr einmal quer durch die Millionenstadt durch. Also Nasen zuhalten und auf in das Getümmel. Auf den verstopften Straßen schlängeln wir uns zwischen Tuk Tuks, Taxis, rasenden Bussen und riesigen Trucks durch und mehr als einmal wird es den beiden dabei etwas mulmig zumute. Ich hab´ Mitleid und benehm´ mich anständig. So kommen wir irgendwann tatsächlich in der Nähe der Khao San Road an, wo die beiden eine Unterkunft suchen wollen. Ganz versteckt in einer kleinen Seitengasse werden sie schließlich auch fündig. Gemütliche Zimmer, ruhige Lage (sogar mit kleinem Vorgarten), aber trotzdem nur 5 min zu Fuß von der Kao Sanh Road entfernt. Und in keinem Reiseführer oder online zu finden, stimmt hier auch der Preis. Wir checken ein und ich werde sicher im Innenhof abgestellt. Die beiden treffen sich zum Abendessen mit Steffi & Tobi, die aus dem gleichen bzw. dem Nachbarort von Biene stammen und ebenfalls auf Weltreise sind. So klein ist die Welt 😀

Nach einem lustigen Abend machen die beiden am nächsten Morgen Ernst: Flyer werden erstellt, auf denen ICH zum Verkauf angeboten werde:

Katze for sale

Es scheint den beiden wohl Ernst damit zu sein, dass sie weiter in den Süden auf irgendwelche Inseln wollen. Pah! Und ich dachte, das wäre eine Langzeitbeziehung! Während Biene Flyer aufhängt, bringt Uli mich auf Hochglanz. Und dann heißt es warten. Die ersten 2 Tage meldet sich (vollkommen unverständlicherweise, schließlich bin ich erste Sahne) niemand und die beiden überlegen schon, ob sie mich vielleicht nicht doch behalten und mit mir weiter in den Süden Thailands und über Land nach Malaysia fahren wollen. Nur dass die Grenzregion politisch etwas unruhig ist, schreckt sie noch etwas ab.

Aber die Wartezeit überbrücken die beiden ganz gut. Biene geht auf ausgiebige Sightseeing-Tour und schaut sich neben dem reich geschmückten Königspalast auch den Wat Pho an. Dieser schöne Tempelkomplex birgt einen 20 m langen liegenden Buddha ganz aus Gold. War wohl recht beeindruckend.

Zusammen fahren die 2 auch noch mit dem Flusstaxi, von dem viele Backpacker nicht einmal wissen, dass es existiert. Und das, obwohl es noch günstiger ist als Bus fahren – Sightseeing inklusive. Und natürlich essen die 2 soviel leckere Streetfood, wie nur irgendwie in sie reinpasst. Scharfe Thai-Curry, Pad Thai, Thom Yam, Papaya-Salat – die beiden kriegen einfach nicht genug. Es schmeckt halt auch zu gut! Vor allem an dem einen, ganz besonderen Foodstall an der Ecke… 😉 Tolle Gesellschaft haben sie dabei auch noch, denn neben Steffi & Christo, die sie hier zum 3. Mal treffen und die auf ihren Tipp hin sogar im selben Hostel absteigen, lernen sie Afra & Helge aus Deutschland kennen, die ebenfalls gerade auf großer Reise sind und mit denen sie einige lustige Abende verbringen.

Dann steht in Bangkok auch noch der Kauf einer Action Kamera an. Hier werden sie auf dem chinesischen Nachtmarkt fündig. Dabei zicke ich nochmal ein bisschen rum, so ganz verziehen hab´ich ihnen noch nicht, dass sie mich loswerden wollen. Der Weg zum chinesischen Viertel sieht im Dunkeln auch ganz anders aus als im Hellen und da fällt es Uli gar nicht leicht, sich zu erinnern wo er denn nun nachmittags lang gefahren ist… Da bleib´ich dann einfach mal stehen. Ich streike. Benzin leer. Mitten im chaotischen Bangkok, zur Rush Hour und erstmal keine Tankstelle weit und breit in Sicht. Da hatten sie ganz schön dran zu knabbern… 😀 Und zu schieben 😀

Am 3. Tag dann kommt der Hammer: Die Köchin des kleinen Restaurants, in dem die 2 einen Happen zu Mittag essen wollen, sieht das „zu verkaufen“ Schild, dass auf Thai auf meinem Gepäckträger klebt. Und nachdem sie mich kurz von allen Seiten angeschaut hat, will sie mich auch sofort kaufen. Tja, in mich verliebt man sich leicht auf den 1. Blick!

Es wird kurz verhandelt, die beiden hauen tatsächlich Gewinn raus und ich werd´mal wieder gar nicht gefragt. Am nächsten Tag übergeben sie mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge meiner neuen Besitzerin und fahren für ihre restlichen 4 Tage in Bangkok Tuk Tuk…

Mach's gut, Katze!

Mit den zwei hab ich was mitgemacht, ich kann´s Euch sagen! In 5 Wochen durch 3 Länder, durch den laotischen Dschungel, über die holprigsten Wege die man sich vorstellen kann, auf löchrigen Kähnen und wackeligen Brücken dutzende Male über den Mekong, bei Regen, Staubstürmen und gleißender Hitze gefahren und dabei mehr als 4.000 Kilometer durch Südostasien zurück gelegt. Man o man!

Jetzt genieße ich meinen ruhigen Lebensabend beim Bruder der Köchin zwischen den Reisfeldern von Chiang Mai. Wie langweilig. Ich werde die 2 Abenteurer vermissen. Hoffentlich darf ich bald mal wieder in den Dschungel 😀

Mit dem Moped durch das alte Reich der Khmer – Unsere Katze erzählt Part 5

Mit dem Moped durch das alte Reich der Khmer – Unsere Katze erzählt Part 5

Unsere Katze erzählt

So, da sind wir also. Land Nr. 3 in Südostasien mit mir, dem zuverlässigen Moped. Da es nach dem Überqueren der Grenze schon dämmert, bleiben wir direkt in dem kleinen Grenzort und fahren nicht mehr weiter. Die beiden lernen tatsächlich noch dazu 😉 Wir finden etwas abgelegen ein einfaches Hotel und auf der einzigen Hauptstraße des Dorfes gibt es leckere belegte Baguettes, die die beiden zum Abendessen knabbern. Alles ist sehr einfach. Die Kinder des Dorfes sausen auf alten Brettern mit Rollen dran die staubige Dorfstraße hinunter und Essen & Trinken gibt es an den einfachen Straßenständen. Bezahlt wird hier meist in US Dollar, der 2. offiziellen Landeswährung. Nur auf Beträge unter 1 US$ wird in der eigentlichen Landeswährung, dem kambodschanischen Riel, rausgegeben.

Bevor wir am nächsten Morgen nach Siem Reap zu den antiken Tempeln von Angkor aufbrechen, werfen wir noch einen schnellen Blick auf den Friedhof. In dem kleinen Ort hier wurde der kambodschanische Diktator Pol Pot kremiert – eine traurige Sehenswürdigkeit für den kleinen Ort. Der tatsächlich Touristenbusse anlockt, wie wir bei unserer Abfahrt sehen.

Nachdem Biene & Uli von den Straßen im Norden Kambodschas nicht viel Gutes gehört haben, tun mir schonmal vorsorglich die Stoßdämpfer weh. Die beiden haben Videos gesehen, da waren die Straßen eine einzige Schlammpiste. Und andere Reisende erzählten, dass sie auf der Busfahrt von Laos nach Kambodscha wahre Todesängste ausgestanden haben (viele Grüße nach Salzburg 🙂 ). Hier haben wir wohl Glück, dass wir nicht in Laos über die Grenze gelassen wurden. Die Straße, der wir hier folgen, ist neu asphaltiert und das einzige lästige ist der sandige Staub, der flugs eine rote Schicht über alles legt. Die Landschaft auf der dreistündigen Fahrt ist rötlich-trocken, ländlich und nicht sehr abwechslungsreich. Und eben – das Land scheint flach wie ein Pfannkuchen zu sein.

Eine gute Stunde vor Siam Reap sehen wir eine Abzweigung zu einem Khmer Tempel und natürlich – die zwei biegen ab. Da haben die beiden wohl mal wieder einen unbedeutenden Tempel in der Pampa gefunden, denke ich mir. Ich warte draußen, während Uli durch die Mauer lugt, dann auf mich aufpasst und Biene sich die wunderschön verzierten Steinmauern von innen anschaut. Ganz begeistert kommt sie wieder. Tja, wie sich später herausstellen sollte, war das nicht irgendein Tempel – nein, wir haben hier ganz unwissend den Banteay Srey gefunden. Dieser ist einer der abgelegeneren Tempel des Angkor Komplexes und gilt als der mit den detailreichsten Verzierungen. Volltreffer. Eigentlich müsste man hier auch Eintritt bezahlen – davon haben wir aber nichts mitbekommen und durften uns den Tempel in seiner ganzen Pracht umsonst ansehen. Worüber sich die 2 – typisch Schwaben – diebisch freuen 😀

Kurz darauf kommen wir in Siam Reap an. Siam Reap war ursprünglich eine kleine, einfache Stadt. Durch ihre Lage nur wenige Kilometer von Angkor entfernt, hat sie sich aber zur Touristenhochburg gewandelt. Es gibt zahlreiche Unterkünfte jeder Preisklasse, kulinarische Vielfalt von Pizza bis zum kambodschanischen Amok, Nachtmärkte und sogar ein Ausgehviertel, in dem die ganze Nacht Highlife ist. In einer kleinen Seitenstraße finden wir ein gemütliches Hostel. Da ich auch mal wieder etwas Zuwendung will, opfert Uli einen ganzen Nachmittag und optimiert mich. Ölwechsel, Fellpflege, Maniküre, alles mit dabei. Und endlich gibt´s den geschweißten Gepäckträger, den ich schon die ganze Zeit gewollt habe. Yeah!

Früh am nächsten Morgen geht´s dann zu den Tempeln von Angkor und joah, was soll ich dazu sagen!? Ich musste ja immer draußen bleiben. Von den Vorplätzen aus hab ich viele große Steinhaufen gesehen, manche mehr, manche weniger zusammen gefallen. Eigentlich hätte ich sowieso überhaupt nicht dort sein dürfen, in Angkor, wie wir am 2. Tag erfahren. Nur Mopedtaxis, Pferdekutschen mit Fahrer, Taxis und Fahrräder sind in dem UNESCO Weltkulturerbe Areal zugelassen. Deshalb hab´ ich Biene gesagt, zu den Steinruinen soll sie mal wieder was schreiben. Das hat sie auch gemacht. Wenn ihr Euch also für die faszinierenden Tempel der Khmer interessiert, geht´s  – ab morgen – hier lang: Angkor Wat – zwischen Spiritualität und Tomb Raider!

Aber zu der Straße von Siam Reap nach Phnom Penh, der Hauptstadt des Landes, dazu kann ich Euch was erzählen. Boah, war das eine Staubpiste! Sowas hab´ selbst ich als original südostasiatisches Moped noch nicht erlebt! Schon nach den ersten 20 Minuten auf dem großen Highway waren wir komplett eingestaubt. Rucksäcke, Klamotten, ich – alles zentimeterdick mit rotem Staub bedeckt. Beim erstbesten Straßenstand haben sich die 2 dann erstmal Atemmasken für 50 Cent zugelegt – eine sinnvolle Investition, das muss ich zugeben! Hätt´ ich auch gern eine gehabt…

Die Landschaft ist zwar etwas grüner als ganz im Norden, aber auch hier flach und nicht sehr abwechslungsreich. Interessant wird es erst wieder, als wir auf die Hauptverkehrsstraße von Phnom Penh einfahren. Denn dann stehen wir. Im Stau. Es ist der 1. Abend des 3-tägigen Festes Bonn Um Tok zum Ende der Regenzeit, das jedes Jahr groß gefeiert wird. Und das Hostel, dass sich die beiden anschauen wollen, liegt natürlich mitten drin im Trubel. Rund um die Festlichkeiten auf dem Mekong sind die Straßen gesperrt und wir sind bei weitem nicht die einzigen, die in die Nähe des Flussufers wollen. Wir versuchen alles mögliche; biegen mal links ab, versuchen mal uns rechtsrum an den abgesperrten Straßen vorbeizuhangeln, dürfen sogar einige Male durch die Absperrungen fahren (nennen wir es mal Wessi-Bonus 😉 ) und kommen unserem Ziel trotzdem nicht näher. Alles ist chaotisch, es geht weder vor noch zurück und die Stimmung in dem chaotischen Verkehr auf den zum Bersten vollen Straßen sinkt langsam aber sicher.

Schließlich wird es dunkel, es knallt laut und der Himmel leuchtet – das Feuerwerk, das an allen 3 Nächten während des Festivals hochgelassen wird, beginnt. Und wir stehen immer noch mitten auf der Straße. Mann. Die beiden schauen sich kurz an, dann manövrieren sie mich irgendwie auf eine nicht ganz dichte Seitenstraße. Sie stellen mich ab, kaufen sich an dem Straßenstand eine Dose Bier und schauen sich erstmal in Ruhe das Feuerwerk an. Dann wird anschließend beschlossen, ein anderes Hostel zu suchen. Das stellt sich als gar nicht so einfach heraus, sind doch wegen dem Festival viele ausgebucht oder die Preise astronomisch angezogen. Schließlich wird den beiden der Rummel zu bunt und sie fahren wieder aus dem Zentrum raus. Dank mir sind wir ja mobil und sie müssen nicht unbedingt im unmittelbaren Zentrum der kleinen Hauptstadt nach einer Unterkunft suchen. Hätten sie ja auch etwas früher drauf kommen können, ne. Etwas nördlich des Zentrums werden sie dann auch fündig. Auf einem unscheinbaren Schild steht ganz klein etwas von Guesthouse. Zwar sieht die Rezeption etwas zwielichtig aus, aber der Preis stimmt. Als sie sehen, dass jedes Zimmer seine eigene Garage hat, wird schnell klar, wo wir da schon wieder gelandet sind: im Stundenhotel 😀 Für eine Nacht muss es gehen, dann ziehen wir um.

Am nächsten Tag beschäftigen sich die zwei mit der jüngeren Geschichte des Landes. Gerade mal 25 Jahre ist es her, das in Kambodscha ein sozialistisches Regime mehr als 3 Millionen Menschen der eigenen Bevölkerung grausam ausgelöscht hat. Das Militärregime der Roten Khmer mit Pol Pot an der Spitze sah in der Stadtbevölkerung eine neumodische Bedrohung und im Kommunismus die Lösung aller Probleme des leidgebeutelten Landes. Deshalb wurden von einem Tag auf den anderen alle Städte geplündert und die Stadtbewohner in Arbeitscamps zur Zwangsarbeit auf den Feldern verschleppt. Ähnlich wie in den KZs des Dritten Reiches wurden alle die zu schwach oder krank zum arbeiten waren, gefoltert oder hingerichtet. Ein grausamer Genozid, der nahezu eine ganze Generation und ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung tötete. Wir gehen als erstes zu den Killing Fields einige Kilometer außerhalb Phnom Penhs. Hier gab es ein geheimes Arbeitslager und der Name deutet schon an, was mit den Insassen letztendlich geschehen ist. Obwohl es ein sonniger Tag ist, fröstelt es Biene & Uli, als sie die eindrückliche Audiotour über das Gelände unternehmen. Im Anschluss fahren wir ins Gefängnis S21, eine unter Pol Pot zum geheimen Hochsicherheitsgefängnis umfunktionierte High School mitten in Phnom Penh. Der Rundgang hier ist nicht weniger bedrückend als die Killing Fields. Sie treffen einen der nur 7 überlebenden Haftinsassen. Die Begegnung hinterlässt einen tiefen Eindruck von dem Grauen dieser Zeit. Und sie fragen sich, wie so etwas im späten 20. Jahrhundert noch passieren kann? Und wieso die ganze Welt sie auf Hitler anspricht, sie aber von den Gräueltaten in Kambodscha zuvor so gut wie nichts gewusst haben?

Und wie an jedem Tag sehen wir auch heute auf den Straßen Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen. Opfer der zahlreichen Landminen, die während des Vietnamkrieges auch kambodschanischen Boden flächendeckend verseucht haben. Es ist einer der Tage, die unter die Haut gehen. In einem Land, das noch schwer an seiner Vergangenheit trägt.

Für die Bootsrennen, die zu Ehren des Wasserfestes statt finden, und bei denen Ruderboote mit bis zu 40 Mann um den Sieg rudern, sind die 2 danach nicht so recht in Stimmung und lassen sie aus. Um sich wieder etwas aufzuheitern, treffen sie sich am Abend aber noch mit Steffi & Christo auf ein, zwei, drei Bier 😉 bei den Festlichkeiten am Mekongufer.

Tags darauf freuen sie sich über eine ganz besondere Einladung. Über einen Geschäftskunden von Uli kam der Kontakt zu Leni & Johan von der Hilfsorganisation Mercy International zustande. Die beiden betreiben hier in Kambodscha´s Hauptstadt ein tolles Hilfsprojekt, bei dem Jugendlichen aus den Slums eine Ausbildung erhalten. Zwar sind wegen der Feiertage keine Teilnehmer hier, trotzdem nehmen sich Leni & Johan den ganzen Tag Zeit, um Biene & Uli über das Projekt zu erzählen und das Haus zu zeigen: die Werkstatt, in der die Jugendlichen zu Kfz-Mechaniker ausgebildet werden; die Computer, an denen die Jugendlichen EDV-Kenntnisse sammeln können und die Begegnungsräume, in denen Mütter und Familien Informationen über Themen wie Hygiene und gewaltfreie Erziehung bekommen und in denen Englischkurse stattfinden. Ein tolles Projekt, über das ihr auf Mercy Team Cambodia mehr erfahren könnt.

Tags darauf kehren wir der Hauptstadt den Rücken und fahren auf einem holprigen Highway Richtung Süden. Unser Ziel: Kep. Ein kleiner Ort an der Küste, der bekannt ist für seinen Krabbenmarkt. Biene & Uli finden den langgezogenen Ort leider etwas ungemütlich und den Krabbenmarkt eher unspektakulär und touristisch und wir fahren daher schon einen Tag später weiter nach Kampot. Dieser kleine Ort liegt zwar nicht am Meer, aber idyllisch am Fluss. Hier gefällt es den beiden schon viel besser, irgendwie hat dieser Ort richtig Atmosphäre und ein schönes Altstadtzentrum. Sagen sie. Ich vermute, den beiden hat gefallen, dass es hier frisch gezapftes Bier für 1 US$ gab. 😉

Das nächste und letzte Ziel in Kambodscha erreichen wir nach weiteren 3 Stunden Fahrt entlang der hier dicht bewaldeten Küste: Sihanoukville. Dieser Ort gehört schon zu den bekannteren Destinationen in Kambodscha und hat mit 5 Stränden für jeden etwas zu bieten: der abgelegene, einsame Pärchen-Strand; der ruhige Familienstrand; der belebte Partystrand mit vielen Hostels, Bars und Shops und die vorgelagerten Inseln, ideal für wassersportliche Aktivitäten wie Tauchen und Schnorcheln. Die beiden suchen sich ein schönes Fleckchen am Partystrand 😀 und wissen schon nach der 1. Nacht, wieso das Zimmer trotz Meerblick und Top-Strandlage so günstig war. Von den Strandbars dröhnt bis 5 Uhr morgens laute Musik herüber. Mit schlafen ist hier nicht viel, da ist mitfeiern angesagt 😀 Ich werde dauergeparkt und die beiden erkunden auf einem Tagesausflug mit Boot & Schnorchel die Unterwasserwelt. Die sei ganz schön, aber dem Vergleich zu den Philippinen könne sie nicht standhalten, so ihr Fazit. Ganz schön verwöhnt die zwei, wenn ihr mich fragt.

Im Anschluss geht es weiter gen Osten durch die Küstennationalparks Richtung Thailand. Nach gerade einmal 2 Wochen heißt es schon wieder Tschüss Kambodscha. Immer diese Hektik, das ist ja gerade mal ein Kurzurlaub. Aber die beiden haben große Pläne, da müssen sie sich hier kurz fassen, sagen sie. Also geht es wieder mal zurück in mein Heimatland: Thailand. Wohin auch sonst!

Spontan nach Thailand über Nacht – Unsere Katze erzählt Part 4

Spontan nach Thailand über Nacht – Unsere Katze erzählt Part 4

Unsere Katze erzählt

Der laotisch-kambodschanische Grenzübergang ist unter Reisenden einer der berüchtigtsten in Südostasien. Fast jeder Reisende hat schnaubend seine eigene Abzock-Anekdote zu erzählen. In den Hauptrollen meist korrupte Beamten, die für´s Pass stempeln 2 US Dollar extra verlangen und das Visa on arrival nur für 5-10 US$ teurer als den offiziellen Preis genehmigen. Berühmt ist der Grenzübergang außerdem dafür, dass obligatorisch – und natürlich kostenpflichtig – Fieber gemessen werden muss, da man sonst nicht einreisen darf. Da die meiste Abzocke schon in den Mini-Bussen anfängt, wenn schlitzohrige Fahrer die Pässe einsammeln, um entweder für die Rückgabe extra zu verlangen oder eine ordentliche Provision auf die Visumsgebühr draufhauen, sind die beiden mal wieder ordentlich froh, auf meinem Rücken individuell hier anzukommen.

Die laotischen Grenzbeamten sind aber ganz nett. Bevor sie Biene und Uli den Ausreisestempel in die Pässe drücken und mein Visum abstempeln, sollen die zwei doch erst mal checken, ob uns Kambodscha überhaupt reinlässt. Das sei nicht immer der Fall. Hm, bisher hat´s ja noch jedes Mal geklappt. Also fahren wir die gleiche Taktik wie immer, Biene läuft optimistisch lächelnd mit den Papieren durch´s Niemandsland zu den Beamten der anderen Seite, während Uli auf mich aufpasst. Hier sollen nämlich ganz gern schonmal hübsche Mopeds wie ich wegkommen – oder für einen Spottpreis von Reisenden verkauft werden, die es nicht schaffen damit über die Grenze zu kommen. Aber he, nicht mit mir. Mich geben die beiden nicht so einfach her, da bin ich mir sicher. Ohne mich sind sie ja auch aufgeschmissen. Bus fahren, davon haben sie immer noch die Nase voll. Und was sie bisher gehört haben, stehen die Schlaglochpisten in Kambodscha den laotischen in nichts nach!

Als Biene allerdings wieder kommt, sieht sie nicht ganz so freudestrahlend aus. Wo die Genehmigung des Königs wär´, um das Moped ins Land einzuführen, will der kambodschanische Grenzbeamte wissen. Bitte was?! Genehmigung vom König? Was soll denn der Käse? Doch doch, ohne schriftliche Genehmigung des Königs dürfe kein motorisiertes Zweirad nach Kambodscha eingeführt werden! Also, die zwei haben ja im Vorfeld einiges recherchiert, aber davon, dass eine Erlaubnis des – nur symbolisch eingesetzten – Königs nötig ist, haben sie nirgends gelesen. Was ist denn das für eine Masche? Na gut, wo bekommen wir denn die Genehmigung her? Die müsse man in Phnom Penh beantragen. Persönlich. Phnom Penh läge auch nur 6 Stunden von der Grenze entfernt, sagt der Beamte. Und wie, bitteschön, sollen wir da hinkommen, wenn wir ohne nicht mit dem Moped einreisen dürfen? Tja, wir sollen das Moped eben hier stehen lassen, mit dem Minibus hinfahren, die Erlaubnis beantragen und am nächsten Tag wieder mit einem Bus zurückfahren. Ja ne, is´klar. Wir reisen mit dem Bus durch das halbe Land und wieder zurück und lassen das Moped solange hier stehen.

Das kann ja wohl nicht deren Ernst sein? War es aber doch. Biene denkt sich natürlich, dass das die Einleitung für eine Schmiergeld-Forderung ist. Als aber auf die eindrückliche Frage, ob es denn nicht noch eine andere Möglichkeit gäbe, klipp und klar mit nein geantwortet wird, ist sie etwas ratlos! Wie jetzt, meint er die Geschichte etwa wirklich Ernst? Auch der Bluff, dass befreundete Reisende erst vor einem Monat hier ohne Genehmigung des Königs über die Grenze gefahren seien, funktioniert nicht. Der hinzugerufene höhere Beamte weist die Behauptung bestimmt zurück. Es wird klar, ohne so einen Wisch lassen die uns hier tatsächlich nicht rein. Tja, jetzt ist guter Rat erstmal teuer. Gut, dass wir zumindest noch nicht aus Laos ausgereist sind – sonst wären für 60 US$ neue Visa fällig. Die zwei studieren die Karte und schmieden schnell einen Ersatzplan.

Der Kompass wird neu ausgerichtet: Thailand heißt das neue Ziel. Ca. 100 km nordwestlich von der Grenze befindet sich ganz im Westen von Laos einer von nur 2 Landübergängen zwischen Laos und Thailand. Hier sollten wir problemlos rüber dürfen. Dann wollen sie ihr Glück an einem der oberen thai-kambodschanischen Grenzübergänge probieren. Und wenn das auch nicht klappt? Dann wird Kambodscha eben gestrichen. Mir ist gerade die Lust darauf sowieso schon etwas vergangen. Pff, es gibt ja auch in Thailand noch jede Menge zu sehen, wenn die mich nicht einreisen lassen wollen. Mit einem letzten fauchen drehen wir um und heizen mit dem letzten Liter Benzin den ganzen Highway 13 wieder hoch bis nach Paxe. Hier queren wir mal wieder den Mekong und im gestreckten Galopp geht´s weiter nach Westen. Den Grenzübergang passieren wir ohne Probleme und weiter geht´s. Im ersten recht netten Ort in Thailand, von dem sich leider keiner den Namen gemerkt hat, suchen wir was zum übernachten. Und wirklich, wir suchen. Die beiden sollten unbedingt mal ihr Thai verbessern, wenn sie hier so oft aufkreuzen. Das würde die Sache in den untouristischen Gegenden um einiges vereinfachen. Wobei, dann wäre die lustigste Episode des Tages wohl nicht zustande gekommen.

Denn das war so:
Ein Touri-Ort ist das Dorf nicht. Mit viel fragen-durch-Gestik finden wir ein Hotel, das aber mordsteuer ist. Nene, nicht unsere Preisklasse. Also wird weiter gesucht. Da entdeckt Uli am Straßenrand ein Plakat mit Resort und irgendwas auf Thai und Pfeil, also da lang. Die Bungalows auf dem Plakat sehen nett aus, ist also wahrscheinlich auch zu teuer. Probiert wird´s trotzdem. Etwas versteckt im Wald finden wir es schließlich. Das junge Mädel an der Rezeption ist ratlos: wie soll sie sagen, was ein Bungalow kostet, wenn die beiden sie nicht verstehen? Hilfe naht in Form des allgegenwärtigen Smartphones: Der Google Übersetzer muss her. Der sagt „700 Baht per night“ (ca. 17,50 €). Zu teuer, na klar. Schnell wird eingetippt, ob es auch günstiger geht. Worauf als Übersetzung der Antwort kommt „during this time, 300 Baht“. 7,50 €. Na, das ist doch nicht schlecht. Wahrscheinlich ist gerade Nebensaison und während dieser sind die Bungalows günstiger. Ganz klar, nehmen wir. Schnell wird das Gepäck abgeladen und in den Bungalow eingezogen, der wirklich schick ist, wie alle einen eigenen Carport daneben und innen viele Spiegel hat. Nett. Auch wenn das Bett bockelhart und die Deko etwas ungewöhnlich ist… Dann fährt Uli davon, um eine Werkstatt zu suchen. Da schaut das Mädel von der Rezeption dann ziemlich ratlos.
Nach einer halben Stunde kommt sie dann rüber zu Biene, die vor dem Bungalow sitzt und schreibt. Mit viel Smartphone-Übersetzung, Gestik und Interpretation wird schließlich klar, das die 300 Baht der Bungalow-Preis für 3 Stunden ist. Wir sind in einem Stundenhotel gelandet! 😀 😀 😀

Biene verhandelt nach und nach einem Telefonat mit dem Boss dürfen wir für 10 € schließlich die ganze Nacht bleiben. Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Süden. Nach einigem suchen und verfahren finden wir dann auch einen für Ausländer geöffneten Grenzübergang nach Kambodscha. Nachdem es auf thailändischer Seite etwas dauert, weil zwar alle sehr hilfsbereit sind aber keiner so recht weiß wie das funktioniert wenn plötzlich 2 Ausländer an der Grenze stehen und mit dem eigenen Motorrad ausreisen wollen, ist alles geregelt. Alle sind sehr freundlich, ich werde in den Schatten gestellt und Biene & Uli bekommen Wasser angeboten, solange der Papierkram erledigt wird. Ich darf mein Heimatland wieder für 30 Tage verlassen und wie gewollt an einer anderen Grenze ganz im Süden Kambodschas wieder zurückkommen. Dann wird es spannend: wir fahren auf die kambodschanische Seite.

Hier dürfen wir problemlos einreisen.

Von einer notwendigen Genehmigung durch den König ist keine Rede. Die Visa kosten jeweils genau 35 US$, was dem tatsächlichen Preis entspricht (seit 1. Oktober 2014). Die beiden Pässe noch in der Hand, weist der Grenzbeamte darauf hin, dass ich eigentlich ein internationales Nummernschild benötige. Jetzt kommt´s, denke ich mir. Das ist die Einleitung für eine Schmiergeldforderung. Biene & Uli tauschen einen schnellen Blick, sie denken dasselbe.

Beim nächsten Mal sollen die beiden das anbringen, sagt der Beamte, während er ihnen die Pässe wieder entgegen streckt.

Das war´s, wir sind drin. Ohne einen Cent an Schmiergeld zu bezahlen reisen wir nach Kambodscha ein.

Geht doch.

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

Von Hochplateaus und Inseln in Südlaos – Unsere Katze erzählt Part 3

 Unsere Katze erzählt

Vom Dschungelabenteuer von oben bis unten mit Schlamm eingesaut ist von meiner eigentlich grünen Farbe am nächsten Morgen nix mehr zu sehen. Fellpflege ist angesagt! Davor genehmig ich den beiden noch einen hier auf dem Bolavenplateau organisch angebauten Kaffee und einen Spaziergang durch das kleine Örtchen Tad Lo. Zu Fuß natürlich, so eingesaut beweg´ich mich nicht mehr vom Fleck als unbedingt nötig. Außerdem ist direkt neben dem Hostel, in das sie wir uns letzte Nacht im Dunkeln einquartiert haben, ein Wasserfall. Besser gesagt, der unterste von den drei Wasserfällen, die diesen kleinen Ort zu einem beliebten Ziel auf dem Bolavenplateau machen. Und die Brücke drüber war mir gestern schon nicht geheuer. So ein wackliges Ding mit Holzplanken und ohne Geländer. Nene, von Wasser habe ich als Katze erstmal wieder das Schnäuzchen voll. Sollen die beiden ruhig im Fluss baden und auf den Wasserfällen entlang klettern, ich lehne dankend ab. Während Uli mir die verdiente Vollwäsche verpasst und mich und meinen Gepäckträger wieder aufpäppelt, zieht Biene schonmal mit dem ganzen Krempel in einen Homestay bei einer lokalen Familie ans Ende des Dorfs um. Mir soll´s recht sein, mein Parkplatz dort sieht auch ganz ok aus. Abends wird mit der Familie zusammen gekocht, gegessen und beisammen gesessen. Und das ein oder andere Bierchen mit den anderen Gästen getrunken. War wohl ganz nett. Jedenfalls lachen die beiden tags darauf, als wir zum obersten der Wasserfälle fahren und von dem hohen Felsvorsprung dort oben eine tolle Aussicht auf die von einem Gebirge umgebene Hochebene haben, immer noch über die späte Karaokeparty im Guesthouse gegenüber.

Also hör ich an dem Abend, als sie wieder alle beisammen sitzen, mal genauer hin und joa, die ebenfalls weltreisenden Engländer Sophie & Neil, das belgische Paar mittleren Alters, die jedes Jahr eine große Reise machen und die französische Familie, die mit ihren zwei 2 und 4 Jahre alten Kindern für 3 Monate in Asien unterwegs sind (und hier auch ganz cool mit 2 Mopeds ankamen 😀 – mit Kindersitz, versteht sich 😀 ) und die skandinavische Österreicherin hören sich alle ganz lustig an. Tags darauf sitzen die beiden wieder auf und wir düsen über das Bolavenplateau weiter Richtung Süden. Unterwegs wird noch bei einer Kaffeeplantage angehalten. Das Klima des Bolavenplateaus ist für den Anbau von schmackhaftem Hochlandkaffee ideal. Das sagt zumindest der Loose Reiseführer, in den Biene auf dem Sozius immer wieder die Nase reinsteckt. Andere können nichtmal im Auto lesen, Biene selbst auf dem Moped hinten drauf 😀

An diesem Tag geht´s weiter in die Stadt Paxe. Nach dem weichen Waldboden im Dschungel tut mir der harte Asphaltboden an den Tatzen weh. So ist erstmal die Luft raus. Ich verlange einen neuen Hinterreifen. Weich gepolstert für meine Samtpfote, bitte. Uli macht nicht lang rum und ruckzuck ist der Ersatzreifen dran. Geht doch. Damit geht´s nun über die große Mekongbrücke und auf der anderen Seite soll es auf einer kleiner Nebenstraße – mal wieder eine Alternative zum Highway 13 – bis ganz in den Süden zu den Si Phan Don gehen. Oh oh, Alternative zum Highway, ich befürchte das Schlimmste! Aber vorläufig ist noch alles im Lot. Ohne Verkehr geht auf einer geteerten Straße bis zum heutigen Übernachtungsstopp, Champasak. In diesem kleinen Dorf finden die zwei einen tollen, günstigen Bungalow direkt am Mekong – inklusive einer riesigen Spinne, die bei Einbruch der Dunkelheit plötzlich an der Wand hängt. Aber vollkommen ungefährlich, wie der Besitzer mitteilt, als er das Viech wieder frei lässt.

Am nächsten Morgen holt sich Biene ihren Kulturschub, als sie die Ruinen des Wat Phou, des größten Tempels der Khmer außerhalb Kambodschas, besichtigt. Uli und ich pfeifen auf die alten Steine und gönnen uns lieber einen guten Kaffee. Interessant ist, dass der Tempel in einer Linie zu Angkor Wat gebaut wurde, mit über 1.000 Km dazwischen. Das ist ja wie im alten Rom, wo es auch nur gerade Straßen gab. Für ein gutes Moped wie mich aber viel zu langweilig. Ich steh auf Kurven. Als wir einige Kilometer weiter an eine eingestürzte Brücke kommen und warten müssen, bis der Bagger eine zumindest für Mopeds passierbaren Damm aufgetürmt hat, scheint sich meine dunkle Vorahnung langsam zu bestätigen. Nachts zuvor hat es stark geregnet und es dauert nicht lang, bis ich mal wieder matschige Tatzen krieg´. Aus der Nebenstraße wird ein Schottersträßchen, aus dem Sträßchen ein matschiger Trampelpfad. Davon stand nix im Loose. Die beiden sind trotzdem noch ganz im Staunen von der Landschaft und dem ländlichen Leben entlang des Weges, immer wieder kommen uns Ochsenwägen und von Hand gezogene Karren entgegen. Die Begeisterung ist jeweils auf beiden Seiten groß, oft fahren hier jedenfalls keine Ausländer. Das frisch geschnittene Korn wird hier noch von Hand in die Dreschmaschine geworfen.

Mit der Zeit schwitzt Uli immer mehr vor Anstrengung, damit wir nicht alle zusammen im Dreck liegen und Biene steigt öfters mal ab und läuft über die ganz schlammigen Stellen. Am Spätnachmittag stehen wir dann mal wieder vor´m Wasser. Erst jetzt wird mir klar, was unser Ziel, die „4.000 Inseln“ wirklich bedeuten – ich soll über´s Wasser! Katzen sind wasserscheu, hab ich das eigentlich schon mal erwähnt? Den beiden ist das jedenfalls herzlich egal. Mit Anlauf schuckt mich Uli auf den kleinen Kahn, der flucks vom anderen Ufer rüber fährt, als er uns am Ufer warten sieht. Das Ding ist so winzig, ich kann mich nicht mal darauf umdrehen. Und schon sind wir auf der ersten Insel. Weiter schaffen wir heut nicht, also quartieren wir uns im einzigen Ort der Insel für eine Nacht ein. Am nächsten Tag wird noch 2mal mit gruslichen Dschunken übergesetzt, dann sind wir endlich auf Don Khong, eine kleine und eine der bekannteren Inseln der Si Phan Don  (zu dt. 4.000 Inseln). Ob es wirklich 4.000 sind weiß ich nicht, ist mir aber auch recht piepe. Die 2 suchen sich mal wieder einen Bungalow mit Hängematte am Mekong raus und ich stell mich drunter. 3 € kostet die Übernachtung. Das sind noch Preise hier, miau. Don Khong ist dafür bekannt, dass man hier eins ganz toll tun kann: nix! 😀 Irgendwie haben sich die 2 das aber ein bisschen spannender vorgestellt. Von der Partystimmung, von der sie gehört hatten, ist jedenfalls weit und breit keine Spur. Zwar gibt es überall „magische“ und „fröhliche“ Dinge im Angebot, aber die Partypeople dazu sind wohl ausgeflogen. Ne, das ist nicht so der Reisser. Aber so ganz ohne chaotischen-laotischen Verkehr traut sich hier auch Biene mal an meine Pedale. Ich schnurr natürlich wie ein Samtkater. Also machen wir noch einen Tagesausflug auf die Zwillingsinsel, Don Khon und uns dann mit der Fähre wieder vom Acker bzw. der Insel.

Unser nächstes Ziel: Kambodscha! Bis zur Grenze sind es nur noch knapp 40 Kilometer, die legen wir dann auch tatsächlich mal auf dem Highway 13 zurück. Aber denkste, so einfach kommen wir nicht rein. Da könnte ja jeder kommen… An diesem Tag jedenfalls werden wir Kambodscha nicht mehr sehen!

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Dschungelbuch für Abenteurer – Unsere Katze erzählt Part 2

Unsere Katze erzählt

Liebe Leute, ich hätte nie gedacht, dass man für 80 Kilometer 2 Tage benötigen kann. Tut man aber.
Und zwar im laotischen Dschungel:

Die Tour begann ja noch ganz harmlos. Eine Alternative zum Highway 13 hatten die beiden rausgesucht. So biegen wir gen Osten Richtung Vietnam ab und fuhren teilweise den alten Hoh Chi Minh Pfad entlang, bevor wir Richtung Süden auf die kleine, laut Loose Reiseführer lediglich in der Trockenzeit befahrbare Straße 23 abbiegen. Die soll außerdem nur von erfahrenen Motorradfahrer gefahren werden, da es auch ohne Regen eine Cross-Strecke ist. An Selbst- und Gottvetrauen mangelt es den zwei ja wirklich nicht, meine Güte. Ich bin zwar echt ein tolles Moped, aber nun auch nicht gerade eine Geländemaschine. Naja, so weit so gut. Sie würden schon wissen, was sie da tun – dachte ich! Auch als Moped kann man sich ja mal irren. Bis zu unserem Ziel, dem Bolaven-Plateau im Südwesten des Landes, waren es von hier nur noch knappe 100 Kilometer. Das würde ich schon irgendwie rumkriegen. Als besagte Straße von einer Schotter- in einen sandigen Trampelpfad mit tiefen Wasserrinnen übergeht und wir stundenlang kein anderes Fahrzeug sehen, kommen mir jedenfalls schon leichte Zweifel. Als wir dann noch vor einer lang eingestürzten Brücke stehen und stattdessen mit einem kleinen Kahn den großen Fluss überqueren müssen, schwant mir Böses.

Alternative zum Highway, pah! Als wir tatsächlich wieder ein paar Hütten sehen, fragen die zwei erstmal, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Sind wir, oh wunder. Also geht die holprige Fahrt langsam weiter, immer den Trampelpfad entlang. Der wird immer schmaler, die Bäume höher und enger und das Blätterdach darüber dichter. Die Fahrt verlangt uns allen Drei ganz schön was ab… Uli ist voll konzentriert, um auf dem sandigen Boden nicht wegzurutschen, ich bin voll mit dem auf und ab über die tiefen Löcher beschäftigt und Biene hält unser Gepäck mit einem Band zusätzlich mit aller Kraft von oben fest. Für dieses Gelände war der Gepäckträger nicht ausgelegt. So geht es weiter, bis uns in einem kleinen Dorf mit Händen und Füßen klar gemacht wird, dass wir ca. die Hälfte des Weges geschafft haben. Es ist 17 Uhr und dämmert schon langsam. In einer Stunde ist es stockfinstere Nacht. Es ist klar, dass schaffen wir heute nicht mehr. Guter Rat ist teuer. Das Dorf besteht aus einer Ansammlung von 10 Hütten auf Stelzen, keiner spricht englisch und wir stehen mitten im Dschungel. Zum Glück entdecken die beiden einen Pavillon auf Stelzen, auf dem sie übernachten dürfen. Hier wird das Zelt aufgeschlagen, dass die beiden seit China mit sich herumtragen. Ich werd darunter gestellt. Mir können Schlangen und sonstiges Getier ja nicht viel anhaben, vielen Dank auch. Uli entdeckt in dem Dorf Gott sei Dank Benzinfässer zum Tank auffüllen und einen kleinen Laden, in dem es Bananen, Kekse und vor allem Wasser gibt. Als es langsam dunkel wird, erhellen Lagerfeuer vor den Hütten den Nachthimmel und die Frauen holen Wasser zum kochen am Dorfbrunnen. Der ist die einzige Wasserquelle des Dorfes und gleichzeitig Trink-, Wasch- und Duschbrunnen. Uli macht ebenfalls ein großes Lagerfeuer – an das Biene aber gar nicht sitzen will, nachdem sie im Gras eine tote Schlange entdeckt hat. Die war ja sicher nicht die letzte ihrer Sorte… So klettern sie bald auf ihren Pavillon. Von dort, weit weg von jeglicher lichtverschmutzenden Zivilisation, glotzen sie noch eine ganze Weile in einen gigantischen Sternenhimmel, bevor sie mit vielen Dschungelgeräuschen im Hintergrund einschlafen.

Um der Mittagshitze zu entgehen, geht´s um 6 Uhr am nächsten Morgen weiter. Schon bald wird´s kritisch – der kleine Trampelpfad gabelt sich immer wieder. Rechts? Links? Der eine Pfad sieht so aus, als wäre er schon seit Ewigkeiten nicht mehr befahren worden, auf dem anderen hängen die Äste so tief über den Pfad, dass die 2 in Jockeyhaltung und mit eingezogenen Köpfen fahren müssen. Und das soll richtig sein? Aber irgendwohin muss es ja weitergehen… Oder vielleicht doch der andere Weg? Wir probieren sie alle.

Und hier stehe ich nun. Mitten im Dschungel, mit abgebrochenem Gepäckträger, klatschnassem Motor und verbogenen Pedalen. Hinter uns ein breiter Fluss. Wir Katzen wissen schon, warum wir wasserscheu sind! Durchgejagt haben sie mich trotzdem. Nachdem Biene barfuss getestet hat, wie tief das Wasser ist, hab ich mich schließlich von Uli überreden lassen, mit Anlauf durchzuspringen. Tja, das haben sie jetzt davon.

Mit Bambusstöcken wird der Gepäckträger notdürftig ersetzt, Biene schultert die Last zusätzlich und weiter. Eine halbe Stunde später macht uns ein Mann, der im Wald liegt (??) mit Händen und Füßen klar, dass es hier nicht weitergeht. Mit einem Stock in den sandigen Boden malt er uns den Weg auf. Und er malt einen breiten Fluss… Also zurück. Dass jeder, den wir sporadisch unterwegs sehen – vom 6-jährigen Kuhhirten bis zu im Fluss Wäsche waschenden Frauen – uns eine andere Richtung weist, hilft auch nicht wirklich weiter.
Klar wird, dass die beiden keinen blassen Schimmer mehr haben, wo es weitergehen soll. Am Fluss entlang? Oder drüber und südlich? Oder dahinter abbiegen nach Westen? 3 Stunden später stehen wir wieder kurz vor dem Dorf, in dem wir frühmorgens aufgebrochen sind. Geld wollen sie jemandem anbieten, damit er mit dem Moped vorausfährt, uns den Weg zeigt und aus dem Dschungel rausbringt. Während sie das mit Händen und Füßen rüberzubringen versuchen, kommt ein Auto.

Und sapperlott, haben die beiden ein Glück: In dem Pick-up sitzt ein einheimisches Paar, das zufällig in dieselbe Richtung fährt. Wie der große Geländewagen in den Dschungel kam oder wie er durch die Wege, die wir an diesem Morgen gefahren sind, durchkommen soll, ist mir ein Rätsel! Selbst ich als rankes und schlankes Moped kam ja manchmal kaum durch.
Schnell schmeißen wir das Gepäck hinten auf die Ladefläche, Biene steigt hinten ins Auto ein und jetzt wird´s richtig lustig…. Der große Pick-up voraus, Uli mit mir hinterher geht die Geländefahrt erst so richtig los! Durch mindestens ein Dutzend größere und kleinere Flüsse (manche so tief, dass mir doch glatt die Luft weg bleibt und ich ausgehe), steile Abhänge hinauf und hinunter, durch 10 Meter langen knietiefen Matsch geht der „Weg“.

Ha, ich weiß schon was die beiden bei ihrer Navigation falsch gemacht haben: sie haben immer den Weg genommen, der am passabelsten aussah. Richtig wäre der gewesen, der am allerwenigsten passierbar scheint! Der große Geländewagen kämpft trotz Allrad ganz schön und die Kratzer, die sich allein auf dieser Strecke tief in den Lack gegraben haben, würden wohl jedem der männlichen Leser hier das Herz bluten lassen.

Nach 5 anstrengenden Stunden lichtet sich der Wald langsam. Eins steht fest: Allein hätten wir den Weg hierhin NIE gefunden. An einer Kreuzung trennen sich die Wege wieder. Mehr als ein herzliches Danke wollen die Helfer in der Not partout nicht annehmen. Biene wechselt wieder auf den Sozius, schultert den großen Rucksack, der sonst auf dem Gepäckträger liegt (die Bambuskonstruktion hatte mittlerweile den Dienst versagt)und weiter geht´s. Nach kurzer Zeit kommen wir in einen kleinen Ort, in dem wir Trinkwasser kaufen und Benzin auffüllen können. Für beides war es höchste Eisenbahn. Die Reaktion der Einheimischen, die sich schnell alle neugierig um uns versammeln lässt vermuten, dass hier nicht oft Menschen mit weisser Haut und roten Haaren oder mit Bart vorbei kommen. Und wahrscheinlich erst recht nicht von oben bis unten mit rotem Sand paniert. Wohl auch eher selten führen Besucher beim Anblick einer eiskalten Cola einen Freudentanz auf 😀 Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit Händen und Füßen und sind froh, als der Weg kurz hinter dem Dorf langsam wieder zu einer Straße wird.

Obwohl wir drei ganz schön geschlaucht sind, wollen die beiden in der Stadt Savannakhet noch weiter bis zum Bolavenplateau fahren. Gegen Abend fängt es aus vollen Kübeln an zu regnen und ich bin Mopedgottfroh, als wir mal wieder nach Einbruch der Dunkelheit und klatschnass in Tad Lo ankommen.

Sense für heute.

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Erinnert ihr Euch noch? Von der laotischen Hauptstadt Vientiane sind wir Mitte Oktober über den Mekong zurück nach Thailand gefahren, um dort ein Moped zu suchen. Soweit der Stand im letzten Südostasien-Bericht aus Vang Vieng.

Zurück in Thailand werden wir noch am selben Tag in der Grenzstadt Nong Khai fündig. Nach einem Nachmittag Abfahren unzähliger Motorrad-Shops entdecken wir im Hinterhof einer Werkstatt einige Second Hand Maschinen zum Verkauf. Nachdem wir uns die verschiedenen Modelle von „sehr basic“ ‚a la erstes-Moped-mit-16 über „beliebt“ à la kultige-Honda-Win bis „luxuriös“ ‚a la asiatische-Familienkutsche-für 5-Personen angesehen haben, entschließen wir uns am nächsten Morgen direkt zum Kauf – aber wie das alles so war und was dann passiert, kann unsere Katze eigentlich viel besser erzählen!

UNSERE KATZE ERZÄHLT:

„Miau, Katze mein Name. Nicht Katze wie Stubenmieze, sondern Katze wie Wildtiger. Ich bin nämlich ein reinrassiges Moped der Marke Kawasaki, Modell 112 cc „Kaze“ mit semi-automatischem Kraftstrang auf der Hinterhand. Und mit Charakter. Nachdem das geklärt ist, will ich Euch mal verklickern, wie das so war, damals im Oktober 2014 im tiefen Isaan in Thailand. Alsooooo….

Ich dachte mir, ich spinne. Da steh ich hier nun schon fast 2 Jahre dösend im Halbdunkeln des Hinterhofs dieses Shops, in den mich mein Alter verkauft hat, als plötzlich dieses deutsche Backpacker-Pärchen mit den verwuschelten Haaren hier aufkreuzt und jede Menge Tumult reinbringt. Die versteht ja auch keiner. Nicht ein Wörtchen Thai sprechen die. Es ist ja nicht so, dass das hier Bangkok ist, wo jeder ein paar Brocken Englisch spricht. Das ist die tiefste, untouristischste Provinz Thailands hier, man.

Und die beiden wussten überhaupt nicht, was sie wollen. Nur günstig, das soll es sein. Und möglichst fahrbereit. Den Dicken neben mir, auf den die zwei mit ihren mitteleuropäischen Wohlstandshintern locker beide draufpassen, der sich aber auch nicht unter Wert verkauft, schauen sie sich lange an. Fahren ihn Probe. Genauso wie den Zwerg auf meiner anderen Seite, der für ´nen Appl und ´n Ei schonmal den Besitzer wechseln würde. Und der große, ich nenne ihn Uli den Lenker, schaut sich beide ganz genau von unten bis oben an. Sieht so aus, als ob der was davon versteht. Jedenfalls stellt er meinen Zwillingskumpel gleich wieder weg, als er merkt, dass er hinten plattfüßig ist. Als seine Freundin, ich nenne sie Biene die Sozius, auch noch mosert dass sie ihre Füße bei meinem Zwilling und mir nicht ausstrecken kann, ist der Fall für mich erledigt. Ich lass die beiden noch stundenlang weiter überlegen und hör gar nicht mehr hin, bis der Laden dicht macht.

Umso überraschter bin ich, als die beiden am nächsten Morgen wieder auf der Matte stehen. Und verkünden, sie hätten nochmal eine Nacht darüber geschlafen und wollen mich jetzt mitnehmen. Bitte was?! Klar, ich bin preis-leistungsmäßig große Klasse, aber hallo? Ich hab hier wohl gar nichts zu melden. Bei der Probefahrt zick´ ich also erstmal etwas rum, aber es hilft alles nichts. Uli der Lenker meint, dass er das schon alles hinbiegen kann. Na, das wollen wir ja mal sehen. Mit Händen und Füßen wird noch ein bisschen gehandelt, die beiden schlagen nagelneue Spiegel und einen Einkaufskorb für mich und einen farblich zu mir passenden Helm für sich raus und dann scheint mein Schicksal besiegelt. Noch während meine Haushälterin die Papiere umtragen lässt, werkelt Uli der Lenker schon an mir rum. Er prüft mich auf Herz und Nieren, verordnet mir als übervorsichtiger Deutscher eine Vorsorgeuntersuchung, zieht meine lockeren Schrauben nach und verpasst mir zu guter Letzt sogar noch einen Gepäckträger. Sieht gar nicht so schlecht aus. Auch die überlangen Fußpedale, die ich krieg, damit Biene ihre Hax´n bequem ausstrecken kann, machen was her.

Ich glaube fast, mit den beiden kann ich noch ´ne Menge Spaß haben. Als sie später allerdings mit ihrem gesamten Krempel ankommen, glaub´ ich eher, dass sie doch ´ne kleine Meise haben. Ich bin schließlich kein Lastesel. Wie soll ich die beiden, deren zwei 20 kg-Rucksäcke, ihren 5 kg Tagesrucksack samt Kleinkram bitteschön vom Fleck kriegen? Aber ich wäre schließlich keine Kawasaki, wenn ich das nicht mit links schultern würde. Ein großer Rucksack zwischen den Beinen von Uli dem Lenker, der andere auf dem Gepäckträger hinten, das Ersatzrad drunter (ich sag´s ja – übervorsichtige Deutsche) und den Tagesrucksack obendrauf – so hat Biene die Sozius und Fotografin beide Hände frei und sogar eine Rückenlehne zum anlehnen. Der Kleinkram wird im Einkaufskorb vorne verstaut.

Und dann wird´s spannend. Den ganzen Tag jagen mich die zwei über den Highway Richtung Osten, übernachtet wird im kleinen UNESCO Weltkulturerbe Dorf Ban Xai, in dem vor einigen Jahren uralte Werkzeuge von irgendwelchen Urmenschen gefunden wurden. Naja, Menschkram halt.
Dann geht´s weiter Richtung Osten. Mir schwant Böses – und ich sollte Recht behalten: Wir rasen geradewegs auf eine der 5 Freundschaftsbrücken der thai-laotischen Grenze zu. Ich hab´mich echt gefragt, ob die beiden wissen, was sie da tun. Denn die Brücken sind für Zweiräder tabu. Wie sich herausstellt, wissen die 2 das schon – und schicken mich auf gut Glück trotzdem mal auf die Brücke. Ich sag´s Euch – diese beiden! Ich stell mich also in bester Manier vor den thailändischen Grenzbeamten. Uli hält sich dezent im Hintergrund, während Biene als meine Besitzerin ihr Glück versucht und ganz überraschend erfährt, dass Zweiräder gar nicht auf die Brücke dürfen? Ach was?! Also fragt sie mal ganz nett den Beamten, ob es nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, ausnahmsweise…?! Und es klappt. Der Grenzbeamte willigt schließlich ein, uns über die Brücke zu lassen. An ihnen läge es ja nicht. Und sollten wir auf laotischer Seite nicht einreisen dürfen, dürfen wir auch wieder über die Brücke zurückkommen. Aber soweit kommt´s noch. Ich bekomme mein 30-Tage-Visum, beim Zoll hat auch alles seine Ordnung und dann lässt uns der Grenzbeamte durch die einzige Fahrbahnspur fahren, die nicht kamera überwacht ist 😀 Die Auch die Einreise auf der anderen Seite des Mekongs ist auch überraschend einfach: wenn wir jetzt schon mal da sind, können wir ja auch reinkommen. Ohne einen einzigen Cent Schmiergeld. Das hätten die 2 nicht gedacht.

Vielleicht bin ich damit das erste Motorrad, dass über diese Freundschaftsbrücke gefahren wurde 😀 Jedenfalls bin ich das erste Mal im Ausland und die zwei stecken mich mit ihrer Freude richtig an. Laos! Mensch, wer hätte das vor 2 Tagen schon gedacht, dass ich als wasserscheue Katze mal noch den Sprung über den Mekong schaffe und Thailand von außen sehe.

Vor Aufregung hab´ ich doch glatt eine dicke Wimper im Auge und kann mein vorderes Licht nicht mehr richtig kontrollieren. In vollkommener Dunkelheit geht es so in die 10 km entfernte Stadt Takhek. Da wird es den zwei oben drauf doch auch mal ein bisschen mulmig. Ohne Licht im Dunkeln von riesigen Lastern überholt zu werden macht denen wohl keinen Spaß. Die Fahrt auf der holprigen Buckelpiste – immerhin die Hauptverkehrsstraße des Landes von Nord nach Süd – sollte schon ein Vorgeschmack auf die Rumpelpisten der nächsten Wochen sein. Hätte ich gewusst, auf welche Straßen mich die zwei in diesem Land noch schicken würden, hätt´ ich ´mich vielleicht nicht so gefreut. Aber so bin ich noch gespannt auf die erste richtige Fahrt mit den beiden. Die Häuseransammlung Takhek ist nicht gerade ein gemütliches Plätzchen und so mach ich den 2 Feuer unter dem Hintern, damit wir am nächsten Morgen auch gleich zur Tour über das laotische Zentralplateau aufbrechen.

Los geht’s das erste Stück über die flache Ebene, zwischen Karstgebirgen durch und vorbei an den ersten Höhlen, in die die zwei eigentlich reinklettern wollten. Tja, wenn ich erstmal renne halte ich so schnell nicht mehr an. Und Schilder lesen müssten die beiden schon selbst. Die Landschaft ist auch so schön genug und ohne unnötigen Unterbrechungen kommen wir so schon gegen Mittag am Stausee an. Hier wurde vor ein paar Jahren ein nicht unumstrittener Stausee angelegt, um ein Wasserkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Dafür mussten über 1.000 Anwohner umgesiedelt werden, weil die existierenden Dörfer einfach geflutet wurden. In einem Land, in dem gefahrlos nutzbarer Boden eine Rarität ist, menschenrechtlich sehr schwierig. Rechtzeitig zur Mittagspause des eigentlich zur Besichtigung offenen Werkes sind wir an der Staumauer. Also wird auch aus dem Sightseeing-Programmpunkt nichts und wir düsen weiter. Am Stausee finden wir ein gemütliches Guesthouse und die zwei bestellen sich was zu knabbern. Das Sabaidee Guesthouse mit direktem Blick auf´s Wasser ist so gemütlich, dass die beiden doch glatt ein Mittagsschläfchen dranhängen und beschließen, heute nicht mehr weiterzufahren sondern sich für 5 € in einen der einfachen Holzbungalows mit Hängematte und direktem Seeblick einzumieten. Na, mir soll´s recht sein. Während ich mich in der Mittagshitze räkle, liegen die beiden in der Hängematte und erkunden die Umgebung zu Fuß. Abends sitzen sie mit den einzigen anderen Gästen, einem englischen Pärchen auf Asienreise, am Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten aus. Und einen Sternenhimmel gibt es hier, man o man. Keine störenden Lichter weit und breit lassen tausende Lichter am Firmament funkeln und die ein oder andere Sternschnuppe ist auch dabei. Biene kommt kaum ins Bett vor lauter glotzen.

Am nächsten Morgen geht´s trotzdem schon um 5:00 Uhr zum spektakulären Sonnenaufgang raus. Die 2. Etappe führt laut Loose über schlechte, unasphaltierte Straßen und die nächste Ortschaft ist erst nach 4 Stunden zu erwarten. Dort wollen die zwei vor der Mittagshitze ankommen. Und echt, die Straßen sind mies bzw noch gar nicht vorhanden, da erst noch im Bau. Zum Glück ist Uli der Lenker so ein passabler Fahrer. Ohne Sturz passieren wir so auch das steilste Stück, eine hügelige Sandpiste und schleichen vorbei an staubenden LKWs und eingegrabenen Wassergräben. Die nächste Ortschaft kündigt sich wie üblich mit winkenden Kindern in Schuluniform auf Fahrrädern und großen Staubwolken an. Eine Besonderheit ist der Affe, der angeleint vor einem Haus sitzt. Ein Wachaffe? Hier biegen wir nach Westen ab und düsen 2 weitere Stunden entlang durch ein herrliches Tal mit goldgelben Kornfeldern und grünen Wiesen, das von Karstbergen eingegrenzt ist.

Dann erreichen wir eins der großen touristischen Highlights von Laos: die Konglor Höhle. Für mich heißt das: Pause. Ich stell mich in den Schatten. Die 2 werden im Ruderboot über den Fluss zum Höhleneingang gerudert. Später erzählen sie, dass sie dort ihren Guide getroffen haben und ins nächste Boot gestiegen sind. Die Konglor Höhle wird auf 8 km von einem Fluss durchhöhlt und kann nur vom Boot aus erkundet werden. Sie ist eine der spektakulärsten Höhlen von Laos. Mit dem Motorboot geht es in rasanter Fahrt und in fast vollkommener Dunkelheit in den Höhlenschlund. Schnell ist es stockfinster und der Käpt´n orientiert sich im Zickzack-Kurs nur per Taschenlampe an Felsenmarkern, damit das Boot nicht an den spitzen Felsen schrofft. Zum Glück haben Biene & Uli ihre eigene Taschenlampe dabei, sonst wäre nicht viel zu sehen gewesen von den beeindruckenden Formationen im Felsenlabyrinth. Nach einigen Stromschnellen steigen sie in der Mitte der Höhle aus. Hier geht es zu Fuß über die Sandsteinfelsen an einer Seite der Höhle. Zu sehen gibt es toll geformte Stalagniten und Stalaktiten in verschiedenen Formen. Zu sehen sind sie wirklich, denn dieser Teil der Höhle wird per Lichtschalter mit Strahlern ausgeleuchtet.

Drumrum nehmen wir dem Tag an Wetter alles mit, was Petrus zu bieten hat: ein wunderschöner, wolkenloser Sonnenaufgang, auf einen Schlag wolkenverhangenen Himmel mit Nebel, gleißend heiße Mittagssonne, Windböen, Sommergewitter mit Platzregen, dramatisches Abendlicht. Bevor wir an Übernachtungsstopp ankommen, wird es mal wieder Nacht. Das mit dem Timing haben die zwei noch nicht so raus. Über die stockdunkle Schotterstraße geht es vorbei an unbeleuchteten Kühen, Mopeds und Traktoren zum Glück heil in den nächsten Ort Kong Kham.

Der dritte Tag der Tour kann landschaftlich mit den ersten beiden nicht mithalten. Auf dem Highway Nr. 13 (= wieder die schlechteste Hauptverkehrsstraße eines Landes) geht es nach einem steilen Anstieg mit noch toller Aussicht über das Hochplateau schnurgerade und wenig spektakulär zurück nach Takhek. Skurriles Highlight auf dem Weg: eine an einem Seil 1 Meter über die Straße baumelnde tote Ratte. Schlangenfänger? Oder Verkaufswerbung?
In Takhek holen wir die großen Rucksäcke der beiden im Hostel ab, wo wir sie während der Tour zwischen geparkt haben. Zwar war mein bewachter Parkplatz ganz nett, aber die Zimmer der Travel Lodge waren genau wie Takhek selbst wohl etwas ungemütlich. Deshalb wollen die zwei gleich weiter fahren. An mir soll´s nicht liegen. Aber dass mir nachher keiner jammert, dass das Sitzfleisch schmerzt.

Biene die Navigatorin sucht uns als Alternative zum Highway 13 ein kleines Sträßchen am Mekong entlang raus. Durch kleine Dörfer geht es schön entspannt Richtung Süden. Am nächsten Tag ist es mit der Entspannung vorbei. Dort erwartet mich ein Abenteuer mit den beiden, dass ich mir so nie hätte träumen lassen! Ich hab es ja schon am Anfang vermutet – ein bisschen verrückt sind die zwei auf jeden Fall… Ich sag´nur: Der Dschungel ruft!

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