Farmwork Australien

Kichererbsen, Cowgirls und Beer o´clock – Farmarbeit im Outback 2

Kichererbsen, Cowgirls und Beer o´clock – Farmarbeit im Outback 2

21. – 25. September 2015
„…Mir nichts Dir nichts fliegen die Wochen vorbei. Am Wochenende haben die Männer mit der Ernte der Kichererbsen begonnen. Uli fährt seitdem jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einen der großen Mähdrescher. 12 Meter Dreschbreite. In Deutschland würde man bei dieser Breite direkt das Feld des Nachbarn miternten (habe ich mir sagen lassen 😉 ). Hier reicht ein Feld bis zum Horizont. Eine Runde dauert da locker mal 30 Minuten und nach 3 Reihen ist der Mähdrescher voll. Ich habe diese Woche etwas weniger zu tun. Wasche die Trucks, fahre immer mal wieder jemanden zum Flughafen in Emerald, mähe Rasen und arbeite bei Jocie rund um Haus & Hof. Wenn es nichts für mich zu tun gibt, gehe ich ausreiten, Rad fahren oder schreibe Berichte. Freitags bin ich bei Jenny, wir wollen im Garten arbeiten. Aber bei Nachbar Jobbs – 10 km weiter – ist Bullenauktion. Wir gehen hin und leisten moralische Unterstützung. 40 Stiere werden verkauft. Der Durchscnittspreis liegt bei 6.400 AU$. …“

Normalerweise ist die Ernte auf der Farm die arbeitsreichste Zeit des Jahres, oft werden die Nächte durchgefahren und es sind 4 Trucks zum Abtransport des Getreides im Einsatz. Dieses Jahr konnte aufgrund des fehlenden Regens aber nur ein Drittel der sonst üblichen Fläche angebaut werden. Und die gewachsenen Kichererbsen-Pflanzen sind nur halb so hoch wie sonst. Das Ernten geht deshalb aber nicht schneller, sondern ist eher schwieriger. Damit überhaupt etwas geerntet werden kann, muss das Schneidwerk ganz knapp über dem Boden gehalten werden. Gleichzeitig darf kein Dreck mitkommen, da sonst das Getreide vom Depot abgelehnt wird. Bei 12 Metern Arbeitsbreite und den in regelmäßigen Abständen durch das Feld verlaufenden Wasserabläufen ist in der Fahrerkabine hohe Konzentration gefragt. Nachts zu ernten ist dieses Jahr unmöglich.

Zu Biene’s Geburtstag meint es Petrus gut mit uns und lässt es einen Tag davor regnen. Das heißt, es kann erstmal nicht geerntet werden und wir haben beide einen Tag frei. Nach einem schönen Geburtstagsfrühstück mit Geburtstagspost von zuhause unternehmen wir einen Tagesausflug in den 200 km entfernten Nationalpark Blackdown Tablelands. Hier erwarten uns tolle Aussichten von einem Sandsteinplateau über die weite Ebene, ein kleiner Wasserfall und mehrere schöne Wanderwege. Die Landschaft erinnert uns an die beeindruckenden Blue Mountains. Abends schmeißt Jenny ein großes Geburtstagsessen. Es gibt Geschenke und sogar ein lauthals gesungenes Geburtstagsständchen wird vorgetragen. Es fühlt sich wunderbar an, dass alle so herzlich mit uns feiern. Der Geburtstag hätte auch in der Südsee nicht schöner sein können.

Donnerstag, 7. Oktober 2015
„Heute morgen kamen Jocie’s Freundinnen zur Kleiderparty. Ich dachte, alle kommen im Kleid und wir trinken einfach Kaffee zusammen. Aber es kommt eine Verkäuferin von Verducci-Design, die Kleider verkauft. Wie eine Tupperparty, nur mit Kleidern statt Schüsseln 😀 Die meisten der Gäste kenne ich. Ich probiere spaßeshalber ein Kleid an. Hinterher sagt mir Jocie, dass sie es für mich gekauft hat. Total verrückt!! Außerdem soll ich alle Stunden für heute aufschreiben, obwohl ich doch eigentlich nur Kaffee getrunken & Kuchen gegessen habe. WTF…!? So macht Arbeiten doppelt Spaß!! 😀 Mittags geh ich ausreiten. Wir bekommen unsere australische Steuer für das Finanzjahr 2015 zurück, yeah! Uli fährt wie immer den ganzen Tag Mähdrescher. …“

Natürlich ist nicht jeder Arbeitstag wie dieser und manchmal gibt es auch Jobs, die weniger spaßig sind als bezahltes Kaffee trinken. Dennoch ist es keine Frage, dass wir einen Volltreffer mit unseren Arbeitgebern gelandet haben. Wir fühlen uns von Beginn an als vollwertiger Teil des Teams. Unsere Chefs lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass unsere Arbeit geschätzt wird. Und auch wenn es mal hektisch zugeht ist die Atmosphäre immer angenehm. Die Ernte ist immer noch in vollem Gange. Und auch sonst gibt es jede Menge zu tun.

Freitag, 16. Oktober 2015
„Gestern Nacht hat es geregnet und gewittert, daher ist es heute zu nass zum Ernten. Darren & Dave nehmen frei. Für uns steht stattdessen Rinderarbeit an, yeah! Die 100 Kälber, die Ross gestern gekauft hat, müssen gebrandmarkt, entwurmt, mit Ohrmarken versehen und in die Koppeln bei 70 Miles getrieben werden. Jenny & Ross fliegen raus, wir fahren mit dem Pferdehänger. Wir lassen jeweils 6 Kälber in den Gang, das vorderste kommt in die Schleuse. Ihm wird vorne der Hals „eingeklemmt“, damit es still hält. Ulis Aufgabe ist es, ihnen die Ohrmarken rein zu klipsen, Ross brennt sie und ich trage die Wurmkur auf. Das Brandeisen scheint die Kälbchen weniger zu stören als die Ohrmarken, da muhen sie manchmal schwer entrüstet.
Arg ist es, wenn die Kälber noch Hörner haben. Eigentlich werden diese bereits früh beim Züchter abgezwickt, manchmal wurde es aber nicht ordentlich gemacht und die Ansätze sind noch da. Die müssen dann rausgeschnitten werden, damit sich die Stiere draußen später nicht gegenseitig verletzen. Eine blutige Angelegenheit, die den jungen Tieren definitiv weh tut. Uli trägt Desinfektionsspray auf die Wunden auf. Die Kälbchen sind danach verängstigt, beruhigen sich aber schnell wieder. Jenny ist es sehr wichtig, dass wir verstehen dass es zum Besten der Kälbchen ist. Es ist bulleheiß! Wir machen Pause, damit sich die Kälber abregen und ausruhen können. Wir sind hier definitiv bei den Guten, aber ob es auf allen Rinderfarmen so tierfreundlich zugeht? Nach dem Lunch satteln Ross und ich die Pferde. Jenny & Uli nehmen das Quad. Wir wollen die Rinder mit den Pferden langsam den Hang runter treiben, aber es ist der Wurm drin! Schon aus den Paddocks raus brechen uns einige durch. Eine Handvoll springt durch den Zaun. Ross ist cranky und stinkig auf sich selbst. Auch auf der Weide rennen sie uns nochmal davon statt zum Wasser zu gehen. Damn! Ross wird morgen nochmal rausfliegen um sicherzugehen, dass alle das Wasser zum Saufen gefunden haben und nicht am Zaun entlang irren. Nachts hören wir die Koalas hinter unserem Cottage grunzen.“

Ja, die Tage mit Rinderarbeit sind großartig. Sie stimmen uns aber auch nachdenklich. Den Rindern hier auf Bendee geht es definitiv gut. Sie bewegen sich frei auf weitläufigen Weiden, sind 365 Tage im Jahr draußen, fressen Gras und gebären natürlich ihre Kälber. Damit haben sie es besser als so manche Milchkuh in deutschen Ställen. Die Stiere verbringen die letzten 100 Tage ihres Lebens im Mastpaddock, wo ihnen ein proteinreicher Getreidemix zugefüttert wird. Das einzige Mal, dass sie verladen werden, ist für den Transport zur Schlachterei. Wir waren dabei, auch hier geht es ruhig zu und die Tiere sind entspannt. Aber wir haben auch gehört, dass es nicht überall so ist. Dass auf anderen Farmen am Tierarzt gespart wird.

Die Ernte neigt sich nun langsam aber sicher dem Ende zu. Wir überlegen uns, wie unsere Reise weitergehen soll. Und schreiben unseren Jeep zum Verkauf aus. Dazwischen ereignen sich viele kleinere und größere Ereignisse wie z.B. eine Schlange vor unserem Cottage, schlüpfende Küken, gelegentliche Schlangen auf der Farm, das Eintreffen eines wunderschönen und um die halbe Welt gereisten Geburtstags-Blumenstraußes, der Besuch einer Ballettvorstellung…

…und dann war da noch dieser ganz normale Sonntagabend im australischen Outback:

Sonntag, 18. Oktober 2015
„… Nach dem Abendessen sitzen wir noch gemütlich am Tisch und quatschen. Ein UTE fährt vor’m Cottage vor. Es ist Ross, der uns um Hilfe bittet. Nachbar Jobbs – mit dem gebrochenen Arm – sind 3 Rinder ausgebüxt, die nun gefährlich nahe bei der Hauptstraße sind. Wir kommen natürlich mit. Es ist schon dunkel, aber wir finden die Rinder im Straßengraben. Ich leuchte mit der großen Power-Taschenlampe im Akkuschrauber-Format. Die Viecher rennen los. Uli schmeißt sich wagemutig auf eins der Kälber, zieht es zu Boden, liegt erst drunter, dann rollt er mit ihm durch das dichte Gebüsch bis er oben drauf liegt. Er hält es fest, bis Ross mit dem Strick kommt. Nach dem gleichen Prinzip werden auch die weiteren 2 Rinder eingefangen. Auf’s 3. Rind stürzen sich Uli und Andrew gleichzeitig drauf, es ein Gewusel aus Beinen, Armen und Stricken 😀 Jenny & ich kriegen uns nicht mehr vor Lachen. Die Kälber werden auf die Ladefläche des UTE’s verfrachtet und zurück in den sicheren Paddock gefahren. …“

Am 1. November sind wir seit genau 555 Tagen auf Reisen! Wahnsinn! Wir feiern mit Fish&Chips und genießen einen gemütlichen Regentag. Inzwischen haben wir tatsächlich gelernt, uns über Regen zu freuen und ihn wertzuschätzen. Gleichzeitig beschließen wir, noch 2 Wochen zu arbeiten und dann weiterzureisen. Wenn wir jetzt nicht gehen, sind wir noch zum Pflanzen des neuen Getreides an Weihnachten hier, das wird uns klar. Die Arbeit auf der Farm geht nie aus! In der folgenden Woche stellen die Männer noch die neuen Rinderpaddocks auf 17 Miles fertig. Damit ist unsere „eigentliche“ Aufgabe erfüllt.

Über das kommende Wochenende fahren wir mal wieder weg. Unser Ziel ist der 240 km entfernt gelegene Carnarvon Nationalpark, der uns von allen Seiten wärmstens ans Herz gelegt wurde. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch genau 2 kleine Dörfer – ansonsten: wildes, weites Land. Vor allem trockenes Land! Schon auf der Fahrt sehen wir die verheerenden Nebenwirkungen der herrschenden Dürre: Buschfeuer lodern am Horizont genauso wie direkt neben der Straße.

Im Carnarvon NP angekommen, sind wir überrascht, wie wenig andere Besucher hier sind. Dann wieder erinnern wir uns daran, dass die Gegend hier nicht gerade auf den typischen Touristenpfaden liegt.

Im Carnarvon erwarten uns an diesem Tag kleinere Wanderwege zu einer mit Felsenmalereien der Aborigines übersäten Höhle, einem Pool und in eine Schlucht. Wir parken unseren Lion King nach der Durchquerung zweier tiefen Flussbette wunderschön mitten zwischen Palmen und schlafen seit langem mal wieder im Auto. Uns wird bewusst, dass das vielleicht unsere letzte Nacht in unserem Lion King ist, wenn wir ihn wie geplant noch in Emerald verkaufen. Ein seltsames Gefühl.

Sonntag, 8. November 2015
Wir sind bereits bei Tagesanbruch um 5 Uhr auf den Beinen. Wir haben uns für heute den langen Wanderweg in die spektakuläre Carnarcon Schlucht vorgenommen. Schauen am Fluss ganz leise nach Platypussen – leider wieder mal erfolglos! Wandern zuerst einen Sidetrack zum Moss Garden, ein schöner schmaler Wasserfall dringt aus den dicht mit Moos bewachsenem Felswänden. Der Wanderweg führt entlang kleiner Nadelbäume, die Landschaft ist total schön – fast ein bisschen wie in der Schweiz. Weiter in beeindruckendes Amphitheater (=natürliche Höhle), in das man nur über eine Leiter gelangt. Toll! Weiter die Schlucht entlang bis zur Art Gallery. Hier Vesper mit Blick auf die Felsenmalerein. Wir entdecken neue Symbole, die wir noch nirgends sahen. Tolle Erklärungen auf den Tafeln. Über 24 mit Steinen gelegte Flussüberquerungen ganz ans Ende der Schlucht. Zur Cathedral Cave, in die kieselige und beeindruckende Wooleba Schlucht, am Big Bend die Füße ins Wasser gestreckt, auf dem Rückweg in die wunderschöne kleine Ward Schlucht, in der ein kleiner Wasserfall idyllisch in ein Bächlein plätschert. Trinkwasser. Wir sehen Coorawongs (=Raben), die Rucksack-Reisverschlüsse aufziehen! Unglaublich! Zum Abschluss noch auf den echt anstrengenden Boolinda Bluff zum Aussichtspunkt hochgekämpft. Sicht über die Weite, viele Waldbrände. Gegen 16 Uhr kamen wir wieder am Parkplatz an. Das macht 30 Kilometer wandern in 9,5 Stunden. Abends sind wir alle zum Dinner bei Jenny & Ross eingeladen. Müde.“

Es sollte tatsächlich unsere letzte Übernachtung in Lion King sein. Nur 5 Tage später verkaufen wir ihn an einen holländischen Backpacker. Gleichzeitig ist unser letzter Arbeitstag. Obwohl wir uns auf die Abenteuer und Länder freuen, die nun vor uns liegen, überwiegt heute der Abschiedsschmerz. Wir sind traurig, dass unser Löwe jetzt woanders brüllt, wir unser Steak heute in der Pfanne statt wie sonst im Grill brutzeln müssen und dass wir uns schon in wenigen Tagen von all den lieb gewonnenen Menschen auf der Farm verabschieden müssen.

Unser Abschiedsfest fand schon tags zuvor statt. Nachmittags ist die gesamte Mannschaft zum nahegelegenen Stausee gefahren, wo Jocie & Andrew eine Wochenendhütte direkt am Wasser besitzen. Zuerst ging es mit dem Boot raus auf den See. Auf 2 dahinter befestigten Schlauchreifen fetzen abwechselnd die großen und die kleinen Kinder 😀 im Affentempo hinterher. Ein Riesenspaß! Anschließend gibt es das Nationalgericht der Australier: BBQ Garnelen! Schüsselweise! Lecker! Wir essen uns alle so satt, dass die Steaks zum Hauptgang ausbleiben und wir direkt zu Nachtisch und Wein übergehen.

Danach reisen wir nicht direkt ab, sondern verbringen noch ein paar arbeitsfreie Tage im Cottage, um uns zu organisieren. Samstags laden uns Jocie & Andrew ein, mit ihnen und den Kids über’s Wochenende nochmal zum See rauszufahren. Wir bekommen endlich die Chance, uns im Wasserski fahren zu probieren. Es klappt sogar ganz gut und ist super spaßig! Abends grillen wir Steaks & Marshmallows und nachdem sich die Kids ins Bett verkrümeln, sitzen wir noch stundenlang bei ein paar Drinks mit Jocie & Andrew zusammen. Später gewittert es. Blitze ziehen sich über den ganzen Nachthimmel und es ist eine dieser besonderen Nächte mit Freunden, die einfach auf derselben Wellenlänge liegen.

An unserem vorletzten Tag schaffen wir es dann auch endlich noch, zu den nur 1 Stunde Autofahrt entfernten Edelsteinfeldern zu fahren (Andrew lieh uns nachdem wir unseren Jeep verkauft hatten eines der Farmautos für unsere restliche Zeit). Für diese ist die Gegend rund um Emerald eigentlich bekannt. Hier werden weltweit die meisten Saphire abgebaut. Schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird rund um Rubyvale und Saphire nach den wertvollen Steinen gegraben. Zuerst mit Hacke und Sieb, heute mit schwererem Gerät. Dementsprechend sieht die Landschaft inzwischen aus – hier liegt kein Stein mehr auf dem anderen und die hügeligen Felder sehen aus wie eine umgegrabene Mondlandschaft. Zurück im Cottage laden wir Jenny & Ross zum Abendessen ein. Als Dankeschön. Für einfach mal alles. Es gibt schwäbischen Kartoffelsalat, Uli’s leckeremGurkensalat und Steak mit Bratensauce.

Mittwoch, 18. November 2015
„Morgens unternehme ich als 1. einen letzten Ritt mit Mr. Jingles. Bringe Darren & Dave zur Smoko meine selbstgebackenen Blaubeer-Muffins. Wir suchen nach Flügen und putzen das Cottage. Gegen Spätnachmittag fahren wir zum „Auf Wiedersehen“-sagen nach Bendee. Wir bringen den Kids und den Cowboys Eis mit und trinken mit Jocie & Andrew Kaffee auf der Terrasse. Andrew freut sich, dass es uns bei ihnen gefallen hat und bedankt sich mehrmals dafür, dass wir großartige Arbeit in langen Arbeitswochen geleistet haben. Elsie will mich nicht gehen lassen und fragt, wie lange ich in den Urlaub gehe. Wir verabschieden uns lange und gehen dann nochmal zu Darren & Dave in den Shed. Ich bringe meinen Sattel zu Ross zurück. Wir trinken ein letztes Beer o‘ clock Bier mit Jenny & Ross. auf Kollarena Dann packen wir unsere Rucksäcke. Uli bringt später den Biomüll raus und entdeckt im Hühnerstall eine riesige Schlange! Ich hole Ross, der holt das Gewehr. Die Teppichpython stahl heute das letzte Küken! Letzter Abend. Aufbruchstimmung..“

Nach einem letzten Blick auf unser Zuhause der letzten Monate bringt uns Jenny früh am nächsten Morgen nach Emerald. Hier steigen wir in den Fernbus nach Rockhampton. Und damit sind wir wieder unterwegs. Weiter gereist von Bendee, wo wir viel länger blieben als geplant. Weil es schön war. Wir haben Arbeit gesucht und Freunde gefunden. Auf Bendee fanden wir für eine – wenn auch relativ kurze Zeit – tatsächlich eine Art home away from home. Es fällt uns nicht leicht zu gehen. Aber es ist Zeit. Die Welt wartet wieder auf uns.

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Ende Juli sind wir in Darwin. Zu diesem Zeitpunkt reisen wir schon viel länger über den roten Kontinent als ursprünglich geplant. Grob 2 Monate hatten wir vorab für Australien veranschlagt. Tja, knapp verrechnet – auch nach 7 Monaten haben wir immer noch nicht alles gesehen, was dieses riesige Land zu bieten hat. Und ganz los lässt es uns auch noch nicht, trotz zwischendurch bei Uli auftretendem Australien-Koller 😉 Unser Reisekonto wollen wir mit dem relativ teuren Land aber nicht allzu sehr strapazieren – also beschließen wir zu diesem Zeitpunkt, noch einmal für einige Wochen zu arbeiten. Wir bewerben uns auf eine Annonce in der für 4-6 Wochen nach einem geselligen, hart arbeitenden und erfahrenem Paar für eine betriebsame Familienfarm gesucht wird. Maschineninstandhaltung und -bedienung, das Bauen neuer Rinderpaddocks, etwas Haus- und Gartenarbeit. Nichts, was uns abschreckt. 2 Tage später haben wir die Jobs. Nicht zuletzt dank Uli’s Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und der sehr guten Referenz von unserem letzten Arbeitgeber Mat, der uns wohl wärmstens weiter empfahl.

Am 10. August sollten wir starten. Nach nur 2 Telefonaten mit dem Farmer, Andrew, wussten wir vor unserer Ankunft nicht sehr viel über die Farm Bendee. Außer dass unsere erste Aufgabe sein sollte, alte Rinderpaddocks abzureißen und neue aufzurichten. Und da wir eigentlich alles schonmal – sozusagen erlebnisfrisch – aufgeschrieben haben, gewähren wir Euch heute Einblick in Auszüge aus Biene’s Tagebuch aus diesen spannenden Wochen auf Bendee (das Tagebuch von Uli ist zwischenzeitlich bereits voll beschrieben wieder in Deutschland und daher nicht als Nachschlagewerk zur Hand):

Sonntag, 9. August 2015
„…Gegen Mittag erreichen wir Emerald. Vorräte eingekauft & die 20 km nach Gindie weitergefahren. Gindie: 1 Schule, Tennisplatz, 5 Häuser. Von der Hauptstraße ab und genau 20 km weiter nach „Kollarena“ eingebogen, die Farm von Andrews Eltern Jenny & Ross. Hier werden wir wohnen. Kostenlos. Die beiden begrüßen uns herzlich und zeigen uns unser Cottage. Was von außen auf den 1. Blick nach Container aussieht, stellt sich als voll eingerichteter Bungalow mit Wohnzimmer, 2 Schlafzimmern, Küchenzeile, Bad, Waschmaschine und Sitzgelegenheit draußen raus. Yeah! Wir ziehen ein. Andrew kommt gegen Abend vorbei, macht sehr sympathischen Eindruck. In den Bäumen ums Cottage leben wilde Koalas. Wie geil ist das denn? Schlafen zum 1. Mal seit unserem Besuch bei Elisa & Gunter in Adelaide im Mai wieder in einem Bett.“

Wie ihr lesen könnt, war unser erster Eindruck also ein sehr guter. Trotzdem konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass es uns letztendlich so gut gefallen würde, dass wir kurzerhand unsere schon gehegten Pläne für die Weiterreise einige Wochen später nochmal über den Haufen werfen sollten. Aber dafür kommt uns schon an unserem ersten Arbeitstag tags darauf der Gedanke, dass die Beschreibung busy family farm in der Annonce vielleicht ein bisschen untertrieben war 😀 Oder zumindest die australischen Dimensionen mit unseren Erwartungen mal wieder in keinem Verhältnis stehen:

Montag, 10. August 2015
„Um 5.50 Uhr aufgestanden, leckeren Kaffee aus der Maschine getrunken. Kurz vor 7 mit Ross zu Andrews Farm Bendee gefahren. Dort Darren & Dave, die 2 Vollzeitarbeiter, kennen gelernt. 2 richtige Cowboys :-). Die große Werkstatt ist aufgeräumt & alles hat seinen Platz! Alles ist riesig. Im Shed stehen 3 riesige Mähdrescher, 2 große LKWs, einige John Deere Traktoren etc. Die Farm ist auch riesig – 2.000 Rinder und 19.000 Hektar Grund! Davon 8.000 Hektar Anbaufläche. Hauptsächlich für Kichererbsen, die nach Indien, Bangladesch und Indonesien exportiert werden + je nach Wetter Weizen und/oder Baumwolle. Alles macht super 1. Eindruck, glaube wir haben einen Volltreffer gelandet. …Ich putze den ganzen Vormittag das Büro von Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm, wo bisher ein Junggeselle drin wohnte. Yak! Das fängt ja gut an… Um 10.30 gibt es gemeinsame Vesperpause – „Smoko“ heißt sie bei den Boys, „Morning Tea“ bei den Girls 🙂 Andrew’s Ehefrau Jocie ist ebenfalls sehr sympathisch. 3 Kids: Jessica, 8, Hugh, 6 und Elsie, 4. Mittagspause ebenfalls gemeinsam im Garten. Mittags noch Stroh auf den Gartenbeeten auslegen. Feierabend um 17.30 Uhr und Feierabendbier im Shed. Jocie zeigt mir die Pferde. Yeah! Bin kaputt. Arbeit ist anstrengend 🙂 Uli kocht leckere Pasta und anschließend fallen wir – gegen 20 Uhr! – ins Bett…“

Dienstag, 11. August 2015
„Morgens Stroh in den Gartenbeeten verteilen. Die jüngste Tochter Elsie leistet mir Gesellschaft. Nach der Smoko mit Darren im LKW zum 1 1/2 Stunden Fahrt entfernten Farmgelände „17 Miles“ gefahren. Gehört ebenfalls zu Bendee. Hier steht ein unbewohntes altes Haus, weitere Rinder und die Rentnerpferde der Farm. Das alte Holzhaus ist über 100 Jahre alt und sieht aus, als könne es spannende Geschichten aus einer anderen Zeit erzählen. Es ist wunderschön – oder war es einmal. Jetzt ist es von Termiten zerfressen. Früher wurde hier während dem Mustering immer 1 Woche lang gecampt. Heute werden die Rinder mit Helikoptern in 2 Tagen zusammen getrieben. Australien! Haus sieht aus wie die Sau – viele alte Möbel, Mausdreck, Staubschicht. Großer Clean-up! Alles raus! Für all den Müll wird ein großes Erdloch gebuddelt – wie ich das hasse! Umweltschutz, irgendwer?! Dann nehmen wir den Dampfstrahler, machen draußen sauber. … Abends FLIEGEN wir in Ross‘ Flugzeug zurück!! Mit dem Flieger dauert der Weg nur 15 Minuten. Andrew macht einen ausgiebigen Rundflug mit uns, fliegt über das Farmgelände, den Damm, den Stausee, über Bendee, Kollarena und Shalomar – die Farm auf der Darren wohnt und die ebenfalls zu Bendee gehört. Wie geil ist das denn!…“

Ja, wir waren schwer begeistert. Wer kann schon sagen, dass er den Weg zum/vom Arbeitsplatz mit dem Flugzeug zurücklegt? 😉 Für Uli sollte es im Laufe der kommenden Wochen schon fast normal werden, morgens die wenigen Schritte zum Flugzeughangar zu gehen und auch abends wieder in den Flieger zu steigen. Aber erstmal geht es so weiter:

Mittwoch, 12. August 2015
„Wir richten alles, was wir zum campen brauchen. Den Rest der Woche wird auf 70 Miles gecampt. Um 7 Uhr gehts los. Ich fahr bei Darren mit, Uli bei Dave und Andrew & Ross fliegen. Die Männer kümmern sich um Strom und fließend Wasser, ich blase das Haus aus und mähe drumrum. Sollte eine Schlange aufkreuzen,liegt das Gewehr griffbereit in Andrew’s UTE. Der übrigens nicht weiss ist. Das Haus ist tatsächlich sauber genug, dass wir uns vorstellen können, darin zu schlafen. Das hätte ich tags zuvor noch nicht gedacht! Wir richten uns mit Matratze, Moskitonetz und Schlafsäcken in einem der Zimmer ein, Dave im anderen, Darren schläft in seinem Camping-Anhänger draußen. Nachmittags geht’s ans Abreißen der alten Rinderpaddocks. Ich schneide mit Darren Draht. …Andrew & Ross fliegen nach Hause. Wahnsinnig schöner Sonnenuntergang, zu dem wir 2 mit dem Quad zum Fluss fahren. Wir trinken ein Feierabendbier, essen Chips und kochen Abendessen. Die Verpflegung hier draußen wird komplett gestellt. Cool! Die Dusche ist nur lauwarm. Wir sitzen den ganzen Abend mit Darren & Dave in der Küche zusammen, da haben wir echt nette Kollegen erwischt.“

Das hatten wir wirklich. Über die nächsten Wochen sollten uns die beiden zu guten Kameraden werden, mit denen wir scherzen konnten, nach Feierabend öfters noch zusammen saßen und auch am Wochenende mal was unternahmen.

Donnerstag, 13. August 2015
„Der Himmel ist glutrot als ich die Augen aufschlage. Atemberaubender Sonnenaufgang vor unserer offenen Glastüre. Der Horizont scheint hier kein Ende zu haben, so weit erscheint er. Man sieht kilometerweit, nur Steppe und Himmel. Genauso hat es hier wahrscheinlich schon vor 100 Jahren ausgesehen. Und so fühlt es sich auch an. Hier draußen, im Outback. Back & Beyond. Zum Frühstück isst Uli Reste vom Abendessen. Darren & Dave scherzen, dass er isst wie ein Scheunendrescher. Und darüber, dass wir Kuchen schon zum Frühstück essen. Sie essen WeetBix. Was Süßes gibts in Australien erst zur Smoko. Da essen wir ein herzhaftes Vesper. Andere Länder, andere Ess-Kultur. …“

Da reisen wir nun also schon monatelang durch Australien. Die Kultur scheint auf den ersten Blick so ähnlich zu unserer eigenen zu sein.  Westlich eben. Und erst jetzt beim Farmleben entdecken wir doch immer mehr kleine, aber feine Unterschiede. Wie das Kuchen-Thema. Und noch 100 andere Aspekte.

Freitag, 14. August 2015
„Beim Aufstehen ist es eisig kalt. Beim Arbeiten wird es schnell wieder warm! Die Paddocks sind jetzt schon komplett abgerissen. Ross kommt angeflogen. Uli zieht mit dem Radlader die alten Holzpfosten raus, ich mach Stacheldrahtzaun weg. Mittags schleifen wir Rost von den ersten Gattern ab. Ich find´s cool. Irgendwann kommt mir das Kabel von der Schleifmaschine zwischenrein. Huch 🙂 Warum sind auch alle Maschinen auf Rechtshänder ausgelegt…Tzz! Darren ersetzt das Kabel. Sehr hilfsbereit, der Kollege.! Wir streichen die ersten Gatter. Um 16.30 Uhr ist Feierabend, bzw. noch 1 1/2 Stunden bezahlte Heimfahrt. Jenny & Ross laden uns auf einen Drink auf ihre schöne hölzerne Veranda ein. Ist total nett. Andrew bedankt sich per sms für die großartige Arbeit, die wir diese Woche geleistet haben. Heiße und ausgiebige Dusche. Chips. Glas Wein. Wir sitzen draußen und verquatschen den ganzen Abend. Heute hat Linus Geburtstag. Schon sein 2. Geburtstag, an dem wir auf Reisen sind! …“

So sah also unsere erste Arbeitswoche aus. Wir hätten es schlechter treffen können, meint ihr nicht auch? Nach einem freien Samstag und einem halben Arbeitstag am Sonntag geht es montags für eine weitere Woche wieder raus nach 17 Miles. Zusammen gefasst schleifen wir die erste Hälfte der Woche Gatter ab und messen die neuen Paddocks aus, dann streicht Biene die ersten Gatter mit Unterlack und Farbe neu an, während die Männer mit dem Bulldozer Schotter für den Boden abgraben, mit dem LKW herankarren und mit der Planierraupe ebnen. Die Arbeitstage sind lang, hart und heiß – aber es macht uns Spaß. Es fühlt sich gut an, mal wieder was zu schaffen. Jeden Tag sehen wir atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge. Auch diese Woche wird die Verpflegung wieder gestellt, inklusive Feierabendbieren und Chips 🙂 Donnerstags laden Ross & Andrew alle zum Abendessen im Pub der nächsten Ortschaft ein. Und freitags sagt uns Andrew, dass er so zufrieden mit uns ist, dass wir eine Gehaltserhöhung bekommen. Am Ende der Arbeitswoche zählt Biene 22 blaue Flecken und unsrer beiden Füße sind müde.

Freitag, 21. August 2015
„…Beim Streichen der Gatter erzählt Ross, wie er Bendee aufgebaut hat. Als Jungspund versuchte er beim ersten Schürferrausch in den nahen Saphirminen sein Glück. Eine wilde Zeit. Er und Jenny wohnten anfangs im Wohnwagen auf den Gemfields. Er gehörte zu den Glücklichen. Mit dem Startkapital kaufte er Bendee. Die überlassenen Maschinen konnte er erst nach der 1. Ernte bezahlen, so knapp war das Geld. Im Laufe der Jahre wuchs die Farm, er konnte 4 andere Farmen dazu kaufen. Ein Self-made-Rinder-Millionär. Der australische Traum 🙂 …“

Für Uli geht es auch in der kommenden Woche nochmal zum Arbeiten und Campen nach 17 Miles. Dort werden in der prallen Sommerhitze Gatter gestrichen, neue Gatter aufgestellt und wie bei einem 3D-Puzzle in verschiedenen Variationen aneinander gereiht. Währenddessen heißt es für Biene auf Bendee arbeiten. In einer Woche wird für 3 Tage ein Filmteam der ABC erwartet, dass eine Dokumentation über Jocie & Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm dreht. Und dafür soll natürlich alles blitzeblank sein und der Garten für die Grillparty hergerichtet werden.
Über SwarmFarm haben wir ja schon hier mehr erzählt. Zu Beginn der Woche ereignet sich noch ein anderes Großereignis:

Dienstag, 25. August 2015
„…Auf der Heimfahrt fahre ich in einen herrlichen Sonnenuntergang mit dicken, schwarzen Gewitterwolken. Blitze zucken durch die Wolken, sieht toll aus. Kurz darauf bricht das Unwetter los – der Himmel wird schwarz, es stürmt dass sich die Eukalyptusbäume biegen, alle 3 Sekunden erhellen über den ganzen Himmel laufende Blitze den Himmel. Dann beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Ich stehe unter der Veranda und bestaune das Spektakel. Jenny kommt rübergefahren, um nachzuschauen ob ich Angst vor Gewittern habe. Süß. Wir trinken ein Glas Wein zusammen und rufen die Männer auf 70 Miles an. Als es etwas nachlässt, fahren wir zum Wassermesser. Auf Red Hill hat’s 18 mm geregnet, auf Kollarena 27 mm. Große Aufregung.“

Dazu müssen wir sagen, dass schon seit 4 Jahren in der größeren Region eine schwere Dürre herrscht. So trocken ist das Land inzwischen, dass auf Bendee zum ersten Mal seit 30 Jahren kein Weizen gepflanzt werden konnte. Regen ist hier ein besonderes Ereignis – und eines, über das sich alle freuen! Von der typisch deutschen Reaktion: „ach nö, heute regnet’s“ ist keine Spur. Sagt die Wettervorhersage Regen voraus, strahlen alle wie die Honigkuchenpferde und telefonieren ganz aufgeregt mit den Nachbarn.

Ein weiteres persönliches Großereignis hat Biene in der folgenden Woche. Ein lang gehegter Mädchentraum geht in Erfüllung:

Dienstag, 1. September 2015
„…Ross, Darren und ich gehen Rinder mustern (=zusammen treiben). Auf den Pferden! Ich bin jetzt offiziell ein australisches COWGIRL! Darren & Ross nehmen 2 der Arbeitspferde, ich reite Mr. Jingles, mit dem ich schon einige Male ausgeritten bin. Wir reiten über die weitläufigen Koppeln zu den oberen Weiden, dort galoppieren Ross und ich von hinten um die Herde und Darren reitet voraus. Immer wieder bricht eins der Rinder aus und ich darf es dann im gestreckten Galopp zurücktreiben. So geil! Wir treiben die Rinder in die Paddocks beim Hof. Morgen kommt der Tierarzt. Die Pferde sind top trainiert, reagieren blitzschnell und sind sehr aufmerksam dabei. Wir treiben 3 Herden rein. Mittags kommt Uli zusätzlich auf dem Quad mit. Wir wechseln die Pferde. Ich darf Playboy reiten, eins von Ross‘ Pferden. Darren sagt, ich muss den Boss beeindruckt haben, nicht mal er saß bisher auf Ross‘ Pferden. Playboy reagiert schon bevor ich ihm die Hilfen gebe. 8 Stunden bezahltes Reiten!! Arbeiten kann herrlich sein 🙂 …“

Ja, dieser und die weiteren Mustering-Tage über die nächsten Wochen sind unangefochten Biene’s Lieblings-Arbeitstage! Über die weite australische Prärie zu reiten, die Zügel in einer Hand, den Cowboyhut auf dem Kopf und hin und wieder ein tiefes, beruhigendes „slowly“ an die voraus trottenden Rinder zu geben – hach…! Dazwischen greift sie Jocie bei allem was im und ums Farmhaus so anfällt unter die Arme und natürlich gibt es auch die typischen Hausarbeiten zu erledigen: Wäsche waschen, bügeln, Fenster putzen, Kuchen backen, Rasen mähen, Bäume zurückschneiden, etc. Auch die Kinder wollen beschäftigt, bekocht und zum Schulbus gefahren werden, der am Anfang der 5 km langen Hofauffahrt hält.

Währenddessen gibt es für Uli ebenfalls jede Menge zu tun: zu seinen täglichen Aufgaben gehört das Mischen des Futters für die 100 Bullen in den Mastpaddocks und das Kontrollieren der Wassertränken. Außerdem müssen Erntemaschinen einsatzbereit gemacht und vorbereitet werden, verschiedene Maschinen benötigen Instandhaltung und einen Wasserrohrbruch gibt es auch zu reparieren. Auch bei der Hydraulik der Roboter-Prototypen ist Uli’s fachmännischer Rat gefragt. Dazwischen geht es für ihn immer wieder tageweise nach 17 Miles zu den halbfertigen neuen Rinderpaddocks…Ihr seht, die traditionelle Rollenverteilung wird im australischen Outback noch gelebt! 😉

An den meisten Wochenenden arbeiten wir und genießen die räumliche Gemütlichkeit in unserem Cottage. Nachts hören wir die Koalas grunzen und in der Früh‘ weckt uns das Lachen der Kookaburras. Der weite Horizont rückt vieles in eine größere Perspektive. Das Leben hier draußen ist noch friedlich. Es tut uns gut, mal wieder eine Zeit lang an einem Ort zu sein, eine Routine zu haben und die vielen Australien-Eindrücke sacken zu lassen.

Sonntag, 13. September 2015:
„Wir schlafen aus und frühstücken draußen. Anschließend Wocheneinkauf in Emerald. Mittags geh ich ausreiten und Uli schweißt was am Auto. Jenny & Ross kommen zur Beer o‘ clock rüber. Wir erzählen von zuhause, vom Leben in Deutschland. Sie erzählen, dass sie hier draußen nicht einmal Hausschlüssel für ihre Häuser besitzen. Wozu auch? Wie herrlich! Wir grillen gemütlich. …“

An unseren freien Tagen unternahmen wir Ausflüge in die weitere Umgebung. Wir setzen (vollkommen underdressed :-D) beim jährlichen Pferderennen im nahen Örtchen Springsure auf’s richtige Pferd, blicken in einem alten Fort in die Siedlungs-Vergangenheit des Landes, genießen die Aussicht von den Springsure Mountains, besuchen das jährlich statt findende Internationale Festival in Emerald (wo wir auf uns vollkommen unbekannte deutsche Biermarken stoßen :-D) und erkunden, was die kleinen Orte sonst noch so zu bieten haben.

Die Wochen fliegen nur so vorbei. Ehe wir es uns versehen, ist es Mitte September. Eigentlich planten wir, Biene’s Geburtstag bereits auf einer Insel in der Südsee zu feiern. Aber hier startet nun jeden Tag die Ernte und Andrew hätte uns nur zu gerne noch etwas länger als Verstärkung. Wir beschließen recht schnell, noch zur Ernte auf der Farm zu bleiben.

Die Südsee wird warten – die Kichererbsen nicht…

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