Australien

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Nachdem wir die erste Jahreshälfte von Patagonien bis nach Kolumbien quer durch Südamerika reisten, verbringen wir die Sommermonate komplett in good old Germany. Also eigentlich nichts, worüber wir auf einem Reiseblog schreiben können. Wir tun es trotzdem – weil wir hier in unserer Plauderecke tun können, was wir wollen und weil es uns auch in Deutschland nicht langweilig geworden ist:

JULI

Während Biene im Juli voll in die Planung unserer Hochzeit einsteigt, genießt Uli es, mal wieder seine Arbeitshose anzuziehen und sich handwerklich betätigen zu können. An den Wochenenden verbringen wir soviel Zeit wie möglich mit unseren Freunden und Familien, die wir so lange nicht gesehen haben. So grillen wir u.A. in Seedorf, in Aichhalden und in Rottenburg am Neckar, trinken Kaffee im Kraichtal, essen Sushi in Düsseldorf und picknicken zu Ballett im Suttgarter Schlosspark. Eine Reihe festlicher Anlässe gibt es im Juli auch: wir feiern den 1. Geburtstag und die Taufe von Uli’s Nichte, die Hochzeit von Biene’s langjährigster Freundin und zum Monatsende wird Uli’s Abschied vom Junggesellendasein legendär gefeiert.

AUGUST

Der August steht dann auch ganz im Zeichen unserer eigenen nahenden Hochzeit. Mit 6 Wochen bis zu dieser geht es so langsam an die 1.001 kleinen Details… Zum Glück finden wir viel Inspiration und Anregungen für diese in der raffinierten Wedding Box.

Neben Biene’s tollem Junggesellinnenabschied steht im Zuge unserer Hochzeit im August noch ein Fest vorab an: unser Polterabend! Kurzerhand werden Hof und Garten von Uli’s Eltern von uns zur Festplatzanlage hergerichtet und wir feiern eine herrliche Gartenparty! Das Schönste daran ist, dass wir einen Abend lang so viele Menschen um uns haben, die uns alle einen Teil unseres Lebens begleitet haben und uns wichtig sind: so feiern neben Jahrgängern, Freunden aus Kinder- und Jugendtagen, Familie, Sportkameraden und Ex-Arbeitskolleginnen auch unsere auf der Kreuzfahrt nach Brasilien neu gewonnen Freunde Francisca & Joachim sowie Petra mit uns. Francisca & Joachim reisen sogar eigens für unseren Polterabend für eine Nacht aus Hamburg an! Der Wahnsinn! Wir freuen uns sehr, all unsere Gäste zu sehen und schaffen es trotzdem kaum, mit allen annähernd ausgiebig genug zu quatschen…was vielleicht auch daran liegt, dass wir einen guten Teil des Abends mit Besen und Schaufel bewaffnet Scherben zusammen kehren. Aber wenn’s Glück bringt…alles so, wie es sein muss!

SEPTEMBER

Jetzt rückt mit großen Schritten unsere Hochzeit näher…und wir sind ohne in Hektik zu verfallen ganz gut mit den finalen Vorbereitungen ausgefüllt. Davor kommen uns Biene’s Patenkinder noch für drei herrliche Tage besuchen und wir beide radeln einen Tag nach Stuttgart. Wir haben einfach keine Lust mehr auf die dauerverstopfte A8 und ein bisschen Bewegung tut schließlich immer gut.

Und dann ist sie da: unsere Hochzeit! Dieser eine, erwartungsvolle Tag, auf den wir monatelang hingefiebert und vorbereitet haben. Und unser Tag ist noch viel schöner, als wir uns das hätten ausmalen können. Über unsere Hochzeit haben wir ja bereits einen extra Artikel geschrieben. Wir möchten uns jetzt auch nicht wiederholen. Nur eins wollen wir an dieser Stelle nochmal los werden: mit all den genialen Überraschungen hätten wir nie gerechnet – sei es das plötzlich aus Akkordeon und Trompeten erklingende Ave Maria in der Hochzeitskirche, das Crépes-Mobil beim Sektempfang oder die kreativen Programmpunkte und so viel mehr: wir feierten unsere persönliche Traumhochzeit und hatten ein unvergessliches Wochenende! Dazu machten es unsere wundervollen Freunde, unsere kreativen Familien und unsere perfekten Trauzeugen! Danke! Ihr seid einfach die Besten!

Nach unserer Hochzeit nehmen wir uns 2 Tage Zeit für uns. Zeit, um die einmaligen Erlebnisse zu reflektieren und für immer im Gedächtnis zu speichern. Wir sind immer noch voller Glücksgefühle und die halten auch noch an, lange nachdem wir all die wundervollen Geschenke auspacken und die Karten lesen.

Wenige Tage später bekommen wir unerwarteten Besuch: der Argentinier Paco, bei und mit dessen Bruder Alejandro und seiner Familie wir eine Woche lang auf Feuerland leben durften, tourt mit einem Freund auf dem Motorrad durch Europa. Es versteht sich von selbst, dass wir die beiden zu uns einladen und einen Tag mit ihnen fahren. Wir zeigen ihnen die schönsten kurvigen Sträßchen durch den Schwarzwald – und natürlich die weltgrößte Kuckucksuhr!

Dann geht es in großen Schritten direkt weiter: es ist die Einschulung von Biene’s Patentochter. Zeitgleich findet in Enzberg das jährliche Faustballfest statt, bei dem Uli natürlich mit auf dem Platz steht. Und so langsam beginnen wir auch wieder mit Reisevorbereitungen. Nur noch 6 Wochen bis zu unseren Flitterwochen!

OKTOBER

Bevor wir allerdings am 22. Oktober nach Thailand aufbrechen, haben wir noch einiges vor: Zum Monatsanfang feiern wir Biene’s Geburtstag mit einem vergnüglichen Tag im Freizeitpark und einer coolen Überraschungsparty. Im Anschluss machen wir uns reise-fit: wir aktualisieren und stocken unsere Ausrüstung auf, machen die routinemäßigen medizinischen Check-ups, erneuern unsere Auslandskrankenversicherung und Biene frischt ihr fotografisches Wissen bei einem Fotokurs auf. Und dann ist die letzte Woche vor unserem Abflug auch schon da. Wieder einmal verabschieden wir uns von Familie und Freunden. Am 22. Oktober steigen wir – noch etwas angeschlagen von der spontanen Abschiedsparty nachts zuvor – freudestrahlend und in Erwartung der neuen Abenteuer, die vor uns liegen, in den Flieger. Dass wir in unseren Flitterwochen anstelle eines exklusiven Resort-Urlaubs backpackend Insel-Hopping in Thailand’s Süden gemacht haben, wisst ihr bereits, wenn ihr den Post über unsere Flitterwochen in Thailand gelesen habt.

NOVEMBER

Am 8. November sind unsere Flitterwochen zu Ende. Und unsere Flittermonate downunder starten. 😉
Australien empfängt uns im Landeanflug auf Perth mit einem glühend roten Sonnenaufgang! Was für eine Begrüßung. Es fühlt sich gut an, wieder Fuß auf den roten Kontinent zu setzen. Mit dem Flughafenbus kommen wir super einfach ins Stadtzentrum und von dort zu Fuß zu unserem für 2 Nächte gebuchten Hostel. Nach einem guten Kaffee und einer Dusche gehen wir los zu einer ersten Erkundungtour. Alles ist uns vertraut. Das typische australische Straßenbild, die schattenspendenden Überdachungen der Gehsteige und „Hotel“ heißende Pubs. Wir erkennen Gebäude und Parks wieder; wissen, in welchen Supermärkten wir frischen Saft und wo wir gutes Fleisch kaufen und dass wir unsere Trinkflaschen an Trinkbrunnen auffüllen können. Anders als bei unserer Ankunft in Darwin vor 2 Jahren trifft uns der gewaltige Preisunterschied zwischen Südostasien und Australien dieses Mal nicht so hart – aber wir verbringen dieses Mal davor ja auch nur 2 Wochen in Thailand und nicht 8 Monate in Südostasien. Auch sonst läuft alles wie am Schnürchen: Schon nach 2 Tagen ziehen wir in eine WG mit einer sympathischen Australierin. Da sind wir bereits stolze Autobesitzer! Wie schon vor 2 Jahren fällt unsere Wahl auf einen Mitsubishi Challenger – bei dem Modell kennt Uli sich jetzt schon bestens mit den mechanischen Feinheiten aus. Außer einer grundlegenden Tiefenreinigung braucht unser neues allradgetriebenes Fahrzeug auch nicht viel, um vom Vorstadt-Zweitwagen zum mobilen Heim umgerüstet zu werden. Zwischen Auto putzen und aufrüsten machen wir noch einen Tagesausflug nach Rottnest Island: hier leben Quokkas – die wohl putzigsten Tierchen ever!

Kaum sind die letzten Hundehaares des Vorbesitzers aus unserem Auto entfernt; die Innenausstattung wie Matratze, Küchenutensilien etc. gekauft; ein Regal eingebaut und die Scheiben abgedunkelt, geht die Fahrt auch direkt los: Innerhalb von nur 3 Tagen Jobsuche erhalten wir mehrere gut klingende Angebote und so besteht die größte Schwierigkeit diesmal für uns darin, uns für eines davon zu entscheiden. Und das fällt uns wahrlich nicht leicht! Nach viel Abwägen und Hin- und Her-Gerissenheit ist auch das geschafft. Gewonnen hat das australische Outback: eine große Rinderfarm im abgeschiedenen tropischen Norden Australien’s. In unseren Köpfen haben wir das Bild der letzten Farm, auf der wir arbeiteten. Nur etwa zwanzig Nummern größer: denn auf dieser Rinderfarm werden auf einer Fläche von 600.000 Hektar an die 20.000 Rinder gehalten. Das Farmgelände ist so riesig, dass es in 3 eigenständige Gehöfte unterteilt ist:

  • das Hauptgut, auf dessen 400.000 Hektar der Großteil der Rinder umher streifen,
  • das vom Haupthaus 3 Stunden Fahrt entfernte Gut in Strandnähe, auf dessen 200.000 Hektar Weideland hauptsächlich die jungen Rinder grasen – und wo wir eingesetzt werden sollen
  • die von dort nochmal 80 km weiter entfernte Außenstation mit Bewässerungsanlagen. Hier wächst auf 300 Hektar saftig grünes Gras. Ein starker Kontrast zum kargen Steppengras der übrigen Weiden. Auf den bewässerten Paddocks stehen die Rinder zur Endmast. Gleichzeitig wird von diesen Wiesen Heu gemacht, um es während Dürren den Herden der beiden anderen Anlagen zufüttern zu können.

Also machen wir uns auf den 2.000 km langen Weg dorthin. Leider zeigt sich nach unserer Ankunft aber ein etwas anderes Bild: Wallal Downs ist nicht wie die vorige Farm familien-geführt, sondern gehört einem Millionär aus der Stadt. Geleitet wird sie von einem General Manager. Die meisten Angestellten bleiben nicht viel länger als ein Jahr und irgendwie ist hier von den Verwaltern bis zum Gärtner keiner richtig heimisch. Und das spürt man. Hinzu kommt, dass die Arbeit für uns unzufrieden stellend ist: nachdem uns der General Manager so schnell wie möglich hier haben wollte, scheint der Gutsverwalter nun nicht so recht zu wissen, welche Arbeit er uns auftragen soll. So stehen wir in der ersten Woche viel rum oder machen zu Dritt Jobs, die eigentlich Ein-Mann-Aufgaben sind. Pferde gibt es auch keine. So hadern wir die ersten 10 Tage mit unserer Entscheidung, uns für dieses Angebot entschieden zu haben.

Zum Glück ist wenigstens der Eighty Miles Strand nur 2 km von unserem Cottage entfernt. Zwar können wir aufgrund der Krokodile und Haie hier nicht im Meer baden, aber um diese Jahreszeit kommen nachts bei Flut Meeresschildkröten zur Eiablage an Land. Mehrmals haben wir das Glück, den bis zu 150 kg schweren Tieren zusehen zu dürfen, wie sie sich mit Mühe den Strand hoch ziehen, mit vollem Körpereinsatz Nester graben, Eier legen, dann mit ihren Hinterflossen die Nester fast liebevoll mit Sand bedecken und solange Sand darauf schaufeln, bis das Nest nicht mehr zu erkennen und so bestmöglich vor natürlichen Feinden geschützt ist.

DEZEMBER

Anfang Dezember ergibt sich für uns zum Glück ein anderer Einsatzbereich auf der Farm: das Verwalterpaar der Bewässerungsanlagen fährt für 6 Wochen in Urlaub. Und wir sollen es vertreten! Abgesehen davon, dass das für Biene – anders als vor Arbeitsantritt vereinbart – auch Haushalts- und Küchenarbeit einschließt, bringt der Umzug hauptsächlich Positives für uns. Die ersten beiden Wochen ist das Verwalterpaar noch vor Ort und zeigt uns die täglichen Abläufe und alles Nötige. Ab Mitte des Monats sind dann nur noch wir beide und unser australischer Kollege Dan auf der Anlage. Jetzt können wir endlich arbeiten 🙂

Uli fährt größtenteils Traktor und mäht, schwadert oder häckselt Gras. Dazwischen verbringt er auch viel Zeit in der Werkstatt, um die recht alten Maschinen zu reparieren und instand zu halten. Biene ist währenddessen für das leibliche Wohl von uns Dreien verantwortlich. Das heißt hauptsächlich Brot backen, salzige Snacks und süße Naschereien für die Vesperpausen bereit halten, Mittagessen vorbereiten und Abendessen kochen. Das Fleisch stammt dabei von der Farm selbst. Für alle ungekühlt lagerbaren Lebensmittel gibt es einen begehbaren, randvoll gefüllten Vorratsraum. Frische Lebensmittel kommen nur alle 14 Tage per LKW aus dem 2.000 km entfernten Perth! So abgelegen ist die Farm. Da wir ja nur drei Personen sind (außer wenn gelegentlich Mechaniker für einige Tage auf der Anlage sind oder Dienstleister über Nacht bleiben), bleibt ihr neben der Arbeit im Haus noch genug Zeit, um ebenfalls alle paar Tage was auf dem Traktor oder mit dem Frontlader zu arbeiten. Nebenbei ist sie für die Baum- und Rasenpflege der noch ziemlich neuen (und kargen) Anlage verantwortlich. Und macht die Büroarbeit. Unser Kollege Dan kümmert sich hauptsächlich darum, dass die Rinder immer auf den richtigen Paddocks grasen, dass die Bewässerungsanlagen funktionieren und kommuniziert mit dem General Manager.

Die Arbeit macht uns hier einiges mehr Spaß als am Gutshof – wir wissen, was zu tun ist und können selbständig arbeiten. So geht der Arbeitstag, der für uns jeden Morgen um 6 Uhr beginnt und um 17 Uhr endet (bzw. für Biene um 19 Uhr, wenn das Abendessen auf dem Tisch steht) schneller vorbei. Und befriedigender als Beine-in-den-Bauch-stehen ist es allemal. Es ist gut, abends zu sehen, was wir tagsüber geschafft haben! Meist ist das eine ganze Menge.

Und dann steht plötzlich schon Weihnachten vor der Türe! Heilig Abend machen wir früher Feierabend und die Küche bleibt kalt. Zur Feier des Tages schenkt uns der Himmel einen glutroten Sonnenuntergang, den wir zusammen mit Dan bei einem Weihnachts-Picknick und eisgekühlten Drinks am Strand genießen. Die beiden Weihnachtsfeiertage haben wir frei. Wir beide fahren für eine Nacht ins 420 km entfernte Broome. Hier campen wir – in derselben Düne wie vor 2 Jahren – am goldgelben Cable Beach und genießen bei BBQ und mit den nackten Zehen im Sand tropische Weihnachten. Was das heißt? Das heißt, dass Uli die Nacht lang kaum ein Auge zu macht und am nächsten Morgen schweißgebadet ist – weil es hier um diese Jahreszeit – Regenzeit – auch nachts nicht unter 30 Grad abkühlt und unser Auto anders als unser Zimmer auf der Farm keine klimatisierten 24 Grad hat… Schön war es trotzdem!

Da die Regenzeit gleichzeitig auch die Hurrikan-Season ist, stehen direkt nach Weihnachten statt dem Tagesgeschäft ungeplant dringend andere Arbeiten an: der erste Hurrikan der Saison hat sich angekündigt. Jetzt muss schnellstens alles niet- und nagelfest gemacht werden. Uli und Dan sind 2 Tage lang mit Festzurren der Bewässerungsanlagen, Verschweißen von Seecontainern und Sichern von Maschinen beschäftigt. Im Endeffekt schwächt sich der Hurrikan dann kurz vor der Küste ab und bringt außer einem Nachmittag mit heftigem Wind nur gerade genug Regentropfen, um den roten Sand zu befeuchten. Aber das kann eben keiner vorher sagen.

An Silvester neigt sich das Jahr schließlich seinem Ende zu. Wir planen einen unspektakulären Jahresausklang: Zur Feier des Tages lädt uns Dan ins 40 km entfernte Roadhouse zum Abendessen ein. Im Anschluss wollen wir Zwei uns um 21 Uhr das riesige Feuerwerksfestival von Sydney im Fernsehen anschauen (die Ostküste ist der Westküste 3 Stunden voraus) und um Mitternacht vielleicht noch mit einem Glas Wein anstoßen. Daraus wird so aber nichts… Nach dem Essen im Roadhouse lädt uns der dortige Koch Rob zu sich auf die Veranda ein – und bei Musik, Tequila, vielen Geschichten aus aller Welt und aus allen Lebenslagen, Bier und viel Gelächter amüsieren wir Vier uns so sehr, dass wir glatt Mitternacht verpassen und bis in die frühen Morgenstunden hinein quatschend unter’m Sternenhimmel sitzen!

Und so findet dieses Jahr seinen überaus gebührenden Abschluss!

2017 war für uns rundherum ein grandioses, sehr ereignisreiches und glückliches Jahr. Es hielt so viele einmalige Momente und Erlebnisse für uns bereit! Für 2018 wünschen wir uns daher ganz bescheiden nur ein: dass es nicht weniger gut wird als das Jahr zuvor 😉

Letzte Tage in Australien – Psst: Geheimtipp

Letzte Tage in Australien – Psst: Geheimtipp

Nach dem Verkauf unseres Jeeps und den ersten Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel war uns recht schnell klar: ohne eigenes Auto wollen wir nicht mehr weiter durch Australien reisen. Nur eines stand noch auf unserer Liste. Bevor wir Australien den Rücken kehren, wollten wir nochmal ans Great Barrier Riff. Diesmal nicht ans äußere Riff, sondern auf eine der Koralleninseln. Davon gibt es auf fast 2.000 Kilometern Riff-Länge richtig viele. Manche nur per privatem Boot zugänglich, andere mit teuren Resorts verbaut, wieder andere mit einfachen Campingplätzen in Nationalparks erschlossen. Und dann gibt es noch ein paar, die wundersamerweise fast ausschließlich die Einheimischen besuchen.

So wie Keppel Island. Die kleine Insel liegt gerade einmal 30 Minuten Fährfahrt vor Rockhampton. Sie wurde uns von unserem Farmer Andrew empfohlen und ist noch ein echter Geheimtipp.

Einst lockte ein luxuriöses Resort ausschließlich gut betuchte Australier auf die kleine Insel. Seit einigen Jahren steht dieses aber leer und verfällt zunehmend. Pläne, die Insel zu einer Backpacker-Oase zu machen scheiterten ebenso wie die geplante Neueröffnung einer luxuriösen Hotelanlage. Und so gibt es heute nur eine Handvoll kleiner Unterkünfte, die sich auf einem Zipfel der weitläufigen Insel konzentrieren. Dazwischen: bewaldete Hügel, von Palmen eingesäumte Wanderwege und drumherum gleich 17 Sandstrände – einer weißer als der andere.

Da es auf der Insel nur einen kleinen Souvenirshop mit wenigen Lebensmitteln und Getränken gibt und eine nur freitags geöffnete Pizzeria, haben wir alles, was wir für ein langes Inselwochenende brauchen, vom Festland mitgebracht. Insklusive 20 Liter Wasser, Nudeln, Wein und Gaskocher. Da kommen einige Kilo zusammen. Bei herrlichen 35 Grad und praller Dezembersonne verspüren wir daher keinen Drang erstmal über die gesamte Länge der Insel zu laufen, wie wir es sonst ja gerne tun. Deshalb laufen wir auf einem schönen überwucherten Wanderweg über Stock und Stein in einer Stunde zum Monkey Beach. Der lange weisse Sandstrand knirscht beim Gehen unter den Füße. Wir suchen uns einen Platz unter den knorrigen Bäumen die den breiten Strand säumen, bauen uns ein Sonnensegel und hüpfen erstmal ins Wasser.

Den Rest des Tages verbringen wir mit herrlichem Strandleben: schwimmen, schnorcheln, lesen, in den strahlen blauen Himmel schauen – und dasselbe wieder von vorn. Als auch die letzten Tagestouristen den Strand verlassen haben, bauen wir unser Zelt auf, schauen in den funkelnden Sternenhimmel und lassen die letzten Monate in Australien Revue passieren. Ein bisschen fühlen wir uns wie Robinson Crusoe. Der nächste Tag ist mehr oder weniger eine Wiederholung der ersten. Wir lesen, schwimmen, schnorcheln und erkunden den Long Beach. Auch der ist schneeweiss und quietscht zwischen den Zehen. Abends sitzen wir mit Erika aus Schweden und James aus England am Lagerfeuer und erzählen uns Reisegeschichten.

Bevor wir am späten Sonntagnachnittag wieder die Fähre zurück aufs Festland nehmen, schnorcheln wir zum Abschluss noch am Shelving Beach. Hier tummeln sich viele farbenfrohe Riff-Fische und wir sehen mit Abstand die schönsten Korallen des Wochenendes. Sogar eine große Schildkröte, einen blaugepunkteten gelben Stachelrochen und einen Leopardenhai entdecken wir am sandigen Meeresboden.

Nach dieser Einstimmung auf unsere nächste Destination Südsee heißt es am nächsten Morgen noch einmal früh aus den Federn. Da wir die kurze Nacht im Park campen, ist das Aufstehen um 4.30 Uhr halb so wild 😀 Über das Mitfahrportal coseats.com haben wir einen Lift (=Mitfahrgelegenheit) nach Brisbane gefunden. In seinem großen LKW bringt uns Brandon für einen Bruchteil dessen, was uns Bus-.Zug- oder Flugtickets gekostet hätte, in die Hauptstadt Queensland. Gute Laune und Musik in der Fahrerkabine inklusive 😀

Da wir in Brisbane schon zu Beginn unserer Reise durch Australien einen dreitägigen Aufenthalt eingelegt hatten, steht dieses Mal kein Sightseeing auf dem Programm. Stattdessen wollen wir mal wieder einiges an Ausrüstung ersetzen. Da Brisbane die Stadt mit dem teuersten öffentlichen Transportsystem Australiens ist und wir hauptsächlich in Shoppingcentern außerhalb unterwegs sein werden, überlegen wir uns eine kreative Idee, um Geld zu sparen: wir mieten uns für 2 Tage einen Kleinwagen! Das ist günstiger als 1 Übernachtung im Hostel, mobil sind wir damit auch – und im Auto schlafen wir – wie in den Monaten mit Lion King erprobt – ja eh ganz ausgezeichnet 🙂

Am 25. November morgens um 10.00 Uhr ist es dann schließlich soweit: nach mehr als spannenden 11 Monaten verlassen wir den roten Kontinent wieder. Der Abschied fällt uns nicht ganz leicht – so vieles haben wir downunder erlebt, so viele wunderbare Menschen kennengelernt, zum ersten Mal live Kängurus, Koalabären und viele andere exotische Tiere gesehen, dutzende Male hat uns die Natur die Münder vor Staunen offen stehen lassen und so viele einmalige Erinnerungen haben wir entlang der insgesamt 40.000 Kilomter Roadtrip rund um Australien gesammelt.

Aber irgendwie spüren wir, dass es nun Zeit ist für neue Abenteuer. Aus dem Flieger werfen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge einen letzten Blick auf das Great Barrier Reef. Danke, Australien! Wir hatten eine geile Zeit!!

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Gesucht: Farmarbeit – Gefunden: Freunde

Ende Juli sind wir in Darwin. Zu diesem Zeitpunkt reisen wir schon viel länger über den roten Kontinent als ursprünglich geplant. Grob 2 Monate hatten wir vorab für Australien veranschlagt. Tja, knapp verrechnet – auch nach 7 Monaten haben wir immer noch nicht alles gesehen, was dieses riesige Land zu bieten hat. Und ganz los lässt es uns auch noch nicht, trotz zwischendurch bei Uli auftretendem Australien-Koller 😉 Unser Reisekonto wollen wir mit dem relativ teuren Land aber nicht allzu sehr strapazieren – also beschließen wir zu diesem Zeitpunkt, noch einmal für einige Wochen zu arbeiten. Wir bewerben uns auf eine Annonce in der für 4-6 Wochen nach einem geselligen, hart arbeitenden und erfahrenem Paar für eine betriebsame Familienfarm gesucht wird. Maschineninstandhaltung und -bedienung, das Bauen neuer Rinderpaddocks, etwas Haus- und Gartenarbeit. Nichts, was uns abschreckt. 2 Tage später haben wir die Jobs. Nicht zuletzt dank Uli’s Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker und der sehr guten Referenz von unserem letzten Arbeitgeber Mat, der uns wohl wärmstens weiter empfahl.

Am 10. August sollten wir starten. Nach nur 2 Telefonaten mit dem Farmer, Andrew, wussten wir vor unserer Ankunft nicht sehr viel über die Farm Bendee. Außer dass unsere erste Aufgabe sein sollte, alte Rinderpaddocks abzureißen und neue aufzurichten. Und da wir eigentlich alles schonmal – sozusagen erlebnisfrisch – aufgeschrieben haben, gewähren wir Euch heute Einblick in Auszüge aus Biene’s Tagebuch aus diesen spannenden Wochen auf Bendee (das Tagebuch von Uli ist zwischenzeitlich bereits voll beschrieben wieder in Deutschland und daher nicht als Nachschlagewerk zur Hand):

Sonntag, 9. August 2015
„…Gegen Mittag erreichen wir Emerald. Vorräte eingekauft & die 20 km nach Gindie weitergefahren. Gindie: 1 Schule, Tennisplatz, 5 Häuser. Von der Hauptstraße ab und genau 20 km weiter nach „Kollarena“ eingebogen, die Farm von Andrews Eltern Jenny & Ross. Hier werden wir wohnen. Kostenlos. Die beiden begrüßen uns herzlich und zeigen uns unser Cottage. Was von außen auf den 1. Blick nach Container aussieht, stellt sich als voll eingerichteter Bungalow mit Wohnzimmer, 2 Schlafzimmern, Küchenzeile, Bad, Waschmaschine und Sitzgelegenheit draußen raus. Yeah! Wir ziehen ein. Andrew kommt gegen Abend vorbei, macht sehr sympathischen Eindruck. In den Bäumen ums Cottage leben wilde Koalas. Wie geil ist das denn? Schlafen zum 1. Mal seit unserem Besuch bei Elisa & Gunter in Adelaide im Mai wieder in einem Bett.“

Wie ihr lesen könnt, war unser erster Eindruck also ein sehr guter. Trotzdem konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, dass es uns letztendlich so gut gefallen würde, dass wir kurzerhand unsere schon gehegten Pläne für die Weiterreise einige Wochen später nochmal über den Haufen werfen sollten. Aber dafür kommt uns schon an unserem ersten Arbeitstag tags darauf der Gedanke, dass die Beschreibung busy family farm in der Annonce vielleicht ein bisschen untertrieben war 😀 Oder zumindest die australischen Dimensionen mit unseren Erwartungen mal wieder in keinem Verhältnis stehen:

Montag, 10. August 2015
„Um 5.50 Uhr aufgestanden, leckeren Kaffee aus der Maschine getrunken. Kurz vor 7 mit Ross zu Andrews Farm Bendee gefahren. Dort Darren & Dave, die 2 Vollzeitarbeiter, kennen gelernt. 2 richtige Cowboys :-). Die große Werkstatt ist aufgeräumt & alles hat seinen Platz! Alles ist riesig. Im Shed stehen 3 riesige Mähdrescher, 2 große LKWs, einige John Deere Traktoren etc. Die Farm ist auch riesig – 2.000 Rinder und 19.000 Hektar Grund! Davon 8.000 Hektar Anbaufläche. Hauptsächlich für Kichererbsen, die nach Indien, Bangladesch und Indonesien exportiert werden + je nach Wetter Weizen und/oder Baumwolle. Alles macht super 1. Eindruck, glaube wir haben einen Volltreffer gelandet. …Ich putze den ganzen Vormittag das Büro von Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm, wo bisher ein Junggeselle drin wohnte. Yak! Das fängt ja gut an… Um 10.30 gibt es gemeinsame Vesperpause – „Smoko“ heißt sie bei den Boys, „Morning Tea“ bei den Girls 🙂 Andrew’s Ehefrau Jocie ist ebenfalls sehr sympathisch. 3 Kids: Jessica, 8, Hugh, 6 und Elsie, 4. Mittagspause ebenfalls gemeinsam im Garten. Mittags noch Stroh auf den Gartenbeeten auslegen. Feierabend um 17.30 Uhr und Feierabendbier im Shed. Jocie zeigt mir die Pferde. Yeah! Bin kaputt. Arbeit ist anstrengend 🙂 Uli kocht leckere Pasta und anschließend fallen wir – gegen 20 Uhr! – ins Bett…“

Dienstag, 11. August 2015
„Morgens Stroh in den Gartenbeeten verteilen. Die jüngste Tochter Elsie leistet mir Gesellschaft. Nach der Smoko mit Darren im LKW zum 1 1/2 Stunden Fahrt entfernten Farmgelände „17 Miles“ gefahren. Gehört ebenfalls zu Bendee. Hier steht ein unbewohntes altes Haus, weitere Rinder und die Rentnerpferde der Farm. Das alte Holzhaus ist über 100 Jahre alt und sieht aus, als könne es spannende Geschichten aus einer anderen Zeit erzählen. Es ist wunderschön – oder war es einmal. Jetzt ist es von Termiten zerfressen. Früher wurde hier während dem Mustering immer 1 Woche lang gecampt. Heute werden die Rinder mit Helikoptern in 2 Tagen zusammen getrieben. Australien! Haus sieht aus wie die Sau – viele alte Möbel, Mausdreck, Staubschicht. Großer Clean-up! Alles raus! Für all den Müll wird ein großes Erdloch gebuddelt – wie ich das hasse! Umweltschutz, irgendwer?! Dann nehmen wir den Dampfstrahler, machen draußen sauber. … Abends FLIEGEN wir in Ross‘ Flugzeug zurück!! Mit dem Flieger dauert der Weg nur 15 Minuten. Andrew macht einen ausgiebigen Rundflug mit uns, fliegt über das Farmgelände, den Damm, den Stausee, über Bendee, Kollarena und Shalomar – die Farm auf der Darren wohnt und die ebenfalls zu Bendee gehört. Wie geil ist das denn!…“

Ja, wir waren schwer begeistert. Wer kann schon sagen, dass er den Weg zum/vom Arbeitsplatz mit dem Flugzeug zurücklegt? 😉 Für Uli sollte es im Laufe der kommenden Wochen schon fast normal werden, morgens die wenigen Schritte zum Flugzeughangar zu gehen und auch abends wieder in den Flieger zu steigen. Aber erstmal geht es so weiter:

Mittwoch, 12. August 2015
„Wir richten alles, was wir zum campen brauchen. Den Rest der Woche wird auf 70 Miles gecampt. Um 7 Uhr gehts los. Ich fahr bei Darren mit, Uli bei Dave und Andrew & Ross fliegen. Die Männer kümmern sich um Strom und fließend Wasser, ich blase das Haus aus und mähe drumrum. Sollte eine Schlange aufkreuzen,liegt das Gewehr griffbereit in Andrew’s UTE. Der übrigens nicht weiss ist. Das Haus ist tatsächlich sauber genug, dass wir uns vorstellen können, darin zu schlafen. Das hätte ich tags zuvor noch nicht gedacht! Wir richten uns mit Matratze, Moskitonetz und Schlafsäcken in einem der Zimmer ein, Dave im anderen, Darren schläft in seinem Camping-Anhänger draußen. Nachmittags geht’s ans Abreißen der alten Rinderpaddocks. Ich schneide mit Darren Draht. …Andrew & Ross fliegen nach Hause. Wahnsinnig schöner Sonnenuntergang, zu dem wir 2 mit dem Quad zum Fluss fahren. Wir trinken ein Feierabendbier, essen Chips und kochen Abendessen. Die Verpflegung hier draußen wird komplett gestellt. Cool! Die Dusche ist nur lauwarm. Wir sitzen den ganzen Abend mit Darren & Dave in der Küche zusammen, da haben wir echt nette Kollegen erwischt.“

Das hatten wir wirklich. Über die nächsten Wochen sollten uns die beiden zu guten Kameraden werden, mit denen wir scherzen konnten, nach Feierabend öfters noch zusammen saßen und auch am Wochenende mal was unternahmen.

Donnerstag, 13. August 2015
„Der Himmel ist glutrot als ich die Augen aufschlage. Atemberaubender Sonnenaufgang vor unserer offenen Glastüre. Der Horizont scheint hier kein Ende zu haben, so weit erscheint er. Man sieht kilometerweit, nur Steppe und Himmel. Genauso hat es hier wahrscheinlich schon vor 100 Jahren ausgesehen. Und so fühlt es sich auch an. Hier draußen, im Outback. Back & Beyond. Zum Frühstück isst Uli Reste vom Abendessen. Darren & Dave scherzen, dass er isst wie ein Scheunendrescher. Und darüber, dass wir Kuchen schon zum Frühstück essen. Sie essen WeetBix. Was Süßes gibts in Australien erst zur Smoko. Da essen wir ein herzhaftes Vesper. Andere Länder, andere Ess-Kultur. …“

Da reisen wir nun also schon monatelang durch Australien. Die Kultur scheint auf den ersten Blick so ähnlich zu unserer eigenen zu sein.  Westlich eben. Und erst jetzt beim Farmleben entdecken wir doch immer mehr kleine, aber feine Unterschiede. Wie das Kuchen-Thema. Und noch 100 andere Aspekte.

Freitag, 14. August 2015
„Beim Aufstehen ist es eisig kalt. Beim Arbeiten wird es schnell wieder warm! Die Paddocks sind jetzt schon komplett abgerissen. Ross kommt angeflogen. Uli zieht mit dem Radlader die alten Holzpfosten raus, ich mach Stacheldrahtzaun weg. Mittags schleifen wir Rost von den ersten Gattern ab. Ich find´s cool. Irgendwann kommt mir das Kabel von der Schleifmaschine zwischenrein. Huch 🙂 Warum sind auch alle Maschinen auf Rechtshänder ausgelegt…Tzz! Darren ersetzt das Kabel. Sehr hilfsbereit, der Kollege.! Wir streichen die ersten Gatter. Um 16.30 Uhr ist Feierabend, bzw. noch 1 1/2 Stunden bezahlte Heimfahrt. Jenny & Ross laden uns auf einen Drink auf ihre schöne hölzerne Veranda ein. Ist total nett. Andrew bedankt sich per sms für die großartige Arbeit, die wir diese Woche geleistet haben. Heiße und ausgiebige Dusche. Chips. Glas Wein. Wir sitzen draußen und verquatschen den ganzen Abend. Heute hat Linus Geburtstag. Schon sein 2. Geburtstag, an dem wir auf Reisen sind! …“

So sah also unsere erste Arbeitswoche aus. Wir hätten es schlechter treffen können, meint ihr nicht auch? Nach einem freien Samstag und einem halben Arbeitstag am Sonntag geht es montags für eine weitere Woche wieder raus nach 17 Miles. Zusammen gefasst schleifen wir die erste Hälfte der Woche Gatter ab und messen die neuen Paddocks aus, dann streicht Biene die ersten Gatter mit Unterlack und Farbe neu an, während die Männer mit dem Bulldozer Schotter für den Boden abgraben, mit dem LKW herankarren und mit der Planierraupe ebnen. Die Arbeitstage sind lang, hart und heiß – aber es macht uns Spaß. Es fühlt sich gut an, mal wieder was zu schaffen. Jeden Tag sehen wir atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge. Auch diese Woche wird die Verpflegung wieder gestellt, inklusive Feierabendbieren und Chips 🙂 Donnerstags laden Ross & Andrew alle zum Abendessen im Pub der nächsten Ortschaft ein. Und freitags sagt uns Andrew, dass er so zufrieden mit uns ist, dass wir eine Gehaltserhöhung bekommen. Am Ende der Arbeitswoche zählt Biene 22 blaue Flecken und unsrer beiden Füße sind müde.

Freitag, 21. August 2015
„…Beim Streichen der Gatter erzählt Ross, wie er Bendee aufgebaut hat. Als Jungspund versuchte er beim ersten Schürferrausch in den nahen Saphirminen sein Glück. Eine wilde Zeit. Er und Jenny wohnten anfangs im Wohnwagen auf den Gemfields. Er gehörte zu den Glücklichen. Mit dem Startkapital kaufte er Bendee. Die überlassenen Maschinen konnte er erst nach der 1. Ernte bezahlen, so knapp war das Geld. Im Laufe der Jahre wuchs die Farm, er konnte 4 andere Farmen dazu kaufen. Ein Self-made-Rinder-Millionär. Der australische Traum 🙂 …“

Für Uli geht es auch in der kommenden Woche nochmal zum Arbeiten und Campen nach 17 Miles. Dort werden in der prallen Sommerhitze Gatter gestrichen, neue Gatter aufgestellt und wie bei einem 3D-Puzzle in verschiedenen Variationen aneinander gereiht. Währenddessen heißt es für Biene auf Bendee arbeiten. In einer Woche wird für 3 Tage ein Filmteam der ABC erwartet, dass eine Dokumentation über Jocie & Andrew’s Roboter-Unternehmen SwarmFarm dreht. Und dafür soll natürlich alles blitzeblank sein und der Garten für die Grillparty hergerichtet werden.
Über SwarmFarm haben wir ja schon hier mehr erzählt. Zu Beginn der Woche ereignet sich noch ein anderes Großereignis:

Dienstag, 25. August 2015
„…Auf der Heimfahrt fahre ich in einen herrlichen Sonnenuntergang mit dicken, schwarzen Gewitterwolken. Blitze zucken durch die Wolken, sieht toll aus. Kurz darauf bricht das Unwetter los – der Himmel wird schwarz, es stürmt dass sich die Eukalyptusbäume biegen, alle 3 Sekunden erhellen über den ganzen Himmel laufende Blitze den Himmel. Dann beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Ich stehe unter der Veranda und bestaune das Spektakel. Jenny kommt rübergefahren, um nachzuschauen ob ich Angst vor Gewittern habe. Süß. Wir trinken ein Glas Wein zusammen und rufen die Männer auf 70 Miles an. Als es etwas nachlässt, fahren wir zum Wassermesser. Auf Red Hill hat’s 18 mm geregnet, auf Kollarena 27 mm. Große Aufregung.“

Dazu müssen wir sagen, dass schon seit 4 Jahren in der größeren Region eine schwere Dürre herrscht. So trocken ist das Land inzwischen, dass auf Bendee zum ersten Mal seit 30 Jahren kein Weizen gepflanzt werden konnte. Regen ist hier ein besonderes Ereignis – und eines, über das sich alle freuen! Von der typisch deutschen Reaktion: „ach nö, heute regnet’s“ ist keine Spur. Sagt die Wettervorhersage Regen voraus, strahlen alle wie die Honigkuchenpferde und telefonieren ganz aufgeregt mit den Nachbarn.

Ein weiteres persönliches Großereignis hat Biene in der folgenden Woche. Ein lang gehegter Mädchentraum geht in Erfüllung:

Dienstag, 1. September 2015
„…Ross, Darren und ich gehen Rinder mustern (=zusammen treiben). Auf den Pferden! Ich bin jetzt offiziell ein australisches COWGIRL! Darren & Ross nehmen 2 der Arbeitspferde, ich reite Mr. Jingles, mit dem ich schon einige Male ausgeritten bin. Wir reiten über die weitläufigen Koppeln zu den oberen Weiden, dort galoppieren Ross und ich von hinten um die Herde und Darren reitet voraus. Immer wieder bricht eins der Rinder aus und ich darf es dann im gestreckten Galopp zurücktreiben. So geil! Wir treiben die Rinder in die Paddocks beim Hof. Morgen kommt der Tierarzt. Die Pferde sind top trainiert, reagieren blitzschnell und sind sehr aufmerksam dabei. Wir treiben 3 Herden rein. Mittags kommt Uli zusätzlich auf dem Quad mit. Wir wechseln die Pferde. Ich darf Playboy reiten, eins von Ross‘ Pferden. Darren sagt, ich muss den Boss beeindruckt haben, nicht mal er saß bisher auf Ross‘ Pferden. Playboy reagiert schon bevor ich ihm die Hilfen gebe. 8 Stunden bezahltes Reiten!! Arbeiten kann herrlich sein 🙂 …“

Ja, dieser und die weiteren Mustering-Tage über die nächsten Wochen sind unangefochten Biene’s Lieblings-Arbeitstage! Über die weite australische Prärie zu reiten, die Zügel in einer Hand, den Cowboyhut auf dem Kopf und hin und wieder ein tiefes, beruhigendes „slowly“ an die voraus trottenden Rinder zu geben – hach…! Dazwischen greift sie Jocie bei allem was im und ums Farmhaus so anfällt unter die Arme und natürlich gibt es auch die typischen Hausarbeiten zu erledigen: Wäsche waschen, bügeln, Fenster putzen, Kuchen backen, Rasen mähen, Bäume zurückschneiden, etc. Auch die Kinder wollen beschäftigt, bekocht und zum Schulbus gefahren werden, der am Anfang der 5 km langen Hofauffahrt hält.

Währenddessen gibt es für Uli ebenfalls jede Menge zu tun: zu seinen täglichen Aufgaben gehört das Mischen des Futters für die 100 Bullen in den Mastpaddocks und das Kontrollieren der Wassertränken. Außerdem müssen Erntemaschinen einsatzbereit gemacht und vorbereitet werden, verschiedene Maschinen benötigen Instandhaltung und einen Wasserrohrbruch gibt es auch zu reparieren. Auch bei der Hydraulik der Roboter-Prototypen ist Uli’s fachmännischer Rat gefragt. Dazwischen geht es für ihn immer wieder tageweise nach 17 Miles zu den halbfertigen neuen Rinderpaddocks…Ihr seht, die traditionelle Rollenverteilung wird im australischen Outback noch gelebt! 😉

An den meisten Wochenenden arbeiten wir und genießen die räumliche Gemütlichkeit in unserem Cottage. Nachts hören wir die Koalas grunzen und in der Früh‘ weckt uns das Lachen der Kookaburras. Der weite Horizont rückt vieles in eine größere Perspektive. Das Leben hier draußen ist noch friedlich. Es tut uns gut, mal wieder eine Zeit lang an einem Ort zu sein, eine Routine zu haben und die vielen Australien-Eindrücke sacken zu lassen.

Sonntag, 13. September 2015:
„Wir schlafen aus und frühstücken draußen. Anschließend Wocheneinkauf in Emerald. Mittags geh ich ausreiten und Uli schweißt was am Auto. Jenny & Ross kommen zur Beer o‘ clock rüber. Wir erzählen von zuhause, vom Leben in Deutschland. Sie erzählen, dass sie hier draußen nicht einmal Hausschlüssel für ihre Häuser besitzen. Wozu auch? Wie herrlich! Wir grillen gemütlich. …“

An unseren freien Tagen unternahmen wir Ausflüge in die weitere Umgebung. Wir setzen (vollkommen underdressed :-D) beim jährlichen Pferderennen im nahen Örtchen Springsure auf’s richtige Pferd, blicken in einem alten Fort in die Siedlungs-Vergangenheit des Landes, genießen die Aussicht von den Springsure Mountains, besuchen das jährlich statt findende Internationale Festival in Emerald (wo wir auf uns vollkommen unbekannte deutsche Biermarken stoßen :-D) und erkunden, was die kleinen Orte sonst noch so zu bieten haben.

Die Wochen fliegen nur so vorbei. Ehe wir es uns versehen, ist es Mitte September. Eigentlich planten wir, Biene’s Geburtstag bereits auf einer Insel in der Südsee zu feiern. Aber hier startet nun jeden Tag die Ernte und Andrew hätte uns nur zu gerne noch etwas länger als Verstärkung. Wir beschließen recht schnell, noch zur Ernte auf der Farm zu bleiben.

Die Südsee wird warten – die Kichererbsen nicht…

Tierisches Hai-light: die Sharks Bay in Westaustralien

Tierisches Hai-light: die Sharks Bay in Westaustralien

450 Kilometer nördlich von Kalbarri liegt unser nächstes Ziel der Westküste: die Shark Bay. Unser erster Stopp auf der Halbinsel ist der Shell Beach. Dieser aus Milliarden von kleinen Muschelfragmenten bestehende Strand ist so strahlend weiss, dass wir ohne unsere Sonnenbrillen im wahrsten Sinne von ihm geblendet sind 😀

Die komplette Halbinsel und die Küstengewässer drum herum sind ökologisch so bedeutend, dass sie als UNESCO Welterbe-Gebiet geschützt sind. Unser Lager schlagen wir an einem einsamen Strand in einer abgelegenen Bucht auf. Hier feiern wir Uli´s Geburtstag. Als Geburtstagsgeschenk gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang und endlich wieder genügend Grad Celsius, um bis in die Nacht hinein noch draußen sitzen zu können. – Und findet ihr nicht auch, dass Uli mit 34 jetzt wieder 5 Jahre jünger aussieht? 😀

Am nächsten Morgen fahren wir in den einzigen Ort auf der Halbinsel. Denham ist ein kleiner Ferienort, der nur wegen und für Touristen existiert und außer drei (teuren) Restaurants, einem (teuren) Pub und vielen (teuren) Touranbietern ist hier nicht viel geboten. Recht schnell sind wir dementsprechend wieder aus dem Ort draußen. Unser Tagesziel liegt sowieso einige Kilometer hinter Denham. Hier beginnt der Francois Peron Nationalpark. Der Park darf nur mit Allradfahrzeugen befahren werden, da die einzige Straße, die von Süd nach Nord durch den Park führt, eine tiefe rote Sandpiste ist. Yeeeah! Schnell lassen wir einige Bar Luft aus den Reifen ab und los geht das Sand-Surfen! Was für ein Spaß! 😀 Während allein schon die wilde Fahrt durch den tiefen roten Sand einen aufregenden Tag garantiert, ist auch die Natur im Francois Peron Nationalpark einen Besuch wert. Die Landschaft besteht zwar hauptsächlich aus trockenem Buschland, ausgetrockneten Salzseen und sogenannten Birridas (seltene Gypsum Clay Pfannen), dafür ist die Küste und das Meer atemberaubend. Hier treffen glutrote Felsen und rollende rote Sanddünen auf weisse Strände! Dahinter strahlen zwei Lagunen im schönsten Türkisblau. Darin schwimmen Schildkröten und tropische Fische und große Krebse tummeln sich am sandigen Meeresboden.

Weiter oben an der Spitze der Halbinsel treffen sich mit viel Brandung die beidseitigen Strömungen des Ozeans. Und weil das noch nicht genug ist, gibt es nach einem 45 minütigen Spaziergang (bzw. 10 Minuten Fahrt für Uli :-D) am Skipjack Point auch noch einen Lookout, von dem aus wir Delphine und Stachelrochen durch die Wellen pflügen sehen. Da vergessen wir auch glatt die vielen aufdringlichen Fliegen, die in Scharen um unsere Köpfe schwirren. Noch mehr Wildlife läuft uns an dem Tag sozusagen einfach vor die Füße: Gleich 2 Bobtail-Skinks überqueren kurz vor uns die Sandpiste. Die Hinterteile dieser coolen Echsen sind identisch geformt zu ihren Köpfen – so verwirren sie ihre Feinde. Später sehen wir noch eine kleine Drachen-Echse, die wie ein Dinosaurier mit aufrechtem Oberkörper rennt. Und abends einen richtig großen Echidna.

Tierisch geht es auch am nächsten Tag weiter: Wir sind zum Frühstück mit den heimlichen Stars der Halbinsel verabredet! Auf uns warten Surprise, Nicky, Puck, Piccolo und Shock: Fast jeden Tag kommen diese 5 wilden Bottlenose-Delfindamen im Osten der Shark Bay bei Monkey Mia an den Strand, um sich Fischhappen zum Frühstück abzuholen.

Was mit einer Handvoll Fischern in den 60er Jahren anfing, die hier ihre Fischabfälle den Delfinen gaben, artete schnell aus. Die touristische Anziehungskraft der eleganten Meeressäuger wurde bemerkt und immer mehr Menschen kamen, um zuzusehen wie handzahme Delfine jeden Tag mit immer mehr Fischen gefüttert wurden. Das ging so weit, dass es zu einem ungesunden Verhängnis für die Delfine wurde. Denn ohne Anreiz sich selbst um Nahrung zu kümmern, gaben diese ihr natürliches Jagdverhalten auf. Mit den schrecklichen Folgen, dass viele Delfinkälber verhungerten – weil ihnen ihre Mütter nicht beigebracht hatten, zu jagen. Nachdem diese Entwicklung bemerkt wurde, wurde Gott sei Dank etwas dagegen unternommen. Heute steht hier eine staatliche Forschungsstation, in der Meeresbiologen das natürliche Verhalten der Meerestiere erforschen. Und seit einigen Jahren stellt ein Management Programm sicher, dass die nach wie vor große Beliebtheit der Tiere keine negativen Folgen für diese hat.

Gefüttert werden die Delfine immer noch. Allerdings nur noch in einem geringen Maß welches sicherstellt, dass die Tiere ihr natürliches Überlebens- und Jagdverhalten beibehalten. Delfine sind mittlerweile in ganz Australien staatlich geschützt und es ist sogar verboten, sich ihnen näher als 3 Meter im Wasser zu nähern – außer sie kommen selbst auf einen zu. In Monkey Mia werden die Tiere nicht berührt und es wird genau darauf geachtet, nicht zuviel mit den Tieren zu interagieren. Es ist trotzdem ziemlich touristisch, keine Frage. Jeden Tag kommen an die 100 Besucher hierher, um die freundlichen Meerestiere zu sehen. Und 9 ganz Glückliche dürfen einem der Delfine ihren Früstücksfisch in den Rachen gleiten lassen. Biene war eine davon! 😀

Den Rest des Tages verbringen wir am Sandstrand des benachbarten Monkey Mia Resorts mit schnorcheln, in der Sonne liegen und Schildkröten beim paddeln erspähen. Und abends sehen wir von der Eagle Bluff Aussichtsplattform auf der anderen Seite der Bucht schlussendlich auch noch einige exemplare der Tiere im kristallklaren Wasser, nach der die Halbinsel benannt ist: Haie!

Tierisches Hai-light: die Sharks Bay in Westaustralien

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