Während die Erde in den meistens Teilen Westaustraliens glutrot gefärbt ist, ist der Boden im Südwestzipfel vor allem eins: weiss! Die Gegend um den kleinen Urlaubsort Esperance an der Südküste ist dafür bekannt, dass sich hier ein schneeweisser Strand an den anderen reiht. Da ist – laut Umfrageergebnissen – der beliebteste Strand Australiens im Westen des kleinen Ortes, der weisseste Strand Australiens im Osten von Esperance.

Denn offizielle Messungen 😀 haben wohl ergeben, dass der Sand der langgezogenen Lucky Bay im Cape Le Grand Nationalpark östlich von Esperance der weisseste Strand in ganz Australien ist. Das schauen wir natürlich nach 🙂 Neben seiner Farbe ist Lucky Bay auch für die Kängurus bekannt, die man mit etwas Glück hier auf dem Strand trifft. Wir haben Glück und treffen tatsächlich auf eine Kängurufamilie, die sich sogar ganz zutraulich streicheln lässt.

Der Sand ist wirklich strahlend weiss und als wir da sind, zeigt sich das Wasser in der Bucht in wunderschönen Schattierungen von tiefblau bis türkis. Aber ehrlich gesagt sind die meisten Strände hier ebenso wunderschön – an allen trifft weißer Sandstrand auf türkisblau schimmerndes Meer, das sanft an die Küste schwappt. Ebenfalls einen Abstecher wert sind auf jeden Fall die Whistling Rocks bei Thistle Cove, in denen der Wind wie ein Flüstern durch die Felsen pfeift.

Ansonsten erwarten uns hier im Cape Le Grand Nationalpark die Erklimmung des Granitmassivs Frenchman Peak, mit blue bush bewachsene Steppe und ein 22 km langer Sandstrand, den wir in unserem Lion King entlang surfen.

Auf der anderen Seite von Esperance liegen noch mehr wunderschöne Strände und Buchten, die wir auf dem 36 km langen Great Ocean Drive erkunden. Da der australische Winter aber nicht die richtige Jahreszeit für gemütliches planschen und sonnenbaden am Strand ist, brechen wir nach 3 Tagen wieder auf.

Unser nächstes Ziel ist – natürlich auch ein Nationalpark! 😉 Der Fitzgerald River Nationalpark ist aufgrund seiner vielen Pflanzen, die außer hier nirgendwo anders auf der Welt vorkommen, sogar ein UNESCO Welt Biosphären Reservat. Uns locken aber weniger Bäumchen & Blümchen hierher, als die größten Säugetieres des Meeres. Nachdem wir an der Great Australian Bight zu früh dran waren um Southern Right Wale zu sehen, hoffen wir, irgendwo anders entlang ihrer Migrationsroute der Südwestküste die majestätischen Riesen des Meeres zu erspähen. Dafür nehmen wir auch gern die 30 km lange Schotterpiste in Kauf, die die einzige Zufahrtsstraße in den Park darstellt. Hier in der Bucht am Point Ann bleiben die Wale oft einige Zeit, um zu kalben und ihre Jungen im flachen Gewässer aufzuziehen, bevor sie sich auf den Rückweg in die kühleren Gewässer der Antarktis machen. Sollten keine Wale da sein, haben wir uns als Alternativprogramm eine zweistündige Wanderung rausgesucht. Die brauchen wir aber zum Glück nicht antreten!
Schon bei unserer Ankunft entdecken wir 2 Wale in der Bucht! Nur wenige Meter vom Strand entfernt gleiten die Giganten des Meeres durch die Bucht, blasen prustend Luft aus ihren Atemlöchern und tauchen immer wieder auf und ab. Wir verbringen einen ganzen Nachmittag damit, den beiden riesigen Meeressäugern zuzusehen. Außer uns sind keine anderen Besucher da, was das ganze noch einmaliger für uns macht! Die beiden Wale scheinen wir nicht zu stören, ganz im Gegenteil. In spielerischer Laune drehen sich die Wale um sich selbst, tauchen auf und brechen sogar einige Male aus dem Wasser. Dabei propellern sie sich fast mit ganzem Körper aus dem Wasser, bevor sie sich drehen und mit dem Rücken wieder ins Wasser klatschen. Ein herrliches Schauspiel! Genau so genial ist es, die Wale sogar miteinander kommunizieren zu hören.

Wir bleiben über Nacht, sehen den Mond aufsteigen, einen tollen Sonnenaufgang und bewundern am nächsten Morgen nochmal einige Zeit die Wale. Dann brechen wir auf nach Albany, der ältesten europäischen Stadt in Western Australia und der einzigen etwas größeren Stadt im Südwestzipfel. Hier stocken wir unsere Vorräte auf und versuchen erneut unser Glück im Whalewatching im Tondirrup Nationalpark. Allerdings ist das Meer an diesem Tag zu unruhig und selbst wenn Wale da waren, haben wir sie trotzdem nicht gesehen.

Wären wir nicht mit unserem eigenen Auto unterwegs, wären wir hier vielleicht auf den 1.000 km langen Bibbulmun Track Richtung Perth aufgebrochen. Aber unseren Lion King wollen wir ja nicht so einfach aussetzen 😉 Nachdem wir jetzt die Giganten des Meeres gesehen haben, hält uns aber nichts mehr im Winter des Südens und so biegen wir kurzentschlossen hinter Denmark ab in Richtung Norden.

VALLEY OF THE GIANTS

Hier fahren wir mitten durch das Land der Riesenbäume. Ihren Namen verdankt diese dicht bewaldete Region den in diesem Gebiet wachsenden Karri und Tingle Trees. Beide Baumarten können bis zu 90 Meter hoch wachsen.

Während es der 25 m Umfang messende Giant Tingle Tree vor allem in den 70er Jahren zu einer Foto-Attraktion geschafft hat, hatten die Karri Bäume früher eine wichtige Funktion zu erfüllen. Die höchsten Bäume der Wälder wurden ab den 30er Jahren als strategische Aussichtspunkte zur Sichtung von Waldbränden genutzt. Auf hölzernen Plattformen in den Baumkronen waren während der Sommermonate von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Wachposten stationiert, die Waldbrände von diesen erhöhten Posten auch über große Entfernungen hinweg schon früh erkennen konnten. 3 solcher Lookouts sind noch erhalten und heute können Touristen die hölzernen Riesen erklettern.

Das Erklimmen der Bäume ist dabei nichts für Schwindelkranke oder Menschen mit Höhenangst, besteht die Leiter nach oben nach wie vor nur aus 182 Eisenstangen, die sich um den Stamm herum nach oben winden. Wir klettern neben dem 53 m hohen Karri Baum Gloucester auch an dem 65 m hohen Dave Evans Bicentennial Baum in die Lüfte. Dieser ist der höchste Baumwipfel-Lookout der Welt. Die Sicht von der Aussichtsplattform über die Wälder ist gigantisch. Wir sehen kilometerweit bis zu den Sanddünen an der Küste.

Am nächsten Morgen erreichen wir in Bunbury schließlich die Westküste. Hier ist es schon spürbar wärmer, sodass wir zum ersten Mal seit langem wieder (kalt) am Strand duschen 🙂 Auch die Nacht in den Dünen ist trotz klarem Sternenhimmel lange nicht so kalt wie die Nächte im Süden.

Und spätestens beim Blick auf die Wettervorhersage, die für die kommenden Tage in Perth warme 25 Grad Celsius und Sonne vorhersagt, haben wir ein fettes Grinsen im Gesicht.
Hier kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages an und damit haben wir es geschafft: Wir haben die Sonne wieder eingeholt 🙂

2 Gedanken auf \"The Great South-Western – Giganten in Wald und Wasser\"

  1. Wasser und Berge, weißer Strand und Waale – was will das Herz noch mehr. Dass dies euch immer noch nicht reicht, zeigt sich in den Kletterbäumen, bei denen ich mich frage: raufkommen – okay; wie aber war der Abstieg?
    Danke für den Bericht und die Bilder – bin gespannt auf die Sommertemperatur-Berichte, die noch kommen werden.
    Liebe Grüße
    Werner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.