Broome – die tropische Oase aus dem Westernfilm

Eines der längsten Teilstücke auf unserem Roadtrip entlang der Westküste Australien´s ist der Abschnitt vom Karijini Nationalpark nach Broome. 850 Kilometer dazwischen liegen hauptsächlich Abermillionen roter Sandkörner. Nach den ersten 300 km sind wir zurück an der Küste und erreichen Port Headland. Schon von weitem sind weisse Berge in der Hafennähe sichtbar. Nanu, Schnee? Weisse Sanddünen? Ne, beides nicht! Es sind Salzberge! Hier werden ca. 5 % des weltweiten Salzbedarfes produziert und exportiert. Daneben wird im großen Hafen Eisen aus einigen der weltgrößten Eisenminen auf einige der weltgrößten Cargochiffe verladen. Viele Superlative, keine persönlichen Highlights für uns. Deshalb lassen wir Port Headland nach einer Dusche im Freibad, Internet in der Bibliothek und einem guten Kaffee recht zügig wieder hinter uns. Die Nacht verbringen wir zum ersten Mal auf einem 24-Stunden-Parkplatz. Diese sind zahlreich entlang des Great Northern Highways. Auf den großen Arealen, die meist mit Plumplsklo und Picknicktischen ausgestattet sin, darf kostenlos 1 Nacht lang Rast gemacht werden. Meist wird das von vielen Reisenden genutzt, auch hier ist abends recht viel los. Ein Wohnmobil reiht sich ans nächste und vor allem die Stellplätze entlang des Flusses sind sehr beliebt. Da wir aber schon genug Bekanntschaft mit den ebenfalls vorzugsweise am Wasser vorhandenen westaustralischen Mosquitos gemacht haben und zusätzlich ein großes Schild vor Krokodilen im Fluss warnt, suchen wir uns für diese Nacht lieber einen Schlafplatz abseits auf weitem Feld 😀 Das hilft sehr gut gegen fiese Mossi-Stiche, aber nicht gegen den lärmenden Generator unseres Nachbarn.

Ausgeschlafen geht es am nächsten Morgen nach einem guten Kaffee weiter auf die restlichen 600 km nach Broome. Hatten wir auf dem Highway in der Pilbarra meist nur beladene Roadtrains und Minenfahrzeuge gesehen, überholen wir jetzt immer mehr Wohnmobile und Autos mit Wohnwägen. Landschaftlich ist die Strecke nicht sooo abwechslungsreich. Rote Steppen wechseln sich ab mit dünn bewaldeten Ebenen. Obwohl der Highway direkt am 80 Meilen langen gleichnamigen Strand entlang führt, ist dieser von der Straße aus nie zu sehen. Nur 2 geschotterte Stichstraßen führen zum Meer. Natürlich nehmen wir eine davon und picknicken am schööönen laaaaangen Sandstrand. Das Schwimmen lassen wir wegen der hohen Population an Haien an diesem Küstenabschnitt aber lieber brav sein 😉

Weiter geht´s. Gerade rechtzeitig kommen wir gegen Abend in Broome an. Gerade rechtzeitig heißt: auf die Minute genau zum Sonnenuntergang! 😀
Broome ist nämlich nicht nur mit einem ganzjährig tropisch warmen Klima gesegnet, sondern außerdem noch mit dem 22 km langen, 100 m breiten, goldfarbenem Cable Beach. Und an diesem kann man ausgezeichnet miterleben, wie die Sonne als glutorangener Ball tagtäglich langsam im Meer versinkt und dabei den kompletten Horizont in ein leuchtend rotes Farbenmeer verwandelt. Schööööön. Da wir außerhalb der Stadt und der hiesigen Aborigines Gemeinden sind, lassen wir nach dem herrlichen Sonnenuntergang einfach etwas Luft aus unseren Reifen, fahren an den 2 picknickenden Familien am Strand vorbei und schlagen 2 Kilometer weiter unser Nachtlager mitten auf dem herrlichen Strand auf. Um uns herum nur Sand und Meer und über uns eine Million funkelnder Sterne.

Als wir am nächsten Morgen vom Strand ins Stadtzentrum fahren wollen – bleiben wir stecken! Aus unerfindlichen Gründen hat sich unser Allrad nicht eingeschalten und Lion King gräbt sich immer tiefer in den weichen Sand ein. Und dann sitzen wir auch schon auf. Jetzt hilft nur noch eins: buddeln! Nach gefühlten 100 Schaufeln Sand und mit Zweigen, Steinen und Fußmatten unterlegten Hinterrädern kommen wir schließlich doch wieder vom Fleck und ins Zentrum von Broome.

Broome ist die einzig nennenswerte Stadt im Nordwesten Australiens. Neben 2 Supermärkten gibt es einen Flughafen, einen Zoo, ein Vogelobservatorium, Perlfarmen, eine kleine Fußgängerzone und ein Mangrovenwäldchen (oh, und einen Dinosaurier-Fußabdruck, den man bei niedrigster Ebbe sehen kann. Leider nicht, als wir dort waren). Und genau das macht es uns so sympathisch. Obwohl hier viel mehr Touristen sind als wir in den letzten Wochen sahen, ist die Atmosphäre in der Kleinstadt sehr entspannt. Ob das an den heißen Temperaturen und der gleißenden Sonne liegt? Broome wird als exotische Oase vermarktet. Seinen Anfang nahm die kleine Siedlung Ende des 19. Jahrhunderts. Von hier ging Australien´s 1. Übersee-Telefonkabel auf dem Meeresboden bis nach Jakarta im damaligen Batavia – heute Indonesien. Zur internationalen Berühmtheit brachte es Broome aber, als vor der Küste Perlgründe entdeckt wurden. Die meisten Perltaucher stammten aus Asien. Das asiatische Erbe ist bis heute in der Stadt sichtbar, obwohl die Perlindustrie mit Beginn des 2. Weltkrieges – als die fast ausschließlich japanischen Taucher an die Front abgezogen wurden – fast vollständig zusammenbrach. Broome´s kleines Stadtzentrum ist „Chinatown“ – allerdings hat das ungefähr soviel mit China zu tun wie das chinesische Restaurant in der Stuttgarter Fußgängerzone 😉
Auf uns macht die Stadt eher den Eindruck einer verschlafenen Western-Stadt. Die Gebäude haben lange überdachte Holzveranden, die um die ganzen Gebäude gehen und in der Mittagshitze Schatten und Kühle spenden. Davor stehen Palmen, durch deren Blätter ganz leise der Wind rauscht. Die Bewohner tragen breitkrempige Cowboyhüte und das Leben ist langsam. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum fahren wir wieder an den Cable Beach. Das einzig vernünftige bei der Hitze 🙂 Auf einem kurzen Abschnitt patrouillieren Rettungsschwimmer und es kann ohne Schielen nach Haien, Krokodilen oder Quallen geplanscht werden.

Wirklich exotisch finden wir die Kamele, auf denen geführte Ritte auf dem Strand unternommen werden können. Nachdem wir uns noch gut an unsere Kamelritte in der Mongolei erinnern, entscheiden wir uns der Bequemlichkeit halber für einen Strandritt mit Lion King 🙂

Diesen parken wir wieder einfach einige Kilometer oberhalb des Hauptabschnittes zwischen den Dünen. Wir packen den Grill aus, machen uns ein Bier auf und genießen einen weiteren von Broome´s unglaublich schön anzusehenden Sonnenuntergängen. Als die Sonne schließlich als glutroter Leuchtball am Horizont im Wasser versinkt, springen genau davor Delfine durch das Wasser. Es ist fast zu kitschig, um wahr zu sein – Walt Disney könnte es nicht besser hinbekommen…! 😉