Das Ningaloo Reef – dream big and believe in yourself!

…oder eine Geschichte von der Wichtigkeit, an sich selbst zu glauben!

Die North-West-Cape Peninsula! Unser nächstes Ziel. Wieder eine Halbinsel, wieder UNESCO Welterbe und wieder ist die Unterwasserwelt der Grund für unseren Abstecher. Hier liegt der kleine Bruder des Great Barrier Reefs, das Ningaloo Riff. An einigen Stellen ist das insgesamt 250 km lange Riff nur 100 Meter vom Strand entfernt, was es zu einem der am leichtesten zugänglichen Riffe und perfekt für das Schnorcheln vom Strand aus macht.

2 recht lange Tagesetappen durch die rote Prärie Westaustraliens nach Norden bringen uns hin. Die Landschaft ist minimalistisch, nur blauer Himmel und rote Steppe – und hat trotzdem oder gerade deshalb ihren eigenen Reiz. Unterwegs halten wir nur in dem kleinen Marktstädtchen Carnarvon, um uns zu günstigeren Preisen als in den Supermärkten mit frischem Obst und Gemüse direkt von den umliegenden Farmen einzudecken. Außerdem bestaunen wir im Raumfahrts- und Wissenschaftsmuseum den Erd-Kommunikations-Turm, über den die Mondlandung 1986 live in Australien übertragen wurde.

Kurz bevor wir tags darauf an unserem Ziel ankommen, überqueren wir endlich eine geografische Marke, auf die wir im kalten Süden wochenlang sehnsüchtig mit dem Finger im Atlas getippt haben: den tropischen Gürtel von Capricorn! Hier wollten wir hin! Ab jetzt sind wir wieder in den Tropen!

Zunächst merken wir davon aber leider nicht viel. Ziemlich genau als wir im nett winzigen Feriendorf Coral Bay ankommen, unsere Schnorchelausrüstung auspacken und ins Wasser springen wollen, verdunkelt sich der Himmel. Es sieht verdächtig nach Regen aus. Und es ist windig. Dementsprechend aufgewühlt ist der Meeresboden und die Sicht nicht optimal. Wir gehen zum ersten Mal drift-schnorcheln. Dabei lassen wir uns einfach von der starken Strömung, die hier herrscht, über bunte Korallen, große Farne und an vielen Fischen vorbeitreiben. Kaum sind wir aus dem Wasser, öffnet der Himmel seine Schleusen. Es schüttet. Zum Glück haben wir unser Auto dabei, in das wir uns verkriechen können. Wir finden ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen einige Kilometer entfernt zwischen meterhohen Dünen. Trotz dem stürmischen Wetter strahlt das Meer in türkisblau. Wir können uns vorstellen, wie wunderschön es hier bei Sonnenschein aussieht. Ziemlich früh verkriechen wir uns in unsere Höhle. Erst gegen Mittag am nächsten Tag hört es kurz auf zu regnen. Bei der Fütterung von Snapper-Fischen an Coral Bay´s Strand erfahren wir von Einheimischen, dass es hier so gut wie nie regnet. Alle sind ganz aus dem Häuschen, weil das Meer heute sogar wellig ist – was sonst wohl so gut wie nie vorkommt Da haben wir ja ein grandioses Timing! 😉

Da es bei schlechtem Wetter in Coral Bay, das aus 4 Campingplätzen, 2 Pubs, 1 Bottleshop und 1 Hostel besteht, nicht viel zu tun gibt und die Wettervorhersage nicht viel Besseres verspricht, fahren wir weiter. Gute 2 Autostunden Fahrt entfernt liegt Exmouth. Der kleine Ort selbst ist ein aus dem Boden gestampftes Ferienresort und macht einen Australien-untypisch lieblosen Eindruck. Es gibt ein kleines Ortszentrum mit Supermarkt, Friseur, 1 Pub und 2 Souvenirläden. Und jede Menge Touranbieter, mit denen Outdoor-Enthusiasten voll auf ihre Kosten kommen können. Von Quadtouren über Paragliding, Schiffswracktauchen und Tauchen mit Mantarochen bis zu Schnorchel- und Walsichtungs-Bootstouren ist alles im Angebot. Wenn man gewillt ist, die Preise australischen Standards zu bezahlen. Eher nicht Backpacker-Niveau.

So. Bis hierhin ist das ganze ein üblicher unserer Reiseberichte. Was diesmal anders ist? Es hat mit der „Hauptattraktion“ des Ningaloo Reefs zu tun. Die, wegen der die vielen Touristen jedes Jahr zwischen Mai und August hier her strömen und weshalb Exmouth überhaupt existiert. Sie ist bis zu 18 m lang und der größte Fisch der Erde: die Rede ist von Walhaien!

Diese freundlichen Riesenfische migrieren jährlich über die Wintermonate her, um im planktonreichen Wasser ihren Winterspeck aufzustocken. Und hier besteht die Möglichkeit, sehr umwelt- und tierfreundlich mit ihnen zu schnorcheln. Leider sind aber auch die Preise dafür anders als auf den Philippinen… Nämlich sehr teuer! Ein Tagesausflug kostet je nach Anbieter zwischen 300-400 Euro pro Person! Das wussten wir schon, bevor wir herkamen und hatten deshalb eigentlich entschieden, uns mit den kleineren Fischen zu begnügen und nur vom Strand aus am Ningaloo Reef schnorcheln zu gehen. Aber wir – und vor allem die Meerjungfrau von uns beiden 😉 – würden ja schon soo gerne…. Was für eine Gelegenheit… Wenn wir schonmal hier sind und es gerade Saison ist… Wer weiß schon, ob wir es anderswo auf unserer Reise nochmal so treffend erwischen… Und wir hatten auch schon eine Idee, wie wir es anstellen könnten, vielleicht doch eine Schnorcheltour mit diesen Riesen des Meeres machen zu können. Also nahmen wir vor Ort Kontakt mit einem der Anbieter auf. Es klang auch ganz vielversprechend, allerdings seien bis in die nächste Woche hinein alle Touren aufgrund des schlechten Wetters die Tage zuvor bereits ausgebucht. Er wolle sich aber so bald wie möglich mit einer Entscheidung per Email zurück melden.

Zwischenzeitlich machen wir uns erst mal auf in Richtung des Cape Range Nationalpark. Hier gibt es 50 km wunderschöne Buchten, ein Jahrtausende altes Kalksteingebirge, tiefe Canyons und das Ningaloo Riff kommt bis auf 100 Meter an die Küste ran. Petrus war auch wieder gnädig gestimmt und ließ die Sonne scheinen, sodass das Wasser in schönstem türkisblau leuchtete und die Wellen sanft an den Strand schwappten. Wir waren überglücklich, dass wir unser mobiles Zuhause hatten und wählten unseren Schlafplatz in einer der einsamen Buchten ganz ungestört direkt zwischen den Dünen. Herrlich! Zum ersten Mal seit Wochen war es bis tief in die Nacht hinein wieder herrlich warm, wir hatten einen Traum-Stellplatz am Meer und vielleicht konnten wir sogar doch noch mit Walhaien schnorcheln. Was will man mehr?

Am nächsten Morgen entdecken wir als erstes Tausende von Krebsspuren im Sand um uns herum. Sogar unser draußen gelassenes Geschirr ist angeknabbert-Krebse scheinen wie wir auf Thai-Curry abzufahren 🙂 Bei nur ab und zu vorhandenem Empfang rufen wir morgens immer mal wieder unsere Emails ab, aber bisher hat sich der Touranbieter noch nicht zurückgemeldet. Also fahren wir wie geplant in den Cape Range Nationalpark, um hier vom Strand aus zu schnorcheln. Obwohl es viel weniger bekannt ist als das Great Barrier Reef, ist das Ningaloo Riff ein Refugium für viele seltene Tierarten wie Seekühe, Rochen und verschiedene Meeresschildkröten, die an den geschützten Stränden des Nationalparks im Sommer ihre Eier legen. Unser erster Schnorchelspot ist die Turquoise Bay. Die Bucht ist schon mehrmals als „schönster Strand Australiens“ ausgezeichnet worden – wir finden sie auch schön, aber unter unsere Top 5 australischen Strände würde sie es wohl nicht schaffen. Vielleicht waren die Juroren aber auch nicht überall, wo wir schon waren 😉

Dafür lässt die Unterwasserwelt beim drift-schnorcheln nichts zu wünschen übrig. Wir wissen nicht genau, ob wir alle der 500 Fischarten und der über 300 verschiedenen Korallenarten gesehen haben, die hier ihren Lebensraum haben 😉 aber es gibt so einiges zu bestaunen durch die Tauchermasken. Das Highlight ist eine riesige Meeresschildkröte, so groß wie wir es noch nie gesehen haben, zu der Biene von einer anderen Schildkröte quasi „hingeführt“ wurde. Wow! Auch unser zweiter Schnorchelgang in der Lakeside Bucht ist traumhaft! Bei einer super Sicht entdecken wir hier einen beeindruckend grooooooßen Stachelrochen, der so aus der Nähe betrachtet mit seinem langen Stachel sehr majestätisch´ aussieht! Und nur ein kleines bisschen gefährlich 😉

Wir verbringen eine weitere idyllische Nacht zwischen den Dünen direkt am Meer und genießen die Wärme, den Sonnenuntergang und ein gutes Glas Wein.

Leider hat uns aber auch am nächsten Morgen immer noch keine Email erreicht. Da wir sowieso nicht so recht daran glauben, dass unser Angebot für eines der Unternehmen interessant genug ist um mit uns einen Deal für eine Walhai-Tour abzuschließen, beschließen wir an diesem Tag weiterzufahren, ohne nochmal groß in Exmouth anzuhalten. Tja, hätten wir mal lieber noch einen Tag an unserem wunderschönen Strand verbracht…!

Aber so fahren wir über die Halbinsel wieder zurück und schon kurz nach Exmouth verlässt uns der Handyempfang für den Rest des Tages. Unterwegs entdecken wir die ersten großen Termitenhügel, die für das Top End Australien´s so typisch sind. Wir übernachten nach einer Fahrt bis zum Sonnenuntergang mitten im Nirgendwo, um uns herum nur roter Sand und endloser Horizont.

Und so sehen wir erst einen Tag später und 600 km weiter, dass wir eine ganze Reihe verpasster Anrufe und eine Nachricht per EMail erhalten haben: Wir könnten dann mit den Walhaien schnorcheln gehen. Schon morgen. Zu einem Preis, der absolut annehmbar ist. Es war zum Heulen! Und tatsächlich fließen an diesem Morgen zum ersten Mal auf unserer Reise bei Biene ein paar Tränen der Enttäuschung und des Frusts! Da hilft nicht mal das große Magnum was, das Uli zum Trost kauft! 😉 Hätten wir doch nur… aber jetzt bringt alles nichts mehr. Auch die Überlegung, wieder zurückzufahren verwerfen wir schließlich – mit den zusätzlichen Spritkosten hätten wir nichts gewonnen. Wir haben es vermasselt. Die Walhaie. Und die Gelegenheit.

Aber eines haben wir hoffentlich aus dieser Erfahrung und der verpassten Chance gelernt: an uns und unsere Ideen zu glauben! Und vielleicht, nur vielleicht, hat sich diese große verpasste Chance dann ja irgendwie gelohnt…!

Fotos gibt es zu diesem Bericht nicht sehr viele. Unterwasser und am Strand hatten wir nur unsere kleine Action Cam dabei – evtl. kommt da noch ein Video nach 🙂