Die geheimnisvolle Welt der Bungle Bungle ist ein Naturwunder mitten in entlegener Wildnis. Die Gegend beheimatet Pflanzen, die teilweise bisher noch nicht einmal einen Namen haben, da sie erst kürzlich entdeckt worden sind. Bis vor wenigen Jahrzehnten war diese Gegend aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage nur den traditionellen Ureinwohnern und einigen Farmern, Viehtreibern, Geologen, Wissenschaftlern und Einheimischen bekannt. Erst als Anfang der 1980er-Jahre Luftaufnahmen von dieser Gegend in den Medien Schlagzeilen machten, erfuhren auch Reisende von ihrer Existenz. Das Interesse war groß. Schon kurze Zeit später wurde ein Nationalpark errichtet, seit 2003 ist der Purnululu UNESCO Weltkulturerbe. Allerdings sind die staunenden Besucher nicht die ersten, die diesen einmaligen Fleck Erde erkunden.

Ergebnisse von Radiokarbonmessungen lassen vermuten, dass Aborigines seit mindestens 20.000 Jahren in dieser Region gelebt haben. Für sie ist der Purnululu ein besonderer, sehr spiritueller Ort. So wichtig ist seine Bedeutung, dass sie nicht einmal den Grund dafür teilen möchten. Deshalb ist auch nur der südwestliche Zipfel des gesamten Parkgebietes für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum ersten Mal sind neben den Wanderwegen in kurzen Abständen Schilder angebracht, dass man als Besucher aufgrund der hohen spirituellen Bedeutung des Ortes die markierten Wege nicht verlassen darf.

Dafür besteht auch kein Grund. Zwar gibt es auch durch den öffentlichen Teil des Parks nur begrenzt Wanderwege, allerdings gibt es auf diesen jede Menge zu sehen:

Beim Besucherzentrum am Parkeingang teilt sich der Track in 2 Routen. Nach Norden führt eine geschotterte Straße entlang der Abbruchkante eines 200-300 steil aufragenden Sandsteinplateaus vorbei an Palmenoasen und von tiefen Wassergräben zerfurchten Steilklippen bis zum Echidna Chasm. Das ist ein zwei Kilometer langer Wanderweg im steinigen Bachbetts hinein in eine extrem schmale Felsschlucht, die teilweise keinen Sonnenstrahl mehr in sich hereinlässt. Sie verengt sich an ihrem Ende auf eine Breite von nur einem Meter, bevor sie aprupt ganz endet. Wir laufen den Weg am späten Nachmittag. Zu dieser Tageszeit färbt die Nachmittagssonne die von groben Kieselsteinen durchzogenen Sandsteinfelsen glutrot. Das Steingemisch sieht aus wie mit großen Kieselsteinen angerührter roter Zement. Links und rechts steigen die sich immer weiter verengenden Felswände bis zu 200 Meter senkrecht in den blauen Himmel auf. Ehrfürchtig laufen wir bis zum Ende der Schlucht. Auf einmal kommen wir uns ganz klein vor. Wir sind wieder einmal sprachlos ab der unfassbaren Schönheit unserer Natur.

Die Sprache verschlägt es uns am nächsten Morgen gleich nochmal. Nach einer Nacht im Flussbett erkunden wir heute den südlichen Teil des Parks. Hier erwarten uns die prominentesten Steinformationen des Parks, die Anfang der 80er Jahre für soviel Aufsehen gesorgt haben. Die Bungles Bungles.

Diese über 200 freistehenden Felsen sind nach oben domförmig abgerundet, noch dazu bandförmig schwarz-rot gestreift und sehen aus wie…naja, eben wie Bienenkörbe. 🙂 Genauso geheimnisvoll wie ihre Aussehen ist auch die Geologie der bis zu 578 m hohen „Bienenstöcke“. Für Geologen sind die „Domes“ eine der weltweit meist faszinierenden Gesteinsformationen. Und wahrscheinlich auch eine der ältesten. Das Massiv ist ca. 350 Millionen Jahre alt…

Nach dem kurzen Rundweg um die Domes wandern wir in die Cathedral Gorge, eine kathedralförmige Schlucht – der Wanderweg hinein führt durch das „Mittelschiff“, begrenzt von hohen Wänden, in die Rund-„Apsis“, die einen auch in der Trockenzeit verbleibenden kleinen Teich umschließt. Anschließend wandern wir ein Stück entlang der Piccaninny Gorge, von wo wir aus der Entfernung durch ein natürliches Fenster im Gestein nochmal beste Aussicht auf die faszinierenden und geheimnisvollen Bienenstöcke haben.

So geheimnisvoll wie die Bedeutung des Purnululu für die Aborigines ist auch die Herkunft seines englischen Namens „Bungle Bungle“. Der Name Purnululu bedeutet Sandstein in der Sprache des hiesigen Kija-Stammes. Man nimmt an, dass er entweder als „Bungle Bungle“ falsch verstanden wurde oder dass es sich um die falsche Schreibweise des gemeinen Kimberley-Grases Bundle Bundle handelt. Gerüchte kursieren jedoch hinsichtlich der wahren Bedeutung von Bungle Bungle, was diese verlorene Welt noch geheimnisvoller erscheinen lässt.

Ein Geheimnis des Bungle Bungle konnten wir lüften. Wir wissen inzwischen, weshalb die schwarzen Bänder schwarz sind und die roten Bänder rot gefärbt sind. Aber wir werden das Geheimnis hüten… 😉

TRAVEL TIPPS:

Der Purnululu Nationalpark liegt im östlichen Teil der Kimberleys Wilderness. Da hier der (geteerte) Great Northern Highway entlang läuft, ist er auf den ersten Blick zugänglicher als das Gebiet um die Gibb River Road.
Allerdings liegt das Parkgebiet gut 60 km östlich des Great Northern Highways und ist nur mit einem Allradfahrzeug erreichbar. Denn hat man die 304 Kilometer von Kununurra aus oder die 160 km von Halls Creek auf dem Highway zurückgelegt, biegt man auf die Spring Creek Track ab. Für die etwa 53 km Offroad-Piste zum Parkeingang benötigt man zwei bis drei Stunden. Und hat man die Piste hierhin tatsächlich in einem normalen PWK zurückgelegt, heißt es dann hier: Umkehren, bitte! Der Purnululu Nationalpark ist Allrad only!
Der Park ist vom 1. April bis zum 31. Dezember geöffnet und kann mit einem westaustralischen Nationalpark-Pass besucht werden. Da die Regenzeit in der Regel im Oktober/November einsetzt, schließt der Park je nach Straßenverhältnissen in manchen Jahren unter Umständen früher.

DasSandsteinplateau in ganzer Pracht

2 Gedanken auf \"Bungle Bungle – oder: eine geheimnisvolle Welt aus Bienenkörben.\"

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