Hiking

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Nach unserer Ankunft auf der Südinsel machen wir uns direkt auf in Richtung des Abel Tasman Nationalparks. Der kleinste Nationalpark Neuseelands liegt ganz im Nordwesten der Südinsel und begeistert landschaftlich durch seine goldenen Küstenabschnitte. Mehrere Wanderwege führen durch den Park. Wir haben uns den 51 km langen Coast Track ausgesucht. Dieser verläuft malerisch entlang der tollen Küstenlinie über die gesamte Länge des Parks. Da der Coast Track einer der 9 Great Walks und dementsprechend beliebt unter Wanderern ist, wird während der Wandersaison von November bis April eine Vorbuchung der Hütten im Park empfohlen. Nur so kann man sicherzustellen dass man auch tatsächlich ein Bett bekommt. Das haben wir – natürlich – nicht gemacht. Aber wir tragen ja mit unserem Zelt unser mobiles Zuhause auf dem Rücken und können überall dort die Nacht verbringen, wo wir drei Quadratmeter ebenen Boden finden.

Wir packen also lediglich zusätzlichen Proviant für 3 Tage ein und checken die Wettervorhersage. Die letzten Tage hatte es stark geregnet und tags zuvor schüttete es derart stark, dass die Flüsse über die Ufer traten und wir ein Doppelzimmer im beheizten Hostel unserem Schneckenhaus vorzogen. Die Prognose für die kommenden Tage lautet aber besser und so machen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg zum nördlichen Parkende. Schon die Fahrt über die Takaka Mountains ist wunderschön. Das Land ist hier nur spärlich besiedelt und weitläufige Weiden, tiefe Täler, dunkle Nadelwälder und ausladende Buchten laden die Blicke zum Verweilen ein. In Mohaka angekommen, dürfen wir unser Zelt auf einer ungenutzten Pferdekoppel aufstellen. Gerade rechtzeitig vor dem Beginn eines starken Schauers hauen wir den letzten Hering ins Gras und verkriechen uns in unsere warme Höhle. Früh am nächsten Morgen laufen wir die restlichen Kilometer zum Eingang des Parks, wo der eigentliche Wanderweg beginnt. Raue Felsklippen und eine stürmische See bestimmen hier im nördlichen Teil des Parkes das Bild.

Gut, dass wir nun seit 2 Wochen fast durchgehend mit Gepäck laufen. Dank der vorangegangenen Wanderungen nehmen wir unsere Rucksäcke kaum mehr als zusätzliches Gewicht wahr und es läuft sich bedeutend leichter als zu Beginn unserer Zeit in Neuseeland. Das sollte uns heute zu Gute kommen. Der erste Abschnitt führt uns zunächst noch auf Meereshöhe durch den Wald und über den Strand Tutaranui. Bald schlängelt sich der Weg aber unerwartet steil in die Höhe, um dann parallel zur Küste zu verlaufen und uns mit atemberaubenden Aussichten zu belohnen. Weiter geht’s durch tropischen Wald und entlang schöner Buchten, bis wir gegen 15 Uhr das Awaroa Inlet erreichen.

Wir haben Glück, gerade ist Ebbe und so können wir die Bucht auf direktem Wege durch nur kniehohes Wasser durchqueren und müssen nicht den längeren Weg außen herum gehen. Unser Plan, uns in der Awaroa Hütte auf der anderen Seite der Bucht einen Kaffee zuzubereiten und anschließend noch etwas weiter zu wandern, wird allerdings jäh durchkreuzt: Kaum erreichen wir die Hütte, wird uns von anderen Wanderern ein kaltes Bier angeboten. An diesem heißen Tag und nach unserer bereits gut 23 km langen Tagesetappe durchaus eine willkommene Abkühlung! Wir zieren uns also nicht lange und nehmen die Einladung dankend an. Wie sich im Gespräch mit den noblen Schenkern heraus stellt, hat eine Baufirma aus Christchurch die Hütte für ihren jährlichen Betriebsausflug angemietet. Und weil im Jahr zuvor doch tatsächlich die Getränke ausgingen, ist der Getränkevorrat dieses Mal mehr als ausreichend und von ihnen allein nicht zu bewältigen. Da auch noch zuviele Betten reserviert wurden und diese nun leer stehen, laden uns die sympathischen Angestellten ein, in der Hütte zu bleiben und ihnen bei der Vernichtung ihrer Vorräte zu helfen. Wir helfen natürlich gerne 🙂 Es folgt ein sehr lustiger Hüttenabend und wir schlafen tatsächlich mal wieder eine Nacht in richtigen Betten. Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Kaffee und einem herzlichen Dankeschön an unsere neuen Freunde wieder auf.

Der heutige Wegesabschnitt führt uns zunächst etwas weiter von der Küste weg und durch dichten Buchenwald. Anschließend durchqueren wir mehrere tolle Buchten,. Mittlerweile sind wir im mittleren Teil des Parkes angekommen. Hier ist schon mehr los als weiter im Norden – dennoch sind wir positiv überrascht, denn trotz Wander-Hochsaison und -Traumwetter sind weniger Wanderer unterwegs als wir erwarteten. Im goldenen Sand der Tonga Quarry Bay essen wir unser Mittagessen und kühlen uns mit einem erfrischenden Sprung ins strahlend blaue Meer ab. Am späten Nachmittag erreichen wir das Anchorage Inlet. Wieder sind wir gut dran mit den Gezeiten und können direkt über den mit Muscheln übersäten Meeresboden laufen statt die deutlich längere Flut-Alternative nehmen zu müssen.

Einige Kilometer weiter finden wir gute 500 Meter abseits des Weges auf einem Berg den perfekten Zeltplatz für diese Nacht: umgeben von trockenem Gebüsch sind hier oben die einzigen Geräusche um uns herum die Laute der Natur. Durch die erhöhte Lage haben wir eine geniale Aussicht über die Buchten des Nationalparks bis hin zu den Bergen der Richmond Range. Müde und zufrieden sitzen wir noch lange vor unserem Zelt und bewundern den funkelnden Sternenhimmel, bevor wir schließlich unter unser Moskitonetz liegen und weiter in den Sternenhimmel schauen.

Der dritte Tag unserer Wanderung führt uns in weitere idyllische Buchten, bevor wir gegen Mittag das südliche Parkende in Marahau erreichen. Geschafft! In gut 2,5 Tagen sind wir damit gute 55 km gelaufen und haben den Abel Tasman Park einmal der Länge nach durchquert.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, dieses schöne Fleckchen Erde zu erkunden – sehr beliebt sind die angebotenen Wander-Kayak-Kombinationen oder Fahrten mit dem Wassertaxi. Klar – wir beide haben uns für die günstigste Variante auf unseren eigenen 2 Beinen entschieden. Schließlich wollen wir Neuseeland nur zu Fuß und per Anhalter durchqueren.

Und per Anhalter geht es dann auch weiter….

Blue Mountains – Abstieg in Australien’s blaue Berge

Blue Mountains – Abstieg in Australien’s blaue Berge

Genau 2 Wochen nach unserer Ankunft in Sydney laden wir unser ganzes Gepäck in Lion King und ziehen aus dem netten Townhaus mit der gemütlichen Veranda um in unser goldfarbenes fahrbares Zuhause. Von unserer Vermieterin Gail verabschieden wir uns herzlich, wenn auch nur für kurze Zeit. Auf unserer Reise werden wir bald wieder nochmal nach Sydney kommen – der Grund dafür ist wieder eine andere Geschichte…!

Unser erstes Ziel ist der nur ca. 100 km von Sydney entfernte Blue Mountains Nationalpark. Schon kurz hinter den Vororten Sydneys ändert sich das Landschaftsbild: weitläufige Wiesen mit Rinderherden, große Farmen und Country Pubs säumen den Weg. Wir fahren die idyllische „Bells Line of Road“ entlang, die schönste Straße durch die Blauen Berge. Woher diese ihren Namen haben, sehen wir bei unserem ersten Stopp am Aussichtspunkt im Botanischen Garten von Mt. Tomah: Aus der Ferne betrachtet liegen die dichten Wälder der Hochebene in einem blauen Dunst. Dieser entsteht durch einen feinen Nebel an ätherischen Ölen, die die hier beheimateten Eukalyptusbäume abgeben.

 Spontan machen wir erst noch einen kleinen Abstecher in den Wollemi Nationalpark, der ebenfalls Teil des UNESCO Weltkulturerbe der Greater Blue Mountains ist. Hier ist unser Ziel ein alter Eisenbahntunnel, der seit seiner Stilllegung einer Glühwürmchenkolonie ein Zuhause gibt. Die 40 km Offroad-Piste dorthin sind eine erste Bewährungsprobe für unser Allradfahrzeug – die es gut meistert. Durch Pinienwald und Eukalyptushaine geht es immer tiefer in den Wald. Und wir sehen Kängurus! Gleich an unserem ersten Tag „im Busch“ springen sie vor uns über den sandigen Feldweg und grasen seelenruhig auf der Wiese daneben. Nach einer anschließenden halbstündigen Wanderung entlang der ersten Eisenbahnstrecke durch die bis dahin unpassierbaren Berge der „Great Mountain Range“ staunen wir, als wir in dem Tunnel in vollkommener Dunkelheit viele leuchtende Punkte entdecken. Sternenhimmel für drinnen 🙂

Travelnerd-Wissen: Bei den bläulich funkelnden Punkten handelt es sich natürlich nicht um Sterne, sondern um den leuchtende Larvenpopos. Die knipsen das Licht an um Insekten als Futter anzulocken, die dann in den davor gespannten Netzfäden kleben bleiben.

Unsere erste Nacht im Auto verbringen wir auf einem kostenlosen Rastplatz mitten im Wald. Und gleich kommt die große Zeltplane zum Einsatz und wir können testen, wie ausgereift unsere Regen-Taktik ist. Check, Grillen klappt auch bei Regen und Wind ! 🙂

30 Kilometer und einige Kämpfe von Biene mit Lion King´s störrischem Getriebe weiter erreichen wir Blackheath, die auf knapp 1.000 m höchstgelegene Stadt der Blue Mountains. Hier wird uns wieder vor Augen geführt, dass wir nicht mehr in Asien sind. Die touristische Infrastruktur ist vollständig erschlossen – am Ausgangspunkt unserer geplanten Wanderung erwartet uns ein großer Parkplatz, öffentliche Toiletten, überdachte Picknickhütten und ein Info-Zentrum mit kostenlosem Kartenmaterial, Auskünften und Infofilm. Dieser ist leider mehr Werbefilm als informativ oder interessant und so verlassen wir den extra für uns geöffneten Kinosaal und sehen uns die beeindruckende Natur lieber in live an. Zuerst bewundern wir die spektakuläre Aussicht vom Govett´s Leap Aussichtspunkt über das dicht mit Regenwald bewachsene Grose Valley. Eingerahmt von mehrere 100 Meter hohen steilen Klippen tosen Wasserfälle in die Tiefe und die Aussicht über die Schlucht ist sagenhaft! Wäre von irgendwoher ein Flugsaurier angeflogen gekommen, wir hätten uns wohl nur kurz gewundert. 🙂 Zu sehr sieht diese Landschaft aus wie urzeitliche Natur -(oder zumindest wie die Kulisse von Jurassic Park. 😉 )Dann geht es auf dem Govett´s Leap Trail in 2 Stunden entlang der senkrecht abfallenden Klippen zuerst hinunter und anschließend wieder hoch zu unserem Ziel, dem Evans Lookout. Bei guten 30 Grad kommen wir – auch ohne Treppen wie auf dem Huang Shan in China – ganz gut ins schwitzen 😉 Der Wanderweg direkt an den Klippen entlang liefert uns sensationelle Aussichten über die Schlucht, auf senkrechte moosbewachsene Gärten und auf die Wasserfälle.

Nach einem kurzen Abstecher zu den ebenfalls tollen Aussichtspunkten Perry´s Lookout und Alvin´s Rock schlagen wir unser Nachtquartier auf einem Rastplatz am Anfang des Megalong Valleys auf. Hier sind schon viele Mietvans, Zelte und Campingautzos versammelt und so ist auch schnell klar, dass hier campen erlaubt ist (was nicht auf allen Rastplätzen der Fall ist). Offenes Feuer ebenfalls, also wird zum Abendessen wieder lecker gegrillt.

Unser Ziel für den nächsten Tag ist Katoomba, das touristische Zentrum der Blue Mountains. Wir lassen die menschgebauten Attraktionen der kleinen Stadt (Gondelfahrt über die Schlucht, Seilbahn hinab, Freizeitpark, etc.) links liegen und konzentrieren uns auf die gottgegebene: die spektakuläre Natur! Hier in Katoomba erwarten uns die Three Sisters (zu dt. „die 3 Schwestern“), eine Felsformation aus 3 senkrecht in den Himmel ragenden Sandsteinfelsen. Als Wahrzeichen der Blue Mountains ist diese ins Auge stechende Felsengruppe das wohl meist fotografierte Motiv des Nationalparks. 😀

Auch die steilste Eisenbahn der Welt, die Ende des 19. Jahrhunderts in die Schlucht gebaut wurde, um die unten liegenden Kohleminen besser zu erreichen und die heute Touristen hinab kutschiert, lassen wir aus und schnüren stattdessen wieder die Wanderschuhe. Zuerst geht es oben auf dem Prince Henry Cliff Top Walk 2 Kilometer an den Klippen entlang, bevor wir über die „Giant Stairs“ (da waren sie wieder, die Treppen am Berg!) zu den Three Sisters absteigen. Wohl nur in Australien steigt man hinab, wenn man in die Berge wandert 😀

Die Three Sisters dürfen nicht bestiegen werden, da sie für de Aborigines ein heiliger Ort sind – und wohl auch aus Sicherheits- und Erhaltungsgründen. Weiter geht es einige Kilometer am Boden des von Eukalyptusbäumen bewachsenen Jamison Valleys durch die Schlucht, bis wir bei den Katoomba Falls wieder aufsteigen. Auf halber Höhe der Wasserfälle klettern wir hinter die Absperrung, die hier den größten Teil des Weges entlang der Klippen sichert und werden nahe der Felskante mit einem sagenhaften Blick über die weite Schlucht belohnt. Der Blick über die endlos scheinende, nur von Klippen begrenzte Schlucht vermittelt hier das Gefühl grenzenloser Freiheit. Nirgends ist auch nur ein Zeichen von Zivilisation zu sehen. Schon in den 30er Jahren gab es erste Initiativen von lokalen „Bushwalkers“ um dieqq Natur der Blue Mountains zu schützen und sie sind einer der ältesten Nationalparks weltweit.
Zum baden ist uns die steil abfallende Felsstelle dann aber doch etwas zu heikel 😉 Das tun wir dann weiter oben im Wasserfall, wo es nicht gleich 100 m senkrecht in die Tiefe geht, wenn wir doch mal ausrutschen 😉

Das Highlight unserer Wanderungen erleben wir am nächsten Tag im wenige Kilometer entfernten Wentworth Falls. Hier laufen wir den 9 km langen „National Pass“ der zuerst oberhalb der Klippen lang führt, dann über original aus im Jahr 1902 in den Fels gehauene Stufen auf halbe Höhe hinab führt und dort immer wieder dramatische Ausblicke in die Schlucht frei gibt. Dieser Weg ist weit weniger ausgebaut als die Wege zuvor und wir begegnen nur wenig anderen Wanderern. Unterwegs sehen wir immer wieder Echsen, viele Vögel, Truthähne und seltene Lyre Birds. Diese sind wahre Geräuschkünstler, die sogar Motorsägen imitieren können. Bei unserem Vesper auf einem Felsvorsprung sehen wir hunderte Kakadus durch die Baumwipfel unter uns fliegen. Am Ende geht es im Valley of the Waters durch dichten Regenwald wieder hinauf auf die Höhe. Insgesamt laufen wir an diesem Tag über 1.000 Stufen.

Am letzten Tag in den Blue Mountains wollen wir noch von Glenbrook aus 7 km zur „Red Hands Cave“ wandern. In dieser Felsenhöhle von Aborigines sind ockerfarbene Handabdrücke zu sehen, die bis zu 1.000 Jahre alt sein sollen. Leider entpuppt sich die Wanderung nur als 3,5 km, die Landschaft mit dürren Eukalyptusbäumen auf verdörrtem Boden über eine Ebene als nicht so spektakulär wie die Tage zuvor und die Höhle als nicht ganz so eindrucksvoller Felsvorsprung. Aber die Handabdrücke, deren ursprünglicher Zweck bis heute unklar ist, sehen wir immerhin tatsächlich. Auch der „Blue Pool“, ein natürlicher Badeteich, lädt mit algenübersätem stehenden Wasser eher nicht zum Baden ein.

Das Highlight an diesem Tag und Abschluss unserer Tour in die Blue Mountains ist der anschließende Besuch im Freibad ( der sogar kostenlos war 😉 ) Nach 5 Tagen wollten wir mal wieder richtig duschen 😀

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Als wir die Gegend bei Guilin schön fanden und die dortigen Karstberge bewunderten, hatten wir die Landschaft bei Yangshuo noch nicht gesehen. Schon die zweistündige Busfahrt in die 60 km flussabwärts von Guilin gelegene Stadt wird zum Leckerbissen für unsere Augen.

Zwischen malerisch grünen Ebenen, auf denen Bauern mithilfe von mächtigen, grauen Wasserbüffeln gemächlich ihre Reisfelder bestellen, ragen in immer kürzer werdenden Abständen steile, schroffe Karstberge auf. Wie von Riesen auf die Wiesen geworfen stehen sie dunkelgrau und scharfkantig abfallend inmitten der ansonsten flachen, sattgrünen Felder.

Als wir vom Highway ab- und in die Stadt hinein fahren, staunen wir weiter: Obwohl Yangshuo 240 000 Einwohner zählt, wirkt sie auf uns wie eine Kleinstadt (abgesehen davon, dass sie das bei chinesischen Maßstäben tatsächlich ist). Die Straßen sind durchzogen von Karstbergen, sodass die Natur immer maximal eine Kurve entfernt ist. Für eine chinesische Stadt eine Sensation.

Der Haken? Wir müssen uns das malerisch am Li Fluss gelegene, einst lässige Städtchen mit den Massen teilen…

Am Busbahnhof angekommen, steigen wir voller Vorfreude aus. Obwohl es inzwischen bereits früher Abend ist, sind die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit immer noch so hoch, dass uns die Kleidung nach dem Schultern unserer Rucksäcke innerhalb von Sekunden am Körper klebt. Egal – wir entscheiden, trotzdem zu Fuß zu dem Hostel zu gehen, dass wir uns anschauen wollen. Das „ShowBiz Inn“ liegt direkt am Flussufer im Stadtzentrum, was laut unserem Reiseführer mit einem zehnminütigen Spaziergang vom Busbahnhof aus zu erreichen ist.
Tja, hier fallen wir das erste Mal mit unserem etwas veralteten Reiseführer auf die Nase. Bei unserem Lonely Planet China handelt es sich um die Ausgabe von 2009. Bisher war das kein wirkliches Problem, die meisten Informationen waren noch sehr akkurat. Was diese Ausgabe aber nicht wissen kann: Der Busbahnhof von Yangshuo wurde Anfang 2013 gut 2,5 Kilometer weiter außerhalb verlegt. Und so laufen wir…. 😀

Als wir die Fußgängerzone nach harten 45 Minuten Fußmarsch entlang der Hauptverkehrsader der Stadt gefunden haben und hechelnd die „West Street“ entlang laufen, an deren Ende das Hostel liegt, wird klar: Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die Yangshuo entdecken wollen…

Mit unseren Rucksäcken auf den Rücken schieben wir uns durch koreanische Reisegruppen, vorbei an ganzen Horden chinesischer Teenager, vereinzelten westlich aussehenden Familien, chinesischen Großfamilien und schlendernden Paaren. Ein bunter Haufen an Touristen.

Und für alle hat Yangshuo etwas zu bieten.
Die Fußgängerzone Xi Jie (West Street) ist ein einziges großes Touristenschlaraffenland: Neben großen und kleinen Shops mit allerlei traditionellen – und weniger traditionellen – Souvenirauslagen reihen sich Geschäfte mit Kunsthandwerk, Bekleidung und Kunstgalerien. Für den großen Hunger steht eine immense Auswahl Restaurants mit internationalen, westlichen und asiatischen Speisen und englisch übersetzten Menüs bereit. Um den shoppingmüden Füße eine Pause zu gönnen und die vom vielen Feilschen trockenen Kehlen wieder zu befeuchten, hat man die Qual der Wahl zwischen Eiscreme-Ständen; Cafés mit Oreo-Milkshakes; Karamell Latte aus der mobilen Kaffeeküche und Teehäusern mit chinesischem Grüntee. Zu später Stunde verwandeln sich die Bars in Karaoke-Bühnen, in denen unentdeckte Talente lautstark den Charthits des vorletzten Jahrzehnts den letzten schrägen Schliff geben. Nach unserer Ankunft und einem Bummel durch das Getümmel verziehen wir uns auf die Dachterrasse unseres Hostels, von der aus wir unverbaute Sicht auf den direkt daneben durchfließenden Li River und die dahinter aufragenden Karstberge genießen.

Nach einer Nacht im Hostel entscheiden wir uns, umzuziehen. Wir wollen weiter raus. Auf´s Land. In die Natur, die uns hier so beeindruckt. Also packen wir unsere 7 Sachen wieder zusammen und erreichen nach einem halbstündigen Spaziergang flussaufwärts das vor der Stadt gelegene Dorf Shibanqiao. Das Dorf ist lediglich durch mehrere Karstberge von der Stadt getrennt und besteht im Grunde aus einer einzigen Straße.
Hier finden wir das kleine, neu eröffnete Hostel „Cosy Garden“. Der Name ist Program – das gemütliche Hostel mit Wintergarten hat nach vorne wie nach hinten jeweils viel grün drumherum und liegt idyllisch inmitten der Karstberge. Wir werfen erst einmal all unsere Nachmittagspläne über den Haufen und machen gar nichts. Den Rest des Tages genießen wir einfach. Erst die schwüle Mittagshitze, dann das klärende Sommergewitter. Bei Einbruch der Dunkelheit hören wir anstelle von Beats rhythmisches Quaken und statt Neonreklamen sehen wir nachts sogar ein paar Sterne.

Trotz einer kurzen Nacht ausgeruht (wir schauten morgens ab 4 Uhr das Halbfinale Deutschland-Brasilien) und nach einem im Preis inbegriffenen Do-it-yourself Frühstück mit Omelette, Yoghurt, Obst und richtigem Filterkaffee (Premiere in China! Spätestens jetzt hat uns das Cosy Garden Hostel restlos überzeugt 😉 ) starten wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein unternehmungslustig zu unserer Erkundungstour.
Unser Ziel ist der Fluss Yulong. Kleiner, unbekannter und ruhiger gelegen als der Li Fluss fließt dieser ca. 4 km südwestlich von Yangshuo durch eine ebenso malerische Gegend.
Wir wollen die hügelige Landschaft per pedalo erkunden und leihen uns ein Tandem! Anfangs ist es gar nicht so einfach, unsere 4 Beine zu koordinieren aber schnell haben wir den Dreh raus und sind ein super Team. Überhaupt entdecken wir das Tandem als ideales Gefährt: Uli sitzt vorne und lenkt und Biene hat beide Hände frei zum Bilder knipsen ;-D
Die 10 km bis zum Fluss führen uns entlang an Teeplantagen und Reisfeldern über entlegene Bauerndörfer und mitten durch die kamelhöckerförmigen Karstberge. Die idyllische Szenerie übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem und verträumt lassen wir unsere Blicke über die malerische Landschaft schweifen und bewundern die Karstformationen.

Sind wir auf unserer Radtour bis zum Wasser noch die einzigen Touristen, erkennen wir bei unserer Ankunft am Flussufer schnell, dass auch der Yulong Fluss kein Geheimtipp mehr ist:
Auf zahlreichen Bambusfloßen werden überwiegend chinesische Touristen von Gondolieren über den friedlich dahinrauschenden Strom kutschiert. Wir schauen eine Weile dem bunten Treiben zu, dann schwingen wir uns wieder auf unseren überdimensionalen Drahtesel und fahren entgegen der Richtung zur bekannten Drachenbrücke weiter stromaufwärts. Hier sind wir schnell wieder allein mit der Natur und finden zum Abschluss des Tages sogar ein Plätzchen, an dem wir zur Abkühlung in das (für chinesische Verhältnisse seltene) klare Nass springen können.

Da wir seit der Mongolei noch eine (immerhin 500g schwere) Packung Nudeln mit uns herumtragen, beschließen wir, heute Abend zur Abwechslung mal wieder selbst den Kochlöffel zu schwingen. Deshalb machen wir noch einen Abstecher zum lokalen Bauernmarkt und decken uns mit Gemüse und Fleisch ein. Nein, natürlich kein Hundefleisch. Auch wenn das ebenfalls in der Auslage gelegen hätte.

Am nächsten Morgen zieht es uns abermals hinaus in die Natur. Nach der Idylle des Yulong Flusses sind wir gespannt, was den Li Fluss ausmacht. Vom Dorf Yangdi aus geht es zuerst auf einem Bambusboot mit knatterndem Motor einige Kilometer den Fluss hinauf. Wir finden uns in einer herrlichen Landschaft wieder; am Ufer ziehen fast sureal die Karstberge in verschiedensten Formationen vorbei – die Auslöser unserer Kameras klicken in einem fort. Kurz nach der bekanntesten Stelle des Flusses – die auf der 20 RMB-Banknote abgebildet ist – gehen wir von Bord, um von hier aus in ca. 3 Stunden entlang des Flusslaufs stromaufwärts zu wandern. Dabei haben wir neben den gut 40 Grad, die es an diesem herrlichen Sommertag hat, die touristische Erschlossenheit des Flusses vielleicht etwas unterschätzt. In den Dörfern, durch die wir kommen, werden wir häufig angesprochen. Allerdings werden wir hauptsächlich als touristische Einnahmequelle wahrgenommen à la „Hello! Water? Cold water! Good price! Cola? You want Rice? Cheap rice! Do you need a guide?“. Erst, als eine ältere Dame so über mehrere Kilometer partout nicht von unserer Seite weichen will, werden wir doch etwas genervt.
Perfekterweise entdecken wir einen versteckten Wasserfall zurückgesetzt im Wald und legen hier Rast ein. Wir erfrischen uns bei einem Bad in dem kühlen Nass von der schwülen Mittagshitze und können danach ungestört unsere schöne Wanderung fortsetzen. Gegen Spätnachmittag erreichen wir unser Ziel, gönnen uns in dem kleinen Örtchen ein Eis und fahren mit dem Bus zurück nach Yangshuo.

Unseren letzten Abend in China verbringen wir gemütlich sinnierend im Garten unseres Hostels. Am nächsten Abend steigen wir bereits in den Nachtbus, der uns in knapp 10 Stunden nach Shenzhen in der Provinz Guangdong bringt. Dort verlassen wir nach 50 Tagen im Reich der Mitte das Land, um unsere Reise nach Hong Kong fortzusetzen.

UNSER FAZIT:
Bei unserer Recherche zum Süden Chinas fanden wir Yangshuo in vielen Quellen als Geheimtipp. Es war auch mit Sicherheit einmal einer. Nur ein schlecht gehüteter 😀

Heute hat Yangshuo einen festen Platz auf der touristischen Landkarte und alles zu bieten, was man als Reisender gerne genießt. Uns persönlich war die touristische Infrastruktur fast ein bisschen too much. Nichtsdestotrotz machen der Charme des sympathischen Städtchens und die malerische Karstberglandschaft mit den beiden Flüssen Li und Yulong Yangshuo zu einem absolut lohnenswerten Reiseziel. Wer die Natur dem Rummel vorzieht, sollte außerhalb des quirligen Stadtzentrums Quartier beziehen und sich bei seinen Erkundungstouren abseits der bekannten Pfade treiben lassen. Dann lassen sich hier herrliche Ecken entdecken. Wir hatten tolle Tage hier!

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Provinz Guanxi ist so wasserreich, dass sie rund ein Drittel des Gesamtbedarfs an Wasser von gesamt Südchina abdecken kann. Ideale Voraussetzungen für den Reisanbau. Deshalb finden sich auch vor allem im bergigeren Norden der Provinz überall Reisterrassen. Diese wollen wir besuchen. Wir haben uns dafür die Reisterrassen von Longji um die Stadt Longsheng ausgesucht, die mit zu den schönsten und bekanntesten in China gehören. Ineinander übergehende Reisfelder ziehen sich auf bis zu 1.000 Metern Höhe entlang aneinander gereihter Bergkämme über mehrere Dörfer hinweg und werden aufgrund ihrer Form auch „Das Rückgrat des Drachens“ genannt. Dann wollen wir mal den Drachenrücken besteigen.

THE DRAGON´S BACKBONE RICE TERRACES

Gut eineinhalb Stunden Busfahrt von Guilin aus liegt die Kreuzung entfernt, von der aus die Straße nach Da´zhai abgeht. Da´zhai liegt am östlichen Ende der Reisterrassen von Longji und ist der geplante Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Als wir gegen Spätnachmittag an der Kreuzung ankommen, erfahren wir aber, dass heute kein Bus mehr nach Da´zhai fährt. Die letzten Tage gab es heftige Regenfälle und die Straße ist durch einen Erdrutsch blockiert und unpassierbar. Also fahren wir stattdessen ins 23 km von Da´zhai entfernt liegende Ping´an, um unsere Wanderung am nächsten Tag in entgegengesetzte Richtung zu absolvieren.
Ping´an ist ein 600 Jahre altes Bergdorf der ethnischen Minderheit der Mong. Das Dorf zieht sich vom Fuß des Berges bis hinauf zu den Reisterrassen. Nach dem Aufstieg mit vollem Gepäck finden wir hier oben unser Bett für eine Nacht in einem Homestay einer lokalen Familie. Wir beziehen unser Zimmer im mehrstöckigen Holzhaus und haben eine tolle Sicht hinunter ins Tal. Zum Abendessen probieren wir Bamboo Rice, die lokale Spezialität. Dabei wird Reis zusammen mit Gemüse und kleinen Fleischstücken in ein Bambusrohr gepresst , anschließend im offenen Feuer gegrillt und direkt aus dem längs aufgeschnittenen Bambusrohr verspeist. Es schmeckt geräuchert und und besitzt diesen unverwechselbaren Geschmack nach offenem Feuer. Sehr lecker.

Als wir uns am nächsten Morgen auf die mehrstündige Wanderung nach Da´zhai machen wollen, regnet es. Das ganze Tal ist unter einer dichten Wolkendecke verschwunden Wir schnüren trotzdem unsere Wanderschuhe und hoffen, dass es bald aufklart. Als wir nach einem anstrengenden Aufstieg am ersten Aussichtspunkt ankommen, sind die Terrassen leider immer noch in Regen und Nebel versunken. Wir sehen nur grau.

Von hier wird sich unser gewählter Trek durch mehrere Dörfer ethnischer Minderheiten bis zu den Reisterrassen von Da´zhai schlängeln. Unser Weg führt uns jetzt entlang des Bergkammes und bald wird der Regen schwacher. Die Wolkendecke reißt etwas auf und wir sehen erste Reisfelder in der noch feuchten Luft des Sommerregens glitzern. Mit zunehmend besserer Sicht durchwandern wir langgezogene Felder und Jiao Dörfer, in denen wir auf Jiao Frauen treffen, die ihre Haare traditionell in langen Zöpfen um den Kopf wickeln und deren Haarpracht meist um die 160 cm lang ist. Diese Bergdörfer sind aber längst keine urtümlichen Siedlungen fernab der Touristenpfade mehr, wie wir uns das so schön vorgestellt hatten. Die Nebenwirkungen des Tourismus sind bereits offensichtlich: Die Einwohner drängen geradezu darauf, sie abzulichten – allerdings nur gegen eine Fotogebühr. In den urigen Gassen der kleinen Dörfer laufen uns die Bewohner buchstäblich in Scharen hinterher, um uns ihre Dienste als Guide anzubieten. Erste Reisfelder liegen brach, da die Reisbauern Gästehäuser und kleine Shops betreiben und sich auf die durchziehenden Touristen konzentrieren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen statt mit der aufwändigen Bewirtschaftung der Reisfelder.

Gegen Nachmittag werden kurze Schauer von sonnigen Momenten abgelöst und diese geben erstmalig vollständig den Blick auf die stufenförmig angelegten Terrassen frei. Auf ungezählten Ebenen reichen die Felder über den ganzen Berg hinauf bis zu den Gipfeln. Ein schöner Anblick. Und sicherlich eine farmerische Meisterleistung.

Nach 6 Stunden Wanderung erreichen wir nass bis auf die Knochen das 45 min oberhalb von Da´zhai liegende Bergdörflein Thiantouzhai. Hier beziehen wir unser Zimmer in einem schönen Holzhaus direkt am Hang und haben einen tollen Blick auf und über die Reisterrassen. Das ist auch gut so, denn allzuviel laufen wollen wir an diesem Tag nicht mehr… Nach einer herrlich erfrischenden Dusche verbringen wir einen gemütlichen Abend, lassen unsere Blicke über die im Mondschein silber schimmernden Reisfelder schweifen und hören dem Plätschern der Bewässerungsbäche und dem Quaken der Frösche zu. Die Wolken verziehen sich und hier, mit vielen Kilometern Entfernung zur nächstgrößeren Stadt und ohne Elektrizität in den Nachtstunden, sehen wir ihn – den in China so raren, klaren Sternenhimmel.

Am nächsten Morgen wagt sich die Sonne hervor. Bevor wir uns auf den Abstieg hinunter machen, um mit dem Bus zurück über Guilin in Richtung Yangshuo zu fahren, laufen wir noch eine Dreiviertelstunde hinauf zur nächsten Aussichtsplattform. Von hier sehen wir die Reisterrassen und Dörfer auf den gegenüberliegenden Berghängen im Breitbildformat. Das Panorama ist beeindruckend. Die Berge sehen aus wie in dünne Scheiben geschnitten, die Terrassen verlaufen in konzentrischen Ringen rund um die Hänge und geben den Bergen sanfte und gleichmäßige Konturen. Die Terrassen ziehen sich wie endlos aufsteigende Treppenstufen in den Himmel.

Wir erahnen, warum diese Gegend Inspiration vieler Poeten und chinesischer Songtexter ist und verabschieden uns mit einem langen Rundumblick von den ungezählten Reisterrassen. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir auf den kurzen Abstieg nach Da´zhai, von wo aus wir mit einem Jeep in halsbrecherischer Fahrt zurück nach Guilin fahren.

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