Aussicht

Von Yangon bis Mawlamyaing – der goldene Süden Myanmars

Von Yangon bis Mawlamyaing – der goldene Süden Myanmars

Bei unserer Ankunft in Yangon ist der Himmel grau. Es sieht aus, als ob es bald regnen wird. Mit dem Public Bus, einem wahren chinesischen Oldtimer, rumpeln wir vom Flughafen in die Innenstadt. Dabei bekommen wir einen ersten Eindruck von der Hilfsbereitschaft der Burmesen: als wir etwas verloren vor dem Flughafen an der Stelle stehen, von wo wir glauben dass der Bus abfährt dauert es nicht lange, bis sich einige freundliche Burmesen unser annehmen. Sie erklären uns (mit Händen und Füßen), wo der Bus tatsächlich abfährt, welchen Bus wir nehmen und wo wir aussteigen müssen. Bei der burmesischen Schrift können wir nicht einmal die Zahlen lesen. Nach den Wochen auf den Philippinen, wo es stets englische Beschriftungen gab und jeder Englisch sprach, wieder eine erste Umstellung.

Downtown angekommen, laufen wir die letzten 10 Minuten von der Sule-Pagode bis zu unserem Hostel. Unterwegs fängt es an regnen. Wir legen einen Stopp in einem kleinen Restaurant am Straßenrand ein. Es regnet sich ein und als wir beschließen, trotzdem weiter zu gehen und wieder raus schauen, trauen wir unseren Augen kaum: Die Straßen haben sich zu Kanälen verwandelt. Gut kniehoch stehen wir im Wasser. Also, Schuhe und Socken ausgezogen, FlipFlops an die Füße und los geht es. Wir waten munter durch das Wasser zu unserem Hostel. Insgeheim sind wir etwas verunsichert: Regnet es jeden Tag so stark? War es wirklich eine gute Idee, in der Regenzeit hierher zu reisen?

Die nächsten 4 Wochen sollten uns beruhigen. Zwar regnet es immer mal wieder, aber meist nicht lange. Schon am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne. Wir starten unseren Tag mit einem ausgiebigen Besuch der Shwedagon-Pagode, eines der wichtigsten Heiligtümer Myanmars. Ein fast 100 m Meter hoher, gold glänzender Hauptstupa ist von 68 kleineren goldenen Stupas und Tempeln umgeben und thront majestätisch auf einer fast 60 000 m2 fassenden Plattform über der Stadt. Ein beeindruckender Anblick. Hatten wir erwartet, hier auf Touristenscharen zu treffen, hält sich die Anzahl an ausländischen Besuchern noch sehr in Grenzen. Wir mischen uns unter die Gläubigen und umrunden den Hauptstupa entgegen dem Uhrzeigersinn. Die goldenen Monumente glitzern und funkeln im Sonnenlicht und bei all den verzierten Details klickt unsere Kamera in einem fort. Aber auch wir werden des Öfteren von asiatischen Besuchern zum Fotomotiv auserkoren 🙂

Abends kehren wir noch einmal zurück, um die hell erleuchtete Pagode bei Nacht zu erleben. Die Atmosphäre ist andächtig und wir sind fast die einzigen Besucher. Gold glänzend leuchtet die Pagode über die Stadt. Überhaupt spielt Gold in Myanmar eine große Rolle: Von Buddhastatuen über Pagoden, Stupas, Tempel bis hin zu Felsen wird alles entweder mit Goldfarbe bestrichen oder von den Pilgern mit Blattgold beklebt.

Ein weiteres Merkmal ist der überall erkennbare Einfluss der britischen Kolonialzeit. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt erkunden wir am nächsten Tag die kolonial geprägten Straßenzüge. Leider sehen viele der alten Herrenhäuser bereits ziemlich verfallen aus, da in den 48 Jahren der Militärregierung kein gesteigerter Wert auf Denkmalpflege gelegt wurde.

Anschließend brechen wir mit dem Bus auf nach Bago. In der früheren Königstadt, die heute eher einer kleine Provinzstadt ähnelt, gibt es mehrere sehenswerte Pagoden und 2 liegende Buddhas, mit deren Erkundung wir den Nachmittag verbringen.

Unser nächstes Ziel ist der Goldene Fels. Dieser mit Goldfarbe überzogene Felsen ist jedes Jahr das Ziel tausender Pilger und nach der Shwedagon-Pagode das zweitwichtigste Heiligtum des Landes. Seine Besonderheit macht aus, dass der Fels schräg über dem Abgrund „hängt“ und so aus sieht, als würde er jeden Moment den Berg hinunter rollen. Allerdings liegt er wohl schon seit ca. 1.000 Jahren an Ort und Stelle. Dem buddhistischen Glauben nach im Gleichgewicht gehalten allein von einem vergoldeten Haar Buddhas.
Zum Fels bringt uns ein LKW Pick-up. Hier sitzen wir auf schmalen Holsschrannen hinten auf der Ladefläche und warten, bis auch der letzte der 50 Plätze gefüllt ist. In 40 Minuten rasanter Fahrt geht es dann hinauf auf den Berg. Biene hat sich vorsichtshalber an den Rand gesetzt, da ihr Magen an diesem Tag die Myanmar-Krankheit hat und ihr schon beim Gedanken an die kurvenreiche Fahrt wieder übel wird. Zum Glück aber eine unbenötigte Vorsichtsmaßnahme 🙂

Oben angekommen, erwartet uns neben dem Fels eine herrliche Aussicht über das Thanlwin-Flussdelta bis zum Meer. Wir haben Glück. Noch am Morgen war die Sicht gleich 0, wie uns andere Reisende berichteten. Für den Weg abwärts wählen wir den 7 Meilen langen Wanderweg mit einer herrlichen Aussicht über die bis nach Thailand reichenden Gebirgszüge im Westen und auf das Flussdelta im Osten. In unserem Reiseführer mit 3 1/2 Stunden angegeben, dachten wir, dass wir den Abstieg sicher auch etwas schneller und damit vor Einbruch der Dunkelheit schaffen werden. Pusteblume! Als es anfängt zu dämmern, haben wir noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft. So kommt es, dass wir die letzten 3 Meilen auf dem Trampelpfad durch kleine Bäche, über Steine und Geröll in vollkommener Finsternis zurücklegen. Zum Glück hatten wir – als gut ausgestattete und auf alles vorbereitete Reisende – wenigstens 2 kleine Taschenlampen dabei. Das ist übrigens typisch deutsch, wie uns schon gesagt wurde 🙂
Wir sind froh, dass wir bis dahin noch keine Zeit hatten, im Reiseführer nachzulesen, ob es in Myanmar giftige Schlangen, Tiger oder andere Wildtiere gibt, denen wir eigentlich lieber nicht in freier Wildbahn im Dunkeln begegnen möchten 😉 Wir kommen auch wieder heil im kleinen Pilgerort am Fuße des Berges an.

Mit einem wahren Museumsstück als Bus geht es am nächsten Morgen ins 2 Stunden weiter südlich gelegene Hpa An. Unterwegs merken wir wieder, dass gerade Regenzeit ist: Teilweise sind die Straßen überflutet und nur langsam einseitig befahrbar. In dem Wasser baden fröhlich ganze Familien, daneben wird gepicknickt, Jugendliche trinken vergnügt planschend ein paar Bierchen und ein paar Meter weiter werden die Fahrzeuge im Wasser gewaschen. Wir sind fasziniert, mit welchem Frohmut die Menschen hier das Leben nehmen, wie es kommt.

Rund um dem kleinen Marktflecken Hpa An erwarten uns viele Höhlenheiligtümer, die wir auf einer lustigen Tagestour mit 7 anderen Reisenden aus unserem Hostel erkunden.

Unser nächstes Ziel heißt Mawlamyaing. Noch einmal 2 Stunden weiter südlich gelegen starten wir von hier aus einen Ausflug mit dem Motorbike zum größten liegenden Buddha der Welt bei Mudon. Dieser ist ganze 180 Meter lang, innen mehrstöckig begehbar und schon von weitem zu sehen. Eine ziemlich beeindruckende Erscheinung. Wenn wir uns auch nicht sicher sind, ob sich der Buddha noch im Bau befindet (da an einigen Stellen noch unverputzt) oder bereits wieder zerfällt (da an anderen Stellen bereits wieder sichtbar restaurationsbedürftig). Im Inneren des Buddhas sind mit lebensgroß geformten Tonfiguren die verschiedenen wichtigen Stationen im Leben Buddhas dargestellt.

In Mawlamyaing ist in südlicher Richtung für uns Schluss. Der tiefe Süden Myanmars darf nur mit vorher eingeholter Spezialgenehmigung bereist werden und selbst dann ginge es von hier nur mit dem Flugzeug weiter.

Nach knapp einer Woche im Süden fahren wir deshalb mit dem Nachtbus in 11 Stunden nach Mandalay, um uns dem nördlichen Teil des Landes zu widmen.

Hong Kong und Macau – von alternativen Schlafplätzen in Megametropolen

Hong Kong und Macau – von alternativen Schlafplätzen in Megametropolen

Nach 50 Tagen in China war es für uns Zeit, wieder aufzubrechen und neue Gegenden zu erkunden. 50 Tage hören sich nach einer langen Zeitspanne an. Wir waren viel unterwegs, haben das Land von Nord nach Süd und Ost nach West (teilweise) durchquert, tolle Orte gesehen, viel erlebt und hatten spannende Begegnungen. Und dennoch gibt es noch unzählig viele Plätze und interessante Ecken in diesem großen Land, die wir noch nicht entdeckt haben.
Aber wir brauchen ja auch noch Ziele für unsere nächste Reise…

HONG KONG

Mit dem Nachtbus kommen wir morgens um 6 Uhr in der chinesischen Grenzstadt Shenzhen an. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung nach Hong Kong. Nach einer kurzen Busfahrt sind wir auch bereits am Grenzübergang angekommen. Es ist Samstagmorgen und an den Ausreiseschaltern bilden sich lange Schlangen. Viele Festland-Chinesen nutzen das Wochenende für einen Kurztrip in die ehemals britische Kolonie. Dann ist es soweit: Wir bekommen den Ausreisestempel in unseren Pass gedrückt und sind aus der Volksrepublik China ausgereist. Auf der anderen Seite geht es schneller voran – es gibt extra Schalter für Nicht-Chinesen 🙂
Wir fahren mit der effektiven Subway MRT in den Stadtteil Mongkok, wo wir unsere Unterkunft gebucht haben. Wir haben wir zum ersten Mal auf unserer Reise kein Hostel gebucht, sondern uns über airBnB ein Zimmer in einer privaten Wohnung gemietet. Dank der guten Wegbeschreibung unseres Vermieters finden wir unsere Bleibe auf Anhieb. Die Wohnung ist typisch für Hong Kong: Winzig. Mini-Bad, Mini-Waschmaschine, Mini-Küche (2 Kochplatten im Flur) und durch dünne Holzwände unterteilte Mini-Räume. Auch unser Zimmer ist so klein, dass neben dem Bett an 3 Seiten gleich die Wand kommt und an der 4. gerade so die Tür aufgeht. Die Quadratmeterpreise sind teuer in Hong Kong. Platz ist Luxus in diesem von Wasser umgebenen Art Stadtstaat. Uns reicht der Platz zum schlafen. Nach einem kurzen Plausch mit unserem Vermieter und Begrüßung seiner Schildkröte Toby machen wir uns stadtfein und ziehen los. Wir verbringen den Nachmittag mit der Erkundung des Stadtteils Kowloon, bevor wir uns bei Einbruch der Dunkelheit zur Avenue of Stars aufmachen.

Diese Uferpromenade ist dem Hollywood Walk of Fame nachempfunden. Namhafte asiatische Künstler sind hier mit einem Stern im Boden verewigt. Der einzige Name, der uns beiden etwas sagt, ist Jackie Chan… 😉 Von der Avenue of Stars aus haben wir beste Sicht auf die allabendlich stattfindende Lasershow „Symphony of Lights“. Wir ergattern einen Platz in der ersten Reihe direkt am Wasser, lauschen der passend zu den bunten Lasern komponierten Musik und genießen den Trubel. Im Anschluss schlendern wir durch das nächtliche Kowloon zum Nachtmarkt in der Temple Street, der vielleicht nicht mehr ganz so spektakulär ist wie bei Biene’s letztem Besuch vor 5 Jahren (oder liegt es daran, dass wir wissen dass wir alles auf dem Rücken tragen müssen, was wir kaufen?!).

ONE DAY IN HONG KONG

Heute steht klassisches Sightseeing auf unserem Programm:
Mit der Star Ferry setzen wir über zum Victoria Harbour nach Hong Kong Island, erkunden das Stadtviertel Central mit seinen eisgekühlten, luxuriösen Shoppingmalls zu Fuß, fahren in SoHo mit den Midlevel-Escalators auf den längsten Outdoor-Rolltreppen der Welt, trinken ein Bier in Lan Kwai Fong und fahren mit einer nostalgischen Tram zum Yachthafen der Causeway Bay. Wir genießen das internationale Flair Hong Kong’s, lassen uns durch die belebten Straßen treiben und blicken an den spiegelnden Fassaden der Skyscrapper hinauf. Auch wenn diese Metropole seit 1996 wieder zu China gehört, fühlt es sich doch ganz ganz anders an. Internationaler, lebendiger, irgendwie weltoffener. Heute schauen wir uns die Symphony of Lights vom anderen Ufer aus an.

WIR SIND WELTMEISTER

Gegen Abend testen wir die Bars auf der Lockhardt Street, der Partymeile Wan Chai’s,. Heute ist Finalnacht der Fußball-WM! Deutschland gegen Argentinien! Wir suchen eine Bar, die das Spiel überträgt. Unsere Auswahlkriterien: großer Bildschirm, möglichst kein bzw. geringer Eintritt, gute Stimmung und der Preis für ein gezapftes Bier 😀
Wir werden fündig und suchen uns schließlich eine Eckbar aus, in der an allen 4 Wänden große Screens hängen und das Spiel zusätzlich auf einer großen Leinwand übertragen wird. Wie sich gegen 23 Uhr langsam herausstellt, hatten wir bei unserer Wahl einen guten Riecher! Die Stühle und Tische werden rausgetragen – der Wirt vermutet, dass es voll wird. Tatsächlich, gegen Mitternacht füllt sich die Bar zusehends. Um uns herum weiße Trikots mit schwarz-rot-goldenem Wappen und eine vertraute Sprachmelodie. Wir verstehen die Menschen um uns rum. Huch, und sie verstehen uns 😉 In der Bar sind gut 90% Deutsche – wir haben uns zufällig die Stammkneipe der deutschen Expats in Hong Kong für das Finale ausgesucht. Wir sind begeistert. * Noch 3 Stunden bis Spielbeginn. Bei Helene Fischer, den Toten Hosen und den Sportsfreunden Stiller fängt die Stimmung langsam an zu brodeln. Neben uns steht Kathrin aus Karlsruhe, die seit 5 Jahren in Hong Kong lebt… so klein ist die Welt! Als es endlich 3 Uhr morgens ist, ist die Bar gerammelt voll und die Stimmung sensationell. Es sind packende 120 Minuten mit vielen „Aah’s“ und „Ooohs“ und rauschenden Pausen (Video folgt 🙂 ).

Als es 2 Stunden später langsam hell wird und endlich fest steht, dass Deutschland tatsächlich zum 4. Mal in der Geschichte den Titel geholt hat, kennt die Freude kein Halten mehr. Auf der Straße vor der Bar wird getanzt, gejubelt und gefeiert bis die Polizei kommt. Der einsetzende Berufsverkehr kommt nicht mehr durch, die gesamte Straße ist dicht und der Polizei bleibt nichts anderes übrig, als die Kreuzung komplett abzusperren.

Wir feiern ausgelassen und an Schlaf ist nicht zu denken. Als sich die Party langsam auflöst, ziehen wir beide weiter. Unser Ziel: der Victoria Peak. Mit der historischen Peak Tram, der ältesten noch in Betrieb befindlichen Standseilbahn der Welt fahren wir, als erste Passagiere an diesem Morgen, auf den höchsten Berg Hong Kongs.
Oben angekommen genießen wir den klaren Blick auf die morgendliche Skyline Hong Kongs, den Victoria Harbour und die Outlaying Islands rundum. Als uns das Personal von der Aussichtsplattform schmeißen will, weil sie noch nicht geöffnet ist (warum genau fährt dann die Tram bereits?), setzen wir uns zum Ausruhen auf die Parkbänke auf der Terrasse. Es dauert natürlich keine 5 Minuten, bis wir eingeschlafen sind 😀

Frisch ausgeruht machen wir uns etwas später auf den Abstieg. Nach einer anstrengenden Wanderung abwärts und einem kurzen Abstecher in den Zoologischen Garten kommen wir wieder in SoHo an, von wo aus wir gemütlich mit der Metro zurück nach Mongkok fahren. Dort wartet schon ein Sieges-Schnitzel und unser Bett-Zimmer auf uns. Der Rest des Tages ist schnell erzählt: wir verschlafen ihn größtenteils 😀 Zum Glück regnet es den längsten Teil des Nachmittags, sodass wir guten Gewissens einfach liegen bleiben 😉

MACAU – DAS LAS VEGAS ASIENS

Immer noch in Siegeseuphorie erreichen wir am nächsten Tag Macau. Die ehemals portugiesische Kolonie liegt gerade einmal 45 Fähr-Minuten von Hong Kong entfernt. Wir fahren mit dem Bus durch die schöne, sehr mediterran anmutende Altstadt und checken in das Hostel ein, in dem Biene vor 5 Jahren schon war. Wie damals ist das San Va Hospiderìa immer noch die günstigste Unterkunft des Stadtstaats, die Besitzerin immer noch gleich garstig und die Zimmer noch gleich verlebt. Naja, für eine Nacht geht es…
Wir erkunden zu Fuß das Stadtzentrum, schlendern über den bekannten schwarz-weissen Largo d Senado und besichtigen die historisch bedeutsamen Bauten. Abends zieht es uns in eines der zahlreichen Casinos. Wie ihr merkt, sind wir aber noch nicht wieder zuhause – wir haben also der Versuchung widerstanden und uns nicht selbst an die Spieltische gesetzt 😀 Stattdessen haben wir einen unterhaltsamen Abend bei freien Drinks in schöner Hotelatmosphäre.

Bei unserer Rückkehr ins Hotel erwartet uns eine unerfreuliche Email: Aufgrund des Taifuns Glenda, der auf den Philippinen erwartet wird, wurde unser Flug für den morgigen Tag gecancelt.
Den Abstecher auf die Philippinen haben wir spontan in unsere Reiseplanung eingeschoben. Eigentlich stand als nächstes das geheimnisvolle Myanmar auf unserer Route. Allerdings haben wir nach den (heißen) knapp 2 Monaten in China das Bedürfnis nach Strand, Relaxen und Nichts tun. Und auf die Philippinen wollten wir eh noch irgendwann…

Trotz des gecancelten Fluges brechen wir am nächsten Morgen zum Flughafen auf. Wir wollen sehen, ob sich nicht doch noch etwas machen lässt, damit wir noch heute auf den Philippinen ankommen. Als aber kurz darauf fest steht, dass heute definitiv weder von Macau noch von Hong Kong aus ein Flug auf die Philippinen abhebt, überlegen wir uns unsere Optionen:

  • Eine weitere Nacht in unserer überteuerten Absteige, in der wir uns das Zimmer mit vierbeinigen Kriechern teilen müssen.
  • Verrückt und spontan sein.

PROJECT TERMINAL

Keine Frage – wir entscheiden uns für Alternative 2. Und so kam es, dass wir unser Zelt am bisher ungewöhnlichsten Ort unserer Reise aufschlugen…

Aber der Reihe nach. Zuerst fahren wir mit dem kostenlosen Shuttle-Bus von einem der noblen Casino-Hotels zum Strip, wo die ganzen schönen Luxushotels mit ihren Casinos die spielfreudigen Besserverdiener Asiens anlocken… Im einladenden Galaxy Hotel deponieren wir zuerst unser Gepäck beim überaus hilfsbereiten Concierge. Nun steht einem relaxten Nachmittag nichts mehr im Wege bzw. auf dem Rücken. 😉 Wir schlendern durch das Hotelcasino, freuen uns über den Gratis-Kaffee, den wir angeboten bekommen und gehen weiter ins Hotel Venetian, das eine genaue Replik des Venetian in Las Vegas ist. Hier bummeln wir entlang des originalgetreu nachgebauten Canale Grande bis zum Markusplatz, winken den singenden Gondolieres zu und schlendern anschließend in den alten Teil Macaus. Hier in Taipa bummeln wir durch die Marktstraßen und naschen uns in den Bäckereien durch die Gratis-Kostproben an lokalem Gebäck. Mit Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf ins Hard Rock Hotel, um bei guter Musik am Pool den Abend mit Blick auf das festlich beleuchtete Venetian ausklingen zu lassen.

In der Gewissheit, das Beste aus diesem zusätzlichen Tag gemacht zu haben, steigen wir später wieder in den kostenlosen Shuttle-Bus zurück zum Flughafen. 🙂
Und hier schlafen wir, etwas abseits der Wartehalle auf der Empore im 1. Stock, wie die Engel in unserem kleinen Zelt – bis uns am nächsten Morgen der Wachmann weckt 😀
Und nach 24 Stunden am Flughafen ist es dann auch fast schon Zeit, in den Flieger zu steigen, der uns auf die Insel bringt….

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Reisterrassen von Longji – grüne Treppenstufen in den Himmel

Die Provinz Guanxi ist so wasserreich, dass sie rund ein Drittel des Gesamtbedarfs an Wasser von gesamt Südchina abdecken kann. Ideale Voraussetzungen für den Reisanbau. Deshalb finden sich auch vor allem im bergigeren Norden der Provinz überall Reisterrassen. Diese wollen wir besuchen. Wir haben uns dafür die Reisterrassen von Longji um die Stadt Longsheng ausgesucht, die mit zu den schönsten und bekanntesten in China gehören. Ineinander übergehende Reisfelder ziehen sich auf bis zu 1.000 Metern Höhe entlang aneinander gereihter Bergkämme über mehrere Dörfer hinweg und werden aufgrund ihrer Form auch „Das Rückgrat des Drachens“ genannt. Dann wollen wir mal den Drachenrücken besteigen.

THE DRAGON´S BACKBONE RICE TERRACES

Gut eineinhalb Stunden Busfahrt von Guilin aus liegt die Kreuzung entfernt, von der aus die Straße nach Da´zhai abgeht. Da´zhai liegt am östlichen Ende der Reisterrassen von Longji und ist der geplante Ausgangspunkt für unsere Wanderung. Als wir gegen Spätnachmittag an der Kreuzung ankommen, erfahren wir aber, dass heute kein Bus mehr nach Da´zhai fährt. Die letzten Tage gab es heftige Regenfälle und die Straße ist durch einen Erdrutsch blockiert und unpassierbar. Also fahren wir stattdessen ins 23 km von Da´zhai entfernt liegende Ping´an, um unsere Wanderung am nächsten Tag in entgegengesetzte Richtung zu absolvieren.
Ping´an ist ein 600 Jahre altes Bergdorf der ethnischen Minderheit der Mong. Das Dorf zieht sich vom Fuß des Berges bis hinauf zu den Reisterrassen. Nach dem Aufstieg mit vollem Gepäck finden wir hier oben unser Bett für eine Nacht in einem Homestay einer lokalen Familie. Wir beziehen unser Zimmer im mehrstöckigen Holzhaus und haben eine tolle Sicht hinunter ins Tal. Zum Abendessen probieren wir Bamboo Rice, die lokale Spezialität. Dabei wird Reis zusammen mit Gemüse und kleinen Fleischstücken in ein Bambusrohr gepresst , anschließend im offenen Feuer gegrillt und direkt aus dem längs aufgeschnittenen Bambusrohr verspeist. Es schmeckt geräuchert und und besitzt diesen unverwechselbaren Geschmack nach offenem Feuer. Sehr lecker.

Als wir uns am nächsten Morgen auf die mehrstündige Wanderung nach Da´zhai machen wollen, regnet es. Das ganze Tal ist unter einer dichten Wolkendecke verschwunden Wir schnüren trotzdem unsere Wanderschuhe und hoffen, dass es bald aufklart. Als wir nach einem anstrengenden Aufstieg am ersten Aussichtspunkt ankommen, sind die Terrassen leider immer noch in Regen und Nebel versunken. Wir sehen nur grau.

Von hier wird sich unser gewählter Trek durch mehrere Dörfer ethnischer Minderheiten bis zu den Reisterrassen von Da´zhai schlängeln. Unser Weg führt uns jetzt entlang des Bergkammes und bald wird der Regen schwacher. Die Wolkendecke reißt etwas auf und wir sehen erste Reisfelder in der noch feuchten Luft des Sommerregens glitzern. Mit zunehmend besserer Sicht durchwandern wir langgezogene Felder und Jiao Dörfer, in denen wir auf Jiao Frauen treffen, die ihre Haare traditionell in langen Zöpfen um den Kopf wickeln und deren Haarpracht meist um die 160 cm lang ist. Diese Bergdörfer sind aber längst keine urtümlichen Siedlungen fernab der Touristenpfade mehr, wie wir uns das so schön vorgestellt hatten. Die Nebenwirkungen des Tourismus sind bereits offensichtlich: Die Einwohner drängen geradezu darauf, sie abzulichten – allerdings nur gegen eine Fotogebühr. In den urigen Gassen der kleinen Dörfer laufen uns die Bewohner buchstäblich in Scharen hinterher, um uns ihre Dienste als Guide anzubieten. Erste Reisfelder liegen brach, da die Reisbauern Gästehäuser und kleine Shops betreiben und sich auf die durchziehenden Touristen konzentrieren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen statt mit der aufwändigen Bewirtschaftung der Reisfelder.

Gegen Nachmittag werden kurze Schauer von sonnigen Momenten abgelöst und diese geben erstmalig vollständig den Blick auf die stufenförmig angelegten Terrassen frei. Auf ungezählten Ebenen reichen die Felder über den ganzen Berg hinauf bis zu den Gipfeln. Ein schöner Anblick. Und sicherlich eine farmerische Meisterleistung.

Nach 6 Stunden Wanderung erreichen wir nass bis auf die Knochen das 45 min oberhalb von Da´zhai liegende Bergdörflein Thiantouzhai. Hier beziehen wir unser Zimmer in einem schönen Holzhaus direkt am Hang und haben einen tollen Blick auf und über die Reisterrassen. Das ist auch gut so, denn allzuviel laufen wollen wir an diesem Tag nicht mehr… Nach einer herrlich erfrischenden Dusche verbringen wir einen gemütlichen Abend, lassen unsere Blicke über die im Mondschein silber schimmernden Reisfelder schweifen und hören dem Plätschern der Bewässerungsbäche und dem Quaken der Frösche zu. Die Wolken verziehen sich und hier, mit vielen Kilometern Entfernung zur nächstgrößeren Stadt und ohne Elektrizität in den Nachtstunden, sehen wir ihn – den in China so raren, klaren Sternenhimmel.

Am nächsten Morgen wagt sich die Sonne hervor. Bevor wir uns auf den Abstieg hinunter machen, um mit dem Bus zurück über Guilin in Richtung Yangshuo zu fahren, laufen wir noch eine Dreiviertelstunde hinauf zur nächsten Aussichtsplattform. Von hier sehen wir die Reisterrassen und Dörfer auf den gegenüberliegenden Berghängen im Breitbildformat. Das Panorama ist beeindruckend. Die Berge sehen aus wie in dünne Scheiben geschnitten, die Terrassen verlaufen in konzentrischen Ringen rund um die Hänge und geben den Bergen sanfte und gleichmäßige Konturen. Die Terrassen ziehen sich wie endlos aufsteigende Treppenstufen in den Himmel.

Wir erahnen, warum diese Gegend Inspiration vieler Poeten und chinesischer Songtexter ist und verabschieden uns mit einem langen Rundumblick von den ungezählten Reisterrassen. Bei strahlendem Sonnenschein machen wir auf den kurzen Abstieg nach Da´zhai, von wo aus wir mit einem Jeep in halsbrecherischer Fahrt zurück nach Guilin fahren.

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