Sichuan – die schärfste Provinz Chinas

CHENGDU – DIE SCHARFE HAUPTSTADT DER PANDAS

Nach unserem kurzen Abstecher in Chongqing verabschiedeten wir uns vom Yangtze und kamen nach einer 2-stündigen Fahrt mit dem Highspeed-Train am Sonntagnachmittag in Chengdu an. Chengdu ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan. Diese ist vor allem für 2 Eigenschaften bekannt:

  • ihre scharfe Küche
  • die einzige Region Südostasiens, in der Pandas noch in freier Wildbahn leben

Einen guten Einstieg in Punkt 1 fanden wir direkt nach unserer Ankunft, als wir auf dem Weg zu unserem Hostel an einer kleinen Garküche am Straßenrand vorbei kamen und hier das sichuanesische Gericht 但但 面 (Dandan Mian) testeten. Das sind Nudeln mit Schweinehackfleisch, Erdnüssen und einer scharfer Soße. Köstlich. Die Stadt war uns auf Anhieb sympathisch! Ihre besondere Schärfe bekommen die Gerichte der Sichuan-Küche natürlich durch – ihr habt es wahrscheinlich nach unserem letzten Bericht schon vermutet – den Sichuan-Pfeffer.

ZUHAUSE AUF ZEIT

Gut gestärkt machten wir uns auf die letzten Meter zu unserem Hostel „Chengdu International Youth Hostel“ und anders als bei Tina´s Absteige in Chongqing wurden wir sehr positiv überrascht. Das Hostel im Norden der Stadt liegt zwar direkt an der geschäftigen Ringstraße um den Stadtkern, allerdings nahmen wir davon nichts mehr wahr, sobald wir durch das große rote Eingangstor traten. Dahinter erwartete uns ein bezaubernd angelegter Garten, durch dessen überdachte und mit Liegestühlen ausgestattete Pavillons ein plätscherndes Bächlein fließt und der total vergessen ließ, dass wir uns immer noch mitten in der Stadt befanden. Das ganze Hostel war trotz der recht großen Anlage sehr gemütlich und top ausgestattet mit Bar/Restaurant, Dachterrassen, Touren-Infoschalter, Videothek, Waschmaschine, Leseecke…und ganz wichtig: einer großen Leinwand in der Bar, auf der alle Fußball-WM-Spiele live übertragen wurden 🙂

Wir fühlten uns direkt wohl und trafen auch mal wieder andere internationale Touristen, mit denen wir so manch unterhaltsame Abende im Garten verbrachten. Insgesamt gefiel es uns so gut, dass wir unseren Aufenthalt im Hostel 2mal verlängerten und statt der ursprünglichen 3 Tage knapp eine Woche blieben. Aber natürlich saßen wir nicht nur im Hostel herum.

GROßE TEDDYBÄREN

Wir waren zu einem Rendezvous verabredet, auf das wir uns schon länger freuten und das einer der Hauptgründe für unseren Stopp in Chengdu war: Auf uns warteten die Pandas. Dort, in der Nähe der dichten Bambuswälder Sichuans, wo sie zurückgezogen noch in freier Wildbahn leben, wurde auch eine Forschungs- und Zuchtstation aufgebaut, um den Fortbestand dieser gemütlichen Bären mit den schwarzen Masken um die Augen zu sichern. Die beste Zeit für einen Besuch bei den Pandas ist frühmorgens, da um 9.00 Uhr Fütterungszeit ist. Und sind die Pandas erstmal satt und mit Bambus voll gefressen, sieht man sie den Rest des Tages bei ihrer 2. Lieblingsbeschäftigung: schlafend. Früh morgens fahren aber leider noch keine öffentlichen Busse, daher machten wir den Ausflug mit einer vom Hostel organisierten Tour.

Wir kamen rechtzeitig genug, um die schwarz-weiss gescheckten Bären noch in ihren Freigehegen zu sehen und ihnen im Anschluss beim Bambus vernichten zuzuschauen, was wirklich zu drollig ist. Die Pandas liegen mehr als dass sie sitzen mitten drauf auf ihrem Berg aus Bambusästen, die Hinterfüße weit ausgestreckt, den Kopf auf die Brust fallengelassen und mit beiden Vorderpfoten (die große Ähnlichkeit zu unseren Händen haben) wird flink ein Bambusast nach dem nächsten abgenagt. Auch einige Bären-Teenager konnten wir beim fressen beobachten. Ihr könnt sie Euch ungefähr so vorstellen: Kleine Kinder liegen in einem Riesenberg Schokolade und stopfen in aller Gemütlichkeit mit beiden Händen alles, was sie greifen können, in sich rein 😀

Außerdem lernten wir noch eine weitere gefährdete Spezies kennen, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existiert: Der rote Panda. Diese Pandaart ist etwa fuchsgroß und aktiver als ihre großen Artverwandten. Gegen Mittag wollten wir uns dann auf den Rückweg machen. Am Ausgang stellten wir allerdings fest, dass der Fahrer unserer Gruppe uns vergessen hatte und bereits ohne uns abgefahren war… Kein Problem für uns, wir schlenderten nochmal durch die Gehege und nahmen schließlich den öffentlichen Bus zurück in die Stadt. Zurück im Hostel war es den Organisatoren aber recht unangenehm, dass wir vergessen wurden und -zur Wiedergutmachung- kamen wir noch in den Genuss eines ausgiebigen Mittagessens. Mehr Zeit bei den Pandas und ein kostenloses Mittagessen – wir wollen uns nicht über die Tour beklagen 😉

AUF DU UND DU MIT CHENGDU

Die restlichen Tage verbrachten wir – neben gemütlichen Stunden im Hostelgarten – mit dem Erkunden der Stadt. Dazu stürzten wir uns sogar erstmals mit dem Fahrrad in das chinesische Verkehrsgewühl und fanden u.a.: eine „rehistorisierte“ antike Straße zum Bummeln, ein herrlich farbenfrohes tibetisches Viertel, einen schönen Stadtkern mit Fluss, Tempel, Tempel, Tempel, einen großen Stadtpark… In diesem Stadtpark stießen wir auf eine weitere Kuriosität in unserer Reihe „Original China“ : In einem Teil des Parks waren entlang der Wege lange Holzstäbe in die Erde gesteckt, an deren oberen Enden beschriebene DinA4 Seiten festgemacht waren. Davor tummelten sich viele, meist ältere Herrschaften, die diese interessiert lasen. Bei näherem Hinsehen konnten wir erkennen, dass es sich um Kontaktanzeigen handelte. „Er, 37 Jahre, männlich, sucht….“ Wie wir in Erfahrung brachten, werden hier -von Eltern und Großeltern- Alleinstehende beworben, die das heiratsfähige Alter nach chinesischem Verständnis überschritten haben, aber noch nicht unter der Haube sind. Wie erfolgreich und wie begeistert diejenigen auf den Anzeigen von den Versuchen sind, sie an den Mann zu bringen, wissen wir nicht 😉

LESHAN – DER GROßE DAFO

Nach 6 gemütlichen Tagen in netter Gesellschaft und mit gutem Essen in Chengdu machten wir uns schließlich Samstag morgens mit dem Bus auf die Weiterreise, um noch am selben Nachmittag in Leshan anzukommen. Hier sitzt der größte Buddha der Welt. Mit Fingernägeln, die länger sind als der durchschnittliche Mensch groß, thront dieser in Fels gehauen mit einer stattlichen Höhe von 71 m über der Mündung zweier Flüsse. Erschaffen wurde er im 7. Jhd. n. Ch., um den an dieser Stelle gefährlichen Flussabschnitt zu beruhigen, in dessen Strömung viele Schiffsunglücke passierten. Tatsächlich wurde der Fluss nach dem langen Entstehungsprozess des Buddhas wohl merklich ruhiger – darüber, ob das an dem durch die Abtragung des Felsens aufgeschütteten Flussbett liegt oder an dem schützenden Effekt des Buddhas, scheiden sich die Geister der Einwohner.

Touristen haben 2 Möglichkeiten, den Big Buddha zu erleben:

  • In Nahaufnahme zu seinen Füßen und auf den Treppen, die im Felsen neben ihm bis auf Kopfhöhe hinaufführen oder
  • In seiner ganzen Pracht von einem Boot aus, das 10 Minuten im Fluss vor dem Buddha auf und ab fährt.

Beides zu einem stattlichen Preis. Wir entschieden uns für Möglichkeit Nummer 3: Eine Überfahrt mit der lokalen Fähre zu der in der Mitte der beiden Flüsse gelegenen Insel. Dann ein kurzer Fußmarsch bis zum Inselende Richtung Flussmündung. Und von hier hatten wir zu einem Bruchteil der beiden Eintrittspreise eine herrliche, unversperrte Sicht auf den riesigen Buddha in voller Länge. Kleine Zugabe: von hier waren auch die beiden den Buddha flankierenden Wächter zu sehen, die vom Festland aus unsichtbar neben dem Buddha in den Stein gehauen sind.

Backpacker-Sightseeing rocks!

Mit dem Besuch beim großen Buddha hatten wir bereits alles gesehen, was in Leshan auf unserer Agenda stand. Am nächsten Tag machten wir uns daher wieder auf Richtung Busbahnhof. Vor uns lagen 9 Stunden Busfahrt, die uns Richtung Tibet bringen sollten…

Unser Tipp:

Ein Besuch beim großen Buddha lohnt sich, allerdings sind die Eintrittspreise auch hier chinesisch-gesalzen! Einen weit günstigeren Blick auf seine gesamte Pracht kann man erhaschen, wenn man an der Uferpromenade entlang Richtung Stadtzentrum läuft. Dort mit der lokalen Fähre für 2 RMB auf die kleine, ca. 200 m entfernte Insel in der Flussmündung (für gute Bilder Kamera mit Zoom nicht vergessen) übersetzen. Für einen noch besseren Blick auf den Buddha diese kleine Insel überqueren und für nochmal 2 RMB noch eine Insel weiterfahren. Direkt davor: Der große Dafo 🙂