China

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Yangshuo – Flussparadies zwischen Zauberbergen

Als wir die Gegend bei Guilin schön fanden und die dortigen Karstberge bewunderten, hatten wir die Landschaft bei Yangshuo noch nicht gesehen. Schon die zweistündige Busfahrt in die 60 km flussabwärts von Guilin gelegene Stadt wird zum Leckerbissen für unsere Augen.

Zwischen malerisch grünen Ebenen, auf denen Bauern mithilfe von mächtigen, grauen Wasserbüffeln gemächlich ihre Reisfelder bestellen, ragen in immer kürzer werdenden Abständen steile, schroffe Karstberge auf. Wie von Riesen auf die Wiesen geworfen stehen sie dunkelgrau und scharfkantig abfallend inmitten der ansonsten flachen, sattgrünen Felder.

Als wir vom Highway ab- und in die Stadt hinein fahren, staunen wir weiter: Obwohl Yangshuo 240 000 Einwohner zählt, wirkt sie auf uns wie eine Kleinstadt (abgesehen davon, dass sie das bei chinesischen Maßstäben tatsächlich ist). Die Straßen sind durchzogen von Karstbergen, sodass die Natur immer maximal eine Kurve entfernt ist. Für eine chinesische Stadt eine Sensation.

Der Haken? Wir müssen uns das malerisch am Li Fluss gelegene, einst lässige Städtchen mit den Massen teilen…

Am Busbahnhof angekommen, steigen wir voller Vorfreude aus. Obwohl es inzwischen bereits früher Abend ist, sind die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit immer noch so hoch, dass uns die Kleidung nach dem Schultern unserer Rucksäcke innerhalb von Sekunden am Körper klebt. Egal – wir entscheiden, trotzdem zu Fuß zu dem Hostel zu gehen, dass wir uns anschauen wollen. Das „ShowBiz Inn“ liegt direkt am Flussufer im Stadtzentrum, was laut unserem Reiseführer mit einem zehnminütigen Spaziergang vom Busbahnhof aus zu erreichen ist.
Tja, hier fallen wir das erste Mal mit unserem etwas veralteten Reiseführer auf die Nase. Bei unserem Lonely Planet China handelt es sich um die Ausgabe von 2009. Bisher war das kein wirkliches Problem, die meisten Informationen waren noch sehr akkurat. Was diese Ausgabe aber nicht wissen kann: Der Busbahnhof von Yangshuo wurde Anfang 2013 gut 2,5 Kilometer weiter außerhalb verlegt. Und so laufen wir…. 😀

Als wir die Fußgängerzone nach harten 45 Minuten Fußmarsch entlang der Hauptverkehrsader der Stadt gefunden haben und hechelnd die „West Street“ entlang laufen, an deren Ende das Hostel liegt, wird klar: Wir sind bei weitem nicht die einzigen, die Yangshuo entdecken wollen…

Mit unseren Rucksäcken auf den Rücken schieben wir uns durch koreanische Reisegruppen, vorbei an ganzen Horden chinesischer Teenager, vereinzelten westlich aussehenden Familien, chinesischen Großfamilien und schlendernden Paaren. Ein bunter Haufen an Touristen.

Und für alle hat Yangshuo etwas zu bieten.
Die Fußgängerzone Xi Jie (West Street) ist ein einziges großes Touristenschlaraffenland: Neben großen und kleinen Shops mit allerlei traditionellen – und weniger traditionellen – Souvenirauslagen reihen sich Geschäfte mit Kunsthandwerk, Bekleidung und Kunstgalerien. Für den großen Hunger steht eine immense Auswahl Restaurants mit internationalen, westlichen und asiatischen Speisen und englisch übersetzten Menüs bereit. Um den shoppingmüden Füße eine Pause zu gönnen und die vom vielen Feilschen trockenen Kehlen wieder zu befeuchten, hat man die Qual der Wahl zwischen Eiscreme-Ständen; Cafés mit Oreo-Milkshakes; Karamell Latte aus der mobilen Kaffeeküche und Teehäusern mit chinesischem Grüntee. Zu später Stunde verwandeln sich die Bars in Karaoke-Bühnen, in denen unentdeckte Talente lautstark den Charthits des vorletzten Jahrzehnts den letzten schrägen Schliff geben. Nach unserer Ankunft und einem Bummel durch das Getümmel verziehen wir uns auf die Dachterrasse unseres Hostels, von der aus wir unverbaute Sicht auf den direkt daneben durchfließenden Li River und die dahinter aufragenden Karstberge genießen.

Nach einer Nacht im Hostel entscheiden wir uns, umzuziehen. Wir wollen weiter raus. Auf´s Land. In die Natur, die uns hier so beeindruckt. Also packen wir unsere 7 Sachen wieder zusammen und erreichen nach einem halbstündigen Spaziergang flussaufwärts das vor der Stadt gelegene Dorf Shibanqiao. Das Dorf ist lediglich durch mehrere Karstberge von der Stadt getrennt und besteht im Grunde aus einer einzigen Straße.
Hier finden wir das kleine, neu eröffnete Hostel „Cosy Garden“. Der Name ist Program – das gemütliche Hostel mit Wintergarten hat nach vorne wie nach hinten jeweils viel grün drumherum und liegt idyllisch inmitten der Karstberge. Wir werfen erst einmal all unsere Nachmittagspläne über den Haufen und machen gar nichts. Den Rest des Tages genießen wir einfach. Erst die schwüle Mittagshitze, dann das klärende Sommergewitter. Bei Einbruch der Dunkelheit hören wir anstelle von Beats rhythmisches Quaken und statt Neonreklamen sehen wir nachts sogar ein paar Sterne.

Trotz einer kurzen Nacht ausgeruht (wir schauten morgens ab 4 Uhr das Halbfinale Deutschland-Brasilien) und nach einem im Preis inbegriffenen Do-it-yourself Frühstück mit Omelette, Yoghurt, Obst und richtigem Filterkaffee (Premiere in China! Spätestens jetzt hat uns das Cosy Garden Hostel restlos überzeugt 😉 ) starten wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein unternehmungslustig zu unserer Erkundungstour.
Unser Ziel ist der Fluss Yulong. Kleiner, unbekannter und ruhiger gelegen als der Li Fluss fließt dieser ca. 4 km südwestlich von Yangshuo durch eine ebenso malerische Gegend.
Wir wollen die hügelige Landschaft per pedalo erkunden und leihen uns ein Tandem! Anfangs ist es gar nicht so einfach, unsere 4 Beine zu koordinieren aber schnell haben wir den Dreh raus und sind ein super Team. Überhaupt entdecken wir das Tandem als ideales Gefährt: Uli sitzt vorne und lenkt und Biene hat beide Hände frei zum Bilder knipsen ;-D
Die 10 km bis zum Fluss führen uns entlang an Teeplantagen und Reisfeldern über entlegene Bauerndörfer und mitten durch die kamelhöckerförmigen Karstberge. Die idyllische Szenerie übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem und verträumt lassen wir unsere Blicke über die malerische Landschaft schweifen und bewundern die Karstformationen.

Sind wir auf unserer Radtour bis zum Wasser noch die einzigen Touristen, erkennen wir bei unserer Ankunft am Flussufer schnell, dass auch der Yulong Fluss kein Geheimtipp mehr ist:
Auf zahlreichen Bambusfloßen werden überwiegend chinesische Touristen von Gondolieren über den friedlich dahinrauschenden Strom kutschiert. Wir schauen eine Weile dem bunten Treiben zu, dann schwingen wir uns wieder auf unseren überdimensionalen Drahtesel und fahren entgegen der Richtung zur bekannten Drachenbrücke weiter stromaufwärts. Hier sind wir schnell wieder allein mit der Natur und finden zum Abschluss des Tages sogar ein Plätzchen, an dem wir zur Abkühlung in das (für chinesische Verhältnisse seltene) klare Nass springen können.

Da wir seit der Mongolei noch eine (immerhin 500g schwere) Packung Nudeln mit uns herumtragen, beschließen wir, heute Abend zur Abwechslung mal wieder selbst den Kochlöffel zu schwingen. Deshalb machen wir noch einen Abstecher zum lokalen Bauernmarkt und decken uns mit Gemüse und Fleisch ein. Nein, natürlich kein Hundefleisch. Auch wenn das ebenfalls in der Auslage gelegen hätte.

Am nächsten Morgen zieht es uns abermals hinaus in die Natur. Nach der Idylle des Yulong Flusses sind wir gespannt, was den Li Fluss ausmacht. Vom Dorf Yangdi aus geht es zuerst auf einem Bambusboot mit knatterndem Motor einige Kilometer den Fluss hinauf. Wir finden uns in einer herrlichen Landschaft wieder; am Ufer ziehen fast sureal die Karstberge in verschiedensten Formationen vorbei – die Auslöser unserer Kameras klicken in einem fort. Kurz nach der bekanntesten Stelle des Flusses – die auf der 20 RMB-Banknote abgebildet ist – gehen wir von Bord, um von hier aus in ca. 3 Stunden entlang des Flusslaufs stromaufwärts zu wandern. Dabei haben wir neben den gut 40 Grad, die es an diesem herrlichen Sommertag hat, die touristische Erschlossenheit des Flusses vielleicht etwas unterschätzt. In den Dörfern, durch die wir kommen, werden wir häufig angesprochen. Allerdings werden wir hauptsächlich als touristische Einnahmequelle wahrgenommen à la „Hello! Water? Cold water! Good price! Cola? You want Rice? Cheap rice! Do you need a guide?“. Erst, als eine ältere Dame so über mehrere Kilometer partout nicht von unserer Seite weichen will, werden wir doch etwas genervt.
Perfekterweise entdecken wir einen versteckten Wasserfall zurückgesetzt im Wald und legen hier Rast ein. Wir erfrischen uns bei einem Bad in dem kühlen Nass von der schwülen Mittagshitze und können danach ungestört unsere schöne Wanderung fortsetzen. Gegen Spätnachmittag erreichen wir unser Ziel, gönnen uns in dem kleinen Örtchen ein Eis und fahren mit dem Bus zurück nach Yangshuo.

Unseren letzten Abend in China verbringen wir gemütlich sinnierend im Garten unseres Hostels. Am nächsten Abend steigen wir bereits in den Nachtbus, der uns in knapp 10 Stunden nach Shenzhen in der Provinz Guangdong bringt. Dort verlassen wir nach 50 Tagen im Reich der Mitte das Land, um unsere Reise nach Hong Kong fortzusetzen.

UNSER FAZIT:
Bei unserer Recherche zum Süden Chinas fanden wir Yangshuo in vielen Quellen als Geheimtipp. Es war auch mit Sicherheit einmal einer. Nur ein schlecht gehüteter 😀

Heute hat Yangshuo einen festen Platz auf der touristischen Landkarte und alles zu bieten, was man als Reisender gerne genießt. Uns persönlich war die touristische Infrastruktur fast ein bisschen too much. Nichtsdestotrotz machen der Charme des sympathischen Städtchens und die malerische Karstberglandschaft mit den beiden Flüssen Li und Yulong Yangshuo zu einem absolut lohnenswerten Reiseziel. Wer die Natur dem Rummel vorzieht, sollte außerhalb des quirligen Stadtzentrums Quartier beziehen und sich bei seinen Erkundungstouren abseits der bekannten Pfade treiben lassen. Dann lassen sich hier herrliche Ecken entdecken. Wir hatten tolle Tage hier!

Huang Shan – Bergsteigen auf chinesisch

Huang Shan – Bergsteigen auf chinesisch

„Verdammt touristisch! Aber ist es wert.“ Diese kurze Zusammenfassung zu unserem nächsten Ziel in China, dem gelben Gebirge Huang Shan, gab uns ein anderer Reisender, den wir in der Mongolei trafen. Damit deckte sich sein Eindruck mit dem von Liz und mit der Beschreibung in unserem Reiseführer. Der Huang Shan zählt zum UNESCO Weltkulturerbe, ist ein von tiefen Schluchten durchzogenes Granitgebirge, dessen höchster Gipfel 1.800 m hoch ist und bei dem die Täler auch im Sommer meist im dichten Nebel liegen. Und es ist ein Magnet für asiatische Touristen. Können wir verstehen. Auch für uns las es sich trotz der prophezeiten Touristenmassen verlockend. Also ab in die Provinz Anhui.

DIE ANREISE

Nach knapp einer Woche am selben Ort waren wir auch wieder so reisehungrig und bewegungslustig, dass uns nichts mehr in Beijing hielt. So schnappten wir unsere Rucksäcke (von uns liebevoll Feder & Klotz genannt – dabei ist Klotz immer der eigene und Feder der des/der Anderen 😀 ) und stiegen wieder in den Zug. Im Vergleich zu sonst war die Polizeipräsenz an diesem Tag noch größer und das erinnerte uns daran, dass der 4. Juni der Jahrestag des Tian´anmen Massakers ist. Die kommunistische Vergangenheit und die überall präsente Staatsgewalt ist eine Seite Chinas, die nicht zu denen zählt, die wir schätzen…. Trotzdem oder gerade deshalb war auch an diesem Tag alles friedlich. Am Bahnhof gab es die üblichen Sicherheitskontrollen und dann ging es mit dem Nachtzug in 26 Stunden an den Fuß des gelben Gebirges. Wir fuhren wie gewohnt 3. Klasse, also im offenen Großraumschlafwagen – allerdings zum ersten Mal in China. Und es war ein Erlebnis. Die Sitten sind anders. Um zu zeigen, dass Einem das Essen (im Zug in der Regel der Instant-Nudeltopf, die Erdnüsse oder die Hühnerfüße) schmeckt, schmatzt man hier lautstark. Und was nicht in den Mund wandert, fliegt kurzerhand auf den Boden. Auch im Zug. Nase putzen ist unhöflich. Also wird sie hochgezogen. Musik ist erst laut richtig gut. Der Nachbar kann ja seine Musik lauter machen, wenn er was anderes hören will. Überraschenderweise fahren Touristen wohl nicht so oft in der Hardsleeper-Klasse – wir waren eine kleine Sensation 😀

Nach unserer Ankunft frühmorgens fuhren wir direkt mit dem Bus in das kleine Dorf Tangkou weiter, welches Ausgangspunkt für den Zugang in den Huang Shan Nationalpark ist. Dort trafen wir Mr. Hu. In seinem Hotel (von Lonely Planet empfohlen, wie er uns ganz stolz zeigte) konnten wir alles an Gepäck deponieren, was wir auf dem Berg nicht brauchten. Wir packten also um, deckten uns mit genügend Wasser und Proviant für 3 Tage ein und kauften uns kurzentschlossen noch Zelt und Isomatte (günstiger als 1 Hotelübernachtung auf dem Berg). Mit je ca. 12 kg bepackt brachen wir auf, um den Berg zu besteigen. Wir hatten 3 Möglichkeiten: den langen, harten Weg im Osten (7,5 km in ca. 2,5 Stunden); den längeren, härteren Weg im Westen (15 km in ca. 5 Stunden) und den kurzen, einfachen Weg (30 Minuten, die Seilbahn). Wir entschieden uns für den langen, harten Weg. Was das heißen sollte, spürten wir bald….

HIMMELSLEITER

Treppen! Treppen! Treppen! Sobald wir die immense Eintrittsgebühr von 230 RMB (ca. 29 € – zum Vergleich: ein Doppelzimmer in einem Mittelklasse-Hotel kostest ca. 130 RMB die Nacht) pro Nase bezahlt hatten und den Park betraten, sahen wir sie: Treppenstufen! Anfangs dachten wir noch, dass nur der Anfang des Weges bis zur unteren Seilbahnstation so angelegt ist. Irrtum! Tatsächlich legten wir die kompletten 7,5 km über knapp 1.000 Höhenmeter bergaufwärts treppensteigend zurück….! Wir waren froh, uns den landschaftlich noch reizvolleren westlichen Weg für den Abstieg aufgehoben zu haben, da wir so japsend und stampfend die wirklich einmalige Landschaft irgendwie nicht in vollen Zügen genießen konnten…:-D Oben angekommen, bewunderten wir erstmal die tolle Aussicht. Als wir mittags im Tal losgingen, hatten wir noch strahlenden Sonnenschein. Über den Nachmittag zogen die Wolken und der Nebel die Täler unter uns zu, sodass nur noch de Gipfel zu sehen waren. Wieder zu Atem gekommen, konnten wir sagen, dass die Aussicht den Aufstieg wert gewesen war. Im Nachhinein… 😉

Die 2 Stunden bis zum Sonnenuntergang verbrachten wir damit, die verschiedenen Peaks in der Umgebung rund um den Gipfel zu erkunden. Auch hier wieder: sobald es einen Höhenunterschied von mehr als 20 cm gab, folgte eine Treppenstufe! Trafen wir auf unserem Aufstieg noch recht vereinzelt andere Wanderer, bekamen wir oben auf dem Berg schon einen Vorgeschmack darauf, was uns die kommenden 2 Tage erwartete: Mit der Seilbahn heraufgefahrene asiatische Touristengruppen (selbst ohne die obligatorischen Schildmützen wären sie leicht zu erkennen an ihrem unverschämt frischen Aussehen 😉 ) bekamen von ihren Guides mit Megaphonen die Gegend erklärt.

Wir genossen einen tollen, fast ruhigen Sonnenuntergang auf einem der Gipfel, bevor wir unser Zelt zum 1. Mal aufschlugen. Wenn ihr vorhin aufmerksam gelesen habt, dass wir uns zwar Zelt und Isomatte kauften aber keinen Schlafsack, könnt ihr Euch schon vorstellen, wie unsere Nacht auf knapp 1.700 m war: bitterkalt! 😀 Unsere tollen Seiden-Inlets sind zwar wunderbar kuschlig, aber als Wärmespeicher taugen sie nicht unbedingt… Irgendwann zogen wir uns unsere dicken Jacken und die langen Hosen wieder an und waren froh, dass unsere Nacht kurz war und um 4 Uhr früh der Wecker klingelte. Der Sonnenaufgang rief! Vor unserem Zelt konnten wir trotz der frühen Stunde bereits ein buntes Stimmengewirr vernehmen – wir waren nicht die einzigen, die die Sonne aufgehen sehen wollten…

GIPFELROMANTIK IM MORGENROT

Der Huang Shan verdankt einen großen Teil seiner Beliebtheit einem Phänomen, dass sich Wolkenmeer nennt und in dieser Form einmalig ist auf der Welt. Mit etwas Glück sind bei optimalen Wetterbedingungen frühmorgens nur die Gipfel der umliegenden Granitfelsen sichtbar, die wie aus dem Nichts bzw. wie aus einem Meer aus darunter hängendem Nebel aufragen. Dieses seltene Spektakel (an ca. 20 Tagen im Jahr zu sichten) blieb uns leider an diesem Morgen verwehrt, trotzdem war die Kulisse für den Sonnenaufgang gewaltig. Ihr könnt es Euch so vorstellen: Wir beide…um uns herum nur die Berggipfel…die aufgehende Sonne, die langsam durch die Wolken bricht …ach so ja, und natürlich die ca. 100 lautstark begeisterten Chinesen um uns herum 😀
Denn natürlich möchte jeder, der auf dem Berg ist, das Wolkenmeer sehen. Wir nutzen die frühe Stunde danach und machten uns auf, den weniger bekannten West Sea Canyon zu wandern. Dieser sollte uns in 4 Stunden auf 8,5 km zuerst 650 Höhenmeter hinunter in eine Schlucht führen, bevor es anschließend wieder auf den höchsten Gipfel des Gebirges hinauf ging. Tourgruppen kamen hier laut Reiseführer nicht hin. Wir hatten die Hoffnung, dass dies gleichzeitig hieß, keine Megaphone und richtige Wanderwege = keine Treppen. Während unsere erste Hoffnung sich bewahrheitete und wir auf dem Weg hinunter zunehmend weniger andere Touristen trafen, wurde unsere Hoffnung auf einen stufenlosen Tag enttäuscht! In unzähligen Treppenabsätzen ging es abwechselnd hinauf und wieder hinunter. Unterwegs stellten wir fest, dass die Wanderkarte die wir tags zuvor kauften, leider auch nicht mehr ganz aktuell war… Seit einigen Jahren gibt es eine neue Seilbahn, die aus dem Canyon wieder nach oben fährt – allerdings wurde auch der ursprüngliche Weg nach oben gesperrt. Für uns hieß das: Aus den 4 Stunden wandern wurden 7 und aus 8,5 km mit einem Mal 15,5! Biene war froh, dass ihr Rucksack mit abnehmendem Proviant langsam leichter wurde, Uli stieg tapfer mit seinen 12 kg die Stufen hoch und runter. Als wir gegen spätnachmittags schließlich wieder auf den Gipfel angekrochen aufgestiegen waren, waren unsere Beine für diesen Tag bedient….
Dementsprechend suchten wir uns ein Zeltplätzchen so nah wie möglich am Bright Summit Peak, um am nächsten Morgen vor dem Sonnenaufgang so wenig Stufen wie möglich steigen zu müssen. 😀 Nach einer zweiten kalten & kurzen Nacht sahen wir nochmal einen Sonnenaufgang vor schöner Kulisse (eingerahmt von Dutzenden von Armen, die alle versuchten, das perfekte Photo zu schießen und musikalisch untermalt von den unzähligen *Klicks* der Spiegelreflexkameras), wenn auch kein Nebelmeer. Im Anschluss daran machten wir uns auf den Abstieg. Es ging treppab…

STUFE UM STUFE UM STUFE

Die Landschaft rund um dem westlichen Weg war in der Tat noch schöner als auf dem Aufstieg. Allerdings gefiel uns die Landschaft und sie Aussichten auf dem West Sea Canyon, den wir am 2. Tag liefen, mindestens genauso gut. Könnte natürlich auch daran liegen, dass wir zunehmend darauf konzentriert waren, eine Gehart zu finden, mit der das Treppabsteigen weniger schmerzte 😉 Wir sahen auf dem Weg sehr viele Lastenträger, die auf schweren Körben auf ihren Schultern Lasten mit bis zu 100 kg hoch oder runter schleppten – absolut bewundernswert! Wir waren auch ohne zusätzliches Gewicht dieser Größe schon bedient… Wir fragten uns allerdings auch, weshalb die Waren nicht mit den Seilbahnen transportiert wurden 😉 Schließlich unten angekommen, gönnten wir uns erstmal ein Eis, bevor wir in das wirklich nette Hotel von Mr. Hu zurück liefen und dort eine Nacht übernachteten. Nach einer ausgiebigen Dusche legten wir für Rest des Tages – Überraschung – nur noch die Beine hoch…. Unsere nächsten Ziele, die pittoresken Dörfer rund um Wuyuan waren zum Glück flacher… 🙂

UNSER FAZIT NACH 3 TAGEN AUF DEM MOUNT HUANG SHAN:

Das gelbe Gebirge wird seinem Ruf gerecht. Es ist verdammt touristisch! Aber die Natur und die Aussichten sind etwas Besonderes. Wieder zu Atem gekommen, können wir sagen, dass die Aussicht den Aufstieg wert gewesen ist. Im Nachhinein, wenn der Muskelkater nach gut einer Woche wieder verschwunden ist… 😉 Wenn man in der Lage ist, die Scharen von Touristengruppen mitsamt den Megaphonen auszublenden, bekommt man für den strammen Eintrittspreis tatsächlich ein Stück erlebenswerte Natur geboten. Wer allerdings ein Bergsteigererlebnis wie wir Deutschen es aus den alpinen Bergen nah der Heimat gewohnt sind, sucht, wird enttäuscht. Dafür sind die menschgemachten Treppenstufen zu dominant. Wir haben mal grob überschlagen: Geschätzt sind wir in den 3 Tagen 50.000 (!!) Treppenstufen gestiegen!

Unsere Tipps Solltet ihr ebenfalls einmal den Mt. Huang Shan besteigen, um Euer Glück zu versuchen und in den seltenen Anblick des Wolkenmeer zu kommen – steigt für den Sonnenaufgang weder auf die Refreshing Terrace noch auf den Bright Summit Peak (die offiziell genannten besten Aussichtspunkte). Genau gegenüber des Bright Summit Peaks ist der Lotus Peak – ebenfalls in bester Lage und wir sahen auf diesem Gipfel in den frühen Morgenstunden keine einzige Menschenseele…wohingegen die beiden anderen Plattformen mehr als sehr beliebt sind!

Und solltet ihr noch zweifeln, ob sich der anstrengende Aufstieg auf den Huang Shan für das zu erwartende Bergpanorma lohnt, dann empfehlen wir Euch, Euch auf www.bergzeit.de auf jeden Fall durch die tollen Aufnahmen des Reisefotografen Björn Nehrhoff von Holderberg zu klicken.*

* Diese Empfehlung der wirklich sehenswerten Fotogalerie mit Reiseeindrücken aus dem Reich der Mitte entstand mit freundlicher Unterstützung von Bergzeit.

 

China – ein Wiedersehen mit dem Land des roten Drachens

China – ein Wiedersehen mit dem Land des roten Drachens

Wieder in China. Beijing. Herrlich! Vieles hat sich verändert. Vieles nicht. Wir waren im Januar vor 4 Jahren zum letzten Mal hier. Gemessen am schnelllebigen Takt einer Weltstadt eine lange Zeit. Da tut sich vieles: Das Hostel im Stadtzentrum, in dem Biene letztes Mal noch gewohnt hat – der Restaurierung der Hutongs zum Opfer gefallen. Die alten Public Toilets, auf denen man sich regelmäßig die Nase zuhalten musste – Vergangenheit (nicht schlimm 😉 ). Die neuen PT sind zwar immer noch sehr chinesisch (d.h. ohne Kabinen oder Türen, sondern nur mit halb-hohen Trennwänden zwischen den Lochklos – dafür aber sauber, geruchlos und mit Waschbecken ausgestattet (keine Selbstverständlichkeit). An positiven Veränderungen sticht auch heraus, dass zwischenzeitlich fast durchgehend alles in Englisch ausgeschildert ist (noch 4 Monate vor den Olympischen Spielen 2008 sahen wir kein einziges englisches Schild), die Ansagen in Bussen und in der Metro auch in Englisch kommen und selbst Straßenschilder auf Englisch übersetzt sind (obwohl Ausländer nicht selbst fahren dürfen…) Und trotzdem, das Gefühl bleibt: Beijing, wir kennen uns – es ist schön, Dich wieder zu sehen!

Schon als wir die Grenze zu China überqueren, haben wir das Gefühl, uns wieder etwas auszukennen. Obwohl wir noch nie in Erlian, der Grenzstadt in der wir mit dem Bus ankommen, waren, erinnert uns vieles an das China, das wir kennen: der ganz eigene Geruch nach gegartem Tofu; die zahlreichen Elektroroller auf den Straßen; die Menschen, die uns auf der Straße interessiert und ohne Scheu nachschauen. Und wir können uns mit Biene´s Mandarinkenntnissen zumindest ein bisschen in der Landessprache verständigen.

Unsere erste Station führt uns nach Datong in der Provinz Shanxi, ca. 5 Stunden nördlich von Beijing. Schon auf der Busfahrt (um die Strecke Erlian-Datong mit der Transib zu fahren, hätten wir in Erlian übernachten müssen, was wir nicht wollten) hierher wird deutlich, in welchem Ausmaß die chinesische Regierung in die Zukunft des Landes investiert: die kaum befahrenen Schnellstraßen sind neu und sechsspurig ausgebaut, die Landschaft ist von Windparks geprägt und die Straßen von frisch gepflanzten Bäumen gesäumt. In Datong selbst wird gerade der Stadtkern „rehistorisiert“ – eine ca. 6 Meter hohe, der historischen Stadtmauer nachempfundene Steinmauer wird um die Altstadt hochgezogen und die Hutongs darin restauriert. Die Stadt selbst klingt im Reiseführer nicht sehr verheißungsvoll, ist aber schöner als erwartet: Die Straßen der Altstadt sind voll von kleinen Garküchen, in denen für wenig Geld authentisches, schmackhaftes Essen zubereitet wird, die Menschen sympathisch und die Luft klar.

Uns ziehen 2 Ziele in der näheren Umgebung nach Datong: die Yungang Höhlen und die hängenden Klöster Xuankong´si. Die Yungang Höhlen besichtigen wir als Erstes. Diese Ansammlung von 252 Höhlen wurde im Auftrag verschiedener Kaiser zwischen 400 und 600 n.C. von buddhistischen Mönchen in den Sandstein gehauen. Darin befinden sich insgesamt über 51.000 kunstvoll gemeißelte Buddhastatuen – die kleinsten nur wenige Zentimeter klein, die größte 17 Meter hoch. Es sind die ältesten buddhistischen Bauwerke Chinas und sie enthalten einige der wertvollsten und elegantesten Kunstwerke der Ming- und Qing-Dynastien. 45 von den Höhlen kann man heute besichtigen, dazu einige Pagoden, Tempel und die kaiserliche Gartenanlage. Die Kunstfertigkeit, mit denen die Statuen in den Stein gemeißelt wurden, ist beeindruckend. Jede Statue besitzt detaillierte Gesichtszüge und ist (wahrscheinlich mehr oder weniger historisch – wir sind ja immer noch in China 😉 ) bunt bemalt. Abends snacken wir uns durch die Garküchen der Altstadt Datongs und bleiben schließlich in einer Chuanr Bar hängen. Eine Chuanr Bar muss man sich so vorstellen: Es gibt eine große Auswahl an auf Schaschlickspießen aufgespießte Fleischsorten. Die bestellte Anzahl an Spießen wird dann auf einen mit Kohle geheiztem, länglichen Grill gelegt und gewürzt. Gegessen wird auf kleinen Plastikhockern (bei uns bekannt aus dem Kindergarten), auf denen man um einen niedrigen Tisch herum auf dem Gehweg sitzt. Sehr anders, sehr günstig, sehr lecker! Eigentlich wollten wir hier nur eine Kleinigkeit essen…dann trafen wir auf 4 junge Chinesen am Nachbartisch, die uns unbedingt zu sich an den Tisch einladen wollten und es wurde – trotz eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit – ein langer, lustiger Abend mit viiieeel Essen (für beide von uns) und viel Baijiu (= chinesischer Reisschnaps – für Uli), da uns die Mannen nicht mehr gehen lassen wollten, bis wir alle 6 mehr als pappsatt und die 4 Chinesen recht betrunken waren. 😀

Am nächsten Tag fahren wir zu den hängenden Klöstern. Wie der Name vermuten lässt, wurde diese Klosteranlage nicht auf dem Boden gebaut, sondern „hängt“ in einer Schlucht an einer felsigen Bergwand. Die durch Balkone und enge Gänge miteinander verbundenen dreistöckigen Räume wurden im 4 Jahrhundert n. Ch. entlang der Felskonturen an den Berg „gehängt“, da das Flusstal oft überflutet wurde. Es ist das einzige Kloster in China, das Elemente aus dem Buddhismus, dem Taoismus und den Lehren des Konfuzius vereint. Diese religiöse Vielfalt rührt daher, dass das Kloster an einem Knotenpunkt der Seidenstraße lag und Kaufmänner aus den verschiedensten Teilen Chinas hier nochmal um Schutz beteten, bevor sie auf ihre langen Reisen ins ferne Europa aufbrachen. Die Klosteranlage ist imposant zu besichtigen, allerdings sind die knapp 15 € Eintritt pro Person auch ganz schön happig…

Nach 3 Tagen in Datong brechen wir zu unserer letzten Transsib-Etappe auf. Nach 5 Stunden Zugfahrt durch tolle Landschaften und mit Blick auf die große Mauer erreichen wir nach 7.865 km durch 3 Länder unser Ziel: Beijing. Here we are again! 🙂

Damit haben wir unser erstes Abenteuer, die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn auf der transmongolischen Route von Moskau bis Peking, nach knapp 5 Wochen und in 6 Etappen geschafft. Es war eine tolle Fahrt! Eine individuelle Reise mit der Transsib ist auch im 21. Jahrhundert noch ein Abenteuer und die wechselnden Landschaften, die Atmosphäre in den Zügen, das auf den Zwischenstopps Erlebte und die Menschen, die wir trafen, werden uns lebendig in Erinnerung bleiben. Landschaftsmäßig sind wir uns einig, dass uns die Etappen Baikalsee – Ulaan Ude – Ulaan Bataar – Peking am besten gefallen haben.

In Beijing bleiben wir eine Woche, um unsere weitere Route durch China zu planen. Unsere Reiseführer -per Post vorausgeschickt- erwarten uns schon und wir können es kaum erwarten, darin zu schmökern. Und noch ein freudiges Wiedersehen steht an: Wir treffen unsere Freundin Liz, die wir sonst nur einmal im Jahr zu Weihnachten in Deutschland sehen, da sie sich bei ihrem ursprünglich dreimonatigen geplanten Sprachkursaufenthalt in Beijing verliebte und die Stadt nie wieder verließ. Die Freude ist groß!

Wir verbringen viel Zeit mit Liz und auf den Dachterrassen unserer Hostels (nach den ersten 3 Nächten wechseln wir das Hostel, um noch einen anderen Teil der Stadt zu sehen), planen unsere nächsten Ziele und genießen die endlich sommerlichen Temperaturen – nach dem sibirischen und mongolischen Winter lassen wir den Frühling gerne aus und genießen den chinesischen Sommer bei knapp 40 Grad Celsius 😀 Sightseeing machen wir nur wenig, denn – so arrogant sich das an dieser Dtelle vielleicht auch anhören mag 😉 – wir haben vieles hier schon gesehen: die große Mauer, die Verbotene Stadt, den Sommerpalast, den Himmelstempel, den Jingshan Park… Kurz haben wir uns überlegt, Euch einige unserer Fotos der Sehenswürdigkeiten unseres letzten Besuchs zu zeigen (Bildmaterial gäbe es genügend 😀 ), aber uns dann doch umentschieden – wir wollen ja authentisch bleiben 😉 Einen Tag verbringen wir im Beihai-Park und an den Seen im Zentrum der Stadt, den Olympiapark von 2008 besuchen wir (unser Geheimtipp: unbedingt bei Nacht anschauen – noch eindrucksvoller als tagsüber und eine tolle Atmosphäre), ohne ein bisschen Shopping geht es natürlich auch nicht und viel Zeit verbringen wir in den tollen, unzähligen Chuanr Bars und in den Garküchen der Stadt 😀 Ein Schlemmerparadies…! Eigentlich wollten wir unsere Homepage auch etwas auf Vordermann bringen, aber das hat nicht so geklappt… Zu viele Chuanr Bars, deren Versuchungen wir nicht widerstehen konnten 😉

Letzten Mittwoch verabschiedeten wir uns dann wieder von der Stadt und stiegen – wieder einmal – in den Zug. Unser nächstes Ziel: das „gelbe Gebirge“ Huang Shan im Osten des Landes. Genauer gesagt: dessen Gipfel… 🙂

 

…Nach China zu kommen ist nicht wie nach Hause kommen. Aber es ist wie einen alten Freund wieder zu sehen, den wir länger nicht gesehen haben: Man kennt sich, man weiß um die guten und die weniger guten Seiten des anderen. Die rosarote Brille, durch die wir teilweise vielleicht Länder sehen, die wir zum ersten Mal bereisen, haben wir abgesetzt. Wir nehmen auch die weniger schönen Seiten des Landes wahr: den Müll auf den außerstädtischen Flächen, die vielen Flaschensammler in den Parks und den Smog, der in Beijing (aber nur an 3 von 8 Tagen) wie eine Dunstglocke über der Stadt hängt. Wir erkennen aber auch die schönen, dem Land und der Stadt ganz eigenen Eigenschaften: die älteren Menschen verbringen ihre Zeit im Park oder auf dem Dorfplatz, spielen gemeinsam Mehjong (ein Mühle-ähnliches Brettspiel), es wimmelt nur so von freiwilligen Verkehrslotsen und als wir ratlos auf unseren Stadtplan schauen, dauert es meist nicht lange, bis wir angesprochen werden ob wir Hilfe brauchen. Die Chinesen sind neugierig auf das Unbekannte, Fremde (in diesem Fall: auf uns 😀 ) und zeigen ihre Neugier ungeniert. Bietet sich die Gelegenheit, kommen sie gerne mit den ausländischen „Langnasen“ ins Gespräch. …Wir sind gespannt, welche unbekannten Seiten wir am Reich der Mitte noch entdecken werden!

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