Neuseeland

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Nach unserem dreitägigen Abel Tasman Coast Track wollen wir wieder etwas Strecke machen. Die Westküste der neuseeländischen Südinsel ist dünn besiedelt und wir haben nur wenige Stopps geplant. Die meiste Zeit sind wir auf der Straße unterwegs – und das erleben wir so (es folgen Tagebucheinträge aus unserer beider Tagebücher. Könnt ihr erahnen, welche Tagebuchauszüge aus wessen Tagebuch stammen? Wenn ja, schreibt uns doch Eure Vermutungen in die Kommentare!):

Sonntag, 21. Februar 2016:
„…Lift von Immobilienmaklerin nach Kaiteriteri. Dort duschen. Lift von Margaret und Tochter Holly bis Richmond. Sehr nett. Von Richmond nach Wakefield Lift von Einarmigem. Fiel uns erst beim Aussteigen auf, als er den Kofferraum öffnete. Hier treffen nach uns noch 4 (!) andere Tramper ein. Wir stehen alle im Abstand von ca. 200 Metern und warten…und warten…nach ca. 30 Minuten nimmt ein junger Mann (Pilot, unsympathische Augen) uns und das französische Mädel Anne mit bis Morchison. Hier essen wir eine Kleinigkeit in Neuseelands selbsternanntem „Best country Pub„. Füllen unsere Wasserflaschen auf, kaufen kurz ein. Laufen aus dem Ort raus und trampen weiter. Luisa & Lea, 18 bzw. 19 Jahre alt und aus Deutschland, nehmen uns in ihrem Campervan mit. Sie finden es toll, dass „man in DEM Alter auch noch reisen kann!“ Wir fühlen uns schlagartig steinalt. Steigen irgendwo in der Pampa in der tollen Landschaft aus. Laufen noch ein gutes Stück, bis wir einen geeigneten Zeltplatz im Wald finden. In der Dunkelheit sehen wir Weckas im Gebüsch“

Lifts: 6 Gelaufen: ~ 13 km

Montag, 22. Februar 2016:
„Aufgewacht mit Bienen summen. Kaffee. Zurück auf die Straße. Das 2. Auto hält. Unternehmer nimmt uns mit bis Westport. Tolle Strecke durch Bullet Schlucht. Gleich weiter mit nettem Kiwi-Paar bis zu den Pfannkuchen-Felsen. Kurzer Rundweg. Von dort im Campervan mit deutschem Ehepaar aus Braunschweig bis nach Hokitika. Dort eingekauft. Weiter mit William aus Deutschland bis zum DOC-Zeltplatz vor’m Franz-Josef-Gletscher. Wir überlegen mal wieder, ob wir bleiben oder weiter gehen – wir bleiben, es ist schon 19.00 Uhr. Baden und Waschen im See Mapourika. Sehen direkt vor uns zwei 1,50 Meter lange Aale. Überall Deutsche auf dem Platz.“

Lifts: 4 Gelaufen: ~ 4 km

Dienstag, 23. Februar 2016:
„Heute gibt’s endlich mal wieder Porridge zum Frühstück. Lecker! 2 junge Aussies aus Sydney nehmen uns mit zum Franz-Josef-Gletscher. Fahren uns direkt bis zum Wanderparkplatz. Wilder Gletscherfluss und Blick auf die Gletscherzunge – leider bleibt es trotz dreistündigem Aufstieg auf den Alex-Knob-Track bei dieser ersten Sicht. Die Wolken verdichten sich und es zieht komplett zu. Quälen uns deshalb nicht noch 1 weitere Stunde zum Gipfel. Toller, abenteuerlicher Weg mit vielen Höhensteigen. Davor liefen wir noch zu 2 Spiegelseen. Sind um 17.00 Uhr wieder unten. Laufen zur Hauptstraße, hier nimmt uns ein vollbesetzter Tourbus mit zurück ins Dorf. Nett! Füllen unser Wasser auf. Lift von britischem Geschwisterpaar Meg & Jonny bis zum Gletscherdorf des Fox Gletschers. Laufen aus dem Dorf raus Richtung Lake Matheson. Ein einheimischer Helikopterpilot fährt uns die letzten Kilometer und bietet uns an, auf seinem Rasen zu zelten. Dürfen aber direkt beim See auf der Wiese hinter dem Souvenirshop unser Zelt aufschlagen. Haben sogar einen Tisch, yeah! Hören wie schon auf der heutigen Wanderung sehr viele Vögel, echt schön. Unzählige Sandflies und grooooße Moskitos. Echt nervig. Interview via Skype für das Stadtwerker-Magazin. Trinken Tee und verkriechen uns ins Zelt.“

Lifts: 3 Gelaufen: ~ 18 Kilometer

Mittwoch, 24. Februar 2016:
„Sicht ist leider nicht besser geworden. Kaffee & Porridge zum Frühstück. Es fängt an zu regnen. Lift aus Südtirol fährt uns bis zur Kreuzung des Fox Gletschers. Laufen ca. 3 km die Straße entlang, weil keiner anhält. Junges Paar aus Litauen nimmt uns mit bis Wanaka. Unterwegs 2 Wasserfälle und Seehundekolonie (keine gesehen) angeschaut. Der Typ kann nicht Auto fahren! In Wanaka am See entlang gelaufen. Gebadet, gewaschen und am See gevespert. Es windet. Wir schlagen unser Zelt etwas weg vom See in einem netten Park zwischen den Bäumen auf.“

Mit unserer Ankunft in Wanaka kehrten wir der Westküste auf dem Haast Pass den Rücken. Damit sind wir diese verhältnismäßig schnell in 3,5 Tagen hinunter gereist. Mit ein Grund war sicher das miese Wetter, das Gletscherbesteigungen und längere Wandertouren unattraktiv machte. Mit der Überquerung der Südlichen Alpen in Richtung Wanaka ändert sich aber auch das wieder: kaum fahren wir in tiefere Lagen und hinein in den dahinter liegenden Regenwald, steigt die Temperatur direkt ein paar Grade an und die Sonne bricht durch. So erwarten uns nach schroffen, trockenen Bergkuppen und eisblauen Gebirgsbächen in Wanaka dann ein traumhaftes Bergpanorama wie aus dem Bilderbuch.

vor dem Lake Wanaka

Kein Wunder, dass sich am gleichnamigen See Wanaka’s ganze Gruppen japanischer Touristen mit ihren Kameras tummeln und versuchen, diese Naturschönheit aus den besten Winkel unvergänglich auf Polaroid zu bannen. Trotzdem ist der kleine Ort ruhig und entspannt und wirkt weder künstlich noch überlaufen. Der ideale Ort für einen kleinen Zwischenstopp, bevor es für uns weiter in Neuseeland’s Outdoor- und Actionsport-Hauptstadt Queenstown geht.

….Und weil die Wanderung dorthin mit eines der Highlights unseres Neuseeland-Aufenthaltes ist, hat sie sich ihren eigenen Bericht verdient.

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Nach unserer Ankunft auf der Südinsel machen wir uns direkt auf in Richtung des Abel Tasman Nationalparks. Der kleinste Nationalpark Neuseelands liegt ganz im Nordwesten der Südinsel und begeistert landschaftlich durch seine goldenen Küstenabschnitte. Mehrere Wanderwege führen durch den Park. Wir haben uns den 51 km langen Coast Track ausgesucht. Dieser verläuft malerisch entlang der tollen Küstenlinie über die gesamte Länge des Parks. Da der Coast Track einer der 9 Great Walks und dementsprechend beliebt unter Wanderern ist, wird während der Wandersaison von November bis April eine Vorbuchung der Hütten im Park empfohlen. Nur so kann man sicherzustellen dass man auch tatsächlich ein Bett bekommt. Das haben wir – natürlich – nicht gemacht. Aber wir tragen ja mit unserem Zelt unser mobiles Zuhause auf dem Rücken und können überall dort die Nacht verbringen, wo wir drei Quadratmeter ebenen Boden finden.

Wir packen also lediglich zusätzlichen Proviant für 3 Tage ein und checken die Wettervorhersage. Die letzten Tage hatte es stark geregnet und tags zuvor schüttete es derart stark, dass die Flüsse über die Ufer traten und wir ein Doppelzimmer im beheizten Hostel unserem Schneckenhaus vorzogen. Die Prognose für die kommenden Tage lautet aber besser und so machen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg zum nördlichen Parkende. Schon die Fahrt über die Takaka Mountains ist wunderschön. Das Land ist hier nur spärlich besiedelt und weitläufige Weiden, tiefe Täler, dunkle Nadelwälder und ausladende Buchten laden die Blicke zum Verweilen ein. In Mohaka angekommen, dürfen wir unser Zelt auf einer ungenutzten Pferdekoppel aufstellen. Gerade rechtzeitig vor dem Beginn eines starken Schauers hauen wir den letzten Hering ins Gras und verkriechen uns in unsere warme Höhle. Früh am nächsten Morgen laufen wir die restlichen Kilometer zum Eingang des Parks, wo der eigentliche Wanderweg beginnt. Raue Felsklippen und eine stürmische See bestimmen hier im nördlichen Teil des Parkes das Bild.

Gut, dass wir nun seit 2 Wochen fast durchgehend mit Gepäck laufen. Dank der vorangegangenen Wanderungen nehmen wir unsere Rucksäcke kaum mehr als zusätzliches Gewicht wahr und es läuft sich bedeutend leichter als zu Beginn unserer Zeit in Neuseeland. Das sollte uns heute zu Gute kommen. Der erste Abschnitt führt uns zunächst noch auf Meereshöhe durch den Wald und über den Strand Tutaranui. Bald schlängelt sich der Weg aber unerwartet steil in die Höhe, um dann parallel zur Küste zu verlaufen und uns mit atemberaubenden Aussichten zu belohnen. Weiter geht’s durch tropischen Wald und entlang schöner Buchten, bis wir gegen 15 Uhr das Awaroa Inlet erreichen.

Wir haben Glück, gerade ist Ebbe und so können wir die Bucht auf direktem Wege durch nur kniehohes Wasser durchqueren und müssen nicht den längeren Weg außen herum gehen. Unser Plan, uns in der Awaroa Hütte auf der anderen Seite der Bucht einen Kaffee zuzubereiten und anschließend noch etwas weiter zu wandern, wird allerdings jäh durchkreuzt: Kaum erreichen wir die Hütte, wird uns von anderen Wanderern ein kaltes Bier angeboten. An diesem heißen Tag und nach unserer bereits gut 23 km langen Tagesetappe durchaus eine willkommene Abkühlung! Wir zieren uns also nicht lange und nehmen die Einladung dankend an. Wie sich im Gespräch mit den noblen Schenkern heraus stellt, hat eine Baufirma aus Christchurch die Hütte für ihren jährlichen Betriebsausflug angemietet. Und weil im Jahr zuvor doch tatsächlich die Getränke ausgingen, ist der Getränkevorrat dieses Mal mehr als ausreichend und von ihnen allein nicht zu bewältigen. Da auch noch zuviele Betten reserviert wurden und diese nun leer stehen, laden uns die sympathischen Angestellten ein, in der Hütte zu bleiben und ihnen bei der Vernichtung ihrer Vorräte zu helfen. Wir helfen natürlich gerne 🙂 Es folgt ein sehr lustiger Hüttenabend und wir schlafen tatsächlich mal wieder eine Nacht in richtigen Betten. Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Kaffee und einem herzlichen Dankeschön an unsere neuen Freunde wieder auf.

Der heutige Wegesabschnitt führt uns zunächst etwas weiter von der Küste weg und durch dichten Buchenwald. Anschließend durchqueren wir mehrere tolle Buchten,. Mittlerweile sind wir im mittleren Teil des Parkes angekommen. Hier ist schon mehr los als weiter im Norden – dennoch sind wir positiv überrascht, denn trotz Wander-Hochsaison und -Traumwetter sind weniger Wanderer unterwegs als wir erwarteten. Im goldenen Sand der Tonga Quarry Bay essen wir unser Mittagessen und kühlen uns mit einem erfrischenden Sprung ins strahlend blaue Meer ab. Am späten Nachmittag erreichen wir das Anchorage Inlet. Wieder sind wir gut dran mit den Gezeiten und können direkt über den mit Muscheln übersäten Meeresboden laufen statt die deutlich längere Flut-Alternative nehmen zu müssen.

Einige Kilometer weiter finden wir gute 500 Meter abseits des Weges auf einem Berg den perfekten Zeltplatz für diese Nacht: umgeben von trockenem Gebüsch sind hier oben die einzigen Geräusche um uns herum die Laute der Natur. Durch die erhöhte Lage haben wir eine geniale Aussicht über die Buchten des Nationalparks bis hin zu den Bergen der Richmond Range. Müde und zufrieden sitzen wir noch lange vor unserem Zelt und bewundern den funkelnden Sternenhimmel, bevor wir schließlich unter unser Moskitonetz liegen und weiter in den Sternenhimmel schauen.

Der dritte Tag unserer Wanderung führt uns in weitere idyllische Buchten, bevor wir gegen Mittag das südliche Parkende in Marahau erreichen. Geschafft! In gut 2,5 Tagen sind wir damit gute 55 km gelaufen und haben den Abel Tasman Park einmal der Länge nach durchquert.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, dieses schöne Fleckchen Erde zu erkunden – sehr beliebt sind die angebotenen Wander-Kayak-Kombinationen oder Fahrten mit dem Wassertaxi. Klar – wir beide haben uns für die günstigste Variante auf unseren eigenen 2 Beinen entschieden. Schließlich wollen wir Neuseeland nur zu Fuß und per Anhalter durchqueren.

Und per Anhalter geht es dann auch weiter….

Roadtrip mit Fremden – Per Anhalter durch Neuseeland Teil 1

Roadtrip mit Fremden – Per Anhalter durch Neuseeland Teil 1

Unsere Tramper-Karriere beginnt vielversprechend: Die erste Mitfahrgelegenheit auf neuseeländischem Boden stauben wir gleich am Aucklander Flughafen ab. Nach unserem späten Flug aus Tonga haben wir hier noch die Nacht verbracht. Wir schlafen fast so gut wie vor 2 Jahren, als wir in der Abflughalle des Flughafens in Macau zelteten.

Der nette Lift in die Innenstadt spart uns die ersten 40 $ und schenkt uns einen Vorgeschmack auf die große Hilfsbereitschaft der Neuseeländer, die wir in den kommenden Wochen noch oft werden erleben dürfen. 2 Tage in Auckland verfliegen mit Ausrüstungs- und Proviantkäufen, ausgiebigen Stadtbummeln, der (Wieder-)Entdeckung Auckland’s schönster Ecken und einem kleinem Familientreffen.

ROADTRIP MIT FREMDEN

Und dann geht es ab auf die Straße! Wir stehen gefühlte 2 Minuten am Straßenrand, als das 1. Auto für uns anhält. Mit nimmt es uns nicht – aber die Fahrerin gibt uns den wertvollen Hinweis, dass wir mit unserem Schild „Nord“ an der Ausfallstraße Richtung Süden wahrscheinlich nicht viel Glück haben werden. Huch! Wir wechseln rasch den Standort und schon klappt es.

Eine Nacht im Zelt und 4 Mitfahrgelegenheiten später kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages am Scott’s Point an. Der Weg hierher führt über den 90 Miles Beach. Genau – über den Strand. Der 88 Kilometer lange Strand ist sogar offiziell als Straße verzeichnet. Der coole Telefontechniker, der an diesem Tag geschäftlich ins hohe Nordland muss und uns zur Gesellschaft auf die zweistündige Fahrt mitnimmt, fährt zu unserem Glück lieber den Strand entlang als über den Highway zu kurven. So kommen wir ganz umsonst zu diesem Vergnügen. (Preis für eine dementsprechende Tagestour im Allrad-Bus: ca. 100 NZ$!) Die Fahrt erinnert uns an die vielen Male, die wir mit unserem Lion King über die einsamen Strände Australien’s gebrettert sind. Ein Gefühl von purer Freiheit!

einfach wunderschön - der hohe Norden Neuseelands

Vom Scotts Point aus wandern wir in umgekehrter Richtung die 1. Tagesetappe des Te Araroa Trails zum Cape Reinga. Blöd nur: auf den letzten Kilometern der Fahrt fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Bis wir ausgestiegen sind und unsere Regenjacken übergezogen haben, sind wir eigentlich schon klatschnass ….aber frohgemuten Wanderern kann so ein kleiner Regenschauer ja nichts anhaben. Also auf geht’s! Wir laufen auf matschigen Wegen die trotz Regen wunderschöne Küste entlang, bewundern die hohen Sanddünen Te Paki´s und schlittern über vor langer Zeit zu Fels gewordene Lava. Das letzte Teilstück führt uns über steile Felsen in der Brandung – eigentlich ist dieser Weg nur für Ebbe gedacht und wir holen uns in der steigenden Flut von den gegen die Felsen klatschende Wellen unter heftigem Herzklopfen gleich mehrfach nasse Füße. Am Ende des Küstenabschnittes finden wir eine schöne Bucht mit weichem Gras. Wir schlagen unser Zelt auf und springen in der Abenddämmerung noch kurz ins Meer. Die steilen Klippen der Nordspitze Neuseelands können wir schon erkennen. Unser Zelt beweist sich in dieser Nacht als wasserdicht.

Nur noch eine halbe Stunde steiler Aufstieg am nächsten Morgen, dann stehen wir am nördlichsten Punkt Neuseelands. Cape Reinga! Blütenweiss hebt sich der kleine Leuchtturm vor dem blauen Himmel ab. Schon seit Jahrhunderten weist er Seefahrern den Weg. Für die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, ist das Kap ein heiliger Ort. Von hier aus treten die Seelen ihrer Verstorbenen die Reise in eine andere Welt an. Tief unter uns treffen zwei Ozeane tosend aufeinander! Wo die Strömungen von Pazifik und Tasman Sea aufeinander brechen, entsteht eine weissschäumende, wilde Brandung. Wir schauen in alle Richtungen und genießen eine Weile die friedliche Stimmung an diesem besonderen Ort. So früh am Morgen sind noch nicht viele Besucher hier.

Damit haben wir Neuseeland’s nördlichsten Punkt 1,5 Tage nach unserem Aufbruch in Auckland erreicht. Die 442 Kilometer hätten wir auch mit einem eigenen Transportmittel kaum schneller zurücklegen können. Und zurück sollte es sogar noch zügiger gehen: bis nach Kataia nimmt uns der Holländer Mink mit, der statt in Europa zu studieren lieber 2 Jahre als Matrose durch die Südsee gesegelt ist und nun mit seinem VW-Bus durch Neuseeland zieht und eine Kitesurflehrer-Ausbildung absolviert. Philosophischen Gesprächen über den Sinn des Reisen und des Lebens sollten schon bei unserem nächsten Lift emotionsgeladene Diskussionen über Glauben, Religion und Moral folgen. Wir erwischen Mornie und seine Tochter, die uns noch am selben Nachmittag bis südlich von Auckland bringen. Länger als 4 Stunden sitzen wir zusammen im Auto. Aus der seltsam intimen Situation heraus, mit eigentlich fremden Menschen mehrere Stunden auf engem Raum zu verbringen, kann ein Phänomen entstehen, das wir in diesen Wochen noch häufiger erleben: den üblichen Smalltalk abgehakt, entwickeln sich die Unterhaltungen oft von aktuellen politischen Themen über Träume und Einstellungen der Individuen hin zu anderen sehr persönliche Themen. Dabei muss man sich nicht einig sein, schließlich kennt man sich kaum – vielleicht ist genau das ein Punkt, warum wir auf den Fahrten oft überraschend tiefe Gespräche führen. Als wir an diesem Abend an der Autobahn-Tankstelle aussteigen, sind die beiden keine Fremden mehr. Mornie lädt uns noch auf einen Kaffee ein und wir tauschen unsere Telefonnummern aus (eine gute Entscheidung, denn wie wir wenige Minuten nach seiner Weiterfahrt merken, vergaß er seine Kreditkarte auf der Theke).

Von hier nehmen uns 3 junge Kiwis auf dem Rückweg von einem Footballspiel mit bis an die Abzweigung zur Halbinsel Coromandel. Als wir aussteigen, wird es schon dunkel. Weiter kommen wir heute nicht mehr. Bei Nacht wollen wir nicht trampen. Also klettern wir über einen Weidezaun und finden auf dem Gipfel eines Hügels einen idealen Zeltplatz. In dieser Nacht zählen wir Sternschnuppen und schlafen irgendwo im Nirgendwo unter dem funkelnden Sternenhimmel. Früh am nächsten Morgen ziehen wir weiter.

HErr der Ringe trifft auf die Chroniken von Narnia

Eine halbe Stunde Fahrt aufgeteilt auf 2 Mitfahrgelegenheiten später stehen wir in Thames, dem Hauptort der Peninsula. Hier frühstücken wir erstmal ausgiebig, nutzen das öffentliche WLan und informieren uns im Info-Center über verschiedene Wanderungen. Mit 2 weiteren Lifts erreichen wir am frühen Nachmittag den Nationalpark im Kauaeranga Valley, Startpunkt unserer zweiten Wanderung. 2 Tage lang laufen wir auf dem Waiotahi Track über eine dicht bewaldete Bergkette. Die Nacht verbringen wir in einer Wanderhütte des DOC. Ganz für uns allein haben wir die gemütliche Holzhütte mit Kachelofen. Dank diesem wird uns trotz der eiskalten Eimerdusche im Freien auch schnell wieder warm. „Highlights“ dieser Wanderung sind im wahrsten Sinne des Wortes die bis zu 60 Meter hohen Kauri-Bäume, von denen hier im Inneren der Coromandel noch eine Handvoll stehen. Diese Baumriesen gehören zu den höchsten Baumarten der Welt und vor der Besiedlung Neuseelands durch die Europäer waren die Wälder der neuseeländischen Nordinsel dicht mit diesen Giganten bewachsen. Bis zu 500 Jahre zählen die ältesten dieser Bäume – allein der Gedanke daran, was diese hölzernen Greise alles erzählen könnten…! Herr der Ringe lässt grüßen!

Bei unserer Ankunft an der Westküste am nächsten Nachmittag gönnen wir uns erstmal ein großes Eis zur Belohnung für unseren zweitägigen Gewaltmarsch durch viel Matsch, aber leider mit nur wenig Aussicht. Kurz darauf hält schon das erste von 4 Autos an, die uns noch am selben Nachmittag an die Ostküste bringen sollten. Hier schlüpfen wir nach einer weiteren Nacht im Zelt frühmorgens trotz Muskelkater wieder in unsere Wanderschuhe. Wir wollen noch vor den ersten Tagestouristen in der Cathedral Cove sein. Diese fotogene Felsgrotte ist aufgrund ihrer Verwendung als Drehort in diversen Filmen (darunter „Die Chroniken von Narnia“) ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Im Anschluss entspannen wir uns bei einem wohltuenden Bad in den heißen Thermalquellen des nahen Hot Water Strandes – nachdem wir uns den Pool dafür erst selbst ausgebuddelt haben. 😀

Mehrere kurze Mitfahrgelegenheiten später sitzen wir am Spätnachmittag schließlich bei Peter im Auto. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass er uns einlädt, bei ihm auf seiner Avocado- und Kiwifarm zu übernachten. Da sagen wir natürlich nicht nein 😀 Leider sind beide Obstsorten noch nicht reif – dafür hängen an seinem Pflaumenbaum neben dem Teich die leckersten Zwetschgen, die wir je naschen durften. Am nächsten Morgen bringt uns Peter sogar noch weiter in die nächste Stadt. Hier steigen wir bei Marcus ein, einem sehr sympathischen jungen Life-Coach (=Lebensberater) maorischer Abstammung. Er nimmt uns bis nach Tauranga mit. Von dort geht’s mit Damien im Familien-Bus nach Rotorua. Unsere Erzählung von unseren Wanderungen durch Neuseeland veranlassen Damien dazu, an diesem Nachmittag mit seinen Kindern ebenfalls wandern zu gehen. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei ihm zuhause und im Kindergarten, wo wir seine Töchter abholen, fährt er uns direkt zum Stadtpark. Kaum dort angekommen, steigt uns auch schon das für Rotorua typische G’schmäckle in die Nase: der Gestank nach faulen Eiern. Es stinkt nach Schwefel, im Park blubbern alle paar Meter heiße Quellen und Dampfschwaden steigen aus dem Boden auf.

ROTORUA – DIE CHEMIEKÜCHE NEUSEELANDS

Wir erkunden die kleine Stadt, essen auf dem Nachtmarkt deutsche Currywurst & Thüringer und baden in heißen Thermalpools. Mit Einbruch der Dunkelheit schlagen wir wieder unser Zelt auf…neben einem idyllischen Teich im Park. – Ja, wir haben tatsächlich mitten im Stadtpark von Rotorua gecampt! Denn zwar sind rund um den Park Dutzende „Hunde verboten„-Schilder aufgestellt, aber vom Zelten ist nirgendwo die Rede. Und es hat in der Tat niemanden gestört.

Ach – ihr fragt Euch, warum es in Rotorua nach Schwefel stinkt und kochendes Wasser aus dem Boden sprudelt? Diesem Rätsel sind wir am nächsten Morgen im nur wenige Kilometer entfernten Wai-O-Tapu Thermal Wonderland auf die Spur gegangen. Allerdings brauchen wir für die kurze Strecke dorthin bedeutend länger als gedacht! Zum allerersten Mal stehen wir länger als 1 Stunde an der Straße, bis jemand für uns anhält. Dadurch verpassen wir leider den Ausbruch des Lady Knox Geysirs, der seit fast 100 Jahren jeden Morgen pünktlich um 11 Uhr Wasser speiht.

Aber auch ohne den Geysir-Ausbruch gibt es im Wai-O-Taupo Thermal Wonderland (was auf Maori „heilige Wasser“ bedeutet) jede Menge natürlicher Phänomene zu bestaunen: da gibt es den blubbernden Champagnerpool, neongrüne und beißend gelbe Teiche, ätzende Wasserfälle und die schillernde Malerpalette. Dass all diese natürlichen Besonderheiten gerade hier auftreten, ist kein unerklärlicher Zufall. Neuseeland liegt auf dem sog. „Ring of Fire“, einem Spalt zwischen den tektonischen Kontinentalplatten. Als Resultat entstanden u.a. zahlreiche Vulkane entlang dieses Risses. In der Gegend um Rotorua ist die Geothermie besonders hoch und die Erdkruste besonders dünn. Wer da nicht auf den gekennzeichneten Wegen bleibt, verbrennt sich schnell die Füße! 😉

Der Park ist auch bei Tourgruppen sehr beliebt. Wenn man wie wir die große Runde läuft, hat man die meisten Touristen aber recht bald hinter sich gelassen und kann abseits der beliebten Selfie-Spots die natürlichen Wunder des Parks in aller Ruhe bewundern. Auch bei den sehr interessanten Info-Talks der Parkwächter zu Flora & Fauna herrscht überraschend wenig Andrang.

Artist´s Palette

Im Anschluss an unseren Park-Besuch trampen wir weiter an den See Taupo. Hierhin nimmt uns Ivan mit, der von Südafrika nach Neuseeland ausgewandert ist. Mit ihm verstehen wir uns so gut, dass er uns am Ende der Fahrt die Adresse seines Bruders gibt für eine freie Unterkunft in Südafrika. In Taupo selbst hat es uns viel zu viele andere deutsche Backpacker 😉 Egal, wo wir uns hinsetzen, überall hören wir deutsche Stimmen um uns herum. Andere Deutsche zu treffen kann nett – manchmal auch richtig toll sein – aber in zu großer Dosis am anderen Ende der Welt kann es auch nerven. So wie an diesem Nachmittag. Daher beschließen wir, direkt noch etwas weiter zu ziehen. Schließlich haben wir alles dabei, was wir brauchen.

Wir warten zum zweiten Mal an diesem Tag sehr lange… Heute ist der Wurm drin! Schließlich nimmt uns der Spanier Oscar in seinem Wohnmobil mit. …und warum das ein richtiger Glücksgriff ist, erzählen wir Euch im nächsten Bericht!

Das Wai-O-Taupo Thermal Wonderland durften wir auf Einladung von Wai-O-Taupo Thermal Wonderland besuchen. Unsere Meinung dazu entspricht unabhängig davon unserer persönlichen Erfahrung.

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