Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Nach unserer Ankunft auf der Südinsel machen wir uns direkt auf in Richtung des Abel Tasman Nationalparks. Der kleinste Nationalpark Neuseelands liegt ganz im Nordwesten der Südinsel und begeistert landschaftlich durch seine goldenen Küstenabschnitte. Mehrere Wanderwege führen durch den Park. Wir haben uns den 51 km langen Coast Track ausgesucht. Dieser verläuft malerisch entlang der tollen Küstenlinie über die gesamte Länge des Parks. Da der Coast Track einer der 9 Great Walks und dementsprechend beliebt unter Wanderern ist, wird während der Wandersaison von November bis April eine Vorbuchung der Hütten im Park empfohlen. Nur so kann man sicherzustellen dass man auch tatsächlich ein Bett bekommt. Das haben wir – natürlich – nicht gemacht. Aber wir tragen ja mit unserem Zelt unser mobiles Zuhause auf dem Rücken und können überall dort die Nacht verbringen, wo wir drei Quadratmeter ebenen Boden finden.

Wir packen also lediglich zusätzlichen Proviant für 3 Tage ein und checken die Wettervorhersage. Die letzten Tage hatte es stark geregnet und tags zuvor schüttete es derart stark, dass die Flüsse über die Ufer traten und wir ein Doppelzimmer im beheizten Hostel unserem Schneckenhaus vorzogen. Die Prognose für die kommenden Tage lautet aber besser und so machen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg zum nördlichen Parkende. Schon die Fahrt über die Takaka Mountains ist wunderschön. Das Land ist hier nur spärlich besiedelt und weitläufige Weiden, tiefe Täler, dunkle Nadelwälder und ausladende Buchten laden die Blicke zum Verweilen ein. In Mohaka angekommen, dürfen wir unser Zelt auf einer ungenutzten Pferdekoppel aufstellen. Gerade rechtzeitig vor dem Beginn eines starken Schauers hauen wir den letzten Hering ins Gras und verkriechen uns in unsere warme Höhle. Früh am nächsten Morgen laufen wir die restlichen Kilometer zum Eingang des Parks, wo der eigentliche Wanderweg beginnt. Raue Felsklippen und eine stürmische See bestimmen hier im nördlichen Teil des Parkes das Bild.

Gut, dass wir nun seit 2 Wochen fast durchgehend mit Gepäck laufen. Dank der vorangegangenen Wanderungen nehmen wir unsere Rucksäcke kaum mehr als zusätzliches Gewicht wahr und es läuft sich bedeutend leichter als zu Beginn unserer Zeit in Neuseeland. Das sollte uns heute zu Gute kommen. Der erste Abschnitt führt uns zunächst noch auf Meereshöhe durch den Wald und über den Strand Tutaranui. Bald schlängelt sich der Weg aber unerwartet steil in die Höhe, um dann parallel zur Küste zu verlaufen und uns mit atemberaubenden Aussichten zu belohnen. Weiter geht’s durch tropischen Wald und entlang schöner Buchten, bis wir gegen 15 Uhr das Awaroa Inlet erreichen.

Wir haben Glück, gerade ist Ebbe und so können wir die Bucht auf direktem Wege durch nur kniehohes Wasser durchqueren und müssen nicht den längeren Weg außen herum gehen. Unser Plan, uns in der Awaroa Hütte auf der anderen Seite der Bucht einen Kaffee zuzubereiten und anschließend noch etwas weiter zu wandern, wird allerdings jäh durchkreuzt: Kaum erreichen wir die Hütte, wird uns von anderen Wanderern ein kaltes Bier angeboten. An diesem heißen Tag und nach unserer bereits gut 23 km langen Tagesetappe durchaus eine willkommene Abkühlung! Wir zieren uns also nicht lange und nehmen die Einladung dankend an. Wie sich im Gespräch mit den noblen Schenkern heraus stellt, hat eine Baufirma aus Christchurch die Hütte für ihren jährlichen Betriebsausflug angemietet. Und weil im Jahr zuvor doch tatsächlich die Getränke ausgingen, ist der Getränkevorrat dieses Mal mehr als ausreichend und von ihnen allein nicht zu bewältigen. Da auch noch zuviele Betten reserviert wurden und diese nun leer stehen, laden uns die sympathischen Angestellten ein, in der Hütte zu bleiben und ihnen bei der Vernichtung ihrer Vorräte zu helfen. Wir helfen natürlich gerne 🙂 Es folgt ein sehr lustiger Hüttenabend und wir schlafen tatsächlich mal wieder eine Nacht in richtigen Betten. Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Kaffee und einem herzlichen Dankeschön an unsere neuen Freunde wieder auf.

Der heutige Wegesabschnitt führt uns zunächst etwas weiter von der Küste weg und durch dichten Buchenwald. Anschließend durchqueren wir mehrere tolle Buchten,. Mittlerweile sind wir im mittleren Teil des Parkes angekommen. Hier ist schon mehr los als weiter im Norden – dennoch sind wir positiv überrascht, denn trotz Wander-Hochsaison und -Traumwetter sind weniger Wanderer unterwegs als wir erwarteten. Im goldenen Sand der Tonga Quarry Bay essen wir unser Mittagessen und kühlen uns mit einem erfrischenden Sprung ins strahlend blaue Meer ab. Am späten Nachmittag erreichen wir das Anchorage Inlet. Wieder sind wir gut dran mit den Gezeiten und können direkt über den mit Muscheln übersäten Meeresboden laufen statt die deutlich längere Flut-Alternative nehmen zu müssen.

Einige Kilometer weiter finden wir gute 500 Meter abseits des Weges auf einem Berg den perfekten Zeltplatz für diese Nacht: umgeben von trockenem Gebüsch sind hier oben die einzigen Geräusche um uns herum die Laute der Natur. Durch die erhöhte Lage haben wir eine geniale Aussicht über die Buchten des Nationalparks bis hin zu den Bergen der Richmond Range. Müde und zufrieden sitzen wir noch lange vor unserem Zelt und bewundern den funkelnden Sternenhimmel, bevor wir schließlich unter unser Moskitonetz liegen und weiter in den Sternenhimmel schauen.

Der dritte Tag unserer Wanderung führt uns in weitere idyllische Buchten, bevor wir gegen Mittag das südliche Parkende in Marahau erreichen. Geschafft! In gut 2,5 Tagen sind wir damit gute 55 km gelaufen und haben den Abel Tasman Park einmal der Länge nach durchquert.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, dieses schöne Fleckchen Erde zu erkunden – sehr beliebt sind die angebotenen Wander-Kayak-Kombinationen oder Fahrten mit dem Wassertaxi. Klar – wir beide haben uns für die günstigste Variante auf unseren eigenen 2 Beinen entschieden. Schließlich wollen wir Neuseeland nur zu Fuß und per Anhalter durchqueren.

Und per Anhalter geht es dann auch weiter….