Tramping

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Unter der Lupe: Unser Jahr 2017 – Teil 1!

Die Zeit zwischen den Jahren ist ein entspannter Zwischenraum: Alles, was man im aktuellen Jahr tun oder erleben wollte ist geschehen – und wenn nicht, passiert es wohl nicht mehr vor dem nächsten Jahr. Wäre man auf einer Flugreise, wären die Tage zwischen den Jahren der Transit: Man ist aufgebrochen und nicht mehr da, wo man los ging – aber man ist auch noch nicht da angekommen, wo man hin will. Man ist irgendwo dazwischen. Zwischen dem was war und dem, was kommen wird. Total im Hier und Jetzt. Eine ideale Gelegenheit, Rückschau auf das vergangene Jahr zu halten und Revue passieren zu lassen, was die letzten 365 Tage so geschehen ist. Genau das haben wir gemacht. Weil im Jahr 2017 viel bei uns passiert ist. Und weil vieles davon es bisher noch nicht auf unseren Blog geschafft hat!

Manches davon wisst ihr vielleicht schon von facebook, Instagram oder aus unseren persönlichen Erzählungen, anderes wahrscheinlich noch nicht. Deshalb, Vorhang auf für unser Jahr 2017:

DEZEMBER 2016

Gefühlt fängt das Jahr 2017 für uns bereits einen Monat früher an. Am 1. Dezember 2016 brechen wir auf die 2. Etappe unserer Weltreise auf. Es geht nach Südamerika. Das Kreuzfahrtschiff Costa Fascinosa bringt uns in 3 Wochen von Savona in Italien nach Santos in Brasilien. Dazwischen liegen Stopps in Barcelona, Santa Cruz de Tenerife, Casablanca in Marokko und die ersten spannenden Landgänge in den brasilianischen Städten Recife, Maceió, Salvador de Bahia, Buzios und natürlich als persönliches Highlight in Rio de Janeiro. Dank unserem Polyglott Reiseführer sind wir nach den 7 Seetagen auf der Reise über den Atlantik über jedes der brasilianischen Ziele gut informiert. Auch das Schiff selbst hat einiges zu bieten und so wird bereits unsere Anreise nach Südamerika zur Reise an sich. Wenn wir auch ganz anders reisen, als das sonst unsere Art ist. Wir sehen es mit der Kreuzfahrt so: wir nehmen von der Fahrt mit, was uns gefällt (und wenn wir mal ehrlich sind – wer lässt sich nicht gerne mit 5-Gänge-Abendessen, Sauna mit Meerblick und Open-Air Whirlpools verwöhnen?) und sagen uns bei dem Rest, dass es für uns eine Überfahrt ist.

Da wir die wenigen milden Sommermonate in Patagonien abpassen wollen, wollen wir so schnell wie möglich in den Süden weiter reisen. Aufgrund dessen legen wir nach Sao Paulo nur noch einen Stopp in Brasilien ein: die Wasserfälle von Iguazu. Hier erleben wir gleich das erste Highlight unserer Südamerika-Reise!

Die mächtigen Wasserfälle liegen im Dreiländereck Brasilien-Argentinien-Paraguay und fungieren als natürliche Grenzlinie zwischen Brasilien und Argentinien. Obwohl sie weit weniger bekannt sind, sind die Wasserfälle von Iguazu größer als die Niagarafälle und sind als größter Wasserfall der Welt anerkannt! Auf einer Breite von ganzen 2,7 km fallen an 275 Fällen insgesamt durchschnittlich 7000 m3 Wasser pro Sekunde hinab. Was das heißt, dürfen wir mit eigenen Augen bestaunen: tosende Wassermassen stürzen unaufhörlich brausend in die Tiefe. Weisse Gischt durchnässt unsere Kleidung innerhalb von Sekunden. Der Anblick der mit sprudelndem Wasser gefüllten und von diesem in Jahrtausenden von Jahren gegrabenen Schluchten ist schwer beeindruckend! Hier zu stehen rückt mal wieder die Größe des Menschen im Vergleich zur Natur ins rechte Verhältnis: Winzig kommen wir uns vor! Zum baden lädt es hier eher nicht ein – auch schon nicht, bevor wir ein Krokodil im Fluss entdecken. Wir verbringen je einen Tag auf der brasilianischen und auf der argentinischen Seite der Wasserfälle und finden beide auf ihre Art beeindruckend. Auch das nahe gelegene Vogel-Refugium besuchen wir. Hier lernen wir neue exotische Spezies kennen und sehen andere wieder, die wir bereits aus Zentralamerika kennen. Es ist herrlich, wieder in den artenreichen Tropen Amerika’s zu sein!

In Puerto Iguazu starten wir nicht nur unseren eigentlichen Trip durch Südamerika, sondern auch ein neues Abenteuer: wir wollen zunächst ausschließlich per Anhalter fahren und sehen, wie weit wir so kommen. In den ersten 3 Tagen schaffen wir 2.000 Kilometer. Wir machen mit dieser Fortbewegungsart direkt zu Beginn nicht nur Strecke, sondern auch Freunde. Weihnachten wollen wir eigentlich ausfallen lassen – dank unserem neuen Freund Louis, mit dem wir anfänglich nur einige Stunden mitfahren wollen, kommen wir am 2. Weihnachtsfeiertag aber doch in den Genuss eines (eigens für uns organisierten) original argentischen Asado. Bei dem argentinischen Nationalessen werden auf einem überdimensionalen Grill verschiedenste Schnitte Rindfleisch und Würste zubereitet.

Den Jahreswechsel 2016/2017 erleben wir in Puerto Madryn, an der rauen Ostküste Argentiniens. In dem kleinen Städtchen sind wir tags zuvor nach 2 Tagen Fahrt durch La Pampa (die ihrem Namen alle Ehre macht: 2.000 km gähnende Steppe) mit einem LKW angekommen. Mit unserer Ankunft in Puerto Madryn haben wir Patagonien erreicht. Das erste Sehnsuchtsziel unserer Südamerika-Etappe. Unser erster Eindruck Patagonien’s: wenig bewachsene, von unaufhörlichem Wind gepeitschte raue Steppe mit weiten, spärlich bewachsenen und noch spärlicher besiedelten Ebenen. Dieser Eindruck sollte sich die nächsten 3.000 km in den Süden noch verfestigen. Erwähnten wir den starken Wind?

Puerto Madryn haben wir uns bewusst als erste Destination in Patagonien ausgesucht. Denn hier bietet sich uns eine fantastische Möglichkeit: Schnorcheln mit wilden Seehunden! Mit dem Boot von Lobo Larsen fahren wir frühmorgens zu einer Seehundkolonie und springen 100 Meter vor dieser ins Wasser. Seehunde sind allgemein sehr neugierige und verspielte Tiere und vor allem die Jungtiere sind so zutraulich, dass es nur wenige Minuten dauert, bis wir von halbwüchsigen Seehunden geradezu umringt sind. Sie stupsen uns an, knabbern spielerisch an unseren Flossen und fordern uns zum Spielen auf. Übermütig schlagen sie neben uns Salti im Wasser und auch die bedeutend größeren männlichen Tiere gesellen sich nach einiger Zeit zu uns. Was für ein Erlebnis!

Silvester verbringen wir in internationaler Runde auf dem Campingplatz am Rande des Ortes. Wie es sich für Argentinien gehört starten wir mit einem „Asado“ und Rotwein ins neue Jahr. Prost, 2017 – Jetzt geht es erst richtig los!

JANUAR

An Neujahr verlassen wir Puerto Madryn wieder. Weiter ins Neuland. Unser nächstes Highlight ist der Besuch einer Pinguin-Kolonie, in der sich zu dieser Jahreszeit Hunderttausende Magellan-Pinguine mausern und ihre Jungen aufziehen. Dazwischen liegen windige Nächte im Zelt irgendwo im Nirgendwo und eine Premiere als Anhalter: eine Mitfahrt im Ambulanzwagen.

Weitere windige Nächte und viele Stunden Fahrt in und mit den verschiedensten Fahrern später bekommen wir langsam ein Gefühl für die schiere Weite Patagoniens. Auf der legendären Ruta 40 erreichen wir El Chalten und erhaschen einen ersten Blick auf die majestätische Anden. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und trekken zu den erhabenen Gipfeln des Cerro Torre und des Fitzroy, zu türkis farbenen Gletscherlagunen, Gletscherzungen und zu stillen Bergseen. Inzwischen sind wir durch das einmonatige ständige Tragen unserer Rucksäcke sehr fit und trotz Gepäck flotter unterwegs als die meisten Tageswanderer. Auf den Wanderungen um El Chalten und allen weiteren Wanderungen in Patagonien ist uns unser Rother Wanderführer ein zuverlässiger Ratgeber und Begleiter, den wir allen empfehlen, die Teile dieser Region zu Fuß erkunden möchten! El Chalten erinnert uns sehr an die Skiorte Österreichs und wird uns als eines der gemütlichsten Dörfer mit einigen der schönsten Wanderungen Patagonien’s in Erinnerung bleiben.

Sehr eindrucksvoll bleibt uns auch der Gletscher Perito Moreno eine Tagesreise weiter südlich in Erinnerung. Von diesem können wir uns trotz Eiseskälte mehrere Stunden lang nicht losreißen – gehört er doch zu den wenigen Gletschern weltweit, die noch wachsen. Hier sehen wir also zum allerersten Mal einen Gletscher kalben. Immer wieder lösen sich mehrere Meter hohe Eisberge von der Gletscherfront und fallen mit donnerndem Getöse vor unseren Augen in den Gletschersee, wo der Aufprall mehrere Meter hohe Wellen verursacht.

Mitte Januar wechseln wir über die Grenze ins chilenische Patagonien. Im meistbesuchten Nationalpark Patagonien’s, dem Nationalpark Torres del Peine, wandern wir eine Woche lang auf dem „W-“ und dem „O“-Track zu und um die ikonischen Torres. Von hier bleiben uns nicht nur die weiten Felder voll Gänseblümchen, der massive Grey Gletscher, atemberaubende Landschaftsblicke, die grasenden Guanakos oder die namensgebenden Torres del Peine in Erinnerung – sondern auch und vor allem unsere Begegnung mit Joana und ihrer Familie. Was wie eine der unzähligen netten Fahrten per Anhalter kurz hinter der abgelegenen chilenischen Grenze Cerro Castillo beginnt, wird zu etwas Besonderem, als uns Joana 45 Minuten, nachdem sie uns abgesetzt hat, wieder aufsammelt und zu sich nach Hause einlädt – weil es ihr keine Ruhe lässt, dass wir bei starkem Wind und von Pumas umgeben mitten in der Pampa unser Zelt aufschlagen wollen. Wir verbringen mehrere Tage bei und mit ihr, ihrem Mann Juan und ihren beiden Töchtern auf der Estancía und lernen, dass in Patagonien die chilenische Gastfreundschaft der argentinischen in nichts nach steht.

FEBRUAR

Zum Monatsanfang erreichen wir das Ende der Welt. Genauer gesagt, die südlichste Landmasse jenseits der Antarktis. Hierhin bringt uns eine sehr spontane Fährfahrt mit dem wöchentlichen Versorgungsschiff (das eigentlich Monate im Voraus ausgebucht ist). Entlang enger Fjorde und mehrerer Hängegletscher erreichen wir nach 3 Tagen Fahrt durch das unwirtliche Fjordland den Beagle Kanal. Hier fuhr einst schon Charles Darwin entlang. Im gleißend roten Sonnenuntergang kommen wir an diesem Abend von Delfinen begleitet an unserem nächsten Sehnsuchtsziel an: Vor uns liegt Feuerland!

Hier auf der chilenischen Isla Navarino liegt Puerto Williams, der südlichste Ort der Welt. Denn auch wenn die Argentinier das bessere Marketing betreiben und ihre Stadt Ushuaia auf der gegenüberliegenden Seite des Beagle Kanal vielen als südlichste Stadt der Welt bekannt sein dürfte, liegt das chilenische Dorf Puerto Williams mit seinen 2.000 Einwohnern noch ein paar Breitengrade südlicher. Wir scheinen wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein. An einem sehr gemütlichen und urigen Ende. Die Uhren ticken in Puerto Williams merklich langsamer – und auch hier erwartet uns große Gastfreundschaft. Noch bei Sonnenschein machen wir uns auf den fünftägigen Circuito Dientes de Navarino, die südlichste – mehr oder weniger markierte – Mehrtageswanderung Südamerika’s. Das Wetter verschlechtert sich allerdings so sehr, dass wir an einem extrem langen Tag drei Tagesetappen hinter uns bringen, um nicht noch 2 weitere Nächte nass und im Schneematsch zelten zu müssen.

Nach einer Woche auf der Isla Navarino nimmt uns ein Segelschiff mit auf die andere Seite des Beagle Kanals. Hier auf der argentinischen Seite Feuerlands ist bedeutend mehr los als im kleinen Stützpunktort Puerto Williams – starten doch in Ushuaia die Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis. Diesen schauen wir dieses Mal allerdings nur sehnsüchtig hinterher, denn selbst die günstigsten Last-Minute-Deals liegen preislich bei 5.000 € pro Person aufwärts. Naja, wir müssen uns ja auch noch Reiseträume für später aufheben… 😉

Nach einigen ebenso windigen wie traumhaften Tageswanderungen in der Gegend rund um Ushuaia sind es wieder einmal Menschen, die uns länger als geplant an einem Ort bleiben lassen. Ganze 6 Tage verbringen wir bei der Familie von Silvina & Alejandro, die uns 6 Wochen zuvor und gute 1.000 km weiter nördlich mitten in der Pampa ein Stück mitnahmen und uns einluden, sie besuchen zu kommen wenn wir in Rio Grande sind. Das machen wir natürlich gerne! So schlafen wir nach 2 Monaten im Zelt das erste Mal wieder in einem Bett und in (beheizten!) geschlossenen 4 Wänden.

Das letzte Highlight Feuerland’s finden wir in dessen sehr dünn besiedelten chilenischen Westen. Hier ist Gaucho-Country und außer vielen Schafen, die dem Wind trotzen, gibt es hier eigentlich nicht viel zu sehen. Außer, ja außer in einer Bucht ganz im Südwesten, wo sich erst vor wenigen Jahren eine Kolonie Königspinguine angesiedelt hat. Die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Subantarktis! Aus einiger Entfernung beobachten wir still und leise die majestätischen Meeresvögel dabei, wie sie miteinander schnattern und ihre Jungen vor der Kälte unter den Bauch der Eltern schlüpfen.
Und mit den tierischen Begegnungen ist es an diesem Tag noch nicht vorbei: auf der Fährüberfahrt zurück auf’s Festland begleitet uns ein Schwarm schwarz-weisser Commerson-Delfine. Die Exemplare dieser Delfin-Art sind ebenso schön wie selten und leider vom Aussterben bedroht.

Zurück auf dem Festland reisen wir weiter per Anhalter zurück nach Argentinien. Zwar wollen wir von nun an auf der chilenischen Seite Patagonien’s gen Norden reisen, allerdings ist der Süden Chile’s hier dichtes Fjordland und so unwirtlich und dünn besiedelt, dass es in diesem Teil des Landes keine Straßen gibt. Daher lassen wir uns mitnehmen zurück nach El Chalten und zum nahen Lago del Desierto. Von dort führt eine dreitägige Wanderung über einen Andenpass und über die Grenze nach Chile. Wir brauchen 4 Tage, da die letzte Tagesetappe über einen großen Gletschersee nur per Boot zurück gelegt werden kann und der Schiffsverkehr aufgrund von Sturm stillgelegt ist. Dafür kommen wir einen Tag später dann ganz unverhofft – und gratis – zu einer exklusiven Bootsfahrt zum nur per Schiff erreichbaren Gletscher Ventisauero O‘ Higgins. Scotch on the (glacier-) rocks inklusive! Wie es dazu kommt, ist eine eigene Geschichte…

Auf chilenischer Seite erreichen wir mit dem Dorf Villa O’Higgins das südliche Ende der Carretera Austral. Die knapp 1.350 km lange, über weite Teile geschotterte Ruta 7 zu trampen scheint auch bei jedem anderen Backpacker auf dessen Südamerika-Bucketlist zu stehen. So stehen wir hier oft in vierter oder fünfter Reihe am Straßenrand und sehen an manchen Tagen mehr Tramperkollegen als Autos. Wir kommen dennoch ganz gut voran und lassen uns 10 Tage Zeit für die Straße. Entlang des Weges gibt es neben sich von Fjordland zu Regenwald verändernder Natur viel zu entdecken: so zum Beispiel das urige Dörfchen Caleta Tortel, dessen Holzhäuser allesamt auf Stelzen in den Fjord gebaut sind. Oder die Marmorhöhlen bei Puerto Río Tranquilo. Auch einige Gletscher, Vulkane, Regenwald und tolle Naturschutzgebiete gäbe es im nördlicheren Abschnitt zu erkunden – leider haben wir aber großes Pech mit dem Wetter und geraten in anhaltende Regenfälle. Diese sind so stark, dass wir uns nach mehreren Tagen Dauerregen – und durchnässten Nächten im Zelt – nicht nur das erste Pensionszimmer seit 2 Monaten buchen, sondern auch eine Nacht in einer Turnhalle schlafen. Diese wurde in einem Ort aufgrund mehrerer weggerissener Brücken und unpassierbaren Straßen als Notunterkunft für gestrandete Reisende eigerichtet. Ein gutes hat auch das: wir können von hier an auch eine Mitfahrt per Anhalter im Feuerwehrfahrzeug verzeichnen.

Anstatt der typischen Backpacker-Route zu folgen und am Ende der Carretera Austral von Puerto Montt aus weiter auf die Insel Chiloé zu reisen, verlassen wir die Carretera Austral auf gleicher Höhe in Cochamó. Von hier führt eine mehrtägige Wanderung durch das Valle Cochamó mit seinem atemberaubenden Granitgebirge über die Grenze nach Argentinien. Von den Granitfelsen sehen wir leider keinen einzigen Steinbrocken, da das Wetter trotz anders lautender Vorhersage immer noch nicht viel besser ist und wir die ersten 2 der 4 Tage bis La Junta hauptsächlich im Regen laufen. Dafür ist die Ankunft auf der argentinischen Seite des Paso El León umso schöner. In dem abgelegenen Bergtal gibt es weder Autos noch andere motorisierte Fahrzeuge und so tragen viele Pferde zum idyllischen Eindruck des Tales bei.

Über El Bolson und Bariloche reisen wir auf der Ruta de los 7 Lagos weiter durch das Seenland Patagonien’s, das aufgrund der sehr ähnlichen Landschaft auch die „argentinische Schweiz“ genannt wird. Gerade rechtzeitig zum jährlichen Weinfestival Vendimia kommen wir dank und mit unserem neuen Freund Toni in Argentinien’s Wein-Hauptstadt Mendoza an. Damit verlassen wir Patagonien nach zweieinhalb sehr windigen, aber auch sehr eindrucksvollen Monaten mit unzähligen Erinnerungen an atemberaubende Landschaften und herzensgute Menschen. Am südlichen Zipfel Südamerika’s haben wir nicht nur ungezähmte und wilde Natur kennen gelernt, sondern auch neue Freunde gefunden. Mit einigen Flaschen guten Malbec im Rucksack queren wir zum Monatsende ein weiteres Mal über die Anden nach Chile. Das 7. Mal in 6 Wochen! Auf dieser Höhe sind die Anden am höchsten und neben der Puente de las Incas sehen wir auf dem Weg über die Gebirgskette neben wahnsinnig schönen Bergpanoramen auch den schneebedeckten Aconcagua – den mit 6.962 Metern höchsten Berg Südamerika’s.

MÄRZ

Gleich zum Monatsanfang machen wir richtig Strecke: in nur 3 Tagen fahren wir im LKW 2.500 km in den hohen Norden von Chile. Unser Ziel ist San Pedro de Atacama, eine kleine Oase in der gleichnamigen Atacama-Wüste. Die Atacama-Wüste ist die trockenste Wüste der Welt. Neben surreal geformten Tälern aus Salzkristallen, ariden Hochebenen, riesigen Sanddünen und indigenen Oasen lockt auch mit der weltweit klarste und lichtverschmutzungsfreiste Nachthimmel Touristen und Wissenschaftler aus alles Welt in diese ansonsten menschenleere Gegend. Leider ist Vollmond, als wir da sind. Unglaublich viele Sterne, die gesamte Milchstraße und selbst die Ringe des Saturn sehen wir trotzdem. Und natürlich bei Tageslicht die beeindruckende Landschaft der Atacama.

Die Nächte in San Pedro de Atacama sollten unsere letzten Zeltnächte für diesen Monat sein – den Rest verbringen wir zwischen 3.000-4.500 Metern Höhe und da wird es auch im Sommer doch sehr frisch nachts. Denn obwohl es in San Pedro de Atacama ein riesiges Angebot an Aktivitäten gibt und man locker eine ganze Woche in – und vor allem um – dem hippen Ort verweilen kann, zieht es uns weiter nach Bolivien. Kurz hinter der bolivianischen Grenze liegt der Salar de Uyuni – der größte ausgetrocknete Salzsee der Erde! Und ein weiterer unserer Sehnsuchtsorte! Hierher unternehmen wir die erste gebuchte Gruppentour auf unserem Südamerika-Trip. Die Hochebenen der Anden sind so abgelegen, dass wir per Anhalter wohl nicht – oder zumindest nicht zeitnah – durch das Grenzgebiet reisen könnten. Unser Timing könnte besser nicht sein: wir sind zum Ende der Regenzeit hier und durch das niedrig stehende Wasser und das Fehlen jeglicher landschaftlicher Erhebungen im Salar de Uyuni ergeben sich perfekte Spiegelungen auf der endlos flachen Ebene. Gekrönt mit einer Übernachtung in einem komplett aus Salz erbauten Hotel ist die Fahrt durch den Salar de Uyuni ein ganz besonderes Erlebnis.

Den restlichen Monat verbringen wir mit der Erkundung Boliviens. Hier erwartet uns nach den kulturell und wertesystematisch teils sehr europäisch und US-amerikanisch geprägten Ländern Chile und Argentinien eine ganz neue Facette Südamerika’s: Mit dem Grenzübertritt nach Bolivien tauchen wir in eine andere Welt ein, in der die Schere zwischen arm und reich, Tradition und Moderne sowie zwischen Stadt und Land unverkennbar weit auseinander klafft. Auch die Menschen sind anders: viele sprechen Quechua als Muttersprache -manche sogar nur gebrochen spanisch -, ihre Gesichtszüge sind anders, ihre Hautfarbe dunkler. Die Bolivianer sind distanzierter als ihre südlichen Nachbarn. Mit ein Grund, warum wir Mitte März beschließen, unser Tramping-Abenteuer an dieser Stelle zu beenden und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Bis hierhin sind wir ganze 12.000 km durch Südamerika per Anhalter gefahren! 12.000 Kilometer! Wir hätten zuvor selbst nicht erwartet, dass wir so weit kommen und wir dabei so tolle Begegnungen haben würden! Und ganz ehrlich: Wir haben nicht eine einzige mulmige Minute! Stattdessen haben wir von den unzähligen Fahrten mit den verschiedensten Fahrern sehr viel mitnehmen können, was uns sonst verborgen geblieben wäre: an Wissen über Land und Menschen, an persönlichen Geschichten und an Erfahrungen. Von jeder Fahrt bleibt etwas bei uns zurück und jede ist nun auch ein Teil unserer Reise und unseres Lebens.

Wir fahren also mal wieder Bus! Zuerst in die bolivianische Hauptstadt Sucre, wo uns doch noch die Höhenkrankheit erwischt und wir einige Tage schachmatt sind. Weiter in die Millionenmetropole La Paz, wo wir Biene’s Cousine treffen, die hier ein freiwilliges soziales Jahr beim Projekt Arco Iris absolviert. In La Paz treffen wir auch Biene’s Großcousins Mario & Matthias an, die ebenfalls gerade um die Welt reisen. Und so veranstalten wir mitten in Bolivien ein Verwandtschaftstreffen.

Von La Paz aus geht es zur Abwechslung ein Stück mit dem Fahrrad weiter. Ein aufregendes Stück, denn wir fahren den Camino de la Muerte hinab. Los geht es auf dem La Cumbre Pass auf 4.670 Metern und ihr Ende findet unsere Downhill Fahrt im nur 1.200 Meter tief gelegenen Coroico. Auf der 80 km langen, rasanten Radtour durchqueren wir in wenigen Stunden fast alle Klimazonen Südamerika’s! Die geschotterte Piste ist dabei nicht viel breiter als eine Fahrbahn und an vielen Stellen zeugen tiefer Morast, Matsch und Felsbrocken von vergangenen Erdrutschen und Steinschlägen. Neben dem sich in unzähligen Serpentinen hinab windenden Weg geht es mehrere Hundert Meter tiefe Berghänge hinunter. Bis vor wenigen Jahren war die Yungas-Straße eine Hauptverkehrsstraße mit sehr hohem Verkehrsaufkommen und schwere LKWs schoben sich – ohne Leitplanken – auf dem schmalen Weg aneinander vorbei. Deshalb gilt auf der Yungas-Straße bis heute – anders als im Rest des Landes – Linksverkehr, damit die Fahrer bei Ausweichmanövern den Abstand zum Fahrbahnrand besser einschätzen können. Eine Analyse der Interamerikanischen Entwicklungsbank in den 90ern ergab, dass die Yungas-Straße die höchste jährliche Absturzrate an Fahrzeugen weltweit zu verzeichnen hatte (Durchschnittlich starben jedes Jahr 200-300 Reisende auf der Strecke). Dies brachte der Straße den zweifelhaften Titel als „gefährlichste Straße der Welt„. Aber auch die bolivianische Regierung hat dadurch die Tatdringlichkeit erkannt und so gibt es seit knapp 10 Jahren eine Neubaustrecke – seither ist die Straße des Todes nur noch für lokalen Kraftverkehr geöffnet und hauptsächlich eine Attraktion für Nervenkitzel suchende Reisende wie uns. Hier mit dem Mountainbike hinunter zu sausen beschert Nervenkitzel pur! Allerdings können wir auf dem Mountainbike jederzeit selbst unser Gefährt lenken – das würden wir uns auch auf mancher Busfahrt wünschen…

Unsere letzte Station in Bolivien ist der Titicacasee. Ebenfalls ein Sehnsuchtsort! Hier verbringen wir tolle Tage auf der Isla del Sol und in Copacabana am Seeufer, bevor wir über die Grenze wandern und den Monat auf der peruanischen Seite des Sees ausklingen lassen…

So – das war bis hierhin unser erstes Quartal des Jahres 2017! Wow! Wir finden es selbst total verrückt wenn wir uns an all das erinnern und dann daran denken, dass wir die ganzen Erlebnisse in gerade einmal 3 Monaten – okay, in 4 Monaten, wenn wir den Dezember mitzählen – erlebt haben! Findet ihr nicht auch?

Und weil die darauf folgenden Monate nicht weniger ereignisreich werden, folgen diese im nächsten Teil unseres Jahresrückblickes 2017!

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Die Top 3 unserer Mitfahrgelegenheiten – Begegnungen, die das Leben schreibt

Wir haben es also geschafft. Vom nördlichsten Zipfel bis hinunter in den tiefen Süden führte uns unser Experiment: Einmal quer durch Neuseeland – nur zu Fuß und per Anhalter. Zahlreiche tolle Menschen nahmen uns ein Stück des Weges mit. Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, verschiedensten Alters und Abstammung. Andere Touristen, Einheimische und Einwanderer. Vollkommen verschiedene Charaktere auf den unterschiedlichsten Wegen – persönlich wie wegbezogen. Jeder davon hatte seine eigene Geschichte. Und jeder seinen persönlichen Grund, warum er für uns anhielt. So wie die sympathische Senior-Unternehmerin, die nur wegen Biene’s roten Haaren für uns abbremste – weil ihre Enkeltochter die gleiche Haarfarbe hat. Oder der Techniker auf Geschäftsfahrt, der generell keine Anhalter mitnimmt, die nur am Straßenrand sitzen. Wir liefen aber und durften einsteigen. Eine junge Studentin nahm uns mit, weil sie selbst viel als Anhalterin unterwegs ist; ein älterer Künstler, weil wir ihn an seine früheren Reisen durch Indien erinnerten. Der Telefontechniker hat auf seinen langen Fahrten ins abgelegene Nordland gerne Gesellschaft. Einmal nahm uns sogar ein vollbesetzter Tourbus mit (es nieselte und die Busgesellschaft hatte wohl Mitleid). Einige Fahrer fuhren für uns extra einen Umweg. Manche erzählten aus ihrem Leben, andere hörten lieber unseren Geschichten zu. Mit dem Großteil führten wir interessante Gespräche und ausnahmslos alle fanden unser Vorhaben awesome! 😀 Mit manchen tranken wir nach der Fahrt noch einen Kaffee, mehrere luden uns ein, bei ihnen zu kampieren und nur sehr wenige Male waren wir froh, wenn eine Fahrt ihr Ende fand. Ein Paar konnten wir sogar zum Traum einer eigenen Weltreise inspirieren.

Eines hatten alle Fahrten gemeinsam: die Menschen die wir dabei kennen lernten, wurden zu einem Highlight unserer Reise durch Neuseeland! Und deshalb wollen wir Euch stellvertretend für all die großartigen Geschichten, die wir erlebten, 3 von ihnen vorstellen!

Unsere 3 erinnerungswürdigsten Tramp-Geschichten:

  • Einblicke in den Alltag einer Marihuana-Dealerin

Obwohl diese Fahrt mit ca. 10 Minuten Fahrzeit eine der kürzesten war, bleibt sie uns dennoch lebhaft in Erinnerung! Schwungvoll hält der rote Kleinwagen mit dem schon etwas abgeblättertem Lack neben uns. Die Fahrerin (Mitte 50, stattliche Erscheinung, maorische Abstammung) kurbelt das Fenster auf der Beifahrerseite für uns herunter, fragt wo wir hinmöchten, erklärt uns dass sie nur bis zum Ortsende fährt… – und entschuldigt sich im gleichen Atemzug dafür, dass es in ihrem Auto nach Marihuana riecht. Aber sie sei Marihuana-Dealerin, da ließe sich das nicht vermeiden… Wir schauen uns ungläubig grinsend an und steigen ein. Auf dem Weg zum Ortsende machen wir noch einen kurzen Umweg, um die Tageseinnahmen bei ihrem Großhändler abzuliefern. Kein Problem. Ganz locker-flockig erzählt sie auf unsere neugierigen Fragen auch, wie das Geschäft denn so läuft (sehr gut), ob mehr Einheimische oder Touristen ihre Ware kaufen (sowohl als auch) und wie das alles so abläuft. Zwar fragt sie uns höflichkeitshalber nach unseren Berufen, winkt aber im selben Moment schon wieder ab und sagt, selbst wenn wir Polizisten wären, würde sie das nicht interessieren. Eine wirklich urige Charaktere! Wir haben uns selten vor Lachen die Bäuche gehalten, als wir aus einem Auto ausstiegen. Dieses Mal schon.

  • Gegensätze ziehen sich an: die Lady und die Hippie-Hexe

Der Tag fing gut an. Obwohl am Ortsausgang vor uns schon 3 andere Tramper stehen, dauert es nicht lange, bis ein Auto für uns anhält. Gelenkt wird der große Jeep von einer sehr gepflegten älteren Lady, die uns auf Anhieb sympathisch ist. Wir ihr zum Glück auch. So dürfen wir bei ihr einsteigen, nachdem sie an unserem Englisch hört, dass wir keine Kiwis sind. Ihre Landsmänner nimmt die Dame hier generell nicht mit. Warum, das erzählt sie uns auch gleich: in dieser Gegend liegt ein Gefängnis und viele Häftlinge würden nach dem Verbüßen ihrer Haftstraße die in unsere Fahrtrichtung gelegene Golden Bay ansteuern. Zur Entspannung mit Grünpflanzen… Sagen wir es so: In diesem abgelegenen Örtchen hinter den Bergen machen Leute mit dem selben Beruf wie unsere obige Mitfahrgelegenheit einen sehr guten Verdienst. 😉 Die zart gebaute Dame habe schon mehrere Male Ärger mit aggressiven Mitfahrern gehabt und zwar habe sie einen Selbstverteidungskurs besucht, wolle aber nichts mehr riskieren seit sie über 70 ist. Weil wir ihr aber auf Anhieb sympathisch sind, dürfen wir uns sogar aus der Keksdose bedienen, die sie für ihre Enkelkinder im Auto hat. Die Lady hat einen ausgezeichneten feinen Sinn für Humor und wir unterhalten uns bestens auf der langen Fahrt. So erzählt sie uns auch, wie sie vor Jahrzehnten mit ihrem Mann und ihren 3 kleinen Kindern in einem alten Bus 18 Monate durch Mexiko gereist sind und alle sie damals für verrückt erklärten. Und wie sie und ihr Ehemann ihre erfolgreiche Firma vor wenigen Jahren an die jüngere Generation übergaben, um mit demselben jahrzehntealten Bus samt Hund und Katze für 4 Jahre ihr Heimatland Neuseeland zu befahren. Und sie wieder von allen für verrückt erklärt wurden. Und es zur besten Zeit ihres Lebens wurde. Die Lady erzählt wunderbar und bestärkt uns darin, unseren eigenen Weg zu gehen und unsere Träume zu leben. Als wir die Kleinstadt Nelson erreichen, fährt sie für uns statt der Highway-Umfahrung einmal mitten durch das Zentrum – so hätten wir alles gesehen, was es hier zu sehen gibt und müssten keine weitere Zeit in der Stadt verschwenden. Wir lachen herzhaft – so richtig schätzt sie uns ein. Als wir kurz darauf in Richmond aussteigen, haben wir das Gefühl, diese Dame schon viel länger als nur eine zweistündige Fahrt lang zu kennen. Es ist eine der Begegnungen, die unsere Reise so besonders machen.

Von Richmond aus weiter sollte es eigentlich nur ein kurzer Lift weiter nach Kaiteriteri werden. Dafür steigen wir in das klapprige Auto von Karen ein. Man könnte sagen, das in die Jahre gekommene Hippie-Mädchen ist mit ihrer wallenden grauen Mähne und den Katzenhaaren und Teppichen im Auto vom Typ her das Gegenstück zu unserer vorherigen Mitfahrgelegenheit. Auch diese Fahrt beginnt nett. Dann entscheiden wir uns, mit ihr doch weiter bis nach Takaka zu fahren, um unsere Wanderung im Abel Tasman NP von West nach Ost statt anders herum von Kaiteriteri zu laufen. Hätten wir allerdings gewusst, welches Verhältnis Karen zu ihrer Gangschaltung hat, wären wir vielleicht doch wieder ausgestiegen…. Schon beim ersten Anstieg am Fuße der Takaka Berge werden wir zu Rate gezogen, ob es sich wohl besser im dritten oder vierten Gang hinauf führe. Und dann verwechselt sie doch den zweiten mit dem vierten Gang. Das lustige Ratespiel wiederholt sich in jeder Serpentine der zweistündigen und sehr kurvenreichen Strecke über die Berge. Dass sie vor lauter pflanzlicher Entspannung jedes Schalten mit lautem Überlegen begleitet, viel zu schnell in die Kurven fährt und beim Unterhalten statt auf die Straße zu Biene auf den Beifahrersitz sieht, hilft unserer eigenen Entspanntheit nicht gerade. Und als sie vor lauter Geplapper dann auch noch Biene’s Hand, mit der sie sich in den Kurven am Autorahmen fest hält, im Fenster einklemmt, fährt die Plauderlaune endgültig auf höfliches Nicken und gezwungenes Lächeln zurück. Wir wundern uns so auch nicht mehr, als sie uns anbietet uns bis nach Golden Bay mitzunehmen, wo sie wohne (…) – wir lehnen höflich ab und sind froh, als wir in Takaka die Autotüre hinter uns zumachen können.

  • Peter, der Avocado-Farmer mit den Lachfältchen von George Clooney

Peter hält für uns am Ortsausgang von Whangamata. Nach mehreren kurzen Lifts ist er der erste, mit dem wir an diesem Nachmittag ein ordentliches Stück weiter kommen. Seine verwuschelten blonden Haaren und die Lachfalten in seinem von der Sonne gegerbten Gesicht verraten uns auf Anhieb, dass Peter viel Zeit an der frischen Luft verbringt. Dieser erste Eindruck stellt sich im Gespräch schnell als richtig heraus. Peter hat eine Avocado- und Kiwiplantage. Und er ist der Typ Mensch, mit dem wir rasch von einem interessanten Gesprächsthema auf das nächste kommen, ohne groß überlegen zu müssen. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass Peter uns einlädt, bei sich zu übernachten. Er ist uns so sympathisch, dass wir die Einladung gerne annehmen. Und so schlagen wir an diesem Abend unser Zelt neben Tausenden von Kiwis auf, sitzen mit Peter auf seiner Terrasse mit Blick über den farmeigenen See und kommen sogar zu einer heißen Dusche. Am nächsten Morgen lernen wir bei frisch gebrühtem Kaffee noch einiges über den Anbau von Kiwis und Avocados, dürfen uns die Taschen mit den süßesten Pflaumen füllen, die wir seit langer Zeit naschten, bevor Peter uns in den nächsten Ort fährt. Einfach so.

Uli trampt

Und weil nicht nur diese 3 Begegnungen etwas Besonderes waren, sondern wir jedes Mal Glück verspürten, wenn neben uns ein Auto stoppte, wollen wir auch alle anderen Menschen, die für uns anhielten, nicht unter den Tisch fallen lassen. Es haben uns außerdem mitgenommen (chronologisch geordnet):

  • die Kulturliebhaberin, die uns unseren allerersten Lift direkt vom Flughafen in die Innenstadt gab. Die nette Fahrt sparte uns 50 NZ$.
  • die ältere Dame auf dem Weg in ihren Wochenendurlaub ins Nordland. Sie fragte Uli zuerst, mit wem er unterwegs ist bevor er einsteigen durfte (zeitgleich stand ein sehr nach Langzeitreisender aussehender Tramper mit hüftlangen Deardlocks an derselben Tankstelle).
  • der Milchmann, der unterwegs noch den LKW abladen musste und uns zum Abschied TimTams (diese unwiderstehlich leckeren, australischen Kekse schenkte).
  • das Unternehmerpaar, welches für uns einen Umweg fuhr, damit wir nicht nass werden und deren Tochter als Kayak-Guide auf einem Kreuzfahrtschiff in der Antarktis arbeitet.
  • Bill der Künstler, der uns total wahnsinnig fand, weil wir so ganz ohne Karte und mit bescheidener Ortskenntnis unterwegs waren (war unser erster Tag on the road).
  • das ältere Ehepaar auf dem Weg zum Wochenmarkt, von denen wir alles über die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Manuka-Honigs lernten.
  • der Telefontechniker, der mit uns über den 90 Miles Beach jagte, statt schnöde den Highway entlang zu kurven. Und uns dabei lustige Stories von all den Backpackern erzählte, die er aus genau diesem Strand schon herausgezogen hat, nachdem sie mit ihren Backpacker-Mühlen darin stecken blieben.
  • Mink der angehende holländische Kitesurflehrer, der lieber in seinem umgebauten VW-Bus durch Neuseeland fährt, statt in Europa zu studieren und dessen schönster Tag in seinem Leben der war, an dem er ganz allein mit einem Buckelwalbaby schwamm.
  • Mornie, der bis vor wenigen Jahren noch nicht an Gott glaubte, uns nun aber vor der kurz bevorstehenden biblischen Apokalypse warnte.
  • die 4 Jungs im Kleinwagen, zu denen wir uns noch mit rein quetschen durften, weil sie erst nur Biene sahen. 😀
  • die Aussteigerin mittleren Alters, die sich so sehr freut wenn sie jemanden mitnehmen kann, dass sie darauf bestand, uns soweit wie möglich in die gemeinsame Richtung mitzunehmen – was 200 Meter bis zum nächsten Kreisverkehr waren.
  • der aufgedrehte Gefängniswärter, der schon für uns anhielt, bevor wir überhaupt den Daumen rausstrecken konnten und der schon einen Helikopterrundflug über Hawaii machte.
  • die ältere Dame, die für uns an ihrem Haus vorbei fuhr und uns über eine holprige Schotterstraße weiter bis zum Nationalpark brachte.
  • das tschechische Paar in unserem Alter, das ebenfalls auf Weltreise war und denen wir Reisetipps gaben.
  • das neuseeländische Studentenpaar, die in der Coromandel ihre Semesterferien verbrachten.
  • Dave der Straßenarbeiter auf dem Heimweg, der für uns am Aussichtspunkt hielt und uns ermahnte, beim Wildcampen ja kein Klopapier in der Natur zurückzulassen (machen wir sowieso nie!).
  • das französische Ehepaar, das zum ersten Mal mit dem Wohnmobil und obendrein zum ersten Mal im Linksverkehr unterwegs war (sie nahmen uns an anderer Stelle tags darauf sogar gleich nochmal mit)
  • die beiden Kiwis, die im Sommer als Surflehrer und im Winter als Skilehrer auf der Südinsel arbeiten und das Wochenende im Strandhaus verbrachten der Kayak-Guide, der auf dem Weg zur Arbeit war.
  • die 3 deutschen Camper, die zusammen ein Wohnmobil gemietet und sogar den Hund dabei hatten
  • der Tscheche, der sich in seiner Wahlheimat China so gut integriert hat, dass er fuhr wie all die asiatischen Touristen – und glatt von der Polizei eine Verwarnung für zu langsames Fahren erhielt. 😀
  • Marcus der Life-Coach, der mit seinen 26 Lebensjahren schon erstaunlich weise war und uns zum Abschied einen maorischen Segen gab
  • Damien, der an diesem Nachmittag auf seine Kinder aufpassen musste und mit ihnen, von uns inspiriert, eine Wanderung um den See unternahm.
  • Michael der Hochzeitsfotograf, der uns vom ersten richtig langem Warten am Straßenrand in Rotorua erlöste.
  • Ivan, der aus Südafrika ausgewanderte Jugend-Coach, der gerade erst andere Anhalter abgesetzt hatte und sich freute, direkt wieder jemand mitnehmen zu können.
  • der Spanier Oscar, der in seinem Wohnmobil eigentlich nur eine Person mitnehmen durfte – weshalb sich Biene hinter’m Vorhang verstecken musste statt die tolle Landschaft anschauen zu können.
  • die junge Karrierefrau, die plante ihren Job als Sales Managerin an den Nagel zu hängen um Kunst zu studieren.
  • die alleinerziehende Mutter, die über beide Ohren strahlte, da sie just an diesem Tag einen Heiratsantrag von ihrem Freund bekam.
  • Wilhelm der Hobby-Historiker, der uns alles über die Geschichte Neuseelands erzählen konnte.
  • das Rentnerpaar Wicky & Brian, die ebenfalls auf einem mehrmonatigem Trip waren und von ihrer Patentochter Must-See-Listen für Neuseeland bekamen.
  • die jungen Eltern mit Kleinkind, welches die Neuzukömmlinge neben sich auf der Rückbank sehr unbehaglich fand. der junge Amerikaner, der mit seiner Mutter mehrere Monate durch Neuseeland reiste und dabei alle Action-Sportarten ausprobieren wollte.
  • Liz, die uns ihre leer stehende Pferdekoppel zum campen anbot.
  • das Wanderer-Paar aus England, die anders als wir voll ausgerüstet mit Wanderstöcken, Schienbeinschützern und dehydriertem Vesper wandern gingen.
  • die nach Neuseeland ausgewanderten Deutschen, die sich nicht einig waren, ob der Wochenmarkt ihres Ortes nun groß oder klein ist.
  • die Immobilienmaklerin, die auch sonntags im Dienst war.
  • die sympathische Mutter mit Tochter, die sich zum allerersten Mal in ihrem Leben traute, Anhalter mitzunehmen und deshalb zum Abschied ein Foto mit uns machen wollte.
  • der einarmige Vater, der gerade seinen Sohn zurück zur Mutter brachte und der besser fuhr als so mancher mit 2 Händen.
  • der Pilot, der eigentlich für die Tramperin anhielt, die 50 Meter weiter vorne an der Straße stand und uns dann zusätzlich noch mitnahm.
  • die 2 deutschen Mädels, die am ersten Tag ihren Campervan im Ninety Miles Beach versenkten, am Ende dieses Tages dank des wunderschönen Sonnenuntergangs aber wieder mit dem Tag versöhnt waren.
  • der Außendienstler, der uns mitten im Nirgendwo aufsammelte und uns viel über Flora & Fauna Neuseelands erzählen konnte.
  • das sympathische Kiwi-Paar auf dem Weg zu einer Umweltkonferenz.
  • das deutsche Paar aus Braunschweig, die einen tollen Reiseführer mit dabei hatten, den wir noch überhaupt nicht kannten.
  • William aus Deutschland, der uns mit zu einen Campingplatz nahm, auf dem gefühlt jeder Zweite aus Deutschland war.
  • 2 junge Australier aus Sydney, die für uns von der Hauptstraße abbogen und uns die 2 km zum Ausgangspunkt unserer Gletscher-Wanderung fuhren.
  • der vollbesetzte Tourbus, dessen Insassen ihre Reiseführer einstimmig dazu überredeten, uns mitzunehmen.
  • das junge Geschwisterpaar aus England, die sich spontan dafür entschieden, gemeinsam für einige Monate Neuseeland zu erkunden.
  • der Helikoperpilot, der seinen guten Tag hatte und uns anbot, unser Zelt in seinem Garten aufzuschlagen.
  • der Südtiroler, der endlich mal wieder auf einen Gletscher steigen wollte.
  • das junge Pärchen mit den unaussprechlichen Namen aus Litauen, mit denen wir unterwegs nach einer Seehundekolonie Ausschau hielten, zu 2 Wasserfällen wanderten, Fotostopp am See Wanaka machten und Fish & Chips essen gingen.
  • Tracy, die jedes Jahr mit Freunden ein Campingwochenende in Wanaka verbringt.
  • das einheimische Paar, das uns in ihrem Geländewagen mitnahm und uns damit einige Flussdurchquerungen mit nassen Füßen ersparte.
  • der junge Familienvater & Hausbesitzer aus Queenstown, dessen Eigenheim in nur einem Jahr durch die gestiegenen Eigentumspreise in Queenstown seinen Wert verdoppelte.
  • das australische Paar, dass glücklicherweise für uns gar nicht genug Fotostopps auf der Strecke von Queenstown nach Glenorchy einlegen konnte.
  • das Goldgräberpaar, das auch im Urlaub immer die Goldschürfausrüstung im Kofferraum dabei hat.
  • Derrick, dessen Sohn als verantwortlicher Jurist mitgeholfen hat, das umstrittene TTIP-Abkommen zwischen Neuseeland und den USA auszuarbeiten.
  • Anita & Peter, die vielleicht in einigen Jahren selbst noch auf Weltreise gehen werden?
  • Mick, der beim Arbeiten als Kayakguide im Milford Sound ständig mit Seerobben und Delfinen paddeln darf.
  • der schweigsame Kiwi, mit dem wir zum ersten Mal keine gemeinsamen Gesprächsthemen fanden.
  • das philippinische Paar, in deren Auto laute Gute-Laune-Musik läuft und die sich riesig freuten, dass uns ihr Heimatland so gut gefallen hat.
  • der schwule Modehauseinrichter, dessen Fingernägel besser manikürt waren als die von Biene.
  • der Kiwi, der uns nach langem Stehen an einer vielbefahrenen Zufahrt zum Highway mitten in der Stadt (hier dauerte es immer am längsten) mitnahm.
  • der tschechische Backpacker, der die Nacht durchfuhr, um in Dunedin seinen neuen Van abzuholen und der für uns einen Umweg zum Flughafen machte (wo wir unser kostenloses Mietauto abholten).
  • Kim, unsere AirBnB-Gastgeberin in Christchurch, die uns super bemerkenswerterweise morgens um 5 Uhr zum Flughafen fuhr.

Ihr wart alle großartig! DANKE!!

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Nach unserem dreitägigen Abel Tasman Coast Track wollen wir wieder etwas Strecke machen. Die Westküste der neuseeländischen Südinsel ist dünn besiedelt und wir haben nur wenige Stopps geplant. Die meiste Zeit sind wir auf der Straße unterwegs – und das erleben wir so (es folgen Tagebucheinträge aus unserer beider Tagebücher. Könnt ihr erahnen, welche Tagebuchauszüge aus wessen Tagebuch stammen? Wenn ja, schreibt uns doch Eure Vermutungen in die Kommentare!):

Sonntag, 21. Februar 2016:
„…Lift von Immobilienmaklerin nach Kaiteriteri. Dort duschen. Lift von Margaret und Tochter Holly bis Richmond. Sehr nett. Von Richmond nach Wakefield Lift von Einarmigem. Fiel uns erst beim Aussteigen auf, als er den Kofferraum öffnete. Hier treffen nach uns noch 4 (!) andere Tramper ein. Wir stehen alle im Abstand von ca. 200 Metern und warten…und warten…nach ca. 30 Minuten nimmt ein junger Mann (Pilot, unsympathische Augen) uns und das französische Mädel Anne mit bis Morchison. Hier essen wir eine Kleinigkeit in Neuseelands selbsternanntem „Best country Pub„. Füllen unsere Wasserflaschen auf, kaufen kurz ein. Laufen aus dem Ort raus und trampen weiter. Luisa & Lea, 18 bzw. 19 Jahre alt und aus Deutschland, nehmen uns in ihrem Campervan mit. Sie finden es toll, dass „man in DEM Alter auch noch reisen kann!“ Wir fühlen uns schlagartig steinalt. Steigen irgendwo in der Pampa in der tollen Landschaft aus. Laufen noch ein gutes Stück, bis wir einen geeigneten Zeltplatz im Wald finden. In der Dunkelheit sehen wir Weckas im Gebüsch“

Lifts: 6 Gelaufen: ~ 13 km

Montag, 22. Februar 2016:
„Aufgewacht mit Bienen summen. Kaffee. Zurück auf die Straße. Das 2. Auto hält. Unternehmer nimmt uns mit bis Westport. Tolle Strecke durch Bullet Schlucht. Gleich weiter mit nettem Kiwi-Paar bis zu den Pfannkuchen-Felsen. Kurzer Rundweg. Von dort im Campervan mit deutschem Ehepaar aus Braunschweig bis nach Hokitika. Dort eingekauft. Weiter mit William aus Deutschland bis zum DOC-Zeltplatz vor’m Franz-Josef-Gletscher. Wir überlegen mal wieder, ob wir bleiben oder weiter gehen – wir bleiben, es ist schon 19.00 Uhr. Baden und Waschen im See Mapourika. Sehen direkt vor uns zwei 1,50 Meter lange Aale. Überall Deutsche auf dem Platz.“

Lifts: 4 Gelaufen: ~ 4 km

Dienstag, 23. Februar 2016:
„Heute gibt’s endlich mal wieder Porridge zum Frühstück. Lecker! 2 junge Aussies aus Sydney nehmen uns mit zum Franz-Josef-Gletscher. Fahren uns direkt bis zum Wanderparkplatz. Wilder Gletscherfluss und Blick auf die Gletscherzunge – leider bleibt es trotz dreistündigem Aufstieg auf den Alex-Knob-Track bei dieser ersten Sicht. Die Wolken verdichten sich und es zieht komplett zu. Quälen uns deshalb nicht noch 1 weitere Stunde zum Gipfel. Toller, abenteuerlicher Weg mit vielen Höhensteigen. Davor liefen wir noch zu 2 Spiegelseen. Sind um 17.00 Uhr wieder unten. Laufen zur Hauptstraße, hier nimmt uns ein vollbesetzter Tourbus mit zurück ins Dorf. Nett! Füllen unser Wasser auf. Lift von britischem Geschwisterpaar Meg & Jonny bis zum Gletscherdorf des Fox Gletschers. Laufen aus dem Dorf raus Richtung Lake Matheson. Ein einheimischer Helikopterpilot fährt uns die letzten Kilometer und bietet uns an, auf seinem Rasen zu zelten. Dürfen aber direkt beim See auf der Wiese hinter dem Souvenirshop unser Zelt aufschlagen. Haben sogar einen Tisch, yeah! Hören wie schon auf der heutigen Wanderung sehr viele Vögel, echt schön. Unzählige Sandflies und grooooße Moskitos. Echt nervig. Interview via Skype für das Stadtwerker-Magazin. Trinken Tee und verkriechen uns ins Zelt.“

Lifts: 3 Gelaufen: ~ 18 Kilometer

Mittwoch, 24. Februar 2016:
„Sicht ist leider nicht besser geworden. Kaffee & Porridge zum Frühstück. Es fängt an zu regnen. Lift aus Südtirol fährt uns bis zur Kreuzung des Fox Gletschers. Laufen ca. 3 km die Straße entlang, weil keiner anhält. Junges Paar aus Litauen nimmt uns mit bis Wanaka. Unterwegs 2 Wasserfälle und Seehundekolonie (keine gesehen) angeschaut. Der Typ kann nicht Auto fahren! In Wanaka am See entlang gelaufen. Gebadet, gewaschen und am See gevespert. Es windet. Wir schlagen unser Zelt etwas weg vom See in einem netten Park zwischen den Bäumen auf.“

Mit unserer Ankunft in Wanaka kehrten wir der Westküste auf dem Haast Pass den Rücken. Damit sind wir diese verhältnismäßig schnell in 3,5 Tagen hinunter gereist. Mit ein Grund war sicher das miese Wetter, das Gletscherbesteigungen und längere Wandertouren unattraktiv machte. Mit der Überquerung der Südlichen Alpen in Richtung Wanaka ändert sich aber auch das wieder: kaum fahren wir in tiefere Lagen und hinein in den dahinter liegenden Regenwald, steigt die Temperatur direkt ein paar Grade an und die Sonne bricht durch. So erwarten uns nach schroffen, trockenen Bergkuppen und eisblauen Gebirgsbächen in Wanaka dann ein traumhaftes Bergpanorama wie aus dem Bilderbuch.

vor dem Lake Wanaka

Kein Wunder, dass sich am gleichnamigen See Wanaka’s ganze Gruppen japanischer Touristen mit ihren Kameras tummeln und versuchen, diese Naturschönheit aus den besten Winkel unvergänglich auf Polaroid zu bannen. Trotzdem ist der kleine Ort ruhig und entspannt und wirkt weder künstlich noch überlaufen. Der ideale Ort für einen kleinen Zwischenstopp, bevor es für uns weiter in Neuseeland’s Outdoor- und Actionsport-Hauptstadt Queenstown geht.

….Und weil die Wanderung dorthin mit eines der Highlights unseres Neuseeland-Aufenthaltes ist, hat sie sich ihren eigenen Bericht verdient.

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Abel Tasman Coast Track – Wanderung im Küstenparadies

Nach unserer Ankunft auf der Südinsel machen wir uns direkt auf in Richtung des Abel Tasman Nationalparks. Der kleinste Nationalpark Neuseelands liegt ganz im Nordwesten der Südinsel und begeistert landschaftlich durch seine goldenen Küstenabschnitte. Mehrere Wanderwege führen durch den Park. Wir haben uns den 51 km langen Coast Track ausgesucht. Dieser verläuft malerisch entlang der tollen Küstenlinie über die gesamte Länge des Parks. Da der Coast Track einer der 9 Great Walks und dementsprechend beliebt unter Wanderern ist, wird während der Wandersaison von November bis April eine Vorbuchung der Hütten im Park empfohlen. Nur so kann man sicherzustellen dass man auch tatsächlich ein Bett bekommt. Das haben wir – natürlich – nicht gemacht. Aber wir tragen ja mit unserem Zelt unser mobiles Zuhause auf dem Rücken und können überall dort die Nacht verbringen, wo wir drei Quadratmeter ebenen Boden finden.

Wir packen also lediglich zusätzlichen Proviant für 3 Tage ein und checken die Wettervorhersage. Die letzten Tage hatte es stark geregnet und tags zuvor schüttete es derart stark, dass die Flüsse über die Ufer traten und wir ein Doppelzimmer im beheizten Hostel unserem Schneckenhaus vorzogen. Die Prognose für die kommenden Tage lautet aber besser und so machen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf den Weg zum nördlichen Parkende. Schon die Fahrt über die Takaka Mountains ist wunderschön. Das Land ist hier nur spärlich besiedelt und weitläufige Weiden, tiefe Täler, dunkle Nadelwälder und ausladende Buchten laden die Blicke zum Verweilen ein. In Mohaka angekommen, dürfen wir unser Zelt auf einer ungenutzten Pferdekoppel aufstellen. Gerade rechtzeitig vor dem Beginn eines starken Schauers hauen wir den letzten Hering ins Gras und verkriechen uns in unsere warme Höhle. Früh am nächsten Morgen laufen wir die restlichen Kilometer zum Eingang des Parks, wo der eigentliche Wanderweg beginnt. Raue Felsklippen und eine stürmische See bestimmen hier im nördlichen Teil des Parkes das Bild.

Gut, dass wir nun seit 2 Wochen fast durchgehend mit Gepäck laufen. Dank der vorangegangenen Wanderungen nehmen wir unsere Rucksäcke kaum mehr als zusätzliches Gewicht wahr und es läuft sich bedeutend leichter als zu Beginn unserer Zeit in Neuseeland. Das sollte uns heute zu Gute kommen. Der erste Abschnitt führt uns zunächst noch auf Meereshöhe durch den Wald und über den Strand Tutaranui. Bald schlängelt sich der Weg aber unerwartet steil in die Höhe, um dann parallel zur Küste zu verlaufen und uns mit atemberaubenden Aussichten zu belohnen. Weiter geht’s durch tropischen Wald und entlang schöner Buchten, bis wir gegen 15 Uhr das Awaroa Inlet erreichen.

Wir haben Glück, gerade ist Ebbe und so können wir die Bucht auf direktem Wege durch nur kniehohes Wasser durchqueren und müssen nicht den längeren Weg außen herum gehen. Unser Plan, uns in der Awaroa Hütte auf der anderen Seite der Bucht einen Kaffee zuzubereiten und anschließend noch etwas weiter zu wandern, wird allerdings jäh durchkreuzt: Kaum erreichen wir die Hütte, wird uns von anderen Wanderern ein kaltes Bier angeboten. An diesem heißen Tag und nach unserer bereits gut 23 km langen Tagesetappe durchaus eine willkommene Abkühlung! Wir zieren uns also nicht lange und nehmen die Einladung dankend an. Wie sich im Gespräch mit den noblen Schenkern heraus stellt, hat eine Baufirma aus Christchurch die Hütte für ihren jährlichen Betriebsausflug angemietet. Und weil im Jahr zuvor doch tatsächlich die Getränke ausgingen, ist der Getränkevorrat dieses Mal mehr als ausreichend und von ihnen allein nicht zu bewältigen. Da auch noch zuviele Betten reserviert wurden und diese nun leer stehen, laden uns die sympathischen Angestellten ein, in der Hütte zu bleiben und ihnen bei der Vernichtung ihrer Vorräte zu helfen. Wir helfen natürlich gerne 🙂 Es folgt ein sehr lustiger Hüttenabend und wir schlafen tatsächlich mal wieder eine Nacht in richtigen Betten. Am nächsten Morgen brechen wir nach dem Kaffee und einem herzlichen Dankeschön an unsere neuen Freunde wieder auf.

Der heutige Wegesabschnitt führt uns zunächst etwas weiter von der Küste weg und durch dichten Buchenwald. Anschließend durchqueren wir mehrere tolle Buchten,. Mittlerweile sind wir im mittleren Teil des Parkes angekommen. Hier ist schon mehr los als weiter im Norden – dennoch sind wir positiv überrascht, denn trotz Wander-Hochsaison und -Traumwetter sind weniger Wanderer unterwegs als wir erwarteten. Im goldenen Sand der Tonga Quarry Bay essen wir unser Mittagessen und kühlen uns mit einem erfrischenden Sprung ins strahlend blaue Meer ab. Am späten Nachmittag erreichen wir das Anchorage Inlet. Wieder sind wir gut dran mit den Gezeiten und können direkt über den mit Muscheln übersäten Meeresboden laufen statt die deutlich längere Flut-Alternative nehmen zu müssen.

Einige Kilometer weiter finden wir gute 500 Meter abseits des Weges auf einem Berg den perfekten Zeltplatz für diese Nacht: umgeben von trockenem Gebüsch sind hier oben die einzigen Geräusche um uns herum die Laute der Natur. Durch die erhöhte Lage haben wir eine geniale Aussicht über die Buchten des Nationalparks bis hin zu den Bergen der Richmond Range. Müde und zufrieden sitzen wir noch lange vor unserem Zelt und bewundern den funkelnden Sternenhimmel, bevor wir schließlich unter unser Moskitonetz liegen und weiter in den Sternenhimmel schauen.

Der dritte Tag unserer Wanderung führt uns in weitere idyllische Buchten, bevor wir gegen Mittag das südliche Parkende in Marahau erreichen. Geschafft! In gut 2,5 Tagen sind wir damit gute 55 km gelaufen und haben den Abel Tasman Park einmal der Länge nach durchquert.

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, dieses schöne Fleckchen Erde zu erkunden – sehr beliebt sind die angebotenen Wander-Kayak-Kombinationen oder Fahrten mit dem Wassertaxi. Klar – wir beide haben uns für die günstigste Variante auf unseren eigenen 2 Beinen entschieden. Schließlich wollen wir Neuseeland nur zu Fuß und per Anhalter durchqueren.

Und per Anhalter geht es dann auch weiter….

Roadtrip mit Fremden – Per Anhalter durch Neuseeland Teil 1

Roadtrip mit Fremden – Per Anhalter durch Neuseeland Teil 1

Unsere Tramper-Karriere beginnt vielversprechend: Die erste Mitfahrgelegenheit auf neuseeländischem Boden stauben wir gleich am Aucklander Flughafen ab. Nach unserem späten Flug aus Tonga haben wir hier noch die Nacht verbracht. Wir schlafen fast so gut wie vor 2 Jahren, als wir in der Abflughalle des Flughafens in Macau zelteten.

Der nette Lift in die Innenstadt spart uns die ersten 40 $ und schenkt uns einen Vorgeschmack auf die große Hilfsbereitschaft der Neuseeländer, die wir in den kommenden Wochen noch oft werden erleben dürfen. 2 Tage in Auckland verfliegen mit Ausrüstungs- und Proviantkäufen, ausgiebigen Stadtbummeln, der (Wieder-)Entdeckung Auckland’s schönster Ecken und einem kleinem Familientreffen.

ROADTRIP MIT FREMDEN

Und dann geht es ab auf die Straße! Wir stehen gefühlte 2 Minuten am Straßenrand, als das 1. Auto für uns anhält. Mit nimmt es uns nicht – aber die Fahrerin gibt uns den wertvollen Hinweis, dass wir mit unserem Schild „Nord“ an der Ausfallstraße Richtung Süden wahrscheinlich nicht viel Glück haben werden. Huch! Wir wechseln rasch den Standort und schon klappt es.

Eine Nacht im Zelt und 4 Mitfahrgelegenheiten später kommen wir gegen Mittag des nächsten Tages am Scott’s Point an. Der Weg hierher führt über den 90 Miles Beach. Genau – über den Strand. Der 88 Kilometer lange Strand ist sogar offiziell als Straße verzeichnet. Der coole Telefontechniker, der an diesem Tag geschäftlich ins hohe Nordland muss und uns zur Gesellschaft auf die zweistündige Fahrt mitnimmt, fährt zu unserem Glück lieber den Strand entlang als über den Highway zu kurven. So kommen wir ganz umsonst zu diesem Vergnügen. (Preis für eine dementsprechende Tagestour im Allrad-Bus: ca. 100 NZ$!) Die Fahrt erinnert uns an die vielen Male, die wir mit unserem Lion King über die einsamen Strände Australien’s gebrettert sind. Ein Gefühl von purer Freiheit!

einfach wunderschön - der hohe Norden Neuseelands

Vom Scotts Point aus wandern wir in umgekehrter Richtung die 1. Tagesetappe des Te Araroa Trails zum Cape Reinga. Blöd nur: auf den letzten Kilometern der Fahrt fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Bis wir ausgestiegen sind und unsere Regenjacken übergezogen haben, sind wir eigentlich schon klatschnass ….aber frohgemuten Wanderern kann so ein kleiner Regenschauer ja nichts anhaben. Also auf geht’s! Wir laufen auf matschigen Wegen die trotz Regen wunderschöne Küste entlang, bewundern die hohen Sanddünen Te Paki´s und schlittern über vor langer Zeit zu Fels gewordene Lava. Das letzte Teilstück führt uns über steile Felsen in der Brandung – eigentlich ist dieser Weg nur für Ebbe gedacht und wir holen uns in der steigenden Flut von den gegen die Felsen klatschende Wellen unter heftigem Herzklopfen gleich mehrfach nasse Füße. Am Ende des Küstenabschnittes finden wir eine schöne Bucht mit weichem Gras. Wir schlagen unser Zelt auf und springen in der Abenddämmerung noch kurz ins Meer. Die steilen Klippen der Nordspitze Neuseelands können wir schon erkennen. Unser Zelt beweist sich in dieser Nacht als wasserdicht.

Nur noch eine halbe Stunde steiler Aufstieg am nächsten Morgen, dann stehen wir am nördlichsten Punkt Neuseelands. Cape Reinga! Blütenweiss hebt sich der kleine Leuchtturm vor dem blauen Himmel ab. Schon seit Jahrhunderten weist er Seefahrern den Weg. Für die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, ist das Kap ein heiliger Ort. Von hier aus treten die Seelen ihrer Verstorbenen die Reise in eine andere Welt an. Tief unter uns treffen zwei Ozeane tosend aufeinander! Wo die Strömungen von Pazifik und Tasman Sea aufeinander brechen, entsteht eine weissschäumende, wilde Brandung. Wir schauen in alle Richtungen und genießen eine Weile die friedliche Stimmung an diesem besonderen Ort. So früh am Morgen sind noch nicht viele Besucher hier.

Damit haben wir Neuseeland’s nördlichsten Punkt 1,5 Tage nach unserem Aufbruch in Auckland erreicht. Die 442 Kilometer hätten wir auch mit einem eigenen Transportmittel kaum schneller zurücklegen können. Und zurück sollte es sogar noch zügiger gehen: bis nach Kataia nimmt uns der Holländer Mink mit, der statt in Europa zu studieren lieber 2 Jahre als Matrose durch die Südsee gesegelt ist und nun mit seinem VW-Bus durch Neuseeland zieht und eine Kitesurflehrer-Ausbildung absolviert. Philosophischen Gesprächen über den Sinn des Reisen und des Lebens sollten schon bei unserem nächsten Lift emotionsgeladene Diskussionen über Glauben, Religion und Moral folgen. Wir erwischen Mornie und seine Tochter, die uns noch am selben Nachmittag bis südlich von Auckland bringen. Länger als 4 Stunden sitzen wir zusammen im Auto. Aus der seltsam intimen Situation heraus, mit eigentlich fremden Menschen mehrere Stunden auf engem Raum zu verbringen, kann ein Phänomen entstehen, das wir in diesen Wochen noch häufiger erleben: den üblichen Smalltalk abgehakt, entwickeln sich die Unterhaltungen oft von aktuellen politischen Themen über Träume und Einstellungen der Individuen hin zu anderen sehr persönliche Themen. Dabei muss man sich nicht einig sein, schließlich kennt man sich kaum – vielleicht ist genau das ein Punkt, warum wir auf den Fahrten oft überraschend tiefe Gespräche führen. Als wir an diesem Abend an der Autobahn-Tankstelle aussteigen, sind die beiden keine Fremden mehr. Mornie lädt uns noch auf einen Kaffee ein und wir tauschen unsere Telefonnummern aus (eine gute Entscheidung, denn wie wir wenige Minuten nach seiner Weiterfahrt merken, vergaß er seine Kreditkarte auf der Theke).

Von hier nehmen uns 3 junge Kiwis auf dem Rückweg von einem Footballspiel mit bis an die Abzweigung zur Halbinsel Coromandel. Als wir aussteigen, wird es schon dunkel. Weiter kommen wir heute nicht mehr. Bei Nacht wollen wir nicht trampen. Also klettern wir über einen Weidezaun und finden auf dem Gipfel eines Hügels einen idealen Zeltplatz. In dieser Nacht zählen wir Sternschnuppen und schlafen irgendwo im Nirgendwo unter dem funkelnden Sternenhimmel. Früh am nächsten Morgen ziehen wir weiter.

HErr der Ringe trifft auf die Chroniken von Narnia

Eine halbe Stunde Fahrt aufgeteilt auf 2 Mitfahrgelegenheiten später stehen wir in Thames, dem Hauptort der Peninsula. Hier frühstücken wir erstmal ausgiebig, nutzen das öffentliche WLan und informieren uns im Info-Center über verschiedene Wanderungen. Mit 2 weiteren Lifts erreichen wir am frühen Nachmittag den Nationalpark im Kauaeranga Valley, Startpunkt unserer zweiten Wanderung. 2 Tage lang laufen wir auf dem Waiotahi Track über eine dicht bewaldete Bergkette. Die Nacht verbringen wir in einer Wanderhütte des DOC. Ganz für uns allein haben wir die gemütliche Holzhütte mit Kachelofen. Dank diesem wird uns trotz der eiskalten Eimerdusche im Freien auch schnell wieder warm. „Highlights“ dieser Wanderung sind im wahrsten Sinne des Wortes die bis zu 60 Meter hohen Kauri-Bäume, von denen hier im Inneren der Coromandel noch eine Handvoll stehen. Diese Baumriesen gehören zu den höchsten Baumarten der Welt und vor der Besiedlung Neuseelands durch die Europäer waren die Wälder der neuseeländischen Nordinsel dicht mit diesen Giganten bewachsen. Bis zu 500 Jahre zählen die ältesten dieser Bäume – allein der Gedanke daran, was diese hölzernen Greise alles erzählen könnten…! Herr der Ringe lässt grüßen!

Bei unserer Ankunft an der Westküste am nächsten Nachmittag gönnen wir uns erstmal ein großes Eis zur Belohnung für unseren zweitägigen Gewaltmarsch durch viel Matsch, aber leider mit nur wenig Aussicht. Kurz darauf hält schon das erste von 4 Autos an, die uns noch am selben Nachmittag an die Ostküste bringen sollten. Hier schlüpfen wir nach einer weiteren Nacht im Zelt frühmorgens trotz Muskelkater wieder in unsere Wanderschuhe. Wir wollen noch vor den ersten Tagestouristen in der Cathedral Cove sein. Diese fotogene Felsgrotte ist aufgrund ihrer Verwendung als Drehort in diversen Filmen (darunter „Die Chroniken von Narnia“) ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Im Anschluss entspannen wir uns bei einem wohltuenden Bad in den heißen Thermalquellen des nahen Hot Water Strandes – nachdem wir uns den Pool dafür erst selbst ausgebuddelt haben. 😀

Mehrere kurze Mitfahrgelegenheiten später sitzen wir am Spätnachmittag schließlich bei Peter im Auto. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns so gut, dass er uns einlädt, bei ihm auf seiner Avocado- und Kiwifarm zu übernachten. Da sagen wir natürlich nicht nein 😀 Leider sind beide Obstsorten noch nicht reif – dafür hängen an seinem Pflaumenbaum neben dem Teich die leckersten Zwetschgen, die wir je naschen durften. Am nächsten Morgen bringt uns Peter sogar noch weiter in die nächste Stadt. Hier steigen wir bei Marcus ein, einem sehr sympathischen jungen Life-Coach (=Lebensberater) maorischer Abstammung. Er nimmt uns bis nach Tauranga mit. Von dort geht’s mit Damien im Familien-Bus nach Rotorua. Unsere Erzählung von unseren Wanderungen durch Neuseeland veranlassen Damien dazu, an diesem Nachmittag mit seinen Kindern ebenfalls wandern zu gehen. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei ihm zuhause und im Kindergarten, wo wir seine Töchter abholen, fährt er uns direkt zum Stadtpark. Kaum dort angekommen, steigt uns auch schon das für Rotorua typische G’schmäckle in die Nase: der Gestank nach faulen Eiern. Es stinkt nach Schwefel, im Park blubbern alle paar Meter heiße Quellen und Dampfschwaden steigen aus dem Boden auf.

ROTORUA – DIE CHEMIEKÜCHE NEUSEELANDS

Wir erkunden die kleine Stadt, essen auf dem Nachtmarkt deutsche Currywurst & Thüringer und baden in heißen Thermalpools. Mit Einbruch der Dunkelheit schlagen wir wieder unser Zelt auf…neben einem idyllischen Teich im Park. – Ja, wir haben tatsächlich mitten im Stadtpark von Rotorua gecampt! Denn zwar sind rund um den Park Dutzende „Hunde verboten„-Schilder aufgestellt, aber vom Zelten ist nirgendwo die Rede. Und es hat in der Tat niemanden gestört.

Ach – ihr fragt Euch, warum es in Rotorua nach Schwefel stinkt und kochendes Wasser aus dem Boden sprudelt? Diesem Rätsel sind wir am nächsten Morgen im nur wenige Kilometer entfernten Wai-O-Tapu Thermal Wonderland auf die Spur gegangen. Allerdings brauchen wir für die kurze Strecke dorthin bedeutend länger als gedacht! Zum allerersten Mal stehen wir länger als 1 Stunde an der Straße, bis jemand für uns anhält. Dadurch verpassen wir leider den Ausbruch des Lady Knox Geysirs, der seit fast 100 Jahren jeden Morgen pünktlich um 11 Uhr Wasser speiht.

Aber auch ohne den Geysir-Ausbruch gibt es im Wai-O-Taupo Thermal Wonderland (was auf Maori „heilige Wasser“ bedeutet) jede Menge natürlicher Phänomene zu bestaunen: da gibt es den blubbernden Champagnerpool, neongrüne und beißend gelbe Teiche, ätzende Wasserfälle und die schillernde Malerpalette. Dass all diese natürlichen Besonderheiten gerade hier auftreten, ist kein unerklärlicher Zufall. Neuseeland liegt auf dem sog. „Ring of Fire“, einem Spalt zwischen den tektonischen Kontinentalplatten. Als Resultat entstanden u.a. zahlreiche Vulkane entlang dieses Risses. In der Gegend um Rotorua ist die Geothermie besonders hoch und die Erdkruste besonders dünn. Wer da nicht auf den gekennzeichneten Wegen bleibt, verbrennt sich schnell die Füße! 😉

Der Park ist auch bei Tourgruppen sehr beliebt. Wenn man wie wir die große Runde läuft, hat man die meisten Touristen aber recht bald hinter sich gelassen und kann abseits der beliebten Selfie-Spots die natürlichen Wunder des Parks in aller Ruhe bewundern. Auch bei den sehr interessanten Info-Talks der Parkwächter zu Flora & Fauna herrscht überraschend wenig Andrang.

Artist´s Palette

Im Anschluss an unseren Park-Besuch trampen wir weiter an den See Taupo. Hierhin nimmt uns Ivan mit, der von Südafrika nach Neuseeland ausgewandert ist. Mit ihm verstehen wir uns so gut, dass er uns am Ende der Fahrt die Adresse seines Bruders gibt für eine freie Unterkunft in Südafrika. In Taupo selbst hat es uns viel zu viele andere deutsche Backpacker 😉 Egal, wo wir uns hinsetzen, überall hören wir deutsche Stimmen um uns herum. Andere Deutsche zu treffen kann nett – manchmal auch richtig toll sein – aber in zu großer Dosis am anderen Ende der Welt kann es auch nerven. So wie an diesem Nachmittag. Daher beschließen wir, direkt noch etwas weiter zu ziehen. Schließlich haben wir alles dabei, was wir brauchen.

Wir warten zum zweiten Mal an diesem Tag sehr lange… Heute ist der Wurm drin! Schließlich nimmt uns der Spanier Oscar in seinem Wohnmobil mit. …und warum das ein richtiger Glücksgriff ist, erzählen wir Euch im nächsten Bericht!

Das Wai-O-Taupo Thermal Wonderland durften wir auf Einladung von Wai-O-Taupo Thermal Wonderland besuchen. Unsere Meinung dazu entspricht unabhängig davon unserer persönlichen Erfahrung.

Hier lang für noch mehr von UnS!schliessen
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