Von Gletscherzungen, Pfannkuchen aus Stein und schlechten Autofahrern – Per Anhalter durch Neuseeland Part 2

Nach unserem dreitägigen Abel Tasman Coast Track wollen wir wieder etwas Strecke machen. Die Westküste der neuseeländischen Südinsel ist dünn besiedelt und wir haben nur wenige Stopps geplant. Die meiste Zeit sind wir auf der Straße unterwegs – und das erleben wir so (es folgen Tagebucheinträge aus unserer beider Tagebücher. Könnt ihr erahnen, welche Tagebuchauszüge aus wessen Tagebuch stammen? Wenn ja, schreibt uns doch Eure Vermutungen in die Kommentare!):

Sonntag, 21. Februar 2016:
“…Lift von Immobilienmaklerin nach Kaiteriteri. Dort duschen. Lift von Margaret und Tochter Holly bis Richmond. Sehr nett. Von Richmond nach Wakefield Lift von Einarmigem. Fiel uns erst beim Aussteigen auf, als er den Kofferraum öffnete. Hier treffen nach uns noch 4 (!) andere Tramper ein. Wir stehen alle im Abstand von ca. 200 Metern und warten…und warten…nach ca. 30 Minuten nimmt ein junger Mann (Pilot, unsympathische Augen) uns und das französische Mädel Anne mit bis Morchison. Hier essen wir eine Kleinigkeit in Neuseelands selbsternanntem “Best country Pub“. Füllen unsere Wasserflaschen auf, kaufen kurz ein. Laufen aus dem Ort raus und trampen weiter. Luisa & Lea, 18 bzw. 19 Jahre alt und aus Deutschland, nehmen uns in ihrem Campervan mit. Sie finden es toll, dass “man in DEM Alter auch noch reisen kann!” Wir fühlen uns schlagartig steinalt. Steigen irgendwo in der Pampa in der tollen Landschaft aus. Laufen noch ein gutes Stück, bis wir einen geeigneten Zeltplatz im Wald finden. In der Dunkelheit sehen wir Weckas im Gebüsch”

Lifts: 6 Gelaufen: ~ 13 km

Montag, 22. Februar 2016:
“Aufgewacht mit Bienen summen. Kaffee. Zurück auf die Straße. Das 2. Auto hält. Unternehmer nimmt uns mit bis Westport. Tolle Strecke durch Bullet Schlucht. Gleich weiter mit nettem Kiwi-Paar bis zu den Pfannkuchen-Felsen. Kurzer Rundweg. Von dort im Campervan mit deutschem Ehepaar aus Braunschweig bis nach Hokitika. Dort eingekauft. Weiter mit William aus Deutschland bis zum DOC-Zeltplatz vor’m Franz-Josef-Gletscher. Wir überlegen mal wieder, ob wir bleiben oder weiter gehen – wir bleiben, es ist schon 19.00 Uhr. Baden und Waschen im See Mapourika. Sehen direkt vor uns zwei 1,50 Meter lange Aale. Überall Deutsche auf dem Platz.”

Lifts: 4 Gelaufen: ~ 4 km

Dienstag, 23. Februar 2016:
“Heute gibt’s endlich mal wieder Porridge zum Frühstück. Lecker! 2 junge Aussies aus Sydney nehmen uns mit zum Franz-Josef-Gletscher. Fahren uns direkt bis zum Wanderparkplatz. Wilder Gletscherfluss und Blick auf die Gletscherzunge – leider bleibt es trotz dreistündigem Aufstieg auf den Alex-Knob-Track bei dieser ersten Sicht. Die Wolken verdichten sich und es zieht komplett zu. Quälen uns deshalb nicht noch 1 weitere Stunde zum Gipfel. Toller, abenteuerlicher Weg mit vielen Höhensteigen. Davor liefen wir noch zu 2 Spiegelseen. Sind um 17.00 Uhr wieder unten. Laufen zur Hauptstraße, hier nimmt uns ein vollbesetzter Tourbus mit zurück ins Dorf. Nett! Füllen unser Wasser auf. Lift von britischem Geschwisterpaar Meg & Jonny bis zum Gletscherdorf des Fox Gletschers. Laufen aus dem Dorf raus Richtung Lake Matheson. Ein einheimischer Helikopterpilot fährt uns die letzten Kilometer und bietet uns an, auf seinem Rasen zu zelten. Dürfen aber direkt beim See auf der Wiese hinter dem Souvenirshop unser Zelt aufschlagen. Haben sogar einen Tisch, yeah! Hören wie schon auf der heutigen Wanderung sehr viele Vögel, echt schön. Unzählige Sandflies und grooooße Moskitos. Echt nervig. Interview via Skype für das Stadtwerker-Magazin. Trinken Tee und verkriechen uns ins Zelt.”

Lifts: 3 Gelaufen: ~ 18 Kilometer

Mittwoch, 24. Februar 2016:
“Sicht ist leider nicht besser geworden. Kaffee & Porridge zum Frühstück. Es fängt an zu regnen. Lift aus Südtirol fährt uns bis zur Kreuzung des Fox Gletschers. Laufen ca. 3 km die Straße entlang, weil keiner anhält. Junges Paar aus Litauen nimmt uns mit bis Wanaka. Unterwegs 2 Wasserfälle und Seehundekolonie (keine gesehen) angeschaut. Der Typ kann nicht Auto fahren! In Wanaka am See entlang gelaufen. Gebadet, gewaschen und am See gevespert. Es windet. Wir schlagen unser Zelt etwas weg vom See in einem netten Park zwischen den Bäumen auf.”

Mit unserer Ankunft in Wanaka kehrten wir der Westküste auf dem Haast Pass den Rücken. Damit sind wir diese verhältnismäßig schnell in 3,5 Tagen hinunter gereist. Mit ein Grund war sicher das miese Wetter, das Gletscherbesteigungen und längere Wandertouren unattraktiv machte. Mit der Überquerung der Südlichen Alpen in Richtung Wanaka ändert sich aber auch das wieder: kaum fahren wir in tiefere Lagen und hinein in den dahinter liegenden Regenwald, steigt die Temperatur direkt ein paar Grade an und die Sonne bricht durch. So erwarten uns nach schroffen, trockenen Bergkuppen und eisblauen Gebirgsbächen in Wanaka dann ein traumhaftes Bergpanorama wie aus dem Bilderbuch.

vor dem Lake Wanaka

Kein Wunder, dass sich am gleichnamigen See Wanaka’s ganze Gruppen japanischer Touristen mit ihren Kameras tummeln und versuchen, diese Naturschönheit aus den besten Winkel unvergänglich auf Polaroid zu bannen. Trotzdem ist der kleine Ort ruhig und entspannt und wirkt weder künstlich noch überlaufen. Der ideale Ort für einen kleinen Zwischenstopp, bevor es für uns weiter in Neuseeland’s Outdoor- und Actionsport-Hauptstadt Queenstown geht.

….Und weil die Wanderung dorthin mit eines der Highlights unseres Neuseeland-Aufenthaltes ist, hat sie sich ihren eigenen Bericht verdient.