Mit dem Moped durch Südostasien – Unsere Katze erzählt Part 1

Erinnert ihr Euch noch? Von der laotischen Hauptstadt Vientiane sind wir Mitte Oktober über den Mekong zurück nach Thailand gefahren, um dort ein Moped zu suchen. Soweit der Stand im letzten Südostasien-Bericht aus Vang Vieng.

Zurück in Thailand werden wir noch am selben Tag in der Grenzstadt Nong Khai fündig. Nach einem Nachmittag Abfahren unzähliger Motorrad-Shops entdecken wir im Hinterhof einer Werkstatt einige Second Hand Maschinen zum Verkauf. Nachdem wir uns die verschiedenen Modelle von „sehr basic“ ‚a la erstes-Moped-mit-16 über „beliebt“ à la kultige-Honda-Win bis „luxuriös“ ‚a la asiatische-Familienkutsche-für 5-Personen angesehen haben, entschließen wir uns am nächsten Morgen direkt zum Kauf – aber wie das alles so war und was dann passiert, kann unsere Katze eigentlich viel besser erzählen!

UNSERE KATZE ERZÄHLT:

„Miau, Katze mein Name. Nicht Katze wie Stubenmieze, sondern Katze wie Wildtiger. Ich bin nämlich ein reinrassiges Moped der Marke Kawasaki, Modell 112 cc „Kaze“ mit semi-automatischem Kraftstrang auf der Hinterhand. Und mit Charakter. Nachdem das geklärt ist, will ich Euch mal verklickern, wie das so war, damals im Oktober 2014 im tiefen Isaan in Thailand. Alsooooo….

Ich dachte mir, ich spinne. Da steh ich hier nun schon fast 2 Jahre dösend im Halbdunkeln des Hinterhofs dieses Shops, in den mich mein Alter verkauft hat, als plötzlich dieses deutsche Backpacker-Pärchen mit den verwuschelten Haaren hier aufkreuzt und jede Menge Tumult reinbringt. Die versteht ja auch keiner. Nicht ein Wörtchen Thai sprechen die. Es ist ja nicht so, dass das hier Bangkok ist, wo jeder ein paar Brocken Englisch spricht. Das ist die tiefste, untouristischste Provinz Thailands hier, man.

Und die beiden wussten überhaupt nicht, was sie wollen. Nur günstig, das soll es sein. Und möglichst fahrbereit. Den Dicken neben mir, auf den die zwei mit ihren mitteleuropäischen Wohlstandshintern locker beide draufpassen, der sich aber auch nicht unter Wert verkauft, schauen sie sich lange an. Fahren ihn Probe. Genauso wie den Zwerg auf meiner anderen Seite, der für ´nen Appl und ´n Ei schonmal den Besitzer wechseln würde. Und der große, ich nenne ihn Uli den Lenker, schaut sich beide ganz genau von unten bis oben an. Sieht so aus, als ob der was davon versteht. Jedenfalls stellt er meinen Zwillingskumpel gleich wieder weg, als er merkt, dass er hinten plattfüßig ist. Als seine Freundin, ich nenne sie Biene die Sozius, auch noch mosert dass sie ihre Füße bei meinem Zwilling und mir nicht ausstrecken kann, ist der Fall für mich erledigt. Ich lass die beiden noch stundenlang weiter überlegen und hör gar nicht mehr hin, bis der Laden dicht macht.

Umso überraschter bin ich, als die beiden am nächsten Morgen wieder auf der Matte stehen. Und verkünden, sie hätten nochmal eine Nacht darüber geschlafen und wollen mich jetzt mitnehmen. Bitte was?! Klar, ich bin preis-leistungsmäßig große Klasse, aber hallo? Ich hab hier wohl gar nichts zu melden. Bei der Probefahrt zick´ ich also erstmal etwas rum, aber es hilft alles nichts. Uli der Lenker meint, dass er das schon alles hinbiegen kann. Na, das wollen wir ja mal sehen. Mit Händen und Füßen wird noch ein bisschen gehandelt, die beiden schlagen nagelneue Spiegel und einen Einkaufskorb für mich und einen farblich zu mir passenden Helm für sich raus und dann scheint mein Schicksal besiegelt. Noch während meine Haushälterin die Papiere umtragen lässt, werkelt Uli der Lenker schon an mir rum. Er prüft mich auf Herz und Nieren, verordnet mir als übervorsichtiger Deutscher eine Vorsorgeuntersuchung, zieht meine lockeren Schrauben nach und verpasst mir zu guter Letzt sogar noch einen Gepäckträger. Sieht gar nicht so schlecht aus. Auch die überlangen Fußpedale, die ich krieg, damit Biene ihre Hax´n bequem ausstrecken kann, machen was her.

Ich glaube fast, mit den beiden kann ich noch ´ne Menge Spaß haben. Als sie später allerdings mit ihrem gesamten Krempel ankommen, glaub´ ich eher, dass sie doch ´ne kleine Meise haben. Ich bin schließlich kein Lastesel. Wie soll ich die beiden, deren zwei 20 kg-Rucksäcke, ihren 5 kg Tagesrucksack samt Kleinkram bitteschön vom Fleck kriegen? Aber ich wäre schließlich keine Kawasaki, wenn ich das nicht mit links schultern würde. Ein großer Rucksack zwischen den Beinen von Uli dem Lenker, der andere auf dem Gepäckträger hinten, das Ersatzrad drunter (ich sag´s ja – übervorsichtige Deutsche) und den Tagesrucksack obendrauf – so hat Biene die Sozius und Fotografin beide Hände frei und sogar eine Rückenlehne zum anlehnen. Der Kleinkram wird im Einkaufskorb vorne verstaut.

Und dann wird´s spannend. Den ganzen Tag jagen mich die zwei über den Highway Richtung Osten, übernachtet wird im kleinen UNESCO Weltkulturerbe Dorf Ban Xai, in dem vor einigen Jahren uralte Werkzeuge von irgendwelchen Urmenschen gefunden wurden. Naja, Menschkram halt.
Dann geht´s weiter Richtung Osten. Mir schwant Böses – und ich sollte Recht behalten: Wir rasen geradewegs auf eine der 5 Freundschaftsbrücken der thai-laotischen Grenze zu. Ich hab´mich echt gefragt, ob die beiden wissen, was sie da tun. Denn die Brücken sind für Zweiräder tabu. Wie sich herausstellt, wissen die 2 das schon – und schicken mich auf gut Glück trotzdem mal auf die Brücke. Ich sag´s Euch – diese beiden! Ich stell mich also in bester Manier vor den thailändischen Grenzbeamten. Uli hält sich dezent im Hintergrund, während Biene als meine Besitzerin ihr Glück versucht und ganz überraschend erfährt, dass Zweiräder gar nicht auf die Brücke dürfen? Ach was?! Also fragt sie mal ganz nett den Beamten, ob es nicht vielleicht doch eine Möglichkeit gäbe, ausnahmsweise…?! Und es klappt. Der Grenzbeamte willigt schließlich ein, uns über die Brücke zu lassen. An ihnen läge es ja nicht. Und sollten wir auf laotischer Seite nicht einreisen dürfen, dürfen wir auch wieder über die Brücke zurückkommen. Aber soweit kommt´s noch. Ich bekomme mein 30-Tage-Visum, beim Zoll hat auch alles seine Ordnung und dann lässt uns der Grenzbeamte durch die einzige Fahrbahnspur fahren, die nicht kamera überwacht ist 😀 Die Auch die Einreise auf der anderen Seite des Mekongs ist auch überraschend einfach: wenn wir jetzt schon mal da sind, können wir ja auch reinkommen. Ohne einen einzigen Cent Schmiergeld. Das hätten die 2 nicht gedacht.

Vielleicht bin ich damit das erste Motorrad, dass über diese Freundschaftsbrücke gefahren wurde 😀 Jedenfalls bin ich das erste Mal im Ausland und die zwei stecken mich mit ihrer Freude richtig an. Laos! Mensch, wer hätte das vor 2 Tagen schon gedacht, dass ich als wasserscheue Katze mal noch den Sprung über den Mekong schaffe und Thailand von außen sehe.

Vor Aufregung hab´ ich doch glatt eine dicke Wimper im Auge und kann mein vorderes Licht nicht mehr richtig kontrollieren. In vollkommener Dunkelheit geht es so in die 10 km entfernte Stadt Takhek. Da wird es den zwei oben drauf doch auch mal ein bisschen mulmig. Ohne Licht im Dunkeln von riesigen Lastern überholt zu werden macht denen wohl keinen Spaß. Die Fahrt auf der holprigen Buckelpiste – immerhin die Hauptverkehrsstraße des Landes von Nord nach Süd – sollte schon ein Vorgeschmack auf die Rumpelpisten der nächsten Wochen sein. Hätte ich gewusst, auf welche Straßen mich die zwei in diesem Land noch schicken würden, hätt´ ich ´mich vielleicht nicht so gefreut. Aber so bin ich noch gespannt auf die erste richtige Fahrt mit den beiden. Die Häuseransammlung Takhek ist nicht gerade ein gemütliches Plätzchen und so mach ich den 2 Feuer unter dem Hintern, damit wir am nächsten Morgen auch gleich zur Tour über das laotische Zentralplateau aufbrechen.

Los geht’s das erste Stück über die flache Ebene, zwischen Karstgebirgen durch und vorbei an den ersten Höhlen, in die die zwei eigentlich reinklettern wollten. Tja, wenn ich erstmal renne halte ich so schnell nicht mehr an. Und Schilder lesen müssten die beiden schon selbst. Die Landschaft ist auch so schön genug und ohne unnötigen Unterbrechungen kommen wir so schon gegen Mittag am Stausee an. Hier wurde vor ein paar Jahren ein nicht unumstrittener Stausee angelegt, um ein Wasserkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Dafür mussten über 1.000 Anwohner umgesiedelt werden, weil die existierenden Dörfer einfach geflutet wurden. In einem Land, in dem gefahrlos nutzbarer Boden eine Rarität ist, menschenrechtlich sehr schwierig. Rechtzeitig zur Mittagspause des eigentlich zur Besichtigung offenen Werkes sind wir an der Staumauer. Also wird auch aus dem Sightseeing-Programmpunkt nichts und wir düsen weiter. Am Stausee finden wir ein gemütliches Guesthouse und die zwei bestellen sich was zu knabbern. Das Sabaidee Guesthouse mit direktem Blick auf´s Wasser ist so gemütlich, dass die beiden doch glatt ein Mittagsschläfchen dranhängen und beschließen, heute nicht mehr weiterzufahren sondern sich für 5 € in einen der einfachen Holzbungalows mit Hängematte und direktem Seeblick einzumieten. Na, mir soll´s recht sein. Während ich mich in der Mittagshitze räkle, liegen die beiden in der Hängematte und erkunden die Umgebung zu Fuß. Abends sitzen sie mit den einzigen anderen Gästen, einem englischen Pärchen auf Asienreise, am Lagerfeuer und tauschen Reisegeschichten aus. Und einen Sternenhimmel gibt es hier, man o man. Keine störenden Lichter weit und breit lassen tausende Lichter am Firmament funkeln und die ein oder andere Sternschnuppe ist auch dabei. Biene kommt kaum ins Bett vor lauter glotzen.

Am nächsten Morgen geht´s trotzdem schon um 5:00 Uhr zum spektakulären Sonnenaufgang raus. Die 2. Etappe führt laut Loose über schlechte, unasphaltierte Straßen und die nächste Ortschaft ist erst nach 4 Stunden zu erwarten. Dort wollen die zwei vor der Mittagshitze ankommen. Und echt, die Straßen sind mies bzw noch gar nicht vorhanden, da erst noch im Bau. Zum Glück ist Uli der Lenker so ein passabler Fahrer. Ohne Sturz passieren wir so auch das steilste Stück, eine hügelige Sandpiste und schleichen vorbei an staubenden LKWs und eingegrabenen Wassergräben. Die nächste Ortschaft kündigt sich wie üblich mit winkenden Kindern in Schuluniform auf Fahrrädern und großen Staubwolken an. Eine Besonderheit ist der Affe, der angeleint vor einem Haus sitzt. Ein Wachaffe? Hier biegen wir nach Westen ab und düsen 2 weitere Stunden entlang durch ein herrliches Tal mit goldgelben Kornfeldern und grünen Wiesen, das von Karstbergen eingegrenzt ist.

Dann erreichen wir eins der großen touristischen Highlights von Laos: die Konglor Höhle. Für mich heißt das: Pause. Ich stell mich in den Schatten. Die 2 werden im Ruderboot über den Fluss zum Höhleneingang gerudert. Später erzählen sie, dass sie dort ihren Guide getroffen haben und ins nächste Boot gestiegen sind. Die Konglor Höhle wird auf 8 km von einem Fluss durchhöhlt und kann nur vom Boot aus erkundet werden. Sie ist eine der spektakulärsten Höhlen von Laos. Mit dem Motorboot geht es in rasanter Fahrt und in fast vollkommener Dunkelheit in den Höhlenschlund. Schnell ist es stockfinster und der Käpt´n orientiert sich im Zickzack-Kurs nur per Taschenlampe an Felsenmarkern, damit das Boot nicht an den spitzen Felsen schrofft. Zum Glück haben Biene & Uli ihre eigene Taschenlampe dabei, sonst wäre nicht viel zu sehen gewesen von den beeindruckenden Formationen im Felsenlabyrinth. Nach einigen Stromschnellen steigen sie in der Mitte der Höhle aus. Hier geht es zu Fuß über die Sandsteinfelsen an einer Seite der Höhle. Zu sehen gibt es toll geformte Stalagniten und Stalaktiten in verschiedenen Formen. Zu sehen sind sie wirklich, denn dieser Teil der Höhle wird per Lichtschalter mit Strahlern ausgeleuchtet.

Drumrum nehmen wir dem Tag an Wetter alles mit, was Petrus zu bieten hat: ein wunderschöner, wolkenloser Sonnenaufgang, auf einen Schlag wolkenverhangenen Himmel mit Nebel, gleißend heiße Mittagssonne, Windböen, Sommergewitter mit Platzregen, dramatisches Abendlicht. Bevor wir an Übernachtungsstopp ankommen, wird es mal wieder Nacht. Das mit dem Timing haben die zwei noch nicht so raus. Über die stockdunkle Schotterstraße geht es vorbei an unbeleuchteten Kühen, Mopeds und Traktoren zum Glück heil in den nächsten Ort Kong Kham.

Der dritte Tag der Tour kann landschaftlich mit den ersten beiden nicht mithalten. Auf dem Highway Nr. 13 (= wieder die schlechteste Hauptverkehrsstraße eines Landes) geht es nach einem steilen Anstieg mit noch toller Aussicht über das Hochplateau schnurgerade und wenig spektakulär zurück nach Takhek. Skurriles Highlight auf dem Weg: eine an einem Seil 1 Meter über die Straße baumelnde tote Ratte. Schlangenfänger? Oder Verkaufswerbung?
In Takhek holen wir die großen Rucksäcke der beiden im Hostel ab, wo wir sie während der Tour zwischen geparkt haben. Zwar war mein bewachter Parkplatz ganz nett, aber die Zimmer der Travel Lodge waren genau wie Takhek selbst wohl etwas ungemütlich. Deshalb wollen die zwei gleich weiter fahren. An mir soll´s nicht liegen. Aber dass mir nachher keiner jammert, dass das Sitzfleisch schmerzt.

Biene die Navigatorin sucht uns als Alternative zum Highway 13 ein kleines Sträßchen am Mekong entlang raus. Durch kleine Dörfer geht es schön entspannt Richtung Süden. Am nächsten Tag ist es mit der Entspannung vorbei. Dort erwartet mich ein Abenteuer mit den beiden, dass ich mir so nie hätte träumen lassen! Ich hab es ja schon am Anfang vermutet – ein bisschen verrückt sind die zwei auf jeden Fall… Ich sag´nur: Der Dschungel ruft!