Vang Vieng – hat hier jemand P A R T Y gerufen?!

Die Fahrt von Luang Prabang nach Vang Vieng bestärkt uns noch in unserem Wunsch, uns einen eigenen fahrbaren Untersatz zuzulegen. Denn auch für den von uns ausnahmsweise gebuchten Touristen-Minibus gilt dasselbe wir für alle öffentlichen Verkehrsmittel: Abfahrt ist, wenn der Bus bis auf den letzten Platz gefüllt ist! Für uns heißt das: 1 Stunde zusätzliche Fahrt durch die Straßen Luang Prabangs, da noch 2 Plätze frei sind. Etwas genervt erreichen wir so erst nach 4 Stunden das eigentlich nur 2 Stunden entfernt liegende Vang Vieng.

Hier angekommen, ergreift aber schon bald der tiefenentspannte „Vibe“ von uns Besitz, der über dem ganzen Ort liegt und alle Reisenden tagsüber entweder in Feierlaune oder in einen halbkomatösen Dämmerschlaf zu versetzen scheint.

Vang Vieng hat sich vor einigen Jahren hauptsächlich durch eine Aktivität einen festen Stammplatz auf dem „Banana-Pancake-Trail“ der Backpacker durch Südostasien gesichert: TUBING. Dabei lässt man sich in einem alten LKW-Reifen sitzend mit der Strömung den Fluss hinunter treiben. (Als Biene vor knapp 8 Jahren auf der anderen Seite des Globus´ das erste Mal von Vang Vieng hörte, machte es gerade als Geheimtipp unter alteingesessenen Backpackern die Runde. Da war noch nicht zu ahnen, wie sich das ganze in den kommenden Jahren entwickeln sollte. Bis wir jetzt in 2014 hier ankamen, hatte sich der Hype um Vang Vieng schon selbst überholt.) Denn gleichzeitig hat es sich mit über 20 Uferbars auf einem Abschnitt von knapp 2 Kilometern einen Ruf als Party- und Drogenhochburg gemacht. An jeder Bar konnten sich die dahintreibenden Feierwütigen per Leine an Land ziehen lassen, es gab Schaukeln, Partypodeste und Rutschen für bunten Wasserspaß, wummernde Bässe dröhnten aus den zahlreichen Lautsprechern, massenweise Eimer mit alkoholischen Mixgetränken sowie Marihuana, Opium und Magic Mushrooms fanden sich auf jeder Menuekarte und Kleidung war optional.
Zusammen ergab sich eine Mischung, die uns Deutschen auch bekannt ist als 17. Bundesland auf einer Insel im Mittelmeer. Vang Vieng mauserte sich zum Ballermann Südostasiens, auf einer Ebene mit der Full Moon Party in Koh Phangan.
Die Kombination aus billigen Alkohol, tropischer Hitze, Wassersport und der gefühlten Freiheit, ganz weit weg von zuhause die Party seines Lebens zu feiern, hatte sich für viele jedoch zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit verwandelt. Jedes Jahr starben Menschen und Verletzungen wie Knochenbrüche und Platzwunden waren an der Tagesordnung. 2012 schob die laotische Regierung dem bunten Treiben schließlich einen Riegel vor. Über Nacht mussten alle Uferbars geschlossen werden, sämtliche Wasserbauten wurden abgerissen und strikte Sperrstunden verhängt. Die Folge: die Einnahmen aus dem Tourismus gingen um 70% zurück. Vang Vieng, das wirklich traumhaft gelegen und von Karstbergen umgeben ist und in der nahen Umgebung mit zahlreichen Höhlen, Flüssen und Seen aufwarten kann, versuchte sich verstärkt als Destination für Eco- und Aktivtourismus zu vermarkten.

2 Jahre nach dem radikalen Showdown scheint der Partytourismus nach unserem Eindruck langsam wieder zuzunehmen. In reguliertem Rahmen: Abwechselnd dürfen nur noch 3 Bars entlang des Tubing-Flussabschnitts geöffnet haben, die Tubes müssen spätestens um 18 Uhr wieder abgegeben werden, Drogen sind offiziell streng verboten -wundersamerweise aber trotzdem auf den meisten Speisekarten zu finden- und überall stehen Schilder, die auf korrekte Kleidung und Verhaltensweisen verweisen. Und die großen Massen an Party-Backpackern sind nicht mehr hier. Das schlägt sich vor allen in günstigen Übernachtungspreisen und Freigetränken zur Happy Hour in den verschiedenen Bars im Ort wieder.
So finden wir Vang Vieng also vor. Wir finden auch schnell ein nettes, günstiges Hostel. Wie die meisten Restaurants und Hostels gibt es auch hier die obligatorischen Lounge, in der von morgens bis abends die Serie „Friends“ in Dauerschleife läuft und man sich auf gemütlichen Liegeflächen davor stundenlang unterhalten lassen kann.

Am Tag unserer Anreise findet die wöchentliche Dschungel-Party statt und gleich am ersten Abend stellen wir fest, dass man in Vang Vieng gut feiern kann, ohne viel Geld auszugeben – durch die zahlreichen Happy Hours in den verschiedenen Bars ist es möglich, von 20 Uhr bis 23 Uhr zu feiern ohne einen einzigen Cent für Getränke auszugeben. Als Backpacker durchaus nicht zu verachten 😀

Wir lernen andere Reisende kennen und verbringen gemeinsam einige lustige Nächte in den Bars im Ort. Unter anderem treffen wir die beiden Münchner Steffi & Christo, die seit dem Sommer für 15 Monate ebenfalls auf großer Reise um die Welt sind. Die beiden haben wie wir einen tollen Reiseblog, auf dem sie von ihren spannenden Erlebnissen berichten – und diesen bislang aktueller halten als wir 😉
Schaut doch mal bei den Abenteuern der Zwei rein: www.join-our-journey.com

Natürlich gehen wir auch einen Tag tuben. Wir lassen uns von der gemächlichen Strömung treiben und bei den Uferbars mit Seilen an Land ziehen. In den Bars gibt es nach wie vor Partypodeste, Beer Pong, Trinkspiele, laute Musik und günstige Eimer. Die Stimmung ist gut & es wird ausgelassen gefeiert. Skandale, gefährliche Situationen oder unangebrachtes Verhalten erleben und beobachten wir keine.

Wie klein die Welt doch ist, entdecken wir wieder einmal, als wir hier Jessica aus Pforzheim-Huchenfeld kennen lernen. Wir erkunden noch einige der Höhlen in der Umgebung Vang Viengs und planschen in der wunderschönen Blue Lagune.

Als wir schließlich weiterziehen, haben wir zum Glück eine attraktive Alternative zur Busfahrt in die Hauptstadt nach Vientiane gefunden: Wir reisen auf dem Fluss weiter. Nicht etwa mit dem Boot – nein, wir paddeln selbst! Gemeinsam mit Steffi & Christo, Jessica und 4 anderen Reisenden legen wir die Strecke im Kayak zurück und verbringen nochmal einen lustigen Tag zusammen, bevor in Vientiane unsere Wege wieder auseinander laufen.

Wir statten der wohl entspanntesten Großstadt Asiens, die den Eindruck macht als ob sie viel lieber eine Kleinstadt als Hauptstadt eines Landes wäre (was sie zumindest mit chinesischen Maßstäben mit ihren knapp 400.000 Einwohnern auch ist) nur einen kurzen Besuch ab. Zwar gäbe es auch hier zahlreiche wunderschöne Tempel zu besichtigen, allerdings lassen wir diese bei unserem Besuch links liegen und gehen gleich wieder auf die Suche nach einem Motorrad. Nachdem wir auch hier nicht fündig werden, fahren wir nach 2 Tagen kurzerhand über die Freundschaftsbrücke bei Vientiane mit dem Bus zurück nach Thailand. So schnell geben wir nicht auf!