Blue Mountains – Abstieg in Australien’s blaue Berge

Genau 2 Wochen nach unserer Ankunft in Sydney laden wir unser ganzes Gepäck in Lion King und ziehen aus dem netten Townhaus mit der gemütlichen Veranda um in unser goldfarbenes fahrbares Zuhause. Von unserer Vermieterin Gail verabschieden wir uns herzlich, wenn auch nur für kurze Zeit. Auf unserer Reise werden wir bald wieder nochmal nach Sydney kommen – der Grund dafür ist wieder eine andere Geschichte…!

Unser erstes Ziel ist der nur ca. 100 km von Sydney entfernte Blue Mountains Nationalpark. Schon kurz hinter den Vororten Sydneys ändert sich das Landschaftsbild: weitläufige Wiesen mit Rinderherden, große Farmen und Country Pubs säumen den Weg. Wir fahren die idyllische „Bells Line of Road“ entlang, die schönste Straße durch die Blauen Berge. Woher diese ihren Namen haben, sehen wir bei unserem ersten Stopp am Aussichtspunkt im Botanischen Garten von Mt. Tomah: Aus der Ferne betrachtet liegen die dichten Wälder der Hochebene in einem blauen Dunst. Dieser entsteht durch einen feinen Nebel an ätherischen Ölen, die die hier beheimateten Eukalyptusbäume abgeben.

 Spontan machen wir erst noch einen kleinen Abstecher in den Wollemi Nationalpark, der ebenfalls Teil des UNESCO Weltkulturerbe der Greater Blue Mountains ist. Hier ist unser Ziel ein alter Eisenbahntunnel, der seit seiner Stilllegung einer Glühwürmchenkolonie ein Zuhause gibt. Die 40 km Offroad-Piste dorthin sind eine erste Bewährungsprobe für unser Allradfahrzeug – die es gut meistert. Durch Pinienwald und Eukalyptushaine geht es immer tiefer in den Wald. Und wir sehen Kängurus! Gleich an unserem ersten Tag „im Busch“ springen sie vor uns über den sandigen Feldweg und grasen seelenruhig auf der Wiese daneben. Nach einer anschließenden halbstündigen Wanderung entlang der ersten Eisenbahnstrecke durch die bis dahin unpassierbaren Berge der „Great Mountain Range“ staunen wir, als wir in dem Tunnel in vollkommener Dunkelheit viele leuchtende Punkte entdecken. Sternenhimmel für drinnen 🙂

Travelnerd-Wissen: Bei den bläulich funkelnden Punkten handelt es sich natürlich nicht um Sterne, sondern um den leuchtende Larvenpopos. Die knipsen das Licht an um Insekten als Futter anzulocken, die dann in den davor gespannten Netzfäden kleben bleiben.

Unsere erste Nacht im Auto verbringen wir auf einem kostenlosen Rastplatz mitten im Wald. Und gleich kommt die große Zeltplane zum Einsatz und wir können testen, wie ausgereift unsere Regen-Taktik ist. Check, Grillen klappt auch bei Regen und Wind ! 🙂

30 Kilometer und einige Kämpfe von Biene mit Lion King´s störrischem Getriebe weiter erreichen wir Blackheath, die auf knapp 1.000 m höchstgelegene Stadt der Blue Mountains. Hier wird uns wieder vor Augen geführt, dass wir nicht mehr in Asien sind. Die touristische Infrastruktur ist vollständig erschlossen – am Ausgangspunkt unserer geplanten Wanderung erwartet uns ein großer Parkplatz, öffentliche Toiletten, überdachte Picknickhütten und ein Info-Zentrum mit kostenlosem Kartenmaterial, Auskünften und Infofilm. Dieser ist leider mehr Werbefilm als informativ oder interessant und so verlassen wir den extra für uns geöffneten Kinosaal und sehen uns die beeindruckende Natur lieber in live an. Zuerst bewundern wir die spektakuläre Aussicht vom Govett´s Leap Aussichtspunkt über das dicht mit Regenwald bewachsene Grose Valley. Eingerahmt von mehrere 100 Meter hohen steilen Klippen tosen Wasserfälle in die Tiefe und die Aussicht über die Schlucht ist sagenhaft! Wäre von irgendwoher ein Flugsaurier angeflogen gekommen, wir hätten uns wohl nur kurz gewundert. 🙂 Zu sehr sieht diese Landschaft aus wie urzeitliche Natur -(oder zumindest wie die Kulisse von Jurassic Park. 😉 )Dann geht es auf dem Govett´s Leap Trail in 2 Stunden entlang der senkrecht abfallenden Klippen zuerst hinunter und anschließend wieder hoch zu unserem Ziel, dem Evans Lookout. Bei guten 30 Grad kommen wir – auch ohne Treppen wie auf dem Huang Shan in China – ganz gut ins schwitzen 😉 Der Wanderweg direkt an den Klippen entlang liefert uns sensationelle Aussichten über die Schlucht, auf senkrechte moosbewachsene Gärten und auf die Wasserfälle.

Nach einem kurzen Abstecher zu den ebenfalls tollen Aussichtspunkten Perry´s Lookout und Alvin´s Rock schlagen wir unser Nachtquartier auf einem Rastplatz am Anfang des Megalong Valleys auf. Hier sind schon viele Mietvans, Zelte und Campingautzos versammelt und so ist auch schnell klar, dass hier campen erlaubt ist (was nicht auf allen Rastplätzen der Fall ist). Offenes Feuer ebenfalls, also wird zum Abendessen wieder lecker gegrillt.

Unser Ziel für den nächsten Tag ist Katoomba, das touristische Zentrum der Blue Mountains. Wir lassen die menschgebauten Attraktionen der kleinen Stadt (Gondelfahrt über die Schlucht, Seilbahn hinab, Freizeitpark, etc.) links liegen und konzentrieren uns auf die gottgegebene: die spektakuläre Natur! Hier in Katoomba erwarten uns die Three Sisters (zu dt. „die 3 Schwestern“), eine Felsformation aus 3 senkrecht in den Himmel ragenden Sandsteinfelsen. Als Wahrzeichen der Blue Mountains ist diese ins Auge stechende Felsengruppe das wohl meist fotografierte Motiv des Nationalparks. 😀

Auch die steilste Eisenbahn der Welt, die Ende des 19. Jahrhunderts in die Schlucht gebaut wurde, um die unten liegenden Kohleminen besser zu erreichen und die heute Touristen hinab kutschiert, lassen wir aus und schnüren stattdessen wieder die Wanderschuhe. Zuerst geht es oben auf dem Prince Henry Cliff Top Walk 2 Kilometer an den Klippen entlang, bevor wir über die „Giant Stairs“ (da waren sie wieder, die Treppen am Berg!) zu den Three Sisters absteigen. Wohl nur in Australien steigt man hinab, wenn man in die Berge wandert 😀

Die Three Sisters dürfen nicht bestiegen werden, da sie für de Aborigines ein heiliger Ort sind – und wohl auch aus Sicherheits- und Erhaltungsgründen. Weiter geht es einige Kilometer am Boden des von Eukalyptusbäumen bewachsenen Jamison Valleys durch die Schlucht, bis wir bei den Katoomba Falls wieder aufsteigen. Auf halber Höhe der Wasserfälle klettern wir hinter die Absperrung, die hier den größten Teil des Weges entlang der Klippen sichert und werden nahe der Felskante mit einem sagenhaften Blick über die weite Schlucht belohnt. Der Blick über die endlos scheinende, nur von Klippen begrenzte Schlucht vermittelt hier das Gefühl grenzenloser Freiheit. Nirgends ist auch nur ein Zeichen von Zivilisation zu sehen. Schon in den 30er Jahren gab es erste Initiativen von lokalen „Bushwalkers“ um dieqq Natur der Blue Mountains zu schützen und sie sind einer der ältesten Nationalparks weltweit.
Zum baden ist uns die steil abfallende Felsstelle dann aber doch etwas zu heikel 😉 Das tun wir dann weiter oben im Wasserfall, wo es nicht gleich 100 m senkrecht in die Tiefe geht, wenn wir doch mal ausrutschen 😉

Das Highlight unserer Wanderungen erleben wir am nächsten Tag im wenige Kilometer entfernten Wentworth Falls. Hier laufen wir den 9 km langen „National Pass“ der zuerst oberhalb der Klippen lang führt, dann über original aus im Jahr 1902 in den Fels gehauene Stufen auf halbe Höhe hinab führt und dort immer wieder dramatische Ausblicke in die Schlucht frei gibt. Dieser Weg ist weit weniger ausgebaut als die Wege zuvor und wir begegnen nur wenig anderen Wanderern. Unterwegs sehen wir immer wieder Echsen, viele Vögel, Truthähne und seltene Lyre Birds. Diese sind wahre Geräuschkünstler, die sogar Motorsägen imitieren können. Bei unserem Vesper auf einem Felsvorsprung sehen wir hunderte Kakadus durch die Baumwipfel unter uns fliegen. Am Ende geht es im Valley of the Waters durch dichten Regenwald wieder hinauf auf die Höhe. Insgesamt laufen wir an diesem Tag über 1.000 Stufen.

Am letzten Tag in den Blue Mountains wollen wir noch von Glenbrook aus 7 km zur „Red Hands Cave“ wandern. In dieser Felsenhöhle von Aborigines sind ockerfarbene Handabdrücke zu sehen, die bis zu 1.000 Jahre alt sein sollen. Leider entpuppt sich die Wanderung nur als 3,5 km, die Landschaft mit dürren Eukalyptusbäumen auf verdörrtem Boden über eine Ebene als nicht so spektakulär wie die Tage zuvor und die Höhle als nicht ganz so eindrucksvoller Felsvorsprung. Aber die Handabdrücke, deren ursprünglicher Zweck bis heute unklar ist, sehen wir immerhin tatsächlich. Auch der „Blue Pool“, ein natürlicher Badeteich, lädt mit algenübersätem stehenden Wasser eher nicht zum Baden ein.

Das Highlight an diesem Tag und Abschluss unserer Tour in die Blue Mountains ist der anschließende Besuch im Freibad ( der sogar kostenlos war 😉 ) Nach 5 Tagen wollten wir mal wieder richtig duschen 😀