Sommer

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Jahresrückblick 2017 – Teil 3!

Nachdem wir die erste Jahreshälfte von Patagonien bis nach Kolumbien quer durch Südamerika reisten, verbringen wir die Sommermonate komplett in good old Germany. Also eigentlich nichts, worüber wir auf einem Reiseblog schreiben können. Wir tun es trotzdem – weil wir hier in unserer Plauderecke tun können, was wir wollen und weil es uns auch in Deutschland nicht langweilig geworden ist:

JULI

Während Biene im Juli voll in die Planung unserer Hochzeit einsteigt, genießt Uli es, mal wieder seine Arbeitshose anzuziehen und sich handwerklich betätigen zu können. An den Wochenenden verbringen wir soviel Zeit wie möglich mit unseren Freunden und Familien, die wir so lange nicht gesehen haben. So grillen wir u.A. in Seedorf, in Aichhalden und in Rottenburg am Neckar, trinken Kaffee im Kraichtal, essen Sushi in Düsseldorf und picknicken zu Ballett im Suttgarter Schlosspark. Eine Reihe festlicher Anlässe gibt es im Juli auch: wir feiern den 1. Geburtstag und die Taufe von Uli’s Nichte, die Hochzeit von Biene’s langjährigster Freundin und zum Monatsende wird Uli’s Abschied vom Junggesellendasein legendär gefeiert.

AUGUST

Der August steht dann auch ganz im Zeichen unserer eigenen nahenden Hochzeit. Mit 6 Wochen bis zu dieser geht es so langsam an die 1.001 kleinen Details… Zum Glück finden wir viel Inspiration und Anregungen für diese in der raffinierten Wedding Box.

Neben Biene’s tollem Junggesellinnenabschied steht im Zuge unserer Hochzeit im August noch ein Fest vorab an: unser Polterabend! Kurzerhand werden Hof und Garten von Uli’s Eltern von uns zur Festplatzanlage hergerichtet und wir feiern eine herrliche Gartenparty! Das Schönste daran ist, dass wir einen Abend lang so viele Menschen um uns haben, die uns alle einen Teil unseres Lebens begleitet haben und uns wichtig sind: so feiern neben Jahrgängern, Freunden aus Kinder- und Jugendtagen, Familie, Sportkameraden und Ex-Arbeitskolleginnen auch unsere auf der Kreuzfahrt nach Brasilien neu gewonnen Freunde Francisca & Joachim sowie Petra mit uns. Francisca & Joachim reisen sogar eigens für unseren Polterabend für eine Nacht aus Hamburg an! Der Wahnsinn! Wir freuen uns sehr, all unsere Gäste zu sehen und schaffen es trotzdem kaum, mit allen annähernd ausgiebig genug zu quatschen…was vielleicht auch daran liegt, dass wir einen guten Teil des Abends mit Besen und Schaufel bewaffnet Scherben zusammen kehren. Aber wenn’s Glück bringt…alles so, wie es sein muss!

SEPTEMBER

Jetzt rückt mit großen Schritten unsere Hochzeit näher…und wir sind ohne in Hektik zu verfallen ganz gut mit den finalen Vorbereitungen ausgefüllt. Davor kommen uns Biene’s Patenkinder noch für drei herrliche Tage besuchen und wir beide radeln einen Tag nach Stuttgart. Wir haben einfach keine Lust mehr auf die dauerverstopfte A8 und ein bisschen Bewegung tut schließlich immer gut.

Und dann ist sie da: unsere Hochzeit! Dieser eine, erwartungsvolle Tag, auf den wir monatelang hingefiebert und vorbereitet haben. Und unser Tag ist noch viel schöner, als wir uns das hätten ausmalen können. Über unsere Hochzeit haben wir ja bereits einen extra Artikel geschrieben. Wir möchten uns jetzt auch nicht wiederholen. Nur eins wollen wir an dieser Stelle nochmal los werden: mit all den genialen Überraschungen hätten wir nie gerechnet – sei es das plötzlich aus Akkordeon und Trompeten erklingende Ave Maria in der Hochzeitskirche, das Crépes-Mobil beim Sektempfang oder die kreativen Programmpunkte und so viel mehr: wir feierten unsere persönliche Traumhochzeit und hatten ein unvergessliches Wochenende! Dazu machten es unsere wundervollen Freunde, unsere kreativen Familien und unsere perfekten Trauzeugen! Danke! Ihr seid einfach die Besten!

Nach unserer Hochzeit nehmen wir uns 2 Tage Zeit für uns. Zeit, um die einmaligen Erlebnisse zu reflektieren und für immer im Gedächtnis zu speichern. Wir sind immer noch voller Glücksgefühle und die halten auch noch an, lange nachdem wir all die wundervollen Geschenke auspacken und die Karten lesen.

Wenige Tage später bekommen wir unerwarteten Besuch: der Argentinier Paco, bei und mit dessen Bruder Alejandro und seiner Familie wir eine Woche lang auf Feuerland leben durften, tourt mit einem Freund auf dem Motorrad durch Europa. Es versteht sich von selbst, dass wir die beiden zu uns einladen und einen Tag mit ihnen fahren. Wir zeigen ihnen die schönsten kurvigen Sträßchen durch den Schwarzwald – und natürlich die weltgrößte Kuckucksuhr!

Dann geht es in großen Schritten direkt weiter: es ist die Einschulung von Biene’s Patentochter. Zeitgleich findet in Enzberg das jährliche Faustballfest statt, bei dem Uli natürlich mit auf dem Platz steht. Und so langsam beginnen wir auch wieder mit Reisevorbereitungen. Nur noch 6 Wochen bis zu unseren Flitterwochen!

OKTOBER

Bevor wir allerdings am 22. Oktober nach Thailand aufbrechen, haben wir noch einiges vor: Zum Monatsanfang feiern wir Biene’s Geburtstag mit einem vergnüglichen Tag im Freizeitpark und einer coolen Überraschungsparty. Im Anschluss machen wir uns reise-fit: wir aktualisieren und stocken unsere Ausrüstung auf, machen die routinemäßigen medizinischen Check-ups, erneuern unsere Auslandskrankenversicherung und Biene frischt ihr fotografisches Wissen bei einem Fotokurs auf. Und dann ist die letzte Woche vor unserem Abflug auch schon da. Wieder einmal verabschieden wir uns von Familie und Freunden. Am 22. Oktober steigen wir – noch etwas angeschlagen von der spontanen Abschiedsparty nachts zuvor – freudestrahlend und in Erwartung der neuen Abenteuer, die vor uns liegen, in den Flieger. Dass wir in unseren Flitterwochen anstelle eines exklusiven Resort-Urlaubs backpackend Insel-Hopping in Thailand’s Süden gemacht haben, wisst ihr bereits, wenn ihr den Post über unsere Flitterwochen in Thailand gelesen habt.

NOVEMBER

Am 8. November sind unsere Flitterwochen zu Ende. Und unsere Flittermonate downunder starten. 😉
Australien empfängt uns im Landeanflug auf Perth mit einem glühend roten Sonnenaufgang! Was für eine Begrüßung. Es fühlt sich gut an, wieder Fuß auf den roten Kontinent zu setzen. Mit dem Flughafenbus kommen wir super einfach ins Stadtzentrum und von dort zu Fuß zu unserem für 2 Nächte gebuchten Hostel. Nach einem guten Kaffee und einer Dusche gehen wir los zu einer ersten Erkundungtour. Alles ist uns vertraut. Das typische australische Straßenbild, die schattenspendenden Überdachungen der Gehsteige und „Hotel“ heißende Pubs. Wir erkennen Gebäude und Parks wieder; wissen, in welchen Supermärkten wir frischen Saft und wo wir gutes Fleisch kaufen und dass wir unsere Trinkflaschen an Trinkbrunnen auffüllen können. Anders als bei unserer Ankunft in Darwin vor 2 Jahren trifft uns der gewaltige Preisunterschied zwischen Südostasien und Australien dieses Mal nicht so hart – aber wir verbringen dieses Mal davor ja auch nur 2 Wochen in Thailand und nicht 8 Monate in Südostasien. Auch sonst läuft alles wie am Schnürchen: Schon nach 2 Tagen ziehen wir in eine WG mit einer sympathischen Australierin. Da sind wir bereits stolze Autobesitzer! Wie schon vor 2 Jahren fällt unsere Wahl auf einen Mitsubishi Challenger – bei dem Modell kennt Uli sich jetzt schon bestens mit den mechanischen Feinheiten aus. Außer einer grundlegenden Tiefenreinigung braucht unser neues allradgetriebenes Fahrzeug auch nicht viel, um vom Vorstadt-Zweitwagen zum mobilen Heim umgerüstet zu werden. Zwischen Auto putzen und aufrüsten machen wir noch einen Tagesausflug nach Rottnest Island: hier leben Quokkas – die wohl putzigsten Tierchen ever!

Kaum sind die letzten Hundehaares des Vorbesitzers aus unserem Auto entfernt; die Innenausstattung wie Matratze, Küchenutensilien etc. gekauft; ein Regal eingebaut und die Scheiben abgedunkelt, geht die Fahrt auch direkt los: Innerhalb von nur 3 Tagen Jobsuche erhalten wir mehrere gut klingende Angebote und so besteht die größte Schwierigkeit diesmal für uns darin, uns für eines davon zu entscheiden. Und das fällt uns wahrlich nicht leicht! Nach viel Abwägen und Hin- und Her-Gerissenheit ist auch das geschafft. Gewonnen hat das australische Outback: eine große Rinderfarm im abgeschiedenen tropischen Norden Australien’s. In unseren Köpfen haben wir das Bild der letzten Farm, auf der wir arbeiteten. Nur etwa zwanzig Nummern größer: denn auf dieser Rinderfarm werden auf einer Fläche von 600.000 Hektar an die 20.000 Rinder gehalten. Das Farmgelände ist so riesig, dass es in 3 eigenständige Gehöfte unterteilt ist:

  • das Hauptgut, auf dessen 400.000 Hektar der Großteil der Rinder umher streifen,
  • das vom Haupthaus 3 Stunden Fahrt entfernte Gut in Strandnähe, auf dessen 200.000 Hektar Weideland hauptsächlich die jungen Rinder grasen – und wo wir eingesetzt werden sollen
  • die von dort nochmal 80 km weiter entfernte Außenstation mit Bewässerungsanlagen. Hier wächst auf 300 Hektar saftig grünes Gras. Ein starker Kontrast zum kargen Steppengras der übrigen Weiden. Auf den bewässerten Paddocks stehen die Rinder zur Endmast. Gleichzeitig wird von diesen Wiesen Heu gemacht, um es während Dürren den Herden der beiden anderen Anlagen zufüttern zu können.

Also machen wir uns auf den 2.000 km langen Weg dorthin. Leider zeigt sich nach unserer Ankunft aber ein etwas anderes Bild: Wallal Downs ist nicht wie die vorige Farm familien-geführt, sondern gehört einem Millionär aus der Stadt. Geleitet wird sie von einem General Manager. Die meisten Angestellten bleiben nicht viel länger als ein Jahr und irgendwie ist hier von den Verwaltern bis zum Gärtner keiner richtig heimisch. Und das spürt man. Hinzu kommt, dass die Arbeit für uns unzufrieden stellend ist: nachdem uns der General Manager so schnell wie möglich hier haben wollte, scheint der Gutsverwalter nun nicht so recht zu wissen, welche Arbeit er uns auftragen soll. So stehen wir in der ersten Woche viel rum oder machen zu Dritt Jobs, die eigentlich Ein-Mann-Aufgaben sind. Pferde gibt es auch keine. So hadern wir die ersten 10 Tage mit unserer Entscheidung, uns für dieses Angebot entschieden zu haben.

Zum Glück ist wenigstens der Eighty Miles Strand nur 2 km von unserem Cottage entfernt. Zwar können wir aufgrund der Krokodile und Haie hier nicht im Meer baden, aber um diese Jahreszeit kommen nachts bei Flut Meeresschildkröten zur Eiablage an Land. Mehrmals haben wir das Glück, den bis zu 150 kg schweren Tieren zusehen zu dürfen, wie sie sich mit Mühe den Strand hoch ziehen, mit vollem Körpereinsatz Nester graben, Eier legen, dann mit ihren Hinterflossen die Nester fast liebevoll mit Sand bedecken und solange Sand darauf schaufeln, bis das Nest nicht mehr zu erkennen und so bestmöglich vor natürlichen Feinden geschützt ist.

DEZEMBER

Anfang Dezember ergibt sich für uns zum Glück ein anderer Einsatzbereich auf der Farm: das Verwalterpaar der Bewässerungsanlagen fährt für 6 Wochen in Urlaub. Und wir sollen es vertreten! Abgesehen davon, dass das für Biene – anders als vor Arbeitsantritt vereinbart – auch Haushalts- und Küchenarbeit einschließt, bringt der Umzug hauptsächlich Positives für uns. Die ersten beiden Wochen ist das Verwalterpaar noch vor Ort und zeigt uns die täglichen Abläufe und alles Nötige. Ab Mitte des Monats sind dann nur noch wir beide und unser australischer Kollege Dan auf der Anlage. Jetzt können wir endlich arbeiten 🙂

Uli fährt größtenteils Traktor und mäht, schwadert oder häckselt Gras. Dazwischen verbringt er auch viel Zeit in der Werkstatt, um die recht alten Maschinen zu reparieren und instand zu halten. Biene ist währenddessen für das leibliche Wohl von uns Dreien verantwortlich. Das heißt hauptsächlich Brot backen, salzige Snacks und süße Naschereien für die Vesperpausen bereit halten, Mittagessen vorbereiten und Abendessen kochen. Das Fleisch stammt dabei von der Farm selbst. Für alle ungekühlt lagerbaren Lebensmittel gibt es einen begehbaren, randvoll gefüllten Vorratsraum. Frische Lebensmittel kommen nur alle 14 Tage per LKW aus dem 2.000 km entfernten Perth! So abgelegen ist die Farm. Da wir ja nur drei Personen sind (außer wenn gelegentlich Mechaniker für einige Tage auf der Anlage sind oder Dienstleister über Nacht bleiben), bleibt ihr neben der Arbeit im Haus noch genug Zeit, um ebenfalls alle paar Tage was auf dem Traktor oder mit dem Frontlader zu arbeiten. Nebenbei ist sie für die Baum- und Rasenpflege der noch ziemlich neuen (und kargen) Anlage verantwortlich. Und macht die Büroarbeit. Unser Kollege Dan kümmert sich hauptsächlich darum, dass die Rinder immer auf den richtigen Paddocks grasen, dass die Bewässerungsanlagen funktionieren und kommuniziert mit dem General Manager.

Die Arbeit macht uns hier einiges mehr Spaß als am Gutshof – wir wissen, was zu tun ist und können selbständig arbeiten. So geht der Arbeitstag, der für uns jeden Morgen um 6 Uhr beginnt und um 17 Uhr endet (bzw. für Biene um 19 Uhr, wenn das Abendessen auf dem Tisch steht) schneller vorbei. Und befriedigender als Beine-in-den-Bauch-stehen ist es allemal. Es ist gut, abends zu sehen, was wir tagsüber geschafft haben! Meist ist das eine ganze Menge.

Und dann steht plötzlich schon Weihnachten vor der Türe! Heilig Abend machen wir früher Feierabend und die Küche bleibt kalt. Zur Feier des Tages schenkt uns der Himmel einen glutroten Sonnenuntergang, den wir zusammen mit Dan bei einem Weihnachts-Picknick und eisgekühlten Drinks am Strand genießen. Die beiden Weihnachtsfeiertage haben wir frei. Wir beide fahren für eine Nacht ins 420 km entfernte Broome. Hier campen wir – in derselben Düne wie vor 2 Jahren – am goldgelben Cable Beach und genießen bei BBQ und mit den nackten Zehen im Sand tropische Weihnachten. Was das heißt? Das heißt, dass Uli die Nacht lang kaum ein Auge zu macht und am nächsten Morgen schweißgebadet ist – weil es hier um diese Jahreszeit – Regenzeit – auch nachts nicht unter 30 Grad abkühlt und unser Auto anders als unser Zimmer auf der Farm keine klimatisierten 24 Grad hat… Schön war es trotzdem!

Da die Regenzeit gleichzeitig auch die Hurrikan-Season ist, stehen direkt nach Weihnachten statt dem Tagesgeschäft ungeplant dringend andere Arbeiten an: der erste Hurrikan der Saison hat sich angekündigt. Jetzt muss schnellstens alles niet- und nagelfest gemacht werden. Uli und Dan sind 2 Tage lang mit Festzurren der Bewässerungsanlagen, Verschweißen von Seecontainern und Sichern von Maschinen beschäftigt. Im Endeffekt schwächt sich der Hurrikan dann kurz vor der Küste ab und bringt außer einem Nachmittag mit heftigem Wind nur gerade genug Regentropfen, um den roten Sand zu befeuchten. Aber das kann eben keiner vorher sagen.

An Silvester neigt sich das Jahr schließlich seinem Ende zu. Wir planen einen unspektakulären Jahresausklang: Zur Feier des Tages lädt uns Dan ins 40 km entfernte Roadhouse zum Abendessen ein. Im Anschluss wollen wir Zwei uns um 21 Uhr das riesige Feuerwerksfestival von Sydney im Fernsehen anschauen (die Ostküste ist der Westküste 3 Stunden voraus) und um Mitternacht vielleicht noch mit einem Glas Wein anstoßen. Daraus wird so aber nichts… Nach dem Essen im Roadhouse lädt uns der dortige Koch Rob zu sich auf die Veranda ein – und bei Musik, Tequila, vielen Geschichten aus aller Welt und aus allen Lebenslagen, Bier und viel Gelächter amüsieren wir Vier uns so sehr, dass wir glatt Mitternacht verpassen und bis in die frühen Morgenstunden hinein quatschend unter’m Sternenhimmel sitzen!

Und so findet dieses Jahr seinen überaus gebührenden Abschluss!

2017 war für uns rundherum ein grandioses, sehr ereignisreiches und glückliches Jahr. Es hielt so viele einmalige Momente und Erlebnisse für uns bereit! Für 2018 wünschen wir uns daher ganz bescheiden nur ein: dass es nicht weniger gut wird als das Jahr zuvor 😉

„The grass is always greener on the other side of the fence“ – Unsere Begegnung mit einem burmesischen Mönch

„The grass is always greener on the other side of the fence“ – Unsere Begegnung mit einem burmesischen Mönch

Mingalabar. Entschuldigung, sprechen Sie Englisch?“

Ausnahmsweise sind es nicht wir, die diese Frage hilfe- oder antwortsuchend einem Einheimischen stellen. Sie stammt von einem burmesischen Mönch. Dieser hat Biene angesprochen. Wir besichtigen gerade ein buddhistisches Kloster in Amarapura, in der alten Königsstadt von Mandalay. Es ist 11.30 Uhr und die Mönche sind dabei, sich nach der morgendlichen Speisung zu ihrer Vormittagsruhe zurückzuziehen. Es ist ihre letzte Mahlzeit des Tages. Ein voller Bauch stört die meditative Konzentration.

Mingalabar. Ich? Ja, ich spreche Englisch. Was kann ich für Sie tun?“

Leicht überrascht bleibt Biene bleibt vor dem Eingang des Hauses stehen, in das sich die Mönche mit ihren Almosenschüsseln zurückziehen.

„Ich habe gestern Abend ein Buch gelesen und da war eine Stelle, die ich nicht verstanden habe. …Vielleicht können Sie sie mir erklären?“

„Natürlich, ich will es gerne versuchen. Worum ging es?“

Vielleicht handelt es sich um ein unbekanntes Wort oder eine westliche Begebenheit, denkt sich Biene und fragt sich, welches Buch der junge Mönch wohl gerade liest.

„Es stand dort geschrieben: The gras is always greener on the other side of the fence (zu dt. heißt das Sprichwort: „Die Kirschen in Nachbar´s Garten schmecken immer ein bisschen süßer„). Was bedeutet das?“

Nachdem wir geklärt hatten, dass die Bedeutung der einzelnen Wörter bekannt sind, wird klar, dass es um den Sinn dieses für ihn unbekannten Sprichwortes geht. Der Mönch sieht jugendlich aus, vielleicht 17 Jahre alt. Er könnte aber auch schon Mitte 20 sein. Dass er den Sinn dieses Sprichwortes nicht von selbst verstand, ist kein Zeichen von mangelndem Intellekt – sondern charakterlich lobenswert. Er sieht keinen Sinn darin, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner sein sollte, als da wo er selbst steht.

Wie erklärt man einem augenscheinlich zufriedenen und in sich ruhendem, buddhistischen Mönch also die Bedeutung von Neid und Missgunst? Dass man die Umstände/Besitztümer/Leben anderer gerne mit der rosaroten Brille sieht, während man all die schönen Blumen in seinem eigenen „Garten“ ausblendet? Nach einigen Erklärungen mit beispielhaften Metaphern geht ihm die sprichwörtliche Bedeutung auf:

„Jetzt verstehe ich. Es heißt, dass ich mit dem was ich selbst habe unzufrieden bin und glaube, die anderen haben es immer besser.“

Eine einfache Erklärung. Genau so ist es. Es entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit dem jungen Mönch. Biene darf ihm Fragen stellen, zu ihm, zu seinem Leben im Kloster und seinem Glauben. Wie lange lebt er schon im Kloster? War es sein eigener Wille, mit 9 Jahren Mönch zu werden? Kann er aus dem Orden austreten, sollte er sich verleiben oder aus anderen Gründen ein Leben außerhalb der Klostermauern führen wollen? Glaubt er an Wiedergeburt? Warum gibt es so viele verschiedene Formen des Buddhismus? Fragen über Fragen… Geduldig beantwortet der Mönch alle. Nur manchmal scheitert die Kommunikation an der Sprachbarriere. Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns. Der junge Mönch zieht sich zur Meditation zurück und Biene geht Uli suchen. Er hatte ebenfalls ein interessantes Gespräch mit einem der Mönche. Wir fahren weiter.

Einige Straßen hinter dem Kloster befindet sich die U-Bein-Brücke, die mit 1,2 km Länge längste Teakholzbrücke der Welt. Von ihrer früheren Vergoldung ist heute allerdings nichts mehr zu sehen. Auf der rauen Holzbrücke sind überraschend viele Menschen unterwegs. Burmesinnen flanieren mit Blumenschmuck im Haar über die Brücke, während ausländische Touristen die besten Winkel für das Fotomotiv suchen und viele Einheimischen in den Pavillons der Brücke picknicken.

Warum dieser für Myanmar so unübliche hohe Andrang an Besuchern herrscht, sehen wir bei unserer Rückkehr auf der Hauptstraße. In Amarapura findet gerade das jährliche Nat-Fest statt. 3 Tage lang strömen Scharen von Gläubigen in die kleine Stadt, um den Schutzgeistern des Ortes zu huldigen. Das Atmosphäre des Festes gleicht einem Dorffest, entlang der Straße sind Verkaufsstände aufgebaut, die Menschen kaufen Opferblumen und Süßigkeiten. Die Hauptstraße ist komplett dicht, der Verkehr staut sich kilometerlang. Die Temperaturanzeige am Haus gegenüber zeigt stolze 44 Grad an und genauso heiß fühlt es sich auch an. Wir fahren von der Hauptstraße ab, um einen Schleichweg in das wenige Kilometer entfernte Sagaing zu finden. Der Weg wird immer schmaler und die Gegend immer ländlicher. Nur wenige Minuten von der Hauptstraße entfernt kommen uns auf dem kleinen Sandweg mit einem Mal Ochsenkarren entgegen, die Menschen schauen uns von den Bambusterrassen ihrer Stelzenhäuser herab interessiert nach. Wir hören ein gleichmäßiges Klappern und halten an. In der flachen Werkstatt neben dem Weg entdecken wir die wohl erste Entwicklung eines automatisierten traditionellen Holzwebstuhls und die Bewohner zeigen uns gerne die an den Holzbalken daneben zum einfärben aufgehängten Baumwollfäden. Hier werden die traditionellen Longyis hergestellt.

Der Großraum Mandalay ist neben dem kulturellen Herz des Landes auch dessen Kunsthandwerkshauptstadt. Der Weg führt uns schließlich tatsächlich noch zu den Pagoden auf den Hügeln von Sagaing. Davor suchen wir aber Abkühlung im Schatten und gönnen uns in einer Beer Station (=Kneipe) am Fluss ein kühles Myanmar. Auf dem Rückweg nach Mandalay statten wir der Mahamuni-Pagode einen Besuch ab. Hier steht die meistverehrte Buddha-Statue des Landes, die zusammen mit der Shwedagon-Pagode und dem Goldenen Felsen zu den Hauptilgerzielen des Landes zählt. Sichtbar wird das vor allem an den zahlreichen Verkaufsständen in den 4 Eingängen zur Pagode, wo ein großes Angebot an Opfergaben, Souvenirs, Kunsthandwerk und Kleidung ausliegt. Auch der Statue selbst ist ihre Beliebtheit anzusehen: einst eine bronzene Figur, ist die Statue mittlerweile über und über mit Blattgold bedeckt. An einigen Stellen ist die Goldschicht so dick, dass die ursprünglichen Gliedmaßen der Figur bis zur Unkenntlichkeit verformt sind. In den kleinen Werkstätten auf der Straße vor der Pagode sehen wir, wie aus großen Steinblöcken und Holzstämmen Buddhastatuen gehauen und geschnitzt werden.

MANDALAY

An diesem Abend besuchen wir den Nachtmarkt Mandalays eine Straße von unserem Hostel entfernt. Neben Second-Hand Kleidung, gebrauchten Büchern und Spielzeug gibt es vor allem Essensstände mit burmesischem Curry und den überall zu kaufenden Innereien-Grillspießen. An einem anderen Abend essen wir beim Inder um die Ecke. Für umgerechnet 1 € werden wir beide Male satt. Wir gehen gerne abends raus, tagsüber ist es in Mandalay brütend heiß. Wir schaffen es, uns trotzdem den im Vergleich zu einem der Originalbauwerke nur mäßig gelungen restaurierten Königspalast anzusehen und den Mandalay Hill zu besteigen. Die Panorama-Aussicht von dem im Norden der Stadt gelegenen Berg ist mit eines unserer Highlights in Mandalay: Im Osten geht der Blick auf die grün bewachsenen, hohen Shan-Berge, im Süden ist die ganze Stadt zu sehen, im Osten reicht der Blick bis auf den breiten Fluss Ayearwaddy und dessen Delta, während im Norden pure grüne Ebene ist, soweit der Blick reicht.

Es bleibt ein tiefer Eindruck von dieser spannenden Begegnung mit dem jungen Mönch in Amarapura. Wie oft geht es uns nicht selbst so? Wir sind betrübt darüber, dass wir – obwohl wir doch jetzt auf Weltreise sind – unmöglich alle Flecken der Erde bereisen können. Die Welt ist so groß. Bei Gesprächen mit anderen Reisenden ertappen wir uns bei dem Gedanken, dass andere mehr sehen und erleben oder mehr Budget zur Verfügung haben. Wir jammern auf hohem Niveau. Dabei ist das Gras, auf dem wir stehen, doch so grün. Und dass nicht nur während der Regenzeit in Myanmar 🙂 Hier noch einige Bilder – denn es ist mal wieder Zeit, die Blumen im eigenen Garten zu bewundern 😉

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