Pulau Weh – Wir tauchen unter!

Pulau Weh! Noch nie von gehört? Wir auch nicht. Erst als wir Tauchreviere recherchieren, erscheint die kleine, hufeisenförmige Insel auf unserem Reise-Radar. Unter Tauchern gilt die tropische Insel immer noch als Geheimtipp und außerdem als einer der besten Tauchspots im Indischen Ozean. Und unter Nicht-Tauchern ist die mit üppigem Tropenwald bewachsene Vulkaninsel noch weniger bekannt. Klingt perfekt in unseren Ohren, also ab nach Weh!

Ganz so schnell kommen wir allerdings noch nicht auf die Insel, die oberhalb von Sumatra liegt. In dem kleinen Fährterminal von Banda Aceh heißt es erstmal warten. Es ist Samstag und obwohl der Fahrplan etwas anderes sagt, ist die Fähre heute schon eine Stunde früher abgefahren. Die nächste fährt erst wieder in 2 Stunden. Wir nutzen die Wartezeit für Mie Goreng (gebratene Nudeln) und leckeren indonesischen Kaffee an einem der einfachen Essensstände. Europäische Rucksack-Touristen wie wir scheinen noch etwas Besonderes zu sein, wir werden von derHälfte der anderen Wartenden angestarrt – und die zweite Hälfte möchte Fotos mit uns zusammen schießen. 😉

Die zweistündige Überfahrt auf der Slow Ferry ist: langsam. Wir setzen uns auf dem Oberdeck zu den Einheimischen auf den Boden und schauen auf den Ozean. Unterdessen fängt es an zu regnen. Wir hoffen, es ist nur ein Vorbote der bald beginnenden Regenzeit und nicht deren Anfang. Als wir auf Pulau Weh ankommen, wird es bereits Nacht. Hier in der Nähe des Äquators geht die Sonne wieder früher unter, gegen 18 Uhr ist es dunkel.

Wir wollen an den Iboih Beach, neben Gapang einer der beiden touristischen Orte der Insel, die oft auch einfach nach ihrer Hauptstadt Sabang genannt wird. Da es schon dunkel ist, wollen wir die 20 km nicht mit dem Mopedtaxi fahren sondern teilen uns ein Taxi mit Andy aus England, den wir auf der Fähre kennenlernten. Er arbeitet seit einigen Monaten auf Borneo als Lehrer und spricht etwas indonesisch. Sehr praktisch, da der Taxifahrer so gut wie kein Englisch spricht. In 45 Minuten geht die rasante Fahrt im Stockdunkeln über gewundene Bergstraßen und Haarnadelkurven und wir bekommen einen ersten Vorgeschmack auf die halsbrecherischen Fahrten, die uns auf Sumatra erwarten werden.

Iboih besteht aus einer Küstenstraße. “Im Dorf” gibt es 2 Tauchschulen, einige Mittelklasseunterkünfte, ein paar Souvenirläden und 2-3 Restaurants. Da, wo die Straße in einen Fußweg über geht, kommen nochmal einige kleine Shops, eine Tauchschule und in einigen Abständen mehrere lokale Bungalows. Unsere erste Nacht verbringen wir im “Green House“. Der Besitzer Eric ist eine lokale Berühmtheit. Es gibt eine große Terrasse mit Chill-out Area und Hängematten, wo die Gäste abends beisammen sitzen. Es ist alles grün, duftet abends sehr gut und geht entspannt zu 😀 Hier lernen wir schon am 1. Abend Biene´s zukünftigen Tauchlehrer kennen, der mit seiner Frau in einem der Bungalows wohnt.

Leider sind die Bungalows bei unserer Ankunft schon alle belegt und es ist nur noch ein einfaches Zimmer mit Gemeinschaftsbad frei. Das Gemeinschaftsbad ist ein Stockwerk weiter oben und sehr spartanisch. Für eine Nacht geht es.

Am nächsten Morgen im Tageslicht laufen wir den gepflasterten Fußweg weiter entlang und sehen uns einige Bungalows an. Bei der Besichtigung eines Bungalows von “Ohlala” jagt über dem türkisblauen Wasser vor uns gerade ein Weisskopfseeadler und unter uns sehen wir vom Balkon aus mit bloßem Auge bunte Fische hindurch schwimmen. Keine Frage – hier wollen wir wohnen. Da es Nebensaison ist, bekommen wir Rabatt und zahlen nur 6,50 € statt 10 € pro Nacht. Der einfache Holz-Bungalow mit Bad und Hängematte auf dem Balkon liegt direkt über dem Wasser und nachts ist es so warm, dass wir Fenster und Balkontüre offen stehen haben. So hören wir sanftes Meeresrauschen zum einschlafen und wachen mit dem Geräusch der an die Felsen klatschenden Wellen wieder auf. Und in windigen Nächten, wenn das Wasser an die Felsen unter unserem Bungalow spritzt, leuchtet das Meer vor Plankton.

Anschließend machen wir uns auf die Suche nach einer Tauchschule. Biene will den Open Water Diver – das “Seepferdchen für Taucher” – machen. Für die Auswahl der Tauchschule nehmen wir uns viel Zeit, gehen zu allen 3 Tauchschulen vor Ort und sprechen mit den Tauchlehrern dort. Gerade als Anfänger will sich Biene sicher sein, unter Wasser in guten Händen zu sein.

Die Kriterien bei der Auswahl der Tauchschule waren hauptsächlich:

  • Sicherheit – Sieht die Ausrüstung gut gepflegt und gewartet aus? Ist sie ordentlich verstaut oder liegen Schläuche, Druckmesser etc. auf dem Boden herum? Wo ist die nächste Druckkammer, falls doch was schief läuft?
  • Eindruck der Schule und der Tauchlehrer – Werden meine Fragen ernst genommen? Wie geht es in der Tauchschule zu?
  • Ablauf und Organisation des Tauchkurses – wie viele Tauchschüler pro Kurs? Wie flexibel ist der Kursablauf? Welche Qualifikation hat der Tauchlehrer? Wieviele Tauchgänge sind inbegriffen?
  • Kosten – Was kostet der OWD? Sind die Kosten für Lehrmaterialien im Kurspreis inbegriffen? Kostet die Prüfung extra?

Die Entscheidung fällt schließlich auf Rubiah Tirta Divers. Dieses Dive Center war die erste Tauchschule auf Pulau Weh und liegt direkt am Strand. Geführt wird sie von 2 einheimischen Brüdern, die sich viel Zeit für Biene´s Fragen nehmen. Preislich liegt der Kurs ähnlich wie die anderen Angebote. Dafür sind hier neben den 5 obligatorischen Kurs-Tauchgängen im Anschluss noch 2 weitere sog. Fun Dives im Kurspreis inbegriffen. Pablo, den Tauchlehrer, kennen wir bereits. Neben Biene gibt es nur einen weiteren Tauchschüler für den Kurs. Da er aber nur 2 Tage Zeit hat und Biene nicht Theorie & Praxis in 2 Tage stopfen will, ist Pablo super flexibel und unterrichtet den Kurs individuell.
Weiteres Plus: Uli möchte keinen Tauchkurs machen sondern lieber schnorcheln. Dazu kann er auf den Tauchbooten kostenlos mit raus fahren, wann immer er will. Und von unserem Bungalow sind es gerade einmal 2 Minuten über den Fußweg zur Tauchschule.

Fast 20 Tauchspots gibt es rund um Pulau Weh, die meisten davon in und um Iboih und Gapang. Je nach Saison lassen sich hier sogar häufig Mantarochen, Haie und Walhaie sichten – die sehen wir aber leider nicht. Dafür jede Menge tropische Riff-Fische, Moränen, Löwenfische, große Schwärme jagender Barracuddas, Thunfische, Stachelrochen, Tintenfische, hervorragend getarnte Skorpionfische, Seeschlangen, Langusten, … Kurz gesagt: unter Wasser ist die bunte Hölle los! 😀 Und beim schnorcheln sieht Uli 2 große Schildkröten. (Dafür das Tauchboot nicht mehr, dass ihn eigentlich nach einer Stunde wieder abholen sollte und ihn auf der anderen Seite der Insel schon fieberhaft suchte 😀 )

Da ist es auch nicht so schlimm, dass die Korallenfelder nicht so bunt sind, wie wir sie im Südwesten Indonesiens gesehen haben. Die Korallen hier sind durch den Tsunami 2004 ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden, auch denn das Seebeben unter Wasser längst nicht so viel Schaden anrichtete wie an Land. Dafür gibt auf dem Meeresboden riesige Farne, bis zu 60 m abfallende Steilkanten, einen Canyon und einen Unterwasservulkan!

Unsere nächsten Tage auf der Insel sehen meist so aus: Kurz vor 9 Uhr stehen wir auf. Während Biene mit Pablo Theorie büffelt und und die ersten Male abtaucht, geht Uli von unserem Bungalow aus schnorcheln oder mit dem Motorroller auf Erkundungstouren um die Insel. Neben Wasserfällen gibt es auch einen Vulkan, heiße Quellen und den nördlichsten Punkt Indonesiens. Alle geografischen Lageangaben in Indonesien werden ab diesem Punkt gemessen. Zum Mittagessen treffen wir uns meistens gegenüber der Tauchschule bei dem kleinen Warung (= Essensküche), wo jeden Tag andere Gerichte gekocht werden und es den besten Eiskaffee der Insel gibt. Mittags gehen wir nochmal tauchen bzw. schnorcheln.

Abends essen wir einheimische Gerichte in einem der Warungs und lauschen dem Meeresrauschen auf unserem Balkon. Nach Pulau Weh kommt man nicht wegen seinem Nachtleben. Abgesehen von dem, wofür die Gäste selbst sorgen (wie die sehr legendäre Geburtstagsparty von Pablo´s Frau Jana im Greenhouse…) gibt es da nichts. Alkohol darf nur an einigen wenigen Stellen verkauft werden und ist sehr teuer. Und auf dem von Wurzeln überwachsenen Fußweg gibt es auch keine Straßenbeleuchtung. Da ist es nachts stockfinster.

Am 4. Tag legt Biene ihre OWD-Prüfung ab. 0 Fehler in der Theorie, yeah 😀 Ab jetzt darf sie überall mit einem Buddy bis in eine Tiefe von 30 Meter tauchen und es geht zusammen mit den anderen Tauchern auf den großen Tauchbooten raus.

Einen der anschließenden Fun Dives nutzt Biene für ein ganz besonderes Erlebnis: einen Nachttauchgang. Los geht es abends um 20 Uhr in absoluter Finsternis. Auf dem Boot gibt es nochmal genaue Informationen zur Dive Site, der Benutzung der Lampen, der Tauchrichtung usw. und dann wird in die schwarze Tiefe abgetaucht. Jeder Taucher ist mit einer Taschenlampe ausgerüstet. Und nachts sieht es unter wasser nochmal ganz anders aus als am Tage: Schlafende Fische auf Felsvorsprüngen, lauernde Moränen und plötzlich in den Lichtkegel eintauchende Oktopusse waren einige der Highlights.
Und dann das Highlight: zu fünft knien wir uns im Kreis auf den Boden, schalten die Taschenlampen aus und bleiben eine Minute ganz ruhig – als wir uns dann bewegen, leuchtet der Plankton im Wasser um uns rum wie ein Sternenhimmel . Und wir mittendrin 🙂 Ein tolles Erlebnis.

Wir bedanken uns bei der Tauchschule Rubiah Tirta Divers für die Kooperation.