Zum Himmel stinkende Schönheiten, vorgekaute Kaffeebohnen und galoppierende Büffel – letzte Station Bukkitinggi

Mittlerweile haben wir ja schon so manch anstrengende (wie z.B. in Myanmar) oder auch abenteuerliche Busfahrt (wie z.B. in Tibet) hinter uns gebracht. Trotzdem hat sich die Fahrt mit dem Nachtbus von Parabat nach Bukkitinggi ganz klar Platz 1 auf unserer Liste der übelsten Busfahrten ergattert.

Da es nur ein einziges Busunternehmen gibt, das diese Strecke bedient, hat dieses vollen Preisgestaltungsspielraum. Das heißt: die Fahrt kommt mit 17 € p.P. für Sumatra´s Verhältnisse recht teuer. Außerdem fahren die Busse ab Medan los, sodass in Parabat oft nur noch Restplätze verfügbar sind. Und da die Strecke über die Bergkette in Sumatra´s Inselinneren führt, wo es oft zu Straßensperrungen infolge von Unfällen oder Stürmen oder zu Verspätungen durch Pannen kommt, kann einem auch niemand genau sagen, wie lang die Busfahrt sein wird. Die genaue Aussage war: mit viel Glück 10 Stunden. Wir sollen aber eher mit 20 rechnen. Alles klar, das kann ja heiter werden 😀

Wir haben Glück und bekommen noch 2 Plätze nebeneinander im fast vollen Bus für den heutigen Tag. Denn entgegen der Empfehlung unseres Hostel haben wir nicht von Tuk Tuk aus vorgebucht, sondern buchen wie immer direkt im Büro des Busunternehmens. So haben wir schon einiges an Kommission gespart. Um 16 Uhr geht die Fahrt recht pünktlich los. Gegen die schon erwartete Eiseskälte aus der Klimaanlage sind wir gut mit Decken und Socken gerüstet. Wogegen wir nichts machen können: den dauertelefonierenden Fahrgast in der Reihe hinter uns. Während wir den mit Kopfhörern in den Ohren ganz gut ausblenden können, sind wir machtlos, als der Fahrgast hinter Biene schon bald feststellt, dass ihn die vielen Bergkurven über den unser Busfahrer im Formel 1 Stil heizt, reisekrank machen. Wir gehen hier nicht weiter in die Details…

Eigentlich soll dieser Bericht ja auch gar nicht die mühselige Anreise zum Thema haben. Denn die hat sich so oder so gelohnt. Bukkitinggi und sein Umland hat zahlreiche Besonderheiten zu bieten, die wir in knapp einer Woche erkunden.

DIE STADT BUKKTINGGI

Die Stadt selbst versprüht trotz der funktionalen Bauweise ihrer Häuser ein sympathisches Flair. Schon frühmorgens rufen die Muezzins von der zentralen Moschee die Gläubigen zum Gebet. Tagsüber füllen sich die chaotischen Straßen der Marktstadt, aber mit Einbruch der Dunkelheit wird die belebte Hauptstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt, die an beiden Seiten von Warungs gesäumt ist. Hier reiht sich eine lokale Köstlichkeit an die andere und wir probieren allerlei scharfe Padang-Gerichte, die typisch sind für Sumatra´s Westküste. Zu erkunden gibt es u.a. nichts weniger als die chinesische Mauer – ein Wanderweg durch und über eine Schlucht mit fantastischen Ausblicken. Und gemauerten Stufen, denen er wohl seinen großen Namen verdankt 😀

Außerdem gibt es ein zugängliches Höhlensystem aus dem 2. Weltkrieg. Uns haben bei der Besichtigung am meisten unsere Guides beeindruckt – 2 Schuljungen sprachen uns auf der Straße an und wollten uns die Höhlen unbedingt zeigen – nur, um sich mit uns zu unterhalten und ihr Englisch üben zu können.

Hier in Bukktinggi stellen wir auch mal wieder fest, dass die Welt trotz ihrer Größe manchmal ein Dorf ist: schon auf der Anreise vom Lake Tobau hierher lernen wir Dijou aus Karlsruhe kennen, mit dem wir im selben Hostel absteigen. Und bei einem Spaziergang über den belebten Markt treffen wir Herbert aus Neuenbürg (einem Teilort Pforzheims), der hier die Wintermonate verbringt. Wenn man bedenkt, wie wenig Ausländer sich hierher verirren, nahezu eine Sensation.

Wenn wir dann nach langen und erfüllenden Erkundungs-Tagen abends zurück in unser Hostel “Hello Guesthouse” kommen, sitzen wir oft noch gemütlich mit Dijou, Julia und Tom aus Berlin, Lisa aus Schweden und anderen Reisenden beisammen.

DAS UMLAND – KÖNIGREICH DER MINANGKABAU

An mehreren Tagen leihen wir uns ein Moped und erkunden die Gegend um Bukkitinggi. Dabei ist oft schon der Weg unser Ziel. Das vulkanische Hochland in diesem Teil Sumatra´s ist äußerst fruchtbar und im milden Bergklima gedeihen Reis, Gemüse und Obst besonders gut. Die Landschaft ist grün, saftig und von klaren Flüssen durchzogen. Unterwegs kommen wir durch kleine Dörfer, in denen noch viele traditionelle Holzhäuser der Minangkabau mit den nach hornförmig nach oben gebogenen Giebeln das Ortsbild prägen. Die Minangkabau sind ein stolzes Volk, in denen traditionell die Frauen das Sagen haben. Ein spannender Besuch mit persönlicher Führung im Königinnenpalast enthüllt viel von ihrer spannenden Kultur.

DONAU MANINJAU

Ebenfalls mit dem Moped machen wir einen Tagesausflug zum Donau Maninjau. Dieser große Kratersee gilt als der perfekte Vulkankratersee überhaupt. In der Tat ist er schön. Uns bleibt vor allem auch die Anfahrt im Gedächtnis – über 48 (durchnummerierte) Haarnadelkurven führt eine steile kleine Straße hinab an den idyllischen See. Während hier bis vor wenigen Jahren noch Tourismus die Haupteinnahmequelle war, gibt es nun immer mehr nachhaltig geführte Fischzuchten im klaren Wasser des Kratersees. Wir verbringen einen gemütlichen Mittag bei gutem indonesischen Kaffee am Seeufer, essen – sehr zur Belustigung dieser – wie die Einheimischen in einem kleinen Warung mit den Händen Reis und Fisch und sehen dabei einem Affen zu, der dafür trainiert wurde um Kokosnüsse zu pflücken.

TRADITIONELLE BÜFFELRENNEN

Jeden 2. Samstag finden im Umland von Bukktinggi Büffelrennen statt. Dabei rennen jeweils 2 Büffel über ein geflutetes Reisfeld, angefeuert von der johlenden Menge am Rand. Gelenkt wird von einem Jockey, der mit je einem Fuß auf den Deichseln beider Büffel dazwischen steht. Nicht immer klappt das auf Anhieb und das Gejohle ist groß, wenn die Büffel einzeln losrennen und der Jockey in den Matsch fällt. Ob der schnellere der beiden Büffel gewinnt oder das schnellste Gespann, haben wir leider nicht herausgefunden. Der Veranstaltungsort wechselt jedes Mal und da wir mit unserem geliehenen Moped den Weg nicht gleich fanden und es zwischendurch heftig regnete, kamen wir etwas zu spät und haben nur noch das letzte Rennen gesehen… Trotzdem war die Atmosphäre großartig. Wie bei einem Dorffest gibt es drumherum um das Feld viele Essensbuden, Verkaufsstände, Kinderprogramm und ein (handbetriebenes) Riesenrad. Wir haben uns erklären lassen, dass die teilnehmenden Büffel verkauft werden sollen – und für schnelle Büffel können höhere Verkaufspreise erzielt werden.

DIE GRÖßTEN BLUMEN DER WELT

Im tiefen Dschungel Sumatra´s gedeihen allerlei seltenen und ungewöhnlichen Pflanzen. Zwei besondere Exemplare haben es sogar ins Guiness Buch der Rekorde gebracht: Die größten Blumen der Welt! Mit unserem Guide Joni wandern wir in der Nähe des Dorfes Palupuh tief in den Dschungel und obwohl wir ja am liebsten auf eigene Faust unterwegs sind, müssen wir eingestehen, dass wir die Blumen allein nie gefunden hätten. Über die Erste wären wir wohl einfach drüber gestiefelt. Denn auf den ersten Blick sahen wir nur einen baumstamm-artigen Trunk aus dem Boden ragen. Dass es sich dabei um den Blütenstengel einer Titanwurz handelt, erklärt uns fachkundig Joni. Die Titanwurz ist ein wahrer Gigant. Ihr Blütenstengel ragt bis zu 3 Meter gen Himmel empor. Damit gilt sie als höchste Blume der Welt. Sie zeigt allerdings selten ihre volle Pracht und blüht nur etwa alle 1,5 Jahre.

Noch seltener, nämlich nur einmal in 5 Jahren, blüht die Rafflesia Arnoldi. Tja, was sollen wir sagen? Wir verpassen ihre volle Blüte um ganze 3 Tage. Als wir da sind, sehen wir zwar eine riesige Blütenknospe, diese ist aber noch fest verschlossen. Wir entdecken noch ein verwelkendes Exemplar und können uns so ganz gut vorstellen, wie die größte Blume der Welt (gemessen am Durchmesser ihrer Blüte) wohl kurz darauf aussieht. Eigentlich ein Parasit, wiegt ihre Blütenknolle dann bis zu 11 kg und ist ca. 1 m im Durchmesser.

Ach, noch ein anderes Superlativ dürfen die beiden Blumen ihr Eigen nennen: während des Blühens sind sie die wohl am übelsten stinkenden Blumen der Welt! 🙂

LUWAK COFFEE

Zur Stärkung gönnen wir uns nach unserer Dschungelwanderung eine Tasse Kaffee. Aber nicht irgendeinen Kaffee, sondern Luwak Kaffee. Bei dem als feinste Kaffeesorte der Welt (wieder so ein Superlativ 😉 ) angepriesenen Getränk handelt es sich um ein zertifiziertes Produkt Sumatra´s, das original aus dem kleinen Dorf Palupuh stammt. Was den Kaffee so besonders macht? Sein Herstellungsprozess! Denn anders als beim gewöhnlichen Kaffee werden die Kaffeebohnen dafür nicht einfach auf der Plantage gepflückt. Sie werden aufgelesen. Besser gesagt wird der Kot der Wildkatzen aus dem Dschungel aufgesammelt, die die rein organischen Kaffeebohnen gefressen und ausgeschieden haben. Hört sich eklig an? Fanden wir auch! Wir lassen uns trotzdem zu einer Kostprobe überreden. Es heißt schließlich, man soll nichts verurteilen, was man nicht probiert hat. Und die wirklich tolle Vorstellung der Kaffee-Produzentin, die mehr als 100 Farmer aus mehreren Dörfern beschäftigt, um genügend Kot für die Produktion zu sammeln, überzeugt uns, dass am koffeinreichen Endprodukt nicht Ekliges mehr dran ist. Dafür soll die Kaffeesorte allerlei gesundheitsfördernde Eigenschaften haben. Der Kaffee riecht ausgesprochen aromatisch, vom Geschmack her finden wir ihn aber nicht mehr oder weniger intensiv als herkömmlichen guten Kaffe. Sein Preis liegt mit ca. 20 € / 100 g allerdings im gehobenen Segment.

Mit all diesen einmaligen Erlebnissen gefüllt vergeht die Woche, die wir bis zu unserer Abreise nach Singapur haben, wie im Flug. Und damit steht auch schon unser Abschied von der Insel bevor, die uns schwer gefallen hat.

Sumatra – eine Insel für Abenteurer und Entdecker, wild und brodelnd im Kern!

Wir danken unserem Guide Joni für das zur Verfügung stellen der Bilder vom Blüteprozess der Rafflesia Arnoldi. Und Danke an Dijou, dass wir Deine Bilder vom Büffelrennen zeigen dürfen.