111 Tage unterwegs – 55 Einblicke in unsere Reise

Diese Woche Dienstag, den 21. März 2017, sind wir seit genau 111 Tagen wieder auf Reisen. Ein guter Anlass finden wir, um über unsere Reise zu philosophieren und Euch schonmal einen kleinen Einblick zu geben, was wir in den vergangenen 111 Tagen so alles erlebt haben:

  1. Wir haben in den 111 Tagen 4 Länder bereist: Brasilien, Argentinien, Chile und Bolivien. Zählen wir die Länder dazu, die wir im Rahmen unserer Überfahrt nach Südamerika per Schiff besucht haben, kommen sogar noch 3 dazu: Italien, Spanien und Marokko. Mit Peru, Ecuador und Kolumbien soll es auf unserer Südamerika-Etappe noch in weitere 3 Länder gehen.
  2. Am 111. Reisetag machten wir eine geile Radtour: Es ging die „Death Road“ hinunter, die Studien vor wenigen Jahren als gefährlichste Straße der Welt belegten. Im Schnitt stürzten 26 Fahrzeuge pro Jahr hier in die Tiefe. Auf der Radtour von La Paz nach Coroico fuhren wir in 3 Stunden über 3.000 Höhenmeter auf der Death Road hinunter! Adrenalin pur!DANKE AN STEFAN K. & STEFAN W., DEREN GESCHENKE WIR FÜR DIESE RADTOUR EINGELÖST HABEN!!
  3. Von den Wasserfällen von Iguazu sind wir durch ganz Argentinien bis an die Südspitze des amerikanischen Kontinents und komplett Chile wieder hoch bis nach Sucre in Bolivien getrampt.
  4. Das macht 12.700 km per Anhalter! Verteilt auf 122 Lifts, die uns hilfsbereite Menschen gegeben haben – viele davon im Auto, auf Pick-up Pritschen, im LKW, in Kleintransportern, auf Ladeflächen…
  5. Unsere exotischsten Lifts waren ein Krankenwagen, ein Polizeiauto, ein Feuerwehrauto und ein Segelschiff!
  6. Unser längster Lift war eine 1.400 km lange Fahrt am Stück im LKW.
  7. Als wir in Bolivien (aufgrund der sehr günstigen Buspreise, des geringen Privatverkehrs überland, der Zurückhaltung der Bolivianer und der Praktik, dass Tramper sich am Benzingeld beteiligen) beschlossen von nun an per Bus weiterzureisen, fühlte es sich an wie das Ende eines Abenteuers. Traurig.
  8. Schon nach 3 Busfahrten sehnen wir uns wieder nach einem eigenen Transportmittel. Nach Aufregung. Nach Abenteuer.
  9. Beim Reisen per Anhalter lernt man die Menschen eines Landes und ihre Geschichten besser kennen als bei jeder anderen Reiseart.
  10. Wir wurden viele Male eingeladen – auf einen Kaffee, ein Mittagessen, eine Übernachtung – und ebenso viele Male beschenkt – mit Keksen, Wasser, einem Umweg für uns etc. Unzählige Male waren wir von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft uns gegenüber überwältigt!
  11. Aus manchen Begegnungen entwickelten sich bleibende Kontakte und sogar Freundschaften.
  12. Wir machten keine einzige schlechte Erfahrung beim Trampen durch Südamerika.
  13. Wir kennen nun alle möglichen latinoamerikanischen Musikstile und die aktuellen Charts aus Argentinien und Chile.
  14. Feuerland und das südliche chilenische Fjordland haben das wohl unwirtlichste – und gleichzeitig unwirklichste – Klima der Erde.
  15. In Patagonien sind Schneestürme, Hagel und Minusgrade selbst im Hochsommer keine Seltenheit. Auch 4 Jahreszeiten an 1 Tag sind ganz normal.
  16. Trotzdem haben wir hier 2 Monate lang ausschließlich gezeltet. Meist in der freien Natur. Unser Zelt ist inzwischen sowas wie unsere Höhle: Aufgebaut, reingewurschtelt, zuhause.
  17. Patagonien ist in allem extrem: extrem wenige Menschen, extrem schöne Natur, extrem starker Wind, extrem rau, extrem starke Sonne, extreme Wetterumschwünge, extrem langwierig zu erreichen, extreme Naturgewalten.
  18. Am Ende der Welt wartet immer ein Regenbogen!
  19. Nach der Zeit in Patagonien nehmen wir verschmutzte Luft und Abgasgeruch viel intensiver wahr.
  20. Der kalbende Gletscher Perito Moreno, die Wasserfälle von Iguazu und die Salar de Uyuni sind zusammen wohl drei der beeindruckendsten Wunder der Schöpfung, die wir bisher sahen.
  21. In Argentinien gibt es eine Provinz, die tatsächlich „La Pampa“ heißt. Sie ist…eben – reine Pampa: dürre Steppe, keine Bäume, keine Besiedlungen, kein Wasser. Die Pampa ist flächenmäßig größer als Deutschland.
  22. Korruption ist eines der größten Probleme für ein Land.
  23. Je höher der Lebensstandard in einem Land ist, desto teurer ist Essen.
  24. Chile, Argentinien und Brasilien haben dasselbe Preisniveau wie Deutschland.
  25. In Boliven ist es teurer Zutaten zum kochen zu kaufen als essen zu gehen. Für 1-2€ bekommt man im Restaurant ein komplettes Menü bestehend aus Suppe, Hauptspeise und Nachtisch.
  26. Hier gibt es auch endlich wieder leckeres Streetfood und frisch gepresste Fruchtsäfte an jeder Straßenecke.
  27. Mangos, Bananen und Avocados schmecken hier noch mindestens 10mal besser als aus dem deutschen Supermarkt.
  28. Wenn die Einheimischen das Leitungswasser trinken, tun auch wir dies bedenkenlos. Bisher ohne Probleme. In Plastikflaschen abgefülltes Wasser kaufen wir nur, wenn es absolut notwendig ist. In 3 Jahren Reisen haben wir viel zu viele Plastikflaschen am Straßenrand, im Meer und überall in der Natur gesehen.
  29. Wir wissen noch nicht genau, was es damit auf sich hat, aber bisher verging noch kein Tag, an dem wir in Bolivien keine Blaskapelle spielen hörten.
  30. Einfach Fragen öffnet alle möglichen Türen.
  31. Nett und mit einem Lächeln fragen sogar Tore.
  32. Egal wie wenig Klamotten wir dabei haben – selbst dann noch ziehen wir manches fast immer an und anderes fast nie.
  33. Nach fast 3 Jahren auf Reisen hat sich unser Gepäck fast um die Hälfte reduziert.
  34. Man kann sich auch in Orte verlieben, nicht nur in Menschen.
  35. Die schönsten Plätze sind nicht leicht zu finden. Und sie stehen in keinem Reiseführer.
  36. Wir sind keine Gruppenreisenden.
  37. Wir sind viel lieber draußen und wandern zur 10. Lagune als länger in einer Großstadt zu sein. Die sehen oft irgendwie gleich aus. Grau.
  38. Vieles kommt auf die Sichtweise an – in Australien’s Outback ist Regen ein Grund zur allgemeinen Freude. Im chilenischen Fjordland tägliches Ereignis.
  39. An den meisten Orten ist es nicht gefährlicher als zuhause.
  40. Fragt man die Einheimischen, ist es im Nachbarland/im Nachbarort/in der Nachbarprovinz immer viel gefährlicher.
  41. Es gibt nur sehr wenige Orte, an denen kein anderer Deutscher ist.
  42. Gastfreundschaft hat nichts mit Wohlstand oder Armut zu tun.
  43. Die Monate im australischen Outback und in Patagonien haben uns geprägt: Größere Menschenansammlungen und vor allem hohes Verkehrsaufkommen gehen uns schnell auf die Nerven.
  44. Wir schlafen inzwischen viel lieber in unserem Zelt als in einem mäßigen Hostel mit verranzter Küche oder schmuddligem Badezimmer.
  45. Aber auch die Nacht in der Turnhalle, die als Notunterkunft aufgrund der Überflutungen in der chilenischen Region Aysen geöffnet war, war nicht so schlecht. Es gab Kaffee, Frühstück und sogar eine heiße Dusche.
  46. Allgemein herrscht das Klischee, Südamerikaner seien unpünktlich. Auf Chilenen trifft das ganz und gar nicht zu. Hier fahren selbst Tourbusse überpünktlich ab.
  47. Es gibt schwarzweisse Delfine! Und Pinguine mit gelben Halskrägen! Und wir haben sie gesehen!
  48. Mit Seelöwen zu schnorcheln war eine der genialsten Erfahrungen unserer Reise!
  49. Insgesamt tragen wir in Südamerika sehr viel häufiger unsere Wanderschuhe als unsere Flipflops.
  50. Auch unsere Regenjacken hatten wir schon häufiger an als unsere kurzen Hosen. Irgendwie hatten wir uns den südamerikanischen Sommer wärmer vorgestellt. Wir sind aber auch meist in Höhenlagen zwischen 3.000-5.000 Meter unterwegs.
  51. Wenn es dann mal wo warm ist, ist es gleich richtig heiß.
  52. Kurz vor San Pedro de Atacama in Chile haben wir zum 2. Mal (das 1. Mal war an der Westküste Australien’s) den tropischen Breitengrad der Südhalbkugel, den „Tropic of Capricorn“, überquert. Wir freuten uns wie verrückt.
  53. Nichts ist unbefriedigender, als einen Gipfel zu erklimmen – und nichts außer einem grauen Wolkenmeer zu sehen.
  54. In der Regel lohnt es sich, fremden Menschen die Chance zu geben, ihre gute Seite zu zeigen. Ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschen vorausgesetzt, widerfährt einem unheimlich viel Gutes.
  55. Auch auf einer Reise ist nicht jeder Tag fantastisch. Mal ist es anstrengend, mal mühsam und oft müssen wir uns jedes Mal auf’s Neue außerhalb unserer Komfortzonen wagen. Aber am Ende des Tages werden wir immer wieder für die Anstrengungen belohnt.

Ergo: Diese Reise ist bis heute das Beste, was wir unternommen haben!