Zu Besuch in Tonga – dem kleinen Königreich, in dem die Zeit beginnt!

Das Abenteuer Südsee ist für uns nach Vanuatu noch nicht zu Ende. Unser Reise führt uns mit einer Nacht Aufenthalt auf Fiji weiter gen Osten nach Tonga. Tonga what? Liegt das irgendwo in Afrika? Nicht vielen Menschen in Europa ist Tonga ein Begriff. Kein Wunder – liegt der kleine Inselstaat doch ziemlich abgelegen mitten im Pazifik auf der anderen Seite des Planeten. Gerade einmal 100.000 Einwohner leben auf 40 der insgesamt 176 Inseln, die zu dem Land gehören. Tonga ist unser erstes Königreich auf unserer Reise.

Der König lächelt uns auch direkt von Plakaten entgegen, als wir auf der Hauptinsel Tongatapu ankommen. Und wir bekommen gleich eine Idee davon, warum James Cook den Inseln bei seiner Entdeckung den Namen Friendly Islands gab: Vor der Ankunftshalle des kleinen Flughafens erzählen uns die wartenden Taxifahrer, dass es hier keinen Flughafenbus in die 40 Minuten entfernte Hauptstadt Nuku’alofa gäbe. Da wir dies fast an allen Flughäfen hören und sich meist herausstellt, dass es sehr wohl eine weitaus günstigere Variante als das Taxi gibt, ignorieren wir die Taxifahrer und laufen über den Parkplatz.

Und siehe da, da steht auch schon ein alter, etwas klappriger Bus. Wir sollten schnell feststellen, dass so gut wie alle Autos in Tonga so aussehen: alt und zusammen geflickt. Der Fahrer steigt gerade ein. Schnell laufen wir zu ihm und fragen, ob er nach Nuku’alofa fahre. Er bejaht und bedeutet uns einzusteigen. Auf unsere Frage, was die Fahrt denn koste, schüttelt er den Kopf. Mensch, das ist ja mal klasse, denken wir uns! So ein Service – hätten wir gar nicht erwartet. Der Bus füllt sich schnell, viele jugendliche und ältere Fahrgäste steigen ein. Irgendwie scheinen sich alle zu kennen. Während der Fahrt kommen wir mit einem der Jugendlichen vor uns ins Gespräch. Wie sich herausstellt, sitzen wir in einem privaten Familienbus – die ganze Busgesellschaft hat gerade ein Familienmitglied am Flughafen verabschiedet 😀

Im Zentrum der bisher kleinstädtischsten Hauptstadt unserer Reise angekommen, steuern wir als erstes den großen Markt an. Es ist Mittagszeit und wir beschließen, erst etwas zu essen bevor wir uns auf die Suche nach einem Hostel begeben. Noch während wir essen, werden wir von einem tonganisch-australischen Paar angesprochen. Sie hätten unsere Rucksäcke gesehen und wollen uns anbieten, uns mit ihrem Auto zu den Unterkünften zu fahren, die wir uns anschauen wollen. Dann bräuchten wir bei der Hitze nicht durch die Stadt laufen. Wow! Wir nehmen das Angebot gerne an. Wie wir später heraus finden, ist Uili ein berühmter tonganischer Künstler.

Bei soviel Freundlichkeit finden wir es nicht weiter schlimm, dass auf der Hauptinsel Tongatapu noch nicht viel vom Südseeflair zu spüren ist. Zwar ist das Meer selbst im Hafen unglaublich blau, einen Strand suchen wir in diesem Teil der Insel allerdings vergeblich. Dafür gibt es selbst in der Stadt Bananenstauden und Palmen en mas. Da die Fähre auf die weiter entfernten Inselgruppen Ha’apai und Vava’u nur zweimal die Woche fährt, bleiben wir zunächst 5 Tage in Nuku’alofa. Die Alternative Flug zur 12- bzw. 24-stündigen Fährfahrt ist uns schlicht und ergreifend zu teuer. Außerdem würden wir jederzeit eine authentische (lokale) Fährfahrt einem kurzen Flug vorziehen. Mit dem Backpacker’s Townhouse finden wir ein sehr gemütliches Hostel in guter Lage. Heißt: in Gehdistanz zu vielen kleinen Eisdielen, in denen wir uns ungezählte, unwiderstehlich leckere und absolut riesige tonganische Waffeleis gönnen 😉 Tags darauf ist der 31. Dezember. Nachmittags erhalten wir eine tolle Einstimmung in die vielfältige Kultur der Südsee: Zu den fröhlichen Klängen von Ukulele und co. werden von professionellen TänzerInnen traditionelle Tänze verschiedener polynesischer Völker aufgeführt.

Für abends hat uns eine Couchsurferin, die wir anschrieben, netterweise eingeladen mit ihr und ihren Freunden am Lagerfeuer ins neue Jahr zu feiern. In internationaler Runde sitzen wir so – etwas ruhiger, als wir sonst gerne Silvester feiern 😉 – im Flammenschein zusammen und grillen im offenen Feuer Marshmallows. Unseren mitgebrachten Beitrag an Getränken müssen wir allerdings größtenteils selbst vernichten ;-D Auch das Silvesterfeuerwerk fällt inselweit sehr gediegen aus – kein Vergleich zum letztjährigem Spektakel in Sydney – und knapp eine halbe Stunde später ist die Party dann auch schon zu Ende. Wir müssen dazu sagen, dass Silvester vom Großteil der Tonganer traditionell mit einem gut dreistündigen Kirchgang begangen wird – gefolgt von anschließenden Gottesdiensten im Kreise der Familie. Im Vergleich dazu feierten wir also durchaus eine wilde Party 😉

Überhaupt sind die Tonganer sehr religiös. Wie schon auf Vanuatu ist der Sonntag auch auf Tonga Kirchentag. Hier geht die Ehrung des christlichen Ruhetages aber noch einen Schritt weiter: per Gesetz sind sonntags neben dem Genuss von Alkohol auch alle körperlich anstrengenden Aktivitäten verboten – selbst Sport wie schwimmen oder joggen darf nicht getrieben werden. (Ausnahme sind die Resort-Inseln für Touristen) Nach dem sonntäglichen Kirchgang versammelt sich meist die ganze Großfamilie zum sonntäglichen Festessen. Wir durften zweimal von solch einem Feast kosten und es war beide Male sehr lecker. Anschließend wird für den Rest des Tages geruht…nicht, dass die Tonganer die restlichen Tage gehetzt durch die Gegend flitzen: zwar ist Tonga durch seine Lage direkt an der Datumsgrenze das erste Land, in dem jeden Tag die Sonne aufgeht. Hektik gibt es in dem Land, in dem die Zeit beginnt, deshalb aber keine. Ganz im Gegenteil: manchmal scheint es uns eher, als ob Zeit in dem kleinen Königreich ein sehr dehnbarer Begriff ist… 😉

In den nächsten Tagen erkunden wir die kleine Hauptstadt, unternehmen eine Radtour über die Insel, decken uns auf dem Markt mit Gemüse und fangfrischem Fisch ein und kochen mal wieder selbst. Wenn man das nicht ständig tut, macht das richtig Spaß 🙂 Die Abende verbringen wir mit anderen Reisenden in unserem Hostel. Vor allem, wenn die Gruppe junger Fidschianer ihre Gitarren zückt und die Kavaschalen reihum gehen lässt, werden die Nächte lang und lustig. Die jungen Männer sind als Schiedsrichter eines Rugby-Turniers auf Tonga (und das erste Mal außer Landes) und bereits nach 2 Wochen schwer Heimweh geplagt – was sie in beneidenswert melodischen Klängen wiedergeben können.

So vergehen die Tage auf Tongatapu auch ohne lümmeln am Traumstrand wie im Flug. Schon steht uns die zwölfstündige Fährfahrt zur Inselgruppe Ha’apai bevor. Unseren Fähr-Erfahrungen auf Vanuatu sei Dank sind wir ja schon abgehärtet. Deshalb versetzt es uns auch nicht allzu sehr in Aufregung, dass erst 2 Tage vor unserer Abfahrt ein schwerer Zyklon knapp an der Hauptinsel vorbei zwischen Tongatapu und Ha’apai vorbeigezogen ist. Wir haben dann auch tatsächlich keine Probleme mit der Seekrankheit. Einigen unserer (einheimischen) Mitreisenden auf der offenen Liegefläche auf dem Oberdeck macht der hohe Seegang aber doch hör- und vor allem riechbar… – schwer zu Schaffen. Das ist auch kein Schande: immerhin rollt das Schiff so stark von einer Seite zur anderen, dass wir uns nur mit beiden Händen festgeklammert an Bord bewegen können. Unter diesen Umständen sind wir ziemlich froh, dass uns der zuständige Schiffs-Stewart für ein kleines „Trinkgeld“ in den 1. Klasse-Kabinen tief im Schiffsrumpf weiterschlafen lässt, in die wir uns still und heimlich verkrochen haben… In den Stockbetten hier rollen wir wenigstens nur von einer Bettseite zur anderen. Nur gegen das ohrenbetäubende Krachen der meterhohen Wellen gegen die Schiffswand hilft auch das nicht… Da müssen mal wieder unsere Ohropax ran 🙂

Für die strapaziöse Überfahrt werden wir tags darauf mehr als entschädigt: auf der Inselgruppe Ha’apai erwartet uns das Südsee-Paradies aus dem Bilderbuch…