Pyin Oo Lwin und Hsipaw – wo die Zeit stehen geblieben scheint

Obwohl Pwin Oo Lyin eigentlich noch zum Großraum Mandalay gehört, ergreift bei unserer Ankunft das Gefühl von uns Besitz, in der Zeit zurück gereist zu sein…

Etwas abseits der touristischen Hauptroute durch Myanmar erwarten uns in der netten Kleinstadt mit Kolonialflair staubige Sandpisten, ein von Queen Victoria gestifteter Uhrenturm und Pferdekutschen als Taxen. Diese teils noch originalgetreu aus dem Jahr 1916. In den 2 Tagen lassen wir uns auf das alte Birma ein: wir erkunden erhabene alte Kolonialbauten, lassen uns in einem fast 100 Jahre alten Einspänner zum Bahnhof kutschieren und trinken für uns frisch von Hand gemahlenen Shan Kaffee.

Anschließend geht unsere Reise weiter in den erst seit kurzem für Touristen zugänglichen Nordosten des Landes, den Shan-Staat. Genauer gesagt in das kleine Städtchen Hsipaw. Hier haben wir unsere ganz persönliche Begegnung mit der jüngeren Geschichte Burmas: In Hsipaw steht der einzige nicht zerstörte Shan-Palast des Landes. Die Shan-Fürsten lenkten bis zur Machtübernahme durch das Militär die politischen Geschicke des Shan-Staates. In diesem Palast lebt bis heute die Frau des Neffen des letzten Shan-Fürsten. Jeden Tag öffnet sie die Tore und erzählt interessierten Besuchern von ihren Erlebnissen und den Zuständen in der Zeit des Militärregimes. Eine sehr persönliche und tief gehende Erfahrung.

** Wer Lust hat, mehr über das Thema zu erfahren – oder wer für die Wartezeit auf den nächsten Bericht gerne was zu lesen hätte 😉 – in ihrem Buch „Dämmerung über Birma – Mein Leben als Shan-Prinzessin“ erzählt die Österreicherin Inga Sargent, Ehefrau des letzten Shan-Fürsten, aus ihrem Leben als Shan-Prinzessin in Hsipaw.**

Hsipaw ist einer der Orte, an denen wir länger bleiben als gedacht. Weil es uns einfach so gut gefällt. Wir finden mit Lily eine herzliche Gastgeberin, die uns sofort bei unserer Ankunft in -und an- ihr Herz schließt. Unser gemütliches Doppelzimmer ist eines von der Sorte, in dem wir uns innerhalb von Minuten „zuhause“ fühlen und unser privater Balkon ist das Sahnehäubchen auf der Hosteltorte. Wir liegen hier aber nicht (nur) auf der faulen Haut, sondern schnüren die Wanderschuhe.

TREKKING MIT AUNG SAN

Falls jemandem der Name Aung San geläufig sein sollte 😉 – genau: Aung San war der große Reformator, der kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit Burmas von Großbritannien das Land zur Demokratie führen wollte. Wäre dies geglückt, wäre Myanmar heute vielleicht auf einer ganz anderen Entwicklungsstufe. Tragischerweise wurde Aung San nur wenige Monate nach der Anerkennung des Staates vom Militär ermordet und so schrieb bekanntermaßen das Militärregime die letzten 50 Jahre der Geschichte Burmas. Die Tochter Aung San´s wird sicher mehr Menschen etwas sagen – es ist Aung San Suu Kyi, die heutige Oppositionsführerin, die bis 2010 15 Jahre lang unter Hausarrest stand und für ihr Engagement für eine gewaltlose Demokratisierung ihres Landes im Jahr 1991 den Friedensnobelpreis verliehen bekam.

Ein großer Name also, dieser Aung San. So ganz waren wir uns nicht sicher, ob unser Trekkingguide diesem gerecht werden würde, als uns Lily bei der Buchung unserer 2-Tageswanderung erzählte, dass unser Guide Aung San gerade einmal 20 Jahre alt sein würde. Als wir ihn jedoch tags darauf kennen lernen, sind unsere Bedenken rasch verflogen. Aung San entpuppt sich als hervorragender Guide. Zusammen mit Hanna & Calham aus Neuseeland bzw. Schottland als sympathische Weggefährten brechen wir zu der 42 km langen Wanderung auf. Aung San’s Wissen über die lokale Flora & Fauna ist beeindruckend und auch über Land & Leute weiß er viel zu erzählen. Unser Weg führt uns vorbei an vielen Dörfern der ethnischen Palaung und der Shan, zwischen Reis- und Maisfeldern hindurch und über majestätische Bergkuppen mit weiter Sicht ins malerische Flusstal. Mit zunehmender Höhe nehmen die Teeplantagen zu und an den Berghängen wird zunehmend Klebreis angebaut. Nach dem Mittagessen bei einer lokalen Familie vergehen die Stunden wie im Flug und vor Einbruch der Dunkelheit kommen wir im Heimatdorf von Aung San an. Unser Nachtlager schlagen wir im Haus seiner Eltern auf, die mit Teeanbau ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Tee aus dem Shan-Staat soll ganz besonders schmackhaft sein. Das können wir als Laien nicht beurteilen, aber der Teeblattsalat, den Aung San’s Mutter auf Uli’s Wunsch für uns zum Abendessen zubereitet, ist jedenfalls der beste in ganz Burma! Fließend Wasser gibt es nicht im Dorf und so duschen wir uns wie die Einheimischen – mithilfe einer Schüssel Wasser am Brunnen hinter dem Haus.

Die Nacht hindurch schüttet es wie aus Kübeln, aber am nächsten Morgen scheint rechtzeitig zu unserem Aufbruch wieder die Sonne. Nur die schlammigen Trampelpfade mitsamt meterlangen Pfützen erinnern noch an den Regen der vergangenen Nacht. Als wir den ersten Fluss überqueren müssen, sind wir froh um unsere guten (wenn auch im Rucksack so schweren) Wanderschuhe. Hanna & Calham ziehen ihre Sneakers hier aus – nasse Füße Haben sie im Gegensatz zu uns schon lange.

Nach 19 weiteren Kilometern kommen wir an unserem verdienten Mittagsziel an und mit dem Tuk Tuk geht es die letzten Kilometer auf der Hauptstraße zurück nach Hsipaw. Weil es so schön war, beziehen wir bei Lily’s Home nochmal für 2 weitere Nächte unser kuscheliges Balkonzimmer und genießen mit anderen Reisendenden im gemütlichen Innenhof den am nächsten Tag einsetzenden Muskelkater 🙂

Dazwischen gehen wir bei Miss Popcorn im Garten Pfannkuchen essen, bei Mister Shake leckere Cocktails schlürfen, besichtigen „Little Bagan“ sowie einen hölzernen Buddha und dann haben wir auch so ziemlich alles in dem sympathischen kleinen Städtchen gesehen 😉

Es ist Zeit für ein neues Abenteuer: Unsere Zugfahrt in Myanmar!

Herzlichen Dank an Lily von Lily’s Home für das Upgrade in das gemütliche Balkonzimmer.