Gesucht: Unberührte Landstriche und besondere Begegnungen!

GEFUNDEN: DAS Volk DER PADAUNG

Den ersten Anreiz gab eine Broschüre, die uns zufällig in Yangon im Büro des MTT (Ministry for Travel & Torism) in die Hände fiel, als wir uns wegen nötigen Sondergenehmigungen für den südlichen Landesteil erkundigten. Auf deren Rückseite war eine in traditionelle Gewänder gekleidete Frau in voller Tracht abgebildet. Um ihren lang gereckten Hals: viele Reihen schwerer Silberringe. Dieser Halsschmuck ist die Besonderheit der Padaung, die in Burma auch das Volk der Roten Karen genannt werden. Übersetzt und touristisch vermarktet werden sie häufig als Giraffenhalsfrauen. Eine Bezeichnung, die die Angehörigen des Volkes aber ablehnen.
Wir waren erstaunt und geben zu – unwissenderweise hätten wir diesen Stamm eher irgendwo in Afrika vermutet. Ja, dieses Volk siedle im Osten des Landes, aber Genaueres konnte uns die freundliche Dame an der Information leider auch nicht sagen. Auch das Nachschlagen in unserem Reiseführer brachte erstmal keinen Erfolg.

Nun gut, wir hatten auch erstmal andere Pläne und reisten in den Süden des Landes und anschließend in den Norden. Aber die Padaung waren im Hinterkopf. Allerdings gab es nirgends mehr Hinweise auf dieses interessante Volk. Eher zufällig stießen wir einige Zeit später doch noch auf eine kleine Passage in unserem Loose, in der die Padaung in einem Nebensatz erwähnt wurden.

Wir waren inzwischen am Inlesee und hatten noch knapp eine Woche, bevor unsere Visa abliefen. Ganz in der Nähe von hier, ca. 150 km weiter südlich, sollte es ein Padaung-Dorf geben. Wir waren unschlüssig. Kamen wir mit dem Bus dorthin? Lohnte es sich, dorthin zu fahren? Und möchten wir, trotz aller Neugier, überhaupt? Wir wollten keinen Minderheiten-Tourismus unterstützen, der die kulturelle Besonderheit kleiner Völker vermarktet.

Den Ausschlag gab schließlich unsere recht erfolglose Internetrecherche. Trotz mehrstündiger Suche konnten wir keine Erfahrungsberichte anderer Reisender finden, die hier bereits die Padaung besucht hatten oder überhaupt in diesem Gebiet Myanmars waren.

(Was wir fanden, waren mehrere Dörfer im Norden Thailands, wohin viele Angehörigen der verschiedenen Minderheiten während der Zeit des Militärregimes vor der kulturellen Unterdrückung flohen und wo diese mittlerweile auch stark touristisch vermarktet werden. Da mochten wir nicht hin.)

Es wurde deutlich, dass dieses Gebiet Burmas ein weisser Fleck auf der touristischen Landkarte ist. Klare Sache: DA möchten wir hin! 🙂

Nach einiger Informations-Suche wussten wir auch, wie wir dorthin kommen konnten: Zunächst mussten wir morgen uns 7 Uhr mit einem Pick-up zur großen Kreuzung eine halbe Stunde weiter nördlich und dort den Bus erwischen, der gegen 8 Uhr aus der Bezirksstadt Taunggy in den Süden fahren sollte. Dieser Bus war selbst unter den Bussen Burmas schon ein echter Oldtimer: mit seinen wackeligen Sitzen, einer ausgehängten Tür, meterhoher Dachbeladung und zusätzlichen Plastikstühlen im Gang war er so überladen wie klapprig. Dass wir für die 150 km ganze 8 Stunden brauchen sollten, konnten wir uns dennoch noch nicht so recht vorstellen. Aber das sollte sich rasch ändern… 😀

Die Straße gen Süden stand in ihrer Beschaffenheit dem Bus in nichts nach! Und so ging es im Schneckentempo holpernd auf einer staubigen Piste am Inlesee entlang. Unterbrochen wurde die Fahrt noch von einer Mittagspause, die ausgiebig ausgedehnt wurde, da irgendetwas am Bus repariert werden musste. Wir waren kaum überrascht 😉
Gegen Spätnachmittag kamen wir in der kleinen Stadt Loikaw an. Von hier aus sollte lt. Reiseführer eine 6-stündige Wanderung in das Dorf der Padaung führen. Das war bis dahin auch alles, was wir an Info hatten. 😀 Aber wir wissen aus Erfahrung, das vor Ort meist die akkuratesten Infos zu bekommen sind.

Hier hatten wir allerdings das Problem, dass wir uns kaum verständigen konnten. Statt Englisch hätten wir auch genausogut auf Sulaheli fragen können und auch unsere Verständigung mit Händen und Füssen wollte nicht klappen. Wir glauben nicht, dass vor uns schon viele Ausländer den Weg hierher fanden. Als wir dann doch noch jemanden fanden, der Englisch sprach, hatte dieser noch nie von einem Dorf der Padaung in der Umgebung gehört. Abhilfe fand sich schließlich in unserem Hotel, dessen Besitzer das Dorf kannte und einer der anderen Gäste dezentes Englisch sprach und als Übersetzer fungierte. So fanden wir heraus, dass das Dorf der Padaung Pan Pe´hieß und ca. 30 km entfernt in der Nähe des Marktfleckens Demoso lag.

Mit einem Zettel ausgerüstet, auf dem in Burmesisch der Name des Dorfes stand zogen wir am nächsten Morgen los. Die ersten Tuk Tuk Fahrer winkten ab. Das Dorf kannten sie nicht. Schließlich fanden wir einen jungen Fahrer, der meinte das Dorf zu kennen. Überraschend schnell wurden wir uns auch über den Fahrpreis einig, kletterten auf die Ladefläche und los ging die holperige Fahrt. Kurz hinter dem Ortsausgang war allerdings schon Stopp. Ein Kontrollposten des Militärs. Ob wir eine Sondergenehmigung hätten, um diesen Landesteil zu betreten? Ab hier sei für Ausländer gesperrtes Gebiet. Hatten wir natürlich nicht. Wir gaben die blauäugigen, naiven Touristen und tatsächlich willigte der Beamte ein, uns ausnahmsweise für 3 Stunden ohne Sondererlaubnis passieren zu lassen.
Die erste Hürde war genommen. Die zweite folgte sogleich: Wie sich herausstellte, kannte der Fahrer das Dorf doch nicht. Deshalb auch der geringe Preis…. Nach einigem Diskutieren in verschiedenen Sprachen setzte er uns schließlich im nächsten Ort ab, von wo aus wir mit dem Motorbike und 2 Locals weiter fahren sollten. Auch gut.

Wir fuhren ab hier nochmals eine gute Stunde mit den Motorbikes und waren angesichts der Sandpiste froh, die Strecke nicht im Tuk Tuk zurückzulegen. Links und rechts des Weges wartete die schönste Landschaft. Der Himmel war strahlend blau und das von der Regenzeit frische Gras und die Bäume leuchteten sattgrün im Kontrast zu den roten Sandwegen. Sanft geschwungene Hügel, Reisfelder und grasende Kuhherden säumten die letzten Kilometer. Dann kam das Dorf in Sicht.

An einem Verkaufsstand hatten wir unsere erste Begegnung mit einer Angehörigen des Padaung Volkes, die sich über unseren Besuch und die von uns mitgebrachten Gastgeschenke (Waschmittel, Tabak, Seife etc.) freute. Wir fuhren weiter ins Dorf hinein und trafen hier noch weitere Frauen mit den markanten Silberspiralen um den Hals. Unsere Begleiter konnten aber leider nur bedingt als Dolmetscher fungieren, da das Volk der Padaung eine eigene Sprache spricht. Wie wir erfuhren werden kurze Spiralen schon im Kindesalter um die Hälse der jungen Mädchen gebogen. Die Spiralen werden nur sehr selten abgelegt. Die Halsmuskulatur bildet sich zurück, wodurch es für die Frauen anstrengend ist, keine Spirale zu tragen. Dass mit dem Ablegen der Spiralen der Hals den Kopf nicht mehr trägt, stammt jedoch aus dem Reich der Ammenmärchen.

Mit den Jahren werden die Spiralen immer länger und der Hals so gedehnt. Bzw. werden eigentlich die Schultern nach unten gedrückt, was wir bei den Frauen auch gut sichtbar war. Neben den auffälligen Halsspiralen tragen die Padaung-Frauen auch Silberreife um Hand- und Kniegelenke. Wie wir aber sahen, tragen nicht mehr alle Frauen des Stammes den traditionellen Schmuck. Vor allem jüngere Frauen verzichten zunehmend darauf.

Bilder machten wir bei diesem Ausflug recht wenige und auch nur mit den Frauen, die gerne einwilligten, sich mit ihrem seltenen Schmuck fotografieren zu lassen.
Bei anderen hatten wir den Eindruck, dass sie nicht gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen oder sich auf Polaroid verewigt sehen wollten. Da zückten wir dann natürlich gar nicht erst die Kamera. Ebenso wenig wie im Vorort zum Dorf, wo sich eine Padaung-Frau zwar sehr gerne fotografieren lassen wollte, aber gleich dafür Geld verlangte.

Was wir auch etwas verstehen können. Wie oft waren wir selbst in China versucht, einen Yuan pro Foto zu verlangen, wenn uns die Linsen vor der Nase zuviel wurden. 😉

Da wir uns nicht allzu viel mit den Frauen unterhalten konnten und viele der Dorfbewohnerinnen auch bei der Feldarbeit und nicht zuhause waren, machten wir uns bald darauf wieder auf den Rückweg. Dieser brachte uns am nächsten Morgen dann in einer abermals achtstündigen Busfahrt zurück an den Nordzipfel des Inlesees. Zwar wollten wir weiter nach Süden reisen, um im Süden Myanmars bei Iawaddy überland nach Thailand zu reisen – allerdings ist die einzige Busverbindung von und nach Loikaw der tägliche Bus nach Norden. Also alles wieder zurück.
Direkt im Anschluss fuhren wir in 10 Stunden nach Yangon. Dort stiegen wir um und fuhren in nochmal 6 Stunden weiter nach Hpa An. Und von dort am nächsten Morgen in 3 Stunden zur Grenze nach Thailand. Alles in allem verbrachten wir damit 27 Stunden auf der Straße – aber dafür wartete direkt hinter der Grenze schon das erste Thai Curry auf uns! 🙂

Unser Fazit:
Abgelegene Orte abseits der ausgetretenen Touristenpfade liegen meist nicht direkt neben der Hauptstraße. Dafür sind die Begegnungen wie in diesem Fall oft umso spannender und etwas ganz Besonderes!