Von A nach Z in Myanmar

Von außergewöhnlichen Transportmitteln und Erlebnissen on the road

Die Transportmittel in Myanmar sind so exotisch wie verschieden. Außerdem sind wir in den 4 Wochen quer durch das Land gereist und haben so zahlreiche Stunden auf der Straße verbracht. Deshalb widmen wir diesem Thema einen eigenen Eintrag in unserem Reisetageblog.

DIE TRISHAW

Diese Fahrradtaxis haben ähnlich den bekannten Fahrrad-Rikschas einen kleinen Beiwagen. Allerdings nicht hinter, sondern neben dem Fahrrad. Auf diesem können Rücken an Rücken 2 Passagiere Platz nehmen. Die Sitzbreite ist dabei noch nicht auf die breiteren Wohlstandshintern westlicher Touristen ausgelegt. 😉 Dann geht die Fahrt je per Muskelkraft des Fahrers mehr oder weniger rasant los. Wir fuhren damit einmal durch Yangon und in dem chaotischen Verkehr waren wir ganz froh, als wir wohlbehalten an unserem Ziel ankamen. Einst waren die Trishaws das Symbol für das brodelnde, burmesische Großstadtleben. Heute versucht die Regierung die Trishaws als „Verkehrshindernisse“ oder auch „Symbole der Armut“ aus den Innenstädten zu verbannen. (Leider haben wir es verpasst, davon ein gutes Foto zu schießen)

PICK-UPS

In verschiedenen Größenordnungen fungieren die Pick-ups als Sammeltaxis. Sie fahren bestimmte Routen ab und fahren meist erst dann los, wenn sie ganz voll sind. Die Fahrpreise sind günstig. Von Vorteil sind etwas Abenteuerlust und ein gutes Sitzfleisch, um an den meist schaukelnden und ruckeligen Fahrten Spaß zu finden.
Die meisten Pick-ups sind mit einer Dachplane ausgestattet, die vor Sonne und Regen schützt. Die Passagiere sitzen mehr oder weniger zusammengepfercht auf den längsseitigen Bänken auf der Ladefläche. Für die vorderen Sitze in der Fahrerkabine muss mehr bezahlt werden. Und sind die Bänke hinten voll, werden nicht selten noch Plastikhocker in der Mitte aufgereiht. Einer passt immer noch rein.

 BUSSE

Die an sich unspektakulären Vehikel bekommen ihren Besonderheitswert daher, dass es sich dabei – abgesehen von den meisten VIP-Touristen-Bussen – um wahre Oldtimer handelt. Was in China aus dem Straßenverkehr ausgemustert wird, wird hier noch viele weitere Jahre als Linienbus eingesetzt. Und wenn die Türen nicht mehr in den Halterungen halten, können sie ja immer noch mit Seilen festgemacht werden. Und wer braucht schon durchgehend Fenster? Auch ein bisschen Wasser, das bei Regen durch das Dach tropft, hat noch keinem geschadet. Auf längeren Fahrten werden regelmäßig alle 2 Stunden Pausen eingelegt. Was tagsüber zum Beine ausstrecken sehr angenehm ist, uns nachts aber des öfteren aus dem mühsam erkämpften Schlaf gerissen hat. Für längere Strecke und auf der Hauptroute der Nord-Süd-Achse sind Busse die Hauptverkehrsmittel. Die Eisenbahn ist hier nicht wirklich konkurrenzfähig 😉

DIE EISENBAHN

Ein Highlight und Erlebnis gleichermaßen ist eine Fahrt mit der burmesischen Eisenbahn! Im Vorfeld hatten wir schon einige Male gelesen, dass eine Fahrt auf Schienen in Myanmar ein einmaliges Erlebnis ist. Andere Reisende, die bereits mit der Eisenbahn gefahren sind, erzählten uns die lustigsten und haarsträubendsten Anekdoten. Für uns war klar: Wir wollen TschuTschu fahren. Wir hatten uns für unsere Fahrt auf den Gleisen eine der ältesten Bahnstrecken Myanmars ausgesucht: Die Fahrt von der Bergstadt Pyin Oo Lwin nach Hsipaw im Nordosten des Landes. Die Strecke verläuft durch eine tolle Berglandschaft und über die berühmteste Eisenbahnbrücke Mynamars – das Gokteik-Viadukt. Diese ist seit 1901 in Betrieb, 111 m hoch und wird äußerst vorsichtig im Schritttempo befahren – perfekt für leidenschaftliche Reisefotografen 😉

Genau 2 Züge verkehren täglich zwischen Lashio, der chinesischen Grenzstadt im Nordosten und Mandalay. Einer „up“ nach Norden, einer „down“ in die Gegenrichtung.
Aus unserer geplanten Fahrt wurde aber zunächst nichts. Als wir in Pyin Oo Lwin morgens 1 Stunde vor Abfahrt am Bahnhof im Kolonialstil eintrafen, erfuhren wir, dass heute kein Zug fahren würde. In der Nacht zuvor war bei einem Unwetter ein Erdrutsch auf den Schienen nieder gegangen, wodurch die Strecke unpassierbar war. Der nächste Zug würde evtl. in 3 Tagen fahren, genau konnte das noch niemand sagen. Also fuhren wir erst einmal mit dem Bus nach Hsipaw, um dann den Rückweg mit dem Zug zurückzulegen.

Die luftige Fahrt war in der Tat ein Erlebnis. Das Ticket kostete uns knapp 1 USD – für 7 Stunden Fahrt. Mit dem Bus hatten wir 4 Stunden für dieselbe Strecke benötigt. Warum, wurde uns schnell bewusst, als der Zug sich ruckelt in Bewegung setzte: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Eisenbahn lag bei ca. 15 km/h und abschnittsweise hatten wir das Gefühl, mehr seitwärts zu schwenken als vorwärts zu fahren. Munter hüpften wir auf unserer Sitzbank auf und ab. Was zum größten Teil daran lag, dass die verlegten Schienen mehrheitlich noch original aus der Kolonialzeit stammen. Teilweise waren sie bereits so überwuchert, dass sie nicht mehr zu erkennen waren.

Wir hatten Holzklasse gebucht. Und sie machte ihrem Namen alle Ehre: Die Sitzbänke waren tatsächlich aus Holz. Fenster gab es keine – fuhr der Zug durch den Wald, mussten wir schnell genug die Köpfe einziehen. Für Proviant war reichlich gesorgt, an den Bahnsteigen warteten immer schon Frauen, die mit Körben auf dem Kopf Getränke und Snacks anboten und an der Handvoll Bahnhöfe entlang der Strecke wurde richtig gekocht. Wir hatten einen Riesenspaß auf der Fahrt. Auch die Einheimischen freuten sich über unsere Anwesenheit, wollten uns großzügig mit Nüssen und Obst versorgen, uns an ihrem Kartenspiel teilhaben lassen und sich mit uns unterhalten. In der Regel fahren Touristen in der etwas komfortableren Upper Class.

Und so sah die aufregende Fahrt live aus unserer Perspektive aus:

DIE PFERDEKUTSCHE

Ebenso wie die Eisenbahn sind auch die Pferdekutschen noch ein Relikt aus der Kolonialzeit und die an einigen Orten üblichen Transportmittel für kürzere Strecke innerorts. Teilweise sind es sogar noch wunderschön bemalte, originale Holzkutschen aus den 20er-Jahren. Während an den touristischen Hauptorten wie Bagan oder dem viel besuchten Pyin Oo Lwin die Kutschen schon eher zu einer Touristenattraktion werden, sahen wir in den abgelegenen Orten und außerhalb von Mandalay, dass die Kutschen auch für die Einheimischen oft das Transportmittel der Wahl sind.

DER OCHSENKARREN

Weniger als Personenbeförderungsmittel, dafür aber in großem Stil in der Landwirtschaft im Einsatz. Die Bestellung der Felder findet hier größtenteils tatsächlich noch mit dem Ochsenkarren statt. Gemächlich ziehen jeweils 2 mächtige Ochsen die hölzernen Wägen über die holprigen Straßen zu den Feldern, angetrieben und auf Spur gehalten mit einem dünnen Ast als Peitsche. Wir konnten gar nicht genug staunen, wenn wir diese in Deutschland längst ausgestorbenen Gefährte erspähten!

DAS FAHRRAD

An den touristischen Orten wie Bagan, Yangon, Mandalay oder dem Inle-See vermieten viele Hostels und Verleihe tageweise Fahrräder. Im Angebot sind größtenteils recht klapprige, chinesische Modelle, mit denen noch richtiges Entdeckerflair aufkommt 🙂 In Yangon würden wir eher nicht mehr Fahrrad fahren, durch den chaotischen Verkehr kamen wir auf dem Drahtesel mittendrin ziemlich verloren vor und auch die vielen Einbahnstraßen machen das Vorwärtskommen hier ziemlich unübersichtlich. Am Inle See haben wir eine tolle Tagestour am See entlang und zu einem Weingut auf dem Berg unternommen. Und in Bagan hatten wir für die Erkundung der antiken Pagoden 2 Tage lang das absolute Non-Plus-Ultra unter den Rädern: Ein Elektro-Fahrrad. Bei den heißen Temperaturen, die dort herrschten und uns bereits zum Sonnenaufgang beim radeln ins Schwitzen gebracht hatten, genau das Richtige.
Ach ja, Radeln mit dem Longyi will geübt sein 😉

 

DAS BOOT

Wir selbst sind nicht auf einem der Flüsse gefahren, weil es sich einfach nicht passend ergeben hat. Von anderen Reisenden hörten wir aber, dass die Strecken auf dem Ayeyarwaddy und den Thanlwin meist recht schön aber zum Teil evtl. etwas eintönig sind, da die Landschaften flach und die Flüsse jetzt in der Regenzeit sehr breit sind. Typische Strecken sind auf dem Ayeyerwaddy von Mandalay nach Bagan oder auf dem Tschaldwin zwischen Hpa An und Mawlamiayng.

 

DIE STRAßEN

Nicht jeder Kilometer, der befahren wird, hat den Namen Straße verdient. Die mit Abstand am besten ausgebaute Straße ist der Highway zwischen Yangon und Mandalay. Die meisten anderen Straßen sind ziemliche Schlaglochpisten. Rund die Hälfte der Straßen, die wir befuhren, waren asphaltiert, der Rest Kieswege und unbefestigte Staubpisten. Außerdem entdeckten wir die Kunst des langsamen Reisens nochmal neu: für 150 km sind wir geschlagene 8 Stunden Bus gefahren.
Eine Besonderheit ist, dass zwar Rechtsverkehr herrscht, die meisten Autos und Busse aber dennoch die Lenkräder auf der rechten Seite haben. Das hat seinen Ursprung darin, dass ein ranghoher Offizier einst übernacht landesweit den Verkehr von (seit der Kolonialzeit herrschendem) Links- auf Rechtsverkehr umstellen ließ. Angeblich, weil ihm von einer Wahrsagerin prophezeit wurde, dass er einmal auf der linken Straßenseite ums Leben kommen wird.

Kaum zu glauben, aber wahr: An einer der zahlreichen Baustellen konnten wir beobachten, dass der Straßenbelag hier noch VON HAND gelegt wird. In Akkordarbeit legten rund ein Dutzend Frauen große und kleine Steine passen zurecht, bevor diese festgewalzt und mit Bitumen übergossen wurden.

Auch sonst tummelt sich noch allerlei exotisches Gefährt auf den Wegen:

 

Oh, und ein Transportmittel hätten wir beinahe vergessen: das CHINESE HORSE. Das ist das wohl meist verbreitetste Fortbewegungsmittel für jedermann. Ein Auto fahren hier nur die wenigsten. Was dem Deutschen sein Auto ist, ist dem Burmesen sein Moped. Das "Chinese Horse" steht dafür für die Modelle aus China. Das sind die günstigsten auf dem Markt. Wer es sich leisten kann, fährt aber viel lieber Honda! 😀

(Wir beschränken uns hier auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Für den gehobenen Geldbeutel gibt es zusätzlich fast überall noch die Möglichkeit einen Mietwagen inkl. Fahrer zu chartern oder ins Flugzeug zu steigen-wobei der Besonderheitswert hier eindeutig abnimmt 😉 )